Gießener zamilienblatter Unterhaltungsbeilage zmn (Siebener Anzeiger Jahrgang (926 Samstag, den |5. März Nummer 1\ Aus Der Kindheit her . . . Von Hermann Hesse. Aus der Kindheit her Weht ein Klang mir nach. Der mir einst die Seligkeit versprach. Ohne ihn wär Leben viel zu schwör! Tönt sein Zauber nicht, Steh ich ohne Acht, Sehe Angst und Dunkel rings umher. Aber immer wieder durch das Leid, Das ich mir erwarb, Klingt der süße«Ton voll Seligkeit, Den kein Weh und keine Schuld verdarb. Liebe Stimme du, Licht in meinem Haus, Lösche niemals wieder aus. Tu die Gottesaugen niemals zu — Sonst verliert die Welt Allen holden Schein, Stern um Sternlein fällt Tlnd ich steh allein. Samuel Heinzerliugs Sohn. Don Richard Wagner. Wer ist Samuel Heinzerling? — Gr ist nicht mehr, er war einmal. Aber er lebt weiter in Ernst Ecksteins bekanntester Humoreske „Der Besuch im Karzer". Samuel Heinzerling war einst Gymnasialdirektor zu Gießen. Aach Ernst Eckstein hatte Samuel Heinzerling seine eigene Sprache. Gr sprach das „i“ wie „ä", das „u" wie „o“ und das „ft“ wie „ö" aus. Er besaß zwei Töchter, wenn ich nicht irre, Thusnelda und Isolde, die keineswegs so schön und stattlich waren wie ihre Aamen, denn nach Ernst Eckstein pflegte Samuel Heinzerling zu sagen: „Hat däser ongebäldete Quattler, mein Pedell, eine Tochter, dä es an bezauberndem Läbveiz mät der schönen Helena auf nehmen könnte, während meinen Töchtern Thosnelda und Aesolde trotz meinet klassäschen Däldong jede klassäsche Anmot mangelt." — Samuel Heinzerling hatte aber auch einen Sohn, Arminius Heinzerling, der von Ernst Eckstein nicht erwähnt wird. Arminius war nicht nur das leibhaftige Ebenbild seines Vaters, sondern er sprach auch dessen eigenartige Sprache. Er war sozusagen im Gymnasium ausgewachsen, hatte unter seines Vaters Obhut in Gießen Lateinisch und Griechisch studiert und kehrte als Gymnasiallehrer wieder in das Gymnasium zurück. Sein Geist hatte die Mauern des Gymnasiums niemals überschritten, lebte nicht in Deutschland. sondern im alten Rom und in Griechenland Die lateinische und die griechische Grammatik waren seine Welt. Er steckte darin wie in einem Gefängnis, sogar lebenslänglich; denn er hat es nie verlassen. Als ich in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Dünke des Gymnasiums drückte, war Dr. Arminius Heinzer« li-ng Oberlehrer am Gymnasium zu Büdingen. Trotz seinen fftnfunddveißig Jahren hatte er noch keine Lebensgefährtin gesunden. Seine Schwestern Thusnelda und Isolde führten ihm den Haushalt. Dr. Arminius Heinzerling war, wie alle großen Geister, von kleiner Gestalt, hatte sich aber ein niedliches Bäuchlem zugelegt. um in der Breite zu ersetzen, was ihm an Länge abging. Ilm feilte zierlichen Füßchen und seine zarten, kleinen, fetten, griibigen Händchen hätten ihn die Hareinsdamen eines Sultans beneiden können, weniger um seine sonstigen Schönheiten. Sein Köpfchen, das in der appetttlichen Farbe eines speckigen Haspels strahlte, glich einer aufgequollenen großen Erbse. Zwischen kugel- Tunben ©IcrnalkicBen, bte ein wter Ärchifclvoinxitt unrragntte. sah ein winziges, kugelrundes Aäschen. Seinen kugelrunden, rosigen stets schweißprrlenden Schädel bedeckten spärliche, rotblonde Löckchen, die ihm auf der Haut klebten tote die Flaumhaare eines von der Hebamme frifchgewaschenen Säuglings. Dom Vollbart abgesehen, waren Thusnelda und Isolde des Bruders Ebenbilder, nur noch etwas kleiner, dicker und alter. Außerdem gehörte zum Haushalte ein alter, grauhaariger, zahnloser, vom Vater ererbter Pintscher, der auf den Flamen »Butz getauft war, aber von Samuel Heinzerlings Sohn „Botz gerufen wurde. Man glaube nun aber nicht, daß ich über Dr. ArminiuS Heinzerling spotten will. 3m Gegenteil,, Arminius war ein Wustermensch und ein Musterlehrer. Er hat ganz sicher feinem Vater niemals den geringsten Kummer bereitet und wissentlich niemals die kleinste Sünde begangen. Sein Herz war auch gut und rein, sein Gerechtigkeitssinn über jeden Zweifel erhaben. Er schätzte seine Schüler nur nach Fleiß, Aufmerksamkeit und Leistungen. Jede