SietzenerKimilieiibMer Mtsrhattmgsbeilage zu» Sietzeim Anzeiger Samstag, den M.Iuli Nummer 60 Jahrgang P27 Gebet. Von Friedrich Hebbel. Die du, über die Sterne weg, Wit der geleerten Schale Aufschwebst, um sie am ew'gen Born Eilig wieder zu stillen: Einmal schwenke sie noch, o Glück, Einmal, lächelnde Göttin! Sich, ein einziger Tropfen hängt Noch verloren am Rande, Und der einzige Tropfen genügt, Eine himmlische Seele, Sie hier unten im Schmerz erstarrt, Wieder in Wonne zu lösen. Ach! sie weint dir süßeren Dank, Ms die anderen alle, Die du glücklich und reich gemacht; Laß ihn fallen, den Tropfen! Dee Ritt des Königs. Von Alfons von Czibulka. Sacht führt die Straße bergan. Manchmal fiel von den dürren Aesten der Bäume eine Schneelast auf den weiten, Mauen Mantel oder den Dreispitz des Reiters. Dann blickte er auf. Rasch kam die Dezembernacht. Rot war das Land von brennenden Dörfern, die wie Fackeln im Dämmern standen. Träge zog beizender Rauch über die rötlich schimmernden Felder. Zweimal blitzte es vor dem Reiter auf einem fernen Hügelkamm auf. Schwer rollten zwei Kanonenschläge über das Land. Einsam ritt der König über das Schlachtfeld von Leuchen. Niemand war um ihn. Manchmal schnaubte ängstlich fein Pferd und hob behutsam die Hufe über einen Toten, den die fallenden Flocken begruben. Von Zeit zu Zeit stieg aus den weißen Flächen, von den Hügeln ein Stöhnen oder ein Schrei. Niemand hätte sagen können, ob Mensch oder Tier so im Sterben schrie. Wachtfeuer brannten im Silben, Westen und Norden. Rur gegen Osten, wohin der König ritt, blieben die Hügel dunkel und tot. Dorthin wich der Feind. Bon den Feuern her trug der Wind zerrissen einen Choral. Dort dankten sie Gott. Der König war ernst. Denn er sah über Räume und Zeiten. Wie wunderbar war denen drüben oft plötzlich das Kriegsglück aufgeftiegen. Daß es wie ein Sturmwind über Europa fegte. Und den letzten, der es gezwungen, den Eugenias, hatte es noch selbst als alten Helden gesehen. Da hörte er Stimmen vor sich auf der Straße. Eine Laterne schwankte s im Dunkeln. In ihrem gelblichen Licht erkannte der König preußische , Reiter. Fragend scholl ihm' der Ruf entgegen: „Wer da?" — Friedrich gab ' keine Antwort, ritt näher und fragte: „Hat Er Meldung, Rittmeister?" — Da riß es' den andern im Sattel hoch. Der Reiter neben ihm hob das schwankende Licht, daß der ärmliche Schein auf das Antlitz des Königs fiel. Wie ein Ruck lief es die Schatten entlang, die im Dunkeln hinter dem Lichte sich drängten. Irgendwo fiel leise das Wort: der König! — Llus dem Dunkeln kam die Antwort des Offiziers. Vor zwei Stunden, so meldete er, wäre der Feind in schlechter Ordnung, in drei Kolonnen über das Eis der Lohe gegangen. Auch hätte er, lind seine Stimme klang wie ein Jauchzen, im Norden schon nahe die Lichter von Breslau gesehen. Im Flackern des Lichts strahlten die Augen des Königs vor Freude. Dennoch sah er mißtrauisch auf seinen Offizier. Was hatte man ihm in Frieden und Krieg schon alles an Unsinn gemeldet! Gallig fragte er den Offizier: „Hat Er >das selbst gesehen, daß die ganze österreichische Armee zurück über die Lohe geht?" — Der Rittmeister bejahte. Da nickte der König und befahl: „Dann reit’ Er nach Groß-Gohlau! Er weiß doch das Nest? Dort trifft Er den Zielen. Meld' Er ihm, daß ich im Schlosse von Lissa Quartier nehme! Er soll mir immediatement zwei Feldjägeroffiziere schicken!" — Seine Stimme hatte gnädiger, fast mitoe geklungen. Er griff mit der Hand, die den Krückstock hielt, cm den Hut und ritt an den schattenhaft hn Dunkeln haltenden Reitern vorüber. Bald hatten hinter ihm der weiche Schnee und der böige Wind den Galoppschlag der sich entfernenden Patrouille verfchbmgen. Der König nickte vor sich hin und klopfte mit der Rechen, die im durchnäßten Handschuh steckte, den Hals seines Pferdes. Denn, wich der Feind schon über die Lohe zurück, dann war das nicht Rückzug, sondern Flucht. An einem schmalen Fttihla-uf, zu dem die Straße sich plötzlich senkte, bog Friedrich nach Norden. Es hatte zu schneien aufgehört. Duster und rot Hing der Mond riesenhaft über Leuthen. Waffe Sterne standen verschleiert am Himmel. Im Froste klirrte das Ets des gefrorenen Flüßchens. Manchniol pfiff ein schneidender Windstoß den Bachlauf entlang. Da wieherte plötzlich sein Pferd. Aufmerksam spähte er durch das fahle Dämmern der Winternacht. Ein