Geheim Zamilienbliitter Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Jahrgang Samstag, -en 2b.Marz ~~ Nummer^ Nachklänge Beethovenfcher Musik. Von Clemens Brentano. Gott, dein Himmel saht mich in den Haaren, deine Erde reiht mich in die Hölle. Herr, too soll ich doch mein Herz bewahren, daß ich deine Schwelle sicher stelle — also fleh ich durch die Nacht. Da fliehen meine Klagen hin wie Feuerbronnen, die mit glühenden Meeren mich umschließen Doch inmitten hab' ich Grund gewonnen, rage hoch gleich rätselvollen Niesen, Memnons Bild. Des Morgens erste Sonnen fragend ihren Strahl zur Stirn mir fchiehen und den Traum, den Mitternacht gesponnen, üb' ich tönend, um den Tag zu grühen. Selig, wer ohne Sinne schwebt wie ein Geist auf dem Wasser, nicht wie ein Schiff die Flaggen wechselnd der Zeit und Segel blähend, wie heute der Wind weht. Nein, ohne Sinne, dem Gott gleich, selbst sich mir wissend und dichtend schafft er die Welt, die er selbst ist. und es sündigt der Mensch draus. Und es war nicht sein^Wille! Aber geteilet ist alles. Keinem ward alles, denn jedes hat einen Herrn, nur der Herr nicht, einsam ist er und dient nicht. So auch der Sänger. Am Grabe Beethovens Von Franz Grillparzer. Wir bringen im Folgenden die von Grillparzer verfaßte, vom Schauspieler Anschütz gesprochene Leichenrede bei der Trauerfeier für Beethoven am 29. März 1827. sowie Grillparzers Gedenkrede nach der ein halbes Jahr später erfolgten Grabsteinlegung. Indem wir hier am Grabe dieses Verblichenen stehen, sind wir gleichsam die Repräsentanten einer ganzen Nation, des deutschen ge- samten Volkes, trauernd über den Fall der einen hochgefeierten Hälfte dessen, was uns übrig blieb von dem dahingeschwundenen Glanze heimischer Kunst, vaterländischer Geistesblüte. Noch lebt zwar — und möge er lange leben! — der Held des Sanges in deutscher Sprache und Zunge: aber der letzte Meister des tönenden Liedes, der Tonkunst holder Mund, der Erbe und Erweiterer von Händel und Bachs, von Haydn und Mozarts unsterblichem Ruhme hat ausgelebt, und wir stehen weinend an den zerrissenen Saiten des verklungenen! Spiels. Des verklungenen Spiels! Laßt mich ihn so nennen! Denn ein Künstler war er, und was er war, war er nur durch die Kunst. Des Lebens Stacheln hatten tief ihn verwundet, und wie der Schiffbrüchige das Alfer umklammert, so floh er in deinen Arm, v du des Guten und Wahren gleich herrliche Schwester, des Leides Trösterin, von oben stammende Kunst. Fest hielt er an dir, und selbst als die Pforte geschlossen war, durch die du eingetreten bei ihm und sprachst zu ihm, als er blind geworden war für deine Züge durch sein taubes Ohr, trug er noch immer dein Bild im Herzen, und als er starb, lag's noch auf seiner Brust. Ein Künstler war er, und wer steht aus neben ihm? Wie der Behemoth die Meere durchstürmt, so durchflog er die Grenzen seiner Kunst. Dom Girren der Taube bis zum Rollen des Donners, von der spitzfindigsten Verwebung eigensinniger Kunstmittel bis zu dem furchtbaren Punkt, wo das Gebildete übergeht in die regellose Willkür streitender Naturgewalt-en, alles hatte er durchmessen, alles erfaßt. Der nach ihm kommt, wird nicht fortsehen, er wird anfangen müssen, denn fein Vorgänger hörte nur auf, wo die Kunst aufhört. Adelaide und Leonore! Feier der Helden von Vittoria und des Meßopfers demütiges Lied! — Kinder ihr der drei- und Gergeteilten Stimmeni brausende Symphonie: „Freude schöner Götterfunken", du Schwanengesang! Muse des Lieds und des Saitenspiels: stellt euch rings um fein Grab und betreut's mit Lorbeeren! Ein Künstler war er, aber auch ein Mensch, Mensch in jedem, im höchsten Sinn. Weil er von der Welt sich abschloß, nannten sie ibn feindselig, und weil er der Empfindung aus dem Wege ging, gefühllos. Ach wer sich hart weiß, der flieht nicht! Die feinsten Spitzen sind es, die am leichtesten sich abstumpsen und biegen oder brechen. Das Aebermaß der Empfindung weicht der Empfindung aus! Er floh die Welt, weil er in dem ganzen Bereich feines liebenden Gemüts keine Waffe fand, sich ihr zu widersetzen. Er entzog sich den Menschen, nachdem er ihnen alles gegeben und nichts dafür empfangen hatte. Er blieb einsam, weil er fein zweites Ich fand. Aber bis an sein Grab bewahrte er ein menschliches Herz allen Menschen, ein väterliches den Seinen, Gut und Blut der ganzen Welt. So war er, so starb er, so wird er leben für alle Zeiten! Ihr aber, die ihr unserem Geleite gefolgt bis hierher, gebietet eurem Schmerz! Nicht verloren habt ihr ihn, ihr habt ihn gewonnen. Kein Lebendiger tritt in die Hallen der Ansterblichkeit ein, Der Leib muh fallen, dann erst offnen sich ihre Pforten. Den ihr betrauert, er steht von nun an unter den Großen aller Zeiten, unantastbar für immer. Drum kehrt nach Hause, betrübt, aber gefaßt! And wenn euch je im Leben, wie der kommende Sturm, die Gewalt seiner Schöpfungen Übermannt, wenn euer Entzücken dahinströmt in der Mitte eines jetzt noch ungebovenen Geschlechts, so erinnert euch dieser Stunde und denkt: wir waren dabei, als sie ihn begruben, und als er starb, haben wir geweint. Sechs Monden sind's, da standen wir hier an demselben Orte; klagend, weinend: denn wir begruben einen Freund. Nun wir wieder versammelt sind, laßt uns gefaßt fein und mutig: denn wir