Jahrgang (925 Somstag, den (4. Marz Nummer 2( Gießener Mmenblatter Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Manche Nacht. Von Richard Dehmel, Wenn die Felder sich verdunkeln. Fühl' ich, wird mein Auge Heller: Schon versucht ein Stern zu funkeln. And die Grillen wispern schneller. Jeder Laut wird bilderreicher, DaS Gewohnte sonderbarer, Hinterm Wald der Himmel bleicher. Jeder Wipfel hebt sich klarer. And du merkst es nicht im Schreiteil, Wie das Licht verhundertfältigt Sich entringt den Dunkelheiten. Plötzlich stehst du überwältigt. Erinnerung an Paul Heyse. Don Hilde Stieler. Wenn ich am HeysehauS in der Louisenstrahe in München vvrübergehe, tauchen Erinnerungsbilder in Fülle vor mir auf. Hier habe ich vor Jahren als kleine Musikschülerin von Heyfe und seiner liebenswürdigen Gattin als „unsere lie&e Haustochter" bezeichnet, die freundlichste Aufnahme gefunden. Dicht nur zu dem berühmten Mittwoch, dem offiziellen Gmpfangstag des gastlichen Hauses, sondern auch an jedem anderen Nachmittag war ich zur Teestunde willlommen. Din ich trotz aller Güte und aufrichtigen Herzlichkeit der Gastgeber eine gewisse Deklommen- heit in dem schönen Hause nie ganz los geworden, so lag das zunächst Wohl an meiner sechzehnjährigen Schüchternheit, zugleich aber auch an der etwas feierlich-klassizistischen Atmosphäre, die die Person des Dichters, gewiß ohne Absicht, um sich verbreitete. Nie erwartete ich ihn ohne Herzklopfen in den intimen, von angehäuften Kunstschätzen fast erdrückten Näumen, wo ich voller Respekt die von Lenbach gemalten Porträte Hetzses und seiner berühmt schönen Gattin (seiner zweiten, um vieles jüngeren Frau) betrachtete, bis er selbst, der Olympier, erschien. Ich habe ihn dann sehr oft und sehr intensiv zu sehen bekommen, da er bald nach meinem ersten Besuch den Wunsch aussprach, mein Porträt zu zeichnen. Natürlich erfüllte ich seine Bitte, ihm eine zeitlang Modell zu sein, doch ich kann sagen, daß ich vor Verlegenheit Blut geschwitzt habe bei diesen Sitzungen. Och war direkt von der Schulbank nach München gekommen, um Musik zu studieren, wohnte allein auf einer „Bude" bei braven, jedoch künstlerisch nicht orientierten Leuten — wer hätte mich also beraten sollen, wie man als Modell eines „klassisch" eingestellten Dichters sich zurechtmachen muh?! Ich zog eine grüne Bluse an, die mir, als Geburtstagsgeschenk meiner Mutter, bis dahin wundervoll erschienen war. Aber was hatte ich. eben dieser Bluse wegen, mit dem Dichter auszustehen! Vor allen Dingen nörgelte er, sei sie zu hoch geschlossen; er brauche, als Künstler, zumindest den Ansatz das Halses — und wo bleibe gefälliger Faltenwurf?! »Ein wenig mehr Griechentum, liebes Kind." sagte er wiederholt und zerrte und steckte an mir heruni, daß wir unglücklichen Griechin der Angstschweiß ausbrach. Nach der ersten Sitzung wieder zu Hause angelangt, schnitt ich unter vielen Seufzern! einfach mit der Schere oben am Hals ein Dreieck in die Bluse hinein, aber, „das Grüne, was so au-sgeschnttten", wurde nicht schöner, der Dichter nicht zufriedener dadurch. Wenn ich jetzt zuwerlen die alte Zeichnung betrachte, sehe ich immer mit besonderer Rührung die völlig zerschnittene Bluse an. . , sst die Zeichnung, soweit ich es beurteilen kann, technisch mcht ohne Köimen. Heyfe, darin Goethe ähnelnd, war auf fern Zeuchentalent stolz. Er ließ das Bildchen wundervoll rahmen und machte es meinen Eltern zum Weihnachtsgeschenk. Schade, daß ich zu jung