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Du hast dich mit Erd« beschmutzt, so sagte die Mutter, und das Kind, das Erde war, strich hastig die Erde von sich; die Erde, die wir sind, die wir waren, die wir werden, auf der wir leben, die uns Wohnung, Kleidung, die uns Essen, Trinken und das Holz unseres Beites schenkt, in dem wir gebären und sterben; die den Sarg sür uns wachsen läßt, unsere Totenkerzen, das Kreuz, di« Blumen des Schmuckes, die Orgel, die singt, das Glas unserer Brillen, die den Schirm und den Stock liefert, mit denen wir stelzen, den Stein zum Kunstwerk, die Feder zum Schreiben, das Buch zum Lesen, die das Feuer enthält, das heilende Bad, auf der wir uns lieben, aus der die Vögel stammen, in die sie finken, wie unsere Eltern und Ahnen, auf her dis Wälder, die Meere, die Seen sind, die jede Kraft, die den Tag und den Abend schafft und alles und alles: solche Erde — beschmutzt nicht. o Mutter, sie ist heilig! Erde sind wir, es gibt nichts ohne die Erde auf Erde: und der Himmel selbst, der Himmel selbst, o Mutte auch er, auch er wölbt sich nur über die Erde, weil die Erde ist, die niemals, niemals — beschmutzt, die wir beschmutzen, die Gottes Leib ist, umzogen von Gottes ewig atmenden Winden. Hieronymus im Gehaus. Von Wilhelm B o e ck. Dürers Stich „Hieronymus im Gehäus" ist ein Blatt von einem ganz besonderen Reiz der Stimmung. Es ist ein Jnnenraum mit kahlem Fußboden, roher Brettsrdecke und glatten Wänden, aber von einer Beseeltheit und einem Wohlbehagen, daß eine stille Freude von ihm auf den Betrachter übergeht. Wohl flutet das Licht großartiger durch die Verkündigungskapelle von Grünewalds Jsenhsimer Altar, jeden Winkel ausspülend und die körperliche Erscheinung klärend; doch das Sonnenspiel, das Dürers Hieronymusbild durchwebt, löst dem Bewohner eines Klimas, das so wenig wirkliche Sonnentage kennt, ein befreiendes Gefühl der Würms. Nicht der grelle Strahl der Sommersonne zeichnet ein scharfes Helldunkel in die blitzblanke Nürnberger Stube, sondern das erwachende Frühlingsgestirn spendet seinen matten Hauch durch die reizenden Butzenfenster, malt die kleinen runden Flecke mit den zarten Trennungskreisen in die Fensterleibung, fiedelt über die Maserung des Holzes und hüllt einen feinen Schleier um alles, was in diesem Gemach tot und lebendig ist. Da sitzt an einem Tische der Mittelpunkt der ganzen Komposition, der heilige Hieronymus selbst, angetan mit feiner Kutte, und schreibt an dem kleinen Pültchen mit spitzigem Kiel seine lateinische Bibelübersetzung. Ein schwacher Heiligenschein umzittert fein kahles Haupt; leise kräuselt sich sein würdiger Bart ins Buch. Ihm gegenüber in der Tischecke der Kruzisixus, von dem ihm beim Schreiben immer neue Inspiration zukommt. Ein zufriedener Ernst weht um diesen Heiligen, in Dürers Zeitalter einen der beliebtesten. Er teilt ja doch so manchen Wesenszug mit jenem Erasmus von Rotterdam, dessen Geiste damals ganz Europa huldigte. — Ein ernster Wisierschaftler ist dieser Heilige. Das lehren die Folianten, die die Fensterbank schmücken, die Aufzeichnungen und die Papierschere, die hinter das Band an der Rückwand des Gemaches gesteckt sind. Dicht daneben hängt das Zeichen gläubiger Frömmigkeit, der Rosenkranz, an seinem Nagel. Hieronymus ist jedoch ein Mann einge- zogener, bescheidener Herzensfrömmigkeit und will nicht vor der WAt glänzen. Zwar ist er ein hoher, geistlicher Würdenträger, doch hängt nicht dort der Kardinalshut gelangweilt an der Wand, als drohe er zu verstauben? Was aber anderen als reinster Ausdruck unfruchtbaren Todes erf deinen mag, das ist bei ihm ans Licht gezogen. Das hellste Fleckchen auf der Fensterbank nimmt der Totenschädel ein, für Hieronymus Keim großer Gedanken von der Vergänglichkeit des Irdischen. Aber nahe dabei, unter der Bank, laden die Pantoffeln ein, winken vom Sitze die wohligsten Kissen zu behaglicher Beschaulichkeit. Man fleht da ein ganz anderes Bild heraufsteigen. Die Fenster öffnen sich auf den gestirnten Nachthimmel, und davor lehnt sinnend Hieronymus, in der Hand den Schädel, und in der Ecke rinnt die Sanduhr, läuft die Zeit. — So ist jedes Ding von ihm als dem guten Geiste des Gemachs belebt und nur für ihn da. Er ist eben der Hieronymus im Gehäus. Und wie wohl fühlt sich hier die lebendige Kreatur, die seine Wohnung teilt. Aus den sorglosen Mienen des schlummernden Hundes lesen wir die große edle Naturliebe seines Wohltäter« ab, und der mächtige Löwe mutet trog seiner gefährlichen Tatzen gar nicht dräuend an, scheint vielmehr ein durch die Güt« des Hieronymus überwundener, reuiger Sünder zu fein, was er ja auch in der Tat ist. Diesen König der Wüste hat die Legende mit liebenswürdigen Zügen aus Märchen und Fabel ausgeftattet. Er fand zu dem Heiligen den Weg, als er, die Pfote von einem Dorn verletzt, vergebens nach Heilung suchte, und blieb, da Hieronymus ihn nun von seinem Peiniger befreit hatte, in dankbarer Anhänglichkeit fein Hausgenosse. Alle Raubtiermanieren legte er ab und weihte sich als Büßender dem Dienste des Heiligen. Der konnte ihn aud) recht gut gebrauchen; denn wenn man Bücher schreibt, gibt man sich nicht gerne damit ab, einen Esel auf der Weide zu hüten. Andererseits hatte aber Hieronymus den Esel nötig, da er ihm das Holz aus dem Walde heimtragen muhte. So war er sehr erbaut, einen