>e Mutter i Tage ins in ihrer । mir die mte beim ßte einen als feine "t du ge- 'rtDUrf zu Spioniere, elleicht ist es kleines den Tisch, e sie mit las Recht, zu sagen, isersüchtig und tat, >ie Seite. dir doch vierzehn nerke dir che abge< ) dir das und alle itt damit, en ange- :er Sohn ich Hütte cht übertreiben. ange vor lir, lieber s antun, auch nur ist meine tes Auge ist nicht t--" ;tt Bett", einzigen geachtete Quint — r Genuß oar, aber >lns und trat und vereinten chers er- ten Ver> :e, Isaak ■n. Diese Ansicht, sich von hen und ger Ber- trug sie von der m Will- ung, die Augen- er allein r er bei title dec Wirts- u Hause ' spÄ' plötzlich nennen las iN ten Beließen- Hummer 70 Leben! 50011 Hans Fran rf. Sommerbttd. Bon Friedrich Hebbel. Ich > sah des Sommers letzte Rose itebn Sa inrnri/1'* ’m sw bluten könne, rot:' Da sprach ich schaudernd im Vorüberaelln- «° weit ,m Leben ist.zu nah' am Tod wieder «ituutii fein* y.ini, ünrd.rnile >>™Y südanierikunifchen Mpubiik. züchtigen, was immer damit endete' dass Provinz zu Gewehrschüsse und Messerstiche mifMc Rienschen durch aus den. Diesseits ins 'Ms b ö £t Beil, kurzerhand Dors, welches irrtümlicherweise für nnA Jans»*' b €r ,ld) 1,1 einem von vier gleichgekleideten Männern gehalten wurde, zruückgebliebenes Gefolge es lsin^rn konnte ,em atembedrängt N in. Rücken. Die oier A-ssnü^rwu^ ' , eil'3okt) bis zum !p°teo vom Staatsgericht zum Tode uenSeilt ""b einige Monate hatte, was es um Tod und was er nm« u ?'Gt dadurch erfahren W.fnft täglich mit einem Federstrich endest ^föndernÄt hÄ 1“! " leinen. Tod ins augenlose AntliK £ ' h ” erft dadurch, daß „Nicht alle Vier! Nur S x ~ beJ General entchied: N sä ss WWMUv h»b,. Mm .»Küch ^l"A" ' ”r Me *«»»"..« «KL -23-Ä »S iie nicht in.stande^sind^ <®unben, ben Todeskandidaten melden! Wenn Richter aüfknüpsen 'K^erauszubekommen, wer .zustieß. werde ich die Stun,ben mußte man trotz dieser Drohung nicht. eingestehen, man kenne den Schuldigsten der Schuldigen „Herdringen!" befahl der Kranke. Äie Vieri" ""gewisserte sich der Angefchrieene. «onSbenenlbnnrbpib1,barri“uI bieJl,m Tode verurteilten vier Verschwörer, Renten gegenüber x°mr\bT ®ett b<5 «.'.gefallenen Präsi- Sieichgekleidet Aber inm in'? ® t geordnet. Wieder ^u-rn für Kleidung ausgibt.' b,e mon I,infer Gefängnis- Ee vitt Ub» Präsident die verwegenen Burschen an. Immer wieder * »"■ ^übersehbare^Mens^I»^' *° ■u,e «s tausendfach — der Gewißheit, daß wenden la^en 'c' na^Jten 9tu seinen. Wort gehorchen, heruntergerufen r-Trj rt"'- "“HPringen würden — vom b|6e, der, JÄ^te PlPjM besah! General P.: „Der Schul- , Ser iefTfUzmei Schritt — vor!" püter sprang'der9tn- , sb UJ1' was das Los bestimme- h?"beln, wenn er selber bis wm "s 1 unabänderlich fo zu e,ne" ““f seinem Wege uorangeganqen st Am h ZaQes ^iem Wahrend der Nacht — feine TnrfLr dem Wege in den Tod! Baters zu hüten, als einzige "m stimwer^ U?. war, den Schlaf des eigener Hand die Schicksalsblätter chtet- r®enera[ P- mit Gegen morgen versiegelte er die ntl »iJj' wag sie in die Urne, i'ch sorgsam vergewissert hatte: „Vier!" >gener Hand. Nachdem er Weßen! Härt^doch" Cchen^ Nur Echen behr Schrei: „Einen er» tarne.., r-nM^s?L°I«Kfenau-d-m Vorzimmer ans Bett gelaufen WindrichMngen ause'inönd^ststbende? Reden BeMluß ihrer in sämtliche sagen: „Tot —" u-Hneoenoen Jteßen alle nur das gleiche Wort wohl Iber 'eine "^öcheb'^spästr^ chnd'^die° A^r P’ hatte — - schwörers statt, der ben tödlicken SnrrfJ3^ s 5J°!m119 bes einen Verbüßen sollte. Vor der Wa> d des"sÄ!bäst-^!. Verlust , seines Lebens errichter, welche Soldaten von d^.u Von ^c°"b"k ‘T eine Tribüne toprig auf dem Marktplatz wogte. ' abtrennten, das vielhundert- von sämtlichen Amtspersonen auf'der g-ritm»«" bsregel, vor der Oeffnung zag sein Los, gab das Matt dem oLekf v der L'Ät'G befunden wurdet und rief über den Markt hü L'ben'" Der ber entfaltete es Der Dritte —: „Leben'" So w^ir dö- Nri-u^.u^ste Üvg —: „Leben!" der Vier lautete es Tod! Man bedeutete ihm ^dok^er b^, lüngsten unb sich von dem letzten darin befindlichen Blatt befföHn^n 9?be eH.was ieber feiner Richter, was bas Volk wisse-^Tod®m affC' “X?s hieß ber jungfte ber Verschwörer blieb stellen u s r!Ä- 0 noch lesen, was er gleich alleu wussie - Und 'ben Kopf: Wozu Schicksal sich schnell erfüllte mm Ft» Und chanut sein, unabänderliches seinem Munde ausgehen zu lassen^ rie^ au--"^e?M?^ ^e.heit!" zu ■m s ?e^5tiUnb- ^lben Sekunde jauchzte sein Mund: Leben "Er llek' i n dem Blatt zum Obersten der Richter. Der mußte bestätigen-Leben'^Die andern Richter stellten fest: Leben! Alle auf ber Zribüne, 3u(eht bie' brel Mirverschworer,. stellten sest, bestätigten, jauchzten: Leben'u Man prüfte h^ne - leer! Man prüfte die Blätter ber andern drei Verschwörer ^ebent. «on ber Hand des toten Präsidenten geschrieben: «eben! Msw hatte General P. in der Todesnacht seinen Willen geändert und als letztes Wort aus seinem Sterbezimn.e'r das Gnabenwort Leben hervorgehen lasten. Aber wann je hatte General P. feinen Willen verworfen.