Gietzener Zamilienblatter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang (925 Samstag, den 24. Oktober " Kummer 85 Auf dem Maskenball. Von Gustav Falke*). Die Geigen girren leise. Die Flöten flüstern so fein, Die Masken drehen sich im Kreise, Plump fährt die Pauke drein. Die Bläser blähen die Backen, Das Bombardon poltert wie wild, Da dreht sich auf zierlichsten Hacken Auf einmal das zierlichste Bild. Ein Seufzer der Klarinette, Ein zärtliches Ach der Obo: Tanze mit mir, Pierrette! — Kein Füßchen tanzte je so. Die Geigen girren leise, Die Flöten flüstern fo fein, Die Masken drehen sich im Kreis«, Sin Pfropfenknall fäh5 drein. Die Bläser blas«n die Backen, DaS Bombardon winselt wie wund, Den Arm um den reizendsten Nacken, Such ich den reizendsten Mund. Ein Seufzer der Klarinette, Ein zärtliches Ach der Qbo, Küsse mich Pierrette! — Kein Mündchen küßte je fo. Johann Strauß. Zu seinem 100. Geburtstag, am 25. Oktober 1925. Von Dr. Anton Mäher. _Lohann Strauß jft eines der seltenen Beispiele in der Ge- 'dchte der Musik für die Vererbung des väterlichen Talentes nfr.tn Wien recht musiklosen nach-schubertschen Zeit vergöttert. SÄÄ -stein Gedicht des wohl ziemlich verschollenen Ichrikers Karl Beck auf ihn und den zweiten der Walzerdios- kuren Lanner: Strauß und Lanner! Wandernde Propheten Die sich der Gott des Tanzes auserkor, An eurer Geige sprudelnden Gebeten Hängt jung und alt mit träumerischem Ohr Zum Tempel wird der Tanzsaal, kunterbunter, Des Herzens Glocke tönt zum schönen Reigen, Wie Mädchenchöre klingen hell die Geigen, Von Kanzeln spricht der ernste Baß herunter." Es hatte also etwas zu bedeuten, wenn der Sohn imstande war, ©tejem Vater den Rang abzulaufen, zumal es ihm nicht etwa £^33, to“E^e- Denn der alte Johann wollte vom Talent öcfne8 mchts wissen, und verlangte von ihm, die Technik ergreifen. Ebenso liebenswürdig und angenehm, «nf» 9e.gelt™er zeigte, ebenso unangenehm und hausthranmsch scheint er ttn Kreise seiner Familie gewesen m e? mra? to°^~ a3tc6’' und nicht ganz unbegründeterweife, auf toS Dem.« fernes Sohnes eifersüchtig und um sein« Stellung be^t gewesen sein Nawrlrch nützte ihm sein Widerspruch gar .15- Oktober 1844 trat Johann der Sohn zum erften- mal als Dirigent und Walzerkomponist vor die Oeffenllichkeit und zwar rn einer der schon in jener Zeit aussterbenden alten Wiener Vergnügungsstätten, bei Dommaher in Hietzing An jenmn Abend entschied sich seine Laufbahn: sein Erfolg war so S«H, daß man ihn sogleich als Rivalen feines Vaters anerkannt«, und die in Tanzmusik sehr erfahrenen Wiener in ihm den kommenden Großen auf diesem Gebiet erblickten. i *) AuS .Deutsche Chacons" (Insel-Verlag m Leipzig). Er war bald soweit, dem Beispiel feines Vaters auch in bezug auf die Konzertreisen zu folgen, um seinen jungen Rahm über den Kontinent und nach England zu tragen. Schon seine frühen Walzer sind voller Erfindung, die sich auf das glücklichste an das österreichische Volkslied anlehnte, in dem Sinne wie es — ohne etwa einen qualitativen Vergleich ziehen zu wollen — Schubert und Bruckner getan haben. Aus dieser autochthonen, durch das vom Vater überkommene Talent noch verstärkten Einstellung folgt der vollkommen individuelle Aus» druck, der Straußens Tanzwerken ebenso wie seinen dramatischen Werken ihren bleibenden Wert verleiht. Es ist das gerade der Unterschied