Eichener ZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang (925 den 10. Januar AummerS (fing. schon unter weih band Peter hakte das lange weiße Machthemd angezogen unb lag in seinem Himmelbett in der Dachkammer, unb nun sollte er schlafen. „Es ist schon spät," hatte die Mutter gesagt, „und morgen früh ist die Macht um. Gib acht, daß dich der Sandmann nicht findet, ich habe ihn schon schleichen sehen, und wer nicht schläft, den streicht er mit der Haselrute, die er an der Seite trägt wie einen kleinen Säbel." Aber Peter konnte nicht schlafen, ob er auch ein wenig Angst vor dem Sandmann hatte. Sicher hat das der Mond, der eben tetr. Silberhorn von dem Schornstein des Machbarhauses abhakte, sich mit krummem Mücken auf den Dachfirst legte und von dem dicken Kater des Bierbrauers nebenan schaukeln ließ, daß die Studenten auf der Straße glaubten, die Welt sei in Aufruhr und sich an den Laternen festhielten. „Peter," sagte der Kater, der ihn vom Spielen auf dem Dachboden kannte, „die Macht ist zu schön zum Schlafen. Deine Mutter hat sich gerade einen süßen Punsch gekocht und eine neue Länge zum Aastricken vorgenommen. Sie wird dich nicht suchen, wenn du ein wenig mit mir spazieren gehst. Der Mond mag sich alleine weiter schaukel!,, er wird mir sowieso ‘ ' SU rund, und dem Sohne des dicken Brauers, den ich dort den Studenten sehe, ist vom Zuschauen schon die Mase geworden. Wir wollen uns ein Stück die Welt besehen." Peter war es zufrieden. Er schlüpfte aus dem Bett, sich seinen Husarenfäbel um. der immer am Bettpfosten yl„a. falls er doch etwa beut Sandmann begegnen sollte, und stieg durch das Fenster auf bas Dach. Der Kater gab dem Monde noch einen tüchtigen Schwung, baß er verdrießlich vom Dachfirst wegschaukelte und alle Studenten vor Schreck .pereat" riefen strich an der Dachtraufe hin und setzte sich neben Peter auf die Fensterbank. Memento. Bon I. W. v, Goethe. Kannst dem Schicksal widerstehen. Aber manchmal gibt es Schläge,' Wilkö nicht aus dem Wege gehen, Ei! so geh du aus dem Wege' Peters Nachtfahrt. Ein Märchen von I. O. Bringezu. „Ich muß einen Augenblick ausruhen, ehe wir abreisen Es ist richtig, wie der Astrvnomieprofessvr sagte, bei dem ich eine Zeitlang in Diensten war: Michis ist schwerer als die Gestirne durch unseren Geist so zu lenken, daß keine cklnordnuna im Amversum entsteht. Die Welt ist ein schwieriges Instrument wehe, wenn sie unseren Händen entgleitet, man kann nicht sagen' tote s-ch danach die Dinge entwickeln würden. — Doch ich deUke' wir können jetzt unsere Weltreise beginnen." „Wird sie auch nicht zu lange dauern," fragte Peter der we-.l er noch so jung war, glaubte, man müsse um die ganze Welt reifen, wenn man sie kennen lernen wolle, „und werde ich toteuer zurück fein, wenn meine Mutter nach mir siebt?" „Du brauchst dich nicht zu sorgen, du siehst, die Meise geht schon los, sagte der Kater und im Augenblick standen sie beide tu entern außerordentlich großen Saale, in dem wele Menschen mit schonen Kleidern saßen, die alle nach einer Seite sahen, die allem in dem ganzen Hause von Lichtern hell war, unb’ wo einzelne Leute lebhaft miteinander sprachen. „Wo sind wir hier," fragte Peter, der noch nie ein Theater buchen hatte, weil seine Mutier zu arm war, um mit ihm dort hineinzugehen, „wieviel Menschen gibt es doch hier!" „DkkS ist eine harmlose Unterhaltung, die sich die M-nsch-n ersonnen haben, um die Seiten des Levens, die sie nicht kennen O'to ^eguemere Wccke vorgoführi zu bekommen. Sie halten sich zu diesen. Zweck eine besondere Art ihrer Gattung, die sie Dichter nennen, Menschen, deren Seelen so fein find, daß sie sich an Dingen. Lte Den andern stumpf und harmlos erscheinen, blutig und fwßero Diese Seelen haben sie — ob als Gunst weiß es nicht — von Gott erhalten. Durch Ä Dl'fahrung hat man nun gefunden, daß die Seelen dieser Ä-5® l-e besonders stark gequält und gepeinigt werden, i(e Fähigkeiten bekommen, Dinge zu sehen, benni maß im Alltagsleben gewöhnlich nicht begegnet. 