Gießener jamUenblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang (925 Samstag, -en 5|. Oktober Nummer 87 Herbstabend. Von Anton Schnack. Abendlicher Lauch aus Keinen, schiefen Schlöte» Ruht gekräuselt Wer First und Dach, Ferne Flatterwölkchen fangen an mit Liebreiz zu erröten. Langsam segeln sie der müden Sonne nach. Falter tasten leis« an die blauen Scheiben, Wo der Wind die dunklen Blätter regt, Roch erklingt das abendliche Treiben, Dis der Dämm'rung Rauch sich in die Gassen legt — Tiefer dunkelt schon das Mau der Ferne, Kinderlieber klingen seltsam aus, And die ersten schmalen Silbersterne Steigen in die Rächt mit leichtem Glanz hinaus... Das Gespräch in Laleh. Von Hugo von Hofmannsthal. Aus einer Schilderung seiner „Reise im nördlichen Afrika" veröffentlicht Hofmannsthal in dem soeben erscheinenden „Insel-Almanach auf daS Jahr 1926" einen Abschnitt, der in einem fremden und eigentümlichen Rahmen tiefe Erkenntnisse über deutsche Wesen enthält. Wir- geben dies Gespräch mit einigen Kürzungen wieder., Der Anfang war schwierig, sagte der Hauptmann de B. Ich war mit fünfundzwanzig eingeborenen Reitern ganz allein dgxt unten im Atlas: das Gebiet, das ich „in Ruhe zu halten" hatte, umfaßte zehn Tagereisen mit einer Bevölkerung von vielleicht zweimalhunderttausend Berbern, nomadische und niemals zur Ruhe und zur Anterwürfigkeit geneigte Stämme; man war zu Anfang des großem Krieges und unsere Situation hier im ganzen höchlich auf der Schneide des Messers. Aber «s war dies der große Moment des Marschalls Lyautey — einer der großen Momente seines Soldatenlebens — Sie haben davon gehört, — und wir sind imstande gewesen, unsere Auf- gabei« zu lösen, sowohl im großen ganzen als im einzelnen. Ich die meinige aber nur durch die Hilfe eines Deutschen. Ich sah ihn an. Dieser Deutsche befand sich nicht bei mir: ich habe ihn nie gesehen. Aber als ich mich auf meinen Posten begab, wußte ich daß ich nichts ausrichten würde, wenn ich zu urtümlichen und kriegerischen Menschen brach den Mund eines Dolmetschers spräche — in einer Lage, in der alles auf die persönliche Geltung ankam. Es handelte sich um die Sprache, welche dies« Stämme dort im Süden und auch weiter südlich des großen Atlas sprechen, um das „Schlö", eine Sprache, deren Kenner in Europa damals Wohl an den Fingern einer Hand hergezählt werden konnten. Aber ich hatte in der Tasche eine vollständige Grammatik der Schlö-Sprache, keine fünf Jahre alt, das Werk eines Deutschen. Einer unserer fleißigen Reisenden, der vor «eurer Ankunft daS Atlasgebiet durchstreifte, und diese philologischen Kenntnisse gesammelt hatte, sagte ich Keines Reisenden. Dieser Herr hat sein Leipzig nicht verlassen and seinem Fuß nicht auf die afrikanische Erde gesetzt. Aber der Zufall hat einmal fünf Schlö-Tänzer nach Leipzig verschlagen: sie sind, scheint es, dort im einem Zirkus aufgetreten. And mein Deutscher? Das heißt, Ihr Deutscher? Hat sich über sie hergemacht und sie nicht verlassen, bis er diesen Menschen im Gott weiß wcrS für Gesprächen, mit Gott weiß welchem Aufwand an Ausdauer, Geschicklichkeit und philologischem Genie die Elemente ihrer Sprache herausgelockt und diese in ein grammatisches System gebracht hatte, das ich heute, wo das Schlö mir in zehnjähriger Aebung geläufig geworden ist, nur noch mehr bewundere. Wenn Sie jemals nach Leipzig kommen und Herrn Stumme begegnen — So werde ich diesem deutschen Gelehrten sagen, daß er einem französischen Offizier einen s
In einer besseren Weise, als mit sehr vielen Europäern antwortete er; und was er sagte, um diese Antwort zu be- gründen. war mir schön und merkwürdig, aber ich zeichne es hier nicht auf. — Wir saßen, als wir dies sprachen, auf dem flachen Dach der Medersa von Saleh, der alten kleinen Stadt der atlantischen Küste, deren Einwohner alle „Andalusier" find — einst Vertriebene aus den maurischen Königreichen in Spa- men — und daher von einem besonderen Stolz, einer besonderen Wohlerzogenheit, einer besonders hohen Bildung. (In den Jahrhunderten aber, die dann folgten, liefen von hier aus die qe- fürchteten maurischen Piratenschiffe, vor bereit die Küste von Cadir bis Genua oder Livorno zitterte.) Zu unseren Füßen lagen die engen Straßen der Stadt, draußen das Meer, einwärts das Land; rechter Hand der starke Fluß, der.sich hier rns Meer ergießt, und überm Fluß die größere Stadt Rabat, werß und von einer hohen, gelbbraunen Mauer umgeben. Ich sja. das mag sie,sein, aber immer mit einer Welt trächtig. 