Gietzener Zamilienblatter Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Jahrgang (925 Zamstag, -e« 26. September Nummer TZ Sei« >t. Du Die Anlagen, die sich am Stadtgraben hiuzogen, • waren unten schon in feuchte Dämmerung getaucht. Nur die Wipfel Finger waren ganz blutig. Das Haar fiel t meine Düte, wie bleich und wild er aussah! He du, sagte Sitten, wir arbeiten uns hier kaputt und du hockst da und träumst von LutschbmGonS. Opfere dich auch mal ein bißchen fürs Geschäft. Hier find fünfzig Pfennig, schaff Di« herbei. Husch husch! Haha, Äeser Litten! Ihm war wohl in keiner Weise bei- zukommen. September. Erzählung von Manfred Hausmann. Herr Düchmann, der Prokurist, stand aufrecht und ae» waltig vor fernem Schreibtisch O Gott, alle wußten, was baä SU bedeuten hatte! Aber das Geschäft ging brausend weiter: die Kassierern, schrie nach den Kursen, die Schreibmaschinen knatterten, der Chef führte einen Kunden in sein Privatkonto« und oie Telephone lärmten. Es war ein prächtiges Durch- erpander. Nur der Prokurist stand schweigend da und starrte auf einen Puntt. Nun mochte der Himmel diesen Punkt beschützen! Der arme Peter! War es denn aber auch zu glauben! Peter guckte aus dem Fenster. Jeder fieberte vor Arbeit, selbst der Chef geleitete einen Kunden in sein Privatkonto-, und der Lehrling Peter erlaubte sich aus dem Fenster zu gucken. 3a, zum Donnerwetter. Selbstverständlich... felbst-verMndlich!... Sweet hecnft ich danke Ihnen... Schluß. Sie s in ja een abjefeimteu Ba s iehver siu Sie! Hakte Töne? Det arme Mächen dm ja in sin beschicke foofen total bllnd-t Huhn । ®ta blindes Huhn soll man nicht vor die Säue wertem gute Frau. , Dillen klappte sein Buch auf und ging an die Arbeit. t*0* bet tfeene Kinde hier haben Sie jar teene Schäme nicht, Sie...? Die Schreibmaschinen hörten einen Augenblick aus zu knatterm I Am ersten September erschien Litten un Kontor. Beliebt? fache er, lawohl, Buchhalter Karl Allen. Es war großartig, tote Buchhalter Dillen auftrat. Als er I .morgens zur Tür hereinkam, eine Viertelstunde nach acht älhr. ! drehte er seinen steifen Hut tote einen langen Dritter zwischen | Kwei Fingern und haute ihn mit einem Knall, den er durch einen I erstaunlichen ZmrgeÄaut unterstützte, dem Lehrling Peter auf I den Kopf. | And sind Sie ersucht, selbiges an seinen Ort zu schaffen. I faßte er Alles lachte. @ß war nur gut, daß Herr iDüchmanu | nW auf seinem Platz faß. Dann ging Allen in! die Buch. 6 Haltung und arbeitete. Punkt eins entnahm er feinem Etui eins 6 -Zigarette, legte sie über den Handrücken uich schlug sich auf das I । Gelenk. Witsch, da saß die Zigarette in seinem Mund. Daraus I S zum allgemeinen Erstaunen brennend auS I der Dasche, trtllerte nut feinem Hut und ging davon. I des Nachmittags geschah es, daß Buchhalter I Fenster sah und gegenüber das Fräulein mit I ^berckopf entdeckte. Gr verleugnete sich und winkte hin» I über, aber sie machte frch schnell an ihre Arbeit. ... Dankow- sagte Tillen, haben Sie die Güte, die Tür I zu schließen. Ich furchte für mejne Gesundheit. Jesunbheit... Watt? Es zieht, gute Fran. Dann telefonierte er bei Werner u. Co. an. Aber al» E mannluhe Stimme meldete, knallte er mit der Zunge und fegte den Hörer nachdenklich wieder auf. oinJ; sHuippelte er mit der Schere an ?l l^m rot«t Mahitzettel herum und schob schlichlich etwas in I Tiefes Fräulein Bubenkopf wollte er schon | Da.. letzt guckte fiel Er griff an seine Brust, verfiel I s^merMche Grimasse und