zwischen Johann Strauß und sehr vielen seiner Nachfolger auf dem Gebiete der Danz- und Operettemnufik bis auf die heutige Zeit, daß diese letzteren als Eklektiker suchen, wo sie ihre Melodien und vor allem auch Harmonien Herbekommen, und so naturgemäß häufig exotische Klänge in ihre Produktionen aufnehmen, die zwar dem Ohr gefällig und mit allen möglichen Pikanterien aufgeputzt eines gewissen sinnlichen Reizes nicht entbehren, aber doch vollkommen unoriginell, geborgt oder nachgeahmt wirken müssen: die Niggermelodie, 5er Rl^time-Rhhthmus, oder der südamerikanische Dirnentanz sind doch nur Aufpfropfungen, die mit dem Moment der älebertragung jeden inneren Wert verlieren. Nur aus der tiefen Boden« standigreit der Walzerkunst Johanns des Jüngeren ist di« beispiellose Beliebtheit eines Tanzes wie .An der schönen blauen Donau zu erklären — dessen Titelworte übrigens einem anderen Gedicht des oben erwähnten Karl Deck entstammen — der nicht viel anders angesehen wurde, als die Bolkshhmne „Gott erhalte Stans den Kaiser", und für lange Zeit mit Wiens Lebenslust und Gemütsart vollkommen identifiziert wurde. Es ist vielleicht wenig bekannt, daß der Walzer im Original für Männerchor geschrieben worden ist, der aber stets weggelassen wird: die Stellung des Stückes ist auch insofern eine etwas außergewöhnliche, als es sich das Bürgerrecht in unseren vornehmsten Konzerten erworben hat in manche Dirigenten es zum großen Jubel des Publikums als Glanz« und Paradestück am Schluss« einer Konzertsaison mit großer Vorliebe aufzuführen pflegen. Wenn Johann Strauß auch auf dem immerhin beschränkte« Gebiet der Tanzmusik seit dem im Ihre 1849 erfolgten Tode seines Vaters alleiniger Herrscher war, so schien der Schritt zu dem er sich am Anfang der siebziger Jahre entschloß, doch noch nicht ohne weiteres Erfolg zu versprechen. Das Wesen der Tanzmusik, — jedenfalls das der damaligen Tanzmusik, die außer Walzer sich auf Polka, Mazurka und die in zweiter Linie stehenden Carretänze, wie Lancier und Fran?aise, beschränkte — — ist lyrisch, der gleichbleibende Rhythmus der Tänze läßt keine großen Spannungen im Gefühlsaus druck zu, die Sttmmung ist und bleibt eine gleichmäßig heitere und freundliche: alles Eigen« schaften, die einen Musiker auf diesem Gebiet nicht als präde- ftimert für die dramatische Musik erscheinen lassen. Denn, wenn in der Operette auch nur geringe Anforderungen an psychologischen oder die äußere Handlung aktiv begleitenden Ausdruck gestellt werden, so ist doch eine älmstellung, eine Anpassung an die Charaktere der auftretenden Personen und den Sinn der Fabel — wenn sie zufällig einen haben sollte — nicht zu umgehen. Die meisten Operettenkomponisten haben sich der Schwie« rigkeit einer musikdramatischen Entwicklung denn auch entzogen, indem sie eine Reihe mehr oder weniger gelungener tanzförmiger Solo- und Ensemblenummern schrieben, und die Dramattk dem gesprochenen Wort überließen, mit Ausnahme des heute noch vollkommen unerreichten, eminent dramatischen Offenbach, der 'häufig in einigen wenigen Takten eine musikalische Charakterisierungskunst und erschöpfende Psychologie zu entfalten weiß, z. D. außer in Hoffmanns Erzählungen, in „Helena" oder „Blaubart", wie es nur wenige der Großen gekonnt haben, — und auch Johann Strauß nicht verstanden hat. StraußenS Operetten kranken fast durchgängig an der