Eichener Amilienblatter Unterhattungzbrilage zvm Gichemr Anzeiger I irMiMiiMMawi.ii«lnMHI«niMiW1HTIIT'|RW"W! WmaMTgyttWI WTinWirTllIHl!1i—Wl?Uiithim■ II« ■ ! WMPM—r-miIII’ ■■. - II ff , MMMmnwii,। ,, ,,,, |„, MWrmsNM Dieyrtag,. den W. April RMMnerW '*■****'j*»T-hM. Alle Landschaften haben Sich mit Bla» -erf-Wt. Alle Büsche und Bäume Les StrMnes. Der weit in Len Norden schwillt. Leichte Geschwader, WMm, WeiKe Segel Dicht.- Die Gestrige des Himmels dahinter Zergehen in Wind und Licht. Wenn Sie Abende -sinken -Uttb wir schlafen ein. Gehen die Träume. Sie schonen. Mit leichten Füßen herein Cpmbelri lassen sie 'klingen • Sn den Händen licht. Manche flüstern und Halten Kerzen vor ihr Gesicht. Aus dsn Blümlein des heiligen Franz mit einer Einleitung von RuDv-lf G. Dindings). Aach Umbrien, in das uralte Herz Italiens, versetzt euch im Geiste, ihr, die ihr den rechten Duft, den rechten 'köstlichen Tau, den wahren göttlichen Sormenglanz .genießen wollt, der aus den „Blümlein Des heiligen Franzistus" euch anglüht. Dort, wo dir Luft rein weht von den weithin leuchtenden Kämmen Des Apennin rind sich Den Winden der Tiberebene vermählt, Die da süß sind von Blumen- .und Kräutergeruch und warm von Dem Atem reifenden Korns.' dort, wo die Sonne ein Gott ist, der lacht: wo die Bienen summen Den 'lieben langen Sommer und Die Lerchen schmettern, daß du ein wenig schläfrig wirst und ein Träumer am Hellen Tag: dort, wo das ganze Land weiter nichts ist als ein unschuldiger Jubel.für einen geahnten Schöpfer: Dort sind sie erwachsen, die Blümlein des heiligen Franziskus. Sie sind ihm erwachsen im ErDgeborenen Herzen seiner Schüler und Jünger als ein zarter und Doch so starker Kranz Der Liebe, mit dem sie seine heilige Gestalt, jeden seiner Schritte, jedes seiner einfachen Worte umwanden. Wahrhaftig, Die Gsschichtlein alle, die da treulich gesammelt wurden, sind wie die Blumen: so wunderbar, daß du sie oftmals erstaunt .ansiehst.. Und .mußt ihnen dennoch glauben, wie du dem geheimnrs voll-.einfältigen Wunder einer Blume glaubst. Sn jenem Lande aber ging der -um, für den Diese Blümlein erwuchsen und Gewahrt wurden. Und sein Herz .war der Spiegel und der Widerhall jenes freudigen tönenden Landes. Das Schone war ihm der Abglanz Gottes: und am Abglanz Gottes sand sein Herz sein Genüge und seine Freude. Die Blumen, die Vögel und alle Gestirne waren ihm seine Geschwister, und die Armut «nachte -er zu seiner Braut. Denn -er war so reich -wie jrglichs Kreatur vor jhrem Schöpfer und auch fo demütig vor ihm. Trunken vom Göttlichen war es bis zur Verzückung: in allem schaute er Gott. Und Gottes war er so voll, daß ihm alles rein war: daß er die Aussätzigen küßte, den Schmerz belächelte, die Demütigung zum. inneren Triumph wandelte. Und er sah Gott selbst auf Erden von Angesicht zu Angesicht. So schritt er durch Diese Welt, unbewußt das -wundersame Wort erfüllend. Das jener, dem er nachfolgte, auf dem Berge sprach: Selig sind, die reines Herzens sind, Denn sie werden Gott schauen. * Wr« der heilige Frsnzisku-s Den Vögeln predigte. m , Dicht lange nach seiner Bekehrung machte sich nach Gottes Geheiß St. sranAiskus auf, im Lande zu predigen. Und er nahm sich zu Gefährten Bruder Masseo und Bruder Agnolo, bttdes Heilige Männer. W-e sie nun erfüllten Geistes Dahinwanderten, ohne auf Weg und Steg .zu achten, tarnen sie an eine Burg, Savurmmw mit Damen. Da begann Der Heilige Franziskus zu predigen. Zuvor -aber gebot er -den Schwalbe», welche zwitscherten sie , '*) In Der Bücherei Des Insel-Verlags erschienen „Die schönsten Legenden Des Heiligen Franz'', der Hie folgenden Stücke entmannten wurden sollten Buhe halten, bis er seine Predigt geendet hätte. Und Die Schwalben gehorchten ihm. Er aber predigte -mit' solch hinreißendem Feuer, daß alle Männer und Frauen des BurgflsÄsnS ihm nachfolgten und Den Ort .verlassen wollten- Doch ließ Dies der heilige Franziskus nicht zu. sondern sprach zu ihnen' .Habt es nicht so -eilig. Hier sor-zuziehen; Denn ich werde euch a-ägebest, was ihr Myr Heil eurer Seelen zu tun Habt:" Und seitdem Dachte •er Daran, Den dritten Orden zu schaffen zum allgemeinen Heil aller Menschen. So.