feiern einen Sieg. Hinabgetragen hat ihn der Strom des Vergänglichen im der Ewigkeit unbesegeltes Meer. Ausgezogen, was sterblich war, glänzt er ein Sternbild am. Himmel der Nacht. Er gehört von nun an der Geschichte. Nicht von ihm fei unsere Rede, sondern von uns. Wir haben einen Stein setzen lassen. Etwa ihm zum Denkmal? Ans zum Wahrzeichen! Damit noch unsre Enkel wissen, wo sie hin- "'knien haben, und die Hände zu falten, und die Erde zu küssen, sein Gebein deckt. Einfach ist der Stein, wie er selbst war im »Leoen, nicht groß; um je größer, um so spöttischer wäre ja doch der Abstand gegen des Mannes Wert. Der Name Beethoven steht daraus, und somit der herrlichste Wappenschild, purpurner Herzogsmantel zugleich und Fürstenhut. And somit nehmen wir auf immer Abschied von dem Menschen, der gewesen, und treten an die Erbschaft des Geistes, der ist und bleiben wird. Selten sind sie, die Augenblicke der Begeisterung, in dieser geistesarmen Zeit. Ähr, die ihr versammelt seid, an dieser Stätte, tretet näher an dieses Grab. Heftet eure Blicke auf den Grund, richtet alle eure Sinne gesamt auf das, was euch wissend ist von diesem Mann, und so, laßt, wie die Fröste dieser späten Jahreszeit, bta Schauder der Sammlung ziehen durch euer Gebein, wie ein Fieber tragt es hin in euer Haus, wie ein wohltätiges, rettendes Fieber, und hegt's und bewahrt's. Selten sind sie, die Augenblicke der Begeisterung, in dieser geistesarmen Zeit. Heiliget euch! Der hier liegt, war ein Begeisterter. Nach Einem trachtend, um Eines sorgend, für Eines duldend, alles hingebend für Eines, so ging dieser Mann durch das Leben. — Nicht Gattin hat er gekannt, noch Kind; kaum Freude, wenig Genuß. — Aergerte ihn ein Auge, er riß es aus und ging fort, fort bis ans Ziel. Wenn noch Sinn für Ganzheit in uns ist in dieser zersplitterten Zeit, so laßt uns sammeln an seinem Grab. Darum sind ja von jeher Dichter gewesen und Helden, Sänger und Gotterleuchtete, daß an ihnen die armen zerrütteten Menschen sich aufrichten, ihres Arsprungs gedenken und ihres Ziels. Begegnung mit Beethoven. Ein Brief der Bettina. Der irn Folgenden wiedergegebene Brief der Bettina vom 9. Juli 1810, gerichtet an den bayerischen Nppellrat Dr. Alois Dihler, gibt eine eindringliche Schilderung der Erscheinung und Amwelt des Meisters. ... Beethoven habe ich erst in den letzten Tagen meines Wiener Aufenthaltes kennen gelernt. Beinahe hätte ich ihn gar nicht gesehen; denn niemand wollte mich zu ihm bringen, selbst die sich seine besten Freunde nannten, nicht, und zwar aus Furcht vor feiner Melancholie, die ihn fo besängt, daß er sich um nichts interessiert und den Fremden eher Grobheiten als Höflichkeiten erzeigt. Eine Phantasie von ihm, die ich ganz vortrefflich vorttagen hörte, bewegte mir das Herz und ich hatte von demselben Augenblicke eine Sehnsucht nach ihm, daß ich alles auf bot. Kein Mensch wußte, wo er wohnte; er hält sich oft ganz versteckt. — Seine Wohnung ist ganz merkwürdig: im ersten Zimmer zwei bis drei Flügel, alle ohne Deine auf der Erde liegend, Koffer, worin seine Sachen, ein Stuhl mit drei Beinen, im zweiten Zimmer fein Bett, welches Winters wie Sommers aus einem Strohsack und dünner Decke besteht, ein Waschbecken auf einem Tannentisch. L. Wien, 11. August 1810. ewig ewig ewig Dein mein uns. An Bettina Brentano. ohne Dich — verfolgt von der Güte der Menschen hier und da, d>e ich meine — ebensowenig verdienen zu wollen als sie zu verdienen. — Demut des Menschen gegen den Menschen — sie schmerzt mich. Und wenn ich mich im Zusammenhang des Universums betrachte, was bin ich und was ist der — den man den Größten nennt? — Und doch— ist wieder hierin das Göttliche des Menschen. — Ich weine, wenn ich denke, daß Du erst wahrscheinlich Sonnabends di« erste Nachricht von mir erhältst. - Wie Du mich auch liebst - stärker liebe ich Dich doch. - Doch nie verberge Dich vor mir — gute Nacht. Ach Gott — so nah! so weit! ist es nicht ein wahres Himmelsgebäude unsere Liebe — aber auch so fest, wie die Veste des Himmels! — Guten Morgen am 7. Juli. Schon im Bette drängen sich die Ideen zu Dir, meine unsterbliche Geliebte, hier und da freudig, dann wieder traurig, vom Schicksal ab- wartend, ob es uns erhört. — Leben kann ich entweder nur ganz nut Dir oder gar nicht: ja ich habe beschlossen, in der Ferne so lange herurm zuirren, bis ich in Deine Arme fliegen kann und mich ganz ^heimatlich bei Dir nennen kann. — Ja leider muh es sein. — Du wirst dich fassen, um so mehr, da Du meine Treue gegen Dich kennst, nie eine andere kann mein Herz besitzen, nie — nie! — D Gott, warum sich entfernen müssen, was man^so liebt und doch ist mein Leben in V. so wie etzt em tum- merliches Leben. — Seine Liebe machte mich zum Glücklichsten und zum Unalücklichsten zugleich. — In meinen Jahren letzt bedurfte ich einiger Einförmigkeit, Gleichheit des Lebens; — kann diese be> unserem Verhalt- niste bestehen? — Engel, eben erfahre ich, daß die Post alle Tage av __unb ich muß daher schließen, damit Du den B. gleich erhältst. Sei ruhig, — nur durch unser ruhiges Beschauen unseres Daseins könnet wir unseren Zweck, zusammenleben erreichen. - Sei ruhig - hebe mich. — Heute — gestern welche Sehnsucht nut Tranen nach Dir Dir Dir — mein Leben — mein Alles, — leb' wohl — o liebe mich ort verkenne nie das treueste Herz Deines Geliebten Aus Beethovens Briesen. Am 6. Juli, morgens. (6.