Gietzener jamilienblätter llnlerhaltungrbeilage Zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1926 Samstag, -en 2. Oktober “ Kummer 79 Legende von den Säckren. Von Karl B r ö g e r. Im Paradiese steht Franziskus, spitz den Mund, auf seiner ewig blühenden Wiese. Um den Heiligen flattern die Vögel rund, daß er das Ave-Maria bliese und die Sonne recht lobte aus Herzensgrund. Zieht Franziskus die Wolken fort, wirft gute Augen zur Erde und erschrickt ungeheuer. Auf seiner Wange das selige Lächeln dorrt wie Gras im brausenden Steppenfeuer. Drunten krümmen sich Städte im Land, hungern und frieren Kinder, Mütter, Greise . . . Franziskus streift sanft den Zeisig von seiner Hand, greift nach dem Stab, hebt den Fuß zur Reise und tritt vor Gott. „Herr, dein Paradies ist nur ein Spott und ziemt unser keinem die ewige Seligkeit, solang drunten ein Kind vor Hunger und Kälte schreit wag die goldenen Hallen nicht länger sehn. Laß mich wieder uni Liebe auf Erden betteln gehn"" Greift Gottvater in eine dunkle Ecke, holt hervor zwei graue, härene Säcke, reicht sie Franziskus hin und spricht: „Zieh, lieber Bruder, ich halte dich nicht. Sammle Liebe in diese zwei Säcke ein! Du siehst: Groß ist der eine, der andere klein. Bring sie gefüllt zurück uin die gleiche Stunde morgen! Wollen doch schauen, was sich die Menschen heute für Liebe borgen." Franziskus wandert durch Weiler, Dorf und Stadt. Jeder den heiligen Bettler der Liebe gesehen hat. Viele knien am Wege hin, wenn Franziskus vorübergeht, lchlagen das Kreuz, murmeln und werfen schnell ein Gebet in den großen Sack. Der Heilige keucht an solchein Huckepack, doch schlaff hängt der kleine Beiitel von seiner Linken. Auf dem Heimweg sieht Franziskus ein Händchen winken, lind em Kind rennt in vollem Lauf hinter ihm her. Es steckt im Nu sein Vesperbrot dem Heiligen zu. Im Osten geht herrlich die Sonne auf. Steht Franziskus wieder im Himmel und schüttet die Säcke aus, kollern viele hundert Rosenkränze und Ave-Marias heraus >:nd die schönsten Gebete von allen Sorten. Sinnend stochert Gottvater in dem Haufen von Worten und sagt: „Schau, Franziskus, du hast dich umsonst geplagt. Gebete haben sie dir in den Sack gestammelt. Worte hast du für Liebe eingesammelt." Beugt sich Franziskus und gräbt das Stücklein Brot aus dem Haufen heraus, hebt es ins Abendrot und lächelt verklärt in seinem Angesicht. „Siehe dies Zeichen, Herr! Umsonst ging ich nicht." Gott hebt beide Hände und segnet den Bissen. Doch den Sack voll Gebete hat er in tausend Fetzen zerrissen. Franz von AM. Zu seinem 700. Todestage. Bon Mathilde Reinhardt. Der Heilige von Assisi! Wie ein liebliches Wunderbild lebt er vor unserem inneren Auge. Er, um dessen Haunt die Legende aus Jahrhunderten einen innigen Kranz bunter Knospen und Blüten geflochten. Bluten und Knospen, so blau und so leuchtend wie der umbrische Himmel, funkelnd und hell voll ewiger Reinheit wie die spendende Sonne des italienischen Landes, in dessen pulsendem und jauchzendem Herzen Umbrien sich dehnt. Ni.cht geuugsam weiß die Legende den heiligen Franz zu erheben, nicht erschöpfend genug diesen Mann zu rühmen, der voll edlen Menschentums und inniger Gottgemeinschaft ärmer, denn der Aerm- sten einer und doch so gesegnet und reich in dieser heilig-fröhlichen Armut seine Straße zog, lehrend und mahnend, in steter hingebender Nachfolge an dem Einen hangend, den die Erde getragen. Zu lieben un£ bienen erjchien ihm als seine größte und gottgewollte Aufgabe. Allerorten nnb jederzeit hat er sie erfüllt bis zum letzten Atemzuge, als der Name des heiligen Franz längst in die weite Welt gerungen war, und eine zu Tausenden zählende Gemeinschaft sich um ihn gesammelt hatte. Liebe, alles umfassende Liebe ging wie ein Leuchten von ihm aus und unuchloß alles, was um ihn war. Denn Gottes Atem durchwehte, Gottes Sonne umfing sie alle, ob Mensch, ob Tier, ob Bauiru ob Blute oder starres Gestein. Sie alle waren ihm Bruder und Schwester. Sem Sonnengesang, darin er uns als begeisterter ™ er^9egentntt, jenes bedeutsame Jubellied in italienischer Vo kssprache m innerer Leidenszeit entstanden, braust erhaben, ae- waliig und schlicht zugleich hinauf zur Ehre des allmächtigen und gütigen Schöpfers. 3 ®a$rii4) ein seltsamer Mann, der als reicher Kaufmannssohn zu Assisi alles hmier sich werfen konnte, Ehre und Ansehen, Reichtum und Gunst, um dafür die Besitzlosigkeit einzutauschen und ein Leben “ 'enAl1 "ich der Entsagung. Nicht plötzlich und unmittelbar wird owje Wandlung emgetreten sein. Sicherer i?t es anzunehmen, daß sie sich nach und nach und nicht ohne Rückfälle vollzogen Hai. . , hierhin hat Franz sich bereits als 25jähriger Jüngling — etwa 1206 — von feinem genußreichen und wohlgeordneten Dasein gelost, nachdem schwere Krankheit ihn h-^mgesucht und seinem Den- ken und Sinnen völlig andere Richtung gegeben hatte. Doch gebt er W. ™dj damaliger Sitte in ein Kloster, wird weder Mönch noch Einsiedler, jondern bleibt mitten im piilsenden Leben, verrichtet niedere Arbeit und verdient sich so seinen