-verlieh er sie mit seinem Trost und wohl- vorbereitet zur Buße, machte sich auf und kam in die Gegend zwischen Cannai-o und Bevagno. Wie er so in Inbrunst Wetter- zog, erhob er seinen Blick Lind sah wf den Bäumen zur Seite -des Weges eine schier unermeßliche Schar von Vögeln sitzen. Darüber verwunderte er sich und sagte zu seinen Genoßen; ..Wartet hier am Wege auf Mich: ich will «träten Geschiwistern, Den Vögeln, predigen." Und er trat aufs FslÄ hinau-s unD begann den Vögeln zu predigen, welche auf der Erbe saßen. Aber sogleich kamen Die. welche auf den Bäumen faßen,- zu ihm hercmgeflogen, und alle verharrten unbeweglich, währens Dec heilige Franziskus seine Predigt beendete. Und auch Dann flogen sie nicht eher Davon, als bis er -ihnen seinen Segen erteilt hatte. -Er aber wandelte, wie später Bruder Masseo Dem Bruder Jakob -von Massa erzählte, zwischen ihnen umher und streifte sie mit seiner Kutte, ohne daß sich einer rührte. Die Predigt aber lautete: „Bügel, ihr meine lieben Geschwister, sehr -verbunden seid ihr Gott, eurem Schöpfer, und sollt immer--und allerorts sein Lob singen. Demi er hat euch die Freiheit gegeben, zu fliegen, wohin ihr -wollt, und euch ein doppelt und Dreifaches Kleid verliehen: er hat euren Samen in der Arche Noahs bewahrt, Daß eurer nicht weniger würden. Dankbar Müßt ihr ihm sein .für das Element Der Luft, das er euch zuw-ies. Ihr säet -nicht und erntet nicht, .und Gott ernährt euch doch, gibt euch- Flüsse und Quellen, daraus zu -trinken: gibt euch Berge .und Täler zu eurer Zuflucht: hohe Bäume, eure Nester Darin zu bauen; und -ob ihr auch nicht zu spinnen noch zu nähen wißt, Gott kleidet euch und eure Jungen. Wie sehr also liebt euch euer Schöpfer, baß er euch so viel Gutes erweist? Hütet euch also, -ihr meine Geschwister, vor der Sünde der Undankbarkeit und befleißigt euch allezeit, Gott zu loben." Bei diesen Worten des Heiligen Franziskus begannen alle die Vögel Die Schnabel zu -öffnen, Die Hälse zu -recken, die Flügel zu schlagen und ehrerbietig Die Köpfe zur -Erde zu neigen, und -so Mit Gebärden und Gesang zu bezeugen, wie große Freude ihnen der heilige Vater bereitete. An ihnen aber hatte der Heilige Franziskus fein Ergötzen und sein Wohlgefallen und sah staunend die Menge der Bogel, ihre schöne Mannigfaltigkeit, ihre Aufmerksamkeit -und Zutraulichkeit. Und für das alles pries er in ihnen voll Andacht den Schöpfer. Als schließlich die Predigt zu Ende war, schlug St. Franziskus das Zeichen des Kreuzes über sie und gab ihnen Urlaub, davonzuflirgen. Da erhoben sich alte die Vögel in die Luft- mit wunderbarem Gesang. Dann teilten -sie sich -nach den Richtungen Des Kreuzes, -das Franziskus über -sie gemacht, in vier Schwärme; und Der eine flog nach Sonnenaufgang, der andere nach Untergang, Der dritte nach Mittag, Der vierte nach Mitternacht. Und jede Schar sang ein wunderbares Lied auf ihrem Fluge. Damit kündeten sie, Daß, wie St. Franziskus, der das Kreuz Ehristi als Danner trug, ihnen gepredigt und über sie das Zeichen des Kreuzes gemacht, nach welchem sie sich in die vier Richtungen Der Welt verteilt Hatten, also auch, -die Predigt vom Kreuz in die ganze Welt getragen werden sollte. „Nun geht das Wandern an"k - Von Rudolf Ableite r, Es hat Jahre gegeben, in denen es den Anschein hatte, als ob Eisenbahn, Fahrrad und Auto den gesunden Trieb des Wanderns in -unferm Volke ertöten oder doch lähmen wolltest, Sa, man fürchtete bereits für unsere Heranwachsende weHr- sähige Jugend, .die gar nicht, oder schlecht'im Marschieren vov- bereitet, während ihrer Dienstzeit einen schweren Stand haben werden. Erfreulicherweise ging es mit dieser plötzlich aufflammenden Erscheinung Der sorffchreitenden Technik wie mit den vielen Modeexperimenten in Dichtung, Malerei und bilder-drr Kunst-: - «8 - „Wenn aller Raketenspuk verweht. Der Hoch ergötzt die lieben Kleinen, Sann werden in stiller' Majestät Die alten ewigen Sterne scheinen. Die Freude am Wandern, an der Romantik der sahren- den Gesellen, ifti auch auf unsere Jungen und Jüngsten über- gegangen. Auch unsere deutsche Jugend von Heute hat, Gott sei Lank, den Flügelschlag dieses verjüngenden und jung erhaltenden Sports verspürt, hat seinen kräftigen Odem, em- gesogen, sich dem Wandern mit Leib und Seele verschrieben. Wie wir einst selbst mit dem Ranzel auf dem Rücken, das kleine Kommersbuch in der Brusttasche des Loriristcnanzugs, im Geldbeutel nur wenige Groschen, uns „auf die Walze" begaben und seben wollten, wie weit und wie lang wir mit Vaters Zehr- pfennig reichten, so zieht auch jetzt wieder deutsche äugend allerorten „Hinaus in die Ferne" und jubelt im Maren „da bleibe, wer Lust Hat, mit Sorgen zu Haus", And die Alten jauchzen und frohlocken mit wanöersroher Jugend. Denn im deutschen Wald, auf lustiger Bergeshohe, im Meere wogender Kornähren wisseir wir unsre Jugend Wohl geborgen, und wir lassen sie froh gewähren, wenn sie auszieht, Weg und Pfad allein zu finden und sich Reiseziel