eifrigen Wächter für fein Grautier gefunden zu haben. Nur einmal glaubte er, j bei dem Löwen einen Rückfall in die alten üblen Gewohnheiten feststellen i zu können. Das kam so. Lange Zeit versah der Löwe getreulich seine Pflicht, da geschah es zu seinem Unglück, daß er sich einmal auf der Wiese von der Müdigkeit überraschen ließ und einschlief. Diesen Umstand benutzten freche Räuber, den Esel zu entführen. Trostlos irrte der geprellte Löwe umher und suchte lange umsonst nach feinem Schützling. Als er endlich allein heimkehrte, glaubte Hieronymus, aus feinem gedrückten, scheuen Wesen nicht anders schließen zu können, als daß er den Esel in einer sündigen Anwandlung ausgezehrt habe, und hielt ihm eine lange Strafpredigt. Der Löwe, ganz schwermütig geworden, streifte nun Tag und Nacht durch die Gehege des Tals, den Esel zu finden, bis er die Räuber schließlich auffpürte, ihnen ihren Fang abjagte und stolz nach Haufe transportierte. Da ging Hieronymus ein Licht auf und es fiel ihm ein, daß der arme Angeklagte ja gar nickst blutbefleckt gewesen fei. Die Diebe aber folgten der Spur des wunderbaren Tieres, erflehten und erhielten Verzeihung und Segen des frommen Mannes. Dürer hat mit dem Hieronymusblatt eine neue Form des Heiligenbildes gefunden; die große Einzelfigur, die dramatische Handlung sind hier einem Heiligengenre gewichen. Ein echtes Genrebild von so leisem Stimmungsgehalt, daß man meinen muß, die Feder über das Papier rascheln und die Bücherwürmer in den Folianten bohren zu hören, hat uns der Nürberger Meister 100 Jahre vor der Blüte des holländischen Interieurs geschenkt. Der Stich ist 1514 unter seiner Nadel entstanden, etwa gleichzeitig mit den beiden anderen großen Blättern der „Ritter, Tod und Teufel" und „Melancholie". Stets vertraute Albrecht Dürer seine liebsten Geheimnisse der mmutiöfen Technik der jungen Kupferstecherkunst an; seine Stiche waren daher, im Gegensatz zu den populären Holzschnitten, für einen Kreis verständiger Liebhaber berechnet. Aber keinen Nachhall hat der entzückende Jnnenraum in Deutschland gehabt. Was man damals von Dürer wollte, klare Formeln für monumentale Darstellung im Sinne der Italiener, bas fand man im Hieronymusblatt nicht, und — man ging daran vorbei. So steht der „Hieronymus im Gehäus" einzig in Dürers Werk, einzig in der Kunst seiner Zeit. Von der Entstehung der Alpen. Von Profesior Dr. Weilburg. (Nachdruck verboten.) Wer je in Südbayern oder Tirol oder in der Schweiz in ehrfürchtiger Bewunderung die Bergriesen der Alpen erblickt hat, den wird die Frage and) ihrer Entstehung etwas sonderbar anmuten. Wenn etwas mit dem Anspruch auf Ewigkeit vor uns hintritt, so find es so gewaltige Steinmassen, und selbst wer da weiß und fühlt, daß nichts auf dieser Welt ewig ist, dem wird es doch auf den ersten Blick vermessen vorkommen, daß sich das winzige Menschlein mit seinem nur wenige Jahrzehnte umspannenden Leben anmaßt, den Gesetzen des allmählichen Werdens dieser scheinbar ewigen Natur nachzuspüren. Aber selbst ein wenig geübtes Auge sieht an unzähligen Stellen, daß diese Felsmassen — die Wissenschaft nennt sie „Sedimentgesteine" — durch Ablagerung aus dem Meere entstanden sind. Die Schichtenbildung beweist dies ja aufs klarste, und da das Meer immer unten war, so ist es klar, daß nach der Bildung der Gesteine die gewaltige Hebung stattgefunden haben muß. Dabei sei gleich bemerkt, daß die Zeiten, die solche Gebirgsbildung erfordert, zwar mit dem Maßstab menschlicher Geschichte y-meffen, fast als unermeßlich lang anzusprechen sind, daß sie aber ver- ^»chen mit den Zeiten, auf die unsere Erde feit ihrem Erkalten schon zurückblicken tarnt, als ziemlich kurz erscheinen. Merkwürdigerweise ist die Erkenntnis, daß die Alpen ein Faltengebirge lind, noch nicht sehr alt. Mer die Gesteinschichten zeigen tatsächlich «. 4,6, »adlreLcken Stellen jo deutlich ihre Fültennaiur, datz sich die Wissenschaft über diese Grundnatur des Gebirges klar ist. Biele Kilometer —w:z «rttrerft fid) oft eine einzige Falte, und wir fragen uns staunend nach kNu, die solche geradezu ungeheuerlichen Wirkungen hervor- ^EMe lanqe"herrschende Ansicht, die auch den Vorzug großer Einfachheit und Deutlichkeit hat, ist die folgende: Die Erde birgt in ihrem Innern «inen feuerstüisigen Kern. Dieser kühlt sich allmählich ab und zieht sich M wie bÄ weitem die meisten Stoffe bei sinkender Temperatur, zu. jammen Die Erde wird also kleiner, aber die bereits erstarrte äußere Erdkruste kann wegen ihrer Festigkeit und dann auch, weil fte >a bereits abaekühlt ist und sich infolge der Sonnenbestrahlung nicht weiter abkuhlt, dem nicht ohne weiteres folgen. Es entstehen infolgedeßen starke seitliche Drucke, und diese sind die Ursache der Faltenbildung. Man kann sich diesen Vorgang sehr chön klarmachen, wenn man irgendeinen rege mäßig zu- jammengeleaten Stoss, etwa einen Stoß Handtücher oder dergleichen, auf Len Tisch legt und von beiden Seiten dagegen druckt. Man wird sehen, wie sich die vorher genau wagerecht liegenden Schichten infolge desfeit- Uchen Druckes in die Hohe heben und also Falten bilden In ähnlicher Weise dachte man sich auch früher die Entstehung der Faltengebirge und insbesondere auch der Alpen. , . . Es mag dahingestellt bleiben, ob diese Annahme in dem einen oder andern Fall zutrisst. Im allgemeinen ist sie