Gießener Zamilienblatter Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Jahrgang (925 Donnerstag, den 24. Dezember Nummer <05 Heut! Bon Walter Bloem. Draußen Wintersonmenwendegraus, Lurch den Schneesturnr FeiernachtgelLut — leuchten, leuchten sollst du heut, mein HauS, Hingen, klingen, Seele, sollst du heut! Heute laß ich kernen Gast herein aus der Welt, die so voll Hatz uiti) Streit — will heut mir mit euch zusammen fein, die ihr meine liebsten Menschen seid. Kommt I Wir sitzen um den Lichterbaum, schauen traumversponnen in den Glast — Tempel sei »ms dieser helle Raum, der des Glücks Unendlichkeiten saht. Und vergessen sei, was uns umengtl Zweifel sei und Bitternis verbannt! Ein erheb'ner Führerwille lenkt unser Leben, unser leidend Land. Eine fromm getroste Zuversicht sei der Heilsnacht heiliger Gewinn! Glauben lehr uns dieses Baumes Licht an des Daseins tief geheimen Sinn. 3m Lauf der gelt. Bon Alexander von Glelchen-Äutzwurm. Jedes Alter sieht das Fest mit anderen Augen an und tritt mit veränderten Gefühlen in das Zeichen der Sonnenwende. Nebeneinander stehen die Generationen unter dem leuchtenden Baurn, bem Shindol jungen Werdens, und dies Bild erinnert an ein Gemälde des Meisters Döcklin, das er nannte „somnium vitae breve“. Es stellt die Lebensalter dar, die dem Dasein nicht anders aegenüberstehen, als wie sie sich zum Weihnachtssest verhalten. Die Mitte des Bildes hat ein Marmorbrunnen, aus dessen Maske Wasser rinnt. Es bildet ein Rinnsal und schlängelt sich durch den Wiesengrund. Rechts und links des 'Bächleins behaglich im Gras sitzen zwei nackte Kinder mit ernst erfreuten Gesichtern, wie sie Kinder machen bei besonders eifrigem Spiel, ©ie lassen Blümchen das 'Wasser hinunter schwimmen und sehen zu, wie die zarten Blätter hin und her getrieben werden. Ein Dlumenschicksai — ein Menschenfchicksal. Rechts vom Marmorbrunnen steht eine Jungfrau, Rosen in den Händen, Sehnsucht in den Augen, jene Sehnsucht, welche das Weib erfaßt, wenn es dem Gipfel des Lebens nahe kommt. Links auf scheckigem Rötzlein reitet ein Jüngling in die Welt, sein Herz lacht den bunten Möglichkeiten entgegen. And hinter dem Brunnen, in duftiger Ferne verschwimmend, sitzt ein Greis auf einem Hügel. Mit stiller sinniger Liebe blickt er zur Erde. Dor diesem Bild muß ich immer an die Hoffnungen und Wünsche der Weihnachtszeit denken, denn unser Leben gleicht einem arbeitserfüllten, wechselreichen Jahr, in dem wir entern Fest entgegenwandern, das alle Träume erfüllen soll. And Weihnachten selbst? Wenn die wehmütig gerührten Gesichter der Erwachsenen den Kinderjubel betrachten und vielleicht ein beinahe vergessenes Lied aus alter Zeit erklingt, so bringt es allen, auch den Kühlen und Skeptischen etwas Schönheit, etwas Liebe ins Herz. Die Idee des winterlichen Festes ist in den Gedankenkreis des Kindes geflossen, und das Kind wird angerufen, großen und kleinen Kindern Wunscherfüllung zu bringen. Was wird das Christkind in der mystischen Macht den Menschenkindern geben? Die schönste Gabe des HimmelskindeS ibleibt jenes Fünkchen Poesie, das mit ihm aus der Höhe herunterkommt und ■ in jene Herzen dringt, die echt kindlich dafür bereit sind. Wenn einem jungen Menschenpaar das große Wunder ge- schenkt ist, ein lebendiges Püppchen, in