Gießener Zamilienblätter ___Unterha!AKg§beilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1925 Dienstag, den 2b. Mai ynmmer §2 Rhein-Hymne. Don Kasimir Edschmid. Eine zerfunkelnde heiße Gebärde lehnt sich der Strom in die sterntiese Dacht. Rauschen der Wogen umrankt seine Fährte. Sorgend der Mond hält die mildernde Wacht. Silberne Dörfer wie kniende Frauen nehmen in Demut und lächelnd ihn auf. Aber den Träumenden sehnt schon nach blauen Stunden des Mittags und kühnerem Lauf. Laßt erst die Sonne die Ufer betasten zagend am Morgen, der kühl schon verklingt: steigend im Süden vor Wimpeln und Masten hebt sich die Flutung, von Schweigen umringt, hebt sich Legende und stammelnd, schon heiser, flutender singt sie der Länder Beginn, die an dem Flusse sich drängen, und Kaiser ziehen im Leuchten der Strophen dahin. Barken, die nahen, mit Reben beladen und die die Anmut der Mädchen umpreist, Knaben besingt sie, die strahlend sich baden, Segel, in denen die Seligkeit gleißt. Tage der Fülle mit reifem Akkorde klingen verträumend ins herbstliche Grau. Strähnig raucht Rebel von Ufer und Borte. Heißrote Himmel umflammen den Gau. Später dann könnt ihr im Sturm ihn noch grüßen, wo er sich aufbäumt vom Dollherbst berannt... Ach, er ist ewig. Wie ragt noch vom süßen Traum des Jahrhunderts sein Winter umbrannt. nach dem müt schaftlichen Bei Rheinische Kultur. Von D. H. S a r n e h k i, Köln. Wir entnehmen diese schöne Betrachtung über rheinische Kultur mit Erlaubnis des Verlages dem in Kürze bei der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart erscheinenden Buch „Der Rhein in Vergangenheit und Gegenwart", mit verschiedenen Mitarbeitern herarrsgegeben von Otto B r ü e s, einem nur von Rheinländern geschriebenen, ebenso hervorragend ausgestatteten wie inhaltlich tiefen und anregenden Jubiläumswerk von dauerndem Wert. Wenn der Rame Rhein den Deutschen ans Ohr klingt, ist es wie der Ton einer Glocke vom hohen Turm, der die Seele mit geheimnisvollen Fingern anrührt, sie aufhorchen läßt und aufrüttelt und, mystische Schauer zurücklassend, in der Weite langsam verschwimmt. Der Rame Rhein — was der Jordan den alten Juden, Allvater Ril den Aeghptern, der Ganges den Indern war und ist: ein heiliger Rame. Sinnbild kulturellen Wachstums, das irgendwie mit dem ganzen deutschen Lande verbunden ist, einer Geschichte, die bis in graue, nicht klar mehr faßbare Urzeit zurückgreift und die da Schicht um Schicht zurück- netz vom Volks- und Geschlechterleben durch Jahrhunderte hin — in Römergräbern, mittelalterlichen Domen und Burgen, Barock- bauten und neuzeitlichen Fabriken —, Sinnbild von deutscher Schaffenskraft und Lebensfreude, von nachdenklichem Ernst und ererbter Parteisucht, von tausend Wechselfällen des Schicksals, .ttyern. das ist der aufleuchtende Ruf vom dürren Sandboden cS J?a j v2uS J>cn Wäldern und Sümpfen des kolonisierten Ostens nach der Sonne, der Schönheit, nach paradiesffcher Heiter- te.t, las wie undeutbare Unterströmung im deutschen Herzen nach dem Mütterchen Ursprung, das ist Sehnsucht, seelische Verbunvenhe.t, Schuksalsgemeinschaft. Und mögen auch die anderen deutschen Strome ihren hohen Wert im Volksleben haben ^-^efotideren Reiz ihrer Landschaft, die Große ihrer wirt- schaftllchen Bedeutung, mag die Elbe eine Kette von Städten rS « bunte, lärmende Hafengetriebe Hamburgs, von wo der Strom zum Träger weltumspannender Ge- danken und Handlungen wird, die Weser der Ausgangsp',ntt des alten germanischen Freiheitskampfes sein, Oder und Weicbs-l Eungenen Kulturboden durchfließen, die Donau mächtiger tra^ i6re Wasser nach dem südosteuropäischen R,I."elmeer): der Rhein ist Ausgangspunkt und Ende, ist Zier HA Deutschland selbst, alles, was es groß und berr- . A "b was es sich selbst zu Schaden gemacht, was es erhofft erlitten hat. Unzählige Lieder umrauschen die bergumsäumten Ufer: in Städten und Dörfern träumen die nie gestorbenen und ewig neu erzählten Sagen und Mären aus dem Strome selbst glüht in nie erloschenem Glanze das Rheingold, und zwischen den zerbröckelnden Römerfesten und den hochragenden Fabriken der Gegenwart ruhen die tausendfältigen Ereignisse deutscher Geschichte. Der Rhein ist der Fluß des Grenz la n des — nicht Grenze der Fluß! — zwischen germanischer und romanischer Kultur. Deutsche und welsche Art berühren sich auf dem geschichtlichen Muttergrund kelto-romanischen Geistes; Blutströme liegen nebeneinander und streifen sich und fließen ineinander, wenn auch eine untrügbare strenge Sprach- und Völkergrenze vorliegt. Hier ist der Boden, wo das müde Volk der Kelten neue Lebenskraft von den Römern erhielt, und diese Blutmifchung wurde ergänzt durch das frühlingsjunge Blut der Germanen, als sie raumheischend über Den Strom setzten, in das Römerreich fluteten, zurückgeworfen wurden, sich ansiedelten oder zergingen. Aus dieser Vermischung wurde