GiGmrKmilieiibMer Unterhaltungsbeilage Zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1(927 Samstag, Sen 22. Januar Nummer 6 WUdwWer von den Bergen fliehn . . . . Von Carl Zuckmayer. Wildwässer von den Bergen fliehn: Wir wandern, wir ziehn! Striemt unsre Stirne der Regen, Fällt uns der Nebel schwarz ins Genick — Der Erde Segen Aus allen Wegen Sei unser Geschick. Die Hügel der Heimat schwanken heran. Der Abend begießt sie mit rötlichem Wein. Hast du dein Herz in jeden Wind vertan. Stets wird es neu geboren sein. Die Kiefern am Bergrand, wie Büßer gebückt. Das Tal in die Brandung der Kirjchblüt verzückt. Hell jubelt ein Vogel im Holz — Und der Strom ins Geleuchte der Fernen entrückt, Jeder Grashalm mit Feuchte und Siemen beglückt, Und die Augen mit himmlischem Stolz! Tag über Tag, Stund' über Stund' Wölbt sich di« Erde ins ewige Rund. Schweist unsre Liebe verirrt. Bleibt doch der Glaube, kampfmächttg gestrafft, Und der Hoffnung sturmsingende Wanderkraft Vor die Pflüge des Frühlings geschirrt. Zuckmayer, der Lyriker. Von Dr. Hans Thyriot. Nun ist schon ein Jahr vergangen seit jener denkwürdigen, vorweihnachtlichen Feuertaufe am Berliner Schiffbauerdamm, und noch immer : widerhallen die Bühnen im Deutschen Reich vom Geschrei und Gelächter \ nm den rheinischen „Weinberg" herum; widerhallen so laut, und das j Echo von außen her klingt so stürmisch (im Guten wie im Bösen), daß man sich kaum besinnt aus die Anfänge dieses Menschen, der einmal auch so gänzlich unbekannt war, wie er heute fast in aller derer Munde ist, die sich um Literatur bekümmern. (Und das sind nicht wenige.) Kaum denkt man an den „Kreuzweg", lächelnd erinnert man sich des Sonntagvormittags im ehrwürdigen Deutschen Theater, wohin die „Junge Bühne" geladen hatte, und wo alsbald der Kampf der Geister zu toben begann, wogend zwischen Galerie und Parkett, dieweil die abgehackten, expressionistisch lakonischen Szenen der „Hinterwäldler" vorüberzogen. „Pankraz erwacht." Selige Jugendzeit dämmerte; siehe: da war das verwitterte Blockhaus unserer Knabentage, der Skout und die Squaws, rauhe Kerle gab es, in breiten Hosen, mit spitzen Cowboyhüten, Feuerwasser floß und Blut . . . Eine wilde Sache. Und dennoch unterlagen die, so ironisch den sanft entschlafenen Karl May hochleben ließen. Die aber ihre Hände geregt und endlich in der heißen Schlacht um Zuckmayer, den Dichter, gesiegt hatten — unter ihnen (obzwar sie, instinktiv vielleicht, Recht hatten mit ihrem Siege) waren wohl nur wenige, die etwas ahnten von dem Sprung, den der Junge tun würde, um ein kleines später, und von der innerlichen Wegstrecke, die jener hinter sich gebracht hatte, als er vom Blockhaus zum Weinberg kam. Damals ging's um Zuckmayers Künstlerschaft überhaupt. Wer konnte e'troas ahnen von dem Buch, das heut auf unserm Tisch liegt? Ein ganz schmaler, gut gedruckter, saftgrüner Band, sechzig Seiten genau. Darauf steht: Der Baum, Gedichte von Karl Zuckmayer, im Propyläen-Verlag (395). Wer hätte dies gedacht? Zuckmayer, der Lyriker., Ehe man hineingeschaut hat, ist man überrascht und bedenklich. Ueberrascht, weil man gerade bei Zuckmayer (von dem man allenfalls in einer Zeitschrift oder einem Theaterprogramm einmal flüchtig wenige Verse gelesen hatte) Lyrisches kaum erwarten durste. Lyrisches — um es vorwegzunehmen —. von so innerer Melodie und so geistiger Not- wendigkeir, Gedichte als ein aus dem Blut geborenes Bekenntnis. Die ‘ Bedenken begründen sich zwiefach. Einmal befindet sich unter jenen vereinzelten Proben, von denen eben dis Rede war, ein Gedicht, das (aus guten Gründen) in dieser neuen Sammlung nicht zu finden ist, und dem man Überhaupt lieber nicht begegnet wäre, weil es eine glatte Entgleisung und durchaus keine Empfehlung darstellt. Man schweigt davon, man geht darüber hinweg. (Weil dies gerechter zu sein scheint, als wenn * , wie es geschah, sozusagen als eine Standarte im Kamps wider i Den Dichter aufpflanzt. Denn es ist vielleicht gut, von Zeit zu Zeit einmal s Daran zu erinnern, daß wir gar nicht so viele junge Dichter besitzen, um ‘ uns den Luxus leisten zu können, einen unter ihnen kurzerhand un- t möglich zu machen, der doch immerhin Beweise von Wert und Können geliefert hot.) Damit ist man beim zweiten Punkt der Bedenklichkeit. Junge Dichter sind selten. „Erste Gedichte" mit ersten Verlegern sind zahllos wie der Sand am Meer. Lyrikbände der Namenlosen fliegen zu Hunderten, zu Tausenden immer und immer wieder^ auf den Markt. Aber: wer lieft heut Gedichte? Wer hat Muße und Sinn dafür? Unsere Zeit, wenn sie überhaupt Dichterischem innerlich zuneigen sollte, scheint immer noch im Drama am ehesten die ihr gemäße Ausdrucksform zu suchen. Wem sind Gedichte wichtig, wem soll man sie anpreisen? Wichtig sind heut ganz andere Dinge; alles andere als Lyrik. Und wie steht geschrieben? Schon in den „Nachtwachen" des Bonaventura: O Freund Poet, wer jetzt leben will, der darf nicht dichten! Ist dir aber das Singen angeboren und kannst du es durchaus nicht unterlassen, nun, so werde Nachtwächter . . . das ist noch der einzige solide Posten, wo es bezahlt wird und man dich nicht dabei verhungern läßt. — Gute Nacht, Bruder Poet . . . Und