oerschwimmsndes Licht stand vor ihm. Dunkel türmten sich die Mauern des Schlosses von Lissa. Aus dem linke» Flügel schimmerte zu ebener Erde ein Lichtstreif. Das Tor war geschlossen. Zwei Posten standen wie Schatten davor. Sie präfentierten. Seltsam schien dem König der Griff. Doch sah er nicht deutlich. Klirrend sänke» hinter ihm die Gewehre in Ruh. An der Türe, durch deren Spalt über der Schwelte der Lichtstreif auf den Schnee fiel, parierte er. Stimmen wäre» hinter der Türe zu hören. Eine Gestalt, unkenntlich im Dunkeln, trat auf ihn zu, stand stramm. Da glitt der König vom SattÄ, warf die Zügel dem Wartenden zu und trat ein. Im Luftzug der sich öffnenden Tür flackerte fast verlöschend eine Laterne, die an einer steinernen Säule hing. Dunst und Schnee und Nässe, Qualm und Rauch füllten den Raum. Rings a» den Wänden standen Tische mit Gläsern und Flaschen. Menschen schwatzte« in den zuckenden, dunstigen Schatten. In der Tiefe des Raumes schirw inerten marmorne Schatten und der Zierrat der Treppe. Der König Mtefc stehen. Gesichter wandten sich ihm zu, die wie im Nebel verschwamme». Seltsam schien es ihm, daß keiner sich rührte. Da fuhr plötzlich einer, der ihm zunächst sah, polternd vom Stuhl« auf, neigte sich forschend gegen das Antlitz des Königs, taumelte zu ruck und griff an den Degen. Sporenklirrend, stampfend sprangen die Sitzenden auf. Rings um den König drängten sich österreichische Offiziere. Am» zweitenmal an diesem Abend hörte er leise das Flüstern: der König!-- Dann standen sie sttll, als hielte die Theresia vor ihnen. Der König stand wie erstarrt. Er fühtte fein Leben zerbrechen. Nur sein Blick blieb ruhig und ging prüfend von einem zum andern. Da wußte er, daß sie sich von ihm überfallen und das Schloß von seinen Grenadieren umzingelt glaubten. Rasch trat er vor, ohne den Mick von ihnen zu wenden, nahm den Dreispitz vom Haupt, lächelte und sagte: „Bon soir, Messieurs! Sie haben mich hier wohl nicht vermutet?" Noch rührte sich keiner. Da kam eine Gestalt in weißem Reitermantel die Treppe herunter, beugte sich erstaunt über das verschnörkelte Gitter der Stiege und skand dann mit drei Sprüngen auf der untersten Stufe. Erst blickte der hochgewachfene Mann, der Oboist vom Regiment Savoyen, ungläubig auf den fremden Offizier, dann hob er verwundert die Brauen. Seine Augen lachten vor Glück. Langsam trat er an den König Hera», stand zwei Schritte vor ihm kerzengerade sttll, hielt den goldbetreßten Hut nach Vorschrift mit der Rechten von sich und sagte leise, doch so deutlich, daß es jeder hören konnte: „Sie haben sich verirrt, Sire! — Ich bitte untertänig^, mir zu folgen. Mein Quartier steht Euer Majestät zur Verfügung." — Dann wandte er sich der Treppe zu, um Friedrich den Vortritt zu lassen. Da löste sich die Erftarnmg der Offiziere. Einer griff as den Korb seines Säbels und zog. Degen klirrten cms den Scheiden, und aus dreißig Kehlen jauchzte der Ruf: „Vivat Theresia!" Niemand achtete in diesem Taumel des Königs. Erst als die Tü« schlug, horchten sie auf. Da war der König verschwunden. Draußen hielt ihm der Soldat, der nicht ahnte, was er tat, den Bügel. Bedächtig fast stieg Friedrich in den Sattel. Eben als er in die Auffahrtsallee etnbog, und wieder die Gewehre der kaiserlichen Grenadiere im PräsentiergrH klirrten, verstummte drinnen im Schlosse der Jubel. Die Tür flog auf, der Alarmruf gellte, und ein Signal zerriß die nächtliche Stille, Aus schwarze« Gebäuden und Ställen schwankten die Lichter. Die Gäule hinter sich herziehend, stürzten fluchend die Leute ins Freie. Keiner achtete des Reiters, der an ihnen vorbei über die Schloßstraße trabte. Am Ende der Allee, dort, wo sie in die Landstraße ein mündete, bos der König ins Feld. Der Mond war hinter Wolken verschwunden. Dicht fiel wieder der Schnee. Noch sah der König die Bäume der Sttaße. All hörte er schon Hufschlag und Jagen. Wie em riesiger Schatten brauste eine Schwadron vom Schlosse her auf die Straße hinaus. Sie sahen ihn nicht. Da trabte er langsam ins offene Land. Zwei Stunden später faß der König in einem ärmlichen Lehnstuhl einer Bauernstube in Zielens Quartier. Der Alte war erstaunt, ihn zu sehe«. Denn er hatte doch Meldung, daß der König im Schlosse von Lissa Quartier genommen. Doch fragte er nicht. Friedrich war bleich, trank hastig einen Becher Wein, den ihm der General geboten, legte den Hut vor sich auf den eichenen Tisch und sagte: „Weiß Er, mein fieber Zieten, daß ich feit heute an Mirakel glaube?