Gießener ZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang <926 Samstag, den 25. September Nummer 77 Aus der Fruchtlese. Bon Rabindranath Tagore. Dieser Herbstmorgen ist müde von dem Uebermaße von Licht, und wenn deine Lieder siech werden und matt, gib mir deine Flöte ein wenig. Ich werde nur mit ihr spielen, wie die Laune mich faßt — jetzt sie auf meinen Schoß nehmen, jetzt sie berühren mit meinen Lippen, jetzt sie an meiner Seite haben im Gras. Aber in der feierlichen Abendstille werde ich Blumen brechen, sie zu schmücken mit einem Kranz, ich werde sie füllen mit Wohlgeruch; ich werde sie ehren bei der entzündeten Lampe. Dann bei Nacht werde ich zu dir kommen und werde dir deine Flöie zurückgeben. Du wirst auf ihr spiele» die Musik der Mitternacht, wenn der einsame zunehmende Mond wandert zwischen den Sternen. Rabindranath Tagore. Von Alfred Bock. Es war im Frühsommer 1921, als mich ein Eilbrief des Grafen Hardenberg nach Darmstadt rief. Für wenige Tage, schrieb der Gras, sei Rabindranath Tagore beim Großherzog zu Gast, ich solle die Gelegenheit nicht versäumen, den Menschen, Dichter und Philosophen kennen zu lernen. Alsbald fuhr ich nach Darmstadt. Die Bekanntschaft mit dem großen Bengalen gestaltete sich für mich zu einem Erlebnis. Seine Erscheinung wirkt wie die eines alten Propheten. Das von grauweißem Bart umrahmte Gesicht ist tief gebräunt. In seinen Zügen offenbart sich unendliche Güte. Ergreifend ist der Vortrag seiner Gedichte in bengalischer Sprache. Alles fließt zu sanft tönenden Akkorden zusammen. „Die heiligen Lieder der Bengalen", von tiefem, innigem Gefühl getragen, klangen geradezu wie Gesang. Tagore reist in Begleitung seines Sohnes und eines indischen Großen, der durchaus Weltmann ist. Graf Keyserling macht bei Tagore den Dolmetscher. Im Garten des Palais sprach Tagore vor einem kleinen Kreis über die Stellung der Frau in Indien und in Europa. Mancherlei haben die Frauen in Indien zu erdulden, in Europa werden sie weit härter vom Schicksal mitgenommen. Der Westen erscheint Tagore wie ein großes'Bureau, alles ist auf Dringlichkeit gestellt, das persönliche Leben verkümmert. Darunter hat am meisten die Frau zu leiden, die in den Kampf um den Erwerb hinein- gezogen wird. In Indien ist das nicht der Fall. Die Frau als Verwalterin der Häuslichkeit, als Mutter ihrer Kinder wird als etwas geradezu Göttliches angesehen. Solange der Frau verwehrt bleibt, ihr persönliches Leben zu pflegen, bleibt ihre Stellung inferior. Daher rühren zumeist die Konflikte zwischen Mann und Frau. — Aus die Frage, ob er an eine gemeinsame Religion aller Völker glaube, antwortete Tagore verneinend. Jedes Volk bedürfe seiner besonderen Gottesauffassung, jede Einzelseele schaffe sich ihre eigene Religion. — Von Völkerbündnissen, die im Grunde nur der politischen Atmosphäre entwachsen, hält Tagore nicht viel. Die Einigung muß aus dem Geistigen, dem Seelenleben der Völker kommen. „In künftigen Weltaltern werden nur die Menschen die führenden sein, die sich in die Lage der anderen versetzen und ohne Feindschaft gegeneinander auswirken können. Unduldsamkeit und Vernichtungskampf scheiden ihre Träger aus den Reihen der Kulturmenschen aus. Wir müssen unser Menschsein beweisen, indem wir die Verständigung der Völker aus der Quellkraft unseres Gotteswesens schaffen." — Tagores Gotteserlebnis findet in den Versen Ausdruck: „Der Strom desselben Lebens, das durch meine Adern flutet Nacht und Tag, Geht durch die ganze Welt, wie Frohsinns heiterer Tanz. Es ist dasselbe Leben, das voll Lust Dem Staub der Erde sprossend sich entringt. Zahllos im Halmenmeer des Grases, Das wogend ausbricht, ungestüm in Blatt und Blüte. — Es Ist dasselbe Leben, das sich wiegt in Ebb' und Flut, Des Meeres Wiege für Geburt und Tod. Berührt vom Hauche dieser Welt von Leben fühle meine Glieder Verherrlicht und geadelt ich, und heilig ist mein Stolz: Der Pulsschlag von Weltaltern dieses Lebens schwingt In meinem Blut in diesem Augenblick." Wunderbar sind Tagores Augen. Die Sanftmut, die daraus leuchtet, ist nicht zu beschreiben. Einer unserer großen Maler, der zugegen ist, sagt mir, seine Idee von einem Christuskopf, den er malen wolle, habe durch die persönliche Berührung mit Tagore wesentliche Förderung erfahren. Wie Der Mensch Tagore sich darstellt, so ist seine Rede: nicht anders, als ob er das Korn der Weisheit säe. „Wir können unser Dasein nicht als einen Augenblicksausbruch des Zufälligen anerkennen, das auf dem Strome der stofflichen Well in ein ewiges Nichts triebe. Wir können unser Leben nicht ansehen als Traum eines Träumers, der nie erwachen wird. Wir haben eine Persönlichkeit, die für Kraft und Stoff sinnlos