3111 ße ferner, wenn man sie verspottet oder sie verächtlich macht, und vor allem, wenn man sie tüchtig hungern laßt, ganz besonders schöne, oft sogar grausiK-schöne Dinge sehen kölmerr, vie oanii, wenn man sie im Theater vorsührt, einen prächtigen Schauer entstehen taffen. . Jeit dies offenbar geworden ist, tut man, st>i-e du dir denken tann-ff, alles, um die Dichter zu möglichst vielen und schönen Ges ich.cn anzuregen. Die sehen sich die Leute dann im Theater "m »>w wenn der Dichter einmal ein besonders seltenes Bild erschaut yat, Werl man es mit der Quälerei arg genug «trieben $ann. stad sie vor Freude außer sich und schreien rmd warf giert mit den Händen, daß unsere berühmtesten K«hßoe, dat) es tu der WtirUichkeit so wenig solcher Leute gibt Im Snterefte unseres Stabes ist das doch seh^zu 'Wnrn'K.E^v-' $ der Dichter selbst: bravo, bravo, junger et tst uoch jung, und wie es scheint, sieht er n»ve aus. Bravo, bravo., junger Mensch; wir wollen ihn -u^erem nächsten Tee einladen, die Bekanntschaft mit ihm nach Lesern Er,olg wird uns sicher einen guten Mamen machen," kannst K den^chL^ sehV ' W ** Äe^R % l'i'win, und es war ihm. als müßte er ihn kennen . mag schon fern, sagte Der Kater, „aber komm w: w.klen werter sehen, bas Leben hat erst an^angen" r„. „F™ öamtt flinncn sie aus dem Saale eine breite werden war * 3an° «T „Gib mir deine Hand, Peter, wir kommen in einen wr. ei°AteJt’ be\ 5toar '-an meinen früheren Kalev- Megen^ her noch kenne, der aber so voller Win iw ist. daß wii,- letch. den Weg verfehlen können, zumal uns der Mond au» purer Bosheit seinen dunklen Buckel zulehrt. Es ist «Ä meSv Charakter^ &€T ®r6e 8” no*e gekommen, das verdirbt beit Erichen sie mit vieler Bvifficht Über flache und spitze Dächer hm; der Kater vetschmÄhte es nicht bin imd su Vaft ?lC fkf’ f!c£>? fühlte, weil er hier- lange nicht hmv V? " ral’fJU Zerspersen, „man tut, wozu man ge- .^eter sie schmeckt mir ebenso gut, wie dir ein »L ^^^Husenbraten. ‘ bis sie an ein Fenster kamen hinter &ert zwet Stimmen mitem ander sprachen 3 to,ir bleiben," sagte der Steter, „man kann dnS "~5a n»aru$, wenn man es nur hort. Die Worte haben, auch Gesichter, wir ^rerc wissen es genau, weil wir nicht soviel Wvr.e haben wie ihr Menschen, aber dafür Haben wir viele rI1 u “R? .«^kstlmmte a-onstufen und ein feines Gefühl für die Seele jebeS Wor.es, das ihr zu euch und uns sagt." fi.„. a'I ,Jlv?nn’ ber ruhelos in dem Zimmer auf und nieder güt@ /u, elneTn Kudern, der sich gebeugt an eine Wand leBnta Unb es war, tote wenn er zu sich selber- spräche. ' ' SsZU tst t&ren eigenen Weg gegangen; ich glaubte ernst fte hatte mich wirklich lieb und doch wollte sie nur mit meinem DEm vor den Menschen prunken ; aber als sie das SpiÄ weute, gmg sie davon. Ich habe cs getragen, obwohl ich ft« mepr stebte, als sie wußte, mehr als meine Kunst, die fast dar- un.er litt, a-a hat das Leben meine Seele gehärtet, aber di« Kunf. machte, daß die Härte einen guten Klang gab. Du hast ihn aus den Werken gehört, die mir später gelangen, und von denen die Wenigen sagen, daß sie gut sind. gehst auch du: ich frage dich nicht nach dem Grunde. Vielleicht lockt dich die Welt, vielleicht eine Liebe, vielleicht sin Muhm, von dem du glaubst, daß du ihn ohne mich leichter finden wirst. Ich wünsche dir. daß du ihn findest. Es war eine Freundschaft zwischen dir und mir. über beten Tiefe die Welt spottete. Sie konnte es tun. denn sie ist voller Eigenart. Sie verspricht Liebe und gibt Haß, sie sät Leben und erntet den Tod, sie baut den Tempel der Freundschaft bi« an den Himmel und der Grund ist doch nur Tand: wir wiffm e» 10 — nut nicht, und wenn seine Zeit kommt, beginnt er LU wandcnr und zu fließen und der schöne Dau wankt und birst und bricht in sich zusammen. Lebe denn wohl, wir Wolken die Trümmer nicht wieder ausbauen. Du weißt so gut wie ich, daß in geborstenen Kirchen der Teufel wohnt." Peter sah, wie der Schatten an der Wand sich umwandt« und entglitt, und er hörte, wie der Schritt des Wandernden ruhiger wurde, bis es endlich ganz -still blieb. „Sieh dort in den Spiegel, Peter," sagte der Kater, „da kannst du ihn sehen." . „Kenne ich ihn nicht," fragte Peter, der an einem Lisch einen müden, bleichen Mann sitzen sah, der in den Spiegel wie über ein unendliches Meer hinschaute, „mir ist, als müßte ich ihm schon irgendwo begegnet fein." „Das mag schon sein," sagte der Kater, „aber komm, wir wollen weiter gehen, wir find erst in der Mitte." Und damit nahm er Peters Hand und sie stiegen über den Giebel hin wieder in die Gaffe hinab, die zwischen schmalen Häusern und über Drücken, unter denen grünes Wasser schnalzte, einen Berg hinaufführte, von dem es tote von vielen Glocken läutete. In der Dämmerung, die fahl und grau über die Dächer zu kriechen begann, sah Peter die Gasse von vielen Leuten angefüllt, die in schwarzen Kleidern und hohen, glänzenden Hüten denselben Weg gingen, den ihn der Kater führte. Männer und Frauen mit feinen, schmerzlichen Gesichtern und stillen Augen, die wie Sterne in der Dämmerung leuchteten, gingen