Gießener Zamilienblütter Unterhaltungsbeilage Zum Gießener Anzeiger Jahrgang |92Z Dienstag, den R-Ium Nummer Das MSnschSnbeWNtzLssin Bon Horatius Treuherz. (Aus 'den „Fliegenden Blättern" 1850.) Wie muß ich meinem Schöpfer danke«. Daß ich nicht eine Kröte ward. Die ohne sittliche Gedanken Im Kote mir sich wälzt und scharrt! Ich bin ein Mensch, vor Gott zu wandeln, Kein Schamgefühl bringt mir mein Handeln Wär ich ein Ochs an seiner Krippe. Ich wüßte mir zu helfen nicht. Kein Wort belebte meine Lippe. Verstehen könnt' ich kein Gedicht. Wie müßt' ich mich unglücklich fühlen. Wenn ich nur könnte sinnlos brüllen. Wär ich zum Tiger gar verfluchet. Der raubt und mordet grausen Sinns, In Wildheit sich die Gattin suchet — Ich schaudert« zu sehn: ich bin's. Gottlob, daß ich ein Mensch geworden. Der nicht den Trieb hat, wild zu morden. 0, Mensch zu sein von Gottes Gnaden. Gut sein zu dürfen, fromm und rein, Die Vögel, Fische, Molche, Maden, Sie ahnen nicht, was das mag sein. Der Seraph aber muß uns neiden. Denn er entbehrt Familienfrvudeu. Wanzen. Brief ans Uesküb. Von A. H. Kobs r. Zu Weihnachten hat mir mein« Frau einen wunderhübschen Schlafanzug geschenkt. Seide, blau mit weißen Streifen. In diesem herrlichen Kulturgebilde sich jetzt jede Nacht in meinem mazedonisch« Hobel und fang« die Wanzen von der Wand an meinem Bette. Kann man sich etwas Blödsinnigeres ausdenken? Da ich Verständnis für grotesken Humor habe, bin ich wsüer den Wanzen böse noch dem Schlafanzug noch meiner Frau. Ich habe alt- mählich sogar eine Art Jagdfreude bekommen und nehme abends Notizblätter mit ins Bett, auf die ich meine Beobachtungen und Gedanken schreibe, wenn in meinem Weidwerk eine Ruhepause eintritt. Hier And ein paar dieser Aufzeichnungen eines beschaulichen Nimrods. Erste Begegnung. Dieser Momenr ist oft von Künstlern dargestellt ivorden. Man mag die Physiognomik des Erstaunens und der Ueberraschnng studieren von Dante bis Rosetti. Ateine banausische Ansicht ist übrigens: daß die Künstler zu sehr veredelt haben, und daß es in Wirklichkeit nichts Dümmeres gibt als die Gesichter bei einer ersten Begegnung. Ich liege also im Bett und lese, da bemerke ich auf der Deck- — die so weiß ist, daß sich ein kräftiges Braun noch gerade davon ab hebt. — einen runden Brotkrümel.. Ms ich ihn wegwischen will, beginnt er zu laufen. Wie sich mm bei mir der Vorstellungswawdel von „Brotkrümel" zu „Wanze" vollzog, kann ich nicht mehr feststellsn. Genug, ich wußte: Wanze! Der Moment hatte etwas Feierliches. Zum ersten mal in meinem Leben erblickte ich dies sagenumwobene Tier. Eine Vorstellung, eine Idee, vor der wir alle erzittern, mir »ertraut feit Kindesbeinen aus der Poesie, trat — mit Hegel zu reden — in die Realität. Auch die Wanze schien ergriffen von meinem Erstaunen. Sie blinzelte im Laufe über die Schulter, und da sie sich nicht verfolgt sah. machte sie halt, setzte sich in eine Falte, schlug zwei Beine übereinander, wischte sich den Schweiß von der Stirn und sah mich ernst an. Rach einer Weile schüttelte sie den Kops, zuckte die Achseln, winkte mir zu und verschwand. Es muß eine erfahrene Person gesetzten Alters gewesen sein. Das Geheimnis des Gobelins. Das Wort Gobelin har mich, wie alle Welt, in Aufregung versetzt, als einerzeit die alten Gobelins aus der Wiener Hofburg verknust werden ollten. An meiner Bettwand ist einer ausgespannt. Er ist -auch sicherlich ehr alt. Denn die silbernen Schabracken der dort in eine orientalische Stadt emgewirkten Kamele sind schon grün angelaufen. Was bekanntlich die Ehrfurcht -der Kenner steigert, so daß ich behutsam über das Gewebe taste. Der Erfolg ist verblüffend. Wanzenschwärme schießen hinter dem Gobelin mtt dem eingewobenen Orientzauber hervor. Ich nehme ihn ab und lege damit «ine ganze SiMung frei. Soll man Kunstwerke berühren? Mit Recht — begreife ich jetzt — verbieten das unsere Musenmsleittmgeu. Mit Feuer und «schwert greife ich in das Familienleben der Wanzen «in. Wenn ich sie mit meiner Kerze verseng«, springen sie knackend »us- einander, die mit dem Holzscheit zerquetschten platzen knallend, so voll- gefressen sind sie. Listig lassen sich einige wie tot zu Boden fallen, andere, schnellfüßige, entkommen „so wie ein Falk des Gebirgs, der geschwindeste aller Gevögel". Ich, der nie ein Tier getötet habe, habe jetzt geradezu eine Freude an dieser Jagd. „Vernichtung" und „Ausrottung" werden mir zum erstenmal lebendig« Vorstellungen. Daß dies« gemeinen nichtsnutzigen Parasiten sich gerade hinter einen Gobelin eingenistet haben, hinter einet harmlos schönen Fassade ihr Räuberleben führen, hat mich wohl in diesen Mutrausch gebracht. Ich kann mir vorstellen, daß es Menschen gibt, die die ganze Welt mit solchen Gobelins behängt sehen. Rückkehr zur Natur. Das Beste ist, man nimmt die ganze Bettstelle auseinander und verbrüht das Ungeziefer mit kochendem Wasser. So hatte mir ein balkankundiger Mitgast geraten. Zuerst also ziehe ich mir Bluse und Hemd aus. Während in dem Samowar — den ich immer auf meinen Reisen mitnehm« — fünf Liter des verderbenbringenden Wafsers herankochen, schraube und reiße ich die Metallbettstelle auseinanber. Das ist ein vorzüglicher technischer Anschauungsunterricht, wie ich auch bei dieser Gelegenheit die Geheimnisse del Matratzenbaus kennenlerne und allerhand Respekt bekomme vor den Krastleistungen eines Schlossers. „Wohl, nun kann der Guß beginnen." Ich gieße. Mit Erfolg?