bescheidenen Unterhalt. Was darüber hmnusgeht, gehört den Bedürftigen. Er nimmt sich der verstoßenen Ausjätzigen an und lebt in selbstloser Liebe für die Armen und Schwachen. Einige Jahre später leuchtet ihm offenbarungsähnlich eng und scharf umrisien >ein eigentlicher gottgewollter Weg aus einer Pre- d,gt, die er in der Portiunkula-Kintz« zu Assisi hört, sonnenhafi auf. Voll Jubel und tiefen Glückes erkennt er, daß es vor allem seine Bestimmung sei, nach apostolischem Vorbild das harte und besitzlose Leben eines Wander- und Fuhpredigers zu führen neben einem Wandel in dienender Liebe gegen jegliche Kreatur. Im groben Bußergemnnd, barfuß und den Strick um die Hüften, durchzieht er öas Land mit dem Feuer der Begeisterung im Herzen. Seine R»de und jein lebendiges Beispiel zünden. Es wächst ihm Nachfolge: zumeist aus dein einfachen Laienstande. Bald wandern sie je zu zweien Mit des Papstes Einwilligung durch die italische» Provinzen, Lehrend und dem Herrn Seelen gewinnend und arbeitend um das tägliche Brot; zur Not bettelnd. Selbst Kleriker, hingerissen von dem Wandel dieses äußerlich unsajembaren Mannes zu einer Zeit, als das damalige Leben mehr und mehr in Berschwendung und Genußsucht verflachte und die Kirche nur noch scheinbar einem stolzen Bau glich, stellten sich unter die Nachfolge dieses Großen, der das himmlische Leuchten und den Gottesfrieden in sich trug. Feste Ordnung und Anschluß an das Papsttum forderte das stete Anwachsen der Gemeinschaft der Minderbruder (Minoriten), wie sie sich nannten, die sich bald über ganz Italien und weit über die ganze Welt verbreitet hatte. Veränderungen bedingte sie, die zu Anfang nicht in dem Willen Franziskus gelegen. Das Gebot der dienenden Arbeit wurde in den vom Papst Honorius — dem Nachfolger Jnnoeenz III. — betätigten Regeln 1223 fortgelassen, der Orden zu einem ausgesprochenen Bettelorden gestempelt. Was bisher in dringender Not erlaubt war, wurde jetzt Forderung. Die Verhältnisse zwangen, entgegen dem eigentlichen Armutsideal, zur Errichtung von Ordens- Häusern, zu weiteren Milderungen und Abänderungen der ursprüng- lichen Regeln. Niemals in seinem heiligen Eifer und Denken hätte Franz je eine derartige Entwicklung zu einem Orden, der sich ebenbürtig neben die alten angesehenen des heiligen Benedikt und Augustin stellen konnte, vorausgesehen noch bezweckt. Ja, er sehnt ich in späteren Jahrey in die frühen Zeiten des Anfangs und der Einfachheit zurück, wie wir es in feinen letzten Aufzeichnungen, in jenem bedeutsamen Testament an seine zurückbleibenden Ordensbrüder neben väterlichen Ermahnungen und Satzungen geschrieben wissen. In enger Anlehnung an das franziskanische Armutsideal bildete ich neben dem noch heute bedeutenden Orden der Franziskaner der Schwesterorden der heiligen Clara von Assisi, die eine eifrigtreue Anhängerin des Franziskus war. Ja selbst ein dritter Orden, der verheiratete Männer und Frauen — ungelöst vom bürgerlichen Leben — umfaßte und noch heute in der katholischen Welt Bedeutung besitzt, scheint unter der Einwirkung dieses Mannes entstanden Lu fein. So zündeten die gelebten Ideen des Franziskus und setzten sich nach allen Seiten hin in begeisterte Nachfolge um. Elend und schwach hatten die vielen Jahre unsteten Lebens, der Entbehrung und des innereren Feuers den ohnehin nicht starken Körper des Franziskus werden lassen. Immer schwerer zeigte sich sein Augenleiden. Dennoch ließ er Schmerz und Gebrechen nicht Herr über sich werden und blieb der Apostel der fröhlichen Liebe und des gottseligen Friedens, in Ehrfurcht von den Volksgenossen aller Klassen schwärmerisch umfangen. Dieser Mann, der in steter Gottgemeinschaft lebte und von Christi Le.iden und Schmerzen so innig durchströmt und durchschauert war, sie seelisch in höchster Verzückung immer wieder aufs neue so stark erlebte, daß das Wunder an ihm geschah, mit Christi Wund- und Nägelmalen sichtbar begnadet zu werden. In Scheu und in Demut versuchte er, dieses Zeichen inniger Verbundenheit den Menschen fern zu halten. Nach Isjähriger rastloser Bußpredigt und aufopfernder Nächstenliebe starb Franz von Assisi am 3. Oktober 1226 aus einem kurzen Leben voll unerschöpflichen Segens; dieser allezeit fröhliche Apostel seines großen Gottes. Er starb in seiner Vaterstadt Assisi, dahin man ihn aus der einsamen Gebirgswildnis der Apenninen in den bischöflichen Palast bei Herannahen seines Endes gebracht hatte. Mit fröhlichen Lobgesängen und Gebeten der Liebe schied seine Seele aus dieser Welt. Es hätte nicht erst der Heiligsprechung durch Papst Gregor IX. im Jahre 1228 bedurst, Franz van Assisi blieb nicht nur seiner Zeit ein helles Licht. Nein, über Jahrhunderte hinweg bei allem Wandel der Tage ist er auch uns Menschen von heute ohne Unterschied des Bekenntnisses in seinen vorbildlichen Haupteigenschaften ein begeisterter Jünger Jesu und der Apostel des Friedens geblieben, geliebt und bewundert bis auf den heutigen Tag. Die Feuerunke. Eine Franziskus-Legende. Von Carl Ferdinands Zu der Zeit, als der Spielmann