unter ihnen. Aber das waren nur wenige, und die hielten sich an den Seiten in dem dunkleren Schatten der Häuser und man sah, wie ich schon sagte, nur den Schimmer ihrer Augen, weil sie weinten. „Ich gehe gern zu solchen Totenfeiern," begann die laute Stimme eines wohl angezogenen Mannes, der mit gewölbter Brust in der Mitte der Stube ging und gewichtige Schritte tat. ' Es tut mir wohl, unter Menschen zu fein, von denen man weih, daß sie gebildet sind und einen Wann mit Auszeichnungen zu schätzen wissen. Man hat doch heute Gelegenheit, öffentlich zu zeigen, wie Fleiß und Ausdäuer und Freundlichkeit gegenüber den Vorgesetzten belohnt werden, und es ist immer gut, ein Beispiel zu geben." And dann wölbte er seine Drust noch em wenig stärker, daß man eine Reihe bunter Ordensschnallen sah, an denen Kreuze und Medaillen spitz und hohl flingelten „And wie ich hörte, wird auch der König den Toten dura- seine Anwesenheit ehren," antwortete dem Würdigen em kleines Männchen, das wie ein Wiesel so danebenher wuselte. „Mein Detter, der bei Hofe beschäftigt und, wie ich wohl sagen kann, gut angeschrieben ist, erzählte es mir, und das ist um so höher anguerfennen, als man dort noch niemals etwas von dem Dasein vieles Dichters gehört hatte, von dessen Ruhm jetzt alle Zeitungen voll sind und dem man Ansterblichkeit verliehen hat. And das, obwohl er doch, wie ich von vielen Seiten gehört habe, feine Frau verstoßen und früheren Freunden gegenüber sich sehr ungebärdig, ja gefühllos und ganz ungebildet gezeigt haben soll.' „Das mag richtig fein, ja, ich möchte beinahe behaupten, es ist wirklich richtig so gewesen," nahm ein Dritter bas Wort, der einen schönen Dauch vor sich her trug und überall als reicher Mann bekannt war, weshalb er auch von den beiden andern mit tiefer Ehrerbietung gegrüßt wurde, „denn wie kann ein Menfch, von dem man sagt, daß seine Mutter eine Strumpfstrickerin gewesen ist, ein ebenso feines Gefühl und den Seelen» adel haben, der uns erblich Dornehmgebvrene über die Meng? hinweghebt. Ich hätte es auch unterlassen, der Frier zu dieses Menschen Tode beizuwohnen, wenn ihn nicht die Gebildeten für einen großen Künstler erklärt hätten und der König sich den Sarg öffnen lassen will, um noch dein Toten einen Orden auf die Drust zu legen. And vielleicht ist es von Mutzen, sich ii, diesem Augenblick, der leicht eine ehrfürchtige Träne erpressen kann, von des Königs Augen treffen zu lassen, denn im rechten Augenblick zu weinen, ehrt einen fingen Mann mehr, als di« Törichten meinen, die ihre Tränen verbergen, als sei es die Oeffentlichkeit nicht wert, ihr dies kleine Schauspiel vorzuführen." „Ein schöner und vortrefslicher Gedanke," pflichtete der Würdige bei, indes das Wiesel sich bemühte, dem großen Herrn in der Kirchenhalle, in die man inzwischen gekommen war, gegenüber dem Sessel des Königs einen Platz zu bereiten, auf dem die Träne recht zur Geltung kommen würde. Man öffnete gerade den Sarg, in dem der Tote in weißen Gewändern auf purpurroten Seidenkissen lag und der Minister reichte dem König die Kette, an der ein glänzender Stern befestigt war, der die Aufschrift trug „Dem .Unsterblichen“, als der Kater Peter vor eine Mische führte, die in dem Schimmer der frühen Morgenstunden glühte, wie wenn sie aus einem einziger» Stück Rosenkranz geschnitten wäre. „Sieh dort in den Spiegel, Peter," sagte der Kater, „da kannst du ihn sehen." .Ich sehe ihn," sagte Peter, „und mir ist, als kennte ich ihn id>on lange.“ „Das mag schon sein," sagte der Kater, „du kennst ihn schon und wirst ihn noch viel besser Tennen lernen; aber komm nun, es ist Zeit, wir wollen gehen. Es war das letzte, und der Morgen bricht an.' Ich fühle schon den Tau auf meinen Pelz rinnen." So gingen sie aus der Halle, als die Glocke» wieder zu läuten begannen, weil der König den- toten Dichter die letzte Ehre erwies und der große Herr sich richtig zum Schluchzen zwang, wozu das Wiesel ihm das Schnupftuch hielt. Aber der König sah es nicht, denn die erhabene Ruhe des Toten ließ ihm selbst die Augen übergehen, daß eine Träne auf die Brust des Toten fiel. And die funkelte und glänzte tausendmal schöner als die goldene Kette auf der „Dem Ansterblichen" geschrieben stand. Sie gingen durch die stille Gasse, wo unter den Drücken das grüne Wasser schluchzte, an dem Fenster des Abschieds und an dem Theater vorüber, das ganz mit schwarzen- Flor behängt war, hin zu dem Hause des dicken Brauers, wo auf dem Hofe der Sohn mit krummen Rücken auf einem leeren Fasse faß und im