3rt einem ungeheuren ruhelosen Auf ,and Ab wandelt sie beständig Geist äu Leib, Leib zu Geist. So gebietet sie auch die Form eures Lebens: euer geistiges Leben ist immer erneute schmerzvolle Neugeburt. Eure Toten sind nicht beständig bei euch, sie sind nicht in einem Saal mit euch, wie die unseren. Aber sie werden euch in wilden Stürmen neu geboren. Heinrich von Kleist, Büchner, Hölderlin: ich sehe diese vor hundert Fahren Bei> storbenen stärker in euer Leben eingreifen als wen immer von den Lebenden. And seid ihr nicht im Begriff, euer ganzes sied- Jehntes Jahrhundert umzuwerten? Denn ihr ruhet nicht auf dem Sein, sondern ihr habt euer Schicksal im Werden. Aber welch ein Wunder, eure Sprache! Welche Weite! Welche Befruchtung aus der Dunkelheit! Sie isoliert mehr, als fte verbindet: ober das Große isoliert immer, das Poetische isoliert, und baS ®enie ist immer einsam. Welche Möglichkeiten aber für das ©enic, in dieser Sprache fast über die Grenzen der Menschheit hinausz ukommen 1 ©ein ernstes, oft einem leidenden Ausdruck nahes Gesicht belebte sich sehr, indem er sprach: Gr war glücklich, so beredt und frei ein geistiges Phänomen zu bewundern und Sympathie zu äußern. Einzelnes, die Eigennamen natürlich, aber auch andere Wörter, sagte er auf dmitsch in einer sehr reinen, hauchenden, schwebenden Betonung: sv dies Wert weltlos", das „Weltlose". Eigentümlich kamen mir diese deutschen Wörter m seiner Rede entgegen: so zart, wie gespiegelt, etwas geisterhaft. Alles aber auch um uns sah in diesem wunderbaren Licht aus wie gespiegelt. Die Häuser uns zu Füßen, die hohen gelbroten Mauern drüben in Rabat, Tiere und Meschen am Ufer des Flusses, alles war völlig entkörpert. Die schmale Wolke in der Gestalt eines Fisches glühte purpurviolett. Ein Starenzug flog von ihr aus gegen Osten hin, und dort ging das Türkisblau in ein zartes Grün über. Das Feme schien sehr nahe — das Nahe ungreifbar vergeistigt. Alles bebte in sich, aber eine Harmonie hielt alles in zauberhaftem Gleichgewicht und die Offenbarung des Schönen schien eine ungeheure (Bedeutung anzunehmen, die uns, um nächsten Augenblick, fühlten wir, sich zu unverlierbarem Besitz enthüllen würde. Künstlerschickrsal in Amsterdam. Don Emil Waldmann. . Duf der historischen Ausstellung, die Amsterdam zu seinem vöomhrigen Stadtjubiläum veranstaltet, macht man sich Gedanken über die Rolle, die Kunst und Künstler dort f trieften. Man tut doch immer so, als sei Amsterdam das nordische Venedig auch in diesem Punkt gewesen. Aus der ganzen venezianischen Kunst find nur Lorenzo Lotto und Tintoretto geborene Venezianer, alle anderen zugezogene Leute, angelockt von dem Glanz der Stadt und ihrer weisen, großen Kunstpolitik. So waren auch die wenigsten holländischen Maler in Amsterdam geboren. Aber Amsterdam machte es mit den hergereiflen Künstlern nicht wie Venedig im 16. Fahrhundert (das sogar einen Deutschen, Albrecht Dürer, als Ratsmaler mit großem Gehalt anstellen wollte), sondern es machte es ähnlich wie München im 19. Fahrhundert stach der Reichsgründung, wo die Hochmögenden nicht mit der Wimper zuckten, als Leibl und Thoma, Trübner und Liebermann, Corinth und Slevogt der so unkünstlerischen Kunststadt den Rücken kehrten. Amsterdam hat die Großen hungern lassen und die Mittelmäßigen gefüttert. Die Stadt war nach dem Sieg über die Spanier reich geworden und fühlte sich Fm Anfang des 17. Jahrhunderts fand sich eine sollde Malkultur auf dem Gebiet des Porträts vor, Bildnisse, Gruppenbildnisse, Schützenkompagnien, Dchühen- mahlzeiten, Waisenhausvorstände, Gildenvorsitzende, Handelskammerpräsidenten, Aufsichtsräte — alle ließen sich in dieser plötzlich reich gewordenen Stadt malen, lebensgroß. Am 1630 gab es dort eine tüchtige Malerschaft für die Erledigung dieser Aufträge, nach CornelisKetel kamen die Thomas de Kehser und Ricolas Elias, und dann kam der aus Haarlem