Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger K t Jahrgang |927 Samstag, -en 7. Mai " Hummer 36 y.?r> --_1'1 ■- - -- ———— - - ASLKdstrrnde. Von Paul Wolf. Ich habe dir oft wehgetan. Nun deckt dich längst der stille Hügel ... Doch naht die Nacht auf leisem Flügel, Stehst du oft bei mir, schaust mich liebreich an Und legst die lieben frommen Hände, Die arbeitsfrohen, auf mein fiebernd Hirn. — Und wie des Himmels herrlichstes Gestirn Aus blauen Tiefen übers Talgslände Sein Goldnstz breitet, wenn dis Nacht sich senkt. Spinnst du mich ein mit deiner milden Klarheit. Du, die dereinst der Himmel mir geschenkt, Du bringst mir Frieden, tiefe Ruhe, Wahrheit . . . Ich habe dir oft wehgetan . . . Dmrch dss heimlichS und unheimliche DeMtschlKnd. i. Wanderbilder von der Nordsee und der Elbe. Von Manfted Hausmann. Ich setze einen Fuß vor den anderen, der Wind kommt von hinten, von Wesermünde, und so treibe ich auf dem Deich hin. Weddewarden . . Wremer Tief . . . Dorumer Tief . . . morgen will ich in Cuxhaven sein. Rechter Hand breitet sich das Land Wursten aus mit seinen gedämpften Farben, da ist die rosa Erde, das fahle Schulf an allen Gräben entlang, die graugrünen Weiden, die Bäume mit bräunlichem Schimmer, die düsteren Strohdächer da und dort, ein vielfaches Durcheinander. Aber links tut sich in ungeheurem Schwung das Vorland auf, das Watt, die See. Hier gibt es nur eine Farbe, nur das ununterbrochen sich wandelnde Grau. Und ich setzte einen Fuß vor den anderen und wandere an allem vorüber. Jetzt ist das Watt in lauter Lichtschleier gehüllt, sie wehen gegen den Deich und machen, daß ich meine, ich schwebte, ich glitte so leicht durch Licht und Glast und Abglanz von Wasser und blankem Schlick. Nicht lange, da schießt die Sonne wieder klar herab, die Schleier verlieren sich drinnen im Lande, der Deich zieht sich in kristallener Reinheit dahin. Und wie ich ein Weilchen in Gedanken abwinke, schleift schweres Gewölk übers Meer, ein Schatten trifft mich, ich wache auf: die ferne Marsch glüht noch grau und golden, aber über mir wühlt sich schwarzer Dampf landeinwärts, die See ist schwarz, der Wind stößt, eine Regenbö rauscht vorüber. Und wieder nach einer Viertelstunde sickert holdes Licht aus dem blauen Himmel, so hold und blau und warm, es taucht den ganzen Bereich, den ich überschauen kann, in diesige Bläue. Und die Lerchen, die zu Tausenden am Deich wohnen, flattern, eine nach der anderen, empor. Run wandere ich eine Zeitlang leise durch diese silbrige Musik, die wie ein einziger zitternder Ton im Archer steht, durch dies unendliche Lerchengetriller. Dann bricht wieder Kälte und Verfinsterung herein, die Lerchen fallen geschwind aus der Luft, es wird still. Nur die Sse rauscht ohne Unterlaß. Nun ist die Nacht gekommen. Das Wasser hat sich weit zurückgezogen. Vom Deich aus sieht man's nur wie einen schmalen, hellen Streifen am Horizont schimmern. Ich stolpere durch die düsteren Weiden des Vorlandes dem kleinen Sommerdeich zu, der sich draußen an der gewöhnlichen Flutgrenze yinleitet. Es ist wohl eine halbe Stunde Wegs. Kiebitze fahren auf und überschlagen sich schreiend, eine Schafmutter trippelt mit ihren beiden Lämmern zur Seite und verNert sich in der Dunkelheit, Kühe stehen als weiße Flecke gespenstisch da. Ich patsche in Sumpflöcher und rutschte in Gräben, aber endlich gewinne ich den Sommerdeich . . . Eine grenzenlose Oede liegt vor mir. So muß die Erde ausgesehen haben, als sie noch wüst und leer war, die eben geborene Welt, die Urwelt. Nichts als schwarzer Schlick, auf dem der matte Widerschein des Nachthirmnels ungewiß hinspielt. Kein Leben, kein Gedeih, kein Wechsel, kein Aus und Nieder. Nur dumpfe Unendlichkeit, nur verlorenes Licht. Und aus der Unendlichkeit dröhnt das Brausen der See herüber, traurig und ewig . . . traurig und ewig ... die Urwelt . . . ♦ Am Strand von Dünen zieht sich die herrlichste Deichpromenade entlang, die sich einer denken kann. Schräg vor einem geht das Elbefahrwasser hinaus in die See. Da gibt's immer etwas zu sehen: Ewer, Kohlenschifse, Segler, Ueberseer und was sonst das Herz erfreut. Sie schlagen sich, gehüllt in Rauch und Gischt, tapfer vorwärts in die Ferne, andere begegnen ihnen, fröhlich der Heimat zufchankelnd. Ich wandere mit müden Beinen und schlürfenden Schuhen über die Promenade. Die Dämmerung sinkt schon nieder, die weiche Dämmerung der Küste. Rechts ragen die Geschützrohre in den Himmel, Wälle und Forts einer Festung versperren die Aussicht ins Land hinein. Mit einem Male liegt der Deichweg da, wo die Kugelbake steht, um die Ecke, und der Elbstrom öffnet sich dem Blick. Der Elbstrom, weiß schimmernd, und die wirve Silhouette von Cuxhaven, die sich gleichsam bis zur Mitte des Stromes vorschiebt. Darüber ist der Abendhimmel blaß und glanzlos gespannt. Cuxhaven. Schwarze Häusermassen wuchten vom Land aus vor, Schornsteine steigen scharf auf, vor den Häusern ein