jedenfalls, wie die neuere Forschung gezeigt hat, für die Alpen nicht richtig. Denn Faltenbildung Lieser Art setzt voraus, datz die gehobenen und gefalteten Schichten auf beiden Seiten einen Widerhalt finden, der ihren Druck wahrend der Fell- tunq aushalten kann. Nun gibt es aber in den Alpen Falten, wie z.B. die berühmte ©tarnet Falte, die auf der einen Seite plötzlich abbrrcht, also überhaupt nur nach einer Richtung hin entwickelt ist Es gibt weitere Beispiele wo die gefalteten Schichten eine große Mächtigkeit (brs zu 3000 m) haben, während die seitlichen Schichten, gegen die sie sich abstutzen, nur etwa 100 bis 200, allenfalls 300 m stark find, so daß es ganz unvorstellbar ist datz sie bei der Faltung nicht nachgegeben und eben dadurch die Faltung verhindert hätten. Wir sehen also, daß die obenerwähnte Theorie, die man auch die vom „schrumpfenden Apfel" nennt, weil >a auch ein trocknender Apfel aus ähnlichen Gründen Falten aus seiner Haut wirst, doch bei aller scheinbaren Einfachheit einer Prüfung durch die Tatsachen ’ ’dgn manchen Fällen jedenfalls müssen es einseitig wirkende Kräfte gewesen sein, denen die Faltung zu danken ist. Rutscht etwa Schnee an einem schrägen Dach herunter, so kommt es mitunter vor, daß sich die oberen Schichten leichter bewegen als die unteren, die vielleicht an noch fest- lieaenden Schnee einen gewissen Widerhalt finden. Die Folge ist, daß Die ganze Schneedecke sich nach oben bauscht, daß stch also wiederuni eine Falte bildet, die aber nicht, wie bei unserer ursprünglichen Annahme^einen von beiden Seiten wirkenden Druck, sondern nur eine einseitige «chub- kraft voraussetzt. . , ,, ... . . Hierzu kommt noch folgende Ueberlegung: Wie schon erwähnt, sind manche Schichten von ganz ungeheurer Mächtigkeit, bis etwa zu 3000 Meter. Wir fragen uns, wie diese überhaupt entstanden sein können, denn Ablagerungen können immer nur an der Grenze zwischen Meer und Land, also am Ufer ober auf dem Meeresboden entstehen. Keine dieser ©teilen kann aber um 3000 Meter in der Höhe schwanken. Wir sind also ganz notwendig zu der Annahme gezwungen, daß die Schichten während ihrer Bildung in die Tiefe gesunken sind, um eben dadurch für neue Schichten, die sich nunmehr an derselben Stelle bildeten, Platz zu machen. Es klingt auf den ersten Augenblick verblüffend, ist ober doch schließlich unbestreitbar, wenn wir sagen, daß die Bildung dieser himmelragenden Gebirge zum mindesten teilweise mit einem Absinken in fast unergründliche -riefen begonnen hat. So sind viele Falten in der Tiefe entstanden, und die Faltenbildung ist von der nachher erfolgten Hebung, der das Gebirge als solches fein Dasein verdankt, völlig unabhängig. , Die Auffassung, datz ganze Schichten allmählich in die Tkefe schien, setzt nun wiederum voraus, datz der Untergrund, wenn auch natürlich nicht flüssig im gewöhnlichen Sinne, so doch immer plastisch nachgiebig fein mutz. Auf diese Auffassung, die, wenn wir uns einmal etwas übertrieben ausdrücken wollen, darauf hinauskommt, datz die gesamten Alpen schwimmen, wird man auch durch manche andere Tatsachen geführt. Namentlich die Untersuchungen der Erdbebenmesser über die Fortpflanzung der Erdbebenwellen im Innern der Erde, führen zu ganz ähnlichen itl ^Dem^Zaren waren diese ununterbrochenen Klagen und Anklagen zuwider, um so mehr, als er nicht im flcnngflen daran dachte, mit den Waffen die Ansprüche seines rug-endlich-n Bastes zu unter stützen und er kam auf den klugen Gedanken, dem Prinzen .olg.nden Vorschlag zu machen: er wolle sich zunächst mit dem berühmten und klugen^ König von Sizilien in Verbindung setzen und«er wifte dies auf keine bessere Weise zu tun, als dadurch, daß den Alexius Deuteros selbst und den Maleinvs zu .Ueberbringern emer Dotschaft mache So sei doch auch diesen beiden oie günstigste Gelegenheit aeaeben den falschen Prinzen Alexius zu sehen und ihn vor dem ganzen'Hofstaate in Palermo zu entlarven. Wenn dies erst geschehen K. lasse sich die staatsmännische Seite der Frage wesentlich einfacher erledigen, und es könne wohl kaum ein Zweifel bestreu, dah die russische und sizilische Macht gemeinsam einen Feldzug gegen den Andronikus unternehmen werde." Ja, er jtagte, um feinen A - fiihrunaen das nötige Gewicht zu geben, noch andeutend bei, man könne auch unmittelbar nach der Entlarvung desBetrügersoen Grohfürstfti Äta’ÄÄ'ernft&aft Auge fassen Der WLSSMW brarmtwein getrunken hatte, den frommen Wunsch geäußert, haben, der Alerius Deuteros mitsamt seinem Begleiter möge... An ^einem Aprilmorgen kameii die beiden in Palermo an. und WM S°°«° LlSEL-WLM-S- Geschäfte verlangten feine Anwesenheit ™ M Wbft den Kanzler Ajellus in den Thronsaal bitten, wohin er ficy RMKWWWW-S dv'Ä fSÄffis.” S" mi» 'Äüllc ihm die große Aufschrift „Rur für den König" entgegenspiang. Er wecktalte einm rächen Mick mit dem Kanzler sagte etwas auf normävmis-L unTerttärte den Fremden, er rnüfte f«H auf eine kurz- Stunde in sein Kabinett zurückziehen, da es sich offenbar um Anaeleaenheit von größter staatsmännischer Tragweite Hand . Frühstück im Garten reichen lassen und fiewiel^r zu sich Wenn er mit dem Kanzler die Sache besprochen fjabe. @nnxter In seinem Zimmer warf er sich auf einen Diwan und der Kanzler verlas das Schreiben, in dem recht wenig stand, am Anfang \ Worte von der Gnade Gottes, im mittleren Deck ? Gottes