Eichener ZamilieMatter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Mtwm52T~™" ~ «— — ^™rr LeLeasgruh. Ein Stammbuchblatt von Heinrich Heine Tine große Landstraß' ist unsere Erd'. Wir Menschen sind Passagiere^ Man rennt und saget, zu Fuß und zu Pferd, Wie Läufer «der Kuriere. Man fährt sich vorüber, man nicket, man grüßt Mit dem Taschentuch aus der Karosse. Man Hütte sich gerne geherzt und geküßt, Doch ragen von hinnen die Rosse. Kanin trafen wir unS auf derselben Station, Herzliebster Prinz Alexander, Da bläst schon zur Abfahrt der Postillon ^.ind bläst uns schon auseinander. Fastnacht. Airs Johannes Fischarts «Heiliger Aantastnacht". Pei uns hat sich seit Jahr und Tag das FchchingStreiben aus dem Straßenleben in die Redouten und die Ballfeste zurückgezogen, so daß die Straße selbst nur noch höchstens die be- icheidene Kinderfastnacht kennt, das harmlose Getute und Gelärm der kleinen Fastnachtsbutzen. die sich wohl mit ein vaar Masken- tetzen und papiernen Larven ausstaffiertsn. Don dem ganz un- geyeuerlichen Umschwung, der in vergangenen Jahrhunderten das Straßenbild zur Fachnachtszeit grofeSf belebte, macht man sich heute kaum eine Vorstellung. Eine der vollsaftigsten Schilderungen des Fastnachtstreiben-s emer alten, deutschen Stadt verdanken wir Johannes Fi - schart, dem Spaßkvlvß der deutschen Dichtung des 16. Jahrhunderts. Er hat den ganzen tollen Mummenschanz in ein paar kurzen Sätzen eingesangeu. in denen -es von einer wahrhaft teufelstollen Ausgelassenheit rumort. Von der „heiligen Fantastnacht schreibt Fischart: „Es kompt ein Zeit, heißt Fasenacht, in der regiert mit gantzer Macht ein Planet, heißt der Elsässer, macht einem oft das Kopslin schwer, den Deute! leer und schmal den Schmer, wo gehn wir ump mit prassen, rasen, danhen, mummen, stummen, prummen, rennen, sechten, ringen, stechen, buhen, mutzen und larvieren, den Schnabkönig führen, teufellenhen, mönchentzen, welbenhen und türkenentzen mit toten Gespensten und Feuer- schWanzen. Fenster einwerfen, die Danke verrücken, Kirch verführen. die Glocken läuten, Schellen abschneiden, verkleiden, berußen und bekreiden. Brüten Darren ans, halten Hans Sachsens Fastnachtsspiels suchen die Fastnacht mit Fackeln, tragen die Hering an der Stangen in' Dach. Spielen die Schelmenzunft, ziehe» ein strohernem Mann Kleider an und tragen ihn auf einet Bahr daher, als ob er gestern gestorben wäre, mit eim Leilach zugedeckt, mit Wachslichtern besteckt. Schau da, dort kompt der Herr von Runkel, pringt am Arm ein Kunckel. Die Magd zeucht des Knechts Hosen an. Suchen Küchlein in der Magd Kammer, ja suchen Küchlein über dem Tisch. Da man die Schuh unter das Bett stellt, da gibts dann über ein Jahr Mehl- und Milchschreiling. Hie zum Schaurtag, der lieben Weiber Sausstag. da säufst, daß man einander davon trag. Ja in Summa: Mit solcher Zucht man Fastnacht hält. Also behält man das Feld, in der fastnachtsbuhigen Welt!" Karneval am Rhein. Von LiesbetDill. Kulte, winddurchfegte Straßen, in denen man schon in der Morgenfrühe des Februarsonntags kleine Rotkäppchen aus den Türen kommen sieht, verfolgt von Bauernjungens in blauen Blusen, weißer Zipfelmütze, die Schweinsblase^ am Stock schwingend, kleine Rokvkodamen. die in ihren ausgeschnittenen geblümten Tunikas zu frieren scheinen, trippeln auf rosa Stöckelschuhen einher mir gepuderten. Locker; und Schönheitspslästerchen. Vergnügte Clowns, weißgeschminkt, mit totem Mund und schwarzen Pompons auf den weihen lustigen Anzügen fahren. Lieder singend, durch die Straßen, in den Häusern duftet es nach Pfannkuchen und Kreppeln. Rachmittags um zwei Ähr ordnet sich der Fastnachtszug. Wochenlang vorher fanden die Aatrensitzungen der Vereine statt, die alle Damen tragen, z, D. „M'r sin nit so", oder „Wir wvllen's mal riskieren" usw. und . in denen „der Redner aus die Bütt" eine große Rolle spielt. Im ersten Wagen die Prinzessin Karneval auf ihrem Thron, lächelnd. Sick geschminkt, mit Fächer und Federhut. Natürlich steckt ein Herr unter der Maske. Dann folgt der Zug Musikkapellen, die Plakat- geschmückten Wagen. — allerlei aktuelle städtische und politische Zustände werden karikiert, die Steuerbehörde hergenommen die wtaotvüter, nebenher trottet Sie Sagend. johlend, das Heer' von Schornsternfegern, Engeln. Tirolern, Elsässer