Gietzener Zamilienblatter Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger Jahrgang 1(925 Dienstag, den 28. April Kummers HoKLndifche Fahrt. Don Franz Friedrich Oberhäuser. Die mittelalterliche, dunkelbraun und matt gewordene Standuhr in der kleinen Halle sang mit silbernen, zarten, scheuen Stimme« ihr erstes Morgenlied. Wie et« seiner Hauch wehte das Lied durch die Gänge, durch die Türen, hing noch ein Weilchen in irgendeiner Hausecke und zerfloß dann wie ein silberner, aus einer anderen Zeit heraufgezauberter Trau«l. Deswegen allein mühte aber die andere Zeil nicht nur aus Glück bestanden Haben. Solche Uhren und solch feine Musik findet man in den meisten holländischen Häusern. Der Holländer, der am liebsten in seinem Heim das Leben verbringt, der die Straße nur geschäftlich kennt, sammelt bei feder Gelegenheit Dinge, die ihm ei« gewisse Gemütlichkeit, eine Behaglichkeit verleihen, können. Boni Dtadthausturni schwingt sich daS Glockenspiel über die Dächer, und die Domglocke fällt mit tiefer Stimme ein. GS ist, als läge sich jede Stunde ein entmutiget Kranz von Melodien, von GlvckenWngen, von GlockeMedern über diese Stätte und der Fremde bleibt einen Augenblick lang verwundert stehen und horcht in die Luft hinein, aus der der klingende Regen der Däne fällt. Indessen drücke ich die grüngestrichene Tür am Türklopfer in das Schloß, Kinder winken nur nach, um die entlaubten Linden Mimt ein leiser Rebel und durch den Kanal wandert langsam ein Dampfer. Don irgendwo höre ich die schrille Glocke der Dampftvamwah, dann schnaubt es, und an der Dischbrugg steige ich in den kleinen, zierlichen Wagen, setzte mich neben der niederländischen Bauersfrau auf Die Bank und sehe mit einem Blick die Straße sich drehen, die Oudedieze, das etwas breite, mit Klaugestrichenen Fensterrahmen verzierte Haus gegenüber dem alte« umgiebelten und etwas verschnörkelten PalaiS. sehe «och die zwei weihen Lächlet« der Kinder, und es geht am Markt vorbei, hinaus in das etwas von Rebelschleifen umflochtene Land, Laut und summend steigt der Marktlärm auf. Alte Bücher, Räubergeschichten, Seeabenteuer. Litaneien neben ein«n _ Flickschuster, Ei-erhandler neben einem Töpfer, Stoffe, Obst und kleine Tcckchensviegelchen und die Schar der Käufer, die weiße« gebügelten Flügelhauben, die bunten Röcke rrnd bunten Holzpantine« der Holländerinnen, die Stauen, roten Wänste und Pluderhosen der Männer, ein Kaleidoskop... Das ganze Land ist von dem Reh der Kleinbahnen, der Dampftramwahs, überspannen. Stundenlang neben Kanälen dahin oder in einen flachen Waldbestand verschwindend, an zahllosen Gärten vorbei, durch kleine rote, blaue Dörfer hindurch, unter den sausenden Armen einer Windmühle hinweg, dahinpustend, schaübmid und bei aller Wichttgmacherei und Kleinkrämerer doch auf die Minute genau. „Fahrplanwirklichleit." Richt eine Wanderung durch einen blauen strahlenden Som- mertaa. Das ganze Land ist von einem blassen, scheuen Silber überflossen. Es gibt nichts „Hartes", „Scharfes'. Manchmal öffnet sich eure Himmelstür, dann fließt es blau und sanft daraus hervor, Aeberschwemmt eine Lichtflut eine ferne Kuppel, einen dünnen, schmalen Turm, wirft ein Biindel gleißender Strahlen aus dem Hauch einer fernen Stadt. Die Wasser in den Flusse« und Kanälen sind glatt und leblos, nur zeitweilig werden sm Unruhig, dann sehen sie aus wie gerippte Seide oder Crepe de Chine. Bäuerinnen mit glänzenden, runden, fchwergoldenen Haarnadeln steigen ein. Manchmal gebärdet sich der Himmel lerdew fchaftlich bewegt, denn zerschleißt der Meerwind drmke Wolken, von deren Rändern glühendes weißes Silber fließt. Da taucht in der Ferne das erstemal eine dunkle, ungewisse Silhouette einer Stadt auf. Rebel wogt sauft wie ein® einge- schlafeue Flut, verhängt die amerikanische Pappelallee, die Linden und Almen und verzaubert einen Buchenhag, fällt schützend in weitsattigen Borhangteilen vor deut roten HauS zwischen den Buchen nieder, in welchem zwanzig hübsche Mädchen die hoher« Ausbildung gemeßen, und wo ich eines Abends... aber das gehört nicht zur holländischen Fahrt. Die Stadt am Rande des Landes, umspannt von einigen kleinen Grachten, rückt näher. Eine altmeberländifche Kirche wächst zaghaft in den Rebel hinein, aus dem Tor wandert, schön geordnet in einem Zuge, eine Schar weißgekleideter Mädchen, Ministranten in roten Röcken blühen daneben tote Mohnblumen auf, und kleine, süße Kerzenlichter flackern wie Sternlei«. Sie der Himmel bk voriger Rächt verloren HabM Mochte. Gtebelflüchte umspinnen die Kirche, ein Berumen steht vermummt und etwas verdrossen da, und in den Fenstern liegt der Wiederschein der Kerzen. Alte niederländische Häuser tauchen im Rebel auf, dann springen ein paar Bäume zusammen, Kanäle dehnen sich breit und eine schwere eiserne Brücke trägt das Züg- lein rasch über die Maas in das wieder still gewordene Land