f dem ic wir möchte sicher« ich bell, daß en die ch, wie icmein- weißen 'ich zu arteten >n wir Blusen estülpt, Assessor stillen, gesessen ) sicher cht un< >te ich. dachten lief), sie siel ich en. Tie ließen; ickwars. waren )astliche daran, h Trat« ock aus t war; saß ich )er Er- . Dann ch blieb echi in »er Zeit inb aus waren te Rose smarzes cht zum s Haar, en und Kleider war die ;old die Silber Fenster sah hi"' cht skiz- ide, mit >r Frei- >n 1830. lag ei" wie ei" ieb<"' aber in ebenjeii breite" atrasen- i. Leichi GietzenerZamilieMäller Kummer 44 Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang jy28 Samstag, den 2. Iuni ~ ~ Die Zeit geht nicht. Von Gottfried Keller. Die Zeit geht nicht, sie stehet still, wir ziehen durch sie hin: sie ist ein' Karawanserei, wir sind die Pilger drin. Es blitzt ein Tropfen Morgentau im Strahl des Sonnenlichts; ein Tag kann eine Perle [ein und ein Jahrhundert nichts. Gs ist ein weißes Pergament die Zeit, und jeder schreibt mit feinem roten Blut darauf, bis ihn der Strom vertreibt. An dich, du wunderbare Welt, du Schönheit ohne End', auch ich schreib' meinen Liebesbrief auf dieses Pergament. Froh bin ich, daß ich aufgeblüht in deinen runden Kranz; zum Dank trüb’ ich die Quelle nicht und lobe deinen Glanz. Der fremde Hund, x Von Wilhelm Schäfer. „J®.® deter Zille noch feinen Körper wie das zerbrechliche Gefäß der mubejten Bid)ter[ee(e emfam tn fremde Straßen und fremdere Nächte trug und, auf die Gutwilligkeit zufälliger Bekanntschaften angewiesen, .""richtete: widerfuhr ihm auf der Straße von Benrath nach Buiielborf ein Erlebnis, das er, wie alles, staunend und beglückt mefen toä ->ObU,°^ ™ nn6eren nur «in Scherzspiel des Zufalls ge- m.,®r ,roar. im "°fien Februar nach Düsseldorf gefahren, vierter Klasse E s/borgkem Geld, weil er über die rheinische Fastnacht schriftstellern 'hm das leicht geschah, geriet er auf einer Mvrgenwanderung am ft fe,tsÜ Lieblich durch die Felder nach Benrath hri;e" will. Die Stimmung dieser verstaubten Nabr.n^ t.S'"g "°ch m.t ihm. als er am Nachmittag - ohne ahrS9 J * bev Morgen — den stundenweiten Weg nach Düsseldorf iuchschuhen' gingno^en Schneetag, darin er ahnungslos mit Segel- anS sun ?ie stelle kam, wo sich der Rhein dicht an den Rain her- »nzteht, der ba mit einem starken Bogen die Böschung bedrängt, und J.x'r ""ss- Schneewind ihm auch den Mantel dick überzuckert« — unten Wen die Schlepper ihren braunen Rauch in die dämmrige Luft — ÄrinHA nerASe'? °u° Einem Feldweg ein Hund zu ihm, der äugen- MenÄ 9 ? ^E" Anschluß an die Geschäfte und Häuser der fogJjf.1 "erloren hatte. Der Dichter sah mit gütigen Augen das ver- Es war ein gefleckter Jagdhund, der sich mißtrauisch Stimme und'Knupperte — lockte es mit feiner leisen westfälischen bas ihn x P[,e 'hw -Ein paarmal zutraulich auf das enge Gehirn, W au_> der blauen Tiefe solcher Hundeaugen demütig ansah. aus u«hmnE.irefnlei^n weitertrotteten, der Hund ein wenig vor- «rten mnuu f b J Straße kreuzend, als ob er dem Menschen Zeit mehr tmhk ""chzukommen; verspann der Dichter sich in keine Träume gleich einem6q^te[*Un wirklichen Gedanken, wie solche ein Hund mit beniothl Menschen Mit einer Seele in die Welt geboren wäre; auch ®ebirn Sinnen nur daß die ihre Meldungen in einer Handvoll keil damit wußten, das nur im Zwang von dressierter Folgsam- unb Sinn»r uCn fonn{e: indessen bei ihm, dem Menschen, Trieb tr mit d^b^^rnehmungen zum geistigen Besitztum würden, so daß darüber in Weltzusammenhänge zugleich die Herrschaft den Tieren „ f)e und somit auch den Sinn vom Leden, der in g . ' . n Baumen und den Steinen noch ungeweckt sei. recht tooV bic ^"rheit hitziger Jünglinge ein, dieses Sorben Sinn x9 1'$.. 8U nennen: weil erst das menschliche Bewußtsein dreist als ein 3ur Klarheit brächte, dürfte sich der einzelne maßen ®°fU5 Vorkommen, der in der Menschheit gewisser- °!>er und Selbstbewußtsein käme, weshalb der Fortschritt Lottes wäre * ”nb Denkarbeit nichts weniger al» die Geschichte wXav*«» * äs weil ihm zur Antwort eine Kette von tiefer Traurigkeit auffam-^ »r deutlicher als sonst, wie jeder menschliche Gedanke auch der F - öer Mensch mit feinen Gedanken und Gefühlen hinleuchten mnllte- m«r auf öas Geheimnis ein Schein van menschlicher Be eÜchtuna ae.!w - ;re%Q1S Öiex Dunkelheit verhüllte, daß die sonst gnäd.?üb^ kennte Stot't^d^''h 9°"''^il, menschlichen Bereich ^nur Ichors« *5f" , ■ «tott daß die menschliche Entwicklung zu Gott binführe — wie jene Prahler meinten — brächte sie ibn remt nnn ßinn „2 fonut iei der tiefste Sinn und höchste Trieb des Menschen Gott feindlich MWW'ZsLsLLn« Wit der letzten Helligkeit nach Benrath, dort eine rbeit auszumessen, um mit dem Sechsuhrzug in Düsseldori xurürt xu ktn: em kräftiger Mann und Handwerker in braunen Sammetboie^ m;2l ^E.r,I.