* Der Alte meinte zu verstehen und lachte: „Das Mirakel von Leuchen, Euer Majestät, find Siel" — Müde schüttelte Friedrich das Haupt: „Die Schlacht, Zieten, meine ich nicht!" Dcnm schwieg er. Erst nach einer Weile blickte er wieder auf und sagte: „Hör' Er der Rittmeister vvm Regiment Bayreuth, der heute die Patrouille an dte Lohe führte, ist ein Esel. Setz' Er ihn drei Tage in Arrest!" Der General uerftanö nicht recht, erhob sich, nahm den leeren Becher des Königs und goß aus einer Feldflasche, die über öem Pelz an der Tür« hing, ein. Dann trat er an den Tisch zurück und wollte fragen. Da sah er, daß der König schlief. Zwischen dem Porzellan uni) der Kunst besteht eine uralte Liebe. Es hat ja auch die wunderbare Eigenschaft, daß es ß^^^^kormen laßt wie Lehm, sondern auch bemalen une Leinwand, Zhuachst walte man m Meißen fast ausschließlich chinesisch, als ginge es nicht anders. Porzellan und China, das war ein Begriff. Es lagen ja auch ferne anderen Muster vor als chinesische Porzellane. Mit dem Delfter Steingut kamen holländische Motive hinzu. Das waren die ersten Besuche. Es dauerte immerhin zwanzig Jahre, bis die ganzen Kunsstnöglichkesten des Porzellans erschlossen worden waren. Erst der Bildhauer I. I. Ka en d le r schuf, NM naMnals Inbegriff von Meißner Porzellan wurde:, eine unerschöpfliche Fülle^ vollendeter Niedlichkeiten; Schäferinnen, Harlekins, Tiroler Bauern, Ratsherren, Türken, 'bas ganze Personal der commedia dell orte und fas den ganzen Umkreis der Schöpfung. Er erkannte die Grenzen des Mate, rials^ das mehr als Spielerisches kaum hergibt. Aber er opferte die Wahr- heit der Figuren nicht der verlockenden, gleihnerischen Glasur. Das Nied- liche war nicht vettogen. Sein Rokoko hat Dauer, wie jeder Stil, auch ^b^Taufend Handgriffe find nötig, ehe so eine Schäferin im.Reifrock mit (üftetn Lächeln farbig dasteht. Das Modell des Wnftlers wird in mete Teile ungerecht zerttgt, wie ein Körper in der Anatomie m der Gipserei werden von Kopf, Rumpf, Händen, Beinen die entsprechenden Negative hergestellt und diese dann mit der Porzellanmasse gefüllt., ^opf, Rumpf, Fiände Beine fügen sich in dem halbweichen Porzellantelg wieder zum Kan^n ist eine köstliche, diffizile Handbäckerei, das noch mancher bi fr Är’SÄ bebarf. Wf großen Brettern, wie die Semmeln, Die historische Fabrik. Vom rNeitzener Porzellan. Bon Hans Raton e k. Die großen Autocars des Fremdenverkehrs, die Packards und Buiks der Reichen aller Länder ftehen vor dem Hauptportal der großen SabnE. Soeben wird eine Gruppenführung abgefertigt. Schirme, Stocke, Aktenmappen bitte in der Garderobe ablegen. Diese Fabnk hat eine prachtvolle Sckmuhalle vom Erdgeschoß bis in die Kuppel, darin das Porzellan von zwei Jahrhunderten schimmert. Lorgnettierende Amerikanerinnen stürzen sich funkelnden Blickes über die Vitrinen und feilschen,Preise Die e Fabnk ist keine Fabrik, sondern viel eher ein Museum, eine Kunstanstalt, eine historische Stätte mit all dem Zauber geschichtlicher Erinnerung: Hier hat das europäische Porzellan vor zweihundertneunzehn Jahren das Licht der Welt erblickt. Allegorisch sieht das, gegenüber in der kleinen Anlage, etwa so aus: Das Denkmal des kursächsischen Hofapothekers Johann Friedrich B Lt tg e r, zu dessen Relief ein Pausbackenengel einen galbbemalten Porzellanteller huldigend emporreicht, indes einer Flammengarbe ein klassische? Gesäß fix und fertig entsteigt. Das dankbare Meißen dem großen Mitbürger. Aus der einfältigen Sprache der Allegorie übersetzt, bedeutet das: Nach langwierigen Versuchen war es Johann Friedrich Bottger gegluckt, in besonders scharfem Feuer eine Masse zu brennen und zu glasieren, die dem damals angestaunten, äußerst seltenen und kostbaren „ost-inteschen Porcellain" beinah gleichkam. Ost-indisch — das war China und Japan, dessen jahrtausendaltes Porzellangeheimnis Böttger gelöst und damit die Grundlage der europäischen Keramik geschaffen hat. Seine Erfindung durchzusetzen und industriell auszuwerten, war in jener -bett volkswirtschaftlicher Indifferenz ein Leidensweg der Widerstände. August der Starke hegte zwar, wie für alles Schöne, auch für das chmesv che Porzellan eine verständnisvolle Liebhaberei, und die ersten Prachtstucke, die aus der Meißner