hinein. Seltsame kleine Wanderrmg mit flüchtigen, von Rebel umsponnenen Bildern, von blaßsilbernen Borhängen verschleier- len Zeitaller», von grauem TM überworfener Gotik Ich frage nicht, wie diese kleine Stadt heißt. Der Rebel hat sich gehoben und eine rötliche Sonne versucht einen blassen Schein auf die geliebten Häuser zu werfen und den kleinen Hafen tn den Außen- und Jnnengrachten, den Singeln. Katzenköpfiges Pflaster und zahllose Brücken. Kleine, zwei Meter fange, hoch- gewölbte, wie ein Katzenbuckel, und flache, langgestreckte. And fortwährend Laubengänge, Arkade« an den Häusern. Schmale Wege an Dache« entlang unter der hohen Stadtmauer, albe Schiffertürme, schlaffe Segel an den Masten, ein Wasserbecken mit einer Schar Pinasfen, Pinken und Schiffmr. Da, und wieder ein rotes Dächerwerk und Giebeln und der Wafserturm. Höher aber, der blassen Sonne zu, die Kathedrale, die noch immer von flüchtigem Rebelgewebe verhängte Gotik, zahllose Türme,. Stein- kränze, Wasserspeier, Winkelwerk, Fensterschönheiten, Musik, Musik in Stein. Auf Granitsvckeln, auf Marmor Denkmäler alter Seehelden, alter Diplomaten. Gelehrter. Heiliger. And gleich daran, innig angeschmiegt, das kleine zierliche Häuserwerk mit Den dunklen Geschäften, mit dem holländischen Porzellan in öen Schaufensterchen, den lange« weißen Schisferpfeifchen und den Haufen schwarzen echt Porters Toebak von 3. und A. C. von Roffem. Rein, eine Stadt der Brücken ist es, der Ausschnitt des südlichen Denedigs, ohne blaue Träume süßer südlicher Leidenschaft. Kühl, ruhiger, nördlich klar. Angezählle „fitze" (Radfahrer) tummeln sich in den Straßen der Stadt, rmd ungezählte Kinder- wagen beleben das ganze Jahr das Bild der Straßen. Don neuem öffnen sich Grachten. Drücken spannen sich- wieder über das viele Wasser, dort und da tieft man den längst verklungenen Ramen von den Denkmälern, Flibustierabentsuer erwachen in KindheitSerinnerung, imposante Wanderungen über nie gesehene Meere, und in den dunklen Zimmern der nehm Häuser, in die man hineinzublicken wagt, steht unter dem leise wiegenden Segelschiff, daS an der Decke hängt, neben dem offene» Kamin der alte Seeheld, der fliegeiide Holländer, und der Meer- wind bläst, Der Sturm gellt und orgelt, es pfeift . Astubliest menecrl“ schreibt ein Junge, und wenn ich nicht rasch zur Seide springe, kommt der Junge seht Lebtag nicht dazu, mit fernem Rad durch das schmale Haustor zu fahren. Frisches weißes Brot duftet aus feinem Rückenkorb. And wieder eine Straße, und wieder Glockenläuten, noch ein Stücklet« Hafen, schlafende Schiffe, und die Kleinbahn trugt mich weiter, unter Dein abendlich Dunkelnden Hrmmc» Schnell versintt die Stadt mit ihren zahllosen Brücken 4rca Herne« Grachten und Dein Zigarettenladen mit den respektablen aärmett des schwarzen echten Piptabaks von I. und A G. von Mi® Dichter fallen die Schleier, d:e Erde verhüllt sich a^r rn dmc Städten blitzen die Lichter aus. Dämme zerschnerden das Land, Züge poltern rauh und herrfchhaft durch die sanfte Rächt,, crnzelne Häuser, ein Feld, aus dem die Schiffersfrauen ihre Heringsnetze zum Trocknen und Flicken auSspannen, dem, der diesmalige ^ang war reich und gut und trug um dreihunderttaufend Gulden mehr an Gewinn der ganzen Küste, entlang. empfängt uns: Haag, Me Welle 'vo«Hch«H engen Straßen,.VE,.vom der elektrischen Bogenlampe,', umsponnene alte eme Kette surrender Lampen, ein blendender Glanz schießt aus der Halle eines Hauses. Frauen in AbenMlerder«, dufttmchaucht. st^t man vor den Spiegeln mit zarten ginget« dm lchwn ßixft&ett richten, und wieder Musik, ein Walzer,, dann, Pldhüch em, Ruck, ein kleiner Krawall, weißer DauM stoßt in dm Lusp es nichts Besonderes los, der Kondukteur geht de« Zug uv und sagt langsam und gemächlich: „Den Hauch... Den Hauch. . And das brausende Lebe« der großen mternatronalen Stadt Jäh strahlt es, ein Lichtmärchen, eine Flut von Licht, Rlustk, nuck, Seide, dimlle erwartungsvolle ^rauenaugen, «ne lang« 134 Gustav Freytag. §Zu feinem 30. Todestag, dem 30. April.) Don Dr. Friedrich Spreen. ' Der 30. Todestag jedes -Dichters, der auf ein dauerndes Fvrtleben im Volk Anspruch erheben darf, ist so etoxti wie eine Befreiung aus dem Gefängnis. Aus den schranken dre der im Lefitz des Urheberrechtes befindliche Verlag iwttoenbig ausrichten mutzte, werden die Werke nun erlöst und allen Verlegen zum beliebigen Neudruck überlassen. Ist der also Befreite Sd^tMteUei. wirklich ein Liebling des Publikums geblieben, dann überstürzen Kdw Abgaben, die an Güte oder Billigkeit miteinander wetteifern wie wir es kürzlich Bei Keller und Storm erlebt haben. Nunmehr erst wird der Autor Gemeingut der Nation, da seine Schöpfungen in mannigfachster Form überall bindringen. Fugleich aber naht die schwerste Probe für ferne Zukunft, denn er mutz nun erst zeigen, ob er in dem erlauchten Kreis der ^wahryafr Unsterblichen