persönliche Bevorzugung eines Schülers lag ihm fern. Jedem Abiturienten gab er beim Abschiedsbesuche die Worte mit auf den Weg: „Vergässen Sä dä grächäsche Gram- matäk nächt, sä ward Aehnen ein goter Wegweiser auf der Bahn des Lebens sein." Aur eine einzige Schwäche sagte man Arminius Heinzerling nach. Sein Erholungsspaziergang führte ihn stets noch dem nahen Dorfe Büches, vielmehr „Boches", wie er in der väterlichen Sprache sagte. Dort leerte er mutterseelenallein eins ansehnliche Batterie Bierflaschen, um in stiller Macht einsam und allein den Heimweg anzutreten. Dabei will einst ein Gymnasiast gesehen haben, daß Arminius alle paar Schritte auf der mond- beschienenen Landstraße mit seinen kleinen Beinchen einen allerliebsten Hopser machte. Er hatte offenbar die Schatten der Ehauseebäume für Gräben gehalten, was bei seiner großen Kurzsichtigkeit leicht begreiflich war. Nähere Bekanntschaft pflog Dr. Arminius Heinzerling in Büdingen nur mit einem einzigen Gymnasiallehrer, dem kleinen Dr. Kritz, der mich eine zeitlang in Kost und Logis hatte. Dr. Kritz schloß sich wohl nur deshalb an den schweigsamen Arminius an, weil dieser nicht viel größer war, und Dr. Arminius ließ sich die Begleitung des kleinen Kritz gerne gefallen, weil er keinen anderen erwachsenen Menschen in Büdingen gefimöen hätte, den er an Körpergröße um einige Zoll überragte. Dr. Kritz war ein großer Gartenfreund und besaß einen herrlichen Hausgarten, in dem er von Zeit zu Zeit seinen Freund herumfuhrte, um von diesem die selbstgeziichteten Blumen, Spargel, Stachelbeeren und Weintrauben bewundern zu lassen. Dabei mußte er sich leider nur zu oft über Dr. Heinzerlings Verständnis- losigkeit ärgern; denn in der griechischen Grammatik stand nichts von Gartenbau und Blumenzucht. Einmal zeigte Dr. Kritz seinem Freunde als besondere Merkwürdigkeit einen Flieder bäum, der nur Blüten und keine Blätter trüge. Statt die Sehenswürdigkeit gebührend zu bewundern, sagte aber Dr. Arminius, den Baum einer gewissenhaften Prüfung unterziehend, mit kritischem Lächeln: „Es stämmt doch nächt ganz. Da sehe äch ein kleines Blättchen ond här noch eins." Aergerlich konnte sich Dr. Kritz der Bemerkung nicht enthalten: „Sie sind aber doch der richtige Schulmeister, wie er im Buche steht." Schlagfertig erwiderte Dr. Arminius: „Erstens sänd Sä selbst ein Scholmeister. Zweitens äst es keine Schande, sondern ein Vorzog, ein rächtäger Scholmeister zo sein. Drättens äst es dä Pftächt eines rächtägen Scholmeisters, keinen Fehler dorchgehen zv lassen." Beinahe wäre es zum Bruche zwischen den beiden kleinen Schulmeistern gekommen, zumal Dr. Arminius noch ein drittes Blättchen an dem angeblich blätterlosen Fliederbaum entdeckte. Die gefährdete Freundschaft renkte sich indessen bald wieder ein, und Dr. Heinzerling genaß auch weiterhin die große Auszeichnung, von Dr. Kritz zum Wellfleischeffen eingeladen zu werden. Dr. Kritz schlachtete im Winter zwei Schweine. Zum Well- fleischessen erschienen nur zwei Gäste: Machbar Wertheimer, der fürstlich Blsnburgifche Hofbankier, und Dr. Arminius Heinzerling. Wertheimer war ein freiderckender und unterhaltendes Mann. Er erzählte die gewagtesten Schnurren, woimt er zwar nicht die Zöglinge des Dr. Kritz, wohl aber den keuschen Arminius aus einem Erröten ins andere trieb. Als Wertheimer gar noch meinte, er esse Wellfleisch so gern, daß er, wenn er nicht Vorsteher der israelitischen Gemeinde Ware, selbst alljährlich zwei Schweine schlachten würde, schämte sich der g«vissen- haste Arminius in seiner eigenen Seele für den gottlosen Bankier. Das hielt aber Heinzerling nicht ab, den settriefenden Bissen auo Ehre anzutun. — „Meine Relägärm erlaubt mär das, bemerkte er mit offensichtlicher Befriedigung. . „ Dr. Arminius Heinzerling besaß nicht nur ein reines Herz, sondern auch ein dankbares Gemüt. Einst stlhrte er seine Klasse durch dem wunderbaren Bftdinger Wald nach GelnhMsen„ wo er in den Ruinen der Darbarossaburg ein großes geschichtliche» Examen abhielt und sogar Moten austeilte, die er Wam tn fein Notizbuch eintrug. 