Gottes, der selige Franziskus, in schmerzhafte Krankheit verfallen war und sein Ende heran- nahen fühlte, machte er sich mit drei jüngeren Brüdern nach dem Berge Alvernus auf, der, von dnnkelen Wäldern beschattet, von wilden duftenden Blumen umsponnen, von bewegten Quellen überströmt, seiner Sehnsucht nach Einsamkeit in Gott gerade das richtige Genügen war. Seine drei Begleiter hieß er am Fuße des Berges, wo in Wiesenmatten hier und da kleine Heuscheuern aus früherer Zeit standen, in einer solchen ihre Wohnung ausschlagen, er selbst ober trennte sich von ihnen und stieg höher, wo sich der Wald schon lichtete und Felsen zwischen Blütenrasen hervorschauten. Da wußte er ein altes Gemäuer, zur Einsiedelei geeignet, und beschloß, darin auf Gott zu warten. Da es nun Abend wurde und der Sinn des Heiligen zwischen den Sternen wandelte, erhob sich aus den warmen Steinen des Gemäuers die leise klagende, glockenreine Stimme einer Feuerunke, die da regelmäßig wie eine Uhr ihren Ruf erklingen ließ. Und Franziskus, durch den nachdrücklichen Laut aus feinen Betrachtungen aufgestört, verwies der Unke ihren Gesang und bat sie, zu schweigen, bis er sein Gebet vollendet habe. Aber unbeirrt von dieser Rede fuhr das Tierlein in der Mauer- spalte fort zu sprechen und sagte sein „Tiit, Tiit, Tut!" Durch den Klang, der in der tiefen Stille doppelt scharf ertönte, aus seinen Himmeln auf die Erde gezogen, beschwor der kranke Spielmann das Wesen noch einmal bei der Liebe Gottes; aber der Unk gehorchte nicht, ließ sich nicht beirren und fuhr fort „tüt, tüt, tüt!" zu sagen. Da erinnerte sich der Heilige des Gebotes der Demut und sprach zu sich: „Diese Stimme sendet mir der Herr, um mir zu bedeuten, daß ich nicht eitel sein soll und glauben, daß ich die Tiere des Waldes und die Vögel des Himmels beherrschen könne. Und da sie nicht zuläßt, daß ich in die Stille mich versenke, so will ich mit ihr den Herrn preisen!" Wenn nun die Feuerunke „tüt" sagte, so brachte der Heilige als Antwort „Erbarme dich unser!", und sagte das Tierlein zum anderenmal „tüt", so fiel Franziskus mit „Bitt für uns!" ein. Aber kaum hatte die Litanei begonnen, da schwieg die Unke beharrlich, als ob ihr das christliche Zwiegespräch unwert sei. „Siehe," ermahnte da der Heilige sich selbst, als er vergeblich wartete, „auch Geduld lerne ich durch Gottes Güte an dieser Kreatur!" Kaum ober hotte er sich wieder, da es nun stille war, in die Betrachtung der Herrlichkeit des Himmels versenkt, da begann die Feuerunke wieder lauter denn oben ihr unermüdliches „tüt, tüt, tüt!" Da schlug der Spielmann des Herrn seine Hände über den Augen zusammen; der Ruf des Tieres in den Steinen, die große Einsamkeit des nächtlichen Berges, das Schweigen der Wipfel und Felskanten, das schleichendleise Rieseln der Bäche umklammerte leine Seele mit Kleinmut, es war ihm, als ob die Feuerunke seinen Frieden durch ein dauernd unterbrochenes, höhnisches Gelächter vernichten wollte. Do betete er, betete in diese Rocht hinauf, mit erhobenen Armen, mit Worten, die wie Stichflammen aus der nacht- dunklen 'JJlauer nach den Sternen wehten. Und fast erschreckt hielt er inne und horchte auf di« Stimme des Unten. Der rief nicht mehr sein „Tüt, tüt", sondern nun {lang sein Gesang laut und hallend „Gott, Gott, Gott!" und noch ein- inal „Gott, Gott, Gott!" herzhaft und schmeichelnd, wie der Ton der Geige eines ritterlichen Sängers, und wieder „Gott, Gott, Gott!", weit über die große Einsamkeit des nächtlichen Berges hin, über das Schweigen der Wipfel und Felsenkanten, über das Riefeln der Bäche und das Aneinanderrascheln der Grashalme und Blumenblätter, weit ins Land hinaus wie die Glocken der Portiumkula, wenn sie den Triumpf der Demut, Geduld und Liebe preist. Und während die Feuerunke ihr andächtiges „Gott, Gott, Gott" rief, mischte Sanktus Franziskus, befreit von der Beklemmung des Alleinseins, feine Stimme in den Gesang des Tieres und der dun- kelen Natur, und sprach es aus, was sein Herz empfand: „Magni- ficat anima mea dominum, meine Seele lobpreist den Herrn!" Helium aus Wasserstoff? Von Professor Dr. Weilburg. Der elektrische Strom, der heutzutage unfern Millionenstädten Licht spendet, unsere Bahnen treibt und tausend anderen Zwecken dient, ist bekanntlich erstmalig in einer Größenordnung beobachtet worden, die gerade hinreichte, den Schenkel eines frisch getöteten Frosches zum Zucken zu bringen. Daran soll man immer denken, wenn einem die Größen, in denen das Neue auftritt, gar zu geringfügig erscheinen. Der Versuch, von dem wir berichten wollen, arbeitet allerdings mit Mengen, deren Winzigkeit selbst in der gegenwärtigen Physik wohl ihresgleichen sucht; handelt es sich dabei doch um Mengen, die nach Milliardsteln eines Milligramms oder um Milliontel eines Kubikmillimeters zählen. Aber darauf kommt es nicht an, wenn wirklich etwas Neues geschaffen worden ist, und das scheint in der Tat der Fall zu sein. Zwei deutsche Gelehrte, Professor Paneth und Dr. Peters, veröffentlichen in den Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft, daß