auf, als •“ »Air -mir lief ivie n Lung, )as ging -n Prini darauf, gewesen nicht ber der hier Hon gemüffelt," nid stieg ihm der vir trie» Green- itn. Da ine Art, Stau32), e ich zu ordnung e wurde 3). .,3a, en lose, und da mn von Na, er ne Netz- eworden Hleppte, nun an i ich sie m war, . bittet« Heukind . c gleich üchnam, i haben auf die gersegel sen und PolizLi ■Qlnfer« t Leiche Soronet och und und sie ient by nichts, :at und chlamm nge ge« ersten chwcrnk, welchen fite ich i, dicht ieselben linken ade so, »n ihm g war, undigt, wann tcn ist. H noch h nicht n Fuß e, sein meine eufels'- wider- hatte ? War Agu- tt das t. daß nöglich aber, >araus daß e mit )tgt.) eben* Jahrgang 1928 Dienstag, den 1. Mai Nummer 35 SiehenerKnnilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger behren fast immer jeder Phantastik. Gottfried ging gerne in die Schule arm^hJr esm ^?.eu6e/ eines Tages aber umklammerte er den L7,-der B!u ier, wie er dies feit langem nicht mehr getan hatte. Ent- als er ihr iih»r 5 schErzluher Zug lag auf seinem Kindergestcht, ms er ihr über und über rot werdend ins Ohr flüsterte: Ich möchte Kutscher werden Kaum daß er diese Worte gesprochen, wandte er sich K "b und lief in den Park. Es war ein schöner Margen aber dte etn-en Frost gebracht und viele Blüten verdorben. Von 9^it»nhKH„ert iS langen Allee hatte der Morgenwind die erfrorenen Tlutenblatter heruntergeweht, so daß die Stengel ohne Blüte und ohne ?rUCmr-f 6 Leserlich, halb lächerlich aussahn. Der ganze Weg war von den Bluten wie mit frisch gefallenem Schnee bedeckt. Jetzt^ schien die I warm durch das junge Laub auf die Blütenstreu und die weißen-Blättchen tauten auf und gaben ihren letzten Duft. war der Wagen der Fürstin vorgefahren. Gottfried nfJkh Jim berhe,t unö.roar fast glücklich darüber, daß der Wagen nicht gleich kam und er noch warten durfte, bis die zwei hohen Braunen nicht "'J uuf der Stelle stampfen würden, sondern im gleichmäßigen Trabe ^,»en A'e n?ee ßu, gegen ihn zu. Während er so den schönen Augenblick erwartete, stieg tn ihm ein heftiges Verlangen auf, das Glück irgendwie besser langer zu genießen. Und als der Nagen sich im vollen T^ab fiA N&a« bcr ^inJaF'.1nebent)er bu laufen. Aber gleich schämte er Gedankens, so daß ihm die Wangen wieder ganz heiß und rot miir h™’ lf,ranS rf?J4 hlnter die nächste Kastanie, und als der Waqen b^r Fürstin vornberfuhr, drückte er den Körper gegen den Stamm rC^te b!e- ^?unge so fest an die rauhe Rinde, daß es ihn schmerzte So blieb er, bis der Wagen seinem Blick entschwunden war. a) « Das Parktor wurde nicht geschlossen, die Fürstin würde allo hnih mjeber zurückfahren. Gottfried, trat in die Mitte der Allee zwischen dw f n sch en S p uren, welche die Räder in der Blütendecke gelassen hatten Die ttten Sfat2!r buchteten in der Sonne, und die feuchten Sandkörner die in sie gepreßt waren wie die Rindenstückchen in des Knaben Wanae' glanzten aus ihnen schwarz heraus. Er sah diesen Spuren nach wo fie h beS 9e.tben Sand dunkel weiter liefen 'und sich hiScS^ roelter ber9‘^ 8an3 verloren. Und da begann er mit den Füßen ü fiMHn verwischen, indem er frische Blütenblätter darüber streifte, frübe^mi-b-^ unbestimmten Hoffnung, daß dann die Räder um so früher wiederkamen, neue Spuren elnzuprägen ..Er mit den Schuhen ging das so schlecht, sie nahmen auch Sand Str ßerörurften die weißen Blätter. So schnitt Gottfried von einem Strauch einen buschigen Zweig ab. Mit diesem grünen Besen ging es viel bZer. Der fegte die Blütenblätter so leicht und rein weg von dem Sand- könnte bfn6mpS w"?betnr-leid) br''u «weiten Strich der Einfall kam, er „ unte so viel Blutenblatter zusammenkehren, daß der Wagen darin n s ^echl wußte er, daß der Kutscher nicht durch einen undurchdringlichen Blutenberg fahren, sondern einen Umweg finden Aonderttch behagtt.^ ” """ ber ärbe^ aeil if>m fein Tun . •C9r,>raut H nr-Jd)?U f° B°ch'.. daß ihn Gottfried nur mit einem tüch- hgen -tulauf hatte überspringen können. Er strich mit dem Zweig wie bedauernd, daß er ihn nicht noch höher machen dürfe, über seinen Gipfel als er weit auf dem Sandwege etwas Silbernes aufglänzen sah Gleich' Kopf des Kutschers empor und links und rechts gingen schwa.ze Punkte auf und nieder und wuchsen, die Köpfe der Pferde Aber ehe die Pferde so weit bergan waren, daß Gottfried das Stampfen ihrer Fuße gesehen hätte, ehe er sich recht bewußt war, was hLS. n tn ben Blutenhaufen geworfen und seinen Körper hinen.gewühlt, indes er mit den Händen über alle Stellen, wo noch mrnS r ..!’e,ruorrJnt)l;n' und schließlich über Gesicht und Kopf deckende Bluttnblatter streute. Dann verkrochen sich auch die Hände und kein Vor- stmmch steckl b“tte üermutet' baß in dem zusammengekehrten Haufen Gottftied bebte vor Erwartung, aber er hielt den Atem an, um sich TOnnfA oralen. Er wollte daß der Wagen Über ihn fahre, und dieser Wunsch war so stark, daß ihm kein Gedanke an eine Gefahr kam. Er hatte em Ohr an den Boden gedrückt, so daß er das Stampfen der Pferde als ein starkes Drohnen horte, und es wuchs so rasch und übermächtig daß es ganz herbeigekommen war, noch ehe er ausatmen mußte. Und *fiiiwnttien «^Pferde über ihn, schon rollten die Räder über ihn; er fühlte eigentlich keinen Schmerz — es war bloß das Glück das ihn so zusammenzucken ließ. Er hatte vor Freude aufschreien mögen, da er Druck der Rader verspürte; mit knapper Rot hatte er sich zurück- gehalten, nun kam der verhaltene Atem seufzend aus seiner trunkenen Wuft und zitterte durch die Blüten. Er hörte das Stampfen schwächer und schwacher und endlich war es still. ™ ™ Gottfried stutzte sich mühsam auf den Ellbogen und steckte den Kopf hervor. Aber der Wagen stand ja gar nicht beim Schloß und