Weisheit, und am Schluß von der Freude, .die russow« Zar empfinde, dem berühmten sizckanbch«i König und Au ^r- Gottes Gnaden einige bescheidene Geschenke als Zeichen s - cnelI ehrung durch den Erlauchten Prinzen Alexius Deuteros den Konm und dessen Vegleiter Maleinos überbringen zu lassen. In Fußnote stand vermerkt, .es solle nicht vergiften furzest hinzuweisen, daß Alexius den Pnnzen gleichen Aamens. l^r zur^ , in Palermo weile, für keinen wahren Prinzen halte, waszu ero > scheiden natürlich weder in der Mö»lichleit noch m der Absicht w unveränderte Kühle des Herzen«, datz selbst diese vielen vornehmen Leute, wenn sie einmal ganz unter sich waren, meinten, daß sie noch niemals an irgendeinem Fürsten eine solche natürliche und angeborene Hoheit des Wesens verspürt hätten. Und sie waren gerade zu der Zeit am tiefsten von der wirklich kaiserlichen Haltung des Prinzen Überzeugt, als Umstände eintraten, die auch die Veweise eines wirklich kaiserlichen Wesens verlangten. • Die Kunde von den Ereignissen in Palermo war natürlich nach Vhzanz gedrungen, wo der Kaiser Andronikus ein grausames Regiment führte, und von Vyzanz auch nach Rußland, wo ein Reffe des Kaisers Emanuel, Alexius Deuteros mit Rainen, nach dem Lod seines Oheims am Hof des Zaren Zuflucht gesucht patte. Dieser junge komnenische Prinz nun geriet außer 1'4 vor Wut, als er die Rachricht von der angeblichen Rettung des Kronprinzen vernahm, und erhob ein großes Geschrei, der gute König Wilhelm sei einem Schwindler zum Opfer gefallen. Rie und nimmer fei der Thronerbe am Leben, er könne die Bewege dafür erbringen daß sein Vetter ermordet und ins Wasser versenkt worden fen Diese Deden wurden auf das nachdrücklichste unterstützt von einem Griechen mit Damen Maleinos. dec als Vertrauter des Alexius ®eutewä am Hofe lebte und seinen jungen Herrn antrteb. den Eckchen Kaiser um eine Einmischung anzugehen. Der Prinz, versäumte Mich nicht, dies in fast herausfordernder Weise zu tun intern er immer wieder von neuem sagte: er habe einen Stoiefacgen Äamtü 8U kämpfen: gegen einen Betrüger in Palermo und einen Thrvnrauvei Vorstellungen. So sind wir nun leider gezwungen, mit einer ganzen Reihe von Fragezeichen zu schließen. Wir wissen, daß unsere Erde, die „wohlgegrum.ete, dauernde Erde", wie Goethe jagt, nicht so unabänderlich ist, wie sie aus» steht. Wir wissen, datz in ihr Kräfte wirksam sind, die anscheinend Hunderttaufende von Jahren immer in demselben Sinne wirken, und daß sie schließlich Veränderungen hervorbringen, deren Ausmaß unser Erstaunen hervorruft. Aber die physikalische Natur dieser Kräfte ist vielfach noch dunkel und rätselhaft, und hier bleibt der Forschung künftiger Zeiten noch ein weites Feld. Die Geschichte des Prinzen Alexius. Von Albert H. Rausch. (Schluß.) Die Königin Johanna hatte nicht ganz so unrecht mit ihrem Urteil, denn der junge Prinz zeigte entschieden mehr Hang fur die schönen Künste und Len Umgang mit Damen, als für Waffen- Handwerk und Staatsgeschäfte. Dem König aber war diese Anlage nur angenehm, und er versäumte in nichts, der Erziehung de» jungen Kaisersohnes die Vollendung zu geben, die ihr noch fehlte. Vor allem sorgte er dafür, datz sich der feingebildete Richard A;ellus des Knaben annahm, waS keiner besonderen Bemühungen bedurfte, und daß ihn der Prinz Abdurrhaman in die Geheimnisse der ara. bischen Sprache einweihte. Alexius lernte daS Reue mit erstaunlicher Leichtigkeit, bewahrte aber bei aller Freundlichkeit eine W russischen Staatsoberhauptes Ite*. vaS sich mit der einfachen An- erkennung bestehender Verhältnisse begnüge. Wenn aber der König Wilhelm es für gut erachte, dieser Frage nahezutreten (die vielleicht für ihn eine politische Bedeutung gewinnen könne), so habe er ia an den Aussagen der beiden Byzantiner eine Handhabe. Wre man allerdings diese Aussagen nachprüfen und ob man ihnen Glauben schenken könne: das sei abermals eine andere und, wre begreiflich. fast urr- K6b®er König sah lange den Kanzler an und der Kanzler lange den König. Dann lachte Wilhelm laut auf — der Kanzler aber saß nachdenklich an dem schweren Lisch, während er leicht mit dem zusammengerollten Pergament die geschnitzte Kante schlug. - , „Was habt Ihr, Ajellus?" fragte der König. „Ihr werdet doch diesem Unsinn keinen Glauben schenken?" r.,., . „ Maiestät: es ist mein Beruf, zunächst das Politische em« Sache zu sehen und dann das Persönliche. Da Ihr nun wißt, daß wir schon lange im geheimen den Plan eines Feldzugs gegen Byzanz hegen, so können uns die Enthüllungen dieses Alexius Deuteros nicht gleichgültig sein." „ , Was, Ajellus? Ihr nehmt diese Sache erlist? Ihr rechnet über- Haupt mit der Möglichkeit, es könne etwas Wahres an den Ausführungen dieses Alexius Deuteros sein?" Bach allem, was wir von byzantinischen Zuständen wissen, Majestät, muß ich mit einer solchen Möglichkeit rechnen, und es bleibt meines Erachtens gar nichts anderes übrig, als zu untersuchen, wie sich diese seltsamen Dinge verhalten. Ich muß sogar sagen, daß es mir gar nicht ganz unerwünscht käme, wenn tatsächlich Euer Gast und Freund nicht der wirkliche Erbe des Komnenen wäre und chatt des Sohnes Emanuels nur sein Messe vor den Augen der Breit unseren! Zug nach Byzanz eine Begründung gäbe. Denn dem Sohne Emanuels wären wir immerhin — so wie die Dinge liegen innerlich verpflichtet, zumal