in den „Aufzeichnungen des Malte Laurids Vrigge": Ach, aber mit Versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt . . . Muß man nicht fragen: Wer, unter den hundert Namenlosen, wird wird seinen Namen zur Sonne des Ruhmes erheben, um seines Wertes willen? Wieviele von den Hunderten, die man heute liest und morgen vergißt, wird man in fünfzig, in zwanzig, in zehn Jahren noch kennen und nennen und lesen und lieben um ihres Wertes willen? Wer von ihnen scheint heute schon soviel Kraft zur Beständigkeit, zum Bleibenden, zum Ueberbauern von Tagesinteresse oder slüchtiger Modebekanntschaft im Werk zu beweisen? Wohl, unter den Netteren, um die 50 oder 60 herum, beginnt es sich zu klären, Stete und Wandelbarkeit werden zu scheiden sein. Ratloser sucht man unter den Jungen und Kämpfenden, den neuen Propheten. Zwei sind unter ihnen, zu denen man, obzwar sie noch arg im Dunkeln stehen, dies Vertrauen haben kann: Siegfried von Vegesack und Jakob Ha ring er. An Vegesacks Verse muß man oftmals denken, wenn man diesen Zuckmayer liest. Aber wie soll man Unbekanntes mit Unbekanntem vermitteln und deuten? Man muß versuchen, Zuckmayer aus sich selber, aus diesem kleinen grünen Buche zu deuten. Es ist nicht leicht, obwohl der Band keine vierzig Gedichte enthält, das Gemeinsame und Unbedingte, das Wesenvolle und Einmalig-Neue darin zu umschreiben. Die „Formet", die sich aufzudrängen scheint, wird unscharf, weil sie schließlich auch für andere geprägt werden könnte. Aber da ist ein Gedicht, das ist wie ein Herzstück, um das sich das übrige sammeln, ein Bild bauen, die gemeinsam strömende Melode finden laßt. Es ist Überschrieben: Di« Landschaft singt. „Ich bin im Winter dein Schnee, im Sommer dein See. Ich bin im Grose dein Kind, deine Mutter im Abendwind. Ich bin dein Geschick, ich bin deiner Träume Musik. Ich bin dein Ursprung und End', dein Regen und Sonnenwend." Da ist wieder dieser Ton, dies Unbedingte, dies nicht Hergebrachte, das echt Gewachsene und im Herzen Erlebte, das man aus einem kleinen Prosastück spüren konnte, das gleichsam den „Weinberg" präludierte. Freilich: „die Natur besingen", das ist so alt wie die Dichtung selbst, das „Naturgefühl" ist ein fester Begriff im Wandel der Zeit unter allen Völkern der Erde. Natur ist, nach oder gemeinsam mit der Liebe, das Erste, und Allgemeinste, was ein Lyriker zu besingen hat. Sehr selten aber ist einer, der wie Vegesack im bayerischen Wald, wie Zuckmayer am Rhein bei Nackenheim so neuen Wein, so jungen, brausenden Most in die alten Schläuche gießt, selten einer, dem das Naturgefühl nicht Mode und Manier, sondern Herzschlag und Bekenntnis und innerste Notwendigkeit bedeutet. Wohl bleibt dies — wie uns scheinen will — Mittelpunkt,"um den alles sich sammelt, zugleich aber auch Herzstück,, von dem alles aus- strahlt; dies Naturanschauen und Naturverbundensein wächst aus der Enge ins Weite, wurzelt im Weinberg wie ein Baum und wölbt sich grenzenlos über die Welt. Erfaßt die kleine Welt, die jener baltische Vegesack rund um den Euleuturm zu seinen Füßen liegen sah, und die große, die als kosmische Religion erlebt und gestattet wird. Gestaltet! Darauf kommt es an. Zuckmayer ist fern vom mystischen Gedankennebel und fern von den expressionistisch trüben Schleier, die oft genug ahnungslos bestaunt und überschätzt und unverstanden blieben. Sein Bild hot Gegenständlichkeit, Sachlichkeit, Rundung und herzhafte Blutfülle, ist geboren aus verschwisterter Anschauung, aus leidenschaftlichem Sichverbundenfühlen mit den Dingen und Geschöpfen, die eben hier nicht mehr die tote, abgegriffene, verstaubte und formelhaft überkommene Staffage alter, lyrischer Generationen sind, sondern lebendige, notwendige, geliebte, verwandte, befreundete Glieder einer Wett außerhalb der blaffen Godanklichkeit, abseits von lit-rotenhast snobistischem Ueber» drnß und Gelangweittsein, weit weg vom Maschinenwesen und nüchternen Anfklärungssinn einer überhitzten 'Zeit. Das steht alles da und ist und wurzelt und wächst unb blüht, vergeht und wird wiedergeboren, nach un- bereite. ö’n einer solchen Situation greift man mit Spannung zu einem Buch, dessen Titel ankündigt, ein Wort zu, dieser Krise zu sagen, um so mehr, als man seinem Verfasser die innere Berechtigung zu- erkennt, dazu zu sprechen. Hans Liehe, der Wiener Kunsthistoriker, ist einer der wenigen, dir schon früher im Zusammenhang methodische Fragen durchdacht haben. Das Ergebnis dieser Studien war die vor 13 Kahren erschienene „Methode der Kunstge>chich>e . Derselbe Gelehrte hat nun ein Werk veröffentlicht: Lebendige Kunstwissenichaft (Wien, Kryftall-Derlag). Vicht wie die „LNethode" eine m allen Punkten durchgearbeitete Untersuchung, sondern „ein Werk beginnender Sammlung, ein Vorwort neuer wissenschaftlicher Existenz. Die Problemstellung ist eine durchaus andere geworden: mcht mehr um die Erkenntnis eines Stiles, eines Meisters handel,, es sich, die Wechselwirkung von Kunst und Leben ist, zu ergründen, nie Antwort zu finden „auf die angstvolle Frage, die heute oie wissenschaftliche Erkenntnis und die lebendige Schaffenstätigkert lahmt, die Frage, nach dem Sinn der Kunst". And das Buch,ist getragen von