3m Berggarten „Zur Hoffnung wurde dann ein solenner Frühschoppen eingenommen bei dem die KlaKe dem Pintscher „Botz", der den Ausflug mitgemacht hatte. 82 — Ni Derücksichtigu»^ seiner Zahnlosigkeit eine Portion Gehacktes spendete. Ms Botz sein Gehacktes nut großem Wohlgefallen aufgeleckt, erhob sich Dr. Heinzerling, um mit vor Rührung leise bebender Stimme eine Dankrede zu halten: „Sä Mässen nächt," sagte er, „ton Sä mach mät der reich- lüchen Bewertung meines Botz geröhrt haben. Botz äst mär noch mehr an das Herz gewachsen, als es dem Odösfeus sein treuer Hond war, der ähn nach zwnnzägjähräger Abwesenheit än Bettlergestalt wädererkaimte. Botz äst ein Dermächtnäs meines selägen Vaters. Aech betrachte deshalb dä Wohltat, bä Sä meinen: Botz erwäsen haben, nächt nor als inär selbst, sondern auch als ineinenr Vater erwäsen imb sage Aehnrä härinät än meinem ond än meines selägen Vaters Rmnen meinen ännäasten Dank for dä schöne Portäon Gehacktes. Möge däses Gehackte, das Botz verschlänge::, dä Bmrde, dä Schöler ond Lehrer vm- schläirgra, noch enger schlängen." Rur einmal tret Dr. Heinzerling aus dem Burgfrieden der Schule in den Sturn: der Oeffentlichkeit. Es war im Januar 1887 bet der Reichstagswahl. Für die vereinigten Konservativen und Rationalliberalen kandidierte der spätere Finanzminister Dr. Miquel, der damals Oberbürgermeister von Frankfurt war, für die Dentschfreisinnigen ein Major a. D. Hinze. In Büdingen waren die Deanrten miquelisch, die Bürger hinzisch gesinnt. In: Rathaussaale hatte Hinze gesprocheir. Niemand wagte, oem gewandten Redner entgegsnzutreten. Da meldete sich gum Erstaunen aller Anwesenden, namentlich der Ghmnasialkchrer, Dr. Arminius Heinzerling znm Wort, erstieg die Rednerbühne und begann also: .„Männer Dödängens!" ,, »Meine Herren heißts. Erwrner mit'm Echullneisterche!" erscholl s bei den Deutschfreisinnigen. Klingel des Vorsitzenden. „Manner Dödängens!" begann Dr. Heii^erling zun: zweiten niale. „Warom soll äch nächt Männer sagen? Erstens kann es kerne Schande sör Männer sein, wenn sä als Männer anaeredet werden. „Sehr gut" — bei den Rationalliberalen. „Zweitens nem: äch Sä Qltänner, weil auch Per-äkles än se:ner beröhmten Leichenrede dieAtherrer nrät Mämrer anredet." „Peräkles? Was is des vor en Kerl?" hieß es bei den Deu tschfrers i nnigen. „Ron," rief Heinzerling, in gelinde Wut geratend, „wenn Sa nacht wässen, wer Peräkles äst, können Sä mach wärkläch dauern. .So « Frechheit! Erunner mit’m Schulmeisterche!" rief es ber den Deutschfreisinnigen. „Deden lassen!" bei den Rationalliberalen. „Männer Dödängens!" fchr Dr. Heinzerling fort, „äch bän konservativ bäs auf dä Knochen." „Da fin Se was rechts!" bei de:: Deutschfreisinnigen. „Ja," ereiferte sich Dr. Heinzerling, „äch bän konservativ. Kennen Sä Thoködädäs?" „Kää Ahnung!" bei de:: Deutschfreisinnigen. „Ron, wenn Sä nächt einmal ThoKdädäs kennen, dann sand Sä was rechts. Thokvdädäs war konservatäv ond hält es mät dem konvervatäven Staatsmann Räkäas. Aech bän kvn- servatäv wä Räkäas ond nächt ein Demokrat wä der ©erber Kleon ond här Herr Major Hänze." „Erunner mit’m Schulmeisterche!" bei den Deutschireisinni- ge::. „Redei: lassen!" bei den Rationalliberalen. Klingel des Vorsitzenden. --- Dr. Heinzerling wischte sich den perlenden Schweiß vor der Sttrne und begann noch einmal: „Männer Dödängens! Gemeine Dande..." „Was, gemeine Dm:de nennt er uns?" grollte es bei den Deutschfreisinnigen. „Erunner mit’m Schulmeisterche!" Die Klingel des Vorsitzenden vermochte kaum noch den Larn: zu übertönen. Dr-, Arminius Heinzerling lächelte verlegen und winkte beschwichtigend mit seinen zierlichen, fetten, grübigen Händchen. -Er »m: Sturm war nicht mehr zu besänfttgen. Mißmutig um 'ich bückend, stieg Heinzerling von der Rednerbühne, flüsterte :mt dem Dorsitzenden und verlieh puterrot vor Scham und @nt» rüfttmg mit kurzen, trippelnden Schritten den Saal. Die Erregung der Derfammlung legte sich. Der Vorsitzende kam endlich zu Wort: „Jin Ramen des Herrn Oberlehrers Dr. Heinzerling habe ich die Erklärung abzugeben, daß