rst rfe cht int di« ist. !ch. >en tan der ge- im. ten itte mn gras. ick- der 6 re uf- er« gerast oos fein leit ifft. ber fte. stns rng ipp igte an. Fiert Er für teßt nitfl gah frott olle in), orttt bei- »ruf dir tot Mit aic° wert beii and der ucke aar vm itte. Gießener Zamilienblatter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1926 Dienstag, den 27. April Nummer Frühling. Don Lev Sternberg. Die Dienen stoßen in die Blüten, daß leis das ganze Bäumchen schwankt und schauernd seinen duftigen Süden von trunkner Sehnsucht fühlt umrankt. Und tausendblütig wildem Willen ach, hingegeben bis zum Leid: „Nehmt alles euch! 3a, kommt euch stillen und saugt euch aus mir Ewigkeit!" Der Glückssall. Don Luise Glaß. Motto: Glück haben kann jeder, Festhalten ist das Kunststück. 3n die Fleischergasse war das große Los gefallen, Schneider Dierlings hatte das Glück betroffen. Seit zwei Jahren spielten die drei Männer zusammen: der Großvater, der mit Hilfe seiner Hornbrille sogar noch die Knopflöcher zustande brachte, und die Brüder Ede und 3ule, die froh waren, wenn im Laufe des Jahres ein paar Einsegnungsröcke und ein Dallschwenker ihrer Werkstatt entstieg. Meistens muhten sie ihre Nachbarn und Neben- menschen mühselig ausflicken. Und mm das große Los. Die ganze Gasse nahm teil an dn" „Donnerwetter," sagte die Wirtin zur Goldenen Gans, oben an der Ecke, „wenn sie nur wohnen bleiben! Kann ich das große Los nicht selber haben, so soll's wenigstens in der Nachbarschaft verzehrt werden." _. , . „ . Und der Wirt vom Roten Hirschen, am andern Enve, sprach hinter einem tiefen Seufzer drein: „Bloß wissen macht ich, wie ihnen zumute ist. Drei Zehntel! — Hundertfünfzigtaasend Mark!" , » « • re. Daraus, wie ihnen zumute war, machten Dierlrngs kern Geheimnis Lachend und jubilierend sahen sie beisammen in der Wohnstube, die zugleich- Werkstatt war. Großvater oben auf dem Tritt, kreuzbeinig, Nadel und Faden bei der Hand, 3ule behäbig an dem etwas wackeligen runden Tisch, wo seine Frau «inen Grog nach dem andern braute, Onkel Ede im Fensterstock. von wo er bald auf die Gasse hinaus, bald in die Stube herein lachte. .. ,, Onkel Ede war ledig, und wollte ledig bleiben, — nun erst recht: wenn einer Geld in der Tasche hat, ist ihm als Junggesellen erst recht wohl. . - "3iaua“, sagte der verheiratete Bruder, und die Schwägerin setzte" hinzu: „Verheirateten ist auch erst recht wohl, wenn sie Geld in der Tasche haben. Aber laßt ihn nur; setzt is er der Erbonkel, der wird unfern Kindern gut tun, wenn er ausge- r t । tvrr+ " Worauf der Onkel noch- vergnügter lachte als vorher. „Ich nicht! Ich tu’ keinem gut, ich verbrauch mein Teil selber. Jetzt aber macht' ich wissen, wie es all den Neidhammeln draußen in der Gasse zumute ist." . « In diesem Augenblick kam Jule Dierlrngs ältester Sohn nach Hause, ein frischer, breitschultriger Bursche wm tobzehn Jahren, den sie zum Unterschied vom Onkel den Nemen Ede nannten - Schneider hatte er nicht werden wollen. , Erstens weil die Schneider verulkt würden, soweit einer freus&eung auf dem Tritt säße, zweitens weil ein Zimmermann ubechaupt alles könne, und drittens weil Karl Peterlein, sein Ideal, auch ZimmermanNnse.h^tte Stiefmutter gesagt; „des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Nachher kann ja meiner mal ins Geschäft treten rmd's Haus erben " Meiner" war jetzt vier Jahr« alt, taugte auf der Diele und" ah Schokolade, die sein sechsjähriges Schwesterchen zur Feier des Tages vom Kramer geholt hatte. Die beiden horten auf die schönen Namen Adolf und Flora, - wenn fte uber- ^^Frau^Emmeline Vierling war eine ordentliche Frau, nur *^°Der"habmt fte's ängetauft, sagten die Leute, sie Hren Vornamen zum erstenmal horten — und sie Felber taufte es wieder ihren Kindern an. Flora und Adolf — das Nang! „Is es wahr?" schrie der kleine Ede zur Sure herein und schlug einen Purzelbaum. „Da gib mir flink einmal ein Goldstück, Vater. Das groß« Los muß ich mit den Bekannten begießen; wer Geld hat, hat Pflichten." „Nana", sagte der. Vater. Der Großvater aber kam vom Tritt, zog den Tischkasten auf, in den sie ihren Gewinn eingestrichen hatten, und langte eine Doppelkrone heraus. Sogleich verlangte Frau Emmelin« auch zwei für ihre Kinder. „Kommt her, Flora und Adolf, hier is waS zum Spielen." Nun rollten di« beiden Goldstücke als Spielzeug durch di« Stube. „Nana", sagte Vater Jule, der Onkel Junggesell lachte, und der Großvater kicherte mit dem leisen Behagen des Alters, das junger Leute Dummheiten nicht mehr ganz ernsthaft zu nehmen vermag. „Willst du auch einen Grog?" fragte die Mutter großmütig. Aber der kleine Ede wollte lieber mit den Kameraden trinken. Trotzdem stand er noch ein paar Minuten zögernd in der Stubentür. Endlich- fragte er: „Wo ist denn Lisbeth?" „Die flaniert je immer irgendwo rum“, antwortete Frau Emmeline spitzig, und das „Nana" des Vaters Hang diesmal sehr bescheiden. Onkel Ede pfiff „Wenn ich ein Vöglein wär'", und der