da auch Eure persönliche Zuneigung Euch ein ganz bestimmtes Verhalten geböte, hingegen wir einem nur entfernten Verwandten des verstorbenen Kaisers unsere Bedingungen bis ins kleinste vorschreiben könnten, wenn wir uns «rtschlieheni, sozusagen für seine Sache einzutreten. Ein Zug nach u^zanz zur Wiedereinsetzung des vertriebenen, rechtmäßigen Thronerben tottrDe uns nicht mehr als ein vorteilhaftes Eingreifen in die östlichen Verhältnisse gestatten, ein Zug für einen Alexius Deuteros aber würde uns — und nur unter dieser Voraussetzung wäre er zu unternehmen ■— eine byzantinische Kolonie, wenn nicht den byzantinischen Thron selbst sichern..." . „Bei Allah und seinen Propheten," versetzte schmerzlich der König, „ich kann mich Euren Ausführungen nicht verschließen. Wenn auch nicht der geringste Zweifel an Alexius, der mir tote ein kleiner Bruder ans Herz gewachsen ist, in mir aufkommen kann, so begreif« ich dennoch, daß ich Euren Ratschlag befolgen mutz, und sei es nur, um vor der Welt den falschen Schein zu vermeiden, ich bedwne mich mit Wissen eines unechten Prinzen, um mir selbst den Weg zum byzantinischen Thron zu bahnen. Latzt also noch auf heute abend die Großen zusammenrufen. Ich selbst will inzwischen nach der Favara fahren und mit Alexius reden. Entschuldigt mich bei ben Fremden, laßt ihnen Gemächer anweifen und entbietet sie auf dl« fünfte Abendstunde. Das Schreiben des Aussen aber tut ini das Geheimkabinett und seht, datz bei Gelegenheit eine ähnliche Botschaft voll Gottseligkeit nebst Geschenken an den Zaren gelange. Damit verneigte er sich leicht und ging. Er speiste bei dem Erzbischof Walter Offamilio, dem er die Angelegenheit vortrug, und begab sich gegen zwei Ähr nach seinemLustschlotz. Alexius wandelte gerade nach der Mahlzeit Arm in Arm mu Richard Ajellus auf dein weißen Wege um den Goldfischtei-y und ließ sich die Landkarte erklären, die der arabische Gelehrte Eb-risi für den König Doger entworfen hatte. Das Gespräch hatte auch einen Lieblingsgedanken des Prinzen öfters berührt: mit Richard auf die Dauer einiger Jahre nach der Hochschule von Salerno über» zusiedeln und sich dort noch allerhand Kenntnisse zu erwerben, die auch einem Fürsten nichts schaden können. Da kam der König auf sie zu, und bat Alexius, mit ihm nach einem entlegeneren Teile des Parkes zu gehen, da er Dringendes mit ihm zu bereden habe. Der Knabe staunte. Auch Aichard konnte seine Äeberraschung mcht verbergen. Er zog sich sogleich nach dem schattigen Kreuzgang zurück, während Wilhelm den Prinzen nach der entgegengesetzten Seite entführte. — Es war fast über eine Stunde vergangen, ehe bre beiden wieder auf einer Anhöhe in der Mitte des Gartens sichtbar wurden. „Du weißt es. Alexius:, ich glaube an dich! Aicht um mich selbst zu überzeugen, muh ich das Für und Wider in dieser Sache Soren lassen. Ich will, daß von vornherein meiner Ämgebung und dem Volk der Zweifel genommen werde, den dein Vetter aus streuen würde, wenn wir ihn nicht sofort im Aate der Großen entwaffneten. Deshalb tue um der raschen und allgemeinen Klärung willen, worum ich dich bitte: Lasse ruhig — wie du es kannst — diese wenigen Stunden über dich ergehen, und sei mit den Waffen Sieger, die dem Sohn des Komnenen ziemen." Alexius senkte zustimmend den Kopf, aber feine Zuge waren bleich wie die Seide seines elfenbeinsarbigen Kleides, und seine link« Hand spielte unruhig am goldenen Knauf des Dolches. „Laßt mich eine Stunde allein, ehe wir nach der Stadt fahren, sagte er zu dem König, „und erlaubt mir, mich zu sammeln. Seit ich hier am Hofe bin, habe ich vergessen, daß es trübe Dinge auf der Welt gibt. Ihr verwöhntet mich zu sehr. Aber es scheint, das Schicksal will mich wieder daran gemahnen, daß ich ein Komnene bin. Er sagte dies so ruhig und mit soviel innerer Traurigkeit, daß der König nahe daran war, die ganze Versammlung absagen zu lassen. Äur in einem äußersten Zusammenraffen aller Kräfte konnte er diesen Gedanken Niederkämpfen. Alexius fühlte sehr wohl bte Erregung des Königs, aber sein Stolz verbot ihm, darauf Ruckficht zu nehmen. Er verabschiedete sich kurz mit den Worten: .Vergeht nicht, daß Ihr mir verspracht, den Aikephoru« rt einer kurzen Besprechung zu senden. Aber nicht vor einer Stunde.«- * Der Thronsaal des Kasr fahre kaum die Menge der Grotzen. die zu der außerordentlichen Sitzung einberufen waren. Selbst die Damen des Hofes waren erschienen und sahen abseits, hinter den dichten Vorhängen ihres Balkons, der unmittelbar über der erhöhten Rednertribüne angebracht war. Der König lehnte bedrückt und gedankenvoll in seinem grotzen. purpurnen Sessel, unmittelbar vor der Tribüne, der Kanzler hatte feinen Sitz vor dem Amtsttsch eingenommen, Alexius Deuteros und Maleinos waren dicht am Treppenaufgang zu sehen und wurden von allen Anwesenden neugierig betrachtet, während Alexius säst im Halbdunkel des Sinter grunbei Platz genommen hatte. Er satz, die Beine übereinandergesckstagen. und spielte mit den Aingen seiner rechten Hand, die er abwechselnd an- und auszog. Sein Gesicht war noch bleich, aber es lag wieder über seinen Zügen jene unbeschreibliche Buhe, die jeder bewunderte, der nur einmal kurz in seiner Aähe geweilt hatte. Aikephoros stand aufrecht hinter seinem jungen Herrn, ein Bild von Wurde und Anstand. , . .. Der Kanzler schlug mit dem Stab dreimal auf die Kante des Tisches und verkündete der Versammlung, worum es sich handle. Ein ungeheures Staunen ergriff die Menge. Alexius Deuteros und Maleinos lächelten und führten mit gedämpfter Stimme ein lebhaft^ Gespräch. Da schlug der Kanzler wieder mit dem Stab an den Tisch, und es trat tiefe Stille ein. . „ „Im Aamen des Königs ersuche ich Euch., Prinz Alexius Deuterss. uns vorzutragen, was Ihr zu sagen habt.'