Minderwertigkeit der Libretti: auch in der „ Fledermaus" erlahmt das musikalische Interesse mit Bern zweiten Akt vollständig, und textlich ist der dritte doch nur noch wegen der Trunkenheitsszenen Froschs und des Gefängnisdirektors da, die dabei im wesentlichen der Ausschmückungskunst der betreffenden Schauspieler überlassen bleiben. Der Fehler der Librettisten ist gewöhnlich, dem Komponisten zu wenig Gelegen» leit zur berechtigten Verwendung von Tanzmelodien durch Schaf» ung von Tanzszenem auf der Bühne zu geben: der Fehler der Komponisten ist, durch allzu häufige liedmäßige Verwendung von Tanzrhythmen dem begründet vorkommenden Tanz durch die gehäufte Wiederholung derselben Rhtyhmen seine Wirkung zu — 388 - wort, lchmälern, die er als auffallendes Glied des Ganzen tit viel 'aXtaTfreraröser■Bedenken, finden sich in allen Wihnen- werken Sttauhens vom „Indigo" (1871) angefangen bis zur komischen Oper „Ritter Pazman" (18N) eme Wenge der ent° zückendsien Aeder, Ensembles und wirklichen Lanze, die sichim Gegensatz zu vielen Operettenstücken anderer Kompomsten, durch ^Kr fäne und gewählte Instrumentation auszeichnen Strauh war ein Meister der Orchesterbehandtag; Stellen, wie Umbertos Strophe „Schon dunkelt rings die Rächt" mit chrm gedampften Geigen- und Violoncello-Akkorden aus dem Lusllgen Kneg , die Begleitung des berühmten Walzers „Rur stir Ratur aus derselben Operette mit Violinen und Harfe als Millelfrittstimme das Ritornell aus dem zweiten Akt des „Spitzentuches der Königin sind Beispiele einer instrumentalen Dornehmhell voll besten Klanaä wie wir ihn sonst wohl kaum in der Operette Horen, ttnd^vor allem bleibt Strauh im Orchester einfach; es treten Mcht wie es bald üblich wurde und sich bis zrnn Irrsinn gesteht bat 'Posaunen und Pauken bei jedem, gleichgültigen Anlaß m Wion' denn Johann Strauh besah nicht nur mu^kalll >e kindunasaabe er besah auch Geschmack, was man beides von seinen ^Zeitgenossen und Rachfolgern auf dem Gebiet der mitunter grausam vergewaltigten heiteren Muse mcht immer be haupten kann Volk gedrungen ist, zeigt eine De- gebeRL^r frühen achtziger S^ußta Musik Überfalles "geliebt hatte, testamentarisch, dah 'ZL'L w, sich ihr die Erben nicht entziehen konnten, trotzrem sie Ax Ä S ÄMS Sarg seiner Ruhestätte zugeführt. ... -llortommnis * r äs »£S.uä s** einer nun ganz versunkenen Zeit erkliingen ist. Unter ihrem Schutze übt er heimlich weiter. • O du läßliche Sünde, die du hilfst einem Jahrhundert ein Meer von Fröhlichkeit schenken. -i- In der Herberge „Zur Stadt Belgrad", dem Zufluchtsort der stellenlosen Musiker, fährt die satte asthmatische Stimme des Wirtes einen Jüngling an: _ Johann Strauh heißt der Herr — so, so — Johaiin Strauv, der Rame — Sohn von unserm berühmten Strauß, vondem Wiener Strauh — all Ehre — große Ehre — ^r ^ 'neinem Liauie Musiker werben — für eine zweite Vtrauhkapelle für Zne scheinbare Konkurrenz - oder eine Täuschung ^ nem nein — so schlecht geht mein Geschäft noch nicht — das Bier ist un verdünnt — die Betten noch mit Stroh gestillt. '' Sagen "sie ^dwni Herrn Dater — ein vortreffliches Grüß Gott von meiner Riedrigkeit — uich er soll an die Pauke stellen — wenn der Herr Sohn sonst keinen Er werb zu sinden weih." Sie wissen nicht, was vorgefallen ist. "Voraefallen — ? Der Johann Strauh kam, machen, was «. E - fragt kein Teufel danach - noch