Manufaktur tarnen, trugen eingebrannt sein königliches Monogramm A R (August Rex). Aber die Herren von der holjen, Unter- suchungskommisfion hatten von den „unnützbaren Subtilitäten die denkbar geringste Meinung. Eigentlich sollte Böttger das Gold erfinden Statt dessen brachte er weiße Scherben an, die perlmuttig glanzten und sehr hart waren. Nicht deshalb hatte ihn die königliche Vorsicht auf, der Feste Königstein eingesperrt und ihn vor den Schweden in Sicherheit gebracht. Böttger, der Goldmacher, war mit einer der wertvollsten Besitztümer August des Starken, eine Art wissenschaftlicher Hofnarr und Allerweltskerl, und hätten ihn damals die Schweden erwischt, stünde „Meißen irgendwo bei Stockholm. Die Herren Kommissarii ahnten nicht, daß Bottger in der Tat mit dem „weihen Porcellain" das rote Gold gefunden hatte. Nur Sachsen besah das Geheimnis, das „Arcanum", ein Monopol von unerhörten Nutzungsmöglichkeiten; Böttger fieberte zu beginnen, industriell und kaufmännisch, und muhte sich in hundertseittgen Memorials nut den Kommisfarien herumschlagen. n, ... Unb als es so weit war, lockten die Nachbarländer die Arbeiter aus Meihen fort und entrissen ihnen das gehütete „Arcanum". Und Frie d- rich der Grohe hat das Geheimnis mit Gewalt nach Berlin geschleppt un4) feine ei neue ftdutli d>c SOtanuf-attur auf gemacht. Zwanzig Äahre nach Böttgers Tod war fein Alchymistengeheimnis Gemeingut von Pans bis Wien. Und die Manufakturen blühten. toinette ihre Morgenandacht verrichtet haben mag. Es ist das einzige Exemplar, das existiert, und wurde 1900 nach dem Modell für die Weltausstellung in Paris angefertigt. Das Original serkstrrte unter den Feuer- fchlagen ter Großen Revolution. Um aber, auf die Nachbestellung des großen Porzellanspiegels zurückzukommen, durfte dieser Auftrag an dsM Preise scheitern, den man erst kalkulieren mühte. . . So geht man durch die historische Fabrik, die di« Ordres Friedrichs des Groken cmsaeführt, für die russische Elisabeth und alle,Hofe Europas gearbeitet hat und die gleichen Stücke in gleichem Glanz jeden Tag Herstellen kann. t Dies ist eine historische Fabrik. Davon kommt man nicht los. Geht man durch die Schauhalle der vielen Etagen — ein PorzellamnusAUN, das seinesgleichen nicht hat — erlebt man in hunterttausenden von Modellen tie Geschichte des guten und schlechten Geschmackes zweier Jahrhunderte; und darüber hinaus Geschichte an sich. Das Porzellan ist, das bildsame Material, in das sich die Zeit mit Farbe und Form eingedruckt hat. Es wäre keine üble Aufgabe, am Meißner Porzellan Geschichte zu sttidieren. Der Porzellan-Pfeifenkopf etwa, aus dem der Burger rauchen wollte, muhte jene Bilder enthalten, die der Zeit gemäh waren und seinen Lieblingsvorstellungen entsprachen. (Was damals das politische Bilderrätsel war, wäre heute, rauchte man noch aus Pfeifenköpfen, das Kreuzwort- rätsel.) Ja, selbst bis in das Warenzeichen der Meißner Manufaktur bringt die Geschichte, und der kulturhistorisch geschulte Porzellankenner kann an der Führung Meißner Schwerter die Entfernungsperiode, ablesen. Porzellan mit dem chinesischen Drachenzeichen (es ist kern Aeskulapstab) mit dem K.P.M. (Königliche Porzellan-Manufaktur) sind Kostbarkeiten, die den Sammler in Leidenschaft versetzen. Die mit dem Punkt zwischen den Degen entstammen der glänzendsten Periode Meißens und sind sehr gesucht. Und die Stücke mit dem Monogramm von August Rex stehen unter Glas im Grünen Gewölbe. Welch eine Suggestion von diesem Warenzeichen der kursachsi chen Wappen-Degen ausging, beweist die Flut ähnlicher Schutzmarken von Por- zellanfabriken aller Länder, die, bis hart an die erlaubte Grenze tes Musterschutzes heranreichend, mit ähnlichen gekreuzten Schwertern die Illusion „Meihen" zu wecken suchen. , ~.... Das Merkwürdigste aber dieser historischen Manufaktur ist ihre Zähigkeit, dank der kompletten Sammlung aller Modelle jedes Stuck, jÄ, es Rokoko, Barock, Empire, auf Wunsch sofort Herstellen zu können. Diese Bereitschaft ist die Stärke und ewige Jugend Meißens. Gesetzt den Fall gnädige Frau, in Ihrem kostbaren Alt-Meißner-Familienservice aus dem schon Ihr Herr Urgroßvater sein Dejeuner einnahm, wurde ter Deckel einer Zuckerdose zerbrochen. Den Deckel dieser etwa im Jahre 1731 her- gestellten Zuckerdose können Sie binnen weniger Tage auf Bestellung aus Meihen beziehen. Die