-Mithin bl.eb nur bie Erklärung: Betrug? Aber das Staatssiegel Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anreiqer enthufiastmiert über sie urteilte. Ein Mann erhob sich, ging zu einem Marmorblock, der an einen, metallischen Ständer ausgehängt war und sagte: „Meine Damen und Herrn die Ausführung der Oper Tannhäuser ist beendet. Aus Wiederhören in drei Minuten bei den neuesten Tagesnachrichten." Unter den wenigen Personen, die im Ausnahmerauin den ganzen Abend über als Zuhörer anwesend waren, befand sich ein Funkkritiker. Er ging jetzt auf den Dirigenten zu und schüttelte ihm die Hand. Er ging zu den Sängern und unterhielt sich lebhaft mit ihnen. Als er dann später allein auf dem Nachhauseweg war, dachte er sich: Hunderttausende haben zugehört, «sie sind stumm. Einige von ihnen werden vielleicht an die Leitung der Sendestelle Briefe schreiben, und mitteilen, daß ihnen dies _ober das gefallen oder mißfallen habe. Die meisten aber werden in Schweigen verharren. Ich aber kann, ich muh mich über diefe Aufführung öffentlich äußern. Wahrlich, cs ist ein verantwortungsvolles Amt, zu dem ich da berufen bin. Ist es nicht, als ob ich mit wenigen meiner Kollegen die Meinung nÄ ist neu und voller Erwartungen und bisher ungekannter Möglichkeiten. All dies erfordert geistige Auseinandersetzung nut dem zu dem ich sprechen darf, mit meinem Leser, mindestens m den. gleichen Maße, zuweilen aber, wie mir scheint, in noch höherem, als >ede an Jrt£Her beendete der Rundfunkkririker seinen Monolog, gerade als er vor seinem Hause stand. Und ging rasch heraus, um noch ganzunkn y zu hören, was ihm die nächtliche Stunde aus dem tonenden Europa der Rundfunkwelt zutrug. Neues vom Averner See rrnd von der Grotte der Sibylle. Bon Professor Dr. Walter Bomb e. Ein kreisrundes, tiefes Wasser, das nur selten vom benW wird, von düster feierlicher Wirkung, das ist der2löerner va V den die Alten zum Mittelpunkt fast aller Sagen vom Schat em.«8, macht und mit einem unheimlich-poetischen Nimbus umgebe l> Die gespenstische Hekate die fernhin wirkende Go tim der die Spukgestalten aus der Tiefe emporschickte und nachts mit oen der Verstorbenen an den Kreuzwegen ihren grausigen Neige t- Hekate, die Stammutter der Circe, der Medea und der 5 ^äuiet rinnen des Altertums, die in stillen Mondnächten verzaub rr $r im Gebirge aufsuchten, Hekate hatte hier am User des . .“ „-en aus, Heiligtum und ihren Geheimkult. Von hier sandte ste die 1 P । 6ur^ nächtliche, Menschen schreckende Gespenster, und die Lain> , allerlei Blendwerk Kinder und Jünglinge an sich lockten unv - Blut aussaugten. Hier hausten die unglücklichen Kimm 6jc schausonnenlosen Höhlen, hier flössen der Styx und der . Lr tapfere rigen Ströme der Unterwelt, und hier hat nach Vir g> «ngc- Aeneas, von der Sibylle geführt, seinen Gang in die » ewiger treten. Aber dicht daneben lagen die elysäischen «’cp - von Hunderttausenden repräsentieren soll? Käme ich jetzt aus einer ricbtiaen Over, io wäre den ganzen Abend über der Kontakt zwischen Bühne und Zuhörern hcrgestellt; das vielköpfige Geschöpf „Publikum" hätte mit vielen Aeußerungen mehr oder minder deutlich m ,edem Augen, blick gezeigt, wie es reagiert. So aber bin ich einer der wenigen, dessen Meinung über diese Aufführung den Künstlern bekannt wird. Wahrlich, ein verantwortungsvolles Amt. Meistens ziehe ich es ja vor, monologisierte er weiter, die Hebet. traaunq zu hören, an meinem Apparat und in meinen Zimmern, und nicht das Original. Und dennoch ist cs gut und notwendig, ab und zu einmal Aufführungen im Aufnahmeraum zu besuchen, schon deswegen, weil dann die Eigentümlichkeit der Funktion, die ich übernommen habe, mir besonders deutlich wird. . . . Ich weiß noch, wie es war, als ich meine Tätigkeit ^gann, jetzt vor fast drei Jahren. Damals staunten alle über das technische Wunder; aber fo fragten sie verwundert, als ich von vornherein alles, was durch den Rundfunk gesagt wurde, mit größtem Ernst unter die Lupe nahm — was hat dies mit Kunst, was mit Wissenschaft, was mit wahren geistigen Werten zu tun! Gewiß, man könne sich über große Entfernungen hin verständlich machen, jetzt ohne Draht, noch vor kurzem mit Draht, aber der ganze Rundfunk sei doch gar nichts weiter als ein verbessertes Telephon! Diese und viele Einwände ähnlicher Art wurden damals gemacht; aber ich beharrte auf meiner Ansicht, daß es unmöglich für die Entscheidung über den Wert einer Kunstdarbietung, für die Einschätzung geistiger Mitteilungen überhaupt von so großer Bedeutung sein könne, auf welche Weise sie vermittelt wird; ob ich ste unmittelbar höre, im Konzertsaal oder in der Oper, im Vortragsraum, in einer festlichen Versammlung — oder ob sie durch die Erfindung des Drucks und nun durch die noch weit revolutionierendere des Rundfunks an mich weiter- ''^Technßchc Mängel. Run, sie werden durch die Entwicklung selbst behoben. Wie