treu. Die bien ver> >se schien !" Papa chlängech er Miene rbrechmg in seiner Soup tzez ge Kms- mgeiaden gten dem r die be- über den daß der von Verben klein« afschrisien >hen." - iit seinen nrchirmgs- üibtr @t= rwari der verschränkt mb er die Mieris, en Werke den sind! Kaier zag miet bem ■ «panier bei Mengen verneinander «von, mit bers dein e VerveUe gt waren, verlausend 5 wär« ja zusammen r habe ich ir alle zuwerde dir ens, Rem- ri" meinte Laden des de, Ali« auf diesen hochachung rlles 3M tun nneni- egerinuiirr sili in der Einnahme eri Franis ni> Francs Schwieger- isgezeichM d' sind die mrgeriicher stier seiner mple wird oße Mckr läßt. Fragt antworten r im Sah h gehaiien Baiaiilons- i von Ach gemätde i» Schau und mit qleich,i ir bestellt schenkt efer Maler die Künstler ar als ien Werken Hoffmmg- Akt M e in Äeld- die elenden «ssterwerke , Gietzen, SiehenerKimilmibMer Unterhaltungsbeilage Zum Gießener Anzeiger Jahrgang (928 DiemLag, den 3. April Nummer 27 Ritter, Tod und Teufel. Bon Gustav Schüler. Reitest, Ritter, im Getoie Wirrer Schrecknis, wie km Mußt Eine Helle Eisenrose Ist das Herz in deiner Brust. Eingewachsen in die Bügel, Scharf das Kettenband ums Kim;, Wachsam starr gestraffte Zügel: Furcht hat für dich keinen Sinn, Borwärts. Ruhig. Schritt zu Schritte» Was du sollst, sagt dir dein Herz. Gestern so und heut geritten. Starrgeschmiedet, durch den Schmerz. Aber nichts von Furcht und Zweifel, Unverrückbar das Gesicht. Jene zweie, Tod und Teufel, Weißt du, aber siehst sie nicht. Mbrechl Durer in feinen Selbstbildnissen. Zu Dürers 400. Todestag am 6. April. Bon Wilhelm Schäfer. Die Gotit kannte das Individuum in unferm Sinn noch nicht, also auch keinen Künstler, der sich selber interessant genug zur Darstellung war. Der Lehnsbau der damaligen Welt nahm jeben mit gleicher Huld in seinen Dienst und erwartete von jedem gliche Treue; es war keine Mißachtung, sondern Ehre, daß die Maier wie die anderen Handwerker auch zur ehrlichen freien Zunft gehörten, nicht wie die Spielleute und anderes fahrendes Volk als unfrei und unredlich galten. Darum die Anonymität damals und heute die vielen Meister der altdeutschen Malerei, die wie der Meister von Meßkirch oder der vom Tod der Maria nach dem Standort oder Gegenstand ihrer Hauptwerk« benannt sind. Zwar suchen wir gern nach versteckten Bildnissen, wie etwa, wenn wir den Meister des Bamberger Reiters in dem Ornament des Kragsteins darunter entdecken wollen; aber eben dies, daß wir suchen, zeigt den anonymen Lebensstand des Künstlers an. In den Chroniken werden nur die Großen der Welt genannt, ober die etwas Besonderes angestellt haben; die Tat allein ist noch entscheidend für den Ruhm, nicht irgendein Können. Der Renaissance schreiben wir den Borzug zu, das Ich aus der gotischen Gebundenheit geweckt und damit die Neuzeit begonnen zu haben, in der neben seinem Werk der Künstler nicht nur bekannt ist, sondern oft genug als Persönlichkeit wichtiger genommen wird, weil die Psychologie nun eines der wichtigeren Werkzeuge des Historiographen wurde. Nach dieser Unterscheidung müßten mir scherzhafterweise den jungen Dürer der Neuzeit und den alten wieder der Gotik zuweisen; denn so viele Bildnisse er zuletzt noch malte und stach, sein eigenes ist nicht mehr darunter, während doch das erste Blatt überhaupt, das er selber des Aufbewahrens wert hielt, das bekannte Selbstbildnis des Dreizehnjährigen ist. Bon den Eltern beiden besitzen wir Altersbilder aus seiner Hand: das in mehreren Wiederholungen vorhandene Gemälde von 1497, auf dem der Vater in den Siebzigern, und die Kohlezeichnung von 1514, auf öcr die Mutter in den Sechzig«ni ist. Als Dürer dieses erschütternde Blatt mit der Kohle zeichnete, war er selber ein Mann von fünfundoierzig «ähren, der seine berühmtesten Stiche schon gemacht hatte und ein Meister öes Bildnisses ohnegleichen war, wie eben die Zeichnung dartut. Wir wurden ihn selber gern so gezeichnet sehen; aber er hat sich uns vor- enthallen, dem doch einige Jahre danach der Kaiser Max selber sah und «er ein Jahrzehnt vorher alle Möglichkeiten an ein Bildnis seiner selbst gesetzt hatte. Um so dankbarer müssen wir sein, daß er sich uns in seiner äugend so treulich darstellte. Das erste Bildnis ist eine Knabenzeichnung, mit dem Silberstift ge= ' &en Dürer nachher nicht mehr mochte. Wenn auch das eigentlich ^deutende daran der Umstand ist, daß er sich selber zeichnete, so sagt die ■Janttimng sowohl über ihn selber wie über seine Kunst schon Bestimmtes "b. Er muh ein zarter und feiner Knabe «gewesen fein; und gegen die bifh ta s ere(^ten Faltenpunkte auf der Federzeichnung jenes Marien- t ber Vierzehnjährige machte, ist hier noch alles aus eigener ”0, eben darum aber von jener Ratnrnähe, die der eine Wesensgrund ‘ feiner Kunst ist. Wenn man die 'Augen bedeckt — die dem Knaben im Spiegel genug Schwierigkeiten gemacht haben mögen — ist der Kopf überaus klar in der Form mit der lang gebogenen Rase und den ge« schürzten Lippen. Die geschürzten Lippen, aber nun fast trotzig aufgeworfen, sind auch auf der gerühmten Erlanger Zeichnung, die Wölfflin in di« Mitt« seiner Wanderschaft, also um das Jahr 1492 an setzt, und di« demnach die Erscheinung und die Fähigkeit des Einundzwanzigjährigen zeigt. Der Knabe war unterbeffen mit fünfzehneinhalb Jahren aus der Goldschmiedewerkstatt des Vaters in. die Lehre des Malers Michael Wohlgemut gekommen, hatte dort drei Jahre lang gelernt und war feit dem Frühling 1490 als Geselle unterwegs. Diesmal hat er die Feder genommen, und wir müssen schon ein Jahrhundert hinüber zu Rembrandt denken, um ein aus dem Augenblick hingestrichenes Bildnis wie dieses zu finden. Fast voll in den Spiegel blickend, Hai er nun auch die Augen gefunden, die mit dem trotzigen Mund, verstärkt durch die aufgestützte Haltung des Kopfes, den Eindruck einer ungewöhnlichen Kraft geben. Der Kopf selber ist viel gebnmgener geworden, und nur die ungewöhnlich langfingerige Hand erinnert noch an die Knabenerscheinung. Und dieses vielleicht noch, daß die neugierige