-7. Juli 1801 (?), wahrscheinlich 1812). An die „Unsterbliche Geliebte"*). Mein Engel, mein Alles, mein Ich. — Nur einige Worte beute und zwar mit Bleistift (mit Seinem) —; erst bis morgen ist meine Wohnung sicher bestimmt; welcher nichtswürdiger Zeitverderb m d. g.! — Warum dieser tiefe Gram, wo die Notwendigkeit spricht? kann unsere Liebe anders bestehen als durch Aufopferungen, durch Nicht-alles-verlangenk kannst Su es ändern, daß Su nicht ganz mein, ich nicht ganz Dem dm? — Ach Gott, blick' in die schöne Natur und beruhige Dein Gemüt über das Müssende; — die Liebe fordert alles unb ganz mit Recht, so ist es mir mit Dir, Dir mit mir. — Nur vergißt Du so leicht, daß ich für mich unb für Dich leben muß; — wären wir ganz vereinigt, Du wurdest dieses Schmerzliche ebensowenig als ich empfinden. — Meine Reise war schrecklich. — Ich kam erst morgens 4 Uhr gestern hier an; da es an Pferden mangelte, wählte die Post eine andere Reiseroute; aber welch schrecklicher Weg; auf der vorletzten Station warnte man mich, bei Nacht zu fahren, — machte mich einen Wald fürchten, aber bas reizte mich nur, und ich hatte unrecht, der Wagen mußte bei dem schrecklichen Wege brechen, grundlos, bloßer Landweg; ohne solche Postillione, wie ich hatte, wäre ich liegen geblieben unterwegs. — Esterhazy hatte aus dem anderen gewöhnlichen Wege hierhin dasselbe Schicksal mit acht Pferden, was ich mit vier. — Jedoch hatte ich zum Teil wieder Vergnügen, wie immer, wenn ich was glücklich überstehe. — Nun geschwind vom Inneren zum Aenßeren. Wir werden uns wohl bald sehen, auch heute kann ich Dir meine Bemerkungen nicht mitteilen, welche ich während dieser einigen Tagen über mein Leben machte. — Wären unsere Herzen immer dicht aneinander, ich machte wohl keine b. g. Die Brust ist voll. Dir viel zu sagen; — ach — es gibt Momente, wo ich finbe, baß bie Sprache noch gar nichts ist. — Erheitere Dich — bleibe mein treuer, einziger Schatz, mein alles, wie ich Dir; bas übrige müssen bie Götter schicken, was für und sein muß und sein soll. Dein treuer Ludwig. Teuerste Freundin! Kein schönerer Frühling als der heunge, das sM« ich und fühle es auch, weil ich Ihre Bekanntschaft gemacht habe. Sie haben wohl selbst gesehen, daß ich in der Gesellschaft bin rote ein 6>sch auf bem Sand, der wälzt sich und wälzt sich und kann mcht f°rtz b>L eme wohlwollende Galathee ihn wieder in das gewalNge Meer hinemsihafs . irf, mar recht auf bem Trockenen, liebste Bettine, ich waro von Ihnen überrascht in einem Augenblick, wo ber Mißmut klanz meuter Meister war. Aber wahrlich, er verschwand mit Ihrem Anblicke, ich - Das verzeihen Sie mir wohl, mit Ihrem guten Herzen, bas aus Ihren Augen sieht, unb mit Ihrem Verstaub, der in Ihren Ohren hegt, zum wenigsten verstehen Ihre Ohren zu schmeicheln, wenn Sie zuhoren Es’ffBs Sä «äää SÄ Ä Ä’4— Bvs Ä » SM SÄtt 'nn m:r aekhrieben nicht wahr? Daß ich meinen Kops mocyle m einen Sack^tecken wo ich iftchts höre und nichts sehe von allem, was .n der Welt vorgeht, weil Du, liebster Engel, mir doch nicht barm begegnen •rr± ptnpn 9tricf tücrbß id) hoch von erholten. v II nuna nährt mich sie näh" ja bie halbe Welt, unb ich habe sie mein Lebtag zur Nachbarin gehabt, was wäre sonst mit mir geworden! Ich schicke hier mit eigener Hand geschrieben „Kennst du das Land eine (Vrinneruna an bie Stunbe, wo ich Sie kennen lernte, ich schicke Q) bas anLe was ich komponiert habe, seit ich Abschieb von Dir genommen habe, liebes liebstes Herz! Herz, mein Herz, was soll bas geben, Was bebränget bich so sehr, Welch ein neues, frembes Leben, Ich erkenne bich nicht mehr. feine’ Jahre selbst nicht, glaubt aber doch fünfutiddrethrg. Ich hatte nun viel gehört, wie behutsam man mit ihnr sein müsse, iml ’S? scheel zu machen; ich hatte aber fern edles U^sen auf Äne aanz ankere Art berechnet und mich nicht geirrt 3n einer TXiprtflftunbe war er mir so gut geworden, daß er nicht von mir lasten konnte, sondern immer neben mir herging, auch mit uns nach S X unb zur größten Verwunderung feiner Bekannten den aansen Tag dablieb. Dieser Mensch hat einen sogenannten Stolz. dah er toebet bem Kaiser noch den Herzögen, die ihm. eine Pension umsonst geben, zu Gefallen spielt, und IN ganz Wien ist es das Seltenste? ihn zu Hörem Auf meine Sitte , ba & er fp^si mochie, antwortete er: Sun, warum soll ich denn spielen? »Weil ich mein Leben gern mit dem Herrlichsten erfüllen will und toeil Ihr Spiel eine Epoche für dieses Leben fein wird, antwortete ich. Er versicherte mir, daß er dieses Lob zu verdienen Jucken wolle, setzte sich neben das Klavier auf die Ecke emes Stuhles und stzielte leise mit einer Hand, als wollte er suchen, den Widerwillen zu über w^ sich hö?m zu lassen. Plötzlich hatte er alle Umgebung ver- geC’unb feine ^ele war ausgedehnt in einem von Harmonie. Ich habe diesen Mann unendlich lieb gewonnen. In allem, was feine Kunst anlangt, ist er so herrschend und wahrhaft, daß kein Künstler sich ihm zu nähern getraut, in fEm ubrcqen Leben aber so naiv, daß man aus ihm machen kann, was man Will. Er ist durch feine Zerstreutheit ordentlich zum Gespött getoorben, man benutzt dies auch so, bah