^wdling IN nassen Segeltuchschuhen mit dem ftrupniaen Biel) erbärmlich vorkam, so daß er sich im Weiteraeben nar’ niA? hJ? rufjigen konnte, wie jemand so dem Elend und der Bettelei ne rin n»« megte. Doch schimpfte er nach fünf Minuten schon n^ach "der ankeren ä-ääI & «■ ää t Stra6eQmeüer2’8roetter Ungerechti^etten^de^We'K . wor aber so wenig ein Arbeitsloser wie der Dichter in Genet. KeK" 5F d°r°r°"di?g!asig?'Tönung "A/r'nahen Winwriuft frh6lfi Kontrasten am Horizont zu beobachten, und er hätte besser dem Chauffeur das Steuerrad gelassen, wenn der nicht gerade mit ein« Handverstauchung beim Arzt gewesen wäre. 9 1 ctner So kam er nicht aufmerksam genug an diese Stelle, wo der Zimmer- mann "us Oberblik vor sechs Minuten die fragwürdigen Gestalten ae* i„hn*n Dichter war zwar losgekommen von seinem Platz. t?le °Le Vorstellung der menschlichen Weltoerlosscnheitund betp.'9t X nor^ ’0' baB feine Augen in den Tümpeln “ft wdem der Hund, langst ungeduldig über diesen Zufallsherrn rJ!' Erinnerung vergangener Jagdgebräuche kreuz und quer über bte Straße lief ,o bot sich dem Maler, als er die Gestalten aus der bicfen Luft auftauchen sah, rechts ziemlich mitten auf der Straße ein flatternder Mantel und links davon ein Jagdhund dar, der ihm die nn^ht ^.Urrf’ a?rf w't feinem Zickzackkurs versperrte. Er ließ zwar ""sh bte Hupe dreimal den tiefen Brummton machen; aber der Dichter mar schon von Signalen und Schreckensposaunen erfüllt, und der Hund ^le" ,,hE" Zusammenhang solcher Töne mit sausenden Rädern noch ^nnen. Irotabem der Maler stoppte, blieb ihm nur die Wah? Hund oder Mantel zu überfahren, und weil in dem Mantel ein mento- l-ch-s Gerüst zu stecken schien, nahm er den Hund. , ®r /"""te die Gefahr und wußte, daß der Ruck ihm den Hal, NE" knnnte; fo hielt er die Steuerung steif und atmete erst auf, al» p? der Dogen auslief.Als einem Tierfreunb tat ihm zunächst der Hund eid und erst nach dreißig Schrittweiten, wie der Wagen stillstand/trat chm der arme Teufel ins Bewußtsein, dem er anscheinend den einzigen Begleiter und außerdem ein Stück Eigentum überfahren hatte Ex scheute also trotz feiner dünnen Stiefel den schmelzenden Schnee nicht ""d ging entschlossen nach dem Schauplatz zurück. Er fand den Hund mit Präzision erledigt unappetitlich zwar mit dem zerquetschten ®e- frofe doch auch von aller Pein befreit, indessen der Fremdling mit ge- falteten Jjanben daneben stand, als ob er ein Gebet verrichte oder sonst überwältigt wäre. Doch war es nur, daß nun der Dichter nach dem unerwarteten Abbruch seiner Gedanken schon wieder einen neuen An- fahren wollte, um i zu übernehmen, schlug so unglücklich gegen Di Linden" wiederspiegelte. Und doch sollten die „Linden" im Mai und Juni des Jahres 1878 j der Schauplatz zweier die ganz« gesittete Welt erregender Ereignisse roei> den — der beiden Attentate aus.den damals schon im f “ °"1"' stehenden unvergeßlichen Kaiser Wilhelm I. " Die Anschläge auf Kaiser Wilhelm I. Persönliche Erinnerungen ;um 2. Juni. Von Felix Baumann. Die deutsche Reichshauptstadt vor fünfzig Jahren — als Berlin noch Berlin war, das markige Bild des friderizianischen Berlin vom Denkmal Friedrichs des Großen bis zum Schloß noch nicht die späteren Veränderungen aufwies, der Dom in seiner urspünglichen Gestalt stand, die neue Königliche Bibliothek an Stelle der alten Akademie noch nicht errichtet war, keine elektrische Straßenbahn durch die Straßen sauste, keine Automobile und Untergrundbahnen oder Motorräder das Leben zur Hast antrieben und keine „Wolkenkavallerie" alias Flugzeuge über den Köpfen surrten, und die Blicke nach oben zogen. Kurz und gut, das friedliche Berlin einer lieben, guten, alten Zeit, ein Bild, das sich auch „Unter den ä s WWE? FLnfzigmarklchein heraus. Ben er mit einer hastig gemurmelten Ent- -VA chu ™tT«S*« hast- diele. End- noch immer nicht in seinen Gedankenkreis einbegriffen und nahm den Nrn im Pelz mit neuer Erstaunung wahr - daß der -m wemg ärgerlich noch einen Fünszigmarkschein zulegte und mit unsicherer Verbeugung nach seinem Wagen zurückging. Er war ein Maler und darum nur von außen an den Erschei- nunaen interessiert, nach dem Problem von ihrer Form und Farbe im Licht, und also auch hierin das Gegenteil von diesem Dichter der überall nur Hüllen um das Geheimnis der Seele sah; was für em schöner Altmännerkops, fast ein Prophet, doch keiner von der derben Petrusfigur mehr ein Johannes, der alternde Johannes dachte er, >n- dem er ®bie Maschine ankurbelte, und als er danach seine Lederhand, sckube am Messinqsteuer sah: was sind das doch sur Hande gewesen, init denen er die Scheine nicht nehmen wollte! Wie auf Eko nstchen Bildern die der Heiligen sind, nur voch viel feiner in ihrer Wirklichkeit. Er schämte sich, daß er auf unzarte Weise Geld in diese Hände ge- leat batte und fuhr mit der Verstimmung weiter, selber abhängig vom Reichtum'zu sein mit all der scheinbaren "Selbstherrlichkeit seiner Kunst. Der andere stand noch immer mit seinen Geldscheinen bei bem toten Hund, weil er nicht fähig war, die äußeren Zusammenhange dieser Ding- zu begreifen. Wenn ich nur mutzte, wem der Hund gehört! Er sagte es zwar leise, doch mit den Lippen, und sah sich um, ob nicht der Eigentümer Herkommen würde, und wartete eine 3eitl«ng wirklich daraus Doch wehte nur vom Rhein herauf der nässende Schnee und hatte chon um seine Füße zwei weiße Rillen quer in den Schlamm gezogen Er suhlte kein Mitleid mit dem Tier, obwohl er niemals wissentlich auf eine Ameise ober ein abgewehtes Blatt trat, denn es war tot, er bachte nur in einer Ahnung des eigenen halbzerstörten Körpers, daß der auch einmal im Blute daliegen könnte. Doch rührte ihn auch das nicht an, weil er das