dem sich beide zu erkennen glauben, wenn dem kleinen Wesen das erste Däumchen geschmückt wird und seine Patschhändchen sehnsüchtig nach der Flamme fassen, wenn es blinzelnd die erste mächtige Schönheits- empfindung genießt, dann kann das Weihnachtswunder Besseres Wohl kaum gewähren. Die Jugend denkt an sich und soll es auch. Ginntal im Leben muß man Zeit dazu haben. Wer sich leise von ihr abwendet, sich selbst nicht mehr so überaus interessant nimmt, dessen Weihnachtsfreude wird die Freude der anderen. Er hat die Ironie des Wünschens eingesehen und nimmt nur mehr freundlich teil an der hoffnungsfrohen Stimmung der Jüngeren. Eine Art Weihnachtsungedulo ist die rechte Stimmung derer, die noch alles von der Zukunft erwarten. Doch wenn ein Weihnachtsbaum nach dem andern erlischt, wenn er geplündert ohne Nadeln auf dem Kehricht endet, wenn die Müdigkeit der Seele jede Hoffnung gedämpft hat, wie steht es daim mit der Festfreude in kalter oder stürmischer Winternacht? Wunderbar ist baä Herz des Menschen beschaffen, selbst an Wundern so reich, daß ihm trotz aller Enttäuschungen der Wunderglaube bleibt. Geschäftig besinnt es sich in den Jahren der Reife, es träumt nicht mehr so fromm wie früher, doch eä läßt die Hand in frommer Freude schaffen und schlägt für andere. Die Freude wohnt nun im Gefühl, heimliche, heilige Wünsche zu erkennen und zu stillen. Wer in der beschaulichen Ruhe der Feiertage auf die Adventwochen zurückblickt, sieht, welch großes Sinnen und Sehnen nach der rechten Kunst des Schenkens durch die Welt geht, und wie eng es mit dem geistigen und wirtschaftlichen Leben zusammenhängt. Weihnachten ist im Laufe der Zeit zu einem Barometer des allgemeinen Wohlstandes oder der allgemeinen Armut geworden und von feinem Wetterzeichen hängt das Geschäft auf vielen Gebieten ab. Wenn es auch da mck> dort zu einem Jahrmarkt der Eitelkeiten geworden ist, im großen ganzen gehört sein Schenken und Deschenktwerden zu den wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Je mehr Eitelkeiten wir aber kauften, desto leichter ve» sHmcchen wir die unscheinbaren, jedoch echten Gaben. Selbstgefälligkeit hat einen großen Hunger und wird nie satt. Die Liebe verzeiht viel, die Selbstgefälligkeit nichts; die Liebe be- scheidet sich von einem Weihnachtsfest zum andern, geduldig und gläubig harrend, daß bessere Zeit kommt, die Selbstgefälligkeit zürnt mit ohnmächtig geballter Faust gegen Himmel und Erde, Politik und Konjunktur, wenn das trotzig Begehrte wieder eimnal ausgeblieben ist. Mit leeren Händen und Taschen, mit finster gerunzelten Brauen kehren die Gäste heim vom Jahrmarkt der Eitelkeiten und lassen sich doch immer neu von falschem Glanz verlocken. Wohl dem Alternden, der solche Lockung zu rechter Zeit kräftig und bewußt von sich abschüttelt! Jeder Groll gegen das Schicksal schweigt, er rechnet nicht mühsam nach, was ihm das Leben brachte und versagte, denn er hegt den Schatz seiner Erinnerungen. und wenn auch nur wenige, vielleicht sogar niemand feine Plage gewürdigt haben, er selbst weiß, daß gerade das Köstliche und der Stolz seiner Jahre liebevolles Schaffen ge» wesen ist. Sitzt er allein bei seinem Feuerchrn oder wird er als Patriarch im Familienkreise gefeiert, seine Gedanken suchen das Märchenland, das er