anders war es, als ich vor drei Jahren zum erstenmal am Kopfhörer eine Aufführung des Tannhäuser horte! Und wie staunte mancher von meinen Kollegen, als ich ihnen prophezeite, daß man chon nach wenigen Jahren Musik und Sprache ohne wesentliche Einbuße i Ich erinnere mich, es gab erbitterte ästhetische Fehden damals, als ich behauptete, daß zum mindesten absolute Musik und das reine gesprochene Wort der lyrischen Dichtung und des Vorttags (im Drama ist s anders) I des sichtbaren Eindrucks der Künstler nicht bedurften; daß der Rundfunk somit durchaus nicht in allen Fällen nur Surrogate liefere, sondern Eigenstes und Lebendigstes, das kritisch zu betrachten, um so, mehr ro - wendig wäre, als es sich hier nicht um esoterische Genüße einzelner Bevorzugter, sondern um die geistige Nahrung für l-dermann handelt Sah ich doch in manchen Konzertsälen bet moderner Musik Zuweilen im I ganzen dreißig bis vierzig Zuhörer und davon.waren die Halste Kri- I Ernst der Kritik vonnöten, wenn dies Konzert, fei cs auch seiest mit I einigen Übrigens durchaus nicht wesentlichen Minderungen von Tausende»'gehört werden tonn?! Und gilt nicht das Gleiche von allem, was | der Rundfunk bringt — von Rezitationen, Dramenaustuhrunzco, von I Theaterkritikers und Vortragsreferenten birgt — ww viel spezifisches und Besonderes bringt sie außerdem mit sich! Muy ich doch meine Leser über all die neuen phonetischen Probleme aufklären und en scheiden, b die Technik in der geschicktesten und zweckmäßigsten We.se e ngeiefit ist, muß ich doch alle die Irrtümer derer widerlegen, d,e glauben, Der Künstler, der Vortragende brauche vor dem Mikrophon bloß zu Weder- I Hosen was er an anderer Stelle m der gleichen Weise geboten M Nein, es gibt ja eine eigene Kunst des Rundfunks, zumal für den Spre- cher und für alle Gebiete der Dichtung; und das Horfpie wülfichmmr mehr zu einer eigenen Gattung entwickeln und erfordert ganz bcmitoere war — Dutzende von Augen hatten es festgeftellt — unverletzt gewesen! Da erinnerte man sich, daß es in der Menge, als der Jüngste sich weigerte, an die Urne zu treten, „Zieh»!!!" gerufen hatte. Aus wessen Mund kam diese Stimme? Die Ruferin — denn aus einem tfnwenmunö mar sie hervorgegangen — konnte das Rätsel losen, sie allein. Wer I So'stand bäld hernach dem jüngsten der Verschwörer Angeklagte | und Verteidigerin zugleich — Daraja auf der Tribüne und bekannte. I während des Schreibens habe ihr Vater sie plötzlich gefragt, wieviel I Blätter schon in der Urne lägen. Drei wären es gewesen. Sie habe jedoch „Zwei!" antworten müssen. Vor einer Woche hatte ste nicht gewußt, warum sie gegen ihren Willen handle. Seit ihrem schrei übet I die Köpfe der Menge hin aber wisse sie um den geheimen Sinn ihres I Tuns Richt Tod fei der Sinn des Lebens, sondern Leben, Leben. I Als ihr Vater, wie sie nun erkenne, vor Erschöpfung, nicht, wie sie in I der Rächt geglaubt habe, vor Müdigkeit eingeschlafen fei, habe ste Zeines der fünf Blätter, das, auf welchem von der .Hand des Balers „-tob! I gestanden hätte, aus der Urne genommen und vernichtet. Der Himmel I fei mit ihr im Bunde gewesen. Am Morgen vor der Versiegelung habe j der Vater nur gezählt: Vier! Ohne die Blätter zu entfalten. Darum habe I sie, als der Jüngste unter den Vieren gezaudert hätte, .ein Los aus der I Urne zu nehmen, rufen müßen: „Ziehn!!!" Denn sie glaube und alle I dort unten — hoffe sie — würden mit ihr glauben: nicht auf eigenes I Geheiß, nicht aus Vermessenheit habe sie gehandelt, sondern als gehör- I same Dienerin ewigen Willens. s I Trotz dieses Anrufes bezeigten die Richter nicht übel Lust, nun, da der letzte Wille des ermordeten Präsidenten, das Verbrechen an ihm I durch oen Tod zu sühnen, nicht in der bestimmten F o r m ausgefnhrt werden konnte, zur Durchführung der einwandfrei nngeordneten sache I alle vier Verschwörer an die Wand zu stellen und niederknallen zu I lösten. Doch sobald das Volk aufsckjäumte wie sturmgepeitschtes Meer und ie gewahrten, daß mit den Verschwörern sie selber verloren seien, be- I stätigten sie den Spruch der Urne: alle vier durch handschrijtliche Aner- I kenntnis des verewigten Präsidenten P. begnadigt! Als dieie Worte vorn Jubel des Volkes zerfetzt waren, ging Earrlazzo auf Daraja zu, nahm iie bei der Hand und schritt mit ihr durch die I Menge hi». Die tat fich' vor ihnen auf, die schloß sich hinter ihnen, wie sie sich überall vor, hinter ungemeinem Geschick geöffnet und gesa)lo,seii hat. Da man, einen Monat später, in gedachter südamerikanischer Republik die Vorbereitung der Wahl des neuen Präsidenten begann, riefen viele: Carriazzo! Earriazzo!!" Aber alles Rufen war umsonst. Earriazzo wußte nicht mehr um Präsident und Republik, um Verrottung und Verwaltung, um öffentliches und nichtöffentliches Wohl, um Unterdrückung und Aufstand, um Unrecht und Selbsthilfe. Sein Leben hatte nur noch einen Sinn: Leben! Von unsichtbaren Künstlern, Kritikern und Ähnlichem. Von.Frank