GiehMrZamilienbliitter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang |92Z Dienstag, -en 20. Dezemoer Nummer $0$ t gut gespieltem Wer hätte das Sixlini S er Chor. Bon Edmund Finke. Ein Lied stieg auf und stand im hohen Raume des Domes still und fiel so sanft und sacht, wie Tränen fallen, die aus dunklem Traume vergossen werden an das Herz der Nacht. Still fanden meine Hände in die deinen, ihr leiser Kutz war süß wie ein Gebet, das zwischen Glück und fassungslosem Weinen von Gott die Ewigkeit erfleht. Im Schatten der verlassenen Altäre vergaßen wir das ungeheure Leid, daß wir aus schwarzer, schrecklicher Galeere stromabwärts gleiten in die Ewigkeit und keiner von uns beiden wiederkehre ins Licht der Zeit .... Der Sternträger. Weihnachtsgefchichtchen aus Podolien. Von Lilli von Baumgarten. Bereits im Vorjahr hätte der Jaschka Dobri ihn tragen sollen, den großen, achteckigen Stern, der, an langer Stange hoch emporgehalten, in der Weihnachtsnacht der von Haus zu Haus zieheirden, Koljadkami singenden Schar der männlichen Dorfjugend ooranleuchtete. Ein prächtiger Stern war es ans rotem und grünem Seidenpapier; er wurde von innen heraus erhellt, ebenso wie der ihn umgebend« Kranz von ziervoll aus kleinen Kürbissen geschnitzten, vergoldeten Rosen, in deren jeder ein Licht- lein steckte. Es war ein Ehrenamt, Träger dieses Sterns zu sein. Aber der Jaschka hatte nicht von zu Hause fortgekonnt, weil er bei seinem kranken Mütterlein wachen mußte. Deshalb galt es als so gut wie ausgemacht, daß er ihn dies Jahr tragen werde. Der Jaschka Dobri war ein bildhübscher Bursche, hoch und schlank gewachsen, mit leinen Gesichtszügen und honigfarbenen Locken, — so recht eigentlich geschaffen für einen Stern- träger, der doch auch etwas von einem himmlischen Boten an sich haben soll. Dazu war er musikalisch und hatte einen angenehmen Tenor. Da überbrachte der Lehrer aus der letzten Gesangprobe den Entscheid des Dorfältesten: Sternträger solle Grigorka Gerodsky sein ... Was, nicht Jaschka? Nicht Jaschka, dessen gutes Recht es sozusagen dies Jahr war, dem es jedermann gönnte? Und wer an Joschkas Stelle? Nicht etwa Dmitro Ljeschy oder Andrej Kotortschuck, das hätte man allenfalls noch verstanden, aber Grigorka! Grigorka Gerodsky, diese falsch singend« — ach was, von Singen konnte da schon nicht mehr bi« Rede sein —, diese falsch gröhlende, eingebildet« Hohlheit! Dieser Bauchdiener, dieser Unmäßig« — Sternträger? Da stank's nach etroas. Da hatte einer Ränke gesponnen. Gott ja, in podolischen Dörfern werden geradesogut Ränke gesponnen wie anderswo. Die Welt ist eben kein Paradies mehr. Aber der arme Jaschka konnte einem leid tun! Ganz verstört ob der unerwarteten Zurücksetzung trat der Jaschka aus dem Schulhaus auf die tief verschneite Straße. Dicke Tränen der Ent- täuschung traten ihm in die Augen. Ein Glück nur, daß es dunkel war. Wie hatte er sich auf morgen -gefreut! Wie hoch aufgerichtet hatte er da- stehen wollen unterm strahlenden Stern, wie schön hatte er fingen wollen, — am schönsten vor seiner Nadja Haus, vor Nadja selber, wenn sie heraustrat, den Sängern die Gaben zu reid>en. Schon hatte er den Stolz aufleuchten sehn in ihren ernsten braunen Augen, den Stolz auf ihn, den heimlich geliebten, den geehrten und anerkannten Sternträger, — und nun! „Spuck drauf, Jaschka", sagte jemand hinter ihm, und eine Hand legte sich tröstend auf seine Schulter. Es war Dmitro Ljeschy, sein Freund. „Guten Abend, ihr Jünglinge", flötete da dicht vor ihnen eine Frauen- Sne mit übertriebener Liebenswürdigkeit. — „Guten Abend, Mütterchen gija Timofejewna!" — Sie wollten weitergehn, aber die Bäuerin vertrat ihnen den Weg. „Sagt an, brave Burschen, ist's wirklich wahr, daß Griaonj Gerodsky rnornen Sternträger sein soll?" — „Ja", antwortete Dmitro kurz, woran: Pelagija Timofejewna mit gut gespieltem Erstaunen ausrief: „Nein, so etwas! nein, so etwas! Wer hätte das gedacht! Das muß ich doch gleich unserer Nadja erzählen! Die hat schon gestern ein Päcklein für den Stern träger gerüstet, das fleißige Täubchen; weiß nur noch nicht, wer's dies Jahr ist. Rein, dieser Grigorij, dieser Allerweltskerl! Wer hätte das gedacht! Ader jetzt muß ich machen, daß ich weiterkomme. Wir haben ein Schwein geschlachtet. Erwarten ein Familienfest für di« Feiertage. Nein so etwas!, nein, so etwas! ... Guten Abend, schöne Jünglinge!" — „Alte Hexe", murmelte der Jaschka grimmig hinter der Enteilenden her. „Sag' lieber Kröte", meinte Dmitro; „wie eine kleine, dicke Kröte sieht sie aus mit ihrem breiten Maul, und wie eine Kröte spritzt sie Gift und Galle ... Jetzt ist mir allerlei klar ... Gute Nacht, Jaschka, laß die Nase nicht hängen. Wollen abwarten, wie's endet" ... Natürlich ließ der Jaschka doch die Nase hängen; er durchschaute die Lage nur zu gut, und sie kam ihm hoffnungslos vor. Dmitro aber durchschaute sie auch und sann auf Abhilfe, denn er war ehrlich empört über Pelagija Timofejewna, die, — daran zweifelte er jetzt nicht mehr —, um den armen Jaschka vor ihrer Tochter herunterzusetzen und ihr den reichen Grigorka mundgerecht zu machen, die Ernennung dieses letzteren zum Sternträger bei ihrem Gevatter, dem Dorfältesten, bewirkt hatte. Sie rechnete dabei recht schlau mit Nadjas, leicht gekränktem Ehrgeiz und schien ihres Erfolges ziemlich sicher zu sein. Wie Dmitros Mutter erzählte, hatte sie ihren Nachbarinnen bereits verschieden« Andeutungen gemacht, die mit Grigorka Gerodsky und einer für Weihnachten erwarteten Familienfeier zusammenhingen. Ihr Mana, der gutmütige Ossip Sorkij, hätte gar nichts gegen den fleißigen Jaschka Dobri als Schwiegersohn einzuwenden gehabt, aber Osfip Sorkij hatte zu Hause