und Marschroute selbst zu wählen. Ohne Lied und Gesang aber ist deutsches Wandern undenkbar. Ohne ein Wanderlied auf den Lippen schleicht man müde und teilnahmslos seine Straße entlang; ohne Gesang kein Frohsinn, kein Jubel, keine wahre und echte Wanderfreude. Das wußten und fühlten unsere Dichter am besten; das wissen, sre mich heute so gut wie zu Feiten Mchendorsss und viele unsrer wvderner Dichter — unter ihnen Cäsar Flaischlen, Wilhelm Scholz, Hugo von Hosmannsthal — haben ihre überschäumende Wanderlust in wunderbar, tief und echt empfundenen Wanderliedern ausströnren rmd ausklingen lassen. Aber, man nehme es mir nicht übel, Nachahmer und Epigonen sind sie eben doch im Vergleich zu den Rachtigallen, die im Zeitalter der Romantik und spätrvmantischen Dichtung gesungen haben und deren Lieder im Volke nach- und weiterklingen. Die Jahrzehnte der Bnrscheir- schaftler, der fahrenden Gesellen, der reisenden Handwerksbur- schen; die Welt des Posthorns, der wandernden Maler, der Brüder Straubinger, der Müllersburschen waren auch die Zeiten Der kostbarsten Wanderlieder gewesen. Aus ihnen leuchtet die deutsche Volksseele wie lauterer Kristall; Künder und Sprecher dieser Seele war der Dichter gewesen. Rhythmus und Bildhaftigkeit, Echtheit und Zartheit, Einfachheit im Ausdruck und Aufbau waren die Vorzüge der Lieder gewesen, die ihren Weg ins Volk fanden. Wie weitet sich die Brust, wie frei wird es 1-ns um Stirne und Herz, wenn wir durch sonnbestrahlte Kornfelder wandern'. Wie von selbst losen sich die Lippen und „Zum heiligen Veit von Stafselstein Komm ich emporgestiegen And seh die Lande um den Main Zu meinen Füßen liegen", Mngt es hinaus in das gesegnete Frankenland, den uralten Grab- seldgau, die hohe Rhön miT ihren Kuppen und Bergriesen. And wenn wir vom Königstuhl auf das liebliche Reckartal hinab- schauen, so müssen wir, ob wir wollen oder nicht, in Scheffels Lied einstimmen: „And kommt aus lindem Süden Der Frühling übers Land, So webt er dir aus Blüten Sin schimmernd Brautgewand." And hätte Scheffel nur das eine Lied „Alt-Heidelberg" gesungen, er hätte Ansterblichkeit verdient. Volkstümliche Laute f inden, sollte man eigentlich meinen, könne jeder. Sie entströmen aber nur dem Munde des wahren Dichters und auch ihm nur in geweihter Stunde. Auch, anderen unserer Dichter sind solche Wei'hestunden von der Muse beschieben gewesen: Franz Kugler fang sein rhythmisch, bewegtes „An der «aale Hellem Strande", Lüdwig Ahland sein gemütvolles „Bei einem Wirte wundermild", Dutzinus Kerner seinen „Wanderer in der Sägemühle", Wilhelm Muller sein „Am Brunnen vor dem Dore". Ihr Meister und Lehrherr aber war Eichendorff gewesen!, ht dessen Schule sie alle haben gehen müssen. Frühling und Wandern, deutscher Waldzauber und märchenurnsponnene Mühlen- rtnsamkeit sind eng verbunden mit Cichcndvrssscher Wanderpoesie: „Zwei junge Gesellen gingen Vorüber am Bergeshang, Ich hörte im Wandern sie singen Die stille Gegend entlang." Diese schlichten Worte, das einfache Versmaß, das allein! schon wie Musik klingt, reden die Sprache des Volkes, geben dis Stimmung von Menschen wieder. Wundert man sich, daß gerade DieÄ Lied mit seinem quellklaren Anfang: , Ts schienen so golden die Sterne, Am Fenster ich einsam stand , Änd hörte aus weiter Ferns Mn Posthorn im stillen Land..." Und „In einem kühlen Grunde" GemeÄrguk des deutschen Volkes geworden find, «ine Art Rationalbesitz, um den uns andere- Völker beneiden? Mörikes: „ Es graut vom Morgenreif In Dämmerung das Feld, * , Da schon ein blasser Streif Den fernen Ost erhellt —" Geibels „Der Mai ist gekommen", Ahlands „Was klingt und singt die Straße herauf?", Kerners „Wohlauf noch getrunken", Eichendorfs „Wem Gott will rechte Gunst erweisen", sind mit so vielen, anderen Liedern Goethes, Rückerts, Müllers in das Singbuch der fahrenden Scholaren, der Wandervögel, der Touristenvereine übergegangen, teertet im Dorfe des Abends gesungen, wenn fleißige Schnitterhände die Sense für ter, Erntetag dengeln, begleiten die Buben und Mädels zum sonntäglichen Danze und zittern in den Herzen der Liebenden nach, die schöner Stunden gedenkend noch schönere ersehnen und erhoffen. * . Rur wenige Proben konnten herausgegriffen werden. Der Liederschatz unserer köstlichen Wanderlieder kann ja auf Wanderungen wie im Rastquartier nie erschöpft werden. Immer wieder summen dem Wanderer neue Melodien durch den Kops, immer wieder entdeckt man neue Schönheiten urdeutscher Wander- pvesie. Ansere Wanderlieder wollen all denen, denen die harte Zeit Wunden schlug, Linderung und