--„Laß mich schweigen." Ist es für einen gebildeten Menschen eine Aufgabe, ein Zimmer zu säubern? Hier ist es Pflicht. Ich sprenge den Boden ein und wirtschafte init Seien und Schaufel. Am Müllkasten untersuchen der Wirt, der Hausdiener und ich, ob unter den Kadavern nicht etwa noch Ueberlsbende sind. Dabei unterhalten wir uns — unter einer lebhaften Gebärdensprache — über unsere Erfahrungen im Kampfe mit dem Ungeziefer. „Ungeziefer" — das klingt in unseren deutschen Häusern so verächttich, streift an die untere Grenze alles Menschlichen. Hier sitze ich nun mitten drin in diesem Schmutz, muß mich jeden Augenblick mit ihm herumschlagen. mich gegen ihn zur Wehr setzen, um der Mensch zu bleiben, der ich fein will. Der Kampf ums Dasein, der Aufstieg zur echischen Vollkommenheit beginnt bei Floh und Wange. Niedere Zoologie. Wenn ich eine Wanze betrachte, bedauere ich, während meiner Pen- näterzeit in Zoologie so gefaulenzt zu haben. Mir kommt jetzt nur immer so etwas wie „Kerbtier" in die Erinnerung. Aber ich vermag weder zu sagen, womit diese Bestien eigenüich so stark beißen können, noch kenne ich ihre gewiß ebenso gemeine Verwandtschaft noch ihren sicher sehr blumig klingenden lateinischen Namen. Rein dem Aussehen nach — man gestatte mir diese ganz unwissenschaftliche Jägerzoologie — erscheint mir di« Wanze überhaupt als ein Paradoxon, eine Karikatur. Wäre sie größer — wie weis« von der Natur, dies nicht gestattet zu haben! —, dann wäre sie sine Schildkröte: hätte sie bunte Flügeldecken, dann wäre sie ein Marienkäfer. Preis der Kostbarkeit ober der Schönheit wäre ihr dann fid>er. Aber sie ist im Dreck steckengeblieben. Höhere Anthropologie. Sie hac nur den einen Trieb: sich vollzufressen. Sie trinft Menschenblut, lebt aber auch einfach von Schmutz, wenn sie nichts anderes hat. Ihr Angriff wie ihre Verteidigung ist plump, dummdreist. Sie hat keine Woh- rrunaskultur. nicht einmal imponierende körperliche Fähigkeiten wie etwa der so ausgezeichnet springende Floh. Wenn ich am Tag« einmal eine zu Gesicht bekomme, liegt sie platt da, leblos scheinbar, wie ein Stäubplütichen, das sein Dasein überhaupt nur der Liederlichkeit irgendeines Zufalls verdankt. Nachts find« ich dann welche, die faul behäbig mit sattem Bauch Herumkriechen. Ganz ölig glänzen sie von Wohlbehagen, nachdem sie sich irgendwo dick- und dummgefressen haben. Wer denkt da nickst an liebe Bekannte? Mir fällt der Polizeiprüfeki einer Balkanstadt ein — —. Doch, wozu schon.wieder politisch werden' Dialog. „Einen Augenblick, bitte, mein Herr, einen Augenblick!" rief eine lebend gefangene Wanze, die ich dem Feuer übergeben wollte. „Mein Herr, einen Augenblick, bitte!" Ich nahm sie von der Kerze zurück, sie setzte sich — recht graziös übrigens —, machte keinen Fluchtversuch, sondern begann bedächtig und sachlich, ivvbei sie sich über das Kinn strich: „Mein Herr, Sie haben durchaus das Recht, mich zu vernichten. Durchaus, auch meiner Ansicht nach, denn ich halte di« Theorie der natürlichen Auslese durch Kampf für richtig. Sie sind der Sieger, ich der Besiegte, der Schwächere." Ich verneigt« mich zustimmend, und sie fuhr mit einem leichten Kopfnicken fort: „Wenn ich hier noch einmal das Wort ergreife, so geschieht das also nicht in der Absicht, einen natürlichen Entwicklungs- Vorgang zu hemmen. Meinen Ausführungen liegt keine selbstsüchtige Absicht zugrunde, sondern eine ethische. Sagen Sie mir, bitte: weshalb verabscheuen und verachten uns die Menschen vor allen Tieren?" „Zunächst", begann ich, „hat Ihr Aeußeres wirklich nichts Be- tte>hendes." , Zugegeben", unterbrach mich die Wanze, wobei sie kokelt ihren reh- braunen Körper dehnte, „de gustibus non est disputandum. Sie smdea uns unschön, ich persönlich wiederum nrag kurzsichtige, dicke Herren nicht (jetzt bemerkte ich, d!ch ich mit einem jungen weiblichen Wesen sprach), S,e können sich stundenlatig vor dem Affenkäfig belustigen, und wir sind stolz darauf nichts Menschenähnliches an uns zu haben. Wir fmb mit einem Worte Gellerts „Originalgenies". Aber, -halten wir uns nicht zu lange beim Aesthetifchen auf — ich habe es zwar nicht so eilig wie Sie —, die Gründe Ihrer Abneigung gegen uns müssen doch wohi tiefer liegen. Allerdings. Es gibt gewichtige Gründe gegen Ihre Existenz, antwortete ich ernst und fuhr gleich schweres Geschütz aus: „Sie saufen Un^2(Herbinqs," entgegnete meine Partnerin, „Blut ist ein ganz befon- derer Saft." Dies Goethewort gilt auch hier. Es fragt sich nur, wie man es auslegt. Sie find Deutscher, wie ich annehmen darf — ich nickte bejahend —, und als Sohn des klassischen Landes der Ausleger werden Sie loyal genug fein, meine Auffassung unserer Bluttransplantation anzuhören. Datz wir Ihr Blut saufen, ist doch wohl nur eine Redensart. Sie neben zu: wir nippen nur, so wenig, daß von einer Verringerung Ihrer Blutmenge nicht im Ernste die Rede sein -kann. Was nun aber für mich entscheidend ist: Sollten Sie uns nicht gerade lieben, weil wir uns von Ihrsm Blute nähren, weil wir Blut von Ihrem Blut sind? Sind wir nicht — außer dem Floh, mit dem mir eine Arbeitsgemeinschaft haben — die köstlichsten Tiere, weil wir uns von dem Köstlichsten nähren, dem Menschenblut? Der Gedankenvorgang ist kühn, aber, mein Herr, ist er lliC$3ch war über diese neue Blutsverwandtschaft fo verblüfft, daß ich gleich auf das zuletzt gehörte Argument loshieb und herausplatzte: „Aber Sie freffen ja auch allerhand Schmutz und verpesten damit unser Blut! „baute de mieux, mein Herr. Man muh immer Kompromisse schließen. Aber halten Sie sich an die von mir entwickelte Idee der Wanze." „Eben da hapert es. Ich sehe gar keine physiologische, geschweige denn ethische Berechtigung, aus Grund deren eine Wanze mit oder gar von einem Menschen lebt." „Sie werden doch nicht etwa", wurde ich schon wieder von der nervösen Person unterbrochen, „eine Theodicee entwickeln wollen? Stellen wir uns doch auf den Boden der gegebenen Tatsachen. Was da ist, ist eben da, und nur damit haben wir zu rechnen. Wir sind natürlich keine Arbeitstiere, nicht im gemeinen Sinne wenigstens. Wir vertilgen zwar etwas Unrat, aber Sie haben recht: diese Arbeitsleistung steht in keinem Verhältnis zu dem Vergnügen, das wir uns leisten. Wollen Sie etwa, mein Herr, mit dem Schöpfer darüber