SiehMrZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Lietzener Anzeiger Jahrgang \92l Samstag, den l8.Iuni Nummer 48 3m Schein der Geschichte, Non Johann Gottfried Herder. Flamm' auf, du Acht der Zeiten, Gesang! du strahlst Vom Angesicht der Vergangenheit und bist Mir Fackel, meinen Gang dort fürder Zu leiten! Dort, wo die Zukunft graut, Wo ihr Haupt der Saum der Wolke verhüllt, wo Erd' und Himmel Sich weben, als wär' es eins! Denn was ist Lebenswissen! Und du Der Götter Geschenk, Prophetengesicht, und der Ahnung Borsingende Zauberstimme! Mit Flammenzügen glänzt In der Seelen Abgründen der Vorwelt Bild Und schießt weit über weissagend starkes Geschoß In das Herz der Zukunft. Siehe, da steigen Der Mitternacht Gestalten empor! Wie Götter aus Gräbern empor, Aus Asche der Jugendglut, die Seher! Sie zerreißen Mit Schwsrterblitzen das Gewölk! Sie wehn Im Blick durch die sieben der Himmel und schwingen sich herab! Dann liest der Geist in seines Meers Zauberspiegel die Ewigkeit. Bildnis der KKifsrin Konstanze- (1154—1198). Von Albert H. Rausch. 1. Darstellung. Konstanze, die nachgeborene Tochter des großen normannischen Königs Roger II. war die einzige rechtmäßige Erbin des sizilisch-apulischen Reiches, nachdem es sich erwiesen hatte, daß die Ehe ihres Neffen, des regierenden Königs Wilhelm II., kinderlos bleiben würde. Zwar lebte noch ein anderer Neffe, Tankred von Lecce, der Sohn ihres verstorbenen Stiefbruders, des Herzogs von Apulien. Aber Tankred war unehelicher Geburt, also von der Erbschaft ausgeschlossen. In einer unbegreiflichen Starrheit hatte der sonst so weitsichtige und menschliche König Roger II. sich geweigert, die Verbindung des Herzogs von Apulien mit einer durch ihre Schönheit berühmten Geliebten aus altem Adelsgeschlecht in eine rechtmäßige Ehe zu verwandeln: ja, er hatte sich einem solchen sanktionierenden Schritt — offenbar, da es sich um seinen Erstgeborenen handelte, dem er zu einer politischen Heirat ausersehen hatte — mit aller Gewalt widersetzt und sogar die Liebenden zu trennen versucht. Aus dieser Hartnäckigkeit ent- j sprang der Untergang seiner Dynastie und seines Reiches. Denn wäre Tankred, sein Enkel, unzweideutig rechtmäßiger Erbe von Sizilien und Apulien gewesen, so würde wohl niemals der mehr als durchtriebene Barbarossa beim kinderlosen König Wilhelm II. um die Hand der Erbin Konstanze für seinen Sohn Heinrich VI. angehalten haben. Die normännische Dynastie hätte sich in gerader Linie.fortgepflanzt, zumal Tankred zwei Söhne mit seiner rechtmäßigen Gattin, der Gräfin von Acerra hatte, und dem blühenden Reich wäre die furchtbare Vergewaltigung erspart geblieben, die noch heute den Namen Heinrichs VI. mit Fluch und Abscheu unter dem Volke belädt und auch durch die milde und liebevolle Herrschaft Friedrichs II., Heinrichs Sohn von Konstanze, nicht vergessen gemacht werden konnte. Die Eroberung Siziliens, das keinen fremdblütigen Herrscher wollte, durch Heinrich VI. ist, neben der Vergewaltigung der Lombardei durch Barbarossa, das trübste Buch in der hohenstaufischen Geschichte. Konstanze war, als letztes, nachgsborenes Kind des großen Roger, im Jahre 1154 zur Welt gekommen. Ihre Kindheit fiel also in die Regierung ihres Bruders Wilhelm L, der schon 1166 starb, ihre reifere Jugend unter die Regentschaft ihrer Schwägerin, der Königin-Witwe Margareta, einer geborenen Prinzessin von Navarra. Außerordentliche Wirren kennzeichnen die Jahre dieser Vormundschaft, während derer Stefanus von Perche, Günstling und Liebling der Königin-Mutter, das Amt des Großkanzlers innehatte. Die Partei der normännischen Großen wollte von diesem Ausländer -- er war Franzose — nichts wissen, und ruhte nicht eher, als bis er beseitigt und zur Rückkehr in seine Heimat gezwungen war. Auch Pierre von Blois, Freund des Stefanus und Erzieher des jungen, kaum sechzehnjährigen Wilhelms II., verschwand mit seinem Landsmann. Die Schilderungen, die er nach seiner Abreise über die Parteizwistigkeiten am Hofe von Palermo gab, mögen übertrieben und als von „ressentiments" durchsetzt erscheinen: Sie lassen jedenfalls erkennen, daß die Stellung der Dynastie innerhalb der verschiedenen Parteiströmungen schwierig war und nur eine sehr starke Faust oder ein sehr kluger Kopf die ewig untereinander verfeindeten Adelsklüngel zu zügeln vermochte. Die normännische Nationalpartei hatte ihren Führer in dem Groß- ">nzler Matthäus- Ajellus, demselben, der eine bedeutsame Rolle bei der Vertreibung des Stefanus von Perche gespielt hatte, und nun, nach dessen Sturz, das wichtigste Amt des Staates in Händen hielt, die Freunde der Hohenstaufen dagegen scharten sich um den Erzbischof Walter Offamilio (Walter of the Mill), einem geborenen Engländer. Niemand so sehr wie dieser letztere befürwortete vor dem König Wilhelm II. die Ehe der Son- stanze mit Heinrich VI. Da er die Zerrissenheit des sizilisch-apulischen Parteiwesens aus eigner Erfahrung kannte, sah er in der Vereinigung der normännischen und ghibellinischen Krone die einzige Möglichkeit, dem Reich gegen die ununier- brochenen Umtriebe der Barone ein geordnetes und fruchtbares Weiterbestehen zu sichern. Die Werbung Barbarossas um die Hand der Prinzessin Konstanze für seinen Sohn Heinrich erfolgte im Jahre 1185. Es war ein harter Kampf, welcher von dem deutschfeindlichen Kanzler Ajellus, einem leidenschaftlich bewegten Lateiner, und dem hohenstaufenfreundlichen Erzbischof Offamilio um das Rein oder Ja des Königs ausgetragen wurde. Der Erzbischof siegte, und Wilhelm