Genesung bringen, rufen die leid- und sorgengequälten Geister hinaus in die erwachende Gottesnatur. Jetzt .müssen uns die beschwingten Worte eines Grafen von Strachwitz aus den dumpfen Stuben und der winterlichen Eingeengtheit tote eine Siegesbotschaft im Ohre klingen: „And ob ich nun segle durchs Wellengebraus, Ob ich fliege, wandele, reite: Rur laßt mich hinaus, nur laßt mich hinaus Aus dem Engen, hinaus in das Mette! Buhmannsch. Bon Charlotte Riese. Als Buhmannsch wieder einmal aus dem Gefängnis kam, dachte der Vorsteher des Elbdvrses schwer darüber nach, wo er sie unterbringen sollte. Im Armenhaus war eigentlich kein; Platz, und der Hausvater hatte auch Hände und Füße zusammengelegt, um diesen Gast nicht aufnehmen zu müssen. .Herr Vorsteher, was Buhmannsch is, die verrungeniert mich den guten Geist im Haus!" versicherte er mit zitternder Stimme, und es siel dem Dorfvberhaupt ein, daß Buhmannsch vor etlichen Jahren dem Hausvater die Terrine mit der Specksuppe darin über den Kops gestülpt hatte, weil sie behauptete, es wäre Waschwasser, , , xi . Damals hatte es beinahe eine kleine Revolution im Armen- Hause und viel Amstände für Die Obrigkeit gegeben, also war es richtiger, Buhmannsch nicht wieder dorthin zu geben, wo sie etwas verrungenieren konnte. „Sie kann ja nur in Wöhlers Kate wohnens meinte der Ortsvvrstand, und der Hausvater, dem einige Leute noch ter Ramen „Betvater" gaben, atmete auf. „O ja, o ja, das is was for ihr!" Er hielt sich die Breite Hand vor den Wund, um sein Lächeln zu verdecken, und auch der Vorstand schmunzelte. Obgleich er natürlich nicht daran glaubte, daß es in Wöhlers Kate spukte, ebenso, tote der Bet- vater ein verständiger Mann war, und seine Frau tüchtig durch- geprügelt hatte, als sie sich einmal weigerte, bei Mondschein an Wöhlers Kate vorüberzugehen, um nach der Kuh zu sehen, die sich verkaufen hatte. Rein, Männer pflegen nicht an Spuk und ähnliche Dinge zu glauben, diese Zwei sagten auch nichts weiter über dis Wohnung, aber als Buhmannsch bald nach dieser Unterredung im Dorf erschien, da brachte ihr der Polizeidiener den Schlüsse! zu Wöhlers Kate und bedeutete ihr, daß sie dort wohnen dürfte. „Oll reit!" sagte Buhmannsch, nahm ihr Bündel unter den Arm und marschierte dorthin, wo die Kate lag. Außerhalb de« Dorfes und hinter einem Dünenvorsprung. Es war eine recht elende Baracke, aber mit einer Elbaussicht, für die mancher Reiche etwas gegeben hätte; doch Buhmannsch sah nicht auf den breiten Strom, nicht auf die stolzen Schisse, die auf seinem Rücken nach Hamburg suhren. Sie schloß die Dür auf und lachte in sich hinein. „Als ich jung war, da lief hier man bloß ein Gespenst rum; und nu sited es vier geworden. O, was die Menschens dösig sind!" Hieraus sieht man, daß Buhmannsch nicht recht an die vier Gespenster glaubte, die bei Mondenschein auf dem Dach der Hütte sitzen und laut schreien sollten. Es sollten die Seelen von rto Seeleuten sein, die ihren Kapitän ermordet hatten und dann selbst im Sturm umgekommen waren. So berichteten die Dorf- betoohner, und alle Fremden glaubten die Geschichte mit Haar- strauben; nur Buhmannsch schien anderer Ansicht zu fein. Obgleich gerade sie wegen Kurpfuscherei und Zauberei immer wieder mit dem Gericht zu tun gehabt Hatte. Schon mancher Richter Hatte sie eUnahut, doch von ihrem sonderbaren Gewerbe zu lassen, und sie hörte auch Immer auf seine Worte. — 119 — ^Äoll'n Sie mir mal wieder zu 'ne Zauberin stempeln, ötubr 2^ „Ich glaub' La nich an," rief er hastig, „ich tu' es ja blotz mein' Ollsch zu Gefallen. Sie weint der ganze Nacht Lurch, und ich krieg' denn auch mein Reitzen.» Duhmannsch rückte dicht an den Betvater heran und legte ihm die Hand aufs Knie. „Herr Stuhr, ich will Sie mal was sagen Sie denken, Latz ich zaubern kann, Werl ich mannichmal mit ein paar Kleinigkeiten Glück hatte. Abers Las bin ich nrch gewesen, Las waren die Gespensters, die mich geholfen habem Ich weih, Sie glauben La nich an, und darum will ich auch nix verzählen: abers Wenn Sie Sonnabend .Klock zwölf des Nachts wieLerkvmmen wollen, denn können eie ja selbstens sehen, toXC Was^feh''1ch^Lenn?" fragte Stuhr nach einer Pause, und die Alte zuckte die Achseln. „Das kann ich nich sagen. Jeder- mnaus. -ziis er am , vvrüberziehen, und in einem Weck>eirbusch schrie em Kanzchen. Ss sträubten sich ihm die Haare, und er rannte so, schnell davon, dah 'ich sein Fuß in einer Daumwurzel versrng und er schwer linfiel. Wie er Lann nach Haufe sekommen War vermochte er- selbst nicht zu sagen. Aber, als sE Ollsche ihn blutig und' beschmutzt