Eichener Zamillenblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1926 Dienstag, den 9. Februar Nummer \1 Am Borderrhein. Don Gottfried Keller. Wie ahnungsvoll er ausgezogen, Der junge Held, aus Kluft und Stein! Wie hat er durstig eingefogen Die Milch des Berges, frisch und rem! Run wallt der Hirtensvhn hernieder, Hin in mein zweites Heimatland: O grüß' mir all die deutschen Brüder, Die herrlichen, längs deinen: Strand! So grüß' auch all die. deutschen Frauen Und lerne ritterlichen Brauch; Und wenn du wirst die Dome schauen, Die krausen Kauze, grüß' sie auch! Sonst wützt' ich niemand just zu grüßen, Bielleicht die schlimme Lorelei Und deiner Reben freudig Sprießen — Den Vierzigen geh' still vorbei! Es taucht ein Aar ins Wolkenlose Hoch über mir im Sonnenschein; Ich werfe eine Alpenrose Tief unten in den wilden Rhein: Führ' nieder sie, führ' sie zu Tale, Und eh' du trittst zum Meerestor, Den Vettern halt', im Eichensaale, Den harrenden, dies Zeichen vor! Die Tragik in der Geschichte des Rheiniands. .. Bon Geheimen Regierungsrat Dr. Alohs Schulte, Professor an der Universität Bonn *). Die rheinische Geschichte ist von höchster Tragik erfüllt. Es ist der Riesenkampf um die politische Macht an einem (Strome, an dessen Ufern von Chur bis Emmerich nur die deutsche Sprache erklingt, von dessen Quellen bis zur Strommündung von 925 an viele, viele Jahrhunderte lang derselbe Staat die höchste Gewalt ausübte. Das rheinische Land will in fernen Zeiten das Herz sein von Staat und Volk; denn in seinen Gauen ist der Wahlort der deutschen Könige, ist ihre Krönungsstätte wie die Grablege der mächtigsten Dynastien. Seine Kirchen, Städte und Burgen zeigen noch heute den Vorsprung der älteren rheinischen Kultur vor der jüngeren des deutschen Ostens. Es verrinnen die Zeiten des Glanzes und der königlichen Macht mit dem Auftreten, mit dem Obsiegen stärkerer lokaler Gewalten, wie sie im deutschen Osten entstehen. Aber noch haften von den sieben Kurfürstentümern vier an dem Rhein, der noch immer eine politische Lebensader ist. Keines jedoch von ihnen wächst zu der Weiträumigkeit und Kraft östlicher Territorien heran. Selbst Kurköln bleibt hinter dem Erstrebter: weit zurück; denn es verliert seinen Mittelpunkt, di« Stadt Köln, und der künstliche Ausbau eines Lehnhofes von großer Ausdehnung versagt. Es ist «in Zeichen alter Kultur, wenn die Territorialkarte bunt ist. Die Könige haben da den Kulturstätten, den Domkirchem und Klöstern staatliche Rechte übertragen, die ihnen im Koloniallande ganz fehlen. Im Osten überwindet die Herzogs- und Markgrafengewalt die der Grasen. Im Westen aber werden die Grafschaften zersplittert, es dringen Jmmunitätsherven zur Landeshoheit enipor. Lokale, zur Rot haltbare Gewalten entwachsen hier dem Boden. Das Glück von politischen Heiraten bringt zwar auf hundert Jahre ein großes Sai enterritot tum im Rorden zusammen, vergleichbar dem noch größern, das im Westen unter den Burgundern ersteht und unter den Habsburgern in den vollen Gegensatz zu Frankreich tritt. Inzwischen zerlegt .die Reformation das Gebiet der Rhein- Provinz in zwei feindliche Lager. Das Land Jülich-Kleve-Berg wird dann wieder aufgelöst. Der Rorden fällt an die Hohem- zvllern und wird als westliche Vorland von der Spree geleitet Vom Süden aber ergreifen die Wittelsbacher Besitz, und nach Ablauf eines Jahrhunderts wird auch dieses Gebiet ein Reben« land von Kurpfalz, um dann von Heidelberg. Mannheim