viel weniger «M verfluchten Hund schimpfen — und das wäre ich auch zu ^Mnb die^Dickleibichett des Herbergsvaters schiebt den Jung- "'S JÄ*Äw4.SW -ÖfiS Gastwirt die Erlaubnis abzuringen, m tagen wegen der Zusammenstellung eines Orchesters zu pflegsn. Dnter und Sohn sitzen einander gegenüber. Unfe b« Herr Sohn hat keine Lust, seine Kapelle aufzu- lösen" und mein Vertreter und späterer Rachfolger zu werden? Schweigt dadurch nichts gestört wird. Die Rächt ist fort ” Erscheint es aber nicht besser, als Zweiterster vor einem Lhmten PrchZer zu stehen, als draußen in der Dorstadt ^Jch besitze" schon meine Geltung", ist die ausweichende Ant- «loin-Jobann sieht aus dem Fenster dem Baker nach bis er des väterlichen Vorbildes ** osten nicht möglich ist. cv«, xna Bleiglas besprochen? Auf einmal wirft es Mit er fchreckende?^rzerrung das Gesicht des unerwartet Henngekehrten _ xu sielst Geige", schreit es durch die Wohnung und ÄX&» ä£ Me Entziehung des Instrumentes das Bitterste. In seinem Leid verwundet die Mutter ihr Herz und beweist sich als Fügung. Die betrügt den Gatten, nimmt seine Geige und gibt sie dein Kinde zum lieben. Vater und Sohn. Von Johannes Heinrich Brauch »um Guten Hirten" in Wieii läht um Wlltevnachi «wir.?® "SiK «Ä’Ä? «wye LZLL stube nicht. Die Pfunduhr schnarrt. werterbre^^ckelig SÄr^rX Ö Vater Strauh fvÄ aus und E°Gläseru' ach^der ^Lauer. Als sie ' tatangattsche Schnäpse auf das schon Getrunkene setzen dürfen, gröhlt der Schuster Wieder: „ „Vivat dem Spender — Sohne Glück. lind der Fischer Diebach laltthd^u^v^ U Stife «= 3£“Ä£ Ä*- »■> >6« « 06.: .Und äkFöÄ 8-rfÄÄSW * SSt« »«»«- «w U.WIW rot>Tt3ct - ja'— aber wäre es nicht gut, wenn Vater und Sohn einträglich miteinander schaffen würden? Jetzt befehden wir uns, ßjin>p berbittert beut Qltiu'crcn b(iv -25t bt. Der Herr Vater," fällt die hervorgestohene Entgegnung, hat " Frau und S verlassen und haust mit der Trampusch mtam unwürdigen Weib. Ich käme zu ihm, wenn er sich ent- schließen könnte, das Derhältnis aufzuldsen und zur Frau Mutter UnÖ(ta FallAll?tat" surrend zur Lumpe, verbrennt sich die Flügel und'fällt zappelnd arst den Tisch Johann Strauh, der Dater, drückt ihn mit einem M^nbechA schnarrt ein Stuhl über den Dooen. Das versteht der Herr Sohn nicht", lautet die zornige And- mrt.'Sfe Ln leLn Versuch äur Bersöhnung zerspellt und Blut von Blut und Schicksal von Schicstal trennt. D-n- Vater ist tot", schreit Eduard Strauh feinens. Druder Johann entgegen, als er nach einer durchgeigten und durch- lusttgten Rächt nach Hause kommt. „Wir müssen hinüber. In feiner Wohnung, einem Loch, unwürdig Menschen auszunehmen, bietet sich ihnen ein fürchterlicher Anblick. Ausden blohen Brettern eines Bettgesttttes liegt der^Vuter^den WiM in den letzten Jahren vernachlässigt hat. Sonst vestnoei ta nichts in dem Gelaß. Selbst die Matratzen, Kissen und Leinen tiS des Sterbelagers hat das dirnechaste ^b rmmittelbar nach dem letzten Atemzuge rveggeschafft und versichert. Ksne Stctgöbic öes ^ünftlcTtuni^. _t _ _ RaI«. QTe&en Lanner, seinem Freunde, wird oohann Baptist bev- gesetzt. Ganz Wien nimmt an der Beerdigung teil, wie schon E' 5^3 §elnigeflRd;e. OrWto- --««« I»; Rackfolger Der Weg, der seit dem ersten Auftreten kaum Hemw" nisfe kennt, wird noch geebneter und steigt unaufhörlich bergan. Er gestaltet sich zu einem Triumphzug, wie ihn die Gide nur