war. um einen wirklichen Eindruck von der Personllchkett des Dichters zu bekommen. Den erhielt ich eigentlich spater als Heyfe schon tot war, in weit höherem Maße dadurch, daß em paar Briefe, die er dem ihm befreundeten Chemiker Viktor Meyer geschrieben, in meinen Besitz übergingen. ... filier dieser Briefe scheint mir als Dokument für die Art mnstlerrscher Diskussion jener Zett schon interessant genug, ihn hier zu veröffentlichen, Aber auch charakteristisch ist die vorsichtige Art des alternden Heyfe, der ein fo grobes Talent wie Ricard« Huch (sie war damals Bibliothekarin in Zürich) nur zögernd erkannte und anerkannte, während der kunstbegeistert« Diktor Meyer instinktmäßig und unbedingt ihre Bedeutung fühlt», „Ich bin Ihnen Dank schuldig, wertester Herr Professor, daß Sie mich durch Ihr enthusiastisches Lob des Buches von Fräulein Ricarda Huch dazu gebracht haben, es zu lesen. Beim Hineinblicken und flüchtigen Naschen war mir die Lust dazu vergangen. da ich überall eine starke Nachahmung unseres Meisters Gottfried (gemeint ist Gottfried Keller, der Paul Heyfe und Viktor Meyer gemeinsame, von beiden gleich bewunderte ältere Freund), erkannte, daß ich abzuwarten beschloß, ob die talentvolle Dame, wenn sie nach ihrer Shakespea^schen Häutung mtn auch die Kellersche vollzogen hätte, wirklich in ihrer eigenen §aut bestehe und auch liebens- und lesenswürdig erscheinen würde, nachdem sie zu sich selbst gekommen. Nun aber ließ ich mich doch auf Ihre Gefahr hin gründlicher mit dem Arsleuer ein (es handelt sich um Ricarda Huchs allerersten Roman „Erinnerungen von Rudolf Arsleu den Jüngeren) und habe es nicht zu bereuen gehabt. Denn je Wetter ich kam. desto merkwürdiger wurde mir die Beobachtung, daß hier wirklich eine seltsame Kongenialität zwischen der Jüngerin und dem Meister besteht, die sich durch das ganze umfangreiche Buch treu bleibt und nichts Gemachtes oder Gewolltes hat, wie bei...., sondern sich als Naturspiegel darstellt, wie die gliche Hautfarbe und die nämlichen Absonderlichkeiten im Sprechen und Gehen bei Vater und Tochter. Freilich bei der letzteren ein Wenig über« trieben (z. B. der ausschweifende Gebrauch von Bildern und Gleichnissen, so daß kaum drei Sätze einander folgen, ohne daß ein „wie" oder „vergleichbar" hervorbräche). Nicht nur in dem gelassen dahinwandelnden Vortrag mit den oft so kühnen unzugleich lieblichen Wendungen und barocken Verbindungen von Haupt- und Beiworten, am auffallendsten tritt die Verwandtschaft hervor in dem leisen Duft des (Märchenhaften, der über die realsten, nüchternsten, praktischsten Dinge und Verhältnisse gebreitet ist, so daß alle Amrisse durch einen Flor hindurch- schimmern, alle Gefühle, Gedanken, Leidenschaften durch Sordinen gestimmt erscheinen. Nun aber ist Keller der große, klare und der Natur treu ergebene Poet, während seine Jüngerin bei all ihrem feinen Verstände und verführerischer Phantastik ein träumerisch aufgelegtes Frauenzimmer bleibt, das mit seinen erdichteten Figuren ein zwar reizendes, aber launenhaftes Spiel treibt. Ist Ihnen nicht ausgefallen, daß alle ihre Charakter« aus Widersprüchen zusammengesetzt sind, und einen Tell ihres Reizes eben dadurch erhalten, daß sie uns Rätsel aufgeben? Galeide vor allem. Sie ist bald das kaltherzigste, bald daS liebevollste, das klügste und einfälttgste, das schönste und unansehnlichste Geschöpf unter der Sonne. In einem Atem haßt und liebt sie ihren Bruder; so auch ist Gzard der