Nummer A Dienstag, -en 24. Mai Jahrgang <927 GiehenerZamilieiiblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger So wurden wir . . . Von Rainer Maria R i (f e*). . . . So wurden wir verträumte Geiger die leise aus den Türen treten, um auszuschauen, eh sie beten, ob nicht ein Nachbar sie belauscht, Di« erst, wenn all« sich zerstreuten, hinter dem letzten Abendläuten die Lieder spielen, hinter denen (wie Wald im Wind hinter Fontänen) der dunkle Geigenkasten rauscht. Denn dann nur sind die Stimmen gut, wenn Schweigsamkeiten sie begleiten, Wenn hinter dem Gespräch der Saiten Geräusche bleiben wie von Blut: und bang und sinnlos sind di« Zeiten, Wenn hinter ihren Eitelkeiten nicht etwas waltet, welches ruht. Der junge Rilke. Von Dr. Fritz Adolf Hüni ch. So selten bisher das Sammeln der Zeugnisse des literarischen Daseins von Dichtern der neuesten Zeit außerhalb ihrer in Buchform erschienenen Werke betrieben worden ist, so notwendig erscheint es, wenn man bedenkt, ein wie schwer auffindbares Versteck Zeitungen, Zeitschriften und Almanachs dafür bieten. Ist dies schon der Fall, wenn der Dichter im Lichte öffentlicher Anerkennung steht, um wie viel mehr gilt es für die Zeit seiner dunkel und unbemerkt sich abspielenden Anfänge, gilt es besonders für Rainer Maria Rilke, der, durch einen beispiellosen Aufstieg über sein« Frühzeit erhoben, die Abwendung von ihr bis zur völligen Preisgabe gesteigert hat. Jede Beschäftigung mit ihr muß sich also in einem gewissen Gegensatz zu ihm befinden, denn zwischen seinem Standpunkt und dem des Historikers, der den Dichter in seiner Totalität zu begreifen sucht, treibt nun einmal, wenn wir uns seiner Worte bedienen dürfen, der Strom seiner inneren Zeit, und es ist, als führe keine Brücke mehr von der Gegenwart in die Vergangenheit, di« ihm manchmal wie ein Verhängnis erschien. Wenn unserer Biographie, aus der diese Mitteilungen geschöpft sind, keine L>pur des Dichters, kein Beweisstück entgangen ist, so ist seine Handschrift bis zu seinem 19. Jahre auf ihre private Existenz beschränkt geblieben und hat erst in den beinahe gleichzeitigen Drucken der Zeitschriften „Jung-Deutschland" und „Jung-Elsaß", „Die Penaten" und „Deutsches Dichterheim" ihr Verlangen nach Ver- ösfentlichung befriedigt gesehen. Am engsten war und am längsten bestanden hat seine Verbindung mit „Jung-Deutschland und Jung-Elsaß". Diese Halbmonatsschrift für Dichtkunst, Kritik und modernes Leben, herausgegeben von G. L. Kattentidt, war eines der Blätter für dichtende Anfänger, die vor dem großen Kriege, als die Materialien noch billig und die Unkosten gering waren, überall aufkamen; sie lebten gewissermaßen von dem faszinierenden Reiz, den die Druckerschwärze auf junge Dichter ausübt. Um die Bezieher immer in Spannung zu erhalten und vorzubeugen, daß der Zusammenhang zwischen ihnen und betn Herausgeber sich löse, war in jedem Heft eine Spalte für den Briefwechsel „Unter uns" eingerichtet, in der auch Herr R. M. R. in Prag wiederholt erscheint. In, Jahre 1896 wird ihm die „ausschließliche redaktionelle und geschäftliche Vertretung" für die Sonderausgabe „Jung-Deutschland und Jung-Oester- reich" übertragen, die jedoch nach einigen Nummern aufhört. Sein unmittelbarer Anteil besteht aus Gedichten, darunter dem in einem Wettbewerb der Zeitschrift preisgekrönten „Abend", der das seltsam verheißungsvoll« Motto „Zum Lichte" trägt, Prosaskizzen, einem Psychodrama, dessen literarische Mode Richard von Meerheimb wenige Jahre zuvor begründet hatte, unb einigen Bücherbesprechungen. Auch in den vier Musenalmanachen, bie bet geschäftskundige Verleger 1894 bis 1897 herausgab, ist Rens Maria Rilke mit einer Reihe von lyrischen Beiträgen vertreten, von denen nur das Gedicht „Abend im Felsland" (Abendläuten. Aus den Bergen hallt es . . .) in die Sammlung „Traumgekrönt" Übergegangen, mithin jetzt noch in den „Ersten Gedichten" zu lesen ist. Die Krone seiner Verbindung mit G. L. Kattentidt aber war jenes kleine, äußerlich und innerlich unscheinbare Gedichtbuch „Leben und Lieder", das 1894 erschien und dazu bestimmt ist, eine der größten Seltenheiten des Büchermarktes zu [ein und zu bleiben, nachdem es 1898 von dem Dichter ans dem Handel zurückgezogen worden war, wobei der größte Zeit, der Auflage abhanden kam, und jeder Versuch einer Erneuerung an seinen „unwillkürlichsten Widerständen" gescheitert ist. Auch das Auskunfts- bureau der deutschen Bibliotheken hat trotz zweimaliger Aufnahme des *) Entnommen dem .Hnsslschiff", 7. Jahrgang, Heft 1. Titels in [eine Suchliste auf keinem der ihm angeschlossenen Institute ein Exemplar nachweisen können. Wer kennt heute noch die „Penaten" und das „Deutsche Dichterheim", obwohl besonders dieses es auf achtzehn Jahrgänge gebracht hat? Die Mitarbeiterschaft Rene Maria Rilkes daran erstreckt sich auf nur wenig« Gedichte, bie wiederum, bis auf ein einziges, das über feine Aufnahme in ben Band „Traumgekrönt" den Weg in die „Ersten Gedichte" gefunden hat — „Nachtgedanken" — der allgemeinen Kenntnis entzogen sind. Aus einer Mitteilung in den „Penaten" entnehmen mir, daß im September 1894 ein Operettenlibretto des Dichters vorhanden gewesen sein muß, das „Der Weltuntergang" betitelt war und worauf „um einen Text verlegene Komponisten" aufmerksam gemacht wurden. Unter den Beiträgen zum „Deutschen Dichterheim" befindet sich im Dezember 1895 die Ballade „Der Sühneversuch", nach der gleichnamigen Novelle des Freiherrn Detlev von Liliencron, die zuerst in dem 1887 (und wieder 1895) erschienenen Novellenbande „Eine Sommerschlacht" gedruckt ist. Inzwischen war der jung« Dichter mit den „Wegwarten", einer auf längere Dauer berechneten zwanglosen Folge von Heften, von der jedoch nur drei erschienen, unter bie Selbstverleger gegangen. Heft 1 enthielt nut' Gedichte von ihm selbst, Heft 2 seine Szene „Jetzt und