Wesen und Charakter des Ahein- landers geformt, der zwar weniger „reinblütig" ist als etwa der Westfale, der Sachse, der Mitteldeutsche, nicht so hartnäckig, zäh, dickköpfig,. nicht so willensbestimmt und beharrlich, der dafür aber mit ganz ursprünglich deutschen Wesenszügen viel Lrebenswurdigkeit, Heiterkeit, Freude an sinnlicher Schönheit und Lebensgenuß in die Wiege gelegt bekam. Er ist durchweg nicht der Deutsche des harten Verstandes, sondern des flackernden Herzens — wenn auch für den Rheinländer vom Ober- bis zum Riederrhein keine allgemein gültige Charakter- bestimmung getroffen werden- kann —, darum macht der Rheinländer z. B. im Ausland mehr moralische Eroberungen als etwa der steife Norddeutsche oder der derbere, formlosere Süd- Putsche. So wird auch der manchmal unentschlossene Arg des Rheinländers erklärlich, der im Grunde weniger Tat- als Sinnen» mansch ist — der nivellierende Einfluß der Gegenwart begimrk auch dies zu verwischen —, gern Entscheidungen mit einem Witzwort ausweicht, etwas Leichtes hat, gelegentlich, bis zur Oberflächlichkeit, der naturgemäß welsches Wesen eher versteht als der Deutsche jenseits der Rheinlinie, seinem Deutschtum aber, dem er mit Liebe anhängt, dennoch nichts vergibt, nur lässiger ist im Ärteil und in der Furcht vor der politischen Tragweite. Denn man muß sich darüber klar sein, daß im Rheinland nichts vergessen ist von den französischen Raubzügen unter dem Lilienbanner der Bourbonen, der Zerstörung des Heidelberger Schlosses und der Schändung der Kaiserleichen im Dom zu Speyer, nichts vergessen von dem lähmenden napoleonischen Machtwillen über den Ländern am Rhein, daß der Rheinländer sich durchaus bewußt ist, wie das gallische Volk seit vierhundert Jahren immer wieder gegen den Rhein hin arrs machtpolitischen Gründen vordrängt in der gegenwehrenden Furcht, vom jüngeren, lebens- und saftvollen germanischen Volk allmählich überflügelt zu werden. Wie Vieser Zug nach Westen ja typisch ist für die Völker Europas im allgemeinen und die Slawen, noch träge und dumpf im Instinkt, nach Westen starren und langsam vorzurücken beginnen, denn die Kultur der- hochentwickelten Völler des Abendlandes wird einmal alt und müde werden. Rheinische Kultur ist die ä I t e st e deutsche Kultur. Das Rheinland stand schon im Hellen Licht der Geschichte, als die germanischen Stämme östlich vom Rhein in ihren undurchdringlichen Wäldern noch in einer — durchaus nicht zu rmterfchätzenden und auch heute wissenschaftlich noch- wenig erkannten — primitiven Eigenkultur lebten. Früh schon verband der Rhein in allen Kulturdingen Den Süden mit dem Borden, Das Reich südlich der Alpen mit England und der Ostsee. Als Bonifaz von Mainr aus Die Christianisierung Der Sachsen anstrebte, war DaS kein Anstoß, sondern Fortsetzung: nicht Anfang der rheinischen Kirchengeschichte, sondern nur ein Abschnitt; denn die 'Grabsteine mit römischen Inschriften geben Kunde von einer großen altchristlichen Bewegung zur römischen Zeit, und auch die deutsche Kirchengesch-ichte nimmt vorwiegend am Rhein ihren Ausgang. Als im inneren Deutschlands die Festigung der Orte zu städtisch«» Gemeinwesen erst einsetzte, waren am ^Rhein schon ältere organisierte Stadtgemeinfchaften. Wirtschaft und Industrie, heute in höchster Blüte, erhoben sich schon im frühen Mittelalter zu bedeutenden Erscheinungen. And gar, als das Kaisertum im Mittelalter viele hundert Jahre Glanz über das Deutschtum ausgoß, trug der Rhein, wie selbstverständlich die große mittlere Lebenslinie durch Deutsches Land, sozusagen sinnbildlich Das Reich, wenn Kaiser und Könige zu Berg oder Tal fuhren, funkelte hinauf zu den Burgen, die Fürsten, Grafen, Ritter sich erbauten, war so recht ein deutscher ~ 166 riße nach und warf sich seitwärts auf sie nun ganz gerettet war. den Rücken, hin, sicher, Da! Abgrund hingen: hörte sie auch schon die Steine dumpf polternd an den Balken und Wänden in die Tiefe stürzen. Sie wollte lächeln, wie man im Traum noch lächeln will, doch als sie in den Ritzen der Steine Halt zum Greifen fand, schob sie sich wie ein Tier am Boden vor, fand mit den Knien! Widerstand, zog auch die Strom von der Quelle bis zur Mündung. And die Kunst? Davon wird noch die Rede sein. Die großen Dome von Speyer und Laach, von Andernach und Bonn und die Strftskirchen in Köln: der deutsche Rundbogenstil »areimgt sich Meisterstücken religiöser Inbrunst. Sn den Städten bauen die Burger ihre kunstvoll-schönen Häuser, stolze und stattlicye Rahmen i> s reichen selbstbewußten Lebens. Aber: auf und ab, wre das deutsche Schicksal, geht es um das rheinische. Kriege zer^chen Dlutaemeinschaften. Es löst sich die Schweiz, es losen sich die Mederlande als selbstäirdige Glieder vom deutsch-mutterlichen Körder das Elsaß wird geraubt, kleine Ländchen und Qtaore schlicht sich voreinander ab. Fehde wogt hin und her - das flfrea