erhabenste und bezauberndste, zugleich sittlich gewalttgste Mann und doch wieder der verwerflichste. Äehnlich der Argroßvater, der Gr- zähler selbst; ja, es ließe sich dies Schillern der Eigenschaft«! überall nachweisen, und dieser wunderliche Kniff wirkt auf bi# Länge unerträglich, da er alle Ruhe des Eindrucks aufhebt und nie bei einem einmal gewonnenen Arteil über eine Person bv» harren läßt. Am unerttäglichsten wird die Manier bei Gaspard, der anfangs als ein halber Caliban geschildert wird, und uns zuletzt an den unwiderstehlichen Zauber seiner schwarzen Augen und seines goldenen Lächelns glauben machen soll. Ja, die Sucht sich spielend in Kontrasten zu ergehen, hat sogar bi# Katastrophe herbeigeführt, die so abenteuerlich ist, daß sie mich völlig kalt gelassen hat, wie sie denn auch im Buche selbst an Galeides wahnwitzig^ Ende keine sonderliche Erschütterung knüpft, und sogar die Nächsten ordentlich froh zu sein scheinen, ein fto unzuverlässiges Wesen los zu sein. Ein Zug Brentanoscher Willkür geht durch den Roman, mtt allem Reiz und aller Gefahr romantischer Anverantwortlich- keit, jedenfalls aber weit erfreulicher unb zukunftsreicher ab der dramatische Erstling, der in Anempfindung und Artet lslosiG» reit das Aeußerste leistet, während uns aus diesen Blättern eüt sehr anziehendes, sinniges und tiefsinniges Aatuvell anblickt, mtt dem wir gern verkehren, wenn auch einstweilen der Poet selber uns noch lieber ist als seine Dichtung. Mtt besten Grüßen Ihr Paul — 82 — tzeitzt: Rhine Wine goob, Neckar pleasent, Mpfelle innocent, Frankfort bad! AW ich zu den Sommerferien nach Hause fuhr, machte ich «einen Mschiedsbesuch im Heyschaus. Heyse gab mir einen väterlichen Kutz auf die Stirn und jagte: »Wage du zu hoffen und zu träumen! Dann, habe ich ihn nicht wieder gesehen. Der deutsche Wein. Auf grünen 'Bergen wird geboren Der Gott, der uns den Himmel bringt; Die Sonne hat ihn sich erkoren. Daß sie mit Flammen ihn durchdringt. Es gibt im Deutschen Reiche eine wunderschöne hegend, wo die Landkarte zur Weinkarte wird. Man «zahlt sich, daß Reisende, die sich nach diesem Kompaß geruhtet haben, nicht schlecht dabei gefahren find. Sagenumwoben, rebenumkränzt, bet deutsche Rhein und seine Nebenflüsse. Römische Legionen des Kaisers Probus erhielten bereits im Jahre 280 n.Ehr. bte Genehmigung zur Ansiedlung und der Kultur von Reben an Mosel und Rhein. Richt italienische Trauben, wie man gewöhnlich annimmt, sondern gallische waren es. kne man am Rhein anbaute, nachdem nach A u s o n t u s der Weinbaulanber Mosel schon früher heimisch geworden war und so köstlichen Wein lieferte, daß die Römer ihn mit dem heimischen ttalieEchen gleichstellten. Mehrere Jahrhunderte später war es dann Karl der Große, der den deutschen Weinbau durch wecke Gesetze und Verordnungen förderte und ihm zur eigentlichen Bedeutung verhalf. Alljährlich steigt nach uralt« Sage ber große Kaiser zur Zeit der Rebenblüte aus seinem Grab zu Aachen und segnet die Reben längs des Rheins. Bei Rüdesheim, da funkelt der Mond ins Wasser hmetti Lind baut eine goldene Drücke wohl über den grünen Rhein; Der Kaiser geht hinüber und schreitet langsam fort Lind segnet längs dem Strome die Reben an J«^m$Ort^ Weinlese am Rhein, wer würde sie je vergessen, der sie Aber wie eng begrenzt sind diese »ersten Sagen“. Die berühmte rheinhessische Liebfrauenmilch wächst zu Worms zwischen den Ruinenmauern eines Klosters auf einer Fläche von nur e/8 Hektar, an