^ , .. Der Gerufene erhob sich von seinem Sessel, trat dicht an die oberste Stufe der Treppe und sprach: „Es ist sehr wenig, was ich zu melden habe. Ich sage, daß Bet junge Mensch, der es wagt, sich unter dem Aamen eines Prinzen Alexius aus dem Erlauchten Hause der Komnenen hier aufzuspielen und die Güte des Königs zu mihbrauchen, ein Lügner ist, der nie ein Prinz und nie der Sohn Emanuels war. Er ist kein anderer, als der in frühester Jugend verwaiste Sohn des ZeremonienmeisterS Kalchas, Phaidon mit Aamen!" Totenstille herrschte im Saal. Wie ein Bleigewicht war die An- klage auf alle gesunken. Da trat Maleinos vor: , „ r. ,, _ „Dieser Phaidon hatte schon als Kind eine solche Aehnlichkeit mit dem einzigen Sohn Emanuels des Komnenen, daß der Kaiser beschloß, den Knaben wie seinen eigenen Sohn im Palast erziehen zu lassen. Der Sinn eines solchen Beschlusses erscheint vielleicht hierzulande befremdend, doch um so llarer in meiner Heimat, wo Aufruhr und Verrat so häufig find, daß es einem Kaiser nur sieb sein kann, einen Doppelgänger seines einzigen Lohnes und Erben, der immerhin nicht ganz geringen Gefahr der großen Prozessionen und Feste aussetzen zu können. Ja, ich gebe sogar zu, datz vor allem die Kaiserin Maria den außergewöhnlichen Zufall mit befonocree Freude begrüßte, da ihr der Gedanke nicht fremd wan im »alle eines frühen Hinsterbens ihres Gemahles und eigenen Sohnes daS Kind des Zeremonienmeisters unterzuschieben, um im Aamen des vermeintlichen Thronerben die Regierung weiter führen zu können. Doch alles dies, sehr Erlauchter König, sehr Erlauchte yerrro, finb ja nur vor gestellte Dinge, auf die ich lediglich der Gründlichkeit wegen Hinweise, nicht der Sache wegen: denn sie werden vom gewichtigsten übertroffen, das jemals einen Gedanken übertreffen kann, von einer unwiderruflichen Wahrheit: Riemals istder Prinz Alexius gerettet worden: Derselbe Mensch, der auf Befehl des Andrvnikus die Kaiserin Maria erdrosselte, erstach den Prinzen und versenkte den Leichnam in einem bleiernen Sarg ins Meer, wofür er zehn Denare erhielt. Mit meinen eigenen Ohren hörte ich seine Erzählung. Mit meinen eigenen Augen sah ich vier Anderer den Sarg in ine See Hinausfahren, sah ich sie wiederkehren mit leerem Boot. Aue- phoros aber, der sehr wohl und richtig erwog, daß die Ermordung des kleinen Komnenen von Andronikus der Oeffentlichkeit gewiß nicht preisgegeben werden würde, bemächtigte sich des Phaidon, gab ihm die gestohlenen Gewänder und den Ring der Komnenen und hoffte so noch spät, ein betrügender Diener eines betrogenen Herren, fein Glück zu machen. Er hat sich verrechnet. Der einzige Komnene, der noch lebt, steht hier! Ihm allein gebührt das Recht auf Glauben — und das Recht auf Herrschaft!" Wieder herrschte atemlose Stille im Saal. Minuten rannen, alte Augen suchten den Prinzen Alexius, der teilnahmslos in seinem Sessel saß und seine Hände im Schoß gefaltet &ielt Seltmann er- wartete, daß er aufspringen würde, vorstürzen, leidenschaftlich das Wort an sich reihen und die Ankläger Lügen strafen: Alchts von alledem geschah. Der Prinz blieb unbewegt und hob nicht einmal die Blicke auf. Statt seiner trat Aikephoros an die Rampe. Er rührte mit der Linken an das Ende seines langen weißen Bartes und sprach: „Erlauchter König, weiser Kanzler, edle Herren: Ihr habt, wie ich, die schweren Anschuldigungen des Kammerers Maleinos gehört, die mich zu einem Verbrecher stempeln wollen, wie größer und verworfener kaum einer gedacht werden kann. Ich will hier, nm mich zu rechtfertigen, gewiß nicht auf mein Verhalten Hinweisen, so wie Ihr es sehen konntet, seitdem mir die Gnade zuteil wurde, an diesem Hofe zu leben. Denn so, wie es des öfteren vorgekommen ist, daß ans jungen Vetteln alte Betschwestern werden, so hat man es auch zur Genüge schon erfahren, daß aus Schurken und Dieben im Alter gottergebene Scheinheilige geworden sind. Ich will mich auch nicht im geringsten auf meine Liebe zu meinem Herrn berufen und nicht die Frage aufwerfen, ob es einen Sinn haben könne, daß ein alter Mann wie ich, der nah an die Siebzig kommt, sein Vaterland verläßt, wo es ihm jederzeit gut ging, wo er viele treue Freunde zurücklieh, und an der Seite eines jungen Menschen in Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Bruck und Derlag: Brühl'sche UniversitätS-Duch» und Steindruckerei, 2L Lange, fremden Ländern umherzieht, wenn nicht eine innere Pflicht ihn alle Rücksichten aus sich selbst vergessen laßt. Erlauchter König. Gesetzten Falles, Ihr entschlösset Euch zu einem Zug nach Byzanz und gäbet meinem kaiserlichen Herrn den Thron zuruck: was.hatte ich dabei zu gewinnen? Reichtum? wozu? Ich bm unveryeiratet und habe keine Kinder. Auch Verwandte leben mir nicht und ich bin niemanden verpflichtet. Ehre? Welche größere konnte es noch für mich geben als die, des Dankes meines Prinzen sicher zu sein und so in seiner Aähe leben zu dürfen, wie