nicht viel zu sagen. Das Schwein war auch auf Pelagija Timofejewnas Veranlassung geschlachtet worden ... Die Ljeschys waven keine reichen Leute; ein Schwein konnten sie nicht schlachten wie die Sorkijs, aber ihr Festtisch, den Dmitros Mutter am nächsten Nachmittag zierlich deckte, wies doch allerhand recht leckere Dinge auf. Die Galuschi, die großen, in Suppe von roten Rüben gekochten, mit Fleisch gefüllten Weizenklöße, waren wohl geraten und die duftenden Pelenitzi nicht minder. Nebenbei im weißen Kachelofen stand eine große Schiissel aus bunt bemaltem, glasiertem Ton mit süßer, reichlich mit Rosinen vermengter Kuli ja. Die Warenucha war nach einem bewährten Rezept von Dmitros Großeltern aus Wodka und Honig auf Eorneliuskirschen gebraut. Ein anderes weihnachtliches Wässerchen war auf Saffran angesetzt; auch ein grünlich schimmernder Medok fehlte nicht. Der ganze Aufwand, besonders der an Getränken, wirkt« geradezu überraschend bei einer Familie, die aus lauter mäßigen Leuten bestand. : Am schiefen Fensterlein rauchte der Dmitro fein kurzes Pfeifchen und ! lauerte. Es dauerte auch gar nicht lange, und wichtig und sich sichtlich i ganz als Held des Tages fühlend, kam Grigorka Gerodsky dahergestapft. Mit ein paar Sprüngen war da der Dmitro im Freien, holt« den Stolz- geblähten ein und bat ihn auf di« schmeichelhafteste und dringlichst« Weis«, ihm doch als Kenner die Ehre zu schenken und von den Speisen und Getränken feines Weihnachtstisches zu kosten. Grigorka zögert« einen Augen- blick; eigentlich hatte er, seinen künftigen Triumph vorgenießend, noch eine klein« Fensterpromenade vor Nadjas Haus machen wollen, auch -vor es nicht Brauch, sich vor der Koljada an den Weihnachtstisch zu setzen. Aber wann hätte Grigorka jemals nein gesagt, wenn Genüsse des Gaumens winkten? Nach kurzem Schwanken folgte er Dmitro ins Haus — auf ein Viertelstündchen, wie er sagt« ... Vom tiefblauen Himmel funkelten die Stern«. Der hartgefroren« Schnee knirschte unter den Füßen der Knaben und Jünglinge, die dem Schulhaus, dem Versammlungsort der Koljada, zueilten. Bald war jedermann zur Stelle. Ein einziger nur ließ aus sich warten: die Hauptperson, Grigorka, der Sternträger. Schon hott« der Lehrer den Stern angesteckt, — rotgrüne Reflexe tanzten auf bleichem Schnee —, schon begannen etliche Ungeduldige, darunter scheinheilg Dmitro Ljeschy, ob der Verspätung zu murren, schon wollte man jemanden nach Grigorkas Haus senden, — da kam, merkwürdig schwankend und wankend, der Erwartete langsam die Straße herauf. „Habt Jt;r auf Grigorka gewartet, Brüder- lein", gröhlte er schon von weitem; „Grigorka kommt, der Sternträger naht, die Koljada kann beginnen ... Grigorka singt, Grigorka schwingt den Stern!" Er griff die Stange mit dem zitternden Stern und stimmt« mit aller Kraft seiner Lungen sein Lieblingslied an: „Nimm die Braut nicht, nimm die Werb'rin, — denn die weiß, worauf es anfommt." Das war nun gerade kein Koljadagesang, aber er kam auch nicht weit damit. Schon beim ersten Refrain überschlug sich feine Stimme, hilflos torkelte und taumelte er noch ein paarmal hin und her, dann glitt er aus nickt etzte sich mit unfreiwilliger Plötzlichkeit in einen Schneehaufen. Der chöne Stern wäre babei unrettbar gegen die Wand des Schulhoufes gedungen und eingedrückt worden, hätte nicht Jaschka, rasch hinzuspringend. Die Stange grabe noch im letzten Augenblick aufgefangen. — „Nun behalt ihn auch, Jaschka Dobri", sagte der Lehrer; „laßt uns losziehn, Jünglinge, und keine Zeit mehr verlieren. Zuvor aber legt bas betrunken« Ferkel dort drinnen auf den Ofen, da mag es feinen Rausch ausschlafen".. Geschäftig trug Pelagija Timofejewna bi« Spenden für die Sänger, die man bereits herannahen hörte, in den kleinen Flur und lieh sich dabei von ihrer Tochter helfen. Die ging ihrer Mutter heut abend nur sehr, sehr langsam zur Hand. Ach, wenn'? doch überhaupt keine Kol- jaba gäbe auf der Welt, keinen Sternträger und keinen Grigorka Gerodsky! — Draußen erfiang’s von frisch-frohen Stimmen: die letzte Begegnung mit dem Mond, das war die schauer. 2ßlr ^°llen nur kurz sie erwähnen: Um die Ochste Stunde, als Christus nackt und arm am Kreuz hing, da er die stein kaum noch ertragen konnte und sein triefend Antlitz sich verzerrte . lahlmgs, in dieser Sekunde, sprang der unsichtbare Mond aus dem Firma- ment und warf stcy vor das erbarmungslose Licht, daß die Bibel bemerkt: „Dis Sonne wurde verdunkelt, und es entstand eins Finsternis auf der ganzen Erde, welche bis zur neunten Stunde dauerte": so daß Jesu Todeskampf der Kreatur verborgen blieb.__ 0 Dies find die vier sagenhaften Mondgeschichten, die immer wieder bis 3um heutigen Tage an den vier höchsten Festtagen des Jahres, Neujahr, Ostern, Pfingsten und Weihnachten, erzählt werden — besonders im Morgenlande, wo der Mond hauptsächlich verehrt wird — und bedarf A darum gelehrter Männer: warum er vielmal im Jahre der ewigen Glückseligkeit teilhaftig ist? Dann putzen ihm die Engel alle Runzeln aus ^E^kstcht und deshalb bleibt er immer wieder mild bis ans Ende der Welt. Amen. Morgen kommt der Weihnachtsmann... Aus der Geschichte des Spielzeugs. Bon Dr. Paul Landau. Ewig gleich ist das Kind in seinem Spiel und ewig gleich ist sein Spielzeug. Die kleinen Aegypter und Griechen haben sich an den gleichen Dingen erfreut, an denen auch noch unsere Kinder sich ergötzen. Klappern und Puppen, sind wohl nicht viel später entstanden als der Mensch selbst. Schon in prähistorischen Gräbern sind in Ton gebrannte Puppen und Figuren von Tieren gefunden worden, dann künstliche Aepfel und Birnen, die innen hohl waren und in denen eine Kugel rasselte. In den uralten ^.ofenhäusern der