Gietzener jamilienblätter Unterhaltungsbeilage zvm Gietzener Anzeiger ZahrgangM6° ”™" Samstag, den9.Januar Nummer 5 Fischer. Bo» Kams Stand. So tote du sind tat gehöhlte» Baum. als sie noch nicht toufjttm, dich fit warst, deine Bätet aus dem See gefahren. Zeit — dir ward sie nicht zu einem Raum. der ein Hüben trennt von einem Drüben. Einstmals, heut - dit blieben sie verbunden durch Vein täglich Tun. Stab jene Wunden, deren uns — auch wenn wir uns vergrüben in das Ehedem — sich keine schließt, nie noch hat ihr Brennen dich versengt. Völker kommen, blühen, welkem, gehen: man steht da, so wie die Väter stehen, in dem klobigen Kahn, man fährt, man fängt, was silberschuppig durch die Fluten schießt. Seltsame Begebenheiten und Zufälle. Bo» Dr. Fritz Adolf Hümich Wir leben mitten im Geheimnis. Von dem Fallen und Schlingen des Schicksals umstellt, gleicht uns« Gang dem der Schlafwandler, di« sich mit traumhafter Sicherheit den tödlichsten Gefahren aussetzen; von tausendfachem Ltahetl bedroht, erkenn«! wir, wie der Reit« auf dem Bodensee, die Gröhe der Gefahr meist «st, wenn wir ihr glücklich entronnen sind. Blind vertrauend üb«lassen wir uns jeden Tag einem ungewissen Dasein, und ahnungslos geh« wir Ereignissen entgegen, die uns« Glück ober Änglück bedeuten. Tiefer in die Mystik des Geschehens versponnen, sehen wir in den Schnitt- oder Berührungspunkten des Gewirres 6er Menschenwege die Begebenheiten liegen, die wir Zufälle nennen. Dunkel bereiten sie sich und ihren Sögen oder ihr Verhängnis vor, um plötzlich, tote aus einem Versteck auS» brechend, aus der Bahn der Menschen unberschenbar, überraschend, schön oder grausam, auszustehen, Mächte, diegeheiminsvvll find wie der Trieb, der den Bogel auf seinem Fluge von Heimat zu Heimat steuert, lenken unsichtbar die Schritte bet Menschen. „ Uns« Dasein," sagt A. W. Schlegel, .ruhet auf dem Unbegreiflichen." In den „Gesta Romanorum", dem ältesten und berühmtestem Märchen- und Legendenbuch des christlichen Mittelalters, befindet sich eine tiefsinnige Erzählung, die den Titel führt: De versutia diaboli et quomodo Dei judicia sunt occulta (Don des Teufels Arglist und wie Gottes Gericht« verborgen sind). Reben ber Höhle eines Einsiedlers, der Gott aus frommem Herzen dient, weidet ein Hirt seine Schafe. Sines Tages wird dies« vom Schlaf übermannt und währenddem von einem Räub« sein« Sytetbe beraubt. Dom Besitzer d« Schafe nach dem Verbleib befragt, schwört er, es nicht zu wissen. Darüb« gerät bet Herr in Wut und erschlägt ihn. Als der Einsiedl« solches sieht, hadert « mit Gott, daß « den Mord an einem -Unschuldigen zugelassen habe, und beschließt, in die Welt zu gehen, um tote die anderen zu Heben. Gott sendet, um ihn vorm Verderben zu bewahren, einen Engel zur Erde, d« sich zu ihm gesellt. Dies« Engel GotteS vollbringt nun eine Reih« von unfaßbaren, ja teuflich erschein«»» den .Untaten: Gr erwürgt in bet Wiege den einzigen, zärtlich geliebten Sohn des Kriegers, bet sie freundlich ausgenommen, bewirtet und beherb«gt hatte; « stiehlt dem Bürg«, ber ihnen auf das ehrenvollste Speise, Trank und Obdach geboten hatte, einen goldenen Becher, b« d« Stolz des Besitzers war; er stößt den armen Mann, bet, auf ein« Brücke nach dem Wege befragt, ihnen die Richtung zeigt, ins Wasser, so daß et ertrinkt; « schenkt ban gestohlenen Decher dem reichen Mann«, der ihnen ein Nachtlag« «st verweigert und sie dann in den Schweinestall gewiesen hatte. Dem Einsiedl«, der, durch solche Erlebnisse in Furcht imb Schrecken versetzt, von seinem Begleit« fort begehrt, «klärt b« Bote und Beauftragte Gottes den Grund sein« Handlungen: D« Krieg«, der, «He sein Knabe geboren ward, in reichem Maße Almosen gegeben und Werke der Barmherzigkeit ausgeübt hatte, danach ab« geizig und habsüchtig geworden war, um seinen Sohn reich zu machen, ist mm auf den rechten Weg zurückgekehrt; bet Bürger, der einst bet nüchternste Mensch auf der Erde, ab« dem Trünke verfallen, seit et bett Decher besah, ist durch besten Entwendung von seinem Last« gehellt; d« Arme, d« auf der zweiten Hälfte seines Weges einen anderen erschlagen hätte, ist durch seinen Tod vor ein« Todsünde bewahrt worden; ben verderbenbringenden Becher ab« hat der «halten, d« den um eine Unterkunft Bittenden fein Haus verschlossen hatte. Wenn et auf gehört hat zu leben, wird « m ber Hölle thronen. .Wiste," so belehrt bet Engel den Einsiedler, .daß auf Erden nichts ohne Grund geschieht... Lege also künftig deinem Munde einen Zügel an, auf daß du Gott nicht tadelst, berat er werh alles." 3n solch« Tiefe, eingebettet in die unergründlichen Pläne bet Vorsehung, gestalt«, sich vor ihrem Sichtbarwerden die Schicksale ber Menschen. Welcher geheimnisvolle Zusammenhang zwischen dem verzweifelten Verlangen des zerknirschten Herzens nach dem Befrei« aus ben Fesseln fleischlich« Begierden und dem magischen Auf, der Augustinus zu der erlösenden Dibel- stelle führte, die ausersehen war. die Richtung seines Lebens zu änbcBn und «s zu weltgeschichtlich« Gröhe überzuleiten! 