es kaum einem Dieter hoher Majestäten vergönnt ist? Dies alles, dem einfachen menschlichen Erwägen so nahe, erwähne ich nicht. Sch sehe, wie in leglichenn so auch hier allein die Sache an. Gewiß: ich leugne nicht, daß am Hose Vmanuels der Knabe Phaidon gelebt hat. Ein sehr .zartes und vornehmes Kind, dem Prinzen Alexius zum Verwe-yssln ähnlich, so ähnlich, daß sich sogar die Kaiserin einmal täuschte. Sch leugne nicht, daß dieser Knabe die sorgfältigste Erziehung genoß und von allen. Die ihn kannten, „das andere Prinzchen" genannt wurde. Sa es mögen manche, die nicht genau den feinen Unterschied, der —rächten kannten, ibn zuweilen für den Prinzen gehalten und als solchen an- gesprochen haben. Dies alles leugne ich nicht, am wenigsten ater, baß die Kaiserin eines AbendS zu mir selbst von einer möglichen Änterschiebung sprach, als der Prinz Alexius an einer heftigen Drustkrankheit dcirniederlag. Wie aber im Leben des öfteren bas Unerwartete geschieht, so geschah es auch hier, daß kurz nach,ienm Unterredung mit der Kaiserin des Prinzen Zustand sich besserte, und ganz plötzlich der kleine Phaidon an dem Muckensteber verfcgied. Es versteht sich von selbst, daß dieser Tod auf das strengste geheim gehalten wurde, da gerade damals, wo Alexius kaum genesen war, das Gerücht, e r sei gestorben und an seiner Statt Phaidon unter» geschoben worden, den Feinden des Kaisers und beson ders dem stets aufrührerischen nach Paphlagonien verbannten Andrvmkus, eine all» zuleichte Handhabe gegeben hätte. Der Sarg des toten Phaidon aber ward von mir selbst und zwei germanischen Soldnern des Aachts nach dem Landgute Eucharisti gebracht, das dem Knaben gehört hatte, und dort in der Kapelle neben den frühverstorbenen EitMi beigesetz.. Doch kurz vor meiner Flucht besuchte ich die Stätte und fand al.es genau so, wie es immer zuvor gewesen war. Das Besitztum ist fetzt in den Händen einer Byzantinerin, der letzten überlebenven Schwester von Vstaidons Mutter, die es als Heiratsgut dem jungen Statthalter von Jkonion eingebracht hat. Was nun jener Maleinos. von einem bleiernen Sarg erzählt, der im Meer versenkt Worten sei, und was es damit für eine Bewandtnis hat, ist nicht meine Sache zu unter» suchen. Daß er überhaupt solche Dinge als Beweis für feine Behauptungen ansührt, laßt sich nicht anders erklären, als daß erteer am Hofe eine völlige Unkenntnis byzantinischer Zustande imraussetzt. So schmerzlich es mir auch ist: ich muß zugeben, baß weine Vaterstadt, in der ein Menschenleben nicht viel mehr als zehn Denare gilt, allabendlich solche traurigen, rätselhaften Fuhren auf dem schonen blauen Wasser ihres Golfes sieht. Warum nun soll der Sarg, den Maleinos gesehen haben will, gerade derjenige gewesen sein, in dem der ermordete Alexius lag? Wer hat es ihm gesagt? Vielleicht der Mörder selbst, wie er vorgibt? Gibt irgendein nachtenkenoer Mensch etwas darauf, was Mörder sagen? Vor allem aber. Erlauchter König, bitte ich Euch, dieses zu erwägen: der Mörder des Prinzen Alexius hätte keine Zeit gehabt, sich vor Maleinos feiner —a_t zu rühmen! Doch ehe er den Palast verlassen hätte,, wäre er schon dem anderen Mörder zum Opfer gefallen, der für ihn bereit stand. Andrvnikus wäre zu klug gewesen, Zeugen seiner Verbrechen leoen All Idff CTi 1 Dach allem, was ich Euch nun vertrug. Erlauchter König, kann es Euch" nicht mehr schwer fein, die En^'teidnng zu lallen. So tote ich m.ine Wort: s Bierzelt vor Eurem 7 Bern gier beschwor, beschwöre ich vor Euch und Goli und allen Heilige.> auep diese Aussage. Blieve Euch aber noch ein Zweifel, so könnte es nur einer fein. bericlbe. den Maleinos in Euch auszuwecken suchte: daß Phcrwon und der Prinz vertauscht worden seien von allem Anfang an, noch ehe ich selbst in die Dienste des Kaisers trat: also vor dem vierten Sahr der Kinder. Wie Shr diesen Zweifel lösen wollt, das könnte Euch allerdings keines treuen Dieners Erzählung und Eidschwur, noch mein Herr selbst, noch der Prinz Alexius Deutervs. noch Maleinos, durch Worte oder Zeugnisse Bartun: das könnten nur die toten kaiserlichen Majestäten oder Euere tiefe, wunderbare Einsicht, Der man ja in allen Ländern nachrühmt, daß sie, wie die b«8 Salomo, das Rechte stets unfehlbar von dem Falschen unterscheide. * Damit schwieg Dikephoros und trat in das Halbdunkel zurück. Ein Murmeln des Beifalles erhob sich im Saale, die grauen auf dem Balkon lüfteten ein wenig den Vorhang und wedelten sich Kuyle mir dem Fächer zu. Alexius Deutervs aber, von maßlosem Zorn ergriffen, rannte an die Treppe und rief: „Wie, König! Ihr glaubt diesem Wortverdreher, der seine Sätze tote Honig einzuflößen weiß? Wie, Ihr durchschaut diesen Heuchler nicht? Ihr seht nicht, wie er das, was ihm Gewißheit ist. nur als eine Möglichkeit zu geben weiß, die. in nicht mehr zu ergründenden Geschehnissen liegt?" Aber der Kanzler schlug mit dem Stock auf den Tisch und sagte mit eiserner Auhe: „Verzeiht, mein Prinz, wenn ich Eure hitzige Rede unterbreche, die nicht ein Wort von dem entkräften kann, was uns so klar und einfach Dikephoros vortrug. Dicht an Euch ist es jetzt, zu reden: Shr vergeht, daß noch nicht ein einziges Wort von den Lippen desjenigen gefallen ist, dessen Aussage hier am schwersten wiegt: Eures Vetters selbst!" Doch einmal wollte der Zurückgewiesene erwidern, aber ein bedeutsamer Wink des Maleinos