Nummer 78 Samstag, den Mover Jahrgang M7 der 3 hAer aber »egt bie Entscheidung bei der jungen Generation des Volkes, als der Trägerür der Zukunft. Nicht zufällig erscheint es deshalb daß aerade dem jungen Menschen in besonderer Werse die Fähigkeit verliehen ist. das Gepräge überragender Persönlichkeiten in sich aufzunehmen und in lebendiger Assimilierung gleichsam neu zu verkörpern. An der Jugend haben die Helden zu allen Zeiten nicht nur ihre Verehrer sondern auch ihre Gefolgschaft gehabt. , . .. , . Geht man diesen Gedankengängen nach, so erhalt in die en Tagen, da wir das Lebenswerk Hindenburgs in seiner bleibenden Bedeutung zu würdigen versuchen, die Frage ein besonderes Gewicht, in welcher Weise die Lebensauffassung, die die Persönlichkeit und das Werk unseres Reichspräsidenten verkörpert, das innere Verständnis der Jugend der Gegenwart gefunden hat. Da wäre es dann unehrlich, zu leugnen, daß es weiten, und zumal den lebendigsten Kreisen deutscher Jugend zunächst nicht leicht geworden ist, ein inneres Verhältnis zu der Persönlichkeit Hindenburgs zu gewinnen. Dis Jugend, die aus den unruhigen Jabrrn des Umsturzes hervorging und unter den Einflüssen der damaligen Jugendbewegung stand, war selbst in ihrer gesamten Haltung so stark problematisch, daß iie sich schwer in der rnbiaen und dem nüchternen Pflichk- Es gehört unabtrennbar zu der Sendung überragender Gestmten Geschichte, daß sie den Stempel ihrer Persönlichkeit und ihrer Lebensauffassung dem zeitgenössischen Geschlechte aufpragen. Mag die einzelne em- maliqe Tat, mit der sie in das Gefüge des geschichtlichen Geschehens em- areifen noch so gewaltig und außerordentlich sein, bleibende Bedeutung über die flüchtige Stunde hinaus erhält sie doch erst dann, wenn sie aus einer Gesamtanschauung heraus wächst, die Tausende in ihren Bann zu bewußtsein des greisen Feldmarschalls zurechtfand. Pflicht aber war und ist das kennzeichnende Wort für die Lebensauffassung, die uns hier entgegentritt, Pflicht in dem Sinne des schlichten Gehorsams gegen das jeweilige Gebot der gegebenen Stunde. Wahrlich ziinächst etwas schier Unfahllches für eine Jugend, die sich in eine Kulturkrisis von unerhörten Ausmaßen hineingestellt wußte und darum meinte, vorerst einmal die letzten Probleme der Menschheit und des Lebens von Grund aus neu lösen zu müssen, ehe der Weg zur schaffenden Tat frei werden könne! Da war ein Mann, der sich mit jchlichter Selbstverständlichkeit auf den Boden der gegebenen sozialen und staatlichen Verhältnisse stellte, so sehr ste vielleicht gerade auch ihm schwer zu tragen sein mochten; und ihm gegen- über eine Jugend, der zunächst einmal das Recht dieser Verhältnisse völlig in Fraoe stand. Das war ein Mann, der wie kaum ein zweiter den Zusammenbruch deutschen Schicksals in sich durchlebt haben muhte, und der doch mit einem fast unheimlichen Vertrauen das Wort sprach: „Ich habe das Heldenringen meines Volkes gesehen und glaube nie und nimmer, daß es sein Todesringen gewesen ist"; und ihm gegenüber eine Jugend, die aus den Schützengräben heimgekehrt, in ratloser Verwirrung der Zukunft geqenüberstand. Da war ein Mann, der mit dem vollen Ernst eines gereiften Mannes, aber auch mit unerschütterlicher Sicherheit fein Vertrauen auf Gott bekannte und für die Wiedergeburt Deutschlands betete; und ihm gegenüber eine Jugend, die wahr- hastig an der Frage nach Gott nicht mehr gleichgültig vorübergmg, aber der doch die Gottesfrage zum furchtbarsten Problem geworden war. , Was Wunder, wenn diese Jugend zunächst mit einem saft verständnislosen Staunen den Mann betrachtete, der durch Zusammenbruch und Umsturz hindurch seinen Weg mit so ruhiger Entschlossenheit ging! Täuschen wir uns nicht, so hat sich indessen in den letzten Jahren gerade in der angedeuteten Richtung im Anüitz der bewegten deutjchen Jugend mancherlei gewandelt. Richt, daß ihr das Bewußtsein für den Ernst der geschichtlichen Stunde, in die sie gestellt ist, verlorengegangen wäre wie so vielen anderen, die ihn noch heute nicht erfaßt haben und in oberflächlichem Taumel ihre Jugend vertändeln. Aber die Stunde einer unfruchtbaren Problematik deutscher Jugendbewegung ist vorbei. D°r Wille zur Tat und zum nüchternen Gehorsam gegen die Forde- runaen des Tages ist neu in ihr erwacht. Damit zugleich wird die Bahn frei für ein neues Verständnis der Ge sch i ch te und für eine W^ederentdeckung der alten ewigen Wahrheiten, die unauflöslich mit dem Werden unseres deutschen Volkstums verbunden find. Wie ste sich die deutsche Heimat neu erwandert, das alte deutsche Lied neu ersungen hat, so lernte die Jugend auch neu die Ehrfurcht vor dem Gott, den wir m 1 Jesus Christus unseren Vater nennen. r (rx„ . i Noch ist das alles im Werden. Wer die großen Bund« der werk- tätigen Jugend unseres Volkes kennt, der weiß, wie heiß gerade dort zur Zeit um ein neues Berussethos und ein neues Verständnis von Familie und Volkstum gerungen wird. Unter der Losung „Du sollst den Werktag heiligen!" rüsten sich soeben die Evangelischen Jungmannerbunoe Deutschlands zu ihrem Jugendwerbetage, und die Frage nach einer Versitstichung des wirtschaftlichen Lebens steht auf der Tagesordnung fast jeder Tagung unserer gewerkschaftlichen Jugendbünde aller Richtungen. Da butfc studieren junge Leute von neuem an dem alten, so oft mißverstandenen Wort „Pflicht", das über der Lebensanschauung unseres Hindenburgs wie 6111 ®irbmifien,1 