der Aeberzeugung, daß „wahre Kunst und wahre Wisienschafi nur al» Teile des ganzen Daseins bestehen können, aus dessen Brausen wir die Gewißhen unserer Lebendigkeit gewinnen." Das Buch ist cinelose Folge von Beitrügen „zur Krise der Kunst und der Kunstgeschichte , wie der Untertitel sagt. . „ , . „Verlebendigung der Kunstgeschichte". Wissenschaft, so sagt 2nehe, kann nur Erkenntnis liefern. Wenn sie verlebendigt werden soll, dann mutz sie statt tauben Wissens Erkenntnisse geben, die Lebenswege smo. Verlebendigung geschieht also nicht dadurch, dah man an sich loten Wissenskram popularisiert, geschieht nicht dadurch, daß man statt eines pedantische,i Schultvnes die Purzelbäume literarischer ^ages- moden mitmacht. Das Kunstwerk strebt heute aus einer gefahrliu-mi Vereinsamung, einer Losgelöstheit von allem anderen Lenen heraus, es will wieder Ausdruck verschiedenartiger Lebenssülle sein. So mutz auch das gewordene Kunstwerk in dieser seiner sozialen Funktion erkannt werden. Alle formalen Eigenschaften bilden nur die Saiale, sein Kern ist, was es an allgemeinen geistigen Kräften zusammen- zuraffen vermag. Das Kunstwerk ist nicht nur ein Spiegel seiner o«it, es ist selbst ein Stück geschichtlichen Lebens: nicht daß es das ihm aus anderen Geistesgebieten Zugeströmte in Form, umsetzt, seine Horm ist vielmehr ein unabtrennbares Stück Lebendigkeit, die sich hier tote anderwärts auswirkt, hier in der dem Künstlerischen eigenen Gesetz- mähigkeit. Ausgabe der Wissenschast wird es also, den Geist zu begreifen, der sich so und nicht anders in den künstlerischen Formen aus- spricht. Datierungs- und Lokalisierungssragen, wie reine Formal- Probleme werden sekundär, werben die allerdings notwendige Grundlage, auf der sich die eigentlichen Fragestellungen erheben. Wie sich das Verhältnis zum Vaum ändert, wie die Bewältigung der Einzelform sich weitet, oder die Farüenauffassung sich wandelt, das sind nicht mehr Dinge, die um ihres eigenen Interesses verfolgt werden, sondern deren Zergliederung uns lockt, weil alle diese Vorgänge das Leben geistiger Kräfte ausdrücken. Geistiger Kräfte, die der Zeit gehören, die aber zu ihrer Auswirkung der Zusammenfassung durch das schöpferische Individuum bedürfen. Viel intensiver mutz also toteres die Künstlerpersönlichkeit in den Brennpunkt der Forschung treten, nicht aber so sehr als Urheber einer bestimmten Gruppe von Arbeiten wie als geistige Totalität. Und nur das wird der Kunstgeschichte wesentlich sein, was sie als ein Stück des ewigen Menschengeistes überzeugend zu machen vermag. „ Aus einer solchen Einstellung ist es unmöglich, zwischen alter und neuer Kunst in dem Sinne zu scheiden, datz den Wissensa)aftler nur die alte zu beschäftigen brauche. Folgerichtig behandelt ein Groh- teil des Buches von Liehe auch Probleme der modernsten Kunst, versucht die Linien des Expressionismus zu zeichnen, spricht zu seiner Krise, zur Literatur Über die jüngste Kunst. Der einleitende Aussatz sucht das Verhältnis von alter und neuer Kunst grundsätzlich zu klären. Kunst ist. im Gegensatz zum Denkmal, nur was lebt und als lebendig empfunden wird. Der Unterschied zwischen alter und neuer Kunst liegt also nicht in der Materie,— die ist da iind dort gestaltete Form, die Empfindung auslöst —, jedes Werk ist für den Künstler schon nach seiner Vollendung Vergangenheit, ist uns, den Gleich- lebendeti, zunächst Ausdruck eigensten Empfindens, unseren Sohnett unverständlich und unseren Nachfahren historisches Gut mit dem ganzen Gewicht des „Alten". Der Kunsthistoriker, so meint Liehe, ist der Vermittler der Gegensähe zwischen Altem und Neuem. Er nimmt lebendigen Anteil an der Kunst seiner Zeit und empfangt daraus ein Gefühl für Werte der Vergangenheit, für neue Probleme und Sichtungen: er kann auf der anderen Seite durch ^ne Kenntn^ der Geschichte der Ktmst zu mancher Erscheinung der Gegenwait ein gewichtiges Wort sprechen. Ein Kapitel über Kunstccitik betont das letzte noch einmal besonders. . Liehe gibt in diesem Buche noch mcht «n Werk der neuen Kunstsorschung, er steckt nur Grenzen ao, weist Dichtungen, tn der sich die Wissenschaft entwickeln wird. Damit bat er ausg^prochen, was wohl in vielen lebendigen Wissenschaftlern arbeitet, hat dem Neuen tn ^Was "lebendige ^WMenschaft ist, wird erst ganz deutlich werken an Werken der Kunstforschung selbst. Es ist typisch surunseie^ag^ dah zunächst über methodische Allgemeinfragen d.i-kuckert w^d, ehe an Einzelarbeiten eine neue Methodik erprbt ist. Aber ^te fuc Liehe selbst dies Buch ein Vorwort neuer, wissenschastlichor Exstienz ist so wird auch mancher junge Gelehrte tn ihm Bestärkung f tn r eigenen Meinungen un6 den Ansporn empfangen, auf begonnenen Wegen weiterzuschreiten. ____________ Berge, ©öfter und Menschen. fchchch urewsqem Gesetz, dem man gleicherweise untertan ist; so wird erseht und vo-n Herzen her begründet die leidenschaftliche Kon;esswn dieser Verse “ ra'ctoaHenen tn der Welt, so glüht und strömt aus ihnen die heiße Kemenmem' .nschast mit Baum und Moos und Weinstocks mit den Eidechsen, Vögeln und Fischen, mit Rindern und Pstrden und Elchen und Wölfen; Gemeinschaft und Liebe und Hingabe von so unspielertscher W cht und so unerschüttertem Ernst, daß man gerade hier: suh.tz wie diesem Dichter älteste Dinge neu geboren und lebendig verwandelt werden. Lebendige Kunstwissenschaft. Von Dr. Ludwig Neundörfer. Schon immer war die Kunstwissenschaft ein besonders seines Instrument, die Bewegungen im wissensHäßlichen Denken zu registrieren. Du ih ihre Jugend entbehrt sie der festen Tradition anderer Wissen ^a ten; ihr Objekt, das Kunstwerk, sträubt sich immer wieder, rem bankmäßig ersaht zu werden, es macht Vechte an ganz andere menschliche Ansnahmeorgane geltend und stellt dadurch dte Wissenschaft- im -.