zog ein großes, rotes Papier» I fejl Vubenkopf guckte noch immer. Zische... da l Tillen seinen Federhalter durchs das Herz und lieh es | und zmfen. O dieser Satanstilken! Das sollte wohl Liebe | ^c“te"if,0&er derglerchen. Der Bubenkopf wollte sich totlachen. S ,"UN genug? Bewahre. Er matte auf einen weißen I »mU D^laustift ein großes N und hielt es dem Fräulein hin. | ®amt “tl" ®ln A> dann ein M, dann ein E und zum Schluß | Dubenfräufein preßte ihr Taschen- j M'md und schüttelte den Kopf. Aber Tilken legte dre Hande zusammmi, machte bitte, bitte und weinte. And wahr- I ™ r n na$ emer Werfe war drüben am Fenster ein Papier M sehen, darauf stand mit mächtigen Buchstaben INGE. Aber mLfiti(?en- ®r gestikulierte und machte i tolef^5 bitte, bltte. Endlich erschien das zweite Blatt: VOGEL I M ■ ag.te. Dillen und griff nach dem Telephon. Als sich I «e tvreder meldete, räusperte er sich gelassen' I tortH-^fw-$>r;3riIren" 05 eg cmgsnge, daß er Fräulein Vogel I für fünf Minuten... fte ansehen, so lange man will. Es über dringt einen so ein bans in ein« wilden Haide, bald in einem wohlge» d« höchsten Bäume, eben noch von d« stlbendsoirne gettwffen. ehten auf. Set Ahorn stieg aus bet trüben Tiefe h«v«, chtete plötzlich und stand so still und golden vor dem Herbste | tote meine Hand Himmel. Dahinten lag die Stadt. Ein paar Türme tasteten sich traumhaft in den Aeth« hinauf. Eilten und 3nge schlenderten einen Weg entlang, bet am Wasser hinführte. Heb« ihnen wölbten sich Sindmzweige und gelber Holland«. Dann und wann fiel schweigend ein Blatt. Dcr Abend sickerte h«ab. Es taute stark. Drüben toaren die Dlutbuchen bis auf den Grabenspiegel gesunken. Langsam rud«teu die Schwäne unter dem finsteren Laube hin. Dim mtuhte eut leichter Debel aus der Kühle empor, hoch empor bis über die Baumwipfel, bis dorthin, wo ihn die Abendsonne orangefarben machte. Er webte hinauf und schimmerte herab, lautlos, wett» verloren, sachte «löschend Sitten spazierte darunterhin, als wäre das abendliche üSmn» bet g«abe gut genug für ihn und seine Liebste. Sr schwang sein Stöckchen und bot 3nge den Arm. Alles arrangierte sich vor» trefflich. Das Leben war schön. Oho. aufgepatzh jetzt wollte « das Kind einfach küssen! Gr guckte sich um. Gs war ja so einsam hi«! Aber dann hatte Tilten wotzllkeine b^onders guten Augew ^i war es w gieicygiung, was va u.u« Denn zwanzig Schritte hinter den bechen, hart aMT^b^sch | 6ie blühten, schauderten und starben, jahraus, jahrein, gedruckt, schob sich d« Lehrling Peter hin. Er spähte mu I Peter! Erst war es eine süße Angst, dann waren offenem Munde, « schlich und knickte sich, er wnhter n^t’.I holde Schmerzen und nun ist es Weinen und 3ammer. Ein « hi« wollte ab« erkonnted^H nicht ank^, als.^ mÄ ßeb^^le to ereignet, ein bißchen Schicksal, nicht Not Sinter dem Mädchen herschleichen. Hach tote «fte davor I Schweig! sich sah, ihre Deine, ihren Rücken, d« sich ttnter ^n Mantel I ^ie @rE>e fraitiE den Sau und die Tränen, breit und schweb- abzeichnete, ihren Hals, ih« Schultern, km.