Gießener HamilieiibMer UiüerhattungrbeNage zum Sietzeuer Anzeiger -ahrgmlg'lt-26 Dienstag, -en ^August Kummer 66 Der Warten. Von Theodor D ä u b l e r*). Ich sah meine Heimat durch blühende Ranken, durch schneeweiße Kirschbäume leuchtet das Heini. Der Flieder verinnigt uns Frühlingsgedanken: Narzissen am Resterrain lächeln geheim. Der Morgen verjünglingt den Nachtigallweiher. Ich liebe die glühenden Lauben im Tau. Die Rosen entflammen zersilberndem Schleier, erblaut ist die Wonne, voll Sonne die Au. Die Mandeln erblühen wie kindliche Wange«, erst schüchtern, verlegen, oft wundervoll rot Die Aeste mit nassen Glyzinien behangen, beträumen ein Tandiamantangebot. Es lacht unsre Heimat im Glitzern der Wicke: Sie weckt aller Wesen umrätselten Tod. Sie nickt aus der Nelke beseligtem Blicke: Die Heimat umblaut sich für Sonnengeschicks. Das ksnsgliche Teftamsnt. Zum 180. Todestage Friedrichs des Großen am 17. August. Friedrich der Große hat zwei persönliche und zwei große politische Testamente hinterlassen; die erste persönliche Verfügung stammt aus dem Anfang 1752, die letzte und endgültige vom 8. Januar 1769. Wie ist dieses königliche Testament beschaffen, wie sieht es aus? Es ist ein Verdienst des Volksverbandes der Bücherfreunde, daß er in einem sehr sorgfältig ausgestatteten (leider nicht im Handel befindlichen) Liebhaberdruck dieses Testament, dessen Urschrift so lange ziemlich unbekannt im Hausarchiv der Hohenzollern ruhte, mit urkundlicher Treue reproduziert, es übersetzt und mit erklärenden Anmerkungen begleitet hat. Die vorzügliche Wiedergabe im Lichtdruck kann wohl an Stelle des nicht erreichbaren Originales stehen. Der äußere Anblick des Dokuments ist einfach und nicht eben feierlich. Es ist auf einen gelblichen vorschriftsmäßigen preußischen Stempelbogen geschrieben, dessen Preis — acht gute Groschen — in der linken Ecke unter einem Adler aufgestempelt ist. In der rechten Ecke befindet sich der Stempel des Königs, am Ende das königliche Siegel. Es fehlt aber alles, was bei den zeitgenössischen fürstlichen Testamenten üblich war: die Kopstitel und die Siegel und Unterschriften der Zeugen. Soviel über das Aeuhere. Der Inhalt beginnt mit einer wehmütigen Betrachtung über die Flüchtigkeit des Daseins; sie lautet in der Uebersetzung F. von Oppeln-Bronikowskis: „Unser Leben ist ein kurzer Uebergang von unserer Geburt bis zu unserem Tode. In dieser kurzen Frist ist es dem Menschen bestimmt, für das Wohl der Gesellschaft zu arbeiten, deren Glied er ist. Seit ich zur Leitung der Staatsgeschäfte berufen ward,-habe ich mich mit allen Kräften, die mir die Natur verliehen, und nach meiner schwachen Einsicht bestrebt, den Staat, den zu regieren ich die Ehre hatte, glücklich und blühend zu machen." In 31 Paragraphen werden dann die einzelnen Verfügungen getroffen, am End^ wird der Herzog Karl von Braunschweig zum Testamentsvollstrecker ernannt, „von dessen Freundschaft, Rechtschaffenheit und Redlichkeit ich mir verspreche, daß er die Ausführung meines letzten Willens übernehmen wird. *) Theodor Däubier, der heute seinen 50. Geburtstag feiert — er ist am 17. August 1876 in Triest geboren — ist d e r Dichter der Gegenwart, der sich jeder Einordnung in eine Kategorie widersetzt. Gigantischem Wollen hat er in dem bisher größten Werke seines Lebens, dem „Nordlicht", Ausdruck gegeben; er hat damit nicht mehr und nicht weniger versucht, als ein neues Weltbild zu schaffen, in dem mit unerhörter Kühnheit der Metapher der Erde die Rolle zufällt, der leuchtende Stern der Zukunft zu werden. Als der Sang vom verklärten Menschen auf der verklärten Erde ist Däublers „Nordlicht" bezeichnet worden. Die Erde verlangt, daß Gesetz der Schwere durchbrechend, zur Sonne zurück, das Polarlicht ist der flammende Ausdruck dieser Sehnsucht. Um diese Weltdichtung gruppieren sich die übrigen Werke Theodor Däublers: die lyrischen Bände „Hesperien", „Hymne an Italien", „Der sternhelle Weg", die der bildenden Kunst und Musik gewidmeten Cssaybände: „Der neue Standpunkt" und „Lucidarium in arte musicae“ und die Bände autobiographischen Charakters: „Wir wollen nicht verweilen" und „Mit silberner Sichel". Die Frucht seiner Reisen in Griechenland sind die Aufsätze „Der heilige Berg Athos", „Sparta", diese als Buch erschienen^ sowie „Delos", bisher nur in der „Deutschen Rundschau" veröffentlicht, Aufsätze, denen ein großes abschließendes Werk über Griechenland noch folgen soll. Dieses letzte Testament Friedrichs des Großen ist auch darum nicht unwichtig, well er in dieser Verfügung — wie auch schon in seinem ersten persönlichen Testament von 1752 — als erster Hohenzoller zwischen seinem eigenen und dem staatlichen Vermögen scharf scheidet. 