gebürtige, aber ganz zum Amsterdamer gewordene Bartholomäus van der Helft. Er führte diesen Stil zur äußersten Vollkommenheit, eine äußerliche Vollkommenheit, der es nur an innerer Vollkommenheit fehlt. Frans Hals, der unübertroffene Meister der Doelen-Stücke, war auch einmal in Amsterdam, aber er flüchtete schnell wieder in seine Heimat. Das haarlemsche Maltemperament stieß mit der amsterdamisch-friesischei t Dickköpfigkeit böse zusammen. And wenn'S ihm mich dort schlecht ging, so schlecht, daß feine Töchter fürs liebe Geld auf die Straße gingen — er kam nicht wieder. Mit Barthel van der Heists öliger Eleganz mochte er nicht konkurrieren. Fan Steen, ein genialer Mensch und sehr großer Maler, war überall in Holland; nur nach Amsterdam kam er nicht. ®in_ stolzer Charakter, Karel F a b r i t i u S, unter Rembrandts Schülern die größte Persönlichkeit, kehrte der Hauptstadt den Rücken und zog in das stille Delft. Der Delftsche Vermeer endllch, wieder ein Genie, das nur .vierzig Bilder malte und von dem Dämon der künstlerischen Vollendung besessen war, der monatelang sich mit dem Verhältnis eines blaugrauen zu einem gelben Ton herumschlug, wäre in dem lauten, hochmütigen Amsterdam vollkommen undenkbar. Pieter de H o o ch, der von Delft nach Amsterdam zog, verdarb seinen Stil und wird in dieser reichen aus einstiger Delftigkeit langsam zu modischer Eleganz avancierten Dürgergesellschaft zu einem parfümierten Gesellschaftsmaler von beinahe französischer Allüre. Die Farbenradierungen des Hercules Seghers, des großen Einsamen, werden von Amsterdamer Krämern buchstäblich als Pfeffertüten verwendet, Adriaen Drouwer, der Vlame, hielt es nicht lange in Amsterdam aus und rettete sich nach Haarlem. ®ie beiden Van de Veldes, Vater und Sohn, waren und blieben io arm. daß sie schließlich bei dem englischen Erbfeind Arbeit suchten, und Ruisdael ging in äußerster Rot »nach Haarlem, um dort im Armenhaus zu sterben. Emanuel de Witte, einer der Eigenartigsten, der nicht nur die schönsten Kircheninterieurs malte, sondern auch die erstaunlichsten Fischmarktszenen mit großen Figuren, ein Froniker, von Herzensweichheit nie angefochten, bängte sich, weil er nichts mehr zu essen hatte, als alter Mann in einer kalten Winter nacht an einem Amsterdamer Brückenbogen auf. Gin einziges Mal versuchte Amsterdam, einen Großen zu protegieren: Meindert Hobbema. Aber es ging schlecht _ aus. Der hatte eine Liebelei mit einem Dienstmädchen! des Bürgermeisters, und wemi er sie heiraten würde, wollte man ihm ein städtisches Amt geben. Meindert Hoffema wurde Zöllner und Äichmeifter. Man würde dieses Register sortsetzen, wenn es nicht sv aussähe wie Angst wegen Rembrandt. All die Mißgeschicke, die jene andere trafen, wurden zur Tragödie bet diesem Genius. Ignorieren konnte ihn die Stadt nicht, und er war ein Fahrzehnt lang berühmt, das Aerztebild, die „Anatomie des Dr. Tulp", hatte ihm die führende Stellung verschafft und die Konkurrenz, de Kehser und Elias, überflügelt. Sein zweiter großer Auftrag, das Schützenstück der Cloveniere, die „Nachtwache", dieses Wunderwerk, hinterließ tiefe Verstimmung. Die Leute, die da porträtiert waren, fanden sich nicht ähnlich, waren es auch wohl nicht. Man kehrte sich ab von ihm, und das Festmahl zur Feier des westfälischen Friedens bekam nicht er, sondern van der Helft in Auftrag. Bei dem waren 'sogar die teuren Kostüme ähnllch. Inzwischen war nun auch das große neue Rathaus fertig geworden, ein imposanter klassizistischer Bau. Man brauchte Bilder. Für die Wittheitsstube malte Rembrandt eine historische Moralität, jene Szene von Quintus Fabius Maximus, mit der man damals so gerne Gerichtsgebäude schmückte. Man nahm ihm das Bild nicht ab, und sein Landsmann Jan Lievens schmückte diese Stelle mit einem halb italienischen Gemeinplatz. Als man, um 1660, Historienbilder für die große Marmorgalerie des Rathauses wollte, bekam auch Rembrandt, da der ursprünglich in Aussicht genommene Rembrandtschüler Govaert Flinck gerade gestorben war, einen Auftrag. Er sollte in ein Dogenfeld dieser Galerie die Geschichte der Verschwörung des Julius Civilis malen, sechs Meter breit, jene Geschichte, wo dieser Bataverfürst, ein