Gießener Milienblatter Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang (926 Dienstag, öen P. Januar Kummer 6 SchMfal. Bon Waldemar Bsnssls. Ihr hundertfach geriebenen Gestalten in meiner Brust, wer unter euch bin ich? 'Wes find die Kräfte, die euch siegreich halten, wes ist das Reich, in dem sie sich entfalten? und welche unter euch befriedigt mich? - Kaum 6ingegeben an ein schönes Bild der Leidenschaft und der sntzückten Sinne, tprtfb dieses Herz in Gram und Zweifel inne, daß kein Brstammr seine Inbrunst stillt. Wer sorgte so, daß er sich selbst entrinne, so von sich selbst und seinem Wert erfüllt!? Das Brot des Japaners. Don Walter v. R m m m e l. Ein großer Teil der Menschheit rennt unser Getreide nicht oder kaum, nährt sich in der Hauptsache von RM. Wer vorn Guroha auf dem Seewege nach dem Lande der feuerrot ausgehenden Sonne fährt, kommt, bevor er Japan erreicht, bereits an manchen ReiAändeni vorbei, an Ceylon, Jnbieu, China. Wer aber von den heißen Ebenen Kaliforniens aufgebrochen ist, begegnet dem Reisbau in Japan zum ersten Male. Er ist erstaunt und freudig überrascht von dem grünen EinheitKton, den er erblickt. Wie wohl tut das dem Auge, das noch vom scharfen Seewind schmerzt. Weit dehnt sich das grüngrüne Land. In frohes Wachstum gebettet, liegt ab und zu ein Bauerndorf. Graubraun wie aufgerissenes Erdreich und morsche, trockene Baumrinde ficht es.aus der Ferne sich an, ist ganz aus der Landschaft her- ausgeboren. Da ist kein grelles Weiß, kein hartes Rot, keine üble, giftige Anstreichsiirbe, kein einziger störender Ton. Das satteste und saftigste Grün leuchtet immer dort auf, wo das Brot des Landes reift, ir® ein Reisfeld steht. .And wenn gar die sinkende Sonne einen warmen, feuchten Goldglanz über das im Abenvwinde hin und her wogende Aehrenmeer legt, so ersteht ein Bild, so schön, daß feinor es vergißt, der es einmal geschan. Dieses sein Brot, seinen Reis, verdient sich der Japaner buchstäblich int Schweiße seines Angesichtes. Auch unser Korn will schon gesät und geerntet leim Aber trotz aller Mühe, die «s verlangt, es erfordert doch bei weitem nicht die lange Sorge, die schwere Kleinarbeit, diese Art alleriifteiffivsten Betriebes, wie sie der jspaMche Reis für Anbau und weitere! Behandlung erheischt. Ein Skdseeinsulaner, ein Malaie, auch noch der Sagalc der Philippinen, der sich ein Reisfeld anlegen will, der macht es sich leicht. Er ruft seine Frau und befiehlt ihr, das Reiskorn in irgen-bemcit Sunchf zu stecken. Im übrigen läßt er dem Herrgott vollkommen freies Spiet. And die Suche glückt auch meist. Dank zweier mächtiger DmrdesgomHsen, der großen Hitze der Tropen urib der beim Monsumvechfel regelmäßig einfetzencken ergiebigen Regenzeit. . Solch günstige Vorbedingungen sind in Japan nicht gegeben. Ein halber Gärtner muß der Reisbauer des Jnselreiches sein. Sorgfältig und des langen bereitet er seine Beete vor, in die. er die jitngait PflanzLN seht. Eng und dicht gedrängt stehen die winzigen Triebe da nebetiLinauder. Erft einen Monat später, wenn sie büschelförmige Größe erreicht haben, werben sie dem großen und eigonttichru Felde anvertraut. Aber auch hier gilt es noch, ständig nachzusehen. Die Siittgiing darf nicht vergessen! Werden, das Llmraut will gejätet sein. In ewiger Rässe, oft in fußhohem Wasser stehend, hat der .japanische Landmamr seine schwere Arbeit zu verrichten. Er darf auch nicht etwa daran denken, dieses leidige Wasser zu entfernen, muß im Gegenteil, woes nicht vorhanden, es hervorzuzaubern verstehen.' Denn! Wasser, Lledevfluß an Wasser, ist die allererste Vorbedingung für das Gedeihen jeder Reisfrucht. Der Sumpfbodsn ist ihre Heimat. Da in Japan meist feste und trockene Erde von Natur aus gegeben ist, muß der Sumpf erst künstlich geschaffen werden. Im nilgemeinen meiht es ja der Himmel gut mit der Landwirtschaft. die sich unter feinem Zelte angesiedelt hat. Er öffnet, besonders in den Monaten Juli, August und September Wochen- und monatelang seine Schleusen derartig, daß der sommerliche deutsch- österreichische Alpenhimmel dagegen fast trocken erscheint. Dennoch genügen selbst diese wolkenbruchürtigen Sintfluten noch lange nicht, find vor allem dort unsiwLicheud, wo, wie das in, Japan sehr "Häufig der Fall, abschüssiges Gelände vorhanden ist. Da heißt es -mit Dämmen, mit steingefülltsn Dambusgeflechten und anderen Stauvorrichtungen das kostbare Raß einzufangen! und nicht allzusehr zum lieben Nachbarn entrinnen zu lassen. Selbstredend müssen auch die Wasserläufe des Landes zur reichlich«» Durchtränkung und ständigen Aeberschwemmung des Bodens hsraAgWPSen werden. Oben auf den Höben wo leiste Flusse mchr find, baut man den Vergreis,. der auch ohne Wasser gebetet und viel weniger Wärme verlangt, auch in 6er Hälfte der Zeit, in drei bis vier Monaten, schnittreif wird. Er steht freilich dem Reis der Ebene sowohl an Güte wie DeichhatligMl des