Warschauer. Die Oper war zu Ende. Der Dirigent erhob sich von feinem Pult. In feinen Augen glühte noch die Erregung, in die er sich im Laufe des Abends hineingesteigert hatte. Deutlich genug sah man ihm auch die körperliche Anstrengung an. Sein Kragen hing schlaff herunter, die Weste war in' Unordnung geraten. Es war ein sehr berühmter Dirigent. Suchend blickte er umher. Die Musiker des Orchesters waren alle ein wenig aus einem Traum erwacht. Sie zögerten noch eine Welle, ehe sie die Instrumente smt- legten und sie sorgfältig in die mitgebrachten Futterale verpackten. Sie sahen ihrerseits den Dirigenten an, sie blickten im Raum umher, als suchten sie etwas. , n. Und in der Tat: sie suchten etwas. Dann waren da noch eine An- zobl Sänger und Sängerinnen, die jetzt verlegen umherstanden, und denen ebenfalls anzumerken war, daß ihnen etwas fehlte. Es fehlte ihnen — das Publikum. Das Publikum dieser Opernaufführung war in der «tobt, wo diese stattfand, weit verstreut. Es saß in unzähligen Zimmern, es horchte aus Krankenhäusern, es lag in Betten, hier faß eine Gruppe von einigen Personen um einen Tisch versammelt; es hörte von Dörfern und einsamen Häusern rings um die Stadt herum; manche Hörer waren hunderte von Kilometer entfernt, einige sogar in Ländern, in denen man eim ganz andere Sprache redete. Es waren Tausende, Hunderttausende, und viele von ihnen waren von der Aufführung begeistert. Aber dort, wo sich die Künstler befanden, in dem plötzlich still gewordenen Aufnahmeraum, war von Beifall nichts zu merken. Diejenige!,, für die all dies geschah, deren innerstes Wesen anzurühren hier eine Anzahl Künstler ihr Bestes gegeben hatten — sie mußten schweigen. Und alle, der Dirigent, die Orchesterleute, die Sänger Hetzen ihre Gedanken in die Ferne schweifen, dorthin, wo man jetzt kühl oder Frühling herrschte und ein kühlender Zephyr vom Okeanos herüber- ivchte. Dort wohnte der blonde Rhadamanthys, und dorthin gelangten, ohne den Tod zu schauen, auch die Seelen derer, denen die Götter wohlgesinnt waren. Die dumpfen Schreckbilder zu besiegen, war dem Kaiser A u g u st u s Vorbehalten. Er lichtete das geheimnisvolle Dunkel, ließ den dichten Wald um den See abholzen und die schauerliche Gegend in anmutige Kulturanlagen verwandeln. Er verband den Averner nut dem Lukriner See und weiterhin mit dem Meere und legte einen Kriegshafen, den Partus Julius an, dessen Bau er seinem großen Feldherrn und Ingenieur Agrippa übertrug. Horaz und Virgil preisen diesen Hafen als ein technisches Wunderwerk. Er versandete jedoch schnell und muhte dann durch den großartigen Hafen bei Miseum ersetzt werden. Ein gewaltiger vulkanischer Ausbruch schuf am 30. September 1538 den setzt erloschenen Krater des Monte Nuovo, zerstörte die noch vorhandenen Anlagen und füllte den Lukriner See zur Hälfte aus. Für den Geologen ist der Averner, der Lukrinersee und der Monte Nuovo weiter nichts als eine Reihe zusammengehöriger Vulkane, und was die Alten fabelten von der unergründlichen Tiefe des Averner Sees und von seinen giftigen Ausdünstungen, die vorüberfliegende Vögel töteten, entbehrt der Begründung. Nur sind die Ufer mit ihren Wein- rind Orangengärten der Malaria unterworfen. Jetzt herrscht an dem vielbesungenen, geheimnisvollen See ein reges Leben. Die Archäologen haben sich seiner beinächtigt und veranstalten dort Ausgrabungen. Die Grotten und Gänge der großartigen Tunnel- anlagen des Portus Julius werden untersucht. Ich betrete einen dunklen, feuchten, in den Tuffsstein gehauenen altrömischcn Tunnel von mehr als hundert Meter Länge. Ein stickiger, feuchter Dunst steigt aus der Tiefe empor, und eine Fledermaus streift mit ihren Flügeln mein Gesicht, daß ich unwillkürlich zusammenzucke. Einige senkrechte Luftlöcher lassen hin und wieder spärliche Lichtstrahlen in die Grotte. Ein enger Gang führt seitwärts zu zwei kleinen Kammern. Der Boden der einen ist etwa einen Fuß hoch mit lauem Wasser bedeckt, das aus einer Quelle in der Nähe entspringt. Das Volk nennt den unheimlichen Ort das Tor der Unterwelt oder das Bad der Sibylle. Aber die berühmte Höhle der goiierfüllten Seherin mit den hundert Zugängen und Ausgängen ist es nicht. Die liegt am Burgselsen des benachbarten Kumä, unter dem Tempel des Apollo auf der unteren Burgterrasse. Auch dort sind Ausgrabungen im Gange. Zur Zweitnusendjahrseier des Geburtstages Virgils am 5. Oktober 1930 wird geplant, die Orakelgrotte, die der Dichter so anschaulich in seiner Aeneis beschrieben, auszugraben und freizulegen. Wenn bis vor kurzem der Besucher den halb unter Gestrüpp versteckten Eingang und die Lage der Höhle nur ahnen konnte, so ergab die Ausgrabung, die Amedeo M a j u r i, der Oberintendant der Kunstdenkmäler Kampaniens, leitet, ein klares Bild der ganzen Anlage.. Die Aufräumungsarbeiten waren außerordentlich schwierig wegen der notwendigen Befestigung und Sicherung des Hangenden und wegen der ungeheueren Menge