sind, wenn sie nicht auf etwas unendlich Persönliches bezogen werden, dessen Wesen wir in gewissem Maße in der Menschenliebe entdeckt haben, in der Quelle des Guten, in der opferwilligen Hingabe heldischer Seelen, in der unaussprechlichen Schönheit der Natur, die niemals nur eine physische Tatsache oder etwas anderes als der Ausdruck einer Persönlichkeit fein kann. Es ist die große Aufgabe des gegenwärtigen Weltalters, den neuen Menschen zu schaffen, wir müssen bereit sein, durch Märtyrertum von Leiden und Erniedrigungen zu gehen, bis der Sieg Gottes im Menschen gewonnen ist." Gegen Mittag zog sich Tagore sichtlich ermüdet zurück. Im Begriff, den Palaisgarten zu verlassen, erlebe ich eine seltsame Szene. Eine Dame in mittleren Jahren stürzt auf mich zu. „Wo ist Tagore?" fragt sie erregt. Ich erwidere, der Dichter sei nicht mehr zu sprechen. „Ich muß ihn sprechen!" ruft sie in voller Ekstase, „ich muß mit ihm über die letzten Dinge reden!" „Vor den letzten Dingen," erwiderte ich, „macht auch die Weisheit Tagores Halt. Die höchste Philosophie, sagt Keyserling, endet bei der Resignation vor dem Unerforschlichen, bei der Ehrfurcht vor dem Geheimnis!" Die Dame atmet tief. Ihre Augenlider sinken herab. Schweigend entfernt sie sich. ©itanjalL Bon Rabindranath Tagore. Die folgenden vier Abschnitte stammen aus dem Buch« Gitanjali (Sangesopfer), das im Kurt-Wolff-Verlag in München erschien. Die Nacht dunkelte. Unser Tagewerk war getan. Wir glaubten den letzten Gast gekommen zur Nacht, und die Tore des Dorfes wurden geschlossen. Nur einige riefen: „Der König wird kommen." Wir aber lachten und sprachen: „Es kann nicht sein." Uns schien, es klopfte am Tor, doch wir sagten, es sei nur der Wind. Wir löschten die Lampen und legten uns nieder zum Schlaf. Nur einige riefen: „Der Bote ist's." Wir aber lachten und sprachen: „Es ist nur der Wind." Da kam ein Ton durch die tiefe Nacht. Uns Schläfrigen deucht es wie ferner Donner. Die Erde erbebte, die Mauern wankten und störten uns auf vom Schlaf. Nur einige riefen: „Der Ton von Rädern roar’s." Wir aber murmelten schläfrig: „Es muß das Krachen der Wolken fein!" Die Nacht war noch dunkel, da klang die Drommete. Di« Stimme rief: „Wacht auf, zögert nicht!" Wir drückten die Hände auf» Herz und schauderten furchtsam. Nur einige riefen: „Schaut da» Banner des Königs!" Wir sprangen auf unsere Füße und schrien: „Dann ist keine Zeit zum Verzug!" Der König kam, — doch wo sind Lichter und wo sind Kränze? Wie ist ihm der Thron bereitet? 0 Schmach, o tiefe Schmach. Wo R die Halle, der Schmuck? Und einer rief: „Eitel dies Schrein! Grüßt ihn mit teeren Händen, führt ihn zu euren nackten Stuben." Oeffnet die Tore blast auf die Muschel! In der Tiefe der Nächst tarn der König zu unfern dunkeln Häusern. Der Donner brüllt m den Himmel, das Dunkel erschauert von Blitzen. Bring heraus bee verschlissenen Teppich und breit ihn im Hof aus. Mit dem Wetter kam plötzlich der König in furchtreicher Nacht. * Am Seestrand endloser Welten treffen sich Kinder. Der unbegrenzte Himmel hängt reglos zu Häupten, das rastlose Wasser ist ungestüm. Am Seestrand endloser Welten treffen sich Kinder mit Rufen und Tanzen. Sie baun ihre Häuser aus Sand und spielen mit teeren Muscheln. Aus welken Blattern flechten sie Boote und lassen sie lächelnd ziehen auf der endlosen Tiefe. Kinder haben ihr Spiel am Seestrand der Welten. .... - 306 OIC wissen nicht, wie man schwimmt, sic wissen nicht, wie man Netze wirst, Pcrlfischer tauchen nach Perlen, Kaufleute segeln in Schiffen, wenn Kinder Steine sammeln und Steine zerstreuen. Sie suchen nicht nach verborgenen Schätzen, sic wissen nicht, wie man Netze wirst. Die tocc braust auf in Gelächter, schwach schimmert das Lächeln der Küste. Todtragendc Wogen erzählen den Kindern sinnlose Lieder, gleich einer Mutter, wenn sie die Wiege des Kindes wiegt. Die See spielt mit Kindern, schwach schimmert das Lächeln der Küste. Am Seestrand endloser Welten treffen sich Kinder. Der Sturm rast in pfadlosem Himmel und Schiffe scheitern auf spurlosem Wasser, der Tod ist draußen und Kinder spielen. Am Seestrand endloser Welten ist der große Spielplatz der Kinder. * Bring ich bir_ buntes Spielzeug, mein Kind, dann versteh ich, warum es ein Spiel gibt von Farben und Wolken und Wasser, warum die Blumen so farbig getönt sind •— bring ich dir buntes Spielzeug, mein Kind. Wenn ich sing, um dich tanzen zu lassen, so weiß ich wahrlich, warum Musik tnben Blättern ist, warum die Wogen den Chor der Stimmen zum Herzen der lauschenden Erde tragen — wenn ich sing um dich tanzen zu lassen. Bring ich dir Süßigkeit für deine gierigen Händchen, weiß ich, weshalb es Honig gibt im Kelche der