gab seine Einwilligung zu der Ehe. Heinrich sollte nur die Nolle des „Prinzgemahles" spielen, wie in dem Ehevertrag festgesetzt wurde, die sizilischen und apolischen Feudalen wurden dazu gebracht, das Abkommen zu beschwören. Wilhelm !I. war im Jahre 85 einunddreißig Jahre alt. Wer konnte, als das Schriftstück aufgesetzt wurde. Bannt rechnen, daß er schon vier Jahre später sterben würde? Auch Konstanze willigte in die Pläne des Kaisers und des Königs ein. Die Hochzeit wurde am 27. Januar 1186 mit außergewöhnlichen Pomp in der Kirche St. Ambrogio zu Mailand gefeiert. Drei Jahre vergingen ohne besondere Geschehnisse. Nach dem Tode Wilhelms II. (1189) aber ereignete sich folgendes in Sizilien: Der Grohkanzler Matthaus Ajellus, der schon die Heirat der Prinzessin Konstanze mit Heinrich verhindern wollte, berief die Feudalherren nach Palermo und setzte ihnen auseinander, daß die Anerkennung der hohenstaufischen Rechte ein Ding der Unmöglichkeit sei. Wenn man den Großen vor drei Jahren auch den Eid a&gerungen, die verhaßte Verbindung anzuerkennen und sich der gemeinsamen Herrschaft des Paares zu fügen: so habe natürlich, wenn es um das Wohl des gesamten Reiches gehe, ein solcher Eid nicht die geringste Bedeutung. Don jeher habe außerdem der Normanne das Recht aus- geübt, sich feinen König nach Gutdünken zu wählen. .Und von diesem Recht wolle man nun um so mehr Gebrauch machen, als der zu erwählende König ja niemand anderes sei als jener Tankred von Lecce, der rechtmäßige, wenn auch uneheliche Erbe der Krone. Wolle man eine zum Regieren unfähige Prinzessin, wie Konstanze, welche sich auf die Veite der Landfremden schlage, einem durch seine Tüchtigkeit anerkannten und edlen Manne vorziehen? Gr erreichte, was er wollte, denn er hatte das ganze Volk und die Großen für sich. Die warnende Stimme des Erzbischofs Offamilio. der auf den Eidesbruch und seine schweren Folgen Anwies, wurde nicht gehört. Tankred hielt mit seiner Gemahlin Sibylle und seinen beiden Söhnen Roger und Wilhelm, seinen Einzug in Palermo, wo er im Januar 1190 gefront wurde. Damit war der Anlaß zum kriegerischen Eingreifen des Kaisers gegeben: und die ersten feindlichen Ereignisse liehen nicht mehr lange auf sich warten. Sofort nach der Krönung Tankreds von Lecce hatte Heinrich Anstalten getroffen, die Unbotmäßigkeiten der apulischen und sizilischen Großen, die ihren Eid gebrochen hatten, zu bestrafen. Da er im Frühling 1190 noch nicht das Heer zusammen hatte, dessen er zu einem solchen Zuge bedurfte, sandte er zunächst einer seiner Statthalter den tuskischen — zur Eröffnung der Feindselgikeiten voraus. Unter Schandtaten wird einer Art der Kriegführung, die den kaiserlichen Namen im ganzen süditalienischen Land verächtlich machte, marschierte das Heer vor, muhte aber den Rückzug antreten, als es von tödlichen Seuchen befallen wurde. Die Normannen, unter dem Grafen von Acerra, blieben Sieger. Gott selbst schien für sie Partei ergriffen zu haben, als er die Krankheiten ausbrechen ließ. Gott schien zum zweiten Male fernen Willen kundzutun, als er dem Heere, das Heinrich selbst ein Jahr später über die Alpen führte, in Apulien ganz das gleiche Schicksal bereitete. Auch nun war Umkehr nötig — mochte auch in Apulien hie und da eine Besatzung bestehen blechen. Während dieses Feldzuges nun, auf dem die Kaiserin ihren Gatten begleitete, da vor seinem eigentlichen Beginn die Krönung des Paaves in Rom stattfinden sollte (und auch stattfand), trat das Ereignis ein, das besondere Beachtung verdient: Die Bewohner von SÄltztzw hakten der Kaiserin ihre Stadt zum Aufenthalt angeboten, mn ihr während der Belagerung von Neapel bas Derweilen Bei dem verseuchten Heere zu ersparen. Heinrich nahm die Einladung an, und Konstanze verbrachte viele Wochen in der Stadt. Äls nun der Kaiser Anstalten zum Aufbruch nach Oberitalien traf, m»d seine Gemahlin abholen lassen wollte, lieferten die Salernitaner sie an dein König Tankred von Sizilien aus, offenbar in der Absicht, sich deffen Der- Zrzrlren. Von Emil Ludwig?) Palermo. zeihuna für den Abfall zu Heinrich zu erwirken. Vielleicht auch, hnÄ tnnhrfdieiTilidietß ift, Quf OlTiftiften (^eutxil^ ^en die. Mses ahnmd, das kostbare Pfand als Sichtung gegen jede Gewalttat des Kaisers in Händen b^en Wollten jedenfalls bereitete Tankred seiner Tante einen Empfang, wie sie ihn sich nacht L konnte und gestaltete ihr den unfr-rwllllgen Aufent- balt in der Heimat so schön, als es ihm möglich war. . ^ Hllnllch dm immer noch ohne Leibeserben War und, um ferne Ausbrüche aufrechterhalten zu können, jede Mißdeutung der Ab- wesenheir seiner Gemahlin fo rasch wie wvglich beseitigen mußte, hatte den Papst um Vermittlung zwecks AüEendung der .Karserrn bä Tankred gebeten. Lind das plnfahlrche geschah: Tankred lleß sie abreifeir gegen jede anders Bürgschaft als rhr Versprechen, d^n Heimweg über Rom zu nehmen und durch päpstliche Vermittlung den Frieden zwischen ihm und dem Kaiser, also die Anereennung des bestehenden Zustandes, zu erwirken. Er war gutgläubig wD edel genug, zu erwarten, daß eine wirklich großmütige Handlung die entsprechende Gegenhandlung auslösen, müsse. Sein früher ^.od im Jahre 1194 — kurz nach dem Tode seines alteften Sohnes, des Kronprinzen Boger — hat es ihm erspart, die ftirchterliche Enttäuschung zu erleben, welche seine Güte ernten sollte: Konstanze reiste, ohne Rom zu berühren, auf kürzestem Weg nach Deutschland zurirck Erst im Jahre 1194, kurz nach Tankreds Lod (Februar 94) 'fanb Heinrich nach der Herstellung