Ertrages sehr nach. .Ungefähr die Hälfte der japanischen Erde ist in Kultur genommen, während die andere Hälfte zumeist aus weitem Wald- land sich zusammenietzt. Bon diesem bebauten Boden ist toteberum wohl gut die Hälfte mit Reis bepflanzt, auf der anderen werdest Gerste und Hirse, Tee, Indigo, Tabak und Baumwvlle gezogen. Än der Hauptsache aber gibt das grüne Reisfeld dem in Kultur genommenen Lande, besonders den langgestreckten Ebenen zwischen Bergen und See sein eigenartiges Gepräge. Die Sonnengöitin — ihr ist der Ackerbau heilig — hält darüber segnend die Hand. Geduldig harren die niederen Halme ihrer Reife entgegen, Heben sich nur langsam empor, strecken sich,ganz wie die Söhne des Landes nicht allzusehr in die Länge und Höhe empor. Wenn das japanische Reisgras 70 bis 80 Zentimeter erreicht hat ist es bald ausgewachsen und beginnt sich golden zu färben. Weben die feinen fitfeergrauen Rebel am Rande der Flüffe, über den Mooren und Moosen am Fuße des Fujitzama, zieht der Ahorn an den Derghängen sein feuerrotes Herbstfeiergewand an, baust klingt bell die Sichel dura- das Land. Garbe um Garbe, mühsam mit langem Wasser geschnitten, von Hand und Arm sorglich ausgenommen und davongetragen, schichtet sich langsam enrpor. Ein einziges großes Erntefest, Taufende, Hunderttausende ooit Menschen sind emsig am Werke. Weist leuchten die Kopftücher, bunt die Kleider der Mädchen und Frauen, gelb die große« kreisrunden Strohhüte der Männer, die es sich sonst leicht machen, die Kittel abwerfen «nd -nackt herum laufen wie leibhaftige Malaien. Biel, viel gibt es zu tun: Das Abriffeln der Achrrn, das Dreschen mit dem kolbenartigen feststehenden Dreschflegel in 5en kleineren Betrieben, mit der Maschine in den größere^ Wirtschaften, die Verpachtung deS Kornes auf den immer nur zweirädrigen Karren, das Reinigen der Frucht, das Mahlen mit den primitiven Hand- oder Fuhmiihien. Alle Kräfte, 6$e nut- irgendwie zur Verfügung stehen, find voll beschäftigt. Gewaltige Mengen von Reis werden erzeugt. Eine einzige Aehre birgt manchmal bis zu hundert Körnern und der Jahres- ertrag der Gefamternte beläuft sich auf ungefähr vier MilliwW, Toi,ne». Trotzdem bleibt für die Ausfuhr nicht allzuviel übrig. Dem» Reis in maunigfacher und verschiedenster Aufmachung, fehif ebensowenig wie der Fisch jemals auf dem Tisch. Bald nach der Ernte ist es soweit, daß die zur Verwend r.«g fertige Frucht int Hofraum des Hauses gebacken werden uuut. Männer in mittelalterlich aiunutenben Leibröckeu, mit dem Weiß ins Blau eingewobenen Namenszug ihres Herrn und Patrons, schlagen den 'Reis zu Drei. Die Dienstmädchen des Hauses schieben die weiche Masse in Oefcn, die ebenfalls in den Hokraum gestellt find. Das japanische Holzhaus mit seinen leichten Pap^r- wiinben ist äußerst feuergefährlich. Wenn möglich, stänkert man mit Licht und Feuer lieber im Freien. Wie alle Anstauung und Pflege des Reifes, jeder Handgriff, jedes Werkzeug anders sind als die bei uns landesüblichen, so schmeckt auch solch japanischer Reiskuchen, der uns beim Eintreten in einen Gasthof als erste Gabe des Hauses von k» Hotelmädch en kredenzt wird, ganz anders als unsere Wetzen- mehlkuchen. Die kleinen, zierlichen Bäckereien, Törtchen, dir man auf einmal in den Mund nehmen und schlucken kann, sind stift und von einer sandartigen Feinheit. Ist man hungrig gekommen, so hat man in einer Minute alle fünf dargcbvtenen glücklich verspeist. Viel weniger Gefallen fand ich bei beit schonungslos und unweigerlich bei jeder Mahlzeit, morgens, mittags und abend- zwangsweise rierabreichien Reisbrei. Er ist nur mit Wasser.ge ~ 22 kocht, schmeckt nach unseren Begriffen faö« und schal, eigentlich nach gar nichts. Ganz ebenso tote der grüne Tee. Ich schrie denn auch stets sofort nach „Sato'*, nach Zucker, uni das wenig leckere Mahl ein wenig zu würzen, aß das als Mehlspeise, ah mich aber in drei Monaten derart daran ab, daß ich den fürchterlichen Äeistopf nicht nrehr sehen konnte. And war dennoch nach drei Monaten Aufenthalts in Rippon wieder einzig und allein auf ihn angewiesen. Denn was man sonst mir auf dein japanischeni Segler', der mich in dreiwöchiger Reise anderen Gestaden zuführte, anzubieten hatte: rohe und getrocknete, abscheulich duftende Fische, Latos- und Klettenwurzeln, gepreßtes Seegras, das war alles noch viel weniger appetitreizend. Wenn ich nicht meinen: Reis gehabt hätte, ich wäre unweigerlich verhungert auf der langen Fahrt. Roch vieles andere hängt in Zapan mit dem Reisbau zu- sammen: Die Sandalen, die uns beim Eintreten in das Haris ungezogen werden, sind aus Reisstroh gefertigt; ebenso die Matte, auf die wir uns setzen; der Besen, der das Zimmer kehrt; der Strohhut des Bauern; das Papier, auf dem man uns die ellenlange, aber doch so selten hohe Rechnung präsen- tiert, auf das sonst so bunte und lustige Dinge gemalt werden. Die Bedeutung des aus Llbfällen