--d-'z schäft eine Krise beobachten, die das ganze Gebret der Wissenschaft umchtzt Es ist zunächst eine Stimmung des berufsmäßig wmenschaft- sich Arbeitenden. Man ist unsicher gewor^n, an seinem Dun: man sraot nach dem Sinn der ganzen Aroelt, vo sie überhaupt ein Vecht in der Gegenwart habe, und welche Stelle sie notwendig ausfulle. Auch die Methodik des Arbeitens ist stark erschüttert. Gefolge der historisierenden Tendenzen des 13. Jayryunderts hatte sich eine bis ins kleinste ausgebildete Methode gcolldet, an Hand äußerer Merkmale die einzelnen Werke auf Zeit, Meister und Stil sestzustellen. Theoretisch war jedes Stuck gleich wichng, und das Ziel war eine vollständige Registrierung aller vorvandenen Werke. In diesem Denkmälerbestand suchte man dann Entwicktungslinien aufzuzeigen, für die organisch-biologische Begrisfe wie Jugend und Aber zu Hilfe genommen wurden. Notwendig fuhrt« diese Weise M Arbeitens zu immer größerer Spezialisierung. Die Vorarbeiten des Bestimmens und Einordnens nahmen alle Kräfte m Anspruch, immer unmöglicher wurde es, das Ganze zu übersehen und die mannigfachen Verflechtungen zu erkennen, in denen leWs lebendige Wert steht Die Sicherheit und Selbstzufriedenheit des Spezialforschers ist heute erschüttert. Die Stilkritik hat sich zum Teil selbst überfuhrt, sie muh „innere" Merkmale zu Hilfe nehmen und leugnet damit igr eigenstes Prinzip. Man will das Ganze, das Wesentliche ues Kunstwerkes erfassen. Im Streben danach wird mancher Irrweg gegangen, der zwar von der Methodik des 19. Jahrhunderts aüiuprt, aber pabei auch das Gebiet der Wissenschaft selbst verläßt. Die Grenze zwischen Kunstschriststellerei und wissenschaftlicher Forscheraroeit ist verwischt, statt der „trockenen" Untersuchungen werden „geistvolle Essays geschrieben, die mehr über den Verfasser als über den Gegenstand aüssagen. Andere verlassen di« Forschung, um pädagogischer Ausgaben willen, sie müssen sich um die Nutzbarmachung der Kunstwerke, wollen ihren ästhetischen Wert Allgemeingut werden, lassen. Die Mehrzahl der zum Schreiben Berufenen schweigt, beschrankt sich auf die Lehrtätigkeit als auf bi« Liebermittlung festliegender Sacy- Von Friedrich Wallisch. Wrovolis hohe Büro der jungfräulichen Göttin, Leuchte der Well durch die Jahrtausende, schwer ist es, von dir Abschied zu nehmen. Traume der Jugend hast du erfüllt, nmrinorerblühies Heiligtum 8ß?er wie leicht ist es, von dem neuen Menschengeschlechte zu scheiden. S i«w «-m-ch>.-°ch>» letzten Augenblicke meines Aufenthaltes in dieser Stadt über die ernst Dallas Athene geherrscht hat durch ihren fchonheltssreudigen Günstling Perikles,'dm Freund des frohen Prunks und des Lebens m Sonne * Ihr habt meinen Trennungsschmerz gründlich verscheucht. Bu za guter Letzt noch, attischer Herakles im blauen Zwilchkittel, Gepäckträger auf dem Müde 'all "der ' Zudringlichkeiten und Un^rschämtlMen, denen hier jedermann ausgesetzt ist, der das Kainszeichen des ntemben — will sagen, bes reichen Narren, der dazu da ist, betrogen zu werden — auf der^urne trägt müde all der Gemeinheit und Unverfrorenheit, gab ich den. Manne mehr' viA mehr, als ih-n gebührte. Aber statt sich nut Madigem Dank zurückzi,ziehen, stemmte er in frecher Pose die Finger an die Wand d Abteils und forderte höhere Bezahlung. . . „nm Von der neugriechischen Sprachk-weiß, ich, nicht viel mehr al-v alten Griechisch. Also so gut wie nichts, obwohl es im ersten Ltezemilum dieses Jahrhunderts einige Männer der Wissenschaft gegeben Hat, deren redliches Bemühen es gewesen ist, mich die Sprache des Meuu lehren. Ich habe sie nie erlernt. Und doch konnte ich Perikles und। J.I)1 unb Mnesikles verstehen, als sie auf der Akropolis in der unsterbnchen Svrache von Hellas zu mir redeten. .... .j, Mit dem srechen Gepäckträger im Zuge wußte ich mich nicht zu DerG5nbmarnein trauriger Spatz. Ich wollte sehen, wie weit seine Unverschämtheit ging, und suchte ihm meinen Wunsch £(araunteidjen, er mog mir mit den Fingern deuten, wieviel Drachmen er eigentlich sondere. Dabei nun wies ich auf diese seine Finger, die er wie ich's eben erwahut yabe an die Wand des Abteils gestemmt hielt. Jetzt aber sah er mich plötzlich entsetzt an und stürzte Hals über Kopf davon. An de? Wandten dort, woher seine Hand gehalten hatte, hing eine Kundmachung: Im Falle von Unzukömmlichkeiten wolle man die Le sck.wcrden dem Bohnhofsvorstand bekanntgcben. . . ■' Das böse Gewissen hatte den ängstlichen Athener zu dem rrn^n Glauben verleitet, mein Deuten sei eine Drohung, ihn ^1^1 gen. wurde ich rascher, als ich's vermuten konnte, den letzten Räuber los, de meinen Leidensweg hier gekreuzt hatte. . 