Gießener Zamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang <925 Dienstag, -en 20. Oktober Nummer 8< Herbstentfchluh. Bon Nikolaus Lenau. Lrübe Wolken. Herbstesluft, einsam wandl' ich meine Straßen, welkes Laub, kein Bogel ruft — ach, wie stille! wie verlassenk Dodeskühl der Winter naht: wo sind, Wälder, eure Wonnen? Fluren, eurer vollen Saat goldene Wellen sind verronnen! Es ist worden kühl und spät, Bebel auf der Wiese weidet, durch die öden Haine weht Heimweh: — alles flieht und scheidet. Herz, vernimmst du diesen Klang von den felsentstürzten Bächen? Zeit gewesen wär' es lang', daß wir ernsthaft uns b^prechen! Herz, du hast dir selber oft wehgetan und hast es andern, weil du hast geliebt, gehofft: nun ist's aus, wir müssen wandern! Auf die Aeise will ich fest ein dich schließen und verwahren, draußen mag ein linder West oder Sturm vorüberfahren: daß wir unfern letzten Gang schweigsam wandeln und alleine, daß auf unfern Gvabeshang niemand als der Regen weine! Deutsche Herbstlieder. Bon Dr. Paul Landau. Während der Frühling die Gunst der Poeten von je her im reichsten Maße genossen hat und di« holde Eintracht oder der grimme Zwiespalt von Lenz und Liebe den Stoff zu unzähligen Gedichten lieferten, ist der Herbst für lange Zeit das Stiefkind unserer Lyrik gewesen. Erst ganz allmählich hat man die Reize und Schönheiten dieses „reichlichen Herbstes", wie ihn Goethe in der Elegie „Euptzrosyne" nennt, zu erfassen gewußt, bis dann Zeiten kamen, die gerade in diesem verklärten, in allen Kräften gesteigerten Abschied des Sommers den Seelensround fanden, sich magisch hingezogen fühlten zu den Monden der Ernte und des Sterbens. Eine interessante Entwicklung »,md Entfaltung des Baturgefühls läßt sich so in der Auffassung des Herbstes bei unseren deutschen Dichtern verfolgen. Aus dem Widerspruch gegen den poetischen Preis des „minniglichen Frühlings" sind die ersten Herbstlieder entstanden. Als der Minnesang Maien- und Lenzesfveude bis zum äleberdruß in idealen Schwärmereien gefeiert hatte, regte sich der Widerspruchsgeist in derb realistischen Schilderungen und man sing an, recht zum Trotz den Herbst zu loben, 3n Streitgedichten wurden Herbst und Mai einander gegenübergestellt und der Vergleich fiel nicht mehr, wie stets der des Winters mit dem Sommer, ganz zu Gunsten der „schönen Jahreszeit" aus. Ein begeisterter Lob- redner erstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts dem verachteten „Herbest" in dem thurgauischen Minnesänger Stein- mar, der „als sei» Helfer aufersteht gegen den glänzenden Macen. Sein Baturempfinden ist freilich recht materieller Art. Der Herbst ist ihm ein reichlich austeilender Gastgeber, der ihm Wein m Strömen in den Schlund gießen und eine große Gans an den Spieß geben soll, die ihm nicht in der Kehle stecken blerben wird, dazu Fische, mehr denn zehnerlei, und einen guten Schweinebraten. „Herbst, mein Trautgeselle, nimm mich zu deinem Ingesinde an , so ruft er aus. Auch anderen Sängern ist diese nahrhafte Jahreszeit die „wahre Grundfeste" menschlicher Freuden, die Besseres bietet als Vogelsang und Dlumenwonne des Frühlings. „Wünschet, daß uns nach so lichtem Maien reiche Herbsteswonne komme! Kann doch niemand auf die Dauer froh sein ohne Speise, Pfaffe nicht nvch Laie", dichtet der Herr von Bubenburg. Aus welcher Tonart ein dem Rei th art fälschlich zugeschriebenes Herbstlied gesungen ist, zeigt schon sein Bame an: „Beitharts Fresserei". Würste und Schinken werden als die „Blumen des Herbstes" gepriesen. Doch auch die schöne Freiheit des Erntelebens tritt hervor in dem Gesang des Mädchens. das wacker beim Mähen und Einfahren gearbeitet hat und dem ein Reigen aus dem Stoppelfeld im fröhlichen Wind die schönste Freude ist: ein Kranz von Stroh ist ihr lieber als eine Krone von Rosen, wenn sie sich frisch herumtummeln darf. Ein heller, heiterer Ton, in dem auch schon das Hifthorn des Jäger« erschallt, klingt durch die Erntelieder des Schenken von Winter- stetten und Burkarts von Hohenfels. Die deutsche Renaissance wählt sich dann den Herbst zur Lieblingszeit. Fifchart besingt den fruchtbaren, mit Weinlaub bekränzten Autumus, der seinen Verehrern Obst und Trauben in Fülle reicht: im bacchantischen Jubelton läßt Weck Herl in seine feurigen Oden auf den Wein hinströmen, in denen etwa» von