Mn Herr der neuen Niederländer, im Jahr 69 n. Ehr. .seine Genossen aufruft zur Verschwörung gegen die feindlichen Bedrücker, die Römer, und sich von ihnen den Treueid schwören läßt. Ms die Hauptsache so gut wie fertig war, brachte Rembrandt das Bild ins Rathaus, um zu sehen, wie es inmitten der schimmernden Marmorgalerie aussähe, und um das Ganze dann nach dieser Umgebung zu stimmen. Er fand noch mancherlei zu ändern, nahm das Bild wieder mit ins Atelier, um es dort fertig zu machen. Rembrandt arbeitete langsam, aber der Rat drängte, daS Wandbild sollte wegen einer Fürstenbegrüßung zu einem bestimmten Termin fertig werden, und da Rembrandt nicht eilte, entzog man ihm den Auftrag. Dein Schüler, der Holsteiner Jürgen Ovens, pinselte bann in vier Tagen das Dogenfeld voll. Honorar bekam Rembrandt keines, trotzdem er auf den Auftrag hin Schulden hafte, und man stellte ihm das Gemälde wieder zur Verfügung. Da stand es, sechs Meter im Quadrat. Keiner wollte es haben, und so zerschnitt er es und verkaufte die Hauptgruppe, die immer noch drei Meter breit ist. Das Bild kam dann nach Schweden und ist heute als Leihgabe der Stockholmer Mademie, die es aus Privatbesitz geerbt hatte, im Museum zu Stockholm. Es war in diesem Sommer das Hauptstück der Ausstellung, die Amsterdam wegen seiner großen Vergangenheit feierte. Gin geniale® Bild, ganz ungewöhnlich, Rembrandts Monumentalstil! Hell, heller als sonst von ihm. von hinreißender Pracht. Aber unheimlich, so gespenstisch, als wäre es ein Mahl des Belsazar, grausig wie das', .Anheimlichste von Shakespeare, tote Macbeth ober König Lear. Mer ein Frag- ment, ein Torso. Das Letzte und Größte sagt es nicht — die Wirkung an der monumentalen Stelle. Man muh dem Direktor des Rijks-Museums in Arnster- dam Recht geben, wenn er, sehr tapfer, int Katalog sagt, es sei eine Schande für Holland, und eine Katastrophe für Europa, die Art, wie Amsterdam seinen größten Künstler behandelte, ihn, der in genau dem gleichen Jahr die »Staalmeesters" geschaffen und hier alle Bedingungen, die man an einen Auftrag knüpfen kann, mit meisterlicher Gelassenheit erfüllt hatte. Man kann «S auch nicht entschuldigen. Gewiß, Rembrandt war ein schwieriger Mensch und nicht so handlich tote Barthel van der Helft und alle die andern, deren große Schützenstücke jetzt neben Rembrandts „Nachtwache" bei ihrer Neuaufstellung im großen Saal des Nijks-Museum aussehen tote Spielkarten. And vielleicht war Rembrandt in Geldfragen nicht sehr zuverlässig, wie die Geschichte seines Bankrotts beweisen mag; und in einer Kaufmanns stabt ist man sehr empfindlich in den Fragen, was geschäftlich fair und was unfair ist. Alles zugegeben. Aber Tizian war auch nicht bequem, um auf Venedig zurückzukommen, und Tizian hat bis in sein höchstes Alter gelogen und betrogen, auch den Staat hat er betrogen. Das alles, mit der Schwierigkeit und dem Geld, ist bedauerlich Mer es ist noch kein Grund, um Rembrandt das Amsterdamer Rathaus zu verschließen. Denn was die Herren da taten, war doch nichts Geringeres, als daß sie das Entstehen des malerischen Monumentalstils verhinderten. Jener Fürst hätte ja das Bild nicht gleich zu sehen brauchen, sondern am Ende den leeren Fleck oder den Entwurf; und toemt Rembrandt tausend Gulden mehr bekommen hätte, als Jürgen OvenS, wäre es auch zu verschmerzen gewesen. Sie haben ihn eben nicht gewollt, ihre Nüchternheit und ihre Desser- wlsserei, Aesthetik unter Aufsicht der Behörde, die auch in Fragen der Kunst glaubt befehlen zu könneit — alles dies hat das Letzte und Allergrößte von Rembrandts Schaffen zum Scheitern gebracht. Amsterdam hat seine größten Künstler nicht gekannt und nicht geliebt. Zauberfische. Von Friedrich Schnack. Unter Algen, grünen Wasserwogen Kommen unbekannte Fische hergezogen. Aus des Schlafes Flut, dem Glanz der Perlenmächte Tauchen auf die blauen Zauberhechte, Heber die kristallnen Wiesen Ihre Schuppenleiber schießen. In den Tiefen schallen Wilde Quellen über Nachtkorallen. Große Orgeln brausen in den Gründen, Wo die sieben Meere donnernd münden, And die alten Wale, traumverschlagetr, Brüten über Wasserfagen. In dem schweren Wogenlichte Leuchten glasig starre Fischgesichte. Die