in der Stunde unseres Absterbens . . .", Heft 3 hatte schon den Charakter einer lyrischen Zeitschrift, indem es neben Beiträgen Rene Maria Rilkes und seines Mit- herausgebers Bodo Wilbberg solche von Wilhelm Arent, Hans Benz- mcmn, Gustav Falke, Ludwig Jacobowfki, Christian Morgenstern u. a. brachte. Wan muß wohl selbst einmal in der Jugend Vers« gemacht unb den brennenden Ehrgeiz verspürt haben, mit ihnen immer weitere Kreise des eigentlich literarischen Lebens zu erreichen, um bie Triebe zu begreifen, unter beren ungeduldigem und bunklein Zwang ber junge Rilke handelte, als er feilte halbfertigen Gefühle in Dichtungen zur Schau stellte, in denen kaum ein vorbeutender Zug der späteren Physiognomie die Maske der Konvention durchbricht. AÄer sein inneres Gesetz, geboren im Geblüt eines „alten, lange adligen Geschlechtes", ihm selbst jedoch erst lang]am ins Bewußtsein steigend, befahl ihm, einen Weg zu gehen, auf dem sein Wille sich zu immer durchsichtigerer Klarheit läutern sollte. Von den Beiträgen, die der junge Rilke, unablässig nach Wirkung in die Breite strebend, in den „Neuen literarischen Blättern", den „Musen", Wilhelnt Arents „Deutschem Musen-Almanach", der „Monatsschrift für neue Literatur unb Kunst" bis in bas Jahr 1898 veröffentlichte, sind noch manch« sichtlich nicht aus ber Notwendigkeit künstlerischer Aussprache und ■ Gestaltung entstanden. Bald aber entwickeln sich feine Anlagen nach den Ansprüchen, denen man, Blättern wie dem „Simplizissimus". der „Jugend", „Wiener Rundschau" und „Zukunft" gegenüber, genügen konnte. In der „Wiener Rundschau" tritt er zum ersten Mal« mit größeren Abhandlungen Über Themen aus der dramatischen und bildenden Kunst hervor, später auch in den „Dramaturgischen Blättern", dem von Rudolf Steiner heran sgege- benen Beiblatt zum „Magazin für Literatur", und dem „Ver sacrum“. dem Organ ber Vereinigung bildender Künstler Oesterreichs. Erwähnen wir noch, um bas Verlangen nach Vollständigkeit dieses llcberbficfs zu befriedigen, bie beiden Hefte der „in zwangloser Folge" erschienenen „Modernen Richtung" und die Zeitschriften „Frühling", „Das Narrenschiff", „Das neu« Jahrhundert", „Die Gesellschaft" und bi« „Deutsch-französische Rundschau": so ist — nach dem augenblicklichen Wissen des Biographen — der Kreis, in dem ber junge Rilke sich publizistisch auswirkte, geschlossen. Chinesische Schauspietkunst und unser modernes Theater. Von Privatdozenten Dr. Eduard Erk« s. Die Chinesen besitzen als das älteste lebende Kulturvolk dec Erde auch bie älteste künstlerische Tradition, sowohl in den bildenden wie in den darstellenden Künsten. In vielen Zweigen ist die chinesische Kunst b,s heute unübertroffen geblieben, unb durch die Ueberlegenheit ihrer alten Routine war sie stets imstande, die mit ihr in Berührung gekommenen Völker nachdrücklich zu beeinflussen. Seitdem China mit Europa in näheren Verkehr trat, läßt sich ein dauernder Einfluß der chinesische!! Kunst auf bie europäische in ber Malerei wie in den verschiedensten Zweigen des Kunstgewerbes nachweisen, und ebenso ist die abendländische Literatur seit bem 18. Jahrhundert von der chinesischen nachhaltig beeinflußt worden. ~ c , , ., . Nicht zum wenigsten hat sich in der Zeit des Rokoko, di« ia oft genug als bie der Chinoiserie bezeichnet wird, der chinesische Ernsluß auch aus die dramatische Produktion geltenb gemacht. Das französische Singspiel des 18. Jahrhunderts, das an der Wiege der europäischen Oper gestanden hat, ist chinesischer Anregung zu danken, wie auch das um die gleiche Zeit aufkommende Schattenspiel aus China herrührte und zunächst unter der Bezeichnung „ombres chinoises“ erschien. Auch die Uebersetzung chinesischer Dramen tauchen bereits um diese Zeit auf, bekannt ist namentlich Voltaires unter dem Titel „L’orphdin de la Chine“ erschienene Bearbei- tuiw der von Jesuiten herrührenden Uebertragung eines chinesischen Dramas. Im IS. Jahrhundert dagegen fand das chinesische Theater m Europa wenig Verständnis, obgleich gerade in dieser Zeit eine ganze Menge chinesischer Schauspiele in europäische Sprachen übersetzt und auch sonst manches über chinesische Bühnenkunst geschrieben wurde. Aber das europäische Kunstempfinden war im 19. Jahrhundert zu ausschließlich auf den Naturalismus eingestellt, um eine anders eingestellte Kunst verstehen ui können. So muten uns Urteile selbst guter Kenner aus jener Zeit, die die chinesische Stilbühne nur als primitiv oder grotesk empfanden, heute seltsam und kaum noch verständlich an. Dagegen steht der abendländische Mensch des 20. Jahrhunderts dem chinesischen Drama völlig anders gegenüber. Nicht nur finden an europäischen Bühnen chinesische «iucke, die man früher als ethnographische Kuriositäten betrachtete, ernste Auf- sührung und beim Publikum ernsthafte Aufnahme, sondern die neueste Entwicklung des europäischen Theaters selbst, wie sie sich zuerst und am nachdrücklichsten an der russischen Bühne zeigte, gleicht ganz auffällig der des chinesischen Theaters, so daß sich die Annahme einer Beeinflussung kaum von der Hand weisen läßt. Als ich zuerst die Truppe Tairows, eines der bedeutendsten Schöpfer russischer Bühnenkunst, spielen sah, erinnerte mich alles sogleich außerordentlich an die chinesische Bühne, das Spiel, die Bewegungen, die Masken, die Dekoration, und als ich Tairows Werk „Das entfesselte Theater" las, war ich noch mehr erstaunt, wie weitgehend,seine Prinzipien mit denen des chinesischen Theaters übereinstimmten. Wie der chinesische, wird auch der russische angehende Schauspieler von früher Jugend ab in langjähriger strenger Schulung für seinen Beruf körperlich so vorgebildet, daß er seinen Körper, sein Minenspiel und seine Stimme absolut in der Gewalt hat und auch den schwierigsten Anforderungen an Bewegung und Ausdruck vollkommen gewachsen ist. Das Spiel selbst ist im