Bauernmädchen, -Leuseln und Dominos, singend, lachend, kreischend. Heut ist Fastnacht! Musik und Maskengewühl, alle Fenster sind beseht, Bunte werpentinschlangen fliegen durch die Lust. Coirfetti regnet ®“T die Kopfe der Zuschauer, Abends beginnen die Maskenbälle die Redouten, und die Köchin näht sich bis Mitternacht Karten auf das rote Kleid. Sie geht als Zigeunerin oder Polin mit Schwanpelz am Sammet kleid. Fastnacht am Rhein, an der Saar, der Mosel, überall das gleiche Treiben, dieselbe überschäumende Lustigkeit, dieselben Masken, vieselben Scherze, derselbe Humor, der nie versiegt bei «»em der mit Rheinwasfer getauft ist. In dieser Luft find die Rheinländer ausgewachsen. Mit zwei Jahren schon wird ihnen Fastnacht die Narrenkappe ausgesetzt, den Mädchen die Rvt- kappaienhaube, den Buben die Bauernmütze oder der Mama eme Krone aus Goldpapier, und der- Flachsbart für den Vater hangt das ganze Jahr im Schrank, wie sein Pelz. . , Einmal !m ,.>ahr Narr sein! Der Rheinländer muh es. And wie er ver- gnugt ist wre sich seine Fastnacht äußert, das macht man ihm ni x J1»*® weöer •» München, wo der Humor derber, brutaler und Karneval äußerlicher verläuft, und erst recht nicht in Berlin wo der Witz schärfer, beißender ist. Der Rheinländer verletzt mcyt, er wird tn fernem Scherz nie persönlich, er macht sich riber alles gern lustig, vor allem auch gern über sich selbst. Der rheinische Fasching ist leichter, eleganter, selbstverständlicher als der Karneval im übrigen Deutschland, er ist ein natürliches Kind rheinischer Luftz wahrend er nach Süddeutschland nur künstlich verpflanzt rst. Der Süddeutsche ist steifer, zurückhaltender. schwer - blunger als der Rheinländer, der eigentlich nichts ganz ermst mmmt, rrrcht einmal sich selbst, und der deshalb so fleißig arbeitet, um sich Mittel zu einem Leben zu verschaffen, das ihm „Spaß macht". Ob etwas „Spaß" macht ober nicht, ist ausschlaggebend. . . In Suddeutschland spielr Fastiracht kaunr eine Rolle. Es gab m Städten wie Karlsruhe, Stuttgart wohl Maskenbälle und Maskenrmrzuge, Maskenfihungen, aber ihre Gründer und Seite f und «afMmmet Rheinländer, der Süddeutsche' sicht lächelnd dem bunten Trubel zu .. . . Münchens Karneval ist künstlerischer, die Kostüme origineller, die Ausschmückungen des Saales, das Drum uni) Dran, das äußere Bild, der Rahmen des Karnevals ist hier wichtiger, Fasching in München ist ein Erlebnis. — aber . . . zu Hause ist Fastnacht nur am Rhein Wann entstand Karneval, wann wurde "er geboren? Genau weiß man's nicht. Er ist schon uralt. Er kommt schon im Mittel- alter vor. Auf alten Kupferstichen ficht man die Narren und Närrinnen miteinander in den engen Gassen tanzen. Vom Januar, dem Fest der heiligen drei Könige, das durch einen Ball gefeiert wurde, beginnt die vierzigtägige Fastenzeit und dauert bis zum Aschermittwoch, wo „zur Erweckung der Buße" den Katholiken Atchenkreuze auf die Stirn gezeichnet werden von Priesterhand. Die rheinischen Damen gehen vom Ball in die Messe, das hangt eng zusammen: Karneval und Deichte. Es geschahen auch üble Dmge unter 6er Maske an Fastnacht. Morde und Tot- schlag un Gedränge. Ich erinnere mich einer großen Gerichtsverhandlung in meiner saarländischen Heimat, wo ein Neben- buhler den Mann seiner Geliebten Fastnacht-Dienstag um Mitternacht in einem schwarzen Domino an einem Kreuzweg in einer hellen Mondnacht auflauerte und ihn dort niederschlug. und eines rätselhaften Mordes an einem Offizier, geschehen zu eüeh. wo 6er Mörder im Maskentrubel unerkannt entkam. .o»st»acht lebt in den Herzen der Rheinländer wie das Welhnachtsfest. Wie jeder Deutsche feinen Tannenbaum Haben ntuP- will der Rheinländer sich Fastnacht maskieren und amüsieren. Fastnacht in den Garnisonen wie Metz un& Trier toar berühmt. Dori waren die Deutschen zusammengestrvmt aus - ®Cl-!cv' un^ ’» die Grenzgarnisonen, die Kasernen, in irdes Kasino zog Fastnacht ein, wenn der Februar zu Ende ging. Durch die beschneiten, kalten Straßen rasselten die Kümper-- wagen mit vermummten Gestalten, die Kasinos waren erleuchtet, es regnete Conletti. es ward» mufi»iert und getankt, die Dreh- - 62 — regeln Langen auf der Straße, bie Pferde trugen Blumen am Ohr und die Hunde kleine Narrenkappen unb Hütchen. An den Höfen ist Karneval nie recht heimisch