Großvater, der schon wieder stichelte, antwortete behaglich: „Lisbeth weih es noch gar nich, die wird horchen!" Da ging der kleine Ede, ohne weiteren Gruß, zur Türe hinaus. Also zuerst mal die Schwester suchen, so lange hatte das festliche Degreßen noch Zeit. Hinter ihm drein sagt« die Mutter: „Mit den zwei Großen hat mer alletoeile seine Not — nu denkt an was andres — nu seid bloß lustig: Hundertfünfzigtausend Mark." Draußen in der Dämmerung, die in der Fleischergasse beizeiten einfällt, schaute ich der Heine Ede suchend um Er wußte ungefähr, wo Lisbeth ums Dunkelwerden zu finden war: wenn Ede vom Bau kam, dann war auch der Zimmermann Peterlein nicht mehr weit. , „ „ „ „ Nach kurzem Rundblick ging der Kieme stracks auf das gegen» überliegende Haus zu, llopfte und trat in die Unterstube. Hier wohnte die Waschfrau Peterlein, „seit die Welt steht", sagten di« Geschwister Vierlings. Das hieß: so lange wir zuruckdenken Formen. Und so lange war die Peterlein auch schon Witfrau. Aber sie hatte sich und ihren einzigen Jungen ordentlich durchgebracht, mit Hilfe von Ehrlich-keit, Seifenschaum, Fleiß und Sprichwörtern, gereimten oder ungereimten. Ihren Sohn erzog sie tüchtig, wenn s notig war. mit lockerem Handgelenk, wozu auch Sprichwörter die Erklärrmgen und Nutzanwendungen lieferten. Ms Lisbeth und Ede Vierling die Mutter verloren, Bauten sie ihr Häuschen zu Frau Peterlein, da heimsten sie Verse und Quarkbrote ein, wenn sie drüben vergessen wurden. Später, nach des Vaters zweiter Heirat, staken fte auch dann bei Peterleins, wenn sie drüben gesucht wurden. Obwohl die Stiefmutter lustig war und ihnen keinen Stein in den Weg legte, gehörte ihr Herz der Nachbarin, und an dem Karl hingen sie alle beide, wie die Kletten. Auch jetzt als der kleine Ede eintrat, hing Lisbeth ganz buchstäblich an Peterleins Hals uto weinte Mu „Willst du gleich lustig fein!“ schrie Ede, und warf sein Goldstück wie einen Fangball in die Lust. „Heute darf kein Diettmg 5eUl®a lachte sie schon ebenso fröhlich wie Ber kleine. „Ach &u dummer Ede! ich bin ja nur so übermäßig glücklich, wett wir doch nun heiraten können." KunMück", sprach Ede großartig, „das kann ich inm auch. "Du?!" Da lachten alle drei fröhlich auf: Muhme Peterlein, Karl" Peterlein und Lisbeth Vierling. , Lisbeth aber deutete auf ihren Karl: „Den« schau dir an. Der ist Polier beim reichen Großkopf geworden!' , 3a“ fügte die Mutter mit Stotz hinzu, „nun wird Frau Wetting' nicht mehr die Olafe rümpfen über seinen, Gruß, und der aemachte Schwiegersohn wird willkommen feen. Wer weiß, dachte der kleine Ede. Laut aber sagte er: „Polier bin ich noch nicht, aber heiraten könnt' ich schon auch, denn mein Alter hat's große Los gewonnen." „ t ___ Erst waren alle totenstill, dann schrien fte durcheinander, und Karl schlug mit der Faust auf den Tisch. - 134 »Damit tonnte der Herrgott auch noch ein Satyr warten." „Geld und Gut ist zu allen Dingen nütze", fiel Mutter Peterlein ein. „Wenn ich's habe, ja, aber wenn's der Schwiegervater hat? Nein! Sollen sie sagen: Ei seht mal, jetzt kommt er!?" „Geld macht glatte Straßen," sagte Frau Peterlein, „und aus glatten Strahen nützt eurer seine Sohlen nicht ab." „Nein, Mutter, dazu bin ich mir zu gut, das kann ich mir nicht mein Lebtag vorwerfen lassen, nu mutz ich noch warten. — Heul nich, Liesel, kriegst ja nu ein Herrenleben drüben, wirst dich wohl dran gewöhnen und am Ende gar keinen Zimmermann mehr mögen." Darauf schluchzte Lisbeth und setzte sich ganz dicht an seine Seite. „Das böse Geld, wenn's doch schon wieder alle mär’, das Geld." „Nana", sprach Ede dem Vater nach und drehte seine Doppel- krone. „Dafür kannst du dir ’ne ganze Küche voll Näppchen un Töpbchen kaufen, und sieben seidne Bammelbänder, un rote Schuh —“ Lisbeth lachte. „ Ach, du, du kalberst doch immer." „And dann kommt ein Baron", sagte Karl düster, „und will dich, und du vergitzt den Peterlein." Da weinte sie schon wieder, und statt ihrer antwortete die Mutter. „Karl, Karl, Zutraun ist besser als sieben eiserne Schlösser. Wo wird dich die Liesel vergessen, ich kenn' brich' die Liesel! rmd du quälst sie nich, wo sie so schon keine Freude hat an dein schönen Geld. Aber wer Weitz, wozu 's gut ist: ihr zwei seid noch- viel zu grün zu Hochzeitern, drum hat's der Herrgott so eingericht, ihr sollt noch gescheiter werden. Heiraten ist kein Kinderspiel, iln derweile baut der Karl so akkurat, datz Grotz- kops ihn mit goldnen Stricken bei sich feste bindet. Habt nur Geduld: Geduld ist wie der Sonnenschein, Macht saure Frucht zu sützem Wein." Muhme Peterleins Stimme hatte etwas Beruhigendes an sich; Muhme Peterlein wurde geholt, wenn einer fieberte: „unwirsch im Kopfe war". Dann mutzte sie den zu Ruhe sprechen, wie dort, so gelang's ihr auch mit der ersten Grotzelosausregung ihrer drei Kinder. Zuletzt zog sie den Vorhang zu, brannte ein Zinnlämpchen an und drückte den kleinen Ede auf einen Stuhl. Das Brautpaar satz schon. Nun