Babylonier standen kleine Bronzefigürchen, Gefäße und Näpfchen aus Ton, die wohl als Spielzeug den kleinen Entschlafenen auf die lange einsame Reise ins Reich der Schatten mitgegeben waren. M,t geschnitzten Pferdchen spielten die Kinder der Germanen, und die altmodischen Sagen erzählen von messingnen Rößlein, die den Kindern der Vornehmen geschenkt wurden. Das hauptsächlichste Spielzeug, das heute, noch in den Kinderstuben das größte Entzücken erregt, wird ziemlich vollständig in altrömischen Quellen aufgezählt. Da finden wir kleine Hauser und Wagen, die Puppe, das Steckenpferd, den Kreisel, die Stelzen und den Reifen, den zu treiben allerdings wie heute größere Knaben für „kindisch" erklärten. Aber wie ja fast alle Kulturerrungenschaften der Antike mit den Stürmen der Völkerwanderung verloren gingen, so ist auch unser Spielzeug erst allmählich im Mittelalter aus kleinen Anfängen roor&en 3“ 9r°&erer Mannigfaltigkeit und hohem Luxus herausgebildet Es war natürlich, daß in der christlichen Zeit aller Schmuck und Zierde des Kinderlebens um die Gestalt des Jesuskindes gesammelt wurden, dem die Kirchenväter so rührende Wiegenlieder gesungen, dessen kindliche Lust sie im Gegensatz zu seinem bittern Leiden mit so lieblichen Farben geschildert haben. So begegnen wir denn auch dem ersten Spielzeug auf Darstellungen des Christkindes; es hält eine schöne Blume oder eine seltene Frucht in dem Händchen, hascht nach glänzenden Käfern und lre ut_J,cL.an bunten Gefieder farbenprächtiger Vögel. Mittelhochdeutsche Dichtungen führen dann den Zeitvertreib des Gottessohnes weiter aus, erzählen von kleinen Bögeln aus Lehm, die er formte, von einem «teckenpferdchen, auf dem er ritt. In früheren Miniaturen finden wir am Rande ernster kirchlicher Betrachtungen Aufzüge von allerliebsten steckenreitenden Knaben, in denen die Seligkeit derer personifiziert wird, denen das Himmelreich von selbst zufällt. _ Das erste kompliziertere Spielzeug, dem wir in unseren deutschen Quellen und überhaupt in den Quellen des Mittelalters begegnen, findet sich auf einer Miniatur des „Hortus deliciarum" der Aebtifstn Herrad von Landsberg, die zwei Knaben an einem Tisch darstellt, wie sie zwei geharnischte Gliedergruppen mit Schnüren hin- und herbewegen und gegen« „Den Herren wir loben. Aus dem Fensterlein droben Reicht uns Eier und Schinken, Warenucha zum Trinken!" ,,©a, vergiß deine Gabe für den Sternträger nicht, feine Leinwand für ?n ^mllches Geschenk!" sagte Pelagija Timofejewna und druckte der Nadia em Packlem in die Hand. Dann stieß sie die Tür auf und trat mit ihrem Korb voll Eiern, Buchweizenfladen, Pelenitzi, Speckschwarten u dgk. ins Freie. Vor dem Anblick, der sich ihr darbot, aber wäre st« ani liebsten ms Haus zurückgeflohn, hätte der ganzen Gesellschaft die Tur vor der Rase zugeschmissen! Da stand unterm festlich leuchtenden Stern aufrecht, stolz und schlank der Jaschka und sang so schön und freudig wie nie zuvor. Die Nadja aber drängte, noch ehe ihre Mutter Worte fand, an ihr vorbei die Stufen hinunter und drückte „ihrem" Dmnm?"' strahlendsten Lächeln ihr Päcklein in die Hand. D nitro Lieschy stellte mit innigem Vergnügen fest: die Kröte war dem SÄ 3c!i nn!xtte l-ch ihr der Jüngste der Schar, der zehn- /**•/ i yuillU, Knie, ungeachtet, daß abgeschmetterte Fruchtkolben her Nacken und Rücken polterten. Das dunkle Geliebt Sankt ln im bläulichen Blitzlicht auf einmal totenfM über d-e Rippen zwei runde, grün-glühende Augen StÄn™ füg aus dem Dickicht, em mächtiger Leib schob sich vor und imnJn-T rühr der Natur gelockt, wälzte ein riesenhaftes Kr^odil Nrn -,» 7 n Samilie heran! Noch sah die allerseligs e Jungfrau Muitet mÄL^ 7?" --ehe Gefahr, so ihr Kindlein in Heuers zu schleudern drohte, sie summte: „Eja eia —" inde« 9 zweifelt den Wanderstecken dem gepanzerten Moloch 'entgegen^chwinaen wollte ... da, abermals, nur viel gewaltiger, mit einer nie oeXnen ftraft, rrnt einem j entrechten, vollen Strahiensturz rollte die Mondickeibe ihren gleißend schneeweißen Lichtkegel mitten durch die Sturmwolken herab und die Bestie, die der Teufel geschickt hatte, glotzte geblendet und gebannt empor, bis alle sich eiligst gerettet hatten. - 9Cül-nöet unb “« eine Seit vergangen in Palästina. Als Jesus, nun schon errocufjfen, in der Synagoge zu Nazareth gepredigt hatte, mochten die Leute ihn nicht anerkennen und sagten: „Ist dieser nicht der Scchn Joleis aern^.1 -Unbt t>atte 65 3efum doch voll heimlichen Heimwehs S ro-*sattrl 0e3c°?en' daß er seine Gespielen belehre oder vrack feiere Wer jetzt mußte er erkennen und wvm-n Prophet ist angenehm m seinem Vaterlande!" Ja, sie wollten ihn sogar vom Heimatberge herabstürzen vor Bosheit datz er ganz zag und still sich fortmachte auf den Weg gen Kapernaum. Dies war das erstemal, daß er wirklich im Leben traurig war. Fühlte sich doppelt "77 verlassen, da er auch noch nicht seine Jünger und Apostel hi»)a^itUnbr ^nm S^i§rmuts über die Gemeinheit der Welt durch die weite, feere Nacht und schaute betrübt zu seinem Vater im empor. Und da war es also der gute Mann im Monde, der fflefkht mit h^h»re « eLne Ian.0er Nase und zog ein gar so lustig breites Gesicht mit beiden Backen grinsend zugleich, als wolle er sagen: , Laß zunickte' ^»hlbnrger —! , daß der mißmutige Heiland ihm freundlich „Ich bin ein kleines Büblein. Bring dem Herrn ein feines Gäblein. Verehr' Christum auf's beff Und wünsch' Glück euch zum Fest'." „Und Grigoris Gero-dsky?" rang es sich mühsam von Pelagija Timo- fJrf^nÖS sie dem Foma einen großen Honigkuchen zu- — '-Dg^ betrunkene Ferkel soll auf dem Ofen im Schulhaus seinen stÄ?Lchre?s".'