er selten so viel Gelb hat, um nur das und^Bncder' zehren ihn auf. Seine Kleiber smb zerrissen, sein Aeußeres ganz zerlumpt, unb doch ist feine Erscheinung bedeutend und herrlich. Dazu kommt noch, da'h er sehr kurzsichtig ist unb beinahe gar nichts sieht. Wenn er aber gerade komponiert hat so ist er ganz taub, und seine Augen sind verwirrt im Blicke auf das Aeutzere: das kommt daher, weil die ganze Harmonie sich in seinem Hirne fortbewegt unb er nur auf biefe ferne ©inne j^en kann. Das also, was ihn mit der Welt in Verbindung halt (das Gefichtunb Gehör), ist ganz abgeschnitten, so. daß er in der testen Einsamkeit lebt. Wenn man zuweilen lange mit ihm spricht und auf eure Antwort toartet, so bricht er plötzlich in Töne aus, zieht fern Aotenpapier hervor imb schreibt. Er macht's nicht wie der Kapellmeister Winter, der hinschreibt, was ihm zuerst einfiel; er macht erst großen Plan mw richtet seine Musik in eine gewisse Form, nach welcher er nachher arbe@rt'£am diese letzten Tage, die ich noch in Wien zubrachte, alle Abend zu mir, gab mir Lieder von Goethe, bie er komponiert hatte, unb bat mich, ihm zum wenigsten alle Monate einmal zu schreiben, weil er außer mir keinen Freunb habe. Ja, liebste Bettine, antworten Sie mir hierauf, l^retben mir, was es geben fall mit mir, feit mein Herz solch em Rebell 9. ist. Schreiben Sie Ihrem treuesten Freund Beethoven. Abends Montags am 6. Juli. Du leidest, Du mein teuerstes Wesen. — Eben jetzt nehme ich wahr, daß die Briefe in aller Frühe aufgegeben werden müssen. Montags — Donnerstags — die einzigen Tage, wo die Post von hier nach K. geht. — Du leidest. — Ach, wo ich bin, bist Du mit mir; mit mir und Dir rede ich, mache, daß ich mit Dir leben kann; welches Leben!!!! so!!!! *) Wahrscheinlich Gräfin Therese Brunswick. 4- An Gräfin Marie Erdödy. Meine liebe, werte Gräfin! Sie beschenken mich schon wieder, und das ist nicht recht, Sie benehmen mir dadurch alles kleine Verdienst, ich um Sie haben würde. Ob ich morgen zu Ihnen kommen kann, n ungewiß, so sehr auch meine Wünsche dafür, aber m einigen läge G n sollte es auch nur nachmittags sein. Meine Lage ist dermalen s h wickelt, mündlich mehr darüber; grüßen Sie und drücken Sie alle Ihre mir lieben Kinder in meinem Namen an Ihr Herz. Dem Magister eine anfte Ohrfeige, dem Oberamtmann ein feierliches Nicken, dem Violoncello ist ausgetragen, sich aufs linke Donauufer zu begeben und so lange zu spielen, bis alles vom rechten Donauuser herübergezogen wird; auf diese Weise würde Ihre Bevölkerung bald zunehmen. Ich setze übrigens getrost den Weg wie vorhin über die Donau, mit Mut gewinnt man allenthalben, wenn er gerecht ist. Ich küssen Ihnen vielmal die Hände, erinnern Sie sich gern Ihres Freundes Beethoven. Schicken Sie also keinen Wagen, lieber wagen! als einen Wagen! — Die versprochenen Musikalien folgen aus der Stadt. * An Karl v. Beethoven*). Baden, 23. August 1823. Lümperl----bestes Lümperl! Liebes Kind, ich empfange heute Deinen gestrigen Brief. Du sprichst mir von 31 fl., da ich doch auch Deine verlangten 6 fl. ebenfalls geschickt habe, solltes Du diese nicht bei dem vielen Geplapper durch Blätter nicht gefunden haben. Die Quittung von Schindler mußte so lauten: 10 fl. der Haushalt des B . . .s, 9 fl. meiner Haushälterin, 31 fl. beiliegend. Summa 50 fl., welche ich Endesunterfchriebener richtig erhalten habe. Schindler. Er war nur einen Tag mit mir hier, um eine Wohnung zu nehmen, wie Du weißt, schlief in Hetzendorf und ging morgens feiner Aussage gemäß wieder in die Josefstadt. Laß Dich übrigens nicht in Klatschereien gegen ihn ein, man kann ihm schaden; und ist er nicht gestraft genug, daß er fo ist. Ihm derb die Wahrheit zu sagen, ist nötig, da fein böser, zu Ränken aufgelegter Charakter fordert, ihm Ernst zu zeigen. Wenn die Wäsche nicht höchst nötig, so laß dieselbe bis ich 29. komme; denn da Du sie erst schickest, so wird es kaum möglich sein, daß Du selbe am 28. des Prüsungstages haft. Gib also lieber dem Bedienten ein Beinkleid im Notfall, welches dort in der Nachbarschaft wohl leicht gewaschen wird. — Ich erinnere mich der Ankündigung des Petiscus. Ist er das Geld wert, so muß man ihn doch haben; das Nützliche darf nicht berechnet werden. Gott verläßt uns nicht; zwar sind die Ausgaben groß jetzt, ich erwarte nun noch die Rechnung von Blöchlinger. Ist sonst noch was zu erinnern, so vergiß nichts, damit man am 29. nicht aufgehalten ist. Den Bedienten anbelangend, fo soll er noch einige Zeit bleiben, bis wir einmal zusammen find; denn die ganze Haushaltung mit der Alten wird nicht mehr gehen, sie riecht, sieht und schmeckt nicht mehr. Mein armer Magen ist immer in Gefahr. Die frühere Haushälterin von der Josefstadt hat sich schon wieder angetragen, sie wäre geeigneter mit einem Bedienten; allein diese Alte braucht Bedienung und Hilfe, die Küchenmagd, die ich früher weggeschafft, ist ein großes Schwein. Für jetzt hat doch der Bediente ordentliche Wohnung; er kann an viele Orte kommen, wo er die nicht hat. Er mag nun bleiben oder gehen, so soll er uns zu wissen machen, wo er ist, und sind wir zusammen, so läßt sich's überlegen. Denke, auch eine Küchenmagd kostet nur monatlich mit dem Brotgeld 10 fl. 44 kr., jährlich 128 fl. 48 kr., der Bediente monatlich 