Erwartung, zwar zur dramatischen Spannung gesteigert, noch im Gesicht steht. Die Frage darin hat bisher keine Antwort gefunden; aber dies Ist gewiß, daß der Frager ihr nicht ausweichen wird: Die Sucht und btt Kraft des Genies sind da, sich selber zu erwarten. Völlig verwandelt erscheint der Jüngling sodann auf dem Oelgemälde von 1493, also als Zweiundzwanzigjähriger. Dies allein, wie er den Stiel der Brachdistel umbiegt, damit seine Hände in guter Haltung auf da» Bild kommen, ist bezeichnend. Er hat keinen Eindruck notieren, er hat sich mit aller Umständlichkeit malen wollen, seine Kunst wie seine Erscheinung zu zeigen. Zweifellos ist er nun ein schöner Jüngling; und wenn gesagt wird, er habe das Stück zur Brautwerbung gemacht, so paßt alles dazu, „wie sich ein feiner Jüngling gar zierlich heraus geputzt hätte", um mit den begeisterten Worten des jungen Goethe zu sprechen. Weil die Stellung ziemlich mit der des Knabenbildnisses überein« stimmt, lassen sich die Bilder aneinander prüfen, soweit die Erscheinung selber in Frage kommt. Die Augen — dort kaum aus der Anschauung Snacht, sind nun auf eine Weise kühl abwartend, die nach der Erlanger ichnung sehr überrascht, als ob sich die Frage in ein frühes Selbstbewußtsein aufgelöst hätte. Die geschürzten Lippen sind immer noch da, und die Rase hat wirklich die gebrungene Form der zweiten Zeichnung erhalten. Das Bild als solches, „obgleich mit sehr dünner Farbe gemalt" (Goethe), ist wohlüberlegt und klar; eine Abrechnung mit sich selbst ist es nicht, viel eher jene Repräsentation, zu der es hat dienen sollen. Repräsentativ ist auch wieder das Bildnis von 1498, den Siebenund- zwanzigjährigen zeigend. Er ist unterdessen nach Nürnberg zurückge- kommen und Meister geworden, hat die Braut heimgeführt und eine rasche Fahrt nach Italien gemacht. Auch gilt er nun schon mehr als bet ober jener; er hat die Apokalypse geschnitten, von deren Ruhm schon ein Niederschlag in dem Bild ist: Der sich so gemalt hat, weiß, was er kann und was er vorstellt. Sein Gewand ist ausgesucht prächtig; sein Haar, das auf dem Bild von 1493 noch strähnig hing, ist jenes Lockengeringel geworden, das fortab seine Erscheinung am meisten bestimmt; und ein junger Bart umrahmt sein Gesicht, das nun wirklich schön und bedeutend ist. Die geschürzten Lippen sind immer noch da; die Augen indessen haben einen Blick, der sich auf die Dinge legt, als nähme er von ihnen Besitz. Ans der Reprösen- tation, so deutlich sie die behandschuhten Hände hält, ist doch eine Selbst« darstellung geworden, an der nichts so auffällig ist, wie daß der Erlanger Kopf außer dem seltsamen Blick keinen stärkeren Eindruck erhalten haben soll. Es ist das vierte und vorletzte Bildnis seiner selbst, das mir von Dürer besitzen; ihm folgt als letztes das Selbstbildnis in der Münchener Galerie, das seine Erscheinung durch ihre ins Ideale gesteigerte Schönheit zu einer der bekanntesten in der deutschen Welt gemacht hat. Es soll nach der Inschrift im 3a$re 1500 gemalt sein und Albrecht Dürer im acht- undzwanzigsten Lebensjahr barftelten, was aber schon nach der männ- lichen Erscheinung unglaubhaft und nach dem Datum selber unsinnig ist; denn auch im Frühjahr 1500 hätte er doch schon im neunundzwaiuigsten Lebensjahr gestanden. Da er sich im nämlichen Gewand auf dem Stofen« kranzbild non 1506 gemalt hat, wird diese Zeit wohl die richtig« fein, so daß wir ihn als Fünfunddreißigjährigen vor uns sehen. Dieses Alter hat immer als Mitte und Höhe des Lebens gegolten; und wahrlich auf dem Gipfel seines glänzenden Aufstiegs muß sich Albrecht Dürer gefühlt haben, als er das Münchener Bild malte. Schon, daß er sich in voller Ansicht gab, die Augen auf den Beschauer gerichtet, zeigt ein Selbstbewußtsein, dem kein Zweifel beikommen kann; und der Blick ist königlich ernst. So könnte er den Christ vor den Schristgclehrten gemalt haben, so mit lässiger Hand den Mantel haltend und so mit überlegenem Ernst ihren listigen Fragen begegnend. Auch wenn das Bild in einem besserem Zustand wäre, würde nicht die Malerei selber seine feierliche Wirkung ausmachen können; es ist die Auffassung, die Steigerung seines Menschenbildes zur „christusgemähen" Höhe, die es nicht nur von den übrigen Bildnissen Dürers unterscheidet, die etwas anderes als nur ein Bildnis daraus gemacht hat, fo daß die Beziehung zu dem Christus- kopf auf dem Schweißtuch der Veronika gar nicht soweit hergeholt scheint. Er hat dieses berühmte Blatt im Jahre 1513 gestochen, also mit zweiundvierzig Jahren; und wenn ihn seine Gläubigkeit gewiß gehindert haben würde, den Heiland nach seinem Spiegelbild zu stechen: wir brauchen den Augen des Münchener Bildes nur die schmerzliche Erfahrung zu geben, die uns aus dem Gesicht des Schweißtuches anblickt, und die Beziehung ist unabweisbar da. Aus der königlichen Ruhe des Bildes könnte die göttliche Schmerzüberwindung des Stiches geworden (ein, weil auch darin schon die Ahnung des Menschensohnes war. Wäre hier ein Grund zu finden, daß wir kein Altarbild von Dürer besitzen, der doch gegen das Ende seines Lebens so viele Bildnisse machte? Es kann nicht Zufall, es muß schon eine Hemmung in ihm selber gewesen fein, daß er die Reibe seiner Selbstdarstellungen so früh abbrach; und die Steigerung darin weist selber darauf hin. Könnte nicht schon der Knabe auf der ersten Silberstiftzeichnung so im Tempel sitzen? Ist in den Augen der Erlanger Zeichnung nicht etwas von der Frage zu spüren, die in den Augen auf dem Schweihtuch beantwortet wird? Sollte es nur Eitelkeit gewesen sein, die seine eigene Erscheinung in allen Bildnissen so sichtbar überhöhte? Oder hätte die vielbemerkte Medaille des Bildhauers Hans Schwarz recht, die uns dennoch den alten Dürer drastisch genug mit den Spuren seiner magyarischen Herkunft zeigt? Hat er mit achtundvierzig Jahren wirklich fo ausgesehen, wie die Platte von 1519 sagt? Dann käme die Erlanger Zeichnung mit gewissen Derbheiten vor den gemalten Bildnissen zur Geltung: dann wären diese auf Kosten der Aehnlichkeit