wenigen Menschen gönnt. * Johann Strauh heiratet. Die Begeisterung der Frauem der Traum d^ dAn vergibt seine Hand. D^e Enttäuschung, dieses GeMl des Detrogenseins in «faW* _ ilnft die Trestz — ausgerechnet diese ftadtberannie meie " ^gen S e ruhig Maitresse", meinte die Würde einer-,Wita zu ih^Rachbarin,,i.i diesem schrrckiichcn Falleannich^s Wort vertragen. Was war sie denn, was ist sie Henn? Sängerin, Künstl^n ^ Halbweltdame - Geliebte des Barons Todesko — sieben oder neun Jahre alter als er — aeht ihm orte seinem Vater", entrüstet sich die andere kommt im selbstgewWten Sumpfe um. totetv?nh” Setto Treftz? 2Hr Sein ist nur mehr ergebene Liebe xS", ^ twrmöfafe Frau der verwöhntesten Steife .Fledermaus". # Das amerikanische Volk 'begeht den einhundertjährigen Ge- gnSS«® Strauß zwaazigtausend Sängermtt O?LZLsUL«LK Si5 »« «,» Sl« W«6- »•" a" da- «l«l* »W. ^WLNWULMLä ^ÄS’SaSw,“. M. »* schäft liegt seiner Seele. $ Die Generalxrobe sum ,,Z^eunerbarm^ entmM^ kA» STÄW »x>r, «- M«»J» el.lb" y„Sä SrBfu« »US Adele Deutsch eine »Eie Sett^^Ez.^m- 'Mttrich dem Schmerz, den die rothaarige-^"n A g^^ mi(5,e Gedern Meister bereitet hatte. Erne tiaute, roe i ftchrtin aus der Strafte ins Greisentum. Oi„, 6 Suti tm letzten Sommer des vergangenen Qcchr- WS Wk L &ÄS um» di7 Straßen, durch die er ziehen muß. „ . „Hat der Dasein gehabt - W « . su kennen .Und eine andere gesteht. „Wie leine uv z keine Dunkelheit, denn sie durchstrahlen alles. Da sitzt »tui □I» » ■äs *« «» Wv M. ^Ein^Ehrengrab hat Wien für seinen frohesten Muftk^ bereitet rmd senkt ihn neben Schubert und Drahms in die Ol ve. Hernach? Hernach, nach der Schrift" — . . Swimra runzelte die Stirn. „Zurück von dem Kinde, gebot sie dem Schatten, der Palma fast erreicht hatte. . «arte!" stöhnte dieser und lvendete das bekümmerte Hqrcht. Dann aber, von dem warnren Atem Stemmas angezogen, schttppte er sich rascher gegen ihre Knie, aus welche er die Ellbogen stützte ohne daß sie nur die leiseste Berührung empfunden hatte. Lun^ch belebte sich der Schatten, die schöne Sbrn wölbte sich und ein sanftes Blau quoll in dem gehobenen Auge. Woh^r kommst du. Peregrin?" sagte die Richterin ’ W 2 tränen Schilf und von der unbewegten Flist. Wir taÄfcÄfc ">«--» »** ** ■&■£..«' w» w«" “fit ’®era6e. Kein kurzweiliger Seien. Er lehne an t^nen e B äS^SS SLnL ÄÄS Ber Da^hlte^sie eine unbändige Lust, das kraftlose "Wesen zu ihren Wßen zu überwältigen. „Peregrin", sagte ste, ,,du >s dir etwas vor. du hast dir etwas^zusammmigefabelt. Palma geht dich nichts an, du hast keinen veil an ihr. X Zd?dir°Zwas Närrisches ein", spottete die Eerin. Lmma ich lasse mir mein Kindchen « ".Torheit! Wie wäre solches möglich? Was .veitzi uu. SroUgI weih" - der flüchtig Beseelte schien eine Süßigkeit Abte weg über das Gebirge zog. Der Sudex litt anl eurer ®« und hatte von meiner Wissenschaft vernommen. Da hob er mich L »’SfWs LNSSSHM du brachtest mir aus dem Schmuckkästchen zwei Kristalle Wir liebten uns", sagte Stemma. ■ Lr"'L «"* m» -.TO-,--, Ipr-chx- ra,..'M-L i» Ä sichtbar „Er lud Mich auf ein Maultier, zog «»'" I* S«« Minna 6«: »«<«»» Ä'S« sSÄ« ’SÄÄÖ und wäre dein eigen geworden. -MMW-Ms &SÄ3,»' Ä»'« *»■ genommen?" _, n ihr Gewalttätigen käsBää «« die Locken und sang mit gedampfter Stimme. Es war einmal, es war einmal Ein Fürst mit seinem Kinde, Es war einmal ein junger Pfaff Sn ihrem