des Friedens mit Heinrich deni Lowen die Möglichkeit, den im Jahve 91 gescheiterten Heereszug zu wiederholen und bis zum äußersten Erfolg durchzufühven. (Schluß folgt.) Corso. Spanisch würde ich sie nennen, diese Stadt, zuweilen arabisch, selten italienisch. Das spüren sie selber: deshalb wollen sie dre Sizilianer Autonomie. Wer nach Rom Palermo wiedersreht, suhlt, warum zwar der Römer sich dieser Insel versichern will, die er nie besuchst warum aber die Insel, deren Kapital meist nach England reist, nut Rom nichts zu tun haben mag. Denn Palermo la Felice, stolzer uno viel schöner als Reapel, hoch und kühn, doch Heller als Genua, gartenreich, doch sauberer als Florenz, ist selbst vom Meeresstrande nicht überredet worden, ein Phantasma zu werden wie Venedig. Keine Stadt Italiens fragt weniger nach dem Fremden, hier wird er weder verwöhnt noch übervorteilst Sie sind eben ein Viertel Spanier, ein Viertel Sarazenen, em Viertel Araber und nur ein Viertel Italiener, um von den übrigen Prozenten dieser interessanten Blutmischung in einzelnen Sizilien zu schweigen. jie gvo^e Komödianten hervorbringen, mit denen sie ganz Italien anführen, könnten sie auch Straßmisanger haben. Doch dies ist kein nobles Meller, die lassen sie sich aus Reapel kommen, warten zu Hunderten um den eingewanderten Da- *) Der bei Ernst Rowohlt, Berlin, mit schönen Bildern erschienenen Reuauflage des reizvollen Reifebuches »Am Mittelmeer entnommen. jazzv herum, der auf der Drehorgel steht und feine Couplets eher spricht als singt, als Ladro mehr gekleidet als geboren; abends zE er fick aut an denn der Corso hat ihm viel zugeworfen, und speist wie im ^Film. Auch handelt kaum ein Kutscher, Schuhputzer um den Preis er nimmt, was man angemessen gab. Sie sind provinziell. Obwohl eine halbe Million hier, lebt, wovon jeder sich als Haupt einer königlichen, unabhängigen Mittelimerinsä fühlt, wirken Straßen, Anzüge, Zeitungen, Militärs wie w Süßigkeiten verkaufen jeder Ecke, immer ersten Ranges, und dichter als selbst im Orient dränaen sich hier die Männer daran, als ob es Zigaretten waren. Während alles andere spät öffnet und zeitig schließt, sind inefe fabelhaften Cremetempel sechzehn Stunden offen. Spanisch das heißt auch monarchistisch Rom hat beuiah^ keine Denkmäler von Fürsten, und bie Päpste '^ven in deii beiden Grab^ kirchen. Außer dem neuen weitz-goldenen Monstrum, dessen. tontgl^^ Pserdeschwanz den Rekord unseres wilhelminischen rmtet Maentlich nur jener Kaiser in Bronze auf einer römischen MWa, der auch nur durch Zusall aufs Kapitol kam denn "ianhielt tiefen großen Heiden Marc Aurel für einen allerchristlichen KonstaichMÄ. In Palermo stolzieren, genau im Zentrum, an den Quattro Canll, wo sich die Corsi schneiden, vier Könige zwischen ie einer Ja^eszeit und einer Heiligen, also standesgemäß, aus den Corso hinaus. Ein bißchen auswärts aber blickt ein anderer auf das GüvinE nieder; es ist beinah unbekannt, dies herrliMte Denkmal em« stehenden Mannes. Denn wer kennt Livolsi, der um 1630 gotz und damit in eine Reihe trat mit den großen ^^nern die ihm E anderthalb Jahrhunderte vorausgingen. Es ist Karl v m grün« Bronze, klein, aber er sieht freitote eine 2fahfe, der Mode feiner Sage, auf den Spazierstock Wie deutsche Fürsten, nicht affektierst wie» Kunst ^»»ndlich Sttaüe xu stehen pflegen, sondern leicht, hochmütig, selbstv 1 w, wte kin WelLn M'nicht wie ein König im Gymna Ei geteM wird. Dies ist weit mehr als nur der nonchalante Ätelstokrat, d^ll das reaktionäre Genie, der Erbe zweier Reiche. Das ist ^utyeW ff CÄ i® fe Häuter erlauben der Straße, durchzulaufen. Schmal hebt s^ We Fläche zwischen, ihren Mauerschatten auf, doch je naher man kommt, um so tiefer sinkt diese Flache. Das ist das blaue Meer. Das Grab des Kaisers. Aber am Ende erhebt sich ein Dom und man glaubst plötzlich ^ Dambera zu stehen oder in Canterbury: Spitzbogen Strebepfeil«, nordische Türme Walt« of the Mill hat ihn gebaut, ein englischer Bischof Magisches Wechselspiel von Rord und Sud, zu ‘tem j gewollten Segen einer eigenen komplereb. der sizilianischen xuuu 8U 8R^ch.,,tsckland kommt mir der Einfall kaum, Kaisergräber M suchen auch bietet Speyer nur halben Genuß ^e mehr ich mich von Deutschland entferne, um so kostbarer lockt Mche Seltenheit Mein erster Weg am Morgen füyrt zum Dome. Wmide^ llch miorgan cher Kolossus. Jst^s nicht, als hätten die fiebm S°h« Tancreds von Hauteville - ober waren es acht - die erstrni glück- lichen Rormannen im Süden, ihre Schnsucht m ®cstalt Vieler !H Dogen hierhergebracht auf ihren Phantastischen zückende ParaLxte. diese Bogen der Saint-Chapelle diese Pfeller von Reims und Köln gegen das blaue StEmgewolbe auss cm 7-NKZ-» °P-»- “""S h, SÄ <=n« m.6?.«m« dieses kalten, kalkig renovierten Innern, zur Linken in die Kap der Hohenstaufen einzubiegen; wie mnen deutschen Pckger giey mtd} Flledllchs'de?°Größten''Purpursarg ist der erste, von ihm feM gezeichnet, schöner, reifer, reicher als der seines Großvater ,oer dahinter stehst Doch der ist ergreifender aus mn Paarsp°rphyrquadern nach oben aufgebaut fchlicht, auf wechen Fußen. Daim Heinnch und Konstanze von Aragon, Friedrichs erste Gatlln. Doch oie Seele allein bei dem einen. „ ,.