ihnen im oben erwähnten, der Menge nach geringfügigem Umfang die Verwandlung des Wasserstoffs in Helium geglückt sei. Um die ungeheure Bedeutung einer solchen Verwandlung einzusehen, müssen wir zunächst bedenken, daß sowohl dos Wasserstoffatom als auch das Heliumatom in der gegenwärtigen Atomtheorie eine ganz besondere Rolle spielen. Das Wasserstoffatom oder vielmehr sein Kern — denn das ganze Atom besteht aus einem Kern und einem umlaufenden Elektron — ist deshalb so wichtig, weil dieser Kern der leichteste aller Atomkerne ist, so daß er also selbst nicht aus anderen Kernen bestehen kann. Der Kern des Heliumatoms steht jedoch dem Wasserstosfkern an Wichtigkeit kaum nach. Auch er ist ein ungemein häufig vorkommender Bestandteil anderer Atome; dies ergibt sich schon daraus, daß es gerade der Heliumkern ist, der bei freiwilligem Atomzerfall als Atombestandteil auftritt, so in den sogenannten Alphastrahlen der radioaktiven Erscheinungen. Daß der Heliumkern ein weitverbreiteter Bestandteil anderer Atome ist, muß auch schon daraus geschlossen werden, daß eine verhältnismäßig große Zahl von Atomen ein ganzzahliges Atomgewicht hat, z. B. der Kohlenstoff das Atomgewicht 12, Stickstoff das Atomgewicht 14. Würde der Wasserstoffkern die Hauptrolle bei ihrem Aufbau spielen, so wäre dies unverständlich, denn das Gewicht des Wasserstoffatoid« beträgt 1,008, während das des Heliums genau gleich 4 ist. Ist nun aber Helium ein Bestandteil anderer Atome, so entsteht sofort die Frage, ob es ein Urbestandteil ist oder seinerseits aus anderen Bausteinen besteht, als welche jedoch nur Elektronen und Wasserstoffkerne in Betracht kommen können, denn alle anderen Atome oder Atombruchteile sind schwerer. Daraus ergibt sich also die Frage nach dem Verhältnis des Wasserstoffkerns zum Heliumkern. Entstehen die Heliumkerne aus Wasserstoffkernen, wie dies Paneth und Peters behaupten, so kann daran, daß Wasserstoffkerne und Elektronen die letzten Bestandteile alles Stoffs sind, kein Zweifel mehr bestehen. Das Rätsel des Stoffs, dessen Lösung bisher schon sozusagen in der Luft lag, wäre endgültig gelöst. Wie aus unseren bisherigen Betrachtungen hervorgeht, wiegen vier Wasserstoffatome nicht genau so viel wie ein Heüumatorn, sondern nicht unwesentlich mehr. Schon seit langem haben die Physiker daraus den Schluß gezogen, daß der Gewichtsverlust, den Helium dem Wasserstoff gegenüber aufweist, auf Energieverluft zurückzuführen sei, denn Energie und Masse gilt der heutigen Physik als gleichwertig. Von dieser Anschauung gingen auch Paneth und Peters aus. Sie schlossen, daß, wenn Helium bei seiner Bildung aus Wasserstoff Energie verliere, auch keine Energiezusuhr für diesen Vorgang nötig sei; sie arbeiteten demnach bei ganz gewöhnlicher Zimmertemperatur, ließen also die Bildung des Heliums aus Wasserstoff im wesentlichen ganz selbsttätig sich vollziehen und beschleunigten sie nur durch sogenannte katalytische Wirkung. Hierunter- versteht der Chemiker, daß ein Stoff durch seine bloße Anwesenheit die Bildung einer chemischen Verbindung, die sonst nur mit unmerklicher Geschwindigkeit — praktisch also gar nicht — vor sich geht, so sehr beschleunigt, daß sie sichtbar wird. Als ein solcher Katalysator diente im vorliegenden Fall seinver- teiltes Palladium, ein dem Platin ähnliches Metall, durch dessen Anwesenheit sich aus vorher völlig reinem Wasserstoff im Verlause eines Tages oder selbst einiger Stunden merkliche Mengen Helium bildeten. In einem Fall gelang es, ein zehntausendstel bis ein hunderttausendstel Kubikmillimeter Helium in einem Tag zu entwickeln. Auch mit anderen Katalysatoren, z. B. mit Platinasbest oder auch ganz fein verteiltem Nickelpulver, gelang die Bildung von Helium. 315 — Ein Hauptverdienst von Paneth und Peters ist es, den Nachweis für Helium ganz außerordentlich verfeinert zu haben. Sie erreichten dies in der Hauptsache durch sorgfältige Entfernung aller anderen Gase, so daß schließlich nur das gesuchte Helium oder allenfalls ein ihm verwandtes Edelgas, das Neon, zurückblieb. In einer ganz feinen Haarröhre wurde nun der zu untersuchende Stoff aufgefangen und alsdann spektroskopisch untersucht. Die Hauptsorge mußte dabei darauf gerichtet sein, daß ein bejahendes Ergebnis nicht etwa durch anderes Helium — Helium ist ein Bestandteil der Luft — vorgetäuscht werden konnte. Der Nachweis wurde erstens durch die Ueberlegung geführt, daß, wenn Helium aus der Luft eingedrungen sei, dann auch das Neon denselben Weg gefunden hätte, was jedoch nicht der Fall war. Es konnte auch gezeigt werden, daß bei einem Vergleichsversuch, in dem nur der Wasserstoff wegblieb, kein Helium entstand. Dies läßt nur die Deutung zu, daß sich das Helium tatsächlich aus dem Wasserstoff gebildet hat. Danach scheint die Neubildung von Atomen fast eine uns viel näher liegende Sache zu sein, als bisher angenommen wurde. Unzweifelhaft wäre eins der wichtigsten Geheimnisse der Natur entschleiert, wenn sich die Versuche endgültig bestätigen. Sollte sich das Verfahren