Burggesinde. Die Richterin. Bon Eonrad Ferdinand Metzer. (Fortsetzung.! Seid ihr Tote denn nicht gestorben?" fragte die, Nichtemm "Wir sterben sachte, sachte", antwortete der Kleriker. „Wie -■«& 9 ©ie“ _ er stotterte — „die Seele wird damit nicht ^ia als Leib vermodert ist. Snzivischen habe ich K^e»lkch«n Mantel tj„ mie einen rinnenden Regen. „EN, was war oer tonnen Röcklein friert mich und ich lasse es gerne sauen. „Hernach?" fragte Stemma. Am Mahle saßen alle drei. Da riefen den Herrn die Leute. Herr Iudex, auf! Zu Roh! Zu Rot Sm Dal zieht eine Bente! Er gürtet sich das brette Schwert Und ivirft mit einem Gelachter Den Hausdolch zwischen Maid rmd Pfaff Ms einen scharfen Wachter. Den Sudes hat das schnelle Roß Sm Sturm davongetragen. Sroeic halten still rmd bong DK Ang en niedergeschlagen. — 340 - Schrisileitung: Dr. Friedr. Wilh. Lange. - Druck und Verlag der Vrühl'schen Aniv.-Buch. und Steindruckeret. «. Lange, «ch» IB S 3Ä das'" verbot die Richterin, „es tönt häßlich.« Sie setzte sich auf den Rand des Steinsarges, neben ibr I ^rfn€f, Äsendes Bild, das die betenden Hände gegeneinandev I ^b^e9r£?l: -®a du. nun auf Malmort bist, verlassest^ ; I Wulfrrn, ohne mich — nach vernommenen Zeugen — I E Vder frmgegeben zu haben von dem Tode des Mannes I MrfV- t?n+ d widerwillige Gebärde. „Füge I dich. sagte sie. „Ist es dir keine Sache, so ist es eine Som. I die du mir erfüllen mußt, denn ich bin eine genaue Frau" betTO^?itiL dir ausgerichtet haben", versetzte der I aufgebracht, „daß ich dich nie beargwöhnte, weder ich I Arbogast, der mir das Zusammensinken des Vaters bs- I A^en hat Zkch bm kein Zweifler und möchte nicht leben als »nh fÄk deren, die in jedem Zufall einen Plam I ""d in ledem Anfall eme Schuld wittern, doch das sind Be° I ir°Zene oder selbst Betrüger. Der Himmel behüte mich vor I ^en! Hatte ich aber Verdacht geschöpft und Feindseliges gegen M dem Antlitz sehe, stünde ich entwaffnet. I EN wahrlich, du blickst nicht wie eine Mörderin. Wärest chu E Dose, woher nähmest du das Recht und die Stirn, das | oose aufzudecken und zu richten? Dawider empört sich die Ratur!" -Ä "r®tn ®^Seiien t^tscin- "Aber was ist das für ein dumpfeS ?^hnen, ^s den Boden schüttert?" „Das ist der Strom", I die ^Rt^ertn,* „der den Felsen benagt und unter der e®. Stau“, fu§s der Höfling treuherzig fort, I ra.Sa btc^ ™e teiden mochte, und ich sage dir warum Dieser I &i«r mein Vater war ein roher und gewaltsamer Mann. sage es ungern: er hat an meinem Mütterlein mißgetan, I to^U9r mta9 daran denken. Ins Kloster I bat er es gesperrt, sobald es abwelkte. Da ist es nicht zu wundern. I k-e Menschen sind, daß ich von dir nichts wissen too[[h> I dre es von seinem Platze verstieß." I t u 5>ier tust du mir unrecht. Da wir so zusammen- I s^n. Wulfrin, warum soll ich es dir nicht erzählen? Ich habe I deiner Mutter nichts zuleide getan. Kälter und lebloser als dies« fc,e 'Ene H°nd, da sie gewaltsam in die deine» wurde. Aus dem Kerker hergeschleppt, zuae- I !.