durchbrochenes Gewirr von schwarzen Masten, Türmchen, Signalen und Brücken. Schwarze Schiffe gleiten lautlos hinein, andere gleiten heraus und zerstoßen sanft die bleiblinde Fläche des Stromes. Und all das Schwarze, die Häuser, die Masten, die Schiffe, alles ist besetzt mit verschiedenfai»igen Lichtern. Die leuchten nun still und glitzern umher. Ein grüner Schleier treibt auf mich zu, ein weißer kommt ihm entgegen, ein gelbes Licht mhrt an einem Mast hoch und flimmert dort oben, eine glühende Jllu- schwimmt stromaufwärts, vor den Häusermassen hängen form- uche Girlanden von Lampen, darunter bewegen sich große und kleine Funken die kreuz und quer. Ich stehe lange da und kann mich nicht entschließen, auf das schwebende Gebild zuzugehen. Menschen und Städte sind nur von ferne schön! , Der Himmel verdunkelt sich mehr und mehr. Aber die Nacht bleibt, ohne Sterne. Cuxhaven funkelt in der Nacht. * Hoch über Hamburg ragt der Turm von Sankt Michel. Man kann hinaufklettern, ^ch bin dabei! Ich steige innen auf der eisernen Treppe an den brandgeschwärzten und geschmolzenen Mauern empor, ich schwinge mich an den allmächtigen Uhren vorbei, ich höre den Wind immer wütender heulen, ich lasse auch die großen .Glocken unter mir, sch orange höher und höher und trete schließlich durchs Türchen auf die Plattform hinaus. Hinaus in den Sturm, in die stürmende Sonne, in die sonnige, stürmende Trunkenheit. Da qualmt nahebei der Hasen, da unten, das Wasser hüpft, winzige Schlepper nehmen mit zappelnder Schraube ihren Weg, Welle wirft sich an Welle, gischtet hoch und vergeht, die Werften schmettern aus ihrer Dunkelheit ein verworrenes Getöse heraus, das der Sturm zerreißt, Kröhne drehen sich, Ladegeschirr schwankt, Men- scheu kriechen umher, Boote, Eisenbahnen, Masten, Schornsteine, @e» dampf, Gedröhn, Gewimmel. Und langsam.drängt sich in starrer Maje- stat ein Dampferkoloß mitten hindurch. Zuweilen brüllt er, seinen Schornstein mit einer weißen Wolke umziehend, ein paarmal auf. Niemand darf ihn stören. Er ist hier der Herr. Und hinein in das (Betriebe da unten stürzt das Licht aus den Wolken- schachten, wilde Sonnenbahnen, die jetzt den Strom zu rasendem Glanz, jetzt den Qualm zu irrem Geleucht, jetzt die Häuserblocks zu grellen Far- ben entzünden. Da reißt der Sturm alles weg und preßt Nacht und Dunst über den Hafen. Aber die Sonne schmeißt neue Lichtfetzen nieder. Hier am Turm vorbei stürzen sie, pflügen den Qualm auf, das Wasser blitzt wieder, die Schiffe leuchten wieder und vom Horizont her stürmt eine goldene Lichtwelle herbei . . . Seht, nun ist der Aether nichts als Wehen und Hold und Klarheit! Ein Falke, oder was es nun ist, schwimmt zu meinen Füßen in dem durchsichtigen Meer. Ich blicke hinauf und hinunter . . . Licht, Licht, Licht! Ich muß mich am Geländer festhalten vor Sturm und Trunken- heit. Ich zittere vor Lust. Ich . . . großer Gott, was für ein Taumel, was für eine Verzückung, was für ein wundervoller Wahnsinn! Cäsars Ende. Von Geheimrat Professor Dr. Th. B i rt. Die folgende Darstellung des einzigartigen Schilderers antike« Lebens stammt aus dem bekanntesten feiner Werke: „Römische Charakterköpfe. Ein Weltbild in Biographien", das bereits in 7. Auflage vorliegt. Verlag von Quelle & Meyer ht Leipzig. 3m Jahre 45 v. Chr. war Friede im Reich nach fünfjährigem Bürgerkrieg. Cäsar läßt sich endlich in Rom nieder. Friede auf Erden! Aus beiden Seiten hatte man jeden Justizmord vermieden; nicht der Mord, nur der ehrliche Soldatentod hatte unter den Bürgern aufgeräumt, und eine Aussöhnung mit der besiegten Partei schien also, wennschon Cäsar mit den Landbesitzungen der umgekommenen Pompejaner seit dem Jahre 48 eine schlimme Wirtschaft trieb, nicht ausgeschlossen. Friede aus Erden und den Menschen ein Wohlgefallen? So war es nicht. Nur fünf Monate hatte Cäsar noch zu leben. Erst gab er für das Volk die üppigsten Triumphalspiele, dabei auch Fechterspiele; er liebte besonders den auf» -n gesagt — ist eine „orga- i Wesenselemente der deut- verloren Das Jahr 44 war da. Da bot ihm beim Luperkalienfest im Februar lein junger Verehrer Mark Anton vor allem Volk die Konigskrone an. Es war eine verabredete Komödie; auch für Klaque war geforgt. Die Krone bestand aus einer weißen, mit Laub durchflochtenen Bmde. Die Klaaue rief Beifall, aber das Volk schwieg; man wartete: das Volk schwieg immer noch und blieb stumm. Da verzichtete Cäsar; er lehnte die Krone ab. Die Wirkung aber war nicht günstig. . . Schon vor etwa fünfzehn Jahren, als Pompejus in Macht war, gab es in Rom Verschwörung; man wollte damals Pompejus m der Senats- sitzung erstechen. Jetzt bildete sich eine Verschwörung gegen Casar, und sie war ernsthafter und gefährlicher. Es waren mehr als sechzig Senatoren, Männer von zum Teil edelster Herkunft und hervorragender Geistesbildung, darunter auch Brutus, der Philosoph, der junge,Freund Ciceros, der Neffe Catos, Brutus, der Sohn jener klugen