Delphine jagen nach dem Mittagmeer. Auf des Südens blauer Barkarole Rauschen sie nach ferner Hafenmole Hinter Schiffen her. Schläfrig schwebend Silberbarben blitzen Anter Blättern, wo die heißen Fliegen sitzen And die Schatten lodern breit. Geisternd fahren stromgetrieben Quallen, die die langen Reisen Heben, Langsam in die Ewigkeit. Die Richterin. Von Eonrad Ferdinand Meher. (Fortsetzung.) Sie deutete auf ein majestätisches Schneegebirge, das ihnen gegenüber sich entwölkte. Seine verklarten Linien hoben sich auf dem lautern Himmel rein und zierlich doch ohne Schärfe, ato wollten sie ihn nicht ritzen und verwunden, und waren beides, Ernst und Reiz, Kraft und Lieblichkeit, als hätten ste sich gebildet, e$je die Schöpfung in Mann und Weib, in Jugend und Alter auseinanderging. „Jetzt prangt und jubelt der Schneeberg", sagte Palma, „aber nachts, wenn es mondhell ist, zieht er bläulich Gewand an und redet heimlich und sehnlich. Da ich mich jüngst hier verspätete, machte sich der süße Schelm mit mir zu schaffen, lockte mir Tränen und zog mir daS Herz aus dem Setbe. Aber siehe!" wiederholte sie. Eine Wolke schwebte über den weihen Gipfeln, ohne sie zu berühren, ein himmlisches Fest mit langsam sich wandelnden Gestalten. Hier hob sich ein Arm mit einem Becher, dort neigten Freunde oder Liebende sich einander zu und leise klang eine luftige Harfe. Palma legte den Finger an den Mund. „Still", Msterte sie, „das sind Selige!" Schweigend betrachtete das Paar die hohe Fahrt, aber die von irdischen Blicken belauschte himmlische Freude löste sich auf und zerfloß. „Bleibet! oder gehet nur!“ rief Palma mit jubelnder Gebärde, „wir sind Selige wie ihr! Richt wahr .Bruder?" und sie blickte mit trunkenen Augen bis in den Grund der seinigen. Es kam die schwüle Mittagsstunde mit ihrem bestrickenden Zauber. Palma umfing den Bruder in Liebe und Anschuld. Sie schmeichelte seinem Gelocke wie die Luft und küßte ihn traumhaft wie der See zu ihren Füßen das Gestade. Wulfrin aber ging unter in der Natur mtd wurde eins mit dem Geben der Erde. Seine Brust schwoll. Sein Herz klopfte zum Zerspringen. Feuer loderte vor seinen Augen... Da rief eine kindliche Stimme: „Sieh doch, Wulfrin, wie sie sich in der Tiefe umarmen!“ Sein Blick glitt hinunter in die schattendunkle Flut, die Felsen und Afer mtd das Geschwisterpaar verdoppelte. „Wer sind die Zweie? rief er. „Wir, Bruder", sagte Palma schüchtern und Wulfrin erschrak, daß er die Schwester in den Armen hielt. Von einem Schauder geschüttelt, sprang er empor und ohne sich nach Palma umzusehen, die ihm auf dem Fuße folgte, eilte er in die Sonne und dem nahen Grate zu, wo jetzt eine Figur mit einem breiten Hut und einem langen Stabe Wache zu halten schien. „Grüß' Gott! grüß' Gott!" bewillkommte Gnadenreich die Geschwister, ohne einen Schritt vom Platze zu tun. Er streckte ihnen nur die Hände entgegen. „Ich habe es dem Ohm feier-- sich geloben müssen“, erklärte er, „solange die Lombardengefahr dauert, die Grenze meiner Weiden hütend zu umwandeln, aber nicht zu überschreiten, denn Pratum ist ein Lehen des Distunts und die Kirche hält Frieden. Sei willkommett, Wulfrin. und Palma nicht minder!" Seine Blicke liefen rasch zwischen dem Höfling und dem Mädchen: beide schienen ihm befangen. Er wurde es auch, denn er glaubte die Arsache ihres Weges zu wissen, und da sie schwiegen, begann er ein großes Geplauder. „Die haben dem guten Ohm böse mitgespielt“, erzählte er. „Wir sahen zu dreien in der Stube beim Nachttische, denn die Richterin war nach Cur gekommen» um den Bischof gegen die Lombarden in die Waffen zu treiben, was er ihr als ein Kind des Friedens verweigern mutzte. Frau Stemma und der Ohm stritten sich bei den Nüssen, wie sie zuweilen tun, Über die Güte der Menschennatur. Nun hatten sich kürzlich zwei arge Geschichten ereignet. Jucunda, die junge Frau des Montasuners, welche Bischof Felix gefirmelt hate" — „Mit mir. Sie war fein Liebling“, rief Palma, die wieder dicht neben dem Höfling schritt. „Still!