EietzenerKmilieubMer Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger Samstag, -en Y.Iuni Nummer 46 Waldruhe. Bon Otto R o q u e t t e. Willkommen, mein Wald, Grünfchatttges Haus! Durch die Wipfel schon hallt Mir dein grüßend Gebraus. Wie trink ich in Zügen Mich frisch und gesund. Hier atm' ich Genügen Aus Herzensgrund! Zum grasigen Hang, Äuffteigend vom Tal, Dringt der Glockenklang Und des Abends Strahl. Und es rauscht in der Eich« Hochstrebendem Baum Im grünen Bereich« Gin Liebestraum. Den Blumen gesellt Auf Rasen und Moos, Tief schau' ich die Welt Und den Himmel wie groß! Und ich träum' im Schweigen Walk^chattiger Ruh' Den Himmel mein eigen Die Erde dazu! Durch das heimliche und unheimliche Deutschland. VII. Panische Stunde. Von Manfred Hausmann. Es ist Mittag. Ich liege nackt in der Sonn« hier am Hange des Odenwaldes. Unter mir fallen die silbrigen und rosafarbenen Weinberge, über denen ein bronzener Schimmer von ersten RebenbiMern schwebt, in die rheinische Ebene ab. lieber mir hängt der Wald mit all seiner grüngolden ausglühenden Dämmerung. Und an der Grenze von M und Wein auf einer kleinen Grasnarbe ruht mein brauner Leib im unbarmherzigen Gebkitze der Sonne. Zuweilen tönt aus der Tiefe ein Glockenklang herauf, von Zwingenberg vielleicht herauf oder von Auerbach oder wie ttos winzige Städtchen da unten heißen mag. Wer ganz dahinten am Horizont, di« Türm« da j'enseits des Rheins, jenseits der blühenden Eben«, der Dunst da . . . das ist Worms, der Dom von Worms. Die Sonne wirst ihren Glanz gegen den Fels, bi« Erde zittert vor Glanz, alles Laub und Gras und Kraut zittert im Mittag. Und aus der Eben« treibt langsam ein süßer Duft herauf. Die Birnen sind's und die Aepfel. Der bittersüße Duft der Birnenbiüten, der ein wenig mit Zimt untermischt ist, und die holde Weichheit der Apfelbäume. Das zieht so warm irber die Weinberge hin. Und aus den Wäldern senkt sich der kühle Geruch des Laubes uni) des feuchten Erdreichs entgegen. Und alle miteinander, der Ztmthauch, die süßliche Wärme der Blüten, der feuchte Atem des 'Moldes, mischen sich und wehen über meinen Körper weg, ich zishe sie wie eine müde Betäubimg «in, meine Glieder werden so schlaff, mein Kopf beginnt zu träumen, ich denke nichts mehr, ich dehne mich nur und ruhe. Und die Sonne gleißt, es ist Mittag, die Stund« Pans. Wer noch weiß ich alles. Ich denke nicht mehr, nein, aber ich weiß noch, wo ich bin. Neben meiner Hüfte steigen gelbe Taubnesseln empor. Und jede Blüte ist wie eine winzige, entzückend« Kanzel mit einem ge» schwungenen Baldachin darüber. Und tvas da so krabbelt, was jetzt hastig über mein Knie läuft, ist ein großer Käfer aus grünem und dunkel braunenr Gold, ich weiß nicht, wie er heißt. Run gut, er ist in den Weinberg hinuntsrgepurzAt. Ich kann auch noch die mannigfaltigen Laute ünkepscheiden . . . o ganz wohl . . . das da ist der Kuckuck, und da antwortet ein anderer, aber weit, weit weg. . . und das ba, das hin Mäher zuckende zzitt . . . zzitt . . . zzitt Ui'tt . . . ach, die Weis«, die liebe kleine Meise! O Gott, wie wild heute di« Sonne vom Himmel herunter- Mnzt! Ich will meine Augen zu-machen . . . ah . . . aber rächt schlafen! Wer könnte denn in dieser Stunde schlafen, wv alles zsttert vor Spannung, wo alles übe nasch ist, wo Pan in der Ferne feiste zauberische ■e imgsn laßt aber so langsam ... fo langsam . . . Da summt schon wieder so em« langflügelige, graue Fliege herbei, unsäglich leise ... ja, ich höre dich doch, du! Wo lässeft du dich denn nieder? Hast du's auf meinen ScheiEa abgesehen? Meinethalben, trink, saug, verzücke dich, spritz die Säure ta meiner Haut, vergifte mich, reg das Fieber noch mehr auf, meinechalben! Hier na st du mich! Ich liege hier und habe die Augen zu und wehre mich nicht mehr. Ich bin auch kein Mensch mehr, ich bin ... ich weiß nicht was ich bin. M i _ Srsh, nun ichrmkeü der Berg ja, auf dem ich liege . . . nein, der Dust schaukelt auf und nieder . . . nein, ich liege gar nicht mehr, ich schwebe ja, ich schwebe über die Weinberge hin, über die Rheinebene nut ■ shfem Duft, über die Pappelbäume ... ich... ach llnfinn, und war , t^ci>t,..enn &a i° kalt unter meinen Waden durch? Na, beste Blindschleiche beste, dünne, diinkle Blindschleiche, wo willst du denn hin? So ist s recht,' "'«ch' datz du wieder in den Wald kommt, du dreifaches Fragezeichen! Ich fühle gar nicht mehr, wo meine Füße aufhören. Sie sind fo taub, cs kommt Mir vor, als wären sie schon zu Gras und Kraut verwittert. 7. , ■ ; • *™tn narfter, brauner ist so ganz hineingebettet in die 6 n; s,n xXe ^kden Nelken, ist so ganz angeschmiegt an die bröckelige Erde, das Wachstum der Erde hebt auch in ihm empor, nicht anders als m den Wemstöcken und Buchen und Stauden rings umhet Ai« Fliegen summen ununterbrochen, bald nahe, bald schnell weg. tauchend, jetzt sirrt eine Mücke gerade neben meinem Ohr einen feinen, glashellen ~on. Sie sirrt und sirrt. Das legt sich wie ein Rebel über mtqb Ich werde ganz eiwgekstillt in diesen dünnen Ton, der die Nerve« krank macht. Und fern in den Wäldern klingt, ich höre es moto, die Flöte des heimlichen Gottes. Mit einem Male merke ich, daß der zarte und irre Kitzel, der aus , meinem Zwerchfell aujpertt, von einem Ameisenzug herrührt. Quer über meinen Bauch gcht eine Ameisenstraße. Ich bin schon fein Mensch mehr, M °m w,e em Baumstamm, über den Dolden hängen, ein alter Baum- ftamm, der im Grase liegt und langsam zu Erde zerfällt. Die Ameisen wandern druberweg, die Fliegen krabbeln auf ihm herum, der Falter und der Keine Schmetterling, der den Hang heraufgetaumelt kommt, ruht einen Wgenblick auf ihm aus. Ein Baumstamm, der sich