Servilia, deren intimer Hausfreund Cäsar gewesen. Brutus war Prätor, sein Amtsstuhl stand in der Gerichtshalle; eines Tages fand er an feinem Amtsstuhl die Aufschrift. „Brutus, schläfst du?" Die Tat war auf die Iden des März angesetzt, den 15. des Monats. Allerlei böse Vorzeichen warnten den Herrscher. Aber er verachtete sie. Cäsar trug seine Verachtung allen Aberglaubens stets zur Schau. Seme einzige Schwäche war, daß er, wenn er reifte und den Wagen bestieg, dabei einen Zauberspruch dreimal aufsagte. Das kam daher, weil er einmal mit einem Wagen zusammengebrochen war. Jetzt geschah es, daß am Tage vor dem 15. März ein kleiner Vogel, den man den „kleinen König ober Zaunkönig nannte, in den Senatssaal flog und da von anderen Vögeln totgebissen wurde. Welche Vorbedeutung! Schlimmer noch, daß Calpurnia, seiner Gattin, in der letzten Nacht träumte, daß Casar in Am Morgen fühlte Cäsar sich unpäßlich (er kränkelte jetzt oster) und zauderte auf Andringen Calpurnias ernstlich in die Senatssitzung, die er selbst anberaumt hatte, zu gehen. Der Senat war schon versammelt; die Mörder warteten lange aus ihn, umsonst. Ein bleicher Schreck befiel sie. Gelang die Tot heute nicht, so mußte alles ruchbar werden. Es war etwa elf Uhr vormittags; das Warten war unerträglich. Einer der Senatoren wurde abgeschickt, Cäsar zu holen. Da entschloß sich Cäsar; er tarn wirklich In seiner Hand trug er einen eben eingetroffenen Brief, der ihm den ganzen Mordplan enthüllen sollte. Aber er verschob es, ihn aufzu- tnacben. Unterwegs bemerkte Cäsar einen Wahrsager (Haruspex), der ihn kürzlich vor den Iden des März gewarnt hatte. Cäsar rief ihn lachend an: „Heute sind ja die Iden, und ich lebe noch!" Der andere erwiderte ernst: „Die Iden sind da, aber noch nicht vorüber." Vor dem Sitzungssaal fand Cäsar die Dpferbtener, die schon Tiere geschlachtet hatten; er wollte vor der Sitzung erst opfern. Aber es war schon zu spät geworden; er unterließ es und betrat sogleich den Saal, der mit des Pompejus gewaltigem Standbild geschmückt war. Alles en;ob sich. Cäsar setzte sich,'die Senatoren aber blieben stehen, vor ihm, hinter ihm. Einer, mit Namen Tullius Cimber, wirft sich auf die Knie und bittet Cäsar, in ungestümem Ton für seinen Bruder, der im Exil, um Rückkehr und Straferlaß. Cäsar weigert sich und beginnt zu schelten. Da zerrt Cimber mit beiden Händen an seiner Toga. Das war für den Mord das verabredete Signal. Casca stößt nach Cäsars Hals. „Verrückter Mensch, 'M.»« ihm mit Befremden zu undRomriuiMedwe-urn Fürsorge ulgAusgode der Promnziolverwoltung äää1“ He v bie verantwortungslose Monarchie, bas Tyrannentum. In Senat entmündigt, bie Volksversammlung ihrer souveränen Rechte beraubt. Eine annehmbare StaatsDerfafiung 3u nirfit wäre jetzt noch Zeit dazu gerne en, daß das geschah. Statt oejjen dachte er an neuen Kriigfman sah, daß er schon wieder, und zwar gegen Persien, gegen bie Parther rüstete. Unb die Enttäuschung, die Dntruuung wuchs Daran, daß Hallunken wie Mamurra, begünstigt, em -^aultie.- ttAber und Spediteur Ventidius Bassus zum Senator befördert wurde an derartiges mar man schon gewöhnt. Schlimmer war, doß Kleopatra nach Rom kam. Die ägyptische Königin entfaltete ihren Prunk in oer republikanischen Stadt (man glaubt das Haus aufgefunden M haben, m dem sie damals residierte), und Gajar hatte sie prüfen; Casar huldigte ihr. Ja, er hatte von ihr einen Sohn, den man „Kaisanon (den Mmm- turkaiser, das kleine Kaiserchen) nannte. Vor dem Tempel oer Benus, den Cäsar baute, empfing er zeremoniell die Senatoren und stand, alsJie tarnen, nicht von seinem Thronsessel auf. Das war ägyptischer Königes i, uni) man empfand bas als Kränkung, als Entehrung, als Schmach. Cäsar aber fühlte sich vollkommen sicher. Die Anhänger des Pompejus hatte er schließlich alle in ©naben aufgenommen, ja, zu Remtern be- förbert, mit Schenkungen nicht gespart; °r hatte die medergeworfenen Statuen des Pompejus wieder aufgeridjtet. Er bildete sich ern, durch andauernde Liebenswürdigkeit bie grollenden Männer wirklich versöhnt zu haben: als ob dazu Geld und Worte genügten. Sem Hirn war im Rmsich, feine Menschenkenntnis verlieh ihn vollständig. So oft er auf die Gaße trat, hörte er das Juchhe, den unbeschreiblichen Jubel des Janhagels. Das genügte ihm. Er fühlte nur eine eigene Größe. Nichts ist so bezeichnend, als daß er sich jetzt in Rom selbst als Gott verehren, daß er sich Altäre errichten ließ; auch bas hatte er in Aegypten gelernt. Kem Romer hatte bas vor ihm getan. Er hatte ben Maßstab für sich unb bie Menschen Tj. «»« • t'ÄÄS und Bestimmung der wahrhaften „„-„treffen sind. Da nennt jemand lungen, irrige ^rsetzu^, allüberall anMreffen 1« i seine Arbeit eine „ernsthafte Komod.e ^of^ng für das heitere Drama auf den manche Augen all- auf eine H N g l Worten: Erneue» blicken, bezeichnet bas Ziel se>ner « h ) verwirrender rung der deM-hen , P a^Momvdie !Welch ^em ^vabezu bas