“ sagte dieser ungebärdig und das Mädchen lief nach einer Blum e. —„wurde von ihrem Manne mit einem Edelknecht ertappt und durch das Durgfenster geworfen. Wenige Sage später schlug der Scharnser mitten im Stiftshofe dem Dergüner nach kurzem Wortwechsel den Schädel ein und doch hatten sie eben auf die priesterliche Zusprache des Ohms sich geküßt und miteinander den Leib des Herrn empfangen. Solches hielt ihm Frau Stemma vor, doch der Ohm erwiderte: „Das sind Wallungen und augenblickliche Verfinsterimgen der Vernunft, aber die Natur ist gut und wird durch die Gnade noch besser.“ Der Ohm ist ein bitzchen Pelagianer, hi, hi!" ... , „Pelagianer?" fragte der Höfling zerstreut, denn fein Blick rief Palma, die ihm gleich roieber zusprang. „Ist das nicht eine Gattung griechischer Krieger?“ „Nicht doch, Wulfrin, es ist eine Gattung Ketzer. Also: Frau Stemma und der Ohm stritten über das Döse. Da sicht der Difchos, der kurzsichttg ist, auf Felicitas — diesen Namen hat er der nahen Höhe gegeben, wo ihm em Sommerhaus steht — eine Flamme. „Wir feiern den Abzug der Lombarden“, lächelte er. Frau Stemma blickt hin und bemerkt in ihrer ruhigen Weise: „Ich meine, sie sind es selber", und richtig tanzten sie auf dem Hügel wie Dämonen um den Brand. Da lärmt es auf dem Platz. Ein Bösewicht fällt mit der Türe ans Haus und rebet: „Bischof, tue nach dem Evangelium und gib mit den Rock, nachdem du seine Taschen mit Byzantinern gefüllt hast, denn deine Mäntel haben wir in der Sakristei drüben schon gestohlen!" Der Ohm erstarrt. Jetzt tritt der Lombarde auf Stemma zu, welche im Halbdunkel sah. „Die Frau da", höhnt er, „hat einen Heiligenschein um das Haupt, her mit dem Stirnband!“ Da erhebt sich Frau Stemma und durchbohrt den Menschen mit ihren fürchterlichen Augen: „Unter- stehe dich!“ „Ja, so", sagt er, „die Richterin!" und biegt das Knie. Da der arme Ohm endlich aufatmete, nach erbrochenen Kisten und Kasten, rief ihn der Höllenkerl wieder vom Domplatze her ans Fenster. Er ritt mit nackten Fersen den schönsten Stiftsgaul, dem er eine purpurne Altardecke übergelegt — sich selbst hatte er ein Meßgewand umgehangen — und zog dem Kirchenschimmel mit dem entwendeten Krummstab von Cur euren solchen über den blanken Hinterbacken, daß er bolzgerade stieg und der Stab in Trümmer flog. „Bischof, segne mich!' schrie der Lombarde. Ser Ohm in seiner Frömmigkeit besiegte sich. „Ziehe hin in Frieden, mein Sohn!“ sprach er und hob die Hände. „Dich, Bischof", jauchzte der Lombarde, „hole der Teufel!" „And dich hole er gleichfalls!“ gab der Ohm zurück. Ich hätte eS eigentlich nicht erzählen sollen“, endete Gnadenreich halb reuig, „es hat den Ohm schrecklich erbost." — 348 Palms hatte gelacht, auch der Höfling verzog den Mund und Gnadenreich wurde immer gesprächiger und zutulicher. .Mir haben uns eine. Ewigkeit nicht gesehen, Wulfrin", sagte er. .Ich verlieh Rom bald nach dir, aber was habe ich nicht dort noch erlebt I Welche Bekanntschaften habe ich gemacht I Ich ging dein Büchlein im Palaste holen und traf ihn selbst, der es geschrieben. Welch ein Kopf! Fast zu schwer für den kleinen Körper! Was da alle- drinnesteckt! Kaum ein Viertelst ündchen kostete ich den berühmten Mann, aber in dieser winzigen Spanne Zeit hat er mich für mein Lebtag in allem Guten befestigt. Dann pochte es ganz bescheiden und leise und wer tritt ein? — ich bitte dich, Wulftin! — der Kaiser. Ich verging vor Ghv- furcht. Er aber war gnädig und ergötzte sich denke dir? an deiner Geschichte, Wulfrin, die er sich von mir erzählen lieh" — Jetzt verstand Graciosus sein eigenes Wort nicht mehr, denn sie gerieten zwischen die Herd«! und das grüne Pratum wurde voller Geblöke und Gebrülle. Einer der magern und wolfähnlichen Berghunde beschnoberte d«r Höfling, sprang dann aber liebkosend an ihm auf und beleckte ihn, wenn Graciosus dem Tiere seine Ungezogenheit nicht verwiesen hätte. Palma aber wurde von den Hirtenmädchen umringt und mit Der» lvunderung angestarrt. Die junge Herrin von Malmvrt war leutselig und ftug alle nach ihren Murren und Herden. .Ich bin gewiß kein Plauderer", sagt« Graciosus, nachdem er Raum geschaffen hatte, »aber du begreifst, wenn der Kaiser befiehlt — haarklein muhte ich berichten von Horn und Decher, zumal die erstaunliche Frau Stemma gab dem hohen Herrn zu schaffen." Der Höfling blickte verdrieHlich. „Welch ein