geworden, beim er verträgt keinen Zwang, keine Halseisen und keine Zeremonien, keine spanische Etikette. Die kahlen winterlichen Bäume der Alleen in Mainz und Wiesbaden waren buntbestreut mit gefrorenem Confetti, Straßen, Bahnen, die Regenschirme, alles war von weißem Papierregen übergossen, von den Aesten wehten grüne lmd rote Papierschlangen, alle Lokale waren buntbestreut, die Köpfe der Kellner waren von Papierschlangen umzingelt, das Confetti flog wie Schnee durch die Luft, überrieselte die Köpfe der Männer und die Dusen der Damen, man tanzte im knöcheltiefem papiernemj Schnee, und in den nebligen Gassen priesen die kleinen Italiener- knaben ihre Ware singend an: „Confetti, Confetti, schön, süß und billig!" Am grauen Morgen, wenn die Straßenkehrer eben mit ihren Besen kamen, und die weißgekleideten Bäckerjungen die Brötchen austrugen, fuhren die Schlitten mit den Masken' heim. Es gab Leute, die Karneval durchfeierten, die fünfmal am Abend ihr Kostüm wechselten, sie schliefen in ihren Dominos, lebten nur auf, um sich zu schminken, zu maskieren und weiterzutanzen. Man rechnete am Rhein: Das Kind kommt nach Fastnacht zur Schule, meine Schwester heiratet noch vor Fastnacht, wir ziehen in der Fastnachtswoche um. Mr Rorddeutschland hat der Fasching fast keine Bedeutung. Die Kostümbälle finden ohne Larven statt, man stellt sich in den Quadrillen vor, man ist korrekt, vernünftig, steif und zeremoniös. Der Rheinländer aber zieht mit seinem Fastnachtskleid einen anderen Menschen an, den lustigen Narren mit der Kirrenden Kappe, der losen Pritsche. Er feiert Karneval von Sonntagabend bis Mittwoch nach Fastnacht, dem Aschermittwoch. Mit diesem Tag erlischt die rheinische Geselligkeit. In 6er Buhzeit bis Ostern tanzt man nicht mehr und feiert man keine Feste. Fastnacht ist volksttimlich in Italien und am Rhein. Das Herz des Karnevals ist Köln. Die Norddeutschen verstehen oft nicht mitzumachen, ober fallen aus der Rolle, obwohl es unter ihnen auch „geborene Karnevalisten" gibt und nicht jeder Rheinländer imstande wäre, eine Kappensitzung zu leiten. Der „Fastnachtsgeck" ist übermütig, lacht sich einmal satt und darf lachen, über was er will. Er tut es mit Tatt. Niemand hat ihm das gelehrt, sich fo und nicht anders Fastnacht zu betragen, er ist ein echter Narr, die Schellchen feiner Kappe klingeln, er schlägt dem Nachbar mit der Pritsche auf den Rücken, aber — er tut Hm nicht weh, er neckt nur, und verträgt selbst einen scherz. Es gibt keinen traurigeren Anblick, als einen Hereingewehten zu sehen, der aus einem fremden, kühleren Himmelsstriche mitten in den rheinischen Karneval geraten ist und an der Wand steht wie ein Nüchterner unter Berauschten und nicht weih, ob er über das, was er sieht, lachen ober — sich ärgern soll, der alle Scherze übel nimmt und dann grob wird. And er würde wohl kaum Verständnis gehabt haben für jene rheinische Witwe, die, „weil sie noch in Trauer war", zum Maskenball, den sie unbedingt nicht versäumen zu dürfen glaubte, als „Königin der Nacht" erschien, in schwarzen Schleiern mit silbernen Sternen. — Die Fastnacht sitzt, im Blut der Rheinländer. Fastnacht schäumt es ihnen über, das leichte Blut . . . man will sich berauschen. Der Rheinländer braucht zur Lustigkeit keinen Wern... Er trinkt ihn wohl, feinen Rheinwein und das „Böwlchen auf dem Rheinschifs", das an den Siebenbergen vorüberzieht, ist der Gipfel seines Sommervergnügens. Der Wein gehört dazu. . . aber er braucht ihn nicht, um „in Stimmung zu kommen", wie die schwerblütigeren Süd- und Norddeutschen, . . Fastnacht ist ein Volksfest, das nie höfisch wurde, weil es keinen Zwang verträgt, aber ein Volksfest ohne blutige Rauferei, ohne wüste Trinkszenen, und es geht nicht daraus zu wie auf den „Ker- messen", die uns Ostade und Deniers so kräftig malen und den Königsfesten eines Jordaens. Wie man in München Fasching feierte. Briefe und Erinnerungen. Georg Jakob Wolf erzählt in seinem kultur- unb sittengeschichtlichen Werk „Die Münchne- r i n“ (bei Franz Hanfstaengl-München) von Faschingsfeiern, die der große Mäcenas Ludwig l. durch die Heranziehung eines lustigen Künstlervölkchens nach München belebt und eigentlich erst zu dem gemacht Hat, was sie waren. Durch ihre berühmten, herrlichen Feste, die von 1835 an in ziemlich regelmäßigen