9{. Der Zug war überfüllt. Kaum irgendwo em freier Platz. Aber als die Bahnhofsglocke bimmelte — hier wird w? der Abfahrt «ch vizmal 3n den Futztapfsn der ElefanLen. Von Thea de Haas. Wir entnehmen die folgende Schilderung dem interessanten Aersewerk »Ar Waldhaus und Steppen zelt" von Thea * ^5 Haas (345 S. 8° mit farbigen und schwarzen Bildtafeln; Phiupp Reclam, Leipzig), auf das wir bereits an anderer Stelle aufmerksam gemacht haben. 577 war eine sternklare, bitterkalte Nacht. Am das mächtig lodernde Feuer vor unserem Zelt hockte eine kriegerisch aussehende ucjellfajQft. Fremdartig war der Klang ihrer Sprache, drohend ragten ihre eingerammten Speere durch die Rauchschwaden, die der unhete Wnid nach allen Richtungen warf, und ihre runden Schilde -oüffelhaut, die jede Lücke dieses Kreises ausfüllten, verwischte v»e Srkhouetten zu einer verschwommenen Masse. bahmnäßig geklingelt — stoben mit einemmal alle, di« die Kup^es besetzt gehcrlien hatten, ebenso Hals über Kopf davon, wie es mein Trager getan Latte. In jedem Abteil blieb nur ein einziger Reifender zurück. Was mar da nun wieder geschehen? Es ist hier üblich, daß jeder, der eine Reise tut, von seinen Verwandten lind Freunden in der Weise unterstützt wird, daß sich alte zu ihm ins Abteil setzen, damit er dann während der Fahrt sämtliche Plätze jür sich allein hat. Mit einem Pfiff wie von einer Schiffs- oder Fabriksirene antwortet die Lokomotive auf das Klingeln der Bahnhofsglocke, und die Fahrt beginnt. Griechische Offiziere stehen heute beim europäischen Zeitungsleser im Geruch des Revolutionären. Denn man weiß, daß jeder Umsturz hier vom Offizierko.ps ausgeht. Aber die Nachfahren des Thermopylenkämpfers Leonidas können auch umgänglich fein und geruhsam plaudern, wie ich's während der Fahrt im Seitsngang des Wagens bei netten Gesprächen kestgestellt habe. Manche sprechen ein recht fließendes Deutsch. Sie haben's in Görlitz erlernt, wo ein erheblicher Teil der griechischen Armee während des Krieges interniert gewesen ist. Und sie haben sich anscheinend dort sehr wohl gefühlt. Daß in Griechenlang doch noch nicht alles in Ordnung ist, beweist aber die strenge Paßkontrolle, die auch inmitten des Landes, fern der Grenzen, während der Fahrt in den Zügen erfolgt. Um sieben Uhr abends, drei Stunden, nachdem wir Athen verlassen haben, sind wir in Theben. Heute bloß drei Stunden Bahnfahrt — und welch tiefe Feindschaft, welch ingrimmiger Haß hat einst Athen von Theben getrennt, von der siebentorigen Stadt des Kadmos! Dioyfos und Herakles, Laios und Oedipos sind hier zwischen Rinderherden und Unsterblichkeit gewandelt. Aber was vermochte der unsterbliche Ruhm gegen den Haß von Volk zu Volk! Böotien, das Land um Theben, wurde durch die athenische „Kriegslüge" zum Lande der Dummen gestempelt. lieber die Jahrtausende hinweg hat Athen die feindliche Stadt der Böotier besiegt. Athen zählt heute eine Million Einwohner, Theben — fünftausend. Im reichen Grün des Hügellandes ducken sich bescheiden die Häuschen. Aber immer noch ist Böotien reich an Rindern wie einst, und auf den Weiden stehen Kopf an Kopf gewaltige Schasherden. Weiter geht die Fahrt. Von Wolken abgeblendet, reckt die untergehende Sonne riesige Strahlenbündel über den Abendhimmel. Unvermittelt steigt aus der Fruchtbarkeit der Felder und Wiesen die kahle Steinmafse der Berge auf, steile Schuttmauern wie Ruinentrümmer in übermenschlichem Maß der Formen. Und über das zyklopische Gemäuer ragt der Gipfel des Helikons, des zeusgeweihten. Dann aber löst sich aus dem Glanz der rasch hereingebrochenen Mondnacht wuchtg der Riefenleib des Parnaß. Ein Wort in jeder «spräche, ein Gedanke, ein Begriff ist für jeden Menschen unseres Kulturkreises der Name Parnaß. Und hier, vor dem Fenster meines Abteils, wird das Wort mit einemmal Gestalt, der Begriff wird Sichtbares, der Gedanke wird zum Bilde. Welch ein Bild! Erdrückend in seiner Größe, berauschend in seiner wilden Pracht. Hochgebirge in kühnstem Formenspiel, Schneedecken an den Höhen, überstrahlt vom vollen Mond, gigantisch und herb und doch ein Phantom, so zart in den silbrigen Umrissen, so durchscheinend fast in der kühlen Helle des nächtlichen Lichtes. Neugriechenland ist in die Dunkelheit versunken, die auf den Tälern liegt. Sm traumhaften Schein der Höhe aber lebt Hellas, lebt Apoll und leben die Musen, denen der Berg geheiligt ist. Schroff fallen die Hänge ab. Der Parnaß, einsam über den Wellen des Landes, tritt aus dem Bild vor meinem Wagenfenster zurück. Mittelmaß drängt sich vor die Größe. Aber noch einmal steigt im Glanz des vollen Mondes steil ein gewal- tigcr Glpfel auf. Der Dein, der Todesberg des Herakles. Selbst schroff getürmt wie der Scheiterhaufen, den der Heros auf der höchsten Höhe hier errichtet hat, um in den Flammen Erlösung von seinen Qualen zu finden ... Nacht und Morgen — mit dem scheidenden Mond ist Hellas ver- fchwunden. Der grelle Tag leuchtet über Neugriechenland. Saloniki: Ein verstaubter Bahnhof, Autöwxi, elende Straßen, verfallene Häuser, üble Gerüche, schreiende Menschen. Jenseits der Meeresbucht aber, über dem Dunst der Frühe, steht weißstrahlend mit seinem mächtigen schneebedeckten Gipfel — der Olymp, der Berg des Zeus und der frohen griechischen Götter. . Eine graue Wolke schwebt über der Höhe, wie ein Schatten des Unwillens auf der Stirn des Kromden. Und wahrhaftig — jetzt zuckt ein Blitz über dem Olymp. Ich verstehe dich, Baier Zeus. Auch ich bin nicht mit allem einverstanden, was man rings um deinen Berg hier sieht. Aber ist dein Blitz nicht zu schwach geworden? „. . . hell'ges Erbarmen und schauriges Mitleid Durchströmt mein Herz, Wenn ich euch jetzt da droben schaue, Verlassene Götter. . ." Die mit blitzenden Mess'ngringen geschmückten schlanken Arme griffen von Zeit zu Zeit nach den Holzscheiten oder holten einen Maiskolben aus der glühenden Asche. Einer der Männer, aus dessen nackter Brust der flackernde Feuerschein breite rotgoldene Flecke tanzen lieh, trug eine Kette von vielen grünen Perlenreihen um den Hals, die so geschmeidig auf der dunklen Haut lag, wie eine Schlang« aus leuchtendem Smaragd. Das war Gliba, der Führer für di« Elefantenjagd, mit seinen Fährtensuchern. Die Anterhaltung wurde durch Dolmetscher geführt, da Gliba des Kisuaheli nicht mächtig war. Wir verabredeten, morgen möglichst früh aufzubrechen. Dicker Rebel hing in den Arwälbern von Tumbati und lieh die Flechtenbäume nur im geisterhaften Schattenriß hervortreten. Als die Sonne endlich gegen Mittag den Sieg errungen hatte, schlichen wir nach dreistündigem Marsch durch Dambuswechsel, die auf einer mit Farnkraut bestandenen Bergwand ins Freie führten. Wir folgten Gliba, der lautlos dahinglitt und plötzlich stehen blieb. Dann deutete er in die Talfenke. Wir hielten den Atem an und beugten uns vor, Elefanten in der Wildnis! Wie harmlos sie sich durch das frische, kühle Gras schoben und hier und da behaglich ein junges Bäumchen ober einen biegsamen Bambus mit ihrem Rüssel umschlangen! Wir sahen aus die mäcEjtigcn Rücken hinab und beobachteten, wie die breiten Ohren hin und her klappten und der kleine Schwanz eifrig in Bewegung war! Wir sahen die ganze Gesellschaft einen mit Palmen bestandenen Hügel hinaufsteigen, dessen Kamm sie überschritten. Die Schwarzen zählten neunzehn Elefanten, und ich skizzierte zwei davon, wie fte emporklommen. Durch eine mit wilden Bananen, Flechtenbäumen und Dattelpalmen bewachsene Schlucht schlichen wir im Wechsel bergauf. Oben gelangten wir an eine Elefantenstraße; als ob ein breiter Strom mit schön abgefcämmten Äsern sich hier hinuntergestürzt und alles mit sich gerissen hätte, so sah es aus. Der Grund der Straße schnellt wie eine Sprungfedermatratze mit all dem niedergetrampelten Farnkraut unter unseren Tritten empor. Die Ränder zu beiden Seiten glichen einer vom Gärtner beschnittenen Parkhecke; viele Wechsel führten durch bas Gestrüpp. Wir bogen seitlich ab. Hier ging es steil hinunter, und kaum hatten wir einige Schritte getan, als sich schon das Brechen und Rauschen der Aeste vernehmen ließ. Anser ©tanlort war günstig, einem Balkon vergleichbar, von dem wir die gegenüberliegende. sonnenbeleuchtete Hügelseite gut übersehen konnten. Es ist kaum zu glauben, wie wenig diese mächtigen Tiere selbst im niedrigen Gebüsch ausfallen. Man meint zuerst, einen rötlichen Felsenstein zu sehen, bis man seinen Irrtum gewahrt, wenn sich dieser Stein plötzlich in Bewegung setzt. Eigenartig rot sehen diese Tiere in der Sonne aus, beinahe ziegelrot. Wir beobachten sieben Elefanten, die ruhig im Gebüsch äsen. Ein kleines Elesäntchen ist dabei, das seiner Mutter nachläuft und von ihr gesäugt wird. Ich nehme diese günstige Gelegenheit wahr und skizziere die völlig unbesorgten Tiere. Plötzlich hallt ein mächtiger Trompetenton durch die Luft, und ich lasse 6en Pinsel sinken. Haben sie uns bemerkt? Rein, die Mutter rief nur ihr Junges! Ich atme auf. Es gibt, glaube ich, kaum etwas Anheimlicheres, als dieses Trompeten, der Ton erinnert mich an das Rebelhorn auf dem Meere. Wir hofften, noch einmal näher heranzukommen, aber da ein Elefant uns die Mühe abnahm und sich in höchsteigener Person in unsere Rähe begab, so daß wir schon die Aeste unter seinen Füßen krachen hörten, zogen wir uns höflich zurück. Auch stand die Sonne schon zu tief, als daß ich noch hätte malen können, und ein vierstündiger Marsch lag vor uns. In vollkommener Finsternis, durchnäßt von eisigem Regen und klappernd vor Külte, kamen wir am Zelte an. » Mit diesem Bilde konnte und wollte ich mich nicht zufrieden geben. Das Wetter schlug um, und Elibas Fährtensucher brachten die Rachricht, daß die Elefanten weiter ins Gebirge gezogen wären. Unsere mühevollen und anstrengenden Streifzüge wurden durch den unaufhörlichen Regen zu wahren Heidentaten. Wir verlegten zweimal unser Zelt, und eines Rachts wurden wir durch Trompetentöne geweckt. Leider zerstörte ein Wolkenbruch jede Hoffnung, den nahen Elefanten zu folgen, und wir verbrachten den Tag in grimmiger Laune im Zelt. Endlich siegte die Sonne über den Rebel, und die Fährtensucher berichteten, die Elefanten ständen im Arwald der nur einige Stunde-- entfernten Berge. Sofort brachen wir auf. An einer Bergwand im jungen Bambus, der höhersteigend in finsteren Arwald überging, traten sie heraus: zwölf große