berieten sie sich still und verständig über ein Jahr voll leidenschaftlichen Fleitzes, an dessen Ende Liesel fertig sein würde zur Hausfrau und Karl zu den Gewinnern des großen Loses sagen dürfe: „Ich kann's meiner Frau behaglich machen, sie heiratet nicht hinunter." „Liebers Jahr — oder in zweien." Dabei satzen sie Hand in Hand und nickten der Muhme zu, die schon wieder strickte, als müßten Karls Aussteuersocken, gleich morgen fertig sein. Dann kam Edes Zukunft an die Reihe und datz er noch' viel lernen müsse, wenn er mal als eigner Herr auf einem Zimmer- Hof sitzen wolle. „Komm mit zum Grotzkopf, da lernst du mehr als Balken zurichten." Ede lachte behaglich und verlegen zugleich. „Weitzte, jetzt möcht' ich schon erst mal bis Weihnachten mein Leben genießen, und nachher — nu, warum soll ich mir den Zimmerhof nicht gleich kaufen lassen?" Sein Goldstück tanzte über den Tisch.. Karl aber fuhr hitzig auf: „Weil du ein Gelbschnabel bist, weil du nichts verstehst, weil sie dich betrügen und bestehlen, wenn du nichts zulernst, weil du eine morsche Kiefer nicht von einer festen Eiche unterscheiden kannst." „Oho!" Sie platzten aufeinander wie zwei Kampfhähne; Lisbeth zerrte ihren Karl am Aermel, die Muhme klopfte dem kleinen Ede mit beiden Fäusten auf die Schultern. Als endlich die Luft so weit still war, datz man wieder hören konnte, sagte die Muhme sehr freundlich: „Natürlich bist du ein Gelbschnabel: Sie Jugend Weitz nicht, was ihr frommt, Bis datz auch sie zu Jahren kommt." „Aber, Muhme", antwortete der kleine Ede jetzt ganz friedlich. „Wozu brauch' ich noch Gescheitheit? Ich hab' doch Geld, und für Geld kann ich mir doch alle Gescheitheit der Welt kaufen." „Ei, sieh mal! Ob der alte Claudius nich allemal recht behält! Weißt du nicht mehr, wie es heißt: Denn Ehre und Reichtum treibt und bläht, Hat mancherlei Gefahren, Und vielen hat's das Herz verdreht, Die weiland wacker waren." Der kleine Ede wurde verlegen. Seit er hier in der Llnter- stube zu Hause war, hatte er gelernt, den alten Claudius als den weisesten Mann zu verehren, der gleich nach dem lieben Gott tarn; was in Versen zu ihm sprach, das gemahnte ihn sowieso ans Gesangbuch, und wenn nun gar die Muhme einen Elaud-iusschen Vers auf sagte, dann ging das über Pfarrer und Amtsrichter. (Fortsetzung folgt.) Der Flug zum Monde. Von Dr. I. Weber- Sternwarte Leipzig. In letzter Zeit hat das Interesse an dem Problem, den Dann- kreis der Erdschwere durch raketenartige Raumschiffe zu überwinden, ziemlich allgemeine Verbreitung erlangt. Durch die Lagespresse ging sogar vor kurzem die Nachricht, datz man in Amerika für die nächste Zeit die Entsendung einer Rakete nach dem Mond vorbereite. Nicht nur sensationell auf gemachte Romane, sondern auch ernster zu nehmende Schriften haben einen großen Leserkreis gesunden. Auch der Film hat sich bereits die Ides des Raumschiffes zu nutze gemacht, indem die Lisa-Gesellschaft dem Zuschauer die „Wunder der Schöpfung" aus der den Raum durcheilenden Kabine genießen läßt. Wir wollen uns zunächst mit der Idee des amerikanischen Professors Goddard beschäftigen, und dann auf die Grundlagen des Problems zu sprechen kommen. Bereits im Jahre 1919 hat Goddard der Smithsonian-Jnstitution in Washington eine Arbeit eingereicht, in der er zur Erreichung großer Höhen den Dau besonderer Raketen vorschlägt. Durch Versuche wurde die Explosionsenergie einer Zähl von Sprengstoffen bestimmt. Dabei ergaben sich für einzelne Pulverforten Entladungsgeschwindigkeiten bis zu 2,4 Kilometer für die Sekunde. Wie wir weiter unten sehen werden, ist eine möglichst große Anfangsgeschwindigkeit das Haupterfordernis beim Betrieb einer Rakete. Mit der geeigneten Pulvermtschung will Goddard nun eine Rakete in der Weise laden, datz eine große Anzahl einzelner Patronen tote bei einem Maschinengewehr nacheinander in einen Auspuff zur Entladung gebracht werden kann. Zum Studium der höchsten Schichten unserer Atmosphäre sollen solche Granaten eine Kammer mit Aegistrierapparaten emportragen, die dann beim Niederstürzen durch einen selbsttätig sich öffnenden Fallschirm vor Vernichtung bewahrt werden. Für den Schuß nach dem Mond dagegen wird die Rakete noch eine besondere Pulverlaöung bekommen, die erst beim Aufschlagen sich, entzünden, und einen deutlich sichtbaren Lichtblitz ergeben soll. Die Rakete mutz in diesem Falle so von der Erde abgelassen werden, datz sie auf der Schattenseite des Mondes austrifft. Wissenschaftlichen Wert hätte ein solcher Schutz nach dem Monde erst dann, wenn die auftreffende Pulvermenge zu einer teilweisen Verdampfung desdort lagernden Gesteins und damit zu einer spektralanalhtischen Untersuchung führen würde. Der Transport der hierzu nötigen Pulvermengen ist aber recht unwahrscheinlich. Die Entsendung einer Rakete nach dem Monde ist daher als reiner Sport zu betrachten, der höchstens an die Rechenkunst der Ausübenden einige Anforderungen stellt. Solange auch die Strömungsverhältnisse unserer Atmosphäre nicht geTnigen& bekannt sind, ist vorerst mit großer Wahrscheinlichkeit ein Fehlschuß, zu erwarten. Man wird daher gut tun, zunächst das bescheidenere Ziel, die Erforschung der obersten Luftschichten mittels Raketen in Angriff zu nehmen. Vielleicht bringen die nächsten Wochen genauere Berichte aus Amerika. Gehen wir zunächst auf die Grundlagen des Problems zu. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, datz ein Stein bei einem senkrechten Wurf nach aufwärts um so höher emporsteigt, je größer die Geschwindigkeit ist, mit der er die werfende Hand oder Maschine — z. B. eine Schleuder — verläßt. Rach Erreichung der so von vornherein bedingten Höhe fällt er wieder zur Erde herab. Dem Vorgang liegt sie Tatsache zugrunde, datz die dem Stein durch den Wurf mitgegeßene Energie während des Aufstiegs von der dem Steigen entgegenwirkenden Anziehung fettenS der Schwerkraft der Erde aubgezehrt wird. Es läßt sich daher ohne weiteres der Schluß, ziehen, daß es eine Geschwindigkeit geben muß, dir ausreicht, um den geworfenen Körper über das Gebiet der unmittelbaren Schwerewirkung hinaus zu befördern, so datz er nicht mehr nach der Erde zurückfallen kann. Bekanntlich nimmt ja die Anziehungskraft mit der Entfernung ab, und zwar steht sie im umgekehrten Verhältnis zum Quadrat der Entfernung. Aehnlich verhält es sich bei einem horizontalen Wurf oder Schutz von einem hohen Berge aus. Denken wir uns aus einer Kanone ein Geschoß in wag rech ter Richtung abgeschossen, so wird es. von dem Fuße des Berges aus gerechnet, immer weiter entfernt niederfallen, je größer seine Anfangsgeschwindigkeit war. Infolge der Wirkung der Schwerkraft sinkt das Geschoß in der ersten Sekunde um rund fünf Meter herunter. Run ist aber die Erde nahezu eine Kugel, auf der in einer Entfernung von acht Kilometern die mittlere Oberfläche, abgesehen von den Dodenunebenheiten. fünf Meter unter der vom Ausgangspunkt gezogenen Wagerechten zu liegen kommt. Demnach würde ein Geschoß, das in der ersten Sekunde acht Kilometer in horizontaler Richtung zurücklegt und gleichzeitig um fünf Meter infolge der Schwerkraft fällt, in der Tat am Ende der ersten Sekunde toiefter in' derselben Höhe über den Erdboden schweben, wie an der Ausgangsstation. Hierbei ist der Einfachheit halber der Widerstand unberücksichtigt gelassen, den das Geschoß durch die Luft erleidet, tote das auch bei den toeiteren Ausführungen hier der Fall sein wird. Rach den oben geschilderten Verhältnissen würde eine mit acht Kilometer-Sekunden abgeschossene Kugel dauernd die Erde umkreisen, ohne je wieder auf sie niederzufallen. Erhöht man diese Geschwindigkeit auf elf Kilometer, so kann das Geschoß ganz aus dem Anziehungsbereich der Erde wegfliegen. Selbst die - 135 - größtem Geschütze sind nicht imstande, dem Geschoß an ihrer Mündung diese verlangte Anfangsgeschwindigkeit zu geben, so baß- ganz abgesehen von der Unmöglichkeit der Bemannung eines folchä Geschosses, die Ueberwindung der Schwerkraft auf diesem Wege heute noch nicht durchführbar ist. Es lag daher der Gedanke nahe, die erforderlich« Geschwindigkeit allmählich zu erreichen, indem man ein Geschoß mittels einer am Hinteren Ende angebrachten Sxplosionskammer nach Art der Raketen sich fortbewegen läßt. .Um eine solche Rakete handelt es sich bei den oben besprochenen Versuchen Goddards. Diel kühner ist dagegen der Siebenbürger Oberth, der eine ausführliche Beschreibung einer bemannten Rakete in seiner Schrift „Die Rakete zu den Planetenräumen" gibt. Für die Bewegung einer Rakete gilt folgende Beziehung: Das Produkt aus der AuspuffgeschwinLigkeit und der ausgeschleuderten Wenge von Explosivstoffen muß in jedem Augenblick gleich sein dem Produkt aus der Geschwindigkeit des vorwärts strebenden Teiles der Rakete und seiner Masse. Wollen wir z. B., daß- die Rakete pro Sekunde um 30 Meter an Geschwindigkeit zunimmt, so müssen wir bei einer Auspuffgeschwindigkeit von 3000 Metern — diese Größenordnung gibt Oberth an — in jeder Sekunde einHundertstel an Masse bei der Explosion abgeben. Man sieht aus dem Vöran- g-egangenen, daß für die Berechnung der Rakete die in der ZinseszinSrechnung üblichen Formen gelten, nur daß dem dort üblichen prozentualen Zuwachs in bestimmten Zeiträumen hier eine prozentuale Abnahme in Sekunden gegenübersteht. Als Anfangsgewicht -einer seiner Raketen gibt Oberth 300 000 Kilogramm an. Rach sechs Minuten Fahrt wird er bei einer dauernden Geschwindigkeitszunahme von 30 Metern pro Sekunde nur noch rund 9-000 Kilogramm Gewicht in seiner Rakete übrig haben, und sich dann bereits außerhalb der Schwerkraftwirkungen der Erde befinden. Oberth hält allerdings noch größere sekundliche Geschwindigkeitszunahmen als 30 Meter für den menschlichen Organismus für zuträglich. Diese Zahl von 30 Meter entspricht ungefähr der Geschwin-digkeitsä-nderung, die man bei einem Absprung aus einem mit 120 Kilometer pro Stunde dahinfahrenden Zuge erfahren würde) Rur bei sehr guter Sicherung durch einen mit Preßluft gefüllten Anzug dürfte das. Ausschlagen des Körpers auf die ruhende Erde für diesen ohne Schaden ab- gehen. Größere und durch mehrere Minuten anhaltende Ge- schwindigke-itsänderungen werden dem Körper Wohl nicht zuträglich fein. Oberth hält bis über 50 Meter Geschwindigkeitszunahme, auch Beschleunigung genannt, für möglich. Er wlht.