5ta tiefst« Seelennot nach einem Ausweg aus dem Labyrinth bet Leidenschaften suchend, da angelangt, wo eS den bitteren Bodensatz zu schmecken gibt, griff Johann Georg Hamann, b« nachmals als Magus des Nordens gefeierte und verschriene Apostel und Apologet des Airtirationälismus. wiederum, doch mit zuvor nie gekannter Inbrunst, zur Bibel, um am Abend des 31. März 1758, durch das Gleichnis Abels erschüttert, von dem Gott zu Kain sagte: .Die Erde hat ihren Mund ausgetan, um das Blut deines Bruders zu empfangen", di« große Stunde feiner Bekehrung zu erleben. Nicht minder geheimnisvoll ist die Wagte, die StriMdberg in die Arms Swedenborgs trieb. Er «zählt von dies« mystischem Begegnung in seinem .Inferno": .Ich ev- wache an einem Sonntag vor Ostern, gehe in ben Luxemburg- garten, durchwandere ihn und überschreite di« Straße. AIS ich unter die Arkaden des Oderm komme, bleibe ich unbeweglich vor ben blauen Dalzacbänden stehen, und durch einen Zufall greise ich .Seraphita" heraus. Warum gerade diesen Band? Sobald ich nach Hause kam, öffnete ich das Buch das mir beinahe unbekannt war, so viele Zcchre lagen zwischen d« «sten Lektüre und dies« zweiten. ES war völlig neu für mich unb jetzt, da meta Geist bereitet war, verschlang ich den dm)alt dieses außerordentlichen Buches. Ich hatte noch nie etwas von Swedenborg gelesen, bet in seinem und meinem Lande für einen Scharlatan, einen Narren, für unzüchtig galt, und wurde von Dewund«ung und Entzücken «griffen, als ich diesen himmlischen Riesen beS vorigen Jahrhunderts durch ben Wund des tiefsten der französische Geister sprechen hörte. Stabern ich mit religiös« Andacht lese, komme ich zu Seite 16, wo der 29. März als Swedenborgs Todestag angegeben ist 3djl «halte taste, benfe nach und schlage den Kalend« auf. Heute ist gerade bet 29. März, und außerdem ist es Palmsonntag. Do offenbarte sich Swedenborg als Juchgeist in meinem Lebert,, ta dem « eine große Rolle spielen sollte, und brachte mir am Jahrestage feines Todes die Palmen des Siegers ob« des Märiyrers! Leben wir nich mitten im Geheimnis? Auf dunkler Woge treiben Menschen und Dinge etaanöer zu, um durch ihr Zusammentreffen jene Entschidungeu herbeizuführen, die den Verlauf unseres Schicksals bestimmen. Merkivürdige Beispiele hierfür hat Ernst Bertram aus Nietzsches Geben ausgestellt. Andere, seltsam erscheinende Vorgänge, die ben Wechsel von Höhen und Tiefen un?«es Lebensgefühls, den durch Daten und Termine sestgelegten Zusammenhang mit unseren Vorfahren betreffen, stad durch die Periodizitätslehre von Wilhelm Metz ta ein System gebracht. Schm Goethe hatte dunkel das Gesetz im Wirken bet Kräfte uns«« Existenz empfunden, als « am 26. März 1780 in fein Tagebuch schrieb: ,2ch muh bat Slrfci, der sich ta mir umdreht von guten und bösen Tagest, näh« be- merken, Leidenschaften, Anhänglichkeit, Trieb, dteß ob« j«ns zu thun. Erfindung. At^führung, Ordnung, alles wechselt imb hält einen regelmäßigen Kreis. Heiterkeit, Trübe, Stärke, Elasts- cität, Schwäche, Gelassenheit, Begier eben so. Da ich sehr diät lebe, wird der Gang nicht gestört, und ich muß noch Henaus kriegen, in welch« Zeit und Ordnung ich mich um mich selbst bewege." Am 15. November 1790, bet ihm deshalb als bet wichtigste Tag feine« Lebens «schien, erfuhr 3ean Paul ta seinem Gefühl zum erstenmal di« dunkle Drohung des Todes, und fünfunddreißig Jahre spät«, das Ende geheimnisvoll mit bietet Ahnung verbindend, war mit dem 14. November dem Kreislauf feines Lebens daS Ziel gesetzt. Heinrich Döring «v- zählt, Goethe habe imm« den 22. März, jenen Tag. an dem im Jahre 1825 das Schauspielhaus ta Weimar abgebrannt wat, 10 — für einen tragischen und unglücksschwangeren Tag gehalten. Mehrere Qliale vor seinem Tode habe er gefragt, der wievielste Tag im März heute wäre, und der Zufall habe es gewollt, daß er an demselben Tage, in derselben Stunde starb wie vor dreizehn Jahren fein vieljähriger Freund und Amtsgefährte, der Minister Ehr. G. von Voigt. Völlig inkommensurabel muß uns das Walten des Schicksals in den folgenden Begebenheiten dünken. Don der einen erhalten wir durch den Hamburger Domherrn Friedrich Johann Lorenz Meyer in fernen „ Fragmenten aus Paris im vierten Jahre der französischen Republik" Kenntnis. Eine der Hofdamen von Marie Antoinette ist es, die das Opfer eines merkwürdigen Verhängnisses wird. „Die begleitete am 10. August 1792 die königliche Familie in die Nationalversammlung. Als der König &en Saal verlassen muhte und nach dem Tempel gebracht ward, forderte die Königin beim Abschiede von Me d'Oyä ihre Goldbörse, weil sie, zur Bestreitung einiger Ausgaben selbst kein Geld bei sich hatte. Die