und schließlich von München aus die Befehle, die sein Geschick bestimmen, zu erhalten. Ja, die Reformation macht aus Kurköln eine *) Aus dem ausgezeichneten JubiläumSwerk „Tausend Jahre deutscher Geschichte und deutscher Kultur am Rhein" (Verlag 2. Schwann in Düsseldorf). ? ' tatsächliche Sekundogenitur des bayerischen Zweigs der Wittelsbacher. deren Fürsten säst immer die Politik mitmachen, die ihre älteren Brüder in München ein schlagen. Das größte von de» .Umlanden unabhängige Gebiet ist Kurtrier, aber was würde eS in Krisen ohne den Ehren breitstein bedeuten? Im übrigen war das Land eine Deute jedes Heeres. Das Altheilige lebt sich aus, der Gegenwart nicht gewachsen, geschweige der Zukunft, bis Me Welle der Französischen Revolution alles Alte stürzt und daS Ganze entweder unmittelbar dem Reiche, dein bald der Korse gebietet, einverleibt wird oder doch abhängigen Rheinbund» staaten. Das linke Rheinufer mutz sich in die Gedankenwelt eines Großstaates einlebsn. So tot ist alles Alte, daß kein Fürst, nicht einmal der Hohenzoller, nach den Landen um Kleve die Hand ausstreckt; wider Willen nimmt Preußen das schöne Land, &ie Rheinprovinz, die Perle seiner Krone, wissend, daß der Rhein behütet sein will. Wieder ist das Rheinland ein Teil eines Groß- staates, aber eines deutschen, ist die nunmehrige Rhein Provinz geworden. Die innere politische Geschichte Preußens ist eine gegenseitige Befruchtung, ein gegenseitiger Ausgleiche Man betont immer den Einfluß vom Osten, vom Zentrum her und vergißt leicht, wie stark rheinische Einrichtungen, Gedanken und Männer auf den Osten und den Gesamtstaat eingewirkt haben. In dem preußischen Jahrhundert erblühte die Rheinprovinz wie nie zuvor. Aus dem Aheinstrom, aus den Schätzen der gs- heimnisvollen, gesegneten Erde, aus dem Unternehmungsgeist, der Arbeitsliebe und dem Wagemut Rheinland-Westfalens erwachsen die Türme der Förderschächte, die Schlote der Fabriken und die Krane der Häfen. In dem nüchternen Zeitalter der Dampfmaschine wird das Rheinland mit dem angrenzenden Teil Westfalens das Herz des deutschen Wirtschaftslebens, nicht seines politischen. Aber das Wirtschaftsleben gebietet weit, weit mehr über die Politik als in den Tagen des wirtschaftlich gleichartige» und weniger schweren Stößen ausgesetzten Mittelalters. Doch nach dem Rhein strebte schon seit Jahrhunderten eine andere Macht, ein an der Seine wurzelnder Staat, in dem daS widernatürliche Dogma eingewurzelt ist, daß der Strom, der Me Lebensader eines Rachbarvolkes ist, seine" natürliche Staatsgrenze sein müsse. Von diesem selben Lande ist aber auch die große Lehre ausgegangen, daß es das heiligste Recht eines jetten Volkes sei, sich staatlich nach feinem eigenen Willen zufammen- zufügen. Ein tiefer Zwiespalt trennt die beiden Strömungen französischer Politik. .Und uns bewegt der Gegensatz von Einheit und Vielheit, der Gegensatz einer brennenden Sehnsucht nach Zu- sammenfchlutz, nach starkem Zusammenschluß und der Liebe zur engeren Heimat. Der Verstand mutz die Gefühle zügeln, wie in jedem Menschenleben, so im Leben des Volkes. Was uns ein hartes Schicksal, ein Schicksal fast ohnegleichen gelassen hat, wollen wir behalten, wollen wir behaupten, wollen wir aus dem tiefsten Sturz wieder emporhebsn. Unserem Dater- lande im Unglück gilt die Arbeit unseres Lebens. Sie fei getragen von einem mutvollen und geduldigen Herzen, aber geleitet von einem kühlen Verstände. Dann werden auch