von Abbruchsmaterial, das zum Teil vom Apollotempcl, zum größeren Teil aber aus den Weingärten stammt, die auf den Abhängen des Burghügels von Kumä angelegt sind. Soweit sich bis jetzt die Ausräumung übersehen läßt, hat sich herausgcstellt, daß die grandiose Vision Virgils im sechsten Buche der Aeneis sich auf eine genaue Kenntnis der Oertlichkeit stützt. Nachdem mehr als dreitausend Kubikmeter Schutt weggeschasft waren, kam hinter einem 27 Meter langen, 4 Meter breiten und 5 Meter hohen in den lebendigen Tuffstein gehauenen Tunnel, dessen Wände mit großem Tuff- retikulat ausgemauert waren, eine gewaltige rechteckige Vorhalle von 15 Meter Höhe und 27 Meter Länge zum Vorschein. Nach Wegschaffen des in vielen Jahrhunderten seit der Aufgabe des Heiligtums ange- häusten Schuttes ergab sich das deutliche Bild dieser künstlich erweiterten Naturhähle. Die Seitenwände sind mit römischem Tuffziegelwerk (opus latericium) verkleidet. Auf der linken Seite sind noch vier Halbrunds Nischen, aus Tusfretikulat aufgemauert, sichtbar. Die gegenüberliegende Seite verdeckte eine Mauer, die man in späterer Zeit als Stütze einer vermutlich gleichen Rischenwand eingezogen hat. Mehrere Lichtschächte an der Decke, die verstopft waren und jetzt freigelegt sind, erhöhen den mystischen Eindruck dieser dämmerigen Halle. Sie sollten den Ratsuchenden aus das völlige Dunkel der nun folgenden Gänge vorbereiten, aus denen eben so viele Stimmen tönten, Antworten der Seherin: „Deus, ecce Deus". Trotz der grausamen Zerstörungen unter N a r s e s, der hier die Koten belagerte, sind die Formen noch deutlich erkennbar. Auch als liugustus um 37 vor Christus die Grotte wiederherstellen lieh, hat kr die ursprüngliche Gestalt der Höhle beibehalten und sich damit be- Snügt, seine Ausbauten dem Naturcharakter anzupassen und dem Heilig- tum seine Weihe miederzugeben. Virgil selbst, der von 37 bis 30 in Neapel weilte, wo er seine „Georgien" schrieb, hat ohne Zweifel die ganze O»rtlichkeit genau studiert, um sie dann in seiner großartigen epijdjen Erzählung zu schildern. Und wie der sog. Pseudo-Justinus, ein christlicher Chronist des vierten Jahrhunderts, die Grotte beschreibt, als eine Art gewaltiger unterirdischer Basilika, so erscheint dieser Raum hoch heute. Dagegen können die kleinen Höhlen am Averner See, die vielfach bis in die neueste Zeit als die Stätte des berühmten Orakels angesehen wurden, sich auch nicht entfernt mit diesem großartigen, die Phantasie gesangennehmenden Raum messen. Auch die eingehende Beschreibung, die Agathias von den Einzelheiten der Belagerung der auf °sM Burgfelsen von Kumä verschanzten Goten im sechsten Jahrhundert Wt, wird durch die bisherigen Ergebnisse der Ausgrabungen bestätigt. mn9Qn9 zur Orakelhöhle, dem verwundbarsten Teil des Burgfelsens, M Narses die große Bresche geschlagen, die ihm den Zugang zu der veste offnen follte. - ,,^ar Leiter der Ausgrabungen datiert die Architektur der Grottenvor- Me in die Zeit nach den Bürgerkriegen, als Augustus durch und Coccejus jene großartigen Tunnel- und Hafen- ausführen ließ, deren bedeutendste der Durchbruch des Posilipo o oie Anlagen am Averner See sind. Noch sind die Arbeiten nicht ab- > geschlossen, aber schon jetzt hat sich herausgestellt, daß sich hier ein Stollen öffnet, der auf totujen zu der Terrasse des Apollotempels oben auf der Burg hinaufführt. Auch dieser Tempel ist freigelegt, schon seit längerer Zeit. An der Ausgrabung der eigentlichen Orakelhöhle wird noch gearbeitet. Die Einzelfunde, von denen eine Kopie des Diome - des mit Künstlerinfchrift aus der Zeit Kaiser Hadrians, mehrere gute Bildnisköpfe, darunter ein ausgezeichnetes Porträt des Claudius, des Gemahls der Kölner Agrippina und zahlreiche Inschriften zu nennen sind, stammen aus dem Schutt des Apollotempels. Aber auch Geräte und Waffen der Steinzeit sind entdeckt worden. Das ganze unterirdische Heiligtum mit seinen zahlreichen Gängen und Lichtschächten entspricht genau der Schilderung Virgils, zu dessen zweitausendstem Geburtstage die Freilegungsarbeiten bestimmt abgeschlossen sein werden. Die Mutter. Novelle von Maarten M a a r t e n s. (Fortsetzung.) Als sie damit fertig war, stimmte er in ihr Gelächter ein. „Haha! Sehr komisch!" sagte er. Sie guckte über ihre Brillengläser weg zu ihm hin. Eine Sekunde lang stand ihm das Herz still. „Ja," sagte sie, „und ich sage, es geschieht ihm recht." , Mit einem Takt, wie er nur aus grenzenloser Zärtlichkeit erwächst, war er immerfort bestrebt, zu vermeiden, sich s e l b st zu verraten. Wie es oft bei Leuten der Fall ist, deren Trunksucht eine Krankheit ist, verlangte und entwickelte sein Körper nicht leicht Trunkenheit. Niemals — es sei denn zu später Nachtzeit — kam er berauscht nach Hause, und betrunken im landläufigen Sinn des Wortes war er nie. Obwohl er beständig Tabak kaute, bemerkte seine Mutter natürlich dann und roanife daß er Schnaps getrunken hatte. Ihr war niemals ein