daß^die Wirkung großer Männer in der Geschichte nicht zuletzt davon abhängt, daß sie die Stunde finden, die für ihr Werk reif ist Täusck'en wir uns nicht, so ist für Deutschlands großen Feldmarschall und Reichspräsidenten diese Stunde heute im Anbrechen. Von einer neuen Sachlichkeit" spricht man und meint danrit vielleicht heute erst nur eine neue ästhetische Mode. Wer die Wandlungen der Jugend unserer Tage mit offenem Auge beobachtet, der weiß, daß jenes Wort vielleicht morgm schon mehr sein kann, nämlich Ausdruck einer neuen Lebensauffassung d-r jungen Generation, und damit zugleich der Stunde Hindenburgs. Größeres aber fürwahr könnte man dem Achtzigjährigen schwerlich wünschen als dieses, daß die Jugend seines Volkes im innersten Kern ferne Lebensauffassung verstehen lernte und damit jenes Vertrauen rechtfertigt«, mit dem er von ihr sprach: „Die Jugend ist es, die unser 3_erruttetes Deutschland wieder aufrichten muß, in ihr ist noch der deutsche Geist Eichener SamilietiHätter Unterhaltungsbeilage ;um Siebener Anzeiger lebendig." _____________ Begegnungen mit Hindenburg. Von Rols Brandt. Das Schicksal eines Journalisten bringt es mit sich, daß er mit vielen Menschen zusammenkommt, die ganz vorn auf der Buhn« stehen, auf der die großen Dramen der Völker gespielt werden. Wer Heldenspieler, Politiker, Diplomaten und Volksmänner so sehr nahe aus den Kulissen steht, ist meistens menschlich tief enttäuscht. Man kann immer erkennen, wo die große Eitelkeit des Schauspielers beginnt. Es ist tröstlich, zwischen jo Hindenburg. Zum 2. Oktober 1927. Von Rudolf Herzog. Hoch über Deutschlands Himmel steht geschrieben Dein Vatername. Und die Kinder kommen, Endlosen Zugs ein Volk, von Dank getrieben, ' Von Glück erfüllt, von Ehrfurcht scheu benommen. Kein Schützenzug in klingelndem Gewimmel Ein Glaubensheer, das seinen Kirchgang halt, Und droben spricht der große Gott im Himmel Wie Segen deinen Namen auf die Welt. Vater des Vaterlands. In Schicksalsstürmen Wuchs uns dein Bild zum Bild der heil gen Esche, Auf deren Wipfel sich die Wolken türmen — Di/hobst das Haupt und schufst dem Licht die Bresche — An deren Wurzelstock die Neider nagen — Du schürftest mit dem Fuß die Nester aus. Es war nach Deutschlands wildzernss nen Tagen Ein Vater wieder und ein Herr im Haus. Ein Vater. Nicht ein Herr der Halbverlor'nen. Ein Freund, der mit der Güte Vaterhänden . Des Volkes Letztem wie dem Erstgebor'nen Die Seele sucht zur Gläubigkeit zu wenden. Zur Gläubigkeit, die nicht die Hölle rauben Und roden kann: an Deutschlands Oster zeit! Zur Gläubigkeit an deines Bruders Glauben Und an die Kraft, wenn willens eins ihr seid. Wenn wir als Kinder auf zum Vater schauten, Ehrsürchtig und doch sicher im Vertrauen, Den Händen dankend, die ein Dach uns bauten, So sah'n im Alter wir aufs neu dich bauen, Wie einen Vater, der der Kräfte Nützung, Der seines Atems allerletzten Hauch Hingibt für feiner Kinder Schirm und Schutzung Und für die Heimatlosgeword'nen auch. Du, deutschen Lands geweihter Ehrenbürger, Werd' Ehrenbürger heut in allen Mauern. Der deutschen Zwietracht greiser Todeswurger, oo soll dein Ruhm den Kriegsruhm überdauern. Werd' Ehrenbürger heut in allen Seelen, Daß Glaube, Hoffnung, Liebe wiederkehrt. Und nimmer wird's an Gottes Segen fehlen Dir, deutschem Volk. Sei deines Helden wert. Hindenburg und dis deutsche Jugend. Van D. Erich Stange. Erschienen m der Hanjeatlf chen Verlagsanstalt, Hamburg 36 (6M.). Gin Zindenburg-YsrirLr. Von Walter Flex. Aus dem mit Spannung erwarteten Briefband von Walter Flex, der, von Walther Eggert-Windegg bearbeitet, im Oktober bei C.H.Beck in München erscheinen wird, ist uns die nach- "rehende bedeutende Schilderung der Gestalt Hindenburgs zum Vorabdruck zur Verfügung gestellt worden. Ostfront, 3. April 1916. Osten Gesiegelte, stand am Rande von Hindenburgs Hand ein ablehnendes ^°Al/üE'Wahl des JeLmarschalls zum Reichspräsidenten gleich, einer warmen Flamme des Wunsches aus dem Volke emporscylug, flog ich, es war noch zur Zeit des ersten Wahlganges nach Hannover, um mit dem Generalfeldmarschall über die Kandidatur Ludendorff zu sprechen. Es war am Nachmittag, an dem man lernte, daß es noch ,Große m Deutschland gibt, über Parteien und Zirkel hinaus. Ich fand Hindenburg jünger aussehend, als damals im Großen Hauptquartier m Kolberg, da seine Augen fast blicklos «raren vor Schmerz. * er sprach über Hitler, dessen, Anständigkeit des Gesichts er gelten ließ. Aber er sagte: „Was wollen Sie, er ist doch nur ein älrommler, und haben Sie schon mal gehört, daß ein General ernem Trommler nach- tflufi?" Es war sein Wort über Ludendorff, den er Nicht mehr verstand. Aber in dieser Stunde sagte Hindenburg, und aus seinen alten Augen brach ein seltsames und ergreifendes Feuer: „Für Parteien werde ich alter Mann nichts mehr tun. Für das Vaterland beide Hands, man kann sie mic übbcidteti — ober nichts für Parteien! . Es ist bekannt, wie Hindenburg, als er Reichspräsident wuroe, diese Ueberzeugung aufgefaht und durchgesührt hat. In iemer ^erson ruht wie verkörpert der Gedanke vom emrgen Deusichland. An -dem Äsend, da er den Sohn Flensburgs, Dr. Eckener, empfing, hatte ich auch oas Gluck, an dem runden Tisch zu sitzen. Er sprach nicht viel Worte aber ich sehe noch, wie er sein Rotmeinglas gegen Dr^Eckener, erhob und seine tiefe und feste Stimme über den Tisch klang: „Sie totem es für unser Deutschland, und