rechten, daß er uns mehr Begabung verlieh für die Freuden dieses Daseins als für die Arbeit und Plackerei? Wir sind Amüsierte, „konsequente Hedonisten", Epi-kuräer. Lassen Sie sich gesagt fein, Herr, die Welt arbeitet viel zu viel. Nehmen Sie uns als Muster: Mehr Sonntag! Mehr Freude! Es lebe das Leben! Eheu, Bacclie!" Schüchtern unterbrach ich diesen Hymnus der zweifellos humanistisch gebildeten Wanze mit der Bemerkung: ich könne doch einen verdienftlosen Hedonismus aus sozialen Bedenken nicht anerkennen. Aber nun wurde die Sackte geradezu peinlich. , _ . Höhnisch, mit der eisigen Schärfe des Ueberlegenen sprach die junge Akademikerin: „Soziale Bedenken! Ich mutz gestehen, mein Herr, Ihrem Aeußern nach habe ich Sie für einen modernen Menschen gehalten. Und nun diese bieberm-eierifchen Sentiments! Ja, Herr, leben Sie denn auf dem Monde? Existiert denn die moderne Moralwissenschaft feit Nietzsche nicht für Sie? Ist es denn — verzeihen Sie — unter Gebildeten überhaupt noch fraglich, daß die plumpe, dumpfe Masse nur als Untergrund gewertet werden muß für die Großen, für die Sonnengeschöpfe, die sich in genießerischem Juoel darüber erheben! „Soziale Bedenken!" — Mein Herr, chliehen wir die Debatte. Eine Verständigung zwischen uns ist mcht „Sie hätten die Apologie der Wanzen schreiben sollen", sagte ich. Die Wanze seufzte: „Es sollte mein Lebenswerk werden, mein Herr. Ich hatte schon einen Verleger, und Bayros wollte die Luxusausgabe illustrieren. Aber: „Was sind Hoffnungen, was Entwürfe!" Was find Entwürfe", verbesserte ich als Germanist von Fach. „Ganz recht! Was sind Entwürfe. Der Bers wäre ja fönst unvollständig", versetzte sie leichthin. In der Voraussicht, daß diese ganze Aussprache nut einem Siege der modernen Weiblichkeit enden könnte, schloß ich den Dialog: „Mein Fräulein, ich schenk« Ihnen Leben und Freiheit. Bitt« entfernen Sie sich, denn nach Ablauf von fünf Minuten wird dies hier wieder Kampfgebiet sein. Die kleine Wanze nickt« leicht mit dem Kopfe, sprang — nach kecker Backfischart mit zwei Beinen zugleich — von ihrem Sitz empor und sagt«: „Ich danke Ihnen, mein Herr, und nehme Ihr Geschenk an, denn ich habe die Pflicht, mich den Freuden des Daseins zu erhalten. Sie werden genug naturwissenschaftlich gebildet sein — das klang etwas spitz —, um einzusehen, daß ich natürlich weiterleben werde wie bisher, meinen Lebensstil wahre." Dann wandte sie sich um und ging. Vor meinem Spiegel machte sie noch halt, warf schnell einen Blick hinein und zupfte an ihren Fühlhörnern herum. Ich drehte mich um, um ihr die Flucht zu erleichtern. Als ich nach ein paar Sekunden wieder hinschaute, war die gebildete Wanze ver- fchwunden. Ich nahm meine Reclam-Ausgabe von Stirners „Einzigem und ging damit wieder auf die Jagd. Lisbschwestern. Von Hans Friedrich B l u n ck. Einmal, es ist schon sehr lange her, haben Frau Holle und der Südwind sich sehr lieb gehabt. Der unstete Gesell hat die schöne Frau indes bald wieder verlassen und ist über alle Wälder von bannen gegangen, gerade, als die Mutter unter Wundern wohl dreißig kleine Mädchen auf einmal gebar und im Korb wiegen wußte. Die Mädchen waren jedoch so^zart und fein, daß bald wieder einige von bannen gingen, und die arme yrau erkannte, haft ans Wind und Sera kein bleibendes Leben wird. Traurig ist sie um die kleinen flatternden Kindlein gewesen, die so schon und so klug und so schwesterlich miteinander waren, daß die Mutter Tag und Nacht nachfann, wie sie die andern wohl norm Sterben wohl noch eine Weile bewahren könne. Es hals aber alles nichts, eines nach dem andern verlieh sie; endlich waren nur noch einundzwanzig von den Geschwistern übrig. Und weil die Kleinen doch so fröhlich waren und sich so lustig erzählten, was sie alles noch in ihrem jungen Leben wollten, hatte Frau Holle Mitleid mit ihnen und schickte sie noch einmal auf einen Tag m die Welt hinaus, um e'n Sa eiiefUbie ^einVmit einem Hasenbengel um die Wette, eine andere geriet in den traurigen Himmel der Hagestolze und wurde ganz mürrisch angeschaut, eine dritte kam in Herrn Donnerstags schmiede und spielte mit den rothaarigen Feuerhähnen. Die Jüngstgeborene aber, di« Duweke hieß verirrte sich zu den Menschen. . V Es war fo um bie Mittagszeit, als fie unter vielen, vielen Blumen 'n einen großen Gutsgarten geriet. Es hatte schon gelautet, und die Menschen waren eilig zum Essen gelaufen. Ein junger Gartner nur hatte so emsig zu tun, er hatte die Glocke nicht gehört, saß auf einem Hyazinthenbeet und suchte die Blumen heraus, die nicht hatten wachsen wollen. Wie der Bursche nun aufschaute, stand auf einmal em kleines, feines Mädchen vor ihm und sah ihm aufmertfam zu. Er wurde verlegen vor solch' lieblichem Geschöpf, zog höflich den Strohhut und fragte, nur um etwas zu sagen, ob er die Blumen so recht gefetzt hatte., „Wie heißen die denn?" fragte Duweke. Derlei wuchs ja nicht in ihrer Mutter Wald. Und eh -der andere noch geantwortet hatte, fuhr fte fort. " 4ein f bie Hyazinthen dufteten damals noch nicht. Der Gärtner schüttelte traurig den Kopf. Es tat ihm leid, daß er nein sagen muhte. „Wer bist du denn?" fragte er, „daß du das mcyt weißt? Gehörst du zu unserm großen Herrenhaus, oder bist du eine aus dem Wald? Nun "Duweke wußte nicht, was ein Herrenhaus war, sie wies mit der Hand in den Wind, mit dem sie gekommen war. Ader den Kops wandte fie habet nicht. Sie mußte beständig den Gartner anschauen, er hatte solch frisches braunes Gesicht und lachte so freundlich, am üebften roare S.iroete lelbft in seiner Hand gewesen, geradeso wie die Blume,, die er zart und behutsam wiegte und die doch auch gewiß sehr glücklich beichm sE Muhte Warum duften die Blumen doch nicht? fragte Duweke. Bei ihrer Mutter war alles Wohlgeruch und Klingen. „Warum pflanzt du sie denn iibe.ha pt. ausschauen. Sieh sie dir doch an! Er lachte wieder und reichte ihr eine hinüber. Aber Duweteblicktefi, an und wagte sie nicht zu nehmen. Ihr war nur als mußte es wunder diön sein von diesem Burschen lieblich genannt und sorgsam getrag ... tuerben sie wollte die große Freude der Blühenden nicht stören. 