nicht wehren kann. Wie empfindlich doch meine Haut geworden ist! Wenn nur ein Schmetterungsflugel dagegentupst, phauert's durch meine Brust, die win- zige Fliege, die darüberfährt. . . ah, ich möchte mich wegwäkzen, aber ich . . . bin . . . ja kein Mensch mehr. . . ich... hab ... ja keinen Willen mehr . . . ich. . . und die Ameisen, die sich mit ihren Kralle« an den Flaum der Hüsten klammern, sich Hochziehen und dann, eine nach ich. . . und die Ameisen, die sich mit ihren Krallen _ Hüften klammern, sich Hochziehen und dann, eine nach der anderen, drei, vier nebeneinander, noch mehr über die vor Empfind- lichkeit bebende Bauchhaut, stolpern, sich umwenden, sich ein Stückchen zurucktasten, sich wieder umwenden und weiterwandern ... ich muß jetzt schreien, es muß etwas geschehen, daß ich erlöst werde von all dem Duft und Rausch und Fieber, all dem Schweben und Verwittern und von all den kribbelnden Nerven ... ich muß aufwachen . . . oder. . . older . . . ober . . . Und wie ich die Augenlider mühsam hochzich«, sehe ich, daß Pan, der graubehaarte, schräg vor mir in der Sonne hockt. Er bläst auf seiner Flöte, die Finger bewegen sich, aber ich höre keinen Ton. Und feine schräggestellten Schlitzauge blinzeln mir zu. Er hat den Kopf gesenkt und blickt mich lächelnd von unten an. Er macht sich über mich luftig. Es ist Pan. Und plötzlich höre ich auch sein Lied, dünn und schrill, die Mücke sirrt, die Goldnessel neigt sich allmächtig über mich, und ich rausche hinab in die Träume der Tief«. Pan spielt überm Rhein. Der Untergang des Abendlandes. Don Johannes Schlaf. (Nachdruck verboten.) Mes weist darauf hin, daß unsere Zeiten in einer gewaltigen Wend« stehen. Wenn die Geschichtsschreiber der Wien von dergleichen berichteten, pflegten sie nie zu vergessen, ein Verzeichnis von besonderen voraufgehenden, an kündend en oder gleichlaufenden Statur» katastrophen, sogen. „Prodiguen", hinzuzufügen. Was wir heute, schon feit Jahren, an Erdbeben, Äeberschwemmungeu, schweren WirbeL- stürmen, Änalücksfiiklen, äußerlicher Dsranügungswut Ser breiten Massen, Verbrechen usw. erleben, scheint chnen recht zu geben. SS handeV sich sst^rlich nicht um bloßen Aberglauben. Del dem Zusammenhänge aller Singe kann es jja nicht anders fein, als Sah eine Periode bLvichers. schwerer, kritischer, kosmischer und irdischer Äa» turvovzLnge ihre Folge auch fßt Sie Lebewesen hat und mit rat» gewohnsichen Lnruhen im menschlichen Gemeinschastsloesem sich aus» Wirkt. Mer noch uiemgls ist die Welt dabei untergegangen. Alles ist ,Uebergang. Es will auf etwas hinaus. And es ist gut, das ins Auge Sinne vorwiegender a Konstantinopel. Von Theodor Dciubler. voll Kir blei Km olc Mc hat ein riet ein s t Sc un M bis V< 3« be ur W at m ui K K 3 K fr G weis schif Hau 3 tue roijc gabl und die »u fassen, sich des leitenden Fadens im Labyrinth der Ereignisse zu ^Wenn wir uns bange machen lassen wollten, könnten wir ja wirklich an jenen „Untergang des Abendlandes" glauben, der neuer- dings so vie^Duchauflagen erlebt hat. Aber trotz alten, und alten wollen und brauchen wir das nicht. Vielmehr toirö uns em einfach« geschichtlicher Ueberblick gute Zuversicht geben. Will man die großen Perioden einseitig überwiegender Zivilisation bloß so als Aiederungs- und Verfallszeiten ansehen so waren die Aspekten heutzutage freilich schier noch bedenklicher, als fies zur Zeit des Zusammenbruches des altrömischen Weltreiches waren, denn diesmal geht's ins Allgemeinste, handelt sich's um die ganze vernichten könnte. Wir haben wohl auch zu berücksichtigen, daß die asiatischen und afrikanischen (das Beispiel Chinas lehrt es) ihrem Wesen nach viel zu statisch bestimmte Rassen sind, als daß sie in dem Sinne wie die weihen es sind, dynamisch expansive werden konnten. Es muh ausgeschlossen erscheinen, dah Europa noch einmal eine Mongoleninvasion zu bestehen hätte. Es ist also (aller Verlauf der Weltgeschichte vom Römischen Reich bis zu unseren Tagen her beweist es) zu äußerlich geurteilt, wenn die Theorie aufgestellt wird, es sei eine Periode vorwiegender Zivilisation immer eine solche des Verfalls und Riederganges. Vielmehr muh sich jedem Aufmerksameren gerade die ungeheuere Weit- und Menschheitsmission der Zivilisation aufdrängen. Wir Europäer haben seit der Renaissance mit immer rapiderem und erstaunlicherem Aufstieg den Fremdvölkern unsere Zivilisation und Technik übermittelt: doch tritt, trotz aller äußeren, eigensuchttg- materiellen Zwecke, die dabei verfolgt wurden, die höhere, vorve- stimmte Weltmission, die wir damit vollzogen, immer unverkennbarer zutage: tritt zutage, daß der Geist, der die Menschheitsgefchicke lenkt, mit dem Mittel der Zivilisation den organischen Gleichgewichtszustand einer sich vollendenden Menschheit zum Ziel hat. tenen „Untergang des Abendlandes" aber in dem Sinne zu befurchten, daß die asiatischen Fremdvölker die weihen Rassen mit dem.Mittel, das sie erst von ihnen empfingen, ablösen könnten, muh unzulässig erscheinen. Vielmehr hätten die Fremdvölker von Europa noch em Wichtigeres zu erwarten, als die Vorteile eines äuheven weltzivüßatorischen Komforts. . , ,, . Sind wir nämlich berechtigt, das Gesetz aufzustellen, daß un Verlaufe der Entwicklung sich immer große Kultur- und Zivilisativns- perioden ablösen, so kann sich die Entwicklung einzig dahrn vollenden, daß nach erreichter allgemeiner Weltzivilisation auch die geistige Kulturentwicklung sich erfüllt. Es kann nicht in Zweifel stehen, dah auch das große Friedenswerk von Europa, den weißen Rassen, ausgehen wird. Wer aufmerksam in die äußere Änruhe des heutigen großen Werdevorganges hineinblickt, wird, und gerade bet uns tn Deutschland, die Ansätze dazu gewahrem Damit setzt ein Ereignis von ungeheuerster Bedeutung etu. Denn wenn wir es als eine einbeschlossene Tendenz des Weltreick)bildu.iigs- prvzesses anzufehen haben, dah eine allgemein meiischheitliche, ztvilt- fatorisch-oraanisatorisch zusammengesahte Gemeinschaft erreicht wurde, und wenn zunächst eine solche der Miitelmeervölker. unter schließlich htltutelkv und zivilisatorischer obmacht der Germanen Mltanderam. so sehen wir wie sich nunmehr diese europäische GemeinühxiN nach end>,ä'.