^^!.dert svurde ich ihm von dem Judex, der mir einen zitternden i von mederer Geburt erwürgt hatte. Richt | redes Werb würde dir solches anvertrauen, Wulfrin." «2tch glaube dir", sagte dieser. I . . "Fmer Gezwungenen und Entwürdigten", betonte sie gab dein Vater sterbend die Freiheit. And ich wurde Herrin von' OM, I Erund. Wulfrin, dir die Sache zu besehen. Sie I ist dunkel und schwer. Betrachte sie von allen Seiten! Denn du räumst Mir ein vernichtete ich deinen Vater, so bin ich oder du I bist zuviel auf der Erde." fuhr er auf, „doch nein, du blickst I r^ung. Siehe, Frau, das ewig« Verhören und Richten I hat dich quälend und peinlich gemacht und wahrhaftig, ich glaube" bitt d^« mtf Stein T -auch eine Frömmlerin bt)t du. Er hatte rings um das Frauenhaupt die Wort« gelesen- „Orate pro magna peccatrice." „Das hier ist grotzgetan." ( mn eme kirchliche Frau", antwortete Stemma, „doch I "pv*-“*, ach bin keine Frömmlerin, denn ich glaube nur was < Harzen.erfahren habe. Dein Knecht, der Steinmetz Arbogast, fragte mich tn seiner einfältigen Art, was «mir um das Haupt schreiben dürfe. In feiner schwäbischen Heimat sei bei vornehmen Frauen die Amschrift gebräuchlich: Betet für eine Sünderin. „Schreibe mir", sagt« ich, „Betet für ick Wulfrin, du hast recht gesagt, was t rief dm Höfling, aber nicht als Antwort auf I liefen Selbstruhm, sondern das Haupt in die Höhe richtend, wo Palma stand unb das helltönige Glöcklein zog. Sie hatte sich lange auf der Wendeltreppe gesäumt und aus den Luken nach dem ihr vorenthaltenen Bruder zurückgeblickt. In der weiten Bogenoffnung des von den ersten Sonnenstrahlen vergoldeten Turmes wiegte sich ein lichtes Geschöpf auf dem klingenden Moxgenhimmel. Der Höfling sah einen läutenden Engel, wie ihn etwa in der zierlichen Initiale eines kostbaren Psalters ein farbenkundiger Mönch abbildet. Eine Innigkeit, deren er sich schämte, richrte und füllte fein Herz. Hatte ihn doch dieses lobpreisende Kind vom Tode errettet. Inzwischen sammelte sich im Burghöfe das Gesinde dec Richterin, wohl einhundert Köpfe stark, Männer und Weiber. Än finsteres sehnig^ sonneverbranntes Geschlecht, das den Behelmten eh« feindlich als neugierig musterte. Dieser, di« Ä Erbe gestiegene Palma darunter erblickend, machte sich Bahn und als wollte er sich für die flüchtige Andacht rächen» welche er zu mnem Geschöpf aus irdischen Stoffe empfunden, S* di« Hand auf die Achsel und den blühenden Mund ^H^n kräftig. Sie zitterte vor Freude und wollt« mwidern, doch chnefellr faßte di« Dichterin mit der Linken ihre bkte"6' "* M« M6» i" (Fortsetzung folgt.) \ Stemma hebt das Fingerlein, Sie tut es ihm zuleide. And fährt damit wohl auf uird ab Aeber die blanke Schneide. Ein Tröpfleia warmen Blutes quoll" — „Stille, Schwächling!" zürnte die Richterin. „DaS hast du dtr in deinem Schlupfwinkel zusammengeträumt. Solche Schmach 'Et die Sonne nicht! Stemma ist makellos! And auch der Eomes, er komme nur, ihm will ich Rede stehen!" „Stemma, Stemma!" flehte Peregrin. „Hinweg, du Aichts!" Sie entzog sich ihm mit einer starken Gebärde und seine Zuge begannen zu schwimmen. „Mein Weib, mein" — „Leben" wollte er sagen, doch das Wort war dem Ohnmächtigen entschwunden. „Hilf, Stemma" yauchte er,, „wie heißt es, das Atmende. Blühend«? Hilf!" Die Richterin preßt« die Lippen und Peregrinus zerfloß. Erwacht stand sie vor dem Lager ihres Kindes. Sie küßte Äm die geschlossenen Augen. „Bleibet unwissend!" murmelte sie. Dann glitt sie neben Palma auf das breite Lager und schlang Arm um das Mädchen, wie um eine erkämpfte Deute: "Du bitt mein Eigentum! Ich teile dich nicht mit dem ver- schollenen Knaben! Dich siedle ich an im Licht und umschleiche dich wie eine hütende Löwin!" Der Traum hatte ihr