von Paneth und Peters als fruchtbar erweisen, so wäre nicht nur eine höchst bedeutungsvolle theoretische Aufgabe gelöst, sondern auch eine praktisch wichtige Frage, nämlich die der Gewinnung von Atomenergie, der Lösung näher gebracht. Die Folgen für unsere Energiewirtschaft, und somit für die Technik überhaupt, wären schlechthin unabsehbar. Uff de ©efolei in Düsseldorf. Vom Unkel Kunneroad in Fribberg. (Schluß.) Des Planschedarium is e kinstlich Wellebad wie die Nordsee e nadierliches is; es werd mit e paar Dampfmaschine Seegang un Brandung ebeigezauwert. Des sellt mr mit Uswasser bedreiwe; mr hädd aach die Ritschbahn im Vegniegungspark dodemit fille kenne. Jwwerhaapt: unser Uswasser is so e Seldenheit, deß mr unbedingt hädd en Uspawillio uffmache solle. Zum Beispiel hädd der glänzend higebaht newe die Vorfihrung von Wiederbelewungsabberade oder do, wo die Reddungsgerädschafde fer Bergwerke mit schlagende Wedder gezeigt woarn sinn. Fribberg hädd de erschde Preis gemocht; es wär en Haufe Geld in die Stoadtkaß geflösst un mr hädd dodeoon noch e paar Bänk on de Uspromsnoad un im Rosedoahl uffstelle kenne! — Widder e Gelejenheit vebaßt! Des neechsde Mol derf's net vergesst wern! Mr kann sich die Aage wund gucke un sich e strammes Bläserkorps on die Fieß laafe, wann mr alles seh un iwwerall higeh will. Un owends brummt aam de Hernkajde vor tauber Modelle un Zeichnunge un Filme un Bilder un Koarde un Dofele un Glih- berncher un Abberode, die wo die daufenderlei Stadisdiks vero- schauliche solle. Zwaa Aage genige net un zwaa Doog aach net, um alles se begucke! Zwaa Kepp net, um sich alles se merke, un zwaa Baa net, um iwwerall erumsestiwwele! Do hääßt's: Alkohol is Gift! E is de Ruin fer de Aanzelne, fer die Familie, fer de Staat un fer des Vaderland un fer de Velkerbund. Ich glaab, der krieht aach so die Krenk! — Un do hääßt's: En gude Schoppe Bier oder e Gläsche Wei oder e Werfche Schnaps öder en Schambes ferdert die Verdauung un erheht des Lewensgefihl. Aach mei Meinung! En prima Schoppe is mei Opernhaus; un dann tarnt mr jo nffheerit, wann mr spiert, deß mr voll is. — Do liesde, mr soll stdm Morjend un jeden Owend uff dem Deppich dehaam toarne un Hippe un mit de Aerm bmnbe un mit de Boa zowwele — un newedro kriehsde kloar gemocht, wie de bei uerrentbe Knoche Widder in die Reih geboge kriehe kannst..— Do preddigt e Sesamme- stellung: Laaft boarwes un zieht euch net so dick o. Die modern Domekleidung, die wo lehrt — in eine bescheidene Gewand zeigt sich de Maasder — is vorbildlich; mr muß sich obhärde! Drehsde dich erunt, do sinn Steckelschuh ausgestellt, Florstrimpercher un alle Siern, die wo Pelze liwwern un desweje so gern fer die Mensche fterroe. Do erkennsde aus Tabelle un Plakade de Schade vom Nikodin, un mr sellt kann Klowe plozze un net bräirne. Un e paar Schritt weiber steht e ganz Sigarebbefawrik, e Maschin debei, bie wo erc inecht, forbiert usw. „Aus steuertechnischen Gründen" krieht mr kaa ogebode; ich hobb wie schläächt geguckt, wie ich des gelese hobb, un hob mich seitwärts geschloge. Geht Haarn! Woas nizzt mich der ganze Spekdokel, wann ich net emol e Preebche vesuche berf! Stans howw ich doch gradis vewischt! Do, wo de Peifeduwock ausgestellt is, steht so e brauner, schlitzäugiger Deiwel mit eme bündige Such um be Kopp, mit so ere Turbin — ich glaab, sie howwe ben Boarsch exbra von Sumrnatra imporbiern losse — un buzzk Kleebche. Der Hot mr mei nefubbert Schnullerche schee gefegt! Danke schee, mein Liewer, host sauwer Erwet gemocht. Ich hobb seit bere Zeit en ganz annere Geschmack im Schnowwel. Mei Fraa Hot gemannt, wie st mr be Begrießungskuß gewwe Hot, ich häbb mr e neu Kleebche aageschafft; ich hadb st owwer baal uffgekläri! Woas mr bo noch seh kann? — Kinnergärbe, Kinnerhorbe, Jugenbherberge, 'Altersheime, Crholungshäuser, Toarnhalle, Schui- säl, Soalbeleüchdunge un Schulentlifdunge, Toarngeräbe — koarz, alles, woas mit be Schul un be Jugend, weiß Gott, woas mit dem ganze Lewe stsammehängt. Alles is vedrede! Siedwerschdcher un Flugzeuge, Mewel un Plattfießeitage, Audos un Leicheoerbren- nungsostalde mit jcheene bequeme eärg, rundbefunkde Cistbohwoge un schall- und duftsichere Kanalrehrn, berihmde Dekder un e aafach Heizern Friedhofskapell mit eine Glocketoarm un eme Friedhof drum erum, Feuerwehrsprizze un bie Kunze-Knorr-Brerns, bie Heilsarmee un bie Tonika Do, de Urmensch mit eine Morbsprichel in be Faust un ntoberne Boadeozieg fer Dame, je noochdern fe on be Siebsee ober on be Norbsee boade geh; bie letzbere sinn mit Pelz gefibbert un howwe eigearweidcbe elekdrische Heizkisst mit Norbpol- volt. In aam große runbe Gioaskasbe is e ganz Brauerei ausgestellt, wo owwer nor Luft, scheint's, gebraut werb; ober bie Brauerei steht unner Geschäftsufsicht ober mr hot be Betrieb voriwwergehenb inngestellt, weil en amerikanische Gesangverein on bem Doog bie Ausstellung besuche wollt. Widber in eme annere Haus is e ganz Wäschfowrik im Gang. Vorne tirnrnt bie Dreckwäsch in e Drommel; bann werb se boarch verschiebne Maschine