^.g^oß«^ttim | . Wc Erde. Sie trug die Verwesung in sich und die Kraft, Himmel, es tat alles so toe$! ©ie roiegte I bange, weihe Dlüten emporzutreiben, die ihre Verzuckungen hin, herrlich gemacht aus N-i^ und Blutz fe^rtch, v«l^ ^erbft hinfankLi und sich verhauchten. voller Lust und Anschmiegung. Tiltenlegte ferne Hand wifihve 1 Mtflos ins Laub. Die Nässe krocht durch Hüfte, fte streifte sie mcht ab, ^J*rangte A" I fein« Rock. Er weinte üb« das Leben und üb« den Herbst bißchen eng« heran. Ach, sie war wohl so aMungsi«. wie i __ blieben stehen, Silken beugte sich vor und sc«te etwas. Aber « I geschah nichts. Die Bäume Netzen den Tau hewbtropfem Peter, I der imm« am Gebüsch hinkriechen mußte, schluderte vor Rässe. I Die beiden blieben schon Wied« stehen. Plötzlich^ sprang 3tige I zur Seite, erfaßte einen dünnen Daum und schüttelte eine uin» I menge Sau üb« Silkens steifen Hut. Hahaha! Sie witschte davon, । Silken mit feinen langen Deinen hinterer. Da hatte « fte schon gefangen. Sie keuchte und lachte, aber «druckte sie an sich, daß sie sich aufstöhnend zurückbog. Hnd dann küßte « fte. Pet« fühlte richttg, wie seine Stute einknickten. Gr fiel auf die Erde und stand mühsam Wied« auf. Jetzt mluhte kwch dte Welt zusammenkrachen, « muhte doch sterb«, rrgendett^s Schreckliches muhte doch geschehen! Äb« alles bliebrichig.^^ Schwäne zogen blaß über daS Wass« hin, zwei, drei Blätter taumelten durch die Luft, die Nässe stck«te an den Stammen herunt«. Niemand kümmerte stch um die beiden. Pet« kroch auf eine Dank und legte sich lmqzelcuW ^i. Was nun? Die Dank roch nach verfaultem Holz. ®r machte dte Augen zu und wollte schlafen. Nein, für ihn gab eS kerne Hüstln ehr auf dies« Welt, gar keine. O Herr 3esus... Stimmen näherten sich... Schritte... Peters Herzschlag setzte aus, eine Blutwelle schoß in seinen Kops und machte ihr besinnungslos. Er lag steif tote ein Stock auf d« Dank, daS Gesicht in den linken Arm gepreßt. ' Du, Karl, ist da nicht schon toer? Schmeißen wir runt«! . Wenn Pet« nackend gewesen toäre, hatte er stch tocht w geschämt wie jetzt. Sie kamen kichernd herbei. Titten tippte auf feinen Rücken. ' , He, jung« Mann! _ _ Du, Karl, « schläft ja! Liebe Zeit, en «ein« Junges Warum Hegt « denn hi«, Karl? L,, Sie setzte sich neben Peter auf dte Dank und strich über fein Haar. Pet« drückte die Augen noch fester zu. Hilfe! Wer konnte das aushalten! ... - , Mit einem Male trillerte Silken mit seinem Hut. Haha! Das ist ja unser Peter, uns« Sttst! Dreh ihn mal rum! Los, schmeiß ihn runter. QIBet tDcrrn er nun... ttxsnn er nun kvcmk ist oo*et sv! Sie wurde ganz aufg«egt . . , Peters Finfe Hand fiel herab und tastete sich verwirrt an Inges Dein empor. „ „ , , ! So, sagte Sitten, jetzt muh ich ihn vor die Pistole fordem. Er hakte seinen Stock in Peters Hosen und wollte ihn wegziehen. Ab« d« Junge zuckte auf und Hämmerte sich an Inge fest Da riß Eilten die Geduld, « packte rücksichtslos zm Also zum Domrerwett« noch einmal! Ehe « stch's versah, hatte Peter sich redoch herumgeschnellt und ihn aus all« Kraft in die Hand gebissen, ähtbibarm und biß « blindlings um sich Tllten muhte Mruckweiche». Peter 1 gefällt- baldte ------------- ihm nach Silkens Hut koll«te auf die Erde, Peter trat I Megt« ®«ten. r Ab« km stürzte Sitten auf ihn loS, Sage warf sich dazwischen, I 2ch Pet« lief aufschluchzend davon. I Z«, die tBrauefln^te Nun hört doch altes auf! fluchte Tllten. j A^Ee ^d Gi^rl, Er hatte sich Wohl ein bißchen blamiert. Ein Heiner 3unge, I dte Leute geben^ Hnd doch hat! ein Kontorsttft hatte ihn zum Weichen gebracht Md sein« Hill • - x- son — es nicht, 10. mrr, um ihn zu ihm, aber Sch habe ein Wunder begreife ich. Sch Vor 11. ' gesehen, und Punktum I toogu der Merffch seine Augen hat. Schönheit! Da sehe ich an der Ecke der Wterz- Setzt erst . Corpo di Baccho! Welche Sch gehe mit Ostrzinski. — ~ , » bowastraße eine Dam« an uns vorubergehen. Sch b^to rote «mgewurzelt stehen, ich werde zu Holz, zu Stein, ich reitze^dte Augen auf. ich verliere die Dssinrcung, ich greife unbewußt nach Ostrzynskis Krawatte, ich binde dieselbe auf — und — Rettung, denn ich vergehe! n , . Daß sie vollkommene Gesichtszüge hat, was roell das sag^I Die Gesichtszüge sind noch gar nichts! Es ist einfach »W lerische Schöpfung! ein Kunstwerk im der Zeichnung, ein Kunst- werk im Kolorit, ein Kunstwerk in der GmpfiiÄwn-g. Grenze würde bei diesem Anblick wieder auferstehen, und fich^ nachher aufhängen, im Bewußtsein, daß er eigentlich Vogelscheuchen gemalt hatte... . „ t Ich schaute und schaue und form mem Auge nicht Weg- Wenden ... Sie geht allein... doch nein! mit ihr gehen die Poesie, die Musik, es geht der Frühling, die Wonne, die Lr^e. Sch Weitz nicht, ob ich sie gleich malen möchte denn-ich würde lieber vor ihr hinknien und ihr die Fuße rusi«t^ wrntKou dafür, daß sie so herrlich ist. Was ich möchte, Weitz ach übrigens selber nicht! ... ' Sie geht an uns vorbei, leuchtend, tote eut Sommertag. Ostrzhnski grützt sie, sie aber sieht ihn nicht !... Sch wache auf, wie aus einem Zauberschlaf, und rufe: „Wir wollen ihr folgen!" "Bist du von Sinnen?" fragt Ostrzhnski. .Sch nach meine Krawatte binden. Latz mich irr Ruhe, es ist merne Bekannte. .Deine Dckkannte? Stelle mich ihr vor! .Füllt mir auch gar nicht ein! Bekümmere du dich um deine Braut!" , . „ , , ,, Ich verfluchte Ostrzhnski und seine AachkommEaft bis taS neunte Geschlecht und will nun allein der »n&etannteM nacheilen. Zum Unglück ist sie in eine Droschke gestiegen Ich sÄhe in der Ferne ihren sloventiner Hut und ihren roten Sonnenschirm. .Kennst du ste wirklich?" frage ich Ostrzhnski. »Sch kenne all« Welt!" »Wer ist ste?" , „ Es ist Frcm Helena Kolczanowska, geborene Turnv, alias Fräulein Witwe." »Wieso Fraulein Witwe?" „ , .Weil ihr Mann beim Hochzeitsschmcast« Stocken Wemr du wieder zu dir gekommen bist, erzähle ich dirihre Geschichte. Also, da lebte ein sehr reicher kinderlos« Herr «olczanowski de Kolczanowo, ein Schlachziz aus der älkraina. Er hatte «ne furchtbar vornehme Verwandtschaft, welche ihn $u to^ben hoffte, und einen furchtbar kurzen Hals, welch« diese ®r&ert zu den Men Aussichten berechtigte. Diese Srben mm habe ich gekannt. bringen, daß «S fertig« Bezeichnung bereit hat, wurde darüber to seine« -W" ästerbcacbcn" schreiben: »Spiritus flat ubi vult ^AachSima^^ Ansicht ist Hist^emnalerÄ .«tn-ob^we Varbarei". Sch male nichts Historisches «nd hab« mit dieser Frage persönlich nichts zu tun; aber wenn ich diese sogsr^l^s ssrffchtittlichs Theorie ton allen Seiten hören mutz, so ist es Erklärlich daß ich ihrer gründllch übeichrüffig werd«! Unsere liebe» polnischen Maler haben einen vermählen sich mit irgendeiner Kunstdoktrin und leben «Eer unter ihrem Pantoffel, betrachten alles mit deren Aug«^ die Kunst nach ihr und sind demnach bessere ApoM dS’Tufltec. An^rseits habe ich wieder Maler gekannt, welche sich kram redeten über das, was die Kunst ist und was sie fern sollte und welche, als es dazu kam, den Pinsel zu ergreifen, nichts war mit Kazia und Suslowski in der Ausstellung, meinem Bilde ist immer ein Gedränge. wir hereintraten, begann man zu flüstern, und diesmal wendete sich die allgemeine Aufmerksamkeit weder auf.mein Bild, noch auf mich, sondern auf Kazia. Namentlich we Dam«r wendeten keinen Blick von ihr. Sch merkte, daß sie^ sich darüber außerordentlich freute, und nahm es ihr nicht übel... Schlimmer war es, daß