-:rger .'lusg'.eichung der uechwirkeudeu Gollerwanderungsuurrche. mit getva'.tigiier H»paniion über allen Erdkreis hin erstreckt. Go wird dlmeriie. enideckt. zum erstenmal der Grdball umiegell, cer Seeweg nach Indien gesunden, ftnd von da an der iineruort rapu e Ausstieg der europäischen Zivilisation der Technik. In umner mächtigerem Ausmaß erhebt sich die Kolonisation. Die Spanier Portugiesen, die dann von 6en Holländern und Franzosen abgelost werden, bis sich endlich, sie alle überflügelnd, der gewaltige, umfassendste englische Weltimperialismus erhebt, und drüben, jenseits des großen Wassers, die, jedoch im wesentlichen germanisch bestimmte, „Kolonie der Menschheit", die nvrdamerikanische Union. Das Endergebnis dieser europäischen Expansion ist die allgemeine Welt- und MenschheitszivAisation, die morgen eine vollendete Tat- Schlle^das' wirklich zum „Untergang des Abendlandes" führen? Es ist wahr: Japan har sich europanisiert, ist als gleichberechtigt tn den Kreis der Weltgrohmächte eingetreten, so auch europanisteren sich der Islam, China und Indien, auch die Schwarzen schicken sich an, sich selbständig zu machen. Und damit scheint sich Europa eine ungeheure Gefahr heraufbeschworen zu haben. Das Mittel, mit welchem es seit der Renaissance die Fremdvölker unterworfen und für seine materiellen Zwecke ausgenutzt hat, nahmen diese auf, lerntet es immer geschickter handhaben, und nun wenden sie es an, vielleicht nicht nur sich selbständig zu machen, sondern es gegen dte zu wenden, die es ihm brachten. Die Weltmission der halbaftatisch-russischen Sowjet-Union und ihr so tiefgreifender Einfluß in Asien scheint darin zu bestehen, dieser Gefahr des Selbständigwerdens der astatischen Völker nur um so mehr Vorschub zu leisten. Also bas Gespenst der „gelben Gefahr", der spukende neue Weltkrieg, in welchem sich die gelben Völker gegen die weihen erheben (die Union auf der Wacht am Pazific), dieser gewaltige Austrag droht wohl wirklich. Zweifellos wird er der Weltherrschaft Englands über kurz oder lang das Ende bereiten, sie zerbröckeln machen. Um ihm zu begegnen, wird Europa sich zusammenschliehen müssen, dabei gut tun, mit dem, wie halb asiatischen so doch auch wieder europäischen Rußland einen dauernden Modus vivendi zu Md en, und hier könnte, muh eines Tages Deutschland seine besondere Rolle spielen, hierin seine Weltaufgabe erkennen. Doch ob sich der Austrag wirklich durch die Gewalt der Waffen oder auf friedlichem Wege vollzieht: die Fremdvölker sind nicht mehr das, was sie waren, es kann nicht anders sein, als daß sie mit dem Mittel der allgemeinen Weltzivilisation sich selbständig machen und zu organischen Interessenkomplexen zusammenschlietzen. Andererseits aber werden sich die weißen, europäischen und amerikanischen, Dolle« behaupten. Denn es wäre eine Naturwidrigkeit, dah, wenn sie den Menschheitsvölkern ihre Zivilisation als allgemeine Weltzivilisation gegeben haben, der Aus ström, um es so auszudrücken, feinen Quell Aber sehen wir uns das doch eiwas genauer an. Da ist im Altertum von Kleinasien her der immer weiter ausgreifende Wellenschlag der Weltreichbildungsabfolge, bis er sich über das griechisch-mazedonische Weltreich her mit dem römischen vollendet Und was war das römische Weltreich? Die Zusammenfassung aller Mittelmeervölker, der kleinasiatischen, noridafrllamschen, derer des gesamten europäischen Mittelmeerrandes mit Gallien hinzu und tief in Germanien hinein zu dem Gefüge ein der gleichen staatlichen und zivilisatorischen Organisation. Zwar zerbrach dies Gefüge, doch Meb der Gesamtbestand als zivilisatorische und christianisierte Einheit. Dann aber haben wir den tiefbedeutsamen Umstand, dah tn Der Völkerwanderung sich von Asien her die Mongolen, von Osten und Norden her die Germanen zu dieser Einheit in Fühlung brachten. Die Mongolen wurden schließlich zurückgeworfen, die Germanen aber hin- zugefügt. Die große welthistorische Bedeutung Der ®ermanen beäeid)‘< nend, erhob sich das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation . Wenn wir nun die deutsche und sonstige europäische Geschichte, alles in allem genommen, als die vorfchreitende Ausgleichung der durch die Volkeir- wanderung hervorgerufene Unruhe anzusehen haben, so erreichte sie, wieder alles in allem genommen, ihren Abschluß nut der -Renaissance dahin, dah sich die Wissenschaften, die Erfindungen und Entdeckungen erhoben, also sich ein Fortgang, eine Steigerung der vom römischen Weltreich nachgebliebenen und ein für allemal weiterdauernden allgemeinen Zivilisation des christianisierten und tn diesem einheitlich zusammengefaßten Europa ereignete, bei von nun an -gender Bedeutung der Germanen. wordei unverc auch t sührur ten, d frungei immer ordent laut r treibt in eu Wuns Hut r land > Kopfb ganz Di in dil im bl flache geroo haben aufge von i ohne dadur Kirch wirki noch wegs ausdi Seid) noch «esag weit ewig archi verui nahn auch muß: mit gerne auf Herr 2 Süd Mitt Dun Einem Reisenden, der aus dem Schwarzen Meer in den Bosporus einfährt, enthüllt sich ein, durch überraschende Baume, marchen^ster Süden, eröffnet sich unsers Himmels