20 fl. Stiefelgeld, Kleidung. Und bei der Alten müssen wir noch ein Weib haben. Es geht besser mit der Gesundheit, doch nicht so gut, als ich früher war. Nun lebe wohl. Das Tagtägliche erschöpft mich. — Alles Gute, Dir mein lieber Sohn. Czerny, Dein früherer Meister, speist morgen bei mir. Du wirst manche für Dich interessante Menschen hier finden. Herzlich Dein Batcr. (14.) September 1825. Lieber Sohn! Vergesse nicht, dem Tobias die Quittung nebst dem Gelde zu geben. — Der Herr Instruktor hätte früher kommen sollen. — Da die Sache sich nun so verhält, so mußt Du ihm folgen. — Ich wünsche auch nicht, daß Du den 19. September zu mir kommst. Es ist besser, daß Du diese Studien endigst. — Gott hat mich nie verlassen, es wird sich schon noch jemand finden, der mir die Augen zudrückt. — Es scheint mir überhaupt ein abgekartetes Wesen in dem allen, was vorgegangen ist, wo der Herr Bruder (Pseudo) eine Rolle mitspielt. — Ich weiß, daß spater Du auch nicht Lust hast, bei mir zu sein, natürlich, es geht etwas zu rein zu bei mir. Du hast auch verflossenen Sonntag wieder 1 fl. 15 kr. von der Haushälterin, diesem alten, gemeinen Kuchelmensch geborgt. — Es war schon verboten. — Ebenso geht es überall, mit dem Ausgehrock wäre ich zwei Jahre ausgekommen, freilich habe ich die üble Gewohnheit, im Hause einen abgetragenen Rock anzuziehsn, aber Herr Karl, o pfui der Schande, und weswegen? der Geldsack des Herrn L. v. B—n ist ja bloß dafür da. — Du brauchst auch diesen Sonntag nicht zu kommen, denn wahre Harmonie und Einklang wird bei Deinem Benehmen nie entstehen können. Wozu die Heuchelei, — Du wirst dann erst ein besserer Mensch, Du brauchst Dich nicht zu verstellen, nicht zu lügen, welches für Deinen moralischen Charakter endlich besser ist. — Siehst Du, so spiegelst Du Dich in mir ab, denn was hilft das liebevollste ZurechtweisenI! — erbost wirst Du noch obendrein. Uebrigens sei nicht bange, für Dich werde ich immer, wie jetzt unausgesetzt sorgen, solche Szenen bringst Du in mir hervor — als ich die 1 fl. 15 kr. wieder auf der Rechnung fand. Schicke keine so dünnen Blätter mehr, denn die Haushälterin kann sie beim Lichte lesen. — Eben erhalte ich diesen Bries von Leipzig. — Ich glaube aber, daß hierauf noch nicht das Quartett zu senden, Sonntags kann dies besprochen werden. — Früher, vor drei Jahren, verlangte ich nur 40 fl. für ein Quartett, es muß also jetzt untersucht werden, wie Du eigentlich geschrieben hast. — Geb’ wohl; derjenige, der Dir zwar nicht das Leben gegeben, aber gewiß doch erhalten hat, und, was mehr als alles andere, für die Bildung Deines Geistes gesorgt hat, väterlich, ja mehr als das, bittet Dich innigst, ja auf dem einzigen wahren Weg alles Guten und Rechten zu wandeln. Leb' wohl. Bring den Brief Sonntags wieder mit. Dein treuer guter Vater. *) Beethovens Neffe und Adoptivsohn. Vaden, 5. (Oktober 1825). Mein teurer Sohn! Nur nicht weiter — komm nur in meine Arme, kein hartes Wort wirst Du hören, o Gott, gehe nicht in Dein Elend. — Liebend wie immer wirst Du empfangen werden, — was zu überlegen war, was zu tun für Deine Zukunft, dies werden wir liebevoll besprechen; — Mein Ehrenwort, keine Vorwürfe, da sie jetzt ohnehin nicht mehr fruchten würden, nur die liebevollste Sorge und Hilfe darfst Du von mir erwarten. — Komm nur, — komm an das treue Herz Deines Vaters. — Beethoven. Komme gleich nach Empfang dieses nach Hause. . Si vous ne viendrez pas, vous ine tuerez su rem ent Lisez Ja lettre et restez ä la maison chez vous, venez m’embrasser, votre pere vous vraiment adonne, soyez assure, que tout ceia restera entre nous. Komme nur um Gottes willen heute wieder nach Haufe, es könnte Dir, weiß was, für Gefahr bringen. Eile — eite! * An Anion Schindler*). (1823.) Sehr bester L(umpen)k(erl) von Epirus nicht weniger von Brundu- fium usw.! Gebt den Brief dem Beobachter, es muh aber fein Name von Euch darauf gesetzt werden. Zugleich fragt ihn, ob seine Tochter große Fortschritte im Klavier gemacht, ob ich ihr wohl einmal mit einem Exemplar von meinen Kompositionen dienen könnte? — Ich habe geschrieben „zum Ehrenmitglied"**), ich weiß aber nicht, ob es so heißen soll, ob nicht vielleicht bloß „zum auswärtigen Mitglied"; unwissend und nie beachtend dergleichen. — An Bernardum***) non sanctum habt Ihr auch was wegen dieser Geschichte abzugeben. Fragt doch auch wegen diesem Schuften Ruprecht den Bernard, erzählt ihm den Schnack und rote man diesem Schandmenschen ans Leder kommen kann. — Fragen Sie bei beiden philosophischen Zeitungsschreibern nach, ob dies eine Ehren- oder eine Schandmitgliedsernennung sei? Ich esse heute zu Hause, wenn Sie kommen wollen, so kommen Sie. Bitten Sic den Herrn Beobachter um Verzeihung, weil der Bries so konfus aussieht; es ist gar zuviel zu tun. Hören Sie auch, ob man für Geld ein Exemplar haben kann vom Beobachter. Das Heiligenstädler Testament. Für meine Brüder Carl und Beethoven. O ihr Menschen, die ihr mich feindselig, störrisch oder misati- thropisch haltet oder erklärt, wie unrecht tut ihr Mir, ihr Wißt nicht die geheime Ursache von dem, was euch so scheinet Mein und mein Sinn waren von Kindheit an für das zarte Gefühl des Wohlwollens; selbst große Handlungen zu verrichten, dazu war rch imm« aufgelegt Aber