Taschen der Königin wurden bei ihrer Ankunft im Tempel durchsucht, und sie bat die Mumzipal- beamten, den Deutel mit dem nichtgebrauchten Gelde feiner Eigentümerin wieder zu geben; Anlatz genug, um diese in das Schicksal der Königin zu verwickeln. Doch lieh man sie eine lange Zeit ihr Landhaus in der Gegend von Paris ruhig bewohnen. Als nun das schreckliche Revolutionstribunal unter Robespierres Diktatur auch alle dem Hose verwandt gewesenen Personen aussuchte, sie verhaften und hinrichten ließ, erklärte Me d'Oyä ihrer Schwester (aus deren Munde der Berichterstatter von dem Dorgefallenen erfuhr) oft, sie werde die Vollziehung eines gegen sie gerichteten Arrestbefehls nicht erwarten, sondern sei ent- fchlosfen, zu sterben, ehe sie in die Hände ihrer Henker fiele und das Blutgerüst bestiege... Bald daraus, in den ersten Tagen des Thermidor 1794 erschienen die Satelliten des Wohlfahrtsausschusses vor den: Landhause, um Me d'Ohä ins Gefängnis 3u führen. Ihr Entschluß bleibt fest; ihren Mördern zuvoreilend, erreicht sie das oberste Stockwerk, stürzt sich von dem Dctlkoni des Hauses herab imb ward tot aus gehoben. Als man den Körper zu Grabe brachte, imrtzte der Leichenwagen in eine Neben- gaffe biegen, um dem Henkerskarren, woraus Robespierre zum Blutgerüst fuhr, auszuweichen." Don dem preußischen Kammerherrn Gustav Graf Schlabren- dorss, der als Anhänger der Girondisten auf Antrag Robe- spierres eingekerkert worden war, weiß Fontane zu berichten: „ An dem Tage, wo der Karren vorführ, um ihn und andere Derurteilte zum Schafott abzuholen, fehlten ihm feine Stiefel, woraufhin er erklärte, er forme doch am Ende verlangen, in Stiefeln guillotiniert zu werden. Es hatte das seine Wirkung, und der Scherge, der infolge dieser Bemerkung in eine gute Laune gekommen war, antwortete: „Eh bien; demain matin." Am andern Morgen aber, wo des Grafen Name nicht mehr aus der Liste stand, wurde, er vergessen und bald danach, nach dem inzwischen erfolgten Sturze Robespierres, in Freiheit gesetzt." „Im November 1831,“ so lesen wir in Levin Schückings „ Lebenserinnerungsn", „hatte ich den Schmerz, meine gute Mutter zu verlieren; es kam danach ein Gefühl über mich, als fei dis Welt um mich her ein mich weiter nicht berührendes Schauspiel geworden, ein Gebilde aus unwesentlichen Schattengestalten, die für mich ihre Bedeutung und ihr Leben verloren hatten. So dacht' ich auch nicht daran, andere Menschen... zu sehen. . Annette von Droste sandte mir jedoch eine dringende Aufforderung, zu ihr herauszukommen, der ich mich nicht entziehen komite. Ich ging zu ihr, um bei ihr die Ausdrücke einer tief gerührten. Teilnahme zu finden. Sie selbst fühlte sich eigentümlich durch die Tatsache erschüttert, daß sie, eben im Begriff, meiner Mutter zu schreiben, sich eine Zeitung zur Unterlage dabei genommen und, ihre Gedanken zum Schreiben ordnend, absichtslos auf diese Unterlage blickend, darin zu ihrem Schrecken die Todesanzeige meiner Mutter gelesen. — Sie sagte mir später oft, daß ich ihr von diesem Augenblick an tote ein Vermächtnis meiner Mutter gewesen." „Wer an Gott glaubt, für den kamt es keinen Zufall geben. Und wer an deit Zufall glaubt, der negiert Gott," hatte Zwba einst zu Rudolf Lothar gesagt, und als dieser im September 1902, aus Anlaß der Aufführung seines Maskenspiels „König Harlefin" nach Paris gekommen war, wollte er auch besonders um feine Frau mit dem Dichter bekannt zu machen, Zola besuchen. Auf feine Anfrage erhielt er am 28. September durch die Post auf einer Visitenkarte die Antwort: „Emilie Zola würde sich sehr freuen, lieber Freund, Sie Montag um 12 Uhr mit Ihrer Eben Frau zum Dejeuner bei sich zu sehen." „Am Montag," so lassen wir Rudolf Lothar weiter erzählen, „es war ein Machtvoller, sonniger Herbsttag, stand ich um halb elf mit Berthold Frischauer vor dem Grand Hotel. Er stellte mir tote seine Art war, für die Premiere Me düsterste Prognose. ®tn deutscher Autor am zweiten französischen Staatstheater, das wurden mir die Kollegen nie verzeihen. Und zwischendurch erzählte er mir den neuesten Pariser Klatsch, und ich erzählte thm die letzten Wiener Witze. Aber ich zog Me Uhr, es war elf. „Lieber Freund,' sagte ich, „ich muh Ihnen AMeu sagen und meine srau aus dem Hotel abholen. Wir dinieren um zwölf ?