als Kind beim ersten Anblick der brennenden Weihnachtslichter zu sehen wähnte. Die Erinnerung wird im Laufe der Zeit klarer und bewußter, wir fühlen am Tage des Sestes, was an Freude ins Leben geblickt. Wer die Macht itte, einst zu schenken und zu beglücken, empfindet dann die Geimgtuung, daß er es nicht versäumt hat. Somnium vitae breve — der Traum des Lebens ist kurz. Freuen wir uns seiner schönen Stunden und vergessen auch in den Tagen des Jammers nicht, daß es eine Hoffinmg gibt, und daß der Lichterbaum selbst fein ewiges Symbol ist und bleibt. Der Marienkäfer. Legende von Klabund. Als Maria im Stall auf elendem Stroh in Wehen lag, glaubte sie vor Schmerz zu vergehen. Sie klammerte sich mit beiden Fäusten an einen Strohhalm. Da fielen ihre Augen auf einen kleinen, roten, schwarzpunktierten Käfer, der den Strohhalm eilig hinauflief. Als er oben angekommen war, stutzte er einen Augenblick, dann machte er kehrt und lief den Strohhalm wieder hinunter; als er aber unten angekommen war, lief er ihn wieder herauf und so immer hin und her. Maria vergaß beim Anblick des kleinen Käfers ihre Schmerzen. Er handelt wie ein Mensch dachte sie. Bald ist das Ziel oben, bald ist es unten, und so geht e8 hin und her. Aber über den Strohhalm kommen wir nicht hinaus. Dies dachte sie gerade, da hob der Käfer, der wieder einmal auf der Spitze des Strohhalms angelangt war, feine Schwingen und entfloh. Maria war beschämt. Ein kleiner Käfer mutzte mich Vertrauen und Hoffnung lehren? Mir können ja fliegen! Sie fiel in eine leichte Ohnmacht. - 406 -- 21 fe sie etaxw^te, uxir das Jesuskind geboren. Es lag zu ihren Füßen unb sah sie mit großen blauen Augen an. teuf feiner Stirn aber faß der kleine, rote, fchwarzpwcktierte Käfer, der vorhin den Strohhalm auf- und abgelaufen war unb dann davongeflogen war. Auf seinen jetzt geschlossenen Flügeldecken malten sich die sieben schwarzen Punkte deutlich als ein schwarzes Kreuz ab. Als Mari» das schwarze Kreuz sah, erschrak sie sehr Sie »atjin das Jesuskind zu sich empor, Tränen tropften aus ihren Augen auf feine Stirn, gerade auf den kleinen roten Käser mit c^m 'chwar.zen Kreuz, der in ihren Tränen ertrank. Mariens WeihnachLsgewand. Don Fritz Wilhelm Schönf.eld. Wer Hütte nicht allzeit feierliche Dinge über Jesu Müttetilei« zu lagen gewußt' Meine immer neue Geschichte faiwi drei- aber auch fünfhundert Jahre alt sein. 3« Hallerbrunsheim schufen sie der lieblichen Mutter wieder einmal das Wcihnachtsileid: diesmal in der Farbe der Wachs- bliite selber, wie sie sich im Frühling als wahrer Himmelsspregel felderweise unter den Äpfelblüten und zwischen den RapSfeltern hinjtreüt, die immer so glücklich gelb brennen. -Sie Erntearbeiten waren lauge zur Ruhe gebracht, denn die allerletzten Rächte vor dem heiligen Feste dunkelten hin. Das Getier genoß brüderliche Siebe von den Menschen. Wurst und Fleisch hingen lecker zuhauf. Und Qltagbfetn unb Burschen gedachten, nichts weiter noch zu tun, als die duftigen Stollen in den Oefeit zu bewachen, die Rosinen für die Dallsäcke zu schwem- men und den Honig zu keltern, der süß über die Misse fließen sollte. In dem kleinen Armensaal der Gemeinde aber war nach altem Brauche der Webstuhl mitten in den Raum gesetzt, auf Einer Kanzel mit mehreren Stufen, Von