sie über Swiateckis Leichname äußerte, das Bild wäre unfein. Suslowski erklärte, sie spräche ihm ganz aus der Seele, ich aber war wütend. Daß 'aber auch Kazia solche Ansichten von der Kunst hat! Bor Aerger verabschiedete ich mich gleich ton ihnen uni« dem Vorwande, ich müsse zu Ostrzinski; ich ging auch wirklich " zum Frühstück mitzuschteppen. ausführen konnten... , Ost dachte ich, daß es eigenllich den Philosophen , oblieg, eine Theorie der Kunst zu schaffen, und falls st« dieselbe nutzt gut machten, so hätten sie es zu verantworten Die Water aber sollten malen, wie es ihnen ihr Herz eingibt, aber auch malen Dirnen; beim dies ist die Hauptsache... .. Meiner Ansicht nach ist das winzigste Talent mehr wert als die großartigste Theorie, und die grotzartigste Theorre verdient 'der künstlerischen Freiheit das Wasser zu reichen. « waren in der Tat höchst achtbare Leute, aber, wie es m der WM schon mal ist — auch die achtbarsten und uneigennützigsten unter ihnen konnten nicht umhin, immerzu auf KolczanowskiS HalS zu blicken. Endlich bekam «S der Alte satt, er bewarb sich seiner Familie zum Trotz, um die Hand der Tochter feines Aachbars, machte einen notariellen Ehekontrakt und ver- sckuieb ihr sein ganzes Vermögen. Dann erfolgte di« Trauung, sodann das Hochzeitssest und als der Hochzeitsschmaus gerade zu Ende ging, tötet« ihn ein Schlaganfall auf der Stelle... Auf diese Wesse wurde Frau Helena Frautem Witwe — verstehst du mm?“ „Sst das lang« her?" . ' Drei Sahre. Sie war damals zweiundzwanzig Sahre alt... Seitdem konnte sie sich zwanzigmal verheirate, aber sie wM es nicht... Man dachte, st« warte auf erneu Fürsten. Es stellte stch aber heraus, "daß auch dies nicht der Fall fei; denn neulich erst hat ste einen Fürsten abgewiesen. Äebrigens wmtz ich ganz genau, daß di« Dame gar nicht prätensiös ist was schon daraus zu ersehen ist daß Frau Kolczanowska bis auf den heutigen Tag in intimster Freundschaft lebt nnt unserer rühmlichst bekannten, syrnpathischsn, talentvollen ufw. Eva Adami, mit der sie ^^^^Schute^MchtL^ jch beinahe vor Freuds ist dann habe ich Ostrzhnski nicht m^r notig Mein stebes, gutes Svchen wird mir schon dazu verhelfen, Frau Helena Kolczanowska kennen zu lernen., »Höre, du willst mich also wirklich nicht bei chr einführend ^^^Schlieh^^^nn man jemand keimen lernen roäö, so brin^ man es schon zu Wege," antwortet Osti^hnski. »Da du mich aber bei Kazia ausgestochen hast so mdtzte ich nicht, daß «s in -diesem Falle heiße, ich hätte dazu beigetragen, datz... ÄebrigenS, weih ich denn, ob... Adieu 12. 1 Am selben Tage sollte ich bei Suslowfkis zu Mittag sein, ^^Sch^haüe^war nie Zahnweh gehabt, hätte es aber be- ^^Moebte mir den ganzM Dag vor den Augen; was wäre das denn auch für ein Maler, .der nM vmr einem solchen Gesichtchen fortwährend träumen wurde? Sn der Seete kr^ich sie get^h schon zKnm.al Portoätiert. ^am nur «nch 8« Sde« zu einem Gemälde, in welchem ein Gesicht von Helena einen ganz besonderen E^kwuck machen wurde. Sch mühte ste nur dazu noch einig« Male wied^schen. Sch rannte zu Svchen Adami, fand sie aber nicht SstH^ Am Abend erhielt ich eine Karte von Kazzia mit einer Erw ladung für morgen zur Trinkhalle im Sächsischm.Ehrten und X zum^Z«. Sine wahre Plage diese Trinkhalle und ^^ch^si^ nicht hingehen, denn, w«vi ich am Morgen Eto nicht M Hause antreffe, so kann ich sie den galten Tag nicht Eto Ädami^Eist ihr Theatername in Wirllichkeit hecht tie Anna Sedsinska) ist ein Ausnahmegeschopf. . Ich