„x unter Erstaunliche Wiederholung, daß unter HvHenstaufen und um Hohenzollern jedesmal nur ein Genre war, und beide Male wev es Friedrich II. Der schönste, der tapferste unter dm deutschen Kalle zugleich der modernste, Denker und Kämpfen Dichter, K S« Philosoph, Abenteurer der Seele und Antichrist, drerma und Vater von zwei Dutzend natürlichen Kindern, deren zwischen Jerusalem und Flandern geboren sind und deren K Friedrichs Blut um den Erdball trugen, als Ware es s ulkest Dieser Astrolog, Träumer und Forscher, die,er Genießer und »M dessen wahre Geschichte noch feine Feder schrieb, etwas wie Lim doch im Mittelalter, etwas tote Goethe, doch um W°, Mger man es sagen — Glückliche, well « des Lebens lleberfluß .na nicht davon trunken ward: großes Vorbild Sizlliens, kaiserl , Vielleicht ist nichts der Hoffnung ähnlicher als eine Küste im Morgenlichte der dein Schiff sich nähert. Verspricht sie nM mehr jene, die du an einem dunklen Abend verließest? Verspricht sie nicht mehr, als sie je halten kann? Rasch und mit beschwingtem Willen strebte Heute früh der Dampfer nach Palermo, und wie der Blick bie leicht verschwommenen ßuuen des Berges faßt, die der Morgennebel zu besiegen sucht, wie dann Ducht und Kap, Tal und Höhe sich leise Nären, spricht das hoffende Herz: Möchten wir doch niemals landen! Immer dem holden Morgen- bilde zueilen, das in gelagerter Bläue vor uns schwebt, em magisches Versprechen! Oder auf einen jener beiden alten Segler verseht werden, die sich vor uns anschicken, mit bedächtiger Schnelle hinauszugleiten, immer weiter, Herren und Diener des Windes, germgschagig auf unseren Rauch herüberblickend, den bas Gehirn des intelligenten Tieres erfunden hat, um des Windes zu fpotten. Dennoch mag ich auch diese weißen Walfische gern, mit ihren großen, schrägen Flossen; und wenn sie leise zittern von ihrer eigenen bezähmten Kraft, erinnern fie an Männer vor Frauen. Eine Rächt hatte es uns behütet, das tapfere Schiff, um uns aus Reapels grauenhaftem Getümmel, aus Schmutz und Betrug in diese helle, reinere Küste zu führen. Wieder hörte ich — nach sechs Jahren binnen.an- bischer Gefangenschaft — die Freiheit des Meeres an die Eisenwand der Kabine rauschen, wieder wechselten Licht und Schatten auf der weihen Decke über mir — nur das Gebrüll von dreihundert Reapler Studenten, die die Rächt zerstampften, bis fie Midlich auf Deck umfielen, trug Prätentionen und Rarrheiten des festen ^andes bis hier heraus. Taub gegen alles, außer gegen ihre eigne, ziemliche tumbe Jugend, glaubten fie, sich abends als Patrioten zu geoatoen, weit sie ihre bunten Mützen zu immer neuem „Aiaha!" schwenkten. Plötzlich, morgens, fängt der Horizont an, sich Zu drehen, langsam biegt das Schiff südwestlich ein — und mit einem Mate steigt eilte Stadt, bequem gelagert zwischen den Kaps, aus dem Morgennebel. Die Kuppel mit dem Glockenturm sucht der erste Blick, unter der das Grab des Kaisers ruhen mutz, dessen Porphyrsarg ich hier vor beinah zwanzig Jahren schimmern sah. Aber ein Riefenschornstein schiebt sich vor, alle Pietät verscheuchend, und die barocke Linie des allzu berühmten Monte Pellegrino, der uns enttäuscht wie fast alle jene „Veduten", die unseren Vätern Italien bedeuteten. > des 2 vorur Grab Der 2 Man i dieser raufe Wun ..Ma Denso irider und ‘ scheu viele Den < oder mehr und verze ( bas ■ Du« fress« mehr denn ist d moso strah Zere Erol ein, täne ihre der sich Kup so e meh feint land Küh gen Rai Kan mob hock hock mei sie Psi und stetz uns An Stc wie reif in der sitz' t>en $u 1 Täl nöri Rvi Del toei gui toü dis! tob bei Rc NU B« an Zi an K- &e® Nordens, die nach Süden drängte, erster Europäer ohne Nassen- Vorurteile: den Kranz verspäteter Enkel auf die Porphhrstufen deines Grabes, Ich trete in die Sonne hinaus, es ist zwölf, die Jungen balgen sich, Der Marmvrsitz an der Böschung ist Warin vom Mittag, Durchwärmter Marmor: das war ein Wunsch aus Friedrichs Seele. Das ist eilt Gleichnis Siziliens. Der ideale Raum. Bon den Normannen ist hier nur gewiß, daß sie die Finattziers dieser fabelhaften Unternehmungen waren, Kapitalisten oder Seeräuber, die den Fundus uralter Kultur in Notation brachten, damit Wunder daraus entsprangen. Wo mag der edle Admiral, der die „Marmorata" baute, das Geld zu dieser Kirche gefunden haben? Jedenfalls hat sein Baumeister die Quadratur des Kreises vollbracht, indem er die Kuppel auf Las Quadrat der vier Spitzbogen setzte und die Seiten zwischen den Bogen mit herrlich undefinierbaren Nischen verwischte. Roger aber, der Zweite, der seinen Bruder umbrachte, wie so viele Könige nach Kain, dieser Normannensohn, der die Insel von den Sarazenen „befreite", wie Viktor Emanuel die Bozener Bauern, oder Wilhelm II. die Polen, Roger also, dessen Kriege niemand mehr interessieren, kommt auf die Nachwelt durch eine Kapelle und durch ein Zimmer: dafür wird man ihm sogar sein Heldentum verzeihen. Eine Art Turm ist das Mittelstück jenes weitläufigen Schlosses, bas sich links als Renaissancepalast, rechts als Barockraum entwickelt. Durch die bekannte Flucht von Zimmern mutz man sich zuerst fressen. Dabei seufzt der königliche Diener, weil das Schloß nicht mehr königlich ist und er nicht Weitz, wer ihn morgen bezahlt: denn der König Hat ein paar Schlösser „seinem Volke" geschenkt. Rogers Zimmer endlich oben im Turm, nicht grotz, doch hoch, tst der vollkommene Wohnraum des Südens: Marmor und Gold- mofaik, doch ohne hieratische Note, ganz weltlich, Heiterkeit und Eleganz strahlend. Da Heilige in diesen Lust- und Luftraum nicht passen und Zeremonialien noch minder, fielen jenen befreiten Arabern, die dem Eroberer die Laune schmücken mußten, ihre persischen Gedichtbücher ein, und Leoparden und Pfauen, Schwäne und Zentauren, Fontänen und Sterne, gestutzte Rosenbüsche wie in Schiras zauberten ihre geduldigen