Möglichkeit der Ergänzung und die Gültigkeit eines materialgerecht geprägten historischen Stils macht das Meißner Porzellan absolut zeitlos. . Ob man, fragte ich den künstlerischen Leiter der Manufaktur, auch jenen wandhohen porzellanenen Rokokospiegel, den Meißen einem feiner prominentesten Kunden, Ludwig XVI., seinerzeit in das Touillerienschlotz geliefert hat, nachbestellen könne? Wir mustern lächelnd das Riesenprachtstück, aus Schnörkeln, Pulten, allegorischen Gestalten, Lilien, Kerzen, kunstvoll zusammengesetzt, mehr Altar als Spiegel, vor dem Maria An- -Ui den Untergeschossen ist Kühle, Rieseln, Rauschen und vornehmer r&-‘ r. ,-ä* LvmMsmatoEnE^ echnisch^ Direktor kann sich dann beimfertigenJrobutt br/chsn, an welcher Stelle des unendlich langen Prozesses bie irtmei qUees Kmt darauf an, woher der Kaolin stammt und woher der Feld- spat Dieser wird — auch hier wieder das primitiv-chandwerkiick^ ' ffÄÄ K ÄS gangen beruht und vom Laboratorium ängstlich flautet roirb. ixi- beimnis des Meißner Porzellans ist seine außerordentliche Harte, dum- Mischung und hohe Brenngrade erzielt. Höchstens Kopen^gen un Staatliche Manufaktur in Berlin erzeugen solches Hartporzellan. Meißens Unvergänglichkeit: fein Rokoko, stin Barock. Das wcliottan^ blaue Zwiebel mu st er seines Geschirrs, zuruckgehend m Gav^n Cs ist eine köstliche, diffizile Handbacterel, oas noaj nmirn-l-r «.»■ SS » bebarf. Auf großen Brettern, wie die Semmeln Maur vutzia an Figur gereiht, wandert die halbgare Schöpfung m den Backofen. Aber" die edel-zarte Porzellanerde darf nicht mit dem FEr direkt in Berührung geraten. In feuerfesten Chamottekapfeln verfchloffen, tarnen £ n bieVt ter 1000'Grade. Die Oefen werden zugemauert, unb^un ift die luftige Gefellschaft sich selber überlassen. Wenn sie nach secbsunddreißig Stunden herauskommt, sind die Figuren AhurA, aber noch porös. Sie bekommen das Glasurband, das aus dem glP^u Waterial besteht wie die feste Porzellanerde, und wandern bann hinauf in die Mallr atttters Der ertte Prozeß, der Modellentwurf, war künstlerisch ter letzte, bie Bemalung ist es auch. Dazwischen liegt ein sauberer Backerelprozeß. XmiL MiMnuber unb appetitlich; in den unteren Ge cho en, wo die ^FMtEsend Menschen arbeiten hier, vertettt °u Tisch u^ Witte;^dw "“S" Ä.&C® s«U ->» ew» so delikat wie sein Produkt. * Merkes in Porjus wird die Bahn elektrisch > der Kohle fällt di« Belästigung durch Bis hierher fährt der Lappland-Expreß auf der e In Boden geht es auf die nördliche Querbchn, ixe sog, nnm nnrhttrheu Teil des Bottnisckjen Meerb Von Heinrich Steinhaufen. (Fortsetzung.) Sie gab sich aus, allerlei verborgen Kunst mit Kmutmrd Pflaster wider Schaden an Menschen und Vieh $u vermögen; derohawm sie auch in dergleichen Sachen von den Bauren ist gefragt worden, weil sie aber auch sonsten geheime Dinge sollte verstehen, als Dieb fest machen, Schaz an^iaen Nestelknüpfen u. d. M. (was ich Gott befehle, ob s ohne Sund mag ausgericht werden) also wagten auch die, so sie forchtm, s^ wcht zu beledigen und behielten, wie die Leute reden, die Pfeif im Sack. -über ckinestschen Motive der Anfänge Meißens. Dtiches Zwiebelnmsttr -da- E ift fern Musterschutz gewachsen — machen letzt zahllose Porzellan- Eibriken nach; es sicht wie Meißen aus und ist es doch nicht. Vi e gute Momellanfabriken haben ihrer aller ehrwürdige Muttermanusariee em- oedolt vielleicht sogar überholt. Das ist Schicksal. Aber Meißen hat schon • "röfcre Krisen durchgemacht als die gegEvärtige. Auch wenn die staatliche Manufaktur nur durch Zuschüs^Sachsens gehalten werden kann: es wird weiter gearbeitet, schon um die alte Tradition nicht einschlafen zu lallen. Vertreter der jungen Künstlergeneration — wie Hans M e i d und R a r l a ch — arbeiten für die staatliche Manufaktur in Meißen. Künstler wie Riemerschmidt, Prof. Börner, Niemayer entwerfen X Geschirrformen. Und fehlt es an plastischen Aufträgen, man weiß sich m helfen: In Meißen ist eine Gefallenen-Gedächtniskirche im Werden, deren Inneres ein porzellanener Ehreichain werden wird: em« Ruhmes- halle für gefallene Krieger und unsterbliches Porzellan. IM LÄppkmd-Expretz. Von Fritz L ö roe. Narvik, Juli 1927. Irr der Halle des Stockholnrer Jentralbahnhoses steht der Lappland- . «rpreß zur Abfahrt bereit. Von schimmernder Lichtflut übergossen dicht Noch einmal die Malärkönigin auf. Dann braust der Zug