allerolaueste Wunderwelt: gelangt er dann, an Marmorschlössern vorbei, zum Goldnen Horn, so umgaukell ihn das bunte Morgenland. Auf diesem Zauber bericht der Ruf von Kon- stanttnopels unvergleichlicher Schönheit. Wenn man über ©a omeiec un- sSnniae Industrieanlagen dinwegsehen tarnt, jo wird jun«. ber_ - 2-po.us t.nun entiäustden: was mich aber am meisten genort h«, 'md mr-ner \ nieder die protzigen Villen, nach europäischem Muster, cm besen.w» swden der berühmten Meerenge, gewesen. Der Retz der wundechuchmen Städte und Dörfer aus schwärzlichen Häusern ist nunmchr hinweg. Und Konstantinopel selbst, ist es noch Königin zweier Weltteils t In Galata drängen sich die häßlichsten Gebäude ^s Örient5 -Mutest in einem ins Türkische verbogenen Jugendstil ans Ufer. Ganz Gaicua, darüber Pera, sehen miteinander wie eine nicht fertig genwdxne amert- kmiische Seestadt aus! Aber Stambul? wird man voll Erwartung fragen. Ich habe wegen Quarantäne zwei Tage lang vor Konstantinopel gelegen und somit alle Muße gehabt, um mir zu überlegen, warum mir auch Stambul, vom Meer aus gesehen, nicht den erwarteten Eindruck gemacht hat. Ich möchte nun die Grunde meiner Enttäuschung auseinandersetzen. Es'stein Vorzug der Konstantinopeler Landschaft, .dah die Maße des Gowenm Horns und Bosporus, den hügeligen Gelanden auf asiatischer, befoiwers aber den noch niedrigeren auf europäischer Sette entsprechend, nicht allzu großzügig sind. Nun aber liegen Riesendampfer tm gedrängten Haftn vor der Galata-Brücke, unterm Serail; dadurch werden die ursprünglich harmonischen Verhältnisse des Ausstieges von Stambul au-> dem: Meer gedrückt, verkleinert. In diesem Sinne gleicht auch der Bosporus emer halbumgebauten, dereinst ehrwürdigen, nicht allzu breiten St ratze, durch die moderne Fahrzeuge, wie Tramway und nefenyafte Lastautos, lagen. Ferner haben die heiter geschwungenen Umnßlimen StEbuls melfach Einbuße erlitten: man hat nämlich zu viele ungeheuerlich-plumpeNutz . bauten neben die stadtkrönenden Moscheen auf den sieben Hügeln des , zweiten Roms gesetzt. Nirgends kann mehr das Auge von hehrem zu hohem und weiter schon zu herrlichem Gotteshaus, ° ^Wohlgefallen, schweifen: die ehemals dem Boden hold entwachsnen Minaretts steyM jetzt wie Riesenkerzen unrhythmisch auf häßlichen Steinkasten. Born ~utm ,„A von Galata ist die berühmte Sicht auf Stambul auch heute noch grotz arttg: beinah aus der Vogelschau schwebt da der Blick zu den aj r ordentlichsten Moscheen, die, jo gesehen ihre Umgebung noch deutsch überragen. Bloß der für solche Nachbarschaft unzähliger und MaukM Minarette zu plumpe Feuerturm Stambuls stört sofort den weithin gebreiteten Eindruck der dichtbebauten Halbinsel von ByzaM, fonnig das Marmara-Meer aufbfaut und das Auge über ferne freui Fernen bis zum bithnifchen Olymp hmausschwannen laß Scho sruy im Herbst silbern des ttarumriffenen Berges schneebedeckte Hohen au traumhafter Weite zu der weißen Riesenstadt mit den zierlichen Mino s retten, wie leicht dahinschwebend, herüber. Bald aber fallen einem, flera« vom Galatatürm, viele Brandstätten Stambuls auf; häufig bnchtda f Feuer aus; und die freundlichsten Holzhäuschen der Türken fallen iym zum Opfer. Was dann aufgebaut wird, ist durchaus ^fteteib. fogenannt moderne, geschmacklose Europäerhäuser beeinträchtig . hier täglich ärger den großen Glanz der m°rgerllandifchen StM. Man^ Stadtteile, welche die Uarnmen weggerafft haben, fmd überhaupt - wieder aufgebaut worden. windel Ein Bezirk Stambuls, wo etwa das uriprünalicbe Byzanz segrun >ar lang und trocken ile die Drescher dran Wir gingen wie Und liehen keinen Brocken. Gesundheit war ein jeder Schluck Und Leben jeder Bissen! Wir fühlten Gottes Händedruck, Daß wir zu essen wissen: Daß wir des Brotes Wert verstehn Und seiner Quellen Frische, Rotbäckig von dem Mahl aufstehn Und hungrig gehn zu Tische. oder "Druckänderung der Safe. (Gasthermometer) Endlich im „Heiligen Cyprian"! Der Marsch war lang und trocken. 'N mögen, verlorengegangen. Architektonisch mühte dl« Auf ^erundetheit führt, reizen, versucht unu vuiu tiv Jinan hat wohl gewußt, warum er die Anordnung in der Äja Sophia beibehalten sollte! Die Krönung eines Hügels durch eine Kirche ist den Byzantinern vollkommen in der Aja Sophia, wohl auch anderen spater umgestaltetsn Kirchen gelungen: die Türken haben es verstanden, ihre Hauptstadt nach diefenr Grundsatz weiter auszugestalten. Jeder Stadtteil steigt zu einer Konstantinopeler Moschee tatsächlich allseits auf: darum wirkt aber eine solche Moschee in die Ebene übertragen falsch. Dadurch, daß man den Moscheen eine nunmehr teilweise ungeeignete Nachbarschaft geschaffen hat ist ihre ist ganz Stambuls Zauber - wiederholen wir das - be- einträchtigt worden. Auch die türkischen überschlanken Minarette sind nur ricktia wirksam, wo sie rhythmisch über em hügeliges Gelände, wie so eindrucksvoll zu Stambul, verteilt sind; als solche kann man sie, trotz ihrer Zierlichkeit keine gute architektonische Erfindung nennen. Wie ungleich würdiger sind doch arabische Moscheen ohne Minarett, wie dre .unsagbar glanzvolle Omar-Moschee in Jerusalem oder die meisten Moscheen n Kairo, deren Türme ein trutziges Gehaben zeigen. Sie Minarette ber: Kja Sophia, ob hier richtig oder nicht am Platz, sind untereinander ungleich und an und^ für sich die kräftigsten Stellen Stambuls Solche, tusche Minarette haben aber fchnell zur Schablone verftchrt, sich daher märten, die in der Baukunst nicht mehr schöpferisch gewesen sind, gut Mit etwas Bariation verwenden lassen. Ueberhaupt ist man in Konstantinopel, »u Zeiten, da Europa iwch eine barock-lebendige Ueberliesemng geerbt hat, Breits akademisch und rasch daraus routiniert geworden. Vielleicht ist ums Goldene Horn, durch fortwährendes Sich-Wiederholen mit kleinen Abwandlungen, zuerst historisch gebaut worden..