Blumen, warum die Früchte sich heimlich mit süßen Säften anfüllen — bring ich dir Süßigkeit für deine gierigen Händchen. ' J Wenn ich dein Angesicht küsse, mein Liebling, dich lächeln zu machen, verliehe ich sicher die Lust, die vom Himeml herab in das Morgenlicht flutet, und welch Entzücken der Sommerwind meinem bringt, wenn ich dich küsse, dich lächeln zu machen. .... ^"' Abhang des einsamen Flusses, im hohen Gras sprach ich zu ihr: „Mädchen wo gehst du hin, mit dem Mantel die Lampe be- schattend? — Mein Haus ist dunkel und einsam — leih mir dein Licht! Sie schlug einen Augenblick das dunkle Auge empor und chaut mir durchs Dämmern ins Antlitz: „Ich kam an den Fluß " so spraey sic „die Lampe aufs Wasser zu setzen, wenn im Westen Brr Tag geht. Ich stand allein in dem hohen Gras und gab acht mif das lchuchterne Licht ihrer Lampe, das nutzlos trieb mit der Strömung. .. 2m Schweigen der steigenden Nacht sprach ich zu ihr: „Mädchen, die Lichter sind alle entzündet — wohin trägst du die Lampe? Mein Haus ist dunkel und einsam. — leih mir Licht!" Sie schlug ihre dunkeln Augen ins Antlitz mir auf und stand zweifelnd ein Weilchen, "'m) tarn, sprach sie endlich, „dem Himmel die Lampe zu leihn." Ich stand und gab acht auf ihr Licht, das nutzlos im Leeren ver- brannte. 3m mondlosen Dunkel der Mitternacht sprach ich zu ihr: „Mäd- chen, was ist deine Absicht, die Lampe ans Herz dir zu drücken? Mein Haus ist dunkel und einsam, — leih mir dein Licht!" — Sie hielt einen Augenblick an und sann und schaut mir ins Antlitz im Dunkel. „Ich bracht mein Licht," sprach sic, „es dem Festzuq der Lampen zu reihen. Ich stand und gab acht auf die kleine Lampe nutzlos verloren unter den Lichtern. Flüstern der Seele. Bon Rabindranath lagere. Die nachfolgenden Betrachtungen find dem im Kurt-Wolff- Berlag, München, erschienenen Bändchen „Flüstern der Seele" entnommen. Letzte Nacht träumte mir, ich war wieder ein Knabe wie damals, bevor meine Mutter starb. Sie saß in einem Zimmer eines Gartcn- hauses am Ufer des Ganges. Ich ging achtlos vorbei, ohne sie zu bemerken, als es plötzlich in meinem Bewußtsein aufblitzte, daß meine Mutter da war und eine unsagbare Sehnsucht mich ergriff. Ich wandte mich sofort und ging zu ihr zurück, und indem ich 'mich tief vor ihr neigte, berührte ich ihre Füße mit meiner Stirn. Sie nahm meine Hand, fah mir ins Antlitz und sagte: „Da bist du jo!" 3n diser großen Welt gehen wir achtlos da vorbei, wo die Mutter sitzt. Ihr Vorratsraum ist offen, wenn wir Speise brauchen, unser Bett stt breit, wenn wir schlafen wollen. Nur jene Berührung und jene Stimme sind nicht da. Wir gehen umher, aber nie kommen wir ihr persönlich nahe, daß sie unsre Hand fassen und uns begrüßen kann: „Da bist du ja!" * früher wußte ich gar nicht, daß ich kurzsichtig bin. Als ich einmal zufällig eine Brille aufsetzte, merkte ich plötzlich, daß ich allen Dingen naher gekommen war. Mir war, als hätte ich mit einem Male den doppelten Anteil an der Welt erhalten als bisher. So ist es auch, wenn wir die Welt durch die Seele sehen. Sie wird uns so nahe gerückt und so vertraut, daß uns ist, als ob wir in die Heimat zurückkehrten. Sie wird ganz unser eigen — wie ein Instrument erst wirklich unser eigen wird, wenn wir ihm feine Musik zu entlocken verstehen. Unsre Beziehung zur Welt ist tief persönlich. Sie gründet sich nicht auf bloßes Wissen oder praktischen Gebrauch. All unsre Beziehungen zu Tatsachen haben ein unendliches Medium, das Naturgesetz: alle unsre Beziehungen zur Wahrheit haben ein unendliches Medium, die Bernunst: all unsre persönlichen Beziehungen haben ein unendliches Medium, die Liebe. m Wir sind keine bloßen Gegebenheiten in dieser Welt, wir sind Persönlichkeiten. Und daher können wir uns nicht damit begnügen, auf dem Strom der Ereignisse dahinzutreiben. Wir haben das zentrale Ideal der Liebe, durch das wir unferm Dasein Harmonie geben sollen; wir haben in unserm Leben eine Wahrheit zu offenbaren: daß wir Kinder des Ewigen sind. * Die Welt der Dinge, in der wir leben, verliert ihr Gleichgewicht, wenn sie ihren Zusammenhang mit der Welt der Siebe verliert. Dann muffen wir mit unsrer Seele zahlen für das, was an sich ganz wertlos ist. Und dies kann nur geschehen, wenn die Kerker- mauern der Dinge uns als dauernd und endgültig bedrohen. Dann entstehen furchtbare Kämpfe, Eifersüchteleien und Gewaltsamkeiten, ein Ringen um Raum und um Möglichkeiten, denn beide sind begrenzt. Wir empfinden schmerzlich das Uebel, das darin liegt, und versuchen allerlei Maßnahmen, um uns in den engen Grenzen unsres verstümmelten Seins zu behelfen. Doch es gelingt nicht. Nur der hilft uns, der durch fein Leben beweist, daß wir eine Seele