Elefanten und drei kleine. Voll»' sieben Stunden konnten wir sie beobachten. Einmal war der Winkt umgesprungen, und sechs zusammen stehende Elefanten hoben zu gleicher Zeit den Rüssel und suchten in der Luft nach unserer Richtung. Wir standen in der prallen Sonne, die fürchterlich stach, während die Elefanten beschattet waren. Ich war gerade sehr eifrig beschäftigt, als sich dicht unter uns am Abhang ein kollerndes Geräusch vernehmen ließ. Gliba deutete auf feinen Magen und dann in die Richtung, aus der die Töne gekommen waren. Also ein Elefant war ganz in der Rähe! Plötzlich ertönte ein mächtiges Rauschen und Krachen, und ich glaubte nicht anders, als: der letzte Augenblick sei gekommen! Zu meiner Verwunderung blieben die Schwarzen sitzen, und beschämt kehrte ich an meinen Platz zurück. Aber meine „Ruh war hin", und ich pries den Augenblick, in dein ich völlig erschöpft und von der Sonne nach allen Rezepten gebraten und geschmort, meine Hängematte besteigen konnte. neuen 1853 blieben . . jwywH.yv —— ___________- ———— . - _ Derlag:Brühl'sch« Universitäts-Duch^nd Steindrucierei, R. Lange. G,e | 2)erantwortlich: Ur. Hans Thyrrvt. — Druck und Augen halte. Doch war auch eigene Anlage dabei: wenn ich in unserem Geburts-Hause allein im Wohnzimmer war, dann sah ich den Kloben, woran der Spiegel hing, deutlich winken und empfand ein unsagbarer 7n das Sn sshrt?, wo man eben dem Kinde etwas Aether einflobte nach wenigen Augenblicken trat der Tod ein. Ich habe diesen Verlust furchtbar hart empfunden,, es war der 10. Marz, em Tag, vor dem sich meine Mutter seitdem sörmlick fürchtete Mein- Kameraden waren hauptsächlich die Sohne des Physikers Buff, dort im Garten haben wir im Sommer, vermutlich 1851 «,ne bedeutende Sonnenfinsternis durch geschwärzte Glaser beobachtet: der A,s.stent und Nefs« Busss, Meidinaer. war auch dabei. Auch Nebensonnen zeigte uns Buff einmal. Zuweilen durfte ich abends dorthin und erinnere mich gern an das seine Haus, ungern aber an die Rückwege, weil ich mich fürchtete, in den dunklen Hausgang zu kommen. Die Gefpersterfurcht wurde uns durch sine Bafe, Julie Klunk, beigebracht, die gut erzählte und furchtbar schwarze einem -------- --------■ schräg gegenüber in den „Neuen Bauen Georg Friedrich Knapps Mehener Kindsrzeir. (Schluß.) Es war gerade eine Sitzung zu Ende. Karl Vogt kam mit anderen : hermis und standen eine Zeitlang mit uns auf dem Platze, in besprach« ; vertieft Karl Vogt wollte etwas auffchreiben, fragte nach ewem Blcistift, , ,.„s ;L inh haft" gerade vor mir einer aus dem Boden lag, den ich zu , allgemeiner Ueberraschung sofort aufhob und überreichte Dann fuhren wir mit d» bereits fertigen Eisenbahn von Frankfurt nach Darmstadt. Der Großvater war noch nicht begraben. Die junge Schwester meines Vaters, Emma sühtte m°ch in das Zimmer zu ebener Erde in dem großväterlichen Hau e wo er in großer Uniform aufgebahrt lag. , ' Also das'Jahr darauf sing es mit der Schule an- Da war em winkeliger Platz nördlich von der Stadtkirche und westlich.vom Lmdenplatz, wo der Botenmeister Löhr in einem ärmlichen Hauslem Schule hie-t. er war früher in einer Kanzlei Vorgesetzter der Boten gewesen- em alter, ireundlicher Mann, der uns fortwährend die Federn schnitt. Wir lernten , leien und schreiben; ich weih noch, daß fast keiner der Schuler einen s geleseneil Satz mündlich wiederholen konnte. Auch wurde das Emma - ; -ins eingebläut was mir die erste ernstliche Schwierigkeit machte. An Geburtstagen des alten Lehrers erschienen die Schuler mit Geschenken, . nur ich hatte davon keine Ahnung gehabt und geriet in d>.e größte -3er- legenheit wegen meiner leeren Hände; woraus der gutmütige Mann mich Meder zurecht streichelte, wie er mir dann auch im Winter steifgefrorene Binder der „Bommeisterschule", wie wir sie nannten, waren sehr roh- auf dem Platze vor der Schule wurde stets „gebalgt ; nur meme Vettern'Wilbrand sind mir in deutlicher Emnerung. Einmal aus dem Heimwege fiel ich in der Stadt über ein Kratzeisen, wuche bewußtlos und wachte zu t)ause erst auf mit heftigem Erbrechen; noch lange sichlte ich Schmerzen im Kopf, wenn ich eine Treppe hinabglng. . ^Zu lernen war dort wenig; ich glaube, daß unser Botenmeister nichts besaß als eine schöne Handschrift und die Kunst, Zedern: zu schneiden. Er nflente aus einer langen Pseise zu rauchen während des Unterrichts. , ? Da tat sich ein Kandidat der Theologie namens Steinmetz mit emer Prioatschule auf, in einem geräumigen Hinterhaus, « Y rouckte dabei aus einer langen Pseise. 'jiuujnuuuys h>>-u -- . Fabrikanten Ballin gedient hatte. Es lag weinem Geburt.haus , @^ättbe [iept nuj dem Brand, ist alt und hat eine Wendeltreppe, lctirag gegenüber in den „Neuen Bauen , und es war ein 9r°i3 s 1R rl-,ch^n>,nh»ri ftmnmen maa: sowie weitläufige und dunkle daran der bis an die Schur reichte; so hieß der frühere Stadtwall, der feilt eine Promenade war. Allerdings befand sich die Schule erst m der Nähe d^r Stadtküche, wurde aber bald in die .