idealisiert gewesen, auch darin, daß seine Erscheinung nicht nur rassiger, sondern auch lebhafter gewirkt Hobe, als er sich selber sah oder sehen wollte. In den Briesen an P i r k h e i m e r aus Venedig stehen Dinge genug, die danach klingen; und die leidenschaftliche Klage um Luther in seinem Tagebuch der niederländischen Reife ist auch der Art. Die Augen, die auf dem Münchener Bild so königlich blicken, müssen dann gesprüht haben und die geschürzten Lippen gelacht. Das Christusgemäße hätte sich also ein Mensch abgerungen, dem es nicht in die Wiege gelegt war. Dann aber wären jene Augen, die auf dem Schweißtuch der Veronika so aus der Tiefe der Kreatur blicken, erst recht seine Auge» und also die einer großen und über das Menschliche hinaus greifenden Zucht gewesen. GedenkbLatt für Dürer. Von Walther Petry. Den wir hier meinen, Albrecht Dürer, und zum Gedächtnis wollen porträtieren, ist eine der größten Gestalten seines Volkes, nach innen gekehrt, unermüdlich aber zum Aeuheren ringend, der Meister eines Werkes, das feine unsterbliche Darstellung gibt, das kaum Grenzen hat, dessen Tugenden auch den stumpfen Augen nicht können verborgen bleiben, denn sie reden mit allgemeiner aufschliehender Sprache. Ist er ein Wanderer und Sucher wie viele, so doch ein Finder und Gründer wie wenige, schaffend am unverweslichen Besitz, der noch spätere Zeiten, weichere und lästigere, kernen und salzen wird mit dem himmlischen Salze, davon niemals zuviel sein kann. Sein Lob zu singen, bin ich nicht bestellt und was verschlägt meine Stimme in dem Chor, der mächtiger wird durch die Jahrhunderte? und so niemand mehr die Stimme der Jünger und der Geschichte hört, aber noch Augen in der Welt sind und unverletztes Empfinden von Schönheit, werden die Werke eines zum andern singen den Lobgesang ihres innigen Meisters. Albrecht wurde am 20. Mai 1471 in Nürnberg geboren und es wird berichtet, wie die Wehfrau, ihn tragend durch die Werkstatt feines Vaters, der ein Goldschmied war, und der Neugeborene eine goldene Kette, die der Vater hielt, greifen wollte, prophezeite einen prächtigen und erhabenen Wandel; dies ist eingetroffen, wiewohl anders, als der Worte Sinn war. Albrecht, in der Lehre seines Vaters, wurde Goldschmied, bewies auch früh eine große Künstlichkeit im Schmieden und Knüpfen, entwarf auch die Geschmeide, ehe er sie bildete so fein auf Papier, daß der Meister Wohlgemut, der Maler, es bewunderte und ihn fünfzehnjährig in die eigene Werkstatt nahm. Albrecht war hochgewachsen, feingliedrig, mit blondem zierlich in Locken gehaltenem Haar, gewandten und tüchtigen Leibes, guter Gemütsart, aber einem Hang zu tiefem verlorenen Sinnen, daraus er wie verwandelt erwachte. Innig in der Arbeit, sanken ihm plötzlich die Hände und er horchte, als kämen Stimmen aus der Ferne, ober bildeten sich Gesichte in der leeren Luft. Dies wurde zur Unruhe, zur Verdüsterung, es zehrte an ihm, wiewohl ungestalt, eine Sehnsucht; auch schienen ihm die Stadtmauern «mengend, die Gassen düster und man sand ihn oft, wie er vom Südhang hinunter ins Weite suchte, hingegeben dem Gang der Wolken und Vögelflug. Begann die Wanderschaft, die ihn immer wieder von Nürnberg ausführte, immer wieder ihn aber rück- kehren ließ in die vieltürmige, hügelaufgelagerte Stadt seiner Geburt. Dies ist der Jüngling, wie er durch Kalmar und Basel kam, und sein erstes Selbstbildnis ihn zeigt: reich, doch nicht üppig gewandet, im verbrämten Uebcrrourf, in der Hand, es bedeutsam vorweisend, die blaublühende Blume Mannestreue genannt, mit mädchenhaft reinem, frei herblickendem Antlitz, ernst und gehalten, mit natürlich fallenden Locken und purpurnem Mützchen; die Jahreszahl ist 1493; die Inschrift, mit feinen Lettern im Hintergrund gemalt „Mein Sach die Geht, wie es oben steht". Heiratet nach der Rückkehr Agnes Frey; eröffnet eine eigene Werkstatt, malt Altarwerke und Gedächtnistafeln, dazwischen immer wieder mit Lust die Natur, wie sie sich darstellt, die Drahtziehmühle, eine offene starke Landschaft mit weitem Hinblick. Sticht auch in Kupfer und schneidet in Holz, so die Bebilderungen des heiligen Buck)es, das ihn vor allem er. griff: die Offenbarung Johannis, weil aus ihr gleichzeitig sprach die tiefe Wahrheit der Verkündung und gestaltenreich die entführende reiche Pham tafie. Er ist Mann geworden, Hausvater und Sorger für eine große Familie, fest gegründet im Leben, dem er sich unablässig schaffend gegen- über stellt; ob träumend oder wachend immer zur Figur gewendet, zum klaren Umriß, zum deutlich Gestaithasten. Geht 1505 wieder davon, über die Schweiz nach Italien hinein nach Venedig, wo fein Genie, abwerfend jede Fessel, sich reich ergänzend am Neuen groß sich öffnet; er malt und geht herum und spricht mit den Meistern, sieht und empfängt, bewahrt und wendet es an, kommt zu Bellini, der schon alt ist, und zieht, da er dieserart des Neuen froh wird, sehr erstarkt im Können und Fühlen des Schönen, weiter nach Padua, weiter nach Bologna und lernt hier die Dinge in ihrem Aufriß zu geben, was man Perspektive nennt, darin er bald unübertroffen ist, und wendet dann wieder nach der Heimat. Jetzt in der Mitte des Lebens und der Kunst, geehrt, Ratsherr, mit vielen Großen in Verbindung, aus vollem inneren Vorrat schaffend, ist er erft jetzt, als den wir ihn nannten, Albrecht Dürer, der deutsche Meister geworden. Er ist in Freundschaft mit Rasfael, und arbeitet für Kaiser Maximilian, der ihn zum Hofmaler ernennt, sein größtes Holzschnittwerk: Kaiser Maximilians Ehrenpforte, ein heilig treues Denkmal, und schmückt auch dessen Gebetbuch mit Ornament und Figur. Man kann Malwerke und die gestochenen und geschnittenen Werke, darin schon Geschlechter blätterten und weiterblättern werden, nicht mit Worten veranschaulichen, wie denn auch dieser Versuch nicht anderes als die ehrwürdige große Gestalt des Künstlers meinen kann, eine Gestalt, die nun in seltener Fülle, was nur deutsch ist, vereint zum lebendigen beispielhaften Bestände, da alles, was zeitlich daran war, die Zeit längst tilgte