jft wesentlich eigene deutsche Schuld. Was Wunder, daß Kunst und Dichtung oft jämmerlich darniederliegen, daß durch Jahrhunderte oft der Strom des geistigen Lebens dünner und dünner rinnt, aber eines bleibt: der unveränderliche und unveräußerliche deutsche Untergrund des geistige und seelischen Rheinlandes und die Sehnsucht aller Deutschen nach diesem Lande, wo die Traube von der Sonne gekocht und am Ober rbein fast wie im Süden Mandel und Feige rmfen und Labak gebaut wird. Wer an die Aheinwelt ruhrt, rührt an Den -Ur, gründ des deutschen Seins! „Hier an beiden Ufern des Rheins, so gab Ernst Moritz Arndt dem Wesen und der Wirkung des Stromes Ausdruck, „in diesen Landen hat sich das Geinianische mitten in allen Stürmen der Jahrhunderte, in allen Um kehrungen und Wechseln der Völker immer mehr zusammen- gedrängt erhalten, ja es ist gerade durch die Sturme und Wechsel derselben fester zusammengedrängt worden, ich mochte sagen, es ist gediegener und dichter geworden... Von da sind unzeigbar, unscheinbar die zarten und geheimen Geister des deutschen Wesens in alle Lande ausgeflossen: aitS diesem verborgenen Feuermeere sind die Funken ausgesprüht, die bis zur Ostsee und bis zu Polen, Ungarn hin das lebendig erhielten, was deutsch genannt werden durfte." Das fremde Fräulein. Von Wilhelm Schaf er.') Vor einigen Jahrzehnten, als auf Burg Lahneck noch die Dohlen ungehindert Rester bauten und selten jemand auf Die Brennesseln im Schloßhof trat, kam von Kapellen her mit einem grünen Schleier ein Fräulein angefahren, das schon vom Rachen aus mit schwärmerischen Blicken Die Ruine musterte und sich der Dunstigen Morgenhitze ungeachtet sogleich den steilen Weg hinauf begab. Wo heute eine Treppe von vielen hundert Stufen ist, war damals noch ein steinichter Weinbergspfad, der sich zuletzt in ein Gestrüpp von Unkraut und Gebüsch verlor, Daß jeder sich den Weg von neuem bahnen muhte. So kam Das fremde Fräulein rot und heiß ans Tor und ganz behängt mit Spinnenfäden, weil es schon Herbst war, der am Rhein nach Dunst und bedeckter Sommerhitze mit Nebelmorgen und klaren Tagen kommt. Sie ging erst in den Hinteren Burghof, wo die Bauart der Gesindehäuser an den Schuttstreifen der Außenmauern noch zu erkennen war, und fand dann erst den Weg zurück ins zweite Burgtor, wo das Mauerwerk noch aufrecht mit den ausgewitterten Fensterlöchern stand. Da lag der kühle Schatten in den Brennesseln^ und Gesträuchen, die den Hof feucht hielten, und ein Schwall von Mücken überfiel sie so, daß sie den grünen Schleier herunterlieh und sich, mit beiden Händen wehrend, rasch in den schmalen Eingang des hohen Bergfrieds flüchtete. Der war fünfeckig, wie das die alten Türme manchmal sind, und mit so dicken Wänden, dah die Treppe inwendig in der Mauer wie eine schmale Höhle aufwärts führte. Durch Die Steinluken brach das grelle Licht; doch war aus den Jahrhunderten der Schutt der Wände so dick gerieselt, daß ihre Füße kaum die Treppenstufen fanden. Obgleich ihr graute, ging sie beherzt hindurch und kam hinauf zum ersten Stockwerk, wo alles ausgebrannt war und nur noch schwarze Elchenbalken hinüberführten in den zweiten Treppengang, der wiederum mit seinem schmalen Eingang zu Abenteuern lockte. Sie tastete sich an der Mauer hin; und so herzklopfend jedesmal auf halbverkohlten Dalken die Tiefe überschreitend, und wieder auf schmaler Wendeltreppe durch dicke Mauerwände, kam sie ans letzte Stück, wo nun die Treppe freitragend an der Mauer und ohne Geländer zur Plattform führte. Da konnte sie zuerst nicht mehr, weil es zu schwindlig für fie war, ohne Geländer die kleinen Stufen hinaufzugehen. Doch fiel durch eine Luke der Tag hell über sie; so dicht am Ziel vermochte das fremde Fräulein nicht mehr umzukehren und wagte nach einigen Versuchen den letzten bösen Dang. Es schien ihr gleich, als ob die Steinstufen nicht mehr sicher wären, doch ging ihr Blut zu aufgeregt; sie glaubte noch, indem sie hastiger ging, dah ihr die eigenen Füße schwankten, als ihr fünf Sttifen vor dem Ziel der Schrecken in die Glieder fuhr. Sie wollte mit einem letzten Satz hinauf, griff auch den Steinrand oben noch, bevor sie fiel: schon aber brach alles unter ihr nieder, und während sie halbtot vor Angst bäuchlings auf der grasigen Plattform des Turmes lag und keinen Halt mehr mit den Füßen fand, die wie Gewichte über dem *) Dem schönen Büchlein „Rheinische Rovellen" (bei Ph. Reclam, Leipzig) entnommen. Hier oben kam Die Herbstsonne stärker durch Den Rebel; sie fühlte ihre Wärme, als sie sich nach Minuten sinnloser Schreckens» folgen — daß der Steinboden einstürzen würde und der ganze Turm — seufzend aufrichtete, erst auf den einen, dann auf Den andern Arm gestützt. Sie sah furchtsam nach dem dunklen Loch, das fast ihr Grab geworden war, fand auch zuletzt den Mut, ich in den Knien aufzurichten, die Hände fest auf die klopfende Brust