Deutschland dankt Ihnen." Es war uns allen in hefem Augenblick als ob der Dank des Vaterlandes warm und lebendig zu fernem Pionier sprach, als ob Deutschland selbst »m Namen seines größten Bürgers Ehren vergab, es war nach so vielen Jahren Elend der große Aufschwung der Seele, den Hindenburg segnete. Liebe Eltern! Gestern habe ich ein schönes, eindringliches Erlsbms gehabt. Soll ich Euch mal raten lassen? Vielleicht habt Ihr inzwischen auch in der Zeitung gelesen, daß H i n d e n b u r g die gruppen an unsere Front besucht hat. Der Oberstleutnant stellte mir s freundlicherweiis frei nach Dich., dem Divisionsftabsquartier, das noch hin^r Komm liegt, hinüberzureiten und mir die Hindenburgparade als Zuschauer «nzusehsn. Jeder Truppenteil der Division stellte zu dieser Parade eme kleine Ab- teiluna bis zur Stärke einer Kompagnie. Ich ließ mir s natürlich nicht zweimal sagen und ließ mir in der Frühe eine schöne Rosmante satteln. Mt mir ritt der Stabsarzt auf seinem sästinen Schimmel und Leutnant von Schulenburg. Der Weg durch den hellen Apnlmorgen war vrachug. Wie Wölkchen von frischem Grün hing schon em Borglanz des Fruuliugs in den lichtrnr Büschen und die hellroten Jungtriebe der Birken schwammen , wie Lämmerwölkchen zwischen den schwarzen Ellernkronen, uue Wege ivaren so morastig, daß man kaum begreift, wie unsere Verpsleaung ^rankommt nur an ein paar kurzen Stellen, ließ sich antraben Aus einer seitlich der Straße nach Hoduzischki dicht hinter wjch. gelegene Wiese war ein bis auf den Dreck ganz friedens-näßiges Paradrgew'.mmel. Eme schnarrende Stnnme, Aufstellen, Ausrichten, Wieder-andere-Aufstellen, Ausrichten usw. Die Mäntel waren von den Tornsitern gerollt, so daß die Kerls setzt leidlich sauber aussehen. Hinter der Paradewiese stieg die Straße zieEch steil hoch, und auf der Höhe hielt, ein Meldereiter, der nach dem Auto des Feldmarschalls ausspähte. Jetzt hob, er die Hand und sto?im Carracho heran. Die Blechmusik schmetterte, .die Autos, fauchten heran, aus dem zweiten stieg Hindenburg. Die Truppen waren m einem nach der Straße zu offenen Viereck aufgestellt, u»r zuschauenden 2fsi.pere standen in zwei Gliedern am rechten Flügel neben der Musik. Hindenburg schritt die Aufstellung ab und ging ganz dicht, lanMin und einen leden anschauend an uns vorüber. Er trug den neuen Feldmantel nut resetm- grünem Kragen und hatte in der Hand den Jnterimsstab, der nichtvie anders als eine Reitgerte aussieht. Die schwere massige Gestalt entsprach ganz der Vorstellung, die man aus Bildern und Beschreibungen mt brachte. Aber das Gesicht und der Kopf sind anders «ls meist auf Bü dern, nicht so martialisch und auch anders aufgebaut. Das Gesicht schein! mir auf den meisten Darstellungen ganz ungebührlich verkürzt und in me Breite gedrückt, während in Wahrheit die stärksten Linien des bei aller Fülle straffen Gesichts und Nackens den Aufbau des mächtigen Kopfes nach oben betonen. Die Bilder scheinen mir ebenso, fehlerhaft wie die von unten aufgenommenen Photographien großer Standbilder, aus denen \ dann auch das Gesicht zurücksliehend und in die Brüte verkürzt eischcm. 6 Kopf und Gesicht Hindenburgs sind in keiner Hinsicht typisch, I« es amr 8 geradezu ausfällig, wie die Gesichter der Generale und Stäbler um J, her neben seinem fast etwas fremdartig abstechenden Gesichte zu TyM' preußischem Offizierstyp, Lebemannstyp, Agrariertyp wurden. Die Farr- feines Gesichts ist nicht braun und nicht gelb, sie spielt ganz leicht in einen sonderbaren Oliv-Ton, der sein Gesicht nicht so rauyhautig wie aus Den meisten Bilden erscheinen läßt, sondern ihm einen gewissen Glanz gibt, wie ihn altes poliertes Holz hat. Die Augen scheinen neve den schweren Polstern des mächtigen Gesichts und in Säcken liegend k , aber voll ruhigen Lebens, sehr ernst und sehr gütig. Ueber ihre 8« kann ich nichts sagen, ich hatte keinen Farbeneindruck, sie säpenen - tief und dunkel, und so sind sie auch, unabhängig von der Farve Iris. Er nahm die Parade ab und ließ sich dann eine Reihe von »» . vorstellen, die sich in den letzten Kämpfen das Eiserne Kreuz v > hatten. Er überreichte das Kreuz jedem selbst, und wir halsen tn , vielen halben Figuren die Einheit eines Menschen zu sehen, der immer alles um der Sache willen tat, dessen große Kraft aus der wahren Tiefe eines starken und menschlichen Herzens immer strvnue und strömt. Es ist ein kostbarer Besitz meines Lebens, üay mir vergönnt war, Hindenburg, den Generalseldmarschall und den Präsidenten des Deutschen Reiches, in vielen entscheidenden Stunden seines Lebens nah m sehen. Zum ersten Male — ich habe das in meinem Buch „S o cheht die Weltgeschichte aus. . ."