Pleonasmus das Erste! -°enn oer e L schlechthin, so doch un- SÄ Ä5i - - % atu r! unb zum taufenbften unb hunberitausenbsten Mal : Natur ! ms Inna Wie aber sieht bas allermeiste besten aus, was sich heute K n nennt? Der Ausgangspunkt: greul'chste Unnutur; em S«v,^da M Welt unb Leben nicht bas mmbeste zu f§pffen 90t D ■ 'yet eine blöbe eine lachmuskelaitackierenbe Fiktion fürs Ifjeater f. -Ä» sra 's. »«s ein abstruses Etwas zustande, ein Mißgedilde aus Unnatur, Dum h, unb Tolpatschiqkeit, aus Theaterherkommen, Naivität unb Zirner ) bas - zu einem Berg gehäuft, durch den sich ^dermann hindurch ^st n muß — quer vor dem Lande des echten Humors liegt. D an I . unerfreulichen, diese bitteren Tatsachen nicht vergeßen, wenn man em Werk das den Namen Komödie verdient, beurteilen und überfeine Mängel und seine Irrtümer hinaus den Weg zurBesserung । ^eit stände zeigen will. Als Ausgangspunkt bleibt mit Nachdruck, mir höherem noch als für die Tragödie, für dre Komodie zu f o .„fjeiftidiung Nicht: Literatur. Als Mittel: vollkommene Bindung, Deremheitu f)U^ des Jdeengemähen und des Gestalilichen, von denen eines alIem; anderen, nur durch das andere °ls Kunstfaktor ist. Un r Schluß mit der Dummheit als entscheidendem Bestandteil der K dienhandlung! So wundervoll, so ergiebig die Herzensemfalt als ©eg stand künstlerischer Gestaltung sein kann, so unerträglich, so veraiie^ ^ I 'unergiebig ist in der wahrhaften Komödie Hirn chwund als Vorau Komödie. Von Hans Franck. DeuÄcbe Komödie —- hört man, sieht man herum: es scheint kaum eine Frage zu geben, welche die kunstempfänglichen Gemüter «r gleichem Matze bewegt. Immer und immer wieder begegnet °mem Dramatiker bie Aufforderung __ vom Publikum, vom Kritiker, vom Theaterleiter, khnlüditia" leidenschaftlich hervorgestoßen — doch endlich einmal eine wirtliche Endlich eine deutsche Komödie, zu schreiben. Faßt man aber ein wenig nach, scheut man sich nicht, fest ™atfen, unb bas allerorten a mtreffenbe Verlangen genau zu betrachten, so hait man seyr Dato ein auiaetricbenes qualliges Etwas in Händen, das jeder greifbaren Substanz ermangelt In mehr als neunzig von hundert Fallen verlangt man nam- lidi Witz statt Humor, denkt man an bas nur die Bauchmuskeln erseh - ternde Lachen statt an herzbewegendes Lächeln; will man Sc^vank, Si - tire Lustsviel Vaudeville, Operette, Plauderei, alles mögliche nu me3!/™ to?ne Z ^rofeTmetoWe' tolÄUtt“- ’Z wel^' möbie — jene, welche behaupten, nicht mehr ohne sie, existieren zu können, WDM8MLW Richtung ber_tSetafü*t«i tet’J^eleHe eJße l g^ baß wir unsere ”'S lie| »erobmln“"' was tust du?" ruft Cäsar und wehrt sich mit seinem Metalyriffell Es batte nur eine leichte Wunde gegeben. Da entblößten alle dis Waffen. Umionft versucht er, sich vom Sessel zu erheben. Dolche zucken, wohin er bfÄk d e chn überall auch ins Gesicht, in die Augen treffen. Brutus stieß ihm die Waffe in die Schamgegend. Cäsar seufzte nur und verhüllte sem Z’ t kein Wort weiter (das Wort „auch du, mein Sohn Brutus ist unecht)'- aber um die Fuße ordnete er noch sterbend sein Oeroanb, bamit er tüfht unschön baliege. Alles stob auseinander. Einsam lag der Gewaltige im leeren Saat zu des Pompejus Füßen, von breiundzwanzig ®um den bedeckt. Aber nur eine Wunde, ein Stich in die Brust, war tödlich gewesen. SJÄ '“Ät’TSKZÄä * EB ÄS# te LNYrK,rZ Menicker erträctticbe Fundierung ergeben, m ^o^bdi . I ^.^?ck ein Mehr zu gewinnen Darin gleichen sich Komobie unb Tragödie vollkommen, daß sie der Natur, der Wirklichkeit gegenüber ^n Drttberhinaus darstetten. Wenn es in dem Grad der Auffteigerung einen llnterschiedbgeben sollte, wenn nicht allein die Richtung der Ueber- : entwickluna ihn darstellt, dann nimmt ohne allen Zweifel das K°- tnitrhp fnmr den höheren Grad ein, so daß es geradezu das wichtig,.e Kriterium des Nicht-Komischen, des Nur-Witzigen, des Nur-^acher!rchen . ilt wenn es an Kraft der Vitalität hinter der ewigen Gegebenheit aller "'Kunlt mrückbleibt dis man — je nach seiner persönlichen Eiiistellung __ gjatur Wirklichkeit, Dasein oder sonstwie nennen mag. Solange dieses Gründempfinden nicht Allgemeingut der Schaffenden, Interpretierenden und Empfangenden ist, werden die Voraussetzungen für eine . Erneuerung, eine Befreiung der deutschen Komödie aus tausendfachen ' Banden sich nicht entscheidend wandeln, sondern trübe, um nicht zu [ sagen hoffnungslos bleiben, wie sie es seit Jahrzehnten smd. Die Akttenkammsr. Erzählung aus den Revolutionskriegen von $). Müller-Schlösser. (Fortsetzung.) Finnickel wandte sich an Jungblut: „Ihr habt nichts zu verlieren, Meister Jungblut.. Da habt Ihr gut reden. Ich bin für einen Pakt mit $ "„Aha, was ich immer gesagt habe!" stimmte Völlig bei und nickte be- muß es auch den Herren vorschlagen," sagte der Bürgermeister, als das einzige, was uns übrig bleibt." . , ., . Jungblut faßte den neben ihm stehenden Stadtrat Stockebrandt an der Schulter. „Und Sie, Herr