Morgenländerfinder an diese Wände, und wie sich der mäßige Raum in diesen Bildern erhebt, eine tiefe Fensternische sich ausbiegt, ein paar eingebaute Gestühl« sich reihen, eine leichte Kuppel, klein, sich wölbt, alles von weißem, gelbem, rotem Marmor: so erneuert man im Geiste bas ganze Rogerschlvtz, von dem nichts mehr sieht als der Turm und vom Turm nichts als das. Zimmer in seiner Marmorschöne, kühl und heiter, vollendet. So muß der Nordländer im Süden leben, wenn er sein« heimatliche Kargheit, sein« Kühle mit Stolz in die eroberte Welt eines heißeren Genusses tragen will. Wundervoll, wenn man in lächerlichen Schlotzpantoffeln diesen Raum und die parkettierten Spaniersäle durchschlürfen muh und der Kammerdiener mit der schlüpfrigen Ehrfurcht alter Kastellane das moderne Köirigsehebett herzeigt, „ci-devant Genius der Zeit". Quer durch die Insel. Roch immer Hausen die alten Götter auf dieser Insel; sie allein vermag dem Fremden, der Griechenland nicht kennt, ein Stück davon zu spenden. Demeter vor allem breitet den Segen über diese weiten Täler, die den Teppich des Reichtums von den Derggürteln der nördlichen Küste bis zu den Küsten des Südens niederrollen. Im Norden, wo die Flut geringer, das Meer geschlossener, wachsen die Reben bis zwei Meter izahe der Brandung; buchstäblich aus dem weihen Dünensand« ragen die Stöcke und bringen dennoch Trauben. Beweis« schließen sich Gemüsebeete an, Tomaten mehr als Hand- (im Februar). Salat und Lauch zwischen den Reben, meter- schön die Fava, die Dohne, lila blühend; und alles, was sich meilenfern daran schließt, breit, gelagert wie Abundantia, und über sie strebt, das sind Weizenfelder. Pflaumen tragen schon Blätter, Pfirsiche grüne Früchte. Mandeln, Birnen überblühen den Weizen, und dazwischen strecken sich immergrün die pathetischen Gärten der gelben Limone und immergrau die romantischen Wälder der Olive, die mit SWerfingern aus uralten Bäumen in die Bläue weist. Wo wohnen die Menschen, all diese Arbeit zu tun? Einzelne stehen auf den Feldern neben gesunden Eseln und Maultieren, fast unsichtbar bleiben die seltenen Gehöfte: zuweilen glaubt man durch Anatolien zu fahren, bei Tarsus, wo es fruchtbar ist; Dörfer und Städtchen, baumlos, die weihen Häuser mit verschlossenen Fronten, wie in Tunis, zeigen ihr Innenleben nicht. Auf den weißen Strahen reiten manchmal Männer, selten Frauen, rittlings auf ihren Eseln in die Stadt, den Frauenschal wie einen Burnus umgeschlagen, auf dem Kopf« di« spanische schwarzgestrickt« Zipfelmütze, auf Sätzen sitzend, rauchend, stumm. Blühend strömt ein rosa Mandelgarten dahin, mit weißen Mar- gueritenfeldern unterbaut, Orangen stehen abgeerntet und fangen wieder an zu blühen, Limonen aber hängen noch, wahrhaft hesperi- difch, wie auf den Fresken von Marees. Rur die Feigen stechen nackt wie graue Gespenster in dies farbige Wachstum und scheinen neben den Platten leblosen Blättern der Kakteen eine Mahnung an di« Nähe der Tropen. Weiter ins Land hinein gegen höhere Hügelketten zu herrscht nur noch das gelbe Korn, aus dem, wie gestürzte Gigantentwürse, graugelbe Felsblöcke ragen, von den waldlosen Gipfeln gefallen. Kleine Flüsse haben sich ihr Bett ins Tal geschnitten, und von den Bergen senken sich graue Schluchten: dort wohnten Kentauren, und am Abend kamen sie zur Furt herab, zur Tränke. Heute laufen weihe Ziegen durch den Dach, dem Hunde nach, zu dornumhegten Hürden, andere Hunde laufen ihnen entgegen; die rote Anrphora auf dem Kopfe, steigt ein Mädchen herab, um zu schöpfen, Steine Wirst der Hirtenjungen aus dem Wollcape nach den Zicklein, die sich ver» stiegen, und ein Alter schließt das Bild auf grauem, zartbeinigem Esel. Lleberall leuchten die Blumen der Persephone, blaue Anemonen und gelbe Dergnarzissen. Appolons schöngehörnt« Rinderherden, schwarzbraun behaart, großäugig und statuenhaft, schauen dem lang* Tarnen Zuge nach, und der Hirt, auf den antiken Stock gestützt, zeigt keine Sehnsucht im Blick, als er das moderne Fahrzeug der Küste zufauchen sieht. Doch auch Hephaistos lebt noch hinter den grauen Wänden und schickt den gelben Schwefel, den er einst in seiner Este siedet«, in die Eisenhäfen der neuen Dielt. Städte liegen zuweilen auf den Spitzen der Hügel, flach und grau gestuft, mittelalterlich steinern, mißtrauisch, dumpf blickend. Wer wohnt dort? Harte Geschlechter erdenkt sich der Smn für sie, di« vielleicht den Segen der Götter nicht achten. Da blaut es wieder wie Poseidons Welt: plötzlich hat sich aufs neue das Meer, das wir am Morgen verlassen, geheimnisvoll am Abend an jener anderen Küste aufgetan, wieder fühlt man die Insel. Wie Schwäne, die gegen den Wind ihre Flügel öffnen, liegen weihe Segler darauf, und man Weitz, die sind in Akragas zu Hause, der Stadt des Empedokles-Agrigententum, das einst stolze — und der erste Blick in den Abendhimmel läßt die Silhouette dessen erkennen, was blieb von Girgenti. Sie ist «in Garten, diese Insel der Gärten, und aus steinumhegten Gehöften dringt das Lied der Mädchen auf, die jäten und trockenes Holz sammeln: „La gioia d'amore" — doch wie ich vorüberkomme sehe ich, sie sind kaum zwölf. Don überall taucht in diesen stillen heißen Lavaseldern das Lied empor aus den barocken Kaktushecken, aus dem süßlichen Geruch der Luzerne, hinter den Schnörkeln spanischer Hofgitter. Aus Sarazenenfenstern dringt es, in deren bröckelnde Schlotzwand Bauern ihre Hütten bauten, aus verschlossen dunkeln Rischen spanischer Kapellen auf römischem Grunde — doch da liegt plötzlich auf mäßigem