mit Verwunderung bemerkte er auch, daß keine frischen Räderspuren da Mit einem Schattenbilds. Von Edmund Finke. Ich bin ein Schatten. Nur mein Herz ist licht, das Gott sieht auf verlornen, aufgegebnen Wege», das seine Sehnsucht in den Himmel spricht und wie ein Lächeln in die schrecklich trägen Bedenken dieser dunklen Erde bricht. Ach, daß sie wieder mir zur Form erstehe, die ich erschuf und tausendmal verlor; wenn ich den Weg hinab zur Hölle gehe, io ist es, weil mich heimlich Gott beschwor, daß der gefaöne Engel mit mir auferstehe und wiederkehre vor das Himmelstor. Ich bin fein Lied vor dem verfchlofsnen Tore. Er fang die Erde und die dunkle Zeit; da brach das Tor und in dem Engelschore klang feine Stimme tief wie Menfchenleid. Kott aber stieg von feiner Sternempore und nahm ihn wieder in die Ewigkeit. Srfts Liebe. Von Robert Michel. ..Der Verfasser wurde vor kurzem mit dem Adalbert- Stifter-Preis ausgezeichnet. Er ging damals in die zweite Klasse des Gymnasiums und war zwölf Jahre alt. Das Elternhaus lag außerhalb der Stadt, von dieser durch den großen fürstlichen Park mit dem Schloß getrennt. Gottfried war ein Mer Knabe, wohlgelitten bei der Schloßverwaltung, und so hatte er die Erlaubnis bekommen, durch den Park in die Schule zu gehn; er hatte einen eigenen Schlüssel zu der kleinen Tür, die in der Umfassungsmauer mar neben dem großen Tor auf dem Fahrweg. Vom Schloßplatz zum Tor führte eine lange Allee von wilden Kastanien. Durch diese Allee war der kürzeste Weg, aber Gottfried machte lieber einen Umweg durch Öen untern Park mit den alten Bäumen und dem dichten Wäldchen- dort war er freier und brauchte nicht dem Gärtner zu begegnen, der gewöhnlich an den Blumenbeeten vor dem Schloß arbeitete und ihn nnmer drohend ansah, auch wenn er ganz artig in der Mitte des Sies= fsT "ber den Schloßplatz ging, schon deshalb, weil er in dem säuberlich gerechten Kies oußftapfen zurücktteß. Eines Tages gab es für Gottfried viel Neues zu sehn: Das Schloß war aus langem schlaf erwacht und halte feine zahllosen Augen ausge- Wagen; alle Fensterladen waren offen, von den Eingängen waren de hölzernen Türen entfernt; durch die großen Glastüren sah man in 2 “ette buntgepflafterte Halle und jenseits durch die Balkonfenster /Eine des untern Parks. Und wenn man vom untern Park 3um Schloß kam, sah man schon von weitem in dem dunkeln eben« « Otgen. Eingang grüne Lichter und beim Näherkommen spürte man ?*; /"genehme Kuhle aus der beleuchteten Grotte. Im oberen Park IP eite wieder der große Springbrunnen und auch die marmornen ffnnfr an £er Umfassungsmauer hatten so reichlichen Zufluß, daß. die M-S? So(Mn. immer frischer Feuchtigkeit glänzten. Auf hLU * ’m unteren Park wurden am Morgen Pferde bS unm, auf -hcm Schloßplatz und in den breiten Alleen waren neue 3Bageti|puren zu sehen. Aeses hätten sich Gottfrieds Interessen und Bewunderung Sckins ^».Erschöpft, wäre nicht die da gewesen, um derentwillen sich ÄJ. Unb Park aus Einsamkeit und Versnonnenheit in Leben und We ~ ,bic >unge Fürstin, die hier für einige D? Efenthalt genommen hatte. Täglich, zur Stunde ihrer Aus- Kenh»i b beE Knabe ein. Er stand am Wegrand, gegen den Wagen &r£ T Hut tief senkte, beugte er ein wenig den $i(h 's b°H nur so weit, daß er nichts von dem vorübereilenden dem freundlichen Nicken der Fürstin verlor. . taftitop mr’bCn ^!!b°treff ihrer künftigen Berufswahl meist sehr phan- fi* Komg, Kesselflicker, Soldat, Hofrat, Arzt, Lokomotiv- L rj Bort bas 5lind den bloßen Namen und fein Wunsch an bie Sv.-inM, «nzuk ammern. Selten aber hält die gleiche Wahl lange °b-r k,e. n ^ .Sächseln rascher als Tag und Nacht. Bei einem Knaben ftimmterp Lebens,ahr hinter sich hat, find es gewöhnlich bediele merht rwbe'J”l3< b/nen er sich die Erlangung eines Berufes zum Brann wohl schon ein ausgesprochener, innerer ®e(efene5 kann Beweggrund fein, all- to4feln hi» roblerJteu6.eIIi4fciten e,nes Berufs. In diesem Alter aber bestimmteren "'Ak mehr so häufig; sie halten sich schon in teren Grenzen, gehen meist nach gewohnt Erreichbarem und ent- Waren. Suchend wandte er den Blick, nach der anderen Seite: der Wagen stand beim Parktor, die Fürstin war ausgestiegen und setzte den Weg zu Fuß fort. Er konnte die Täuschung mcht begreifen und ein Zorn flammte in ihm auf, der ihn emporschnellen ließ, ein Zorn gegen sich selbst, der sich allmählich in eine tiefe Scham verwandelte. Er schlich ins Gebüsch, so weit, daß er nur noch undeutlich in die Allee sah. Die Fürstin kam auf dem Wegrande mit langsamen Schritten und blickte in ein Buch. Sie bemerkte den Blütenberg gar nicht. Gottfrieds Blicke folgten ihr. Immer mehr und mehr verdeckten sie die Zweige, er sah nur noch, ganz undeutlich, das Dunkel ihres Kleides. Nun blieb sie stehen. Gottfried hielt den Atem an; unbestimmte Erwartungen begannen in ihm zu erwachen. Da merkte er plötzlich, daß das Dunkle gar nicht die Fürstin war; ein Baumstamm hatte ihn getäuscht. Schweren Schrittes Äer auf entlegenen Pfaden nach Hause. Die Fürstin hatte er nicht er gesehen. Der leere Wagen war langsam dem Schlosse zu gefahren. Als der Kutscher an den Blütenberg kam, bog er seitwärts ab, wobei er mißbilligend den Kopf schüttelte. Rembrandts Brrrdsr: der „Marrn im Goldhelm". Von Wilhelm H a u f e n st e i n. Vielen ist der Mann im Goldhelm ein Bekannter, ja Vertrauter. Die ihn nicht in Berkin gesehen haben, dort an der Wand des Kaissr- Friedrich-Museums, kennen ihn von schwarzen oder farbigen Nachbildungey, er ist volkstümlich. Sein Bild ist eins von denen, die man nicht vergessen kann. Denn es ist mehr als ein Bild: es ist ein trauriges Ereignis, das uns in unserem privatesten Dasein betraf; es ist ein Trauerfall in unserer