der satten Pracht und der üppigen Reife Rubenscher Bilder strahlt. Schäumender Äeberschwung, berauschte Lust toben in den Weinliedern von Moscherosch und Schirmer, denen sich der ziervollere, mit feiner Zunge kostende Hosmannswal- dau anschließt. Schwüle Herbststimmungen, in denen überreiche Früchte mit dem bunt fahlen Schimmer des Laubes zu einem Abbild der Vergänglichkeit sich einen tauchen öfter bei den Schlesiern auf, werden bei Günther zu einer tragisch leidenschaftlichen Todesverzückung gesteigert. Im Kirchenlied wird der Herbst christlich-geistlich umgedeutet. Im Schwärmen der Dienen, im Reifen des Korns erkennt Paul Gerhardt dankbar Gottes Güte: die Königsberger Gichter, Simon Dach und Heinrich Albert, werden durch das Vergehen und Verlöschen der Batur melancholisch-andächtig gestimmt: Der rauhe Herbst kommt wieder: Jetzt stimm' ich meine Lieder in einen Trauerton. Die Sommerluft vergehet: Nichts in der Welt bestehet: der Mensch muß selbst davon. Dies Hinsterben und Welken in der Batur, das bei den Königsbergern fromme Gedanken auslöst, erweckt bei den preziösen. zartgestimmten Pegnitz-Schäfern eine gewisse Sympathie, ein erstes leises Gefühl für die krankhafte, reiche Schönheit dieser Landschaft. Harsdürffer ahnt schon die Melancholie dieser zerflatternden Blätter, dieser fallenden Früchte imb bereitet auf Brockes vor, auf den feinen Aaturschilderer und Gartenfreund, den der herbstliche Abschiedsschmuck der Batrrr in seinem berückenden Glanz umfängt und in genießendem Schauen auf den Schöpfer all dieses Schönen hinweist: Da ich im Herbst, in der Allee, in abgefallenen Blättern gehe, die, in gefärbter Zierlichkeit, als wären sie mit Fleiß gestreut, die dunkel-braunen Steige zieren, so daß sie durch die bunte Pracht zu dessen Ruhm, der alles macht, mich inniglich gerühret, führen: Leucht mich, daß auch da sie vergehen durch ihrer Farbe^untes Gläntzen, wodurch sie Steig' und Beeten kräntzen, die Blätter ihren Herrn erhöhen. Die Aokokopoesie hat solche blaß vergilbte, träumerisch zarte Landschaftsbildchen nachgezeichnet. Aber als den schwärmenden Jünglingen eine realistischphiliströse Poesie folgt, kehrt sie zu den realeren Reizen des Herbstes zurück. Christian Felix Weiße nennt „schöner als den Lenz" die Zeit, da „der Aehren Gold aus dem Boden steigt und, unserer süßen Arbeit hold, sich dankbar vor uns neigt". Claudius besingt Wein u*rt> Ernte, Voß das „Klipp und Klapp" der Dreschflegel und „d>- schön geerbten Knollen, weiß und rot und dick geschwollen", die Kartoffeln, die die Kinder mit Gesang einsammeln. Aus solch prosaisch enger,' gemütlich biederer Betrachtung erlöste Goethe den Herbst, indem er den rein ästhetischn Genuß der Batur in seinem Gedicht „Herbstgefützl" einen für immer klassischen Ausdruck gab. Die strotzende Fruchtbarkeit, die schwellende, quellende Reife, der wärmende Scheideblick der Mutter Sonne, des Meeides Zauberhauch und d«s süße Wehen eine» mildklaren Himmels — als das ist in sinnlich kraftvollen, üppig gerundeten Worten und Rhythmen wundervoll ausgedrückt. Je weiter freilich der Herbst sich zum Winter neigte, desto frösteln- der und geisterhafter schien dem nach südlicher Sowie durstigen Olympier das Land: „Das Jahr Hingt ab; der Wind geht über die Stoppeln und findet nichts mehr zu bewegen: inrr die roten 334 — Beeren jener schlanken Blume scheinen uns noch an 5cn_6onnner erinnern zu wollen: so wie uns der Taktschlag des Dreschers den Gedanken erweckt, dah in der abgesichelten Aehre so viel Bahrendes und Lebendiges verborgen liegt, Goethes cherbstgefuht haben Mörike und Ah land ausgenommen als jene „ Seiet fter QTatur“, da sie sich in süßer Stille sammelt und in ihre eigene Tiefe schaut, da „die gedämpfte Welt herbstkräftig int warmen Golde flieht, Mörikes herrliche „Herbstfeier" läßt voll und rein den Ton echt antiker Sättigung und Wollust in der 2katur verklingen, den auch Hölderlin in seinem gleichnamigen Gedichte schwächer und zarter anfchlägt. Ader bei Hölderlin ist auch schvn ein dunkleres, echt romantisches Herbstempfinden zu erkennen. Ein Bruder des Frühlings ist seinem Hhperion der Herbst, aber ein blässerer, ernsterer Bruder „voll milden Feuers, eins Festzeit für die Erinnerung an Leiden und vergangene Freuden der Liebe". Ein wehmütiges Versinken in die Vergangenheiten, die