veranlaßte ihn, stille zu sein. Er sehke sich — und es frat wieder tiefe Stille ein. als sich nun langsam die Gestalt des Prinzen Alexius vor dem violetten Gewand tes Dikephoros in die Höhe hob. Wie ein Flügelschlagen ging es über Die Menge, sogar der König hob den Kopf und umfing mit seinen Blicken die zarte, melancholische Erscheinung des Prinzen. Dicht einen Schritt war Alexius nach vorn getreten. Er stand an der Seite des Sessels, die Hand leicht auf die Rückenlehne stützend, und sagte mit klarer Stimme, die tote der Ton einer goldenen Glocke in den Saal fiel: „Mein König: Sch spreche zu Euch allein. Sch habe keine Gemeinschaft und wünsche keine mit einer Versammlung, die nur richten soll: je kühler, desto besser. Sch will nicht lange Eure erschöpfte Geduld mißbrauchen. Sch sage, was Dikephoros sagt, und erinnere Euch an das erste Zwiegespräch, das Shr mir im Gasthof des Mellttos von ©irgenti gewährtet. Es ist nicht eines Königs oder eines Prinzen Sache, einmal ausgesprochene Dinge zu wiederholen. Sagt Ihr zu jeder Stunde: Sch bin der König? Shr tut darnach, und jeder fühlt: Shr seid es! So sage ich Euch: wenn Shr nicht fühlt, wer mit Euch sprichst so wäre es besser für mich, niemals auch nur eine einzige Stunde in Eurer Aähe geweilt zu haben." Da sprang der König von seinem Sessel auf, eilte die Stufen empor auf den Prinzen zu und wollte ihn an sich ziehen. Aber Alexius stand unbewegt, die Linke abwehrend gegen den König erhebend, der nicht wußte, wie ihm geschah und die Hand auf das klopfende Herz hielt. Sedem vernehmbar, fielen abermals die Worte des Knaben in die purpurne Abendluft: „Mein König: zürnt mir nicht um defsentwillen, was ich noch sagen muß, und sucht mich zu verstehen. Shr wißt, wie sehr ich Euch liebe und wie sehr ich Euch danke für alles, was Shr mir erwiesen habt: Aber Shr werdet begreifen, daß ich an Eurem Hofe nicht mehr bleiben kann ...“ „Alexius!" rief der König, „Alexius! Shr, den ich liebe wie mich selbst, Ihr, der mich vergessen lieh, daß ich keinen Sohn habe, Shr, der meine Tage leicht und süß gemacht hat, Shr könntet es über das Herz bringen, von mir zu gehen?" „Gewiß nicht, um mich ganz von Euch zu scheiden. Shr wißt, wie herb mein Schicksal war: bedenkt, wie mich von neuem alles treffen mußte, was sich seit heute nachmittag hier zugetragen hat, und laßt mich fortgeben, wie man einen Verwundeten gehen läßt, der des Arztes bedarf. Laßt mich eine Zeitlang fern von dem Orte leben, der mich täglich und stündlich an diese Stunden erinnern müßte. Was aber meinen Vetter betrifft, den Prinzen Alexius Dem teros, den zweiten Sohn meines verstorbenen Oheims Ssaac: so nehmt Euch seiner und seiner Ansprüche an, wenn dies in Eurem Sinne ist. Denn soviel glaubt mir: Es gelüstet mich nicht, die Lasten meiner Herkunft noch weiter zu tragen. Dachdem ich die tiefe Schönheit des Lebens an Eurem Hofe genossen, wo die Künste blühen und ein heiteres Menschentum sich frei entfaltet, wo Duldung wohnt und das Leben des einzelnen gewertet und geachtet wird, nachdem ich erkennen lernte, welche größeren und reicheren Ziele ein Mensch sich setzen kann, als die Ziele eines in sich selbst erstarrten Herrfcher- tums, gelüstet es mich nicht mehr, in das unsichere Dunkel des Palastes von Byzanz zurück'ukehren und als Kaiser einen Thron zu besteigen, der von mir das Opfer alles dessen verlangen würde, das Euch m mir den Prinzen lieben ließ. Du aber, Richard" — wandte er sich mit einem stillen Lächeln an den Grasen Ajellus, der unbemerkt hinter ihn getreten war -- Du, entsinne dich deines Versprechens, mich auf Die Hochschule von Salerno zu begleiten und meinem Leben Freund zu sein... » , Ein» sehr seltsame und empfindsame Geschichte," sagte Blanche Bell g rd, als P rc; geendet hatte... „Eine Geschichte, beten Ende die Königin Sohanna sicher mit Freuden begrüßte... Aber war denn nun wirklich Alexius der echte Prinz?" Percy lachte laut auf: „Da haben wir die Frage! Sch hätte hundert gegen eins wellen können, daß sie von irgend jemanden gestellt werden wurde... Dw menschliche Deugier ist unerschöpflich, und es ist den meisten tatfaa-ach wichtiger, das Samenkorn in der Hand gehalten zu haben, aus .em eine Blüte entsprießt, als sich an der Fülle ihres Duftes zu erfreuen. „Ach was!" erwiderte Blanche, „das find wieder solche ÜlngrünDlich» feiten, mit Denen ihr Dichter glaubt, uns ab speisen zu können, Ayo. echter oder unechter Prinz?" Peter Ortenberg, der mit Angelina Lancisi dicht vor die Fragend« getreten war, meinte: Aber hat es dann überhaupt einen Sinn, es zu wissen? Sst dieser Alexius nicht jedenfalls ein bezaubernder kleiner Komödiant? Zur Sache, zur Sache... echt oder unecht?" fragte zum teufen Male die Pariserin. „Sie wissen doch lieber Freund von jenfeus te» Rheines. daß ich über alles die berühmte lateinische Klargelt lleoe. Percy küßte Der außergewöhnlich schönen, vielbewunderten Fran die Hand: „Was Sie aber nicht verhindert hat, selbst vor Ihren guten Freunden die Geschichte Shres eigmen Herzens in einm wahren me^ von Unklarheit zu hüllen und Damit eben jene Dumke Süße geheimms voller Hintergründe um sich zu verbreitern die dem Dillm's w kleinen Alexius soviel melancholischen Zauber verleiht. Wer ml sollte Ihnen besser Die Antwort auf Ihre Frage geben, als eigenes Wissen um Die rätselhaften Dinge Der Welt?