leiblichen Nähe, ein Tod oder die beklemmende Ahnung kommenden Todes in der Familie. Wir sitzen still in der Tür, den Rücken gegen die Welt, oder sitzen im Wald oder Garten, wir senken, wie unterm Goldhelm jener Adriaen van Rhijn, die Blicke schräghin ins Unbestimmte und Hoffnungslose; wir sind voll von Gedanken und gedankenlos, und goldgelb brennend macht die Sonne eine schwere Haube um unfern müden Scheitel. Mit einem Mol erscheint unten an der dunklen Tapete in der Stube drin oder zwischen den Luftwurzeln der Bäume unser Mann im Goldhelm, der traurige Gevatter mit der aberwitzigen Pracht, die unbeschreiblich verspätet auf seinem Scheitel sitzt; er taucht auf aus dem Boden wie aus Grab oder Gruft, und der goldene Helm ist, näher beschaut, deutlicher geträumt, ein üppig vergoldeter Sarg über der Verwesung eines Leichnams, der das Bild eines unserer Nächsten, unserer Mernächsten ist; unsere Phantasie streift leise den schwarzen Flor der Hinterbliebenen über die feuchten Augen ... Im Jahre 1650 hat Rembrandt diesen Bruder gemalt; diesen trüben Bruder. Adriaen hatte das Handwerk des Schusters gelernt, doch ohne Freude und Erfolg geübt. Er hatte sich hernach zum väterlichen Beruf zurückgewandt. Müller war er geworden, hatte an der Mühle des allen Härmen und der alten tüchtigen Mutter Cornelia zu Leiden am Rhijn grobes Segeltuch über die Windmühlenflügel gespannt, das Korn auf» geschüttet, das nach Samen riecht, und auch das süße Malz drinnen im Dunkel der Mühle, zwischen den messerfarbenen Strahlen der Sonne, und die stäubenden Mehlsäcke herumgeschleppt, ein halber Taglöhner der eigenen Leute. Und endlich war nichts mehr, gar nichts. Elend hatte ihn ergriffen an Seele und Leib; er stand und schaute ins Leere; begriff nicht mehr, wozu er da war. Vielleicht, daß ihm das größere und furchtbarere Schicksal des Bruders die Härche lähmte — wie es die ganze Weit um Rembrandt, Frauen, Kinder, vorausverzehrte ... Da zog den alleren Bruder, den entgleisten Handwerker, der jüngere Bruder, der auch entgleisende, aber wie ein Meteor entgleisende, in seine familiäre Nähe, dazu auch eine trübe Schwägerin, sorgte für beide und malle sie. Denn die feinen Bürger und Bürgerinnen faßen ihm längst nicht mehr; dies war vorbei, seitdem die rauschende und gleißende Fantasia der „Nachtwache" den nüchternen Ruhm des zuverlässigen bürgerlichen Bikdnismalers und .Kaufmanns" Rembrandt erschüttert hatte. Nun matte er Juden und alte Leute. Er malte Personen, die auf irgend- , Eyangnisvolle Weise fertig waren. Er matte diesen Bruder, der ein Proletarier geworden war, ein Miserable — gut genug noch zum Eitzen als Modell. Man sieht das Bild; man spurt das Modell, das trostlose Modell; hier hat einer Modell gesessen um ein warmes Mittag- eflen Um ein dürftiges — trotz dem goldenen Helm! Der Helm ist ienseits von diesem Gesicht. Er ist Theaterglanz über der Wahrheit Oes Elends; Theaterschimmer über der Linsensuppe der verkauften Erstgeburt. ' . Theaterglanz, o ja — aber nicht bloß über dem schimmligen Haupte Oes Adriaen, sondern auch unter den Händen des malenden Rembrandt. Die funkelnde und naive, etwas barbarische Sammlrmg von Srfjau- stucken, die in den Jahren der prahlenden Che mit der Patrizierin Easkia zusammengerafft worden sind, wird nicht mehr lange vorhalten! Der Reichtum des Maler-Bürgers, das eigene Haus an der breiten Straße zu Amsterdam, ist ein goldener Schwindel über einem grauen, schimmligen Chaos von Schulden. Sechs Jahre noch — und der grelle Bankerott wird öffentlich fein. Dies also ist der Schatz, aus dem der Goldhelm genommen wird, der mit sonderbarer Fremdheit über dem annen Haupte des Adriaen wohnt —, so wie die goldene Bürgschaft hoch über dem verwahrlosten Viertel der armen Leute. 3n der Mitte zwischen dem Augenblick dieses Bildes hier und der großen Gant des Malers, die das Jahr der Weltgeschichte 1656 schändet unb abgründig tief macht — dazwischen stirbt Adriaen. Er ftirbt im 3at)re 1654. Alle sterben. Die gute Mutter Neeltje Willemsdochter ist gestorben. Saskia ist gestorben. Ihre Kinder sind tot bis auf Titus, den öiedjen. Hendrikje ist da, aber auch sie bringt ein Totes, auch sie wird sterben, und nur klein Neeltje wird leben. Eine Wett von Toten, voll von Särgen mit sonderbar gleißenden, fremd auffitzenden Beschlägen ... In dieser Welt malt Rembrandt den Bruder. Ein Proletarier, der sein wird, malt einen, der schon ist. Einer, der seit 1642 stündlich stirbt und bis 1669 noch stündlich wird sterben müssen, malt einen Bruder, dessen Angesicht — wie leicht zu sehen — in kurzem ein Totenkopf sein wird. Bruder Schuster und Müller macht ein Stückchen Wegs voraus. Er spurt vor, schmaler, weniger tief, — allein das Bild des Adriaen ist doch wie ein mittelbares Selbstbildnis des Rembrandt! Freilich wird Rembrandt sich keinen Goldhelm aufsetzen. Er wird sich eine alte Samt» Mütze aussetzen oder einen Leinenlappen um die Schläfen binden, als wären sie blutig; und nur die Malerei selbst, die Farbe, vielmehr der Geist der Farbe und der Malerei: wird noch Gold fein — gedichtetes Gold, ein Gold des schwärmenden Gedankens, metaphysisches Gold, nicht „wirkliches" ... Der Helm hier ist, ob auch gemalt, noch wirkliches Gold, wie ihn große, zwar mehr theatralische als kämpfende Satrapen tragen. Rembrandt matt den Helm mit einer leidenschaftlich materiellen, schier bösen, schier mammonistischen Lust am eitlen Golde: er setzt die täuschende Farbe wie fingerdicke Wirklichkeiten, modelliert sie, treibt sie bildnerisch um; man kann sie angreifen; man kann ihrem Relief mit dem Daumen folgen. Die Farbe ist Meiall, begeistertes zwar, doch Metall; sie ist das goldene Original. Sie ist der