gepreßt; sie muhte lächeln, dah sie, die aller Gläubigkeit der Kinderzeit entwachsen. war, nun kniend und von Dank überfließend wie zum Gebet dasaß; doch blieb sie glücklich so, bis ihr die Arme von selber niedersanken Wie eine Maus gefangen auf dem Turm, dachte sie und trat kopfschüttelnd an den Rand, wo ihr die Zinnen rechts und links den Ausblick zackig einrahmten. Der Turm war hoch, sie ah die halben Dächer und dunklen Löcher des Burghofs tief unter sich, sah über den steilen Wald- und Felsrand hinunter in die Lahn, die sie mit einem Steinwurf von hier erreichen konnte, sie sah die Häuser von Riederlahnstein am andern Afer wie Spielzeug ausgestellt, sah die Weinberge und die herbst- bunten Wälder, sah den schimmernden Rhein, wie er sich gegen Koblenz hin im Rebel verlor. Der Anblick war so reich, und all die Herbstfarben standen so verschönt im Blauen Duft, daß ihre Augen entzückt den Teppich auf und nieder liefen, indessen die Gedanken der Gefahr sich mehrten. Sie wollte sich davor verschließen, wie wenn das alles nur ein verrückter Traum fein könnte, ging nach Süden an den Rand und sah übers Streitfelö hin die welligen Taunushöhen im Glast der Sonne liegen, sah auch nach Westen den renovierte Stolzenfels an den Waldbergen kleben: bevor sie endlich — Über ihre Feigheit erschrocken — an die Luke trat. Zunächst gewahrte sie, geblendet von der Sonne, nur Dunkelheit, bis sie vorsichtig kniend ihr Auge in das schwarze Loch hinein gewöhnte und dann lange bis auf den Grund hinunter in ihr Schicksal blickte: Wemi ihr nicht Menschenhilfe von außen kam, sie selber konnte nicht mehr hinab, weil alle Stufen aus- gebrochen waren, und weil ein Sprung hinunter auf die ersten Balken über dem furchtbaren Schacht kaum einer Katze möglich war. Rur nicht weinen, dachte fie, und mußte die Äugens schließen, als sie in den Himmel blicken wollte, der weißblau flimmerte; auch lächelte sie -noch einmal zu ihrer Angst. Doch ete sie, tote alles Grauenhafte, was unter ihren Füßen cklich polternd in den Abgrund gefallen war, nun wieder aufstieg aus dem schwarzen Loch. So trat sie schaudernd an den Zinnenrand zurück und merkte fast nicht, daß sie schrie, einmal, dann lauter, noch einmal, dann In Der Angst aus- brechend so schrill und gräßlich, daß sie selber vor Schrecken schwieg und danach — es war so tapfer sonst, das fremde! Fräulein — noch wieder lächelte. Doch ging Der Schrecken nach diesem Schrei, darin die erste Angst sich nachträglich mit auslöste, nun nicht mehr fort aus ihr. Sie fühlte, wie er mit ihr allein geblieben war und keinen Weg zu den Menschen fand; Da zwitscherten Die Vögel unten im Gemäuer, ein Dampfschiff läutete seine Ankunft in Oberlahnstein an, auch rollte irgendwo ein Zug: doch alles schwamm in einem verschollenen Menschenlärm, der aus dem engen Lahntat wie ein Geruch aufstieg, so verdünnt in Licht und Luft. Zuerst war es ein Zorn, daß fie so abgeschnitten war von aller Menschen welk, obwohl ihr alle Höfe und Straßen wie ein auf' geschlagenes Buch geöffnet waren — sie riß Den grünen Schleier ab und schwenkte ihn, weit in die Zinnen vorgebeugt, hinunter viele Mal — dann die Beschämung, daß sie so rasch die Haltung einer Dame verlor, dann die Gewißheit, daß mehr als die Dame verloren war: bis doch wieder der Lebensmut die Oberhand bekam und sich in diesem Abenteuer traumhaft auf den seltsamen Ausgang freute, den ihr die Sehnsucht mit vielen Bildern malte. Dann hörte sie den Glockenschlag am Kirchturm, sah aus die Ahr, die golden und wie ein kleines Ei war, und merkte, daß zu allem nicht eine Viertelstunde nötig gewesen wäre. Eie rechnete sich aus, daß so noch vierzig Viertelstunden kämen bts zur Rächt, dah sie geduldig warten könnte, und setzte sich zum erstenmal feit ihrem Anglück hin, den Rücken an eine Zinne So spürte sie, wie todmüde ihr die Beine schon gewor«n Waren; sie schloß die Augen für einen Augenblick und. hatte eine Musik im Ohr, die wie die abrinnenden Gedanken immer denselben Gang hinunterlies; sie grübelte, was es und ließ die Erinnerung durch Konzerte, durch Säle voll LM und Hellen Kleidern, auch durch stille Zimmer mit Klavierm suchen. Sie sand es nicht, doch spürte sie, was nie zuvor in M gewesen war: wie schön, wie unvergleichlich schöner dies auc in ihr stand, als jemals ein Ratureinöruck für sie getoeiw war. Sie schloß die Augen fester zu und dachte blitzM, wie ihre Schwärmerei niemals ein Abenteuer anders als m Menschen erwartet hatte, tote die Ratur, der sie jetzt ausgeues war, stets in allem, im Abendrot, im Auge eines Hundes, Dunkelwerden und in Der Mittagsruhe unheimlich für fie s Wesen war. (Fortsetzung fulg" — 167 Altes Gartenhauschen am Rhein. Von Carl Ferdinands. Ich war einen Lag bei meinem Vetter zu Besuch, der am Rhein nahe beim Siebengebirge ein schönes Weingut besitzt: sein Park, unten im Tal beginnend, zieht sich mit Wiesen, Obstgärten und altem Buchenhochwald bis zur Bergkante hinauf. „Schade", sagte er, als ich ankam, „für diesen Vachmittag hat sich ein Ehepaar aus Düsseldorf angesagt und um die Erlaubnis gebeten, eine halbe Stunde in meinem Garten zubringen zu dürfen. Ich kenne den Barnen nicht und Weitz auch nicht, weshalb die Leute in meinem Garten spazieren gehen wollen: Hoffentlich sind es junge Leute, die lustig find." Wir dachten schon nicht mehr an die Düsseldorfer, als es um vier Ahr am Eingang klingelte. Der Vetter spähte Hinunter. „Um Gottes willen, das ist ja ein altes Mütterchen und ein Zittergreis, was wollen die bei mir?