ungelöfte Nätscl des neuen Papiergeldes noch in den Händen hielt. Es wurde 'hm zu kalt, in durchweichten Schuhen dazustehen; so legte er dem toten Hund die Scheine unter den zottigen Kops, der ganz geblieben war und ihn mit halbverschneiten Augen für das Geschenk noch anzublinzeln schien. Für einen Augenblick verwirrte das Ereignis seinen Sinn der hungrig war und noch nicht wußte, ob ihm der Abend etwas zu essen gab — die Scheine wurden ihm zum lächerlichen Sinnbild, und er gab sie nun ins Geheimnis der Welt zurück, aus dem sie versehen! ich in {eine Hände gekommen waren. Dann mußte er mit heiterer Milde sich selbst belächeln was für Scherze aus einem menschlichen Gehirn zu blühen vermöckten; er schlug die Hände in den Mantel und ging, von dem Erlebnis und dem Hund wie von dem Gelds befreit, durch Dreck und Nässe und wehenden Schnee in seinen Segelluchschuhen die dunkle Straße weiter. .... ...» Er wurde aber die Sache so schnell nicht los, weil ihn nun eine neue Kette von Gedanken übersiel: wie seltsam es doch wäre, daß ein bedrucktes Papier die Antwartschaft auf Essen, Trinken, Lesen und andere Genüsse der Welt zu geben vermöchte, weil auch das Feinste irgendwie mit der Bezahlung zusammenhinge. So eingenommen war er von dieser Menschensache, daß es ihn fast traurig machte, wie er am Bahnübergang die dunklen Umrisse der Vorstadthäuser und die grellen Lichter der Fabriken als die Zeugen dieser menschlichen Geldwirtschast sah. Dann aber stieg eine große Heiterkeit in ihm auf, weil er sich selber durch das Geheimnis seiner Bedürfnislosigkeit von bem Zwang der Bezahlung frei fühlte. . , Unb so kam es, daß die listige Weisheit des Dichters ganz um enücirtct auch einen Äustveg aus ben inneren flöten in ben Bereich des Göttlichen zurücksand; denn wie er mit den Siebenmeilenstiefeln dieser Freiheit auch die anderen Grenzen seiner menschlichen Gebundenheit ablies, fand er die Lösung, als ob sie auf ihn wartend im Kohlenschlamm der Straße gelegen hätte: daß die Seele nicht unlöslich an ihr menschliches Bewußtsein gebunden wäre, daß sie für Augenblicke alle Gedankenketten von Tag und Welt und Gott samt ihrer fremden Gefühlslast abftreifen unb irgendwie doch in das Unbedachte zurück- fchlüpfen könnte, um ihren eigenen Nöten fremd wie dieser Hund unb also außer sich endlich bei Gott zu sein. Als der greife Monarch, in Begleitung seiner Tochter, ber Groß. Herzogin von Baden, auf einer Spazierfahrt begriffen, am 11. Mai nach, mittags gegen 3.30 Uhr das Haus der Russ'schenBotchaft passierte, feuerte vom Mittelweg ber „Linden", hinter einer dort haltenden Droscht« hervor ber 19jährige Klempnergeselle Max Hobel aus Leipzig zwei Revolverschiiste auf ihn ab. Der Mordbube verfehlte glücklicherweise sein Ziel und konnte von dem ihm nacheilenden Leibiager des Kaisers ergriffen werden. Schon nach kurzer Zeit hatten sich die friedlichen „Linden in ein wogendes entrüstetes Menschenmeer verwandelt, das dem Palais zu. strebte, um bem von ben Kugeln des verkommenen Burschen bewahrt gebliebenen Herrscher begeisterte Ovationen darzubringen. Am nächsten Morgen, einem Sonntage, sah ich den Kaiser in feinem historischen Eckfenster und später beim Gottesdienst im Dom, wo er bei der Verlesung der Bibelworte seitens des Oberhofpredtgers Soge l „Tut Ehre jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott, g^ret benJftonig bas Taschentuch gegen die Augen drückte und das Haupt hinter der Säule der Hofloge barg. Waren bem Kaiser schon auf ber Fahrt nach und von dem Dom stürmische Huldigungen zuteil geworden so erreichten die e ihren Höhepunkt als er sich gegen 1 Uhr mittags vom Palais zu einem Besuche des meiningschen Erbprinzenpaares in Potsdam naaj bem Jßotsbamw Bahnhof begab. Für den kaiserlichen Wagen — ber Monarch hielt ein großes Maiblumenbukett in ben Händen — konnte nur aus ber Sud- feite ber „Linden" eine schmale Gasse freigehalten werden, die Fahck " Der Mo rntt^Mai "chll!e^>uchi ohne ein zweites die Welt erregendes Ereignis vergehen. Am 31. Mai stießen in der Nahe von Folkestone bie deutschen Panzerschiffe „König Wilhelm" unb „Großer Kurfurft zusann men, wobei der letztere unterging unb 274 Mann der Besatzung den Tod in den Wellen fanben. Es war ein harter Schlag sur die damals noch junge deutsche Marine, und ganz Deutschland stanb >m Zeichen der Traun Dock diese auf einen unglücklichen Zufall zuruckzusuhrende . .ataftrophe wurde kurz darauf, am 2. Juni einem strahlenden Sommertage durch das die aanxe °!ffielt mit Abscheu erfüllende, zweite Attentat auf Kaiser Wilhelm in den Hintergrund gedrängt.'