und nur das Dauernde blieb, das Anrührende über alle Entfernung weg, das Sinnbild in der Figur, das rein gesprochene gelebte Wort Gottes. Dieserart empfinden wir das Selbstbildnis von 1500, bekannt und gerühmt, wie er da, gerade zum Beschauer gewendet, streng im Aufbau des Bildes, im milden gleich, müßigen Licht das Antlitz eines Menschen zeigt, der schön gebildet, mit sinnenhaftem Mund, in den Augen aber den Blick des sinnenden Geistes, der ihn aus allem diesseitigen Wandel immer wieder verweist auf die Spur des Ewigen, und er folgt und wandelt in feinen Fuhstapfen! Solche-art ist er ein Bürger der Erde, reich und auskömmlich im Be- fitz, in Pelz und edler Haltung, der Meister der Gemälde des vater- städtischen Rathauses, bestätigt mit hoher Ehrung bei der ftoifertrönung in Aachen von Karl V. als Hofmaler, der Freund Melanchthons, Hans Sachfens, und wiederum mehr als dies alles — obwohl es viel ist und kaum je in einem Sieben zu erreichen — der Stecher der großen symbolischen Figuren: des Glücks, und Ritter, Tod und Teufel und der Me- lancholeia, ein Erfinder von Phantasiereichen, ein treuer Bildner von Visionen, ein Gedankenvoller, Sinnender, tief im Fluß der Mythologien und auftauchend mit Schatzstücken in den Händen, von denen niemand mehr wußte. So arbeitet er fort und stellt eines der Werke neben die andern, mehrend der Welt unverlierbares Gut, in vielen Stunden wie fein Hieronymus im Gehäuse niedergebückt auf seine Aufgabe, nur das wenige Werkzeug in der Hand und nur von der Treue des Gefühls geleitet, wohl nicht, daß feine Schwelle von einem Löwen bewacht wurde, so doch von dem unsichtbaren Engel, der hütet die reine Hingebung; die Unschuld des Zeugen, die Treue und die Wahrhaftigkeit. Eine Anekdote, der man am ehesten zutrauen könnte, daß sie „wahr' fei, berichtet folgendes Begebnis: In Albrecht Dürers Haus faßen Nürnberger Künstler beifammen und lauschten Herrn Willibald P i r k h e i m e r, der lustige Stücklein erzählte. Eines davon berichtete von dem Meister Gio11o, zu dem der Papst einen Häsling gesandt hatte, er möge ihm eine Probe feiner Kunst geben, ob er würdig sei, die damals neuerbmite Peterskirche mit Fresken zu schmücken. Der Höfling war schon bei manchem Maler gewesen, und jeder hatte ihm gar Kunstreiches mit auf den Weg gegeben. Giotto aber nahm einen Bogen und tauchte den Pinsel in die Farbe. Ohne auch nur gbzu- setzen, beschrieb er dann aus freier Hand einen fehlerlosen Kreis. Der Höfling erklärte, dies fei keine hinreichende Probe von Mottos Kunst, Der aber erklärte: „Keiner der Meister, die Euch Proben ihres Könnens gaben, kann dies!" Der Höfling nahm daraufhin das Blatt mit und legte es neben anderen Werken dem Papste vor. Der war Kenner und ent- schied, Giotto sei der geschickteste Maler und sei berufen, die Peterskirche auszumalen. — Manche der Künstler meinten nun, wenn der Papst den Kreis mit dem Zirkel nachaemessen hätte, er hätte manche Abweichung gesunden. Dürer sagte kein Wort, stand auf, nahm aus dem Kamin eine Kohle und beschrieb aus freier Hand auf einem Bogen Papier einen Kreis. „Nun holt den Zirkel! Kein Fehler wird dran sein!" Und tatsächlich, der Kreis wurde beim Nachmesfen als vollkommen einwandsrei befunden Willibald Pirkheimer bat den Freund, er möge ihm das Blatt zum Am gedenken schenken, und er schrieb darunter den Vers „Albrechts fehlerloser Kreis, wenn auch nur mit Kohle gezeichnet, Norifche Jungfrau^), erglänzt dir an den Fingern als Reif." Albrecht Dürer starb 1528. Auf dem Johanniskirchhof in Nürnberg findest du [eine Grabstätte. Ueberall aber ist zu seinem eigentlichen Leven der Zugang. Wir wollen wohl nicht loben, müssen aber danken. 2MI war ein Genius, nicht furchtbar schweifend wie andere, nicht aus den stan-n des Mantels Dämonen und Larven schüttelnd, sondern, wo er die maw fand — und sie verbarg sich ihm keinen Augenblick — ihr gehorchend, einen ehrsürchtigen Platz in seinem Werk bereitend, das darum tz/em innig und stärkend nährt, das immer auf gegründetem Boden wag» > seine Wurzeln hat wie seine reiche ausbreitenbe Krone, darunter v>° Landschaften hingehen, viel Gestalten und alle Kreatur und keines emzei vielmehr in einigem Verband, das Irdische und das Himmlische, der , Halm und der Flügel der toten Blaurake wie die Madonna, der Herr > der Schimmer des Strahlenkranzes um ihre Häupter. *) Im Nürnberger Wappen die Jungfrau. star!e bei in m er- e liefe Phan- große gegen- t, zum i, über »ersend ilt und ernährt da er en des ier die irin er t. Jetzt yielen er «rft ter ge- Kaiser ittoerf: chmäckt alwerkc hlcchter glichen, >he Ge- : Fülle, nde, bo auernbe in der ipfinben , gerade i gleichbet, mit Geistes, auf die iftapfenl im Be> s vater- krönuntz s, Hans ist und fymbo. der Me- ner von hologien niemand eben die iben wie nur das ühls ge- t wurde, ung; die „wahr' inen und erzählte, pst einen leben, ob ’sten zu und jeder ier nahm mr gbzu reis. Der >s Kunst, Könnens und legt« und ent üerskirch« stapft den iweichun? imin eine ten Kreis, chlich, der befunden, zum An. chnot, Nürnberg )en Leben en. D-eser >en Falte» die Natur -chend, ihr unter vm es einzeln, der Gras. Herr u"6 Frau Agnes« Albrecht Dürers Gemahlin. Bon Walther Appell, Plauen. Wir wissen von Künstler- und namentlich von Maler-Ehen, deren beide Partner einander so ideal ergänzten, daß aus ihrer tiesinnersten Harmonie weit über das Persönliche hinaus der Kunst für alle Zeit unauslöschliche Bereicherung wurde. Die bekanntesten Beispiele sind: Rembrandt und Saskin (nach deren Tode bann Hendrickje Stoffels), Rubens und Helene Fourment — aus unfern Tagen Corinth und seine aus dem greis der Schülerinnen zur Gattin erwählte Charlotte Berend. Auch an Botticelli und die Simonetta, sowie an Raff ael und die For- narina dürfen wir hier erinnern, wenngleich deren Verbindung die standesamtliche und kirchliche Weihe fehlte. Alle diese Frauen waren den Künstlern, die sie zu sich erhoben hatten, mehr als nur Gattinnen und ®eliebte, mehr als die Mütter ihrer Kinder und die Verwalterinnen ihrer