das allerdings etwa »/« Hektar des sogenanntenj Kapuzinergartens und 21/2 Hektar anderes Weingelände anstoßen. Schwer leiden heute die Weingutsbesitzer der mittleren und kleineren Lagen. Einern nicht unerheblichen Preisrückgang steht eine außerordentliche Steigerung der Produktionskosten gegenüber. Fast ausschliehlich ist der Weinbau auf den teueren künstlichen Dünger (Stickstoffdünger) angewiesen, nachdem nach bem Krieg der Raturdünger vollständig von der eigentlichen Landwirtschaft aufgenommen und an den Weinbau nicht mehr abgegeben wird. Man kann unter diesen Umständen wohl den erbitterten Widerstand der deutschen Weinbauern gegen den deutsch-spanischen Handelsvertrag verstehen, von dem man eine Ueberschwemmung des deutschen Marktes mit billigem spanischen Weißwein befürchtet. Und die Besorgnis ist umsomehr begründet, als die Abwehr des schlimmsten Feindes des Weinberges, die Abwehr der Reblaus, außerordentlich hohe Kosten verursacht. Aber auch eine gewaltige wirtschaftliche Bedeutung hat der deutsche Weinbau für uns gewonnen. In über tausend Gemeinden gibt es heute annähernd 75 000 Hektar QJebflädje, bic im Jahre 1923 einen Most ertrag von 791040 Hektoliter brachten, im Werte von 42 344 530 Goldmark, und babei leidet auch der deutsche Weinbau schwer unter der Rot der Zmt. Nicht unbeträchtlich ist die Anbaufläche in den letzten anderthalb Jahrzehnten zurückgegangen. Roch im Jahre 1911 betrug dm gesamte Nbauftäche 81 504 Hektar, um bann bis zum Jahre 1913 auf 78961,6 Hektar zurückzugehen. Wie schwankend der Ertrag gerabe im Weinbau ist, in wie hohem Maße er ab&ängt von der Witterung, beweisen am besten einige Zahlen. Im berühmten Hitze- ia6r 1911, dem Großstädter noch in fürchterlicher Erinnerung, erreichte der Mostertrag die Höhe von 2196 799 Hektoliter in einem Gesamt-Geldwert von 143072 299 Mk.. also uber das Dreifache des Jahres 1923. während dos Jahr 1913 ««* 824 808 Hektoliter Mostertrag brachte, im Werte von 41 941 035 Mk. Während das berühmte Weinjahr 1911 also pro S^ar einen Ertrag im Werte von 1755 Mk. brachte, erbrachte das schlechte Jahr 1913 nur einen solchen von 531 pro Hektar. Nüchterne Zahlen, die eine beredte Sprache sprechen. Richt rosig ist heute die Lage des deutschen Weinbaues am Rhein. Der ferner Stehende liest nur hin in® wieder einmal in einer Zeitungsnotiz phantafttsche, Ziffern, die 'TOe®’ Versteigerungen erbracht haben. Gewiß, das deutsche Edelgewachs wird immer seinen Preis erzielen, in der ganzen Welt weiß man es gebührend zu schätzen. Ein englisches altes Sprichwort Bei der Bedeutung be» Weinbaues ist es besonders erfreulich daß sich die Verwaltungen einzelner Länder zum Teil sehr stark seiner angenommen haben. Im Jahre 19w wurde 8-®. die hessische Weinbergdomäne gegründet, die heute über Weinberge erster Lagen in 13 Gemarkungen versügt. Durch die intensive staatliche Förderung tst -s u. a gelungen, den Wmn- bau an der Bergstraße, die sich von Darmstadt bis Heidelberg hinzieht, aus seine gegenwärtige Höhe zuhebemdie man sich vordem sicherlich nicht hatte träumen lassen. Schon vor 100 Jahren hatten hier Weinberge bestanden. Verwilderte Reben, die man auch heute noch hier Uich da in den Aldern findÄ, geben davon Zeugnis. Wit Recht hat man sich mtschloss^ schlechte Waldbestände auszuhauen und den vorzüglichen Granitboden wieder dem Weinbau zuzuführen Die Domänenweine des hessischen Staates sind ein Kapitel für sich, Weine, wie sie sonst eigentlich nur