1752 sagte er darüber: „Ich habe die Einkünfte des Staates als das Mark des Volkes betrachtet, für das ich ihm Rechnung schulde. Ich habe niemals auch nur den geringsten Teil davon für meinen eigenen Bedarf in Anspruch genommen. Also sterbe ich arm und zufrieden mit dem Bewußtsein, meiner Herrscherpflicht genügt zu haben." In feinem letzten Testament drückt er seine Meinung so aus: „Ich bin niemals geizig noch reich gewesen, und so habe ich nicht über viel zu verfügen. Die Staatseinkünfte habe ich stets als die Bundeslade betrachtet, die eine profane Hand anzutasten wagte. Die öffentlichen Einkünfte sind nie für meine eigenen Bedürfnisse benutzt worden. Meine persönlichen Ausgaben haben nie 220 000 Taler im Jahr überschritten. Meine Verwaltung läßt mir also ein ruhiges Gewissen, und ich könnte der Oeffentlichkeit ohne Scheu Rechnung darüber legen." Dann folgen in klarer Uebersichtlichkeit die einzelnen Nachlaß- bestimmungen. Sie sind sehr nüchtern und sachlich gehalten. Außer Geldgeschenken werden die Hinterbliebenen mit ostpreußischen Gespannen, Chaisen, Porzellanservicen, Galakutschen und etlichen Eimern Ungarwein bedacht. Dann erhebt sich her Ton zu einer eindringlichen Bitte: „Ich empfehle meinem Erben, so herzlich, wie ich es vermag, die tapferen Offiziere, die unter meinem Befehl den Krieg mitgemacht haben. Ich bitte ihn, besonders für die Offiziere zu sorgen, die in meinem persönlichen Dienst stehen, keinen von ihnen zu entlassen, keinen von ihnen, wenn er alt und krank ist, im Elend umkommen zu lassen. Er wird in ihnen tüchtige Soldaten und Leute besitzen, die Proben von ihrer Einsicht, Tapferkeit und Treue abgelegt haben." Mit ähnlichen Argumenten werden dem Nachfolger die Prt- vatsekretäre und alle empfohlen, die in des Königs Kabinett gearbeitet haben, denn „sie besitzen Geschäftskenntnis und können ihn im Anfang feiner Regierung in vielen Dingen beraten, über dis sie Bescheid wissen nnb die selbst den Ministern unbekannt sind." Am Ende erhebt sich das Testament zu beschwörenden Worten: „Der über dem Menschenschicksa! waltende Zufall entscheidet über die Erstgeburt, aber weil man König ist, ist man noch nicht besser als andere. Im empfehle allen meinen Verwandten, in gutem Einvernehmen miteinander zu leben und, wenn nötig, ihren persönlichen Vorteil dem Wohl des Vaterlandes und dem Vorteil des Staates zu opfern." Schon die letzte Verfügung des Königs von 1752 enthielt feinen berühmten Wunsch, mit dem er die fernste Zukunft seines Staates segnet. Jetzt sind seine Worte ausgeführter; er ist aus dem großen Kampfe um Preußens Dasein siegreich heimgekehrt, bewährt in der härtesten Prüfung, die ihm auferlegt werden konnte, von Europa bewundert, der Schöpfer einer neuen Großmacht, Feldherr und Philosoph zugleich. Er ist ein einsamer und gealterter Mann geworden trotz all dieser beispiellosen Erfolge — um so inniger und tönender aber bringen jetzt seine Worte in eine dunkle Zukunft: „Bis zum letzten Atemzuge werden meine Wünsche dem Glück dieses Staates gelten. Möge er stets mit Gerechtigkeit, Weisheit und Stärke regiert werden. Möge er durch die Milde der Gesetze der glücklichste, finanziell der bestverwaltete und durch ein Heer, das nur nach Ehre und edlem Ruhm strebt, der am tapfersten verteidigte sein. Möge er blühen bis an das Ende der Zeiten!" Fmdsreeus Rex im Negligs. Von Friedrich v. Oppeln-Bronikowski. Dec Satz, daß vor seinem Kammerdiener niemand groß sei, findet kaum eine Bestätigung beim Lesen der soeben