chinesischen wie im russischen Theater genau abgetönt, jede Gebärde ist genau abgemessen und symbolisch, wirkt aber zugleich vollkommen. natürlich! die Vornahme von Handlungen aller Art wird durch bloße Gesten mit solch täuschender Echtheit bewirkt, daß Bühnenrequisiten dadurch fast überflüssig werden. Ebenso spielt das ganze Ensemble in gleich guter Ausbildung harmonisch miteinander: ein Hervortreten einzelner Stars aus Kosten der Gesamtwirkung kennt die russische Bühne so wenig, wie die chinesische, was aber die Entfaltung besonderer Bühnentalente bei beiden keineswegs hindert. Wie die Chinesen, legt Tairow sodann großes Gewicht auf Maske und Kostümierung, beides ist aber nicht Selbstzweck, wie oft genug auf der europäischen Bühne, sondern wird aufs sorgsamste mit der Rolle in Einklang gebracht und dient nur zur Verstärkung der Wirkung des Spieles. Da die gesamte Wirkung eines, Stückes durch das Spiel als solches erreicht werden soll, legen das chinesische wie das russische Theater sehr wenig Wert auf Dekoration, und, wo solche angewandt wird, gilt sie nicht, wie in Europa herkömmlich, dem Hintergründe — der wird bei den Chinesen gar nicht zur Szene gerechnet und bleibt daher durchgehend unbeachtet, während er bei den Russen ii^utral ist, oder allenfalls durch eine der Stimmung des Stückes angepaßte farbige Bekleidung angedeutet wird —, sondern dem Vordergründe, auf dem sich das Spiel vollzieht. Endlich aber stimmt auch die Grundauffassung der Chinesen vom Theater mit der Theateranschauung des heutigen Rußland überein. Beide betrachten das Theater nicht als Interpreten der Literatur, sondern die Literatur als Hilfsmittel des einen selbständigen Kunstzweig darstellenden Theaters. Darum passen sie nicht die Aufführung des Stückes, sondern die Stücke der Aufführung an. Daher spielen Tanz, Musik und Einlagen aller Art im chinesischen wie im russischen Dheaidr eine sehr große Rolle, ohne jedoch jemals, wie in der europäischen Operette, als unorganische Zutaten zu wirken. Ist nun eine so weitgehende Ucbereinstiimnung wohl als Parallelentwicklung aufzufassen ober durch chinesische Einwirkung auf die Entwicklung des russischen Theaters zu erklären? Ich glaube, daß beides wohl zum Teil zutrifft. Es ist kaum anzunehmen, daß Tairow, der umfangreiche Studien besonders über orientalische Bühnenkunst gemacht hat, das chinesische Theater völlig fremd geblieben sei. 2Iber etwaige Anregungen konnte er natürlich nur dann verarbeiten, wenn er eine Möglichkeit dazu sah, d. h. wenn die Entwicklung, auf die ihn die notwendig erkannte Fortbildung des abendländischen Theaters drängte, der entsprach, die das chinesische ThePer genommen hatte. Wenn er aber erst Anregungen hatte, mußte er bei ihrer weiteren Verfolgung auch schließlich die aus ihnen folgenden Prinzipien entdecken, und damit auf die Bahn der chinesischen Dramaturgie gelangen. Ein wesentlicher Unterschied des russischen Theaters vom chinesischen ist allerdings, daß bei ihm die Stellung des Spielleiters von ausschlaggebender Wichtigkeit ist, während auf der chinesischen Bühne die eigene, auf uralte Tradition zurückgehende Routine der Spieler die Regie so gut wie ersetzt. Es scheint aber nach dem Erfolg, den das russische Theater im übrigen Europa gefunden hat, und dem Einfluß, den es seinerseits wieder auf die Gestaltung der heutigen europäischen Bühne ausübt, daß die chinesische Bühnenkunst den Weg bezeichnet, den die europäische in Zukunft gehen wird. MdL es echten Fatzirismus? Von Graf Carl von K l i n ck o w st r ö m, München. Um diese Frage zu beantworten, muß man sich erst darüber verständigen, was unter Fakirismus zu verstehen ist. Der Sprachgebrauch bezeichnet als „Fakire" ganz allgemein indische Wundertäter. Aber das ist nicht zutreffend. Fakire webd-en mohammedanische Büßer in Indien genannt, die als Bußübungen allerdings manchmal ungewöhnliche Handlungen vornehmen, wie das Liegen auf dem Nagelbrett oder das ständige Emporstrecken eines Armes usw. Die eingeborenen Zauberkünstler, die der Jndienreisende zu sehen bekommt, sind in der Regel wohl nichts anderes als wandernde Gaukler, tue mit mehr ober weniger primitiven Taschenspielerkunststücken arbeiten, und die ihren europäischen Kollegen gegenüber nur das suggestive Milieu des Zauberlandes Indien voraus« > f Ueber diese Vorführung, teils mit, teils ohne die grausigen Detaiik, liegen aus älterer und neuerer Zeit eine Anzahl glaubwürdiger Augen- zeuaenberichte vor, auf die hier nicht näher eingegangen weiden fiww. Selbstverständlich wurde diese Vorführung auch von indischen Gauklern trickmäßig durch präparierte Seile usw. nachgeahint, tue eine innere Vep fteifuna mlassen Aber in diesem Falle fehlen natürlich die Charaksirlstisi LALLren wie das Verschwinden des en,porgekletterien Knaben in der leeren Luft usw. Bemerkenswert für die -Seltenheit der Lorsüh rimq ist, daß der Major in der indischen Armee L. H. Branson sich 93 Jahre lang vergeblich bemüht hat, einen 2)ogin zu finden, der chn das Seilexperiment vorgeführt hätte, oder auch nur einen Augenzeugen aufzuspüren, obwohl er beträchtliche Geldpreise darauf gesetzt hatte. In die gleiche Kategorie der Suggestivphanomene gehörtauch em Erlebnis, das mir der Geograph Dr. Franz Graf Lari ch mitgeteilt hat In Indien hatte er auch das Seilexperiment.geschen, aber in emer W sührung, die einen Trick nicht ausschließt, nämlich in der Nach^MÄ hoher Bäume. „Ein anderer Fall, den ich vor Jahren erlebte (1903),# mir viel interessanter gewesen", schreibt Graf Sanni). „Bus umut crfe nicht in Indien, sondern in England. Em hoher brahmanischer Pnc^, ein Mahatma, und zwar Agamaya Guru Paramahamsa mit Namen, war aus Indien zum Besuch eines Professors nach Oxford sie ko mmeiJ halte Gelegenheit, ihn kennenzulernen. Er sprach gut englisch und ernüm uns auf die chszinierendste Weise, wie