brünstige, feile, der herrliche und verräte- rische Reichtum selbst! Aber Rembrandt malt auch den schicksalhaften Abstand des mensch» kichen, des also in sich selbst hineinstürzenden Menschen vom Golde. Er matt die ungeheure Entfernung zwischen dem Golde und einem Leden, das ihm, dem Rembrandt, blutsverwandt, ja das schon er selber ist Adriaen, bares Modell unter goldenem Helm, ist so schauerlich weit weg von dem so nahe gleißenden Helm über ihm! Diese schlackenfarbenen Augenreste sind durch Unendlichkeiten vom Golde geschieden; die Nase, die von einem Widerschein des Goldes sinnlos glängt, ist eine derbe und mißliche Wahrheit des gemeinen Mannes; die unrasierten Varthaare sitzen wie weiße Pilze an Backe, Kinn und Lippe, das graue Violett des Gesichts, hauchdünn gemalte Trauerfarbe, ist melancholisch, kalt und arm, wie das graue Violett der Steingebirge unterm Regen und Nebel, jener Mondgebirge auf Erden, die eine erhabene und traurige Ruine des verlorenen Paradieses sind. Ja, Adriaen ist nur ein lilagrauer Schatten aus der Unterwelt, und er spürt — fo gänzlich ist er abwesend — den Druck des Gewichts der goldenen Wirklichkeit schon lange nicht mehr... Leidenschaftlich und bekümmert ermißt Rembrandt, der Bruder bes Modells, die furchtbare Spannwette des Menschlichen: die unabsehbare Strecke vom Gold zum Elend. Das Gold wölbt sich glänzend empor, und über ihm ist noch die feine Pracht eines barocken Federbusches aufgesteckt. Doch der Hintergrund ist schwarz, und der Mensch, der einmal gefühlt hat, ist in lauter Melancholie verwandelt wie weiland Lots Weib in eine Salzsäule. Zwischen dem goldenen Gold und dem menschlichen Menschen gibt es keine Verbindung! Denn das gewisseste Wesen des Menschen ist Armut und Trauer. Wer Gold dennoch trägt, ist mir verkleidete Armut. Sie kommen nicht zusammen, es sei denn, daß der Mensch auch noch die Armut feiner Trauer verlöre. Wollen das Gold und der Mensch einander berühren, so gibt es endlich nur den ringförmigen Schmerz um Stirn und Hinterkopf. Es gibt für den Zuschauer die Pein einer Verkleidung, die aus dem Menschen einen unwahrscheinlichen Statisten des Goldes macht. Wir muffen einräumen, was ersichtlich ist: Rembrandt ist ein fanatischer Liebhaber der Verkleidung! Er liebt das Schauspiel; er stülpt dem müden Adriaen den Goldhelm auf. Der Bruder ist einer fanatischen Liebe Rembrandts für das goldene Schauspiel nicht zu gut; die fanatische Sachlichkeit der Liebhaberei des Rembrandt ist grausam; er verkleidet die Armut des Menschensohnes und Menschenbruders mit dem aberwitzigen Goldhelm! Aber später werden die Jahre [ein, wo er kein Geschmeide mehr besitzt und keines mehr matt. Dann malt er nur noch das Gold feiner Gedanken, und alles, alles wird in das tragisch schluchzende Pathos dieses idealischen Goldes verwandelt — fo Mensch wie Geschmeide; und nun erst sind alle Glorien und alle Schmerzen in einem einzigen wunderbaren Schmelz vereinigt. Die Wohnmaschine. Etwas über neueste und kommende Bauweise. Von Dr. E. Bernhart. Was ist „Neue Bauweise?" Viele glauben: nur eine Art neuer Baustil, eine andere Aesthetik der Baukunst, eine vereinfachte glattere Gestaltung der Fassaden und Innenräume. Aber es handelt sich um sehr viel Tiefergreifendes. Von allen Gebieten des Gebens gibt es nämlich nur ganz wenige, die bisher so gering von der modernen Maschinentechnik und ihrer großartigen Beherrschung der Naturkrüfte berührt sind, wie hie Architektur. Das Haus ist noch so etwas wie ein stehengebliebener lieber- reft aus der guten alten Zeit, in der es diese moderne Technik und damit freilich auch den heutigen problematischen Zustand unseres Lebens noch nicht gab. Dieses Zurückbleiben des Hauses hinter der Maschine beginn! sich nun stürmisch auszugleichen. Der neue Stil ist erst eine Folge daraus. So wie etwa das Auto sich eine zweckmäßige Form geschaffen hat die natürlich eine ganz andere ist, als die des alten Pserde-Fuhrwerks. Ein Ingenieur, der eine Maschine In so überlasteter Form konstruieren würde, wie bisher der Architekt sein Haus, würde sich unmöglich machen. Die Aufgabe unserer Zett, gesunde, praktische Maffen-Quartiere herzu' stellen, verlangt eine neue Baugesinnung. Zuerst ist eine negative Aufgabe zu lösen. Die Säuberung von Formelementen, denen ® Wirklichkeit gar nichts mehr entspricht. Dann eine positive. Die forma« Gestattung der technischen Faktoren. Schon die Methode des Aufmauerns, des Zusammensetzens Steinen und Ziegeln, ist die gleiche uralte, die man schon zur Zeit on Pharaonen angewendet hat. Run gibt uns Beton und Eisen ganz». Konstrukttonsmögllchkeiten. Die Bauelemente werden größer, flaM Ri sofort Jas S. Häufei statalo auch V inung Größe! andere wird r der mc Die al» etg statisch gcfpan ßonstn Krücke: deiner, Mitte nur no Jäher In diese ist die manche, sotten, »offen. Die geschützt «bracht Fenster, gossen. ' an ihre, Krücken, Platten steht da «aohnreis nen B> schnelle verwend Material Die ' eine and weit öffn Wand, 1 denkbar, nen, mit ktelle ei, leicht oer Ser das einen, ( ßobenrät Mtterun stoche kn, was stens zen Ebens stch oern sich mit ! werden Alles läß Füllung, wird bte Keil der tritt, und können. Entlas eicht meh sondern c Ee Gew oergeffen, °-ir s-hiN Stritten innerliche oerdrängt "ommen tastender 8ibt für | berschmer Die € osaak die ®ir meir kr Trott °urch das °5 wir d üblichen < .. 3n de »egenden ?ud einii Sr lange M°reZ beichten. 