in die nordische Mitternacht hält er an dem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt Storvik. In dem hellerleuchteten Restaurant des von der Staatsbahn- direktion errichteten Eisenbahnhotels steht der nach schwedischer Art gedeckte Abendbrottisch zum Empfange der hungrigen Passagiere bereit. Spricht man von schwedischen Reiseeindrücken, so darf man auch das Smörgasbord, das bekannte kalte Büfett, nicht vergessen Dieses freundlich anmutende Stilleben verfehlt nie seine Wirkung. Ausblutenweih gedeckten, laugen Tafeln locken Heringe, Sardinen, Aal, Eier, Schmken, Kalbsbraten, Lachs kalte Zunge, diverse Salate und vieles andere. Goldig glanzende Butter, Brot von hellstem Weiß bis zum dunkelsten Schwarz haust sich *n Bergen. Unendliche Sorten von Käse, wer kennt ihr« Namen, vervoll- ständiaen das freundliche Bild. Man hat das Gefühl, an einer fürstlichen Tafel zu Gaste geladen zu fein. Nach dem kalten Vortisch das Souper, Suppe, Fisch, Braten, Gemüse, Kompott, Nachtisch; das genügt! Alle warmen Speisen stehen auf lodernden Spiritusfeuern zum Zugreifen bereit, und man bedient sich selbst. Vorzüglicher Kaffee beschließt das opulente Souper. Das Glockenzeichen zur Abfahrt ruft unerbittlich aus diesem Reiche des Lukullus. Man entrichtet den sich in bescheidenen Grenzen sich bewegenden Obolus und besteigt in Ruhe den Zug. Wie weich und mollig liegt es sich in den breiten Betten der vorzüglichen schwedischen Schlafwagen. Bei der Lampe , traulichem Schein noch ein« interessante Lsktüre, bis die vatterttden Rader uns in festen Schlaf wiegen. Der Morgen in dem in Hellem Birkenholz gA«lttnen Speisewagen ist auch ein Erlebnis. Seine Ausstattung, Tassen, Schusseln, Teller usw. aus feinstem Porzellan. In funkelnden, neusilbernen Kannen wird der ganz ausgezeichnete Mokka serviert. . Selbstverständlich fehlt auch nicht das obligate Smorgasbmdnnt einem warmen Gericht. Die freundliche und überaus höfliche BMenung ist angeregter Stimmung geht es hinüber zum Ausfichtswagen. In diesem luxuriösen Salon auf Radern fehlt auch nichs, um die vierzig Stimden lange Fahrt von Stockholm nach Narvik so cmKnehm wie nur irgend möglich zu gestalten. Breite Ledersofas, bequeme Klubsessel, weiche Teppiche, Bilder, Spiegel u.a. schaffen einen behaglichen Raum. Ventilatoren sorgen für frische Lust. H-che Gestelle am Eingänge dienen zur bequemen Unterbringung des Handgepäcks. Dazu die Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit der mitreisenden Schweden; ste betrachten uns als Gaste ihres Landes und tun alles, was ste uns nur irgendwie von den Augen absehen können. So gestaltet sich die Reise zu Stunden der Erholung und $CS weichen Lederfauteuil am breiten Fenster, lasse das herrsche Panorama in buntem Wechsel wie einen fesselnden Film an nur vor- überzichem Dichter Wald, blühende Heide, rote Bauernhauschen an schnn- mcmbm Seen. Lang« Strecken menschenleerer Einöden, Sumpfe und Moore wechseln mit tiefgrünen Wiesen und Feldern von goldig wogendMi Getreide. Auf schäumenden Flüssen treiben Taufens, und Abiwtausende von Baumstämmen dem Meere entgegen. Von den Hangen leuchten pur- purne Blumen. Auf einer 263 Meter langen, in schwindelnder Hohe hangenden Brücke überschreiten mir den Angennan-Elf, Schwedens schönsten Flußlauf. Immer abwechselungsreicher, immer eigenartiger wird die 'Soben, die jüngst« Stadt des Rordlandes ist erreicht. Von einem Hügel schaut die Kirche, umgeben von zahlreichen roten Holzhauschen, den sogenannten Kirchenstuben. Dle dienen dazu den von weither nut Wagen oder Schlitten herbeigekommenen Kirchenbesuchern in den, dunklen Wmter- nächten an hohen.Festtagen ein bchagNche^H«m S^biettr^ ^mbahn. 8KW s? sssff ans ssss Lappland bis zur norwegischen Grenze und weiter nach Narvik fuhrt. Seit der Eröffnung des Riesenkraftwerkes in Porius wird die Bahn elektrisch betrieben. Infolge gänzlichen Fehlens U. Rauch fort. Auch eine nicht zu unterschätzende Annehmlichkeit dieser Fahrt. Hinter der Station Murjek, dem Ausgangspunkte der „berühmten-Touristenroute Jokkmokk-Kvikkjokk passiert der Zug den nördlichen Polar- zirkel. Unwillkürlich denkt man an Feierlichkeiten, ähnlich der Tmse v«i Ueberschreiten des Aequators, unter Mitwirkung von Lappen, Eisbären, Remitieren usw. Aber nichts von alledem geschieht. Ohne jede Feierlichkeit rollen wir über ihn hinweg. Nur zwei große Tafeln