Mann vorge- kommen, der das nicht tat. Als die Wochen verstrichen, und die Stürme sich legten, ohne den Hügelgipfel erreicht zu haben, zog wieder etwas wie Ruhe in Isaaks Brust ein. Es war doch schließlich eine alte Erfahrung, daß döse Gerüchte nur selten zu den beteiligten Personen durchdringen. Niemand, mit Ausnahme des Politikers, hat auch nur eine Ahnung davon, was Feinde und Freunde über ihn sagen. Wenn der Vorfall im Wirtshaus nicht gewesen wäre, würde Isaak wohl selbst an der Sache gezweifelt haben. Sein Herr hatte sie nie erwähnt. Nur der Oberförster hatte ihm einmal höhnisch gesagt, er möchte sich vorsehen. So ging die Witwe denn Sonntag für Sonntag in ihren steifen Gewändern am Arm ihres Sohnes zur Kirche. Sie bemerkte zwar, daß die Leute stehen blieben und ihnen nachsahen, aber das hatten sie — ganz besonders die Frauen — von jeher getan. Sie lächelte vor sich hin. Wenn sie einem jungen Mann wie Isaak begegnet wäre, würde sie auch stillgestanden sein, um ihm nachzustarren. Jan Bolt hatte die Wahrheit gesprochen, als er sagte, daß die Nachbarn ihre Achtbarkeit ehrten. Um ihr ein grausames und überflüssiges Leid zuzufllgen, hätte es starker Aufreizung bedurft. Der Mann, der ihre Schonung am höchsten anerkannte, verabscheute sich selbst, weil er sie nötig hatte. Noch nie hatte er so gegen den ererbten Fluch angekämpft, wie er cs während dieser Wochen tat, in denen ihn die ganze Welt verhöhnte. Jetzt mußte er ihn besiegen. Denn wenn die Wahrheit über sie hereinbrach, wie sie es eines Tages fraglos tun würde, und sie sich mit gebrochenem Herzen erheben würde, um ihm Vorwürfe zu machen, dann mußte er ihr antworten können, daß seine Schuld, wenn auch nicht seine Schande, der Vergangenheit angehörte. Er mußte siegen! Mele Wochen hindurch kämpfte er mit der Energie der Verzweiflung — um verzweifelt zu erliegen. Da örach auch die letzte, schwache Hoffnung zusammen, und er ließ sich sinken. Es lag kein Grund mehr vor, sein Geheimnis vor irgend jemand anders, als feiner Mutter zu verhehlen. Er ging offenkundig ins Dorf, um sich Alkohol zu kaufen, und blieb da, um ihn auszutrinken. Es war angenehin, in Gesellschaft zu trinken und das Grauen in seinem Herzen zu vergessen — viel besser, als an regnerischen Winterabenden im Wald umherzuwanderii. Und einige von den jungen Leuten im Krug waren gar nicht so übel, wenn man sie näher kennenlernte. Die Lebensverhältnisse seiner Mutter hatten sie zu ungesellig gemacht. Was nützte es denn, den einsamen Hügel nie zu verlassen und wie ein Wiesel oder eine Eule zu leben? Tom Bunsing wußte treffliche Geschichten — wenn er wilddiebte, tat er es aus reiner Liebe zur Gefahr, eine Empfindung, die der Unterförster nachzufühlen vermochte. Isaak hatte ihm seinen Streich nie nachgetragen. Als Tom grinsend auf ihn zukam und sagte: „Komm, ich bin dir einen Schnaps schuldig, Quint!" da nahm der arme Kerl das Anerbieten mit einem scheinbar fröhlichen Lachen an. Nun der Skandal seiner heimlichen Unmäßigkeit zu einer unbestrittenen Tatsache geworden war, hörte man in der Gegend allmählich auf, darüber zu reden. Doch eines Sonntags, als er von der Kanzel auf Mutter und Sohn herabsah, faßte der Pfarrer mit einemmal den Entschluß, „Maßnahmen zu ergreifen". Der Pfarrer war jetzt alt geworden und hielt sich noch immer für einen weisen Mann. „Petronella," sagte er am Montag beim Mittagessen zu feiner unverheirateten Schwester, die bei ihm lebte, „Jfaak Quint muh das „Blaue Band" nehmen. Ich werde nachher hingehen und es feiner Mutter sagen." „Seiner Mutter?" Die Schwester blickte auf. „Seiner Mutter? Aber James, bedenke doch, daß feine Mutter es nicht w e i ß!" „Erstaunlich!" sagte der Pfarrer. „Ja, natürlich, das ist mir bekannt. Sie muß sehr blind fein." „Liebe ist blind," sagte die kleine alte Dame und schüttelte ihre Pfropfenzieherlocken, „wenigstens bei ihr. Und bei ihm ist sie vorsorglich. Wie lieb mutz er sie haben! Ich kann es nicht lassen, sie in der Kirche zu beobachten." »Pfui!" sagte der Pfarrer. „Hoffentlich doch nicht wahrend der Predigt?" „Wenn wir ihnen doch nur helfen könnten!" fuhr sie fort. „Ja, wir wollen zusammen hingehen. Die L-ache erfordert große Vorsicht." „Du!" rief der Pfarrer aus. „Das würde dich gewiß überanstrengen. Du kannst ja nicht halb so weit gehen." Sie blickte zu ihin hinüber und dachte nach. „Doch, ich kann es," sagte sie. „Ja, ich kann es. Der Nachmittag ist so schön. Laß uns gehen." Wenige Minuten später brachen sie auf. Die zarte, kleine Dame hielt sich tapfer auf der schnurgeraden Landstraße. Die Witwe war beim Schweinefüttern. Ohne irgendwie aus der Fassung zu geraten, bat sie ihre Gäste, Platz zu nehmen, während sie hinausging, um sich die Hände zu waschen. „Du bist sicherlich schon ganz erschöpft", sagte der Pfarrer zu seiner Schwester, die er ängstlich beobachtete. „Nein, nein", erwiderte sie mit schwacher Stimme. „Wie still es hier ist. Ueberall Frieden — sogar im