bestehen kann. Gustav Frehtag erfahrt ;etzt diese Gunst und Prüfung. Daß es an neuen Ausgaben feiner Werke nicht mangeln wird, dürfen wir getrost annehmen, denn schon vor Ablauf der Schutzfrist überliest sein alter Verleger Hirzel einem anderen rührigen Unternehmer die Veranstaltung einer, viel» verbreiteten Gesamtausgabe; ja, man stellte auch teinen Aussätzen unrechtmäßige sog. „NebenluftausgaBen" her, und sein kallur- aeschichtliches Hauptwerk ist uns jetzt in einem prachtvollen, reich illustrierten Gewände dargedoten worden. Eine andere Frage ist es, was heute noch von dem schon bei LeBzeiten so eifrig gelesenen und gefeierten Dichter, Geschichtsschreiber und ä,ages- schriftsteller drei Jahrzehnte nach seinem Hinscheiden, in einer so ganz anderen Zeit, bei einer so völlig veränderten Geschmacksrichtung. noch lebendig geblieben ist. , Die „Journalisten", die Krone seiner Dühneiychopfuiigen, werden auch heute noch gern gegeben, freilich als „historisches Lustspiel", und Behaupten so dieselbe zeitgeschichtliche Echtheit. Beseelte Stimmung und packende Klarheit, wie das andere „Beste deutsche Lustspiel", Lessings „Minna". Seine Romane, besonders das unverwüstliche „Soll und Haben", das Beim Erscheinen Len ersten großen Lucherfolg in Deutschland hatte, werden gern gelesen. „Soll und Haben" hat auch seine Feuertaufe im Film bestanden und den Stoff für ein ganz Prächtiges Lichtspiel geboten. Von den „Ahnen" finden sich einzelne Glanzstücke historischer Schilderung in den Lesebüchern, und in noch reicherem Matze natürlich aus seinen klassischen kulturgeschichtlichen „Bildern. Ja,'ganze Schullesebücher sind aus seinen Werken zusammengr- stellt worden. So lernt ihn die Jugend sogleich aus seinen besten Schöpfungen kennen, denn in diesen Meisterstücken deutscher Prosa, die auf dem Grenzrain von Dichtung und Wissenschaft zu blühender Reife gediehen find, liegt wohl seine entscheidende Bedeutung. Seine beiden Zeitromane werben weiter eine gesunde und bildende Pinterhaltungslektüre bleibech deren dichterischen Wert man nicht überschätzen darf. Die Jugend wird zu den romanhaft verklärten Gemälden der deutschen Geschichte in den „Ahnen greifen, der Erwachsene aber wird sich lieber an die „Bilder aus deutscher Vergangenheit" halten, an diesen köstlichen Schah echt volkstümlicher und doch streng fachlicher Kulturschilderung, der uns ebenso als ein besonderer Glücksfall beschert worden ist, wie des Tacitus „Germania" am Anfang unserer Geschichte'). Daneben wird hoffentlich das Freiwerden der Freytagschen Schriften auch einigen bisher noch nicht nach ihrem Wert verbreiteten Schriften zu ihrem Platz an der Sonne verhelfen, so seinem Lebensbild Karl Mathhs, einer der schönsten deutschen Biographien, und seinen glänzenden Shavakteristiken, Essays und Aufsätzen, die zum großen Teil dem Umkreis der „Bilder" mid seiner lebenslangen publizistischen Tätigkeit entstammen. Vor allem wird Gustav Freytag aber durch die Gesamtheit seiner Persönlichkeit weiterwirken, als „Erzieher nationaler,Gesinnung", als Darsteller deutschen Wesens und als deutscher Charakter. Wie so oft die besten Deutschen von den bedrohten Grenzen kommen, so ist auch der Schlesier Frehtag auf dem uralten Kolo- nialboden des Ostens erwachsen, von früh an gestählt und befestigt in seinem Deutschtum durch den Gegensatz zu der slawischen Welle, die so nahe an seinen Lebenskreis heranbrandete. Sein Ideal von deutschem Wesen wurde wesentlich bestimmt durch das dunlle Gegenbild „polnischer Wirtschaft", von dem ziel- bewußter Kulturwille seine Heimat befreit. An der Heimat hing er mit zäher Treue, obwohl sein Schicksal ihn immer weiter nach Westen verschlug, -und es sind schlesische Züge, die dein besten Teil seiner dichterischen Begabung ausmachen: Die anschauliche BrzählnngSgabe, die gemütliche Wärme, der stille »ersonnene HNmdv Was SZK soitst schlesische Dichtep im Guten und Schlimmen auszeichnet, so schweifende Phantasie und verzückte Mystik, war ihm versagt. Ein heller nüchterner Verstand, der des Gelehrten und des Politikers, stand beherrschend über seinem Schassen und machte ihn zu einem „denkenden Künstler", ähnlich wie es — auf einer höheren Stufe — Lessing gewesen. Das *) Eie sind soeben in einer mehrbändigen, monumentalen Prachtausgabe unter Mitwirkung bedeutender Historiker, wie Delow und Brandenburg, unter Einfügung unzähliger Wieder- aaben zeitgenössischer Wider und Dokumente Bei Paul List in Leipzig neu erschienen, — » Gefährliche einer einseitigen Pharckasiebegabung, das er bei dielen Landsleuten beobachtet, hat er immer wieder warnend geschildert und die weise Beschränkung, die „goldene Mittelstraße" gepriesen. Der deutsche Bürger, der innig mit seiner Scholle verwurzelt ist und auf ihr zufrieden, bedächtig in Mäßigung und Besinnlichkeit schafft, war sein Ideal. Man hat dieser Anschauung hausbackene Kleinbürgerlichkeit