ein bedauerliches Mißverständnis obwaltet. Herr Dr. Heinzerling wollte seine polittschen Gegner nicht als gemeine Bande bezeichnen, sondern nur sagen: „Männer Büdingens! Gemeine — das heißt gemeinsame — Bande der Vaterlandsliebe verknüpfen ims". Leider wurde es ihm durch den allgemeinen Lärm unmöglich gemacht, den begonnenen Satz zu Ende zu führen. — Dr. Arminius Heinzerling hat sich seitdem nicht wieder in d:e Politik gemischt. Zum Schluß muß ich leider noch feststellsn, daß Dr. Heinzerling zu Ostern 1887 beinahe das Opfer eines Attentats geworden wäre. Mein Freund Wolf war Bei der Versetzung wm Unterprima noch Oberprßna hocken geblieben, weil ihn: ;-:r- Heinzerling verdientermaßen in Lateinisch und Griechisch i:e Rote „ungenügend" gegeben hatte. Wolf brütete Rache und warf spät abends dem harnrlos«: Arminius durch das geschlossene Fenster des erleuchteten Studierzimmers einen schweren Pflasterstein auf den Schreibtisch. Glücklicherweise zerschmetterte der Stein nicht des Doktors gelehrtes Haupt, sondern nur die halbgeleerte Bierflasche, die auf dem Tische stand. Der Amt«. Mwalt vermutete schon ein polittsches Attentat der Büdingen Demokraten. Als er jedoch erfuhr, daß es sich nur um den Streich eines gut konservattven Schülers handelte, der sogar Pfarrer werden wollte, legte er die Sache gütlich bei. Rur um Verzeihung bitten sollte der Attentäter den Oberlehrer. Woks erschien denn auch demüttg und zerknirscht bei Dr. Ar:niniuS Heinzerling. „Mät was kann äch Aehne dänen?" „Herr Doktor, inbetreff des Pflastersteins bitte ich um Verzeihung, ich Habs nicht gerne getan." „Ron, wenn Säs nächt gerne getan haben, wäll äch. Aehnen verzeihen ond es — nehmen Säs mär nächt öbel — Mehrer Doknmheit zogote halten." Die VerMngungZlehre. Von Prof. Dr. K a r l W a g n e r. Die kürzlich gemeldeten neuen Erfolge der SteinachscheN Experimente lassen es angebracht erscheinen, sich einmal über de:: gegenwärtigen Stand der Bsrjüngungslehre Rechenschaft abzulegen. Es sind jetzt fünf Jahre her, seitdem Steinach seine so berühmt gewordenen Berjüngungsversuche an Ratten veröffentlicht hat. Wie alle epochalen Entdeckungen, so sind auch diese den: Schicksal, zuerst ganz ungeheuer überschätzt, dann als direkter Schwindel i:rs Lächerliche gezogen zu werden, um schließlich mit Einschränkungen anerkannt zu werben, nicht entgangen. Die Voraussetzungen, von denen Steinach bei seinen Versuchen ausging, waren in Kürze folgende: Das Altern und der Tod der Organismen steht im Zusammenhänge mit dem Auf» hören der geschlechtlichen Tätigkeit, da nun die Geschlechtsdrüsen dem Blutkreislauf bestimmte, wichtige Stoffe zuführen, die im Alter versiegen, so muß es möglich fein, die Alterserschrinungen gu bekämpfen, falls es gelingt, dem alternden Körper diese Stoffe immer wiedex zuzuführen. Steinach führte seine bekannten Experimente an Ratten durch, die etwa 27 Monate alt werden, worauf sie an Altersschwäche sterben. Im Mter von etwa 22 Monaten lassen sich die ersten Anzeichen des Mterns feststellen, — bei 24 Monaten setzen nun die ersten Versuche ein. Es gelang Steinach, die Tiere durch Beibringung 'der erwähnten Stoffe (die er von jüngeren Tieren nahm), tatsächlich zu verjüngen; die Alterserscheinungei: blieben stehen, un& gingen sogar zurück. Es gelang Steinach nach feinen' Angaben, 'das Sebra ber behandelten Tiere bis auf 40 Monade zu verlängern, dann gingen sie auffallend rasch ein. Ermutigt durch diese Erfolge haben sich Steinach und seine Mitarbeiter dann auch an den Mräschen herangemacht, und hier ist der Punkt, an dem vor allem die Krittk einsetzte; seine Arbeiten fanden, soweit sie den Menschen betreffen, von vielen Seiten schroffe Ablehnung, und die Erfolge müssen auch zum mindesten als sehr wechselnd angesehen werden. Die Kritik bezweifelte, daß es sich überhaupt um eine Verjüngung beim Menschen handele, eine solche fei auf die Steinachsche Methode überhaupt nicht zu erreichen. Das Alter wird ja nicht nur verursacht durch Aushören der Tättgkeit der Geschlechtsdrüsen (Kastraten müßten dann ganz besonders