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Ror. mung auch der Einzelteile wird erreicht. Stahlplatten sind in den nötigen Größen vorrätig. Ebenso schematische Fenster und Türen, Klinken und andere Grundbestandteile. Was bisher bei Industriebauten üblich war, wird nun auf bas Wohnhaus angewendet. Das Haus bleibt nicht länger der modernen Maschinentechnik entzogen. Die Verwendung von Eiken und Beton überwindet die Mauer als eigentlich tragenden und stützenden Teil. Die Konstruktion stützt sich statisch auf einzelne Eisenpfeiler, so daß das Haus dann einem aufgespannten Schirm zu vergleichen ist. Also eine Art neuer Gotik. Die Konstruktion wird auf einige Punkte konzentriert. Man kann auch an tzruckenbauten oder an Bahnhofshallen denken, oder an di« Ueberdachung Keiner, oft offener Bahnhöfe, mit der Auskragung des Daches von der Mitte aus nach beiden Seiten der Bahnsteige. Die Wände sind dann nur noch schützende Mäntel, Ausfüllungen, aber haben nichts zu tragen. Loher ist es leicht möglich, beliebige Durchbrechungen und Oeffnungen In diesen Flächen anzubringen. Die weitgehende Verwendung von Glas ist die weitere natürliche Folge. Das „Glashaus", wie wir es von manchen Warenhäusern schon kennen, tritt in Sicht. Dabei gibt es Glas- (orten, die nur für die uns hygienisch passenden Strahlengruppen durch- iossen. Die Betonplatten, die oft 12 Meter lang sind, werden, um vor Pruch plchützt zu werden, mit Eisen durchsteift, und fertig auf die Baüftelle «bracht. Diese Platten enthalten schon die Oeffnungen für Türen und Fenster. Bisweilen werden diese Platten auch an Ort und Stelle ge- «offen. Gewaltige Hebewerkzeuge, riesige Krane setzen dann die Platten en ihren Ort. Daher erinnert diese Bauweise etwas an Schiffswerften, «rückenartige Krane, die natürlich oft haushoch [ein müssen, lassen die Platten an jede gewünschte Stelle heranschweben. Auf diese Weise ent- steht das Haus mit einem Minimum an Feuchtigkeit, und ist schnell vohnreif. Durch den Uebergang von der nassen zur trorfe- uen Bauweise wird wirtschaftlich kostbare Zeit gewonnen. Durch die schnelle Fertigstellung des Hauses wird Arbeitszeit gespart, und da die verwendete Arbeitszeit oft den Preis des Hauses mehr bestimmt, als das Material, so ist die Verbilligung nicht unerheblich. Die Betonwände ermöglichen, da (te keine tragenden Bauteile find, «ine andere Anordnung der Fenster. Man kann ja die Wände beliebig weit öffnen. So läßt man die Fenster etwa als ein Band über die ganze Wand, über Eck, und über die ganze Fassade laufen. Es wäre auch denkbar, die Funktionen des Fensters als Licht- und Lustquelle zu trennen, und die Lust, durch besonder« Lüftungseinrichtungen an anderer vierte einzuführen als das Licht. Viele alte Mißstände ließen sich so viel- leicht vermeiden. Eine andere Folgerung ist das „flache D a ch . Auch Aer bas Streben nach größeren flächigen Bauelementen, anstatt der ttetnen, einzelnen Dachziegel. Ersparnis an der Konstruktion, hohe gerade vodenraume, und die Möglichkeit des Dachgartens. Eine Gefahr durch W-tterungseinftüsse besteht hier für die moderne Technik nicht mehr. Das stäche Zach wird noch an Reiz gewinnen, wenn die Schornsteine schwinden. was durch die Anwendung von Fernheizungen oder minde- ftens zentraler Heizung ganzer Häuserblocks in Aussicht steht. Ebenso stark wandelt sich der Innenraum. Farben werden reich- kch verwendet, auch auf der Fassade. Wetterfeste lichtechte Farben, die sich mit dem Putz verbinden, schaffen ein neues Straßenbild. Sie Fenster , Metall hergestellt, um eine Dauerhaftigkeit zu erzielen. Mes laßt sich auf das zierlichste konstruieren. Türen, ohne Rahmen und vMung, aus Sperrholz, vermeiden jede Zergliederung. Aber vielleicht wird Me Tür überhaupt einmal zu den „veralteten" Bauteilen gehören. S™ der Raum mit beweglichen Wänden an Stelle des festen „Zimmers" m», und die Abgrenzungen im Haus je nach Bedarf verändert werden können. Entlastung ist also das Hauptziel der Wohnmaschine. Das Haus wäre Mlyt mehr eine Querte von Sorgen und Arbeit, besonders für die Fran, Rbern arbeitet für uns. Man wendet ein, daß in solcher Maschine die °»e Gemütlichkeit und Behaglichkeit verloren geht. Nun soll man nicht ergenen, daß hier noch alles im Werden ist. Manches von dem, was berten' ift "°ch Zukunftsmusik. Aber ttotzdem kann nicht h™ nS" *^r6el\ daß viele alte Werte hier zugrunde gehen. Die frühere m ernche Wohnkultur wird durch die neue unsentimentale Sachlichkeit «wrangt. Bedenkt man aber, wieviel Arbeit und Plage uns obge« Inr.nnVn werden soll, wieviel einfacher, gesünder, übersichtlicher und ent« X I- ?'e kommende Wohnweise fein wird, und wieviel Kräfte sie frei« höhere, kulturelle Werte, so wird man den Verlust des Alten so tzcyinerzen wie die Romantik der Postkutsche zugunsten der Schnellbahn. Leopardenjagd in SÄdwest. Don Hermann Keßler, Ranstadt. KfcX®OTme n)ar noch nicht aufgegangen, als der baumlange Herero J: ,e dferbe vor die Veranda führte. Wir faßen auf, und ich knöpfte der Khakijacke zu, denn es war empfindlich kalt, wie meist in burrfi *m leider verlorenen Südwest. Im Schritt ritten wir bis ^kemgeröll hinter dem vor kurzem erst fertiggestellten Hause, fibftrfi..« m ,Erreichten, auf der die Pferde von selbst in den landes« "SEN Gawpp sielen. lieaenh»„ Wunderbar klaren und sichtigen Lust schienen die vor uns und „:nl\ ästigen Höhenzüge der Zwiebelhochebene zum Greifen nah, ftr rm.»' Waukleradler, die ihre herrlichen Flugkünste zeigten, ließen eufaeron?^0®»1^9, Piifuh hören. Ein buntfarbiges Rakelhuhn stieg mit Wichten X ®e^rei senkrecht in die Höhe, als wir den Kamm er- parierten wir durch und ritten langsam den Hang hinunter, welcher tn das Duwisibrevier führte. Es lag, wenigstens 500 Meter brett, vor uns ein mitten durch das Flußtal sich schlängelndes, wildzer- riffenes Gräbchen, bloß einige Schritte breit, ließ nicht ahnen, welche ge- wattigen Wassermassen baä abkommende Revier in der Regenzeit auf- nehmen konnte. 