der Geist volle Eewalt ubc dw Körper bekommen könnte usw., und wie wir alle in bei Welt her 31 U R und der Täuschung lebten. Dieser Mahatma ließ sich zu emer Vorführung seiner Kräfte nur einmal herbei. Wir sahen — es wäre etwa 6 bis 8 Menschen, wenn ich mich recht erinnere - alb- »n Kcch herum, während er auf zwei Polstern m der Mitte saß. Mr sollten V schweigend ansehen und uns nicht rühren, bis er selbst es lieber statten würde. So saßen wir etwa zehn Minuten, bis meineW ffl vom Hinstarren wehtaten. Und plötzlich war ber Mann versihwuiiW, die Polster teer. Darüber war kein Zweifel. Auch fühlten wir a ll g Momen seines Verschwindens, beinahe wie einen kleinen eleksiM Schlag. Nach wenigs Augenblicken kam er dann Jelbft n^be Tür herein. Es gab nur die Erklärung: er hatte überhaupt me w * ■Kontern aeiessen Das kann also nur eine außerordentlich starke J»tlW» äußerung°v°n ih.n auf uns gewesen sein " Diese Vorführung sanPM dem Landsitz des Herzogs von Manchester statt, der den Pogin von W» > Vermehrte Inder Agamaya Guru Paramahamsa hielt sich in Lei W im Jahre 1903 studienhalber in Oxford auf und l>atte sich auch W» gelegentlich eines früheren Aufenthaltes dortselbft von dem berühmt» Indologen Max Müller auf seine Fähigkeit untersuchen las!^^ Herz 30 Sekunden lang völlig zum Stillstand 3u bringen. Ser W erklärte selbst diese Fähigkeit durch Atemtraimng «W • . Ein weiteres Kunststück, das zum standi^n. Reper o.rc nm Zauberkünstler gehört, ist ber Mangobaumtrick. Es besteht im in folgendem: Der Gaukler pflanzt einen Mangostein m eine, A 1 Erde, den er in den meisten mir bekanntgewordenen -lallen nu e^ Tuch oder gar einem kleinen Zelt bedeckte, ^n Zwftchenpm 1 c - zehn Minuten lüftet er diese Bedeckung und laßt )ebfs-nwl bäumchen, das sich aus dem Kern eitiroid eit haben fall, m 1 , zM fortgeschritteneren Stadium des Wachstums fetzen. Zuwe-il n z . das'letzte Stadium ein meterhohes Bäumchen mit Vluten vde F Dies beruht ans einem Dertauschungstrick, ^r dadurch eriei ) daß sich die lederartigen Stiele und Blätter der Mangapftanze lassen, ohne zu brechen. Doch hat der Ctmologe Ehr. schrodi Variante der Mangobaumvorführung berichtet, die er l 'io , sah, und die, wenn richtig beschrieben, eine solche Deutung tu <9 ». fr würde. Der Inder legte ein Samenkorn, das fein Mangostein wa » . haben. Ihre Leistungen stehen meistens denen der abendländischen Magier weit nach. Gelegentlich wird nun von Vorführungen in Indien berichtet, di« weit über das hinausgehen, was der Jllusionskünstler zu leisten vermag. In solchen Fällen scheint es sich aber weder um Fakire noch um gewöhnliche Gaukler, sondern um Nogin zu handeln. Das sind Asketen oder Büßer des Hinduglaubens oder Brahmanen. Und ihre merkwürdigen Zauberkünste liegen auch ganz in der Linie der Yogalehre. Unter der Yogalehre versteht man, nach O. Stoll, „das Bestreben, durch Unterdrückung aller sinnlichen Regungen und Versenkung des Geistes in die Selbstbeschauung die Vereinigung mit Gott und dadurch die Herrschaft über die Naturgesetze zu erringen". Mindestens scheinen diese Yogin zuweilen über die Fähigkeit zu verfügen, auf die Zuschauer in einem in Europa unbekannten Ausmaße "massenftiggestive Wirkungen auszuüben, die sich bis zur Erweckung von Sinnestäuschungen steigern können. Hierher gehört das oft angezweifelte Seilexperiment, das aber anscheinend nur sehr selten von europaifajen Zeugen beobachtet werden konnte. Die Grundmotive biefee Experiments sind uraltes indisches Sagengut. Sie finden sich zuerst in Jataga, einer Sammlung von Fabeln und Legenden von der Wiedergeburt Buddhas, die zuerst in Pali ausgezeichnet sind, und deren ältester Kern bis mindestens in das dritte vorchristliche Jahrhundert zuruckreicht. Das echte Seilexperiment besteht kurz in folgendem: Nachdem die Gauklertruppe die im Halbkreis um sie versammelten Zuschauer längere Zeit durch eintöniges Trommeln usw. und durch andere Kunststücke hinreichend präpariert hat, nimmt einer ein Seil zur Hand und wirft bas eine Ende in die Luft. Sas Seil bleibt anscheinend in der Luft hängen. Daraus klettert ein Knabe an dem Seil empor, wird zusehends kleiner und verschwindet oben den Augen der verblüfften Zuschauer. Danach klettert nach einem heftigen Wortwechsel der Inder mit. einem Meffer hinterher und verschwindet ebenfalls in der Höhe. Nunmehr ertönt lautes Jammergeschrei des unsichtbaren Knaben, und zum Entsetzen bes Publikums fallen die blutigen Gliedmaßen des offenbar zerstückelten Kindes aus der Luft herab. Sodann klettert der Inder wieder am Sell herab, sammelt die Glieder und bedeckt sie mit einem Tuch. Nach kurzer Zeit regt sich's unter dem Tuch, und 'ber Knabe springt frisch und gesund barunter Magier bk roeit V IKlg. In ' ähnliche r Büßer A>ru-ber- >ogalchre ng aller schauuna Natur- über die e kannten Ulr Er- , das oft ' tten' von oe dieses zuerst in Meder- i ältester rütfreidjl jirem die : länget« TÜrfC hiN- virft das : hangen, is kleiner . Danach n Messer mt lautes des Pn- n Kin^des eit Herat, Zeit regt darunter i Details. V r Augen- wn tarn. Gauklern aere Der- akterWa r Knaben / r Vvrfiih- msan sich der ihm genzeugm hatte. eh ein Er- jeteilt Hai. incr Aus- chbarschast (1903), ist war aber r Priester, imen, Ml f vmen. Ä rb erklärt! über den er Illusion itsachlichen es waren im Kre^e sollten ihn wieder K Äugen w schwunda. r alle den elektrischen ■ durch di! ie aus den e Willens^ 5 sand all! otm Indien > in der W auch IW berühnrie" lassen, sei« Der VW e inbiW vesentlichck ich w«fV var, in vocher untersttthte, mit Erde gefüllte Tonvase von etwa 15 Zentimeter Höhe und ließ daraus ohne Bedeckung, die Hände stach über dem Gefäß ausgebreitet, innerhalb zehn Mßruten ein« Pfalnze auswachsen, bis dies« etwa 20 Zentimeter hoch war. Diese Pflanze ließ Schröder im diesem Augenblick von seinem Mudschi