Zwischenräumen stattfanden, trugen die Künstler ein neues, belebendes Element in das Münchner Kulturbild. Bei ihnen ging es nicht so exklusiv her wie bei den „Co- terien" des Adels. Das, was Heh s e und Dah n an der Münchner Geselligkeit als das wirklich gesellige Moment priesen, den freien Verkehr der verschiedenen Gesellschaftsklassen untereinander an öffentlichen Orten, „die demokratische Macht des Bieres", das Bewußtsein des geringsten Arbeiters, daß sich „auf dem Keller" auch der hochgeborene Herr Graf Seinen besseren Trunk verschaffen könne als er, „die Gleichheit vor dem Nativnal- getrank, die den Druck der sozialen Gegensätze mildert", das war auch nach dem Geschmack der Künstler. Obwohl sie die Vorherrschaft des künstlerischen Elementes in ihren Zirkeln mit Nachdruck betonten, ließen sie doch auch das Bürgertum an ihren Freuden, an Kneipen, Festen, Maiausflügen, teilhaben, besonders die holde Münchner Weiblichkeit, die keine andere Legitimation, keinen anderen Wappenbrief als ihre Schönheit und Anmut mitzubringen brauchte. Dgh die biedermeierliche Münchnerin außerhalb ihrer vier Pfähle vergnügungssüchtig fei, gern tanze, und sich als eine rechte Faschingsfreundin erweise, wird ihr von allen Zeitgenossen ausdrücklichst bestätigt. „In Bayerns Hauptstadt herrschte im Karneval die Maskerade wie in Italien. Jung und alt zog in allen möglichen Trachten, die Larve vor dem Gesicht, in den Straßen umher und machte sich einen lustigen Abend. In bunter Reihe faßen in Gasthäusern Pierrots und Kolumbinen, die beliebten Türken und Schwäbinnen, duzten sich und scherzten nachMaskew recht." So Luise von Ko bell. Das Signal zum Losbriich des allgemeinen Faschingsjubels gab der erste Maskenball im Hoftheater, Christian Müller hat eine anziehende Beschreibung eines solchen Festes um 1820 gegeben, er erkannte es als Münchener „Spezialität" und sagte, daß es etwas .ähnliches in Norddeutschland nicht geben könne. Alles erschien auf diesem Ball mit Masken; erst wenn der Hof feine Loge verlassen hatte, durfte man sich demaskieren. Getanzt wurde gut und fleißig. „Indessen scheint es weniger eigentliche Tanzlust, als der gegenseitige Wunsch, schon recht bald und so früh als möglich in irgendein angenehmes Verhältnis mit jemand zu treten, das den ganzen Abend und die ganze Nächt, ja oft selbst noch einige Tage nachher oder gar für den ganzen Karneval dauern soll. . . Wie- freut man sich über die vielen blühenden Mädchen- und 'Frauengestalten, die sich hier in herrlichem Kranze vereinigt finden; freilich ist es noch unentschieden, was das griechische Wachsprofil (die Larve) verbirgt, ob ein brennendes Feuermal, eine Zahnlücke, eine Habichtnase oder das entsprechende Gegenstück zu seiner äußeren Maskensorm, worauf immer eher zu wetten ist. Sehen wir hier die beiden Gärtnerinnen in Weih und Blau mit den schalkhaften Hütchen, die über den niedlichen Köpfchen nur zu schweben scheinen wie ein Heiligenschein. Gibt es etwas Lieblicheres in weiblicher Form? Sie tragen Orangen, Mandeln, Rosinen und Feigen in zierlichen Körbchen und bieten mir freundlich davon: Mit gutmütiger Laune antworten sie mir, und als ich forschen will, verschwinden die lieblichen Gestalten in der treibenden Menge." Gottfried Kellers klastische Schilderung des Albrecht- Dürer-Festes der Münchner Künstlerschaft im Jahre 1840 hebt die schönen Münchnerinnen in den Himmel der Poesie empor, und gelegentlich des Münchener Faschings von 1842 hat auch Ludwig Steub in seiner witzigen Weise einiges in das große Stammbuch der Münchnerin geschrieben. Er preist besonders die Maskenbälle im Odeon, bei denen der populäre Musikmeister Streck seinen befeuernden Stab schwingt; diesem Streck, meint Steub, sei es vor allem zu danken, daß wieder richttg getanzt werde, daß Jungen und Mädchen wieder selig über das Parkett walzen, statt auf den Bällen nur zu prominieren, herumzusitzen und sich in Ecken herumzustellen. Besonders der „Altvatertanz", den Streck propagiert, ist Steub aufgefallen. „Ach, was war das für eine Wonne unter den schönen Jungfrauen von München, als die seltsamen Feierlichkeiten dieses angesehenen Tanzes begannen, als sie auf die Stühle geladen wurden, und die langen Reihen getragen herabschwebten, als die anderen Zeremonien folgten, die nur nach Mitternacht