Gesicht der Frau." „Ja, sie muß sehr einsam sein. Da kommt sie. Frau Quint, ich habe eine wichtige Sache mit Ihnen zu besprechen. Sie haben gewiß schon von dem „Blauen Band" gehört." „Rein, Herr Pfarrer," entgegnete die Witwe, „aber heute gibt es ja so viele Anzeigen." „Dies ist keine Anzeige. Es ist eine Vereinigung." „Zum Geburtstag der Königin?" fragte die Witwe. „Durchaus nicht", entgegnete der Pfarrer mit einiger Schärfe. „Ich bitte um Verzeihung", sagte die Witwe demütig. „Ich hatte irgend etwas von einem Fest am Geburtstag der Königin gehört. Dann muß es wohl etwas anderes sein." „Allerdings", erwiderte der Pfarrer. „Das „Blaue Band" ist eine Vereinigung zur Unterdrückung der Trunksucht. Aber ich vergaß — Sie wissen ja nichts von den liebeln, die durch Unmäßigkeit verursacht werden." „Ich glaube doch", versetzte die Witwe leise, denn plötzlich stand jener Wintermorgen vor ihrer Seele, an -dem man ihren Mann tot nach Hause gebracht hatte. „Hm!" — Fräulein Petronella warf ihrem Bruder einen Blick zu. „O ja, natürlich. Das tun wir alle. Der Alkoholteufel ist ja der Fluch unseres Landes. Sehr wahr, Frau Quint. Es freut mich/daß Sie dis Sache so verständig auffassen. Sie wissen wohl, was man unter der Unterzeichnung des Gelübdes versteht?" „Das Versprechen, nie im Leben einen Tropfen Alkohol anzurühren." Die Witwe unterdrückte ein Gähnen. „Ganz recht", meinte der Pfarrer befriedigt. „Es ist eine Sache, bei der wir alle mithelfen können. S i e müssen das Gelübde unterzeichnen, Frau Quint." „Ich?" rief die Witwe entrüstet aus. „Ja. Ebenso wie ich es getan habe." ich weih gar nicht, was Sie .Blauen Der,Pfarrer war unruhig auf seinem Stuhl hin und her gerückt. 0tbt tnt ßebeit Augenblicke, Petronella," begann er, „in denen man suhlt, daß Schwelgen ein Teilhaben an Schuld bedeuten würde. Mag es mich oder andere kosten, was es will, als Pfarrer dieser Gemeinde „Sie? Na, Herr Pfarrer, das hätte ich nie von Ihnen gedacht. Aber ich denke mir, es wird auf der Universität angefangen haben. Mein Vetter in Utrecht sagt, es wäre fürchterlich, wie auf der Universität getrunken würde. Aber was mich angeht — ich weiß gar nicht, was Sie sich denken, Herr Pfarrer! Ich habe in meinem ganzen Leben keinen Tropfen Alkohol angerührt!" Sie stand auf. Ihre braunen Augen flammten. „Das sind gerade die, mit denen wir anfangen", sagte der Pfarrer freundlich, ohne die Anspielung auf ihn selbst zu begreifen. „Neun Zehntel unserer Mitglieder sind hochgestellte, junge Damen, die nicht imstande sein würden, Madeira von Genever zu unterscheiden. Das sind gerade die Leute, die wir brauchen, Frau Quint, um — um ein Beispiel zu geben. Da ist z. B. Ihr Sohn — Sie müssen Ihren ganzen Einfluß aufwenden, um Isaak zum Anlegen de Bandes" zu bewegen." „Niemals", sagte die Witwe und setzte sich wieder. Der Pfarrer, der nach einem Beifallszeichen seiner Schwester für seine Diplomatie ausgeschaut hatte, fuhr mit einem Ruck herum. „Was soll das heißen, Herr Pfarrer? Ich kann mir gar nicht vorstellen, was Sie damit meinen? Ich weiß nicht, ob irgend jemand Isaak vielleicht verleumdet hat. Die Lüge würde ich ihm ins Gesicht werfen!" Mit einemmal wurde sie wieder ruhig. „Ich bitte um Entschuldigung", sagte sie. „Es muß irgendein Mißverständnis sein. Der Junge ist ein anständiger Mensch, daß weiß niemand besser als ich. Und niemand kann behaupten, daß er trinkt. Isaak!" „Sie können doch wenigstens nicht behaupten wollen, daß Ihr Sohu Temperenzler ist", wandte der Pfarrer fast höhnisch ein. »Nein, Herr Pfarrer. Ist irgend jemand das? Ich habe nie jemand gesehen, der es ist. Er trinkt gelegentlich einen Schnaps, wie alle Männer, und bei den Mahlzeiten Bier, ebenso wie ich. Herrgott, der Gedanke, ich sollte meinen Isaak so beleidigen, ihm zu sagen, er sollte das Gelübde ablegen!" »Aber liebe Frau Quint, ich bin nie betrunken," warf die Schwester des Pfarrers milde ein, „und doch bin ich in den Bund eingetreten. Wir tun das, um gegen die Gewohnheit des Trinkens zu protestieren." „Dann muß das so eine Idee von Damen und Herren sein, Fräulein, und ich habe nie vorgegeben, etwas von ihnen zu verstehen. Ich weiß nichts weiter, als daß der Pfarrer von mir verlangt, ich soll Isaak und den Ngchbarn sagen, daß ich ihn für einen Trunkenbold halte. Isaak! Ich! Herrgott! Herr Pfarrer, lassen tote uns bitte von etwas anderem sprechen. Möchten Sie vielleicht mein kleines braunes Schwein sehen, Fraulem?" ' ' ’ ' bin ich verpflichtet, höchstes Interesse an der Wohlfahrt der Leute n, nehmen —" 011 »Ja, ja, ganz recht!" rief Petronella sehr erregt. „Und deshalb lab uns das kleine braune Schwein besehen." “ „Schwein? Es gibt keine ärgeren Schweine als die Menschen. Fra» Quint, hören Sie mich an. Was ich Ihnen zu sagen habe, wird Ihnen großen Schmerz bereiten. Meine gute Frau, ich appelliere an Ih^„ Mut und Ihre christliche Ergebung. Ihr Sohn hat zweifellos viele vortreffliche Eigenschaften. Aber er