**«4fr* aber auf diese Art den vollkommenen Verfall langer als 'M Westen, vermeiden können. Es ist in diesem Sirm trefflich gewesen, daß man im vorigen Jahrhundert die Moschee Mohammed Alls auf der Zitadelle Kainos, also dem eigentlichen Stadthügel nach türkischem Vorbild, mit Konstantinopeler Minaretten aufgeführt hat. UiWerglÄchttch fit der Zauber kleiner byzantinischer Kirchen, die auch Moscheen werden mußten, wie die Kütschük Aja Sophia, mit der füngeschwungenen Mppel Stam- buls, ein herrlicher Versuch zur großen Hoch- urck». Hoftrrche,, oder das Ehora-Kloster, jetzt Kahrie-Moschee, mit seinen schonstM, spatbyzantin- ^en, nun, bei höchster Duldsamkeit der Türken, freigelegten christlichen Konstantinopels Märchenhaftigkeit, soweit sie nochbchcht, kann nur auf der Grundlage moslemitifcher Kultur erhalten, vielleicht sogar weiter An der Grenze der Temperatur. Von Geheimrat Professor Dr. Leo Graetz, Universität München. Es ist eine in der Physik lange bekannte, aber immer noch überraschend wirkende Tatsache, daß die Temperatur aller Körper zwar durch Erhitzen beliebig hoch gesteigert werden kann - wenigstens ,n Gedanken beliebig bock wenn uns auch zur Ausführung über gewisse hohe Temperaturen hinaus die Mittel fehlen — daß aber durch Abkühlung, durch Entziehen von Wärme, ein Körper nich tbeliebig tieseTemperamrenerreichenkann mich nicht in Gedanken —, sondern daß die Temperatur bei MINUS 270 Grad Celsius eine untere Grenze erreicht, so daß es tiefere Temperaturen als diese nicht gibt. Diese Tatsache beruht auf der Art, wie Mi die Temperaturen Überhaupt messen. Die gewöhnlich benutzten Quecksilbe ®Xlwn ber ®afe wird der Druck jedes Gases bei der Temperatur minus 273 Grad zu Null, so daß nach der Seftmtion eine hefere Tomneratur als diese nicht existiert. Wenn man, wie es häufig geschieht, bi^Temperaturen statt mit Thermometern vielmehr elektrisch mit Thermoelementen oder dergleichen mißt, wird das mcht anders, denn die Themm- elemente müssen, um wirkliche Temperaturangaben zu gestatten, eben vorher mittels der Gasthermometer geeicht werden. Diese untere Grenze der Temperatur, bet welcher kein Gas mehr einen Druck besitzt, und die man den absoluten Nullpunkt der Tem n p raiur nennt erscheint als etwas recht Geheimnisvolles und Merk- würdiaes so daß selbstverständlich der Drang der Physik dahin Schg-möglichst diese tiefe Temperatur zu erzeugen und zu "nterfuchen, wie sich , materiellen Körper, und wie sich die Elektrizität, der Magnetismus ufw. bei ihr verhalten In langen, mühevollen Versuchen, die sukzessive 'mmer fimrten mürbe dieses Ziel erreicht, soweit es überhaupt erreichbar eA Ä»I(,{,]•(, ig27 sind es gerade 50 Jahre, daß ein entscheidender Z^Z bam 7°rwärts durch Ra°ul Pietet in Genf gemacht wurde. Man kann tiefe Temperaturen erzeugen, wenn man gewisse Gase durch hohen Druck (z B. 60 Atmosphären) bei gewöhnlicher Temperatur sftfisig macht, und die verflüssigten Gase, die man heute bekanntlich käuflich m Stahlflaschen beziehen kann, plötzlich von dem hohen Druck entlastet, indem man fie unter gewöhnlichen Atmosphärendruck oder noch geringeren Druck 'bring? Durch die plötzliche, rasche Verdampfung kühlt sich dabei die Kohlensäure bis zu der Temperatur von minus 80 Grad ab. Man hoffte tcinpriJit auf diese Weise durch bloßen Druck auch die Lust fluffig machen m^können "aber das gelang nicht, selbst als man die, Lust einem Druck von snon Atmafvbären aussetzte Cs erwies sich, daß em Gas nur bann oer* SÄ» Temperatur bobel unter einem gewfiftn ür fedes Gas anderen, Wert liegt, einem Wert, bem man die kritische Tpmneratur des betreffenden Gases nennt. Für die Luft liegt die k sch Temperatur aber mät tiefer als bei minus 80 Grad. Es gelang aber iRictet indem er zunächst in einem Bad der kalten Kohlensäure Stickoxydul S(£ unb S ^nn unter geringen Druck brachte eine Temperator non roentoer als minus 113 Grad zu erreichen, in welcher komprimierter Sauerstoff von 50 Atmosphären Druck schon stussig wird. Mit dem unte niederen Druck gebrachten flüssigen Sauerstoff gelang es bann, eine Tem- ^atur von minus WO Grad zu erreichen, eine Temperatur m welcher alle Gase, außer Wafferftoff und Helium, flüssig gemacht werden konnten. morden ist dann geblüht hat, entsaftet sich den Besuchern auch heute noch unveraleichlich abwechslungsreich und teilweise großartig. Nur schwmbet nnrff ba itnmer mehr der orientalische Anstrich, besonders was Lebens- führung und Tracht ber Bevölkerung anlangt. Selbst in den Im durch ihre gegen Regen und Sonnenbrand schützenden Ueberwol- bunaen aus Stein gekennzeichneten Basargegenden wird europäische Art rfaZer gangbar: selten nur veGtzen einen Gruppen außer- ordentlich gekleideter und stark zankender yrauen, die beim Einkäufen laut und lebhaft feilschen, tatsächlich noch ins Morgenland. Sonst aber treibt man mit meistenteils europäischer Ware, auf europäische Weise, in europäischer Kleidung Handel: sogar der rote Fez soll nun, aus Wunsch eigentlich Befehl des Kemals, aus der Türkei verschwmdm: imfer Hut wird also von nun an, angeblich seiner Abstammung aus Griechen- lanb meaen in Wirklichkeit aber wohl, weil er noch sichtbar von westlicher KopsbV^ng absticht, weichen. Die Polizei trägt in Konstantinopel schon ganz regelrechte Tellermützen. Dip hnchfte Sehenswürdigkeit Konstantinopels, die Aja sophill, liegt in diesem geschichtttch so denkwürdigen Viertel. Leicht, wie von Engeln im blauen Himmel behutsam in der Schwebe gehallen, krönt die ziemlich