311 HM du Mumm so gern?" fragte sie aufschauend und trat habe, näher. Sie hätte wissen mögen, woher -das Blinken kam, das dem Biiriä-en hinter den Singen faß. „Haft sie fo gern?" fragte( Ü e umlangend. Da flog ein Lachen über des Gartners Gesicht, " g"!f MNk nacy Duwekes Hand. „Aber dich könnte ich noch lieber haben, folch fernes Si®ierobati,Ubiebiar'me Duweke sich erschrocken! Nie halte sie, gedacht, daß ein Mensch so keck fein könnte. Mit einem leisen fchrei 'st sie zumck gesprungen. Aber sie ist noch nicht geflohen, einen Augenblick wollte si« "^Da^klmw vorn Herrenhaus die Mittagsglocke zum zweiienmah etwgp für bie Nachzügler. Der Gärtner erschrak. „Da komm« ich «muß * inät" rief er der Baas wird schön schelten. Aber hör, „Habchen, komm heut abend wieder, -da hab ich viel Zeit! Kommst auch sicherlich. ;,3d)r weitz^nichE" “Kurorte nickte verlegen, nein wagte fte nicht $U Stommft schon, ja?" lachte der Bursche und lief in langen Sprich. ^"'C^leimWäWn'aber schwang sich flugs in ben Wind und fuhr mie ein Vogel zu Frau Holle heim. Herzklopfen hatte e vor ihrem £»en Versprechen. Da waren auch schon die andern Schwestern und hatten etwas Seltsames erlebt und erzählten aufgeregt von Himmel unb ~ief unb von Busch und See. Aber feine einzige hatte ein so wunderliches Abenteuer wie Duweke hinter sich. Nein, als die zu Ende erzählt hat , sagten alle zwanzig mit feinen Stimmen, bas mußten fie felgen, ■unS>f(aA wollten zum Abend bestimmt daheim fein. Einen Gartnerbursch wolltep sie auch kennenlernen. Dann sanken ihnen bald bie Kopfe auf die Brust, fo müde waren sie von dem weiten Flug. . @ Frau Holle aber, die sie fo sehr behütet hatte, !purte, wie die Krasie der Zarten von dem Ausflug mitgenommen waren. Ach, sie wußte kaum, wie viele noch bis zu dem grotzm Garten fliegen, geschweige denn dm nächsten Morgen erleben würden. Weil sie ihr aber so bitter letb tat in ihrem Jungmügbetuin, sann sie nach, wie sie ihnen em Gluck zu ersten vermöchte Und sie schuf eine Blume, die sah aus wie eine Hyazmth . dN ber Gartner gepflegt hatte, viele kleine Blüten tat sie daran. Und sie ncf ihre schlafmüden Kindlein alle Susammen, bettete, eine jede ini ber kleinen Glocken hinein, zu alleroberft aber die kleine DuMke Dann gab sie ihnen vom Duft aus dem Berg mit und eilte mit der Blum« und den Kinderchen zum Herrenhausgarten, wo der Gartner, Duweke entb hatte. Vorsichtig pflanzte sie die wippenden Bluten mitten ms Beet, es waren die schönsten von allen. Unb als der erstaunte Gartner zum auf das Wundevmädchen wartete, sah er bie neue Blinne, vernahm, ihren Duft und vergaß alles, was er vorhatte, stand nur die ganze Ze > ber Schlummernden und streichelte sie unb freute sich wie em König an 'em©o^nb9jene Frauhollentöchter dazu gekommen bei dem Gärtner bleiben, unb es find viele neue Blumen aus ihnen bewachsen. schwestern wollen wir sie nennen und ihrer Einfalt denken und Frau Holl- dankbar fein, daß sie ihr« Schönheit und ihren Duft den M inte schenkte. Südsl berühmte keine Ge Quellen, (gnb. Es das nur ist; das Ausläufe alter mit ein Sant . rheinisch Eifel des Hu d e s , di Gebirge, , stärksten schon in ihre Bä frä-f tiger rühmten Kuransti in Nah Kreuz Sie pfl< Aristokr am Rhe den gro zu Deren auf rost derer ir bis jetzt Wie na lchaumr /? In die . unb spr b r u n i Wassers gefüllte Die S- fie das Körper Häuser, tjäufer, lichen l wenige nun fa fangen Rhen " wasser^ alten 1 deren ' Unb in sieben fabritä Manch andere förmig Eil ganz fern r beschä haben Sonn Quelli diesen Rheir bas ! f riebt . berüh kapell gaues noch k Ist e- ' ■ A jertei auf 3 aber durck ■ grotz ftabt, feine umn bas bas . au sc Kur! liehe ber vers auf Kur fahr und Ruhe. Attila nxir Attila, der Hunnsnk8rng.*> Von Geheimrat Professor Dr. Th. B i r t. Die rheinischen Bäder. Von Msons P a q u e t. der Alexander, der Napoleon seiner Zeit. Attila, der große Chan, einigte die verstreuten Hunnenvölker, und der Schrecks die Betäubung fuhr vom Kaukasus bis zu den Pyrenäen. Er unterwarf sich von der Donau aus (zwischen Wien und Ofen lag seine Hauptstadt) alle Oander nördlich der Alpen vom Rhein bis zur Wolga, vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee, und plante mehr; er wollte auch Frankreich, er wollte Rom, Konstantinopel, er wollte gar auch Persien nehmen. Die Barbarei hatte in ihm ein Herrschergenie "erster Größe erzeugt. Cs galt eine neue Zu- sammenfassung der Welt; da- römische Reich sollte durch das Hunnenreich abqelöst werden. Zwanzig Jahre (von 433 bis 453) sind die Jahre Attilas, der Gottesgeihel. Die starken östlichen Germanenstämme, die Heruler und Eepiden, die Rugier und Skiren, die Ostgoten waren jetzt die Vasallenvölker der Hunnen, die unter ihren Königen dem Attila willig dienten. Es ist der König Etzel, zu dem aus Worms die Nibelungen ziehen, tn dessen Saal Ärimhildes Rache spielt; es ist der Etzel, an dessen Hose auch der Westgotenheld Watthar von Aquitanien, von dem das WaltharilieS singt, mit seiner Geliebten Hildegunde als Geißel heranwuchs. Hundert Jahre halten die Hunnen sich bisher in Europa umgetrieben; «e hatten sich in dieser Zeit veredelt, germanisiert, den Einflüssen der Sitten des Okzidents angeglichen. Nur so wurde «in Attila möglich. Seme Erscheinung war freilich asiatisch genug: kurzer Wuchs, großer Kopf mit kleinen Augen und gestülpter Nase; sein Auftreten aber herremnaßig bei aller Verschmitztheit und nickst ohne Größe; er herrschte durch die über- leqene Ruhe seines Wesens, die klug den Jähzorn bemusterte. Er war so, daß er Vertrauen erweckte und echte Treue und Ergebung fand; der Ge- pidenkönig Ardarich