veröffentlichten „Briefe Friedrichs des Großen an feinen vormaligen Kammerdiener Fredersdorf", von denen bisher nur 40 bekannt waren, jetzt aber rund 300 vorliegen. Es find zumeist Briefe des Königs; ein Bruchteil stammt von Fredersdorf, der es vom Hoboisten im Infanterieregiment Schwerin zum Kammerdiener des Kronprinzen Friedrich gebracht hatte, und nach dessen Thronbesteigung, d. h. zu der Zeit, wo diese Briefe geschrieben wurden, fein Geheimer Kämmerer, Schatullenverwalter und Rittergutsbesitzer geworden war. Dank seiner Treue und Verschwiegenheit dehnte sich sein Wirkungskreis immer weiter aus, und die Zeitgenossen bezeichneten ihn als Premierminister und Inhaber sämtlicher Hofchargen. Jedenfalls war er. ein Faktotum, durch dessen Hände alle möglichen Dinge liefen: der Ankauf von Kunstwerken, die Anwerbung und Entlassung des königlichen Theaierpersonals, die Einrichtung der königlichen Schlösser, selbst Münz- und Spionageangelegenheiten. Alle möglichen Personen, von den Sängern, Tänzern und Schauspielern beiderlei Geschlechts bis zu - 262 — r Ministern und hohe» Staatsbeamten, selbst die Königin, ja sogar Voltaire, wandten sich mit ihren Anliegen an ihn. Und doch haben selbst seine Neider ihm keinen Mißbrauch seiner Stellung nachgesagt. Das spricht für seinen Takt wie für seine Zuverlässigkeit und erklärt das unwandelbare Zutrauen und die wahrhaft freundschaftliche Ge- finnung, die der König ihm bis zu seinem Tode bewies. Dieser Briefwechsel gewährt also die mannigfachsten Einblicke in Charakter und Lebensweise des Königs wie in zahlreiche große und kleine Vorkommnisse nm Hofe und im ganzen Staatswesen. Sie auch nur einigermaßen zu gruppieren und darzustellen, würde eine lange Abhandlung erfordern; wir begnügen uns damit, die menschlich bedeutsamsten kurz zusammenzustellen und besonders ihre humoristische Seite hervorzuheben. Friedrichs Briefwechsel mit Fredersdorf nimmt als einer der wenigen, die in deutscher Sprache geführt worden sind, einen hervorragenden Platz ein, denn in ihm tritt uns nicht der „Querpfeifer und Poet", der schöngeistige Philosoph und französische Dichter, der Freund Voltaires und der Enzyklopädisten entgegen, sondern der im Dunstkreis des Tabakskollegs und im Umgang mit rauhen Kriegs- leuten ausgewachsene Sohn des Soldaienkönigs, der „alte Fritz" der Anekdote und der groben Marginalien, wie er im Volksbewußt- [ein fortlebt. Nicht das in Jugendschöne, strahlende Königsbild von Antoine Pesne finden wir, sondern einen derben deutschen Holzschnitt. Es ist die gleiche, völlig unorthographische, rein phonetische Schreibweise, das gleiche Knorrige, mit Fremdwörtern gespickte Deutsch, die gleichen deutschen Schriftzüge und Kraftworte, der gleiche bärbeißige Witz, der aus den Briefen seines Vaters bekannt ist. Der Soldatenkönig hätte diesen Briefwechsel gewiß mit Behagen gelesen und seinen Sohn aufs neue bestätigt: „Cs steckt ein Friedrich Wilhelm in dir!" Vollends der heutige deutsche Leser wird diesen ererbten deutschen Zug in Friedrichs Wesen gern unter seinem ange- orbciteten Franzosenium wiederfinden. Die Mißhandlung der deutschen Sprache tritt freilich bei Vater und Sohn gleich stark hervor. Man hat sie bei dem Soldatenkönig aus Unkultur, bei seinem großen Sahne aus Mißachtung erklärt. In Wahrheit war sie bei beiden die Folge ihrer französischen Erziehung, wie sie an den damaligen Höfen Brauch war; dem das Französische, die Sprache der Gebildeten jener Zeit, war auch die erste gewesen, die beide gelernt hatten, sozusagen ihre Muttersprache. So entstand bei beiden eine Verkümmerung des deutschen Sprachgefühls, die sich leicht nachweisen läßt. So deutsch der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I.jn seinem Empfinden wie in seiner Lebensart war, in der Hast des Sprechens und Schreibens, besonders in der Erregung, stellten sich ihm doch immer die französischen Worte als die ursprünglicheren ein, und so entstand jenes Mischmasch von Deutsch und Französisch wie in seinem bekannten Ausspruch: „Ich staiuire die Souverainete wie in einem Rocher von Bronze". Es ist einfach nicht wahr, daß