hergestellten Reismehles für die Viehzucht ist bekannt; in seinem Rührwerk soll es dem Hafer gleichkommen. Auch das japanische Rationalgetränk, der etwas schwere Sake, der mir bei meinen einsamen und kümmerlichen Reismahlzeiten wieder Freude und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ins Geblüt zauberte, ist aus Reis bereitet. Eine Einkehr, ein Uebernachten in irgendeinem kleinen Reisbauerndorfe ist jedem Besucher Japans nur anzuraten. Er findet hier einen Ausschnitt aus Altjapan, eine Welt, viel echter, wahrer und anziehender als etwa in Tokio oder den Hafenstädten. Hier haben die Leute noch etwas Vornehmes im Wesen, das da aus der alten guten Zeit noch stammt, wo der Ackerbauer noch geehrt war, dem Kaufmann und den: Handwerker voranging. Liegt das Dorf vollends weit ab von der großen Straße, so geben sich die Menschen ganz, tote sie es von jeher gewohnt waren. Rian kann da manchmal noch heute Rachbar und Rachbarin behaglich in ihrer hölzernen dampfenden Badewaime vor ihrem Häuschen sitzen und einen gemütlichen Abendplausch abhalten sehen. Doch früh wird es siill im Dörflein. Kühl und weich geht die Rachtluft durch Holzwerk und Papierwände, erfrischt die Schlafende:, von ihrem heißen Tagwerke. Schwarz und schweigend spannt sich der Torbogen des ländlichen Holztempels über den schmalen Weg. Ein Mondstrahl huscht flüchtig darüber hin. Die Zikaden singen und um die träumende Hütte ist ein Flüstern im Winde. Wie ein froher Schauer nahender Reisernte, wie ein Segensgrüß rauscht cs leise über das Feld... (Bebulb. Betrachtungen zur Zeit. Von Friedrich Freksa. Aus dem Altertum wird uns die tiefsinnige Sage von Antäos überliefert, dem Riesen, der neue Kräfte gewann, wenn er, niedergeworsen im Ringkampfe, mit den Schultern die mütterliche Erde berührte. Niederlage leiht dem Besiegten Kraft. Er muh sich auf das besinnen, was ihn stark macht, er muh vergessen, mir dem zu leben, was ihm Wohltat. Immer haben wir bei besiegten- Völkern die doppelte Richtung der Geister und Seelen gesehen, die sich scheiden. Immer wurde von den einen über Gräbern getanzt, während die anderen: in der Mitternachtsstille über den Sinn des Lebens nachdachten. Erneuerung ward immer geboren zwischen Zynismus und Frömmigkeit. Wir Deutschen sind zum großen Volke emporgewachsen, weil wir schmal in einem kargen Lande leben und durch- Schweiß- opfer die Mutter Erde gnädig stimmen muhten. Die Gebärde des reichen Mannes stand uns schlecht an. wie einem jeden, der über Nacht reich wird. Eilfertige Hast ward das Charakterzeichen eines jeden Deutschen. Grohmachtstellung ward von den Preußen in einhundert- fünfzigjährigen Kämpfen erworben. Die alten 'Weltmächte hatten für das 'Dachstun, aus der Grohmachtstellung zur Weltmacht- stellung ein Vierteljahrtausend gebraucht. Wir Deutschen meinten, in der Dampfhitze des Zeitalters der Maschinen, des Verkehrs, der Telegraphen, könne das natürliche Wachstum gesteigert werden wie die Lebenskraft der Pflanze im Treibhaus. Als wir noch ein ackerbauendes Volk waren, galten wir als das geduldigste Volk dieser Erde. Ein Wachsen im Garten oder im Felde zu erleben, macht geduldig und fromm. Der fromme Mensch weiß, daß nicht sein Ich bestimmend ist für Werden und Wirken, er fühlt sich als den Vollzieher einer höheren Gewalt. Gin Wachsen KU «rieben, ohne rwMiW «ti Veit MÄMß Trieben zu rühren, fordert Geduld. Der große Krieg hat Lausende dies« echte SoldatWMgOG getehrt; jeder, der mit draußen an der Front war, weiß, daß neun Zehntel der Zeit gewartet wurde, und daß das Wartejni schwerer ist als das Handeln. Es gilt, die Fundamente neu aufzubauen. Wir müssen warten, ehe wir das Haus ans dem 'Boden wachsen sehen, 'Was ist ein Menschenalter für ein Voll? Ein Tag des Geschehens! Aber er wird ein starker Tag des Segens getosten sein, wenn jede Stunde mit Arbeit und Geduld erfüllt m Wie Christen eine Frnu gewinnt. Von Jeremias Gvtthelf ^. (Schluß.) Es war ein böses Fahren bis zum „Bären", der eng« Weg vollgepfropft von Menschen, Vieh inte Wagen, Christens Rotz wild und ungeduldig, die Wirtin des Fahrens ungewohnt, ängstlich und alle Augenblicke einen Schrei oder wenigstens einen Seufzer lassend. Ms sie endlich beim „Bären" glüÄich landeten, konnte eS einem Schiffbrüchigen, der, auf schmalem Brette auf den Meereswogen treibend, endlich durch die Gnade Gottes ans feste älfer getrieben wurde, nicht anders zumute sein, als es der Wirtin war. Recht wäre es ihnen geschehen, wenn sie Arme und Beine gebrochen hätten, so zu fahren, sei Gott versucht; sei sie aber einmal glücklich wieder da weg, so bringe sie kein Mensch mehr so an einen Ort, und wenn ein Bauernhof davon abhinge, geschweige denn nur ko ein paar Ketzere von Kühersäulene mit geringleten Schwänzchen, sagte sie. Sie fanden sich nicht einmal auf dem Säumärit, obgleist sie ihn zweimal auf- und abgingen, in alle Bütten ihre Augen warfen, alle FL rech (Behälter) die Musterung passieren ließen. Mehr als einmal sagte Christen, er glaube, das seien sie. Sowie Christen das sagte, sah die Mutter nach dem Kühermädchen; wenn dann ein alter Schweinehändler oder Küher dabeistand, so wohlete es ihr, und mit Begierde sah sie nach den geringelten Schwänzchen. „Aber, Christen," sagte sie dann, „was hast du auch gesehen, du verstehst dich doch auch hell nichts aus die Sän.