**. Zola. Im Augenblick, da ich den Namen Zola aussprach, legte sich eine Hand auf meinen Arm. Ein Herr war stehen ae- baeben und sagte: „Zola ist soeben gestorben." Wir fuhren zn- sainmen, als hätte uns der Blitz gerührt. „Ich bin ein Arzt und tOTn^-r ia Leiche" .. Ich habe seit jenem 2S. Sep- wniber 1802 oft un& oft an diesen merkwürdigen Zttiall gedacht. Der einzige Mensch rn dem riesigen Paris, der um Zolas Tod Rla äussprach^ ” Augenblick vorbei, als ich den Namen W rätselhaften Lebens, vor denen auch Me Phcmtasie der Dichter Mühe hat, zu bestehen' Jetzt Novalis, wenn er sa^t: „Der Dichter betet OUfUll Ult, Mn Besuch im Rom der Kaiserzeit. Don F. L. Dunbar von Kalchreuth"). In Ostia dessen Hafen schon Kaiser Claudius für die riesigen Kornflotten welche ehrlich 80 Millionen Scheffel aus Aegypten Sizilien, Spanien, Britannien und Afrika bringen mußten aus- gebaut hatte, wahrend Trajan den 200 Fuß hohen Leuchttunn 2uAacht Gorgo, welche den Ritter Am- Tagen von Karthago bis Italien gebracht hatte, gelandet. Silo bestieg sofort seinen Reisewagen, setzte sich im Ototfen R?Hmen öUvecht, damit er die Sonne A-ZEu bu"«. cn QMcuS £it8cii3 eutfriyg, too ftd) eürt laöen «n den andeven veihte. «Das Belabrum ist ein häßliches, Mges Quartier, erläuterte der Ritter, „und doch müssen alle Triumphzuge seit Romulus diesen Weg nehmen." Dor dem Buch- laSeu der Sosier, der Verleger von Horaz usw., ließ er halten»; sofort drängte!» Magister heran, die marktschreierisch sich anboten, alle Schriften zu erklären. Silo lieh sich eine kleine Prachtausgabe Vvn Arrians „Gnchiridion" in Me Sänfte reichen, warf den Magistern einige Silberstücke zu, dann ging es weiter am Tempel und &er Bibliothek des vergötterten Augustus vorbei, bis die enge Straße in das Forum mündete. Da staunte mm doch der junge Athener, und dem Ritter schwoll das Herz vor Stolz, als Mefe Pracht sich vor ihren Augen entfaltete. Hell leuchtete Me Sonne auf einen Wald bunter Marmorsäulen, goldener Dächer, mit einem Viergespann gekrönter Reihen der Ehrensäulen. Das Menschengewühl, das sie aufnahm, war fabelhaft, es war Me BörfeNstunde, wenn von den Stufen des Castortempels die Geldkurse im Reiche aus gerufen wurden, alles drängte sich hin und her, Neuigkeiten aus aller Welt machten Me Runde, das Schreien und Summen schwoll zu einem mächtigen Crescendo an. Unabsehbar erging sich die Stutzerwelt unter den Bogengängen der Aemilianischen und Jütischen Basi- lica, viele fa&en auf den Treppen des Tempels des Julius Cäsar und fütterten die auf- und niederflatternden Taubenscharen, von der Rostra hielten Dolksredner deklamatorische Vorträge, zwischen den verworrenen Gruppen drängte sich die Schutzpolizei, die für Me Ordnung sorgen mutzte. Wahrsager und Traumdeuter gestikulierten heftig, SchlangenbänMger suchten Me Aufmerksamkeit zu erregen, chaldäische Magier mit schwarzen Bärten standen feierlich umher und warteten auf Kundschaft. Ue&er dem Meer von Köpfen kreuzten Sänften hin und her. Jsisprozessionen unter dem Schall der ägyptischen Sambuka (Harfe) zogen mit klirrenden Schellenstäben daher und begegneten Priesterzügen der Khbele, welche goldene Reisbüschel in den Händen hielten. Alle Völker des Erdkreises, alle Sprachen: von China bis Marokko, von Schottlaich bis zum Sudan waren vertreten. Obstverkäufer standen an den Ecken, neben ihnen boten Händler Seltenheiten feil, Wein mit Feigensaft wurde Durstigen angeboten. Von ihren *) Diese glänzende Schilderung entnehmen wir dem kürzlich erschienenen Prachtwerke „Dreitausend Jahre Rom", das in farbigen Gemälden Me jahrtausendalte Geschichte der Stadt vor unseren Augen vorüberzieh«! läßt. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. I» Leinenband 16 Mk. — 11 hohen Sockeln aber blickt«: die Kaiser feieÄich und schweigend auf das ungeheuere Getümniel zu ihr«: Füßen. Die Ä^tove des Janusternpels war«: geschlossen, dem: Friede herrschte auf Erden. Am Senatspalafte vorbei erreichte die Sänfte das Transitorium Nervas, eine weite Prachtstrahe von Säulenreihen, eingefaßt mit dem zierlichen Minervatempel, als Schätzerin des gewerblichen Lebens, und dem Dogen des Janus Quadrifons, der den Der- kehr nach allen vier Himmelsrichtui:gen verkörperte. Im Süden schloß sich das Forum Despasians an mit dem Tempel des Friedens, in welchem die Schätze Jerusalems aufgespeichert lagen, nach Norden aber gelangte man durch ein Triumphtor auf das Forum des Augustus, das, von einer 30 Meter hohen Peperin- mauer umschlossen, gegen Feuersgefahr geschützt war. Hier standen in weiten Säulengängen die Ries«rbildsäulen aller römischen Feldherren, die im Triumph aufs Kapitol gezogen waren, die letzte war dem Cornelius Pulina, der unter Trajan Arabien erobert hatte, gesetzt worden. Aus dieser Llmvahmung heraus erhob sich di« Front des Mars-Llltor-Dempels mit feinem acht- fäuligen Peripteros. Am Eingang standen zwei Bildsäulen, die einst Las Zelt Alexanders des Großen getragen hatten, eine gold- ÄfenbÄnerne Athene des Skopas und ein Viergespann mit der Inschrift Patri Patriae, welche der Senat den: Augustus gewidmet hatte. „In diesem T«:chel," erzählte Silo feinem Begleiter, „werden di« römischen Feldzeichen, welche der Partherkönig an Augustus »urückgeben urutzte, aufbewahrt, unb die mündig gewordenen kaiserlichen Prinzen müssen hier die Toga anziehen." EU: anderer Triumphbogen, gÄrönt von vier bronzenen Pfeiden. leitete auf das glänz«che Kaiserforum, das Apvllvdoros v. Damaskus unter Trajan erbaut hatte. 