*) erzählt - am Abend des Tages, da der Sieg von Tannenberg entschieden war. Die kleine Stadt Osterode in Ostpreußen war festlich erleuchtet. In den wenigen Wohnungen, die von ihren Besitzern nicht vermssen waren, und in den anderen, die ihre Herren eben zurückkommen sahen, brannten die Stearinkerzen hinter den Fenstern zu sechsen und achten. Der hübsche, nur halbleere Marktplatz bekam einen hellen Schein. Die Leute, die über das helle Viereck gingen, in dessen Mitte deutsche Munitionswagen in Reihen aufgefahren waren, machten die gleichen ernsten Gesichwr wie am Tage vorher, da die Riesenwirbel der Schlacht durch die Lust dröhnten. Durch das gelbe Licht geht eine massige Gestalt. Als sie sich dem kleinen Hotel nähert, in dem ich am Fenster sitze, sieht man ein wenig von dem Rot der Generalsausschläge leuchten. Der General nimmt an einem kleinen Tisch am Fenster Platz, der Wirt tritt herzu, und der hohe Offizier bestellt zwei Schnitze! für sich und seinen Begleiter. Ein Zivilist schlagt ^.arm bei dem Wirt, daß der „Tisch am Fenster" das Essen schneller becomme als er, der schon so lange warte. Der General sieht sich einen Augenblick um: in den graubraunen Augen ist Ernst und Belustigung seltsam gemischt. „Es ist der neue Oberkommandierende, der eben die große Schlacht gewonnen hat, Hindenburg", sagt der Wirt begütigend zu dem Zivilisten. Das Licht von der Straße fällt über die große, mächtige Erscheinung, die im Schattenspiel der Kerzen noch riesiger wirkt. Die Ruhe auf dem Gesicht ist fast steinern. Eine Adjutant bringt eine Karte, auf Der ine andere Schlacht von Tannenberg, die Schlacht, die der deutswe Ritterorden anno 1410 gegen die Polen verloren hat, dargestellt ist. Hindenburg sieht schweigsam auf den Marktplatz, auf dem die Munitionswagen in der sinkenden Nacht goldene Lichtränder bekommen. Er, schreibt nut kur- : zem Daschenlopierstift eine Depesche: . . . Eure Majestät gehorsamst bitten, die Schlacht nach dem Ort Tannenberg nennen zu dürfen . . . In derselben Stunde flog der Name Hindenburg schon durch Deutschland, hinaus in die ganze Welt und über das große Wasser. Zwei Tage später war Hochamt in Grieslienen. Alle zurückgekehrten j Bauern und ihre Frauen waren in der Kirche, die Tür stand auf, und der Klang der auffallend schönen Orgel rauschte hinaus aus der Pfeiler- kühle auf den sonnigen Kirchhof. Der war Kampfplatz gewesen. Preuhl che Tornister und russische Brotbeutel lagen durcheinander; sehr viele deutsche Helme. In der Mitte war ein Soldatengrab, man hatte Aftern und Herbstblumen auf die kahle Erde gepflanzt und das Kreuz sehr forgc faltig behauen. Ein Auto hielt. Der General stieg aus. Mit einer Stille und Einfachheit, die nichts von Pofe wußte, nahm Hindenburg den Helm ab. Ein Mensch, nichts weiter. Ms der Gottesdienst zu Ende war, kamen die Bauern langsam vorbei, sie grüßten ine frischen Gräber. Ihre Augen blieben lange und schwer an dem großen, ernsten Blick Hindenburgs hänaen. Der Orgelklang flutete in vollen Schluhakkorden über die Hügel, über die zerschossenen Mauern und über das verbrannte Gestrcmcy. Wer ine Stunde erlebt hatte, wußte, warum Hindenburg so volkstümlich m Deutschland war. _ . ... ... Im Lause des Krieges habe ich Hindenburg in vielen en-tjcyeidenden Tagen gesehen und später, nach dem Zusammenbruch, sein Ausharren in Pflicht und Würde in Kolberg an der Ostsee erlebt, wo 'bas deutsche Oberkommando in der Revolutionszeit sah. Immer blieb der Eindruck der menschlichen Seite seiner Persönlichkeit gleich. Am stärksten in der Erinnerung steht mir ein Zusammentreffen in Wilna, als sein alter Freund, Generalfeldmarschall von Eichhorn, ein Milttarjuduamn । feierte Da brachte es der Zufall mit sich, daß ich mit den beiden Gene- ! raten eine Zeitlang allein bei einer Flasche Rotwein faß und Hindenburg zu plaudern anfing. Er sprach auch von seiner Aussasiung der strategischen Dinge, kam auf das Schachspiel der Schlacht und meinte, nur wer die größere Ruhe hätte, würde den letzten Zug tun. Dann die letzte Begegnung vor seinem Abschied von der Armee m Kolberg. Alles war zusammengebrochen. Im Osten drangen polnische Jn- furgenten schon gegen Bromberg in der Richtung Berlin vor. Seme Augen ■ waren wie blicklos vor Schmerz. Er hatte eine Handbewegung, mit der er über die Augen fuhr, die erschütterte. „Ich habe gedacht, da- stehen zu müssen. Sehen Sie, so viele gingen. Ich bin em sehr alter Mann, wenn die Jungen sehen, daß ein so alter Kerl seine Pflicht tut, werden sich doch manche besinnen. Ich bin todmüde, aber ich werde.stehen, bis ich umfalle, solange dieser alte Körper noch zu etwas gut ist, für ein Beispiel." ~ . Es war die Zett, da die Reste der Armee in Gefahr standen, vom Bolschewismus überrannt zu werden, da Trotzki in dem Funkspruch „An Alle" erklärte, daß Deutschland für die bolschewistische Revolution gewonnen sei. Auf den müden alten Augen stand da ein hoher, vielleicht der . letzte Teil der Rettung Deutschlands vor der Anarchie. Einmal sah ich Hindenburg längere Zeit mit dem Kaiser zusammen. Auch damals in Wilna. Ich war im engsten Gefolge. Der Kaiser sprach lebhaft mit dem polnischen Bischof, als die Kathedrale besichtigt wurde. Er sprach über den Stil der Leuchter, die man ihm zeigte, und er wußte viel über den dunklen Ton eines Bildes des heiligen Sebastian zu sagen. Hindenburg sprach kein Wort. Als die beiden später im Auto sahen, ging aus irgendeinem Grunde der Motor nicht gleich an. Der Kaiser sah nach der einen Seite aus dem Auto, Hindenburg nach der anderen. Stumm. Als ob sie verschiedene Sprachen gesprochen hätten und wußten, daß einer den anderen nicht verstand, qar nicht verstehen konnte. Allerdings auf dem großen Durchbruchsplan, den die Lieblinge des Kaisers, Falkenhayn und Mackensen, entworfen hatten und der den scheinbaren Erfolg, in Wirklichkeit den endgültigen Mißerfolg im uni) Kreuz den Leuten einzuknöpfen. So war ich ihm mehrere Minuten so nah, daß ich ihm auf die Stiefel treten konnte. Ich tafs aber nicht. Dann sprach er. Seine Stimme ist ebensowenig typisch-soldatisch wie seine Erscheinung. Sie hat nichts Dröhnendes und nichts Schnarrendes. Hindenburg spricht sehr schlicht, ohne jede Geste und jede Pose, der Klang ist tief und fast etwas brummend. Seine Art zu reden hat nichts Fortreißendes, sie ist väterlich und an Stimmkraft sehr haushälterisch. Aber es ist Hindenburgs Stimme. Er sagte: „Kameraden, ich bin hierher- gekommen, um euch für alles zu danken, was ihr in dem ganzen Kriege fürs Vaterland geleistet habt, ganz besonders aber in den vergangenen Kampftagen. Die Division Bredow (das ist unsere 42. Jns.