“ sagte er verwundert und ging nach unten, wo unterdessen geöffnet war. Ich blieb im Eßzimmer, stand am Fenster, sah auf den sommerlich bewegten Rhein, sah drüben Ankel, das lustige Weinstädtchen, im Vachmittagsdunst liegen und dahinter die Berge blauen. Da rief der Vetter unten aus dem Garten: „Du, kommst du mit? Wir gehen nach dem Gartenhäuschen hinauf, die Herrschaften möchten es sich einmal ansehen!" Ein eisgraues Ehepaar, bas sich Vetters Laube curfehen wollte, nun, ich hatte keine übergroße Eile, langsam schlenderte ich die schmalen Wege zwischen den blühenden Rasenflächen Hinauf. Dor mir der Vetter war höflich, zeigte hierhin, zeigte dorthin, die beiden Alten trippelten Schrittchen vor Schrittchen bergauf, er hatte schon den Hut in der Hand und sie seinen Arm ergriffen und schob ihn sanft weiter. Grade als ich bei dem Sommerhäuschen eintraf, waren auch der Vetter und das alte Paar angekommen. Sie sah ihren Mann mit einem so unbeschreiblichen Blick an, nachdem sie einen flüchtigen Eindruck von der Laube und ihrer Amgebung gewonnen hatte, und sagte zu ihm kleinlaut und wie verstört: „Mein Lieber, Guter, wie alt sind wir geworden!" Er wischte sich die Tropfen von der Stirn, nickte behutsam und fuhr fort: „Ja, die Buchen hierbei waren damals vielleicht armdick und jetzt können wir beide sie nicht umspannen, und das Häuschen war hell und heiter, weil die Sonne jeden Tag darauf brannte und jeden Tag lustige Leute drin faßen und sich wohl sein liehen." „And damals," fuhr sie wieder andächtig fort, „damals konnte man die ganze Kette des Siebengebirges sehen und außer den umschlossenen Dörfern kein Haus und jetzt ist alles zugewachsen und die Rheinebene ist von Häusern und kleinen Höfen erfüllt, Wäldchen find verschwunden und Berge sind ^ahl geworden." Unterdessen hatte der Vetter aufgeschlossen, ein weiß- gestrichener runder Tisch war zu sehen, das Achteck des Inneren war sonst leer, nur über jedem der sieben Fenster, die der Vetter eines nach dem anderen öffnete, hing ein viereckiges Oelbild, sieben Jagdstücke in morschen: Birnholzrahmen, von der Hand des letzten kurfürstlichen Hofmalers ziemlich roh und derb hingesetzt. Die beiden, der Vetter nannte sie bei der Vorstellung Herr Landgerichtsrat Atenhoven und Frau, waren, wie in ein Heiligtum in den Helldunklen Raum eingetreten, der vom dichten Duchenlaub grün durchfärbt war. „Hier, ja hier war es, Friedrich hier sahen wir, hier fangen wir, hier hattest du meine Hand in deiner Hand und wir waren glücklich zu sehen, wie strahlende Liebe seine Augen und sein Wesen verklärten." „Sie meint nämlich Freiligrath, mit dein wir damals zusammen in dieser Laube tafelten und edlen Wein tranken", bemerkte der alte Landgerichtsrat nickend. Der Vetter berichtete: „In unserer Familie ist das Gut seit 56, vorher gehörte es einem gewissen Fränzchen." . „Heinrich Fränzchen, ja, er war ein Freund Freiligcaths und so waren auch wir oft seine Gäste." Da begann das Frauchen wieder: „Freiligrath hätten Sie sehen müssen, so etwas von Lebenskraft und Dichterlaune gibt es jetzt nicht mehr. And nie allein, immer eine Bande um sich herum, der Maler Schlickum aus Düsieldorf, Dralle, Schücknig mit den Gespensteraugen, Walter von Goethe, der behagliche Enkel des Alten von Weimar, lauter Originalkerls, wie er es nannte, und Mätzerath und Simrock und Müller von Königswinter, und die Studenten, Ganghorn und Bölling, und mein Mann und nicht zu vergessen Strolch, den Hund, der bei allem dabei war." Die Augen der alten Dame leuchteten, wie eine gefeierte Schönheit war in diesem Augenblick ihre Haltung. Ich war mit den beiden Alten allein, der Vetter war nach unten ins Haus geeilt. „Wie schwangen die Männer den Rheinweinrömer! Wie funkelte ihr Gespräch, wie strahlte ihre Seele, wenn sie von Deutschland sprachen, das war eine Zeit, unser Deutschland noch klein, aber die Herzen der Männer so groß und Hvffnungssicher!" „Amalie, du schwärmst ja ordentlich!" suchte der Landgerichtsrat sie lächelnd zu beruhigen. „Soll man nicht?" fuhr sie fort, „dort an den Türpfosten lehnte Freiligrath und las sein Rolandslied vor. And, dort saß Ida Melos, verlobt, eine Schönheit aus Weimars und der Dichter sah nur sie an und sie sah nur den