Hügel, ein gutes Stück unter uns, goldgelb im Abendlichte — der Tempel. Rascher fällt das Dunkel in diese Breiten, ich sterge hinaufm die engen Strahen mit ihren schwindligen Kvrsostufen, mit den hohen Terrassen, schrägen Treppen, Kirchen und Palästen, etne andere Welt, nicht die meine. Nur noch ein rotlila Wühlen ist über dem Meere zu scheu, daraus erhebt sich ein Schatten, em Fels: Pantellaria, die Insel. Dann ein Streisen, schwach verdämmerns, doch wirklich: Das ist Aftika. Heinrich VI. und die Eroberung Siziliens. Die Persönlichkeit Heinrichs IV. ist in der Geschichtsschreibung von jeher lebhaft umstritten gewesen. Friedrich Barbarossas, des großen Staufenkaisers, Sohn war schon seinen Zeitgenossen in mancher Beziehung ein unheimlicher, schwer greifbarer Charakter, seine Politik eine Streitfrage bis in unsere Tage. Am treffendsten hat ihn vielleicht Karl H a m p e, der beste moderne Kenner der Staufengefchichte, charakterisiert, wenn er schreibt: „Seltsam hebt sich die Persönlichkeit Heinrichs IV. ab von der des Vaters, neben dem jugendfrischen Greis der frühgereiste Jüngling, neben den, Helden die Charakterfigur! Von Friedrich zeitig in die große Politik eingeführt und selbständig mit wichtigen Aufgaben betraut, zum Mitreqenten erhoben und zuletzt als Vertreter im Abendlande zuruckgelassen, tritt er uns jetzt mit seinen 25 Jahren als ein völlig Fertiger entgegen. Der magere, schwächliche Körper, das bleiche, ernste, fast ban- lose Antlitz, das ganz von der mächtigen Stirn beherrscht wird, verrät die Gedankenarbeit des Staatsmannes, nicht die Faustkraft des Kriegers. In der Tat ist von dem reicheren^harmonischen Wesen des Vaters hier nur eine Seite in großartiger Steigerung auf Kosten aller anderen Eigenschaften entwickelt: der Sinn für Macht und die Kunst staatsmanni- schen Handelns. Wenn die kurze Regierungszeit einen vollgültigen Schluß gestattet, ist die Fähigkeit, die politischen Gelegenheiten beim Schopf zu fassen, die Mittel haarscharf abzumessen, die größten Wirkungen mit dem geringsten Einsatz zu erreichen, aber die letzten Ziele nur um so weiter zu stecken, vielleicht niemals einem mittelalterlichen deutschen Herrscher in solchen Grade zu eigen gewesen, wie Heinrich VI., der auch die in gewisser Hinsicht wesensverwandte, aber kleinere und unedlere Natur Heinrichs V. weit hinter sich läßt. Ein glühender Ehrgeiz, „das Reick, noch größer und mächtiger als unter seinen Vorgängern zu gestalten, trieb ihn vorwärts, verscheuchte ihm Ruhe und Genuß, machte ihn un- liebenswürdig, streng und, soweit es seinen Zwecken frommte, auch rücksichtslos, grausam, für Gefühlswerte unzugänglich. Ohne den ritterlichen Sinn, das gerechte Maßhalten und die sittlich« Gröhe des Vaters, von keinem ebenbürtigen Gegner in Schranken gewiesen, umspannte sein Herrschergeist immer weitere Kreise der Weltpolitik, bis ihn ein früher Tod aus der Bahn feiner Erfolge riß." Die hier aufgezeigten widerspruchsvollen Züge treten uns auch schon in den zeitgenössischen Quellen entgegen, besonders wo sie sich mit der Eroberung Siziliens befassen und Heinrichs Politik zur Erhaltung seines normannischen Erbes streifen. Wir stellen hier einige dieser Quellen nach dem ausgezeichneten Werk Johannes Bühlers „Die Hohenstaufen" (Insel-Verlag zu Leipzig) zusammen. Sie bilden in dieser Form eine wertvolle Ergänzung zu dem Bild, das in dieser gleichen Nummer Albert H. Rausch von der Kaiserin Konstanze, Heinrichs Gemahlin, und ihrem tragischen Geschick gibt. 1190 (Jahrbücher von Marbach). König Philipp II. von Frankreich, König Richard von England und der Graf von Flandern brachen in diesem Jahr auf, um über das Meer zu fahren. König Heinrich gab ihnen die Erlaubnis, durch feine sämtlichen Länder im Frieden und mit sicherem Geleite zu ziehen, wofür sie oerfpradjen, in seinem Gebiete nirgends Schaden anzuruichten. Der König von England ließ durch seine Fürsten noch ganz besonders beschwören, er werde dem deutschen König nirgendwo zur Last fallen. Doch das war eine Lüge. Denn als der Engländer nach Messina kam, nahm er die Stadt mit Gewalt und tat den Bürgern viel Böses. Voll Schrecken darüber schloß der Tyrann Tankred mit einem nichtswürdigen Vertrag und machte ihm große Geschenke an Geld, Silber, Getreide und Wein, um Sizilien vor weiteren Verheerungen zu bewahren. Dieser Tankred hatte nach dem Tode Wilhelms IL von Sizilien mit Gewalt und List dessen Land an sich gerissen, das von Rechts wegen an den römischen König Heinrich fallen mußte, da dieser mit Konstanze vermählt war. 1191 (Otto von Sankt Blasien). König Heinrich zog mit einem Heer über die Alpen, marschierte in Italien ein und eilte nach Rom, wo er vom Papste Cölestin ruhmvoll empfangen und unter dem Beifall aller Römer mit seiner Gemahlin am heiligen Ostertage gekrönt wurde. Die Gunst der Römer hatte er gewonnen, weil er ihre Habsucht durch außergewöhnlich große Geschenke sättigte und ihnen die Feste Tusoulum überließ. Sie hatte bisher gegen alle Anmaßungen der Römer ein festes Bollwerk des Reiches gebildet; Heinrich fügte dem Reiche durch diese Uebergabe große Schmach zu. Die Römer drangen denn auch sofort in die Festung ein und zerstörten sie von Grund aus, rissen die Türme und Mauern nieder und vernichteten zuletzt alles durch Feuer. Damit rächten sie sich für die Niederlage, die sie an dieser Stelle durch den Mainzer Bischof Christian erlitten hatten. Nach der Krönung zog der Kaiser mit seiner Gemahlin und einem Heere nach Companien, um sich Apuliens und Siziliens zu