haben, die im Königreich der Liebe ihren Wohnsitz hak, und daß die Dinge ihren eingebildeten Wert und ihre tyrannische Gewalt über uns verlieren, wenn wir zu unsrer geistigen Freiheit gelangen. Der Tag bricht im Osten auf wie eine Knospe, die ihre Hülle durchbricht, um sich als Blüte zu entfalten. Doch wenn dies nur ein Ereignis der Außenwelt wäre, wie könnten wir dann Zugang dazu haben? Es ist ein Sonnenaufgang am Himmel unsres Bewußtseins, es ist eine neu erblühte Schöpfung in unferm Leben. Oeffne deine Augen und sich! Fühle diese Welt, wie eine lebendige Flöte den Hauch der Musik empfinden würde, der durch sic hingeht, fühle den Gruß der schöpferischen Freude in der Tiefe deines Bewußtseins. Tritt diesem Morgenlicht entgegen in der Erhabenheit deines Daseins, wo du eines Wesens mit ihm bist. Aber wenn du mit abgewandtem Gesicht dasitzest, dann errichtest du eine trennende Schranke in dein ungeteilten Reich der Schöpfung, wo das schöpferische Bewußtsein mit den äußeren Vorgängen sich begegnet. * Die heiligen Schriften der Hindu betrachten die Welt als ein Ei. Wenn dies richtig ist, so muß dies Ei ein lebendiges Wesen einschließen, dessen Bestimmung es ist, durch seine Schale zu einem freieren Dasein hindurchzubrechen. Während unsre Welt uns Nahrung und Schutz gibt, schließt sie uns von allen Seiten ein. Die enge Begrenztheit unsres Empfindens und Denkens ist die Schale, in die unser Bewußtsein eingeschlossen ist. Wenn wir ihre Grenzen nur um ein kleines Stück erweitern könnten, wenn ein paar von den unsichtbaren Strahlen in unsre Wahrneh- mungssphärc gelangen könnten, wenn ein paar weitere Takte von dem Tanz der Schöpfung auf neuen Saiten unsrer Empfindung anklingen könnten, dann würde unser ganzes Weltbild vollständig verändert fein. Aus der Begrenztheit unsres Empfindens und Denkens zu einer umfassenderen Freiheit zu gelangen, ist der Sinn unsrer Unsterblichkeit. Können wir uns in unserm gegenwärtigen Zustande der Gefangenschaft ein Bild von diesem Reich der Freiheit machen? Kann das Küchlein sich aus all den Einzelwahrnehmungen innerhalb feiner Eierschale eine Vorstellung machen von der Welt, in die hinein es geboren werden soll? Das Dasein ist der ewig spielende SpringgucII der Unsterblichkeit. Badet eure Seele in feinem Wasser, ihr, die ihr alt seid, und fühlt, daß ihr so jung seid wie die Blume, die heute morgen erblüht ist, und wie dies Licht, das das erste Lächeln der Schöpsung noch frisch auf seinem Antlitz trägt. Das ist Freiheit, ist Befreiung von dem Nebelschleier, der jetzt noch euren Geist umhüllt und ihm den Anschein trüben Alters gibt; der euch die Wahrheit verbirgt, daß ihr Kinder des Unsterblichen seid. Könnte das Kind dem Menschen- hcrzen soviel Freude bringen, wenn Alter und Tod. Wahrheit wären? Kommt nicht jene Freude aus der unmittelbaren Erkenntnis der Wahrheit unsterblichen Lebens, endlosen Wachstums und ewig erneuter Hoffnung auf Vollendung? * Man hat gefragt: Wenn des Lebens Reife endlos ist, wo ist bann fein Zick? Die Antwort ist: Es ist Überall. Wir sind in einem Palast, der fein Ende hat, aber den wir erreicht haben. Wenn wir ihn erforschen und unsre Beziehung zu ihm weiter ausdehnen, so machen wir ihn uns immer mehr zu eigen. Das Kind wird in derselben Welt geboren, in der der gereifte Mann lebt. Aber seine Aufgabe ist nicht die eines Schülers, der in der Klasse feig Alphabet zu lernen hat. Das Kind hat feine eigne Lebensfreude, denn die Welt ist keine bloße Straße, sondern ein Heim, von dem ihm immer mehr zu eigen wird, je mehr es an Weisheit zunimmt. Bei der Straße liegt das Ziel am Ende, aber in dieser unsrer Welt erreichen wir es bei jedem Schritte, denn sie ist Straße und Heim zugleich; sie führt uns weiter und gibt uns doch Herberge. Unser Leben in der Welt ist, wie wenn wir einem Liede lauschen: wir genießen es, während es gesungen wird, und brauchen nicht zu warten, bis es zu Ende ist. Das Lied ist da, im Gesang, von der ersten Note an. Seine Einheit durchdringt all seine Teile, und daher suchen wir nicht ungeduldig das Ende, sondern folgen seinem Fluß. So ist es auch mit der Welt; weil sie wahrhaft eins ist, ermüden uns ihre Teile nicht; nur unsre Freude nimmt zu an Tiefe, je tiefer 307 — Strom. In die Nacht entklirrte er wieder; wir ihre Einheit begreifen. Im selben Augenblick, wo unsre mannigfaltigen Kräfte mit dem Mannigfaltigen in der Welt der Natur und des Menschen beschäftigt sind, wächst das Eine in uns empor zu dem Einen im Ml. Wenn das Biele und das Eine, das endlose Streben nach dem Ziel und das ewige Erreichen des Zieles, in unferm Wesen nicht in Einklang wären, so würde unser Dasein für uns sein, wie wenn wir ewig Grammatik lernten, ohne