2ch hatte die lange Mauserbüchse auf dem rechten Schenkel und spähte aufmerksam umher, während Isaaks scharfe Jägeraugen im Sande lasen wie in einem Buche. Jetzt stieß er einen leichten Pfiff aus und parierte feinen Basuso. Mein Hengst, der mit ganzem Herzen bei der Sache war und feinfühlig auf die leiseste Hilfe reagierte, stand. Isaak zeigte mit ber rechten Hand nach vorn, indem er seinen Gaul neben mich drängtet „Siehst du, Herr?" Halbrechts unter uns sahen wir einen riesigen Leoparden: er schleifte mit schiefgehaltenem Kopse eine Beute neben sich durch den Sand, bte wir im Augenblick nicht ansprechen konnten. Anscheinend hat er uns noch nicht bemerkt. Er strebt auf den Rmch des Grabens zu, dort angelangt, läßt er die Beute los und schon hat er uns eräugt. Mit raschem Griff faßt er von neuem seine Beute und ist iw nächsten Augenblick über den Grabenrand getaucht. Ich war blitzschnell aus dem Sattel und lief auf den Graben zu, im Laufe die Büchse entsichernd. Aber nichts war zu sehen! — Jsaock, der auf die Stelle zu galoppiert war, wo wir den Leoparden verschwinden sahen, spähte mit langem Halse hinunter und winkte mich heran. Vorsichtig pürschte ich am Grabenrand hinauf, jeden Busch und Wurzelballen sorgfältig mit schußbereiter Büchse beobachtend. Bei Isaak angelangt, fand ich ein großes Stachelschwein mitten im Graben liegend. Ein Prankenhieb des Leoparden hatte es getötet, und vorsichtig, damit chm die scharfen Stacheln nichts anhaben konnten, hatte er es im Genick gefaßt. Isaak nahm die Spur auf, aus welcher deutlich zu sehen war, wie geschickt der Leopard alle Deckungen benutzt hatte, um ungesehen zu entkommen. Wir folgten der Spur einige Schritte weit, sahen.aber «in, daß es keinen Zweck hatte. Er war sicher schon längst in einer ©palte des felsigen Höhenzuges am jenseitigen Uferrande verschwunden. Wir kehrten zur Beute zurück unh hielten Kriegsrat. Isaak war dafür, em Sen zu stellen, was ich erst als nicht weidmännisch abwies. Jsaock nfte und meinte, bann sei der Leopard für uns verloren. Ich schlug den Ansitz auf einem Baume am Kadaver vor, da aber der Mond spät aufging und der Leopard bekanntlich sehr aufmerksam die Baumkronen beobachtet, was sonst kein Raubtier tut, war anzunehmen, daß das Unternehmen vorbeigelingen würde. Deshalb wurde beschlosien, ein Eisen zu stellen, und Isaak ntt nach Hause, es zu holen. Ich ging zu meinem Pferde, welches brav und wohlerzogen am herabhängenden Zügel gestanden und aufmerksam mit gespitzten Ohren unser Tun verfolgt hatte. Dann ritt ich langsam im Flußtale aufwärts und beobachtete einen Klippspringer, der auf einem vorspringenden Felsen stand und seine Sippe durch einen hellen Pfiff warnte, als er mich erblickte. Wie Gummibälle hüpften die kleinen gemsenähnlichen Antilopen an den Hängen hinauf, hie und da einen Moment verhaftend. Tauben gurrten im Galeriewald am Ufer des Flusses und flogen mit klingendem Flügelschlag über mich hinweg. Ein langgezogener Ruf meldete mir die Ankunft meine« Jägers, und ich wendete meinen Hengst und galoppierte zurück. Nach allen Regeln der Kunst wurde nun das schwere Grellsche Löweneisen eingebettet und auch der Knüppel nicht vergessen, der die Katze, die niemals auf einen dürren Ast tritt, veranlassen soll, auf den Teller des Eisens zu treten. Als alles nach Vorschrift beendet, war, legten wir ein paar Dornenzweig« um das Ganze> verriegelten das Eisen und ritten nach Hause. Am Morgen, früh, trabte der Buschmann, der schon oft Jägerdienste getan hatte, hinaus, um nach dem Eisen zu sehen. Ich stand auch schon bereit, als Isaak mit den Pferden erschien, und wir brachen sofort auf. Der Buschmann kam uns eilig entgegen und meldete den gelungenen Fang. Das Eisen fei fort und alle Anzeichen deuteten darauf, daß es f-st gefaßt habe. Er erhielt den Befehl, uns zu führen und trabte vor uns her, mit Leichtigkeit mit unseren Pferden Schritt hattend. Arn Fangplatz sahen wir ab und nahmen unter Führung des Buschmannes die Spur auf. Jetzt gatt es äußerste Vorsicht I Das Gelände war sehr unübersichttich. Der Galeriewald längs des Grabenufers bot viele Deckungen, große und den Hängen herabgerollte Felsblöcke viele Verstecke. Der Bus-^nann ging zögernd auf der Schleiffpur. Ich folgte mit schußbereiter Buchse. Isaak trug die mit Postenpatronen gelaßene Doppelflinte. Die vorhandenen Deckungen hatten dem Leoparden, nachdem er den ersten Schock Überwunden, noch nicht zugesagt. Ost hatte sich der an starker Kette befindliche Anker an Baumwurzeln und Felsadern feft« gehakt. Aber immer wieder war der Leopard losgekommen. Nach 200 Meter deutete der Buschmann auf eine niedere Hecke vor uns. Der Leopard lag flach auf den Boden geschmiegt im Schatten des Busches, und die Sonne malte zitternde Kringel und Striche auf feine bunte Decke, so daß er für ein ungeübtes Auge kaum sichtbar mar. An seiner rechten Pranke hing das 40 Pfund schwere Elsen, welches mit Schweiß und Geifer bedeckt war. Er hatte uns schon lange eräugt, und ich erschrak vor der Wildheit seines Angriffes, der jetzt unmittelbar erfolgte, als er sich entdeckt sah. Ein heiseres Keuchen und röchelndes Knurren kam aus feiner Brust, und mit gewaltigem Sprunge tarn er auf mich zu. Nur mich suchte sein Auge, die Schwarzen beachtete er nichtI Das schwere Eisen brach die Gewalt seines Sprunges: er überschlug sich und rollte mir beinahe vor die Füße. Ich ließ ihm keine Zeit mehr. Meine sichere Kugel fuhr chm zwischen die Lichter, ihn biitz- artig tötend. Isaaks Gesicht war grau. „Herr," sagte er, „dieser Leopard war sehr böse, und wen» er aus dem Eisen gekommen wäre, hätte er uns alle getötet* D?r Gensralrssdee. Erzählung von John B r i n ck m a n. (Schluß.) Er war ein