-Div.) hat den weitaus schwersten Stand an meiner Front gehabt und hat alle Anstürme des Gegners siegreich abgeschlagen. Wenn auch weiter so jeder einzelne seine ganze Kraft einsetzt und seine Pflicht tut, dann dürfen wir hoffen, unserm Vaterlande bald einen ehrenvollen Frieden Heimzubringen. Damit Gott befohlen, Kinder! Und hoffentlich auf Wiedersehen!" Dann brachte er das Kaiserhoch aus und Hauptmann v. E., der die Parade ausgestellt hatte, das Hindenburg-Hurra. Dann ging Hindenburg wieder zu seinem Auto zurück. Sein Schritt ist schwer und bedächtig, und jede Bewegung ist an Kraft sparsam. Das Auto kurbelte an und ratterte an uns vorüber, die wir, Hand am Helmrand, an der Straße standen. Wir ritten durch den hellen Sonntag-Mittag zurück an die Front. Ein russischer Flieger kreiste durch auspuffende Schrapnellwölkchen über Ma- zuty, als wir wieder einritten. Herzlich grüßt Euch Euer Walter. Durchfahrt verboten! Bon Otto Ernst. Heut ist Festtag in Insterburg! ' :or einem Jahr hat Hindenburg )ie gute Stadt von den Russen befreit, las feiern sie heut in Dankbarkeit. i-den, Musik unter freiem Himmel, ^absehbares Volksgewimmel — markt und Straßen ringsum verwahrt egen Autos und Fuhrwerk jeglicher Art. emmt aber ein Auto im Sturm gefahren! Ein General drin, hoch bei Jahren, ■ raft und Milde im Angesicht, E'n gottgeschaff'nes Heldengedicht. — . alt!" ruft der Schutzmann, „hier komm'n Se »ich durch!" 2a, dann außen rum", lacht Hindenburg.— . ie dreie bringen uns wieder empor: Genie, Ordnung und Humor Düs Haus des RsichSpräftLeMeN. Von Reichskunstwart Dr. Edwin Redslob. In der Tatsache, daß sich das Haus des deutschen Reichspräsidenten in der Wilhelmstraße zu Berlin befindet, liegt an sich ein Symbol. Denn die Wilhelmstraße ist die Regierungsstraße der Reichshauptstadt, und die Geschichte ihrer Bauten bedeutet während der letzten zweihundert Jahre ein wesentliches Stück Geschichte Berlins, Preußens, Deutschlands. Bis zum Beginn der Regierung des Großen Kurfürsten hörte die Stadt Berlin nach Westen zu mit dem Schlosse auf, das in seiner Anlage, wie fast ausnahmslos alle deutschen Fürstensitze, halb auf die Stadt, halb auf Parkanlagen und die freie Natur gerichtet war. Als dann neben der Dorotheenstadt vor den Mauern der Festungsanlage die Friedrichstadt gegründet wurde, dehnte sich die Stadt bis zu der östlichen Seite der Wilhelmstraße aus. Und da Friedrichs I. Sohn, König Friedrich Wilhelm I., hierin die Tradition seines Vaters fortsetzend, mit allen Mitteln auf Vergrößerung und Verschönerung der Hauptstadt drang, sorgte er besonders für die bauliche Ausgestaltung der seinen Namen führenden Wilhelmstraße. Besonders betrieb und förderte er den Bau repräsentativer Palais durch den Adel. Vielfach stellte er denen, die bauen wollten, Grundstücke und Material zur Verfügung, wozu er auch den Teil des Tiergartens hergab, der heute die reichseigenen Gärten umfaßt und so mit seinen alten Baumbeständen noch immer eine Einheit bildet. In anderen Fällen, wofür die romanhafte Entstehungsgeschichte des Palais des Prinzen Albrecht kennzeichnend ist, konnte man von einer hart in das Schicksal der Familie eingreifenden Verfügung des Königs sich nur loskaufen, indem man durch Errichtung eines Palais in der Wilhelmstraße dem Bauwillen des Königs Rechnung trug. Die Lage dieser Palais war außerorden.tlich günstig: ihre Zugangs- feite war an einer auf die festliche Hauptstraße des neuen Berlin führenden vornehmen Seitenstraße, die Gartenseite aber blickte in die hohen Bäume des Tiergarten. Die drei größten Adelspalais der Wilhelmstraße haben gemeinsam, daß sie in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunoerts entstanden, und daß sie allein einen Ehrenhof mit Seitenflügeln haben, der dem französischen Adelspalast der Barockzeit entsprach. An geschichtlicher Tradition sind die beioen zwischen Boßstraße und den Linden gelegenen Palais für das deutsche Volk bedeutungsvoll geworden: das „Hotel Radziwill" dadurch, daß es die Dienstwohnung des deutschen Reichskanzlers wurde und daß in ihr als Zeichen der höchsten politischen Machtentfaltung im Jahre 1879 unter Leitung Bismarcks der Berliner Kongreß stattfand, das Palais des Reichspräsidenten, eben dadurch, daß es zum Sitz des Trägers der höchsten Macht in der Deutschen Republik erwählt und mit der persönlichen Erinnerung an den Reichspräsidenten Ebert und den Reichspräsidenten v. Hindenburg verbunden wurde. Und so sind die beiden Säle: der „Kongreßsaal" im Reichskanzlcrpalcüs und der Festsaal im Palais des Reichs- vräfidenten die vornehmsten gesellschaftlichen Repräsentationsräume Ms heutigen Deutschland geworden, e Die Baugeschichte des Palais des Reichspräsidenten beginnt im Jahre 1734. Architekt ist Konrad W i e s e n d, Bauherr der Landjägermeister des Königs, Graf Schwerin. Ein entscheidender Umbau im Innern erfolgte im Jahre 1778 durch den damaligen Besitzer, den Staatsminister von der Osten-Sacken. Durch diesen Umbau