jemals dahin zu kommen, eine Sprache zu verstehen. * Die Schönheit dieses Abendhimmels schließt Kräfte ein, die gewaltig und furchtbar sind. Und doch offenbart er uns die Harmonie, die im Zentrum des ganzen Weltgetriebes herrschen muß, die Har- monie, deren leise Stimme Musik ist. Weil wir diese Abendwelt von da aus überblicken, wo Fernes und Nahes einander gegenüberstehen, weil unser Blick nicht abgelenkt wird durch die unzähligen sich widerstreitenden Einzelheiten, sehen wir das, was schlechthin wahr in ihr ist: ihre Schönheit und unergründlich tiefe Ruhe. Dasselbe Bild des Friedens enthüllt sich uns, wenn uns der Tod die Unsterblichkeit irgendeines großen Lebens offenbart. Buddhas unergründlich tiefe Ruhe erscheint uns wie dieser Abendhimmel, und hinter all seinen Kämpfen und Leiden und seinem mitleidsvollen Sichmühen für die Menschheit sehen wir die vollkommene Sicherheit und Ruhe der Kraft, die Schönheit ist. Bei den Menschen des Alltags ist das Lebensfeld zu klein, und daher treten die Widersprüche darauf zu stark hervor, um uns einen vollen Anblick der Wahrheit zu gestatten. Aber wir können gewiß fein, daß, wie ihr Leben jenseits des Todes weiterrinnt, diefe Widersprüche sich lösen, denn die Wahrheit, deren Ausdruck die Schönheit ist, steht am Ziel jedes Lebens. Ein Pfiff stach ins Dunkel, von der Brücke herab, der Oelhi-Posi- zua glitt vorüber, die Wagen lichtflutend, und Schatten getreu mit- wandernd über den Strom. In die Nacht entklirrte er wieder; aber Magger wie Schakal waren so daran gewöhnt — sie drehten nicht einmal die Köpfe. . , . Ist das weniiger wunderbar als ein Boot, dreimal |o groß wie Magger Ghat?" bemerkte er Vogel, fpähte hinauf. „Das sah ich erbaut werden, Kind. Stein kam , zu Siem, die Brückenpfeiler sah ich sich heben; stürzten aber die Männer — wundersam sichersüßig waren sie meistens —, aber wenn sie stürzten, so war ich bereit. Nach Vollendung des ersten, Pfeilers dacyte keiner daran, den Strom abzusuchen nach der Leiche, um sie, zu verbrennen. Auch damals wieder ersparte ich viel Muhe. Nichts Wunderbares war der Brückenbau", maulte der Magger. Aber das, was da oben entlang läuft, die Wagen ichleppt nut den Dächern, ist doch wunderbar?" wiederholte »er Adfutant. Niederster war er seiner Kaste — nicht etwa, daß der beste der Schakale viel taugte, aber besonders tief stand dieser, halb Bettler, halb Verbrecher — Ausräumer des Abfalls der Dörfer, verzweifelt zaghaft oder blindlings tapfer mit ewigem Hunger und voller Schläue, die ihm nichts half. * Weichen, knirschenden Laut vernahm man, wie wenn ein Boot im seichten Wasser auf Grund liefe. Schnell kreiselte der Schakal herum, sah dem Wesen ins Gesicht (was immer am sichersten ist). Ein vierundzwanzig Fuß langes Krokodil war es, gepanzert in dreifach vernieteter Kesselplatte, wie es schien, mit Nägeln beschlagen und verpecht; gelbe Spitzen seiner oberen Zähne ragten über dem schön gerieften Unterkiefer: der stumpfnasige Magger vom Magger- Ghat, 'älter als die Aeltesten im Dorse, er, der seinen Namen dem Dorfe gab, — Dämon der Furt, ehe die Eifenbahnbrücke kam, Mörders Menschenfresser und Orts-Fetisch in einem. Mit dem Kinn in den Untiefen, hielt er seinen Platz durch beinahe unsichtbares Schlagen des Schwanzes, und wohl wußte der Schakal, daß ein Hieb ins Wasser desselben Schwanzes genügte, um den Magger auf das Ufer zu stoßen mit Dampfmaschinengeschwindigkeit. „Glückselige Begegnung, Beschirmer der Armen!" kroch er rückwärts mit jedem Wort. „Holde Stimme wurde vernommen, und wir kamen in der Hoffnung auf süße Plauderei. Meine schweislose Kühnheit riß mich hin, von dir zu sprechen, während wir hier verharrten. Hoffe sehr, daß nichts gehört wurde." Der Schakal aber hatte gesprochen, just um vernommen zu werden, denn er wußte, daß Schmeicheleien am besten zogen, um Fressen zu erschnappen; der Magger wußte, daß der Schakal deshalb gesprochen, der Schakal wußte, daß der Magger wußte, und der Magger wußte, daß der Schakal wußte, daß der Magger wußte; so waren sie alle ganz zufrieden miteinander. Der greife Unhold schob, keuchte und grunzte das Ufer hinan, mümmelte: „Ehre den Greisen und Gebrechlichen!" und immer brannten die kleinen Augen wie Kohlen unter den schweren hornigen Augenlidern, oben auf dem dreieckigen Kops, als er den gedunsenen Tonnenleib vorschob zwischen seinen Kruckenbeinen. Dann lag er still, und so vertraut der Schakal auch war mit seiner Art und Weise, fuhr er dennoch zum hundertsten Male hoch, als er sah, wie täuschend der Magger einen an die Sandbank getriebenen Holzklotz nachahmte. Sorge trug er sogar, im genauen Winkel zu liegen, den ein gestrandeter Klotz zum Wasser bildete, in