1200 Säulen, 13 Tempel, 3 Basiliken, 8 Triunchhbogen, 1000 lebensgroße Bronze- und Marmorstandbilder füllten eS aus. Lieber «ms Weile dehnte sich der Säulen- gang, ti: welchen: sich die feinsten Luxuslädei: der Hauptstadt ausbreitetM. In der Mitte des Platzes erhob sich das Reiterbild des großen Kaisers, zwischen dem Flügelbau der Lllpiamfchen Bibliothek aber reckte sich seine Säule hoch in di« blaue Luft, gekrönt von der goldenen Statue Srajmt5, während seine Asche in der Basis ruhte. „Die Säule," erklärte Silo dem Athener, „ist 140 Fuß hoch und zeigt die Mhe des ehemaligen Ausläufers Vos Quirinals. 24 Millionen Kubikfuß Erde mußten abgetragen werden, wti> die Kosten der ganzen Anlage betrugen damals etwa 240 Millionen Sesterzien." Der Ritter befahl, denselben Weg zurückzunchmei: und beim Friedenstempel in den Dicus Pullius einzubiegen. Bon dort ging es in die engen Quartteve der Suburra mit ihrem Kleinhandel. Die Gassen waren sehr enge, viele Stockwerk hohe MietÄaserneu säumten sie ein, riesige Lcüänrschilder, bemalt mit Schinken, Kuchen. Gemüsen ccher Geflügel, Hingei: vor den Geschäftsläden, viele Schuster« unb Darbierstuben gab «S hier, übelriechende Garküchen, imb ein Plakat, auf welchem eine Matrone und drei Grazien gemalt waren, hing vor einem Freudeühaus. Endlich war das Quartier verlassen, und die Sänfte hielt vor dem Riesenbau der Tra- jansbäder, ein anderes Meisterwerk des großen Apvllodoros, der es auf den Grundmauern des Golden«: Hauses errichtet hatte. Durch das große Mitteltor schritt der Ritt« mit Demo- Phon in eine Wandelbahn, die mit echtem Nilsand bestreut war. umrahmt von schattig«: Bogenhallen, an deren Wänden die Anzeigen der Rennen und Theatervorstellung«: angemalt waren wn& welche von Neugierigen dicht umdvängt wurden; in der Mitte warf ein großer Springbrmm«: seine Wasser in di« Höhe. Der Türhüter nahm den: Ritter zwei QuadraM ab und führte beide in das Atrium, eine prächtige Säulenhalle zum Abkühlen, die herrliche Gruppe des Laokovn (1506 gefunden, jetzt im Vatikan) war dort ausgestellt. Shrische Tänzerftmen in durchsichtigen Gazeschleiern tanzten hi«' beim Klappern der Kastagnetten zur Linier» Haltung der Badegäste. Durch lange Gänge führte der Weg ins Apodytaion, ein prachtvolles Tonnengewölbe, magisch erleuchtet durch große, durchsichtige Steine in den Wänden. Hier legte man die Kleidung ab, und der CapsariuS nahm die Kostbarkeiten tn sein« Verwahrung. Wohlgefällig musterte Demophon die kostbaren musivischen Wandmalereien, di« Pracht der ungebrochenen Farben der Glaspaste: Leda und der Schwan, Zeus und Ganymed, Eros und die Grazien. Herrliche ausländische Gewächs« waren Um das Becken angepflmizt, aus welchem das warn:« Wasser in Duftstrahlen in die Höhe schoß. In weiche Bademäntel gehüllt, ging es ins Schwitzbad, das mit heißen Dämpfen, di« aus dem Boden emporströmten, gesättigt war. Es gab keinen Gtandesunterschied in den öffentlich«: Bädern, der Senator so gut wie der Soldat wurde auf den marmornen Ruhebänken geknetet. Eine Sanduhr zeigt« die Zeit an. Vom Schwitzbad begab man sich erst in das kalte Bad und darauf in das Eleiothesioi:, wo die Salber ihre Handfertigkeit zeigten und die Körper mit duftendem Oelen einrieben. Dann eilten die Friseure herbei, Dadeknaben hielten groß« silberne Spiegel und kräuselten Dart- und Haupthaare mit der Dremrschere. Gleichzeitig bedienten Pedikür«: die Füße. Dies« Toilettenkünfller verbreitet«: den Stadtllcrtsch und übertrieben alle Neuigkeiten, die st« von den Tausend«: von (Säften zu hör«: bekamen. Die Sonne hatte schon die Mittagshöhe überschritten, als der Ritter wieder die Sänfte mit seinem Sekretär bestieg. So schnell die Träger konnten, eilten sie an bei: Titusbädern, wo nur Frauen baden durften, vorbei, die große Treppe hinab gitm KolosseumSplatz, durch den Dicus Caput Africae zum Clivus Publicus. Die Türhüter reiß«: die Gartenpforte auf und können kaum di« Freude der epirotisch«: Doggen zügeln, welche laut bellen, als sie ihren Herrn Wiedeverkennen. Durch wohlgepflegte Rosen- und Deilchenbeete schreitend, wird di« Sänfte vor d«n Haustov niedergesetzt, vor welchem der Hofmeister mit dem wohlgeordneten Dienstpersonal dem Hausherrn nach langer Abwesenheit begrüßt. Wie Christen eine Frau gewinnt. Vom Jeremias Gvtthelf (Fortsetzung.) Der Colonel lachte nicht wenig unb sehr herzhaft und meinte, das sei wahr, weder im Holland noch in Frankreich sei ihm ein solcher Fisch vorgekommen; die Wirtin sah kichernd der Betrübnis zu. mit welcher der Amtsschreiber seine Parücke betrachtete, meinte aber, es gehe gerne so, wenn man Sachen machen wolle, die man nicht könne. „Können oder nicht können!" sagte der Amtsschreiber und griff aufs neue nach dem Dährll. „Nit, mit!" sagte