-Neuen Baue" verlegt. Steinmetz war ein blonder, schöner und liebenswürdiger Mann, er hatte Hilfslehrer einen Thüringer namens Hotzel, und einen anderen, der No^ mann bien- ein dritter hieß Reuß und verstand etwas von Naturwitzen- fchaften. Bei Löhr war alles roheste Dressur gewesen; bei Steinmetz war e^ HHrhVt unb oäbiiGoqijch. Gslerjentllch n)urb der liebe Gott? Aber auch dies war etwa 1847. Im Jah-e 1847 wurde mein Bruder Karl geboren; etwas spater erschien ein Schwesterchen Agnes, ein ganz ungemein schönes und liebens- roürbiaes Kind, das aber etwa dreijährig am Typhus starb. Ich hatte gerade mein Blasrohr ergriffen, als mein V""»'- n -'ebia ai - Grauen. , , , Im Sommer 1851 nahm mich mein Vater mit auf eine Fußreise durch j den Odenwald, von Bensheim über Erbach, Amorbach, Katzenbuckel nach ■ Heidelberg; mit uns war der Bruder meines Vaters, Ludwig Knapp, und dessen Stiefsohn Bernhard Minnigerode. Da hoben wir auch Eul« bad, berührt, wo der Forstmeister Louis, mein Urgroßvater, gelebt hatte. Mein Vetter Bernhard war 13 Jahre, ich selbst 9 Jahre alt. Es war eine herrliche Reise, als wir an den Neckar kamen, in der Nahe der Burg Schwalbennest, fühlte ich deutlich die Schönheit einer Landschaft zum ersten Male. Ein kleines Dampsbool brachte uns nach Heidelberg, von wo wir wieder nach Hause suhren. , Etwas spater machten meine Eltern mit einer befreundeten Familie - Laubenheimer einen Ausflug an die Lahn; in Wetzlar, nur wenige i Stunden Weges von Gießen, fah ich den ersten gotischen Dom, das Haupt- ! portal halb zerfallen, aber die Heiligenbilder aus Stein, welche das Tor ! umgaben, wirkten großartig; es ist der erste Eindruck eines Bauwerke, \ gewesen. Auch Braunfels haben wir damals besucht, eine großartige Burg i auf einem Felsen, mit Schloßgarten. Anfangs wollte ich nicht mit, well : weil keine Ferien waren: worüber ich stark ausgelacht wurde. Um mich i zu rächen, nahm ich den dünnen Band Kühner im Schulranzen mtt, worin ' mein Gepäck war: da wurde ich aber noch viel starker ausgelacht. - Unter die Kameraden gehörten auch die Söhne des Theologen uno zugleich Mineralogen Credner, besonders der mir fast gleichaltrige Her- i mann Credner. jetzt Buchhändler in Leipzig; wir hatten den Schulweg die aus dem 16. Jahrhunden stammen mag; sowie weit aufige und dunkle . Gänge; es ist nicht mit dem Zeughause zu verwechseln, auch nicht imt ; einer' kleinen Burg, die auf der anderen Seite des Botanischen Garten, liegt und einen allerdings niedrigen Turm hat. Im Schloß hatte me n i Väter ein Laboratorium, ein Zimmer mit Apparaten, worunter ein blinkender, kupferner, kugelförmiger Apparat; und endlich ein Audttonum. ' Er las seine Vorlesung über technische Chemie gegen Abend. Zu seinem Vergnügen hielt er sich im Laboratorium auch eine 5)obelbantunb schrei. i nerte auch zuweilen, um sich Bewegung der Arme zu verschaffen. Wik ' Mnder durften zuweilen dorthin kommen, es war aber wegen der dun len i Gänge im ftauje etwas gruselig, bis wir die richtige Tur ertappt hatten, s ba hörten wir unferen Vater dann pfeifen oder singen, zum Beispiet da, - o 2 eine Tanne schlank", ober: „Aus Feuer ward der Geist er s [*"affen" ober- Spannelanger Hans, nubelbirfe Dirn, Steigt mir auf ' b?n Baum und schüttelt mir die Bim". Obgleich er ganz bescheiden sang, ! so war e^ doch angenehm zu hören, und er scheint in jenen Ra.imen gern ^“slmstoZs^roär „Sonderbund", eine Vereinigung der jungen Pro- fn Genannt wen en bet Schweifet Kantone, bie firf) ^$4 f ; tJnXn ^ führte Karl Voqt bas qroße Wort als Geschichtenerzähler I S Ä“ e£n«n9 »ur üb«. SM« »« « * : etwas Böfes gejagt, wie mein Vater oft versicherte. Der Professor Hermann Kopp, der Chemiker, wohnte zuletzt neven un, in Vevvlers Haus- er war sehr klein, hatte von einer Explosion her eint ungeheure Se auf der Stirn, trug stets einen Regenschirm wagerech unterm Arm und nahm uns in guten Stunden mit auf jein Zimmer. Krittallmefjer und Kanarienvögel zu jehen waren. Sein stanz unerhm Fleiß war jprichwörtlich; zuweilen klappte er aber auch in tiesster Vet fimmnnn n fammen. Da er als Redakteur viel Muhe mit freniben Manu- {Primen hätte verhöhnt« er seine mitarbeitenden Freunde fortwährend - b ? Nack Mgkeiten deren er sich keine erlaubte. Auch schrieb er all« auf gesammelte Blätter von erhaltenen Briesen und halte seine Freude an der Ausnutzung solcher Zettel. Meinen Onkel Liebig sah ich nur selten; einmal saß er zeitunglesend in feinem Wohnzimmers es war ein großes Blatt, und er übersetzte die Nachricht von ungeheuren Goldfunden. Ein andermal ging er . meinen Eltern spazieren, über die Lahnbrücke, setzte sich auf einen Stein und erzählte daß er nach München berufen fei. Dorthin zog er 1852. £i Äe'nmch W^tch^bis September 1853 tn der Schule An einem IM ippiiu» u'uiv. \ ^00 pewejen,!ern _ - i'.zäisteii U'berraschung — niemand anderem gerade mein «msroyr evtiu1|Cn, --tt' fetter Georg v Liebig ^us . Jrn?PÄH^en märmftenlffiorten toün!d)te er mir Slütf unb Segen, dem Krankenzimmer herauskam, mich still bei der Hand faßte nnr m ch _ sn«tter Wilhelm Wilbrand war nicht wenig betroffen und ltz — •••■*--......- ** » "**•• SXÄ to w» die ich erlebt habe, eine Liebenswurd.gk it die ick noch heute^nm) n^rftehe denn ich war ein mittelmäßiger i^.„,ui^r, y I »äs*? . wurden^zun8st'nach Darmstadt zu 'in^den''DeM!bek wo wir lohne Unterbrechung, wenn ich nicht irre) bis in oen