hat auch seine Fehler." In diesem Augenblick hielt der Pfarrer inne und nahm, um seine Erregung zu verhehlen, eine Prise. Hätte er das nicht getan, so wäre das Schicksal der Witwe besiegelt gewesen. Aber die Unterbrechuna flößte ihr Mut ein. 9 „Fräulein, darf ich etwas sagen?" begann sie schüchtern, indem sie die Hand aus ihr pochendes Herz drückte. „Ich weiß, daß Isaak nicht vollkommen ist. Fragen Sie ihn, ob ich ihn nicht in seiner Kindheit bestraft habe, wenn er sich nicht gut aufführte. Ich könnte jetzt über seine Fehler sprechen, ober wär' das recht von seiner Mutter? Ist es nötig daß andere mich auf seine — wirklichen ober eingebildeten Laster aufmerksam machen?" Wieder erhob sie sich, mit einer edeln, zugleich gebieterischen und bittenden Gebärde. „Kommen Sie," sagte sie ruhig, „lassen Sie uns hingehen und das kleine braune Schwein besehen." „Schon gut", schrie die Elster, die während der ganzen Unterhaltung aufmerksam zugehört hatte. .„Ja, lassen Sie uns gehen", stimmte die alte Jungfer ihr mit leiser Stimme bei. „James, sie hat recht: Laß uns sie und ihren Sohn der Gnade Gottes überlassen." - „Es kommt mir zuweilen vor, als ob du dich für klüger als mich hieltest, Petronella", versetzte der Pfarrer gereizt. „Nein, gewiß nicht, lieber Bruder, ganz gewiß nicht. Für viel wenia-r weise! Ader —" „Aber — was? Nun, dann laß uns in Gottes Namen gehen, laß uns gehen! Wir haben keine Zeit für Besichtigungen. Du wirst ohnehin elend werden, Petronella. Ich hätte es nie zugeben dürfen. Aber du bringst mich dazu, dir immer den Willen zu tun." Sobald die Witwe allein war, lief sie hinaus, um Luft zu schöpfen Ihr war zum Ersticken zumute, das Herz schlug gegen ihre Rippen. Sie war weiter als sie wußte die Landstraße entlang gegangen, als sie Christine Brodel erblickte, die in einem kleinen abgelegenen Obstgarten mit Aepfelabnehmen beschäftigt war. Sie rief sie an und lies am Waldsaume entlang zu ihr hin. In ihrer Empörung schüttete sie ihr Herz über den Besuch des Pfarrers aus und appellierte eifrig an das Mitgefühl des schweigsamen Mädchens. „Aber Christine, du bist ja ebenso wortkarg, wie die Leute es von mir behaupten. Mädchen, was hättest du getan, wenn der Pfarrer dir gesagt hätte, Isaak betränke sich." Die Bauerntochter befühlte die Aepfel in ihrer Schürze. „Ich würde den Beweis verlangt haben", erwiderte sie zögernd. „Aber das hat der Pfarrer doch auch nicht gesagt, nicht wahr, Frau Quint?" „Nein, natürlich nicht", lautete die Antwort. „Na, ich bin vielleicht, zu empfindlich! Aber wenn man das denkt — lieber Gott, wenn man sich so etwas vorstellt! Mir wurde ganz schlecht." Das junge Mädchen guckte ihr ins Gesicht. „Sie sind nicht wohl", sagte Christine mit einer Wärme, in der all ihr unterdrücktes Mitgefühl Überquoll. „Sie sollten zum Doktor gehen. Sie wissen, daß Sie nicht wohl sind, Frau Quint." „Oh, ich bin ganz gesund, nur mein Herz ist nicht mehr so kräftig wie früher, und dann komme ich leicht hinter den Atem. Ich wollte, Isaak wäre erst verheiratet. Mädchen, wenn er spät abends im Walde ist, guckt er nach deinem Fenster — der dumme Junge!" „Hat er Ihnen das gesagt?" rief Christine. „Gesagt? Nein. 'Aber eine Mutter weiß Bescheid, das kannst du mir glauben. Guten Abend!" Aber das Mädchen hielt sie zurück. „Mutter Quint," sagte sie ein- dnnglkch'! „Sie nennen unsere Namen doch nicht zusammen, nicht wahr. Irgend etwas in Christinens Gesicht schlug in der Brust der Witwe Alarm. „Was meinst du damit?" fragte sie ungestüm. „Ist etwas nicht in Ordnung?" „Nein", erwiderte Christine leise. „Das bilden Sie sich nur so ein. Nichts- ist in Unordnung und nichts in Ordnung." ,:Ach was, du verstehst nichts von Liebschaft. Um so besser! Ich weiß, daß Isaak verliebt ist. Aber vielleicht ist er's nicht in dich, Kind. Warum sollte er's auch? B'hüt dich Gott!" Und die beiden Frauen küßten sich. Die allein bei ihren Aepfeln zurückgebliebene Christine trug den letzten Hausen mit müden Schritten und traurigen Augen zusammen. Aus dem Heimweg traten ihr ein paar unerwünschte Tränen aus den Augen. Sie hatte gerade eine abgeschüttelt, als ihr an einer Wegkrum- mung Tom Bunsing begegnete. „Ich hab' hier auf dich gewartet", sagte Tom. „Ich sah, wie du ine alte Mutter Quint küßtest. Na, mach' nur kein erschrockenes Gesicht! tagen ja zwei Felder zwischen uns. Sag' mal, du hältst es doch wohl nicht noch immer mit diesem Hund von Isaak?" „Nein. Wie kannst du dich unterstehen, so mit mir zu sprechen? Laß mich vorbei!" „Sei nicht albern, Christine. Es gibt ebenso gute Fische in der See, wie je zuviel braus getrunken haben. Du weißt ebensogut wie ich, datz mein Vater froh fein würde, wenn ich mich auf dem Hof iiiederließe. Gönn' mir doch, daß ich mein Heil bei dir versuche!" „Laß mich vorbei!" rief sie, außer sich vor Zorn. „Du — du ^uo- dieb, du!" (Schluß folgt-) Verantwortlich: Qr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, D. Lange, Gießen.