Häuslichkeit und Wirtschaft. Sie waren ihnen Mitarbeiterinnen in jenem höchsten Sinne, daß beide Teile wahrhast Gebende, dem gemeinsamen hohen Ziel Dienende sind. So daß die Lebensgefährtin am Schaffen des Mannes einen recht wesentlichen, nicht wegzudenkenden Anteil hat. In einer solchen Jdealehe scheint Albrecht Dürer mit seiner Agnes nicht gelebt zu haben, trotz aller geflissentlichen Versuche, die Sache so ober doch so ähnlich darzustellen. Aus Durers Schriften, die uns in großer Zahl erhalten find (Briefe, Tagebücher ufw.), können wir unschwer lesen, daß seine Ehe nicht sonderlich herzlich gewesen ist. Gewiß mag bas In den späteren Jahren daran gelegen haben, baß ihr Kindersegen versagt blieb, — aber schon die Eheschließung hat sich in Formen vollzogen, bic immerhin Schlüsse zulassen und Einiges, das sonst verwunderlich sein mühte, verständlich machen. Auch wenn wir schließlich weitgehend die ßitien der damaligen Zeit berücksichtigen, könnte man sich doch denken, bah ein so überragender Künstler wie es Dürer war, in der wichtigen Angelegenheit seiner Brautwahl mehr eigene Initiative und mehr eigenen Willen geltend gemacht hatte. Statt dessen scheint die Werbung mehr ober weniger gang von seinen Eltern für ihn vollzogen worden zu sein. Wie sehr der 23jährigc, eben von der Lehr- und Wanderzeit zurückgekehrte Albrecht dabei ausgeschaltet worden ist, beweist die Tatsache, daß er dem Vater zur Unterstützung der Werbung ein Selbstbildnis von sich malen mußte. Daß er persönlich überhaupt nicht viel in die Angelegenheit hat hineinreden dürfen, geht auch aus seiner Aeußerung hervor: „Als ich heimgekommen war, verhandelte (I) Hans Frey mit meinem Baier und gab mir seine Tochter Agnes, und mit ihr 200 Gulden." Nach einer Neigungs- ober gar nach dein Musterbeispiel einer Liebesheirat lieht bas alles wirklich nicht aus. Und das Bestreben, um der Jbealgestalt des deutschen Künstlers Albrecht Dürer willen nun auch alle seine Einzelheiten seines Lebens zu idealisieren, ist zwar verständlich, aber im Grunde doch unnütz und überflüssig. Mit klarem Bekennen besten, was eben nicht anders war, kommen wir in jeder Hinsicht viel weiter als mit Beschönigungen. Brav und getreu hat Frau Agnes mit ihrem Manne, und wohl auch allein, auf den Messen und Märkten dessen Holzschnitte und Kupferstiche feilgehalten. Und sicher hat sie auch daheim vieles nach bestem, ehrlichstem Willen getan, um ihm die Häuslichkeit behaglich und angenehm zu machen. Aber nach allem, was wir von ihr und über sie wissen — ober zwischen den Zeilen der Dürerschen Aufzeichnungen lesen müssen —, hat thr doch jeder höhere Schwung, jeder Zug zum Großen gefehlt. Und daß sie Dürer „nur" Gattin und Hausfrau sein konnte, während er um feiner Künstlerschaft willen doch mehr erwarten durfte, das mag jene Kühle erklären, mit der er meist von ihr redet. In den Briefen, die er von seiner zweiten italienischen Reise, nach rund zehnjähriger Ehe, an Pirk- Heimer schickt, ist von Agnes erstaunlich wenig die Rede. Zwar heißt es einmal: „Ich wundere mich, daß mein Weid so wenig schreibt, — mein, ich Habs verloren," — aber im übrigen bittet er den Freund und Gönner nur mehrfach, ihr gut zuzureden „wegen seines langen Wegbleibens", ober ihr etwas Geld zu geben. Einmal heißt es freilich auch ausdrücklich: „Ihr bürst meinem Weibe und Mutter nichts leihen. Sie haben jetzt genug." In die Niederlande, fünfzehn Jahre später, hat er sie dann mitgenommen. Es muß aber auffallen, daß er sie, namentlich was die Einnahme der Mahlzeiten betrifft, mehr auf die Stufe der Magd stellte als auf seine eigene — was doch nahegelegen hätte selbst im Falle der häufigen Einladungen bei Vornehmen und Auftraggebern. Es muß schon etwas Besonderes barum gewesen fein, wenn er schier großmütig betont: „Auch wit meinem Weibe hab ich weder einmal gegessen." Anderwärts heißt es fachlich und aufschlußreich: „Ich bin mit dem Wirte eins geworden, daß ich mit ihm esse und für das Mahl zwei Stüber und für das Trinken yira zahle. Aber mein Weib und meine Magd mögen heroben in der Eriche essen." Und als ihr einmal das Mißgeschick passiert, daß man ihr stuen Beutel stiehlt, hebt er nicht nur hervor, daß zwei Gulden — und ein paar Schlüssel — darin gewesen, sondern daß auch der Beutel selbst einen Gulden wert gewesen sei ... Es wird behauptet, und das mag in der weiteren Auswirkung die llrfache für alles andere gewesen fein, Frau Agnes wäre nicht nur streng, fonbern außergewöhnlich eifersüchtig gewesen. (Wozu sie, wir kommen rrrcht um diese wahrheitsgemäße Feststellung herum, auch allen Grund Schabt zu haben scheint.) Das soll sie beispielsweise zu dem strikten Der- °°t veranlaßt haben, daß ihr Mann für sein Kunstschaffen keine anderen weiblichen Modelle als sie selber wählen durfte. Und wirklich spricht manches dafür, daß es tatsächlich so war. Der Kunst, vorwiegend der deut- fchen, hätte Frau Agnes damit einen schlechten Dienst erwiesen. Es ist ja ■wannf, daß die deutsche Kunst jahrhundertelang kein eigenes Schönheits- aeal gehabt hat, sondern sich das der griechischen Antike ausborgen mutzte. *™«r wäre bet Künstler gewesen, in dessen Werk alle Voraussetzungen « geben waren, die tastenden Anläufe seiner Vorgänger zum allgemein .Raunten Idealbild der deutschen Frau zu festigen. Das hätten in A,.r. Lrnie die Verbreitungsmöglichkeit und die — infolge ihrer leicht- i',BUajen Bildhaftigkeit — große Popularität feiner graphischen Blätter zuwege bringen können. Aber Frau Agnes war dafür nicht bas geeignete Modell. In der „Großen Fortuna" (als Glücksgöttin auf schwebender Kugel) präsentiert sie sich als ältliche Person von unschönen — und offenbar schon immer unschön gewesenen — Körperformen. Es kann kein Unrecht gegenüber Dürer ober seiner Agnes sein, wenn wir überzeugungs- gemätz sagen: es erscheint beinahe tragikomisch, für «in solches Thema, das geradezu nach einem hinreißenden Inbegriff weiblicher Schönheit und Wohlgestaltetheit verlangte, kein anderes Modell gewählt bzw. gestattet zu haben. Einige Beurteiler