aufgeführt werden können, wenn den wachhabenden Müttern schon die Augen zugefallen sind! And als der Danz in schöner Aufregung geendet hatte, als lauter Jubel und Bravoruf an die Decke schlug, da nahm der Meister den Vorteil wahr, seine Zaubermacht neuerdings zu zeigen. Er ließ als herrliche Dreingabe seine wildesten Geigen los und den titanischen Donner seiner Pauken, und seine Trompeten schmetterten in den reinsten Blocksbergtönen in den Saal hinab, und, ein umgekehrter Orpheus, machte er seine Hörer alle wütend und jagte sie mit Walzer, Polka und Galopp nacheinander und unausgesetzt in immer rascherem Takt als vielhundertpaarigen Hexenwirbel durch die Halle... Als der Strudel vorüber war, sah man sich lächelnd an. Die Paladine schienen etwas erschöpft, die Damen gar nicht. Das schwache Geschlecht hat eigentlich die stärksten Nerven." Im Jahre 1830 veröffentlichte der Humorist Moritz Saphir, wahrscheinlich durch die Schönheiten-Galerie des Königs angeregt, einen Schönheitskanon, der auch für die Münchnerin zu gelten hatte, in seiner Zeitschrift „Flora": Danach soll der Kopf oval sein und die Stirne in einer sanft gesenkten Linie mit der Nase verbunden. Die Augen sollen in einem harmonischen 'Verhältnis stehen, die Augenbrauen hoch gewölbt und die Augenlider fanff gebogen fein. Vom Ohr wird verlangt, daß es eirund fei. Die Nase muß einfach sein und mit ihrer Grundfläche einen leicht bemerkbaren, deutlich ausgedrückten Winkel machen. Der Mund darf nicht viel breiter als die Nase fein, das Kinn muß rund, der Hals nicht zu kurz, hinreichend voll und durch schöne Schultern „wohlwollend" gestützt sein. Unter den Münchnerinnen der 63 — Schönheiten-Galerle ist manche, die alten diesen Anforderung«, entspricht, besonders aber scheinen mir alte Voraussetzungen Saphirs erfüllt von der Tochter des Malers der »Schönheiten, der reizenden jungen Stieleri n, deren Bildnis, 1848 gemalt, wie die Apotheose der schönen und zugleich interessanten jungen Münchnerin anmutet , .____ Kein Wunder, wenn sich zwischen den holden Munchnerinnen, die so leidenschaftlich tanzten, und sich — wer hätte es von ihnen gedacht, wenn sie nur innerhalb ihrer vier Pfahle im muffigsten Philistertum und in der dicksten Spießburgerei betraf — so gut aufs Kokettieren verstanden und zwischen dem jungen Maiins- volk beziehungsreiche Liebesfäden anspannen, wenn diese Beziehungen auch nicht schwärmerischoder rm Sinne. scheu Lucinde romantisch waren. Man fmg dies praktischer an. Ob Männlein oder Weiblein: Man tat sich mit Liebesanbande- lungen im biedermeierlichen München sehr leicht! Denn es gab da einen ganz famosen Postillon d'amour, der bis zum Ende der 1820er Jahre alle Liebeshändel der Stadt betreute und vermittelte; es war der Finessensepperl. Von zlEghafter, magerer Gestalt, stets in ein kuttenartiges, altersgraues Rocklein gekleidet, und mit einer Kopfbedeckung, die fast an eine Zuckerhutspitze gemahnen mochte, schlich er wie eine Katze umher, stenie sich blöde, ohne es zu sein, sprach jedermann mit dem stereotypen Gruß an: „Grüah di Gott, Nanni" — gleichviel, ob es em Mann- lein oder ein Weiblein war, und praktizierte dabei geschickt^und fix fein Dilletchen oder Briefchen in die rechten Hände. Gr hatte in allen Häusern Zutritt, und war vielleicht in München einer der populärsten „Männer" seiner Zeit. Auch ein teiisam tragikomischer Nachruhm wurde ihm zuteil. Gr besaß nämlich eine Nippe mehr als normale Sterbliche, und deshalb hat die Anw- tomie sein Skelett angekauft und in einem Glaskasten ausgestellt, wo es sich einst viele Münchner ansahen, darunter gar mandjer, der vordem vom Finessensepperl ein zärtliches Brieflein m die Hand geschoben bekommen hatten. (Ein Maskenspiel Goethes. Goethe hat durchs die großartigen Maskenzüge, die er für die Fastnachtsfeste des Weimarer Hvses arrangierte und in bedeutenden Versdichtungen erläuterte, viel zur Belebung und Vertiefung der Maskenfreude Beigetragen. Als Theaterleiter hat er mehrfach Versuche gemachst, die antike Maske der modernen Bühne zu gewinnen, und neben dem „M u m m e n s ch a n z" im zweiten Teil des Faust ist das bedeutendste dieser Maskenspiele „Palaeophron und Neo- terre". Ein wenig bekanntes, aber gerade heute wieder bedeutsames Werk, das in einer neuen schönen Ausgabe bei