photographieren. Danach verschwand sie ebenso langsam wieder in der Erde. Das Auifwachsen des Pflänzchens machte nicht den Eindruck, als ob sich ein Sproß mit entwickeltem Laube langsam aus der Erde erhöbe und ebenso wieder zurückglitte. An einen Trick glaubt Schröder nicht, aber auch die 5)alluzinationshypochese glaubt er aiblchnen zu müssen, denn die Photographie soll nachher das entwickelte Pflänzchen wiedergegeben haben. Nun beweist natürlich der Schröderfche Bericht nichts gegen die Möglichkeit eines Tricks, denn wenn er den Trick nicht durchschaute, so kann auch sein Bericht keine Anhaltspunikte für einen solchen bieten. Lassen wir aber Schröders Auffassung gelten, so könnte es sich hier um ein« negative Halluzination gehandelt haben. Das heißt, der Inder benutzte eine Pflanze, die er aus der lockeren Erde in der Vase langsam hervorzog (was ganz dem von Schröder beschriebenen Eindruck entspricht) und ebenso langsam wieder verschwinden ließ, und gab dem Zuschauer die Wachssuggestion ein, daß er diese Manipulationen nicht sah. Die Photographie zeigte dann natürlich die echte Pflanze. In Europa haben aber bisher noch feine angeblichen „Fakire" Phänomene gezeigt, die sich nicht auf natürlichem Wege erklären liehen, ivhara Bey macht davon keine Ausnahme. Entfernungsmessung im Weltall. Von Privatdozenten Dr. A. Kühl, München. Dis vor kurzem bestimmte der Astronom die Entfernungen der Himmelskörper, insbesondere der Fixsterne, ausschließlich auf trigonometrischem Wege. Dazu wird mit Zeimbständen von einem halben Jahr, um dadurch den ganzen Durchmesser der Erdbahn als Messungsbasis zu haben, die Neigung der Difierlinie des Beobachters zu dein zu messenden Fixstern festgestellt. Aus ihrer Aenderung in der Zwischenzeit und der Basislänge errechnet man Dann nach der einfachsten Art des „Dorwärtseinschneidens" der Geometer die Entfernung des Sterns. Da die Beigungsandcrong infolge der fast unvorstelbar großen Ferne selbst der nächsten Sterne außerordentlich gering ist, und deshalb schon durch sehr kleine Meßfehler prozentual stark gefälscht wird, so pflegt man bei der wirklichen Ausführung der skizzierten Messung nicht die absolute Neigung der Bisierlinien zu bestimmen, sondern ihre relative Lage gegen die Bisierlinien zu anderen an der Himmelskugel möglichst nahe benachbarten, schwachen Sternen, von denen man auf Grund ihrer Lichtschwäche so große Entfernung voraussehen zu. dürfen glaubt, daß ihre Disierlinie trotz der Bewegung der Erde um die Sonne feststeht. Die Hälfte der auf solche Weise erhaltenen Beigungsdifferenz der Disierlinien zu einem Fixstern nennt man seine relative Parallaxe — sie ist mit anderen Worten die scheinbare Größe des Erdbahnhalbmessers Von jenem Stern aus gelehen, also um so kleiner, je größer dessen Entfernung ist. Bekannt- lich fand man für die Parallaxe des uns nächsten Fixsterns ( Centauri) den Wert 0,75 Bogensekundent d. h. (da eine Bogen- fekunde gleich dem Winkel ist, unter dem eine Strecke von Vi Zentimeter aus 1 Kilometer Entfernung erscheint), der Erdbahnhalbmesser wrrd von tiefem Stern aus nicht größer gesehen als die Strecke 0,75 X y» Zentimeter --- 0,38 Zentimeter aus 1 Kilometer Ferne, oder auch' der Stern ist um so viel. Erdbahnhalbmesser entfernt als 0,38 ,Zentimeter in 1 Kilometer enthalten sind, nämlich, rund 265 000 Erd- bahnhalbmefser, das sind 265 000 x 149 500 000 Kilometer --- rund 40 Billionen Kilometer. Alm nicht so riesige Zahlen nennen zu müssen, pflegt man statt dieser Strecken gern die Zeit anzug-eben, die ein Lichtblitz mit 300 000 Kilometer Sekundengeschwindigkeit gebraucht, um die Strecke zu durchfliegen. Man überzeugt sich leicht, daß dann 41/3 Licht fahre der Ferne des genannten Stemis entsprechen. Bis vor etwa 10 Jahren stieß man bei einer Sternparallaxe von 0,05 Dogensekunden, die nach deut vorigen ungefähr 60 Lichtjahre bedeutet, auf die Grenze der Meßmöglichkeit, d. h. trotz aller Sorgfalt vermochte man noch kleinere ÄeigungsänderungLn der Disierlinien nicht mehr zu verbürgen. Für die Erforschung des Universums bedeutete das den Zwang zu weitgehender Designation in dieser Hinsicht, denn von den vielen Millionen in unseren Fernrohren sichtbaren Sternen liegen höchstens 600 bis 800 innerhalb dieser Entfernung. Während des Krieges gelang es er stau nlicherweis e den Amerikanern durch Verwendung von Fernrohren zwischen 10 und 24 Meter Länge einerseits den Zeichnungsmaßstab auf den Photo- graphischen Platten so weit zu vergrößern, andererseits durch Der- feinerung der Belichtungsmaßnahmen, des Eniwicklungsverfahrens und der Austnehapparate die Grenze der noch gerade meßbaren Siernparallaxe auf 0,01 Dogensekunden herabzudrücken, d. h. bis zu einer Entfernung von etwa 300 Lichtjahren vorzudringen. Darüber hinaus aber scheint in absehbarer Zeit die trigonometrische Messung in keiner Form einer Steigerung fähig, denn nach dem Airteil der! Fachleute ist die Präzision der Optik und Mechanik an den benutzten Instrumenten überhaupt nicht mehr zu überbieten, ein Airteil, das auch dem Laien plausibel wird, weint er sich erinnert, daß. 0,01 Dogenfekunde dem Anblick eines halben Hundertstel Millimeters aus 1 Kilometer Ferne entspricht. Gewiß sind 300 Lichtjahre schon eine enorme Strecke von der Erde aus in den Weltraum hinein, «her aus den stellarstatistischen Alnterfuchungen Seeligers weih man, daß die Grenze unseres Sternsystems mindestens 16 000 Licht- fichre von der Sonne entfernt ist; man muß also zum Ausbau der statistischen Mittelresultate streben, die bisher meßbare Entfernung noch um das 50- bis lOOsache zu übertreffen. Wo aber konnte der Weg hierfür beginnen, wenn die trigonometrisch? Messung versagte? Die Drescha schlug vor zehn Jahren ein deutscher Astronom K oh ls chü t t er während seiner Arbeitszeit an der Mt. Wiltson- Sternwarte (Kalifornien) in Zusammenarbeit