die deutsche Sprache selbst damals noch zu unentwickelt und ausdrucksarm war. Die entsprechenden deutschen Ausdrücke waren häufig vorhanden und rourben sowohl von Friedrich Wilhelm I. wir von seinem Sohne und von anderen Zeitgenossen neben der französischen gebraucht (so in unserem Briefwechsel neben „soulagieren" das deutsche „tiebetn", neben „Chimären", „Grillen" ilsw.). Und ein Blick auf das damalige deutsche Schrifttum, besonders nur das Kirchenlied seit Paul Gerhardt oder auf das Volkslied, aber auch auf die Kunstlyrik Günthers, die deutschen Schriften und Briefe van Leibnitz, selbst auf die Dichtungen der preußischen Hofpoeten Canitz und Besser, ja sogar auf das Brief- und Aktendeutsch jener Zeit (ich nenne nur Graf Seckendorfs oder Graf Truchseß zu Waldburg, die sich ihr deutsches Sprachgefühl bewahrt hatten), zeigt zur Genüge, welche Gesiihlsweite und Ausdrucksfähigkeit, ja Geschmeidigkeit die deutsche Sprache jener Zeit besaß. Ihr rascher Aufstieg über Klapstock und Lessing zu Heinse, Wieland und Goethe wäre sonst ja and) ganz unerklärlich. Es fehlte auck) keineswegs an geharnischten Protesten gegen die Verwelschung des Schrift- tnms noch NN Verspottungen des deutsch-französischen Kauderwelsches. Dem heutigen Gebildeten ist zwar nur noch die von Lessing — in der Gestalt Riccauts de la Marlinier — geläufig, aber das war nur ein später Nachhall. Schon weit früher waren die schnurrigen Reimereien des „Teutschfranzosen" Jean Chrätien Toueement (Joh. Christian Stroemer) beliebt, die 1736 gesammelt in Leipzig erschienen. Friedrich der Große muß sie noch sehr deutlich in Erinnerung gehabt haben, da er in unserem Briefwechsel bisweilen den gleichen Ton anschlägt, ohne zu merken, wie er sein eignes Deutsch damit verspottete; denn in der Tat ist zwischen ihm und diesem Kauderwelsch oft schwer eine Grenze zu ziehen. Sv schreibt er zum Scherz an Fredersdorf auf „Deutsch-französisch" (Juni 1754): „Bann so ist ein Ganter in Neapoli; . . . den mus Man Skreibe, ob er sick mit angagir vohr künftig jar, denn der Monsieur Amador mihr nit gefal; und der andere sol Sink wie ein enkel (Engel), und ich liebe was guhtes, Schleckt mihr nit geffal. Gott bewahre ihr hokwolgebor und gebe Kestmdtheit und Kräften, aut Schlafff und fil andere Kute Sack!" Aber kaum besser ist sein ernstgemeintes Deutsch, wenn er kurz darauf (6. Juli) schreibt: „Was thut der teiifet, er fitet (schicket) mihr einen Majohr mit recruhken aus bareit (Bayreuth). Da ge- höhret eine goldene Tabatiere vohr! Solle ich auch am Betel-Stap komen, so mus ich sie kaufen." Wenn der Soldatenkönig, der als deutscher Fürst' leben und sterben wollte, so wenig auf deutschen Ausdruck hielt, so erklärt sich das leicht, weil er literarisch gleichgültig war und sich erst auf seine alten Tage in Wolffs deutsche „Logik" vertiefte. Friedrich der Große dagegen, der eine so starke literarische Ader hatte, wandte sich dem Französischen zu, weil ihm dieses eine Vollendung der Form bot, die das damalkge Deutsch erst erstrebte. Da er selbst als Jüngling hübsche deutsche Verse gemacht hat, wäre es ihm bei einigem Fleiß und gutem Willen gewiß nicht schwer gefallen, auch ein gutes Deutsch zu schreiben, ja zur Fortentwicklung der deutschen Sprache selbst beizutragen, statt sie durch sei» Franzosenium zu verzögern, aber er benahm sich — er betont es selbst einmal —, wie ein Römer der ersten Kaiserzeit, der lieber griechisch als lateinisch sprach und schrieb, obwohl das lateinische Schrifttum gerade damals zur Klassizität heranreifte. Der Grund des Hebels tag jedoch, wie schon gesagt, nicht sowohl in der Unzulänglichkeit des Deutschen als in Friedrichs französischer Erziehung und Bildung. So hat er denn die deutsche Sprache nur Ungebildete» gegenüber gebraucht und sie — nach seinem eigenen Worte — „wie ein Kutscher" gesprochen. Da kommen denn auch in unserem Briefwechsel die Ausdrücke des Tabakskollegs und des Feldlagers wieder zu Ehren. Sogar der im Tabakskolleg üblige Ausdruck wie „haseliren" (Possen treiben) ober Friedrich Wilhelms Lieblingsausdruck „Wind" (nichts Solides") kehren hier