Flittergold umhangen, als flatterten Siegesfahnen, und Bändchen hingen daran, genau so viel, wie es verschiedene Farbtöne gibt. Bon der Decke herab tropfte der Bethlehemstern rn das grüne Geäst der rings gestellten Taimenbüumchen. Jedermann, ob MÄmle'm, ob Weiblein, Kind oder Greis, ßaiG an dieser Kanzel vorbei zu geben, dabei aber unbedingt iclb>t hinaufzuklettern und einige gäben an dem Stoff fortzu- spinne-n, der für der gütigen Mutter blaues Gewand bestimmt war. Aus daß man- stolz und froh jubeln konnte: Zllle wirkten baran! Wie der Bolts m und nun aber ist: Mit dem Brauch hatten die bösen, verdächtigenden Zungen im Saufe der Zeiten die Prüfung verbunden: Bei toem das Fädlein reiße, der fei ein uns rein, ein unwahrhaftig Menschenkind, das eine Schuld rmeinge- itanten trüge; das sich schämen müsse, am Marien kleide mit- zuweben. Jlsebill Holbert an. des steinarmen Schäfers keusches, zu großer Schönheit aufgeblühtes einziges Kind hätte vor Schmerz und Schreck fast auf der Kanzel fierten mögen, denn ihr war vor dieser glücklich erwarteten Weihnacht der Faden geriffelt. Und g«menvoll sah sie rings tun sich her die Zeigefinger, obwohl alle, die es erfuhren, viel zu feige waren, die Verdächtigung g«ado heraus zu sagen. Alles duckte sich und Mich schnell, tuschelnd, beifeit, damit fix das Gerücht sich auch ja bis m die letzte Hütte verbreitete. Gerüchte zerfließen schneller als ein Geruch und lassen auf den Dingen ihren Hauch Wunen. Wie üble Fahne». . Dabei haite Jlsebill Holterlan wahrlich so es war zur Zeit der Hopfenreife gewesen) nichts weiter getan, als froh geteilte!, «w s'ch eines jungen Mcames sichere Hand um die Hre faltete, »ie sich eine RuhsHake schützend mid immer härter um den süßer und reifer werdenden Kern krümmen mag. Roch nicht einmal zu ebner ‘Serübrwtg te,f Appen hatte -HF geführt. Und der junge Valentin Emsbüiiel hätte es sich vielleicht auch noch ein Weitcheii überlegt, ob er an Aebe glauben w"e oder nur an eines Gefühls kleinen glücklichen Rausch Da ater schlug das dumme Webschiffchen, das beliebte, gerate in dem Augenblick, da Jtfebill die Kanzel betreten hatte. ba8 Fädlein zu kappen, wie ein Geschoß in den Stillstand der leicht pochenden Herzen. Valentin stürzte zu Jlsebill und zupfte ihr sörmlich die Küsse von den halb weinend, halb lachend bewegten Lippen: „Du eine Sünderin!? Rein, und tausendmal nein! Run steh ich bei dir, und ich denke, du bist darüber froh!" Jlsebill lieh ihr Herzlein gerne ganz laut schlagen, aber >ie wußte doch: „Dein Vater jagt mich davon. Du und ich er wird es nie teilten." Gerade deshalb ging der Sohn zu dem Vafer: „Es hätte sonst wohl noch eine Zeit gedauert, aber so, weil sie die Jlsebill eine Dirn nennen: Wir wollen uns haben und nimmer lassen." Der gar nicht reiche, ater bitter ehrgeizige Hafnerbauer brüllte auf: „Das weiht du: ich hafte nichts von der ganzen Kleidweterei. Und ob dies dreiste Ding Dirn oder Gngletn ist, du nimmst sie nicht! Ich will, daß du dn großer, reicher Dauer oder ein gescheiter Herr drinnen in der Stadt wertest. Und ich verstoße dich, so du das Rlädchen freist." „Sieh sie dir doch nur ein einziges Mal anJ“ .. -Wett sie dich gelockt hat. auS meinem Willen gezogen, ist llt "Jlr Irlich, und ich sage: sie ist häßlich chie ein Da schied