Nichard Weihbach in Heidelberg erschienen ist. In dieser Ausgabe ist auch zum erstenmal dem Text der illuminierte Kupfer beigefügt, in dem Goethes Freund, der „Kunst- Meyer" die Masken darstellte und der zuerst in der „Zeitung für die elegante Welt" veröffentlicht wurde. Goethes Dichtung, die er zur Geburtstagsfeier der Syit= zogin Amalia 1800 improvisierte, stellt an der V^nde deS Jahrhunderts die alte und neue Zeit gegenüber und enthält die Mahnung zur aufbauenden, durch keine Verzweiflung zu hemmenden Arbeit, die gerade jetzt als ein ^deutsch^ Lebensmotto stets von neuem wiederholt werdeii sollte. Der Plan dieses Festspiels wurde in wenigen Tagen ausgefuhrt. um die bei fo knapper Frist schwierige Aufgabe möglichst rasch zu lösen und sowohl sich. als die Spielenden in begeisterte Stimmung zu versetzen, ergriff Goethe folgendes heroische Mittel. Er lud sich bei den Hofdamen zum Frühstück, und zwar auf Punsch ein, versammelte die Personen, denen er Rollen zudachte, um sich und diktierte nun dem Fräulein von Gönchhaufen die verschiedenen Rollen in die Feder, während er selbst im Zimmer gravitätisch auf und ab schritt. Sobald eine Rolle bis auf einen gewissen Punkt diktiert war, muhte ,ie sofort memoriert, und sobald die entsprechende zweite Rolle auf das Papier gebracht war, gleich mit dieser zusammen probiert werden, wobei Goethe aufs lebhafteste antrieb vor pielte und einwirkte. So geschah es denn, dah in zwei Vormittagen das Stück fertig wurde und nach einer Hauptprobe am dritten aufs trefflichste und zur höchsten Freude der Herzogin gespielt werden konnte. Nachdem das Stück vor der Hofgesellschaft mit viel Beifall gegeben wvrdeii war, fand seine erste mid zu Goethes Lebzeiten einzige öffentliche Vorstellung am 1. Januar 1803 statt. Der Sckluh des Stückes war dafür abgeandert. Der Kupferstich, der die Darstellung der Masken enthält und für das Verständnis des tiefsinnigen Werkes notwendig ist, wurde von Goethe seiner Mutter zu ihrem 70. Geburtstag" geschenkt, und sie dankte dafür am 7, März 1801 ihrem Hätschel- hgns mit den Worten: „Vor die große Freude, die Du mir an meinem Geburtstag mit den paar Zeilen von Deiner eigenen Hand und mit der vortrefflichen Zeichnung der alten und neuen Zeit gemacht hast, danke ich Dir von Herzensgrund. Setzt ist mir im Lesen Deines kleinen Dramas alles recht anschaulich. Die Masken! Das ist ein herrlicher Gedanke. Ich lasse einen, schönen Rahmen dazu verfertigen — «in Glas darüber — und hänge es in mein Schlafzimmer zum beständigen Anschanen auf." Tanzmufik. Von Dr. Anton Mäher. Die europäische Tanzmusik hat immer im scharfen Gegensatz zur orientalischen gestanden; ihr liegt der Frohsinn der Menschen zugrunde, während die geheimnisvollen Klänge morgenländischer Tanzweisen religiösen und philosophischen Gedanken zum Symbol dienen. Ursprünglich! waren es Tanzlieder, in denen der Bursche sein Mädchen auffordert, mit ihm den Reigen zu springen, nach denen die alten Tänze aufgeführt wurden. Jedes Volk brachte die ihm eigentümliche Form auch in diesen Musikstücken zum Ausdruck: Die würdige spanische Sarabande, die graziösen französischen Gavotten, Couranten, Gignen, die italienischen Paduanen, Gagliarden und Ciaconnen, und endlich die deutschen Ringelreihen und die Springtänze spiegeln uns die einzelnen Dolkscharak- tere in der Verschiedenheit von Rhythmus und Stimm- führung in anschaulichster Weise wieder, Die fahrenden Mufi- fanten verbreiteten im Laufe der Zeit diese gesungenen Lieder, so daß ihre Melodien wohl schon vor dem 16. Jahrhundert nur von Instrumenten ohne Gesang gespielt worden sind. Im 16. Jahrhundert wurden die Tänze dann kunstgerecht und mehrstimmig behandelt; aus dieser Zeit sind uns eine ganze Anzahl von gedruckten Sammlungen erhalten. Nun begann man auch, eine Anzahl verschiedener Weisen zu zyklischen Formen zu vereinigen, in denen die Einheit der Tonart das Bindemittel bildete; die so entstandene Partita oder Suite erfreute sich großer Beliebtheit, und wurde besonders um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts lebhaft kultiviert. Es ist also kein Wunder, daß sich auch große Komponisten ihrer annehmen und diese Musikgattung bald zu außerordentlicher Vollkommenheit zu erheben wußten, wie z. B. Johann Sebastian Bach, dessen Suiten noch