wurde nur bas Innere berührt, während ein wesentlicher Schmuck des Hauses, sein Mansard- Kupferdach, erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts dem einfachen Ziegeldach weichen mußte, als der Verlagsbuchhändler Reimer die Metall- platten verkaufte und damit angeblich die gesamten Kosten für die Erwerbung des Hauses durch seinen Verlag zu decken vermochte. Der Stil des Palais ift jenes einfache und lebendige Barock, wie es im Jahrzehnt vor dem Regierungsantritt Friedrichs des Großen unter Vermischung holländischer und französischer Einflüsse mit der vorhandenen Bautradition in Berlin vorherrschte. Noch spürt man die Nachwirkung der kräftigen Entfaltung des Berliner Barock, wie sie Schlüter und Eosander von Göthe in Berlin vertreten. Das zeigt sich vor allem in der Hervorhebung der Mitte, wo eine Türnische mit flachem Bogen und großer von Figuren gehaltener Kartusche über dem Balkon zwischen Säulen erscheint. Aber in der Gesamtwirkung ist der Bau im Vergleich zu der wuchtigen Größe Schlüters heiter und leicht gehalten, was besonders durch die schwingende Rhythmik der Fensterbekrönung erreicht wird. Die Freude an der Belebung des Baues durch plastische Motive tritt außer im Mittelteil der Fassade auch bei Kandelabern und Vasen des Gitters hervor, die ebenso wie wohl auch die Steinvasen in dem im wesentlichen in seiner großzügigen ursprünglichen Anlage erhaltenen Garten von dem Berliner Bildhauer Alfanz hergestellt sind. Da nun schon das Barock der Zeit um 1730 klassizistische Motive bevorzugte, so verbindet sich der Umbau von 1778, der den Uebergang vom Rokoko zum Klassifizismus zeigt, in außerordentlich günstiger Weise mit der äußeren Erscheinung des Gebäudes, denn das Ganze zeigt die selten so wirkungsvoll hervortretende Verwandtschaft zwischen der Zett kurz vor und kurz nach dem Vorherrschen des Rokokostiles. In der Art, wie im Festsaal die Wand durch doppelte Pfeilerstellungen, Nischen und Fenster gegliedert ist, zeigt sich jenes Gefühl für Belebung und zarte Reliefierung der Wandfläche, das der klassizistischen Zeit in so hohem Maße zu eigen ist. Durch die plastische Feinheit und den malerischen Reiz der Ausstattung wird jene Festlichkeit erreicht, deren Wirkung sich keiner entziehen kann, der die Räume betritt. Auch der Gartensaa! im Erdgeschoß des Hauses, vor allem aber die mit zwei Bildern des Berliner Malers Rode gezierte Galerie im linken Seitenflügel, sind Innenräume von hervorragender künstlerischer Bedeutung. Insbesondere erfreut der Wechsel der Farben, die im Festsaal durch Stuckmarmor, in den Räumen durch Wandtäfelung und Wandbespannung erreicht wird, und der durch Deckenbilder, Supraporten und gemalte Friese eh» wesentliche Steigerung erfährt. Ein Hauptbesitz des Hauses sind die allegorischen Bilder des ab» echter Rokokomaler noch in Paris ausgebildeten Berliner Akademiedirektors Christian Bernhard Rode, von denen bei dem unter Friedrich Wilhelm IV. erfolgten Umbau vier im Treppenhaus eingefügt find. Die Galerie im linken Seitenflügel ist umgebaut worden, als bas Haus um die Mitte des 19. Jahrhunderts zur Ministerdienstwohnung hergerichtet wurde. 1866 bis 1871 diente der Bau als Wohnung des Gouverneurs von Berlin, feit 1872 wurde er für das königliche Haus» Ministerium verwandt. Im 19. Jahrhundert erlebte das Palais sine Blütezeit, als Graf und Gräfin Schleinitz hier eine vor allem der Pflege von Kunst und Musik gewidmete Gastlichkeit eröffneten: im Saal des Hausministeriums war jener denkwürdige Abend, an dem es Richard Wagner gelang, [eine Musik und feine Ideen endlich auch innerhalb der vornehmsten Gefell-, schäft der Reichshauptstadt durchzufetzen. So stellt dieses Haus, das sich während der letzten Wochen durch einige Renovierungsarbeiten, die sich insbesondere auf den Anstrich der Fassade bezogen, auf die Feier des achtzigsten Geburtstages des Reichspräsidenten von Hindenburg vorbereitet hat, in sich selbst ein Denkmal deutscher Geschichte dar. Die Trommeln von Tannenberg. Von Peter Bang. Cs war im Winter 1887. Vor dem Krollschen Garten standen in langer Reihe die Kutschen der Hofgesellschaft. Die Kutscher mummelten sich m ihre weiten Pelzkragen und trippelten ungeduldig von einem Bein aufs andere. Es war kalt und ungemütlich. Und der Wind peitschte jedem unbarmherzig Schnee und Eiskörner ins Gesicht. In den weiten Sälen brannten die noch neuen Gaslampen in verschwenderischer Fülle. Zwischen den langen Courschleppen der Damen wimmelte es von Uniformen und goldstrotzenden Minister- und Diplo- matensräcken. Eben verabschiedete sich ein baumlanger Attachs von der zierlich sich neigenden jungen Baronesse von Rödern, die mit ihren Eltern den Ball verlieh. Es war der schwedische Legationsrat Frederik Rappe. Ein paar Sekunden folgten die treuherzigen blauen Augen des blonden Hünen der schlanken Mädchengestalt. Dann trat er m den Saal zurück, ging durch die noch immer fleißig walzenden Paare hindurch urtb näherte sich einem Tisch an der hinteren Wand. Es war die „scharfe Ecke". So genannt nicht etwa nach gesteigertem Konsum geistiger Getränke — im Gegenteil, die paar Flaschen sauren Mosels waren zum Leidwesen des „Markeurs" den ganzen langen Abend über noch nicht leer geworden — sondern nach den scharfen Bemerkungen, die von hier flüsternd die Runde zu machen pflegten. Rur daß der hagere alte Herr mit der rotbraunen Perücke, der sie zu machen pflegte, kein« Ahnung