bin mit ihr schon lange befreundet, und tote sagen zu- ^E^t n^n' Sichren bereits gehört F“ ist rein geblleben tot strengsten Sinne toeses W<^- Wcht chbt «s beim Theater viele weibliche TM«t, die Physisch un vdxldia sind' wenn aber chr« gehetmen Gedanken an den -^ag tm& dergleichen spielt, nicht schlteßlich «tue tnstinktivo^^-Sor^ «k>rt«nn -»«bildet, wonach alle diese Tugenden nur den äußeren KS irnb schauspielerischen Kunst bilden L Leben gar Es zu tunhabem Der gewaltig« Unterschied zwischen der Kunst und oac, die Scbaustneler, erweckt die Sinnlichkeit. Auch die weißest» Angorakatze würde unter solchen älmstänton ihre jgfe VÄ AäL du^und durch ästhetische Natur, dimh ^«das Döse^ercko toenta dringt wie das Wasser durch die Federn des Schwans. Zu diesen »Smpermeable"°Naturen gehört ^Zva Adwnu Gan»e Abende hindurch beim Tee und bet bet Sabare» pfeif?^rde unter uns Kollegen ^rtgst diskutiert u^c allest was mit Kunstwelt gehört, von der höchsten Klasse derselben, den Poeten, biS zu deren niedersten, den Schauspielern. DerKünstler - das ist ein Wesen, bet dem die (StnM- dungskraft writaus mchr mtwickekt ist als bm widerm Ste^ llchen, ein Wesen, das empfänglicher ande« für Erndni^. sinnlicher, leidenschaftlicher ist ein Wesen, das int Blitze des GMckes und der Lebensfreude alles kennt und nach allem mit der grötzten Kraft strebt. Er mutz einen dreifach festen Aun?" dich verliebt!' Welche Mimose, diese Eva! Als sie dies hört, wechselt sie die Farbe, lehnt die Ellbogen auf den Tisch («im Wunder, diese Ellbogen!), stützt ihr blasses Gesicht auf die Hand u-ch fragt: „Waim war denn das?" Eva sitzt einige Zeit in Gedanken versunken, «afft sich nrtt einemmal auf und sagt mit nervöser Hast: । „Sprechen wir nicht mehr davon, ich bitte dich..." „Gut, sprechen wir nicht davon... Weißt km, Eda, ich habe dich zu lieb, als daß ich mich je in chich verlieben Eines schließt das andere aus. Seit ich dich kenne, fftSfe ich für dich eine wahrhafte Anhänglichkeit." „Aber," sagt Eva, als ginge sie ihren eigenen Gedanken nach: „ift es wahr, daß du verlobt bist?" „So ist es." Es drängt mich von Helena zu sprechen; da ich mich ab« wirklich einmal beinahe in Eva verliebt hatte, und sie jetzt in gute Laune versetzen will, so beginne ich meine Erzählung. „Es war nämlich so... Wir gingen einmal zusammen nach dem Theater in den Botanischen Garten. Weiht du noch, rote herrlich der Abend war! Wir saßen auf einer Dank am Dasiin — du sagtest, du wolltest die Aachttgall hören. Ach war etwas melancholisch nahm den Hut ab, weil mich der Kopf schmerzte, und du gingest an das Bassin, tauchtest dein Taschentuch ins Wasser und legtest es mit deiner Hand auf meine Stirn. Du erschienst mir damals in deiner Güte rote ein Engel und ich dachte mir: Wenn ich diese Hand «greife und auf dieselbe meine Lippen drücke - so ist eS um mich geschehen, !dam, verliebe ich mich sterblich in dich..." „Aun, und -?“ frägt Eva leise. „Darm setztest du dich plötzlich weiter weg, als ob du etwas geahnt hättest." „Weshalb hast du mir nichts davon gesagt?" „Die Sache wurde abgebrochen, und hat sich erst vor btraem wseder zufammmigefügt. Wenn du ab« sagen willst, dah ich als Verlobter Frau Helena nicht kennen zu lernen brauche, so antworte ich dir von vornherein: Ach war früher Water denn Bräutigam. And um sie hast du doch keine Angst?" „Bilde dir nur nicht so waS ein. Ach führe dich bei ihr mcht ein weil ich sie den bösen Zungen nicht preisgeben will. Aten