häufig genug auf den Programmen unserer Konzerte zu finden sind. Allerdings setzt schon in dieser Zeit eine gewisse Zwiespältigkeit der Tanzmusik ein, die von da an bestehen bleiben sollte, nämlich die Trennung in echte, zum Tanzen bestimmte Musik und solche, die eine Tanzform nur zum Vorwand des musikalisches Ausdruckes nimmt. Es ist ohne weiteres verständlich, daß die „Tanzmusik" gerade der hervorragendsten Komponisten, wie etwa die erwähnten Suiten 'Bachs, zu der letzteren Art gehört. Die alten Tanzformen gerieten im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts in BergessenhÄt; während der Rokokozeit herrscht das Menuett, dessen % Satt nun zu dem Tanz übe-leitete, der ein Jahrhundert lang der beliebteste, der König aller Tänze bleiben sollte: zum Walzer. Kein anderer Tanz hat die Komponisten aller Grade so gelockt wie der Walzer; und fein anderer Tanz ist so geeignet gewesen — von den modernen Schöpfungen abgesehen, in immer neuer Mannigfaltigkeit der Form, in immer gesteigerter Ausdrucksmöglichkeit sowohl zum Tanzen sortzu- reißen, wie auch als Konzertstück alle Minen blendender Technik springen zu lassen, oder als schlichtester Ausdruck tiefempfundenen Heimatgefühles die Klänge des Volksliedes in einfachster, jedem zugänglicher Art wieder aufleben zu lassen. Mr jede der erwähnten Walzergattungen finden wir in der Musikliteratur unzählige Beispiele; einige wenige mögen hier als kleine Auslese geboten werden. Aus Schuberts Walzern — die leider zum Teil durch die kitschige Widerwärtigkeit eines bekannten Operettenmachwerkes in süßlichste Verlogenheit herabgezogen worden sind — spricht die sehnsüchtige Liebe zum eigenen Lande in den weichen, leise wiegenden Ländlerweisen mit ihren teils schwermütigen, teils feurigen und übermütigen Themen, die immer in je zwei viertaktige Phrasen gebannt sind; die schönsten Einfälle Schubertscher Melodik finden sich in den ergreifenden Klängen dieser Tänze. Sie find in ihrer Einfachheit und Natürlichkeit weit entfernt von der schwebenden, blassen und zarten Durchsichtigkeit der — bis auf wenige Ausnahmen — schemenhaften Walzergebilde Chopins, die, gleichsam nur mit den Fingerspitzen anzufassen, die Wesenlosigkeit unheimlicher Spukgestalten, wie sie uns in G, T. A. Hoffmanns Erzählungen begegnen, zu besitzen scheinen. Der Erde näher stehen die Mazurken desselben Meisters, der in ihnen fein polnisches Nationalgefühl verströmen läßt, und eine den Walzern fremde Leidenschaftlichkeit in ihre energischen Rhythmen zu gießen weift: auch die prunkvollen und bravourösen Polonaisen, — vor allem die große in As®ur stehende —, zeigen eine größere Geste des Komponisten, als wir sonst in seinen Werken zu treffen gewohnt sind, so daß hier die Kraft des ursprünglichen Volkstanzes die müde Feinheit seines Schaffens mit heißerem Atem durchweht, und glänzende Klänge ans Bern Instrument zaubert, wie sie später Liszt aus den technischen Feuerwerken feiner Klavierstücke in noch! verblüffenderer Weise aufsteigen läßt. Er hat sich z D des Walzers bedient, um die charakteristischen Merkmale Mephistos musikalisch zu schildern; natürlich fann «n solches Musikstück von dem eigentlichen Tanz, außer dem -zoftart, nur noch Ben Namen haben. Waren dies alles Beispiele für die sozusagen angewandte Tanzmusik, so ruft ein Name die Erinnerung an das wirkliche Tanzen, an strahlende Balle und Festlichkeiten wach: Der Wiener Walzer mit seinen Helden Lanner und — vor alten anderen Der FLHrmrmn von Niederhausen» Bon Heinrich Bechtvlsheimer. (Fortsetzung.) Peter Wenzel und seine Familienmitglieder konnte» sich gar nicht genug tun, um Michel zu vergelten, was er in einer gefahrvollen Stunde gewagt hatte. Die Familie war wohlhabend, daA sah man, wenn man durch Haus und Hof ging. .Alle Gebäude? waren in gutem Stand, kein Gartenzaun wies eine Lücke auf, es fehlte in Scheuer und Schuppen kein Nagel. Der Sheicher war, obwohl man mit dem Dreschen noch nicht fertig war, mit Frucht gefüllt, daß man fürchten mußte, die Decke würde durchbrechen, Wenzel konnte sich noch nicht entschließen, etwas von seine« Frucht zu verkaufen, obwohl die Handelsleute ihm das Haus einliefen. Er sagte stets? „Man kann nicht wissen, wie die Zeiten sich gestalten, kommt eine schlechte Ernte, oder kommt der Krieg in unser Land, so kann ich mit dem Geld, das ich erlöst Habs, kein Brot backen. Der Keller war ganz mit Wein gefüllt, nebeneinander lagen die großen Stückfässer, In dem Raum, der sich neben dem Weinkeller hinzog, waren Kartoffeln, Rüben. Kvauthäupter ausgestellt. und ein großer Ständer war mit gesalzenem Schweinefleisch gefüllt. en Einbuchtmrgen des Felsens Lmporgekommeüi. j ™nnte er nicht mehr vorwärts und nickt mebr rückwärts | stteg ihm nach und rettete ihn. Am Fuße des I mvtenfelses srnd Weinberge, oft von geringem Flächeninhalte, I Melegsi zwischen den Felsen und dem Musse ist nicht viel I Hechts tauchte die damals sehr zerfallene Ebernburg auf. I erschienen die Salmen des damals sehr kleinen Dorfes | --llunster am Stein. Wieder türmte sich eine gewaltige Fels- I «Z. Ahe-Ngrafenstsin, auf dessen Spitze einst das i wtammschloß der Rheingrafen gestanden hat, Im engen Tale I ^"^.Uch der Weg um die Felsvorprünge und Waldecken, bis I „er Schlktt«! in Kreuznach angekommen war. Run mußte er I ton9'at*L fahren, denn die Straßen waren belebt. Ueber die I twrch die Mannheimer Straße ging die Fahrt, I Schlitten auf der Hochstraße vor dem Gasthause zum I „Adler" hielt. I » zwei Jahren war dieses Gasthaus eröffnet worden, I l.a3i_an ber Straße, die vom Rhein ntach dem Hunsrück I & „ • und im Gastzimmer herrschte ein lebhaftes Ge- I orange. Weinhändler, Weingutsbesitzer. Winzer, auch viele Neu- I st'erige waren gekommen: denn Eduard Falk besaß viele Wingerte I tn pen besten Lagen, Von Bingen, von Mainz, sogar von Trier ! und Koblenz waren die Weinhändler und Besitzer großer Gafb- | Erschienen. Sie waren zumeist stattliche Männer, die die Geldtasche umhangen hatten. Da gab es lebhafte und laute Be- j grußungen und viel Händeschütteln, auch manch ein derbes I ?^erzwort flog von dem einen zum anderen. Ges-chäftig eilten i die Maller hin und her, | , oaake. der hinten im Hofe lag wareir die Weinproben i Msestellt. Auf langen Tischen standen die Maschen mit den I Etiketten, kleine Gläser standen davor. Wohl alle Weine der | 5*Fe^a, Gemarkung waren hier vertreten: Kauzenberger Hinkelsteiner, Hassnrecher, Galgenberger, Auch in der Nachbarschaft besaß Falk Weinberge, er ließ Schloßböckelheimer, N«- I Avtenfelser, Monzinger, Martinsteiner, Bosenheimer und Wmzenhermer ausbieten. Um die Tische faßen und standen die Kauflustigen. Es war drollig, ihre Mienen und Bewegungen bei der Probe zu beobachten, wie sie den Kopf zurückbogen mrt der Zunge schnalzten, die Augen verdrehten, bis der Notar mit seinem Hammer aufschlug und die Versteigerung eröffnete. Christine wollte in der Stadt einiges eintaufen, Michel ging ! "slt ihr, um die Sachen zu tragen. Die Mutter brauchte Kochtopfe, fte wurden bei dem Kaufmann Winkler erstanden, der da wohnte, wo der Zwingel auf die Mannheimer Straße ein» Eridet. Christine hatte etn neues, schwarzes Rachtmablslleid nötig. Gefällig legte ihr, während Michel auf der Straße toar» tete. der Kaufmann Wohlleben die verschiedenen Stoffe vor Pries deren Güte und Haltbarkeit, bis der passende Stoff aeiun- Sattler Kuhn kaufte Michel für seinen Herrn eme Peiyche. dte er auf der Straße mit lautem Knallen pro° bterte. Dann war noch frei dem Kvlonialwarenhändler Klingen- schmtdt allerhand zu kaufen, was man in Niederhaufen nicht he- kommen konnte» r, ,®° wanderten die jungen Leute selbander straßauf straßab schoben sich durch dte Menschenmenge, die sich — es war Markt- ~ namentlich auf der Mannheimer Straße anqefammell hatte, sahen die Schaufenster, die sehr bescheiden ausgestattet waren, an. Den letzten Einkauf machten sie be Heinrich Kaufe mann. Christine hatte Garn und Schnur, ein Halstuch für die Dtenstmagd und Tabak für den Vater einzuhandeln. Der Jn- haber des Gefchasies, ein Mann im Anfang der vierziger Jahre LL^lbst da« Mädchen, rieb sich die Hände, war wfe ünL Mündlich und sprach nach feiner Gewohnheit in Reimen Er ^''"i- Christme, chatte nut ihrem Vater schon »ft zu tun gehabt. •Xftefe fagtebUer bt9m Halstücher auf dem Ladentisch au«- ü®af ^ch^s'. rot, grün und blau. oie schmücken das Mädchen und zieren die Frau." Michel der mit eingetreten war, rieb sich die kali geworden«, Ohren, da sagte der Geschäftsmann und Dichter^ ,I!ut der Wind am Lemberg sausen Frierts die Leute zu Niederhausen " (Fortsetzung folgt.»