von dem raschen Umlauf seiner gar nicht böse gemeinten Sa» iasnum hatte. - Druck und Verlag: Brübl'Iche UniverlitätS-Buch. und Steindruckerei, D. Lange „üioltfe!" flüsterte einer der spät angekomnienen jungen Lebemänner seinem Begleiter zu. t , Der Legatwnsrat begrüßte den ihm von früher her bekannten General- feldmarschall mit tiefer Verbeugung und war überrascht, durch eine knappe Handbewegung zum Sitzen aufgefordert zu werden. Der alte Herr, der so böse Mucken haben konnte, war sichtlich gut« Laune Er hielt lauschend die Hand hinter das rechte Ohr, neigte sich nach dem Fenster zu imb nickte mit dem Kops, als die Eiskörner wie em starker Trommelwirbel gegen die Scheiben klapperten. , Eg gibt Gedankenverbindungen, über deren Entstehung wir uns niemals Rechenschaft geben können. Sie springen von einem znm anderen und keiner weiß, woher sie kommen. , . Als das faltige Greisengesicht mit dem zahnlosen Mund vor ihm läckelnd nickte sprang in dem Legationsrat unvermittelt die Gestalt eines riesigen Offiziers auf, den er täglich von seiner Wohnung in der Doro- theenstraße aus dem roten Portal der Kriegsakademie treten sah Ganz ohne Uebergang, aber wie selbstverständlich traf sich sein Blick mit dem Moltkes. Und ebenso ohne Uebergang sprangen ihm die Worte Verzeihen'Exzellenz eine Frage: ich sehe da jeden Tag emen Riesen aus Ihrem roten Hause kommen. Er ift sicher noch einen halben Kopf größer als ich, obwohl ich selbst mit meinen 1,94 Metern kein Zwerg Der'Generalfeldmarschall rückte eifrig an seiner Perücke. Ist er ja!" sagte er mit seinen scharf geschliffenen Worten. „Ma - ior' von Hindenburg und B en n ecken do rff. Halt Vorlesungen über Strategie. Tüchtiger Offizier. Ich lasse ihn. tun, was er will. Nur über die Trommler werde ich nicht mit ihm einig. Er bemerkte den etwas erstaunten Blick des Legationsrates und beUtCir “meint,5 eT gäbe viel zu wenig Trommler bei der Infanterie. Dovvelt io viel müßten da sein. Vor allem bet der Verfolgung — denn da/ forigesetzte Trommeln in seinem Rücken hält der Gegner nicht aus, sagt er immer. Hären Sie nur, man könnte fast glauben, daß er red,Uphti)et greife Feldherr versank in tiefe Gedanken, während er mit der Selbstvergessenheit des Alters dem Wirbel der Eiskorner an der Fensterscheibe lauschte. * Di- Beiichtiauna war vorüber. _ Der kommandierende General des IV Armeekorps - d.e Ernennung war Hindenburg am 27. Januar (Kaisers Geburtstag) 1903 zugegangeii __ war mit dem Ergebnis der Besichtigung im großen ganzen zufrieden. Das Infanterieregiment rückte ein. Die Offiziere versammelten sich zum Liebesmahl. _r rL , „ ., Der Adjutant nahm den Oberst beiseite nerr Oberst, noch ein Wort. Lassen Sie alle Trommler des Reg - men'ts zur Verstärkung der Kapelle antreten. Exzellenz Hebt Trommel- Niemand wunderte sich darüber. Cs war bekannt, daß dieser Soldat | mit der eisernen Disziplin seiner Nerven zu jeder Tageszeit schlafen i konnte, wenn er ein paar Minuten Zeit hatte. In seinen Schlaf hinein walzte sich schwer das Rollen der Geschütze. - Als ob der Tod mit eisernem Schlegel sein Riesenkalbfell schlüge. Und ein befriedigtes Lächeln zog über des Schläfers gefurchtes Gesicht: sein Lieblingswunsch ging in Erfüllung. Endlich hatte die Infanterie genug Trommler. Sie würden dem Feind den Kopf volltrommeln und ihm keine Ruhe lassen, bis er den Atem verlor. Und so kam es auch. Die Trommeln von Tannenberg taten ihr» Schuldigkeit . . . HindendNLg-AnSkdslen- Der Zahrmarkisgroschen. Hindenburg war ein Büvschelchen von acht Jahren, als sein Vater von dem kleinen posenschen Städtchen Pine nach Glogau versetzt wurde. Der er te Jahrmarkt in der „Großstadt" war für die drei Geschwister der Gegenstand fieberhafter Aufregung. Jeder bewaffnet mit einem Groschen (== 12 Pfennigen) zogen sie los. Seine jüngeren Brüder Otto und Vern. Hard waren langst nach schwelgerischen Genüssen wieder zu Hause an« gelangt. Endlich kam auch der Aelteste freudestrahlend an. Für seinen Groschen hatte er — seiner Großmutter für sechs Pfennig Pomeranzen- schalen, für seinen jüngsten Bruder zwei Schokoladenzigarren für drei «Pfennig und für feine kleine Schwester einen Gümmiball, auch für drei Pfennig, erstanden. Für ihn selbst war nichts übrig geblieben. m ^Ein so martialisches Getöse hatte das Offizierkasino noch nicht gehört, wie es sich jetzt als Tafelmusik erhob. Keiner verstand sein eigenes Wort. Auch die jungften Leutnants ver- > gafeen ihre schnoddrigen Witze vor diesem brausenden Lärm und warfen j 1i49Swb?nburg8Umar sichtlich aufgeräumt. Er nickte dem Obersten freundlich zu und reckte den mächtigen Körper empor. Sem dröhnender Laß meisterte ohne Schwierigkeiten die Unterhaltung. Sie war trotz aller Bemühungen des Offizierkorps nicht sehr lebhaft- Einer nach dem andern verstummte in einer Art hoffnungsloser Ermüdung. k Endlich war der offizielle Teil zu Ende. Die Musik empfahl sich. Und nickt lanae. so taute einer nach dem andern wieder auf. Hindenburg dagegen wurde von Minute zu Minute schweigsamer. Schließlich stand er auf, griff sich mit seiner berühmten Bewegung mit zwei Fingern in den Hals-kragen, als ob er ihn weiten wollte, und warf den Kopf zurück, wie vor der Manöverkritik. . Den Herren Offizieren wurde etwas unbehaglich zumute. Es war sehr schön bei Ihnen, meine Herern , erdröhnte der gefürchtete Baß „Rur die Herren Leutnants hatten lustiger fern tonnen. Ich will nicht hoffen, daß