seine Hauptstütze. Attilas Bruder Bleda war zeit- weilig 'ein Mitregent; die Brüder vertrugen sich tadellos. Von ergebenen Königen und Fürstensöhnen wimmelte die großartige Hofhaltung; alles aina in Zobel- und Ottersellen. Auch Gesandte strömten herzu, und ein Grieche, der aus Konstantinopel mit vielem Personal zu 'hm ritt, ist es, der uns einmal am Hofe des Attila einführt und alles anschaulich zu Ein Rest von Heiligkeit ist doch um diese Quellen, auch wo sic schon ganz industrialisiert erscheinen. Sie haben ihren Ort ja selbst gesucht, ost fern von Wegen des rasselnden Verkehrs. Und wo der Lärm der u.ages- beschäftiqungen die heilende Wirkung der Wasser zu stören drohte, da haben die Menschen selber versucht, die Quellen durch Hallen und Gärten zu schützen, vielleicht auch die natürliche Schönheit der Wiesengründc und der Bergesnähe durch die Umgestaltung zum Park zu erhöhen. Die Sommerwohnungen, die Landsitze reicher Bewohner, die in der Nahe der Quellen vor den Wirkungen des Sitters sicherer zu sein glauben, haben diesen Bäderstädtchen ihren sonntäglichen Charakter gegeben. So sind ,m Rheinland diese Bäder die ewigen Idyllen mitten in dem großen Leben, das der Rheinstrom und die Nähe großer Städte zusammenzieht. Wie friedlich ruht das schmale Ems an den Waldsäumen der Lahn, wie un- »berührt das kleine Schlangenbad, das von den Klängen der Kurkapelle gestreichelte Langenschwalbach im Hintergrund des Rheingaues. Hier spendet ben Geduldigen und Genesenden selbst der späte Herbst noch Wärme, Heiterkeit und Süße. Traubenkuren helfen mit zur Diät. Ist es nötig, von den eleganten Straßen, Kolonnaden, Kursälen und Kon- * zcrten von Wiesbaden zu erzählen, das seinen Gästen durch Ausflüge auf Rheindampfern und Autoomnibussen unermüdlich Zerstreuung bereitet, aber ebenso gern einen jeden in Ruhe die wohlgebahnten Spazierwege durch seine Anlagen und Taunuswälder genießen läßt? Oder für das großzügig ausgebaute Nauheim zu werben, die hübsche Landhauserstadt, deren Weiher ein hoher Park umrahmt, das herzbelebende Bad mit seinen starken salzigen Sprudeln, seinen immer, von frischer salziger Luft umwehten Gradierwerken? Dazwischen, am nächsten zu, F ran kfurt, das ja in einem 'wahren Kranz von Badeorten die glückliche Mite bildet, das ruhmreiche Homburg. Wer liebte nicht sein mit Park und Wiesen ausgesülltes Tal mit den tempelartigen Brunnen, seine Terrasse vor dem v Kurhaus, die dem Blick nur mit dem sommerlichen Grün, dem herbstlichen Bunt der Wälder begegnet. Aber auch sein alter Schiohgarten Mit der märchenhaften Zeder und den Kastanien, dm Rosenbeeten und den versteckten Bänken um den See soll nicht vergessm sein. Auch denen, die aus den Luxus der großen Hotels verzichten und am Pferdchenspiek im Kurhaus nicht teilnehmen würden, geben di« in allen Mmschenarten erfahrenen Bäderstädte des Rheinlandcs Beiriediaung und Bewegungs- ireiheit. Es gib: im übrigen noch die. besonderen Bäder des Mittelstandes. Ihr Typus ist etwa das kleine, am geschützten, üppig fruchtbaren Südhang bes Taunus gelegene S öden. Der Sprudel steigt da vor dem alten reizenden Kurhaus mitten aus dem Rasen; Quellen und Trinkhallen Hegen unter Bäumen versteckt, die Wiesen sind zu liebenswürdigm Anlagen geworden, und viele Pfade führen aus den Nelkengärten der Umgebung durch die Kastanienhain« und Obstwäldchen des Tales zu den Buchenwäldern hinauf bis zu den windfrischen Höhen des Taunus. Köstlich sind irie sriichen. reinigenden Trinkwasser dieser Dielen Quellen des Rheinlandes. Heilsam die wohlverordneten Bäder an sanft verrinnenden Tagen freiwilliger Weltenrzogenheit. Und überall ist der Rhein in blinkender und lebensvoller Nähe. Man freut sich seiner unerschöpflichen Landkchali in einer vom feuchten Element getragenen Nüchternheit ^A«"gr^echischc Kaiser in Byzanz hat dem Attila den, Titel eines Feld- marschalts de- Kaiserreich- verliehen und zahlt ihm jährlich Tribut m Form eines Feldherrngehalts; aber derselbe Kaiser hatte trotzdem noch immer Hunnen in eigenem Sold; Attila wollte dies nicht dulden. Daher di- Gesandttchaft. Beiläufig aber waren diese Gesandten beauftrag, Attila zu ermorden; große Geldmittel waren ihnen mitgegeben, um einen ge- cinneten Jäter anzuwerben. m . ., " Attila zieht eben in seiner Residenz ein; die griechischen Gesandten hinter ihm her. Es war ein umfangreiches Dorf von Holzhäusern m slamer Eben«. Die Häuser bestehen aus schön geglättetem Tafelwerk. Das Blockhaus de- Königs selbst hat einen Holzzaun nut hohen Holzturmen; bie Tür des Zaunes hat Schloß und Riegel. Das Wunderwerk des Ortes aber find Thermen aus wirklichem festem Stein; ein kriegsgefangener römischer Architekt hat sie für den König bauen müssen. Einreitend wird Attila von Ehrenjungsrauen mit Gesang empfangen. Die Mädchen halten dabei Schleiertücher über sich hoch, so daß immer etwa sieben unter einem laichen Schteir einherschreiten. Der König ist hungrig, sitzt aber nicht ab, sondern speist hoch zu Roß; seine Mannen müssen einen Tisch solange hoch Aul ^Tc/vichen siegt er, als er die Gesandten zum erstenmal offiziell empfängt: um ihn eine Menge Dienerinnen, die Buntstickereien auf Leinwand machen. Durch Dolmetscher wird verhandelt; denn die Hof- lcitte dort verstehen zwar deutsch, auch etwas Latem, aber kein Griechisch., E- folgten Tischgelage, erst beim König, dann auch bei der Königin. Atttla ha't viele Frauen; feine Hauptgattin heißt Kerko, und er hat viele Sohne, die schon erwachsen sind und Teilherrschaften im Reich verwalten. Bei der Mahlzeit stehen hölzerne Sessel an beiden Langswanden des Saales entlang. Attila sitzt zwischen ihnen auf einer Klme emem- Sofa hinter welchem gleich sich lein Schlafraum mit Bett befand; das Bett war Airch bunte Vorhänge verdeckt. Auf derselben Klme sitzt sein «ohn neben ihm der aber in Scheu den Blick nie zu erheben wagt. Zuerst