Schlafe mit dem Kopf nickte. „Da sind wir also wieder daheim, Peter," sagte der Kater, „und ich wette, deine Mutter sitzt noch immer und strickt, denn ich sehe die Lampe brennen, wie sie es schon manche Macht hindurch getan hat, damit sie genug Geld verdient, um dich einmal werden zu lassen, wozu du Lust hast." „Dann möchte ich wohl etwas werden, wo mir der König auch einen Stern verehrt und vor mir den Hut abnimmt, selbst wenn ich dann schon gestorben bin und auf roten Seiöenfiffer; in einem weißen Marmorsarge liege und nichts mehr davon sehe. Aber Mutter wird sich dann gewiß sehr darüber freuen." „Das mag wohl sein," sagte der Kater, „aber nun leb wohl, ich muß jetzt gehen. Die Sonne treibt schon ihre roten Lämmer aus und es wird Zeit, daß ich für mein Frühstück sorge." Damit hängte er den Husarensäbel an das Bett, in dem sich Peter die Decke über die Ohren gezogen hatte und bei den letzten Worten eingeschlafen war, weil ihn das Leben müde gemacht hatte, klinkte das Fenster zu und strich über das Giebeldach des Brauers in den alten Taubenschlag, wo er einen fetten Mauseeinsiedler wußte, den er sich schon lange für einen tüchtigen Hunger aufgespart hatte. And als die Sonne mit ihren ©trabten die kleine müde Lampe ganz ausgelöscht hatte, bei der Peters Mutter über ihrer mühevollen Arbeit cingefd)lafen war, begann sie mit losem Blinkern den leichtfertigen Stricknadeln den Hof zu machen, die sich nicht wenden noch drehen konnten, weil sie das Garn mit festen Wickeln umsponnen hielt, daß sie es sich wohl oder übel gefallen lassen mußten. And da Minierten und zwinkerten sie zuletzt so feurig wieder, daß die Frau, als die Strahlen ihr« Augen trafen, davon aufwachte, und weil es schon später Morgen war, eilig in die Dachkammer hinaufsprang, ihren kleinen Peter zu holen. „Ich muß dir gleich erzählen, wo ich heute nacht mit beim Kater gewesen bin,“ sagte Peter, als ihn die Mutter mit einem Kuß auf die Mase geweckt hatte, aber weil er nur die Geschichte mit dem König und der Kirche und mit dem toten Dichter und mit dem schönen Orden behalten hatte, konnte er nur hiervon erzählen und von dem Kater, daß er mit ihm gesprochen hatte. „Mir scheint, mein kleiner Peter ist selbst ein Dichter geworden," sagte die Mukter, „daß er so wunderliche Dinge träumt,“ nahm ihn aus seinem Bettchen auf und gab ihm noch einen Kuß. „Aber bis dahin hat es noch lange Weile, und wenn es Gott will, wollen wir schon einen tüchtigen Mann aus dir machen, trotz deiner Katergeschichte und deiner Mondscheinträume. Aber nun schnell, ich glaube, ich rieche schon, wie meine Milch überkvckü", und damit lief sie mit dem kleinen Peter auf dem Arm aus der Dachkammer, daß ihr die Röcke nur so flogen und Peters Machthemd hinter ihnen Herzog, daß es aussah wie ein weißes schimmerndes Wolkensegel, auf denen die Schicksalsengel unsichtbar hinter den Menschen Herreisen. Der Pulsschlag des Meeres. Bon Dr. Oskar Enzberg. Ebbe und Flut — das ist ein Begriff, um dessen Erforschung die Menschheit feit Jahrtaufenden sich mühte. Schon Herodot. Strabon und Pythas und Messalien schrieben darüber, aber erst die wissenschastlichen Forschungen von Mewton (1643 bis 1727), Hailey und Laplace brachten den Grund, auf dem Klarheit über die Herkunft dieser seltsamen Erscheinung erwachsen konnte. Der größere Teil der Menschheit jedoch steht diesem Problem noch fremd gegenüber; und wenn der Badegast ans dem Binnenland am Mordseestrand steht (die Ostsee hat gleich dem Mittelmeer fast keine Flutbewegung), dann ist es für ihn am einfachsten, entweder eines der vielen Maturgeheimnisse hinter Ebbe und Flut zu vermuten, oder die Sache ried) besser ohne weiteres Aachdenken hinzunehmen. r , Mur der reine Vorgang, das sofort Wahrnehmbare, das wird auch den Badegast interessieren: wie etwa alle zwol, Stunden das Wasser des MeereS bis zu einem Hochstpunkt anschwillt und wie dann nach etwa 6 Stunden diese Flutwasier- mengen gewichen sind und dem tiefsten Ebbepunkt Platz gemacht haben. And wie er draußen schon kurz nachher wieder sehen kann, daß das Wasser von neuem in seine kleinen und großen Jx innen eintritt und Prielen und Baken füllt. , Wir wissen nun längst, daß Mond und Sonne es suw. die durch ihre Anziehungskraft Ebbe und Flut verursachen, und — 11 — der einzelne Ort seine Flut stets alle 12 Stunden und 26 Minuten. Aus die Minute trifft das allerdings nicht immer ein; aber eine ungefähre Berechnung ist doch möglich, so daß man in den Hafenorten Flutkalender aufstellen kann. Solch ein Flutkalender von