bedenket nur, daß fett 6 Jahren ein heilloser Zustand mich befallen, durch unvernünftige Aerzte verschlimmert, von Jahr zu Jahr in der Hoffnung gebessert zu werden, betrogen, endlich ju dem Tleberblick eines dauernden' Hebels (dessen Heilung vielleicht Jahre dauern oder gar unmöglich ist) gezwungen; mit einem feurigen, lebhaften Temperamente geboren, selbst empfänglich für die Zer- streuungen der Gesellschaft, mußte ich früh mich absondern, einsam mein Leben zubringen; wollte ich auch zuweilen mich einmal uvtt alles das hinaussetzen, o wie hart wurde ich durch die verdoppelte traurioe Erfahrung meines schlechten Gehörs dann zuruagestotzen, und doch wars mir noch nicht möglich, den Menschen zu sagen, sprecht lauter, schreit, denn ich bin taub. Ach tote toar's möglich, daß ich die Schwäche eines Sinnes angeben sollte, der bei mir in einem vollkommeneren Grade sein sollte, einen Sinn, den ich ernst in der größten Vollkommenheit besaß, in einer Vollkommenheit, tote ihn wenige von meinem Fache gewiß haben noch gehabt haben^ o ich kann es nicht; drum verzeiht, wenn ihr mich da zuruckweichen sehen werdet, wo ich mich gern unter euch mischte; doppelt wehe tut mir mein Unglück, indem ich dabei verkannt werden muß, für mich darf Erholung in menschlicher Gesellschaft, feinem Unterredungen, wechselseitigen Ergießungen nicht statthaben; ganz En fast, und fo viel als eS die höchste Notwendigkeit fordert, darf ich mich tn sellschaft einlassen, wie ein Verbannter muh ich leben; nahe ich mich einer Gesellschaft, so überfällt mich eine heiße Aengstlichkeit, indem ich befürchte, in Gefahr gesetzt zu werden, meinen Suftanbmerfen lassen — so war es denn auch dieses halbe Jahr, was uh auf oem Lande zubrachte; von meinem vernünftigen Arzt aufgefordert, fo mel als möglich mein Gehör zu schonen, kam er fast meiner letzigen Dispo- sizion entgegen, obschon, vom Triebe zur Gesellschaft manchmal hin gerissen, ich mich dazu verleiten ließ; aber welche Demütigung. wenn jemand neben mir stand und von weitem eine Note hörte, und ich nichts hörte, oder jemand den Hirten singen horte, und ich auch nichts hörte; solche Ereignisse brachten mich nahe an Verzweiflung, es fehlte wenig, und ich endete selbst mein Leben — nur ß®, die Kunst, sie hielt mich zurück. Ach es dünkte mir unmöglich, dteWett eher zu verlassen, bis ich das alles hervorgebracht, wozu ich mich aufgelegt fühlte, und so fristete ich dieses elende Leben — wahrhaft elend, einen so reizbaren Körper, daß eine etwas änderung mich aus dem besten Zustand in den schlechtesten versetzen kann. — Geduld — so heißt es, sie muh ich nun zur Führerin wählen, ich habe es — dauernd hoffe ich, soll mein Entschluß sein, auszuharren, bis es den unerbittlichen Parzen gefällt, den Faden zu brechen, vielleicht gehts besser, vielleicht nicht, ich bin gefaßt — Schon in meinem 28. Jahre gezwungen, Philosoph zu werden! Es ist nicht tetd>t, für den Künstler schwerer als für irgend jemand. — Gottheit, du siehst herab auf mein Inneres, du kennst es, du weißt daß Menschenliebe und Neigung zum Wohltun drin Hausen; v Menschen, toertn ihr einst dieses leset, so denkt, daß ihr mir unrecht getan, und der An» *) Musikdirektor und Biograph Beethovens. ' **) Es handelt sich um die Ernennung Beethovens zum auswärtigen Mitglied der Kgl. Schwedischen Musik-Akademie. »»*) Josef Karl Bernard, Redakteur der K. K. Wiener Zeitung. 3» zu Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. und OSerlag, Brühl sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, 2k. Lange, Gießen. glückliche, er l.öste sich, einen feines Gleichen zu finden, der kvoh allen Hindernissen der Statur doch noch alles getan, was in seinem Vermögen stand, um in die Reihe würdiger Künstler und Menschen ausgenommen zu werden, — Ihr meine Brüder Carl und sobald ich tot bin und Professor Schmidt lebt noch, so bittet ihn in meinem 2tamen, daß er meine Krankheit beschreibe, und dieses hier geschriebene Blatt füget ihr dieser meiner Krankengeschichte bei, damit wenigstens so viel als möglich die Welt nach meinem Tode mit mir versöhnt werde, — Zugleich erkläre ich Euch beide hier für die Erben des kleinen Dermögens (wenn man es so nennen kann) von mir. Teilt es redlich und vertragt und helft Euch einander; was Ihr mir zuwider getan, das, wißt Ihr, war Euch schon längst verziehen; Dir, Bruder Carl, danke ich noch insbesondere für Deine in dieser letzten spätern Zeit mir bewiesene 2lnhänglichkeit. Mein Wunsch ist, daß Euch ein besseres, sorgenloseres Leben als mir, werbe; empfiehlt Euren Kindern Tugend, sie nur allein kann glücklich machen, nicht Geld, ich spreche aus Erfahrung; sie war es, die mich selbst im Elend gehoben, ihr danke ich nebst meiner Kunst, daß ich durch keinen Selbstmord mein Leben endigte, — lebt wohl und liebt Euch — allen Freunden danke ich, besonders Fürst Lichnowski und Professor Schmidt, — Die Instrumente von Fürst L. wünsche ich, daß sie doch mögen aufbewahrt werden bei einem von Euch, doch entstehe deswegen kein Streit unter Euch; sobald sie Euch aber zu etwas Nützlicherem dienen können, so verkauft sie nur; wie froh bin ich, wenn ich auch noch unter meinem Grabe Euch nützen kann, — So wär's geschehen — mit Freuden eile ich dem Tode entgegen. Kömmt er früher als ich