bemächtigen, fand aber das ganze Land gegen sich in Aufruhr. (Denn der Tyrann Tankred) leistete mit der Zustimmung der Barone und Städte jener Gegenden dem Kaiser entschiedensten Widerstand, und solange jener am Leben war, konnte sich dieser des Erbes seiner Gemahlin nicht bemächtigen. Der Kaiser belagerte darum das aufständische Neapel und verheerte die ganze Umgebung der Stadt mit Feuer und Schwert. Da das deutsche Heer von einer schweren Seuche befallen wurde und gegen den Feind nichts mehr ausrichtete, traf der Kaiser die Vorbereitungen zur Heimkehr. Inzwischen wurde die Kaiserin von mehreren apulischen Baronen ausgegriffen und einige Zeit sorgfältig bewacht und in Gefangenschaft gehalten. Der erste Versuch des Kaisers, sich Apuliens zu bemächtigen, war also kläglich und schmählich gescheitert. Der Kaiser erhob noch vor seiner Rückkehr nach Deutschland beim Papst Klage über die Gefangennahme seiner Gemahlin. Dieser belegte das Land jener Verbrecher voll Empörung über diese Anmaßung mit dem Interdikt und erzwang die Herausgabe der Kaiserin. Auf ihrer Reise nach Deutschland traf sie mit ihrem Gemahl zusammen, der in seiner Erbitterung zu furchtbarer Rache entschlossen mar. 1194 (Jahrbücher von Marbach). Die Ostsachsen, die niederdeutschen Fürsten und die Bischöfe von Mainz und Köln verschworen sich gegen den Kaiser vor dessen zweitem Zug nach Sizilien. Wider aller Erwarten gelang es ihm mit größter Leichtigkeit, über diese Verschwörung die Oberhand zu gewinnen. In diesem Jahre starben Tankred, der sich Apuliens bemächtigt hatte, und dessen ältester Sohn, der mit Irene, einer Tochter des Kaisers von Konstantinopel verlobt war. Nach der Einnahme von Palermo übergab Kaiser Heinrich diese griechische Prinzessin seinem Bruder Philipp zur Gemahlin. Im gleichen Jahre empfahl sich der Kaiser allenthalben dem Gebete der Mönche, ordnete an, daß Messen für ihn gelesen und Gebete für ihn verrichtet würden, zog von allenthalben Truppen zusammen und trat am 12. Mai von seiner Burg Trifels aus mit der Kaiserin die Heerfahrt nach Apulien an. Das Pfingstfest feierte er zu Mailand, wo ihn Gesandte Leos von Armenien trafen. Sie baten, den Kaiser Leo in seinem Land^ auf den Dhron zu erhoben, und versprachen dafür, immerdar dem Römischen Reich untertan zu bleiben. Außerdem ersuchten sie den Kaiser um Be- lchnung mit einigen früher nicht bekannten Gebieten in Syrien, die „zum bleiernen Turm" heißen. Der Kaiser erfüllte diese Wünsche. Hierauf zog das Heer durch die Lombardei und Tuscien, während der Kaiser mit kleinem Gefolge nach Genua und Pisa reiste, nm Galeeren zu beschaffen und für ihre Bemannung mit Ruderern und einer starken Truppenübermacht zu sorgen. Noch im gleichen Jahre nahm er dann (am 17. September) Salerno mit stürmender Hand. (Otto von Sankt Blasien.) Dann wandte sich der Kaiser mit seinem Heere gegen Palermo. Es war bisher die Hauptstadt und Erzsitz von Sizilien sowie die Schatzkammer der Könige dieses Landes gewesen. Nachdem Kaiser Heinrich im Angesichte der Stadt ein Lager geschlagen und seine Vorbereitungen für die Belagerung getroffen hatte, gab er Befehl, in den rings umhegten und von Tieren aller Art ergötzlich bevölkerten riesigen Königspark einzubrechen; die wilden Tiere mürben dann für die mannigfachen Bedürfnisse des Heeres verwendet. Voll Angst vor dem Zorn des Kaisers bot jetzt die Bürgerschaft sonder Zaudern ohne jeden Kampf die vollständige Unterwerfung an und bat demütig um die Frisdensbedingrmgen. Der Kaiser erklärte sich damit zufrieden, nahm die Uebergabe der Stadt huldvoll entgegen, ließ aus all ihren Türmen die kaiserliche Flagge hissen und bestimmte einen Tag für den feierlichen Einzug, bei dem die Bürger einen wahrhaft kaiserlichen Pomp zu entfalten hatten. Der Kaiser ließ darauf sein Heer, das reiche Beute gewonnen hatte und im Genüsse der köstlichsten Dinge schwelgte, sich der sicheren Ruhe hingeben irrtb sorgte durch ritterliche Kamps- und prunkvolle Schauspiele aller Art für ergötzliche Unterhaltung seiner Truppen. Die Bürger bereiteten nun mit großem Auswand und Eifer einen Triumphzug für den Kaiser vor. Sie schmückten die ganze Stadt und insbesondere die Straßenkreuzungen mit verschiedenen kostbaren Teppichen, und die Straßen in und außerhalb der Stadt dufteten von Weihrauch, Myrrhe und sonstigen wohlriechenden Spezereien. Der Kaiser hielt sich mit seinem Heere außerhalb der Stadt auf (und hatte im Lustschloß La Favara Wohnung genommen). Die Bürger gingen ihm dorthin, nach Rang, Würde und Alter geordnet, in gesonderten Abteilungen entgegen; die Edelleute, Greise, die Männer in den besten Jahren, dann die bartlosen Jünglinge und Knaben, und zwar alle in festlicher Gewandung, die Pferde prächtig herausgeputzt, und unter dem Klange von Musikinstru. menten aller Art, auf denen die einzelnen Künstler, so gut sie es nur )>er. mochten, spielten. Mit nicht geringerem (Eifer hatte der Kaiser sein Heec für dieses Fest vorbereitet. Es war strengste Disziplin vorgeschrieben und jede teutonische Unbändigkeit unter Strafe des Handabhackens verboten. Da zeigte der Kaiser sein im Glanze aller Waffen strahlendes Heer, das im langen Zuge von Zweierreihen Schritt für Schritt zur Stadt marschierte. Der Kaiser folgte mit den Fürsten in kaiserlichem Prunk und Gewände. Als er die Stadt betrat, scholl ihm von allen lauter Jubelruf entgegen, und nach der Sitte jenes Landes warf sich das Volk auf den Straßen bei feinem Anblick zur Erde nieder. Nachdem er aus diese Weise in der König sburg aufgenommen