in den lichtklaren Somiennebel vorüberziehen, überkommt auch Jean Paul und Matthissen empfindet in einer Herbstmondnacht alle Wonne und alle Schauer der Schwermut. Novalis und Brentano entzücken sich an dem schwülen berauschenden Hauch des Vergehens, der aus der herbstlichen Natur strömt. Lenau ist aber wohl der erste, der sein eigenes zerrissenes hinwelkendes Ich in der Herbstnatur wiederfindet. Mit der ganzen Kraft seiner naturbeseelenden Phantasie hat er in dem Zyklus „Herbst" die Sterbetrauer geschildert, das matte Niedertaumeln der Blätter, den im Gesträuch schaurig klagenden Wind, das Stöhnen und Seufzen der welken Haine. Der Herbst durchweht ihn tremiungsschaurig; sein Herz träumt dem Tod entgegen: „Auch mir ist Herbst, und leiser trag ich den Berg hinab mein Bindel dürrer Reiser, die mir das Leben gab." Die gleiche trübe Melodie spielt Heine im Austlang seines „Neuen Frühlings", wo die Spätherbstnebel und die gespenstisch kahlen Bäume ihm den Wehruf entprefsen: „Ach mein Herz gleicht dieser Wildnis!" Anterdessen war aber ein ganz anderer, heiterer, abgeklärter Herbstdichter auf den Plan getreten: Friedrich Rückert. Ihm, dem Dichter des „geruhigen Lebens", des abgeklärt reifen Alters, „gefällt der Herbst, der klare", gefällt die milde Herbslsonne, gefällt die gemäßigte „Herbstfreiheit". Er ist nicht müde geworden, die Herbstsarben, Gold und Purpur, die Herbstblumen, Kornblumen, Georginen und Astern, den Schmetterling im Herbst zu besingen. Der „Septembermai", der „Herbstfrühling" ist ihm die schönere Verheißung und zugleich die Erfüllung des Lenzes. Voll Tiefsinn sind Hebbels schöne Herbstlieder, die eine stille Verehrung des Ewigen und Vergänglichen in der Natur atmen. Gottfried Keller belebt sich die Herbstlandschaft mit einer grauen Nebelgestalt, dem Geist verschollener Ahnen, dem Genossen seines Blutes, der ihm die Hand reicht und auch ihn dereinst mitziehen wird in die Erde, die stets neue Keime empfangen muß, mm stets neue Früchte zu reifen. Storm und Liliencron lieben ihre nordische Heide besonders im herbstlichen Nebelduft. Herrliche Herbstgedichte haben Martin Greif und Ferdinand von Saar geschaffen; der erstere mitweinend in dem Wehelied und Älagelaut der Natur, der andere die Ruhe der tiefen Erfüllung verspürend: „Der du die Wälder färbst, sonniger, milder Herbst, schöner als Rosenblühn dünkt mir dein sanftes Glühn." So haben die Dichter der Vergangeicheit alle Lust und alles Leid des Herbstes ausgekostet. Aber die innigste Beziehung zu dieser Jahreszeit, das feinste Verständnis für ihr zartes, krankhaft erregtes Sterben in Schönheit gewannen erst die modernen Poeten. All ihre Müdigkeit, all ihre Aeberfeinerung der Sinne saben die Symbolisten und Dekadenten im Herbst ausgedrückt. Nietzsche fühlt in feinem ergreifenden Herbstlied, daß ihm die welke Welt, der eisiger Schauer die Purpurwange deckt, das Herz bricht. In seinem „Jahr der Seele" verliert sich S t e f a n George, um die müde und reine Stille seiner „herbstlichen Gedichte", Hofmannsthal beschwört, die üppigen Gluten der erntereichen Gefilde. Ein melancholischer Gefährte und gleichfühlender Bruder, ein Abbild dunkelgärender Kräfte und geheimer Lebensmatt'Aeit, der Inbegriff aller zwiespältigen und ahnungsreichen Empfindungen ist der Herbst den Dichtexn unserer Tage. '' Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen als Einlagskaiser. Von Dr. Wilhelm Dersch*). ' In der Goldnen Bulle (1356) war Frankfurt gesetzlich als Wahlort des Reiches bestimmt worden. Auch schon vorher hatten die Fürsten hier ihren König gewählt, wie Friedrich Barbarossa, •) Vgl. Paul Kalkosf. Die Kaiserwahl Friedrichs IV. und Karls V. (am 27. und 28. Juni 1519). Weimar, Herrn. Doehlau, 1925 Ludwig den Bayern, Günther von Schwarzburg. Aber von all diesen und den in der Folgezeit vorgenommenen Kaiserwahlen ist vielleicht keine so folgenreich und weltgeschichtlich bedeutsam gewesen wie die Wähl König Karls I. von Spanien am 28. Juni 1519 und die ihr vorausgehende Kurfürst Friedrichs des Weisen von Sachsen, der jedoch nach wenigen Stunden abdankte. Dieses Eintagskaisertum ist erst neuerdings von Paul Kalkosf richtig erkannt und gewürdigt worden. Die Nachfolge Maximilians !. drohte dem französischen König Franz I. zuzufallen. Gegenüber diesen Ansprüchen unterlreßeir die