ins Haus Wanken sah, La schrie ,sw, ob ihm der Teufel etwas getan habe, und er mutzte es stöhnend zugeben. Er kam nicht Lazu, Sonnabend um Mitternacht zu Duhmannsch zu gehen, weil er sich dre Hand verstauch^ und an einem Loch int Kops laborierte, und er wurde es auch 5ab7@o feine Specksuppe», begann Stuhr, aber die Alte unter. nix vorzulügen, Stuhr, ich, Weitz was ick, weist und dah der Suppe nicht mal von Speck ne Ahnung fiatk Na, ich hab' ja mein Strafe gekriegt. Dunkelarrest unb drei Tagens WMer und Brot: ich hatt' mein Teil, Stuhr. Ja, die Obrigkeit kann keinen Spatz vertragen. Duhmannsch' Stimme war kläglich getoor&en, und Stuhr maÄ'büÄ^ FÄG’Ä«. Leichdorn auch in Kur hältst, der mrch nu erst wieder Weh, tut. Hast du da nich noch ein büschen was gegen? Damals kriegte t<6 UmanÄbchüttelte den Kopf. „Tut mich.leid, abers ich - . rR(lt Ehr neben; is Kurpfuscherei, wie dre Klugens sagen und ich muh dafor sitzen. Lassen Sie man das Snapsen-, penn kneift der Leichendorn auch nicht so. Stuhr wollte gerade eine zornige Aniwo^ flefen, als eut alter Wann an ihr vorüberging, vor dem er den Hut umrahm ,Ö“S«Ä X einen kurzen Grutz erwiderte. „Was is das fvr em,, gegen dem Sie so höflich find, bei nachslafende Zeit? Dem kenn rch ja gar I die Fremden davonzogen und sich ein grauer Himmel übers Dorf I spannte, da hatte man mehr Mutze, über sich nachzudenkeni gleichmütig j und auch über seine Leiden. Es kam die Zeit, wo die altert ■" 1 Weiber zu Duhmannsch schlüpften, um ihr eignes Mehdag zu erzählen, wo sie die Krankheiten ihrer ganzen Derwandtschast in glühenden Farben beschrieben und für alles von Duhmannsch einen Rat verlangten. Denn sie war bekamrtlich immer eine Herlverständige gewesen; seitdem sie aber in Wöhlers Kate wohnte, wo die Geister auf dem Dach satzen, seitdem sahen alle ein, dah sie einen besonderen Bund mit den unheimlichen Mächten geschlossen haben muhte; denn sonst würden die Gespenster ihr doch schon lange den Garaus gemacht haben. Aber Duhmannsch gab wenig Ratschläge. Sie sagte dah sie genug vom Gefängnis hätte, und dah ihr kleiner Enkel ganz allein sein würde, wenn sie wieder verreisen mühte. IHv Wlder- stand reizte, und- als es sich herumsprach, dah sie kürzlich einem Dienstmädchen, der ein Bauernsohn die Ehe versprochen hatte, um bald darauf mit einem reichen Mädchen zu gehen, dah sie der ersteren jedoch zu ihrem Recht verhalfen hatte, da „liefen alle weiblichen Wesen, die Liebeskummer drückte, nach Wohlers Kate, und niemand dachte mehr an die vier Geister, die, dort spökelten. Sogar Klaus Stuhr erschien an einem dunkeln Winterabend und sagte, dah er doch einmal nach Duhmannsch sehen mühte. Die Alte sah ganz gemütlich neben ihrem brennenden Herdseuer; in der Pfanne Brieten Kartoffeln, und der kleine Paul spielte mit einigen Muscheln. Klaus sagte etwas Herablassendes, und dann zog er ein kleines Papier aus der Rocktasche, um es vor Duhmannsch hinzulegen. „Ich glaub' da ja nich an, sagte er nach kurzem Räuspern, «Hers was die Weiber sind, die halten es mit dem Aber- glauben, und mein Ollsche tut mich auch leid. Erstens, dah sre sie den besten Pott mit Schwarzsauer aus die Speisekammer gestohlen haben und denn, dah sie nu wykl fein' Groschen von Jan Hitscher kriegt, for den sie ein halbes Jahr gewaschen und geflickt hat. Is doch auch zu gräsig. So'n Mann kommt retour in seine alte Heimat, und denn macht er gleich bankrott, un seinem Alter noch zumal, wo er mitten in die Sechziger is und iedwerein ihn für reich halten mutzte. Er is es ja woll auch gewesen, abers, was sein Sohn is, der in England wohnt, der hat ihm da hereingeritten. Nu muh er aus seine ferne Etaje, und der Ortsvor-steher- sagt, dah ich ihn noch in mein Armenhaus kriege Wozu ich keine Lust hab', wo ich Hitscher immer Sie genannt hab' und furchtbar höflich gegen ihn gewesen big, wie I es sich fvr einen von die Reichens gehört. Abers, wenn es fem mutz, denn mutz ich mir da ein finden, und ich Witt dafor sorgen Latz er tüchtig was zu tun kriegt; erst aber will mente i Ollsche ihr Geld haben, und du kannst man sagen, wie sie es machen soll. And dah der Richter ihr zuerst bedenkt von all ON reit Herr Gericht, ich will mir bessern!" Gleichmütig folgte sie dann dem Gerichtsdiener, der schon einige Witze für sie in Bereitschaft hatte, und ebenso gleichmütig oerlietz fie nach Abbüßung ihrer Strafe Las Gefängnis. Mittlerweile war sie denn alt geworden, ^tzgewachsen, mit verwittertem Gesicht und funkelnden Augen pahte e ^g.tt zu Xzm, baben einsamen Strand, zu Wohlers Kate, zum -Wäger, das oft