Norddeich z. D. gibt an als Hochwasser- zeit: 1. Januar vormittags 1,49 und nachmittags 2,20, 2. Januar 2,24 und 2,56, 3. Januar vormittags 2,58 und nachmittags 3,29 Ahr usw. bis 30. Januar vormittags 1,31 und nachmittags 2,01 Ahr. Im ganzen find, wie schon hieraus zu ersehen ist, die Anterschiede zwischen Ebbe- und Flutzeiten am Morgen und Nachmittag (die sogenannte tägliche Ungleichheit) beträchtlich. Das erschwert dem Schiffer oft die Berechnung. Dress Ungleichheiten werden Lurch Las Jneinanderwircken von Mond- und Sonnenstellung, Lurch den Einfluß des Windes und andere Faktoren (Monddurchgang Lurch den Meridian) herworgerufen. An den Küsten und besonders auch an der Nordsee entstehen manchmal ungewöhnlich hohe Fluten, wenn schwerer sturm das Wasser gegen die Küste treibt. An der Nordseekuste von Holland bis Hamburg sind jene Stürme am mersten gefährlich, die zuerst Südwest- und Westrichtung hatten und sich dann nach Nordwesten drehen. Sie werfen bei der Flut die Wassermcngc> mit solcher Wucht gegen das friesische Land, daß die berüchtigten großen Sturmfluten entstehen, die oft ungeheuren schaden anrichteten und schon vor Jahrhunderten zur Anlage von Deichen führten. Diese Deiche schützen heute die Nordseekuste von Frankreich bis nach Dänemark hinauf, And argwöhnisch betrachtet der Küstenbewvhner die Flutmarke, denn er weih am besten, welch ein Feind das Meer sein kann. Lausendmal mag fern Pulsschlag ruhig und friedvoll sein, aber Las e in e Mal, rn dem er zur Fieberhöhe steigt, kann er ihn und seinen ganzen Besch vernichten. Die FlLÄuftker. Eine Erzählung von der Küste Brasiliens. Don Dr. Alfred Funke. (Fortsetzung.) Da ging die Tür auf, und herein traten zwei Seeleute, Lenen man das deutsche Blut aus den ersten Blick ansah. . Der eine, ein Dreißiger, sonnenbraun und wetterfrisch, trug Len Schnurrbart flott und den Kops hoch, wie ein echter Kapitän, der feinen Dampfer unter sich weih. Der zweite war ein Dutzend.Jahre älter, aber noch immer ein rüstiger, forscher Mann, dessen hellblaue Friesenaugen so klug und scharf waren wie damals, als er noch Schollen und Dutt fing und als Bestmann auf dem Ewer seines Baters auf der Nordsee fuhr. . _ Das war Schiffer Baukhage, Hein Daukhage, den ieder am Hafen zu Porto Seguro kannte. Denn er kam mit seiner schweren Chatä') „Nvsalia" oft genug über die Lagoa das Aniach meist vom Dom Pedro" geschleppt. Die großen Leichter vom schlage der „Nvsalia" lagen schwarz und träge im Hafen, bis einer der flinken deutschen Schlepper sie an die Trosse nahm und nach Nro do Bugre bugsierte, wo die Ozeandampfer warteten. Das gab in der „Trocknen Banane" zunächst ein großes Hallo, als Kapitän Dettermann seinen Freund Lührs und den Schiffer Baukhage erkannte und begrüßte. Nach diesem Hallo gao es dann einen kräftigen Willkommenstrunk, und Dettermami lud ein: Wenn ihr nichts anderes vorhabt, so kommt heute zu mir an Bord! Da lasse ich einen Curry kochen, daß ihr alle zehn Fingen danach lecken sollt. Mein Koch versteht das, und ich habe alles an Bord, was zu einem richtigen Curry gehört." „Da laden Sie uns doch mit ein, Käpp'n Dettermami? fragte wäre grausam, wenn ich es nicht täte. Aber Sie müssen das Bier dazu aus dem Klub liefern. Denn das ist mir knapp geworden." „Das ist wohl so 'n Art Spiehbraten, Herr Kapitän, was Sie machen wollen? Ich meine nur, weil die Herren so wild daran, find," erkundigte sich Dümpke. „Nein, Landsmann," belehrte ihn der Kapitän. „Zu Curry gehört Reis und Huhn und allerlei scharfes Gewürz, daß man hinterher ordentlich einen schmettern kann. Wir Seeleute haben das in China und Indien kennen gelernt. And scharf muß Curry sein " ' Na, dann kann ich's mir schon vorstellen," sagte Dümpke. „Es wird so 'ne brasilianische Sache sein, so mit rotem, und grünem Pfeffer und so ’n Kram. Ich danke. Als ich mal auf der Serrq Dieh kaufte, da setzten sie mir auch so 'ne verdächtige Sache vor. War scharf wie Lauge. Ich habe mir das Maul eklig verbrannt. Das ist Batapa gewesen," entschied Jansen. „Das Zeug ist allerdings nicht milde. Als ich es zum ersten Male probiert hatte, hängte ich mich mit beiden Händen an einen Kleiderhaken unö krümmte mich wie ein gekränkter Regenwurm. > Aber surrh .ist eine seine Sache, und ich gedenke heute — —" . Er kam gar nicht zu Ende, denn em Bote trat hastig em und hatte kaum den Kapitän des „Dom Pedro" entdeckt, als er eilig bestellte: „Die Agentur läßt Kapitän Lührs um Antwort bitten. Es sei sehr eilig." ♦) Leichter. rtß« ihnen in erster Linie der Mond. Zwar