Dichter an und wir verstanden, daß da über Verlobung und alle Welt hinweg zwei Menschen sich fanden. Denn auch der Dichter war ja wohl noch gebunden. Wir aber waren keinen Augenblick verwundert als mir nach Monaten hörten, daß Freiligrath und die frische Ida Melos doch ein Paar werden würden." Da erschien der Vetter, ein paar Flaschen „ Fahbänder" in den linken Arm geklemmt, vier Römer zwischen den Fingern der linken, die Guitarre in der rechten Hand. Ich eilte und trug Stühle herbei, bald saßen wir in dem Gartenhäuschen, der erste Pfropfen knallte, die Gläser füllten sich die beiden Alten nippten und wir zwei hoben den Decher desto bester. „Geht noch", fragte die alte Dame schüchtern, „dort rechts ein steiler Weg hinauf nach einer Steinhalde?" „Genau, wie Sie es beschreiben!" „Ist er noch so lehmig, so daß man leicht ausgleiten kann?" „Immer noch, solch ein Lehm bleibt Jahrhunderte und überdauert sie!" „Siehst du, Friedrich, heute vor wieviel Jahren?" „Aho laß das doch", sagte der alte Herr betreten, „bas wird die Herren nicht interessieren." Aber die kleine Frau Landgerichtsrat hatte von dem Schlück- lein Wein Mut bekommen, sie fuhr unbeirrt und glückselig lächelnd fort: „Warum soll man das nicht erzählen, wenn man Argroßmutter ist? Friedrich und ich gingen nämlich damals, weil unser Herz so voll war, und die Dichter in der Laube so laut, seitwärts durch das Buchengebüsch und tarnen auf den glatten Weg und ich glitt aus und er fing mich auf, und da hat er mir den ersten Kuh gegeben!" Der Vetter hatte die Guitarre gestimmt und sang nun leise alte Lieder „Freut euch des Lebens" und „Guten Dag, Herr Gärtnersmann". Da kam die Rührung so stark über das Mütterchen, daß sie ihre feine, welke Hand mit dem schmalen, von einem langen Leben abgeschliffenen Ring über die Augen legte. Aber nur eine Weile. Dann sah sie, während ein flüchtiges Rot ihre Wangen färbte, eifrig den Vetter an, summte eine Melodie und fragte ihn. ob er dies kenne und begleiten könne. Als dieser das bejahte, sah sie nickend zu ihrem kopfschüttelnden Gatten hinüber und sang mit einer zitternden, aber von tiefer Empfindung gesättigten Altstimme: Was stehst du noch am Fenster And streckst die Amre weit? Der Mond geht über’m Rheine, Mach zu, 's ist Schlafenszeit! Eidudu, Eidudein, Mond über’m Rhein! Dein Bart flirrt weiß im Monde, Die Kinder wurden groß And saßen doch vor Jahren so gern So gern auf meinem Schoß. Eidudu, Eidudein, Mond über'm RHein! And unser Kinderbett chen Staubt auf dem Speicher ein, Hi er stand's zu unfern Füßen, Kann nicht noch einmal sein. Eidudu, Eidudein, Mond über'm Rhein! Was stehst du noch am Fenster, And streckst die Arme weit? Mein Lichtchen zuckt im Winde, Mach zu! 'S ist Schlafenszeit! Eidudu, Eidudein, Mond über'm RHein! Die Jahrtausend-Ausstellung der Rheinlande. Ein Fest der Befreiung sollte es sein, die Jahrtausenbfeier der Rheinlande, zu der man seit dem Ende des Ruhrkampfes gewaltig rüstete von Mainz bis hinab nach Aachen. Aber noch heute trägt der Rheinstrvm die Fesseln der Fremdherrschaft, noch heute wehen von den Zinnen der rheinischen Städte Trikolore und Anion Jack, noch heute halten französische und britische Truppen die Wacht gegen Osten, gegen Deutschland. So wurde die rheinische Jahrtausendfeier zu einem gewaltigen Protest gegen Vertragsbruch und Internationalisierung, gegen Donderbünbleret und Pufferstaat, ein lautes Bekenntnis zur unlöslichen Cber« bundenheit von Reich und Rheinland, zum freien deutschen Rhein. So ist diese Jahrtausendfeier so recht erwachsen au8 der Rot der Gegenwart, als der Abschluß einer Zeit furchtbarer Kämpfe der Rheinländer um ihr Deutschtum, als der Auftakt zu neuem Ringen um ein freies Volk am freien Rhein. Tritt man mit diesen Gedanken an den Plan der Jahrtausemifeier heran, erübrigt sich fast eine historische Begründung des Jahres 1925 als dem Gedenkjahr tausendjähriger Zugehörigkeit der Rheinlande zum Deutschen Reich. Kann doch keine Rede davon fein, daß ein erst tausendjähriges Deutschtum der Lande westlrch 168 - des Rheins .gefeiert werden sollte. Der eigentliche Geburtstag Les. alten Heiligen Römischen'Reichs deutscher Ration, das die Rheinlande mit umspannte,' liegt mehr denn hundert Jahve Weiter zurück, Mittelpunkt und Kernstück des Reiches Karls des Großen waren gerade die Lande am Rhein, Nymwegen, Aachen und Ingelheim seine Residenzen, aber das Karolingische Reich zerfiel unter den Epigonen, und erst nach einem Jahrhundert wechselvoller Geschicke wurde 925 zwischen Rheinland und Reich Las Band staatlicher Gemeinschaft unauflöslich geknüpft, feit 925 ist der Weg der rheinischen Geschichte dahin entschieden worben, daß sie unwandelbar deutsche Geschichte wurde. Deutsche saßen am Rhein seit dem grauen Dämmern der Vorzeit, aber erst Heinrich 1. einte alle deutschen Stämme in einem nationalen deutschen Staat. Daß