wieder die Tage des Glückes und des wahren Friedens erblühen, wie sie unser Vaterland nach dem Sturze des korsischen Eroberers und nach dem Deutsch-Französischen Kriege ja fast ein halbes Jahrhundert erlebte. Solche Tage erstehen nicht von selbst. Wir müssen fte herbei führen, und ihr Komm«: ist bedingt vom einem gesundem und tief sittlichen Ausbau unseres inneren Staatslebens, von einer Rückkehr zu fester Moralität, bedingt von Arbeit und wieder Arbeit, nicht nur von körperlicher, sondern auch von sittlicher Arbeit an uns selbst Sange Kriege erzeugen eine Dorrbhung; des Siegers Charakter wird durch Hochmut verdorben; ein Zusammenbruch, wie wir ihn erlebt, rüttelt an den Grundelementen des Volkscharakters. Dem deutschen Volke sind keine Wohnsitze beschieden, di« einen unzweifelhaft natürlichen Mittelpunft haben, wie er den Franzosen in Paris gegeben. Die deutsche Landschaft ist vielseitiger, wir haben den Einheitsstaat der deutschen Wanderkönige verloren und nicht w-lederhergestellt. Die Vielseitigkeit, die daS deutsche Geistesleben auszeichnet, ist eine segensreiche Folgerung daraus. Der Wettstreit der Stämme, der Bekenntnisse hat be- fruchtend gewirkt, hat zu wirtschaftlichen und kulturellen Höchstleistungen geführt, di« di« ganze Well mit Dank anerkennen sollte. Dem steht die von unseren Vorfahren und auch von uns noch schmerzlich gefühlte Zersplitterung unseres Vaterlandes, der Zwiespalt der Stämme, der Konfessionen, der Parteien gegenüber. Aber wir hier im bedrohten Westen geben di« Hoffnung nicht Stktfi bfc Gegensätze (ich, mildern, baß daS deutsche Volk sich zu politischen Höchstleistungen zusammsnstnden werbe. Ein Sier deutscher Staat war für Europa zu allen Zeiten etne twendigkeit, ist es Heute noch und wirb es bleiben. An den Rhein. Von Herbert Sulenberg.*) Getvalt'ger Bruder, wag ich es, dein Bild, Das immerzu an mir vorüberfließt Und sich voll Majestät in mich ergießt, 2km Vers zu spiegeln als dein helles Schild: Ich diene dir getreu an meiner Statt. Mein Haus prangt fest an deinem Weichen Rand, Mit blanken Augen froh dir zugewandt, Sieht es, wie ich, sich niemals an dir satt. Am liebsten freilich bist du uns bei Nacht. Du schläfst nicht ein, ziehst deine große Dahn Gleich uns gewunden durch des Daseins Macht Dem Meer, dem Lode zu. Du fühlst ihn nah'n, ■Unö unter den Gestirnen wirr entfacht Singst du im Sterben leise tote ein Schwan. Der rheinische Mensch. Von Alfons Paquet. Der rheinische Mensch ist der deutsche in einer ganz besonderen Lage. In dem breiten Stromtal, das er besiedelt, starken Kultureinflüssen von allen Seiten ausgesetzt, scheint es ihm schwer geworden zu sein, einen besonderen, eigenen Charakter auszu- bilden und ihn in staatlicher Form zu behaupten; — würden sonst im Lauf von Jahrhunderten Paris und Rom, Berlin und London abwechselnd sich so viel Mühe gegeben haben, den rheinischen Menschen unter ihre mehr oder weniger milde und Wohlgenteint« Vormundschaft zu nehmen? Würde man sonst im inneren Deutschland so oft dieses leise Befremden oder gar Mißtrauen gegen eine Eigenschaft des rheinischen Menschen antreffen, die man seine Oberflächlichkeit, seine Unzuverlässigkeit nennt? Der rheinische Mensch mußte sich in feiner langen Geschichte manche nicht immer schmeichelhafte Deutung feines Wesens gefallen lassen. Wie komntt es dann, daß man ihn seiner Lebens- sreudigkeit wegen dennoch immer aufs neue liebt, bewundert und ßeneibet ? And daß man