schnell altern), sondern es spielen noch zahlreiche Momente mit herein (so die Arterienverkalkung z. D.). Ferner bezweifelte man, daß ein dauerndes Funktionieren der verpflanzten Drüse möglich sei, — tatsächlich bleibt sie im besten Falle nur ein Jahr am Leben: sie wird als körperfremd aufgezehrt. Im Leben der Ratten und anderer kurzlebiger Tiere ist dieser Zeitraum ein enormer, er bedeutet 30 Prozent des Lebens. Anders ist es ja beim Menschen, — hier würde es sich um eine ganz minimale Lebensverlängerung handeln. Was haben nun die letzten fünf Jahre Neues über biefeS Thema gebracht? und in wie weit sind die Arbeiten Steinachs bestättgt worden? Es ist zu begrüßen, daß die Arbeiten Steinachs in aller„ Herren Länder ausgenommen worden sind, denn es ist von größter Bedeutung, das Wertvolle ein für allemal sicherzustellen. Zu einen: nicht geringen Teile sind die Befunde Steinachs — wenigstens soweit es sich um Tiere handelt — bestätigt worden, ja sogar erweitert worden; eine Verjüngung ist bei ihnen möglich, und nicht einmal schwer auszuführen, eine Lebensverlängerung ist dagegen nicht mit Sicherheit nachgewiesen. (Einige Versuche sprechen sogar dagegen.) Das Gehirn nämlich eines der wichtigsten Organe, scheint der Verjüngung nicht zugänglich zu sein. Es wäre wohl besser, von einer Deilverjüngung, statt von einer Verjüngung zu sprechen. In erster Linie sind hier die wichtigen Arbeiten des Königsberger Gelehrten Harms zu erwähnen. Er, der schon im Jahre 1914 die ersten positiven Derjüngungsversuche an Meerschweinchen ausgeführt hat, und nur wegen mangelnder Reklame wenig Beachtung sand — berichtet über großangelegte Versuche an alternden Hunden. Er benutzte dieselben Methoden, wie Steinach (.Uebertragung von Hodenfragmenten oder äinterbindung des Hodraausfiihrungsganges) und erzielte recht beachtliche Erfolge. 88 Die Alterserscheinungen fittb ja jedem HundÄiebhaber bo> tarntt: Sie Siete werden träge und mürrisch, ihre Sinnesschärfe läßt überall nach, die Haare sollen aus, die Sauberkeit läßt zu vkmschen übrig, usw. Harms operierte feine Hunde (es waren neun Fälle) im Älter vmr etwa 15 Jahren — im Aller von 17 Jahren gehen die Hunde meist an Altersschwäche zugrunde — und formte ein fast vollkommenes Verschwinden der Alters- «scheinungen feftfteEfett Jagdhunde konnten toteber zur Jagd benutzt werden, und waren fvrtpflanzungsfähig, die Haare wuchst« wieder, die Zähne wurden wieder fest; die Hunde waren eben wieder jung geworden. Leider aber nutzte dies alles nichts; tm Alter von 17 Jähren starben die Hunde plötzlich ohne vorher wieder zu altern. Das heißt also, eine Lebensverlängerung konnte nicht erzielt werden. Der Grund liegt, wie Harms wohl mit Recht amnimmt, darin, daß die zugrunde gegangenen Nervenzellen nicht wieder ersetzt werden formten, was von ihnen einmal abgestorben ist, bleibt es. Sie habert im Gegensatz zu sämtlichen übrigen Gewebezellen bereits in frühester Jugend ihre Teilungsfähigkeit verloren, das Wirbeltier mutz mit diesen Nervenzellen sein ganzes Leben haushalten. Es ist allerdings sehr wahrscheinlich, daß ein Zugrundegehen der Nervenzellen bei den Hunden vermeidbar gewesen wäre, wenn man die „Berjüngungskur" früher begonnen hätte, schließlich mutz es ja seinen Grund haben, wenn die Nervenzellen der Ratte nur drei Jahre vorhalten, diejenigen des Papageis aber etwa 100 Jahre. Harms hat also Wohl eine Verjüngung, aber noch leine Lebensverlängerung bei seinen Hundert erzielt, — doch steht auch letzteres im Bereich des Möglichen. Weiter wurde Steinach durch den in Chile arbeitenden Ö. Wilhelm in erheblichem Matze bestätigt, der von 34 gelungenen Derjüngungskuren an Hunden, Ratten, sogar Menschen berichtet. Von einem ganz besonders schönen Falle berichtet Kolb in Zürich Ihm ist es gelungen, eine vierzehnjährige Ziege, die bereits seit mehreren Jahren keine Drunsterscheimrngen mehr zeigte, zu verjüngen. Sie war bereits vollkommen hinfällig, so mutzte sie vor dem Einnehmen der Nahrtmg aufgerichtet werden, da sie es allein nicht konnte. Eine Menge anderer Alterserschei- mmgeit