behauptet, daß feit einigen Wochen halb Warschau in 2J2, le% Iei; man erzählt sich unerhörte Sachen von deinen E^olgen. Gestern erst hörte ich den Witz, daß du auö den zehn Geboten dir eins gemacht hast — weißt du welches?" | .man dabei den Verstand verlieren kann! JX®* darf zu ihr kommen darf sie ansehen, nur nicht ich! And weshalb? weil ich ein gutes Bild sämAt und einige Berühmtheit erlangt habe^ Standpunkte aus hast du recht," sagt lächelnd 1 muß dir nun sagen, daß ich bereits gewußt habe, weshawduzu mir kamst. Ostrzhnski war hier unöbe- es sei „bester", dich nicht bei Helma '-AHa- ich verstehe schon! And du hast es ihm versprochen?" * ”x2'V®,Tent^’ tch bin sogar recht böse geworden... T«ch- Emß «s „besser'- wäre, dich nicht mit He^a M machen. Aun wosten wir aber von deinem Bilde spvecyen. Hchriftleitung: Dr. Friede. Wilh. Lange. - Druck und Verlag der Brühl'schen Aniv.-Buch- und Steindruckes, A. Lange. Gießen. — 308 - Eharakter und Willen besitzen, um den Versuchungen zu widerstehen. 13. Es ist elf Ahr morgens. | Eva muß jeden Augenblick komme«. Ach habe ein Hemd auS Sackleinewand an, das die Brust I «” wenig srei läßt, dazu eine« etwas geflicktem, aber ordent- j uchen Tuchllttel, einen Gürtel, Stiefel und sonst noch alles, was I dazu gehört. Die Haare der grauen Perücke falten mir biS in die Aua«, j und es dürfte kaum jemand darauf kommen, daß ich eine Perücke I trage. Mein Bart ist ein Meist erwerk der Geduld. 3$on acht Ahr | "chsbtens an war ich damit beschäftigt, mit starkem Leim graue I Lttahnen zwischen meine eigenen Haare einzukteben, und ich I b«am ein so ehrwürdiges Aussehen, rote ich es kaum jemals im b^ter erlangen werde... Verdünnte Sepia verleiht mir ein* dunkelbraune Gesichtsfarbe, und die Aunzekn hat Swiatecki geradezu genial ausgeführt. Ach sehe aus tote ein Siebziger. (Fortsetzung folgt.) dA-es Aächsten Weib - umsonst." meine Avt! Aber der Witz ist gut." „And gewiß auch passend?" 9 x»^vi5e, öu öic QÖufj’tfjcit ? njA ungeschickt und habe nie bei Fr«E Leute reden sich Gott weiß was einfach dminrch glaubst du gar nicht, wieviel Wahres in meinem Ausruf tag. ®u, o Gott, siehst meine Avt!" „Povero maestro!“ Ab« so wenig es einen Grund dafür gibt, daß ein»'Blume, die schön« ist als die anderen, deshalb auch widerstandSkräftig« gegen den Sturmwind sein müsse, ebenfowenig ist ein Grund dafür vorhanden, daß ein Künstler mehr Charakter habe« müsse, als ein gewöhnlich« Mensch. Am Gegenteil, es ist sogar zu «Hären, wenn « öfters wenig« Charakter cm de« Tag legt, denn seine Lebenskraft geht zu Grunde an dem Zwiespalt Sroifdjen dem Reiche der Kunst und d« Welt des Alltäglichen. Er ist wie ein frontet Vogel, der, an ständigem Fieber leidend. I „ bald in den Wolken dem Auge entschwindet, bald die lahmen I Kolczanowlki eintofi^^ mich bei Kmu Flügel im Staube schleppt. Die Kunst läßt ihr, S ßteSE _ . v«abscheuen, ab« das Alltagsleben raubt ihm küe Kraft zum | aenten für ein^ ^r, r^V/ Da du letzt all- !2tuff liegen. Dah« so cft bei den Künstlern das AiS^an^. I daßich. die Sckw^eb2n E keineswegs an, gehen des inneren und des äußeren Lebens. * I ^e Äetena. «infühve, die Die Welt, die von den Künstlern mehr txrrtangt als von | AufnE^k^^f fo &£>&cm ^uße die allgemeine anderen, und sie v«dammt, mag vielleicht recht haben — ab« I ^^^rum «Ääm.