Pereqrin gezeigt nicht anders, als sein Bild in ihr zu leben aufgehört hatte. Langst war der Jüngling, dem sie sich aus Trotz und Auflehnung mehr noch als aus Liebe heimlich vermählt, an ihrem kasteiten Herzen niedergeglitten und untergegangen, und rar- HE Fingerbeere gespritzte Blutstropfen erschien r ^"Uterten als em lockeres und aberwitziges Märchen. Schon glaublicher deuchte ihr der andere Bewohner der Anterwelt, r??. "E sich auf dem Lager umwendete und das Haupt in die Kisien oegrub, ohne den Arm von der Schulter ihres Kindes zu lösen, erblickte di« Entschlummernde den Eomes, wie er an den Speer gelchnt verdrießlich im Schilf« saß und etwas Feindseliges tn den Bart murmelte. Ein Lächeln des Hohnes glitt über £>r ker&unfelteg Gesicht, denn Stemma kannte die Hilflosigkeit der Abgeschiedenen. M - 3m ersten Lichte weckte die zwei Schlafenden ein jäher i Hornstoß und riß sie vom Lager empor. Der gewaltsam« Tagruf beleidigte das feine Ohr der Richterin. Sie erriet, wen er meldew und mit schnellem Entschluß und festem Schritte ging sie Wulfrin entgegen. Roch vor ihr, den rasch ergriffenen Wulfenbecher in der Hand, war Palma durch die Tür gehuscht. In das von Rudio geöffnete Tor tretend, stand Stemma Ä'' ,Höfling der sie mit verwunderten Äugen betrachtet«. Das Antlitz gebot ihm Ehrfurcht. Gr verschluckt« ein unziemliches Scherzwort über sem durch vier Weiber gerettetes Leben. De- ^lttgt von dem ruhig prüfenden Blicke und der Hoheit der blassen Zuge sagte «r nur: „Hier hast du mich Frau", worauf st« I Bringen*“ Bat Mühe gekostet, dich nach Malmort zu I » »M? i[t di« Schwester, daß ich sie küsse?« fuhr er fort und diese, die inzwischen den Becher gefüllt hatte, eilte ihm mit I und leuchtenden Augen zu, obwohl sie vor- £ Mjritt uit& den Wein nicht verschütten durfte. Sie trat | Druder und begann den Spruch Da aber Stemma den I &er &em Comes den Tod gebracht, in den Händen ihres I cT-MlCf-te " ra» ?e" frischen Mund über feinem Rand. I Ä"ffEd fte einen Ekel und einen tiefen Abscheu. Mit ficherm bemächtigte sie sich des Bechers, den das überraschte Mädchen ohne Kampf und Widerstand fahren ließ, führte chn mH fal1>e“ eigenen Mund und bot ihn dem Höfling I Sorten: „Dir und Dieser zum Segen!" Wulfrin I lepttc Den Decher vH ne leg^che Furcht. .. J°^^d bestürzt und beschämt. Da hieß di« Mutter I He die Glocke ziehen, die hoch oben in einem offenen Türmchen I das Gesinde weither zum Angelus rief. Palma hatte I ° Freude gehabt, das leichtbewegliche Glöcklein erschallen I 3U laffen und das Amt war dem Mädchen geblieben. Sie fügte I iicy zögernd. I W du ihr die Freude verdorben?" fragt« I »a Stemma wies ihm die Inschrift des Bechers. Sieh« I nichts",^meinw^ Eheweibes", sagte sie. „Davon lese ich I »Erfreu« dich am Wein! Willkomm........I“ .. Der Finger der Richterin zeigt« das Verwischt«, aus welchem I Wr ein genauer prüfendes Auge noch drei Buchstaben leserlich I hervortraten, ein i ein K. ein. l. Wulfrin erriet ohne MühA „Willkomm im Kämmerlein!" I »Du hast recht, Frau", lachte er. w ®ie nahm ihn an der Hand und führte ihn vor das Grab-- I d^.Dater, die Linke am Schwert, die Rechte | .fthorn. die steinernen Fuße ausgestreckt. Wulfrin be- I Nck^i r^eT’ ?ber treuherzigen Züge nicht ohne kind- I abgebildete Hifthorn erblickend, hob er tn I einer plötzlichen Anwandlung das wirkliche, das er an der Seit« |