rheinisches Volk deutsch blieb durch tausend Jahre gemeinsamer Geschichte, gemeinsamer geistiger und wirtschaftlicher Entwicklung, dem zum Symbol feiert das Rheinland heute feine Jahrtausendfeier. Die großen Industrie- und Handelszentren am. Mittel- und Riederrhein, die Stätten kulturellen und kirchlichen Lebens, jedes kleinste Städtchen, jedes Dorf stromauf, stromab, begeht in diesem Sommer seine Jahrtausendfeier durch Musikfeste, Festspiele Ausstellungen, in Köln aber, im Brennpunkt der Jahrtausendausstellung laufen aus allen rheinischen Landen die Strahlen deutscher Geschichte, deutscher Kultur und Wirtschaft zu einem einheitlichen geschlossenen Bilde zusammen, um vor der Welt -Zeugnis abzulegen von rheinischer Art, von deutscher Art. Was hier in den weiten Messehallen am Rheinufer zusammengetragen ist an erlesenen Schätzen ist fast überwältigend für öen flüchtigen Beschauer. Änd doch gewinnt man schnell ein klares Bild von dem mit bewundernswerter Zähigkeit durchgeführten Grundgedanken der Ausstellung: eine großartige Schau über die gesamte rheinisch-deutsche Kultur der letzten tausend Jahre: staatliche Entwicklung, Kunst, wirtschaftlich-soziales Leben in ihren großen Linien. Äeberall wird nur das stark Charakteristische, das Wegebahnende betont. Die Anhäufung von totem, dem Laien nichts sagendem, historischem Material, die so manches unserer Museen zum Kunstspeicher macht, ist hier mit glücklicher Hand und großer Energie vermieden zugunsten größter Einheitlichkeit und Klarheit. Die Grundlage der historischen und kunsthistorischen Abteilung bietet ein durch geschickt zusammengestelltes Karten- und Reliesinaterml vermittelter .Ueberblick über die geologisch e ge?«raphische Beschaffenheit der Rheinlande. Charakteristische Gemälde, Zeichnungen, Fresken suchen das rhem. Lanb auch bildlich näherzubringen. Beim Erwachen des landschaftlichen Empfindens im 15. Jahrhundert entstehen auch die ersten Rheinlandschaften als Hintergrund der religiösen Gemälde, der Kölner und Riederländischen Malerschule. Bis zum 19. Jahrhundert verfolgen wir die wechselvolle Auffassung in der Darstellung des Stroms und seiner Äser. Auf dieser geographischen Grundlage baut sich die historisch-politische Entwicklung der rheinischen Staaten auf in seinen wesent- lichsten Tragern, Kaisertum, Landesherrn und Adel. Die deut- scheu Könige find fast alle von der frühesten Zeit an auf rheini- fchem Boden gewählt und gekrönt. Die außerordentliche Bedeutung des Rheinlandes kam dadurch sinnfällig zum Ausdruck, daß die rheinischen Fürsten als Leiter der Reichsgeschäfte und Berater des Komgs eine besondere Stellung einnahmen und un spateren Mittelalter vier von den sieben Kurfürsten stellten. aus der Wiener Hofburg herbeigeschafften Rachbildungen der alten Krönungsinsignien, ausgezeichnete Modelle der mittet» Kaiserpfalzen, zeugen von der engen Verbundenheit aut den Rheinländern Modelle der he^rbchen erzbischöflichen und landadligen Burgen und Schlösser ftonfm«ren Parkanlagen, die monumentalen Grab- denkmaler und Portrats der rheinischen Kurfürsten die Ent- A^lung des rhmnischen Münzwesens und schließlich die moderne Geschichte der Rheimande seit der großen Revolution in Porträts der markantesten Persönlichkeiten und Erinnerungszeichen an die ^?deutsamsten historischen Ereignisse schließen den groß»n Gesamtüberblick über tausend Jahre rheinischer Geschichte ab natü?l^ vDarstellung rheinischer K u n st u n ö K u l t u r nimmt die kirchliche Kunst den breitesten Raum ein, ja sie Höhepunkt der Ausstellung überhaupt, üleberwäl- !s^ad an Pracht des Materials und an Schönheit und Reinheit Me ÄVn rheinischer G old schm7ed eiunst TDK ge aus d.n Schatzkammern der Domkapitel und Klöße" bier zuKimnengetragen sind. Monstranzen und Kelche Bischofsstäbe ■ auserlesenen Skückä heben sZ L'von prunkvoll gestii.ten -.Kygewanüern rheinischer Kirchenfürsten Äberstrablt D^fiön^stÄ^^ Kleinod deutscher Gvldfchmiedekun^ dem 6uO wahren den Dom verlassen hat. Die rheinische' P l a ft x t w'rd dann -n den Höhepunkten ihrer Entwicklung a-kiat und bannt Las Rege dos Besuchers der z'L^gLße Kölner ^omschaß, das Dvmbild Meister Stephan Lochners Die moste ZEz-lt der rheinischen Malerei, die Epoche, in der das Dheiüland aus eigener Kraft Großes und üknveroänaliches rum Gesamtwerk der deutschen Kunst beigetragen hat stnd die JabE Hunderte des späten Mittelal ers. Die Kölner Malerschule s^ reich und umfassend in ihren Werken wie kaum L aLre in Deutschland, wird in ihren Höhen, in einer Auswahl bedeutsamer Hauptwerke vor Augen geführt. Die Frühwerke deutscher Tafelmalerei.sind mit Proben jener großen Wandelaltäre vertreten, die in einer epischen Folge von erzählenden Bildern das Leben und Leiden Christi behandeln, es folgen die dekorativen Wand- und Glasgemälde kölnischen Ursprungs. Glänzende Proben mittelalterlicher Glasgemälde