ist er viel klemer als dis Sonne, aber das wird ausgeglichen durch die geringere Ent- kernuna der Erde, so daß der Mond eine Anziehung auf diq 'S hat bie 22 mal so stark wie die bfer Sonne wirkt. And wie nun 'der Mond (rein bildlich gesprochen) die Erde umkreist, ko läuft zugleich mit ihm die Flutwelle der Ozeane und Meere mii bic Erdoberfläche. Das ist (eine ununterbrochLim Welle denn die Ozeane sind auch ferne endlosen Flachen, aber Ftu- uno Ebbe tauchen in jedem größeren Mem^ vonneuemaich^aLga. die Erdoberfläche wird angezogen, doch sind diese: gering und nicht ohne weiteres wahrnehmbar. AnstattvOnAn ziebuna könnte man mindestens im Hinblick auf DaS uSn & - *« >,lbrammte NBLS »Ä»; ‘ÄÄ'firfÄ £ Agegengesetzten Erdkugelhälfte stets zugleich eure Flutwelle entsteht die nur um weniges geringer m der Hohe ist. zjnd ähnlich zieht auch die sonne die Erde an, nur, weck schwächer Die von ihr hervorgerufene Flutwelle A daher weniger^wahrzunehmen, zumal da sie meist von der stärkeren Ebbe und Flut durchkreuzt wird, die vom Mond Hervorgerufe. w' . Wenn iedoÄ zufällig Mond und Sonne zugleich ube^ dem Horizont und nahe beieinander stehen, dann wirken gemÄn- fam und erzeugen höhere Nut und tiefer c Ub gleiche verstärkende Wirkung wird herworgerufen wenn Mond und Sonne genau entgegengesetzt.stehen ww die ^de mitten zwischen ihnen. Da nun die Wirkung beider HimmetLkorper stets bei N e u m v n d und B o l l m v n d zusammensallt, w haben wir zu diesen Zeiten (Szhgien genannt), auchstets^nneh- hohe Muten, sogenannte Springflut en. Wan kann anney inen, daß bei einer Sonnenflut von emem Meter Ä^ die Mw d flut etwa 2,25 Meter, die Springflut ungefähr 3 Meter erreich. Bei den Mondvierteln verringert die sonnenflut die Mcndflar, wodurch die sogenannten Nippflut en entstet)en. In den einzelnen Teilen der Erde find die Muthohen ganz außerordentlich verschieden, dem, neben der Wassermenge und Wasserfläche, die je nach der Größe eine unterfchieoliche Entwicklung zuläßt, wirken auch die Gestaltung der Erdoberfläche (Inseln, Landzungen, Einschnitte) und die Erhebungen auf dem Meeresgrund mit. Diese Einflüsse sind ost so Ss'vh. daß an de, Küste eines verhältnismäßig Heinen Landes die Muthohe die arößten Anterschiede zeigen kann. Das erkennt man z. B. an der englischen Nordseeküste. Der Atlantische: Ojean bat ; eure Fluthöhe zwischen 3 und 3,7 Meter. Es erscheint also selbst verständlich, daß die schottische Küste auch wcht Ehr als 3.2 Meter Fluthöhe haben kann, ce weiter nun aber tue Nut an der Küste entlanaläuft, umsomehr steigt sie, so daß sie am Humber bei steiler Küste 6 Meter Höhe hat. Del Liverpool und an einigen anderen Orten Englands steigt die Nut sogar bis aus 8 Meter, bei Kings Read auf 14 Meter, bet Chepstow auf lU1‘Ver ^G r o ß e Ozean hat an der amerikanischen Westküste keine hohen Flutwellen, dagegen erheblich höhere an der asiatischen Ostküste (China bis 5,5 Meter). Im Indischen Ozean schwankt die Höhe zwischen 1,8 und 11 Meter, letztere rm Golf von Cambaya. Eigenartige Störungen und Jusammenwirku.'igen entstehen dort, wo die Flutwelle ourch eine längliche Insel zerschnitten wird und nach dem Passieren der Ji^l wieder Susam- nientrifft. Allein schon an der europäischen Westküste sind die Fluthöhen so verschieden, daß inan versteht, daß dies alles in Derbindung mit der dauernden Verschiebung der Mutzen ^(Ebbe und Flut werden übrigens Gezeiten genannt) für die Schis - fahrt von größter Bedeutung ist und zu umfangreichen Ausstellungen geführt hat. Jeder Ort hat feine Haftzeiten 3n Deutschland sind selbstverständlich über die Mutwirkung an der Nords eeküste genaueste Aufzeichnungen vorhandeii, von denen manches auch für den Binnenländer interef.ant ist. Die Flut tritt in die Nordsee vom englischen Kanal her urab zugleich von der offenen Nordseite aus dem Ozean em. Für den größten Teil unserer Küste, besonders für das schiffahrts- gebiet von Emden bis Hamburg, ist jene Strömung wirksam, die aus dem Kanal kommt. Sie läuft, durch die amfetn behindert, nicht kehr schnell. Don Borkum bis Wangeroog braucht lie ungefähr 45 Minuten, bis Wilhelmshaven etwa 2Vi Stunden. Die Flickhöhe beträgt im allgemeinen 3 bis 4 Meter, erreicht aber bei nordwestlichen Stürmen an der friesischen Küste auch 6 Meter. An der Westlüste von Jütland beträgt die Normalhöhe schon nur noch etwa zwei Meter. Die Mut steigt natürlich auch in die Flüsse, soweit sie nicht durch Schleusentore' (Siele) abgeschlossen sind. Aber während sie im Amazonen- und .Lorenzstrom noch