? ' antroortete ber wohlerzogene Foma mit den Worten ?a allerübel'ster Laune kam Pelagija Timofejewna aus der Frübwekie hh,rUsn^Ur„ ‘^’5JDar/ae^t •t>c15 Schwein geschlachtet worden? Darin, daß nach dem Oeftrigen den Grigorka nicht mehr nahm hatte sie nun das ganze Dorf auf ihrer Seite. Wie stand sie, Pelagija Timofeiewna 9R»ifi»rr iv€nt,^l'-CA arm^snr ba w't ihren VerlobungsgerüchtenAh diese Weiber, die tückischen, die schadenfrohen! Sie hatte ihre SefiÄter m der Ks-Ze wohlgesehn! BeiGott, wenn der JaschkaDob'ijetzt gekommen wäre, sie hatte ihm die Tochter nicht versagt. Aber der würde lick. bMe» LT"'s»nhi.1Inr€nhUmtrle&7 T9en it,n beim Dorfältesten ..? Gfftig Lr L die Nadja an, die gedankenlos ihr Arbeitskörblein geöffnet batte- ÄÄM ma" ^n, sonst kommt ÄÄ • Knie^nk°"b fa6te Uni> ®e9en ^lchend vor Weihnachten ist einer der fünf Heilgen Tage im Jahr, an denen die Sonne vor tfreube springen soll. Der Jaschka und die Nadja hatten es nie recht wahr haben wollen. Dies Jahr sahen sie es selber . ° Mond-Legende. Von Josef Winckler. Sage hat der Mond das Recht, an den sogenannten fahr 8mZeiten des Jahres, das ist immer Reu- Donn i^k -^f“9^"'. Weihnachten, persönlich in den Himmel zu treten. feuXi^;/ JrLb eid>eSA kaltes Gesicht an der Herrlichkeit Gottes er« wie die Sonne. Dann ist auch für ihn ein goldener Tao und nicht die ewige Nacht. Um dieses Recht beneiden ihn alle 6ebroejffferne ^xsterne Schon geraume WÄen vorL ?he er durch d-e Wolken emporphrt — das ist die berühmte Himmel adrt des LT" iw Morgenlang« besonders verehrt — schwankt er leise pudernd-n seinen Angeln und rührt jedesmal das Meer in den Tiefen 6iefL ^ne\LTme,Vnl-rLbte »'^^0 Stürme der Springfluten zu ®grT Ns^ber der Mond an den vier Hochzeiten ins Pardies? Provhofen der^Mund der Geburt geschehen, davon allen „r, Vn m -'Nund voll gewesen, und die Heiligen drei Könige in kniete" „Ponip^ und Myrrhen — ach, wer wüßte es nicht? — da jener armen' Sn fh- 6 3°PL 7 ber ede des Stalles noch einer marL 7 Anbetung von den Feldern gekommen waren. Der hatte die Lammfellmutz« tief ins Gesicht gezogen und fatfefe b>e braunen, hageren Hände um dm Schaft d7s Hirtenstabes Als die er 777,^77 nun die kostbaren Geschenke und Gefäße funkeln sah wie die Schatze Salomons aus purem Golde, und das süße Kind im Sclilummer »77; da griff ihn hehimliche Versuchung, und er tappte mit klammen uah-r ... jäh strich die scharfe Sichel des Mondes groß M der SfeT'»orriAugenblick nah am Fenster vmbetz davon ftolu — Grausen und wahnsinnigem Schreck ans der Tür .^„Spater, auf der bangen Flucht nach Aegypten, schon nahe dem Nil ^?«7l'ebe^ heilige Familie, unter einem Palmbaum Dmn ge jadte Blitze schweiften über dem Gala la Baherie und treusten ickon den 73 7>w6rem heißem Dunst, der den Atem erstickte und te Mr swwsw äs nübfernn^ W®”5 brüllende Mäuler auf, und die tropisch wilde Ge- Jhlr3t® ,.7lt unermeßlichen Wolkenbrüchen aus dem er- ! ^lmmeLU&er51 ßaTlb- Vergebens suchte die Mutter Maria ihr ' ^*5 lchon tomatenrot von der Wüstensonne verbrinnt h®at'J' 'hren langen Haaren und mit ihrer Schürze zu bergen föruSh5 nfe^Ur)kr- ^9^6 »on atfen Seiten und rann am Stamm )pruÖ€[nb meber. Sie neigte sich also mit dem eigenen Oberkörper wie em atmend Dach, gestutzt auf zwei Pfeiler der Arme und die Wand ihrer einander fechten lassen. Die Mädchen des 12. Jahrhunderts besaßen prächtig aufgeputzte Puppen. Für die ganz Kleinen gab es die bekannten Klappern oder Schlottern mit einer Pfeife aus Bein oder Horn, mit Glöckchen und Röllchen, die bei den Reichen aus Silber waren. Beliebt waren auch bereits die Kugelspiele mit Schussern oder Murmeln, über deren Herstellung aus Glas eine Stuttgarter Handschrift des 15. Jahrhunderts berichtet: „Das {int die gelben Kugelin, da die Schüler mit spielen, und sint gar wohlfeil." Aeltere Buben richteten mit dem Blaserohr unter den Vögeln manch Unheil an, trieben Kreisel und schnellten Ringe in die Luft. Ein künstlicheres Spielzeug sind die kleinen aus Holz geschnitzten und buntbemalten Vögel, von denen Guillebert von Metz im Jahre 1434 erzählt, es wären „Nachtigallen, die auch im Winter sängen". Eine eigentliche Spielwareninduftrie hatte sich im 14. Jahrhundert in Nürnberg entwickelt. Dafür sind ein Beweis die merkwürdigen Puppen, Wickelkinder, Reiter und sonstigen Spielgeräte, die 1859 in Nürnberg unter dem Pflaster gefunden wurden und jetzt im Germanischen Museum aufgestellt sind. Sie sind aus weißem Ton gebrannt, haben auf der Brust bisweilen eine kreisrunde Vertiefung, in die ein Patenpfennig gelegt war, und wurden schon damals in ferne Gegenden versandt. Diese Puppen haben im wesentlichen das traditionelle Aussehen, das die Lieblinge der Kleinen durch die Jahrhunderte bewahrt haben und trotz edler „Reformen" nie ganz verlieren werden. Eine schöne Haarperücke ist das wichtigste, auf Nase, Mund und Augen kommt es nicht so sehr an. Von den Puppen, die ein Jahrhundert später ein geschickter deutscher Spielwarenfabrikant Hottmann für eine kleine bayerische Herzogin anfertigte, sind uns Abbildungen erhalten. Hier sind die Kopse aus Holz geschnitzt und mit einem prächtigen Haarschopf verziert. Die Nase ist nur angedeutet; die Augen ersetzen zwei schwarze Striche, die Backen sind rot gefärbt und auch der kleine kirfchenförmige Mund ist gemalt. Schon damals war augenscheinlich eine Bewegung zur Verschönerung der Puppen im Schwange, denn Ludooico Dolce, ein Aesthetiker der Renaissance, dem wir aufschlußreiche Gespräche über die Schönheit verdanken, warnt davor, die Puppen zu menschenähnlich und zu prächtig zu machen, da sie dann den Kindern nicht mehr so gut gefielen. Freude an der echten rechten Puppe, die nun einmal nicht „zu schön" sein darf, blieb aber den Kindern deH Armen