ter Sohn mrd ließ auch das Mütterlein weinend bn'ter den FensteÄaten, hangete seinem Weite an und tourte toegabfettS L-agelohner auf einem ganz verborgenen Gut Das war an Monat ter ganz jungen Häsle'm. Da gescheh es im teiftblutenten Rosenmond, daß Valentin t>o"„ber Rach richt niedergeschlagen tourte: Deine Mutter liegt im Sterten, im Heimatdorf-- “ @r traf sie nicht mehr lebend an, und um ihre Lippen teile ter ^ob die Worte nicht toegwischen können: Männertrotz mordet ttcte imd Mutterherzen.----Valentin bezog den Vorwurf auch auf sich — Als die Leiche nicht mehr aus ter Diele stand, mußten sich wieder die Zungenschwerter. Der Vater hielt daran fest: „Du hast meine Pläne mit dir zunichte gemacht. Du haft E^ eiiie Schlang« imt giftigem Herzen gehängt." Der Sohn bat: „Ich suchte nur meines Wesens ausgleichende Kräfte." Der Miter schrie: „Du solltest einmal ter Erste fein!“ Der Baker tat keinen Schritt m des Sohnes bescheidenes Heim. nunCl" Valentin begannen sich irrtesfen immer schreckhafter die A,lter^ zu Haufen: Auch mein Vater kmm hinscheiten. .Und ich vrn mcht genug zu ihm gegangen, um um ihn zu werben. -- A", einer Rächt wachte er ächsend auf: Er hatte träumend SvL Ä altemdM Körper feines Vaters gerungen. teiten Gestalten hatten sich die Lust auS den Rippen gepreßt. ,ver Stärkere geblieben. Gr hatte den Sohn wie Laub abgeschuttelt. — Er stotterte am Morgen seinem Weibe ins Ohr, temi er Ju<^ .. ^^tigen (toieter hingen die Hopfentrauben gelb über die Busche): „Leben heißt Haut abbosseln. Vorsichtig. Immer nur an den Stellen, da sie reif zu fällen ist. Sonst blutet ^5.LeA Wann steht ter Bildstock klar da?" - Jlsebill weinte feil. „Vielleicht, wenn das Kindlein da fein wird." — Schließlich gingen die heiligen Vorweihnachten wieder über den Schnee 3«ten Tag komtte ter erste Kindschr« durch die Hütte fahren wie ein Glockenton! nr Da steckte sich Valentin hinter die Freunte seines Vaters. .o'.eser war von einer erschütternden Unruhe geplagt, daß die Weipnachton einsam fein sollten, und schrecklicher war ihm Mrwahr ter Gedanke, daß die andern einsam wären, nicht er! ©rpatte noch immer nicht die jungen Leute gesucht. Jeden ange» )5>rien, der ihm den Weg zeigen wollte. Sich die Ohren verhalten. Besuch verbeten. - 'f^eeunte schufen sich das alle bunte Dreikönigsspiel: aoltene Krone, Myrrhengefätze und hoher Fn^SL®t°6, schweren Königsgenxlnver bedeckten bte Schns- fellioppen ter Mämder, uyd ihre Gessichter waren verstellt, mir auc& die Sprache. Der Mohr flirrte an ter Tür des einsamen StSS8' auf, du verstockter Znimewicht! Heber tee @tbe geht i-tc 'WeihnachtEarheit. Du sollst zur Krippe wallen. es war sehr grausam und wenig edel von ihm. „Ellen", sagt er, „ist noch immer die Börse nicht für mich gemacht?“ — Doch Ellen tat ihm auch diesmal den Gefallen nicht; sie stand auf und öffnete das Fenster, dah von draußen die Nachtluft tmd daS ganze Sternengefunkel zu ihnen in die Küche drang." „Aber", unterbrach er sie, „Paul war zu ihr getreten, und sie legte still den Kopf an seine Brust; und noch höre ich den süßen Ton ihrer Stimme, als sie so, in die Nacht hinaus nickend, sagte: „Gott grüß dich, Abendsterm!" Die Tür wurde rasch geöffnet; ein kräftiger, etwa zehnjähriger Knabe trat mit einem brennenden Licht i»S