doarchgefuhrwerkt un hinne kirnt se sauwer ernus. Wann ich jo Plazz hädd in meiner Wohnung, käm mr so e Ding ins Hans. Nor mißt bie aach fer zum Kinnerwäsche inn- geridjt sei! Wunncrscheene Bijelbrebber wem vorgefihrt, wo mr aach sehr bequem bes Sauerkraut bruff ansbricke kennt. Du siehst, wie des Persil un des Ata gemocht, vepackt un vewenb werd; wie mr sich, wann mr be neebige Spores hat un e biffi zeichne un mole un weihbinnern kann, sei Haus als allaaftehenber Moaler innricht. Wie mr sich schnäuze soll un net husbe berf; wie mr geh un laafe un springe muß; wie mr als Kinuche ausgeseh Hot, wo mr noch goar neu aus bem Ei gekroche woar; wie mrsch mache muß, beh mr bie neebige Bazze fer e Hiiusi jefammebringt, un gleich sinn so entzickende Holzhäusercher uffgefteUt, beß bie, wo sich kaans baue kenne, sich emol en Aageblick in aans sezze kenne un benfe kenne, sie wärn'sch. Ich hobb aach emol e Vertelstinbche in aam gehockt. Ich kann euch sooge: ich bin zwaaunenhalwe Doog bobrinn erim= gemocht, un ich woar br euch ganz ausgegejoleiert, wie ich eraus- komme bin! Owwer alles woas woahr is: bie Gesolei in Disselborf is e Sach; Sache mit Ei, wie unser Buwe dehaam sooge. Es ist bie Gesolei e Reich fer sich; sie is e Ruhmesblatt in be Geschicht vorn heubige Deutschland. Dm lezzde Doog, wie ich brinn woar, komm ich on so en Kaste, wo mr selbst sich e paar Lichtbilber brehe könnt. Do ftanne zwaa Männer bevor, die howwe prämiert, hinne geguckt und vorne geduckt, sinn um des Käsbche erum gange, howwe gerappelt bro un sich bann bespräche un aam ogeftiert, deß mr sich baal geschämt hoat. Ich hobb st do erumarmeibe seh, un weil se mr laab gebo howwe, bin ich uff se los un hobb st ogesproche. Sie howwe ihr tarierte Kappe obgenomme un erjenb so ebbes gewelscht, wie wann fe haah Kaboffel zwische be Zäh hädbe. Ich hobb en ben Mechanixmus gewisse un die Bilbcher laafe lasse. Sie howwe mich dann zere Daß Kaffee eigelobe, bie wo ich en net obgeschloge hobb, ich habd se jo aach vebient, un mr howwe uns so e biffi nnnerhaale. Sie woarn aus Englanb komme, exbra weje be Gesolei! Ihr Sproach hobb e biffi woas von unserm Wedberauer Deutsch. De aa, ber fegt nehmlich: „Ei häf en hoch Respekt vor Germany!" „Eich aach!" Sogt ich en. Mr sinn uns bann noch emol begejent, bo howwe fe mich so liewenswerbig gegrießt, un ich Habben nadierlich gebankt! Die wem vill fe erzehle howwe, wann fe Widder haamkomme, Jedenfalls is bie Gesolei aan große „Guck", wie bie Ritschbahn im Vegniegungspark aan große „Ritsch" is. Ritsch mit Gekrisch un Eiswaffele un Sache, bie wo mr net {eben Doog, st seh krieht; mit inbreffnnbe Aussichde un Osichbe un Gesichder, wann se uff bem Deppich erumgeboarzelt sinn, ber wo so schräg uffwärts sich bewegt. Ich hobb mich unue on bie Kaß postiert un wollt e biffi mitzugucke. So breht sich be Owwerritscher, bem wo ber ganze Zerkus geheert, erum, fezzt fo en lange Drichber on be Schnowwel un kreischt mr ins Gesicht, beß ich mich vor mr selwer geschämt hob: Wie bas rutscht! Wie bas flutscht! Wie bas rollt! Wie bas bollt! Wie bas kracht! Wie bas lacht! Dreißig Fennig bie Person! Kommen Sie heran, meine Herrschaften! Hier ist Rutschen ein Vergnügen! E schee Segniege, bacht ich mr; ich hobb von eine Geschäftsmann, ber roo auch geritscht is, nach net mei Kaboffel bezoahlt krieht! Do kimmt be Krischer uff mich zu, päckt mich om Darm — baal häbb ich weiß Gott dreißig Fennig aus meint Poadnwnnee gedoh — brickt mich beifeit un fegt: „Lassen Sie bie Dame, bitte, heran!" „Waas mir bro lieht", howw ich em bruffgewroe. „Dreißig Fennig bie Person!" Do koom br euch aa o! Heiliger Bimbam! Zwaa Zentner lewenb! Ehnder mehr als weniger! Die werb nach emol obgewoart, sogt ich mr. „Die kostet sechzig Pfennig", krische se hinne. „Ein Preis, meine Herrschaften! Rur heute abenb bei bengalischer Beleuchtung fünfzig Pfennig! Ein Lampion gratis!" Mei Mabam hot geblecht; ihr Spaziersteckelche bem Buwikeppche int Kassthäusche obgewwe un uff be Deppich. Un wie's Gewibber woarn bie Baa ornwe un be Kopp mit be Frisur unne. Sie Hot en Krisch geboh, beß mr'sch ganz bengalisch vor be Aage gctuoarn ta. Do hat se owwer agch schont aaner am Schtaffitsch, um bie Tall^r gepackt, des Ommerbeil nooch vorne gebrictt om Hinnerbeil un enuff gong’s! Dwroe staun fe un hat sich umgegutft, wie wann st's allaa - 316 — geschafft hädd. Unne staune die Mensche un howwe sich die Bäuch gehaale. Des ftheensde koom noch: Des Ritsche! Ich wollt erscht in annern Wääk gucke: nooch howw ich inr gefügt: Die kann froh sei, wann ich mei Operngloas net auspacke! Hier kennt mich kaa Menscheseel, frech wie Oskar in die vorderscht Reih: die annern gucke jo nach. IIn wofihr howw ich dann mein Eintritt bezoahlt! Owwe Hot se sich uff e Duch wie e Bettvorlag gesezzt — sie wollt jo erscht net, owwer sie könnt doch do orotve net iwwernochde — Hot die koazze Reck beienanner gepackt, un wie en klaane Wolkebruch koom se die spiegelgloatt Ritsch erunnergefekt. Ich glnab, so ähnlich sterzc in de Schweiz die Mensche ob; nor