vorbehalten; für die Kinder der Reichen begann man Kunstwerke und Kostbarkeiten zu verfertigen. Ein solches Wunderwerk muß die Puppe gewesen sein, die Ludovico Sforza, der Herzog von Mailand, für seinen kleinen Sohn Massimiliano verfertigen ließ; an ihr haben die größten Künstler, die sich damals an dem Hof des „Moro" versammelt hatten, gearbeitet, auch Leonardo da Vinci. Eine Puppe von der Hand Leonardos! Das muß ein einzig- arttges Schaustück gewesen sein, aber sie ist verloren und vergessen; der kleine Massimiliano hat ihr wahrscheinlich bald den Garaus gemacht. Es wird in der Renaissance „Stil", Fürstenkindern das wertvollste und herr- lichste Spielzeug zu schenken. Berühmt wurde „eine kleine ganz aus Silber gefertigte Puppeneinrichtung, mit Zimmern, Betten, Möbeln, mit einem Büfett, Töpfen, Tellern und anderem Geschirr", die 1571 eine französische Prinzessin erhielt. Sie sollte eine Uebertrumpfung der schönen Puppen- oder Dockenhäuser fein, die in Nürnberg und Augsburg für die Kinder vornehmer Leute verferttgt wurden. Diese Häuser, die mehr als tausend Gulden kosteten, waren vom Keller bis zum Boden ganz so eingerichtet und ausgestattet wie das prächtigste Wohnhaus der Großen. Da waren in minutiöser Ausführung zu sehen Waschküche und Vadeftube, Stall und Garten, ein Kaufladen und eine Speisekammer, eine gewöhnliche und eine Prunkküche. Dann stieg man hinauf zu den reich ausge- schmückten und getäfelten Prunkzimmern, zu Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmern, deren hohe geschnitzte und eingelegte Schränkchen mit der zier- uchsten Leinwand und Wäsche gefüllt waren, in denen schön ausftaffierte Himmelbetten prangten. In den Kinderzimmern fehlte für die Puppenkinder auch Spielzeug im Spielzeug nicht: winzige Schaukelpferde, Schlottern, Laufstühlchen standen herum. Das großartigste dieser Deckenhäuser besitzt das Londoner South=Kensington=9Jlu{euin; aber auch im Germa- njjoen Museum sieht man einige vorzügliche Beispiele dieser Liliput- pmäste. So sinnreich und kunstvoll waren diese Häuser, daß die Großen daran Gefallen fanden. Herzog Albrecht V. von Bayern, der für seine Kinder ein besonders prächtiges Dockenhaus mit einer Wagenremise, einem Lust- und Tiergarten, einem angebauten Tanzhaus und einer Kapelle errichten ließ, war so entzückt davon, daß er das kleine Meisterwerk lieber seiner weltberühmten Kunstkammer einverleibte. Nürnberg und Augsburg, die beiden alten Zentren der Spielwaren- fabrikation, lieferten auch ihre prächtigsten Waren nach dem französischen Königshof. Sehr genau sind wir über das Spielzeug Ludwigs XIV. unterrichtet, denn fein Arzt Hsroard hat vom ersten bis zum siebzehnten Jahre des Prinzen alles sorgfältig ausgezeichnet, was er geschenkt bekam. Da finden wir denn schon im vierten Jahre „kleine Spiele aus Deutschland" erwähnt und in seinem siebenten Jahre „ein Gerät, verfertigt zu Nürnberg, in Form eines Schauschrankes, worin eine große Anzahl von Personen die verschiedensten Bewegungen und Stellungen ausführte". Das kostbarste Spielzeug, das vielleicht je existiert hat, wurde für Ludwig XIV. angefertigt. Es war eine ganze Armee, Kavallerie, Infanterie, Artillerie und Kriegsgerät aller Art, von einem geschickten Bildhauer aus Nancy Chaffel und einem Goldschmied Merlin ganz in Silber ausgeführt. Dieses prächtige Heer, das eine große Anzahl von Kästen füllte, kostete 50 000 Taler. Als es galt, für Ludwigs XIV. Sohn das erste Spielzeug zu besorgen, schrieb der Finanzminister Colbert eigenhändig an feinen Bruder, den Intendanten des Elsaß, und trug ihm auf, „von den besten Meistern aus Augsburg und Nürnberg zur Unterhaltung des Dauphins kleine Waffen, Soldaten, Pferde und Kanonen anfertigen zu kaffen". Auch die deutschen Fürsten ließen sich die Spielsachen ihrer Kinder etwas kosten. Der jagdliebende Kurfürst August von Sachsen schenkte dem zwölfjährigen Kurprinzen Christian zum Weihnachtsfest 1572 eine vollständige Jagd mit Hirschen, Hirschkühen, Rehen, Sauen, Füchsen, Wölfen und Hasen, mit 24 Hunden, 6 Jägern zu Fuß und 7 zu Pferde, 10 Pferden, einem Maulesel und einem Schlitten. Die meisten Kinder freilich mußten sich mit solch einem Spielzeug- Paradies in der Phantasie begnügen. Die beseelende Phantasie, die dem Spielzeug Leben und Bewegung einbläst, war auch damals des Kindes schönste Gabe. So erzählt uns Thomas Platter in seiner rührenden Selbstbiographie von einem hölzernen Rößlein, das ihm der ältere Bruder aus dem Krieg mitbrachte: „Das zog ich an eim Faden vor der Tür, da meinet ich gänzlich, das Rößlein könnte gan, daraus ich kan verstau, daß die Kind oft meinent, ihre Puppen und was sie Hand, feien lebendig." Der kleine Balthasar Paumgartner erbat sich 1591 vom Vater als Geschenk von der Frankfurter Messe ein hölzernes Pferd, „so mit Geishäuten überzogen sei". Pferd und Peitsche sind neben den Soldaten stets das Lieblingsspiel der Buben gewesen. Der fortschreitende Ersin- dungsgeist und die geschichtlichen Ereignisse sorgten für Abwechslung im Spielzeug. Eine Zeitlang wurde der Fangbecher, den schon Rabelais unter dem Riesenspielzeug seines Gargantua erwähnt, allgemeine Mode; dann kam die Laterna Magica auf , die der gelehrte Jesuit Athanasius Kircher erfunden hat. Dann belustigte man sich an Teufeln, die aus einem Kasten sprangen; im Rokoko entzückten die Hampelmänner alle Welt, und am Lottospiel berauschten sich die Kleinen nicht weniger als die Großen. In den Bilderbogen, aus denen man die lustigsten Figuren ausschneiden konnte, spiegelte sich ein kleiner Ausschnitt der Zeitgeschichte wider; als die Siege Friedrichs des Großen die ganze Welt erfüllten, spielten die Kinder mit Ziethens Husaren und