war, gab er sich der Ruhe hin. Die Bürger ehrten ihn auch mit vielen Geschenken: mit den; beste« Pferden, goldgeschmückten Sätteln, Zaumzeug und den verschiedensteil Gegenständen aus Gold, Silber und Seide. All das überließ der Kaiser mit freigebiger Hand dem Heere, indem er zuerst die Fürsten königlich beschenkte, dann die Ritter nach Maßgabe ihrer Verdienste bedachte und sie so auf alle Weise an seine Person fesselte. In den königlichen Schatzkammern fand man unermeßliche Menge» von Gold und Silber, mit denen der Kaiser den Staatsschatz zu Trifels in ausgiebigster Weife auffüllte und auch andere kaiserliche Schatzkammern bereicherte. Denn er schaffte sich die Reichtümer Apuliens, Kalabriens und Siziliens, wo sich Metalle in Menge finden, in fein Vaterland . . . Der Kaiser regelte die Reichsangelegenheiten in jenen Gegenden nach feinem Willen: er gab den einzelnen Distrikten Richter, den Städten ; Rechte, für die Aemter der Podestä Gesetze. Sein Heer durchfuhr auf i wohlgerüsteten Schiffen und stark bewaffneten Galeeren die Seee, er , machte sich die Inseln bes Meeres. zinspflichtig und schob des Reiche« Grenzen weit hinaus. 1195 (Jahrbücher von Marbach). Nachdem sich der Kaiser ganz Apulien, Sizilien und Calabrien ohne jeden Verlust glücklich unterworfen hatte (kehrte er nach Deutschland zurück). Er brachte eine große Menge Gold, Silber und Seidenstoffe mit, ferner als Gefangene die Gemahlin > Tankreds, dessen Sohn und seine drei Schwestern. Auch der Bischof von i Salerno und zehn große jenes Landes, unter denen der vornehme Ad > miral Margarita die Grafen an Macht und Reichtum übertraf, waren in feinem Gefolge; der Kaiser ließ sie alle in verschiedenen Orten Deutschlands streng bewachen. 1197 (Jahrbücher von Marbach). Während sich der Kaiser in Sizilien aufhielt, verschworen sich alle Städte und Burgen in Apulien und Sizilien gegen ihn. Es heißt, die Kaiserin, die sich mit ihrem Gemahl verfeindet hatte, habe diese Verschwörung angezettelt, um die auch die Lombarden, Römer und selbst Papst Cölestin, wenn man diesen Gerüchten Glauben schenken darf, gewußt haben sollen. Der Papst riet auch einigen Deutschen, die eben bei ihm weilten und zum Kaiser reifen wollten, davon ab, sich zu diesem zu begeben. Die Verschworenen hatten bereits heimlich einen König erkoren und sehr viele Bewaffnete, an die breißigtausend Mann, zusammengezogen; sie wollten den Kaiser, der eben in einem Walde jagte, mit all den Seinen ermorden. Sie hätten dies auch ausgeführt, doch wurde der Kaiser von ; jemand, der um die Verschwörung wußte, gewarnt und konnte nach ; Messina, wo fein Truchseß Mark ward von Anweiler war, entfliehen, j Dieser bot mit dem Marschall Heinrich von Salben einige von den eigenen Leuten sowie angeworbene Fremde aus. Es kam zu einem Handgemenge, bei denen die Mannen des Kaisers fast alle Feinde nieder« machten und den Gegenkönig mit einigen Helfern der Verschworenen lebend gefangen nahmen. Der Kaiser bestrafte sie alle grausam. Den Gegenkönig lieh er vor den Augen seiner Gemahlin, der Kaiserin, eine Krone mit eisernen Nägeln aufs Haupt schlagen, andere verbrennen und einige ins Meer werfen. Dadurch machte er sich bei den Bewohnern jene« Landes, aber auch bei andern, die davon hörten, äußerst verhaßt. Im August vergnügte er sich bann wieder am Weidwerk. In den Wäldern, in denen er jagte, waren eiskalte Quellen, bei Tage herrschte größte Hitze, während nächtens solche Kälte einfiel, daß der Boden wie im Winter gefror. Da zog er sich um das Fest des heiligen Sixtus (6. August) eine Erkältung zu und begann zu kränkeln. Er ließ sich nun nach dem zwei Tagereisen entfernten Messina schaffen, wo er an der Ruhr litt. Um das Fest des heiligen Michael war eine Besserung eingetreten, und er beschloß, nach Palermo zu reifen. Der Hof war bereits mit dem ganzen Gepäck über die Meerenge gefahren, da trat ein Rückfall ein, und bet Kaiser verließ einen Tag nach dem Michaelisfest nach guter Beichte und i zerknirschten Herzens diese vergängliche Welt. Der ganze Erdkreis ward i durch des Kaisers Tod in Verwirrung gestürzt, viele Kriege und Uebel i erhoben sich, die lange Zeit währten. (Königschronik von Köln.) Zu jener Zeit erschien einigen Personen, die sich an der Mosel ergingen, ein riesiges Gespenst in Menschengestaü auf einem Rappen. Als die Leute erschraken, ritt es näher an sie heran und redete ihnen zu, sich nicht zu fürchten. Es nannte sich Dietrich, weiland König von Bern, und sagte, viel Unglück und Elend werde in Bälde über das ganze Römische Reich kommen. Nachdem es noch verschiedenes mit jenen Menschen gesprochen, ritt es auf feinem Rappen über die Mosel und verschwand vor ihren Augen. Ein falsches Gerücht, das sich plötzlich über den Tod des Kaisers verbreitete, gab schlechten Menschen allerorts Mut, wie reißende Wölfe in die Schafställe ohne Hirten einzubrechen. Wen sie zu überwältigen vermochten, dem ließen sie nichts übrig, bis sie durch die Nachricht, der Saiper lebe noch, von ihrem Wüten abgeschreckt wurden. Aber bato darauf sollte das Gerücht doch zur Wahrheit werden, der Kaiser starb nämlich kurz darauf . . . Ganz Apulien, Calabrien und Sizilien schüttelten die Hern schäft der Kaiserlichen ab, unterwarfen sich jedoch feiner Gemahlin um seinem Sohn und leisteten diesen den Treueid. In Deutschland brachen bis dahin unerhörte Zwistigkeiten um die Herrschaft über das Reich aus. Verantwortlich i.V.: vr. Fr. W. Lange.—Druck und Verlag: BrühlZcheAniverfitäts-Duch- und Steindruckerei.R.Lange,Gießen.