flache Kuppel den schweren, durch An- und Umbauten noch gedrungener gewordenen Bau. Seine Wucht nimmt den Betrachter entzchieden ^n. doch auf das Innere ist «s den Erbauern angekommen. Das LanGchiff haben Die kühnen Erwäger dieses erhabenen Raumes mcht vollständig aufgegeben; die schwingende Kuppel überfliegt ihn bloß auf zwei Seiten oon Halb kuppeln emporgeschnellt: der Hochklang desRundbaues ist somit, ohne Einsetzung aller zur Verfügung sichenden Möglichkeiten erreicht, dadurch wird^fofort die Vornehmheit des Eindruckes erzielt unb ber Kirche wohnt dazu eine das wünschereiche Gemüt beanspruchende Tiefen- wirkung inne: man fühlt sich nämlich in ber 2tja Sophia emer immer nodi unerhörten Offenbarung entgegenwandeliü>. Es kommt einem keineswegs nur auf die goldgegierte herrliche Kuppel an: em erhabeueres, un- uusd rück bares Geheimnis Gottes waltet in dieses Raumes vollkommener Geschlossenheit. Trotz aller erzielten Klarheit fit unter solchen Wölbungen noch eine übermenschliche Daseinsbestimmtheit vorhanden. Etwas ftn- oesagtes, das bloß dm einzelnen angehen konnte, wird somit, bermts weit vor dem Proteftantisnius, zu Byzanz, empsunden wowen fein. Di« ewige Aja Sophia befindet sich in keinem erbaulichen Zustande: sie »st architektonisch intakt, vom Standpunkt zur Schönheit betrachtetiedochem verunstaletes Bruchstück des Gewesenen. Großenteils fit dann die Übernahme der Kirche durch den Mohammedanismus schuld; doch ist der Bau auch als Moschee vernachlässigt worden; das was die Zeit zerstör« mußte, hat man zu verdecken versucht. Wer die Seitengange stthen noch, mit ihrem prachtvollen Mosaikschmuck, in mystischer Abseitigkeit vom allgemeinen Kultraum für gegenwärtige, wie noch angeborene Vereinsamte, auf Pilgerschaft nach eigner Gottgeborgenheit, aufnahmebereit, in voller In^der großartigen Sulei manie-Moschee hat der geniale Architekt der Türkei, ein Wbaner, Mimar Sinän 2lga, wie in der 2lja «ophra das Mittelschiff mit einer Hauptkuppel und zwei Halb kuppeln üb erwölbt. Durch ihre dunkle Bemalung, die prachtvollen Teppiche rmd wunderbaren persischen Buntfenster ist die Suleimame-Moschee, nach der A>a Sophm, das ehrwürdigste Gotteshaus Stambuls. Bei anderen Moscheen, beispielsweise der weitzügigen Tllhmed-Moschee, wo man, statt von einem Mittel- W, mm einem Mittel-Rund, reden möchte, weil zur Hochkuppe vier Halbkuppeln gar symmetrisch aufftreben, ist die Raumbilduilg $u sakralen Zwecken, zugunsten einer freien Saalwirrung, in der sich tanzende Derwische drchen mögen, verlorengeganger gäbe der Gleichmäßigkeit, die zur Abg< und bald gelöst werden: doch Mimar Si geführt werden. Stambul, in den Händen von Christen, die es nicht 8» Anbanaern des Propheten überlassen wollten, würde bald beinerne a» S Sienn Bei längerem Aufenthalt in der Stobt W^m GÄbmm Horn offenbaren sich einem ja immer noch mannigfaltige WunoewMge. Weniger pmnkvolle Moscheen, wie die kleine Mchemed-Sokollu-'Pascha- Moschee, oder die ebenfalls bescheidene Rustem-Moschee, mit ihren Wmw- bedeckungen aus prächtigen Kacheln, können einen zu «ftzückiern l«r- roeilen bewegen. Unvergeßlich bleibt mir auch eme Abendstunde in^: ebenfalls mit blauweißen Kacheln ausgeschmückten, höchst prunkvollM, schon genannten Achmed-Moschee. Alle ihre niedrig angebrachten, wettmaschig vergitterten Riesensenster stonden oft en: so konnte em: ho^ schäumendes Meer von drei Seiten heremleuchten; da ersthabe ich den beabsichtigten Zauber der blauweißen Kacheln m mir voll uürken gefiM. Als die letzte Helligkeit gold--bräunltch geworden war, lebte besonders mfi dem Boden ber Teppiche Senf gelb hochlodemd aus. Hold bündel durch die Fenster der Moschee: imt schimmernden Futzen WE lickte Tagesaeftaltungen aus den ihnen so heben Hallen sichtbar hinweg- gchm zu wollen. Kurz glitten dann der Dämmerung behMsame SpE> über blut- oder scharlachrote Musterungen der östlichen Gewebe babta. Dann schien vom Meere her ein leichter Duft heremzuschleiem. BaH darauf war es veilchenbblaue Mondsichelnacht geworden. Aus der Wanderung. Von Leo Sternberg. Diese Methode der sukzessiven Kältebäder ist eine sehe vorteilhafte für physikalische Untersuchungen, weit man dabei die ganze Skala von tiefen Temperaturen von minus 80 Grad an vis minus 220 Grad durch Regu- - lierung von Drucken einstellen rann. Aber allerdings ist sie auch eine recht komplizierte, die erhebliche maschinelle Einrichtungen erfordert. In Leyden ist durch Professor Kamerlingh Onnes, der in diesem Jahre gestorben ist, ein mustergültiges Kältelaboratorium (Cryogenic La- boratory) in jahrzehntelanger Arbeit geschaffen worden, welches einen solchen Hauptzyklus von kalten Bädern, aber daneben noch weitere Nebenzyklen besitzt, so daß durch diese zunächst alle Temperaturen zwischen plus 5 Grad und minus 210 Grad für Untersuchungen über das Verhalten der Körper berettstehen. Das Vordringen nach den tiefften Temperaturen aber hat einen entscheidenden und glänzenden Fortschritt erreicht durch die geniale Erfindung, welche die Physik und Technik dem Altmeister der Kältetechnik, Professor Karl Linde in München, verdankt. Er hat zuerst eine ganz neue Methode angegeben, ausgearbeitet und praktisch ausgeführt, welche durch eine technisch glänzende Anordnung, bei der Ursache und Wirkung sich selbsttätig immer weiter verstärken, kleine Temperaturdifferenzen, die beim Durchströmen der Luft durch ein Ventil entstehen, von selbst immer weiter und weiter vergrößert, daß sie von selbst flüssig wird und literweise die angewandten Gefäße ausfüllt. Diese Lindesche Luftverflüssigungsmaschine erlaubt nun, in dauerndem Betrieb flüssige Luft in solchen Quantitäten herzustellen, wie