auf 300 bis 500 Kilometer flußaufwärts zu spüren, hört bei uns selbst in der Elbe eine stärkeres Wirkung schon bald oberhalb Hamburgs auf. Der Hamburger Hafen und die vielbefahrene Anterelbe sind allerdings stark davon beeinflußt, und es ist bekannt, daß dort die Schiffahrt Ebbe und Muk zur Ans- und Einfahrt benutzt, je nach der Fahrtrichtung. Der Mond geht bekanntlich jeden Tag etwas später auf, denn er braucht nicht gerade einen vollen Tag zu der „Arn- kreisung" der Erde, sondern ungefähr 24 Stunden und 52 Minuten. Da jeden halben Tag eine Flut erscheint, so bekommt — 12 bas 3 sie den o b bas stunden- । I ■ W Schrittleitung: Dr. Sriedr. M-lb. Lange. - Dnrck und Verlag der BrüSl schen Aniv-Bnch- und Steindruckerei, R. L^nge, Diesten. „Es ist nur gut, Käpp'n Baukhage," sagte Wilm Peters, das! cs Heutzutage keine Flibustier mehr gibt “ „Oho, Wilm Peterst Im chinesischen Meer — du weiht ich habe auch aus der Brücke gestanden und meinen Kurs gesteuert — gt&t eS noch Seerauber genug, und wenn sie dir mal fo'n halbes Schock Stlnktopse auf die Back feuern, und dann, das Messer zwischen den Zähnen, aufentern, dann muht du kaltes Mut haben Sonst ist das gleich Matthäi am letzten." ^beir Sis das schon mal mitgemacht, Käpp'n Baukhage?" -,?Er Schiffer liest das unentschieden, denn er brannte sehr umständlich eine neue Zigarre an und trank langsam einen Schluck Wog. ^tign gut, dast wir so einem Flibustier hier Nicht Uber den Kurs konimen können," beruhigte sich Wilm Peters _ . »Sag das nicht, Junget Der Deubel hat oft seine Hand im Spiel. Aber wenn uns so eine Brut auf Deck käme - die wollten wir abfegen, was?" „Ja, das wollten wir, Käpp'n. Aber da ist ja gar kein Gedanke dran, And nun gehe ich zu Koje." (Fortsetzung folgt.) *) Kru = Mannschaft. Te gab des; Kapitän einen Bries. ^aste der verdrossen. „Mit dem schöne« Eurrtz S Es Essig. Wir sollen umgehend zurück nach Rio dv Bugre, Baükyage." , „Ja, warum denn aber?" ..Revolutionl Admiral Severians kreuzt an der Küste süd- wans von Rio, und inan traut auch den Kriegskabaen in Ports Seguro und Rio do Bugce nicht," ' „Was habe ich gesagt, meine Herren?" triumphierte Jansen. »Da haben wir den Salat!" Er stand auf, trank aus und empfahl sich eilig. ..Ich werde mal zum Konsul gehen." erklärte Betterorann, „iöenn der mir sagt, wir haben noch Zeit dazu, laste ich den Eurrh doch machen." ,»?^ kann je^ leicht zu scharf gepfeffert werden, fürchte ich," sagte Olost und zahlte. aber sah kummervoll in sein Glas und klagte: „Da #5* 5 Schwelerei bei uns in der Pikade denn auch wohl wieder tos. Ich mache, dast ich heimkomme. Sonst holt mir Zeca Pereira rnemen Tupiauv^), und ich habe das Aachsehen." ™ «ns holt die brave Miliz wieder einige hundert Sack ~"evt undZucker ans dem Armazem^) zum Barrikadcnbauen," be- Nrrchtete Otvff. ... »?ch was." sagte Schiffer Baukhage. „Die lassen Sie sich hinterher gut bezaylen. Das kennt man schon. Für manchen ist Bevmuttvrr em gutes Geschäft. Man must es nur verstehen." Dann ging er mit Lührs eilig zur Agentur. Da lag' das -ee-egramM aus Rio do Bugre. Die „Rosalia" sollte sofort vom »•M'm Pedro zuruckgesckwpvt werden. Im Aotfall konnte die teure Fracht der „Rosalia" aus den Hamburger Dampfer zu- ruckverladen werden, der noch in Rio do Bugre lag und warte,, k^mme b'8 &CC Schlepper mit dem Leichter (von Porto ^Seguro . , darauf stand Kapitän LührS wieder auf der Brücke des >>Don! Pedro und liest das Signal über den Hafen dröhnen, und Schisser Daukhage regierte das Steuer der „Rosalia" selber Wenn sie erst in der offenen Lagoa waren, konnte Wilm Peters Wachs gehen und den Schiffer ablosen. Wilm Peters war ein deutscher Kolonistensohn. der seine ersten schwarzen Bohnen in der Pikade Santa Clara gegessen und bei den Fahrten zum Markt nach Rio do Bugre Geschmack a» «r Schifferei gefunden hatte. Da lagen die „Hiaien", die SegeWyne, die aus deutschen Prkadcn die Erzeugnisse nach Rio do Bugre brachten. Weil Schiffer Baukbage für seine „Rosalia" auf diesem Mercado seine Alohrrüben. KohlkSpfe und Zwrebeln selbst einkaufte, an den deutsche!: Hiaten auch Hühner, Eier, Butter mit Zähigkeit und Amsicht einüandelte so kernte er Wilm Peters kennen und fand Gefallen an den, amgeweckten deutschen Jungen. „Miim Peters," sagte er daher eines Tages. „Hör mal zu, mein Jung! Ich brauche einen Bestmann, der am Ruder und auf Deck seine Wache geht und ein ordentlicher Schiffer- Werden will. Wenn du Lust dazu hast, so kannst du bei miv c:ne gute Heuer haben und auf der Stelle anmustern." Das