di« Wirttn, „so geht man nicht mit den Fischen in einem Tröge um, sonst hat man sie morgen alle tot. Seh, gebt mir das Dährli, vielleicht gerät es mir jetzt." Lind richtig, in einem Griff hatte die Wirtin der groß«: Fische einen gefangen, rief aber sogleich Llersi und sagte: „Nimm die aus, während ich dis andern fürs Back«: fange, sonst werden wir heute nicht fertig." „Aber, Frau Wirttn, mid den andern?" sagte der Amtsschreiber, „Ihr habt erst einen." „Sieben große Fische und ihrer zwei," sagte die Wirttn, „und dann noch zwei Dutzend gebackene darauf, „es dunkt mich, ihr könnet es machen. Habt ihr dann nicht genug, so sind schnell noch andere zweg; aber zu viel auf einmal trögt nichts ab." find sie hatte ihren Willen, die Frau Wirtin, trotz Amts- schveiber uird Colonel, mit sieben Fischen mußten sie sich begnügen. Sie waren aber auch gut, die Soße kräftig und eben recht, daß der Colonel selbst sagen mußte, die seien recht passabel, er hätte es wirklich nicht geglaubt. Auch die gebackenen waren sehr gut trotz dem Zorne der Wirtin, die mit jeder Minute zorniger ward, weil in jeder Minute ihre Neugierde wuchs, toen Grit meine, während sie dieselbe nicht befriedigen konnte, denn in der Küche ließen solch« Verhandlungen sich nicht forisetzen. I« zorniger sie ward, desto besser gerieten die Fische, und, je mehr die Wirttn über die Donnstigs Fveßhüng pulverte, desto besser lebt«: diese, bis endlich der Oberst sagte: „Ma koi, Amtsschreiber, ich mache Euch mein Kompliment, es ist wahrhaftig keine Kleinigkeit, ein solches Wirtshaus in der Nähe zu haben, ich habe wirklich, solange ich heim bin, noch nie so gut gelebt, und auch der Wein läßt sich trink«:, es ist vom besten." Der Amtsschreiber ward ganz glücklich. „Sag doch der Wirttn. daß sie gleich hereinkomme!" rief er dem aufwartenden Mädchen zu. „Ihr köimt," wandte er fich zum Oberst, „ihr es selbst sagen, wie gut Ihr Essen und Trinken findet, es wird 'sie freuen, sie nimmt das auf di« Ehre, von wegen die Leute sind reich und wirten eigentlich mehr der Ehr« als ixs Geldes wegen. (Man sieht, der Amtsschreiber verstand sich wahrscheinlich auf Kontrakt« besser als auf die Wirtschaft.) Aber di« Wirtin kam nicht; was das Mädchen für eine Antwort erhielt, sagte es nicht, sondern bloß, sie hätte zu tun und nicht wohl Zeit. Aber der Herr Amtsschreiber ließ sich nicht so abferttgen, und was ihm mit den: Fisch nicht gelang, versuchte er an der Wirttn; er ging in eigener Person in die Küche, um ihrer habhaft zu werden. Lind wie sie sich sperrt«, bald das Fürtuch, bald die Hände vorschützte, sie mußte in die Sttrbe und war in einem Zorn, daß sie hätte verspritzen mögen, und mußte ihn doch verwevchen, denn an einen: Amtsschreiber und an eines Landvogts Bruder den Zorn auszulass«:, ist einer Wirtin nicht zu raten, und damals war es noch weit gefährlicher als jetzt. Sie mußte sich sogar neben den Herrn Amtsschreiber setzen, mußte sich ein Glas Neuenburger einschenken lass«:, mutzte dem Cölonei Bericht geben, woher sie den Neuenburger biogen, und wie fle die Fische fingen,; nrutzte da sitzen, und drauhen satz Grit und wußte etwas, das die Wirtin noch nicht wußte, und was sie zehntausendmal mehr interessierte, als was der Amtsschreiber und der Colonel zusammen zu sagen wußten, oder was sie ihnen sagen mußte. Lind gäb wie eS sie an allen Haaren zog, mußte sie da sitzen, bis endlich der Colonel nach der Llerti (Zechs) fragte und von Aufbrechen sprach Leicht ward es ihr ums Herz, als sie die Llerti machen konnte, obgleich sie keine leichte machte; indessen die Herren waren glücklich hatten einmal wohlgelebt, sanden sie sehr billig, gaben sogar sechs Kreuzer in die Küche und zogen nach freundlichem MMed in glücklichem Bewußtsein von dannen, wie di« guten Leute jetzt von ihnen reden und weg«: der Ehr« und der Frermdlichkeit und den sechs Kreuzern ihres Lobes voll sein würden. „Ma koi, es ist nichts leichter, als mit diesen Leuten nachzukommen, aber man muß sie zu nehmen wissen, c’est la chose,“ sagte der Colonel. Hinter ihnen sagt« die Wirtin: „Was ich doch froh bin, daß die beiden alten Stürm ine endlich fort sind; mein Lebtag habe ich die Herren nirgends lieber gesehen als im Rücken. W«m sie einem das Haus zunteroben gekehrt und am Ende drei Kreuzer Trinkgeld gegeben, so meinen sie, was sie g«nacht, auf den Knien sollte man ihnen dafür danken und sein Lebtag dankbar sein für die Ehre rmd die drei Kreuzer. Es ist gut, mutz man sie nicht alle Tage — 12 — haben, aber Wohl, freuen wollte ich das Kommen um Siche doch verleiden! Tief unten war frte Sonne, die Nacht war Meister geworden, doch schwarz war sie nicht, nicht graulicht aespensterhaft, sondern sternenreich und voll ahnu gsreichem Säuseln, doch daS fatzten di« Leute, welche .eben von einem langen Tische auf standen, nicht, st« stolperten