wieder. Und wenn der Soldatenkönig mit dem Ausdruck „Hure" sehr freigebig war, so betitelte auch fein Sohn die Sängerinnen und Tänzerinnen feiner Oper durchweg mit diesem Kosename», die Schauspieler mit „Schurken", die Kastraten (Sopransänger) mit „Wallachen" und „Kapaunen" usw. Freilich hatte dies lockere und unruhige Völkchen mit seinen ewigen Klagen, Ge- haltsanspruchen und Drohungen seine Geduld oft genug auf eine harte Probe gestellt, und so machte sein Zorn sich in solchen Kroft- ausdrücken Lust. „Caristini, die Astrua und die gnntze Bagage ist Schelmpack", schreibt er im Februar 1754. „Ich habe einige 30 Jahr ohne Caristini gelebet und werde ohne ihn wohl »och lange leben können." Und: „Die Opern-Leute sind solche Canaillen-Bagage, daß ich sie taufend- mahl müde bin." Oder: „Eine Canaille hierherkommen zu lassen, die futft*), aber nicht sinhkt (singt), ist nicht die Mühe werht. Die alte Hure Casparini sinkt noch Quasi. Also wenn sie nicht eine ist, die was kann, so will ich sie nicht haben." (In der Tat wurde der Vertrag der Gasparini oud) auf zwei Jahre verlängert.) Aber solche Kraftausdrücke beschränkten sich nicht auf das lockere Bühnenvolk. Friedrich drohte auch, jedem Potentaten, der mit ihm anbinden wolle, „den Fuß vor den Hindern zu geben". Und von sich selbst sagt er: „Das Baden habe ich angefangen; man mus sehn, ob es möglich ist, eine alte Canaille junk zu machen." Daß er sich später selbst nicht selten mit einem „alten Affen" verglichen hat, ist bekannt. Aber auch an Fredersdorf schreibt er schon 1755: „Du kannst nicht p . . . . und ich nicht gehen, wihr Seidt alle beide nicht mehr nutz, als daß uns der Schinder holet." Hat man sich einmal an diese göttliche Grobheit gewöhnt, so wird auch ihr Humor genießbar. „Ich bin verstopft als ein Türk." „Es ist hier ein Gehuste in das Schloß, als wann 1000 Mertz- Schafe meren herein getrieben worden." Und bisweilen findet man köstliche Wendungen wie: „Ich bin accurat wie ein Thorschreiber." „Die Dosen sein arabisch dener. Ich will mit dem Juden nicht mehr handeln, er ist ein unmenschlicher Bedrieger." „Bei der Opera seindt vihle Aptequer-rechnuiigen" usw. Ein besonderes Lieblingsthema des Königs sind die Aerzte. „Du hast groß recht," schreibt er an Fredersdorf, „ daß du die Docters die Wahrheit sagst, sie seindt große Idioten." Und als er 1747 einen Schlaganfall erlitten hat: „Elert (der Leibarzt Eller) hat einen giihten Glauben, wo er meint, daß Schlachflüsse und Stein-Coliquen einen Menschen reftituiren!" Oder als Fredersdorf ihm eine Leibbinde zu tragen anrät: „Deine Binde drage Du man allein! Meine Pferde im Stal lasse ich gürten, mihr aber nicht. . . Ellert hat immer Recht! Wenn die Leute gesund! werden, so hat er es gethan, wenn sie Sterben, so ist es ihre Schuld!." Trotzdem fügt er sich den Vorschriften der Aerzte. „Sie haben," schreibt er, „wie die Turguen (Türken) mit meinem Körper gewirtschaftet; ich bin (aber) geduldig und lasse sie machen, fo närsch wie es ihnen auch einfeit." Um so unwilliger ist er über die ewigen Kurpfuschereien, mit denen sich (ein getreuer Kämmerer zugrunde richtet. Immer wieder hält er ihm traurige Beispiele von Quacksalbereien vor; selbst den Tod seines Windspiels Biche, der ihm so nahe gegangen war, muß dazu Her- Halten. „Es ist kein Schertz damit; und wenn Man einmayl toht ist, so körnt keiner, der einem wieder aufwäket. Die arme Bische mus schon toht bleiben, weil sie 10 Docters hincuriret haben. (Alk)mene sol nichts innehmen, als wie petit Hit (Molken), und fein Hunde-Doktor sol sie nicht angreifen!" Fredersdorf aber soll nur auf das hören, was ihm der Leibarzt Cothenius verschreibt. Bisweilen tut er es auch, und „Cothenius ist vergnügt wie ein Ohrwurm", wenn er den Erfolg sieht, aber alsbald läßt der Patient sich wieder von „Jdioten-Docters und alten Weibern" behandeln, sogar von des Königs „bayerscher Köchin"! Dies ewige hin und her zieht sich durch den ganzen Briefwechsel bis zu Fredersdorfs vorzeitigem Tode, aber nur ein einziges»!