mit dem AmerikastÄ! Adams. Er beschäftigte sich mit der-Einordnung zahlreicher Spektral- aufnahmen von Fixsternen in ein nach Temperaturen der Sterns fortschreitendes Klassensystem und benutzte dabei als feineres Merkmal zur Alnterscheidung sehr ähnlicher Spektren die verhältnismäßige Deutlichkeit von Abs-orptionslmie des Wasserstoffs im Verhältnis zu bestimmten Linien des Eisens. Dabei fiel ihm auf, daß bei einest Reihe von Sternen, deren Parallaxe und somit auch absolute Lichtstärke bereits trigonometrisch bekannt war, die Ordnung nach dieser relativen Deutlichkeit der Absorptionslinien übereinstimmte mit der Ordnung nach absoluten Lichtstärken, anders ausgedrückt: baß man! aus der relativen Linien-Deutlichkeit direkt die absolute Lichtstärke ablesen könne*). Wenn aber die absolute Stärke eines Lichtes oder hier eines Sterns bekannt ist, so ist es ja ein Kinderspiel, aus der scheinbaren Helligkeit, die das Licht oder der Stern aus der Ferne gesehen darbietet, seine Entfernung zu berechnen. Damit ist Kohl- Lchütters Methode der spektroskopischen Parallaxenmessung im Prinzip erfaßt: atls einer Reihe von Sternen mit bereits trigonometrisch bekannter Parallaxe und absoluter Helligkeit wird eine Zuordnung von relativer Liniendeutlichkeit und absoluter Helligkeit gebildet, in die man einfach die relative Liniendeutlichkeit zu messender Sterne einordnet, um ihre absolute Helligkeit abzulesen und aus dieser und ihrer scheinbaren Helligkeit am Himmel ihre Entfernung zu errechnen, Rähere Prüfung hat ergeben, daß die Methode einer Genauigkeit von 20 Prozent in der Entfernungsbestimmung fähig ist. Das ist ein sehr bemerkenswerter Vorteil vor der trigonometrischen Methode, deren Fehler bei sehr kleinen Parallaxen weit über dieses Maß anwächst. Der wesentlichste Vorteil der neuen Methode ist indessen! der, daß sie mit einem ganz erheblich geringerem Austvand an Zeit und Mühe ihre Ergebnisse liefert. Während auf trigonometrischem Wege in fast 100 Zähren nur wenige hundert Sternparallaxen bestimmt werden konnten, sind in den kurzen Jahren seit der Entdeckung der neuen Methode (1913.14) schon über 3000 Sterne untersucht worden. Sie ist also — selbstverständlich auf der trigonvmetrischeni Methode fußend — und ihrer Kontrolle bedürfend — Heute das einzige Mittel, das den Astronomen ermöglicht, die Riesenarbeit der Vermessung des uns bisher zugänglichen Teils des Weltalls vollständig durchzuführen — eine Arbeit, die, wie schon früher ausgeführt, für weitere Schlüsse über die Konftitufion des Alni* versums von fundamentaler Bedeutung ist. Die Grenze der Kohl- schütterschen Methode ist gegeben durch die Lichtschwäche der Sterne, die gerade noch ausreicht, um ein deutliches Spektrum auf dest photographischen Platte zu entwerfen. Das sind zur Zeit die Sterne neunter Größe, die im Mittel eine Parallaxe von 0,01 Dogensekunden; haben. Zunächst also wird die trigonometrisch erreichte Grenze vielleicht nur verdoppelt und doch besteht zu Recht, wenn wir sagten. Kohlschütter habe eine Bresche in diese Mauer gelegt, denn seine Methode zeigt zum erslenntal überhaupt die Möglichkeit, aus den Eigenschaften des zu uns gelangenden Sternenlichts auf die absolute Lichtstärke (und die Entfernung) eines Sternes zu schließen, tmd bietet damit den sicheren Ausblick, daß. man in absehbarer Zeit etwa an den feineren Eigenschaften auch des kontinuierlichen Stern- fpektrunts oder gar des Farbenindex (d. i. Alnterschied der photographischen und visuellen Helligkeit) wird lernen, auf die absolute . Lichtstärke zu schließen. Die Akienkmmmsr. Erzählung aus den Revolutionskriegen von H. Müller-Schlösser. _ (Fortsetzung.) „Ich will Ihm damit, Sekretarius," erwiderte Finnickel laut, „ins Gesicht sagen, daß die Krankheit des Bürgermeisters ..." — „Was?" — — „Betrug ist!" Der Sekretär war keines Wortes fähig. „Betrug unb Schwindelei! Hier wird ein Spielchen gemacht, in dessen Karten man uns nicht gucken läßt. Und doch, versichere ich Ihm, Sekretarius, ich hab' hineingeguckt!" — „Herr Stadtrat, — ich — ich —" „Ich weiß, mein Lieber," sagte Finnickel nülüe, „Er ist ein bißchen aus der Kontonance gebracht. Je nun, das ist begreiflich. Und wie ich Ihn kenne, wird Er sich nicht lächerlich machen wollen durch Herausreden oder Leugnen. Genug, ich hab' Ihn durchschaut. Bloß jag' Er mir noch, wo hinaus will Er damit?" Der Sekretär atmete tief auf und antwortete entschlossen: „Nun gut, Herr Stadtrat, nennen Sie es Betrug und ein unehrlich Spiel! Aber es geht um die Stadt. Und dieser Gewinn ist wohl den Einsatz wert! Das Spiel ist gewonnen, wenn nicht — der Teufel seine Hand dabei hat." „Das wolle Gott verhüten! Um soviel und so verwegenen Mut tät’s mir leid." Finnickel tat, als ob er nachdächte, dann sagte er väterlich: „Aber was meint Er, mein Lieber, wär's nicht gut für Sein Unter« nehmen, jemanden zur Seite zu haben, der Ihm beisteht?" — „Ich habe wackre Helfer, Herr Finnickel!" — „Auch — einen Mann wie mich?" Der Sekretär schaute ihn überrascht an. „Sie wollen . . . ?" — „Ihm helfen, ja, das will ich! Ihm das zu sagen, bin ich ja gekommen." — „Verzeihung, Herr Stadtrar, das fällt mir schwer zu glauben." „Ich nehm' es Ihm nicht übel. Doch will Er meine Hilfe, so sag' Er's jetzt. Er muß sich rasch entschließen. Die Zeit ist nicht mehr lang. Er wird doch meine Hilfe nicht gering achten?" — „Bei Gott, Herr Stadtrat, das tu’ ich nicht! Mit Ihrer Hilfe wär' die Not vorbei." — „Das könnte wohl {ein." Der Sekretär ergriff feine Hand. „Ich könnte Sie," rief er herzlich, „ich könnte Sie mein Leben lang ehren wie den besten Freund. *) Schon 1905 hatte Hertzfprung eine ähnliche Vermutung ausgesprochen, leider dann feine Beobachtungen liegen kaffen, da sie wenig beachtet mürben. Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Drühl'sche Univerf itäts-Vuch. und Steindruckerei, R. Lange, ®ie»en' Sabine stand auf und fragte ihn schnell: „Fl,pp! Junge! Du bist w eder da' Gottlob!" — „Jungfer Sabine, weiß Sie, wo der Herr Sekrewr ist. — Sie bemerkte setzt erst seine Niedergeschlagenheit. „Flipp,„auch। iw. |o Derftört^ Bringst du schlimme Botschaft?" — „Sozusagen ju .erwiderte er in jämmerlichem Tone. - „Bist du nicht zur Reichsarmee gekommen? — „Nein." — „Und der Brief an den Erzherzog? Er zog ihn aus dem Stiefelfchast. „Hier!" — „O Gott, so ist alle verloren!" — „Ja", bestätigte er kläglich. , , . Sie schaute ihn forschend an. „Flipp, ich ahne böse Dinge! Hat dich festgehalten? Hat dir ein Hindernis den Weg versperrt? — . „Flipp, Unglücklicher, so sprich doch!" Er arbeitete mit sich: plötzlich brart) er unter Tränen los: 'M „Ich bin ein Lunrpenkerl! Ich bin ein ganz nichtsnutziger Schuft! aq bin wert, daß man mich stäupt und aufhängt! Ich —>-ich bin gar nuyr fortgewesen!" „ .. » v.»« ist Sabine war erst starr, dann rief sie in heller Empörung: „Flipch ! das wahr?" „Ja, ja, ja!" antwortete er jammernd. — „Um. Himmu willen, was hat dich denn zurückgehalten?" — „Verzeiht, Jungfer Sctb j man kann mich spießen, hängen, köpfen — >das behalt ich für mm>. „Fühlst du nicht, Unglücklicher, welche Schuld du auf dich geladen welch Verbrechen! Die ganze Stadt hast du auf dem Gewissen! Gch ; Ich hab' ihn stets geschätzt als einen braven Burschen. Pfm! Jet) v» °^^Tu" das nicht, Jungfer Sabine!" rief er verzweifelt. „Ich. will w Ihren Augen nit verächtlich sein. Der Flipp ist ein Leichtsuß, em stv sinniger Galgenstrick, aber Ehrgefühl hat er doch im Leib. Ich wieder gut, was ich verbrochen hab'. Und wenn es mir den Hais und alle Knochen dazu. Stantepeh lauf' ich und bring' dem ErMerzog Brief. Er eilte auf die Tür zu. (Fortsetzung folgt.) ______ wie meinen Vater! Denn daß ich's nur gestehe, nur will der Mut ein wenig sinken. - Doch." und er zauderte ein wenig „doch wem, ,e, s Mensch oder Ding, verdanke ich's, daß Sie nur helfen wollen. Die Frage ist nicht klug, Herr Sekretär. Glaubt Er, ich |et em schlechterer^ Patriot als Er?" - „Verzeihung!" - „Gut, gut Doch ehe wir die Zeit verschwatzen: daß Er's weih, ich ins ,a.auch Nicht umsonst" — „Wie?" rief der Sekretär stutzig, „Nicht umsonst? — Je nun Er wird von einem Kaufmanns nicht verlangen, daß er etwas tut' ohne ..." — „Profit?" — „Gewissermaßen, ja. Ohne ,o eine ^Der^ Sekretär räuspert« sich; er fühlte ein unangenehmes Gefühl in sich aufsteigen. „Ich will Ihnen nicht Unrecht tun. Herr Stadtrat, aber es dünkt mich verächtlich, nach Gewinn zu fragen, wo um die Vaterstadt der Handel geht!" Finnickel zuckte mit den Achseln und verzog den Mund. „Er freilich ist ein Idealist." ' „Was für ein« Art - Gewinn verlangen Sie? fragte der Sekretär kalt. „Ich bin ein armes Schreiberlein und weiß kein Mittel, Ihnen zum — Profit zu helfen." Finnickel klopfte ihm vertraulich auf die Schulter. „Wenn Er kein Mittel weiß, so will ich Ihm „eins nennen! Im Vertrauen, mein Bester, Er hat da eine Liebschaft — „Herr Stadtrat —!" rief der Sekretär bestürzt. — „Ja, ja, eine Liebschaft So nennt man doch dergleichen. Eine Liebschaft mit der Demoiselle Sabine hä, hä, hä." - „Wer hat Ihnen das verraten? - „Er und tue Demoiselle selber, hä, hä. Man sieht's den jungen, verübten Leuten an der Nasenspitze an, hä, hä, hä." — Er preßte sich di« Hande, daß sie knackten, und' fuhr trocken und rasch fort: „Um es kurz zu machen, Sekretarius, ich will Ihm helfen, wenn Er dieser Liebschaft «in Ende «nachts t".Q j / nicf)t verlangen. Geb' Er eine Liebschaft auf, die durchaus" ohne Zweck ist. Er hat ja selber gesagt, Er ist ein armes Schreibe^ lein. Und überdies — die Demoiselle — ist meine Braut. — „Ich mutz ^Finnickel zog die Schmuckschachtel aus der Tasche und zeigte sie ihm: Er kennt doch dies Verlobungspräsent? Die Demoiselle ist mir seit Jahren schon versprochen." — „Das lügen Sie!" . Finnickel hob die Schultern. „Je nun, das mag Er halten, wie Er will. Aber ich verlange von Ihm, daß Er sich nicht in unsere festen Abmachungen mischt. Kurz und gut: Erklär' Er mir, daß Er die Liebschaft aufgibt, dann kann Er über mich verfugen. Aber geb Er s mir schriftlich! Etwa so: Ich erkläre, daß ich die unbedacht und leichsinnig begmrnen^Lwbsch il>n schroff. „Nein, wertgschätzter Herr Finnickel, pfui Teufel! Nein, den Handel mache ich nicht mit! Ich verzichte nicht! Und sei es bloß, um zu verhüten, daß Sie an diesem blühenden Leben Ihre Knie wärmen. Wenn das der Preis für Ihre Hilfe ist, so bedanke ich mich submissest!" Er wandte Finnickel den Rucken und fchri.t ’UC„®ut, gut", entgegnete Finnickel. „Ich nehm' es zur Notiz. Er schein^ aber zu vergessen, daß es dabei nicht bleiben durfte. Der «etretar blieb stehen „Was wollen Sie damit sagen?" - „Daß ich Mitwisser des Betruges bin. Und mein — hm — Gewissen macht ich nicht damit beschweren. Ich müßte den Betrug pflichtgemäß zur Anzeige bringen - es' lei denn, daß Er, wie gesagt —" , ... . . , Verächtlich und voll Zorn rief der Sekretär: „Das ist niederträchtig. - „Mein Lieber, es tut mir leid, daß ich Ihm so begegnen nmh. Aber es ist meine Pflicht, nicht wahr, zum niindesten gegen mich felbst Immerhin braucht Er sich mit Seinem Entschluß nicht zu überstürzen, belleibe das will ich nicht! Ich gebe Ihm eine ganze Stunde Zeit, doch nicht langet. Dann kann Er zu mir schicken. Bis dahin gehab' Er sich wohl! Leise und mit sanftem Lächeln ging Finnickel. , ~ Der Sekretär stöhnte auf und pretzte die Hande gegen den Kops. So stand er noch, als nach einer Weile Zabel hereinkam. „So ist es schon, sagte der, als er die geschmückte umfel sah. „So ist es gut. ^o ist es chicklich. Da sitzen die französischen Kerls und hler die Demoiselle Sabine ond Hs, he — neben ihr der Herr Sekretarius. Jetzt sah er erst, daß biejer voll Verzweiflung dastand. „Holla, was ist Ihm denn begegnet. „Das Spiel ist verloren, Zabel! Der Teusel hat seine Hand dabei!" — Der Teufet? Dai wär' noch nit so schlimm. Es sei denn, dat der Finnickel heißt." - „Gut gesagt, Zabel!" erwiderte der Sekretär grimmig lachend, „so heißt er!" — „Er ist mir grad auf der Trepp begegnet mit einem Gesicht, wat mir noch weniger gefiel als sonst. Wat hat er hier gewollt?" - „Er weiß alles, Zabel! Er kennt unsereir ganzen Plan! — „Der? O weh!"