Kalkulator, wie kalkulieren Sie in dieser Stockebrandt zuckte mit den Achseln und zog die Augenbrauen hock „Ich sehe keinen anderen Ausweg, Meister Jungblut. Wir müssen wohl °bejnteineP Herren", entgegnete Jungblut, und die ovffteigende Hitze machte seine Stimme heiser und seine Stirnadern wurden dick. „Meine Herren auf meine Stimme braucht Ihr nicht zu rechnen. , „Das tun wir auch nicht", antwortete Finnickel ruhig. „Wir werden Euch überstimmen, Meister." , , . . „So paktiert in Teufels Namen mit dem PackI Ich Geck em ehrlicher Kerl!" Mit diesen Worten ging er zornig und mit großen Schrtt- Der ^Bürgermeister schlug die Hände zusammen und schüttelte bekümmert den Kopf. „Draußen der Feind und drinnen Uneinigkeit! O, ^^Stadtrat Stockebrandt nickte und sagte: „Was war der Friededoch iür ein edle Sach', und was waren wir früher im Frieden für Narren, wenn wir über Steuern und Abgaben klagten. Und letzt mocht ieder ine Hälft' von Hab und Gut hingeben, wenn er die andere Halbscheid nur in Professor Waele recht und schneuzte sich. "Wir haben im Himmel gelebt und haben es nicht gewußt. Nun wissen wir was ser Krieg für Elend bringt. Drum wollen wir um kein anderes irdisches Glück zu Gott bitten als: den lieben Frieden ver- ^^Darauf" verabschiedete er sich still von den andren und ging. Die anderen schlossen sich ihm bedrückt und mit sorgevwollen Gesichtern an. Finnickel raunte vor dem Weggehen dem Bürgermeister rasch zu. „ßiebfter, Bester, Sie sprechen heut' noch mit Dero Demoiselle -.achter, U’iC'3a ja, ich will's tun", antwortete der Bürgermeister zerstreut. Ms'alle fort waren, und die Stille nur noch von dem Lärm de Stralle unterbrochen wurde, wo die Bürger in Gruppen standen und disvutierten legte der Bürgermeister Perücke^ und Mantel ab, putzte sichren feuchten Schädel und ging dann, die Hände aus dem Rucken, mit ^SeV Sekretärs der "an^ seinem Pulte sah, beobachtete ihn eine kurze w-w ■»» i* „Bei"allem' lchuwsgen Bespekt. liecr Bürgermeister — Sie stnd nahe daran eine Handlung zu begehen, die nicht zum Wohle der Stadt ist. 6 Der Bürgermeister drehte sich unwillig zu ihm um. "Was, was was? „Sie wollen mit den Sansculotten, paktieren. — „Freilich, das m°Ü'T)as>iift nicht recht, Herr Bürgermeister." — Wie?" Der Sekretär stand auf. „Ich sage, da» ist nicht, recht! Das hieße, sich mit diesen Banditen auf eine Stufe stellen, mit ihnen gleiche Sache SrfrÄJWlSt beirren; ruhig fuhr erfort:,Widerstand rettet die Stadt, nicht dieser Pakt, den der Uebermut diktiert und ine ?curckt unterschreibt." — „Brinkmann, was erlaubt Er sich?! Ihre Furcht, Herr Bürgermeister," sagte der Se retar und schaute dem' BärqermAster feft in die Augen, „Ihr Kleinmut smd es und der Ngennutz^der Stadträte, die zu diesem Pakte die Hand reichen. Der Bürgermeister wollte etwas entgegnen, aber &«r Setretar kam ihm schnell AUDor*. 93eratQen Sie mir mein freies Wort nicht, Herr Bürgermeister' Schieben Sie es nicht dem Mangel an Respekt zu, sondern hatten S e es der Sorge um unsere Stadt zugute. - Unsere Stadt i wohlbefeMgt und bestückt. Die Bürgerschaft ist tapfer und versteht, m, der Büchse^und zur Not mit dem Geschütz zu hantieren. Erzherzog Karl steht mit den Kaiserlichen drei oder vier Tagemarsche weit. Solang können wir die Stadt halten und solange müssen wrr ste hatten. Geaen einen Hausen von fünftausend! Kindskdpf! 7, ?n P111^ De," Ä die Gierhälfe solange hinzuhalten. Das kostet bloß em wenig ^^SrhTiirffdinatf!" erwiderte der Bürgermeister ungeduldig. „Possen! Er "sol? sich nicht darüber den Kopf zerbrechen. Das soll Er uns uber- lassen. Wie alte, erfahrene und berufene Männer beschlossen haben, s '^’5 zzerlauch Herr Bürgermeister, Hai denn allein das Alter das Vorrecht, alles recht und gut zu machen? Zieht das Alter n'cht auch Runzeln in den Verstand? Das Alter ist bequem und nicht geneigt zu Enticklüssen, die seine Ruhe stören. Lieber einen Pakt, und wenn er J rn z>rhnrm[idi ift wie btefet, der die <5tabt ben Strauchdieben unb Schnapphähnen preisaibt. Lassen es mich der Herr Bürgermeister ehr- ttch sagen: der Pakt mit den Sansculotten ist Verrat an brr Stadt und, ’ stms mich Gott, wenn ich's leugne, Verrat am Daterlande. Er soll sein vorwitziges Maul halten, versteht Er! rief der B - - | germeister hitzig. „Jedermann soll sich um den Posten kümmern, auf = | den er gestellt worden ist, und Er um seine Schreiberei und um weiter I nichts! Punktum!" 1 „Herr Bürgermeister —!' Neues über Brillanten. Von Dr. R. Gläßner. Nicht von Diamanten im allgemeinen will ich berichten, sondern speziell vom Brillanten. Der Unterschied scheint wenig bekannt zu sein. Der Diamant stellt ein aus feinem Kohlenstoff bestehendes, in oktaederahn- ! [[eilen Formen kristallisierendes Mineral dar, das heutzutage besonders in Südafrika und im einstigen Deutsch-Südwestafrika gefunden und aus- : gebeutet wird. Unreine Exemplare werden für Schleifzwecke verwendet, i reine Diamanten werden zu Schmucksachen verarbeitet, und zwar wegen ihres starken Glanzes und schönen tzarbenspieles. Aber diese optischen Effekte treten am rohen Steine nur sehr schwach zutage; dagegen kom- ' men sie zur höchsten Entfaltung, wenn man dem Diamanten durch ' Schleifen und Polieren gewisse neue Formen mit glatten ebenen Flachen, den sog „Facetten", verleiht. Das Schleifen mit Diamantpulver wurde erst im Mittelalter entdeckt und ausgeübt, während vorher, und zwar in Indien dem Gebiet der ältesten Diamantenfunde, die Steine in ihrer natürlichen Gestalt gefaßt und getragen wurden. ’ „Feuer" und Farbenspiel hängen im höchsten Maße von der Form ob d. h. von der relativen Größe der verschiedenen Facetten und von den Winkeln, die ste miteinander bilden. Zweierlei Schliff-Formen oder „Schnitte" sind besonders beliebt und verbreitet, der „Rosen- oder Ro- fettentonitt" und der Brillantschnitt; der erstere wird nur bei sehr flach ausgebildeten Rohsteinen angewandt, die bei Ausführung des Brillantschliffes zu viel Abfall ergeben, also zu sehr an Große und Gewicht verlieren würden. Der Brillantschlifs liefert d,e bestenopttschen Wir- > kungen, und zwar besonders in der heute üblichen Abart des „dreifachen Brillantschnittes", der 57 Facetten besitzt; von diesen bilden 33 Facetten den sog Oberteil, der im Schmuckstück aus der Fassung herausragt und dem Lichte direkt ausgesetzt ist. Die übrigen 24 Facetten begrenzen den Unterteil, der am getragenen Schmuckstück nicht sichtbar ist, weil er nach dem Träger hin liegt. Die Metallfassung berührt den Brillanten nur y längs eines schmalen Gürtels, der sich zwischen Oberteil und Unterteil hinzieht und „Rundiste" heißt. Nur der Oberteil ist also dem Lichte aus- aefefet Dieses dringt in den Stein ein, wird an den Facetten des Unterteils mehr oder weniger total reslektiert und tritt dann wieder aus dem Oberteil aus, wobei es in die Regenbogenfarben zerlegt wird. Der Winkel und die relativen Größen der Facetten des dreifachen Brillanten sind im Laufe der Zeit wiederholt abgeändert worden; der Schleifer gestaltet ste nach bloßem Augenmaß und lediglich auf Grund langer Hebung und Erfahrung. , Bor wenigen Monaten hat Professor Johnsen von der Berttner Universität rein rechnerisch ermittelt, welche Winkel und relativen Großen der Schleifer den Facetten des Üblichen dreifachen Bnllanten geben müßte, um das Optimum von Brillanz zu erzielen, und diese Formen weichen erheblich von den üblichen ab. Der gleiche Forscher hat nun soeben einen Apparat erfunden, mit dem man die Brillanz von Brillanten und anderen Edelsteinen prüfen kann. Dieser Apparat, der vom Reichspatentamt geschützt wird, heißt Vril- lantoskop. Der Vorgang im Brillantoskop ist der das mittels einer sinnreichen Vorrichtung intensives parallelstrahliges Licht auf den Brillanten (ober sonstigen Stein) gerichtet und der dann aus dem Bnllan en austretende bunte Büschel divergenter Strahlen durch Spiegelung auf eine mattierte Glasscheibe gelenkt wird. Diese zeigt daher em Muster von v bunten und weißen Lichtflecken. Je zahlreicher, größer, Heller und bunter । diese Lichtflecken sind, und je schärfer umgrenzt und regelmäßiger angeordnet sie erscheinen, desto besser und wertvoller ist der Brillant. Bergkristalle, Topase, Aquamarine, weiße Saphire und gläserne Imitationen sind sofort von Brillanten zu unterscheiden, zumal die Handhabung des Brillantoskops geradezu verblüfsend einfach ist. Es wird nämlich die Lampe des Apparates an die gewöhnliche Lichtleitung angeschloffen und das Juwel ohne weiteres auf den Apparat aufgesetzt; dabei ist es gierch- güttig, ob man einen ungefaßten Brillanten prüfen will oder Brillantringe, Brillantbroschen, Anhänger, Ohrringe usw. >- Wie man heute in größeren Schuhgeschäften mittels eines Röntgenapparates den zu kaufenden Schuh in seiner Eignung prüfen und verschiedene Schuhe vergleichen kann, so wird man jetzt >n größeren Juwelier- Seschäften die Brillanz seines eigenen ober des zu taufenben Vrmant- hmuckes mit bem Johnsenschen Brillantoskop vorgefuhrt bekommen. „Punktum hab' ich gesagt!" unterbrach der ihn barsch. „Und jetzt wollen wir überlegen, wie sich die Verteilung der Koutributionsbeiträge regelt. Wo ist das Burgerverzeichnis?" — „Dort in den Aktenkammer. Ich werd' es holen." Der Sekretär stand auf und wollte zu der kleinen, offenstehendsn Tür, die hinter dem Pult des Bürgermeisters in der Wand war. Aber der Bürgermeister winkte ihm ab. „Bleib' Er nur bei seiner Arbeit sitzen. Ich hol' es mir selber." Er ging in die Aktenkammer. Der Sekretär schaute ihm nach, Hellen Zorn in seinem jungen, schmalen Gesicht, warf dann in plötzlicher Aufwallung das Aktenstück, in dem er gearbeitet hatte, auf sein Pult, daß das Tintenfaß hopste, und stampfte mit schweren Schritten durchs Zimmer. Es dämmerte. In den Zimmerecken sammelten sich schon die Abendschatten. Nur auf den höchsten Giebeln draußen lag noch der gelbe Glanz des sinkenden Tages. Zabel, der Amtsdiener, kam pustend und hinter Atem herein. Er wischte sich den Schweiß ab. „Ha, dat ist dir ein hitzig Volk, der Junkersdorf und der Pampus. Sie sind sich draußen in die Haare gefahren. Franzosenaff'I schrie der eine, Tyrannenknecht! der andere, und eh' dat man sich umdrehte, gab et Spän'! Und wie ich dazwischenfuhr, hab' ich auch mein Teil mitgekriegt. Hui!" Er rieb sich ächzend den Rücken. Der Sekretär, in seinem Zorne, achtete nicht auf ihn; er hieb mit der Faust durch die Luft und schimpfte: „Fotte, feige Froschgesellschaft!" „He?" machte Zabel und schaute ihn verwundert an. „Duckt den Kopf, wenn ein Stein ins Wasser fällt. Läßt sich gottgelassen mit Haut und Haaren fressen." „Was bleibt den Fröschen anders übrig?" meinte Zabel ahnungslos. „Sind wir Frösche, Zabel?" rief der Sekretär ausbrechend. „Ließet Ihr Euch fressen?" — „Ich töt' zum mindesten schwer im Magen liegen, dafür kawier' ich Euch! Aber wovon spricht der Herr Sekretarius? Der Herr Sekretarius scheint mir ein bißchen durcheinander." „Blitz und Hagel sollen in die Puderköpfe fahren!" tobte der Sekretär und schlug dabei auf die Amtsperücke des Bürgermeisters, die auf dem Tische lag. Der Puder flog durch die Luft. „(Sott behüte!" rief Zabel in komischem Schreck. „Des gestrengen Herrn Bürgermeisters Amts- und Staatsperücke!" Der Sekretär nahm sie rasch vom Tische und setzte sie sich auf. „He, Zabel, seh' Er sich meinen Kopf an!" „Ein exzellenter Kopf, dat muß ich sagen! Mit dem Kopf kann es der Herr Sekretarius einmal weit bringen." Der Sekretär lachte. „Da schau' mir einer an, was doch die Perücke macht! Jetzt hält Er mich gar für einen exzellenten Kopf." „Dat will nix heißen. Wieviel Narren hält man in der Perücke für kreuzgsfcheit." — „Das sagt Er wohl gut, Zabel." Der Sekretär, in dem Drange, seinem Zorn Luft zu machen, griff nach dem Amtsmantel des Bürgermeisters und zog ihn an. „Schaut, Zabel, und hängt vollends ein Mäntelchen um die Schultern, so ist mit aller Würde und Weisheit der Bürgermeister fertig. Ha, ha!" Er stolzierte auf und ab und äffte den Bürgermeister nach, wie er soeben in seiner Hilflosigkeit zu den Stadträten gesagt hatte: „Meine wertgeschätzten Herren, Sie sehen mich außerstande, einen Entschluß zu fassen." „Straf' mich Gott mit Blindheit an Arm und Bein," rief lachend Zabel, „der leibhaftige Herr BürAermeister!" Der Sekretär stolzierte wieder auf und ab und freute sich an seinem eigenen Uebermut. Da trat schnell und leise Sabine, die Tochter des Bürgermeisters, herein. „Ei, der Teufel!" rief Zabel erschrocken und schlug sich aufs Maul. „Der Teufel? Nein, Zabel, ich bin's bloß. Was ist da zu erschrecken?" Der Sekretär, der keine Zeit fand, Mantel und Perücke abzulegen, drehte ihr rasch den Rücken. Er stand neben dem Bürgermeistersessel und wußte nicht, was er machen sollte. „Sei Er so gut, Zabel," wandte sich Sabine an den, „und geh' Er. Ich muß mit dem Vater reden." Zabel schnitt ein komisches Gesicht. „Mit dem Bater, Demoisellchen? So, so, mit dem Vater, aha!" Er zwinkerte schmunzelnd zum Sekretär hinüber. „Ihr Vater, Demoisellchen, mag Ihnen vielleicht heut' seltsam vorkommen. Das darf Sie aber nicht genieren, hä, ha." Er ging kichernd hinaus. Sabine sah ihm erstaunt nach. „Der närrische Kerl! Was meinte er damit?" _ Der Sekretär hatte sich in den Bürgermeistersessel gesetzt. Er drehte ihr den Rücken zu und blätterte in einem Aktenstück, das er nahe vors Gesicht hielt, als ob die zunehmende Dunkelheit ihm das Lesen erschwerte. Sabine schaute mit unsicheren Blicken zu ihm hin. „Es will schon düster werden, Vater", sagte sie. „Ich will ein Licht holen." Damit wandte sie sich zur Türe. Der Sekretär aber schüttelte heftig den Kopf und machte eine abwehrende Bewegung mit de>n Arm. Sabine blieb stehen und fragte: „Störe ich Sie, Vater?" Der Sekretär schüttelte stumm den Kopf. Sabine trat ein paar Schritte näher. „Das war heute ein böser Tag für Sie, Vater. Die Franzosen tragen uns den Krieg in die Stadt. Dieses Unglück! Man sagt, sie wollten die Stadt bombardieren. Ich habe so Angst!" Der Sekretär machte eine beruhigende Armbewegung. „Sie haben recht, Vater", sagt« sie herzlich. „In Ihrem Schutze bin ich wohl geborgen." Sie machte eine Pause und schaute den vermeintlichen Vater von der Seite an. „Sie sind wohl recht abgespannt, Vater?" . Der Sekretär seufzte; es war ihm recht beklommen in der Rolle di, er, ohne es zu wollen, spielte. „Soll ich Ihnen ein Gläschen Aßmannshauser bringen oder beifi™ Punsch?" Der Sekretär winkte „nein". „Sie werden sich nach den aufregenden Debatten früh ins Belt legen, Vater. Ich tue Ihnen eine heiße Sauerwasserkanne ans Fuk, ende. — Hm —" Sie machte wieder eine Pause. Man merkte ihr an, daß sie etwas auf dem Herzen hatte. Sie atmete tief auf. „Ei, was ich noch sagen Wollt« Sie hatten, schien es mir, soeben einen heftigen Disput mit Ihren! Sekretär?" Der Sekretär