deutschen Fürsten eine nationale Einheitsfront entgegenzustemmen. Die westdeutschen Kurfürsten, namentlich ^.rier und Köln, neigten zu Frankreich Kurfürst Joachim I. und fern Brno er Kardinal Albrecht in Mainz hatten sich schon früher für Franz I. eingesetzt. Albrecht tat es allerdings nur heimlich, so daß seine unaufrichtige Politik eine stete Gefahr für jede nationale Regung mar. Für Joachim kamen vorwiegend dynastische Beweggrunds in Frage. Seitdem die Franzosen Mailand in derL W*?"' war der Papst ein scharfer Gegner der fraiizosischen Macht- ansprüche, wie auf der anderen Seite der Pfalzer Kurfürst, als geschworener Feind der Habsburger, Frankreich unterstützte. Nächst den Franzosen war Maximilians Enkel, der neunzehn- jährige König Karl von Spanien und Neapel, dm zugleich die burgundischen und österreichischen Erblande beherrschte, der aus- sichtsreichste Anwärter. Die habsburgische Legende von dem edlen deutschen Blut" Karls von Geiit und viele Tausende von Goldguldeii begleiteten den längst vorbereiteten EiiVruch der spanisch-burgundischen Macht in das Deutsche Reich. Der Papf. dem dar Spanier in Neapel auf dem Hals fast, konnte diesen linmöalick als künftigen Kaiser wünschen. Sein Kandidat war Friedrich der Weise von Sachsen, der ^eichsvmweser, trotz dessen Eintreten für Martin Luther, hatte doch dm Papst sogar gehofft, L SL^L'ech VHSs^cmb^ Fnedrsth ff .Ä'‘S«S ä»? SSÄ uni> als Wahrer der Reichsverfassung v'arme Ziistimmung i weiten Kreisen der deutschen Fürsten erworbew Er allein beton die „freie Wahl" und lieh sich von niemand beeinflussen. Anter dem Vorwand, die Wahlfreiheit der Kurfürstenzu irfcühen wurde in Süddeutschland eine sog. »Defsnswarrnee _ Örel gehalten. Die Truppen des Sch<^bifchen Bundes waten dattir »ttr Verfügung. Als Helfer wurde Franz von vaclingen verpflichtet, der mit feinen Banden jederzeit schlagfer tg • Ser durch spanisches Geld gewonnen malen, uT die Wahl vorzunehmen, lenken stch die^Trichpen in willen,' falls ®Tien DergewaMgmig durchs för kste WM einI Dritten" einzutreten. Wie unzuverlässig Albrecht roar, geht schon aus seinem Verhalten gegenüber Ben ZMWWMM diese auf jede Gewalttätigkeit gefaßt fern mußten. Am 27. Juni sollte die Wahl, frührnorgeiisin.bei: .Wg »eit Ratten die Bürger der Stadt für den Schutz M xutinw fS Zu diesem Zwecke mutzte Sturm gelautet werden, vamit ieder auf feinem Posten fein konnte. Dies geschah aber E 27 Juw nicht Nach der Messe zogen sich jbte Kurfürsten in hie Wahllarnmer zurück und imMten dort E der englische Gesandte berichtet und Erasmus überliefert, einhellig Fireo Ach den Weismi zum deutschen Kaiser. also für sich gestimmt haben, was nach d^^^hlvorschtiften durchaus möglich war. Kaum war dies geschchen als m't spanischem Gelde gekaufte Mainzer Domdechant Lorenz Truchseß von Pommersfelden eine letzte Drohung an die ^urfu^en rietete. Die soeben staatsrechtlich in aller Form vollzogene WM wurde nicht vom Lettner des Domes, wie es hatte geschehen sollen dem wartenden Volke verkündet. Die Kurfürsten zogen in ihre ~ 335 — Herbergen zurück, der gewählte Kaiser ms sranziskanerSoste^' ®o er abgestiegen war. Da zog Kurfürst Ludwig von der Pfalz seine Stimme zurück aus Angst vor einem Äebersall k^r Detter Säckinaens. Mm folgten die anderen; nur Joachim blieb fest. Tags darauf wurde nochmals gewählt unter Wahrung otto Förmlichkeiten, die das Gesetz verlangte. Diesmal fiel die WM ans Karl von Spanien. Auch Friedrich der Weise hatte sich durch feinen spanisch gesinnter! Rat, den GrMn Philipp von Solms, einreden lassen, daß er nicht die Machtmittel für das ihm angetragene Amt besitze. Andere hielten gau den Fünfziger für zu alt. Ain 29. Juni, ein Tag nach der Wahl, Karls, siegte Herzog Heinrich auf der Soltauer Heide über seine spanischen ©eflner. Wäre dieser Sieg, der den Entsatz Frankfurts zur Folge hätte haben könnene, einige Tage vor dem Wahltag erkämpft morden, hätten die Kurfürsten sicher an ihrer ersten Entscheidung Schon' Ranke spricht, als er die Möglichkeiten einer Wahl Friedrichs von Sachsen erwähnt, von den „großartigsten Aussichten für die Geschichte der Ration". Berechtigte Hoffnungen dürfte allerdings das deutsche Volk auf den Wettiner setzen, der gerade den Ausstieg Luthers begünstigte. Mißtrauen muhte es jedoch dein welschen Karl, dem Enkel Maximilians, entgegenbringen. Habsburg hat 1519 durch einen unerhörten Wahlschacher den Kaiserthron behauptet — nicht zum Besten der Ration. Die Geschichte der Folgezeit hat gezeigt, daß die Habsburger nicht immer das Wohl des Reiches gewahrt haben, von dieser Schicksalswahl Karls V. an bis zum letzten Kaiser Karl im großen Weltkrieg. 