ifchließlich, tnach Jahren ärgster Prü- stmg, nicht mehr leugnen kann, daß er deutsch ist tote irgendeiner? Der Mensch von der Wasserkante findet vielleicht in dem rheinischen Menschen noch am ersten einen Wesenszug, der ihn ihm verbindet, den Zug der Weltoffenheit und Welterfahrung. Das ist sicherlich eine Folge der Offenheit der rheinischen Landschaft zur See hin. Sein Verständnis für Großverkehr und Groß- ttnternehmen, — seine Genossenschaftlichkeit kommt doch irgendwie vont Wasser. Zwischen den Norddeutschen, der ja meist Niedersachse ist und dem fränkischen oder alemannischen Rheinländer, der sich jetzt Preuße oder Hesse, Pfälzer oder Badener nennt, mag es sonst genug Gemütsunterschiede geben. Wer in den Dingen, die man die praktischen nennt, verstehen sie sich besser als z. B. mit dem typischen, „wasserlosen" Binnenländer. Denn auch Flußschiffahrt ist Schiffahrt, auch ein großer Strom ist immer ein wenig Wasserkante. Das Leben des Schiffers, des Ingenieurs und des Kaufmantts bedingen eine besondere Bildung unterbauen auch ein freieres Verhältnis zum Leben. In Köln am Ätzern wurde schließlich dieHansa gegründet. Das war zu einer Zeit, als die Stadt schon einmal nach allen Seiten die Metropole war. als sie, wie heute wieder, nach den Niederlanden, nach England Md Skandinavien offen stand. Der Hanseatengeist in seinem Inbegriff bürgerlicher Anabhängigkeit, kaufmännischer und fee« manntscher Redlichkeit und phrasenlosen genossenschaftlichem Wesen ist jenem alten rheinischen Geist nah verwandt, der im Mittelalter In Der vor Eifersucht gewiß nicht immer freien Freundschaft zwischen Städten wie Zurich, Basel und Straßburg lebte, und der sich im mittelrheinischen Städtebund, mit Mainz und Frank- furt an der Spitze, bis zu den Ansätzen eines selbständigen, republikanischen Biirgerwesens erhob. Dieser Bund verstand Ord- zu schaffen, als Bischöfe und Fürsten in ihrer Habsucht bcn Rhein durch Zollschranken abfperrten, Handel und Schiff- sahri behinderten und auf alle Felsenvorsprünge des Rheintales ihre Rautorester, ihre Heinen Festungen und Kontrollstationen htnsetzten. Ein einheitlicher geschichtlicher Zug geht durch die Landschaften, ine der Rhein miteinander verbindet, — ein gemeinsames Interesse am Strom selbst, der Berkehrsstraße, Ärbeitsrnotor, Kulturband ist. Es gibt Ströme, die mehr Wasser führen als etn Strom von der mittleren Größe des Rheins, und doch viel wemger Schiffbarkeit haben, weil entweder ihr Lauf kürzer oder verwickelter ist, oder weil ihre Zuflüsse einander nicht fo vortreff- »H «Mnzen wie die Zuflüsse des Rheins, die ihn vom ersten as, 4öertyl Vchriftleitung: Dr. Friede. Wilh. Lange. - Druck und Verlag der Brühl'sc^n Aniv.-Duch- undHeindruckerei, R. Lange, Giehea. ^^u"derung ganze Regimenter mitten auf dem Marsche stehen blieben und sich trotz seiner Befehle nicht mehr von der Stelle rührten. Es war ihm, als habe « einest Schta vor den Kopf bekommen, als ihm eine Proklamation freSÄmy «fr16 H?nde fiel. Darin stand, daß Jan von Werth ein! Verräter sei, geächtet und vogelfrei, und daß auch ein Mörder und Straßenraub« die 10 000 Taler bekomme und noch Generalpardon dazu, wenn er Jans Kopf bringe. „Sporck, mein Pferd! Lass' ihn proklamieren! Ich kenne meine 30 Taler ihren General verraten!? Glaubst W vu9 f I cR.,p?'rt^^ranfl M«d. Aber nicht mchr das gewohnte I s^brth! scholl ihm entgegen, sondern „OSibat I Sim Modern! Zorn verzerrte sein Gesicht. Erbebte. Gr I sprechen, aber