schläfrig hinaus und suchten, ohne um Sterne und Säuseln sich zu füntmern, ihre Betten, GS war das Hausgesinde. WÄ» ches diesmal ungewöhnlich lang aufs Essen hatte warben müssen, da das Feuer gerade zur Zeit, als das Essen gekocht werden sollte, den Fischgelüsten der beiden Herren dienen muhte. Als alle hinaus waren bis an einen schlanken Burschen, der sich auf den Ofentritt legte, rief die Wirtin Grit herein. Grtt hatte unterdessen vor dem Hause gesessen. hatte manchs interessante Wort mit Vorübergehenden gewechselt, und die Einladung .fr« Magd, mit ihnen am Tische zu essen, wie eS manchmal auf Geheiß der Wirtin geschah, ausgeschlagen. Es wolle warten, sagte eS, bis sie fertig feien; bleibe dann noch etwas übrig, so nehm« es dasselbe gerne, es wolle nicht sagen, daß es nicht hungrig fei. So ist es nämlich Sitte mit den sogenannten Ütebmmächtleru, sie warten draußen auf die Beste, den Abhub der Tafel. Grit war nicht dumm, eS wartete gerne länger, bis die Wirtin es rief, kriegte es da vielleicht nicht bloß, waS das Gesinde hatte, sondern was von der Herrschaft; Grit wußte, was mit 'Demut und Bescheidenheit, zu rechter Jett vor gekehrt, zu gewinnen ist. Es wissen das noch mehr Leute als Grit, doch bei weitem die meisten verstehen sich nicht darauf. Grit hatte sich nicht verrechnet. Die Wirtin brachte noch ein Möcklein (Stück) Fleifch hervor aus dem Kuchischast, selbst ein Fisch in der Soße erschien; wie hrmgrig die Herren auch getan, alles hatten sie doch ckcht 6e- zwungen. „Aber nein,“ sagte Grit, „noch gar Fisch, du bist immet die Beste, nein wahrhaftig! Fisch ist nicht für unfeeec Gattig. iß du ihn selbst!“ „Mag nicht,“ sagte die Wirtin, „frage fresse Gräte nichts nach Speck ist mir lieber. Ab« sag du mir jetzt, an wen hast du gesinnet? Es hat mich fast versprengt vor Gtound«.“ „He! sagte Grit, „ich habe seither gesinnet, ich sollte es nicht sagen; von wegen es könnte vergebene Mühe gebot, und wenn e8 auch graten tat, es sind brave Leute, ab« ein wMig wunderlich imd altväterisch, und es ging nicht gut. fo müßt ich schuld fein und hätt so beidweg schlechten Dank.“ „So red doch Grit, und mach mich nicht taub, es mag gehen, tote e8 will, dein Schocke sollS nicht fein, und die Schuld wollen wir haben.“ „3a, das ist wrchl gut,“ sagte Grit, „aber vergiß nicht, was du gefaßt hast, und fmn dann daran, wenn es Zeit ist! Ich meine nicht dich, nein bhütis, aber Leut gibts, die leugnen einem haarklsm alles weg und habens vergessen, was sie einem bei den höchsten Aamen versiegelt und vernagelt haben,“ „Du wirst uns doch nicht zu solchen -Men!“ sagte die Wirttn. „Hafts ja gehört!" sagte Grit, „toi« mamhmal muß ich dir es sagen, fraß du meine beste Frau feiet!?" „So red.“ sagte die Wirtin, „oder ich werde taub.“ „He mm,“ sagte Grit, „wenn duS toitt ghebt haben, fo Höri 3m Trubertal oben ist ein grusam reich Dauemort, die Somchalde heißt er, den Leuten sagt man der Kürze zlieb nur dSSunurtm». Dort find drei Kind«, ein Sohn und zwei Töchter, bte sine ist verheiratet, die andere noch ledig.“ „Bcm besten hab ich schon gehört,“ sagte die Wirtin. „ES ist mir lieb," sagte Grit, „so weißt du, daß ich dir nicht lüge. Das sind also gntfam reiche Leute, der Bau« ist von sich selb« reich und von der Frau hat «, «S weiß kein Mensch, wieviel; wo fein Schwäher starb und sie zum Erben kamen, teilten sie das Geld mtt dem Mäh. Setzt soll jede« Kind wenigstens achtzigtausesrd Pfund (Pfund =- ein halb« Gulden) bekommen, dem Tochtermawr hat « zsHmtauted Pfund Ehesten« gegeben, waS noch nie erhört worden ist. llnfr beim ists nicht, daß sie dem Vermögen irach Staat mache« und nicht weich en, potz, die sind früh und spät, und feine Magd tut# ihnen gleich.“ „Gleich wie auf dem KabiSgrat,“ sagte die Wirtin. @8 zuckte üb« Grits Gesicht; da eS ab« eben am Fisch war, sagte es kaltblütig: „'s wird sein, wenigstens habe« sie den Ruhm, so weit man kömmt; selbst gesehen habe ich eS nicht. Ab« dSach hat eine« andern Hafen.“ „Oeppe ungesund,“ fragte die Wirtin, .vd« gebraten sie gerne zBarren in der Familie?“ „Was denkst, Amrik“ sagte Grit, „würde ich kür von ein« reden, wo d« Gattig z'schüche (zu scheuen) wär? Rein, aber es wollen viele Leute sagen, die wo noch ledig sei. Stüdi (Ehristtna) heißt sie. hätte im Sbtn, ledig 3U bleiben. Die einen sagen, sie hätte eine Liebschaft, «S wisfe ab« niemand, mit wem; andere meinen, sie könne das Mannevolk nicht schmöcken und hätte die Freude daran, alle zum Rarren zu halten.“ „Warum glaubt man daS?