schönes Fahrzeug gewesen, als er gebaut wurde, aber mit so schwankenden Grundsätzen wie die, mit denen er ausgetakelt war, keine Schaufel voll rein menschilchen Ballastes im Schiffsraum, muhte er über kurz-oder lang kentern, ohne Gnade und Barmherzigkeit. Mir wurde ganz de- und wehmütig, wie er da so vor mir lag. Ich hatte ihn gerne, wieder ins Leben rufen und zu ihm sagen mögen: Gustav, sich, alter Junge, du muht grausig viel ausgestanden haben, ehe du so weit gekommen bist, sieh, ich möchte dir noch einmal gerne wieder helfen und dich auf deine eigenen Füße stellen, und du sollst mir gleichwohl keinen einzigen Schilling wiedergeben, ehe du ihn wirklich missen kannst, aber den verfluchten Grundsatz muht du abfchasfen, um deiner selbst willen muht du das tun, nicht um anderer Menschen willen, auch um meinetwillen nicht. Die englischen Beamten beratschlagten nun, was mit der Leiche geschehen sollte. An Bord konnte sie ja nicht bleiben, und ins Wasser konnte sie auch nicht wieder geworfen werden. Der Coroner beorderte nun sein Langboot, damit die Leiche am Fallreep hinabgelassen würde, und als ich ihn fragte, wo sie begraben werben sollte, sah er mich verwundert an und sagte: „Nun, wo anders, als in den Flaschen und Retorten der Anatomie in London, wenn sich kein Angehöriger findet, der ihn in Anspruch nimmt und für das Begräbnis sorgt." „Das soll nicht sein," sagte ich, „die Leiche ist unter zu eigenartigen Amständen an mein Fahrzeug geraten, als daß ich das vor meinem Gewissen verantworten kann. Aufhalten kann ich mich nicht weiter, aber ich werde bei meinem Konsul das nötige Geld zu einer christlichen Beerdigung hinterlegen für den Fall, daß keiner die Leiche beansprucht." And das tat ich denn auch.' Der Agamemnon mußte noch einen Tag vor Anker stilliegen wegen des Steuers, das sich am untersten Haken als ganz beschädigt erwies. Anterdessen besorgte ich in London durch Konsul Krawton alles, was für Gustav Schwanks Begräbnis nötig war. Mitte Oktober hatten Wir die Goodwins^) hinter uns. Es war eine schöne nordwestliche Brise, vor der der Agamemnon an der Taxel vorbeisauste, aber am dritten Tage kamen Böen aus Nordnordwest, und zuletzt blies mit der brandenden Springflut ein so fliegender Sturm, wie es selbst in der Nordsee nicht oft vorkommt. Ans blieb zuletzt nichts übrig, als uns vor Stag, Top und Takel treiben zu lassen. Es war, als ob die Aequinoktialsiürme auf einen Schlag wieder nachholen wollten, was sie in den früheren Jahren aus reiner Rachläsfigkeit versäumt hatten. Wir schöpften eine schwere Sturzsee nach der andern über. Zuletzt kam so eine See über Steuerbord, als wenn ein Fuder Erbsen am Abhang umschmeiht, und rih das Schiffsboot mit all dem Stückgut, das darin verstaut war, und mitsamt den Wasferfässern fort und brach die Backbordschanzkleidung mit weg, als wenn sie von Pappe gewesen wäre, ums Haar wären Klas Podeis und Hanne Piatz auch mit über Bord gegangen. Jochen Jung und ich waren die ganze Nacht am Steuer, und die ganze Mannschaft war hinten. Einen klaren Gedanken hatte keiner von uns. All unser bißchen Menschenmacht stand bloh auf den einen Punkt gerichtet, den Agamemnon vor dem Winde zu halten. Sin großes Glück war es, daß das Ruder seine Schuldigkeit getan hat. Hätte Jochen Jung mit seinem Bruder einmal nicht zu rechter Zeit eingegriffen, hätte das Steuer mich ohne Frage über dir Pinne geworfen, und wenn der Agamemnon quer in den Trog der rasenden See geschleudert wäre, hätte er ohne Gnade kentern müssen. Es blies, als ob der Mnd die Knöpfe von unfern Jacken wehen wollte. „Was ist das für ein Leuchtfeuer da vor unferm Backbordbug, Kapitän?" sagte Jung. „Hier draußen weih Gott das einzig und allein, Jochen." „Ra, dann hilft es nicht," sagte Jung. „Rein, wenn Gott uns nicht hilft." Die Leute hatten das Feuer auch gesehen, sagten aber nichts, und wenn sie etwas gesagt hätten, wer hätte das auch hören können in dem Wetter. Sie'wußten aber alle ebenso gut Bescheid, wie Jochen Jung und ich. Hanna Piatz hatte seine Seestiefel ausgezogen und seine Jacke abgeworfen. Da auf einmal klappte das alte Stagsegel so, dah wir es hinten sehen konnten, und schlug ein-, zwei-, dreimal, als wenn es aus den Bvllreifen^) herausfpringen wollte. „Was ist das? Der Wind fällt scharf südwestlich, Kapitän," sagte Jung. Hanne Piatz und Peter Podeis warteten das Kommando gar nicht ab. Wie die Katzen sprangen sie nach vorne nach den Taljen. Der Agamemnon hatte erst eine neue Takelung von Reifermeister Dahl bekommen. Er hielt den Stotz aus. Das ganze Tauwerk sauste wie ein Spinngewebe hinter dem Scheunentor, das der Windzug offenreiht; aber es hielt, und eine Viertelstunde darauf hatten wir das Licht hinter dem Heck, Dor einer Bugsee war die Brigg ein tüchtiges Boot, und die See stand noch den ganzen Tag gegen den Bug an, ehe der Sturm sie nach Nordost hin herumbekam. „Hätten wir bei Greenwich nicht das Ruder nachgesehen. Kapitän, dann möchte es uns schlimm ergangen sein," sagte Lochen Jung, „dann sähen uns wohl schon die Makrelen und Hummern an unfern kurzen Rippen. Es ist Gottes Wille gewesen, dah die Leiche daran hat festhängen und mitgeschleppt werden müssen, sonst wären wir gewiß nicht gewahr geworden, daß der Beschlag und die Bolzen alle so lose und schadhaft waren. Luderhafe muß unbedingt altes Eisen daran verschmiedet haben, das lasse ich mir nicht abstreiten. und ich werde ihm gründlich die Wahrheit sagen, wenn ich i§n treffe, dah kein Hund ein Stück Brot von ihm nehmen soll." Ich sagte nichts und gab stillschweigend Jochen recht. Mir war es, als ob der Generalreeder bei mir auf Deck stand und zu mir sagte: „Martin Heuer, hat Gustav Schwank nun seine Schuld an dich