es kam nur ein Lächeln aus seiner Kehle. lah.l«e elnzelne Soldaten die Muskete gegen ihn mrfchlugen. I M- toK Reit« sich gegen ihn m Trab setzten. Da zog « ^ I Degen und mit der anderen Hand die Pistole. I Aber Sporck griff Jans Gaul am Zügel, spornte sein eigenes | Pferd und ritz ihn mit sich fort. Sesenktem Kopfe, stieren Auges in seinem j Musketenkugeln pfiffen ihm um den Kopf. Eine Viertel- I j“11™6 ^mopp, verfolgMde Dragoner hinter sich wie die Mente I y Mild, und das kaiserliche Böhmen nahm ihn auf Der Krieg ist vorbei. Jan von Werth, jetzt Graf und Schloß- | »an Denatek in Böhmen, schreitet an der Brüstrmg entlrn I langsam, gebeugt, die Hände auf dem Rücken. j .. ^^?vtsvmmerabend. Die untergchende Sonne steht üb« | über ^n Wipfeln des fernen Tannenwaldes. 8 ~ und zu bleibt Jan stehen und hebt den müden Mich I x Em dehnt sich das weite Land mit Aeckern, Weinberg«, I E? Waldern Der sanfte Abendwind trägt ihm den melodisch«« | Gesang der Schnitter herüber. Auf der Wies« unter ihm sitzt I Ed spielt mit leinen Kindern, die ihm Dlumen- I PraußHen entgegenschwenken. Gr nickt ihnen z« und lächelt. I Aber es ist ein bitteres Lächeln. Die Sonne sinkt hinter den dunklen Tannen. I schaut ihr lange nach und seufzt wie ein Gefangen«. I ber hinter dem Gitter seines Kerkers sich nach der Freihett sehnt. Das also ist die Ausbeute aus fünfundzwanzig Jahr«« I grenzenloser Hingabe, Kriegsgefahren und Mühen und wildester« I Lebens, das er jetzt wie ein nutzlos gewordenes Werkzeug auf i ^e ©eite gelegt wird. Er ist aus seinem Element geriffen und I sludet sich nicht mehr zurecht. DaS fettansetzende Wohlleben iS I Em unerträglich Hätte ihn doch bei der letzten Affäre die KugÄ I getroffen! Das war eine pläsierliche Affäre, die bei Dachau, wo I « den schwedischen Herren das JaMrühstück versalzen hat. I 2an schaut nach den fernen Bergen, die im Golde des Aberch- Ammels verschwimmen. ... -dahinter weit dahinter liegen seine heimatlichen Land«, fließt der Rhein, der seine ersten Taten sah, den « nie mehr Men wird. ^ Die Dämmerung kommt. Die sorgliche Mutter steht auf und i Ert die Kind« ins Schloß. Sie werfen ihm Kuh Hände zu. Jan wendet sich und geht ihnen langsam und müde entgegen. Jetzund will ich von Herzeir singen eine Tageweff': stlf meiner linken Achsel, da geh'n bei tausend Läuf', stlnd auf der rechten noch viel mehr, Da hinten auf dem Buckel, da steht das ganze Heer! Da ich anfang zu schlachten, die Nägel wurden rot Sprach eine Laus zur andern: O, wie ein Bittrer Tod! O, daß er nicht Herkommen wär'! So wär' unmolestiert unser hochbetrübtes Heer! Jan ist wieder in Deutschland. Die zimperliche Laute hat er wieder mit dem großen Degen vertauscht, den glänzenden Tanzsaal mit dem blutigen Schlachtfelde. Bei Tutllingen hat er die weimarischen und französischen Truppen geschlagen. Ihr Führer Marschall Guebriant ist gefallen. Der Generalissimus der kaiserlichen Armee Graf Geleen gibt im Gürzenich zu Köln em großes Fest zu Jans Ehren. Rur Generäle und Offiziöse sind geladen, denn es soll ein Gelage für Männer fein. Bald sind die Köpfe heiß und di« Zungen locker. Richt all« sind Jans Freunde. Auf den Erfolg schielt immer der Reid. Jan hört manch böses Wort. Man hat -nicht vergessen, daß er Pferdeknecht gewesen ist. Seine Wut will er mit Wein kühlen, ab« die Hitze sprüht ihm aus den Augen, als er halb über den Tisch gebeugt, mit schwer« Zunge in den Lärm hineinruft: „He, Merode! Pferdeknecht