3 An der Grenze der Jugend. Don Hermann Stehr. Ein schwerer Schritt, der von der Jugend scheidet! Denn, wer ihn tun muß, läßt sich selbst zurück. Es werden anders in uns Schmerz und Glück, noch eh die schöne Zeit für stets uns meidet. Ein andres Herz erwacht, das anders leidet. Das alte Lieben flieht uns Stück um Stück und ratlos stehn wir, einen Augenblick von allen unfern Hoffnungen entkleidet. Da ist verloren, wer dem leisen Laut nicht seiner eignen Seele dann, vertraut. An ihrem ewigen Gesichte gleiten vorbei wie Schatten unsers Lebens Zeiten. Durch sie alleine kann man sicher finden das Dauernde im irdischen Derschwinden. Die Richterin. Don Conrad Ferdinand Meyer. (Fortsetzung.) Ein ehrlicher Handel", beteuerte dieser und öffnete den Sack," während das Mädchen die Mutter stürmisch umarmte. .Ich kaufe den Bruder!" rief sie. „Er ist in Me Gewalt des Witigis geraten, der auf ihn zielt, bis ich der Frau Herzogin — das unschuldige Kind erhob die blonde Rosmunde in den Ehestand — „meinen Schmuck gegeben habe, und wie gerne gebe ich ihn!" Die Richterin machte sich von ihr los und fragte Rachis: „Ist das wahr?" „Bei meinem Halse, Herrin!" „Ich würde dir nicht glauben, wüßte ich nicht, daß der Höf" ling Wulfrin dem Kaiser vvranreitet, und hätte ich mch» selbst eben jetzt in Cur gehört, daß die Lombarden einen Höfling gefangen haben. Dennoch kann es eine Lüge sein, denn es rst kaum glaublich, daß ein Tischgenosse Karls dem Feinde seinen Ramen nennt und zu einem Mädchen um Losung sendet. „Rein, nein, Mutter, so war es nicht!" rief Palma und erzählte den Dorgang. „Ein eitles Weib, dem ein Leben seil ist für einen Schnuck, das hat mehr Sinn", meinte die Richerin. Sie schien zu übw- legen. Dann warf sie einen Blick auf das Geschmeide. „Ich will den Höfling mit Byzantinern lösen", sagte sie. „Das steht nicht in meinem Auftrag unb würde der Rosmunde schlecht gefallen." „Dann tue ich es nicht." Auch gut", grinste Rachis. „So lässest du eben den Wulfrin umkommen. Du magst deine Gründe haben. Ganz wie du willst." „Das willst du nicht, Mutter!" jammerte Palma und stürzte aus die Knie. „Rein, das will ich nich", sprach die Richterstn mit nachdenklichen Dräuen. „Warum auch? Rnmn daS Zeugs und Rachis war weg. DaS jubelnde Mädchen fiel der Mutter um den Hals »md bedeckte den strengen Mund mit dankbaren Küssen. Dann raubte sie ihr den kriegerischen Helm so ungestüm, daß die Flehen des schwarzen Haares sich lösten und. niederrollond dem entschlossenen Haupte der Richterin einen jugendlichen und leidenden Wis- druck gaben. Die nicht enden wollende Freude Palmas ermüdete endlich die Richterin. „Geh schlafen, Kind", sagte sie, „es dunkelt. „Schlafen? Wer könnte das, bis Wulfrin ruft?" „Sa wirf dich wie du bist auf das Polster. Was gilts, ich finde dich schlummern? Zu Bette, Hühnchen! husch! husch! und sie klatschte in die Hände. Palma flog die Stiege hinauf und die Richterin.wendete sich zu Audio, ihrem Kastellan, der schon eine Welle ruhig harrend vor ihr stand. „Was meldest du?" fragte sie. „Eine Albernheit, Herrin. Ich sah die Tür zu unferm Kerker sperrangelweit offen. Freilich hatte ich sie nicht verriegelt da gerade nieniand sitzt. Ich steige hinab und auf dem Stroh liegt ein Geschöpf, das ich in der letzten Helle mir nur mühsam enträtsele. Es war die Faustine, welche, wie du dich erinnerst, mit deiner Erlaubnis ihr Kind die Brunetta einem Lombarden, einein leidlichen Manne, den du auf mein Fürwort unter deinem Gesinde duldetest, zum Weibe gegeben hat. Jetzt, da das fremde Volk wandert, hat auch ihr Kind sein Bündel geschnürt und das mutz sie irre gemacht haben. Sie hat sich eine Hand m den Kettenriag gezwängt und ist übrigens guten Allstes. „Weist^ Rudio", redete sie zu mir, „wetze dein Beil mn Schleif st« m und tue mir morgen nicht weher als recht ist. will ihr den Arm aus der Fessel ziehen „Welche Posse! sage ich „du bist ja die ehrliche Armut am Rocken undim Ruben- seld, die ihr Kind rechtschaffen grohgezogen