«! wird der König ernstlich böse und droht dem Kranken, Cothenius nicht mehr zu ihm zu schicken. Sonst begnügt er sich mit Bitten und Ermahnungen ober mit sanftem Spott, ober er droht ihm im Scherz, eine Schildwache vor seine Tür zu stellen, um den Kurpfuschern den Zutritt zu verwehren. „Sonsten frepirftu meiner Sehlen aus purem Uebermutl)". Aber alles das ist ver- *) Zur Erklärung lese man die Briefstelle Friedrich Wilhelms I. an feinen Freund, den alten Dessauer, ü6« seine Eindrücke vom Bestich in Dresden bei August dem Starken (13. Februar 1728): „Das weibliche Geschlecht comme ä Paris et Berlin: alle huren. Aber in Dresden ist es offentlichpermittiret, mit den vornehmsten fon man lauf von fuxe» rehden als hier von eyerciren." - 263 geben. „Du quackfakberft durcheinander, stöhnt Friedrich (30. Oktober 1754), „Du bist wie die Miini! Wann mann meinet, man Hilt sic feste, so [prima sie um der Architrave von der Cammer herum." Liese Wjmi, die auf dem Gesims des Zimmers herumspringt, ist Friedrichs Aefsin, die sich schon in Rheinsberg durch Unarten hervorgetan hatte. Schließlich versuchte der König, einen anderen Gang Lines Kämmerers gegen die Kurpfuscherei ins Feld zu führen, nämlich feine ebenso unausrottbare Neigung zur Alchimie. „Ich schicke DIHr," so schreibt er ihm im Juni 1754, „ein rares Eliksthr, das von Teophrastem Paratzelsio (?) komt,welches mihr und alle, die davon genomen haben, wunder gethan hat. nim nur von dießer Medecin, es leidet aber keine quackfalberein dahrnebben! sonst benimt es einem vohr sein lebe-Tage die mänlichen Kreste der liebe." Fredersdorf hatte nämlich im Dezember 1753 geheiratet, und der König hatte stinen Segen dazu gegeben: „lasse Dihr lieber heute wie morgen Trauen, man das zu deiner Flege helfen kann." Diese Fürsorge des Königs, die er auch in Kriegen und Schlachten, während seiner Inspektionsreisen und in schweren politischen Krisen nicht vergaß, ist wahrhaft rührend und zeigt unter rauher Schale ein weiches Gemüt. Einmal, als es Fredersdorf etwas bester geht (Juni 1754), feiert der König ein ausgelassenes Freudenfest. „Gestern habe ich Deine Besterung celebrirt mit 2 butteillen ungar- schen Wein. Corel hat vor Kitzeln gequipt, und nach dießer schönen yarmoni hat Matschenko seinen bären-Dantz verrichtet." Carel war ein Liebslingspage des Königs, Carl von Pirch, von dem wir in diesem Briefwechsel noch öfters hören. So heißt es einmal: „Corel hat sich die Nase durchgekratzet, ich mus im (ihm) die Forderpoten auf den Rücken binden lassen!" Und dann (August 1764): „Core! ist sehr unartig gewesen. Er thut nicht guht, wenn er viehl (Geld) hat. 4 Thaler Manothlig von Seinem Troctement sollen abgetzogen und an seinen Bather geschicket werden, und feinen Kahn soll er nicht wieder haben, bis er vernünftig wirbt." Die Folge dieser Gehaltskürzung (er bekam monatlich im ganzen 10 Taler) und der Entziehung seines Kahnes war sehr heilsam, denn alsbald heißt es: „Jetzunder ist er ziemlich artig." Und er hat sich mit dem schwarzen Windspiel des Königs ongefreundet. „Corel Hot Schwesternschaft mit die (Alk)mene gemacht, er heißet (jetzt) die weiße (Alkmonn." Man kann sich die Balgereien dieses lebensfrischen Jungen mit dem Windspiel leicht ausmolen. Der Menschenverächter Friedrich, der wie Schopenhauer ein großer Hundefreund war, stellte diese beiden Noturwesen auf eine Stufe. „Die Schwartze neue löstet Dihr grüßen," Ehreibt er an Fredersdorf, „und die weiße leichtfertige Bestie überringet Dihr diehes." Mit Corel trieb der König denn auch allerlei Kurzweil, wie mit seinen Hunden. „Corel Hot vom April gesprochen," heißt es im März 1755, „er ist ober noch nicht in (den) April ge- schicket (worden). Mnche (Du) ihn nur wieß, die Fröhlen Fitzthum (eine Hofdome v. Bitztum) hotte einen Heiroths-Contrakt von ihm und hätte einen Brief an Dihr geschickt, wie sie daraus bestünde, ihm zu heiraten." Weniger schön sind andere Scherze, die der König mit dem fünfzehnjährigen Pagen trieb; sie sind nur im Rahmen einer groben und zugleich frivolen Zeit zu begreifen. „Corel Hot einen Ausschlag ins Gesichte," schreibt Friedrich im August 1755; „ich habe ihm gesagt, es wären die Frantzosen (die Lues) von der Fräulein Fitzthum." Und der Scherz geht noch weiter: „Ich sage (ihm), er so! 6 Wochen in der Cofterole (ins Spital für venerische Kranke), er ist bange davohr." Andere Intimitäten, die dieser Briefwechsel verrät, sind erfreulicher. Bekanntlich war der König ein großer Obstsreund und bezahlte im Warmhaus gezogene Kirschen bis zu einem Taler das Stück. Fredersdorf gegenüber klagt er sich selbst dieser kostspieligen Feinschmeckerei an. „Du wirst schmälern", schreibt er im April 1754, „daß gestern für 150 Thaler Kirschen gegessen worden; ich werde mir eine liederliche Reputation machen." Ein andermal freilich versichert er ihm, „daß unser fräs (Fraß) nicht kostbahr, aber nuhr belicot ist." Im ganzen traf das auch durchaus zu, denn die königliche Tafel durfte im Durchschnitt nicht mehr kosten als unter seinem Vater, nämlich 32 Taler; allerdings war die Zahl der Tischgäste wohl stets geringer. Nur bei besonderen Gelegenheiten — Revueessen oder fürstlichen Besuchen — wurden größere Summen für das „Fressen" ausgegeben, aber bas war jo ouch schon beim Soldoten- könig Brauch gewesen. Ueberhaupt zeigt gerade dieser Briefwechsel, wie wenig Friedrich sich von der haushälterischen Lebensweise seines Vaters entfernte. Gleich ihm sah er selbst die Küchenrechnungen Hur Erbprinzen von Braunschweig) eine Uhr mit Diamanten schenken; „die Preise müssen aber gleich sein, sonsten mache ich Jalousie". Sa geschah es denn auch, aber der König stöhnte: „Ich glaube, wenn ich eine ganze Boutique hüte, in einer Viertelstunde würde ich sie loß!" Eine besondere Ueberraschung dieses Briefwechsels, daß Friedrich 'sich im Herbst 1753 durch seinen „leichtgläubigen" Kämmerer einige Wochen in den Bann der 'Alchimie ziehen ließ, ist hier schon (22. Jtlni, Nr. 50) gebührend dorgestellt worden. Der König setzte sich über den Fehlschlag dieser Wahnhoffnungen mit Humor hinweg, wogegen fein leichtgläubiger Kämmerer bis zuletzt im Banne der Alchimisten und der Kurpfuscher geblieben ist. Beide hoben seine Börse und seine Gesundheit ruiniert, und die Aufregungen des Siebenjährigen Krieges vollendeten ihr Werk. Der König hatte fein Möglichstes getan, um ihm dies traurige Ende zu ersparen. Schon 1753 hatte er ihm geschrieben: „Charlotans (Kurpfuscher) und Goldt- mocher werden Dich utnbs Leben bringen. Wenn die leute Dein Geld haben wollen, pardonnire ich, aber daß Dich einer einmal umbs Leben bringen wirbt, ist gewiß und kon fast nicht fehlen. Luhe bann, was Du willst, gehet es ober schif, so ist keiner als Du alleine Schnlbt daran." Saum und Schaum. Von Alfons P a q u e t. Die Meere sind nicht weniger verschieden als die Länder. Schon Nordsee und Ostsee unterscheiden sich voneinander. Die Ostsee mit ihrer schwachen Dünung und ihrem beinah gleichmäßigen Wellenschlag ist mild. Sie Natur der Nordsee ist schroff, rauh, fast alpin. Das offene Weltmeer mit seinen leeren majestätischen Glanzflächen endet immer an andere Küsten. Sie dünne Brandungswelle, die unermüdbar, schaumweih und unersättlich an den Festländern entlangläuft, erstirbt als ein weicher, zerflockter Schaum an Flächen unendlich fein gemahlenen Sandes, oder sie wirft die Grenzmarke ihrer Nasse brüllend an hochgereckten Felsen empor. Mit den abstürzenden, unerste,g- lichen, unterhöhlten, durch Klüfte gespaltenen Küsten von Norwegen, Schottland oder Cornwall wechseln die sanften Senken, auf denen an windigen Sommertagen das bunte, leichtbewegte Treiben der Menschen wie ein Spiel der Mücken ist. Die feuchte Sandfläche bietet sich den nackten Füßen, den gelagerten, gebräunten Leibern im Duft des beglänzten Wassers. Nur die Karte macht den ewigen Umriß des Meeres klein und vorstellbar. Seine stets gekräuselte, haarscharfe Grenzlinie legt um die Länder den ewig schwankenden, zitternden und blinkenden stellt. r selbst in solchen Ausgaben, die eine reine Denkleistung zu vergangen scheinen, stecken bei iräherem Zusehen bedenkliche Biel- deutlgkeiten. Beliebt ist vielmehr das Vorlege:: enws Sachver- ’*?. .mehrere Gegenstände durch gleichartige Relationen ver- knupft smd, die Versuchsperson