so 'trotzig aufschäumte und weihen Gischt über den ®anb „ z,ßer der Hausvater vom Armenhaus hatte Loch Angst SWwÄ als sie ihn eines Abends anredete. ®a war Duhmannsch schon wohl eine Woche in ihrem un- beimttchm Quattier, und kein Mensch hatte eiwas von chr- ge- fciwt ‘ 5)er Hausvater hatte sich beim Krämer Tabak geholt und Lch Zwa^ was niemanL zu sehen brauchte und Las sehr ««-■ gemhm am Strand in der Dämmerung zu genietzen War. Nu Stuhr find Sie wieder beiS «napsen > fragte Duh mannsch'Sftmme neben ihm und der Angeredete lieh eme kleine ^ZichifZch Lew Duhmannsch», sagte er drohend, und &ie alte Frau lachte^ Stuhr, Las Wissen Sie ja, sonsten! Bätta^Sie^mir am Ende Loch wieder in Ihr Palläh genommen Abers, Sie wollten Las Seisenwasser nich wieder ubeui Kopp die Gläubigers." „ . „ Klaus schwieg erschöpft von seiner Rede und sah Duhmannsch an, die ihm aufmerksam zugehört hatte. „Is Jan noch in feine Etaje?" fragte sie, ohne die grauen strusseligen Haare zu beachten, die in dem Papier waren und die ihr der Detvater vor die Augen hielt. „Was weih ich?, murrte er nun. „Gib mich man flink ein' Rät und was mein Ollsch tun soll, dah sie die Koppeln los wird, die in die kehlen Tagens so' viel schlimmer geworden is. Lind wemr du dem Konkursverwalter ein Büschen besprechen könnst, dah er zuerst an mein' Ollsch Lenkt, wo sie Loch auch all ihr «warzsauer ver- loren hat —" er hielt inne, weil ihn Duhmannsch durchbohrend Glaub ich woll, mein Gute, dem hast auch niemalen gesehen'- is Herr Hitscher, ein alten Mann, der all lang von hier »'s Abers wie nu das Alter kommt, will er hier sein Geld Wn Hat ein' ganzen Berg davon, und mein' Frau soll for L wchchen Dwhnt bei Soltau in die erste Etaje, und wie ich man hör', hat er allens von Magvni. Einer von- die Reichens, ^Stuhr war ein wenig aufgeregt g^oorden, wie es ihm immer geschah wenn er an Geld und reiche Leute kmchte, und er achtete faum auf Duhmannsch, die so merkwürdig ruhig neben ihm stand. Is' das ^Jan Hitscher?» fragte sie jetzt, und der Detvater gab "ihr einen kleinen Puff, wie er ihn seinen Armenhäuslern 8“ ^Duhmannsch, sei nich ausverschämt l So'n Herrn nennt man nich Bei seinen Dornamen! Ich glaub’, Latz er Aan hecht, Weik ich sein' Unterschrift gesehen hab' Is woll an dr« vierzig Jahre in die Fremde gewesen; in Holland, oder so herum, und hat bannig viel Geld. Dem fein Bornamen is mx ter Bit! „Oll reit!" erwiderte die Alte kurz und ging so schnell davon, Latz Stuhr sich halb ärgerte. Denn er hatte noch nach den Geistern fragen wollen, die auf Wöhlers Kate bei Mondschein satzen. Er glaubte ja nicht an fie, aber es war doch ganz nett, von ihnen zu hören. . r In Len nächsten Monaten hörte niemand viel von Butz- mannfch. Es war Sommer, auf der Elbe ging es lustig und leb- . uvc ~rr7r\,, << ' - - ftaft au und auch ins Elbdorf kamen die Fremden mit viel I mann kriegt fern eigenes Schicksal «u v.,^sen , -Rieft Annen und vielen Kindern. ®a konnte man nicht an eine alte Da stanL Stuhr auf und «ins °We Aös^ Frau Lenken, die sich mit Wollspinnen und mit Schemelflechten I hinaus. Als er am Strande Sing,, sah er eur «.leuMet^ H i, ernährte und die ihre Sachen an Len Türen feilbot. Außerdem 1 Weidenbusch^ nftrie em Kauzch .. war es gesunde Zeit; es gab kein Gliederreißen, und nur feiten einen kleinen Knochenbruch, Len dann der Doktor schlecht und recht wieder zusammenflickte. Da dachte man nicht an Duh- mannsch, und fast kein Mensch bemerkte es, Latz sie nicht mehr allein am Strande entlang ging, sondern daß ein Keiner Junge meistens mit ihr lief. Er war Kein gebaut und hatte ein altes Gesicht; mehr wutzte niemand von ihm, und niemand wollte auch mehr wissen. Doch als die Abende länger wurden, als die Elbe inanchmal ebenso zornig rauschen konnte wie d«S Meer, als - IM - ■tooW Wveckkch -getan -haben, wenn er gesund -getoefetr -wäre. Jedenfalls tarn 6ä8 -ganze Armenhaus -m Aufregung -über i>ie -Erlebnisse SsS Betvaters, -und als Der-Gend.