deß do net unne aaner parat steht, der wo se uffengt. Ich hädd jo zehe Fennig gewwe, wann ich se hädd uffange derfe! Ich hobb gedacht, kääfst dr en Schoppe Bier; des is gssinder fer bei Nervesisdem! Des aane is mr kloar woarn, owwer des howw ich eigentlich schont gewußt: Lache is en gesunde un billige Sport! Deshalb is nach de Begniegungspark so groß, des; des richdig un dichdig gelebt wem kann. Do is en große Danzbodden aus Eiseblech gelegt, do werd net foxgedroddslt, do laafe so klaane gepolsderde Wägelcher druff, die wo on veschieden lange Kette festgemocht sinn. En englische Rome woar uff dem Schild iwwer'm Eigang geschriwwe: The wip. Uff Wedderauifch hääßt des: De Wuppdich! Die Wägelcher sinn" erscht ganz schee hi und hergezoppi woarn. Uff an mol gong's schneller und schneller — aan Wuppdich nooch links, aaner nooch räächds, Widder aaner nooch räächds, Widder aaner nooch links; dann Hot sich des Kutfchche uff dem Doppsch erumgedreht — ich hobb so gedocht: nach e gesund Jewung, wann aans zum Beispiel Last Hot' mit de Ve« daunng, un die Darm un de Mooge net arweide. Des gibt Bewegung im Bauch! Keesweiß howwe se gewehnlich ansgeseh un ge- doarzeli sinn se, wann se erauskomme sinn, wie wann so de Dreh- maarm hädde. Do howwe se in ere „Mausefalle" sich fer zwanzig Fennig die Kepp gege enanner gerennt — wann se des dehaam ohne Eitritt gemocht hädde, hädd's Mord un Dodfchloog gewwe; so howwe se gekrische un gelacht. Do sinn se uff dem „Wilde Efel" erumkajeckert. Un dodebei froog ich die Menschheit, soweit se deutsch vesteht: Hobt ihr schont emo! en wilde Efel geseh? Ich hobb schont emol en schäle geseh: „beim Drachesels in Kenigswinder schont emol en lahme; manchmal aach en derrs oder uff eme Karefell en helzerns! Owwer en wilde! Der „Wilde Efel" uff de Gefolei is e Audo, eigentlich fo e Dort kaputtenes, des wo immer unregelmäßig obwechselnd aamol hinge un dann vorne in dis Heh geschnappt is. Die zahme Esel, die ivo fer zwanzig Fennig drinngehockt howwe, sinn mitgefchnappt un howwe aach gekrische un gelacht. Mir howwe se lnad gedoh; der Wilde Esel Hot aach voll Berochdung uff die Zahme enunnergeguckt. No, ich hobb gedocht; ich hobb eigentlich goar nix gedocht, un dann howw ich on mei Fraa gedocht: es gibt so Sache, die wo mr geseh howwe muß! Un wie ich do so on mei Fraa denke un weidergeh, leg ich mich britschebraat uff die Eizäunung von de „Liliputbahn". Un schont henk ich mit meim linke Elleboge im Stacheldroaht, den wo der Owwergefoleier groad owwe uff dere Eizäunung Hot uff- nogele loste. De Dünner aach! Des Hot dr owwer so weh gedoh; ich hädd om liebsde laut gekrische. Ich hobb de Krisch vebisse, un des ■ Enn vom Lied: ich hadd en Winkelriß im neue Sommergesoleiozug! Ich hadd mein Makke! Aans woaß ich jezz, un mr lernt jo immer groad aus de Unalicker. die wo aam bafsiern, wann in zehe oder zwelf Joahr die Gesolei Widder ufsgsmocht werd, dann wern Led- derftulpe mitgenomme. Bis dohi kennt er mr gewooge bleiwe. Ich hadd jo aach Pech! Doogszuvor woar die deutsch Schneiderinnung zu ihr'm Berdrederdoog in Difssldorf sesamme. Wann ich des mit dem Elleboge un dem Schlagsstacheldroaht geahnt ihädd, mär ich en Doog sriher gereist. Die hädde mr mein verrissene Elleboge flicke kenne; dene ihr'n Owwermgfchores is doch sicher en sehr nobel« gewandter Herr. No, ich hobb owends meiner Fraa e Koard ge- schriwwe, ich wär uff de Gesolei henke gebliwwe. Ich hob's noch- her bereut, des is en Scheidungsgrund, glaaw ich. Es woar do goar nix je mache, als sich in des vor der Hand Unflickboare se schicke. Ich hobb mein Mandel immer de linke Darm genome, un do Hot mr'sch net geseh. Die Liliputbahn is wunnerschee. Ich waaß aach, warum fe so hääßt: sie is ganz klaamches. E Lockemadivche, wo mr driwwer spsuze kann; oder wann de net driwwer speuze willst, weil mr des in de Oeffentlichkeit net mecht, kannsde nach driwwer Hippe. Derfst nor net om Schornstaache henke bleiwe. Sie fährt um die ganz Gesolei erum, Hot e paar Bahnheefcher, e Tunnelche un feegt do erum, wie e ausgewochse Eiseboh. Die Wooge, wo die Mensche bring sizze, sinn eigentlich kaa Wooge, des sinn Wägelcher. E Masse Mödercher howwe sich — es woarn nadierlich nach noch ärmere Leut drinn — spazieren foahrn loste. Ich hobb se all Lili gedaaft un e Bersche ogefange: Liliput, mei Hühnche; Liliput, mein Hahn! Owwer ich hobst mit kaaner Lili ogebennelt, waaß Gott net! Cs hädd nach fcheene Seng dehaam gewwe! Jmwrigens is mr derselwe Stacheldroaht noch emol begejent: Do woar e Zelt ufsgeschlooge, do hat Dorrte druff geftnnne „Hippodrom". Om Eigang staun aaner im Zilinder un sonst nach wie en Herrnreider uffmonbiert, un hoi vezehlt, beß mr hier uff lewenbige Schimmel reibe kennt, wann mr'sch aach net gelernt hädb. Musik wär do, un ihr Gäulcher beede aach danze nooch dem Takt. E Mack deed's kosde. Aafalt, howw ich gedocht; ich geh hinne hin, mach die Blank enufs un guck uuner'm Zeltdach doarch. Dunnerkeil! Ich hob mich schee bezoahlt: zwaa Finger on de räächde Hand howw ich mr verrisse. Als net