^ich schäme mich fast deiner. Sieh doch: nur, was das für verrebelte, verraxete Tierchen sind und eine schlechte Art haben! Gesprengt hast du mich, umsonst versäumen wir einen Tag und haben Kosten, ich hülfe fort. „Mutter," sagte dann Christen, „die sind es nicht, wo ich gesehen, aber ich hulf noch besser sehen, oder vielleicht daß sie dieselben unterdessen verkauft haben. Wenn wir sie nicht finden, so ists mir recht, fort, aber zuerst wollen- wir doch noch was essen. Es wird dich auch wunder nehmen, wie sie auftoarten an einem andern Ort, und was sie für Sterten« machen." „Hast recht," sagte die Mutter, „es nimmt mich wunder; wenn wir nur Platz finden!" „Häb nit Kummer!" sagte Christen, „am Ordinärst), wo unser Gattig hingehen, ist immer Platz; in den Gaststuben, da würde es schwer sein, unterzukommen." „Mira," sagte die Mutter, „aber Lang bleiben will ich nicht, und mit mir heim mußt du. ich dürfte nicht alleine fahren. Du kannst dich darnach rangieren." „Das versteht sich öppe," sagte Christen, dAN es mm doch angst zu machen begann, tote er die Bekanntschaft einleiten sollte zwischen der Mutter und dsSunnebure, und er wurde fast reuig, daß er die Mutter nicht eingetoeiht in den Handel, sondern hinter ihrem Rücken manöveriert hatte tote sie hinter dem feurigen. Er wußte wohl, daß seine Manöver ihr nicht recht gewesen wären, und gerne vMnied er, Wenns tunlich, den Widerspruch; das Ziel, das wußte er, war ihr erwünscht, und tote herrlich bann, wenn er unerwartet: daran stand und sagen konnte: „Lue, Mutter!" und diese bann sagte: „Du Donnstigs Bub du, du bist doch immer der nütznutzigste Kerlst jatoolle, was du bist!" Es war daher Christen merklich nicht recht wohl, als sie dem „Bären" zugingen, und Operationsplan konnte er keinen entwerfen, denn er wußte nicht, wo er dsSunnebure an treffe, ob sie nach ihm oder vor ihm kommen. Langsam ging er hinter bei Mutter die Treppe auf der großen Kammer zu, in welcher das Ordinäri serviert wurde. Brauch ist es, daß man bei solchen Gelegenheiten unter der Türe steht und rekognosziert, einigemal den Kopf hineinsteckt und wieder hinauszieht, ehe man hineingeht. So tat natürlich auch die Mutter, und über ihren Kopf weg sah Christen dsSunneburen bereits drinnen und der Platz neben ihnen noch leer. „Wer ist das?" fragte die Wirtin, indem sie den Kopf zurückzog. „Weiß es nicht," sagte Christen, „aber es nimmt mich selbsten wunder, mit dem Meitschi habe ich schon getanzt, will doch fragen.“ .Unbegreiflich schnell kam er mit dem Bescheid zurück, es seien bsSunnebure da oben im Tal. „Donnstig," Tagte die *) Das Ordinäri ist eine ordentliche Mahlzeit, an welche die Magnaten sich setzen; dös Volk setzt sich in die Gaststube, wo jeder befiehlt, was er will: Suppe, Fleisch ustv. er speist gleichsam st la carte. ~ 23 Wirtin, „MchwtÄd fcwetii «M fitz iw&m MMM ab. mach mt BMSrst? Ku öppe, wies dr Bruch ift!“ Lasch die QSrrtitt «gelte der ©otmenbäurm zu, und mit dem Spruch: „ES äcntbt fein?" legte sie sich an ihre Seite vor Anker, aber ging Stüdi zu, sagte ganz unbefangen: „E grüß es ist schön, daß du auch da bist!" längte ihm die Hand, ater und Mutter auch, ohne weiter« fBemcfhmg und Ander Bestellung: von To was redet man in feinem Wirts- nch mcht aus das keifest«. Die Wirtin wundert« sich, daß Christen. Vater miL Mutter die Hand gab, als er sie schon kenne, Wit dem Simte er warten, Ms sie mkseinandergingen, dachte sie. das fei nur zu notlich getan, le könnten ja meinen, das sei ein angelegt Spiel von ihnen, und te hätten ihnen abgepaßt, um neben sie zu kommen. Danebeni ; imst führte Christen sich zu ihrer großen Verwunderung anfäug-- ich sehr verständig aus, hatte keine Spässe und redete, wie es einem hundertjährigen Bauer wohl «urgestauden märe, über das Weh, die Preise von allem und sottst diesem und jenem. „Der: WHI," dachte sie aber, „tut wie ein Großätti und weiß nicht, daß die Meitfcheni einem nichts daraus halten, wenn man nicht mit ihnen drstkarr macht; einschenkeu tut er ihm auch nicht. Da Donnstigs Lappi (Pinsel), er war immer einer und wird sein Lebtag einer bleiben." Sie mischte sich nicht gerne laut hinein, sie führte mit der Soimenbäuriu interessante Gespräche über ihre Haushaltungskünste und hätte recht kurze Zeit haben tonten, wenn der Lappi gegenüber nicht gewesen wäre. Sie blickte ihm, und als er das nich t merkte, suchte sie unter dem Tisch seine Füße, trappelte ihn, und als daS nichts half, stüpfte sie ihn au die Deine: aber, wie hart sie anwendete, Christen verzog keine Miene, änderte feine Weise nicht. Wärs möglich gewesen, die Wirtin wäre aus der Haut gefahren, die aber war währschaft, und die Schranken des Anstandes sind auf dem Lande aus hartem Eicheu- hvh gezimmert und halten Wenfalls fest; so wußte sich die Wirtin am Ende nicht mehr zu helfen als- zu sagen: der Wein dünke sie nicht gut, sie glaube, er sei geschwefelt, und keinen Tropfen der Gattig könne sie trinken, toerat sie am folgenden Dag nicht Kopfweh haben wolle zum Sterben; sie hulf andern kommen zu lassen, öppe eine Halbe guten Roten. Ihm fei der Wein recht, sagte Christen, vom Schwefel merke er -nichts, darneben wolle er ihr nichts befohlen haben, sie solle nur kommen heißen, wenn «s sie gelüste, es fei ihm ganz recht. „Sä Donnstigs Lappi!" dachte die Wirtin und stüpfte ihn unwillkürlich ans Schienbein, daß Christen für gut fand, die Füße Unter seinen Stuhl zurückzuziehen. Sie bestellte roten Wein, aber guten, „vom rechten!" befahl sie, und als sie ihn erhielt, versuchte ihn; es sei vom rechten, sagte sie, tote sie glaube. „Seh du," sagte sie zu Stüdi, „mach aus! Ich möchte dir auch einschenten, es kömmt afe lustig, wenn die alten Weiber den- Meitschene ein» schenken müssen, seh, mach aus!" Stüdi mutzte sich- einschsnten! lassen, sowie der Sonnenbauer und -bäuerin, obgleich die letztere sagte, sie liebe den Roten nicht apart, sonst hätte fte auch eine Halbe komme« lassen können. Als sie endlich auch Christen sagte: »Seh, hab dar!" sagte er: „Dankeigist, Mutter, ich will Bst dem bleiben, zahlen müssen wir ihn allrveg, und ihn stehen taffen und andern trinken wär gschändet, und er dünkt mich nicht bös." „He nun“ fagte die Hirtin, „wenn du ihn magst, so mag ich dir ihn wohl gönnen; mach, wie du willst!" und machte dazu Augen fast tote Pflugsräder. Stüdi gefiel das aber sehr wohl; es ward ihm leicht, ums Herz; es tat recht freundlich mit Christen, der sich ganz gelassen gleich blieb, daß es die Wirtin fast aussprengte. „Hat denn der Lappi feine Äugen mehr?" dachte sie, „wenn er nur die Hand ausstreckte, so hat er das Meitschi, und hocket da wie ein Pfund Schnitz." Endlich sagte sie: eS dünke sie; sie höre den Geiger, ob sie nicht einen miteinander haben wollten? „Mutter," sagte Christen, „du hast gesagt, du wolltest bald fori; und wenn man einmal mit Tanzen anfängt, so weißt wohl, man weiß nie. wann man fortkommt." Das war der Mutter zu viel, eines so einfältigen Sohnes schämte sie sich, sie konnte nicht mehr an sich halten, sie fagte: „Wirst dich fürchten? Daß du so e Leide bist, c Höseler (einer, der das Herz in den Hosen hat), habe ich nicht gewußt." „Mutter," sagte Christen, „so einer fürchter sich nicht," und damit nahm er Haselnüsse vom Teller und verdrückte sie mit den Fingerspitzen, als ob es Erdbeeren wären. „OBeim du dich nicht fürchtest, warum gehst du denn nicht, kannst -etwa nicht mehr tarnen; ober hast kein Geld für den Geiger, so will ich dir geben." „Mutter, aber Mutter," sagte Christen, „nehmt es nicht für.ungut !Ihr vergeßt, daß wir nicht daheim sind, und ob dem Meitschi eine Schlägerei so eines fremden Burschen wegen anständig ist, weiß ich nicht; mancher wärs recht, aber witzig dünkts mich nicht, darneben mural" Für kein Geld, tagte Stüdi, würde es gehen, es wüsste, wie ihre Bursche wären, und was das kön-nte. „Schämst dich feiner?“ sagte die Wirtin. „Müßt nicht, toarwn,“ sagte Stüdi, „aber Wenns einem nicht anständig ist, was herauskömmt, so muß man den Anfang nicht machen." „He, so geht zusammen auf bat Markt, wenn dich seiner nicht schämst, es gibt vielleicht was zu kramen; geht miteinander!“ sagte die Wirtin, der es war, wenn Christen ihr nur ab ben Augen käme mit seinem dummen Tun. Dagegen hatte Christen nichts einzuwenden, und Stüdi verstand sich bald dazu, da seine Mutter sagte: „He, gang, aber komm bald wieder!“ Christen ging voran und wählte vorsichtig einen Weg, der nicht ins Gewühl führte sondern an eine einsame Ecke, wo ein Wort im Vertrauen zu reden war. -„Zürn doch recht nicht," sagte Christen, „von wegen der Mutter, sie ist grusam eine gute, aber sie sieht, wie bei ure8 die Mädch en tun, und meint, sie seien alle gleich Ich habe es dir aber den ersten Augenblick angesehen, daß du nicht bist wie dio andern, und deretwegen bist mir gleich so lieb geworden. Deinetwegen reut mich kein Geld, aber es zLlmmtz aus- geben für nichts und wieder nichts und nicht wissen, ob du die Sache brauchen kannst, und ob sie dich freut, das dünkt mich ein- falt und 'dumm, und ich weiß nicht, ob du mir etwas darauf hast oder nicht? Wenns selb wär, so sags! Sieh, da habe ich eine doppelte Bernerdublone; damit du siehst, daß das Geld mich mcht reut, so nimm fte! Hast was nötig, so kaufs, sonst behalt fie: irgendwann wirb sie wohl gut zu brauchen fein. Ein Ghepfand soll sie nicht sein, nimm sie mir, ich will deretwegen kein Recht; nur damit du stehst, daß mich deinetwegen das Geld nicht reut. Aber so die Dentaler Herumzuwersen, nur so um sich großzumachen, das ist eine Sünde, das menschelet nicht, das ist kalberochtig.