hast du gesagt! Gust das war ich Aber du, was hilft es dich wann deine Mutt« grab' gegangen, du ab« hinkest! Was hilft es dich wann dein Bat« zwei Augen gehabt, du ab« bist blind? Was hilft es dich wann deine Eltern ehrlich sind gewest du aber nit? Wann du von den Eltern das Leben hast und nit das löbliche, so bist du ntt adelig! An deinem Adel klebt mchr Dreck als an den Hufen mein« Gäule. Ist mir eine sonderliche Ehr, d« Oberste von den Mwodebrübern zu sein!" Der Oberst von M«ode, der schon vor Trunkenheit schielt, springt auf, daß sein Stuhl hinter ihm zur Erde poltert Gr packt einen vollen Bech« und wirft ihn nach Jans Kopf, fchtt ihn zwar, und d« Dech« knallt gegen die Waich „Bastard! Wechselbalg! Don wem hat deine Mutter dich? Stchst ia in keinem Kirchenbuch!" Jan taumelte einen Schritt zurück und riß den Draen aus her Scheide. I „Du, Coujon, verunglimpfst meine Eltern!? Wart', dir ach' ich's auf dein Schandmaul!" Ab« Oberst Merode hat auch gezogen und schwankt auf SA er stolpert und rutscht auf dem weinnassen Doden aus fallt m Jans Klinge. Mit einem dumpfen Röcheln sinkt er aufs Gesicht und bleibt liegen. Das Fest ist aus. - 3l^n ^>loh Kurfürst Maximilian von Daher» I einen Waffenstillstand mit Frankreich. Der Generalissimus Graf | „Der Kais« geht mir vor. Wein Leben tag hab' ich fein« guten Sach gedient und ich müßt' ein Hundsfott sein, verließ ich ‘6« tetzt. Tut, was Ihr wollt, Graf, ich tu' das Meine. WaS haltet Ihr von einem Soldaten, der seinen Posten verläßt und . Sem&e paktiert? Was gebührt dem Schlingel? Der Dernhard von Weimar schickte den gefangenen Jan von 1 stritt! iln& an den nächsten Daum mit ihm. So hab' ich's immer Werth nach Paris als Quittung für das Siegel aus Pserdemist. I Schalt«,. Er wollte den Parisern ein Pläsir machen. Jan tobte und schlug ! „Werth!" sagte ernsthaft Geleen und hob beschwichtigend die um sich, bis « sich bewußt wurde, daß et der kaiserliche Feld- I §5 , uw Desinnung in Ehren, ab« Ihr zeigt nicht bid marfchall-Leuttiant von Werth war, und er fand sich mit seinem I Respekt. Temperament und seiner rheinischen Leichtlebigkeit rasch in den I „Hol'mich der S--Hütt' ich bald gesagt! Kurfürst ob« Wechsel des Geschickes. Die Pariser Hofgesellschaft, die zierlichen j ^metn« Reiter, die Ehr' ist ntt cm den Titel geknüpft. Mehr Damen und geschniegelten Herren, die ihn zuerst als Monstrum, I ist beim Kais«." als Darbaren, als Schreckgespenst betrachteten, „qm a fait tremb- I .. San befahl seinen Regimentern den Marsch nach der böh- ter le Cardinal et pleurer le roi de France“, fanden sehr bald j ""scheu Grenze, um sich dort mit den kaiserlichen Truppen rat Geschmack an dieser Fülle von Kraft, Leben und Dranfgänflertmn. I bereinigen. Er baute fest auf die Treue fein« Soldaten, aber Die vier Jahre französische Gefangenschaft waren Jans lustigste I J* wußte nichts von den 10000 Talern, die der Kurfürst auf Zelt. Sein Lame drang ins Volk, die Mütter machten die Kind« I "'en Kopf gesetzt hatte, wußte auch nichts von den 30 Tatern bange mit dem Buhmann Jean de Verth, es gab Schenken au | F*E leben Mann, wenn « stehen blieb, wo ent gerade war. Gr Jean de Verth mit seinem grellgemalten Bilde als Wirtshaus- j ?“e auch nicht, daß d« Kurfürst durch geheime Abgesandte schild. Da hatte er ein knallrotes Gesicht, schwarze Augen, so j feinen Offizieren Chargenerhöhung versprach Dis xu seiner groß wie ein Teller, und einen ellenlangen Schnauz bart. Man •