kiest sich Wilm Peiers nicht zweimal sagen, sondern kam eit Bord der „Rosalia", lerirte gar bald, was zu einem richtigen Bestmann gehört, und war nach einem halben Jahr des Schiffers rechte Hand. Wilm Peters gab auch schart acht auf den schwarzen Adriano, den Koch der „Rosalia", der' sonst den Schiffer um manche gute Zigarre, manche Flasche Kümmel und andere guten Dinge gebracht hatte. Wilm Pewrs hatte dem schwarzen Adriano eine Pfütze Wasser über das wollige Haupt gegossen, als der Dunkelmann sich mit heimlicher Wonne erne gemauste Hamburger Zigarre hinter dem Schweinekobei, an Bord zu Gemüte führen wollte. Als Adriano sich vom ersten Schreck über das Sturzbad erholte, spürte er ein paar wohlgezielte Jagdhiebe mit einem gutgedrehten Tauende über Ken Buckel und verzog sich eilig in seine Kambüse. „Pucha biaboi" sagte er. „hol's der Teufel!" Seit den: respektierte er Wilm Peters unbedingt und sah r» ihm den zweiten Kommandanten der „Rosalia". — --- «... ■•®tnri bür nur erst unsere „Rosalia" in Rio do Bugre hatrenl sorgte sich Schiffer Baukhage, als der schwere Leichter über d,e Lagoa glitt und die Rauchfahne des Schleppers über Ne glitzernde Fläche wehte. .Bei Rächt fuhren die Schleppzüge nicht, denn das Fahr- wch,er war seicht. Gar zu leicht blieb ein Schlepper oder Leuchter aus dem Schlick und Sand kleben. „ - »Manche Leute mache-., ja ein Geschäft daraus, Wilm Peters, belehrte Baukhage feinen Bestmann und deutete auf L-nen versackten Keinen Segler, der die beiden Maststanaen sus ver Flut reckte. „Der Kasten da gehörte Pinto Pereira ur Rio do Bugre. Der hat ihn da schön auf Gründ gesetzt Die Versicherung musste bezahlen, und Pinto lacht die Dumm- ät. j i ,5. < t _.___einen Haufen I Gerd geblecht haben. *) Schecken (Pferd). **) Speicher. „„ Peters, das waren so richtige Räuber- %‘b .Blutch-iibe. Aber Respekt habe ich doch vor Kerls. Da war Morgan, ent Engländer, der hat die gmze Kaste am Kara,bmrmeer geplündert, ist über dir Landenge geZ »ogen und hat 1670 sogar Panama erobert, wo jetzt der Kanal m den Stillen Ozean mündet. Ich habe mir das genau gemerkt Da war noch em anderer Kerl, ein Holländer, van Horn hieb F; Der wor aus Ostende und hatte sechs Schiffe und zwölf hundert Räuber unter sich. Der brandschatzte nial Veracruz das damals noch von Spaniern gehörte. Die wollten ihn mit X1 S.ro6?n Flotte abfangen. Aber mein Holländer nahm 1500 Spamer aus der Stadt an Bord. Die wollte er an den Rahen aufhangen, wenn die Spanier einen Schutz auf ihn ah. gaben Da nnchten diese ihn segeln lasse!,, bis er in Sicherhell war, dann schickte er die Geiseln zurück, die vor Angst schon halb tot waren. Da war ein Franzose, Gramont hiest er Das war ein heruntergekommener Edelmann aus Paris. Der brannte auch d,e Städte nieder, wenn sie nicht Säcke voll Geld erachten. Aber die Engländer sind immer die großen Räuber gewesen und dulden die kleinen nicht neben sich. Die Flibustier darauf kos, als die Bukanier aufgerieben waren Das waren ganz verwegene Seeräuber. Die führten eine schwarze »lagge mit .eotenkopf und Stundenglas und nannten " ' »Lustigen Roger . Aeberlege dir mal, Wilnt Peters, öö vw eine lustige Flagge fern kann, wo ein Totrnkvps drauf ist Das Ware mir zu grasig!" Schiffer Baukhage erzählte seinem Brstmann noch lang, was er aus alten Schwarten über Seeräuber und Strand- Piraten zusammengelesen hatte. Auch über die marokkanischen Piraten wusste er gut Bescheid. Wilm Peters war keine Banöe- bux, aber hin und wieder kroch ihm doch eine Gänsehaut über Ben Blicket, toenn der Schiffer gar zu blutrünstige Geschichten Hulsawchneiden, Mord und Brand und anderen Gräßlichkeiten mit Beyagen verzapfte. o lein Schiff auf die Bänke geA S •Xinu oct in Bg&c er fein ryt> BaviM m»'Ä Ä'1"' ®“' g<*6!' 6°l ecSUfSieurnoi ,md smpiere mit ins Bov^ genommen, und wir waren ricktia die Ä fem Rotsignal sahen, und haben ihn und ^L a? Bord genommen. In Veracruz haben wir ibn an betonüfMttn6>er-nn9lf'^e Ä^n?ut Hut den Captain wohl'scharf oeschnuftelr aber rhm konnte feiner was beweisen. Mchste See- t<>T7 h'i>fy»ff>oa> ' g • x^n alten &e” Bukanier und Flibustier im Golk vvr. ^iie^no, n.MvPrta”1 to«r 6et Schiffer wieder richtig auf seine Lieblings- gs.chichten gekommen, und da der Schlepper Anker fallen liest und also die „Rosalia" auch festmachen mutzte, so liest Bauk- ifone" Drog brauen, schob seinem Bestmann die -Zigarrenkiste hin, was bet ihm immer ein Zeichen guter Laune Ee ihm Bilder aus dem 17. Jahrhundert aus, in oensn es von tollkühnen Seerauoern wimmelte.