-rr: davon -sttckhr. beschloß «x. aal Mchmannsch -wreder -einmal -recht -scharf -acht zu geben, ., Diese aber spann -ruhig ihre Walle und verkaufte mepr -KoMchmnel als .jemals. Gleichmütig «woicherte M aus »eti Landstraßen »Herum, und wenn die :3imgen sh in ter tbr -vertiefen and „Hexe" rieten. dann zuckte 'sie nur die Achseln. (Lchluß folgt) MbKMSKLt. Bon.J.a-ko-b Bvfßth-a-r-H L -.Frischen Muts yarangsschritte«, Ist der Weg auch raüh und '.hart: Rein gestrebt -und -brav gestritten., Treu gelebt und stolz gelitten, Das ist gute Lebensatt. Der Tornado. Von ©r, W. P e pst l -r r. Mit Tornado, eiMm Mort, das auS- dem-.Spansschen.stammt, -bezeichnet man eine bestimmte Art von WirbÄstürmen -von außer- vrdsntlicher Gewalt, die eine Eigentümlichkeit der Vereinigten Staaten sind, aber doch auch gelegentlich -in anderen Gsgendea -Ser Erde austreten, Ein Tornado ist ein Luftwirbel mit einer fettkrecht, oder geneigt zur Erdoberfläche .stehenden Achse. Der Ärsprungsort 'liegt meist in der Region der Gewitterwolken oder vielleicht noch -höher, von wo sich ein rwirbelader, .saugender Woktetttrichter allmählich .zur Erde - herabsenkt uiib mit .einet Geschwindigkeit von 40 bis -60 -Km. pro .Stunde meist - mit -der vorherrschenden Windrichtung aus Südwesten fortbewegt and •oft in gerader Richtung Strecken von mehrerer, hundert -Kilo- -mstern zuriicklegt. Der Durchmesser dieser Lustwirbel ist sehr klein, verglichen ■mit dem der großen -atmosphärischen.0turmtt>irbet. die wir auf den täglichen Wetterkarten sehen, denn er beträgt rmr 202 bis 400 Meter! -in Ausnahmefällen, tote bei dem lebten Tornado in Illinois kann der Durchmesser auch ein bis zwei -Kilometer betragen. Die Tornados treten oft in Gruppen auf, oder es folgen auf einen Wirbel in kurzen Zeitabständen mehrere. Die Gewalt dieser Wirbel ist außerordentlich.. Wo der Wirbelschlmtch •zur Erde herabsteigt und über.das Land fegt, richtet er die-furchtbarsten Verwüstungen an. Die-infolge der Wirbelbewegung im Innern, des Trichters herrschende 'starte Erniedrigung des -Luftdruckes bewirkt, daß auf der Bahn des Wirbels ganze Gebäude auseinandergesprengt -werden, so daß in den Berichten über die Verheerungen der Tornados die Wirkungen sehr treffend mit denen einer Dynamitexplosion verglichen werden. Infolge der nach aufwärts gerichteten saugenden Wirkung werden die Gegenstände. Wagen ,ja ganze Blockhäuser,-in das innere Gebiet des Wirbels -gezogen und dann mit großer Gewalt in spiralförmiger Bewegung auswärts gerissen, wobei sie zurtrümmeri werden. Die Trümmer werden im zentralen Teil gegen das obere Ende der Tornadowalke gehoben und fallen wieder zur Erde herab. Gelegentlich find auch schon Tiere -und Menschen hoch -in die Luft geschlendert und weiter entfernt wieder abgefetzt worden. Man hat berechnet, .daß im äußeren Teil des Mrbeltrichters Sie Windgeschwindigkeit 100 bis 150 Meter pro Sekunde betragen kann, was dem ungeheuren Winddruck von ungefähr 1230 bis 2800 Kilogramm pro Quadratmeter entspricht. Be- «ücksichtigt man, daß bei schweren europäischen Stürmen an der Erdoberfläche höchstens 30 bis 40 Sekundenmeter Geschwindigkeit, oder Winddrücke von 102 bis 200 Kilogramm erreicht werden, wobei schon schwere Verwüstungen an Häusern und Wäldern angerichtet werden, fo kann man sich ungefähr eine Vorstellung von der -un.geh-euren Gewalt der Tornados machen. Die Verwüstungen erstrecken sich über nur aus eure schmäle Bahn von ca. 300 Meter Durchmesser, außerhalb deren nicht die geringsten Wirkungen zu spüren 'sind. Zum Schutze gegen die verheerenden Wirkungen der Tornados baut man in manchen Gegenden der Vereinigten Staaten wo sie -besonders häufig sind, sogenannte Tormrdckkelker. eine Art Unterstand, in welcher die Hausbewohner beim Herannahen des Wirbels sich retten. Der materielle Schaden, den die Tornados in Nordamerika anrichten, ist sehr groß und wurde schon vor 20 Jahren auf vier Millionen Dollar pro Jahr geschäht. .Er ist heute, nachdem das Land stärker bebaut und besiedelt ist, sicher -noch viel größer. Der Tornado in St. Louis am 27. Mai 1896, um nur ein Beispiel zu «Wähnen, verursachte allem einen Schaden von .12 Millionen Dollar und tötete -über 300 Menschen. Der materielle Schaden beim letzten Jllmois- tornado, der auf einer 300 Kilometer langen Bahn ganze Städte M", Dörfer.vernichtete, ist sicher noch- viel größer gewesen. Anr häufigsten-treten die Tornados in den mittleren Staaten Nordamerikas auf. -besonders -in den Landschaften -in dem ‘breiten Tale des Missouri -und Mississippi, z. B in Texas, Illinois •Kansas. Alabama, Missouri -und Dhio. -Nu den Dfistaaten;trete« .sie sehr 'selten auf -und nie im Felsengebirge und den Staate» am -Pazifischen Dzean. Man kann in den Staaten, wo Oie Tor- uados am Häufigsten sind, -fast alle Jahre auf einen von vrr- -hssrende" Wirkung rechnen. Die Monate, in denen -sie an; -häufigsten ‘sind, sind April vis Juni, also dieselbe Jahreszeit die auch die ‘Gewitter und Hagelstürme ^bevorzugen. Die 'bevon sugten Tagesstunden lregen auf dem Nachmittag und zwür •aus vier bis sechs Ahr, also -wiederum .ungefähr in Heber, lemfiimtnimg -mit -dem Auftreten der Gewitter -.und