wird nur getrunken, und wem Attila zuzutrinken geruht, der mutz vom Stuhl aus- fteben und so den Trunk erwidern. Daun werden die kleinen Tische mit dem Essen gebracht und vor die Stühle gestellt, ein Tisch immer für je drei Personen. Attila selbst itzt nur Fleisch von einem Holzbrett; er tun, auch aus Holz; die Gesandten dagegen bekommen auf Silber serviert u» besonders leckere Speisen. Gewöhnlich lebt der Hunne von Hirse und Dünnbier. Als es dunkelt, werden Fackeln angezündet, und zwei Sanger singen von den Heldentaten de- Attila. Ein Narr tritt auf und macht seine Spähe, obendrein auch ein Buckliger, der die Gabe hat, m allen Sprachen durcheinander zur sprechen: da dröhnt die Holzhalle vom Ge- *) Wir entnehmen diese frische und plastische Darstellung dem ungemein fesselnden, soeben in 4. Auflage erscheinenden Werk Charakterbilder Spätrom- und die Entstehung des modernen Europa . Der Meister dichterischer Geschichtsschreibung zeigt hier die Fäden auf, die aus dem niedergehenden Rom in das deutsche Mittelalter hinuberreichen. In Leinenband 12 Mk. Verlag von Quelle 8- Meyer in Leipzig. ihre Bäder enthalten. Aachen und Wiesbaden find durch ihre heilkräftigen Brunnen die volkreichen Städte geworden; dort Heizen die be- ' rühmten Thermen auch den Kessel der gesamten ökonomischen Maschine; Kuranstalten, Trinkbrunnen, Gasthäuser, Gartenpflege setzen viele Berufe i in Nahrung. Zurückgezogener erscheinen die Kurorte van Spa, von Kreuznach, Münster am Stein, Homburg, Nauheim. Sie pflegen ihre Vornehmheit, die zwischen dem Bürgerlichen und dem Aristokratischen schillert. Aber auch die ländlicheren Bäder, das kleine, nah' am Rhein zwischen Oberwesel und Boppard gelegene Salzig, das milde, den grottenartigen Felsen benachbarte Bertrich an der Mosel sind nicht zu verachten. So wenig wie die im Schiefergeröll der Wälder verborgenen, auf rostrotem Bett in die Wiesen verrinnenden Quellbäche, die den Wanderer in manchen Seitentälchen des Rheinlandes überraschen. SZBer hätte bis jetzt die Geheimnisse dieser aus der Tiefe steigenden Wasser ergründet? Wie nach einem Uhrwerk, immer in bestimmten Zeitabständen steigt der fchaumweitze hohe Sprudel von Namedy auf der Insel bei Andernach p In die Höhe. Und immer gleichmähig in Temperatur und Meng« wallen und sprudeln die heißen, braunen Wasser des W ie s b a d e ne r ^K o ch - brunnens. lieber die granitene Brüstung beugen sich Tag für -rag die Wasserschöpferinnen, um den in Prozession gekommenen Besuchern die gefüllten Gläser hinzureichen. ..... Die Badezelle ist »der natürliche Keim dieser Bäderstädte. Oft verdanken L sie das Vorbild ihrer erfreulichsten Einrichtungen zur Bequemlichkeit und Körperpflege der Besucher den alten Römern, deren Villen und Bade- Häuser, geschmückt mit Mosaiken, an derselben Stelle standen, wo jetzt Kurhäuser, Inhalatorien, Gasthäuser sich ccheben. Das Baden bedarf der ärztlichen Vorschrift; das ist für das Trinken weniger nötig. So gibt es nicht wenige Qu eil en orte, die für das Baden niemals eingerichtet waren und nun fast industriemäßig mit automatisch herangerollten Flaschen das Abfangen der prickelnden Sauerwasser besorgen. Da ist die Quelle von , Rhens, die jede Woche ein Segelschiff voll Flaschen mit Apollinaris- - wasser den Rhein und die Schelde hinab nach England sendet. Da ist im alten Schloßgarten an der Lahn die Quelle von Staatlich Fachingen, deren Tafelwasser in Eisenbahnzügen nach allen Teilen Deutschlands geht. Und im Wiesengrund von Kronth al im Taunus erhebt sich neben den sieben nebeneinander fließenden Brunnenrohren des Quellbezirkes das b fabrikähnsiche Brunnenhaus unter der städtischen Regie von Frankfurt. Manche Glasbläsereien und Töpferwerkstätten im Westerwald stellen nichts anderes her als die grünenMineralwafserflaschen, die braunen röhrenförmigen Tonnen für Setters, Ems und Wiesbaden. Südsrankreich, Böhmen, di« mittlere Donau, der Kaukasus haben ihre berühmten Bäder, die ganzen Ländern als Erholungsstätten dienen. Aber keine Gegend Europas ist auf der Karte so dicht punktiert mit mineralischen Quellen, heißen Sprudeln und falten Sauerwasserbrunnen wie das Rhein- > ,gnd Es handelt sich aber da um ein gleichsam quergestelltes Rheinland, das nur in der Mitt« von dem breiten, vielgeschmückten Strom durchzogen ist- das Gebiet der Heilquellen reicht von den Ardennen zu den letzten Ausläufern des Taunus bis an die thüringische Grenze hinüber. Das ist alter vulkanischer Boden, vielleicht auch Küste längstverschwundener Meere, ein Land der mineralischen Altertümer, der geologischen Geheimnisse. Zum I rheinischen Schieferaebirge gehören ja die stumpfen Kraterhohen der i" Eifel ebenso wie "die hochgehobenen, rauh durchfurchten «chragslachen i des Hunsrück, die grauen und bewaldeten Rücken des Westerwal - des, die schöngeflochtene Gipfelkette des Taunus. Ueberall in btejen Gebirgen, besonders an ihren Rändern fliehen die Quellen, lieber den I stärksten dieser Quellen sind Ortschaften entstanden, von denen manche schon in ihren alten Namen den Hinweis auf ihr Wasser, ihr Salz oder und in diesem Sinne licht bewirkt, getrost Verantwortlich i.D..vr.Fr.W Lange.