“ „Du hast recht," sägte Stüdi, „geradeso ists mir auch." „So nimm fie!“ fagte Christen. „Eine schöne ists,“ sagte Stüdi, „recht luege möchte ich sie gerne, und hier schickt es sich mir nicht, ich will sie mitnehmen; wenn du Langeweile darnach kriegst, so komm und hole sie!“ „He nun,“ sagte Christen, „das ist guter Bescheid, und üs Mangen (das Sehnen) wird mich bald ankommen, wenn du nichts dartoiderhast?“ „Was wollte ich?" sagte Stüdi, „komm, wann du willst!" „So shgs!" sagte Christen und bot Stüdi die Hand, und Stüdi legte die seine hinein und hatte die Augei', voll Wasser. „Habe ich den Rechten gesunden," dachte es, „oder bin ich der Darr im Spiel?" Als sie zu den Alten zurückkamen, die hinter einer neuen Halbe Roten sahen und kein schlecht Gefallen aneinander gefunden hatten, fragte die Wirtin: „Dun, wo ist der Kram? Möchte ihn auch sehen." „Haben nichts gefunden,“ sagte Christen, „das uns anständig gewesen wäre; was Lumps habe ich nicht mögen, und was Rechts war nicht da; ein andermal trefss öppe besser, haben wir gedacht." Der Wirtin Gesicht lief auf wie altes Leder in siedender Butter, es mußte Brennen in ihr; endlich ließ sie einen; tiefen Seufzer los und sagte bloß: „Ich hulf, wir wollten fort; gewöhnlich sind an diesem Abend Leute über Dacht bei uns, und wenn ich rächt daheim bin, so getzts nicht." Wie sie befehl, sagte Christen; wenn sie noch eine Halbe befehlen wolle, er hätte Durst bekommen, so wolle er unterdessen heißen anspanuen. „Cs wird dsDest fein, wo du machen kannst," sagte die Mutter sehr verächtlich. Von der letzten Halbe, sagte die Wirtin, möge sie nicht, während dagegen Christen herzhaft und fröhlich trank, heiter Abschied nahm, während der Mutter die Wehmut zuvorderst war, daß sie fast nicht sagen konnte, es würde sie freuen, wenn sie zu- sprächen bei ihnen, wenn sie einmal dort vorbeikämen, und sie hätte recht Freud gehabt, sie anzutreffen, hätte schon viel von ihnen gehört, aber fie noch nicht gekannt. Änd wenn sie etwa gefehlt, so sollten sie es mcht für ungut haben, sie seien gar grob gewohnt, und bsunderbar heute hätte Christen getan wie ein Kolli (Lümmel, Tölpel, Löffel, Grobian ufto.), er wisse doch sonst so groban-e, was der Brauch- fei. In höflicher Gegenrede erwiderten die andern. Die Sonnenbauriu sagte, sie hätte bsunderbar kurze Zhti gehabt, und Stüdi gab der Wirtin gar freundlich die Hand und sagte, wenn es öppe gefehlt, so solle sie es nicht zürnen; «x- e hätte es es nicht gemacht, cs hätte es öppe nicht im Brauch. nd zu beleidigen, und sie dann gar nicht. Eine Dublone wollte sie geben, toeren sie auf freier Straße wäre, sagte die Wirtin, als sie aufs Wägeli Weg, und bis auf verschiedenen Wegen die Menge au8einan6ergetaufen, das Gedränge nachgelassen hatte, konnte sie nichts sagen als: „Lite, tue, hüb Sorg, hab dr tujig Gottswille nebe us!“ Als es endlich ruhiger wurde auf dem Wege, sagte die Wir- tiiv „Was du mir für einen Verdruß gemacht hast! Wenn ich nicht krank werde, so werde ich es nie mehr, es hat mich fast zerreißen wollen! Da trvhlet dir das Glück um die Füße herum, und du machst drLappi und streckst kein Glied darnach aus, kann MM auch. Die Kabisgrattäsche werde dir im Kopf Hecken, aber wohl, die will ich dir austreiben, und sosite ich erpreß Kapuziner müssen lammen lassen dafür." „Mutter," sagte Christen, „zürn doch recht nicht, aber ich habe ein Bestelltes für nächsten Sonntag an der Soimenhalde bei der Tochter, wenn du nichts bar» widerhaft; das Meitschi hat mir erlaubt, zu kommen." „'s ist nicht, möglich!" sagte die Wirtin, drehte sich um auf dem Sitze, daß es ganz über Ort kam. und schlug die Hände ineinander. „Wohl, wohl, Mutter!" sagte Christen; „und ich habe gute Hoffnung, öppe grusam habe ich mcht anhalten muffen.“ „Du bist doch ds gfelligist Düpsi (das größte Glückskind), wo auf Gottes Erdboden lebt!" sagte die Wirtin. „Schenkst dem Meitschi nicht ein, tanzest nicht mit ihm, kramest ihm nicht, machst nüt drDarr und zletzt doch ein Bestelltes für den nächsten Sonntag, jetz verstehe ich mich nicht mehr auf die Welt und auf die Meitscheni erst nicht; daS ist doch zu meinen Zeiten anders gewesen!“ „Dein, Mutter,“ sagte Christen, „das ist immer so gewesen, cs ist mit den Mädchen gerade wie mit den Fischen; für jeden Fisch muß man was Apartes an der Angel haben: wo die , Forelle beißt, da beißt die Darbe nicht, und wo die Darbe beißt, da sieht die Rase nicht nebenume, und wo die Dase beißt, spaziert der Dlet vorbei; und taut imtfi man sich noch Wohl achten der Jahreszeit: im Frühling will 3um. Beispiel die Forelle zarte Würmer und Steinkärtel, .;egen Herb« verachtet sie dieses Zeug und will nichts als Heu- stüffei (Heuschrecken). Geradeso ists bei den Meitschsne; sie beißen auch nickt alle ans gleiche, da muß inan nun erfahren, Ums jedes lieb:, und was für -Seit es ist, das ist die Kunst, und wer dis ;<>nn, dem beißen alle.