Scydlitzens Kürassieren. Die Gestalt Napoleons ist vielfach im Spielzeug dargestellt worden, als Kaiser und als Nußknacker. Das Ewig-Gleichbleibende hat auch beim Spielzeug sich stets mit dem Aktuell-Modernen vertragen müssen ... Droben im Wald. Eine Weihnachtserzählung von Wilhelm Jensen. (Fortsetzung.) Nach kaum einer Minute kam Frau Johanna zurück. „Spionierst du noch immer?" sagte sie übermütig im Eintreten. Doch sie brach erschrocken ab. „Um Gotteswillen, Alf, was ist dir?" Die kräfttge Farbe feines Gesichtes war blaß geworden, er antwortete zusammenfahrend: „Nichts", und barg mechanisch mit leicht zitternden Fingern die Zeitung hinter seinem Rücken. Aber die beunruhigte Frau trat auf chn zu: „Doch! ich bitte dich, was hast du?" „Nichts," wiederholte er, „ein merkwürdiger Zufall." Als sie die Hand nach dem Blatt streckte, ließ er es ihr und setzte hinzu: „Du verstehst es nicht." „Was nicht?" frag sie. Nun deutete er auf eine kurze Notiz, die sie laut ablas: „Der Sträfling Wolfgang Machwitz ist heute, nachdem fein siebenjähriges Strafmaß im Zuchthaus abgelaufen, aus dem Kreisgefängnis entlassen worden." Verwundert fügte sie hinterdrein: „Was geht das dich an?" „Erinnerst du dich feiner nicht? Du hast ihn auch öfter gesehen." Sie schüttelte den Kopf. „Wann?" „Noch eh' wir verlobt waren. Er war groß, eckig und sehr häßlich von Gefichtszügen." „Ich kann mich nicht erinnern," verneinte sie abermals, „doch was ist mit ihm?" Der Förster blieb einige Augenblicke stumm, dann versetzte er: „Ich verschwieg es dir damals, obwohl es dich wie mich sehr nahe anging. Nun, da ber Zufall es so will, damit du nicht in Unruhe bist, will ich es dir kurz sagen. Wir saßen zusammen auf der Schulbank von klein auf und waren Freunde. Er war von slawischer Abkunft, wie fein Name angibt, ein Waisenkind, ein guter Kerl, wie man’s heißt, einbildnerisch, doch dabei leicht eifersüchtig und verbittert. Die Schuld lag wohl daran, daß er mit einem warmen Herzen so allein und abstoßend von Aussehen in die Welt hineingeworfen war. Er glaubte sich immer zurückgesetzt und mißachtet, auch oft nicht mit Unrecht; mir an mich hielt er sich ange- klammert und traute mir in allem. So machen wir während der Schulzeit viel miteinander durch; weil ich Förster zu werden beabsichtigte, wollte er es ebenfalls. Er war etwas älter als ich und kam nachher ein halbes Jahr vor mir in deine Vaterstadt; von dort schrieb er mir bald fast täglich Briefe voll überschwenglicher Seligkeit, ich wußte nicht warum, denn den Grund ft'chrte er nie an. Als ich ihm folgte, fand ich ihn sehr verändert, voll Selbftzuversicht, fast übermütig, obwohl seine Häßlichkeit sich noch gesteigert hatte und er ziemlich mittellos auf sich allein angewiesen war. Ich muß gehen, damit ich rechtzeitig für die Kinder zurückkomme und will das Eigentliche nur rasch beifügen. Du weißt, wir lernten uns bald kennen und wußten, wie es mit uns stand, mußten's ja aber allen Augen und Ohren noch geheimhalten. So hörte ich's oft mit sonderbarem Gefühl, wenn Wolfgang Machwitz mir ebenso überschwenglich wie in den Briefen von einer" Liebe redete, die ihm die Erde zum Himmel gemacht. Einen Namen nannte er auch jetzt nicht; ich fragte ihn ein paarmal, ob denn das Mädchen einverstanden sei und ihn ebenso liebe, dann fließ er nur aus: ,Sie muß, sie muß! Muß sie nicht? Wenn sie anders könnte, wären die Heiligen im Grabe und die Engel int Himmel Lügner!' Mir kam's aber, ich weiß nicht, weshalb, so unheimlich vor, als wisse das Mädchen gar nichts von feiner heftigen Leidenschaft und kenne ihn kaum. So ward es Winter, du erinnerst dich, daß ich am Weihnachtsabend, heute vor acht Jahren, bei euch war und dein Vater in der Stille unsere Verlobung zugab. Ich trank in meinem Glück reichlich von dem heißen Punsch, nachher in der Nacht kam ich an einer Wirtschaft vorüber, aus der ich Machwitz' Stimme hörte. Durchs Fenster sah ich ihn mit Bekannten von uns sitzen und ging hinein. Mein Herz war übervoll von dir und seiner neuen Seligkeit, ich komtt's zuletzt nicht mehr bergen, sondern bückte mich an sein Ohr und flüsterte ihm zu, was am Abend geschehen und so lange verschweigen gemuht. Bis an mein Ende sehe ich's, wie er bei deinem Namen auf einmal von mir zurücktaumelte und weiß, wie die Kalkwand hinter ihm, dastand. Er stierte mich an, als cb er plötzlich irrsinnig geworden sei, ich begriff’s nicht und frug, was er habe. Da brach er in fürchterliche Verwünschungen gegen mich aus, ich hätte mich von Kindheit auf an ihn gemacht, um mich in fein Vertrauen Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: BrLhl'sche Universitäts-Duch. und Steindruckerei, L. Lange, Dietzen. I» schleichen rmd ihn um aller zu beirügen, un>d nun beitle Ich dar letzte getan und dich ihn-, gestohlen. Mir fulj'r's wie ein Blitz herunter, und doch mußte ich zugleich tachen bei dem Gedarrten, daß er sich eingebildet, weil.er dich stumm aus der Ferne angebetet hatte, Hannchen, ohne daß du etwas davon geahnt, müßtest du ihn auch lieben. Aber seine Schmähungen vor den anderen reizten mich gleichzeitig auch—der Punsch kam wohl dazu —, daß ich sagte, wir könnten ja beide miteinander zu dir gehen, und dann könntest du zwischen uns wählen. Es war unrecht von mir, aber ich wußte nicht, wie es in ihm aussah. Und dann geriet’s weiter, so daß ich zuletzt and) aufgebracht und sinnlos erwiderte, er habe schwerlich viel Aussicht bei dir, denn du hättest mich vor einigen Dogen einmal gefragt, wer eigentlich das furchtbar häßlick-e Geschöpf gewesen sei, mit dem ich an deinem Fenster vorübergegangen. Da packte er mit ejnem wahnwitzig verzerrten Gesicht nach einem Handbeil, das zufällig an der