meine Trommeln Ihnen die Laune verdorben haben. Gewöhnen Sie sich beizeiten daran, dann wird der Gegner nervös ..." * Am Vormittag des 25. August 1914. In der Postagentur des ostpreußischen DörschmsTrnnnenbergbei dem die russische Rarew-Armee fünf -tage spater ihr Ende finden sollte, ließ der neu ernannte Oberkommandierende, General Hindenburg, sich von dem kommandierenden General des XX. Armeekorps, General von Scholz, die nötigen Erklärungen geben. Alles ging nach Wunsch. , ... Nahe dem Kirchhof standen zwei «Batterien schwerer Haubitzen. Ein paar hundert Meter östlich auf dem Höhenrücken nach Seewalde waren zehn Batterien Feldartillerie aufgefahren und sandten ihren eisernen <5e|Ste ©enwaffto^^ hielten mit Mühe die Augen offen. Durchwachte Nächte lagen hinter ihnen. Die Herne Ruhepause Mir allen wie eine Erlösung. Ruhepause ist übrigens reichlich emphemistisch aus- gedrückt. Nebenan war ein ungeheures Schleppen von Koffern, Kisten und Möbeln. Schwere Kommißstiefel polterten alle Augenblicke ms ^mitten im Zimmer aber stand ein eiferner Gartenstuhl. Darauf rittlings der Oberkommandierende. Beide Arme ruhten auf bet schmalen Lehne und der gewaltige Kops tag friedlich auf den Armen. Tiefe, ruhige Atemzüge liehen erkennen, daß Hindenburg den Schlaf des Gerechten schlief._________________________________________ Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. Hindenburgs Testament. Anfangs April 1857 sollte der zehnjährige Hindenburg in das Kadettenhaus in Liegnitz eintreten. Der Abschied vom Elternhaus fiel ihm so schwer, daß er vorher sein Testament machte. Am Tage vor der Abreise laß er dann tränenüberströmt vor seiner Spielzeugkommode auf dem Fußboden, las das lange überlegte und gewissenhaft unterschriebene Testa- ment vor und verschenkte dessen Bestimmungen entsprechend seine Spielsachen an Bruder und Schwester. Bezeichnend für die fürsorgliche Umsicht des „Erblassers" ist die Bs- ftimmung: „Otto soll dem Schwaiger alle Tage eine Semmel mit- nehmen." Schwaiger war nämlich ein armer Schulkamerad, für den Hindenburg auf feine Bitten von der Mutter täglich eine Frühstücks- femmel mitbekommen hatte. Sie sollte ihm auch nach Hindenburgs Abschied bleiben . . . Warum Hindenburg stets eine Steif nabel bei sich trug. Zn den kleinen vorsorglichen Zügen Hindenburgs gehörte es auch, daß er stets cm der Innenseite des Rockaufschlages eine Stecknadel mit sich führte. Er selbst erzählt über den Grund dieser Gewohnheit folgendes! Als 18jähriger Leutnant zog ich 1866 mit den siegreichen Truppen in Berlin ein. Mein Bataillon trat am Floraplatz im Tiergarten an Dori überreichte mir der Kommandeur den Noten Adlerorden 4. Klasse mit Schwertern mit der Bemerkung, daß die neue Auszeichnung für den Einzug fofort angelegt werden sollte. Ziemlich ratlos sah ich mich um. Schließlich erbaumte sich eine alte Dame aus den Zuschauern unb befestigte mir den Orden mjt einer Stecknadel. So oft ich später über den Floraplatz kam, dachte ich dankbar ihrer Hilfe. Zugleich hatte ich mir aber anaewöhnt, für alle Fälle eine Stecknadel bei mir zu fuhren. Wenn ich auch," fügte er schalkhaft lächelnd hinzu, „nicht erwartete, sie wieder zum Anmachen eines Ordens zu benötigen." Wie Anton v. Werner Hindenburg malte. Der jetzt Achtzigjährige hat in feinem Leben sich von vielen Künstlern mal-n lassen müssen. Aber kaum einer von ihnen hat so wenig Respekt vor dem „Retter Deutschlands" gezeigt, wie der berühmte Geschichtsmaler Anton v. Werner. Im Auftrage Kaiser Wilhelms malte er seme „Kaiser- Proklamation von Versailles". Hindenburg, der die Feier als Abgeord- neter seines Regiments beigewohnt hatte, war natürlich stolz darauf, sich unter den dargestellten Offizieren herauszufinden. Aber alle Mutte war vergeblich. „Ich glaube, ich bin einer von den hochgeschwungenen Armen mit Säbeln", sagte er später häufig schmunzelnd, wenn das Gespräch auf bas Bild tarn. Ein fabelhafter Schädel. Nach seinen ersten Siegen wurde Hindenburg von Künstlern überlaufen, die seinen „fabelhaften Kopf" malen oder aushauen wollten. „Komisch," sagte er bei einer solchen Gelegenheit einmal, „nun trage ich diesen Kopf fast schon siebzig Jahre, und vor Tannenberg hat es keiner bemerkt, wie fabelhaft der Schädel ist." Reinfall. Bei einer anderen Besichtigung wollte sich Hindenburg davon überzeugen, daß seine Soldaten nicht nur genau Entfernungen, sondern auj die Zeit abzuschätzen gelernt hatten. Er tritt deshalb auf einen RekruM 3U „Höre mal, mein Sohn! Ich nehme jetzt meine Uhr und drehe mich um. Wenn du meinst, daß zehn Minuten um find, rufst du laut yaui Verstanden?" „Zu Befehl, Exzellenz!" Der Rekrut stand stramm unb muckste sich nicht. Nach fünf Minuten fragte der General, ob die zehn Mmiuen um seien. Der Rekrut verneinte stramm. Dasselbe wiederholte sich nach Vf” Minuten. Pünktlich auf die Sekunde, als die zehn Minuten voruoei waren, kam bas „Halt!" des Rekruten. „Bravo, mein Sohn!" lobte Hindenburg erfreut. „Woher wuM du das fo genau?" „ m ..«, „Von der Turmuhr dort links, Exzellenz!" versetzte der Gefragte u schuldig. Hindenburg selbst konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. _ Schon Wilhel Heimat a Wunsch z> Raabe da rangen u legenen ß artiges R Bergen u Der 2 Raabe in „ßeuten c aas Will, der wie t unb mit Borwo inmitten fabriten, Eschersha hils an Lenne, ei mündend Eschersha hat. 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