“ Sa lachte die Wirtin, daß sie den Haften kriegte und lange nicht sagen tonnte: „Du bist c Sonuftigs Krrli. c Spitzbub bist! Aber was hast du dann dem dargehalten. daß es dir gebissen hat?“ „Ja, tue, Mutter," sagte Christen, „das kann ich dir noch nicht sagen: wenn einer was weiß und er plaudert es aus, ehe die Sache richtig ist, so ists auch aus mit dem Glück. Darum laß mich machen. dLach kommt gut. ich will wetten mit dir " „Wetten null ich nicht," sagte die Wirtin, ,,c Spitzbub bist, ghörft! Ich sags dir noch einmal. Aber es dünkt mich, der • Mutter »nutest du das doch sagen, ausbringen würde ich es dir doch nicht." „Darf nicht, Mutter," sagte Christen, „nicht einmal rinserm Herrgon würde ich es sagen, wenn er es nicht schon müßte. Ich weiß wohl. Mutter, expreß brächtet Ihr mir es nicht aus. aber ungsiimet entrinnt einem manchmal etwas, man merkt eS nicht, bis es draußen ist. And noch eins: Grit sagt gar nichts von dem, was heute begegnet ist, das ist eine Klapper- rasch.: und meint es immer mit denen am besten, bei denen sie ruletzi ist; die wäre imstande, die ganz Sach in Krebsgang zu bringen und einen Lärm zu- machen, daß mir von allen Seiten zBöft geredet würde. Ihr wisti ja. iuic c8 gehr, wenn zwei •)ufamr.tenhM>(feit, da teert drT-üsel dHvll und schickt all Tüse us, für zlsüge und z'verlümbe.“ Trotz ihrer Freude konnte die Mutter es fast nicht ver- werchen, daß Christen ohne ihre Hülse zu einer Frau kommen solle. „Du wirst die Sache gewiß noch verkegelu, du wirsts erfahren, wie es dir geht, wenn dir niemand ratet," sagte sie, sooft :> dazu kommen konnte, „.bind wie walltest du das so gründlich kennen, was das Meitschi liebt, temtsts ja nicht?" „Hab nicht Kummer, Mutier!" sagte Christen; wo du und das Grit mich v-esiiatitett haben hak mich euer Reden geweckt, und da habe ich vernommen, was mir nötig war." „Spitzbub, Ums du bist! Aber es kömmt iti.r doch nicht gut, zähl daraus!" tagte die Mutter. Aber der Mutier Wahrsagen erwahrete sich nicht; Christen ebnete immer mehr die Wege, blieb sich gleich, aß tapfer Erdäpfel und brachte «s dahin. Daß sie ihm versprachen, zu ihnen :?or’ zu kommen auf dGschaui lDeschau). wie man bei solchen Anlässan au iage-r pflegt. Als Christen Der Mutter die Aach- richt bracht?, schlug sie die Hände über dem Kopse zusammen und sagte: „Mein aber auch, keinem Menschen hätte ich es geglaubt,, und wenn mir Vs dar Pfarrer selbst gesagt hätte, daß da so eiwav zwWbröchtest, aber c Spitzvub bist, ghörst!" Große Mühe hatte Christen, die Mutter zu verhindern, aus allen Kräften aufzawarten und alle ihre Kunst zu einer Mahlzeit zußammenMratien. Oepvc was üblich fei, solle sie geben, ■S:- nicha' lieber!rieveues, so wie es in einem braven Bauern- t-ause üblich fei, wenn Dorf komme, aber mehr nicht, die Wirtin «le sie nicht lasten horvorgucksn. sonst kommt- mcht gut, sie werfe -hm een Henwage» noch vor der Einfahrt um. Sie solle ihm doch gkauiren: wenn er es ihnen nicvi treffen könnte, so hätte er Sie Sach? nicht bis dahin grwerchet. Die Mutter widersprach ihm »aiÄMch.biS auf den Tag vorher, dann tat sie äituitat, wie er es angegeben haue: Wirtlich lief auch alles vortrefflich ab; dsSonne- bure waren mit allem ausnehmend zufrieden, mit der Aufwart nicht nur, sondern hauptsächlich mit der Einsicht. Alles war in vortrefflichem Stand, alles Werkzeug doppelt und dreifach vorhanden, Hülle und Fülle in Sphcher und Kästen, da hatte man nicht nötig, alles zu Geld zu machen, um den Schulden zu begegnen; daß sie derselben keine hätten, weder Weinschulden noch andere, bewies die Wirtin zum Neberfluß noch schwarz auf weiß. Kurz, die Sache ward richtig gemacht und die Verkündigung bestellt. Lang z'warte, trage nichts ab, warb int Mate der Weisen erkannt, wenn man das Geld für die Hochzeit nicht zu leihen brauche und man zu rechter Zeit öppe an ein Tröstet! (Mitgift) gedacht habe. -Und richtig, sie hatten recht. Was das für einen Lärm gab, als di? Welt vernahm, daß die reiche Tochter an der Somrhalde Dram -ei. ein weggefangen Bröcklern, und ds Wirts Christen bei der Tannen fei Hochzeiter! Da wars, -als ob man mit einem Stecken das Wüsteste alles in der ganzen Welt aufrühre, alle Aeidlöchern, alle Lügenlocher,alle Tilfelstichtige in allen Herzlvchern der ganzen Welt. Wie Bremsen an. ein Moh sich hängen, das durch den Wald läuft, so stob es der Sonnhalbe zu, stob deck Wirtin zu von allen Seiten, und jedes, das gestoben kam, machte ein bedenklich Gesicht und sagte, es habe doch noch kommen und sagen wollen, was cs vernommen, es sei vielleicht noch nicht zu Bät. aber ■» dürfe es fast nicht sagen. EL ging später die Rede, -ist aus dem Kabisgrat habe ''ich leibst auf die Beine