Äder auch diesmal entging d» Sliühriae Monarch bem Tobe, obwohl es dem Attentäter gelang, ihn durch zw« Schrotschüsse schwer, wenn auch nicht lebensgesährlich, zu verwun en Der Verbrecher,ber am 10. April 1848 in Kolno bei Birnbaum (Posen, aeborene Dr phil. und Landwirt Karl Eduard Rod iking, der sruher als Hilsarbeiter im König!. Statistischen Amt m Dre5ben be!d)afttgt war unb einer höchst achtbaren Familie entstammte, feuerte kurz nach 2. Ufji aus dem Fenster feines in ber zweiten Etage des Hauses Unter den Linden 18 gelegenen Zimmers aus einer Schrotstinte zwei Schuhe ans den im offenen Wagen vorüberfahrenden Monarchen ab, wodurch dieser durch etwa 30 Schrotkörner an beiden Wangen, Armen unb lw Rucken verwundet wurde. Da mein Bruder unb ich unmittelbar nach dem Attentat aus dem Schauplatz des Verbrechens anlangten, so wurden Mi Zeugen der 'Vorgänge, die sich nach der Tat abspielten. Und obwohl d°> tnals erst 10 Jahre alt und seitdem 50 A-ihre verstoßen sind, habe ich alle Einzelheiten doch genau in Der Erinnerung behalten. Wir hatten, wie öfters, an jenem Sonntage mit Kameraden m Tiergarten Trapper und Indianer" gespielt und befanden uns aus da Heimwege nach unserer in der Luisenstraße befindlichen Wohnung, als wir kurz nach dem Einbiegen von ben „Linden in die Neue Wilhe - straße durch zwei aufeinanderfolgende laute: Detonationen erschreckt w - ben Beim Umblicken gewahrten wir die Leute die „Linden herunter laufen. Wir nach, und als wir die Neustädtische Kirchstraße erre ch er, kam uns von ber Südseite der „Linden" in langsamer Fahrt ber t* liche Wagen entgegen, in besten Fond ber im Gesicht blutende Kai mit halb geschlossenen Augen an der Schulter bes neben ihm W> ben, ihn mit den Armen umfastenden Le>b,agers lehnte. Als der W g in die Nordseite ber „Linden" embog um nach dem Palais zuruW kehren drängte uns ein berittener Schutzmann zur Seite. Der Wag fuhr bis zur Friedrichstraße und auf der Südseite ber „Linden " Menge versuchte bas Haus Nr. 18 zu sturmen, um sich des zu bemächtigen. Doch ein Ulanenoff.zier und mehrere ^wüsten M die Leute von dem Eindringen in den Hausflur zurück. Plotzl.ch -R ein am Kinn und Hals stark blutender Herr am Hause.ngange, be. » Anblick die Menge in dem Glauben, den Verbrecher vor sich 3U V , wie besessen schrke: „Haut den Hund tot!" Der Betreffende war jA der Besitzer des dem Hause gegenüber gelegenen „Lindenhotels, J) feuer, der Augenzeuge der Tat gewesen, über die Straß tn Haus geeilt war, die verriegelte Tur zu dem Zirner Nobümgs gedrückt hatte und von diesem durch einen Revolverschuh schwe.^ wundet worben war, woraus der Attentäter sich'selbst «neKugtt Kopf jagte. Holtfeuer wurde schleunigst in den sich >m Hause I Schasferschen Laden gebracht, wo man ihn verband. . w Das Erscheinen eines Offiziers (Premierleutnan v W>ly°.^ vom 83. Inf.-Reg.), ber als erster den Verbrecher unschädlich g , hatte, am Fenster des Nobilinaschen Zimmers von wo « » stehenden die Flinte und den Revolver des Attentäters zeigte,Jen Aufmerksamkeit von Holtfeuer ab. Und da inzwischen ein st n«^ gebot von Schutzleuten zu Pferde und zu Fuß «ngetross etwas Ordnung ein, die jedoch beim Erscheinen bes „ _ erre# wieder aus ben Fugen ging. Denn bte letzt auf das ”u¥ r' Menge drängte von neuem nach vorne unb erging sich m o Verwünschungen gegen den Attentäter. Die Lage begann rtW? »([5 w ben. Da dämpfte ein trauriger Zwischenfall bte allgemeine Aw „Grüne Wagen" mit ben unruhig gewordenen Ißferöen in im Hof zu wenden und den verwundeten lug der Kutscher auf feinem hohen Sitz nu ° so unglücklich gegen Das oben an der Einfahrt angebr) Ereignisse wer- i sich im Hause befindenden Landvogtschen Restaurants^ datz nQ(f) »t» biblischen Alter | nach hinten sank und mit einer chweren Schadelverletz ng W | Augustahospital geschafft werden mußte. Pferde und Wag-' dann von innen in den Hausflur gezogen, worauf sich beim Wieder- erscheinen des Gefährts das dramatische Schlußbild abspielte, das wohl allen Augenzeugen unvergeßlich bleiben wird. Kaum hatte der Wagen den Bürgersteig erreicht, wo er einen Augenblick hielt, um einem als Ersatzkutscher fungierenden Schutzmann das Aussteigen zu ermöglichen, so versuchte auch schon die außer Rand und Band geratene, tobende Menge die Polizeikette zu durchbrechen, um sich des Wogens zu bemächtigen und den Attentäter zu lynchen. Nur der Umstand, daß eine berittene Abteilung von 16 Schutzleuten mit einem unaufhörlich ..Vorwärt! Vorwärts!" rufenden Wachtmeister auf dem hohen Falben an der Spitze, den Wegen umringte, der schleunigst dem Brandenburger Tor zujagte, rettete Nobiling vor der Volksjustiz. Aber tausendfache Verwünschungen hallten hinter dem Wagen her und das Haus Nr. 18 blieb »och lange von einer erregten Menschenmenge umlagert. Nobiling entging der irdischen Justiz, weil er den Folgen seiner Kopfwunde erlag, aber Hödel endete auf dem Schafott. Die zwei Gesellen. Von Josef Freiherrn von Eichendorfs. Cs zogen zwei rüst'ge Gesellen Zum erstenmal von Haus, So jubelnd recht in die hellen. Klingenden, singenden Wellen Des vollen Frühlings hinaus. Die strebten nach hohen Dingen, Die wollten, trotz Lust und Schmerz, Was Rechts in der Welt vollbringen, Und wem sie vorübergingen. Dem lachten Sinnen und Herz. Der erste, der fand ein Liebchen, Die Scywieger kauft Hof und Haus; Der wiegte gar bald ein Bübchen Und sah aus heimlichem Stübchen Behaglich ins Feld hinaus. Dem zweiten sangen und logen Die tausend Stimmen im Grund, Verlockend Sirenen, und zogen Ihn in der buhlenden Wogen Farbig klingenden Schlund. Und wie er austaucht vom Schlunde, Da war er müde und alt, Sein Schifflein, das lag im Grunde, So still war's rings in die Runde, Und über die Wasser weht's kalt. Es singen und klingen die Wellen Des Frühlings wohl über mir: Und seh ich so kecke Gesellen, Die Tränen im Auge mir schwellen — Ach, Gott, führ' uns liebreich zu dir! Aus