in Märchenbüchern Vorkommen. Mancher trinkseste Gast der hessischen Regierung weih ein Lied davon zu singen, aber auch davon, daß z.D. die berühmten 21er Weine erster Lagen mer in die Höfe hinein: „Nichts von Fedeiwieh zu verkauf«,? j Der Händler trug einen blauen Kittel und hatte nach seiner I Gewohnheit die Kiepe auf dem Rucken. Jetzt, da es junge. I Hühner gab, machte er gute sein,nun toaren seine unmutigen Gedanken versiogem Dre JagdlÄden I schäft toar in ihm erwacht, er legte dem Christoph die Hano i aus ’ den Arm und bat: „Gib mir dein Gewehr, Dort in dem I Dickrübenacker scheint noch eine Kette 8» sitzen. «Hofer I Christoph lud das Gewehr und gab es dem Michel. Dieser I zitterte vor Freude, Pfiff dem Hunde und ging langsam nach I Lm Dickrübenacker. Weiter hinaus lag ein»Klseacker, aus diesem I floa eine Kette auf. Als Michels Schuh fnatlte, fielen zwei | Hühner nieder, ein weiteres Huhn war geholfen, ^ ab« noch nicht tot. Es schlug mit den Flügeln nm sich, walzte sich in einer Ackerfurche hin und her. da hatte es der Hund auch schon | N „Jetzt aber ist es genug." sagte Christoph, .sonst wird unsere | Knallerei noch von den Leuten gehört. I Die Korngarben waren nah. man komite sie noch rächt n^ | Hause bringen. Christoph und Michel breiteten sie auf Dem Acker aus. damit sie trocknen sollten, dann mähtensie Inder I Nachbarschaft ttwas Klee und luden diesen auf. Das Gewehr I unb&ie erlegten Rebhühner wurden unter demKlee versteckt Dann fuhr man wieder ab. Knarrend und ächzend Me Näder waren lange nicht mehr geschmiert worden — bewegte sich das Fahrzeug talaufwärts. Als man auf dem Hofe angenommen ^ar- mit dem Gewehr und der Jagdbeute nach der Scheuer und kehrte nach geraumer Zeit toieber zuruck. - 9 Auf dem Montforter Hof war ckem Mehl mehr, man mußte dreschen, um Korn nach Oberhausen in die Muhle bringen zu können. Darum standen die beiden, nachdem sie vom Felde heimgekehrt waren, «rtt ^rSenne und schtmmgM den Dreschflegel. Die Hinkel liefen dicht heran und pickten Korner auf bis die alte Frau kam und sie im Hlnkelhause einsperrte. Zum Wendessen gab eS Kartoffeln und Sauermilch. I Christoph sagte: „Heute Nacht wollenjoir einen Wag madym- toenn uns der gelingt, gibt es besseres Gsfen. Wer. Wichel. I bu darfst dich nicht fürchten und einen Fehlschuß gibt es nicht. Wichel, der merfte, datz es zur Jagd gehen sEte. sagte: Wenn ick ein ttchtiges Ziel vor mir habe, so tresse ich es auch. Ich habe in Spanien manchen von den Drigands, die uns auf '^BiS^zur^Dunkelheit lohen die beiden auf Scheuettür aufriegelte. Es dauerte lange, bis zuru^m Er brachte zwei Gewehre mit, von denen er etn8 bem Wichel aus händigte Gr selbst hatte eine alte Jagdtasche umgehangt in der Tasche hatte er die am Morgen erlegten Rebhühner verpackt. Leise pfiff er dem Jagdhund, der wedelnd an ihm empor- Feldweg, an dessen Rand Zwetschenbäume stehen, führt, dem Laus des Daches folgend, vom Montfotter Hof hinunter nach der Straße. Aus dieser blieben die beiden nicht lange, sie gingen hinunter in einen Wiesengrund, durchschritten diesen uno ftiegen dann die mit Wald bedeckte Höhe hinaus. Kommt uns einer entgegen,“ sagte Christoph, „bann rasch in das Gebüsch und abgewartet, was er will." __ Es toar ein mühseliges Steigen in der dunklen Nacht, Denn die beiden blieben nicht auf den Schneisen, oft ging ihr Weg durch Dickicht und Alnierholz. Gingen sie über abgeholzte Strecken, fo bewegten sie sich besonders vorsichtig