sind hier aus verschiedenen rheinischen Kathedralen zum Teil im Original, zum Teil in ausgezeichneten Wiedergabe zufammengetragen und kommen in ihrer sinnreichen Anordnung prachtvoll zur Geltung. Ihre grandiose Vollendung erlebte die Kölner Malerei in den großartigen Werken Lochners Seine „Anbetung der Könige" aus der Ratskapelle des Domes', seine „Madonna mit dem Veilchen" sind auch hier, in dem lichtdurchfluteten Raum von einer unerhörten Lieblichkeit und Frische. Zur Kunst tritt die Literatur mit wertvollen Miniaturen und Handschriften aus den reichen Klosterbibliothekeni des Rheinlandes, mit den einzigartigen Erstdrucken aus Gutenbergs Werkstatt und schönen Beispielen rheinischer Buchkunst späterer Jahrhunderte, zu denen namentlich unsere hessische Landesbiblivthek in Darmstadt eine Reihe Kostbarkeiten hinzugesteuert hat. Proben rheinischer Volkskunst leiten über zu der Kultur des Bürgertums, das ja seit dein frühen Mittel- alter am Rheine in den großen Handelsmetropolen und Bischofs- schen eine außerordentliche Blüte erfahren hat. Frankfurt die stammverwandte Freie Reichsstadt am Main, zeigt seine kulturelle Entwicklung in einer in sich abgeschlossenen Ausstellung. Die Geschichte des Judentums in den Rheinlanden das rheinische Geistesleben in der Geschichte seiner älniversi- täten, seines Llnterrichtswesens, in feiner Theater- und Musikgeschichte, das alles vereinigt sich in der Darstellung seiner charakteristischsten Merkmale zu einem großartigen Gesamtbild deutscher Kulturgeschichte auf rheinischem Boden. Der schaffenden, lebendurchpulsten Gegenwart trägt die zweite Hauptabteilung der Ausstellung Rechnung. Sie zeigt die kommunalpolitische, wirtschaftliche, soziale Ent- Wicklung von ihren ersten Anfängen bis zum heutigen Sage, ote großen, Weitausschauenden städtebaulichen Plane, mit deren Durchführung sich die Zentren rheinischer Industrie und rheinischen Handels tragen. Sachlicher, spröder ist der Stoff, der hier geboten wird, aber nicht minder interessant und imponierend für den der sich die Mühe ckacht, die dargebotenen Karten und Statlstiken, die Modelle und Pläne gründlich zu studieren und zu verarbeiten. Sie gewähren Einblick in das ungeheure Arbeits- ' gebiet der provinziellen und kommunalen Selbstverwaltung mit ihren großartigen sozialen Einrichtungen. Die rheinischen Großstädte zeigen in gesonderten Koien die reiche geschicht- liche Entwicklung einer mittelalterlichen Großstadt (Kölns, daS schnelle Emporblühen aus kleinen Anfängen eines unbedeutenden Landstadtchens zum riesigen Industriezentrum (Essen, Mül- heim) und die gewaltigen Anforderungen, die die Versorgung modernen Riesenstadt auf den'verschiedensten Gebieten stellt. Dm emzalneii Zweige der rheinischen Wirtschaft: Lanowirtschaft, Bergbau, Eisenindustrie, Textilindustrie Parfümerie chemische Industrie, Handel, Dank- und Versicherungswesen, Verkehr und Sozialpolitik find durch Sonderausstellungen ihrer markantesten Vertreter anschaulich und prägnant zur Dar- Stellung gebracht. Auch hier schützte eine energische Oberleitung vor ermüdender Häufung von Nebensächlichkeiten und verwirren- ^..Wiederholung im Gebotenen. Namen wie Krupp, Röchling, Phönix Strnnes, Thyssen, Demag, Motorenfabrik Deutz, Ma- schlnensabrik Humboldt, Rheinmetall, Solingen, Felten und r, (yte^r'., in Leverkusen, Badische Anilin- und Sodasabrik, Johann Maria Farina, Zweige wie Wester- ^?ider Stein^ug die Edelsteinindustrie von Oberflein-Jdar. die Nlederrheimsche Leinen- und Baumwollindustrie, die Krefelder Me r^nHn^n6^w 6ke- 9%fen Kölner Zuckerraffinerien, sfe Sektkellereien, die Börsen zu Köln, Essen, Frank- oetofiff &nrs f bas Warenhaus Tietz und Kaisers Kaffee- tell moderner Organisation des Einzelhandels, das gewaltige Verkehrsnetz von Bahnen und Flußschifsahrt mit. fisten Binnenschiffahrtshafen der Welt, das S™ ™ >einer Gesamtheit ern imponierendes Bild von ?ruck der Besetzung tausendfältig blühen- Wirtschaftsleben und eine als ^Iugung des allen Fiindamentalsatzes von dem Rhein als der Schlagader deutscher Wirischast -^^wMigen-en Fülle der Eindrücke, die den S’S1 ^r. Ausstellung bestürmen, bleibt eins |nTti ' der Rheinlande zum Reich °£. D wundenfein rheinischen und deutschen Wesens schatt von Kultur, rheinischer und deutscher Wir^ L2 L, xON ihren Duellen an bis auf den heutigen Tag Eine haben diese Maientage eröffnet, kmr .Zufahrt ganz De t chiarbs zu den ülern des Rheins und Lkkit'mll briugen,, Sammlung und fitfür Sreue fruchtbarer ^^npHen Brüdern in gegenseitiger ftellima hpr toTrfßung totrIlen wir schöpfen aus dieser Aus- unaebrochenen^^u-ii"^^' 6ie,em monumentalen Ausdruck eines ungeorochenen Willens zum Deutschtum ”yui non vickit Coloniam, non vidit Germaniam.“ echristleitungl Dr. Friedr. Wilh. Lange'^HIck und ----------------- 0 ,c°en -Univ.-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Gießen.