Wand lehnte, und schleuderte cs mit vollster Kraft gerade auf mich. Ich bückte mich zum Glück, so daß es mir scharf durchs Haar flog; aber einen anderen, der hinter mir saß, traf es mitten auf die Stirn, und dieser stürzte augenblicklich leblos vom Stuhle herunter Die Sache kam nachher in der Kreisstadt vors Schwurgericht, und ich mußte als Zeige gegen ihn dabei fein; es fiel mir schwierig genug, euch 1 meine Beteiligung daran zu verheimlichen, aber ich wußte, wie du dich nachträglich erschreckt haben würdest. Natürlich sprach ich, was ich vermochte, zu seinen Gunsten: daß er offenbar trunken gewesen, daß ich ihn : gereizt, er sich von mir, wenn auch fälschlich, ruchlos betrogen und be- stöhlen geglaubt und der besinnungslose Wurf mir gegolten. Aber er 1 warf mir nur einen unbeschreiblichen Blick zu und erklärte bestimmt vor | Gericht, er habe sich vollständig nüchtern befunden und das. was geschehen, ' mit voller Ueberlegung ausgeführt. Ich sei ihm durchaus gleichgültig, der. : jenige, den er getroffen, aber fein Todfeind gewesen, und er fei am Abend mit dem Vorsatz in die Wirtschaft gegangen, dem das Geben zu nehmen. 1 Dabei blieb er hartnäckig; das Gericht konnte, trotz der Unglaubwürdigkeit seiner Aussage, schließlich nicht umhin, ihn zu siebenjährigem Zuchthaus zu verurteilen. Ich war, bis auf meine unbesonnenen Reden, schuldlos an dem Ganzen, und doch quälte mich lange Zeit bitterliche Reue. Das war wohl der Hauptgrund, weshalb ich's euch verschwieg. Da rufi's mir heute der Zufall, gerade wieder am Weihnachtsabend, wach; ich wollte lieber, du hättest keine Ueberraschung in dem Papier für mich gehabt, Hanna. Es war übrigens nicht zum letztenmal, daß ich ihn sah; einige Jahre später kam ich in der Nähe des Kreisgefängnisses über eine Chaussee, an der da und dort Sträflinge mit Ringen und eisenbeschlagenen Klötzen an den Seinen saßen und beschäftigt waren, Steine zu zer- i klopfen. Als ich an einem, der ziemlich vereinzelt saß, vorüberging, hatte ■ ich das Gefühl, als ob er mir nachsähe, und als ich mich unwillkürlich s umdrehte, traf mein Auge in einen so glühend unheimlichen Blick, daß ich jählings zusammenschrak. Ich kannte das hohle, erdfahle Gesicht nicht, das mir plötzlich, heiser vom Staub umher, zurief: „Besuchst du mich, Adolf Eisenhut? Du hast mich zum Mörder und zum Steinklopfer gemacht, kannst du noch mehr?" Es war Wolfgang Machwitz'. Stimme; nur an ihr erkannte ich ihn." Der Förster brach ab, die junge Frau hatte ihm mit einer steigenden Bangigkeit in den Augen stumm zugehört, nun schmiegte sie sich an ihn und sagte: „Es ist gut, Alf, daß du mir damals nichts davon erzählt hast, und es war töricht von mir, vorhin darum zu bitten. Ich wollte, du hättest es nicht getan; der Unglückliche! und ich trug eigentlich die Schuld." „Du nicht, gar nicht, auch ich kaum; nur er selbst, fein unheilvolles, mißtrauisches und verbittertes Gemüt." „Das sich von Kindheit auf nach Liebe gesehnt und immer vergebens", fiel sie mit schmerzlichem Ton ein. „Die reden leicht darüber, die sie besitzen; ich wollte, er stände hier und ich könnte ihm sagen —" Doch der Förster fiel ihr gleichfalls, kopfschüttelnd, ernst ins Wort: „Das wäre nicht gut, für uns alle nicht." Er schwieg einige Augenblicke, \ ehe er hinzufügte: „Es war ein Hauptgrund mit, der mich zur Ännahme dieser Stellung, so weit wie möglich von dort, bewog, denn ich wußte, es würde ein Tag kommen, an dem er —" Der Sprecher brach ab und fuhr, sanft über den Scheitel seiner Frau streichelnd, fort: „Run, laß uns nicht mehr daran denken! Es ist hohe Zeit für mich, zu gehen und meiner Waldfee das Reich hier allein zu lassen. Die Kinder werden ungeduldiger als sonst nach mir ausschauen. Seid brav, Wolfgang und Johanna, und quält die Mama nicht, bis ich komme!" Er küßte die beiden Kleinen, die der große Hund, freudig aufspringend, von sich abgefchüttelt hatte und wandte sich zur Tür. Doch die junge Frau hing sich an ihn. „Sei vorsichtig, Alf, denke immer an uns alle! Ich weiß nicht„ fonst war der Weihnachtsabend mir jedesmal der höchste Glückstag, und jetzt habe ich Angst vor ihm und wollte, er wäre vorbei." „Liebes Närrchen!" sagte er, sie ebenfalls zum Abschied küssend. Sie ging, seine Hand festhaltend, mit bis vor die Tür. Dort drehte er sich noch einmal: „Ehe es dämmert, bin ich zurück." Dann sah sie ihm nach, wie er zwischen den Stämmen verschwand. Sie horchte noch, ob sie das Knacken seines Fußtrittes auf dürrem Geäst höre, aber der Sturm ging ! zu wild in den Baumwipfeln, die er gleich Schilfhalmen saufend zusam- i menschlug. Nur bas Gebell des Hundes kam noch einigemal herüber; aus ! den Wolken fiel ab und zu ein weißes Geflock und verwirbelte im Wind. Auch drunten im Nheintal verstärkte der Sturm sich noch. Stellenweise ; riß er Ziegel von den Dächern des langgestreckten Dorfes, durch welches i der von Norden Herrn fgekommene Fußgänger in dem sackartigen, grau- , braunen Mantel jetzt entlang wanderte. Die Turmglocke läutete nicht mehr, dafür scholl ein monotoner Gesang aus dem Inneren der Kirche. Der Vor- Lberschreitende hielt einen Augenblick an und hörte auf die herausdringenden, schnell verwehenden Töne; bann ballte er plötzlich die Faust gegen die klirrenden, rundscheibigeN Fenster des ärmlichen Gotteshauses, ein höhnisches, tief in die Mundwinkel schneidendes Lachen verzerrte ihm die Lippen, und er hob den Fuß wieder. Doch ungewiß, denn er sprach gleich - daraus ein altes, zur Kirche humpelndes Weib mit einer Frage an Sie beutete Zur Antwort auf den Weg, der an der Friedhofsmauer gegen das Gebirge abbog. Als er den Rucken gewandt, drehte sie sich halb, um hinter il)m brem zu sehen; bann