— „Zabel, hat Er ihn am Ende schon herumschleichen „Bewahre, grab' komm' ich von oben, von unserem Staatsgefangenen. Ich hab' ihm eine Flasche AßmannshAuser durch das Luftloch gereicht. „Zwar hat er sie mir an den Kopf geschmissen. Schad' um den schonen Tropfen." — „Hat Er noch nichts von Seinem Jungen gehört, vom g[tpp?" — „Nee, aber der kann doch in jedem Augenblick wieder htet fein.** ,Er wird nicht kommen", sagte der Sekretär mit dumpfer Stimme lind ließ den Kopf hängen. „Der Flipp läßt uns im Stich. Der Erzherzog kann uns nicht helfen. Wir haben zu kühn gespielt. Wir verlieren. — Herr Sekretarius!" entgegnete Zabel, dem selber der Mut zu sinken begann, „Er darf mir nit gleich den Kopf verlieren! Nehm' Er sich em Erempel an mir!" Der Sekretär raffte sich auf. „Zabel, wir müssen auf der Hut fein. Wir muffen damit rechnen, daß der Erzherzog nicht kommt. Heut' nacht werden die Sanscoulotten versuchen, die schlafende Stadt zu überrumpeln. Wir müssen das verhüten. Lauf'. Er von Torwache zu Torwache und bind' ihnen auf die Seele, doppelt wach zu sein." — „0, du lieber Heiland, jetzt scheint es bitterernst zu werden." Zabel wollte fort. „Halt, Zabel, noch ein Wort! Der Finnickel will unseren Plan verdaten." — „Der Halunke ist fähig und tut es!" — „Dagegen gibt's ein Mittel. Zwar kostet es ein schweres Opfer und — viel Herzblut! Zabel, würd' Er ein solches Opfer bringen können? Auch wenn Sein Herz dabei brickt? Auch wenn Er Seine schönste Hoffnung mühte zu Grabe tragen?" „Herr Sekretarius," antwortete Zabel, und die Rührung machte seine rauhe Stimme zittern, „wat gibt's für mich verschlissen Möbelstück noch zu hoffen? Den Jungen hab' ich schon geopfert, den Herrgottszapper- menter! Vielleicht hat er recht, und ich seh' ihn erst am jüngsten Tage wieder. Aber wenn mir noch wat zu opfern bleibt — der Zabel gibt es her, da!" . , Der Sekretär schaute ihn ernst an und nickte langsam. „Zabel, guter, alter Zabel, tapferes Herz! Du sollst mich nicht beschämen!" Er stürzte an den Tisch, nahm Papier und Feder und schrieb. „Herr Stadtrat Finnickel," sagte er dabei mehr zu sich selbst, „das arme Schreiberlein verzichtet. Und wenn ein Stück vorn Herzen geht! Und wenn's das Liebste kostet!" Er schloß und siegelte den Brier und hielt ihn in der Hand. Plötzlich übermannte ihn der Schmerz er schluchzte auf und ließ den Kopf auf den Tisch sinken und verbarg ihn in den Armen. Zabel stand erschüttert dabei und wußte nicht, was er machen sollte. „Herr Sekretarius! Mein lieber Herr Sekretarius! Kreuztürken, was hat Er denn?" Der Sekretär biß die Zähne zusammen und sprang auf. „Hier, Zabel, bring' Er diesen Brief dem Stadtrat Finnickel." — „Dem Finnickel?" fragte Zabel und beschaute mißtrauisch den Brief. — „Lauf' Er, Zabel, so schnell ihn seine alten Beine tragen können!" Er drängte Zabel zu der großen Tiir hinaus, denn Sabine war, festlich gekleidet und geschmückt eingetreten „Liebster," sagte sie mit, harmloser Koketterie, „schau'! Gefall' ich dir in meinem Putz?" — „Du bist reizend, Mädchen", antwortete er mit abgewendetem Gesicht. „Mein bestes Kleid! Steht mir die Farbe zu Gesicht? Magst du die Bänder und die Spitzen? Was sagst du zu dem Atlasschuh? Ich trag ihn heut' zu mersten Male. Gib acht, was die Herren Offiziere sagen! — „Sie werden dich scharmant Und liebenswürdig finden. — „O, so duster! Und dabei schaut der Herr mich nicht einmal an!" — „Sabine —!' seufzte er gequält. , t , .. , ,. ..., Sie wurde ängstlich. „Konrad, Liebster, was bedeutet dieser schreckliche Ernst? Fürchtest du Gefahr?" — „Nein, Sabine." — „Und dennoch dieser düstere Blick? Diese entstellten Mienen? Und gar das Auge tranennah! Sie schmiegte sich an ihn und legte ihre Arme um seinen Hals. Er zog sanft ihre Hände herab und sagte mit tiefer Trauer: „Jetzt, da ,ch von dir lassen muß, fühle ich, mit welcher Liebe ich an dir bange. Sie erblaßte Mich — lassen — mußt?" - „Unsere Liebe roar em schLr, kurzer Traum aber nur .ein Traum "Und er lächelte wehmütig. — „Konrad, was redest du?!" rief sie in jäher Nngst. Er zwang sich zu einem rauhen Ton. „Die Liebschaft zwischen uns hat weder Zweck noch Ziel. So ist es besser, ihr em Ende zu machen, bevor die kalte Notwendigkeit uns trennt. Er suhlte es heiß in feine Augen steigen. „Sabine, die halberblühten Rosen stnd die schönsten Sie schaute ihn erstarrt an. „Konrad, das i|t dem Ernst nicht. Das hat dein Herz nicht ausgedacht! Was ist geschehen, das dich .zwingt, mich von dir zu stoßen?" — „Sabine, laß es gut (ein. Mehr kann ich dir nicht sagen. Und wenn du mich für einen schlechten Kerl achtest.. Genug, es muß ein Ende haben mit uns beiden. Und schnell, denn um so weniger schmerzt es." — „Du sagst mir nicht die Wahrheit, Konrad! Es ist Schlimmes geschehen! Sag’5 mir, Liebster! Ich will nicht mehr an deine Liebe glauben, wenn du es mir verschweigst!" Er'seufzte schmerzerfüllt. „Ich darf es dir letzt nicht sagen. Vielleicht - bevor ich gehe." - „Du gehst?" schluchzte sie auf. — lafie mw ten Abschied geben von deinem Vater. Hier kann ich nicht bleiben. D'er hab ich ausgespielt. .Sabine!" — Er preßte sie an sich, küßte sie voll Leiden ^^Sie"'sank"sasiungslos weinend auf einen Stuhl, unb bie bt^.e Tränen sielen auf ihr festliches Kleid. Sie trocknete aber hastig die Augen als sie jemand mit langsamen, zaghaften Schritten naherkommen horte Es war Flipp, der mit Hangendem Kopf und ängstlicher Miene