hat. Hi^. ist nicht dein Ort. Mit deinesgleichen habe ich nichts zu tun. Sie sperrte sich und sagte: „Das weiht du nicht, Audio. Geh und rufe die Aichterin. Die wird das Garn schon abwickeln imo nur armen Weibe geben, was mir gehört." Sollte ich die ^vrm zerren. Dil steigst wohl hinab und bringst sie zurecht. Die Dichterin hieß Rudio eine Fackel.anbrennen und ihr vorschreiten. In dem tiefen Gelasse saß em gefesseltes Weib, das der Kastellan beleuchtete. Auf einen Wink ber £>errut steckte er den brennenden Span in den Glseiirmg und lieh die Frauen allein. Stemm« beugte sich über die freiwillig Cingekerlerte und befühlte ihr als geschickte Aerztin den Puls der freien Hand, welchen ober kein Fieber beschleuiMe. ,,Fausllne, sagte sie. „was ficht dich an? was ist über dich gskonmien? Dich verwirrt der Scknnerz. daß du dich von deinem Kinde trennen muhtet. Mllstdu^chr folgen? A ist es Zeit. Ich. gel^ dich frei. Du bist nicht länger meine Eigene. Der Kaiser wird den Lombarden feste Sitze weisen und du bchältst deine Brunetta. Faustine schlittelte das HLupt ,Das fehlte noch" sagte sie. „daß ich mich an die Sohlen der Drunetta heftete und auch ihr zum Fluche würde! Aichterin Stenuna, nimm mir das ab! Sie wies auf ihren Kopf. „Du weißt ja wohl und langeher, daß ich meinen Mann ermordete." Mit ruhigem Blicke prüfte Stemma das grellbeleuchtete knochige Gesicht der gleichaltrigen Räterin. Dann lieh sw sich «ufeine Treppenstufe nieder und Faustine kroch zu ihren Knien, ohne diese zu berühren. Ihre Augen waren sagte sie, „du weiht alles und wenn du mich E Jahrzehntund länger gnädig verschont und meine Missetat bedeckt hast,, so war es, weil du nicht wolltest, daß die Brunetta, der unschuldige Wurm, zuschanden komme. Ich durfte sie aufziehen und diese Gunst hast du mir erwiesen, weil ich dem Gespiel gewesen bin. Seht aber, da die Brunetta einem Manne folgt, ist kein Grund langer zu trödeln und zu tanMn. Latz uns die Sache ms reine bringen. Gib mir mein Urteil!“ Die Richterin erkannte aus der ganzen Gebärde Fauftinens daß diese bei Sinnen sei, und so sehr sie das schlimme Geständnis überraschte, so wenig gab sie den furchtbaren Ruf chrer AU wissenheit preis. „Lege Bekenntnis ab, sagte sre streng. „Das ist der Anfang der Reue/' lind Faustine begann: „Kurz ist die Geschichte. 'Der Schütze Stenio umwarb mich — Den der Eber, welchen er gefehlt hatte, schleifte * und %erri^<< *— „Jener. Hernach gab mich der -2uLwx f«nem Reisig«! Lupülus zur Ehe. Ich bequemte mich — J* J«« inne, um das reine Ohr Skemmas nicht »» beleMgen^e RiM terin half ihr und sagte ernst und traurig. „Und doch wärest du das Weib des Toten." Faustine nickte. „Dann, vor dem Altar, plötzlich, zu meinem Entsetzen" — 4 Fühltest du, daß du dem Toten gehörtest, du und ein Un- gebornes", hals ihr die Richterin. Wieder nickte Faustine. „DaS ist alles, Herrin!', sagte ste Lupulus, jähzornig wie er war, hätte mich »mgebrachü DaS eingeborene <&er verhielt mir &en Mund und flüsterte mir Feindseliges gegen den Mann zu. „Genug", schloß Stemma. „Dur eines noch: woher hattest du das Gift?" " _ • „Siehst du, Herrin", rief das Weib, »M&u weißt, wie ich ihn tötetes Das Gift Hat mir Peregrin gezeigt. — 336 - Geruch. Sm Begriffe, den legen, besah sie noch feinen. , Frau Stemma wurden die Lider schwer und sie lieft fick c5Fn ®e^ fallen. Da sah sie ein Ding hinter ihrem Muhle hervo-ttommen, das langsam dem Lager ihres schlummern- Krndes zustrebte. Es floh wie ein dünner Rebel, durch welchen die GMenstände der Kammer sichtbar blieben, während das blühende Mächen in fester Bildung und mit kräftig armen-- dem LÄbe dalag. Die Erscheinung war die eines Jünglings, dem Gewände nach eines Klerikers, mit vorhangenden Locken. DaS ungewisse Wesen rutschte auf den Knien oder watete, dem Steinboden zutrotz, in einem Flusse. Stemma betrachtet« es ohne Grauen und sieh es gewähren, bis es die Hälfte des Weges Mruckgelegt hatte. Dann sagte sie freundlich: .Du, Peregrin! lan«e weggeblieben. Sch dachte, du hättest Ruhe ge- fundem Ohne den Kopf zu wenden und sich wieder um einen, Ruck vorwärts bringend, antwortet der Müde: .Sch danke dir mich leidest. Es ist ohnehin das letzte Mal. Sch werde zumchte. Aber noch zieht es mich zu meinem trauten Kindchen." (Fortsetzung folgt.) Sc&iiftlettung: Dr. Friede. Wilh. Lange. — Druck und Verlag der Brühsischen Aniv.