machte sie ein Kreuz über Stirn und Brust unb , lief zahnmurmelnb hastiger zur Kirchentür hinan. - „ Droben im Forsthaus aber war Frau Johanna Eifenhut in die Wohn- ftube zuruckgegangen. Mit unverwandten Augen sahen die beiden Kleinen ihr gespannt zu, wie sie aus dem Schrank allerhand eingewickelte Pakete hervorholte und mit denselben durch die verheißungsvolle Türe des Nebengemachs trat die sie sorgfältig hinter sich wieder schloß. Es war das Staatszimmer des Hauses, eigentlich unnötigerweise, denn es hatte ''sh noch nie em Gast darin eingef :nben. Heute sah es indes anders aus als gewöhnlich; weißgedeckte Tischchen standen drin, unb es roch zugleich nad; norddeutschem Honigkuchen unb Tannenwaldluft. Die junge Frau . wste emsig die zusammengesuchten Gegenstände aus ihrer Umhüllung. Spielsachen für die Kinder unb hübsche Geschenke für ihren Mann. Es hatte sie manchen Kunstgriff gekostet, dieselben unvermerkt Ins Haus her» • aus gelangen zu lassen, um ihn wie früher am Weihnachtsabend auch , hier m der Schnee-Einsamkeit zu Überraschen, unb sie hatte sich selbst i wie ein Kmd noch über ihre angewandte List und auf fein Erstaunen gefreut. Aber wie es jetzt dicht beoorftanb. war ihr die rechte Fröhlich- ,,Iver,9an9en- 6le ebnete die Sachen auf den Tischen, dock) die Hände , vollbrachten es mechanisch, ihre Gedanken waren nicht freudig dabei. Manchmal hielten ihre yinger geraume Weile inne, unb sie murmelte vor sich hin: „Um meinetwillen —" I Der Wind rüttelte ungestümer, als sie ihn hier noch erlebt, um das i)aus. Ab und zu machte er eine kurze Pause, bann klang es burch die fctille wie ein Pochen an den mehr und mehr dämmernden Sdteiben, daß me junge Frau einigemal unwillkürlich leicht zusammenfuhr. Sie sagte halblaut: „Ich wollte, ich hätte die Marianne nicht gehen lassen." Die Kinder nebenan saßen stumm vor glücklicher Erwartung. Bom Flur kam ein Heller Wachteljchlag, darauf rief die Kuckucksuhr viermal, dann war alles wieder still. Es faßte Johanna plötzlich, daß fie auhprana unb in die Stube zu den Kleinen hinüberlief, sie wußte nicht weshalb. Weder hier noch sonst hatte sie bis heute je Furcht gekannt. 'Jlun saß sie am Fenster und hatte den Knaben auf dem Schoß, bas Mädchen stand neben ihr. Sie blickte hinaus; draußen wirbelten jetzt dichte Flocken. „Das ist schön um Weihnacht, schütteln die Engel ihr Bett aus?* laste Die kleine Johanna unb griff mit dem Händchen an die Scheibe, als ob sie eine von den weihen Daunen Haschen könne. „3a," antwortete die Mutter, „sehr schön, das tun sie, Hannchen", unb pe druckte bie Stirn fest an bas Glas, um hinaus in die Ecke zu sehen. Die Wachtel rief wieder unb der Kuckuck, beide zweimal. „Kommt der Papa denn nicht bald?" fragte der kleine Wolfgang; „ich werde sonst müde, Mama". Die junge Frau fuhr mit dem Kopf vom Fenster zurück; bas Zwie- Uchi draußen war so dunkel geworden, daß sie kaum ein halb Dutzend Schritte vom Hause noch etwas unterschied. „Er sagte, wenn es dämmerte, Wolfgang — er wird jeden Augenblick — es dämmert noch nicht sehr —* „Doch, Mama, es ist schon ganz dunkel, siehst du's nicht?" sagte das Mädchen. „Nein, das tut nur der Schnee, Johanna, der Himmel muß noch ganz hell sein." Sie war aufgeftanben. „Schlafe nicht ein, Wolfgang, freust bu dich denn nicht auf die Bescherung?" „Es dauert so lange", meinte der Knabe. „So kommt!" Ein gezwungenes Lächeln glitt um bie Lippen der Mutter: „Du willst ja gern die weißen Federchen greifen, Hannchen; ich gehe mit dir vor die Tür, da kannst bu’s." Eilig ging sie voraus, ihr Gesicht redete deutlich, daß fie’s nicht um des Kinderspieles willen tat. Als sie bie Haustür öffnete, stob der Wind ihr Schnee entgegen unb bas blonde Haar flatternd von den Schläfen zurück; doch sie fühlte es nicht, ihre unruhevollen Augen blickten nur den Waldpfad hinan, auf dem sie ihren Mann am Nachmittag zuletzt gewahrt. Aber selbst bie nächsten Stämme schwammen schon nebelhaft ineinander. „Da höre ich seinen Schritt!" rief sie plötzlich zitternd aus; „ein Ast knackte". Die Kinder horchten. „Ich höre nichts", sagten beide. Ein Ast knackte in der Tat im nächsten Augenblick, doch nicht unter einem Fußtritt. Mit wütendem Stoß zerspaltete der Sturm bie Kron« einer alten Kiefer unfern vom Hause unb schmetterte die eine Hälfe unter schlitterndem Krach zu Boden. „Barmherziger Gott, wenn er dort ge- kommen wäre!" stieß die junge Frau unbewußt aus. Aber nun klang unverkennbar wirklich ein Schritt, freilich nicht von oben her, sondern von der anderen, dem Rheintal zugewendeten Seite. Der Erwartete mußte einen Rundweg gemacht haben unb so zurück- kommen, unb Johanna Cisenhut flog der bunfel im Gestöber auf» taudjenben Gestalt entgegen: „Gottlob, daß du da bist, Adolf!" Das Tageslicht war vorüber, nur der Schnee hellte noch unb ließ nichts erkennen als ben schwarzen Umriß des dicht Herangeschritteneu. Doch gleichzeitig stutzte dieser zurück unb ebenso bie junge Frau. Ihrem Mund entflog verworren: „Du bift’s nicht; wer sind Sie?" Der fremde Ankömmling schien einen Moment lang vom Herauf» fteigen unb dem Kampf gegen ben Sturm sprachlos erschöpft, bann versetzte seine Stimme unter dem weiß verschneiten Filzhut hervor: „Ich will über bie Grenze nach Frankreich, man hat mir brunten gesagt, ich müsse an dem Forsthaus Krähenhütte vorbei. Jst's dies?" „Ja", antwortete Johanna, und sie vergaß einen Augenblick ihr« tödliche Angst. „Aber den Weg können Sie bei Nacht und Schnee nicht finden. Sie würden in ben Tod gehen. Ruhen Sie sich bei uns im Haufe aus!" Er stand unschlüssig und entgegnete: „Ich habe schlimmere Wege gemacht; ist niemand drinnen, der mir bie Richtung zeigen tarnt?" (Fortsetzung folgt.)