Gelegenheit gehabt habe, noch alle meine Kunstfähigkeiten zu entfalten, so wird er mir trotz meinem harten Schicksal doch noch zu frühe fontmen, und ich würde ihn Wohl später wünschen, — Doch auch dann bin ich zufrieden, befreit er mich nicht von einem endlosen leidenden Zustande? — Komme wann du willst, ich gehe dir mutig entgegen, — Lebt wohl und vergeht mich nicht ganz im Tode, ich habe es um Euch verdient, indem ich in meinem Leben oft an Euch gedacht, Euch glücklich zu machen, seid es — $ Künst ganze Gesta! Sinne gibt e bartet: eine 1 notwei nehme Künstl und s, pathisc und la und bi ihm a Dame am tr die der im tief Größe wagen „Genie' Gestalt detitlich ändern Stellun deuten? Sei Mythos formtet, zu lasse gende Gescheh« geworde „Weltge Ahnung uns gro auf uns hinweg.' ileberlie eines G in dem lichkeitsg mythisch dächtnis Zeiten. Hier -magisch gehören und gar ein Iah, deren ©d über Tai Albr gar sym Heiglnstadt am lOten Oktober 1802. So nehme ich denn Abschied von dir — rmd zwar traurig: — ja die geliebte Hoffnung — die ich mit hieher nahm, wenigstens bis zu einem gewissen Punkt geheilet zu fein, sie muß mich nun gänzlich verlassen; wie die Blätter des Herbstes herabfallen, gewelkt find, so ist — auch sie für mich dürr geworden; fast wie ich hieher kam, gehe ich fort — selbst der hohe Mut, der mich oft in den schönen Sommertagen beseelte — er ist verschwunden. — O Vorsehung — laß einmal einen reinen Tag der Freude mir erscheinen — so Tange schon ist der wahren Freude inniger Widerhall mir fremd. — O wann, o wann o Gottheit — kann ich im Tempel der Natur und der Menschen ihn wiederfühlen. — Nie — nein —; es wäre zu hark —" Eine Pilgerfahrt zu Beethoven. Von Richard Wagner. Rot und Sorge, du Schutzgöttin des deutschen Musikers, falls er nicht etwa Kapellmeister eines Hoftheaters geworden ist, — Not und Sorge, deiner sei auch bei dieser Erinnerung aus meinem Leben sogleich die erste rühmendsie Erwähnung getan! Laß dich besingen, du standhafte Ge- sahriin meines Lebens! Du hieltest treu zu mir und hast mich nie verlassen, lächelnde Glückswechsel haft du stets mit starker Hand von mir abgewehrt, hast mich stets gegen Fortunens lästige Sonnenblicke beschützt! Mit schwarzem Schatten hast du mir stets die eitlen Güter dieser Erde verhüllt: habe Dank für deine unermüdliche Anhänglichkeit! Aber kann es sein, so suche dir mit der Zeit einmal einen andern Schützling, denn bloß der Neugierde wegen möchte ich gern einmal erfahren, 'wie es sich auct) ohne dich leben ließe. Zum wenigsten bitte ich dich, ganz besonders unfere politischen Schwärmer zu plagen, die Wahnsinnigen, die Deutschland nut aller Gewalt unter ein Szepter vereinigen wollen: — es würde ;a bann nur ein einziges Hoftheater, somit nur eine einzige Kapellmeister- Iteile geben! Was follte dann ans meinen Aussichten, aus meinen ein- Wen Hoffnungen werden, die schon jetzt nur bleich und matt vor mir üxüe?en' — roo 65 doch der deutschen Hoftheater so viele gibt? — — ich sehe, ich werde frevelhaft. Verzeih', o Schutzqöttin, den laeben ausgesprochenen, vermessenen Wunsch! Du kennst aber mein Herz, unö weiht, wie ich dir ergeben bin und ergeben bleiben werde, selbst wenn es m Deutschland tausend Hoftheater geben würde! Amen! . . ,T\. L’3,iel"12' meinem täglichen Gebete beginne ich nichts, also auch lucht die Aufzeichnung meiner Pilgerfahrt zu Beethoven. i daß dieses wichtige Aktenstück nach meinem Tode ver- durfte, batte ich es aber auch noch für nötig, zu sagen, dies vielleicht vieles darin unverständlich bleiben konnte. Wisset daher, Welt und Testamentsvollstrecker! öes mittleren Deutschlands ist meine Vater- Usozu man mich eigentlich bestimmt hat, nur nur9; b.a6 ich , eines Abends zum ersten Male eine Beet- fmn7^,r^EsOn'.e fuhren horte, daß ich darauf Fieber bekam. b als ld) w-eder genesen, Musiker geworden war. Aus „ *lenl "Mstande mag es wohl kommen, daß, wenn ich mit der Zeit aurf) ?n,i3re sKöne Musik kennen lernte, ich doch Beethoven vor allem llebt verehrte und anbetete. Ich kannte keine Lust mehr, als mich so ganz VÄÄ ®ennk5 3U °°5-nken bis ich mir endlich einbildete ch on ÄVT’l" 3U fein, und als dieser kleinste Teil sing mwn n 3 ?d)ten' öohere Begriffe und Ansichten zu be- kommen, kurz das zu werden, was die Gescheiten gewöhnlich einen Narren 1 : nennen- Mein Wahnsinn war aber sehr gutmütiger Art, und frfiabeh. niemandem; das Brot, was ich in diesem Zustande atz mar X ®" und der Trank, den ich trank, sehr wäsjerch^denn'Stundenaebkn wlrft bei' uns Nicht viel ab, verehrte Welk und Testamentsvollstrecker' . l®‘e 'ch ewige Zeit in meinem Dachstübchen, als mir eines Taoe« nnrhe!»m>a®ffcber beJfen Schöpfungen ich über alles verehrte. jii w nur unbegtetflidi, bis dahin noch nicht daran gedacht er eingefallen, daß Beethoven vorhanden fein, daß fS.f^^efien und Luft atmen tonne, rote unfereins; dieser Beethoven lebte ja aber in Wien, und war auch ein armer, deutscher Musiker' • ... ?uu “?