wollen die Tatsache, daß Dürer unter diesen Umständen nicht ganz auf die Ausführung der Arbeit verzichtete, mit einem boshaften Galgenhumor erklären. Das hat manches für sich — die Mängel in der Körperlichkeit der Agnes sind gar zu wahrheitsgetreu und ungemildert wiedergegeben. Mehr Dank hat sich Dürers Gattin in einem andern, nicht weniger wichtigen Bereich um die deutsche Kunst verdient. Dürers noch ihr gemalte Madonnenbilder sollten bis in unsere Zeit als der Typ der deutschen Marien-Auffassung und ihrer künstlerischen Darstellung gelten. Ich habe es schon früher einmal als Dürers Verdienst bezeichnet, datz er der immer umrdischer und verklärter (damit aber auch schwerer begreiflich) werdenden italienischen Madonnen-Malerei eine erdhaste, erdgebundene Heilandsmutter entgegensetzte. Er hat damit nicht nur der deutschen Kunst und dem deutschen Glauben, sondern ganz allgemein dem deutschen Wesen einen glücklichen Dienst geleistet. Es darf darum kein Vorwurf, sondern muß ein Lob {ein, wenn gesagt wird, seine Madonnen sähen alle aus wie ehrsame Nürnberger Bürgersfrauen. Man kann diese Begrenzung sogar noch enger ziehen und sagen: sie sehen alle aus wie — ihr Vorbild — Agnes Dürer geborene Frey. Und obwohl Agnes nie Mutter war, scheint sie doch sehr mütterliche Züge gehabt zu haben, die in der künstlerischen Gestaltung Albrecht Dürers noch uns Heutige zu packen vermögen, und zwar nicht nur künstlerisch, sondern auch rein menschlich betrachtet. Wir können diese Beobachtung an der Mehrzahl von Dürers Madonnen machen, ob sie nun gezeichnet, radiert, in Holz geschnitten ober gemalt sind. Seinen stärksten Ausdruck erreicht das, woran wir denken, in dem Bild „Die Anbetung der Heiligen drei Könige" (Uffizien, Florenz). Da ist die Maria vielleicht am deutlichsten als Frau Agnes zu erkennen. Und wenn sie auch nicht im Körperhaft-Sinnlichen hinreißend schön ist, so ist sie es doch unstreitig in der vertieften und verinnerlichten Mutterbestimmung — in der Gipselung und Erfüllung zielklaren und naturnahen, oder anders gedeutet: reinen und begnadeten Frauentums. War also Agnes auch keine Fornarina oder Saskia, die ihren Künstlergatten zu himmelstürmenden Apotheosen begeisterte, so traf es sich doch gut, daß sie ihm in dem, was ein Hauptteil seines bleibenden Werkes werden sollte, vieles sein und geben konnte. Es wäre Unrecht, um ihrer anderweitigen Fehler mitten den Anteil, den sie dennoch an Dürers Schassen hatte, verkleinern oder gar nicht werten und wägen zu wollen. Und wenn wir sie schon mit den andern verglichen, so sei zum Schluß noch ein versöhnliches Moment angeführt: eine Saskia war sie auch in der Hinsicht nicht, daß sie durch Putz-, Genuß- und zügellose Verschwendungssucht ihren Mann bankerott gemacht und damit seine Schöpferkraft vorzeitig gebrochen hätte. Dürers Erlebnis. Von Wilhelm v. Scholz. Es war ein heller Herbstsonntag, an dem der Meister Albrecht Dürer in Nürnberg besonders froh und rein gestimmt, fast feiernd, die Nachmittagsstunden um sich vergehen ließ. Eine Post aus Italien war angelangt, die ihm aufs neue seinen dort wachsenden Ruhm, die verehrende Anerkennung der großen Meister jenseits der Alpen bestätigte: daß ihn warmes und schwelgendes Erinnern an Venedig überkam und an das Land, das nun für' fein übriges Leben nur noch innerlich in ihm fein würde. Klares, goldenes, dankbares Lebensherbstgefühl war wie Zauber- nebel aus feinen Künstlererinnerungen aufgeftiegen und umhüllte ihn lange. Am Vormittag, den er arbeitend an einer Kupferplatte verbracht, hatte er zwei neue schöne und ehrende Aufträge erhalten, die ihm mit besonders schmeichelhaften Worten vom Rate der Vaterstadt überbracht wurden. Und noch nicht zum Firnissen trocken genug, für ihn noch strahlend von der seelischen Wärme, dem geistigen Licht, die jeder Meister eine Zeitlang nach der Vollendung aus seinem Werke kommen fühlt und sieht, von dem unirdischen Nachleuchten der Schöpfung selbst, das seinem Auge später in das Werk zurückschwindet, um dessen stille und dauernde Seele zu werden — stand in seiner Werkstatt auf der Staffelei eins seiner herrlichsten Gemälde, dessen Größe er selber demütig-stolz fühlte, das Aller- Heiligenbild für Wien. Seit er in diesem Ueberschwang, den Schaffenskraft und -freude in der beginnenden Vollendung annehmen — wenn die gespenstifch-göttliche, aus überwundenen Qualen, verebbter Unraft, aus Wirrnis bedrängender Fülle und dem Aufruhr lähmender Leidenschaft endlich geborene letzte Leichtigkeit di« Hand überkommt; seit er in diesem Ueberschwang sein Künstlerzeichen auf die fertige Tafel gesetzt, lebte die Schöpferarbeit noch um ihn, wie ein schöner Nachttraum beseligend durch die wachen Stunden mit uns geht. Daraus kam ihm der seltene Friede seiner Tage, der ihn bann für kurze Zeit aus dem ehernen Zwang des Schaffens in die heitere Freiheit des Ausruhens, aus der Kälte erstiegener eisiger Hohen in die behagliche Wärme der Niederung, aus dem Großen in das lang versäumte Kleine entließ, das jedem deutschen Meister genau so voll ewigen Ledens ist wie das Große und von ihm gestaltet sein will; nach dem er manchmal sehnsüchtig aus den Himmelswolken hinabgeschaut, wenn ihn der Genius emporritz, wie der Knabe von der Schulbank nach dem Spiel- und Tummelplatz unter der Linde. Wie behaglich-ruhig, sich in die kleinsten Einzelheiten verlierend, konnte der Meister letzt, nach der Vollendung des gewaltigen Bildes, wieder mit dem SUberftift zeichnen, mit dem Stichel die Platte ritzen; wie lebendig-liebend sah er wieder die Tiere, die täglichen Geräte, den Grashalm, das gerippte Blatt am Baum! Er war recht ein beschaulicher I empfand. 