war außerdem vorhanden. Ihr wurden nun mehrere Eierstöcke junger Ziegen unter die Haut verpflanzt. Nach kurzer Zeit besserte sich ihr Zustand, die Brunst trat ein, und später warf sie auch noch ein vollkommen normales Junge, das sie auch ernährte. Anders liegt die Sache beim Menschen. Auf diesem Gebiete arbeitet bekanntlich Woronow, dessen Affenexperimente erst kürz- llch viel besprochen wurden. Woronow (Paris) verpflanzte Hodenfragmente von jungen Affen, da solche von Menschen nur schwer zu beschaffen sind. Er konnte zwar immerhin Erfolge erzielen, jedoch liegen die Verhältnisse beim Menschen, wie schon oben gesagt wurde, erheblich komplizierter; vor allem die Arteriew- verkalkung, die zu den verbreitetsten Ursachen des Alterns beim Menschen gehört, ist kaum wieder rückgängig zu machen. Verschleiert kann das Bild der „Erfolge" noch- dadurch werden, daß die Suggestion hinzukommt, die ja nach Coue-Nancy ganz Ungeheures zu leisten imstande ist. Zusammenfassend kann man sagen, daß die Untersuchung der letzten fünf Jahre Steinach in vielen Purckten recht gegeben haben, besonders soweit Tiere in Frage stehen. Eine Verjüngung des alternden Organismus ist möglich, wenn auch eine eigentliche Lebensverlängerung noch nicht erwiesen worden ist. Spiegel, das Kätzchen. Ein Märchen von Gottfried Keller. (Fortsetzung.) Diese waren jetzt sehr bedenklich und düster; so war denn die Stunde doch nahe, wo der gute Spiegel seine Hcntt lasten sollte? Und war mit aller Klugheit gar nichts mehr zu machen? Seufzend Keg er auf das hohe Dach dessen Firste dunkel in den schönen Herbstabendhimmel emporragten. Da ging der Mond über der Stadt auf und warf seinen Schein auf die schwarzen bemoosten Hohlziegel des alten Daches, ein lieblicher Gesang tönte in Spiegels Ohren und eine schneeweitze Kätzin wandelte glänzend über einen benachbarten First weg. Sogleich vergaß Spiegel die Todesaussichten, in welchen er lebte, und ertoiöerte mit seinem schönsten Katerliede den Lobgesang der Schönen. Er eilte ihr entgegen und war bald im hitzigen Gefecht mit drei fremden Katern Begriffen, die er mutig und wild in die Flucht schlug. Dann machte er der Dame feurig und ergeben den Hof und brachte Tag und Nacht bei ihr zu, ohne an den Pineih zu denken oder im Haufe sich sehen zu lassen. Er fang wie eine Nachtigall die schönen Mondnächte hindurch, jagte hinter der weihen Geliebten her über die Dächer, durch die Gärten, und rollte mehr als einmal tm heftigen Minnespiel oder im Kampfe mit den Rivalen über hohe Dächer hinunter und fiel auf die Straße; aber nur um sich auszuraffen, das Fell zu schütteln und die wilde Jagd seiner Leidenschaften von neuem anzuheben. Stille und laute Stunden, süße Gefühle und zorniger Streit, anmutiges Zwiegespräch, witziger Gedankenaustausch, Ränke und Schwänke der Liebe und Eifersucht, Liebkosungen und Raufereien, die Gewalt des Glückes und die Leiden des Unsterns liehen den verliebten Spiegel nicht zu sich selbst kommen, und als die Scheibe des Mondes voll geworden, war er von allen diesen Aufregungen und Leidenschaften" so heruntergekonunen, daß er jämmerlicher, magerer und zerzauster aussah, als je. 3m selben Augenblicke rief ihm Pineih aus einem Dachtürmchen: „Spiegelchen, Spiegelchen! Wo bist du? Komin doch ein bißchen nach Haufe!" Da schied Spiegel von der weihen Freundin, welche zusrieden und kühl miauend ihrer Wege ging, und wandte sich stolz feinem Henker zu. Dieser stieg in die Küche hinunter, raschelte mit dein Kontrakt und sagte: „Komm Spiegelchen, komm Spiegelchen!" und Spiegel folgte ihm und setzte sich in der Hexeickuche trotzig vor den Meister hin in all seiner Magerkeit und Zerzaustheit. Als Herr Pineih erblickte, wie er so schmählich um seinen Gewinn gebracht war, sprang er wie besessen in die Höhe und schrie wütend: „Was seh' ich? Du Schelm, du gewissenloser Spitzbube! Was hast du mir getan?