Anbetracht der Strömung und Jahreszeit an Ort und Stelle. Das aber war nur Sache der Gewohnheit, selbstverständlich, denn der Magger schoß aus Vergnügen an Land; aber ein Kaiman ist niemals ganz satt, und wäre der Schakal durch die Aehnlichkeii getäuscht worden, hätte er lebend nicht mehr philosophiert. . „Nichts vernahm ich, mein Kind," sagte der Magger, sein eines Auge schließend, „in meinem Ohr war Wasser, auch wurde nur schwach vor Hunger. Seitdem man die Eisenbahnbrücke baute, lieben mich meine Leute in meinem Dorfe nicht mehr; das bricht mir mein )"^Ah, Scham und Schande!" sprach der Schakal. „Und ein so nobles H-rz! Aber Menschen gleichen sich alle, meine ich." „Kaum, große Unterschiede gibt es da", entgegnete der Magger sanft. „Manche sind dürr wie Bootshaken, andere wieder fett wie junge Schak — Hunde. Grundlos würde ich nie Menschen verschmähen. Biele Arten erprobte ich, aber die langen Jahre bewiesen mir, daß sie sehr gut sind — durch die Bank, Männer, Fronen und Kinder — ohne Tadel finde ich sie alle. Und bedenke, Kind, er, der die Welt tadelt, wird von ihr verstoßen." „Schlimmer ist Schmeichelei, als eine teere Blechkanne im Bauch. Aber was wir gerade hörten, war Weisheit", sagte der Adjutant, den einen Fuß aufsetzend. „Dennoch, betrachte ihre Undankbarkeit gegen diesen Erhabenen! flötete der Schakal zärtlich. „Nein, nein, nicht Undankbarkeit! verwahrte sich der Magger. „Für andere denken sie nicht, das ist alles. Aber ich bemerkte, da ich an meinem Posten unter der Furt lag, daß die Stufen der neuen Brücke grausam hart zu erklimmen sind, sowohl für Erwachsene, als auch für junge Kinder. Die Alten, in der Tat, kommen ja weniger in Betracht, aber traurig bin ich — aufrichtig betrübt um der kleinen fetten Kinder willen. Freilich, denke ich, ist über kurz das Neue der Brücke abgetreten, bann werden wir die nackten braunen Beine meiner Leute, tapfer wie ehedem, durch die Furt planschen sehen. So kommt auch der greife Magger wieder zu Ehren." Am bengalischen Strom. Bon Rudyard Kipling. Die folgende Schilderung liest man im „Neuen Dschungel-Buch" von Kipling, das im Paul-List-Verlag in Leipzig erschien. „Ehre den Greisen!" Fett war die Stimme — schlammig war sie — euch hatte geschaudert — eine Stimme, als ob Weiches sich spaltet. Zittern war in ihr, Quaken und Winselii. „Ehre den Greisen!" O, ihr Gesellen vom Strom — Ehre den Greisen!" Zu sehen war nichts auf dem breiten Dlußspiegel. Nur einige Barken mit Quersegeln, bausteinbeladen, trieben stromabwärts unter der Eisenbahnbrücke hervor. Die plumpen Steuerruder legten sie um, kamen klar von der Sandbank, die an die Brückenpfeiler geschwemmt war, und — wieder hob die grausige Stimme an, als sie, drei nebeneinander, dahinzogen: „O, ihr Brahmanen vom Strom — Ehre den Greisen und Gebrechlichen!" r r .... Ein Fährmann am Bugspriet wandte sich um, wo er faß, hob die Hand, rief etwas, das keine Segnung war, und weiter knarrten die Barken durch das Zwielicht. Der weite indische Fluß, mehr einer Seenkette gleichend, war glatt wie Glas, strahlte den sandroten Himmel wider 'm Stromesmitte, Tupfen gelben und schwärzlichen Purpurs leuchteten nahe und unter den niedrigen Ufern. Rinnsale flössen hinzu in der nassen Jahreszeit, jetzt aber hingen die trocken- liegenden Mündungen über dem Wasser. Am linken Ufer, fast schon unter der Eisenbahnbrücke, stand ein Lehm- und Ziegeldorf, nut Strohdächern und Wänden aus Bambusgeflecht — die Hauptstraße tief gradlinig zum Strom hinab, auf ihr stapfte Rindvieh heim in die Ställe — sie endete in einem Molenkopf aus Ziegeln, wo Leute Schritt für Schritt ins Kaffer waten konnten, um Wäsche zu waschen. Das war der Ghat vom Dorfe Magger-Ghat. Nacht fiel schnell über den Reis-, Linsen- und Baumwollfeldern, in tiefgelegenen Gründen, die jährlich der Strom überschwemmt, liebet Schilf und Ried, das die Strommündung einsäumt, und über das Dschungelgestrüpp der Weidegründe hinter den stillen Binsen. Papageien und Krähen, die geschwatzt und gekreischt hatten beim Abendtrunke, waren landeinwärts gestrichen, um aufznbaumen, kreuzten dabei die auslaufenden Bataillone der fliegenden Hunde, und Wolke auf Wolke von Waffervögeln strich pfeifend und „murksend" dem deckenden Schilfe zu. Gänse mit plumpen Köpfen und schwarzen Rücken, Krickenten, Speckenten, Kreuzschnäbel mit Brachvögeln, und hier und da ein Flamingo. '(Ein schleppender Kranich-Adjutant zog mit dem Nachtrab auf, flog, als ob jeder langsame Schlag sein letzter wäre. „Ehre den Greisen!" Ihr Brahmanen vom Strom — Ehre den Greisen! — t, Der Adjutant drehte halb den Kopf, schor leicht in die Richtung der Stimme, landete hart auf der Sandbank unter der Brücke. Jetzt