kennzeichnen diese vom geographischen Standpunkte so wichtige Stätte. __... Gällivare, die berühmte Erzstadt, ist erreicht. Hier befindet man sich an der Eingangspforte der lappländischen ErzsÄder. Im Sichen hebt der Dundret sein kuppelähnliches Haupt. Bon Galliväre nach Kiruna führt die Bahn.zunächst dmch SümW und Wildnis. Ba>ld aber tauchen in der Ferne glitzernde Schneeketten auf. Birken erhellen die ^sbast. Die Luft wird rein und stark. Von der Statir. ors führt einer der Hauptwege auf den Kabne- kaise, Schwedens h ... Berg. Es ist die Sehnfuchtch aller Lappland- befucher, ihn zu besteigen; nicht nur seiner Höhe (2123 Meter) wegen. Das Panorama wilder Einsamkeit, der Anblick der wolkenumhulltm Spitze -dieses romantischen Felsmasstves und seiner leuchtenden Schneefelder locken jeden Bergsteiger mit magischer Gewalt. Aus blauen Fernen steigen die Erzberge Kirunas empor. Wo heute Kiruna sicht, war noch vor wenigen Jahren Einöde und Wildnis. 9m Jahre 1890 wanderte eines Tages der Staatsgeologe Hj-akmar Lunü- b oh m von Gällivare nach dem Erzberg von Kiruna. In der Gegend stand nur eine einsame Lapphütte. Diese und ein neuerbautes kleines Blockhaus waren das einzige, was an die Anwesenheit von Menschen erinnerte. Im Jahre 1896 kehrte Lundbohm zurück und bezog das Blockhaus. Hier entwarf der energische Mann die großen Pläne, in der Wildnis nicht nur eine moderne Bergwevksindustrie, sondern auch ein Gemeinwesen zu schaffen. In diesem Blockhaus haben di« Geologen ihr« Messungen gemacht mtd die Reichtümer des Berges studiert. Hier haben Ingenieure di« technischen Möglichkeiten kalkuliert und Geldleute die Richtigkeit der Kalkulation erprobt. Architekten entwarfen die Pläne für eine neue Stadt mitten in Ser Einöde des Poiarwaldes. Hier wird einst ein Denkmal davon eerzahlen, wie Hjalmar Lundbohm das Beste, Nützlichst« und Schönste schuf, was Schwedens Norden überhaupt besitzt. Denn er allein, der Geologe und Ingenieur, der Waffenschaftler und Künstler, war es, der alles in feiner H^m ftärk^en^st"der Eindruck während der Ausfahrt mit der Bergbahn und von der Höbe des Plateaus. Die Erzader hat eine Länge von etwa fünf Kilometer. Der Bergrücken, wo an einzelnen Stellen das Erz ganz frei zutage liegt, ist dreieinhalb Kilometer lang. Die Tiefe bis zu der das Erz reicht, ist unbekannt. Durch Bohrungen hat man feftgefteUt, daß es an einzelnen Stellen bis zu 376 Meter Tiefe reichst. Der Besuch des Erz- wertes ist von größtem Interesse. Bon der Spitze des Erzberges hat man eine wundervolle Aussicht über das Dal. «.. . Eines der interessantesten Bauwerke des Nordens ist die Kirche von Kiruna. Sie ist nach nordischen Motiven erbaut und ähnelt in, ihrer Sonn, mit ihrem Reichtum an Farben einem neigen N« al-das hervorragendste Werk moderner schwedischer Holzarchitektur. Das Mtar- bild stellt eine sonnemibergossene Landschaft dar. Prinz Eugen von Schweden hat es gemalt und der Kirche geschenkt. __ fitie wieder im Lappland-Expreß. Vom touristischen Standpunkt aus betrachtet, beginnt jetzt der schönste Teil der Fahrt. Bei der Station Rauta öffnet sich -die Aussicht auf herrliche Hochgebirgstaler. Dann konunt man zur Station Torn-eträsk am poesieumrauschten Aipsee, fern„Sjo|ten von Lapplands Seen. Wilde Felsen, die iah zum. Strand« abstillen, um- kränzen ihn. Der elekttijche Zug rollt weiter. Wir Station Abisko und halten in Abiskojokk. Hier liegt die von Taufenden von Touristen besuchte Station des schwedischen Tourist^vereins mtt herrl,cl^r Aussicht über den See Tarneträsk und die ihn umschlingeichen Schneebe^e. An der Station reges Leben und Treiben. Unter den TourHen tauchen Lavven in ihren pittoresken Trachten auf. Kaum ent Ort in Europa kann schöne? liegen als Abisko. Nirgends offenbart sich die Lappländische Hoch- gebirgsnatur so wunderbar wie hier. Es ist daher nicht äuverwundern, daß von Jahr zu Jahr ein immer mehr anwachsender Touristenstrom sich über Hch ter^Msko durchfährt der Zug einen langen Tunnel. Darm be^iinen die gegen die Winterstürme errichteten Schneegalerien. Na^un der früher von^dm Lippen als Heiligtum verehrte Berg Vassaivamnfahren, 'st die schwedisch-norwegische Grenzstation „Riksgransen erreicht. Das Klmm ist hier äußerst streng. Sm Winter toben heftige SAieesttirme. Die Neichs- arenze bildet gleichzeitig auch die Wasserscheide zwischen der Ostsee und dem