“ Außer sich vor Zorn griff er nach einem Besen und wollte Spiegelein schlagen; aber dieser krümmte den schwarzen Rücken, lieh die Haare emporstarren, dah ein fahler Schein darüber knisterte, legte die Ohren zurück, prustete und hntfelte den Alten so grimmig an, daß dieser voll Furcht und Entsetzen drei Schritt zurücksprang. Er begann zu fürchten, daß er einen Hexenmeister vor sich habe, welcher ihn foppe und mehr könne, als er felbft Ungewiß und kleinlaut sagte er: „Ist der ehrsame Herr Spiegel vielleicht vorn Handwerk? Sollte ein gelehrter Zaubermeister beliebt haben, sich in dero äußere Gestalt zu verkleiden, da er nach Gefallen über fein Leibliches gebieten und genau so beleibt werden kann, als es ihm angenehm' dünkt, nicht zu wenig und nicht zu viel, oder unversehens so mager wird, wie ein Gerippe, um dein Tode zu entschlüpfen?" Spiegel beruhigte sich wieder und sprach ehrlich: „Nein, ich bin kein Zauberer! Es ist allein die süße Gewalt der Leidenschaft, welche mich so heruntergebracht und zu meinem Vergnügen Euer Fett dahin genommen hat. Wenn wir übrigens jetzt unser Geschäft von neuem beginnen wollen, so will ich tapfer dabei sein und drein beißen! Setzt mir nur eine recht schöne und große Bratwurst vor, denn ich bin ganz erschöpft und hungrig!“ Da packte Pineih den Spiegel wütend am Kragen, sperrte ihn in den Gänfestall, der immer leer war, und schrie: „Da sieh zu, ob dir deine süße Gewalt der Leidenschaft noch einmal heraushilft und ob sie stärker ist, als die Gewalt der Hexerei und meines rechtlichen Vertrages! Jetzt heißt's: Vogel friß oder stirb!" Sogleich briet er eine lange Wurst, die so lecker duftete, daß er sich nicht enthalten konnte, selbst ein bißchen an beiden Zipfeln zu schlecken, ehe er sie durch das Gitter steckte. Spiegel fraß sie von vorn bis hinten auf, und indem er sich behaglich den Schnurrbart putzte und den Pelz leckte, sagte er zu sich selber: „Meiner Seel! es ist doch eine schöne Sache um die Liebe! Die hat mich für diesmal wieder aus der Schlinge gezogen. Jetzt will ich mich ein wenig aus ruhen und trachten, daß ich durch Beschaulichkeit und gute Nahrung wieder zu vernünftigen Gedanken komme! Alles hat seine Zeit! Heute ein bißchen Leidenschaft, morgen ein wenig Besonnenheit und Ruhe, ist jedes in seiner Weife gut. Dies Gefängnis ist gar nicht so übel und es läßt sich gewiß etwas Ersprießliches darin ausdenken!" Pineih aber nahm sich nun zusammen und bereitete alle Sage mit aller seiner Kunst solche Leckerbissen und in solch reizender Abwechselung und Zuträglichkeit, daß der gefangene Spiegel denselben nicht widerstehen formte; denn Pineihens Vorrat an freiwilligem und rechtmäßigem Katzenschmer nahm alle Tage mehr ab und drohte nächstens ganz auszugehen, und dann war der Hexer ohne dies Hauptnuttel ein geschlagener Maim. Aber der gute Hexenmeister nährte mit dem Leibe Spiegels dessen Geist immer wieder mit, und es war durchaus nicht von dieser unbequemen Zutat loszukommeit, weshalb auch seine Hexerei sich hier als lückenhaft erwies. Ws Spiegel in feinem Käfig ihm endlich fett genug dünkte, säumte er nicht länger, sondern stellte vor den Augen des aufmerksamen Katers alle Geschirre zurecht unb machte ein helles Feuer auf dem Herd, um den lang ersehnten Gewinn auszukochen. Dann wetzte er ein großes Messer, öffnete öen Kerker, zog Spiegelchen hervor, nachdem er die Küchentüre wohl verschlossen, und sagte wohlgemut: „Komm, du Sapperlöter! wir wollen dir den Kopf abschneiden vorderhand, und dann das Fell abziehen! Dieses wird eine warme Mütze für mich geben, woran ich Einfältiger noch gar nicht gedacht habe! Oder soll ich dir erst das Fell abziehen und dann den Kopf abschneiden?" — „Nein, wenn es Euch gefällig ist," sagte Spiegel demütig, „lieber Zuerst den Kovf abschneiden!" — „Hast recht, du armer Kerl!" sagte Herr Pineiß, „wir wollen dich nicht unnütz quälen! Wies was recht ist!" — „Dies ifft ein wahres Wort!" sagte Spiegel mit einem erbärmlichen Seufzer und legte das Haupt ergebungsvoll auf die Seite, „v hätt' ich doch jederzeit getan, was recht ist, und nicht eine so wichtige Sache leichtsinnig unterlassen, fo könnte ich jetzt mit besserem Gewissen sterben, beim ich sterbe gern; aber ein Unrecht erschwert mir den sonst so