Mann!" lobpries Gnadenreich. »Der Inhalt und die Höhe des Jahrhunderts! Wer bewundert ihn genug? .Und doch, aber doch — Wulfrin, ich habe von den Höflingen, deren Umgang ich nicht ganz meiden konnte, etwas vernommen, bas mich tief betrübt, etwas von einer gewissen Regine... weißt du es?" »Das ist seine Kebfin", fuhr Wulfrin Ehrlich heraus. „Schlimm, sehr schlimm! Ein Flecken in der Sonne! Kein vollkommenes Beispiel! Und die Karlstöchter?" „Alle Wetter und Stürme", brauste Wulfrin auf, »wer hat mich zum Hüter der Karlstöchter bestellt?" „Die Karlstöchter!" rief mitten aus den Herden Palma, die in der Entfernung die schallende Rede Wulftii^ verstanden hatte. »Sie heißen: Hiltrud, Rotrud, Rothaid, Gisella, Bertha, Abaltrud und Himiltrud. Gnadenreich hat eine Tabelle davon verfertigt." Die rätischen Mädchen wiederholten die ihnen fremdklingenden Dam«! und zogen unter jubelndem Gelächter die junge Herrin mit sich fort. Gnadenreich verlangsamte den Schritl. Traulich suchte er die Hand des Höflings. »Die Ehe ist heilig", sagte er, »und bas sollte der Kaiser nicht vergessen, da er so hoch steht. Du hast erraten, Wulfrin, daß ich außer ihr geboren bin. Deshalb habe ich eine große Meinung von ihr und eine wahre Leidenschaft, in der meinigen ein Muster trott Tugend zu sein. Ein gutes Mädchen führe nicht schlecht mit mir. Du keimst meine Reigung, an der ich fcähalte, wenn mir auch Palma zuweilen Sorge macht. Icyr sind wir allein — sie scheint heute tedfam — das Exrrtie die Stunde sein — weim es dän Wille wäre" — „Sri nur getrost. Gnadenreich", ermutigte Wulfrin, „die Sache ist abgemacht." Hätte einer der Gewalttätigen, die auf den rätischen Felssr nisteten, begehrlich nach Palma gegriffen, Wulfrin möchte ihm ins Angesicht getrotzt und das Schwert auS der Scheide gerissen haben, aber Graciosus war zu harmlos, als daß er ihm hätte zürnen können. Lind er selbst fühlte sich mit einem Male von einem dunkeln Schrecken getrieben, die Schwester zu vermählen. .Abgemacht?" fragte Graciosus, »du willst sagen: zwischen dir und der Richterin? Doch wie meinst du — ist Palma nicht am Ende zu wild und groß für mich?" »Sei nicht blöde und fackle nicht länger! Willst du sie?" Die Schreitenden hatten eine Hügelwelle überstiegen und erblickt«! jetzt diejenige wieder, von der sie redeten. Sie fcatte sich von den Hirtinnen getrennt und stand vor einem der tiefen und schnellströmenden Bäche, welche die Hochmatten durchschnei» den. Reben ihr irrte ein blökendes Lämmchen, das die Herd» verloren hatte, und am llferrand sitzend, löste sich eine kropfige Bettlerin blutige Lumpen von ihrem wunden Fuße mck> wusch ihn mit dem frischen Wasser. Rasch entledigte sich das Mädchen der Schuhe, stellte dieselben mit einem mitleidig«, Blick neben die Kretine, hob das Lamm in die Arme, watete mit ihm durch die Strömung und lieh eS feiner Herde nachlaufen. Da kam über Gnadenreich eine Erleuchtung. »Ich wage es! Ich nehme fiel" rief er aus. »Die ist gut und barmherzig mit jeglicher Kreatur!" »So gehe voraus und richte das Drautmohll Ich werd» für dich werben. Das ist doch beüt Kastell?" In einiger Entfernung stieg aus einem Bezirke von Hürde« und Ställen ein neugebauter Rundturm, über welchem gerade der Föhn einen ungeheuerlichen Wolkendrachen emfwrtrieb. Gnadenreich bog fett» tvärtS die Drücke suchend, während der Höfling den reißenben Bach in einem Satze übersprang. Hchriftleitung: Dr. Stiebt. Wilh. Lange. — Druck und Verlag der Wulfrin erreichte die Schwester. »Du läufst barfuß, Bräut» chen?" , »Ich bin kein Bväutchen, und was nützen mir die Schuhe, wenn ich nicht mit dir durch die Welt laufen darf?" »Du bist nicht die Törin, das im Ernste zu reden, und die Frau auf Pratum darf nicht unbeschuht gehen." »Gnadenreich hat nicht den Mund gegen mich geöffnet." »Er wirbt durch den meinigen. Aimm ihn, rat' ich "dir, wenn du keinen andern siebst." Sie schüttelte den Kopf. »Rur dich, Wulfrin." »Das zählt nicht." Sie heb die klaren Augen zu ihm auf. »Geschieht dir damit ein so großer Gefallen?" Er nickte. »So tue ich es dir zuliebe." »Du bist ein gutes Kind." Er streichelte ihr die .Wange. »Ich werde euch schützen, daß euch nichts Feindliches widerfahre, und