vorgeworfen, aber die bewußte Enge und Nüchternheit, die in seinem Wesen lag und die er in sich bestärkte, wurde aufgehoben durch den schlichten inneren Reichtum seines Wesens, den er in seinem Volk wiederfand. Freytag, der Schöpfer des realistischen Romans, der strenge Gelehrte und sorgfältige Sammler, ist nicht nur ein guter Beobachter der Menschen und Zustände, sondern auch ein ahnender Erschaue« der tieferen Seelenkräfte, der nicht umsonst in Dichten und Forschen von der Romantik, von Tieck und Jakob Grimm, ausging. Sein Ziel war die Darstellung der deutschen Volksseele, und es war seine Größe, daß er dis Maßstäbe dafür in seinem eigenen kernhaften Wesen fand. Tiefe Pietät und eine geheimnisvolle lebendige Gemeinschaft verband ihn mit seinen Ahnen, die er getrost zu typischen Vertretern des deutschen Volkes im Wandel seiner Geschichte von Germanenzeiten bis in feine Gegenwart machen durfte. In seinen „Erinnerungen" hat er seine Zugehörigkeit zu Preußen und zum Protestantismus als Wohltat des Schicksals gepriesen; auch sie waren ihm lebendige Mächte, die er in Luther und Friedrich d. Gr. verkörpert fand. Er selbst hatte in sich den! ewigen Schicksalskamps des deutschen Menschen durchgerungen, durch strenge Selbstzucht die Klarheit und 'Besonnenheit in sich groß gezogen, die dem chaotischen, ins Weite schweifenden Germanen so oft mangelt. „Wir müssen wahr werden, bevor wir schön sein können", hat er einmal gefordert, und er bekannte sich zu dieser vor nichts zurückschreckenden Ehrlichkeit, dieser Treue gegenüber sich selbst und seinem Volke, zu dem stolzen und doch jeder Prahlerei fernen Glauben an das deutsche Wesen und dis deutsche Zukunft. So ist er in seinem Werk, nicht zum wenigsten auch in seiner Klarheit und Krausheit harmonisch vereinende» Prosa, einer der guten Geister und Ratgeber seines Volles gewesen, ein Fiihrer zum Verständnis deutscher Vergangenheit. Das Pferd itt der Kriegskunst. Von Walther Appelt. In Berlin erregte unlängst ein Bildwerk „Kriegsende" Aussehen, und' es besteht die Hoffnung, daß seine Tendenz zur endlichen Abtragung einer schweren Schuld führen wird: Den Kriegspferden in irgendeiner Form einen bescheidenen Dank abzustatten für ihr vierjähriges Heldentum, für ihr vierjähriges (oder, genau wie bei uns selbst, längeres) Entsagen bei härtester, gefahrvollste« Dienstleistung. Man kann über die Frage öffentlicher Denkmäler — ein solches ist geplant — verschiedener Meinung sein, lieber eins aber sind wir uns doch wohl alle im klaren: Die vollendete künstlerische Gestaltung ist die einzige Möglichkeit, die uns blieb, (vielleicht auch die einzige, die wir jemals hatten), den Verdiensten unserer Kriegspferde das ehrende Gedenken zu sichern. Die erwähnte Plastik — von Prof. Jos. Limburg — stellt eins jener Tausende von Pferden dar, deren Anblick — lange vor 1918 — jedem fühlenden Menschen die Kriegstaktik der stummen Kreatur nahebringen mußte. Den feindlichen Granaten und Gasen entronnen, ist ein nach der Etappe oder „Heimat" abgeschobenes Pferd von den nicht mehr steigerungsfähigen Strapazen und Entbehrungen in erschütterndem Grade aufgebraucht. So sachlich-streng der Künstler gearbeitet hat, so herzergrÄfend beredt steht das Tier vor uns, — durch sein in Menschendienst imd in Menschengemeinschaft gebrachtes Opfer gleichsam über sich selbst und seine Tierheit hinaus erhöht. Die große Zahl der Kriegsschauplätze und die lange Dauer des Weltkrieges brachte es strotz gänzlicher Umstellung der Kavallerie) mit sich, daß auch aus dem Pferdeinateria! rücksichtslos und unbarmherzig das Letzte heraus geholt werden mußte. Eben darum hat dieser Krieg einen vorher von den meisten kaum gekannten Typ des Kriegspferdes geschaffen. Bilder, die uns Pferde in der sonst gewohnten himmelstürmenden Pose schönheitsgeschwellter Kraft zeigen (Lionardo, Raffael, Rubens, Ve- lasquez, Menzel u. v. a.), werden in der endgültigen Darstellung dieses Krieges keinen Raum haben. Denn ihre tatsächlichen Grundlagen waren fast nur in seinen Anfängen gegeben. Gewiß kann die Kriegskunst vielleicht viel weniger aß! irgendeine andere getreue Abbilder der Natur Bieten. Wer auch ihre Tendenz ist, Erlebens-Niederschlag zu sein. Darüber wird noch. Jahre, wahrscheinlich Jahrzehnte lang zu reden sein, wenn die Reisungspro- zesse, die jedes Kunstwerk braucht, und die in unserem Falle durch den gebotenen zeitlichen Abstand noch verlangsamt werden, in größerer Zahl als bisher sich abzuschließen beginnen. Limburgs Werk ist ja nur ein erster Schritt auf einem noch kaum erschlossenen Wege. Abgeschlossen aber liegt das Feld kriegsbildnerischer Gestaltung vor, das unmittelbar aus dem Erleben heraus, oder auch mitten im Erleben wurde. Was die Jahre 1914 bis 1918 an „Kriegskunst" hervorbrachten, beschränkt sich in der Hauptsache au? das Gebiet der Graphik und liegt entweder — aus verschiedenen Gründen schwer anbringbar — »och in den Regalen 138 KM Verleger oder verborgen in den Moppest von Sammlern. Gs lohnt, das umfangreiche Material einmal daraufhin durchzusehen, wie jene Künstler sich zu dem uns hier beschäftigenden Problem „Krieg und Pferd" gestellt haben. Äebergehen können wir wohl die Darstellungen, die sich, z. T. bewußt und betont, im Stil oder Llnstil der „Bilderbogen" vergangener Tage halten (Seewald u. a.). Sn ihrer Nachbarschaft stehen die kitschigen „Sttmmungs"bilder mit Titeln wie „Der gute Kamerad", die uns auch diesmal nicht erspart geblieben sind. Künstlerisch wertvolle Blätter hingegen gaben Liebermann, Feldbauer, Meid und mancher andere. Doch handelt es sich hier nicht um Kriegsgraphik im strengen Sinne (d. h. Haß die Werke ohne das Erleben des Krieges durch die Künstler schlechthin undenkbar wären). Die Genannten haben auch außerhalb des Krieges immer oder doch von einem gewissen Zeitpunkt an die Gewähr geboten, einen Stoff wie „Husarenangriff" (Feldbauer), „Soldat auf galoppierendem Pferd" (Liebermann), „Kavalleriepatrouille an der Tränke" (Meid) meistern zu können. In diesem Zusammenhang mutz allerdings erwähnt werden, daß so berufene Tierbildner wie der hervorragende Aug. Gaul im Kriege kaum über satirische Belanglosigkeiten hinausgekommen sind, die überdies durch die ewige Wiederholung der gleichen Sinnbilder (Deutschenadler, Russenbär, Britenleu) bald ermüdeten. Mehr aus einer Verinnerlichung des Tagesgeschehens heraus geboren find schon Ehrenkrönungen der Pferde, die freilich auch noch oft genug Pathos ohne Inhalt bleiben. Vollgültiges schufen in diesem Sinne Lothar Bechstein und vor allem Willi Geiger („An die Pferdei"). Gleichbedeutend neben, wenn nicht sogar über diesen alle- gvrisierenden Huldigungen stehen Werke, die etwa in einer Reihe mit der Limburgschri, Plastik einzuordnen siird; die durch die lauteren Mittel unverfälschter Wahrhaftigkeit wirken. Und zwar Nicht im Sinne sentimentaler Mitleid-Weckung, sondern mit der ethischen Tendenz der Gewisfensaufrüttelung gegenüber einer Leistung, die vieles von unserer eigenen Leistung erst ermöglicht oder doch gestützt und getragen hat. Dleeker („Morgenrot'), -Jäckel („Schlachtfeld"), Deeh (auf Blättern, deren wertvollstes „Masuren" ist), haben Mensch und Pferd in ihrem Kämpfen, Leiden und Sterben zu einer harmonischen, fast mitunter natur- gesetzlichen Einheit verschmolzen. Hierher gehört auch die Mappe „Die Leiden der Pferde im Kriege" von O. Schubert. Ein noch darüber hinausragendes, außerordentlich beachtliches Werk zu unserem Thema hat ein Künstler geschaffen, dessen Kriegsgraphik sonst nicht eben viel Höhepunkte aufzuweisen Hai: Otto Hettner. Ins Visionäre gesteigert, wird sein „Hollenpferd" — nach Aage Madelung — zum grandiosen Symbol für Millionen Tierschichale, die — in ihrem Bereich — nicht minder tragisch, nicht minder groß und erhaben find als die gleichzeitigen Geschicke des Menschengeschlechts. So mag auch Georg Gelbke empfunden haben, als er feinen „Tod" ein dem Hettnerschen ähnliches Höllenpferd reiten ließ. Es läßt sich heute kaum vermuten, wieviel — oder ob überhaupt etwas von dem Genannten Dauer haben wird. Wir aber sollten es — und noch manches Verwandte — wesentlich mehr beachten, als es die Mehrzahl von uns bisher tat. älndank gegenüber Mitkämpfern, die ganz genau fo wie wir selber ihr Letztes daran gaben, sollte auch da leinen Raum finden, wo der Ausgang nicht dem ehrlichen Mühen entsprach! Das Lächeln der Regelindis. Ein Frühlingsbrief von der Saale. Mitten -.in der Nacht, wirllich um Mitternacht, hält der v-Zug mit einem kurzen Ruck. Nicht viel Aufenthalt ist. Schnell wird das wenige Gepäck zusammengesucht und man steht auf Dem Bahnsteig der Station Naumburg und sieht mit einigen Sehnsuchtsgefühlen dem Zuge nach, der zischend im Dunkel verschwindet Zürich—Luzern—Chiassv—Milano stand verheißend auf den Schildern der Wagenreihe. Der Zug nach dem Süden, der Zug, der Hochzeitspaare und andere sorglose Menschen in die Gefilde der Seligen bringt. Es fröstelt ein wenig mehr, wenn das Bild vom lachenden Blau des Luganer Sees, des zarten Grüns der Jsvlabella und all der Stätten an der Pforte Stallens in der Erinnerung aufsteigt, dieser Stätten, wo der Frühling schon dem Sommer die Hand reicht, während im kargen Norddeutschland kaum sich die ersten Triebe neuen Lebens Hervorwagen. Nun auch hier soll der Frühling früher {ein, Hier „an der Saale hellem Strande", Es ist vielleicht wirklich wichtiger, dah man eine Melodie hört und ihr folgt, als dah man Daedecker und dicke andere Neisebücher wälzt, um einen Ort zu finden, der erreichbar ist, wo man ein paar Tage der Erholung von des Winters Last finden und dem Frühling, der da kommt, feine Reverenz machen kann. Jedenfalls hat man eins schon erreicht, als man der Lockung der Melodie folgte. Man ist losgelöst von dem großen, überlauten Schwarm der Ausflügler, die dem Steinhaufen der Großstadt entgehen wollen und doch immer nur in Herden sich hinaus aufs Land ergießen und so den Dunst der Steinmauern unlösbar mit sich tragen. Mso nicht der Erinnerung nachgetrauert und hinein in die Hufsitenstadt, Man will sich freuen, und wenn man sich freuen will, so gibt jegliches Anlaß zur Freude. Ei, wie vornehm werden wir empfangen. Der einsame Wagen der Elektrischen 'Bahn hat seine Bänke mit einem prächtigen roten Polster geschmückt, Sollte das uns zu Ehren sein? Denn wahrscheinlich ist es doch wohl nicht, daß man diesen Sonderluxus morgens auch den dicken Marktfrauen bietet, die mit ihren hochgefüllten Gemüsekörben in die „Stabt" hineinfahren und den Arbeitern, die mit ihren Gerätschaften zur Arbeit wollen. Stellen wir uns jedenfalls vor, daß der rote Plüsch eigens zu unserer Ehrs aufgelegt fei und freuen wir uns daran. Nach gut verbrachter Nacht — wo anders in der Welt, als in Deutschland und gerade im mittäglichen Deutschland findet man solche vertrauenswürdigen Gaststätten alter Wirtekultur, die schon durch ihre Namen „Zum schwarzen Roß", „Zum roten Stier", „Zu den drei Mohren" und wie sie sonst noch aus der Zeit der Postkutsche überkommen sind, die Gewähr dasür Bieten, daß man dort aufgenommen ist wie in Abrahams Schoß — wandert man durch die Straßen und Gassen des alten Städtchens, das einst wie durch ein Wunder befreit wurde von der fanatischen Herrschaft des Huß und seiner wilden Anhänger. Alta Straßen, alte Gassen und Winkel. Hier werden in den zitternden Sonnenstrahlen Märchen und Sagen lebendig, die man als Kind hörte, und die man im Lebenskampf wieder vergaß, und die doch aus der Vergangenheit aufsteigenö das sind, was trübere Gegenwart leichter ertragen läßt und feste Zuversicht auf neue Zukunft gibt. Hier unter den spitzwinkeligen Häusern, die mit alten Symbolen geschmückt sind, mit Inschriften, die von Llr- väterhaick» geschrieben wurden, hier wird die Sprache des Herzens wach und man fühlt, was deutsch ist. was Deutschland bedeutet und ist tief im Innersten erhoben von der Gewißheit, blutverbunden zu sein mit deutscher Scholle. Dann steht man vor dem Dom, dem Dom von St. Peter und St. Paul. Das ist ein Wunder, ein verwirrendes Wunder zuerst, wie sich dort die Türme recken, gebaut in zwei sich widerstreitenden Stilen, wie das massige romanische Schiff sich vordrängt und im Seitenchor, den es mit Rundbögen an den Boden kettet, sich dann doch strebend auflöst in befreiter Gotik. Ein Wunder dieses Beisammenseins zweier Baustile, die allüberall in deutschen Landen um die Herrschaft rangen und deren Vereinigung immer wieder versucht wurde, und die doch immer wieder sich befehden, und die hier, wo sie gleichberechtigt nebeneinander stehen, wo sie ineinander übergehen und doch im Einzelnen voll ihre Eigenheit behalten, eben dadurch die Zwiespältigkeit überwinden. Ein Wunder, das nichts Verwirrendes an sich hat, wenn man es gläubig auf sich wirken läßt. Ein: Symbol, das mit höherer Klarheit, als es Worten und dem nach- schürfenden Verstand möglich ist, das Problem aufweist, das das Problem Deutschlands überhaupt ist und das zugleich die Lösung lehrt. Dieser Dom ist im Innern hell. Von einer solchen Helle, daß sie fast unwahrscheinlich ist gegenüber der Dämmerung, die in anderen deutschen Domen heimscht, jener Dämmerung, die selbst dort, wo reine romanische Bauart breite Fenster öffnet, doch wieder erzeugt wird durch den Schlagschatten der dicken Wände und der schweren Pfeiler. Hohe Wände, Steinmauern eigentlich, Lettner genannt, schließen doch die Helligkeit nicht aus, wenn sie auch stiller und gedämpfter durch die gentalten Scheiben des gotischen Halbrundes bricht. Der alte weißhaarige Kirchner, der die Gruppe der Besucher führt, weist auf den Eingang des westlichen Chors und seine Türgestaltung hin, die wohl einzigartig in der Kunst ist. Gs ist das Kreuz, an dem der Erlöser hängt und unter seinen ausgebreiteten Armen her, die noch segnen, da der Nagel die zuckenden Hände an das Kreuzeholz heftet, tritt man ein in diesen stillen Raum, der höchste Köstlichkeiten deutscher Kunst enthält. Die Standbilder der Stifter der Kirche Eckards und Frau ilte, die mit einer unnachahmlich weichen Bewegung das Gewand empvrhebt und es schützend vor das zarte, tief in Frauenstille versunkene Antlitz hält, äknd dann gegenüber Hermann, hochgereÄ und mannhaft und daneben jene Frau, die lächelt. Wie lächelt diese Frau? Nein, es ist nicht das Lächeln der Mona Lisa, jenes Lächeln, an das die Nachwelt herum- deutet und für das sie nie und nimmer eine Lösung finden wird, weil es ein Lächeln ist, das nur in einem einzigen Augenblick erstehen konnte, ein Lächeln, das nicht Seele wiedergibt, sondern flüchtigen Gedanken, der über die Seele hinüberhuscht, und der nicht zum Verweilen bestimmt ist. Dieses Lächeln der Frau Regelindis ist ein Lächeln anderer Art. Es ist der Wider- scheitz mehr des Herzens noch als der Seele: es ist ein Lächeln der deutschen Frau, ein Mutterlächeln, ein Lächeln, dessen Abglanz immer währt, und das uns allen vertraut ist, denen, sich das Antlitz einer Mutter neigt. Es ist ein deutsches Mutterlächeln, das so deutsch ist, so das ist, was höchste deutsche Frauenschönheit ausmacht, daß du es nie in der Welt finden wirst, sahst du es nicht als Kiitd im Antlitz deiner Mutter, oder siehst du es nicht bei der Frau, die deinen Lebensweg mit dir geht und sich herniederbeugt über euer Kind.... Regelindis Lächeln begleitet einen, wenn man tm ©onnen« gelast den sanft geschwellten Hügel hinansteigt, der oben von einer Windmühle gekrönt ist, und von dem man einen Lieberblick über die Stadt mit ihren spitzen Giebeln, tief geneigten Dächern *- 186 —• Schriftleitung: Dr. Friede Wah, *“* m° »Ei«» mi a«.^ a, OaM,, D^ss Beschränkung des Lonlichen ist es. die de» empfind- ticheren Muslknaturen. auch wenn sie Mer Pianisten sind, die Freudeal-r 9i!,trumMt verleidet hat. Man kann ihnen nicht Anrecht geben denn je mehr Klaviermusik inan hort, desto aitf- r uud peinigender wird die bei allen- Raffinement der Mang- Md Anfchlagnuanten zu Tage tretende tzSlzernhett de» §»iarKwtnee' Fülle von Klavierabenden, mit der »•Wifw a“k> Hauptsächlich Deutschland, noch immer ttbev- ichuttet tonb. hort man sehr viel Klaviermusik... »»»irr&in’1 allerdings Hat sich den; Klavier ein ganz ^roffnel. das seinem Charakter vollkoniMM S*A'“ gerade aus der gewissen Abgehacktheil feine» Ean^eize hervorzuzaubern imstande ist. Das ist •*J6*1 Jazzband, deren Wichtigkeit E^L^"Lal,scher Beziehung keineswegs unterschätzt werden Ä beschrankt sich dort in der Hauptsache auf auft^e^^wn^dngen, Synkopierungen vdm- überraschend im D-rem mit dem Hauptinstrument , Schlagzeug, das man nicht irgendwie ver- Eich betrachten soll, drin; es ist in der Lage die wrtesten. kaum wahrnehmbaren Klangfeinheiten in präzisester Rhhthmi- ^^aller^n rsberhanchenüstem Pianissimo wieder zugeben: Wobei seine?- scharfen Low unterstützt wird. Die immer wech- K ^azzbauL-Klanges, die bald in der Mo- onstrmnent^ bald im BLnjo als melvdieskchrend«t &ic dumpfE» bald weicher, des Schlagzeuges und de» Mamers erst ihren rechten Untergrund,- das leise Murmeln der mb wS■ÄÄ dasfage Gt uns häufig aufhorchen; btellAcht nicht ganz ohne wehmütige Empsindultg -.«Ku alte Geliebte aus neu erobertem Boden begrüßen. und hochanstrebeuden Kirchtürme« hat, der RaumZurg wie eine Perle in einer Muschel liegend zeigt. Dom blinkt die Saale auf. um dann hinter Häusevgetvirr 51t verschwinden, tvieder sich in einer kurzen SchLurgenlinte zu zeigen und dam» in dem farbigen - IelLergevteri des lrM'tcheu Tales zu verlausen, das hin nach Kosen, führt. An der Geste drürrgk sich das Änstr«t--Tal herein, mit waldbewachsenen Höhen, die aber an ihrtz» MHängs« Weingärten zeige« und Erinnerungen an die Mosel, , und von hier schaust du Hinunter auf jene berühmte Pflanzstätte deutscher Bildung,. auf Schulpforta, wo Mopst ock, Fichte, Ranke und sh vi-eke andere, die Träger des deutschen Geistes waren, Hie Grundlage für ihre vorbestimmte Aufgabe erhielten. Hier muß dein Fast stocken. Bier Bäume beschatten einen Stein, der verwittert ist und dessen Lnschrift du nut noch in Bruchstücken zu lesen vermagst» Es ist ein Mal der Erimrerung. Aus welchem Anlaß es gesetzt wurde — der und jener, der vorübergeht und kaum hierher schaut, mag es wisssn. und du könntest Hu fragen, Aber tut dir das Wissen not? Sagt hir nicht alles der Satz aus der Vorderseite des 6te«ie», den du mit vieler Mühe snizifferst und der vor hundert Jahren in der Zeit der FranzofenbedrLÄung Hier eingemeißeft wurde, im uMMrdrückbavm M«cken an die Zukunft: -«Der HoffnuM besserer Mrf Wieder nimmt btt Buchenwald für Stunden den Wanderer auf. Auch ein Dom, ein deutscher Dom, in dem diese» vertrauende Wort, düs dort auf Sen -verwitterten ©tetn gemeißelt ist, tote ei« Gebet nachzuNiagen vermag. Dann blinkt die Saale toicöcr durch das Gebüsch, irgendwie liegt Fröhlichkeit in der Saft und weit öffnet sich das waldumkrLnAte Mund des Tales von Köse» 2m Abenddämmer steigt man hinab. Aßt sich von der salz- geschtvä tigerten Luft der Gradierwerke umwehen und beschlicht den Tag mit von FrühüngÄuft boll gesättigter Lunge. Der andere Morgen ruft zur Fahri gut RudelSburg, wo die Melodie entstand. dm einen mit geheimnisvoller Gewalt hier hinlockte Inmitten fröhlicher WandervogÄschorerr steigt - man den sielgewun- Beneii Weg herauf, grüßt des jungen "Bismarck studentisches Dendiml und nimmt dm Hut ab vor dem hohen Stein, der den Toten von 187» unb Ml gewidmet ist. Hinüber schweift Ser Buck zur Burg Saaleck, wo jene linglücklicheu. die glaubten mit Revolverschüss«! DeutschlänSs innere Krise lösen zu