sie früher die sachverständigen Physiker nicht in ihren kühnsten Gedanken erträumt hätten. Von den vielfachen praktischen Anwendungen dieser Maschine, die heute eine ausschlaggebende Rolle in der Herstellung von Sauerstoff und Stickstoff und damit indirekt für eine große Menge von technischen und landwirtschaftlichen Betrieben spielt, soll hier nicht die Rede sein, sondern nur davon, daß solche flüssige Luft, die man heute käuflich zu geringem Preis bezieht und in besonders konstruierten offenen Gefäßen, den sog. Dewarschen Flaschen, einige Stun- ’ den und Tage hindurch aufbewahren kann, normal eine Temperatur von zirka minus 186 Grad hat, und daß es gelingt, durch Abkühlung in flüssiger Luft unter gewissen, nicht zu hohen Drucken, alle Gase, mit Ausnahme des Wasserstoffs und des Heliums, zu verflüssigen. Diese beiden Gase daher, deren kritische Temperatur eben noch tiefer als bis minus 186 Gr. liegen mühte, diese mußten erlauben, wenn man sie auf irgendeine Weise unter Druck verflüssigen könnte, dann bei der Entspannung noch viel tiefere Temperaturen zu erreichen und so den Weg zum absoluten Nullpunkt der Temperatur zu eröffnen. Nur die Lindesche Methode bot die Möglichkeit, hier zum Ziele zu kommen. lllatürlich aber war diese Methode, die bei der überall vorhandenen Luft recht einfach war, bei dem Wasserstoff und namentlich bei dem Helium, das man nur in begrenzten Mengen darstellen konnte, viel schwieriger. Aber trotzdem gelang es dem englischen Forscher D e w a r im Jahre 1809, flüssigen Wasserstoff herzu- stellen, der eine kritische Temperatur von minus 244 Grad besitzt und der, wenn man ihn unter den Druck einer Atmosphäre bringt, die Temperatur minus 252 Grad annimmt. Durch eine Druckverminderung bis auf etwa l/20 Atmosphäre erreichte der Wasserstoff sogar die Temperatur von minus 257 Grad und wurde dabei fest. Wie man erwarten mußte, war durch Verflüssigung des Wasserstoffs ein großer Schritt zum absoluten Nullpunkt hin gelungen. Nur 16 Grade, aber natürlich die schwerwiegendsten Grade, trennten ihn noch. Helium aber ließ sich auch bei der so erreichten Temperatur selbst unter hohem Druck noch nicht flüssig machen. Der letzte und entscheidende Schritt zum absoluten Nullpunkt hin konnte also nur durch Verflüssigung des Heliums getan werden. Und die Mechode dazu konnte keine andere sein als die Lindesche. Die Schwierigkeiten waren enorm, aber Kamerlingh Onnes überwand sie und hatte den Erfolg, daß er 1908 zum erstenmal flüssiges Helium herstellte. Die kritische Temperatur desselben war bei minus 268 Grad, unter normalem Druck erreichte es eine ; Temperatur von minus 269 Gr., unter viermindertem Druck tonnte Onnes bei ihm im Jahre 1921 die tiefste Temperatur von minus 272,1 Grad konstatieren. Heute ist es an höchstens drei Stellen auf der Erde möglich, flüssiges Helium herzustellen. So weit ist die Physik in nahezu fünfzigjähriger Arbeit gelangt, und es ist nur geringe Aussicht vorhanden, daß sie noch weiter gelangen könnte. Es müßte noch ein Gas gefunden werden, das noch schwerer zu verflüssigen ist als Helium, dann läge vielleicht die Möglichkeit vor, noch einige Zehntelgrade weiter zu kommen. Vielleicht führt auch eine neuerdings vorgeschlagene und provisorisch ausgeführte Adsorptionsmethode weiter. Vorläufig aber ist das die Grenze, und sie liegt schon recht nahe an dem erstrebten Ziele, aber der absolute Nullpunkt selbst läßt sich mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln und Stoffen nicht erreichen. Damit nun aber diese tiefsten Temperaturen für physikalische Untersuchungen wertvoll werden, ist es notwendig, das Helium nicht bloß zu verflüssigen, sondern es in solchen Quantitäten flüssig herzustellen, daß man die Körper, deren Eigenschaften man in diesen tiefen Temperaturen erforschen will, in einem Heliumbad ab kühlen und so lange darin belassen kann, bis man die gewünschten Messungen ausführen kann. Diese weitgehenden Forderungen sind in dem Leydener Kältelaboratorium erfüllt, und auch in der Physikalisch-technischen Reichsanstalt in Berlin sind die Einrichtungen für solche Zwecke geschaffen worden. Man kann die Frage aufwerfen, ob durch diese tiefften Temperaturen, nachdem man sie mit so viel Mühe und Arbeit erreicht hat, auch wirklich etwas Neues über das Verhalten der Körper in ihnen zu erfahren Jet Wenn man bloß eine Ausdehnung der Messungen auf so extreme Zustande erreicht, ohne daß diese etwas prinzipiell Neues, Unerwartetes ergeben, so haben solche Resultate zwar eine gewisse Bedeutung für die Physik, aber doch nur eine solche, daß sie die Wissenschaft in die Breite, nicht in die Höhe weiterführen. Es haben sich ober auch tatsächlich neue unerwartete Resultate ergeben, die teilweise noch jetzt eine Erklärung erwarten, und zwar als man das Verhalten der Metalle in elektrischer Beziehung in diesen tiefen Temperaturen untersuchte. Der elektrische Widerstand aller reinen Metalle nimmt, wie man schon lange weiß, mit abnehmender Temperatur erheblich ab, ihre Leitfähig, feit wächst also mit abnehmender Temperatur. Je kleiner aber der Widec- i stand eines Drahtes wird, desto stärker sind die elektrischen Ströme, die ihn unter sonst gleichen Bedingungen durchsträmen, oder auch, anders ge- feßt, desto dünner kann man die Drähte wählen. Das M unter Umständen eine erheblich praktische Bedeutung. In den Städten, in welchen durch Elektrizitätswerke die Ströme überallhin geliefert werden, muß man in die Erd« die starken Kupferkabel verlegen, welche sehr dick gewählt werden nrüssen, um die elektrische Energie ohne wesentliche Verluste fortzuleiten. Wenn man solche Kabel nicht bei gewöhnlicher