der Geschichte des Eisengusses. Von Hans B e g e. Die Geschichte des Eisengusses ist uralt. Sie ist gekennzeichnet durch auffällige Schwankungen zwischen Perioden von Aufblühen und Absterben der Eußtechnik, die sich mehrmals zu hoher künstlerischer Höhe erhob und o°nn — oft ganz plötzlich — für längere Zeit fast völlig erlosch, wenn andere Metalle dem Eisen das errungene Gebiet erfolgreich streitig machten. Die Verwendung des Eisens und Eisengusses in Kunst und Kunstgewerbe ist eben oft ein Gebot der Not gewesen, und darum ist die Eisenkunst so oft wieder verschwunden, wenn die Zeiten besser wurden und edlere Metalle, wie Bronze u. a., verwendet werden konnten. Und doch legt die Gediegenheit guter Gußeisenerzeugnisse, die bei richtiger Behandlung zu erzielende große Widerstandsfähigkeit des Eisens gegen äußere Einflüsse und die Möglichkeit, zweckmäßige Verwendung mit Schönheit der Ausführung bei zahllosen Gegenständen des Gebrauchs in Einklang zu bringen, den Wunsch nahe, daß die Kenntnis der Eisenguß- technik wieder in weitere Kreise getragen werd«. Zweifellos würde dieses -u einer Bereicherung des deutschen Kunstgewerbes führen, deren Ergebnis in ihrer vollen Bedeutung augenblicklich noch nicht abzusehen ist. Unter allen Metallen ist es das Eisen, das auf die Entwicklung unserer Kultur von altersher den größten Einfluß ausgeübt hat. Kein Metall hat >n den technischen Künsten eine so große und umfassende Bedeutung wie das Eisen, kein Metall ist einer solchen technischen Ausbildung und da- k.^dingten Werterhöhung fähig, kein Metall — vom Aluminium «»gesehen — findet sich so häufig und allgemein verbreitet auf unserem Erdball vor. Das Eisen bildet einen großen Teil der Zusammensetzung der Erdwände und bedingt auch ihr Leben und Gedeihen. Cs ist ein «mger Kreislauf, den das Eisen aus der Erde in den Schmelzofen, in di« Schmede, in das Haus und wieder in die Erde zurücklegt. Die Urgeschichte des Eisens und seiner Bearbeitung verschwindet im Dunkel. Wann das Eisen zuerst benutzt wurde, verrät uns weder die -owel noch sonst eine Ueberlieferung. Sichere Anzeichen für die Ver- roenöung des Eisens finden wir erst bei den alten Aegyptern, und zwar h u™4 m einer der ältesten Pyramiden, der des Cheops, im Jahre 1837, r „A Engländer Hill inmitten einer Steinlage ein Eisenstück ge- n' ®os offenbar zu einem Werkzeug gehört hatte. Da die Pyramiden ffiu näj dos Jahr 3000 v. Ehr. erbaut wurden, so ist das Alter des li* 65 .ouf etwa drei- bis viertausend Jahre zu berechnen. Dermut- y., Jv es ein Stück bearbeiteten Meteoreisens. Die Griechen kannten di« Im «RÜiM des Eisens aus andern Erzen und seine Verarbeitung schon -rrvjanischen Krieg, 1200 v. Ehr. Wie Homer erzählt, war es bei den pelasgischen Völkern noch selten, sie arbeiteten ihre Waffen aus Kupfer. Die Römer betrieben die Eisenbereitung, wie Plinius schreibt, sehr großartig. Schon 100 v. Ehr. nutzten sie die Eisenerzlager auf Elba und in Noricum aus. Besonders war bei ihnen das nordische Eisen aus der heutigen Steiermark beliebt. Nach Plinius möchte man glauben, daß sie sich schon zur Bereitung eines Osens bedient haben. Aber genaueres ist hierüber nicht bekannt. Chemisch reines Eisen wird technisch nicht verwendet. Seine Herstellung würde viel zu teuer sein. Auch ist, entgegen der landläufigen Ansichten über Eisenhärte, chemisch reines Eisen ein ganz weiches Metall. Seine Härte erlangt es erst in der Form zweckmäßiger Legierungen und durch die Bearbeitung unter Feuer und Druck. So ziemlich alle Eisen- legierungen, die in der Technik benutzt werden, enthalten Mangan, Sili» zium, Phosphor und Schwefel, immer aber als ben wenigsten seiner Bestandteile, Kohlenstoff. Der Kohlenstoff ist im Eisen entweder in freiem Zustande oder in chemischer Bindung als Eisenkarbid enthalten. Je mehr Kohlenstoff im Eisen ist, desto größer ist seine Härte. Auch das Mangan und das Silizium bewirken eine Steigerung der Härte, jedoch nicht im gleichen Maße wie der Kohlenstoff. Ferner haben auf die Härte des Eisens noch andere Körper, die bei Eisenlegierungen Verwendung finden. Ein- sluß, so hauptsächlich Nickel, Chrom, Wolfram. Als Zusatz zu Eisenlegierungen ist erst in neuerer Zeit das Aluminium hinzugekommen. Es wirkt als Zusatz zum Eisen-, Stahl- und Kupferguß reduzierend auf vorhandene Sauerstoffverbindungen, so daß einmal blasenfreie, dichte Güsse erzielt werden und andererseits die wertvollen Eigenschaften der so gereinigten Metalle hervortreten. Sehr wichtig für die Erzielung eines guten Gusses ist die Kenntnis von der Zusammensetzung der verschiedenen Eisenlegierungen, die unter dem gemeinsamen Namen Roheisen in ben Handel kommen. Der an Stelle der alten Rennarbeit getretene Frischprozeß bezweckt eine Entkohlung bes Roheisens durch Einwirkung des Sauerstoffes der Luft, der zunächst eigen Teil des Eisens zu Hammerschlag oxydiert, der wiederum auf Kohlenstoff, Silizium und Mangan oxydierend wirkt und diese Stosse verbrennt oder verschlackt. Dadurch verliert das Eisen Im allgemeinen seine Fähigkeit zu schmelzen, wird dafür aber schweißbar; nur bet sehr hoher Temperatur bleibt bas Eisen flüssig. Die Herstellung ber Gießformen erforbert eine Geschicklichkeit, die zur Kunst werden kann. Man unterscheidet Modellformerei und Schablonieren in Sand oder Lehm. Bei der einfachsten Art der Modellformerei stellt man die Formen dadurch her, daß man ein genaues Abbild des zu gießenden Gegenstandes, bas Modell, in den Formstoff abbrüdt. Die Modelle technischer Gußwaren fertigt meistens der Modellschreiner aus Holz an. Sie werden mit starkem Lack überzogen. Für Kunstgegenstände, die nur einmal abgegossen werden sollen, wird in das Modell in Gips ober Wachs ausgeführt. Kunstarbeiten früherer Zeit aus Gußeisen beschränkten sich fast ganz auf Ofenteile und Grabplatten. Oefen wurden auf ben meisten deutschen Hütten gegossen. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind Eisenplatten von Gräbern und Oefen mit Reliefdarstellungen religiöser und mythologischer Art erhalten. Das sind etwas plumpe Vorläufer ber Eisenplastik, bi« im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts zierlichere und gefälligere Formen annahm, als sie sich das Gebiet des Schmuckes und der Schaumünze eroberte. Die Geburtsstätten des neueren deutschen Eisenkunstschmuckes sind Königlich Wasser - Alsingen in Württemberg und das sächsische Lauchhammer des Grafen E i n s i e d e l n. In beiden schufen beamtete Bildhauer als Modelleure ber Hütte Reliefdarstellungen aus dem Landleben ■ ober der antiken Götter- und Sagenwelt, die für sich ober als Verzierungen größerer Gegenstände zu wirken hatten. In Lauchhammer wurden auch Oefen mit angebrachten kleinen Figuren sowie ganze Oefen in Eta- tuenform hergestellt. Den Hauptzweig des Kunstgusses im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts bildete der Nachguß von antiken Gemmen und Medaillen. Nach dem Muster von Lauchhammer schuf ber Oberberghaupt- mann Graf Reben im Einverstänbnis mit dem König von Preußen eine Kunstgußabteilung ber Kgl. Eisengießerei Gleiwitz in Oberschlesien, beren Werke in kurzer Zeit Weltberühmtheit erlangten. Die Frage ist ungelöst, woher die ersten Kenntnisse und Fertigkeiten ber Gleiwitzer Kunstformer und Gießer stammten, wahrscheinlich aber ist, daß bas sächsische Werk Lauchhammer burch Abgabe seiner geschicktesten Former zum Lehrmeistet des preußischen Eisengusses geworden ist. In ben ersten Jahren bes Bestehens sorgte Graf Reben persönlich für seine Lieblingsschöpfung. Später besorgte sich die Gleiwitzer Hüttenverwaltung nach ihrem Bedürfnis die Modelle. Von Berliner und Breslauer Goldschmieden erhielt sie filigran- artige Muster, und mit der Ausführung in Eisenguß erreichte sie die höchsten Leistungen, die jemals aus diesem als grob und spröde angesehenen Metall hergestellt sind. Bekannt sind uns nur wenige ber Künstler, die der Gleiwitzer Gießerei die Modelle lieferten. Don den in Gleiwitz gegossenen Medaillen haben nur die Porträtmünzen von Leonhard P o s ck einen dauernden Kunstwerk. Durch Massenguß ber sich nach ber jeweiligen Mode auf historisch oder - künstlerisch zeitgemäße Schöpfungen einstellte, wurde ber Betrieb einträglich gemacht. Nur bie ersten Plastiker, in ber Blütezeit des Eisengusses besonders Rauch und Schadow, wurden berücksichtigt. Einer der besten Modellmeister der Gleiwitzer Hütte war S t i l a r s k y , er wurde 1804 nach ber neugegrünbeten Eisengießerei in Berlin versetzt. Später war Friedrich Ludwig B e y e r h a u s, der fünfzig Jahre bis zum Jahre 1865 als erster Modelleur hier tätig war, eine große Stütze ber Hütt«. Die deutsche Eisenindustrie nahm bann in den 60er Jahren bes vorigen Jahrhunberts einen gewaltigen Aufschwung. Zu den wichtigsten Erfindungen der vorhergegangenen Jahrzehnte, bie jetzt erst zur vollen Entfaltung kamen, trat in erster Linie der Bessemerprozeß und die Siemens« Regenerativfeuerung, die große Umwälzungen, namentlich in ber Stahl- bereihmg, mit sich brachten. Der Eisenguß trieb jeboch nur noch vereinzelte Blüten unb gehörte bald danach wieder einmal ber Vergangenheit an, um in ber Zeit des Weltkrieges wieder neu zu erstehen. Iah' oer- ich selbst, im Bewußtsein meines verrückten Glück für immer verscherzt hatte. Berantwsrtlich: Dr. Hans Thtzriot. — Druck und Verlag: Brühl'sch« Äniverfität»-Duch« und Steindruckerel, 9t. Lang«, nur voll zum trägst es ja nicht! Aber ich wußte auch, daß nach diesem Tage alles vorüber sein würde, daß ich sie nicht Wiedersehen würde, daß ich ruhelos sein würde und voll Kasteiung gegen mich selbst, im Bewußtsein meines verrückten Benehmens, das mir dieses Glück für immer verscherzt hatte. und skizziert hatte — daß man dich an den ich. Ich begriff mich Künstlertum, ich haßte selbst nicht; mir graute vor meyiem albernen mich wie einen Feind. einzurichten, daß wir während des Abends Es andere, großem Es ver| Hölle w Nun dern ei< überaus es auch Leute, u noch kl« großen auch wii Die j Noch nie darum f einmal, wo zu b Rauchfar -tag dar! kleinen ! Schwanz kleinste l großerun Der ! kletterten ragte bis anderen Rauchfan «einen 3 gar nich, geflogen. Die $ l'e einige ganz ein reifen du und als Weinant spielten Flügeln, Achten, hmmelsr ^^glein i „®ir gerne mii ,^!hr 8« nicht ichwindelr Leonore wußte es in die flüchtigste Berührung kamen. Hin und wieder warb ich Demut um einen freundlichen Blick von ihr, aber umsonst. Es war ständen. Der ganze Abend war eine Qual. Es sah jammervoll in mir au«. Ich dachte daran, wie ich sie mit kühlem Auge und ruhigem Blut gemalt ........ und hätte mich züchtigen mögen. Du verdientest, Pranger stellte und öffentlich auspeitschte, dachte Und der Tag ging hin, dieser qualvolle, zermürbende Tag. Abend« faßen wir das letztemal auf der Terrasse. Der Graf lieh Sekt reichen als Abschiedstrunk. Wir stießen an, mein Glas stieß an das Leonores, sie lachte Charlotte dabei an, mich sah sie nicht. Sie sah schön aus, sie hatte ein blaues Tüchlein über dem schwarzen Haar. Ich hielt es nicht aus, ich verabschiedete mich, da ich noch zu packen hätte. In aller Frühe des folgenden Tages mußte ich fahren, ich sagte allen Lebewohl. Leonore gab mir die Hand, sie war ruhig und kühl. Dann schritt ich in meinem Zimmer auf und ab wie ein gemartertes Tier im Käfig, stundenlang. Ich hörte die Stimmen von dn Terrasse her. Mitunter hielt ich an und lauschte, wenn ich Leonore« Stimme zu hören meinte. Ich war voll wirrer, qualvoller Empfindungen, und ein Gefühl unbeschreiblichen Ekels quoll in mir aus, wen» ich die Bilder sah, die gegen die Wand lehnten. Einmal erhob id) btn Fuß und rannte ihn blindlings in eines der Bilder hinein, voll Wnt auf diese verfluchte Kunst, die mich um das schönste menschliche Erlebe» gebracht hatte. Mit diesem Fußtritt des Hasses hatte ich mein befiel Bild zerstört, das Bild des abendlichen Schloßes mit den Gestalte» der Gräfin und der Komtesse Anna auf der Terrasse. Es war hinüber, ich stieß ein Gelächter aus. Ich verbrachte die Nacht schlaflos. Ich packte, ich suchte zu W ich sah lange Zeit, Zigaretten rauchend, aus dem Fenster in die warme, duftende Nachtluft, zum Schloß hinüber, wo ich das Fenster erkenne» konnte, hinter dem Leonore schlief. Dann wanderte ich wieder hm ww her. Ich begann einen Briest an Leonore zu schreiben und zerriß 'S wieder. Ich legte mich aufs Bett, ohne mich auszu kleiden und erwarten den Morgen. h In aller Frühe klopfte der Diener und brachte den Tee. Dann W ich den Wagen auf dem Kies vorfahren, mein Gepäck wurde aufgelaoen, ich warf den Mantel um, ging hinunter, und die tauige Lust tat mein erhitzten Wangen wohl. Das Handpferd wieherte in die Frühe, ° Uebermut. Ich blickte noch einmal zu dem Fenster hinauf, hinter ". Leonore lag. Ich fühlte mich elend, ausgestoßen und krank. Mich fr°iL als hätte ich Fieber. Die Schimmel zogen an, es ging die ßinW1» hinunter, dann durch die gelben Rapsfelder, aus denen schwere WO von Duft aufstiegen. «v.a Die Sonne lag golden über den Feldern, die Lerchen fangen. marterten die Lerchen und die Sonne. Ach, könnte ich doch sch । dachte ich. Leonore lachte, scherzte, und auf dem Rückweg nach dem Schloß fjängie sie sich plaudernd in Charlottes Arm. Sie schien sehr ftöhiich zu sein, aber mich fab sie nicht. In mir wallte es auf und nieder; cs fiel mir schwer, an der Unterhaltung teilzunehmen, in die mich der Graf und die Gräfin verstrickten. Ich tappte wie ein Traumwandler hin. Nachher Tanz im Schloß. Die Gräfin drehte einen kleinen Leierkasten. Ich tanzte zuerst mit Leonore; sie bat bald, aufzuhören. Ich sprach ein paar Worte in demütigem Ton zu ihr; sie antwortete nicht. Mit den andern war sie ftoh und unbefangen, mitunter beinahe ausgelassen, so daß ich erstaunte. Ihre Mienen wurden streng und ab. weisend, sobald sie in meine Nähe kam. Einmal stand sie in der Nisch, eines Fensters allein und sah in den dunkelnden Park. Ich trat neben sie. voll Demut, bittende Worte stammelnd, und juchte ihre Hand zu küssen. Sie verhinderte es; sie schüttelte abwehrend das Haupt und winkte Charlotte zu uns herüber, damit wir nicht allein in der Nisch, Der folgende Tag war entsetzlich. Es war mein letzter Tag auf Carnin, er machte mich krank und matt. Leonore wich mir aus, sie vermied es, auch nur einen Augenblick mit mir allein zu sein. Wir spielte» Tennis, sie lachte und schwang den Schläger mit Obacht und Grazie, sie plauderte harmlos mit den andern, aber zu mir sprach sie niemals. Ich merkte: es ist alles hoffnungslos; du hast ihr Gefühl zu heftig mit Füßen getreten; hier ist nichts mehr gutzumachen; es geschieht dir recht, Kunstmaler Tedrahn! Wie warb ich um einen Blick, um ein freundliches Wort von ihr, wie habe ich mich gebemütigt! Aber sie blieb hart und kalt, sie beachtete mich nicht, sie war nicht zu erweichen, sie strafte mich mit Verachtung. Ich litt, ich dachte: wenn doch dieser Tag erst zu Ende wäre, du er- Pfingsten auf dem Schaffe. Erzählung von Hans Bethg«. (Schluß.) Bei Tisch war ich mir immer bewußt, daß ein Profil von seltener Kostbarkeit an meiner Seite war, daß ich elend die Zeit versäumte, da ich es nicht skizzieren konnte. Ich kam aus „Marie Grubbe" zu spreäzen, den Roman von Jens Peter Jacobsen. Ich fragte Leonore, ob sie das Buch gelesen hab«. ... „3a" sagte sie, „ich habe es gelesen, aber ich habe es zerrissen und verbrannt." Oho, dachte ich, sie hat „Marie Grubbe" verbrannt! „Später werden Sie das Buch wieder lesen", sagte id),„„bann werden Sie es nicht verbrennen, sondern Sie werden es lieben." Sie zuckte mit den Schi ltern. . „Wissen Sie, wie ich Sie malen möchte?" sagte ich. „Wie Marie Grubbe möchte ich Sie malen, als sie nod) Kind war, ich meine die Szene, wo sie in der Laube sitzt und mit den nackten