Zimmer. „Vater! Mutter!" rief er, indem er die Augen mit der Hand beschattete. „Hier ist Moos und Efeu und auch noch et» Wacholderzweig!" Der Amtsrichter war aufgestanden. „Bist du da, mein Junge!" sagte er und nahm ihrn die Botanisiertrommel mit den heimgebrachten Schätzen ab. Frau Ellen aber ließ sich schweigend von deut Schreibtisch herabgleiten und schüttelte sich ein wenig wie auS Träumen. Sie legte beide Hände auf ihres Mannes Schultern und blickte ihn eine Weile voll und herzlich an. Darm nahm sie die Hand des Knaben, „Komm, Harro", sagte sie, „wir wollen Weih- nachtSgärten bauen!" Linker dem Tannenbaum. Der Weihnachtsabend begann zu dämmern. — Der Amtsrichter war mit seinem Sohne auf der Rückkehr von einem Spaziergange; Frau Ellen hatte sie auf ein Stündchen fortgeschickt. Dor ihnen im Grunde lag die kleine Stadt; sie sahen deutlich, wie aus allen Schornsteinen der Rauch emporstieg; denn dahinter am Horizont stand feuerfarben das Abendrot. — Sie sprachen von den Großeltern drüben in der alten Heimat; dann von den letzten Weihnachten, die sie dort erlebt hatten. „Lind am Doräbend", sagte der Vater, „als Knecht Auprecht zu uns kam mit denr großen Bart und dem Quersack und der Rute in der Hand!" „Ich wußte wohl, daß es Onkel Johannes war," erwiderte der Knabe „der hatte immer so etwas vor!" „Weißt du denn auch noch die Worte, die er sprach?" Harro sah den Dater cm und schüttelte den Kopf. „Wart nur", sagte der Amtsrichter, „die Verse liegen zu Haus in meinem Pult; vielleicht bekomm ich's noch beisammen!" Und nach einer Weile fuhr er fort: „Entsinne dich tritt, wie erst die drei Rutenhiebe von draußen auf die Tür fielen und tote dann die rauhe borstige Gestalt mit der großen Hakennase in die Stube trat! Dann Hub er langsam und mit tiefer Stimme cm: Von drautz vom Walde komm ich her. Ich muß euch sagen, es weihnachtet seh«. Allüberall auf den Tcmnenfpitzen Sah ich goldene Lichtlein sitzen. — Lind droben aus dem Himmelstor Sah mit großen Augen das Christkind hervor. Lind wie ich so strolcht' durch den dichten Tann, Da rief'« mich mit Heller Stimme an: „Knecht Ruprecht," rief es, „alter Gesell, Hebe die Beine und spute dich schnell! Die Kerzen fangen zu brennen an, DqZ Himmelstvr ist auf getan, Alt tmd Junge sollen nun Don der Jagd des Lebens einmal ruh»; Llnd morgen flieg ich hinab zur Erchen. Denn es soll wieder Weihnachten werdenk" Ich sprach: „O lieber Herre Christ, Weine Reise fast zu Ende ist; ' Ich soll nur noch in diese Stadt, Wo's eitel brave Kinder hat." .Aast denn das Säcklein auch bei dir?" Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hi«; Denn Aepfel, Ruß und Mandelkern Fressen fromme Kinder gern!" Aber," Aast den« die Rute auch bei dir?" \ Ich sprach: „Die Rute, die ist Hier! Doch für die Kinder nur. die schlechten. Die trifft sie auf den Teil, den rechten!" Christkindlein sprach: „Do ist es recht. So geh mit Gott, mein treu« Knecht!" Von drautz vorn Walde komm ich her. Ich muß euch sagen, «S weihnachtet sehr! Nun sprecht, wie ich's hierinnen find? Srnd's gute Kind, sind's böse Kind? ., f^r&et Anitsricht« mit veränderter Stimme fort, „ich sagte dem Knecht Ruprecht: D« Junge ist von Herze» gut, Hat nur mitunter was trotzigen Mut!" .*?**%' ich weiß!" rief Harro triumphierend; ietb bat