gemacht i» Denlerkleidern und das Gnislichste an der Sonnhalde von Christen gesagt, so daß, wenn alles wahr gewesen wäre, man ihn »HMtigitenS siebenmal löpsen und dreimal hätte hängen müssen. Anfangs wollte es fast kleben in den Ohren, und die Sonnen, bäurin und die Wirtin wußten nicht recht, was sie glauben sollten, und dachten der Sache nach. Als es aber so arg wurde, Dch man die Lügen mit Pelzhandschühen greifen konnte, da wurden sie wieder kaltblütig und liehen die Sachen liegen, wo sie lagen, und putzten den Leuten tapfer ab; es gütete als ob alb. Zudem tat Christen klug, er war viel oben an der Sonn- halde; und wenn man ihn merkte, so lehrten die, welche kamen, um ihn herunterzumachen, alsobald den Spieß um und rühmten ihn, daß die Schwarten krachten, daß man hätte glauben sollen, seit Vater Abraham sei keiner seinesgleichen auf Erden gewesen. Zudem hatte er immer an den Diensten Fürsprecher, die nicht genug rühmen konnten, wie manierlich er sei. allen behilflich unb das Arbeiten verstehe wie keiner landauf, landab. So vermochte die Welt nichts, vermochte nichts, als ein Zeichen zu tun, wieviel Schlechtes sei in den verborgenen Löchern, das nur zuzeiten ans Tageslicht komme, wie viel äkngezkef« mir dann sich zeigt, wenn .Unwetter im Anzuge ist. .Ungestört und still ging die Hochzeit vorbei; ein großes Wesen, wie es damals wohl noch üblich war, das drei Tage dauerte, und woran zwei- bis dreihundert Gäste teilnahmen, wollten sie nicht machen, Christen drang nicht daraus, und im Sinne von Sonnebures lag es nicht. Verwandtschaft und die jungen Bursche stellte man sonst zufrieden, und sonst hatte niemand darnach zu fragen. Aach Landessitte blieb die junge Frau noch ein paar Wochen bei ihren Ellern, 5mm führte tie Christen heim, und die Muttw übergab ihr alfobald Schlüssel und Kellen and tert die Meisterschaft ab. Am folgenden Mittag brachte die junge Wirtin eigenhändig das Erdüpfelkörbchen auf den Tisch ui» sagte: „Que jetzt, ob ich es hier auch kamt und es dir treffe; angewendet habe ich, tvas ich konnte!" Christen nahm lächelnd einen, griff bann aber nach andern Dingen und ließ die Erdäpfel beiseite. „Hab ich es dü nicht getroffen?“ sagte die junge Frau; „ich habe doch gewiß gemacht, was ich konnte. Lus. die sind gewiß gut!" und las ihm ein halb Dutzend der größten Erdäpfel aus. Da lachte Christ«, merkbarer und sagte: ,,Häb nit Müh, du guts Fraueli, meint Erdäpfel habe ich vor der Hochzeit gegessen; jetzt denk ich sie ein wenig in Auhe zu lassen." Da wars fast, als ob die junge Fran zur Salzsäule werden wolle. „Heft mi beschisse, heft mi agführt?" fragte sie ganz blaß. „Aern, lieb Fraueli, das hab ich nicht; aber gemacht, für dich Ku bekommen, was ich gut glaubte mit Ehren, das habe ich, und das ist erlaubt, denk ich. Mancher Wann tut groß vor der Hochzeit und ist nachher ein Gizhuud, oder er fömmt um seine Sache, und seine Frau hat üoidwsg bös bei ihm. Ich tat ileiit und armütig, weil ihr das gerne sähet; jetzt wollen wir nicht grohiun. aber weder geizen noch über nichts kommen, sondern uns die Sache gönnen, wie wir es öppe können und vermögen, und du sollst es gut haben. Wit dem zülnnutz Brauchen will ich dich nicht ärgern, mit Geizen plagst du mich rticht, zur Sach» wollen wir beide sehen, wie wir es vor Gott verand Worten können, aber öppe übertreiben, sekb nicht: wenn man jung so anfinge, wie 'käme es int Alter heraus; solche Sachen mebvert mit den Jahren." „Aber angeführt hast du mich, bschisse, wenn man es sagen dürfte!" sagte Stüdi, jedoch nicht mehr mit so kläglichem Gesichte. „Wäger nicht, Fraueli!" sagte Christen, „mernt einer buhlst, so lvendet er alles an, was er meint, bah gut sei, macht drAarr bis tute ufe, und niemand nimmt es ihm übel, wenn er nachher auf frort. dsGegeickeil, die Leute würden öppe lachen, wenn er drAarr fein Lebtag machen wollte. So habe ich auch ein wenig drAarr gemacht mit den Erdäpfeln, aber dich nicht angeführt, bhü- tis nein; häuslich bin ich auch, aber reich genug sind wir, daß ich nicht bloß Erdäpfel zu essen brauche. drAarr damit zu machen mein Leben lang. Verzeih mirs. reuig sollst nicht werden desset- wegen, im Gegenteil, wenn Gott uns gesund erhält noch dreißig Jahre, so dankst du mir vielleicht noch und lachest allemal, wenn Du daran denkest, daß du gemeint, dErdäpfel seien d-Hauptsach und nichts zu brauchen das Wichtigst auf der Welt." Und alfo geschah es auch, es gab ein glücklich Ehepaar, das gesegnet lebte, und dessen Andenken im Segen blieb. Die Mcht-Gewesensn. Don Isolde Kurz. -lieber ein Glück, das du flüchtig besessen, tröstet ErilMSM, tröstet Vergessen, tröstet die alles heilende Zeit. Aber die Träume, die nie errungnen, nie vergeßnen und nie bezwuiignen, nimmer verläßt dich ihr sehnendes Leid. Hchrift'ei-mag: Dr. Jriedr. Wilh. Lange. — Druck und Brrkag der Brühl'schen Aniv.-Buch- und Steindrucksr-ei, R. Lange, Gießen.