können, ihre Tat mit eigener Hand sühnten und mm begraben liegen. Ä-nd der Blick schweift hinüber Streit da» Saalewl hinunter, über dem strahlend die Frühkingssomre glänzend weiches Grün hervvr» zaubert, dunkle Dächer tüau (»Unten läßt und der Landschaft diese ganze Lwolichkeit Mt die nur In Melodien einzufangen ist und die gleich der ßreUMMe-rt eines Seuffchem Frattenlächsl« 'st. <»>;.» jenem Lächeln der Regeliadis. ' Der Streit um das Klavier. Bon Dr, Anion Mays r. Zwei Instrumente werden von D-kettanten und Künstlern vor allen Dmgen bevorzugt: Die Violine und das Klavier. "E n’ Mstand kommt das Cello und die Bratsche» alte ausschließlich auf den Gebrauch un gropen Orchester und vereinzelten, hauptsächlich klassischen beschrüM, so schon auch ihr Ton fein Mag. ^-et Matinetie. die.- wenigster in zwei Quintetten J0‘- Mozart und Brahms die führende Rove spielen- atm fester SLfrVS*» Sol^Komposiävstm für ötoe Ä Hom- Ä to'e3 PechMser und der Kontrabaß sind so gut ^^^oilkvUEn in die Orchestermasse verbannt u,ch nur die »«bu.. Gatt'- oder ein BvlkÄted-Pvtpourri — in Fre,iu,t- oder Bierkonzerten erschallen. KünUerm vÄ^VW^ den MusiWebenden u«6 s; ! rm, oUwn regierenden Instrumente die Krone 6'^ii “ u‘-c ^^bertegenheii zuerkairnt werden müsse. Sie iQ »te enttchiev«: worden, da die Anzahl der Ausübenden Mr beiirn Momente sich wohl stets die ‘IW ta tnh lebe Partei mit Eifer ihren Stanöbu'-ki verdat Kte» i« *^n neuester. Zeit Laben sich Luch 'ÄÄX A ^hvben. die ton der DocheÄchaft -A fiS »m,tru1,iente5 «iE mehr Mffen woNen mrd sich au^dle Serie öek Gegner schlugeii. Um zu seh« -was ihren StandpE rechtfertigen rann, müssen die Vorzüge und Aachteile des tBkw- forteS einer Betrachtung rmterzogM werde», M ist nicht zu leugnen, daß das Klavier den Vorzug der Älelseitigsten Literatur hat. Abgefchen von der unübersehbaren Menge der Or-ginal-Kompositionen, vom größten Genie bis zum TmgÄ-Tangel-Kompvnisten hat fast jeder Tonseher an ihr mit» SeWfeK, e»t es kein Jiistrummrt, das Mit derartiger Leichtia« kmt Transkriptionen von Orchestermusik toiedergibt. Der Klaotew- fptÄer ist ur der Tal befähigt, sich.eine umfassende Kenntnis der aKmiei' Muftkliteratur anzueigiien, ohne die betreffenden Werke selbst hören zu müssen — wenigstens bis zu einem hohen Grade: dazu kommt iwch, daß er infolge seiner Gewöhnung, stets vier Avienzeilen zu übersehen, viel leichter lernen wird, PartituvM zu lesen, als der an eine Zeile gebundene Violinist. Die Möglich. kett, Orchestertoerke genau zu studieren, ist noch vergrößert durch öfe vielfachen Varianten, die das vterhäudige Spiel auf einem ÄtoWt, bas Spiel auf zwei Klavieren, das achthündige Spiel »T*- auch bei Qriginal-Kompdsitionen kmm 8ee Sputetet nie in Verlegenheit kommen, da er niemanden zur Begleitung braucht, tote der Violinist - von den wenigen Werken Mr Mvline allein abgesehen — sondern im Gegonteil aus Begleit« für Gelang und andere Instrumente im allgemeinen! unentbehrlich ist. Das Klavier besitzt, mit Ausnahme der Königin dM.Jnstrumente. ^der Orgel, die brauserrdsie Fülle und den größten .Umfang der Solo-Jnstrmnente: feine Technik gestattet ä?tt. unE» Akkorde jeder Art mit mehr oder wenige« eochwiemgrerl, aber ohne jede Einschränkung erklingen zu lassen — was bet den anderen Instrumenten nicht der Fall ist — alles unleugbare Vorzüge, zu denen noch kommt, daß das Klavier vom Spieler Nicht das unbedingt feine Tvngehvr verlangt, tote tom Spieler eures Streichinstrumentes — oder auch eines Vauke»- schlägers — der fern Instrument stets stimmen muß. trstzdem hat das Klavier einen Nachteil, der für emi>> suidsame Ohren beinahe alle genannten Vorteile auftoiegew ronnte, obgleich man ihn im Gegensatz zu den mehr ins Ma.- tertelle gehenden Vorzügen als ideellen zu bezeichnen vermag. Gr liegt nur tn der Tongebung, in dem Unvermögen des Klavier» sptelers, den angefchlagenen To» dynamisch zu variiere», als» öi!' VÄ nbschÄ^lien zu lassen. Der angeschlagene Ton wird zwar von selbst schwächer, aber nicht bamt, wenn es der Spieler will sondern wenn die Schwingungen der vom Hammer getroffenen »satten Nachlassen; diese Saiten aber zu stärkerer Vibration zu bringen und damit die Tonstärke zu erhöhen, ist vöMg ausge- tchlvften. Das Singen einer Melodie, wie er auf der Geige ohne rede Schwtemgikeit mit ergrDifendster Wirkung möglich ist, bleibt auch dem größten Piamsten versagt, wenn natürlich auch ganz > Lifzt oder Buf0ni wahre Anschlagswunder totlf«5tt haben; im ganzen aber ist dem Ton eine gewisse Steifheit und Hölzernheit nicht abzusprechen, der sich aerad» beinr Heraushoren von Melvdten - auch in den Mittesstimmen - auf das störendste, ja das versttrnmeudste bemerkbar machen kann, mag d« Konzertflügel von Bechstein oder Steinway auch 00m begabtesten Virtuosen gespielt werden —- von Dilettanten und etnei' alten rahikommode" selbstverständlich ganz zu schweige»