erst sah man die wilde Bestie in ihm. Die Rückenansicht war unsagbar würdig, denn sechs Fuß maß er. Von vorne gesehen war es anders, benn jein Storgertopf und -hals entbehrten ber öebern, am Halse hing ihm ein greulicher, rohhäutiger Beutel unter bem Kinn — Schnappjack für ben Raub seines Spitzhacken-Schnabels. Lang stelzten bis Beine, bünn und häutig; bock; zart bewegte er sie, mit Stolz sie betrachtenb beim Putzen ber aschgrauen Schwanzfebern — warf einen Blick über bie Glätte seiner Schultern, steifte sich hoch — stand stramm. . _ .. , , , Ein kleiner räudiger Schakal saß auf niedrigem wandhugel, hob Lauscher und Rute, preschte dann durch seichtes Gewässer hin zum Adjutanten. "Ohne jeden Zweifel sind es Zugochsen fremder Züchtung. Der Tag wird kommen, da vertieren sie das Gleichgewicht dort oben, werden stürzen rote die Männer. Der alte Magger ist bereit.” Schakal und Adjutant wechselten Blicke — Adjutant und Schakal. Gab es überhaupt Dinge, von denen sie wußten, so war die Maschine alles andere auf weiter Welt als ein Ochse zum Ziehen. Wieder, immer wieder hatte sie der Schakal beobachtet, hinter den Aloe-Hecken hervor, am Damm der Strecke: der Adjutant kannte Maschinen, seitdem die erste in Indien lief. Aber der Magger beäugte immer nur von unten das Ding, und das Messingventil erschien ihm als Ochsenbuckel. Dun war diese Frucht rmf geworben, und nun fiel sie vom Baum meines Lebens. Ich verschweige den Anlaß und die Damen kr erzähle nicht, tote alles zustande kam, wie es geschah, daß ich ava meinem Eremitenleben einmal wieder für Tage in die Welt hinein- aeW wurde, wieplvtzlich neue Menschen, neue Beziehungen meinen Weg kreuzten. Ich erzähle nur die indische Episode daraus Kürzlich an etnetn schönen, etwas verschleierten Abend 'erickiev bei mir in meinem Dorfe ein schöner, bräunlicher Mann, ein gelehrter Andu aus Bengalen, ein Schüler und Freund von Taqvre Er erschien und sagte gleich unter der Tür meines Zimmers: O bas Was?" fuhr der Magger wutschnaubend auf, denn er fühlte, daß die anderen mehr wußten als er. „Was könnte es sein? Ich bemermelnte bafierbad sprach den Satz nicht zu Ende, ein Ochse - meint ihr!” raitberfönberiener nn Ji™ „,)^”®IauBl9crunö gTeSj - nidVber Ms-nr lagern, so nahe daran wie die Sandbank? ^der dort ff mit tm EL t* Z “n6 auch jetzt „Gründlich wie ich kennst du Engländer nicht", sagte der mit dem stand-ck^ st '".ähnlicher Weise verbunden, Magger. „War hier ein Bleichgesicht, als man die Brücke baute. Ein chen Verssthens^auch S Sorte' Boot nahm er immer an den Abenden, schlurrte mit den Füßen I durch Schweinen iA hä 5 bur^, Lächeln, über die Bootsplanken, flüsterte: „Ist er hier? Ist er da? Reiche I 'BeiwrtrlJ dasselbe mit diesem Mann aus mir die Flinte!" Ich vernahm ihn bevor ick ibn lab jeden I .egalen, vom ersten Augenblick an waren wir einverstanden, teilten Laut, den er gab $ Ben, Schnauben Ma&mÄ ""Er toa7soastfck7n'd'^o^nk^°7^d nicken'konnte Büchse den Strom auf und ab. So wahr ich einen seiner Arbeiter I erinnert ™ °Fene ?ac °JlHTe getreten. «Auch dies wegschnappie und große Holzkosten ersparte für die Verbrennung I dieses^ Baume, diese Stille, so wahr kam er herab an den Ghat,'brüllt/ mit lauter Stimme, b" Gebirge. Im er würde mich jagen, den Strom von mir befreien — dem Magger Stille in unendlichem SuH?" bie hegen m unendlicher vom Ghat! Mich! Kinder, Stunde für Stunde schwamm ich unter n//eniib77"dErtE n^En " Bergen, solchen Dämmerungen dem Kiel seines Bootes, hörte ihn mit der Flinte Stämme be- I °E7r kommen, lrober Herr, Sie sollten für schießen: wußte ich, daß er müde geworden, stieg ich auf an seiner I "" Hch^dnE^ mm M mir nach Bengalen kommen.” Seite, schnappte ihm die Kiefern fast ins Antlitz. Rach Beendigung | e^elbft den ^ndi^en “nb errnnerte rhn daran, daß der Brücke ging er fort. Alle Engländer jagen so, außer — sie j meinem Wilkos /rt>md7n^mn»^.nd d Stnimer, auch auf werden gejagt! ..." ' I -»altongefunben babeunö daß dies mit genüge. Ich zeigte __ I Km über dem Berge lenseits des dunkelnden Wiesentals ben auf« „ . I steigenden ersten Stern. 