so schlimm, als wenn noch de annern Elleboge die Krenk krieht hädd. y Ole Ich bin dann eniwmer zu de Pilsener Bierstnbb. Groad vorne bevor lieht e kolossoal Britsch im Rhei. Uff bere Britsch steht mibbe en Difch un on bem Disch zwaa Stihl. Uff dem aane Stuhl hot aaner geseste, der hoi en Strick in be Hand gehaale un on dem Saal woar e Flugzeug fest gemocht. Sicher woar'sch dem Übet feine. Dann der beet owenbs fliege, Hot mr uff Plakate qetefe bis wo on be Beem ogebrocht woarn. Wie ich bo noch e Weil geftanne hadb, koom aaner aus bere Bier- ftub eraus, br Kerl Hot ausgefeh, wie wann er fer e Madoreelfowrik reife beet un fei Mufberkollektion statts im Koffer uff dem Ozua erumfchleppe beet. Er Hot net links un net räächbs geguckt, is uff be Abberat los, Hot em bie Kapuzz von be Ohrn — ich tnaane von bem Propeller genomme — un aans — zwaa — drei Hofs gebrummt, deß mr die zwaa Ohrn zugefoahrn sinn. „Das ist ein Wasterflugzeng", Hot en Mann newe mir fo laut gesagt, deß ich es Heern mußt. „Meinen Sie", howw ich erwidert. Ich glaabt nehmlich, er beet mit mir schwäzze. „Ich rede nicht mit Ihnen!" koom's strick. „Danke schee", howw ich gesagt un hobb mein Hut obgenomme Du kannst mr jo aach emol be Buckel enufs un enunner ritsche. Ich hobb gebocht, ber is »errieft; der Hot woahrfcheinlich vorhin im Wilde Esel sein Hernkasde vemerrt krieht. Vielleicht is em aach uff de Berg un Talbahn fei bifje Kriß dorchenannergeritfcht. Ein Wasserflugzeug »du Hanuebambel! Un bebet is ber Flieger wie die annern in be Lust erurngefchwerrt ;ber fliegt boch net im Wasser erum? Simpel. Ich hobb in annern Wäük geguckt, deß er net bie Verochdung gespiert hot, die wo aus meine Auge geflizzt is. „Man nennt es Wasterflugzeug, weil es von dein Wasser auf« steigt und auf dem Wasser landet!" Wann ich om Ockfchder Gensdeich mit em gewest wär, hädd ich em e Ladung Dreck mit Kaulquappe se schlucke gewwe. Owwer so howw ich be Nowele markiert un stin still gewese. Er hot noochher noch mehr dem Frauenzimmer vezehlt, des wo er bei sich gehabt Hot. Die muß schwerheerig gewest sei, so laut hat er gefchwäzzt. Er Hot aach alles in so eme gereizde Ton gerebb — ich glaab, es woar sei Schwiegermutter, bie wo er ussgeklärt Hot. Ich bin aafad) fortgange un hobb en mit stiin Wasstrschrnuß allaa geloste. Wasstrlandflugzeug mißt bes doch haaße, Howw ich mr gesagt un bin zum Schluß ins „Planschedarium" gezoge. Ich dacht mr, bo is es kihl drinn, un es gibt nach was se' gucke. Ihr liewe Leut, des is e Idee! E ganz aafad) Bredderhall, mibbe e Wasterbasiäng, ringserum e zwaafteckig Tribiin mit Disch un Kaffee un Woarfchdebreedcher un Bier. Owwe driwwer e Loch mit eme Dachgerist. Do kann mr, wann de Petrus sei Planschedarium uff« mecht, e Zeltbuch driwwer lege. Wie ich eninntomme bin, rooarb groad en Sd)wimmoerein fobografiert. Es woarn owwer nor Männer un meifbens Buwe. Sonst wär id) nad; wibber ennusgange. Späber is, ich woar am bribbe Sdjoppe, e Dam komme, nabierlich ineme Schwimmozug, ber wo er tadellos geseste Hot. Fei! Alles wos woahr is! Do howw id) mr gefegt: die hädd jo drauße bleiwe kenne. Du host fe net gerufe un woarfcht aach beerfdjt bo. Un bo bin ich aach sizze gebliwwe. Ich hobb mr allerdings jedesmal bie Brill ge- buzzt, wann fe uff mich zugefchwomme is. Aamol woar fe ganz noh unne on be Trepp bei meim Difch, deß ich net annerfcht denke formt als: jezz kimnit fe erausgeplanfcht un direkt uff mich zu. Ich wollt groad e räächd kurasthiert Figur mache — bo stump id) mit meim fchläächbe Klowe bes Biergloas um, beß bie ganz Bescherung uss be neue Disd)deck loog. De Droer kimmt getaafe un wollt ebbes sooge, bo howw ich em uorgegriffe un en ogesoahrn: „Des is doch wohl hier des Planschedarium!" „Jawohl, mein Herr!" „Danke fd)ee", sogt ich, hobb mei Schoppe berappt un bhi ob« gezoge. Ich hädd jo gern noch e biffi geguckt; bann es woar merklich wunnerschee. Erscht woar bes Wasser wie in eme gewöhnliche Schwimmboad. Uff aamol Hofs Welle gewwe un e Branbung wie on be Nordsee ober om Meer! Enufs — enunner, enuff— enunner! Un nerjenbs Hot mr wos von Stoarm ober vom Winb gespiert. On meim Disd) Hot e älber Dam geseste, bie Hot als gesagt: Wie indres- fant! Zu inbreffant! Wie sid) bas hebt und senkt! Wellen! Wellen! — Mir Hofs nach gehowe, wie id) bere ihr schläächt Gesd)wäzz ge= beert hob. „Wissen Sie auch, was bas darstellt?" fragt ich. „Lächerlich," fegt des Oos, „des Meeres und ber Liebe Wellen!" Un bobebei Hot fe ihm Mops massiert, der sicher Asthma gehabt Hot. Sie Hot, glaaw ich, Obsichbe gehabt. „Gehn Se Haarn," sogt ich. „Des is e Darstellung vom lezzde Seebewe in Japan!" Sie Hot mid) bekrocht, wie wann fe im nächste Aageblick immer« schnappe wellt. Wann se des geglaabt hädd, mär bie Welt um e Ogefchmisrt reicher gewese. Ich bin losgebrallt un om nächfde Doog, wie ich im Zug geseste hob, fegt aaner von be Mitreisende: „Nun, sind sie einig im Reichstag?" Do mußt ich, wie ich des geheert hob, deß ich ivibber in Deutschland woar. Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.