-Buch- und Steindruckrrei. R. Lange. Dieben. « u"b der an unser Ende ist nicht lang. 5=Satittne t ergn^ bie Fackel und schritt die Stufen vorauf. Faustine folgte wie eine Seele in Pein. -wnL^Lm^Burgtor, das sich wie von selbst öffnet«, denn der tvahrgenommen, blickte die Richterrn rn die Rächt hinaus und sagte zu Faustinen- Lea« dre D^rhe ab und laß die scharfen Kiesel deine Sohlen zerreiß fc dunkeln W^ S* Oberin!« Weinend trat Faustine Frau Stemma hatte recht gesagt. Da sie die hochqeleaene Durgkammer betrat, schlief Palma. Reben ihren tiefen Atem- E" L^Em auf entern Dreifuß eine hütende Flamme. DaS Mädchen lag m chrem ganzen Gewände auf dem Polster, di« Hand über das Herz gelegt. Sie hatte das freudig pochende w°r daran ensschlummert. Die Mutter & Gebärde und konnte sich der Erinnerung nicht vtuJcyrcn. „Peregrin?" fragte die Richterin mit verhüllter Stimme. »Das ist nicht möglich", sagte sie. „Er zeigte es mir und warnte mich davor. Sch irrte verzweifelnd unter den Kiefern von Silvretta. Da sche ich ihn in seinem langen dunkeln Gewände, der sich bückt und Wurzeln gräbt. Blumen nickten mit braunen Glocken. Er ruft mich herbei und, eine dieser Blumen in der Hand, sagt er zu mir: „Frau, hüte dich und die Kinder vor diesem Gewächs! Sein Saft tötet außer in den Händen des Arztes." Er meinte es gut mit feinem warnenden Blick unter dem braunen Gelocke hervor und hauchte mir doch einen grimmig bösen Gedanken ein. Keine Schuld komme auf seine Seele! Doch ich rede töricht. Er ist ja längst ein Engel Gottes, seit er nach der großen Ebene wandernd im Gebirge unterging, wie sie sagen, und das war nicht lange nach jener Stunde. Dti erinnerst dich noch, der Judex, dein Baier, dem er die Wrmde heilte, hatte ihn abgelohnt, was dir unlieb war, da er dich als ein weiser Kleriker noch vieles hätte lehren können." „Schwatze nicht", gebot die Richterin, „und endige dein Bekenntnis. Am folgenden Tage bist du aus deiner Hütte nach Silvretta gegangen und hast die Wurzeln gegraben?" „Sa. Du rittest vorüber und ich duckte mich, dmnit du mich nicht erkennen möchtest, aber du wendetest dich zweimal im Sattel, und nun sei barmherzig, Herrin, und gib Mr mein Teil." Sie ließ den Kopf auf die Brust fallen, so daß ihr der üppige schwarze Haarwuchs über das Gesicht sank. Stemma sann, auf Faustinen niederblickend, und zog ihr ' mit zerstreuten Fingern einen langen Strohhalm aus dem Haar. „Faustine mein Gespiel", sagte sie endlich, „ich kann dich nicht richten." Die ganze Faustine geriet in Aufruhr. „Warum nicht?" schrie sie empört, „du mußt es, oder ich schreie, daß alle Mauern tönen: Sie hat ihren Mann umgebracht!" Stemma verhielt ihr den Mund. „Laß das Totengebein!" schalt sie, als drohe sie einem den verscharrten Knochen hervor- krahenden Hunde. „Sei barmherzig!" flehte Faustine, „laß mir das Haupt abschlagen, nachdem es Gott gekostet und fein Kreuz geküßt hat. Damr wächst es mir im Hinrmel wieder an und, Stenio rechts, Lupulus links, sitzen wir auf einer Bank und geben uns di« Hände. Danach verlangt mich", mrd sie streckte den Hals. „Sch kann dich nicht richten, Torin", sagte Stemma sanfter. „Aus drei Gründen nicht. Merk' auf! Als du deine Tat begingest, lebte und regierte noch der Sudex, mein Vater. Rach feinem Ende und dem des Comes, da ich das Richtschwert erbte, habe ich [aut verkündigt: „Ab ist j alles Geschehene! Bon nun an sündige keiner mehr!" Aber auch wenn ich dieses nicht hätte ausrufen lassen, könnte ich dennoch dich nicht richten rmd du gingest frei aus, denn seit deiner Tat sind fünfzehn völlige Sahre in das Land gegangen und hier ist uralter Brauch, daß Schuld verjährt in fünfzehn Jahren." „Verjährt? was ist das?" fragte Faustine verblüfft. „Durch die Wirkung der Zeit ihre Kraft verliert." Ein höhnisches Lachen lief blitzend über die weißen Zähne l &er Räterin. „Also zum Beispiel", sagte sie, „wenn ich gestern I noch meinen Mairn vergiftet hatte und über Rächt wird di« I 3eit völlig, so bin ich heute keine Mörderin mehr. Diese Dumm- I heit." „Doch, du bleibst eine Mörderin", belehrte sie Stemma lang» I mutig, „aber du hast mit dem irdischen Richter nichts mehr zu I schaffen, sondern nur noch mit dem himmlischen. Sühne durch j gute Werke! Du hast den Anfang gemacht: fünfzehn mühselige ! und rechtschaffene Jahre wiegen." „Richts wiegen sie!" zürnte Faustine. „Ich sehe schon, du | willst meiner schonen! Du heißest die Richterin, aber du bist die I Ungerechte, du machst Ausnahmen, du siehst die Person an!