willkommenen Tod; denn was bietet mir das Leben? Nichts als Fttrcht, Sorge und Armut und zur Abwechftung einen Sturm verzehrender Leidenschaft, die noch schlimmer ist, als die stille zitternde Furcht!" — „Ei, welches Unecht, welche wichtige Sache?" fragte Pineiß neugierig. „Ach, was hilft das Reden jetzt noch," seufzte Spiegel, „geschehen ist geschehen und jetzt ist Reue zu spät!" —Siehst du, Sapper- menter, was für ein Sünder du bist?" sagte Pineiß, „unb wie Wohl du deinen Tod verdienst? Aber was Tausend hast du denn angestellt? Hast du mir vielleicht etwas entwendete entfremdet, verdorben ? Hast du mir ein HimmelsHreiendes Unrecht getan, von dem ich noch gar nichts weiß, ahne, vermute, du Satan? Das sind mir — 94 - schöi:e Geschichten! Gut, Ml ich noch dahinter komme! Aus ber Steile beichte mir, oder ich schinde und siede dich lebendig aus! Wirst du sprechen oder nicht?" — »Ach nein!" sagte Spiegel, wegen Euch habe ich nrir nichts vorzuwerfen. Es betrifft di« zehntausend Goldgülden meiner 1«ligen Gebieterin — aber was hilft Reden! — Zwar — wenn ich bedenke und Euch ansehe, so möchte eS vielleicht doch nicht ganz zu spür sein — wenn ich Euch betrachte, so sehe ich, daß Ihr ein noch ganz schöner und nifttger Mann seid, in den besten Jahren — sagt doch, Herr Pinerß! Habt Ihr noch nie etwa den Wunsch verspürt. Euch zu vev- ehelichen, ehrbar und vorteilhaft? Aber was schwatze ich! Wie wird ein so kluger und kunstreicher Mann auf dergleichen müßige Gedanken kommen? Wie wird ein so nützlich beschäftigter Meister an törichte Weiber denken! Zwar allerdings hat auch die Schlimmste noch irgendwas an sich was etwa nützlich fiir einen Mann ist, das ist nicht abzuleugnen! Und wenn sie mir halbwegs was taugt, so ist eine gute Hausfrau etwas weih am Leibe, sorgfältig im Sinne, zutulich von Sitten, treu von Herzen, sparsam im Verwalten, aber verschwenderisch in der Pflege ihres Mannes, kurzweilig in Worten und angenehm in ihren Taten, einschmeichelnd in ihren Handlungen! Sie küßt den Mann mit ihrem -Munde und streichelt ihm den Bart, sie umschließt ihn mit ihren Armen rmd kraut ihm hinter den Ohren, wie er es wünscht, kurz, sie tut tausend Dinge, die nicht zu verwerfen sind. Sie haft sich ihm ganz nah zu oder in bescheidener Entfernung, je nach seiner Stimmung, und wenn er seinen Geschäften nachgeht, so stört sie ihn nicht, sondern verbreitet unterdessen sein Lob in und außer dem Hause: denn sie läßt nichts an ihn kommen und rühmt alles, was an ihm ist! Aber das Anmutigste ist die wunderbare Beschaffenheit ihres zarten leiblichen Daseins, welches die Ratur so verschieden gemacht hat von unserm Wesen bei airscheinender Menschenähnlichkeit, daß es ein fortwährendes Meerwunder in einer glückhaften Ehe bewirkt und eigentlich die allerdurchtrieben-ste Hererei in sich birgt! Doch was schwatze ich da wie em Tor an der Schwelle des Todes! Wie wird ein weiser Mann auf dergleichen Eitelkeiten sein Augenmerk richten! Verzeiht, Herr Pineih, und schneidet mir den Kopf ab!" Pineitz aber rief heftig: „Sv haft doch endlich inne, du Schwätzer! und sage nrir: Wo ist eine solche und hat sie zehntausend Goldgülden?" „Zehntausend Goldgülden?" sagte Spiegel. „Run ja," rief Pineitz ungeduldig, „sprachest du nicht eben erst davon?" „Rein," antwortete jener, „das ist eine andere Sache! liegen vergraben an einem Orte!" „Lind was tun sie da, wem gehören sie'?' schrie Pineitz. „Riemand gehören sie, das ist eben meine Gewissensbürde, denn ich hätte sie unterbringen sollen! Eigentlich gehören sie jenem, der eine solche Person heiratet, wie ich eben beschrieben habe. Aber wie soll man drei solche Dinge zusammenb-ringenl in dieser gottlosen Stadt: zehntausend Goldgülden, eine weiß» seine und gute Hausfrau, und einen weisen rechtschaffenen Marrn? Daher ist eigentlich meine Sünde nicht allzu groß, denn 6ee Auftrag war zu schwer sirr eine arme Katze!" „Wenn du jetzt," rief Pineitz, „nicht bei der Sache bleibst, und sie verständlich der Ordnung nach dartust, so schneide ich dir vorläufig den Schwanz und beide Ohren ab! Jetzt fang