°r ds uw meine Ruhe geschehen! Alle meine Gedanken wurden L Ä““W:Je^roe" 3U seh«"! Kein Muselmann verlangte gläubiger, nach dein Grabe seines Propheten zu wallfahrten als 'ick nar«n-ern Stübchen, in dem Beethoven wohnte. * es anfangen, um mein Vorhaben ausführen zu können? Rach Wien war eine große Reise, und es bedurfte Geld dazu; ich Armer n rlm bas Leben zu fristen! Da mußte ich denn außer. ™ 1 eesmnen, um mir das nötige Reisegeld zu verschaffen Einige Klaviersonaten, die ich nach dem Vorbilde des Meisters tomvo. TO trUs A*n Zum Verleger, der Mann machte mir mit wenigen Sborten klar, daß ich ein Narr ;ei mit meinen Sonaten; er gab mir aber den Rai, daß, wollte ich mit der Zeit durch Kompositionen ein paar Xalcr verdienen, ich anfangen sollte, durch Galopps und Potpourris mir F" fl^es Renommee zu machen. - Ich schauderte; aber meine Sehn- jucht, Beethoven zu sehen, siegte; ich komponierte Galopps und Pot- pourns, konnte aber in dieser Zeit aus Scham mich nie überwinden, einen Blick auf Beethoven zu werfen, denn ich fürchtete ihn zu entweihen. Zu meinem Unglück bekam ich aber diese ersten Opfer meiner Unschuld '-PH gar nicht einmal bezahlt, denn mein Verleger erklärte mir daß ich mir erst einen kleinen Namen machen müßte. Ich schauderte wiederum u''b s'°l 'n Verzweiflung. Diese Verzweiflung brachte aber einige vor- i* neni,^n„(iPP5 ’V?'01'' Wirklich erhielt ich Geld dafür, und endlich glaubte ?enug gesammelt zu haben, um damit mein Vorhaben auszuführen °ber Zwei Jahre vergangen, während ich immer be-‘ fürchtete, Beethoven könne sterben, ehe ich mir durch Galopps und Dot. pourns einen Namen gemacht habe. Gott fei Dank, er hatte den Glonn meines Namens erlebt! — Heiliger Beethoven, vergib mir dieses Re! nommee, es ward erworben, um dich sehen zu können! Ha, welche Wonne! Mein Ziel war erreicht! Wer war seliger als ick! mc,n schnüren und zu Beethoven wanderii. Ein hei- liger Schauer erfaßte mich, als ich zum Tore hinausschritt und mich dem Süden zuwandte! Gern hätte ich mich wohl in eine Diligence gesetzt Strapazedes Fußgehens scheute — (o, welche Mühselig leiten hatte ich nicht ireybtg für dieses Ziel ertragen!) —, sondern weil ml aUf «e,e schneller zu Beethoven gelangt wäre. Um aber Fuhr- lotjn zahlen 3« können, hatte ich noch zu wenig für meinen Beruf als Galoppkomponist getan. Somit ertrug ich alle Beschwerden und pries mich glücklich, so weil zu fein, daß sie mich ans Ziel führen konnten. O, was schwärmte ich was träumte ich! Kein Liebender konnte seliger fein, der nach langer Trennuna zur Geliebten seiner Jugend zurückkehrt. — ' H So zog ich in das schone Böhmen ein, das Land der Harfenspieler und Straßensanger. In einem kleinen Städtchen traf ich auf eine Gesell- schäft reisender Musikanten; sie bildeten ein kleines Orchester, zusammen, gesetzt aus einem Baß, zwei Violinen, zwei Hörnern, eine Klarinette unb einer Flöte; außerdem gab es eine Harfnerin und zwei Sängerinnen mit Äonen Stimmen. Sie spielten Tänze und sangen Lieder; mein gab ihnen I (Selb und sie wanderten weiter. Auf einem schonen schattigen 'Plätzchen neben ber Landstraße traf ich sie wieder an; sie hatten sich da aelaqert und hielten ihre Mahlzeit. Ich gesellte mich zu ihnen, sagte, daß ich auch ein wandernder Musiker sei, und bald wurden mir Freunde. Da sie Tänze spielten, frug ich sie schüchtern, ob sie auch meine Galopps schon spielen? Sie kannten meine Galopps nicht! O, wie mir das wohl tat. 5cf) frug, ob sie nicht auch andere Musik als Tanzmusik machten? „Ci wohl, antworteten sie, „aber nur für uns, und nicht vor den vor> nehmen Leuten.1 — Sie packten ihre Musikalien aus — ich erblickte das große Septuor von Beethoven; staunend frug ich, ob sie auch dies spiel- ten? „Warum nicht?" entgegnete der älteste; - „Joseph hat eine böse Wiw und kann jetzt nicht die zweite Violine spielen, sonst wollten wir uns gleich damit eine Freude machen." Außer mir, ergriff ich sogleich die Violine Josephs, versprach ihn nach Kräften zu ersetzen, unb wir begannen bas Septuor. O, welcges Entzücken! Hier an einer böhmischen Landstraße, unter -'E H'mmel bas Beethovensche Septour von Tanzmusikanten, mit einer Reinheit, einer Präzision unb einem so tiefen Gefühle vorgetrogen, rote fetten von ben meisterhaftesten Virtuosen! — Großer Beethoven, wir brachten Dir ein roürbiges Opfer! _ „ V roaren soeben im Finale, als — die Chaussee bog sich an dieser toteUe bergauf — ein eleganter Reifewagen langsam unb geräuschlos her- »- ankam, unb endlich dicht bei uns still hielt. Ein erstaunlich langer und 1 m? r» < blonder junger Mann lag im Wagen ausgeftreett, horte unserer xcuftf mit ziemlicher Aufmerksamkeit zu, zog eine Brieftasche hervor und notierte einige Worte. Darauf ließ er ein Goldstück aus dem Wagen tauen, unb weiter fortfahren, indem er zu seinem Bedienten wenige eng- müsie JB°rte roornu5 wir erhellte, daß dies ein Engländer fein Siefer Vorfall verstimmte uns; zum Glück waren wir mit dem Vorträge des Septuors fertig. Ich umarmte meine Freunde und wollte sie begleiten, sie aber erklärten, daß sie von hier aus die Landstraße verlassen > unb einen Feldweg einschlagen würden, um für diesmal zu ihrem Hei- matsborfe zuruckzukehren. Hätte nicht Beethoven selbst meiner gewartet, tq) würbe sie gewiß auch dahin begleitet haben. So aber trennten wir y?.5„ gerührt unb schieben. Später fiel mir auf, baß niemand das Gold- ftnck bes Engländers aufgehoben hatte. — (Fortsetzung folgt.) Heiglnftadt Ludwig van Beethoven am 6ten Oktober 1802, (Schwarzes Siegel) Für meine Brüder Carl unb nach meinem Tode lesen und zu vollziehen.