tiI9tunSrDfmtt' sich die Bahnlinie 520 Meter tief und führt durch 21 Dunnels und zahlreiche Schneegalerien. Di« Fahrt bietet raunt) eroa« Aussichten auf die Gebirge und den in der Tiefe schimmernden Fiord. Immer mehr senkt sich die Strecke dem Rombaks-Fjord entgegen, der sich durch die smaragdgrüne Farbe seines Wassers ausMchnet. . h Endlich hält der Zug in Narvik, der norMidjften Cifenbahnstation der Welt. Auf einer Halbinsel breitet sich die Stadt aus die vor der Cr- östnung der Lapplandbahn nur ein undedeutender - Fischer «platz war. Im ft eigen die Straßen mit ihren pittoresken, zum Teil direkt in di« Felsen gebauten Holzhäuschen terassensörmig Rott, grüne und blaue Lnhttr prntärtien hinter farbigen Borhangen. Vom Fjord bunten die rjunoene von ÄÄttischen Laternen der Laderampen. Der Donner der herabsturzen- den Erzschollen klingt durch dtt Rächt. Das iftbas Lied der Arbeit, Ne Musik die in Narvik Tag und Nacht nicht endet. . Wie schwarze Schlangen winden sich die Erzzuge am Felsenhang entlang. Scharf hchen sich die Konturen der schneebedeckten Berge vom Mm- i mernden Fjord. " । Vom gefundnen Reinhold und „verlorn 1 Grettein. bauten (Fortsetzung folgt.) Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. - Druck und Verlag: Brühl'fche Aniversitäts-Duch. und Steindruckereck, R. Sange, GiM reckte ich meine Hand übers schlummernde Häupklein, rühnete es abti s sucht an, daß ich es nicht erweckte, und segnete so seinen Eingang M Gottes Namen. — - J° wahrender Lenznacht saß ich in meiner Stube unter allerbant i Gedanken, die weitläufig zu erzählen nicht vonnöten. Ich wußte ia nicht : ob ich d-n morgenden Tag noch erleben oder welchen Gräuel ich da würde ! sehen muffen. War's gleich dunkel, so stund doch alles um mich her nab» ! und klar vgr meiner Seele: eben darum, weil ich mich darein ergeben . mutzte, daß ich leichtlich daraus auch für immer vertrieben würde. Den« Hoffnung, oder Furcht, die uns in die Zukunft versetzen, reichen gern auck der Erinnerung die Hand, sie sei uns trübe oder froh. — ' w Je friedlicher und wollustsamer die Lenznacht war, um desto viel schreck. ’ l'cher dünkte mich die Verwüstung, die so nabe drohete. Immer horcht' üb hinaus, ob etwas von Gefahr zu vernehmen. Aber die Nachtigallen üchrZ fort zu fingen, und wenn ein Windhauch durchs Laub fuhr, fielen di, Tropfen stärker. Doch gegen Mitternacht härt' ich ein Krachen, wie Mus. ketenfalven nicht gar ferne — aber dann ward wieder alles still. ,Das Un, gewitter zieht heran!" dacht' ich, und ergab mich in Gottes Willen. i Ich hab' mein' Sach' Gott heimgestellt, Er mach's mit mir, wie's ihm gefällt. / , So waren meins Gedanken. Aber das Emtlein — war sie in Sicher! hett? Warum war sie nicht kommen — sollte ich sie nimmer sehn — fa' siecht und ihn nicht?! Hatte er sich wirklich von mir gewendet, oder war irgendwo verderbet, unb sollte auch meine letzte Hoffnung, meine einzig« • für diese Welt ersterben, wie der welke Strauß dort am Fenster, den de» ' Gretlein für ihn gebunden? Da führten mich meine Herzensgedariken rückwärts, und was einstens war, stund wieder vor mich hin. Ich sah mich selbsten wieder, wie ich mit erschrockner Freude zum erstenmal das Knäblein im Arme hielt, als ich's an jenem Morgen mm frühe gefunden hatte. Wie's Würmlein wimmerte in seinem schlecht«? Tuch, darein gewickelt es auf dem Grabs gelegen war! Auf einem Grab, ein Kind: unten die Verwesung, sechs Schuh drüber das aufsprießend, Leben! Das Grab 'ne Wiege! — Zwar 's ist nichts fonderlichs, maßen allsrwarts unser Leben über Grüften steht und geht, bis daß es einst hinuntersinkt; aber jedennoch das Grab 'ne Wiege: nicht darin zu schlafet, den langen, festen Schlaf, sondern allda zu erwachen und in des alten Josias Arme zu geraten! — Beinahe hott' ich's fallen lassen zur Erden, dieweil seine Gliedertest gar so zart waren, und ich mich fürchtete, ihnen wehe zu tun. Aber « streckte seine Händlein nach mir aus, raufte meinen grauen Back 1 und lachte!! Ach, du ewige Güte, so ein Kinderhändlein! Noch bis zur Stund' M ich dies dafür, daß Lieblicheres auf Erden nicht zu sehen sei, als weist ein Kind seine Händlein ausstreckt, damit zu greifen und zu fassen; es bat noch feine Begehrlichkeit, es freut sich bloß; es meint, alles wäre gern bet , >hm. Seine Griffe find keine falschen Griffe, keine Diebsgriffe, keine Geyer- griffe, von denen