Temperatur, sondern etwa bei der Temperatur —186 Grad, wie sie durch dis flüssigALuft erzeugt wird, anwenden könnte, so hätten diese nur etwa drei Zehntel des sonstigen Widerstandes, man könnte ihren Querschnitt also auf drei Zehntel verringern, also bedeutend an Kupfer sparen. Er märe z. B. di« Möglichkeit, solche viel dünnere Kabel in Röhren zu (egen durch die dauernd flüssige Luft strömt, und es wäre einfach eine Frage der Kalkulation, ob man bei einer solchen Anordnung nicht billiger davonkommt, als wenn man das große Kupfergewicht der dicken Kabel unverzinslich liegen lassen muß. Die Rechnung würde jedenfalls zuungunsten dieser Idee ausfallen, wenigstens bei den jetzigen Preisverhölt- Nissen; aber in der Technik kann auch eine Idee einmal praktisch werden, di« lange Zeit unrealisierbar war. Als mm Kamerlingh Onnes solche Drähte in Bäder von flüssigem Helium brachte, beobachtete er eine neue, unerwartete Erscheinung. Bei gewissen niedrigen Temperaturen hörte auf einmal der Draht auf, über einen meßbaren Widerstand zu zeigen; das Metall wurde auf einmal wie er es nannte, supraleitend. Diese Ueberleitfähigkeit zeigte sich nicht bet allen Metallen, sondern bisher nur bei den fünf Stoffen Blei, Quecksilber, Zinn, Indium und Thalium, ein Resultat, welches auch von der Physi, kalisch-tschnischen Reichsanstalt bestätigt wurde. Auch ist die (immer sehr i tiefe) Temperatur, bei der dieser Zustand eintritt, nicht für alle dich ; Metalle ^dieselbe, sondern sie liegt bei ihnen zwischen den Grenzen minus 266 und 270,7 Grad. Bei einer bestimmten tiefen Temperatur um einige Hundertstel Grad hat z. B. das Zinn noch einen gut meßbaren Widerst mch, aber wenn man mit der Temperatur um einige Hundertstel Grad her» untergeht, wird der Widerstand unmeßlich klein, verschwindet er vollkommen. Die Temperatur, bei der Vas eintritt, ist allerdings etwas von äußeren Umständen abhängig. Da der elektrffche Widerstand nach unsere« allgemeinen Anschauungen von den Bewegungen freier Elektronen, die sich wie Gasteilchen verhalten, in dem Draht abhängt, so sieht die Erscheinung so aus, als ob das Elektronengas in den einzelnen Metallen eben bei diesen Temperaturen fest würde, so daß also ein mehr oder minder starrer Zusammenhang zwischen den Elektronen ein tritt. Die Er- scheinung wird seit mehr als zehn Jahren untersucht — bei der Schwierigkeit der "Versuche tmb der Notwendigkeit, mit ganz reinen Metallen M arbeiten, bedeuten zehn Jahre nicht viel —, ohne daß man bisher Jit einer wirklichen Aufklärung dieser Erscheinung gekommen wäre. Aber eine äußerst interessante praktische Folgerung wurde von KamerkingH Onnes aus diesen Erscheinungen gezogen. Wenn man in einem geschlossenen Drahtkreis, z. D. einem Drahtring, durch Ma» Hern oder Entfernen eines Magnetstahes einen momentanen Strv'.n- stoß erzeugt, so hört dieser Strom in äußerst kurzer Zeit M fließe« auf, weil durch den Widerstand des Drahtes die Energie des Stromes gleich in Wörme verwandelt wird. Macht man aber diesen Versuch mit einem Metall in supraleitenden Zustand, so hat dieses ja keinen Widerstand, es wird also in ihm keine Wärme erzeugt, folglich tst kein Grund $um Aufhören des Stromes vorhanden, vielmehr mufj der momentan erregte Strom immer weiter seinen Kreis durchfließen. man erhält also einen dauernden elektrischen Strom durch einmaligen Anstoß. Eine sehr überraschende Folgerung! 3n der Tat konnte Kamerlingh Onnes in einer geschloffenen Spule aus Blei bei der Temperatur — 271,2 einen solchen dauernden Strom erregen, der nach einmaligem Anstoß vier Tage lang floh, ein Resultat, welches allen unseren bisherigen Kenntnissen entgegengesetzt ist, sich aber eben durch den supraleitenden Zustand erklärt. Soweit unsere bisherigen Kenntnisse reichen, müssen wir an* nehmen, daß der Raum zwischen den Planeten unseres Sonnesystem- im wesentlichen frei von Materie ist. und daß in ihm die Temperatur des absoluten Rullpunkts herrscht. Bei den kleinen Planeten, die 5um Teil nur wenige Kilometer Durchmesser haben, ist es daher wahrscheinlich, daß auch sie, wenn auch vielleicht nicht alle, ebenfalls Temperaturen in der Röhe von — 273 Grad besitzen, daß also bet ihnen, soweit sie aus den erwähnten Metallen, z. B. Blei, bestehen, der supraleitende Zustand dauernd von selbst verkommt. Der ihnen müßten bann durch magnetische Störungen, die ja von der Sonne immer wieder ansgehen. starke elektrische Strome dauernd siießM, die keine Wärmeleitung besitzen, die aber sehr erhebliche magnetische Wirkungen ausüben müßten. Ob das wirklich der Fall ist — es gehören ja eine Reihe von Bedingungen dazu —, läßt sich bisher nicht sagen. , In bezug auf die Luftschicht, die die Erde bedeckt, hat man an» den besprochenen Erfahrungen die Folgerung ziehen müssen, baß tn sehr hohen Regionen, wo die Temperatur unter — 220 Grad gesunken ist, der Stickstoff nicht mehr gasförmig sein kann, sondern fest fern muß, als Stickstoffeis oder -schnee, so daß also unsere Erde von --em Weltenraum durch ebne solche feste Stickstoffhülle vermutlich ihre Erklärung. Man kann daraus sehen, tobe wenig man in bet Naturwissenschaft vvrwegnehmen darf, wie wenig es möglich ist, aus Erfahrungen, die man unter gewissen Bedingungen gemacht hat, Schluss« zu ziehen auf weit abweichende Bedingungen, wie vielmehr rm«war- tete neue Grfcheinunngen überall auftreten, wenn man VerHaltnW betrachtet, die weit von unseren normalen Druck- und Temperaiu^ grenzen abtoeichen. Und dies gilt namentlich für solche, die an der Grenze der Temperatur Liegen. Verantwortlich i.D.:vr. Fr. W. Lange.—Druck und Verlag: BrLhl'scheUniversitätL-Buch- und ©tein6'rüdetei.St.2 aix ä e, $ i e6«h-