ä diese, um sich auch Beschleunigung genannt, für möglich. Er wählt diese, um möglichst bald aus dem Anziehungsbereich der Erde herauszukommen. Abgeseh-sn von dieser den Menschen stark gefährdenden Beschleunigung ist auch die bann pro Sekunde durch den Auspuff abzugebende Masse ungeheuer groß. Bei dem obigen Beispiel müßten in der ersten Sekunde 300 Kilo Brennstoff vergast werden! Die ungeheure Hitze und der große Druck — bis zu 20 Atmosphären — in dem Verbrennungsofen geben zu weiteren Be- benfen Anlaß, wenn man an unsere großen Schiffsmaschinen denkt, für deren Kessel bis zu 16 Atmosphären Druck beansprucht werden. Es bleibt daher abzuwarten, ob die theoretischen Untersuchungen Oberths auch in der Praxis an kleinen Modellen, die man zunächst zum Studium der höchsten Schichten der Atmosphäre unbemannt emporsenden könnte, sich verwirklichen werden. Auch bann wird die Uebertragung in größere Dimensionen noch eine sehr kostspielige .Unternehmung ton großem Risiko darstellen. Was schließlich den Ruhen bei etwa doch- gelungener Durchführung betrifft, so wissen wir heute durch unsere astronomischen Forschungen schon ganz genau, daß wir nirgends in unserem Sonnensystem für uns geeignete Lebensbedingungen finden werden. Es könnte sich also -nur darum handeln, einzelne Gestirne in der Rähe zu umfahren. Wobei allerdings die groß« Geschwindigkeit der Rakete für die Beobachtung wenig von Vorteil fein dürfte. Es ist also recht wenig, Ausbeute im Planetensystem zu erwarten, solange es nicht gelingt, auf einzelnen Planeten zu landen, und von dort wieder aufzusteigen. Und hier liegt noch ein schwieriger Punkt der Raumschiffahrt. Hat die Rakete irgendwo einmal in genügend großer Entfernung relativ zum Mond die Geschwindigkeit Rull gehabt, fo Wird sie bei der Fahrtrichtung aus dem Mond zu dort mit über zwei Kilomet-er-Säunden-Geschwinbigk-eit auftreffen. Da keine den Stotz bremsende Luft vorhanden ist, könnte sich bi-e Rakete höchstens durch eine Auspuffeinrichtung in Fahrtrichtung auf ein erträgliches Matz an Geschwindigkeit abbremsen lassen. Bei der hierdurch bedingten plötzlichen Verlagerung des Schwerpunktes besteht aber eine große Gefahr für den 'Zusammenhalt des ganzen Raketenkörpers. Ueberhaupt verursacht der andauernde Massenverlust eine ständige Verlagerung des Schwerpunktes der Rakete. Denkt man an die anfänglich großen Mengen — bis zu 3000 Kilo in der Sekunde — abgefchleuderten Brennstoffballastes, so wird man Wohl damit einhergehende starke Erschütterungen des ganzen Apparates annehmen müssen. Man stelle sich die Tätigkeit der Pumpen vor, die imstande fein sollen, eine solche Menge flüssigen Brennstoffs pro Sekunde in den Ofen zu spritzen! Das Problem eines Raumschiffes scheint- allein schon auf Grund der wenigen hier ausgewählten Gesichtspunkte aus dem Bereich der theoretischen Möglichkeit noch lange nicht in den der praktischen Verwirklichung überführbar zu fein. Ernst Didring. Von Prof. Dr. jur. et phil. Karl Esselborn. Unter den jetzt leberrden^schwebischen Dichtern nimmt Ernst Didring eine hervorragende Stelle ein. Er blickt auf nahezu ein Menschenalter schriftstellerischer Tätigkeit zurück und hat während dieser Zeit etwa ein Dutzend Romane und Rovellenbände sowie anderthalb Dutzend Dramen verfaßt. Sn Deutschland ist er merkwürdigerweise verhältnismäßig unbekannt geblieben. Don seinen dramatischen Werken ist nur eines in Deutschland aufgeführt worden, von feinen Romanen sind nur drei, darunter die beiden ersten Teile einer Trilogie, in deutscher Uebersetzung erschienen. Sonst wurden Novellen von ihm in Zeitungen abgedruckt und verschwanden darin mit dem Tage ihres Erscheinens. Trügt nicht der Anschein, bann gehört er auch in Deutschland bald zu den allgemein bekannten. Aus diesem Grunde darf fein Leben und Schaffen einmal einer zusammenhängenden Betrachtung unterzogen werden. Am 18. Oktober 1868 erblickte Didring zu Stockholm als Sohn des Kunstlithographen Anders Gustav Anderson (1824 bis 1903) und seiner Frau Suliana Maria Hellberg-Didring (1827 bis 1910) das Licht der Welt. Mit seinen beiden älteren Brüdern, von denen der eine als Chef der Sntenbantur der schwedischen Marine 1913 und der andere als Gutsbesitzer und Vorsitzender des.Hilfskomitees für Kriegsgefangene des schwedischen Roten Kreuzes 1918 starb, nahm er später den alten mütterlichen Namen Didring statt des väterlichen Namens Anderson an. Seine Sch-ul- und Hochschulbildung empfing er in seiner Vaterstadt. Rach beendigten Studien wurde er daselbst Oberbeamter bei der königlichen Eisenbahnverwaltung. Aach- und nach bekleidete er mehrere höhere Stellen im schwedischen Eisenbahnwesen, bis er 1914 fein Amt niederlegte, um sich ganz dem literarischen Schaffen widmen zu können. Als Dichter trat er zum erft-eiimal im Sah re 1897 mit dem Volksfchauspiel „Midnattssol" (Mitternachtssonne), das bei seiner Aufführung in Stockholm beifällig ausgenommen wurde, hervor. Sm Sahre 1899 folgte seine erste Rovekle „Druddans-en" (Der Drauttanz), und nun vergeht kaum ein Sahr, das nicht ein neues Werk von ihm brachte: 1900 erscheint auf dem königlichen Schau- spielhaus zu Stockholm das Drama „Stigare-Mats" (Der Steiger), 1902 bringt den Roman „Kunskapens trab“ (Der Daum der Erkenntnis) au'geführt, aber nickt gedruckt wurde das Drama „SngjaB Sllraba“ (1903). Rach den beiden Rovelken „Trälar" (Die Sklaten) und „Kronans kaka“ (Das Brot des Staates, d. h. Staatsdienst), die 1904 und 1906 erschienen, wendet er sich mehrere Sahre ausschließlich dem Theater zu. So entstehen das auf dein schwedischen Theater in Stockholm aufgeführte Dolksschauspiel „Tvä konungar" (Zwei Könige, 1908) und das auf dem Schauspielhaus daselbst auf-geführte Drama „Högt Spe“ (Hohes Spiel, 1909). Dieses Werk erfchien, von Emil Schering nach der ungebrüdten Handschrift übersetzt im Sahre 1909 bei Georg Müller in München, erlebte im folgenden bei Anwesenheit des Dichters im Hebbeltheater zu Berlin seine Uraufführung, und 1925 zu Kiel unter dem Titel „Ein Schuß im Rebel" -eine erneute erfolgreiche Aufführung, ferner wurde es in Wien. Dänemark. Norwegen, Rußland, Finnland, Ungarn unb Spanien aufgeführt und erschien außerdem in französischer Uebersetzung. Daran schloß sich das Drama „Ot-narna“ (Die Adler, 1910), wo ein Minister durch seinen plötzlich auftauchenden verkommenen und auf die Dähn des Verbrechens geratenen illegitimen Sohn vor die Wahl gestellt wird, entweder das Todesurteil an diesem vollziehen zu lassen, ober auf seine Stellung als erträumter Staatsverwef-er zu verzichten, und der Sohn ihm diese Wahl erspart, indem er sich vom Balkon h-erabstürzt. Das nächste, einen Vorwurf aus dem süd- schwedischen Geschäftsleben behandelnde breiattige Spiel „Valuta erschien in der Verdeutschung Emil Scherings vor der schwedischen Ausgabe (Berlin, Erich Reiß, 1909). Sn Göteburg wurde 1911 das Drama „En Moder" (Eine Mutter) aufgeführt. Sn demselben Sahre erschien die Novelle „DUsna vandrare“ (Verirrte Wan- derer), 1912 das Drama „Sefte" und die drei Einakter „Eros , 1914 „Arvtagarna" (Die Erben), die auf verschiedenen Duhnen in Stockholm aufgeführt wurden. Das Sahr 1914 brachte ferner die Romantrilogie „Malm, Skildri-ngar nordanfran" (Schilderungen vom Norden), dessen Motto das bekannte Wort des Sophokles sein könnte: „Vieles Gewaltige lebt, aber nichts Gewaltigeres als der Mensch". Sein Grundmotiv ist die Erkenntnis, „daß das Leben ein Kampf ist, aus dem aber nicht immer etwas Schönes und Destehendes für das Glück der Menschen hervorgeht." Der erste Teil erschien 1917 bei KieP-enheuer in Weimar in einer deutschen Uebertragung von Else ton Hollander-Lossow unter dem Titel „Die Pioniere", eine zweite Ausgabe davon erschien 1924 bei Georg Westermann in Draunschweig als „Hölle im Schnee": der Titel des Originals Männen, fern gjorde bet" lautet wörtlich übertragen: „Männer, die das machten". Der Roman spielt in Lappland und hat zum Gegenstand den Bau der Eisenbahnlinie Lulea—Narvik, die der Erzgewinnung dienen soll. Didring selbst lebte mehrere Sahre daselbst, und die zugrunde liegende Anschauung Mit der Leser deutlich heraus, wenn auch- die Schilderung zumeist nur mit Hilfe der Phantasie auf gebaut ist. Der Verfasser geht aber, und dadurch unterscheidet er sich von andern, die wie er den menschlichen Kampf gegen die Elemente geschildert haben, von der - 136 Landschaft und nicht von dem Menschen aus. Gr malt zahlreiche Einzelheiten aus dem im nordischen Winter doppelt entbehrungsreichen und aufreibenden Kampfe der Arbeiter und Ingenieure. Das) der Alkohol hierbei eine Hauptrolle spielt und spielen muh, liegt auf der Hand. Der junge Ingenieur, der rm Frühling mutig und hoffninrgsfreudig hinaufkommt erhängt sich nach einem Jahre aus Verzweiflung. Die in einer Arbeiterbaracke die Wirtschaft führende Dirne wird bei einem Liebesabenteuer von einer Nebenbuhlerin erschlagen. Die Bauern vergessen im Alkoholrausch ihre im Freien vor dein Wagen stehenden Pferde und finden sie am nächsten Lage zu Schneebildern erstarrt. Die Thphusepidemre, ebenso die grandiose lappländische Erzählung von dem großen Renntiersterben und denr Zauberer Kumona, alles das stad großartig geschaute und zugleich grausig erhabene Bilden Der Menschengeist wird zuletzt über die Natur Herr, doch ist der oieg kein vollständiger und restloser, denn sie rächt sich nach Beendigung der Dahn, wie das entsetzliche Schicksal des von dem Elsenbahn- zuge zermalmten Bahnwärters Jonsson zeigt. So bleibt gegenüber dem riesenhaften Dau der Eisberge und der überwältigenden Wucht der Natur alles Menschliche ein groteskes Schattenspiel. „Der Krater" ist die Fortsetzung der „Holle im Schnee Aach der Besiegung der Aatur heißen die Gegensätze nicht mehr Mensch und ewiger Winter, sondern, nachdem sich der ganze Menschenhaufe in die wilde nordische Einöde zurückgezogen zur Ausbeutung der Erdschätze in den Bergen, handelt es sich um rein menschliche Gegensätze meist sozialer Art: Arbeit und Kapitalismus, Mann und Frau, Kriegsahnung und Frledensgedanke, Verhetzung und treue Pflichterfüllung. Die Gestalten Skolds, Bjarnes, des Ingenieurs Kornwall und vor allem des Führers der Unzufriedenen, Lang, treten schärfer hervor. Erschütternd ist der Tod Skölds und Kornwalls Todeskampf auf dem Meer Das Schicksal des aus Brasilien heimkehrenden Auswanderers Lang, dein das Elend der Fremde das Herz geöffnet hat, bildet den harnionischen Ausklang des Werkes. Der dritte Teil „Spelnarna (Spekulanten), dessen Äebersetzung der Veröffentlichung harrst ist ganz aus der Gegenwart gegriffen und zeigt in lebensvoller ^Darstellung die von dem Börsentaumel erfaßten Kreise. Seme Hauptfigur erkennt die Sinnlosigkeit der Jagd nach dem Golde und bekehrt sich zu einem bürgerlicher Arbeit gewidmeten Leden. Seit" September 1915 arbeitete Didring organisatorisch für das schwedische Lote Kreuz, während der folgenden fünf Jahre war er, zuletzt als stellvertretender Vorsitzender des Hilfskomitees, besonders für die deutschen Gefangenen in Rußland tätig, und veröffenüichte 1920 über das Hilfswerk des schwedischen Roten Kreuzes ein umfangreiches Buch (Sveriges Hjälp till krtgs- fangarna). , „ ,, ..., Während des Krieges erschien das auf dem schwedischen Theater zu Stockholm aufgrsührte Lustspiel „ Flygmaskinen" (Der Aeroplan 1915), das ebendaselbst aufgeführte Versdrama Gustav II. Adolf" (1916). Im Jahre 19« folgten die Novellen "Dortvm äraus falt" (Hinter dem Felde der Ehre), die das Leben der Kriegsgefangeneii behandeln und auch einzeln in deutschen Zeitungen und Zeitschriften erschienen, und das auf dem Stockholmer intimen Theater aufgeführde Drama „Elna Hall". Don d-r 1919 im Druck erschienenen Trilogie „Pa vag till frihiten (Arif dem Wege zur Freiheit) wurden die ersten Teile „Vater Geromi" (1918) und „Fangen" (Der Gefangene, 1919) auf dem schwedischen Theater in Stockholm aufgeführt, während der 1919 erschienene letzte Teil „Riket" (Das Reich) noch keine Aufführung erlebt hat. . Arber das Leben des Dichters ist noch zu erwähnen, daß er von 1913 bis 1916 Theaterrezensent am „Aftonbladet" (Abend- black) in Stockholm war, daß er von 1915 bis 1920 den Vorsitz des schwedischen Schriftstellerverbandes bekleidete und dieses Amt seit 1922 wieder inne hat, und daß er, der seit 1900 mit einer dänischen Malerin aus der alten Familie Rye in glücllicher Ehe lebt, im Jahre 1920 eine zweijährige Reise nach dem europäischen Festlande antrat, die ihn nach Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz, Länder, die er schon früher sehr wohl kannte, führte. Die neuesten Kinder seiner Muse sind die Dramen „Deger- gudinen" (Die Siegesgöttin; 1920) und „Pension Bellevue" (1922), von denen das eine auf dem intimen Theater, das andere im Königlichen Schauspielhaus in Stockholm aufgeführt wurde, sowie die beiden Romane „Sigrid PerSdotter Bjurcorna" (1922), etn Frausnschicksal von tiefer Einfühlung und Wahrheit, „Tva vagar (Zwei Wege, 1923), und 1925 „Stormens öar" (Inseln des Sttir- mes), der erste Band eines fünfbändigen Zyklus, das unverzagte Heldentum der Fischer auf den Schären behandelnd. Der obengenannte Roman „Tva vägar" liegt unter dem Titel „Die Weltspinne" in einer mustergültigen deutschen Uebertragung von Else von Hollander-Lossow (Braunschweig), Georg Westermann 1925) vor. Auch dieser Roman wendet sich gegen das sinnlose Hasten unterer Zeit nach dem Mammon mit seinem Aervenkitzel, seiner Halbheit und Oberflächlichkeit. In frühen Stunden des Herbstes kann man überall von Spinnen hergestellte Aetze sehen, die taugemißt im Sonnenschein glitzern und glänzen und den sich ihnen nähernden Fliegen den Untergang bringen. So ähnlich glaubt der Held dieses Romans, daß eine allmächtige Geldliga die ganze Erde mit goldenen Retzen umsponnen habe und mit rücksichtslosem Eigennutz und unersättlichem Geldhunger die gesamte Menschheit aussauge, und er stellt sich di« Lebensaufgabe, den obersten, von ihm „Weltfpinne" genannten Leiter dieser ge- ährlichen Liga aufzuspüren. Bei dieser Jagd nach einem Unbekannten ergeben sich eine Fülle merkwürdiger Abenteuer. Zuletzt aber erkennt der Verfolger, der die Welt von dem Joche des Kapitals befreien wollte, daß er einem Trugbild nachjagte und daß Gold ein Glück oder ein Fluch ist, je nachdem man davon Gebrauch macht. Und er muß dem Milliardär, den er für eine der Weltspinnen hielt, recht geben, als dies« bemerkt: „Arbett ist das Glück des Lebens". Auf Didrings dichterische Entwicklung waren neben Ibsen, Strindberg, Maupassant und Zola vor allem Tolstoi und Dostv- ewski von Einfluß, vorübergehend auch Nietzsche. Wenn auch der Drang zu schöpferischer, dichterischer Gestaltung erst 189? in ihm erwachte, so war ihm doch schon in frühester Jugend eine Vorliebe für das Drama zu eigen. Die Träume und Ideen von der Freiheit und der Hebung der Völker, denen er lange nachhing, wurden durch den Weltkrieg als unverwirklichbar erwiesen. Seit Jahren erscheint ihm die Freiheit „in ein abscheuliches Kleid von Blut, Selbstsucht, Frechheit und Schwindel gekleidet", ©eine veränderte Auffassung kam in der Trilogie „Aus dem Weg« zur Freiheit zum Ausdruck. Don seinem ersten Drama „Mitternachtsonne" an und weiter durch den „Steigei?', „Jngjald Jllrade", „Hohes Spiel", „Die Adler", „Valuta", „Sefta", „Die Erben", ja beinahe durch alle seine Dramen zieht sich tote ein roter Faden die Betonung der Notwendigkeit des Opfers. In der schrecklichen Dunkelheit, die die Herkunft und das Ziel alles Seins einhüllt, gibt es nur einen leitenden Stern, der dem Menschen die notwendige Drücke vom Diesseits in das Jenseits schlägt: die Pflicht. Dies« Brücke ist weder besonders schön noch ästhetisch, aber ethisch, und das Ethische hat, wenn man ganz ehrlich sein will, für den Menschen eine größer« Bedeutung als das Arsthetische. 2lm besten ist diese ethische Bedeutung mit dem ästhetischen Begriff und der künstlerischen Form verbunden unter Didrings Werken in den Dramen: „Hohes Spiel", „Die Adler", „Valuta", „Gros", „Elna Hall" und „Das Reich", sowie in den Romanen „Erz" und „Hinter dem Feld der Ehre", die der Verfasser darum als seine besten einschätzt. Didring kennt Deutschland, das er mehrmals bereiste, und spricht und schreibt die deutsche Sprache. So hatte ihn eine Einladung des Hebbeltheaters zur Uraufführung seines Dramas Hohes Sviel" nach Berlin geführt. Auch während des Krieges weilte er wiederholt dort. Im September 1915 war er mit seinem Bruder, deut damaliaen Vorsitzenden des Roten-Krenzhilfskomi- tees, und mit dem Admiral Olsen wegen der Unterstützung Ver Kriegsgefangenen in Rußland und Sibirien in Berlin. Im Anschluß daran besuchte er die deutschen Kriegsgefangenenlager, insbesondere die großen Lager in Parchim, Soltau, Göttingen, das Offizierslager in Friedberg und das Lager in Ingolstadt. Zwei Jahre später fuhr er als Vertreter Schwedens zur Rote-KreuZ- konserenz nach Genf. Da er erst in letzter Stunde hierzu besttmmt wurde, fehlte di« Zeit zur Erwirkung des krtegsministeriellM Visums für die Durchreise. Das hatte an der schweizerischen Grenze eine längere Unterredung mit dem deutschen Paßoffizier zur Folge, der ihm später als Modell für den Wahrheitssucher in der „Weltspinne" (S. 54 ff.) diente. Auf der Rückreise wurde er Zeuge eines französischen Fliegerangriftes im südlichen Baden. Im Jahre 1922 weilte er, auf dem Rückweg von einer zweijährigen Reise mehrere Monate in München und in Oberbayern und später in Baden-Baden, um sich von den Folgen einer Vergiftung, die er sich in Rom zugezogen hatte, zu erholen. Aach in der deutschen Literatur ist Didring zuhause. Außer Nietzsche hat er die Philosophen Kant und Schopenhauer studiert. Von zeit- genössischen deutschen Dichtern stellt er am höchsten Gerhard Hauptmann, auf den er im Jahre 1913 im Schriftstellerverein die Rede hielt, als diesem damals der Nobelpreis zugeteilt worden war, und Thomas Mann, den er als feinen Psychologen schätzt. Dor allem ist er von Jugend auf ein Verehrer Goethes. Als der Weisheit letzter Schluß erscheint ihm dessen Sckermann gegenüber gemachter Ausspruch: „Ein tüchtiger Mensch aber, der schon hier etwas Ordentliches zu sein gedenkt und der daher täglich zu streben, zu kämpfen und zu wirken hat, läßt dte künftige Welt auf sich beruhen und ist tätig und nützlich in dieser. Ueber Didrings Erzählungskunst, die schier unerschöpflich ist, wird man sich in Deutschland erst dann ein umfassendes Bild machen können, wenn auch weiter« feiner Werke in deutscher Ueberfetzung erschienen sind. In Frau Els« von Hollander- Lossow hat er eine Uebersetzerin gefunden, tote er sie sich Nicht besser wünsch« kann. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Dichter ihren Landsleuten nahezubringen; außer den genannten im Druck erschienenen Uebersetzungen liegen die der Romane Die Spekulanten" und „Inseln des Sturms" in der Handschrift vor und weitere wird sie in Angriff nehmen. Hat «st der Erzähler Didring in Deutschland Fuß gefaßt, so wird ihm auch der Dramatiker Didring folgen, dessen Stücke zwar größtenteils in Dühnemnanuskripten übersetzt vorliegen, aber bis auf einige wenige Ausnahmen noch nicht zur Aufführung gelangten. Und Ernst Didring verdient es in der Tat, in Deutschland gefamu und gelesen zu werden, denn er steht gleich den meisten feiner Lands- leute begeistert zu Deutschland. SchrMettung: vr"sriedr. Wilh. Langes - Druck und Verlag der Drühl's-ben Univ.-Buch- und Steindruckerest R. Lange, Gießen.