1 besuch aus andren. I _^Da legte mein Gast seine flachen Hände aneinander, sammelte Don Hermann Hesse. I 2-tu9e,? .unö sprach dann ein Unreif gebrochene Früchte stutzen uns nichts. Mehr als dte Hälfte I liebenden Mutter im Stübchen angezündet° mit dem Siem am H?m^ meines Lebens war ich mit indischen und chinesischen Studien be. mel spricht. Lange hatte ich keine inbticken Lmtto schafttgt - oder, um nicht in den Ruf eines Gelehrten zu kommen - haben fürmi*deinen Ser mehralsfite aXÄÄVs war ich gewohnt, den Dust indischer und chinesischer Dichtung und mir (ohne daß ich bie Sprachen doch üerHünM^brä 5römnu0feit 8u.atmen; Als ich vor elf Jahren, da ein? Gelegen. Kindheit an verstaut * ^tftunbe) von der frühesten 021t sich böt, eine -Rei)e nach Onöicn machte, öa folj Lch toobl t>ic I Das ©eßeimnid q[(ce Dfiflfidftfcfiprr rßXnrt«itrrh c, Palmen und Tempel stehen, roch den Weihrauch und das Sandel. I auch hier mir sofort wieder verblüffend entgegen wie ich e7 einft bolj, atz die herben Mango und die zarten Bananen, aber zwischen I in indischen Gedichten, in chinesischer Musst in chinesischen TbeE alledem unb nur war noch em Schleier und mitten in Kandy un. fern empfunben hatte: bie ftrenge, lultito feft getoSate ’ tomvnrterte 6en, Widdhapriestern hatte ich nach dem wahren Indien, nach ja fast kapriziöse Rhythmik. Ich bat meinen Freund 'mir auck e n Indiens Geist,nach einer lebendigen Berührung mit ihm dasselbe I Lied zu singen, und er fang zwei Voltslieden ?,<>*, , ungestillte Heimweh wie vorher in Europa. Ingens Geist gehörte I Fingerschnalzen angebenb. Die Melodien waren für^unser Ohr 'un' noch nicht mtr, '4 haste ihn noch nicht gefunden, ich suchte noch. Dar. I bedeutend, unscharf, verwehend, aber auch in diesen Liedern herrschte "st- °h '4 damals aus Europa, denn meine Reise war eine Flucht, eine Gespanntheit und Schärfe, eine straffe saub/re Mz/ntukerRst ich floh es und Hatzte es beinahe in seiner grellen Geschrnacklosig. I und Rhythmik, eine Zucht und ein Sinn für Struktur den untere sein«'roh/n^ femer Mttsen Unru6e' ^i^ung weniMens die neuere, in keiner europäischen Sprache kei!nt. Mein Weg nach Indien ^dChin^ging nichtauf Schiffen und Eisen« StuLn^dkm^^ wÄÖ bahnen i^ muhte die magischen Brucken alle selber finden. Ich mutzte chen von China und Japan, mein Gast“in (Mehrte?aabmte efnen auch aufhoren, dort die Erlösung von Europa zu suchen, ich muhte aus» I Ueberblick über die Geschichte Indiens eine Gesckichte die nickt ans Horen, Europa un Herzen zu befeinden ich mutzte das,wahre Eu. Kriegen, Verträgen undfürstlichen Heiratenb« ropa und den wahren Osten mir un Herzen und Geist zu eigen I Liedern, Gebeten, Philosophien, Jogamethoden Religionen Tom« machen, und das dauerte wieder Jahre um Jahre, Jahre des Lei. pelbauten. Unb ich erzählte »Tm »en«, 3a6re der Unruhe Jahre des Krieges, der Verzweiflung. Mittelalter, von Goethe und von all jenem worauf es ^rtckto , . ^stst" Eum die Zeit, es ist noch nicht sehr lange her, da hatte ich I daß meine Tessiner Klause ihn an Indien und den Hirnalava er« keine Sehnsucht nach dem Palmensstand von Ceylon unb den Tem- I inner« konnte. Äimaiaya er. "Dn mehr, und wünschte mir nicht mehr, ein | Als wir endlich, schon zum Abschied, ins Zimmer zurückstaten t °nCl®a°rv n*^Un& emen Sethgen oder Magier zum I nahm er eine kleine indische Bronzefigur in die Hand die ick be« Ker nrkfto war unwichtig geworden. Unb auch I sitze, eine Flöten spielende Krishna, unb begann von den Göttern Teusf/^ »wstchen^dem Verehrten Osten und dem tränten | zusprechen.von Indra, von Krishna.von Audra—Shiwa und von ihre- ebenCnmMitSe 7a’ zwischen Asien und Europa, war nur nicht mehr | Verwandlung und Durchdringung, ihrem ewigen Aus. und Unterqan? e „ legte feinen QBett meßt uuf öas @inf>tingcn in I Sonn ninnet lädßelnö fteunMid) üerlötficftinhf^cnrtdßt itnhtrn Weisheiten und Kutte,, ich sah, daß tausend Its CdnefFleU^J,h^e^tt^^e8 'M- von Tao Wichten | Aber er tarn wieder, wir haben uns, bet mir und bei ihm feit« alä ®Dethe, bet ba.ä CßJort -e.ao tue gefrort hat: ich wußte, daß es, I her manchmal gesehen und manche Stunden miteinander aefvrocken zeitlose Welt der Werke I und wenn er nun wieder geht, so wird jeder von uns eine Destä- um ^Geistes gab, die nicht durch die Erfindung der Lokomotive, I tigung, einen Trost und einen Antrieb aus diesen Stunden mitnehmen -eä sut.Y2l& tl^i0 war, in dieser | Einst, als er meine Aquarelle betrachtete, bat ich stmsich eines geil, n Welt, in diesem Frieden einer geistigen Welt zu leben, an I davon auszusuchen. Er wählte eines in deffen Mitte eine Brück? Un& ?weh Buddha und Goethe über ein Gewäffer führt, danebenstehenhoheBä^e und er sagst 5, Sier begann meine Schule der Magie, und j „Dies Bild wähle ich mir, weil Sie gleich mir die Bäume kennen L~ "och an, hier gibt es kein Ende des Lernens. Aber mit | und lieben, und weil diese Brücke mir ein Sinnbild ist für die Brück - der Jndienfiicht und bet Europaflucht war ich fertig, unb jetzt erst I zwischen Ost und West, die in unseren Tagen neu entsteht “ klang mir Buddha und das Dhammapadbam und bas Tav te King I ' n 9 neu rem und heimatlich und hatte keine Rätsel mehr. I ------------ Verantivortlich: Dr, Hans Thyriot. - Druck der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.