“ I „Schweige!" befahl die Richterin. „Ich bin deim doch klüger I ap du und ich sage dir: deine Sache ist nicht mehr richt bar. I Roch aus einem letzten Grunde. Ich kann dich nicht verdammen, I auch wenn ich dir den Gefallen tun wollte, denn es steht keine I Zunge gegen dich als deine törichte Zunge. Aber weistt du was: I «ehe nach Eur und beichte dem Bischof. Er ist der Hirt« und du I bist das Schäflein. Er mag dir die härteste Buß« auflegen: ! »asteii, schwere Dienste, härenes Hemde, blusige Geißelungen. I Fordere sie, ist er dir zu milde! Dann aber gib dich zufrieden! I .Unterwirf dich ganz der Kirche: sie vertritt dich und du hast I «ne sichere Sache!" Sie sagte das mit einem überzeugenden I Lächeln. | „ c °?ch weiß nicht", schluchzte Faustine, „Gott sei davor, I daß eine Missetäterin wie ich seiner heiligen Kirche nicht ge- horche. Aber anders wäre es einfacher gewesen. Geplagt hab« I ick» mich schon und im Schweiße meines Angesichts zerarbeitet fünfzehn Jahre lang mit dem Trost und Dorsatz, sobald mein xinö in sein Alter rmd an den Mann gekommen, stracks ht den I Himmel zu fahren. Setzt verrückst du mir die kurze Leiter und I vertrittst mir den Weg." I TÄ>e des Vaters und des Gatten und nach der I Palmas hatte die noch nicht zwanzigjährige Richterin ^,mte^Un9 ’$Tct mrk entschlossener Hand ergriffen. I jungen und schonen Weibe unter einem verwilderten, I JX&el von selbst entstehenden Freier und Feinde fte Fi“*!?..^ber ihre Sahre scharssinnigen Politik ver- Nech® nach mit den Waffen ihrer Lehensleute Z^E'bigt. Helm und Schwert und die gerechte Sache der mutigen D?n friedseligen Bischof Mix ht seinem feften Hose Cur mit wett ausgestreckten Händen gesegnet. Rach eimgen stürmischen Sohren war Stemmas Herrschaft befestigt und es trat eine große Stille ein. Jetzt rächte sich die überhetzte ,EtE"U berlor den Schlummer. Wenn sie nicht selbst H^,berscheuchte mit brennenden Leuchtern und endlosen Schritten! Richt weit von dem Lager ihres Kindes, auf einer schmalen Bank I tlefen Fensterwolbung faß st« damals oft mit verschlimg^ I ^men oder dann tonnte sie lange, fange mit zwei Fläsch- chen spielen, welche sie m der Mauer verwahrte, und die der SÄX (ÄIc*fer Peregrin auf Malmort zurück- t ’rI”^ 2>Drt Taimen zog, um spurlos im Gebirge zu verschwinden. Beide waren von starkem Kristall und hatten über Zapfen goldene Deckel, auf deren einem das Wort »Antidvtvn mit griechischen Lettern erngekritzt war, während jyt ^®L..?uöern «n winziges Schlängletn sich krümmte. Mit diesen Fläschchen zu Spielen bis der Tag anbrach, wurde Stemma b? ?EUi Bedürftig. Da geschah «s einmal, daß sie darüber «rmickte, und, als das Frühlichi sie weckte, das eine Fläschchen &aä uMeschrlevene, aus ihrer halbgeöffneten Hand verschwunden Kur- Sie geriet m entsetzliche Angst und suchte und suchte. dem Händchen ihres Kindes. Die kleine rfg- X. ^^cht sie auf nackten Sohlen be- E v ’yf das schmucke Spielzeug entwendet und mit ihm SJ* Lager- und den Schlummer wieder gefunden haben. Das nw? Trert Kristall an das kleine Herz gepreßt und vorsichtig loste Frau Stemma FlMerchen um Fingerchen. 70 Seht Wi». sie, verlockt von der früheren Gewohnheit, die faM« im Versfuß gelegenen Kristall« hervor. Rachdem sie Q0^frm den Händen gehalten und mit den unablässig wechselnd, nach ihrer alten Weise ge° K ^E'L^Egfa sie das eine unter ihren mit Gemsleder be- Kuvten Fuß und zertrat es auf der steinernen Fliese mit einem frafhgen Drucke zu Scherben. Die ausströmende Flüssigkeit be™ iwntete etrem angenehmen Mandelgeruch Im Begriffe, den zwsiten Kristall unter die Sohle zu legen, besah sie noch seinen goldenen D^el und erkannte, daß sie sich Mischen den Msch- flirrt Haifa Sie gfauote das inschriftlose zuerst zermalM VIen und hielt es noch in der Hand. Kopfschüttelnd legte unter &ie 3«rf«- doch das festere Glas Mtzer- I^^Eackig. Sie «-griff es Meder und schon hob sie den Arm, Xer zerschmettern, da hielt sie inne, aus Furcht, mit dem klirrenden Wurfe den Schlummer des Mädchens U.„uuren. Oder mit einem andern Gedanken barg sie es sorg- faltig rn dem wetten Busen ihres Gewandes.