0 o -_______________________ '— — 1 .Ltzsl, "Hück und Berlag: BrÄhk'fche LrntverfitSts.Duch- und Tteindruckerei. R. Lange, verantwortlich: Dr. Hans Thyrtot. Ewigen erhoben hatte. . - Dieses Erlebnis war die Krönung jenes Herbsttages Pir j Dürer, bitterer vielleicht, als er sie erwartet hatte, aber auch! ne,er fruchtbarer. Trotz aller Ungerechtigkeit gegen ,em Leben und> «qan mit dem es ihn im Augenblick der Erschütterung tauschte, wa» «L als er sich wie natürlich am nächsten Tage wieder ganz aus s«" ‘ gesammelt hatte, zum dauernden Besitz. Es führte ihn, inhem। e»g^ das Vergängliche noch tiefer lieben, ja ersehnen lehrte, zur hocht seiner Klinst, zu>n Unvergänglichsten, das er geschaffen. Innig umarmte er den alten Jugendgenossen, als der um i nacht das Haus verlies, unten am Tor. Und es ist mcht 3“ I’« U von den beiden in diesem Augenblick mehr Demut vor dem gefühlte Schmeichele! seiner unschuldigen, kindlichen, verborgenen Kiinij. lereitelkeii und schien ihm — weil das andere. Greifbarere, was der Tz, gebracht, ja audj noch da war — eine Zeitlang wirklich als die abendiiK, Krönung alles Guten, was gekommen. Aber dann erwuchs ihm aus di,, fem VeMche noch ein ganz anderes, neues und seltsames Erlebnis, da« ihn lange nachher beschäftigte und aus seinem späteren Lebensgefühl nie mehr wich. Wie Dürer ben halb vergessenen und jetzt stark gealterten, der Weit in der er, der Meister, lebte, ganz unbekannten einstigen Jiigend- und Kunstaenossen, der zu ihm sprach, ansah, da flog es mit einem Gefühl von Dankbarkeit, nicht von Ueberhebung, aber von freudigem Stoty, durch seinen Sinn, wie anders sein eigenes Leben aufwärts gegangen sei, wie er selber ein großer Maler und jein Name berühmt geworden, und wie er nach seinem Tode unvergessen und geehrt bleiben werde, und bii Arbeiten -einer Hand noch nach Jahrhunderten begehrt und berounbetl __all das, was der Hemmerle unbeholfen und stockend gesagt, was ab« nun nachträglich erst ganz zu seinem Bewußtsein kam, als er den ander« auch um sein Leben fragte, das still ins Alltägliche eingegangen mar. Soviel wußte er schon aus den Worten des Würzburger Gastwirts: bas konnte ja auch nicht anders sein, da er sonst von ihm gehört und et, fahren haben würde. Da erzählte nun der Hemmerle einen bescheidenen, stillen, alltäglich« Lebenslauf, 'be mes, trotz des einen großen Verzichts auf die Kunst, doch nicht an Glück gefehlt hatte, in dem eine geliebte Frau und liebe Kinder roaren und manches durchwanderte Land, Flüsse, Seen, Gebirge unter dem ewigen Himmel mit Sonn« und Wolken; der auch von Leid heim, gesucht war, von Krankheit und Todesfällen, sich aber nach jeder Rieder, beugung immer wieder durch freudige Arbeit und Tätigkeit ausrichtete: der ganz erfüllt und beseelt war von dem, was alle erleben, der z« beicheidenem, auskömmlichem Wohlstand inmitten guter Freunde und Nachbarn geführt hatte und nun für die letzte Dauer dieses Erdenjeim eingemündet war in ein behagliches, altes Haus und einen kleinen Gart« am strömenden Main und in den stillen Altersfrieden des nicht mehr ringenden Üeberwundenhabens. Während dieser lebhaft vorgebrachten Erzählung, die viel wenim stockend' vonstatten ging als die wohleinstudierte Lobrede und das Ee ftändnis der verjährten Jugendliebe und -Verehrung, ward es Tür« immer zumute, als fei er, 6er reiche, große, berühmte Meister, er, der Un> sterbliche, viel ärmer und von den wahren Gütern des Lebens »tel ck getrennter als dieser schlichte Mann, mit dem all sein Erleben, Denk« und Tun zu Grabe gehen, an den mit innerlicher Nähe vielleicht noch eto paar Jahre eine alternde, einsame Witwe denken würde, und besten fimbir nach rasch überwundenem Schmerz vielleicht erst dann seiner mit Rch ntnn sich erinnern würden, wenn sie, selbst alt geworden, plötzlich len gealtertes Auge im Herzen wiedersehen müßten. Eine stille Demut siq in Dürer auf vor diesem Manne, den er dem Wesen alles Srbiidw der Vergänglichkeit, soviel näher fühlte als. sich selber. Ruhm und Ehk toienen ihm so nichtig neben diesem einen, das der andere hatte: freubigi Vergänglichkeit. Das' Schaffen wohl, das schien ihm auch jetzt, das |<: ein Glück und «ine Gnade — obwohl es ihn mehr als die Hälfte je« Lebens vom Dasein abgezogen hatte, daß er in ihm das kostbare W die Zeit, nicht tnehr batte verfließen fühlen und sie hatte unangeM hinschminden lassen, die nun unwiederbringlich vorüber war. Aber M ibn das Schaffen nicht in Abhängigkeit von den Mensthen gebracht, dem Lob er brauchte, nach deren Sinn und Aufträgen er schaffen mußte, dem kleinliche Mängel und Schwächen er kannte, die er als Menge veracht« und die doch gerade als die ruhmschaffende, ruhmtragende Menge sm Herren waren? Aber das war es nicht jo sehr! Das andere war es,» immer wieder hochkam: daß er mehr als die Hälfte seines Lebens M elbst gelebt, sondern daraus ein Leben für die anderen geschaften Mitt, das nach ihm sein würde, wenn er keinen Teil mehr hätte daran, Ms er fid> und der Vergänglichkeit entzogen, ertötet, ausgeloscht, m stumm Bilder und Zeichenblätter verwandelt hatte, statt es ganz nur m sich!« trinken als Leben und Wirklichkeit. Melancholia sah ihn an imt tret« Auge. Er beneidete fast den anderen um den Verzicht auf die Kunst, ° den der Gedanke ihn gerade im Gegensatz zu dem einstigen MrtgeM erst so stolz und froh seines Werkes bewußt gemacht hatte. Er verg ganz, daß auch er ein volles Leben mit Gluck, Leid, Liebe und Arbe gelebt und genossen hatte, daß auch mit ihm di« Unendlichkeit, die I-« Brust er rillte, ins Grab gehen und vergessen werden mürbe, datz « er vergänglich sei wie ber andere, trotz aller erhofften und ertrauimt Unsterblichkeit. Er beneidete den anderen um bie nähere neuere -x gänqlichkeit wie um das höchste irdische und menschliche Gut, das . ohne seinen Wert zu ahnen, früh in seinem Ehrgeiz als unnutz voni i geworfen hatte, und das er nun, da sein alterndes ticbeit anfing. P danach zu sehnen, und er es als bie tiefste Versöhnung mit de alles Menschlichen recht empfinden und in sein Herz ziehen wollte. den Händen des anderen sehen mußte und selbst nicht mehr erlan« konnte, weil er sich in seiner Torheit über die Grenzen des MtatM- Hierouumus im Gehäus, und das Gesicht dieses Mattes mag damals - in ihm enHtantifcu fein wenn er es ciitd) ÄnHke »päicr cutsführte. \ >i(P Biofem Sonntag war ber Meister bald nach dem einfachen Mittags- mahl'mm der Tür feines stattlichen