vorwärts. Der Hund war stets einige Schritte voraus und spähte scharf ans. Manchmal schlugen ihnen die Zweige in das Gesicht, und nicht selten stolperten sie über Daumwurzeln. Sie waren noch nicht ganz nach dem Gipfel des Lembergs gelangt, da blieb der Hund stehen, 84 - trat in bet dunklen Stube, doch sah sich bet Händler vorsichtig «ach allen Seiten um und sagte halbleise; „Habt Ohr etwaS für mich?" „Einen Rehbock, zwei Hasen und fünf Rebhttckek. Heint Aacht kannst bu sie holen." „Gut, mein Fahrwerk steht in Oberhausen, um elf Llhr fahre ich bott ab und lade dann hier auf. Wollt ihr heint Rächt nicht wieder etwas schieben? Der Günther und der Stoppelbein sind wieder nach der Stadt gefahren. Wie ich höre, will der Günther dort auf der Pfingstwiese einen Gaul kaufen und der Stoppelbetn will eine Fahrkuh einhandeln." „Diese Rächt wollen wir einmal schlafen, die beiden letzten Rächte haben wir kaum ein Auge zugemacht." Pünktlich um elf Uhr, als alle im Dorfe schliefen, kam der Einspänner auf der Straße herangerasselt und hielt am Fährmannshause. Sachs ruderte nach der Insel und war nach kurzer Zeit wieder da. Vorn auf dem Wagen befand sich für den Fuhrmann eine Sitzbank mit Lehnen, an die unten ein verschließbarer Kasten eingefügt war. In diesem Kasten wurde das Wildbret gezwängt, dann wurde der Kasten wieder verschlossen. Der Händler zog Geld aus seinem Beutel und händigte es dem Fährmann ein. Hinter der Sitzbank stand die Kiepe mit den nun schlafenden Hinkeln. Rasch stieg der Mann auf, und der Wagen rollte in der Richtung nach Kreuznach ab. 3m Rahetal war es still, nur das Wasser im Flusse, der beständig der Landstraße folgt, rauschte. Langsam bewegte sich der Wagen des Anton Kropp dahin; denn es war ein altes Pferd, das er vorgespannt hatte. In Rorheim waren alle Lichter verlöscht, niemand war auf der Straße, dann aber begegnete daS Fuhrwerk allerhand Leuten, die laut sangen, mitunter auch mit unsicheren Schritten gingen. Einige grüßten freundlich, andere schimpften und riefen dem Geflügelhändler ungezogene Worte zu. Das waren Leute, die vom Jahrmarkt heimgingen. Münster am Stein war bald durchfahren. Anton Kropp war müde und wollte rasch Heimkommen, darum knallte er mit der Peitsche, um den alten Gaul zur Eile anzutreiben. Das Rahetol ist dort ein Felsental. einige Minuten hinter Münster am Stein senkt sich wieder eine Felswand hernieder, und die Straße führt im Bogen um die Felswand herum. Gerade wollte Kropp sein Fuhrwerk um diese Ecke lenken, da kam von der entgegengesetzten Seite in scharfen! Trab ein anderes Fuhrwerk entgegen. Gin Ausweichen auf der schmalen Straße war nicht mehr möglich, obwohl der Händler am Leitseil riß, um das Fuhrwerk nach der rechten Seite zu lenken, da stieß er mit dem Wagen, der ihm entgegen kam, zusammen. Dieser Wagen war ein Zweispänner. Die Pferde konnten nicht mehr zurückgerissen werden, mit wuchtigem Stotze traf die Deichsel den Kasten unter dem Sitzbrette, und Kropp flog von seinem Sitze herunter. Beide Fuhrwerke waren ineinandergefahren und standen still. Von dem Zweispänner — es war ein Bordwagen, sprangen zwei Männer ab, und sahen nach dem am Boden Liegenden. Es waren der Gutsbesitzer Günther und der Förster Stoppelbein, die sich auf der Heimfahrt von dem Markte befanden. Der Geflügelhändler wetterte und schimpfte, aber er stand rasch wieder auf. Gin eigentlicher Unfall war ihm nicht zugestoßen, nur hatte er eine Beule am Kopfe und hinkte mit dem