Armen in den Rosen wühlt." Sie iah mid) an, es war etwas Schmerzliches in ihren Augen. Ich nahm das Glas, in dem der Sekt perlte, hob es ihr entgegen und trank auf ihr Wohl. Auch sie nahm ihr Glas, wir stießen an. Ich belrachtete sie lebhaft. Ich studierte sie, ich suchte alles Wichtige der Form und der Farbe in mich hineinzusaugen. War es nicht beleidigend, daß ich immer nur ihr Aeußeres betrachtete? „Sie ahnen nicht", sagte ich. „wie die mattrote Rose Mim Grau Ihres Haares steht. Es ist eine Harmonie, die mich begeistert.' „Darf ich Ihnen die Rose schenken?" fragte sie demütig. „Nein, nein!" entgegnete ich. „Lassen Sie die Blüte in Ihrem Haar, es gibt keinen besseren Platz für sie. Ich nahm die Rose nicht, die sie mir anbot. Sie sah müde vor sich hin. . „Ich werde sie Ihnen heute abend schenken, ef)e wir uns trennen , sagte sie leise. „Oh, ich danke Ihnen", erwiderte ich, „ich danke Ihnen." Nach Tisch ging alles in den Park. Ich lief hinüber auf mein Zimmer, ergriff ein Skizzenbuch und steckte es in die Brusttasche. Es war gegen Sonnenuntergang. Es war di« Stunde, wo die Bäume des Parkes in einer stillen Verklärung in die Lüfte ragen, wo alle Umrisse größer und feierlicher zu werden beginnen. Die Abendsonne hing goldig in den Wipfeln der Kastanien. Wir schritten paarweise die gewundenen Kieswege hin. Leonore und ich zuletzt. Es war ein traumhaftes Bild, die bunten, in Selbe gekleideten Menschen zwischen den Bäumen und blühenden Bosketts des alten Gartens, der solche bepuderten Leutlein schon früher gesehen hatte und sehr erstaunt sein mochte, sie plötzlich noch einmal auf tauchen zu sehen. , Wir kamen über eine weiße Brücke und spiegelten uns in dem dunklen Wasser. Leonore und ich verweilten einige Zeit auf der Brücke, die andern entschwonben. Es war nicht genau zu erkennen, wohin sie gegangen waren. Wir schlenderten durch den Eichenhain jenseits des Wasiers, Leonore und ich allein. Wir kamen an den Deich, ein schräger Pfad führte -'mvor mußte Leonores Arm freilassen, sie schritt langsam vor mir hinan. Ich sehe nod) den. schönen Umriß der schlanken, aufwärtsschreiten- den Gestalt, den bloßen Racken und das graue Haar ... Auf dem Deich umffammte uns die Abendsonne. Zu unfern Füßen tagen die Wiesen der Marsch, ganz mit rotblühendem Sauerampfer bestanden und übergossen von den purpurnen Strahlen des vergehenden Lichtes. Es war ein so ungeheures Rot in den Wiesen eingefangen, daß man Glaubte, man sähe über ein blutiges, loderndes Meer. Wir blickten hinaus, Leonore hatte ein kleines, süßes Staunen im Gesicht, ihr Mund -vor ein wenig geöffnet. Etwas Wehes war um ihre Gestalt. Ich holte schnell bas Skizzenbuch hervor, um die Linien ihres Profils festzuhalten. Da sah sie, was ich tat — und es geschah etwas ... Leonore starrte mich an mit flammendem, zornigem Blick, aus dem eine ersterbende Leidenschaft grüßte. Dann hob sie die Arme empor und dehnte sie mir entgegen, sehnsüchtig mit einer Gebärde des lieber- schwangesl Dann ließ sie die Arme sinken, ermüdet, mit einem Zittern. Ich' stand da wie ein geschlagener Knabe. Mir war, als sei auf einmal eine Binde von meinen Äugen gerissen. Ja, plötzlich sah ich klar. Dieser junge, stolze Mensch da vor mir war erfüllt gewesen von einem strablenden Gefübl der Liebe — ich aber hatte sie immer nur malen wollen, meine blöden Augen hatten nichts weiter als das Malerische an ihr gesehen! Jetzt merkte'ich, wie sehr ich sie durch mein Betragen verletzt hatte. Ich hatte sie ja mit Füßen getreten! In ihr war eine schöne Welle aufgeftiegen, die ihr Gefühl mit Macht zu mir hinübertrug —, ich aber hatte falt ihr Aeußeres betrachtet, um es für meine Malereien zu verwenden! Für einen Augenblick kam etwas Unruhiges in sie. Dann hatte sie ihre.Fassung wiedergewonnen. „Kommen Sie!" sagte sie kühl. „Wir wollen zu den andern!" Damit war sie auch schon auf dem Wege den Deich hinab. In mir siedete es. Was sollte ich tun, um diesen tiefgekränkten Menschen zu versöhnen? Es freifte und schwankte vor meinen Augen. „Fräulein Leonore ...", sagte ich. wie um Verzeihung bittend. Aber sie hörte nicht. Etwas Abweisendes lag um ihren Mund, auch ihre Augen waren streng und Herd. Wir hörten lachen, die Kleider der andern schimmerten vor uns durch das Laub. .Hallo!" rief Leonore Begrüßung. Dann alles hinauf auf den Deich. Man plauderte, lacht«, staunte laut über bas purpurne Lichtmeer in den Wiesen. Leonore sprach unbefangen mit Komtesse Anna und dem Asiesior. Ich wagte mich nicht an ihre Seite, ich war innerlich zerschmettert. Mir war elend zu Sinn, wie in einer Krankheit. Verzweifeln. Beim Guienachtwünschen trat sie vor , , .. . sprach, Ihnen die Rose aus meinem Haar zu schenken. Sehen Sie doch, sie ist verlorengegangen, ich kann Ihnen die Rose nicht schenken. Verzeihen Sie." Ich verneigte mich, sie wendete sich zu den andern. Sie hatte bi« Rose fortgeworfen, das ist klar. Ich biß mich aus die Lippen, in mir stieg es auf vor Weh und Gram. Ich sah ihr nach, wie sie mit Komtesse Anna und Charlotte das Zimmer verließ. Das schleppende Gewand sah ich und die blassen, jugendlich schönen Schultern und die Haltung der Arme im Kerzenlicht. Aber diesmal dachte id) nicht ans Malen, ich war erfüllt von Qual und Sehnsucht.