“ fragte die Wirtin. Sy> frenf, fügte Grit, „schon viermnfrztoanzig 3ahre all. , selliae Reichtum und mit z'schüche und no ledig?' ,Ss hat öppe jemand sich dürfen melden,“ sagte die Wirtin. „Was denkst Amrik" sagte Grit, Je blöd sind unsere Bube« nicht. sie habens ja tote die Metzger: wo die was FeißeS (Fettes) vernehmen, da haben ihr« ein Dutzend die Rasen int Stalle. ®ange Haufen haben sich Herteigemacht, und an Samstagen abendS war manchmal die Hofstatt so voll, daß die Bäume tarnt mehr Matz hatten, unb dann nicht etwa nur fc SchachengeschmäuS ofret Gerßenbauern. die vornehmsten und reichsten machten sich herb«, ab« ein« wie der andere erhielt feine Abserggetn (Abgehen sie an toetftntg). „Also mit meAarck hat sie sich anaelasieir?“ Wrüil a^*: ®nt* »^aS ist eben d« Gugger, daß man nicht W W ^gemeint M Schon ein paar.nal glaubte m^ Z aCtes aus. Des Müllers So^ Z^ttang freu Fuß im Hafen, dah al^ mrtitte, letz, letz lassen sie v«künden; all« Woche,» war « oben, um. wo was ging, &ielt « sie zGast und ging mtt ihr beim. ®a öw-w Signaumarkt, bet Müllerssohn führte sie zum n ^-n^Estvarten, was der Tisch hat tr^en möM» w2 60 ^^?Een, Sorten und Mandeln, kurz, 8U ^ben war, und lauter ^gemachten Wein eS getanzt fein, « befiehlt S&anfr«. Md zahlt, solange es tanzt, die Musik allein da a^ andern Mnzer mb Tänzerttmen warten müssen, so gibt *“ Mutigen Kindekr.) Du iSnfl fe»- &a^. , SU &t8nau nicht emging, die Höchstett« und Konolstnger sind nicht mit Stroh ausgestopft, es gab Feu« aber ^Knal teerte «die Stube; toietitie Löch« aber sieben lagen in die Leistung (sich auf SMte tüe Ausmachrten soll mehr als zweitausend Psimfr gekvsttt ^4 der Handel aus. Selb RachtW « Stttdi hsirnkvimen, aber von da an hat eS ihm nie mehr aufgetan, chm nie mehr Bescheid getan, « hat es ihm bringe« rnd.Ach toa* der ganze Handel mtt DM nk&t Schürt, daß b« Müll« apart HÄM. Gleich ist «s frSCSitren Sohn im Heubvd«^ gangM. Da hat man gemeint, eS könne nicht fehlen, und g^ i<& ^cht. die Hvchsettskfe^ hat getan mit ihm tote ein Aarr, 5®* ’S® Hände unter frte Füße gelegt, ist mtt ihm an alü ^^h^En^too^rt lustig ging, und kramet hat « ihm, was ihm Einmal fuhr « mit i|2 sie dort waren, kam ein Hausieret, te ^itMgte die Leute an, daß sie kram« in»?ichi faul, schlägt die Reutafer he» un^ daß es gestoben hat, kramet Stüdi, waS Schöns aewefem. göbtote eS 65 begehre es nicht, und « so^ ^ckm, man fän&e die Reutafer nicht auf bet Gasse aufzufesE 55»®. f8tea- noch »rehr. sagte bet Heubodsnsohn, es soll, Echt Kumm« haben, mrö toemt man zu viel sufeimmöer habe, ^ ‘nrr, urtfr märtete aufs neue um ein schön Hal^ tolLlnrLkVn Kirchgen^nden feiro» zu fhtfren gewesen wäre, alSrtn Dutzend AWdchm standen mich«, das Wass« zusammen, Md jedes dachte: „Oh. toenn doch ö« HeubodMs^n mein wäre samt dem Halstuch!“ Stüdi ab« sagte: „Hör doch, feufs uH, du machst eine grau«« Sach“ (Sacks. ! 'S^8 Heubodenbauern Sohn ab« lacht „Es h-tt mich swch nie was gereut; da, Kräm«, hast GsD. Md waszviel iL ist dsTrtnkgeld, bhaVS!“ And dsHalstuch ist .^^«^« hat «s Stüdi gegeben, das hat es genommW, ÄHt dazu gesagt; es ist mit ihm heimgesahren, ab« d« Handel ist ausgewefen. Stüdi tat ihm nie mehr Bescheid tat fein einglgnu»! m«Hr ihm auf, gäb tote nötllch et tat und sich htntersMnen wollte. Den Krqm könne et zurückhaben, toenn ec toolte faste eS. abet seinetwegen brauche « ihm nicht mehr unter öte Augen zu kommen. Seith« hat es noch manch« probi«t und 1«^« umsonst, fo daß es den jungen Burschen «leidet und man ansSngt dies und r«»es zu sagen. 3ch für mich glaube nichts 5? S>em ^Eitschi im Kopfe steckt, weiß ich bock *h* iDeRie wunderlich wird es sein, selb ziveifle ich vGIXMT. , 2?rr5? fragte, was bei solchen Ülmstäickeu zu fragen ist. Lebensweise ufto. Sie setzt«, zuscmunM, txS Uichev di« Sa^n untereinander, brachten ab« nichts heraus als -»aß fraS eine Sache sei unb zwar eine kuriose. Die Wirtin et» kamite, allweg müsse man da luegen, unb Grit erbot sich, fernem B«icht enquzichen und gelegentlich Annis Haus und Sohn zu rühmen und zDest z'vedsn, daß man toiffe, daß es geredet sei. «M war, fragt« Grit nach seinem Lag«. «Hob sich, chm med«zuzünden; im Vorbeigehen faben sie Shristen auf dem Ofen liegen. „Lue," sagte die Wirtin, tote « ab« dasiEgt und fchmrrfelt; toenn die Sterne vom Himmrt fielen, « horte es nicht. DaS kommt von dem nächtlichen Herumfahren, vielleicht ist « gestern doch auf dem Kabisgrat getoste Uegt mir letzt da wie ein Steim.“ „Seh!" sagte die Wirtin, frte 3mm gesprochen hatte, „steh aus und mach dich ins Aest, ^hin ghörst und nicht auf den Ofen!“ Diese Worte begleitete sie mit einigen wohlangebrachten RippenstShen. Di« trfiftige Ermah» mmg »«fehlte ihre Wirkung nicht- «Christen fuhr zweg, frehnt« sich und stieg brummend und gähnend seinem Gaden zu. Do toi« von ungefähr ließ Christen im Laufe d« Woche falten, « hätte Mut, am Samstag zAlp zu gehen, et sei lange nicht auf freu Bergen gewesen, und es nehme ihn wund«, tote es ihrem Füllen gehe, das sie dick« Beine wegen zB«g getan. (Fortsetzung folgt.) echnsileitung: Dr. Fried«. Milh. Lauge. — Druck und Derlag Zter Brühl'fchen Aniv.-Buch- und Steindruck«ei, R. Lange, Gießen.