bezahlt, Kapital und Zinsen, oder nicht? Oder hättest du lieber die dreihundert Speziestaler genommen, die du ihm vor fünfzehn Jahren vorgeschossen hast, als ich dir deinen Willen lieh und ou ihm noch einmal wieder auf die Beine halfst?" And wieder habe ich ihn gehört, als ich Stadtverordneter wurde und eingeführt werden sollte. Da kam ich durch den Ort-Sund, und da hatte einer von den Krebsen"") einen betrunkenen Kerl aus der Schiebkarre und karrte ihn ins Gefängnis unten im Rathaus, und die Jungen liefen scharenweise hinterher und schrien: „O, wie besoffen! O, wie besoffen!" And das war Agent Möpper, Der hatte den Rum zu seinem Generalreeder gemacht, nachdem seine früheren Generalreeder, der Hochmut und die Dummheit, Bankrott gemacht hatten. Ich glaube nämlich nicht, dah er, wenigstens wissentlich nicht, Brümmers Agent beim Agamemnon gewesen ist. Er war immer einer von der Art, von der es heißt: „Dicktun ist mein Leben, Bruder leih mir einen Sechsling." Er hatte sich mit den Schiffsparten mir gegenüber nur wichtig machen wollen und konnte hinterher einfach nicht Wort halten. Solche Leute gibt es, die ohne Rot und unaufgefordert sich und andere Leute, die zu hastig und unvorsichtig sind, wie ich es mit Möpper war, hineinreiten, bis beide auf dem Kopfe stehen. Möpper war nicht ohne Mittel und Kenntnisse, ich glaube selbst, er war gutmütig; aber Rechnen hätte er bei Rolle lernen müssen, und disponieren konnte er nicht. Wenn aber Hochmut und Dummheit spekulieren und fallieren, dann wird der Rum gar zu leicht actor communis. And so ging es bei Agent Möpper. Dom Cliquot kam er zum bah» rischen Biere und vom Bier zum Fusel, und sein Generalreeder hielt ihn immer in Fahrt, immer mit voller Ladung, immer im fliegenden Sturm, bis er zuletzt im Katharinenstift als Nothafen eintief und Sergeant in Benkards Nobelgarde"") wurde. Wenn ich mich nicht täusche, ist er es gewesen, der den neuen Armenkirchhos mit einem flachen Nasenquetscher hat mit einweihen helfen. And nochmals bin ich dem Generalreeder begegnet, und das war, als ein Hausknecht Brümmer in einem Rollstuhl vorbeischob, der alte Hofrat war gelähmt von den Zehen bis an die Fingerspitzen. Der hatte den Mammon zu seinem Generalreeder gemacht und sein ganzes Leben lang gescharrt und gerackert und mit seinem klugen Kopf und seiner flinken Feder vom Morgen bis in die sinkende Dacht gearbeitet, nur um Geld zu machen. Er hatte es genommen, wo er es fand, und hatte es gefunden, wo es nicht verloren war, und hatte seinen Advokatenangelhaken ausgeworfen in das große, bittere Anglück der Zeit und richtig da herausgeangelt, was er sein Glück nannte. Ihm war es ganz gleich, wo es herkam, wenn er es nur bekam, er nahm das Große und lieh das Kleinste nicht liegen, Ich kann nun nicht sagen, dah ich Brümmer es gegönnt hätte, als ich ihn so gottsjämmerlich im Rollstuhl an mir vorbeischieben sah, obwohl er mich seinerzeit so blutig gequält hatte. Das kann ich aber wohl sagen, dah die Welt so nach Geld jagt, wie sie es getan bat,' das gefällt mir nicht und das begreife ich auch nicht, Ich habe immer Achtung vor dem Gelds gehabt, das will ich nicht bestreiten, wo es ehrlich zusammenkommt und zusammengekommen ist, und wo es ehrlich angelegt und verwandt wird. Wer aber feie Menschenherz dafür toeggibt, der kauft kupferne Biesterburger für holländische Dukaten, und mag er auch den Magen noch so voll und einen noch so feinen Dock anhaben, er hungert und friert doch, sein Tag ist Sorge, und seine Nacht ist Kummer, und ein armer Hund ist er und bleibt er, und wenn er es auch zwanzigmal nicht glauben will. Mir ist nichts so unausstehlich, als ein so auf» geblasener Hans Narr, der sich mit dem Geldbeutel seines Vaters oder Onkels breit macht und nun von oben herabsieht wie ein Oelgötze von seinem Postament. Solche Leute gibt es ja schockweise, und sie kommen mir immer vor wie die Störche auf dem Scheunendach, die da glauben, dah die Scheune nur um ihretwillen da ist, Zieh so einen Klas Meyer einmal den Geldsack unter dem Gesäß weg, und du sollst sehen, er fällt in den Schlamm und Morast und bleibt auch darin liegen. Der Verstand ist ein richtiger Kompaß fürs Geben, aber das eigentliche Steuer ist und bleibt doch das Herz allein, das Herz meine ich, wie es Gott uns eingesetzt hat. Du mußt nicht glauben, Heinrich, daß ich dir hier den Test lesen oder eine Predigt halten will. Du weiht recht gut, ein Mucker bin ich nie gewesen, und so ein Mensch, der den Glauben über dir Liebe stellen will, kann mir gestohlen werden; wer die Liebe hat, der glaubt auch, aber nicht umgekehrt. And wenn ich dir diese Geschichte vom Generalreeder hier erzählt habe, mein Junge, so haße ich es getan, weil es mir so grade schicklich auf die Zunge kam, und weil ich denke, dah. wenn er mit dir an Bord des Koperniws segelt, es für dich und den Kopernikus ebenso gut ausschlagen mag, wie es beim Agamemnon geschehen ist. So viel steht fest, hätte ich nicht seine Bekanntschaft gemacht, wer weih, ob ich Hans das Haus in der Altstadt und Franz dar Grundstück in der Neustadt laufen und dir das Dierkel im Kopernikus hätte resden können. And dann, Heinrich, vergiß den alten Spruch nicht: Gin Schiffer soll nicht hastig und auch nicht iwep mastig fein. Ein bißchen Teerquastigkeit gehört nach meiner M» nung zum Beruf. — And einen Schleppdampfer brauchst du auch nicht, Heinrich sieh einmal, der Wind dreht sich." 5G) Sandbänke in der Straße von Calais. S7) Dünne Taue, mit denen die Segel eingefaßt sind. M) Rostocker Polizist, wegen ihrer roten Röcke so genannt. 3B) Straßenkehrer. Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Aniverfitäts-Duch- und Steindruckerei, 2L Lange, Gieße"-