Hauses getreten, hatte nut behag^ i - cbom Stolz. wie er die Straße zum Tiergartnertor hinauf,chntk — das , Biugbefestiqungei: und dann über eine Graben brücke wea ms tote S) bhuutoArt sich noch einmal UN,gewandt und fern Haus nom runden Eckpfeiler unten bis zu dem Walmdach und dem gegabelten Dacherker oben stehenbleibend betrachtet, war dann in den {onn^itten, warn-en Herbstnachmiltag geschritten, abseits von den lonntagluy ge- vutzten Menschen, zwischen Gärten mit den hohen ounten, gelben. btauen, rohn Keuernblmnen, die er lange liebevoll ansay, zwischen j®,xieiLtt(h beladenen Obstbäumen, bis er an den sich schon wicht verfärbenden Wald kam. Dort hatte er aus einem Stein gerastet und nach der Stadt ouru«f- geichaut. die in Sepkemberfonn« und Herbstdust dalag, ließ sich dann von Gedanken an seine Erfolge und neue Arbeiten, von lieolrchen ^andschaiis- qefichlen und inneren Gesichten, die ganz ungerufen kamen, am Wald hin jia Stück Weges weiterführen; und wahrend er es lange mied, aus der lobten Jahres- und Tageshelle in das Wakddumel einzutreten, hatte ihn endlich ein stiller, fast schwarzer Tannendom doch in fern ..rirchen- . dunkel hineingelockt, und andächtig hatte Dürer eine Zeitlang zwischen , Baumsäulen gestanden und darüber nachgedacht, wie hier das Sckop- tm'gsmodell der hohen gotischen Dome vor ihm.stand Er sah m dem ichrvarzarünen Hallenraum in das Gewölbe der Wipfel hinaus und be- nwnberte die maßstablose Kunst des ewigen Baumeisters. Erft als der Schatten seines Waldes schon langhin über die abge- ernteten Stoppeläcker und bie Wiesen sich breitete, nur fern drüben noch matte» Licht der tiefen Sonne lag und hocq über dem herbstnchen Nebel- diMst. der die Erde einzuhülien begann, oben, »enn er den Blick am Waldrand htnaufjandte, schon bie blaue Klarheit des beginnenden .laciids fland, war er umgekehrt, so daß ihm das Vesperlauten aus halbem ^^M^er^eder"in"seine Haustüre trat, sagte ihm die Vlagd, daß em Besuch auf ihn warte. Diese Nachricht freute ihn, obschon er noch nicht ^äßte wen er oben finden würde. Aber ber Tag hatte ihm, von außen und innen, soviel Gutes gebracht, daß es ihn fast dunkle, er wurde sich nun noch durch etwas Besonderes krönen. Auch war feine ursprüngliche Absicht an diesem Abend noch etwas über bie Proportionen des mensch- lichen Körpers auszuschreiben, was er schon lange im exmne trug, mchi aar so fest, »nehr um ber nötigen Beschäftigung willen bagewesen, daß er üe nicht leichtlich und gerne um ein Glas Wein, mit einem guten Gesellen getrunken, ausgegeben hätte. Ec fand einen biederen untersetzten Mann etwa seines eigenen "lj»ers, den er nicht kannte und der sich ihm erst als einstigen Mitschüler istder Werkstatt des Meisters Michael Wolgemut nennen mußte, ehe,n Dürer die verblaßte Erinnerung erwachte und allmählich Farbe gewann. Das war nicht verwunderlich, denn er hatte von dem guten Wend,l,n Hemmerle, seit ber, etwas früher als Dürer, bie Werkstatt des Meisters Wolgemut verließ unb auf die Wanderung ging, me wieder etwas gehört auch seiner nicht weiter gedacht, da der Hemmerle damals fern be- iontieres Talent zu sein schien, and) nicht als Mensch und Mitgeselle zu dem etwas älteren Dürer in nähere Beziehung getreten war. Bei dem bescheidenen, zurückhaltenden Wesen des Hemmerle hatte es Durer damals auch nicht bemerken können und gewiß keinen Augenblick gedacht, daß ber stille Mitgeselle zu ihm mit einer Art von avgott.scher Liebe unb Verehrung ausschaute und Dürers Bild, das anmutige, lockenumrahmte, längliche und ein klein wenig eitle Gesicht, bie Erinnerung an ihn und di« feltenen Worte, die sie gewechselt, wie einen unzerstörbaren Besitz fürs Leben mitnahm. ,, , , .' ,, üyie es aber so geht, daß Menschen, die ihr Leben lang eine Ler- ebrun« und Liebe tragen, die sie nie dem Abgott ihres Herzens auch nur ansubeulen gewagt, als es noch Zeit war, seine Gegenliebe zu gewinnen, schließlich, wenn ihr Dasein seinen Weg beendet hat und gewisiermaßen nur nach nachslieht und sich still wiederholt, plötzlich das Bedürfnis fühlen das Geheimnis ihrer Seele nachträglich einmal auszusprechen unb wie eine Erinnerung lebendig werben zu lassen, so »vor es auch mit dem Wendelin Hemmerle geschehen. Als er langst die Malerei aufgegeben und durck die Heirat mit einer Gastwiristochter selbst als Gastwirr zu Würzburg seßhaft geworden war, hatte ihn ber immer wachsende Ruhm, jeines einstigen Aiitgejellen schließlich nicht mehr ruhen lugen, baß er sich eines schönen Tages aufmachte unb nach Nürnberg fuhr, um ihm zu innen, wie er ihn von jenen frühen Tagen her geliebt unb verehrt, wie er alle Nachrichten von ihm, die in die Welt drangen, mit Begierde gehört, auch, was er nur immer an Werken seiner Hand, Gemälden und fliegen* ber Blättern unb Bilderfolgen, habe erreichen können, so recht innig betrachtet und ttch zu eiqenqemocht: und wie er nun als ein alter Spieß* bürgor, dessen Leben längst in bescheidene Unberühmtheit versunken und in feinen Hafen eingelaufen sei, in Hoffnung freundlicher Verzeihung ftir seine Anmaßung unb in Erinnerung an alte Gesellschaft es gewagt habe, den hochberühmten Meister aufzufuchen. Er kam auch dazu, dies alles — wiewohl stockend und von dem innerlich bewegten Dürer des öfteren sanft an der Hand gefaßt und ab zu großer Worte freundlich getadelt — vorzubringen, wobei ihm war, als sei dies der schönste Tag seines Lebens und ihm von, Schicksal rechr weise auf die letzte Zeit aufgespart, wo dir Genüsse des Daseins nur noch spärlich und kärglich stießen. Und er war überglücklich, daß seine Worte üchtlich das Gemüt des Meisters rührten und dieser freudig errötete, ihm herzlich die Hand brückte, ihm sagte, bies Wiedersehen und was er da erzählt, mache ihm mehr Freude als alle die Ehrungen der gefronten Häupter unb städtischen großen Herren, die ihm, Dürer, widerfahren, und nun schon lange mit Dürer beim Weine saß. Dürer war auch erst, wie es ber Wendelin Hemmerle richtig empfand, all dies Lob und diese Verehrung eine rechte stolze Freude unb eine wohl-