rechten Beine. Run galt es, zuerst die Fuhrwerke auseinanderzubringen. Günther trat zu seinen Pferden und drängte sie rückwärts, aber die Sache wollte nicht so rasch vor sich gehen; denn die Deichsel hatte sich in den Kasten, dessen Vorderwand vollständig zertrümmert war,, festgerammt. Stoppelbein hob den Kasten in Die Höhe, um die Deichsel loszubekommen. da sprang der Jagdhund CÄnihers, der seither schnuppernd den Wagen des Geflügel- Händlers umkreist hatte, mit wütendem Bellen herbei und zerrte den Dehbock, der dort versteckt war, heraus. Laut kreischten bei dem Gebell des Hundes die Hinkel in der Kiepe auf. Kropp geriet auf das neue in das Fluchen und rief laut: „Das gibt eine Entschädigungsklage, morgen früh gehe ich zum Friedensrichter. Ich verlange Schmerzensgeld, mein Bein ist kaput, ich kann meinen Handel nicht betreiben. Und meinen Wagen habt ihr mir eingestotzen, ich verlange einen ganz neuen Wagen, beim Johann Konrad in der Kreuzstraße lasse ich ihn bauen, und Ihr müßt ihn bezahlen." Unterdessen waren die beiden Fuhrwerke auseinanderge» kommen. Günther ergriff seinen Hund am Halsband und rief ihm einige scharfe, befehlende Worte zu, worauf daS Ti«, das immer noch vor Aufregung zitterte, sich am Straßenrand triebet* setzte. Anton Kropp schimpfte wett« und sprach noch immer von der Entschädigungs klage und von dem Friedens richt«. „Alt« Freund, "sagte d« Förster, „ich glaube, es ist bess« für dich du gehst nicht zum Friedensricht«, denn du Knntest dort gefragt werden, woher du den Dock hast." „Den habe ich ehrlich gekauft und mit meinem guten Gelbe bezahlt," beteuerte der Händler, „der Hannes Wild von Obermoschel hat ihn mir verkauft." „Wenn du 8um Friedensricht« gehst, um den Herrn Günther zu betragen, so wird sich ja Herausstellen, woh« du den Dock hast," antwortet« Stoppelbein. „Jetzt mach daß du Wied« auf Beinen Wagen kommst. Ich sehe, tW kannst noch gehen, und gebrochen ist dein Dein nicht." „Was den Schadenersatz betrifft, Kropp." meinte d« Guis- besitz«, „so lasse ich mit mir reden. Kommt die nächsten Tage nur einmal zu mir. Jetzt ab« gute Rächt, es ist schon ein Uhr." Die zw« Wagen roßten in verschieden« Richtung davon. 6. Ohne datz sein eigen« Wille dabei bestimmend gewesen wäre, war Michel Klee nach dem Rlontsort« Hof gekommen. Was « in Riei^rhausen «lebt hatte, hatte feine Seele in solchen Aufruhr gebracht, daß « sich von dem Fährmann vollständig hatte lenken lassen. Die Jagdleidenschaft hatte das übrige getan. Allmählich ab« fing « an nachzudenken, und da kam ihm zum Dewutztsein, daß « auf dem Hofe nicht bleiben konnte. Dort war « fast von jeder menschlichen Gesellschaft geschieden. Das Tun und Treiben d«S Fährmanns und fein« beiden Genossen sagte ihm nicht zu, wiewohl « in dem Fährmann seinen Freuich sah. Auch die beiden Dewohn« des Hofes trugen nicht dazu bei, seine nachdenkliche Stimmung zu verscheuchen. Christoph trieb seine Arbeit sehr nachlässig. Oft ging « in seine Scheu« und war dann stundenlang verschwunden. Rätselhaft war es Michsl, war « dort wohl trieb. Das Hauswesen war sehr unordentlich RiernalS wurde in ber Wohnstube ein Fenster geöffnet, auch im Sommer kochte die Alte die für das Vieh bestimmten Rüben in dem großen Ofen in ber Stube. Der Staub lag auf den Fensterbänken unb dem Tisch es kamen Gerichte auf den Tisch, die dem durch seinen Kriegsdienst doch an manch«lei gewöhnten jungen Manne zuwid« waren. Sodann hatte Michel an b« Alten etwas