bei eurem ersten Buben Gevatter stehen." Sie errötete nicht, sondern die Augen füllten sich mit Tränen. „Run denn," sagte sie, »aber wir wollen langsam gehen, daß es eine Stunde dauert, bis wir Pratum erreichen." Der Turm stand vor ihnen. Dem Höfling aber wurde es offenbar, jetzt, da er die Schwester weggab, daß sie ihm das Liebste auf der Erde sei. „Hier thronen wir wie die Engel," sagte Graciosus, nach- dem er seine Gäste die Wendeltreppe empor durch die Gelasse seines Turmes und auf die Zinne geführt hatte, wo das Mahl bereitet war. Der Tisch trug neben den Broten eine Schüssel Milch mit dem geschnitzten Lössel und einen Krug voll schwarz- dunkeln Weines, ein bischöfliches Geschirr, denn er war mit der Mitra und den zwei Krummstäben bezeichnet. Die dreie saßen auf einer Bank, das Mädchen in der Mitte. Die ringsum laufende Brüstung reichte so hoch daß sich kaum darüber weg» knicken ließ. Rur der Himmel war sichtbar, und an diesem häuften sich unheimliche schwefelgelbe Wollen. „Die Mllch für mich für dich der Wein, Wulftin," sagte Graciosus. „Der verreiste noch glücklich aus dem bischöflich«! Keller, ehe ihn die Lombarden leerten. Aber mit wem hält e$ Palma?" „Mit dir," meinte der Höfling. Graciosus sprach das Tischgebet. „Run gleich auch den andern Spruch frisch heraus. Gnadenreich!" ermunterte Wulftin. Da geschah es, daß der Dischofsneffe, so redegewandt er war, sich auf nichts besinnen konnte von alle dem Zärtlichen und Verständigen, was er sich für diesen entscheidenden Augenblick langeher ausgesonnen hatte. Rollos blickte er in die warmen braunen Augen. Jetzt gedachte er des Lämmchens und der bloß«, Süße und kam in eine fromme Stimmung. »Palma novella," bekannte er, »ich siebe dich von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gsnüte." Das war hübsch Das Mädchen wurde gerührt und reichte ihm die Hand. Auch Wulftin mißfiel diele Werbung nicht. »Dun aber aroHm wir ein bißchen lustig kein!" rief er auS .Das bringe ich euch!" Er hob den Krug und tranü Graciosus schöpfte ein® Löffel Mllch und bot ihn dem Munde feiner "Braut, »s war nicht der einzige auf Pratum, aber Gnadenreich wollte eine sinnbildliche Handlung begehen. Sie öffnete schon die roten Lipp«!, da sagte sie: »Heute widersteht mir die Mllch Gib du mir zu trinken, Wulftin." Er reichte ihr den Krug und sie schlürfte so hastig, daß er ihr denselben wieder aus den Händen nahm. Darauf schien sie ermüdet, denn sie ließ den Kopf auf die Schulter und allmählich in die Arme sinken und nickte ein. Die Mhnluft wurde zum Er» sticken heiß. Wulfrin und Graciosus verstummten ebenfalls und dieser hass sich indem er feine Mllch auslöffelte und nach land- sicher Sitte zuletzt die Schüssel mit beiden Händen an den Mund hob- Wulftin betrachtete den jungen Racken. Gr enthielt sich nicht und berührte ihn mit den Lippen. Sie erwachte. »Aber nur sitzen auf dem Turm wie die drei Beryruberten," falte Re. »Geh, Gnadenreich hole unS das Buch wo der Bruder äbgebildet ist, daS aus dem Stifte — weißt du — welches du bei deinem letzten Besuche der Mutter, der ich über die Schulter blickte, gezeigt hast." Gnadenreich willfahrte ihr, aber sichtsich ungerne. Palma suchte und fanb daS Blatt. Lieber dem lateinische« Texte war mit sauber« Strichen und hellen Farben abgebildet, wie ein Dehrimter den Arm abwehrend gegen ein Mädchen aus» A«ckt. daS ihn $u verfolgen schien. Mit dem Krieger deuchte er lN 'stchtsAmem V als den Helm, doch je länger er das gemalte Mädchen beschaute, desto mehr begann es mit feinen! braunen 2£ugen unb goldenen Haaren Palma zu gleichen, llm die Figur aber stand geschrieben: »Dhblls." ^d k^ute, Gnadenreich," bat Palma. Graciosus bH^ fturnm. „Dun, so will ich erklären. Das hier ist der Drüber Malrnmtt, wie «r anfangs war und mich weg stößt." _ , nichts für dich Palma!" wehrte Graciosus ängst» vch, „laßss und er entzog baS Buch ihren Händen. »Ihr seid beide langweilig l° schmollte sie. „Ich gehe lieber. ®rßben am Hange sah ich blühende Rosen in dichten Büsche« fteijen Ich wtll mir einen Kranz winden, und sie entsprang. _________________ l Fortsetzung folgt.) Brühl'schen Univ.-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen.