Etz ich mich m acht nehmen: da kann ich ein klein wenig traurig br 2)1 Sehnsucht nach Dir, nach Fritzen, Herden? qtAIr&snrr subaltenren, teilnehmenden Seele nimmt überhand totiiber.“16 TtU®* Aufkommen, beschäftige mich, und so geht'» Wir habmi ein alt^ Gedicht unter unseren Kinderreimen, ” Ammemrhr. Es tft einer der Schätze unserer Sprache: eS Wrt ^rrllch wts der Mitternacht in den Morgen ßfaX In öte Witternachtsstrophe Hingt der vergangene Tag noch von fern herüber: er Ixrabschiedet sich mit einer letzten Sorge: Hilfe für Dann kommt die erste Nachtstunde, die wundervolle rw Tageszeiten, besonders aber dem Srnn der Morgenstunde, heftig widerspricht. Der Morgen duldet ™neP, Kummer. Der Morgen gehört dem objektiven Sein des Menschen, nicht feinen wechselnden und privaten Gefühlen. Zu ?te Auhelage der Seele. Daher kommt es, daß Musik, selbst gute und heitere Musik, am frühen Morgen gewaltsam und zehrend wirft. Der Morgen ist die klaiMcke imd heidnische Periode des Menschentages" Er ist äe Sttl'L des naturhasten Einklangs, der sich erst später christlich aufspalten und durch abendliche Not als „Erlösung" wiederherstelleii darf Denn der Abend, wenn er rein gelebt wird, bringt immer das Fragezeichen hinter unsre Situation. Er ist die typische Wunsch- zett, die Stunde der Gefährdung und der ernsten Frage, ob wir da recht sind, wo wir find. Am Abend schätzt man erst das Haus ~ nicht bloß wegen Dach und Bett. Selbst Goethe schrieb aus Italien: Ich bin recht wohl und munter, nur gegen AbÄrd Tagebuchblätter. Von Paula Moder so hn- Beck er.*) März 1899. »Also sprach Zarathustra" beendet. Ein köstliches Werk. Es wirkt auf mich berauschend mit seiner morgenländischen Psalmen» spräche, mit seiner tropischen Fülle leuchtender Bilder. Manch«; Dun sie stört mich nicht. Ich schaue darüber hinweg. Verstehen wir denn im Leben alles? Der Nietzsche mit feinen neuen Werten ist doch ein Riesenmensch. Er hält die Zügel sttamm und verlangt das Aeußerste der Kräfte. Aber ist das nicht di« wahre Erziehung? Sollt« nicht in jeder Liebe dies Streben liegen, den geliebten Gegenstand zu feinen schönsten Möglichkeiten zu treiben? Mir war es sonderbar, klar ausgesprochen zu sehen, was noch unflar und unentwickelt in mir ruhte. Ich fühle mich wieder freudig als moderner Mensch und Kind meiner Zeit. Den „Niels Lhhne" lese ich jetzt zum zweiten Male mit allen meinen Nerven. Er berauscht alle meine Sinn«. Meine Seele wandelt durch eine blühende Lindenallee in der Mittagsstunde. Der Duft ist fast zuviel für sie. Es ist ein eigenartiges Buch mit seiner subtilen psychologischen Durchbildung. And so einfach dabei, so lebend. Leben mit glühenden Farben, mit Sonnenschein und Nachtigallennächten, dazwischen eine säuselnde Musik, die des Menschen Ohr hörst- ahnt und nicht versteht. Nie hat jemand mir so die Stimmung eines Zimmers in die Seele gezaubert. Man fühlt vorher, was für Gedanken in dieser *) Dem „Almanach" des Kurt-Wolff-Verlags entnommen. Gietzener Zamilienblatter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1925 Samstag, den 18. Mi " " nimmer 57 226 - um Blauer Himmel und große Woltenballen. 2ch fühlte Strauch. Vielleicht male ich auch einmal «in« veckMme Sabrik. Hmte hat mir mein Vater geschrieben, muh nach mn^Goa« vernantenstelle umzusehen. Ich hatte den ganzen Nachmittag an der trockenen Sandkuhle in der Heide gelegen und Knut Wir kamen heute beim Malen die Gedanken fcr und hin und ich will sie ausschreiben für meine Lieben. Sch weiß, ich werde nicht sehr lange leben. Aber ist das denn traurig? Sst ein Fest schöner, weil es länger ist? And mem Leben ist em | Fest, ein kurzes intensives Fest. Meine Slnneswahrnehmmigen werden seiner, als vb ich in den wenigen SaMn, dis SSt gevöien sein werden, alles, alles nach SRfiMMen sollte. Mein Geruch» Hirn ist Mgeiwkicklich erstaunlich sein. Fast jeder Atemzug bringt mir eine neue Wahrnehmung von Linden, von reifem, Srorn, von Heu und Reseden. And ich sauge alles in mich ein und auf. JUnD wenn nun die Liebe mir noch blüht, vordem ich scheide, und wenn ich drei gute Bilder gemalt habe, dann will ich «ent mit Blumen in den Händen und im Haar. Sch habe jetzt tote in meiner ersten Kinderzeit große Freude am Kranzevinden., -Jft es warm und bin ich matt, dann sitze ich nieder und winde mir einen gelben Kranz, einen blauen und einen von Thymian. . Ich dachte heute an ein Bild von musHierendm Mädchen bei bedecktem Himmel in grauen und grünen Tönen, die -»taoajen weiß, grau und bedeckt rot. Ein Schnitter in blauem Blusenhemd. Ser mäht alldne Blümlein ab vor meiner Türe. Mit mrr wtrd es auch wM nicht mehr lange dauern. Sch weiß letzt zwei andere Buder mit dem Tod daraus, vb ich die wohl noch male? Bernhard Shaw als Mensch und Dichter. Don S. S. Adair Fitz-Gerald, London. Rachfolgend äußert sich einer der intimsten Kenn« des arotet irischen Sichters über dessen Persönlich« leit die ein interessantes Gemisch von Idealismus und kältestem Geschäftssinn ist. M-nrae Bernhard Shaw hat seinen Ruf als größter leben- dauer begründet. Ser Kampf um die Populamtat stet «-K mopufaritst nur rn der Rolle eines erzeirt^schen Grvhsp«^^ getohX könne. Sin scharf ausgeprägter Hang ftir tue die das Leben behaglich und angenehm nuchen, hat chn stch lick, mit der nötigen Energie versahen- Als er femen^M^s T4) S ‘ Eroberung der Bühne begann, mußte er sosote feststellen, daß die besondere Art smn^Hmno^ tW Widower'S LMEWAL« aber auch den scharfen Widerspruch bet snhrenden itKi kein Theaterstück schreiben kann . „ Gleicher., Meinung sind viele rldxtifl ^aufgebMck^sein muh, wenn ttenen und äußerst anregende Dialoge, kste ^der ^9 Ende haben, beschert, doch mangeln ferne einfachsten dramatischen Regeln. Dies trifft b^onoer» ihre Sdeen über ^Kriegführung gmyeir- seinerzeit diese mit einem ausgeprägte SinnsürHumorgnii Oper, I 3bee auf und verwandte sie als Librttto> für ©ftato konnte sich in der ersten Zeit semer dramattf^-m I „ GedSr in London verschaffen, er war | Laufbahn nur fq>to€r ®ei> ^,-i^fLchllch in privaten Sub» I daher gezwungen, seine Stucke hauMachtich £ 6em ^de I skriPtitms-Aufsuhrim^ MMHre. zu^chte bald I et Emrch ötc CB^offcrTtltdyung fetnct » iRrp-n Qöm 1 literarischen Arbeite bewegt «stch W Presbhte^Er, Ab- US L7-L fache Einrichtung, daß er S n ter vi ew s n u r g g übelt fick an f-4-teM Hefigen Beefsteak zu erfreuen gibt er iw 'äaboMchM^nulle einer lebendigen Kreuzung seine« MtwZM. Gr Gin dieser Bezichung em Ein wenig musikalisch wie er ist, freut er di 9 «ein«« Mi Wen, während er die gesamte Menschheit, die mit Anstthten nicht einig ist, sozusagenmn, Spieße rostet. f ^oväischen Kontinent und besonders lensÄts kter Ozean« pev mzm in Sdaw einen zweiten Shakespeare. Ser Kritiker, der sn* Zuerst mit diesem unsterblichen britischen Genius verglich, ^teihrn wohlwollender Humorist. Ser De^eich ist auch^ »i llch unzutreffend, denn ShakesMrrewar^i Mensch ^de^w nicht nur an einem H^igenJ&eeffteatetf^e M cSetil war Fleischer —, sondern, der auch den Freuden mej« einschließlich eines guten Tropfens durchaus Ächt abhol uw* Während Shaw in London keine ubettnäßig groß . dafür um so bunter zusammengetoiirfelte ^^"X ^none, fKrnxicrn BcfiUt» gilt er itn QI'u8lf L c^n Gemütliches, j den Künstlern. Schon der Aaum h . Bitten und Kanäle | äleberall mit den Augen aus Aloders 2,f r߀[eu(^tung mit j zu stoßen, das ließ ich nnr gefallen, ^"^^a^en Pavierlaternen. Zwei gedeckte Tische, eine I nT>PanJ)ff und ich, I und einen Kindettisch An letzterem fräÄ Dvaeler». der junge Mackensen und Ahreo Hey > Doaeler I Desitzer unseres Caro. Letzterer machte nu haß- WAe I Ne Er gerade Gedichte von ym gegeben, lchals^Ä^ Ächt so hoch schützte, als daß Rudolf Alexander Schroder und Otto Julius unerou 1 WWMLKUW Ringelreihen aus, so daß ich nie genug ha • - . . , un^ I liche Gefühl, daß mein neues grünes Sammetkleid fern s I HZe MhEhesuÄ7mich Vinnen und schaute sich^mttne Sacken an. Saß solch ein Künstler mich ernst nahm, bas war I m?r X R«reuL Er war mit vielem zufrieden, lobte das matÄÄee-2lad>tigan gehört, eine Rachtigall, in Dolt^ ©artet? Amtlich abends zirpte eine Grille und über mir schwirtte eine Fledermaus. Sas Leben wird immer schöner.__ Des Nachts, wenn ich aufwache, un& morgeM tomm ich auf stehe ist es mir, als wenn etwas Traumhaft-Schones auf mir liege And dann ist es doch nur das Leben, b«s Mit seinen schönen^Armen ausgebreitet vor mir steht, auf daß Wneinfltege. Worpswede, den 2. Suli 1900. Ein Abendspaziergang durch Schlußdorf Sie Ottelsd^fer Mühle auf düsterem, flimmerndem Hrmmeh davor Moor, wogen des Kornfeld. Son Quichotte auf einem Schimmel rot^rti-p Leute beim Torfmachen, AbeEmmung. Alles und blau mit dunkel eingesetztem Wmh und Rot. Sas Mädchm beim Schneiden mit eingebogenem Rucken und sehr sichtbaren ^S^arten. Abendstimmung. Rotleuchtende Kaiserkronen. Sunges Paar. Er schwarz, sie weiß. „ Sch wohne jetzt bei Drünfes in Ostmido^, schön m der Stllte. Sa versuche ich alles Eitle toas die Großstadt J abzustreifen und einen wahren Menschen und eine feinfühlige Seele und eine Frau aus mir zu machen. Worpswede, den 3. Suli 1900. Ich war den ganzen Morgen in den Bäumen um Boltes Samfun „Pan" gelefen. Worpswede, den 26. Suli 1900. — 227 Insel", „Pygmalion", „Zurück zu Methusalem" oder „Heilige Johanna" zweifellos größte Kassenerfolge und Zugstücke ersten Acmges. Trotzdem habe ich in London vielen Äufführungsn bei nur halbgefüllten Theatern beigewohnt. Trotz dieser geringen Anhängerschaft in England selbst sind seine Stücke natürlich immer beachtenswert. Selten aber wird der Durchschnittsbesucher, um es frei herauszusagen, das Theater befriedigt verlassen. Er versteht nicht, den Zuschauer in Dann zu halten und die Sorte von Stücken zu schreiben, die man im allgemeinen als „Zugstücke" bezeichnet. Mit zu viel Spott und beißender Ironie ausgestaltet, ist er dem Engländer nicht englisch genug. Gr wirkt vielfach unnatürlich und zügellos in seiner Phantasie. Seine größte Stärke liegt in der Perfislage. In Amerika war er stets ein großer Erfolg, weil er die Engländer sich so benehmen läßt, wie die Amerikaner meinen, daß diese sich benehmen sollten. In Frankreich gilt er als der wahre Vertreter echt englischen Geistes, doch wird hier vielfach über» scheu, daß er nur ein Karikaturist des englischen Lebens ist. Trotzdem kann der Franzose mit seinem gallischen Temperament den Sprüngen seines Geistes am besten folgen und die Feinheiten seines Witzes am besten verstehen. In Deutschland wird vielfach das, was Shaw fathrisch meint, für bare Münze genommen. Der Deutsche kann dem irischen Deinperament nur schwer folgen. Kein Wunder, daß der feine Humor Shaws, der in seinem Esprit oft an Aristophanes erinnert, vielerorts« ab8 Aeberschwenglichkeit ausgelegt wird. Der bekannte englische Karikaturist Max Deerbolm hat ihn einmal als ständig auf dem Kopfe stehend dargestellt, während Winston Churchill, der jetzige Schatzmeister, ihn als einen „glänzenden geistreichen Clown" bezeichnet hat.» Da die meisten Leute heute lieber lachen als weinen, so ist sein Wert in unserer heutigen traurigen Zeit unleugbar. Amerikanische und europäische Hitzeperioden. Bon Dr. W. Peppler. VRe in Europa, ist in Nordamerika das Wetter sehr veränderlich und der Charakter der Witterung ganzer Jahreszeiten wechselt von Kahr zu Jahr stark. Der Aebergang der Temperatur von Kälte zu Wärm« ist in den Bereinigten Staaten «och viel schroffer als in Europa, da der eigentümliche Dau des nordamerikanischsn Kontinentes den tropischen und polaren Luftströmen freien Zutritt gestattet, woraus wiederum starke Temperatursprünge entstehen. Bekannt sind die außerordentlich schroffen Temperaturwechsel der Bereinigten Staaten, die oft 60 bis 70 Grad in 24 Stunden betragen, besonders, wenn ein warmer Aequatorialstrom vom Golf von Mexiko von einem Polarluft- einbruch abgelöst wird. Weniger plötzlich entwickln sich im allgemeinen die sogenannten Hitzewellen, ein Ausdruck übrigens, der wenig zutreffend ist, da sich große Hitze im Amerika, ebenso tote in Europa, weniger durch den plötzlichen Zufluß warmer Luftmassen entwickelt, sondern an Ort und Stelle durch die Erhitzung des Erdbodens unter der Sonnenstrahlung. Dazu ist eine bestimmte Wetterlage Vorbedingung, nämlich ein Gebiet hohen Luftdruckes. Wenn im Sommer ein Hochdruckgebiet, in dem wolkenloser Himmel herrscht, sich auf längere Zeit über dem Kontinent festlegt, dann erwärmen sich der Gri>bod«n und die unteren Luftschichten in von Tag zu Tag steigendem Maße, so daß schließlich Hitzgrade von 30 bis 40 Grad Celsius zustande kommen. 3n Europa macht man sich vielfach übertriebene Vor- stellungen von den amerikanischen Hitzegraden; es dürste deshalb von Interesse sein, festzuflellen, welche Wärmegrade drüben in heißen Sommern erreicht werden. Höchsttemperaturen von 100 Grad Fahrenheit oder zirka 38 Grad Celsius, kommen in den Bereinigten Staaten mit Ausnahme der Küstengegenden und der Gebirge fast überall vor. Höchsttemperaturen von 110 Grad Fahrenheit oder zirka 43 Grad Celsius sind aber schon eine große Seltenheit, und im allgemeinen auf den Südwesten, besonders Kalifornien beschränkt. Dort kommen die größten Hitzegrade vor, und zwar in dem durch seine furchtbare Sommerhitze berüchtigten Tobestal, wo im Sommer 1891 122 Grad Fahrenheit oder 50 Grad Celsius, und in dem letzten Jahrzehnt einige Male 54 bis 56 Grad Celsius gemessen wurden. Das sind Temperaturen, die nur dadurch noch von Menschen einigermaßen ertragen werden, daß sie gleichzeitig mit großer Trocken- hest der Luft verbunden sind. Dei großer Feuchtigkeit der Lust würden diese Temperaturen unbedingt zum Hitzfchlag führen. Temperaturen von 50 Grad Celsius und mehr sind auch im Innern Australiens, in der Sahara, Arabien, im Pandschab und in anderen Gegenden der trocken-heißen Klimazonen beobachtet worden. Es muh ausdrücklich bemerkt werden, daß diese hohen Temperaturen wirkliche Lusttemperaturen find. Die Erwärmung des Bodens ist meist noch viel höher und erreicht in Wüstengegenden um die Mittagszeit mehr als 100 Grad Celsius. Abgesehen von dem kalifornischen Hitzegebiet find Temperaturen von 110 Grad Fahrenheit ober 43 Grad Celsius in den übrigen Staaten der Union durchaus nicht häufig. Hitzewellen, tote die, die vor kurzem die östlichen Staaten heimsuchte, sind glücklicherweise eine Seltenheit. Gewöhnlich beginnt die Entwicklung der Hitze in den zentralen Gebieten, besonders im breiten Mississippital und erstreckt sich von dort nach den Oststaaten. Auf den westlichen Plateaulandschaften ist die Hitze weniger stark, da ihr hier die nächtliche Abftihlung unter dem klaren Himmel des Hochlandes entgegentoirft. Natürlich ist die Wärme in den Industriegebietes und besonders den großen Städten beträchtlicher als auf dem freien Lande, da in dem Häusermeer die Ventilation gering ist und die Hitze sich auch während der Nacht erhält, oder aber doch die nächtliche Abkühlung erst spät am Abend einsetzt und gering ist. Man hat erst in den letzten Jahrzehnten genauer erkannt, daß bei der Entwicklung großer Hitze der Staubgehalt der unteren Luftschichten erheblich mitwirkt. In trockenen Hitzeperioden wächst der Staubgehalt, der sich durch starke DunsttiÄbung verrät, von Tag zu Tag, besonders bei ruhigem Wetter. Die von dem Staub direkt absorbierte Strahlungswärme verstärkt die Hitze und außerdem wirft die Staubschicht der nächtlichen Abkühlung des Bodens entgegen. Dieser Hitzedunst ist eine eigentümliche Begleiterscheinung der Hitzeperioden. Die amerikanischen Hitzewellen beeinträchtigen in erheblichem Maße die gesamte Wirtschaft des Landes. Es ist sestgestellt, daß große Hitze die Sterblichkeit der Bevölkerung ganz erheblich erhöht, besonders in den Großstädten und den Industriegebieten. In der Hitzeperiode des August 1891 hatten die Vereinigten Staaten über 2000 unmittelbar durch Hitzfchlag verursachte Todesfälle. Ob die letzte Hitzewelle vom Juni dieses Jahres einen Rekord an Höchsttemperaturen und verderblichen Wirftmgen darstellt, wird sich erst beurteilen lassen, wenn die genauen meteorologischen Beobachtungen und statistischen Feststellungen vorliegen. In Europa werden solche Wärmegrade wie bei den amerikanischen Hitzewellen gelegentlich auch erreicht, aber die verderblichen Wirkungen auf den Menschen sind deshalb nicht so stark, weil in Europa große Hitze meist mit Trockenheit der Lust verbunden ist, während in Amerika die Luft dabei meist feuchter ist. Daß Hitzschläge besonders bei seuchtheißer, also schwüler Luft eintreten, ist allgemein bekannt. In Deutschland hat es in manchen Sommern Hitzeperioden gegeben, die an die amerikanischen Hitzewellen annähernd heranreichen. Die große, fast an das An erträgliche grenzende Hitze des Sommers 1921 ist noch in frischer Erinnerung. Die Höchsttemperaturen gingen 1921 iin der Rheinebene, dem wärmsten Gebiet Deutschlands, über 38 Grad Celsius hinaus, was 108 Grad Fahrenheit entspricht. In einigen Großstädten ist das Thermometer örtlich auf über 40 Grad Celsius gestiegen. Man hört ost die Ansicht, daß die amerikanischen Hitzewellen nach einiger Zeit in Europa aufträten, also wirklich die Eigen- schasten von Wellen besäßen, die von Westen nach Osten wanderten. Diese Meinung ist wohl in vorgefaßter Analogie zu der Tatsache entstanden, daß gelegentliche atmosphärische Strömungen, wie Sturmwirbel, den Ozean überqueren und nach sechs bis sieben Tagen in Europa eintreffen. Dies trifft aber für die amerikanischen Hitzewellen nicht zu, denn diese sind durch Erwärmung des Festlandes entstanden und würden bet einer Wanderung über den relativ kühlen Ozean ihre Wärme bald verlieren. Höchstens könnte man daran denken, daß die Vorbedingung der amerikanischen Hitzewelle, nämlich ein Gebiet hohen Luftdruckes, sich nach Europa verlagern könnte und hi« an Ort und Stelle ein neues Hitzegebiet erzeugen könnte. Dtese Möglichkeit ist nicht gcmz ausgeschlossen, hat aber noch teure Bestätigung an der Hand der Wetterkarten finden tonnen, die heute Dank der drahtlosen Telegraphie vom Pazifischen Ozean über Amerika, den Atlantischen Ozean und Europa bis Sibirien reichen. Der blinde Geronimo und sein Bruder. Don Arthur Schnitzler. (Schluß, ) »Run ja," sagte Carlo ratlos. „Aber tut verstehst doch, warum ich da oben vor den anderen — ich habe gefürchtet, daß da das Ganze auf einmal--And sieh, Geronimo, es wäre doch an der Zeit, hab' ich mir gedacht, daß du dir einen neuen Rock kaufst und ein Hemd und Schuhe auch glaube ich; darum ^Dm Blinde schüttelte heftig den Kopf. „Wozu?" And er strich mit der einen Hand über seinen Rock. „Gut genug, warm genug; jetzt kommen vxr nach dem Süden." » Carlo begriff nicht, daß Geronimo sich gar nicht zu freuen schien, daß er sich nicht entschuldigte. And er redete werter/ Geronimo, war es denn nicht recht von mir? Warum freust bfu dich denn nicht? Nun haben wir es doch nicht wahr? Nun haben wir es ganz. Wenn ich dir's oben gesagt hätte. wer weiß ... Oh, es ist gut, daß ich dir's nicht gesagt habe — gewiß! Da schrie Geronimo: „Hör' auf M lügen, Carlo, ich hatte SenU®arito>Wieb stehen und ließ den Arm des Bruders los. „Ich lüge nicht." . „Ich weiß doch daß du lügst!.. ■ Immer lugft du!... hundertmal hast du gelogen!... Auchdas hastdu füröt halten wollen, aber Angst hast bu bekommen, das-st £1 Carlo senkte den Kops und antwortete nichts. Er faßte wieder den Arm des Blinden und ging mit ihm werter. Es tat Die Post von Bormiv vchriftleitung: Dr. Frievr. Wilh. Lange. — ”'*■» *> *»* M * 2aw VW» davon, ilnb sie gingen iveiter. begegnete ihnen: der Kutscher rief Dann kamen noch andere Wagen, die alle aufwärts fuhren. „Luft aus dem Tal," sagte Geronimo, und im gleichen Augenblick, nach einer raschen Wendung, lag das Velttin zu ihren Füßen. Wahrhaftig — nichts hat sich geändert, dachte Earlo... Aun hab' ich gar für ihn gestohlen — und auchldas ist umsonst gewesen. Die Rebel unter ihnen wurden immer dünner, der Glanz der Sonne riß Locher hinein. Lind Carlo dachte: Vielleicht war es doch nicht gut, so rasch das Wirtshaus zu verlassen... Die Börse liegt unter dem Bett, das ist je&enfatÖ verdächtig... Aber wie gleichgültig war das alles I Was konnte ihm noch Schlimmes geschehen? Sein Brüder, dem er das Licht der Augen zerstört, glaubte sich von ihm bestohlen und glaubte es schon jahrelang und wird es immer glauben — was formte ihm noch Schlimmes geschehen? Da unter ihnen lag das große weiße Hotel wie in Morgen- -Mhnz gebadet, und tiefer unten, wo das Dal sich zu weiten beginnt, lag hingestreckt, das Dorf. Schweigend gingen die beiden weiter, und immer lag Carlos Hand auf dem Arm des Blinden. Sie gingen an dem Park des Hotels vorüber, und Carlo sah ruf der Terrasse Gäste in lichten Sommergewändern sitzen und rühstücken. „Wo willst du rasten?" fragte Carlo. „Run, im „Adler", wie immer. Als sie bei dem kleinen Wirtshause am Ende des Dorfes 'gelangt waren, kehrten sie ein. Sie setzten sich in die Schenke ö liehen sich Wein geben. „Was macht ihr so früh bei uns?" fragte der Wirt. Carlo erschrak ein wenig bei dieser Frage. „Jst's denn so ah? Der zehnte oder elfte September — nicht?" „Im vergangenen Jahr war es gewiß viel später, als ihr .runterkamt." wärts^vorn^ai-^ omim?x der Gendarm ärgerlich. „Vor» nuS’L Aber da fah er mit Verwunderung, daß der unö ?°den fallen lieh, seine Atme erhob den Wangen des Bruders tastete. Äderte ferne Lff>pen dem Munde Carlos, der zuerst nicht wußte, wie ihm geschah, und küßte ihn. wärts?^ck,^^^E^ fragte der Gendarm. „Vorwärts! vor- wartsi och habe kerne Lust zu braten." Geronimo hob die Gitarre vom Boden auf, ohne ein Wort auf den nMtnfiMt i, -a wieder! Mfoen Arm des Blmden. War es denn möglich? Der Bruder sah"«! f^5rX®r begriff am Ende -? Lind zweifelnd Ktp er ihn von der Seite an. ..."Torwarts!" schrie der Gendarm. „Wollt ihr endlich AXnö er gab Carlo eins zwischen die Rippen atna^ef^^^?^ D-mck den Arm des Blinden leitend, f'Hfug einen viel rascheren Schritt ein feftJS^t sah Geronimo lächeln in einer milden glück- X ^r^w-e er es fett den Kinderjahren nicht mehr an ihm fr>m ®atJL° ^Selte auch Ihm war, als könnt« notft Schlimmes mehr geschehen — weder vor Gericht ZZe! f & ^lt. - Er hatte seinen BruÄ "^eoer... Rein, er hatte thn zum erstenmal... ihm weh, daß Geronimo so sprach: aber er war eigentlich erstaunt, daß er nicht trauriger war. Die Äebel zerteilten sich Rach langem Schweigen sprach Geronimo: „Es wird warm." Gr sagte es gleichgültig, selbstverständlich wie er es schon hundertmal gesagt, und Carlo fühlte in diesem Augenblick: für Geronimo hatte sich nichts geändert. Für Geronimo war er immer ein Dieb gewesen. „Hast du schon Hunger?" fragte er. Geronimo nickte, zugleich nahm er ein Stück Käse und Brot aus der Rocktasche und ajh faste Geronimo. 1 ~ -(rann „Senellt, der Gendarm," sagte Carlo. 11 Ston wärmt fte an ihn herangekommen. ' ’ ihm ’SS Benelli," sagte Carlo und blieb txx fte an: „Schon hinunter?" - ia Weg zu sein," sagte der Gendarm lachend, „es macht euch wohl nichts, wenn ihr mitgefit“ ”ö5taUi*’Ä fragte GEimo. mfittfirfe ?^„^ede.. -2ch bitte, Herr Gendarm, wie ist «s baut ! tS? wcht^ • • • 0&CT ^Ehr, was soll ich^ ehtmal so. Vielleicht bist du auch unschuldia. W^^^eiß ich Ä^denfalls haben wär die telegraphische Anzrt<2 Zk daß tote euch ÄTÄ feid, dringend verdächtig, da oben den Leuts» ÄÄWÄ»18 Ä —* Sä Ä-fÄ'X.*'-’mse, ff&t «fdlich! Was hat es für einen Sinn, auf bat ®tea&e stehetdbleiben! Die Sonne brennt. In einer Stunde ftnö wir an Ort und Stelle. Vorwärts!" ” atTNTwn» führte ben Arm Geronimos wie immer, und fo gingen fte langsam weiter, der Gendarm «hinter ihnen du nicht?" fragte Geronimo wieder. Tsber was willst du, Geronimo, was soll ich sagen? ®8 toirö sich alles Herausstellen: ich weiß selber nicht...“ ,, es ging ihm durch den Kopf: Soll ich'S ihm erkläre». L^vor,Gericht stehen?... Es geht wohl ni SsSS FU. . Run, was tuts. Bor Gericht werd' ich ia doch kein ^Diebst^t ÄE- "Herr Richter," werd' ich sagen, ist doch mm Äk-? anderer. Es war nämlich so: ..." Und mmmühte er sich die Worte zu finden, um vor Gericht bie am M • • V6? ma8 em Irrsinniger gewesen fein - bat er ftch nur geirrt... und dieser Wann..." „Es ist so kalt oben," sagte Carlo. „Heut nacht haben wir j wird ihn garnidjrt f efroren. Ja richtig, ich soll dir bestellen, du möchtest nicht ver° | dumme Geschichte alauben^ ntro. Niemand kann diese gessen, das Oel hinaufzuschicken." | - And^rsab-d,,^ ^erommo glaubt sie... Die Luft in der Schenke war dumpf und schwül. Eine sonder» I bewegte sich nack/ alt^ GowofoibÄt ^.^inden .are Anruhe befiel Carlo: er wollte gern wieder im Freien sein, | im Takte auf und ab aber MßMiS 068 auf der großen Straße, die nach Tirano, nach Gdole, nach dem I die leeren Augen ftierten in die SU- ="“• ®et* >" «• »— »«' W» ->» ÄnVirlVsS „Gehen tou schon?" fragte Geronimo. I befiehlt nicht 'm,, Mch^kch ^oh l — Carl- „Wir wollen doch heut mittag in Boladvre fein, im „Hirschen" j Run, er hat es aut Leute bestiehlt er... halten die Wagen Mittagsrast: es ist ein guter Ort.“ 1