Eigentümliches beobachtet. Am «ften Morgen, da er auf dem Hose weilte, hatte sie den Eindruck erweckt, als ob sie taub sei, im Umgang mit ihrem Sohne dagegen schien sie ganz gut zu hören. Stets war das Hoftor verschlossen. In der Regel saß di« Alte am Fenster, hatte die Drille auf der Rase sitzen und spähte hinunt« in das Tal. Das Dreschen auf dem Hose wurde fortgesetzt. Früh« hatte Michel diese Arbeit gern getan. Da stand « bei Friedrich Schneid« und spät« bei Peter Wenzel um zwei oder drei in der Rächt auf und ging mit den Taglöhnern in die Scheu«. Oft waren es vier Wänn«, die miteinander beim Dreschen waren, und in regelrechtem Takte sausten die Flegel nieder. Jetzt zu zweien war es ein unlustiges Klopfen. In Ried«hausen waren die Dresch« allemal bei ihr« Arbeit vergnügt, es wurde Witziges aus alter und neu« Zeit «zählt, man lachte und war gut« Dinge. Auf dem Montfort« Hofe wurde diese Arbeit stumm getan. Christoph war mürrisch, er schien Schulden zu haben. Einige Tage nach der Jagd im Trornbachtale saß die Alt« in d« Mittagszeit an ihrem gewohnten Platze am Fenster, während die beiden Mäpn« in d« Scheu« Stroh banden. Auf einmal stieß die Frau vom Küchenfenst« aus, an das sie getreten war. einen durchdringenden Schrei aus und rief taut: „Schnell, schnell, dort unten kommen die Gendarmen". Christoph ließ das Bund Stroh, das er gerade zusammengebunden hatte, aus den Händen gleiten. „Gewitter noch einmal,“ sagte «, „bie haben von uns«« Jagd gehört. Jetzt schnell fort!“ Er zog Michel am Arme mit sich nach dem Seitenraum ber Schauer, ben sogenannten „Baaren", wo b« Eingang zu einem alten, längst nicht mehr gebrauchten Kell« war. Christoph fand sich in bem bunflen Keller sehr gut zurecht, aber Michel stolperte über allerhand Gegenstände, wie es schien, üb« Brett«, Balken unb Reisig, stieß auch öfters mit bem Kopfe gegen die niedrige Decke. Aach einer kleinen Weile stand Christoph still, schlug mit Stahl unb Stein Feuer unb entzündete einen Schwefelfaden. Er gab ben Schwefelfaden seinem Begleit« in die Hand, riß einige Bündel Rebenholz, die an d« Mau« aufgeschichtet waren, zur Seite, und nahm eine Keine Sandsteinplatte, die in die Maner eingefügt war, heraus. Ein schwach« Lichtschein drang von außen herein in den dunklen Kell«. „Rasch hindurch!" sagte Christoph, und Michel zwängte sch durch die enge Oeffnung. Sein Kopf unb seine Hände stießen auf Stroh, das « zur Seite schob. Als « sich Wied« aufrichtete, stand « mitten in einer Dorn hecke. Christoph kroch nach, von außen setzte « die Sandsteinplatte Wied« ein unb häufte das Stroh vor ber Oeffnung so dicht zusammen, daß kein Licht in den Stell« bringen konnte. Mitten durch die Dvrnhecke war ein schmaler Weg, der auswärts führte, gebahnt. Auf diesem Wege schritten die beiden dahin, manchmal mußten sie sich seitwärts durchzwängen, manchmal auch kriechen, wobei die Dornen sie am Gesicht und an den Händen ritzten und die Kleid« Risse bekamen. „Das hat meinem Vater Arbeit gekostet, hi« einen Weg zu bahnen," meinte Christoph, ber feinem Gefährten voranging „Als der Schinb«hannes im Lande war und bie verfluchten Räuber bie einsamen Höfe brandschatzten, hat « jahrelang sein Geld und oft auch Lebensrnittel oben auf der Burg versteckt. Ich habe dafür gesorgt, daß man immer noch durch die Dornen hin- durchkvmmt." (Fortsetzung folgt) vchriftlettuna: Dr. Frirdr. Wilb, Sanne. — Druck und B«laa ber Brübl'tchen Aniv.-Bucb- nnh Steindruckerei. R. Sange, Gieße»