—Druck und Derlrrgt Brühl'f che-Universitäts-Buch. und Steinbruckerei,«.Lange,Gießet Der scharfsinnige griechische Philosoph Protagoras hat nun den Ausspruch getan: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge!" r ,v “ s dürfen wir von allen Vorgängen, die das Sonnenlicht bewirkt, getrost den im Pslanzenblatt als den wichtigsten bezeichnen. kächker der Barbaren; nur Attila findet kein Gefalle» daran Vielleicht verstand er die Sprachen nicht. Die Gesandten hören sich unter den Leuten achtsam um. Da finden f>e auch einen Griechen, der seit längerem bei den Hunnen als einer der Ihren lebt; der sagt: „Unter Attila lebt sich's weit besser als im Reich bei euch Römern. Hier fehlen dis hohen Steuern, und jeder macht so ziemlich, was er will, ohne Beruf szwang und leidige Aufsicht; da kann man sich glücklich fühlen." Den Gesandten stimmt das nachdenklich, und er weiß wenig zu erwidern. Der Mordanschlag aber, der sich gegen Attila richtete, wird jchliehlich doch aufgedeckt. Attila begnügt sich damit, den kaiserlichen Gesandten, der den bösen Plan betrieb, in Ketten zu legen und 50 Pfund Gold als Lösegeld für ihn zu fordern. Außerdem forderte er, daß der Kaiser in Byzanz den Eunuchen am Leben strafe, der den Plan zuerst ausgcheckt hatte. „Wie ein elender Bauer stellst du mir diebisch nach", ließ er dem Kaiser sagen. „Ich hab' meinen Adel bewahrt, du hast den deinen geschändet und bist mein Knecht, da du fortfährst, mir Tribut zu zahlen." So bellte der Gewalüge die byzantinischen Katzen an, die sich wie vor der Dogge feige vor ihm verkrochen; so hallte sein Wort wieder und wieder über die Alpen und Balkan. Aber er erlag schließlich seinem eigenen Allmachtstriebe. Als er endlich wirklich erobernd in Frankreich einfiel, erlag sein Heerbann in der wütenden Völkerschlacht auf den kata- laumschen Feldern, zwischen Troyes und Chalons sur Marne, im Jahre 451. Für ihn fochten die Ostgoten, gegen ihn aber die Westgoten unter Führung des kaiserlich römischen Feldherrn Aetius. Für die Westgoten war dies der Tag, der ihren Ruhm verewigt; denn sie retteten damals Frankreich und die römische Kultur. Ihr König fiel in vorderster Reihe; aber auch die Toten schwangen noch die Waffen und fochten in den Lüften weiter. Attila sah in seiner Wagenburg, als die Sieger ihren Heldenkönig auf dem Schlachtfeld selbst begruben, als sie ebenda einen neuen König auf den Schild erhoben. Dann zog er ab, aber er ruhte nicht. Was in Frankreich mißlang, sollte ihm jetzt in Italien gelingen. Den Schlüsselpunkt Italiens, Aquileja, nahm er; er verbrannte es. Die Einwohner flohen in die Lagunen ans Meer und bauten dort auf Pfählen eine neue Stabt, Venedig. So ist durch Attilas Raubzug Venedig entstanden, die eigenartige Keimstätte neuer üppiger Kultur. Attila dünkte sich Herr Italiens. Als er aber Rom nehmen wollte, zwangen ihn feine germanischen Vasallenkönige, dem Flehen des Papstes nachzugeben, der um Schonung bat. Sein Rückzug war ein Symptom des Endes: sein Wille war zum zweitenmal gebrochen. Im folgenden Jahre starb er. Unter seinen Söhnen zerfiel und zerbröckelte fein Riesenreich sofort wie ein Sandhaufen, über den die brandende Woge spült. Ardarich, der Gepidenkönig, der Ostgermane, derselbe, der des Attila Hauptstütze war, zerschlug das Reich seiner Söhne in glorreichstem Schlachtenkampf am Netad in Pannonien. So wie in späterer Zeit das Reich Napoleons, des Korsen, erst in 6er Völkerschlacht bei Leipzig und dann endgültig bei Waterloo zerbrach, so das Reich des hunnischen Napoleon erst bei Chalons und dann in der Gepidenschlacht. Der Hunnenschreck, das wilde Intermezzo, war zu Ende. In der Phantasie der Völker lebte Attila so ewig weiter wie Bonaparte; die Weltgeschichte aber konnte neu beginnen und da wieder anknüpfen, wo sie vor ihm aufgshört. Vom „Margen" der Pflanzen. Von Dr. Robert Potonic Privatdozent an der Technischen Hochschule Berlin. Die grünen Laubblätter können wir als den Magen der Pflanzen bezeichnen. Wenn wir dies heute hervorheben, so geschieht dies deshalb, weil die Wissenschaft von diesem Magen der Pflanzen in der letzten Zeit bedeutende Fortschritte gemacht hat. Die neuesten Entdeckungen auf diesem Gebiete verdanken wir dem hervorragenden Chemiker R. Willstätter. Er hat unsere Kenntnisse von dem grünen Farbstoff der Blätter wesentlich vermehrt. Mancher wird sich nun vielleicht wundern, warum man sich gerade für den grünen Farbstoff der Blätter so sehr interessiert; eben das ■ ist es, was in den folgenden Zeilen erklärt werden soll. — Die Tagespresse hat in der letzten Zeit über Willstätters Ermittlungen manchs Notiz gebracht, kaum aber ist darauf hingewiesen worden, warum es denn nun von so großem Interesse ist, gerade über das Blattgrün Näheres zu wissen. Der Magen Der Pflanzen hat Eigenschaften, die ihn von unserem * Magen gänzlich verschieden machen. Aber das wird jeder nur vermutet haben. Wenn wir es ganz kraß und allgemeinverständlich ausdrücken wollen, was den Pflanzenmagen in erster Linie von dem unseren unterscheidet, bann dürfen wir cum grano salis sagen: Die Pflanze verdaut Steine, aber wir können nur Brot verdauen! Die Wurzeln entnehmen dem Erdboden Wafser, dieses wird mit den „Gesteinen", die es gelöst enthält, zu den Blättern geführt. Die Blätter selbst entnehmen der Luft ein Gas, die bekannte Kohlensäure, und nun beginnt die Verdauung dieser Nahrung. Das heißt, das Wasser sowie die in ihm gelösten Gesteine und die Kohlensäure werden miteinander verbunden und in denjenigen Stoff verwandelt, aus dem die Pflanze ihren Körper aufbaut. Aber wie kann das alles geschehen? Die Antwort auf unsere Frage lautet: Es ist das Sonnenlicht, das im Pflanzenblatt in so wunderbarer Weise wirksam ist! Daß das Sonnenlicht die mannigfachsten Umwandlungen zu vollziehen vermag, ist heute niemand mehr fremd. Beruht doch die Photographie auf dieser Tatsache. Ja, manche modernen Chemiker sagen sogar, es gebe überhaupt keinen chemischen Prozeß, der nicht vom Licht beeinflußt werben könne. Trotzdem mancher es als müßig bezeichnen mag, so ist es doch ein sehr anregendes Experiment der Phantasie, sich einmal diesen Ursprung, lichsten aller Lebensprozesse wegzudenken. Diesen einzigen uns bekannte»' Vorgang, bei dem wir direkt verfolgen können, wie aus „toter" anorgani. scher Materie „lebende" organische wird. Hier wird vor unseren Auge» „aus Steinen Brot"! Denken wir uns den in Rede stehenden Vorgang fort, und versetzen uns in Gedanken in jene urgrauen Zeiten, in denen noch kein Lebewesen unsere Erde bevölkerte, bann müssen wir