machte eine hastige Bewegung. „Verzeihung, bester Vater!" sagte sie schnell, „es ist nicht Neugier. Si, werden fragen, was sonst?" . Sie wandte sich etwas verlegen und errötend ab. „Es ist — es ijt mir, gradheraus gesagt, wunderlich, daß Sie sich mit ihm gestritten haben wo Sie sich sonst so gut miteinander verstehen. Sie fuhren ihn hart an und im Zorn. Was kümmert dich das, werden Sie mich schelten. Nun, weil — weil ich glaube, daß Sie ihm unrecht getan haben." Der Sekw tär unterdrückte mit Mühe ein Räuspern. Sabine fuhr, warm werdend und tapfer fort: „Sicherlich werden Sie ib» unrecht getan haben! Er hat mir so oft voll Dankbarkeit und Ehrfurch über Sie gesprochen, und es kann mir nicht in den Kopf, daß er Si« beleidigt haben sollte." Der Sekretär schüttelte heftig verneinend den Kopf. , ,'Sehen Sie!" rief Sabine erfreut. „Das ist mir lieb zu hören! ($t lst so ehrlich und so gradsinnig. Sie selber schätzen ihn, das haben Si« mir selber oft gesagt. Und — und ich muh gestehen —" Sie stockte und vollendete dann zögernd: muß gestehen, daß et mir wohl gefällt." Der Sekretär wollte sich rasch zu ihr wenden, hielt aber an sich. Et war voll Erregung, die ihn nicht ruhig sitzen ließ. Ohne daß er it merkte, starrte er auf ein leeres Äktenblatt. Sabine holte tief Atem. Sie strich verschämt über ihre Schürze, al» sie sagte: „Liebster Vater, Sie haben mir vor kurzem in Ihrer Zart' lichkeit und Sorge befohlen, zu Ihnen zu kommen, wenn ein Mann mein Herz gewonnen hätte. Ich sollte Ihnen sagen, wer es sei, wes Namen» und Standes. Nun sehen Sie, ich bin Ihnen eine gehorsame Tochter. Ihr — Ihr Sekretär ist es!" Der arme Sekretär wußte sich kaum nach zu halten. Er seufzte und zerknüllte den Aktendeckel. „Nach mir, Vater," sagte Sabine leise, aber mit Festigkeit, „nach mir wär's der rechte. Und — und wenn ich ihm gefalle —" Der Sekretär nickte kräftig mehrere Male. Voller Glück sturste sich Sabine zu seinen Füßen und verbarg den Kopf an der Sessellehne. „Das wissen Sie, Vater?" rief sie. „Hat er es Ihnen gestanden? Oder haben Sie es gemerkt?" Der Sekretär nickte wieder und hielt die Akten vors Gesicht. „Sie sind gerührt, Vater? Sie verbergen Ihr liebes Gesicht? Weinen Sie, lieber Vater? Sind Sie traurig, daß mein Glück in so schlimmen Zeiten gesprossen ist, daß vielleicht der Krieg und seine Not es wieder zerknicken könnten? O nein, Vater! Wer liebt, dem blühen im Sand« Rosen!" Da rief der Bürgermeister aus der Aktenkammer heraus: „Sekretär, ich finde das Verzeichnis nicht!" Sabine sprang, 311 Tode erschrocken, auf und wich einige Schritte zurück. „Himmel, was — ist — das?" stammelte sie. „Mein Baler? Und Sie?" Der Sekretär stand mit einer stürmischen Bewegung aus. Dabei stich er, ohne darauf zu achten, die Türe der Aktenkammer zu. Er riß sich die Perücke ab und rief mit vor Glück zitternder Stimme: „Sabine!!" Er wollte auf sie zu, sie wich aber zurück und bedeckte ihr Gesicht mit den Händen. „Pfui, Herr Sekretär!" rief sie weinend. „Ihren Spott mit mir zu treiben!" Der Sekretär zog sie an sich und sagte sanft: „Sabine, Ihr Ge< ständnis ist dennoch an die richtige Adresse gekommen! Hat nicht soeben Ihr „Vater" gesagt, daß Sie dem Sekretär gefallen?" Unter Tränen antwortete sie: „Gesagt? Bloh genickt!" Und plötzlich fiel ihr ein: „Bei Gott, jetzt wird mir erst bewußt, daß Sie kein Wort gesprochen haben." „Hält' ich mit einem Worte nicht den Zauberkreis gestört?" Er drückte ihren Kopf an seine Brust. „Liebste, der Sekretär kam dir bestätigen, was der Bürgermeister soeben genickt hat." Er küßte st«, und sie hing an seinem Halse. „Sekretär!" rief der Bürgermeister da wieder in der Aktenkammer. „Zum Kuckuck, hört Er nicht?" Sabine ließ erschrocken den Sekretär los. „Der Vater kommt!' rief sie. i „Ich glaube nicht", erwiderte der Sekretär lächelnd, als er die Tür der Aktenkammer geschlossen sah. „Sekretär!" rief der Bürgermeister mit zorniger Stimme, „will nicht so gefällig fein?" Er wollte die Tür öffnen, fand sie aber verschlossen. Er rüttelte an der Klinke. „He, Sekretär, so mach' Er doch auf! Laß' Er den Schabernack! Das Teufelsschloh ist eingeschnappt. Die Tür läßt sich bloß von außen öffnen." „Ich hab' den Schlüssel nicht", antwortete der Sekretär schadenfroh, — „Verwünscht! Ich hab' ihn in der Tasche. Hier, da hat Er ihn." Er langte mit dem Arm durch ein Luftloch in der Ture und hielt den Schlüssel hin. „Rasch! Schließ' er auf!" Der Sekretär nahm den Schlüssel schnell und rief dann nach einem plötzlichen Entschlüsse: „Nein, Herr Bürgermeister, mit Erlaubnis, da« tu’ ich nicht!" — „Zum Kuckuck, was tut Er nicht?" Der Sekretär flüsterte Sabine hastig zu: „Liebste wenn die Tochter mich für ihren Vater hielt, fo werden mich die Ohnehosen als den Tu» germeister ästimieren." (Fortsetzung folgt.) Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Bruck und Verlag: Vrühl'sche Universitäts-Buch- und Steinbruckerei, R. Lange, Gietzen.