bei diesen Relationen zu erfassen. In «lngeklekdeter Form lautet die Aufgabe etwa: „Hans ist älter al» Grete, Fritz ist jünger als Anna, Karl ist ebenso alt wie Grete, aber alter als Anna" uff. Dann fragt man: „Ist Hans älter oder jünger als Anna? Ist Fritz älter oder jünger als Karl?" uff. Diese Aus- . kann ungewöhnlich schwer werden, wenn man sich wirklich die begrifflichen Beziehungen zwischen den einzelnen Individuen, eben die Altersunterschiede, zu deirken sucht. Sie wird dagegen fpielend leicht, wenn man sich möglichst nichts dabei zu denken sucht, sondern mechanisch die Reihe der abnehmenden Altersstufen festhäli: Hans, Grete, Karl, Anna, Fritz. Dann kann man von dieser Reihe ohne jedes Denken die gewünschten Altersverhältnisse ablesen, und auch noch viel längere Reihen, als dieses Bruchstück durch eine mechanische Godächtnisleistung „meistern". Ich frage: Ist eins Aufgabe, die ich nur dann lösen kann, wenn ich mir nichts dabei „denke", wirklich eine Jntelligenzprüfung? Sie ist bestenfalls eine Prüfung des un-. Mittelbaren Behaltens. Sowie ich den Bleistift zur Hand nehme, und mir auch nur ein paar fragmentarische Stützen für das mittelbare Behalten auf das Papier male, ist jede Schwierigkeit behoben. Das Gedankliche an dieser Arbeit ist gleich Null, es bestehl überhaupt keine Schwierigkeit. Nur daraus entsteht die Schwierigkeit, daß ich sie in: Kopfe lösen muß. Wie aber diese Fähigkeit mit der Intelligenz zusammenhängt, ist eine schwere Frage. Nicht die Leute, die am besten im Kopf rechnen konnten, wäre,: auch die tiefsinnigsten Mathematiker. Damit erhebt sich die Kernfrage: Läßt sich überhaupt die Intelligenz solcher Teilfunktionen aufbauen? Die Psychologie antwortet darauf nicht mit einem glatten Nein. Es ist durchaus sinnvoll, solche Teilfunktionen zu bestimmen und einer Messuirg zu unterwerfen, die der Leistung der Intelligenz nahestehen, und niemand wird es in Abrede stellen können, daß in diefem Zusammenhang die Aufmerksamkeit mit ihrer Ausdauer und Konzentration gehört, die Kombination, das Gedächtnis. Aber diese Funktionen treten nicht etwa zusammen, wie die Teile eines Gerüstes, die nun fast automatisch eine bestimmte Last des geistigen Geschehens zu tragen vermöchten, sondern das Entscheidende ist stets eine aus diesen Einzelheiten nicht ableitbare, seelische Gesamthaltung. Ich kann mir wohl denken, daß ein Mensch bei manchen der üblichen Proben der Jntelligenzprüfung versagt, auf dem einfachen Grunde, weil er auf die hier geforderten Leistungen einer mechanischen Intelligenz nicht anspricht, und daß er doch in den wahren gedanklichen Leistungen gigantisch hinausragt über jenen Geistern, die mit schnellen Antworten sich an diesen einfachen Aufgaben tummeln. Man mißverstehe mich nicht! Ich behaupte keineswegs, daß etwa das Versagen in solchen Jntelligenzprüfungen den Adelsbrief ausstelle für die Zugehörigkeit zu jener Sphäre; sondern es kommt darauf an, diese Proben durch solche zu ergänzen, an denen sich ein wirkliches gedankliches Erleben entzünden kann. Dies hat die Psychologie oanz unabhängig von den praktischen Aufgaben einer Jntelligenzmessung getan, als sie den Vorgang des Denkens dem Experiment unterwarf. Man hat das bittere Wort ausgesprochen, daß in Deutschland eigentlich der eine Teil der Menschen immer bemüht sei, den andexen zu prüfen. Mit dem „Autotest" kann es nun sogar jeder für sich allein. Aber die Sache ist keineswegs scherzhaft. Es ist nicht nur das gute Recht, es ist vielmehr die Pflicht einer jeden Fähigkeitsfest- stellung, keinerlei erworbenes Wissen vorauszusetzen. Aber die Bewunderung der Fähigkeit soll uns nicht abblenden gegen den Wert solcher Lebensformen, die erst aus deren Betätigung erwachsen. Gegen die bloße Fähigkeit drängt man den Wert des'Wissens und Könnens, allgemeiner den der Bildung zurück. Wir wollen nicht die Mahnung einer alten Inschrift vergessen: Meister ist, wer was ersann, Geselle ist, wer was kann, Lehrling aber jedermann. tzchristleitung: Dr. Friedr. Wilh.'Länge. —'Druck und Verlag Ser Drühl'sch'en Äniv'.'-BvA- und SteindruckÄei. R.'Lange, Gießen.