einsehen, daß ohne diesen Vorgang das „Leben" wohl nie entstanden märe. Gerade von der die Sonnenwärme bannenden Kraft des Pflanzen Mattes wird so gern in phantasievoller Weise geschwärmt. Deshalb fei auch noch daran erinnert, daß man sich mit Porliebe auszumalen pflegt, wie nur durch die Wirkung des Blattgrüns die Kohlen entstanden feien; und wie ohne Kohlen die ganze Pflanzenwelt völlig unmöglich wäre. In den Zellen des Pflanzenblattes befinden sich nun in Form rot kleinen Körnern die Träger des Blattgrüns. Das find die „ßaboratorien“, in denen der uns int-eressterende Vorgang, die Assimilation, vor sich geh Schon ein Mann wie Darwin hat deshalb das Blattgrün die vielleicht interessanteste unter den von den Lebewesen herstammenden Verbindunge: genannt. Wenn man aber auch schon längst wußte, baß das Blattgriii das Sonnenlicht in sich aufnimmt, und so indirekt zur Bildung der standteile des Pflanzenkörpers beiträgt, so hat man doch erst in letzte, Zeit eine tiefere Einsicht in die Art seiner Wirksamkeit gewonnen. Das selbe gilt, wie schon angebeutet, von seiner chemischen Zusammensetzung Man hat kristallisiertes Blattgrün hergestellt, seine künsüiche Darstellung ist gelungen usw. Aber diese rein chemischen Dinge sind recht spezielle, Natur. Es wird den Leser weit mehr interessieren. Näheres von ben Lebensoorgängen in dem Pflanzenblatt zu erfahren. Wenn die. Pflanzenblätter ihre Nahrungsmittel, die Kohlensäure uni das gesteinhaltige Wasser „verdauen", d. h. also, diese Stoffe in Diejenigen ihres eigenen Körpers verwandeln, bann geht das nicht mit einem Sprunge vor sich, fonbern die Verwandlung vollzieht sich stufenweise. Eim dieser Stufen ist ein bestimmter Zucker. Es ist dechalb von größtem Irn tereffe, daß es dem Prager Gelehrten S t o k l a f a in Gemeinschaft ml Zdobnicky vor einiger Zeit gelungen ist, aus der Kohlensäure der Sufi bet Gegenwart von gesteinhaltigem Wasser einen Zucker herzusteM Einen ähnlichen Erfolg hatten die beiden französischen Gelehrten B en thelot und Gaudechon. . . Genau wie man vor Wöhler annahm, die zum -teil ]o fompluienen Stoffe, aus denen die Lebewesen bestehen, könnten nur durch das „Leben" selbst erzeugt werden, so glaubte man bis vor kurzem, dah unbedingt der geheimnisvolle grüne Stattfarbftoff nötig sei, damit im Pflanzenblatl Zucker werden könne. Man schrieb dem grünen Blattfarbstofl als raffel hafte unerforschte Macht zu, er habe die Fähigkeit, Wärme aufzuspeichnn. und da man beobachtet hatte, daß die Zuckerbildung nur im Lichte vor sich geht so pflegte man etwa zu sagen: Das Blattgrün sammelt so die strich lende Sonnenwärme. Läßt sich doch der Zucker verbrennen und gibt bann Wärme ab, währenb dies mit den Körpern, aus denen ihn bte Pflanze herstellt, nicht der Fall ist. . , . Stoklasa und Zdobnicky stellten nun ihre Versurye in der Weise an, daß sie die Kohlensäure ben chemisch so außerordentlich wierksamen Strahl« eines bestimmten violetten Lichtes aussetzten, und zwar wie gejagt in Gegenwart eines gesteinhaltigen Wassers und noch eines anbera, Gases, dessen Vorhandensein im Pflanzenblatt ihnen durch frühere Untere suchunaen bekannt He^vorben war. Dieses andere Gas ist der Wasserstoff. Durch die Bestrahlung entstaub ohne weiteres zunächst ein Zwischen. Produkt, und dieses verwandelte sich in einen Zucker. Bei diesem Prozch war nun kein Blattgrün zugegen. Welche Funktion kann bann aber biefer einst so hoch eingeschätzte Farbstoff haben? Wenn bas Sonnenlicht durch irqenbeine farbige Substanz hinburchgeht, so wirb ein bestimmter Teil der Strahlen aufgesaugt. Dies gibt sich nicht nur daburch zu erkennen, baß baß das Licht hinter der Substanz eine andere Farbe hat, man merkt auch, wie der durchleuchtete Körper allmählich warmer wirb. Sui Teil des Lichtes hat sich also in Wärme umgesetzt. Durchbringen nun bu Sonnenstrahlen z.B. bas Blattgrün, so geht der grüne Teil des Licht« hindurch, während diejenigen Strahlen, die zusammen Violett ergeto würden, als Wärme zurückbleiben. Stoklasa meint deshalb, bas Blatt' grün habe die Aufgabe, die violetten Strahlen des Sonnenlichtes m M aufzunehmen, um sie in ähnlicher Weife zu verwerten, wie es bet seine« Versuchen der Fall war. Mit dieser Anschauung steht er im Gegensatz z» einem anderen bedeutenden Gelehrten namens Baeyer, der aus o« chemisch bewiesenen Verwandtschast Des Blattgrüns mit dem roten stoss unseres Blutes den Schluß zieht, der grüne Blattfarbstoff habe w Aufgabe, ein mit der Kohlensäure verwandtes Gas, nämlich das Kohlern oxydgas, aufzunehmen. Dieses Gas wird von dem roten Farbstoff uchere Blutes in der Tat begierig verschlungen. Es soll nach Baeyer durch w Wirkung des Sonnenlichtes aus Der Kohlensäure entstehen. Erst Diel« Gas soll bann weiter zum Aufbau bes Pflanzenkörpers verwertet wer» Angesichts der großen Kraftansammlung, die in der Pflanze vor R geht, und die uns unter anderem in der Form von Kohle so sehr JW' kommt, ist nun immer wieder daran gedacht worden, die Sonnenstrahie der Technik direkt nutzbar zu machen. Die Zeiten, in denen es keim Kohlen mehr geben wird, liegen nicht mehr viele Jahrhunderte ensternc Dann werden die Vorräte der von vorweltlichen Pflanzen gespeicherte» Sonnenwärme erschöpft fein. Welcher beängstigende Gedanke ist bau J benjenigen, der da überschauen kann, daß gegenwärtig keiner unserer w dustriezweige ohne Kohle möglich ist. Langsam beginnt man besw, diesem Problem näherzutreten, und einige kleine Fortschritte hat Wissenschaft auf diesem Gebiete auch schon gemacht. Bisher malte man R immer aus, wie vielleicht einstmals die wenigen kraftltefernden Wal! fälle zu den Zentren der Technik werden könnten. Heute ist die Pyoni l nicht mehr zu kühn, wenn sie zu der Ansicht gelangt, daß bte Wüste Hara das reiche Land der Zukunft fei. Brennt doch dort bte Sonne nur noch in wenigen anderen Gegenden hernieder.