Hagelschläge. Die Tornados entstehen mit Vorliebe aut der Südostiew von Tiefdruckgebieten, Die über dem unteren Misfissippiiele .erscheinen. -Auf der Front Dieser Tiefdruckgebiete wird die warme, toafserdampfreiche schift vom Golf -von'Mexiko nordwärts angz- 'fangt, während auf Dec Rückseite .des Tiefs -kalte, polare Lui,, massen entlang dem Seifengebirge südwärts;strömen. In feem Grenzgebiet Der warmen -tropischen und -kalten polaren -LuWrö« entstehen. Die Tornados. Die Sturmenergie -schöpf! Der WiM aus-Sen großen Temperatur-unterfchieden der -polaren.und ÜM. torialen Luftmassen. Die mit großer Bewegungsenergie ein- brechende Polarluft hebt die warme Duft empor, 'wobei die dynamische Abkühlung der letzteren zu energischen, schweren Wolken- bildungen Veranlass uiig gibt Welche besonderen Bedingung^ gerade die.örtliche Entstehung des Wirbelschlauches Ksgünstigen, -ist allerdings im einzelnen -noch nicht ganz klar. Es äst afa -sicher- daß besonders große Te-mperaturgegensätze zweier enz .aneinati6ergcengenbet -und -überenranderdrä-ngender vustström. -vorhanden fein müssen,- diese Bedingungen find offenbar mit gelegentlich erfüllt .da sonst die Tornados, Die glücklicherweist feiten find, viel häufiger sein müßten. Die Tatsache, daß der Wirbelschlauch sich aus schweren -Gewitterwolken, entwickelt und Daß sehr oft Hagel dabei fällt, decktet darauf hin, daß die Hagrl- Aldung unter ähnlichen Umständen vor -sich geht. Die bei Gewittern gelegentlich von hohen Bergen beobachteten turmattige» Hagelwolken sind mit den Tornados sicher verwandt und man 'kann sich vorstellen, daß der Wirbeltrichter eines solchen Hagel- -turmes unter noch nicht näher bekannten Bedingungen sich abwärts unter die Gewitterwolke und bis zur Erdoberfläche enb wickelt. Die Entstehung eines Tornados wird -man erst dann genau feststellen -können, wenn es einmal durch Zufall gelingt, mit den modernen aerologischen Methoden der Drachen- und Bällonaufsttege im Augenblick -und genau am Ort der Bildung eines Tornados Beobachtungen zu machen. Das dürfte bei de; Seltenheit der Naturerscheinung .ein großer Zufall fein, aber -bei den zahlreichen aerologischen Forschungsftationen, die Heute Nordamerika besitzt, liegt es nicht außerhalb des Bereiches -er Möglichkeit. Daß die Tornados gerade in den Vereinigter. Staaten und besonders in -den Staaten östlich des Felsengebirges häufig auf- treten,^ ist sehr charakteristisch. In dem breiten Mtsfauri- Mississ-ippital, in -dem keine west-östlich streichenden. Gebirge den Luftaustausch behindern, treffen sich dir warmen äquatorialen Luftströme mit den kalten polaren, die aus Britisch- Nordamerika und Kanada südwärts Vordringen. Dadurch kommen gelegentlich außerordentlich große Temperaturunterschiede in -begrenztem Räume zustande. An. der Berührungsfläche Der -polaren und tropischen, Luft entstehen die Tornados. Diese orographifchm EigeiMmlichkeiten des nordamerikanischen Kontttrentes sind in 'letzter Lime daran Schuld, baß sich in den Bereinigten Staaten die WitteruMsünderungen viel rascher und schroffer abspielen als in Europa. Die große-Sturmhäufigkeit, der rasche Wechsel von Wärme- und Kältewellen, die berüchtigten Rorthers uni Blizzards und auch die Tornados sind klimatische Eigentüm- lichkeiten, die in dem orographischen Aufbau Des Kontinentes begründet sind. Daß -in Europa Tornados sehr selten und dann auch schwächer entwickelt sind, als in Amerika, ist ebenfalls durch du Orographie Europas bedingt. Die polaren Luftmassen. die aus dem Räume zwilchen Grönland und Spitzbergen vorstoßen, fließen, bevor sie Mitteleuropa erreichen, auf große Entfernung über die warmen Golfstromwasfer, wo sie Wärme aufvebm-n. Andererseits verhindern die westöstlich streichenden Alben und Phi-enäen Den ungestörten Zufluß warmer äquatorialer Lüft nach Norden. Infolge dieser Verhältnisse können sich so außerordentliche Dem- peraturg-egensätze über Europa nicht entwickeln, wie es in Amerika der Fall ist. Aehnltcher Entstehung wie die Tornados, sind die auch in Europa gelegentlich auftretenden Srombei* und Wettersaulen. Es sind ebenfalls Wirbel mit vertikaler Achse, &ie 60^9(14) bei Gewittern und Böen sich bilde?!, und aüf ihrer 75'351; Verwüstungen anrichten, die in einzelnen Fällen denen .der Tornados wenig -.nachgeben. In der Rheinebene, die sich im Sommer gelegentlich stark erwärmt, find schon wiederholt Weitersäulen aufgetreten, die schtveven Schaden - an .Häufern und Waldern ang-erichtgt haben. So hat -eine Windhose im September 1924 in .-Lahr und seiner Umgebung schweren Schaden verursacht.