ü > o« auch Christus wird recht haben, wenn « sie selig macht... -uvarum emvianatt te, m.A Ostrzhnski behauptet zwar, daß die Schauspieter in eben solchem Maße zur Kunstwett gehören, wie etwa die Posaunen, Die Waldhörn«, die Trommeln und dergleichen, ab« es ist nicht wahr. And tter beste Beweis dafür ist Eva Adami, die durch und durch Künstlerin ist, sowohl durch ihr Talent, al« auch durch jenes künstlerische Gefühl, das sie gleich ein« Mutter vor allem Bösen bewahrt hat... Trotz mein« großen Freundschaft für Eva habe ich sie schon lange nicht gesehen. Als sie mich nun erblickte, freute fie sich sehr, zeigte jedoch dabei einen sonderbaren Gesichtsausdruck, aus dem ich nicht klug werden konnte. „Wie geht es dir, Wladek," sagt sie. „Seh ich dich endlich!" Ich war froh, dah ich sie angetroffen hatte. Sie trug einen türkischen Schlafrock — rote Palmen aas cremefarbenem Grunde, mit breitem „vieilor"-Besatz und auf- geschlitzten Aermeln. Ganz besonders schön hob sich bet Besatz von ihrer blassen Gesichtsfarbe und ihren Deilchenaugen ab. Ich sagte ihr dies, worüb« sie sehr erfreut war, und so ging ich gleich zu mein« Angelegenheit üb«. -Meine goldene Diva," sagte ich „du kennst Frau Kolcza- nowska. Die entzückende Schöne aus d« Akraina?" „Gewiß, es ist meine Schulfreundin." „Mache mich mit ihr bekannt!" Eva beginnt das Köpfchen zu schütteln. „Meine Teuere, meine Süße, tue es mir zu Liebe!" „Aein, Wladek, ich tue es nicht!" „Siehst du, wie schlecht du bist, und ich habe mich einmal beinahe in dich verliebt!" empfängst da mich denn?" „Ach? Das ist etwas anderes! AH bin Schauspielerin und ^4 die Worte Shakespeares anwenden: „Sei rein Ä E Eis, Du wirst d« Verleumdung I ™ »Laß mich in Auhe mit meinem Bilde und mit der ganzen I äX9t" die Sache so steht, so werde ich -mir fdxm 3cVcrflT dir also, daß ich innerhalb d« I nächsten drei Tage Frau Kolczanowfta kennen lernen werde, ich ein« Verkleidung bet ihr eindringen mühte" ! < «dich Gartn« und bringe ihr ein Bukett I von idstrzynski. , | , Augenblick durchzuckt mich eine Adee, die mir I ist glücklich erscheint, daß ich mich vor die Stinte schlage und I dm ganzen Aerger und Groll, den ich eben noch gegen Eva | «npftmden, v«gessend, ausrufe: „Gib mir dein Wort, dah du mich nicht »«raten wirst!" »Ach gebe es Dir," sagt Eva neugierig. I , denn: ich werde mich als greif« Harfner Der- I ^iden. Das dazu gehörige Kostüm unb die Harfe besitze ich, Dte Akraina kenne ich genau und kleinrussische Lied« verstehe I ich zu singen. Frau Kolczanowska ist aus d« Akraina und | wird mich darum sich« empfangen. V«stehst du nun?“ „Welch originell« Einfall!" sagt Eva. | , Aie ist zu tehr Künstlerin, als daß ihr mein Plan nicht I gefallen sollte Sie hat mir ihr Wort gegeben, mich nicht zu I verraten, und hat auch gegen das Ganze nichts einzuweuden. . .^Welch «igimckl« Einfall!" wiederhott sie. „Helena ließt I iv chre Akraina, daß sie gewiß in Tränen zerfließen wird, wenn sie hi« in Warschau einen heimatlichen Liedersäng« «t bÄwmmt Ab« was wirst du ihr sagen, wie wirst I du ihr es erklären, daß km hi« an d« WeicKel bist?" Anwillkürllch wird Eva von meinem Feuereifer mitergrisf«. , „ Mir setzen und und entwerfen einen regelrechten V«- i i . ES rote) beschlossen, daß ich mir ein eat- . | I^vechenoss Charakt«gesicht mache and von Eva Int Wag« I «^geholt werde, damtt ich die Aufmerksamkeit d« GaffermM c 1 allzusehr errege. Frau Helena soll von nichts wtsftm, imb nur I mit bet Zeit wird ihr Evchen das Geheimnis verraten. Wir amüsieren uns beide üb« unfecen Plan ganz köstlich, 1 I darauf beginne ich Eva die Hände zu küssen, und sie behN I mich zum Frühstück.