Eichener jamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger Jahrgang (925 Samstag, den 9. Mai ~ Nummer 37 Frühling. Von Heinz Ewald Paul. Rnd wieder geht ein Rauschen durch die Welt, atmet die dampfende Frühlingserde schwellende Sehnsucht, züngeln junglaubige Silberpappeln wie flammende Riesenkerzen, winden sich jauchzende Lercheit an bunten Liedeicketten zu zitternder Bläue empor, schwängern sonnentrunkene Käfer die lachenden Himmel mit rauschenden Akkorden, wölben über allem Grün sich die weihen Wolkenlammer. älnd wieder geht ein Rauschen durch die Menfchen- springen mit einem Mal sherzen, taufend goldne Türen auf, bricht aus quälenden Tiefen plötzlich ein jauchzend Leuchten vor, singen und klingen die Gedanken, rasen grenzenlose Wünsche wie junge Pferde taumelnd um die Wette, lechzend nach Erfüllung — und die Sehnsucht ertrinkt in einem Meer von niegekanntem Glück. Die biologische und musikalische Bedeutung des Vogelgesanges. Don Dr. Margot Rieß. Gegenüber den Gesichtspunkten, die sich aus der Betrachtung des Phänomens des Vogelgesanges an sich ergeben, Problemen, die den Tierpsychologen, Biologen und Vererbungswissenschaftler in gleicher Weise fesseln, ist die Frage nach der Berwendung der Vogel st immen in unserer Tonkunst von geringerer Bedeutung. Immerhin bleibt es eine reizvolle Aufgabe, einmal dem Hineinspielen des auherkünstlerisch Organischen in die abstrakteste aller Künste nachzuspüren. Freilich hat man sich davor zu hüten, in Fällen, in denen es sich um ganz unbewußte Assoziationen handelt, die einem Komponisten während des Arbeitens gekommen sein mögen, Rach- ahmungstendenzen aufzeigen zu wollen; z. B. ist es gewiß verfehlt, in solch einer genialen Konzeption wie dem Anfangsmotiv der L-Moll-Shmphonie von Beethoven, das nach des Künstlers eigenen Worten das an die Pforte pochende Schicksal verdeutlichen soll, die Wiedergabe des allerdings rhythmisch übereinstimmenden Gartenammer-Motivs erkennen zu wollen, ebenso wie es bedeutungslos ist, bei Mozarts Bevorzugung der Terzgänge jedesmal bei ganz entferntem geistigen Inhalt den Kuckucksruf heraushören zu wollen. Rur um beabsichtigte Ratu- ralismen in den Werken von Komponisten soll es sich also hier handeln, wobei auch immer in Betracht zu ziehen ist, daß die Bestimmung der einzelnen Weisen einerseits durch unser künstliches Tonshstem erschwert wird, andererseits durch die sehr hohe Stimmlage, in der sich der Gesang der meisten Vögel bewegt, — es ist gewöhnlich die dreigestrichene Oktave, — sowie durch den raschen Wechsel der Klangfarbe und die Antermischung mit unreinen Töne. Daß es trotzdem vielfach Musikern gelungen ist, einzelne Motive oder auch ganze Gesänge von Vögeln in Roten» schrift zu verdeutlichen und in ihren Kompositionen klar erkennbar zu verwerten, liegt an der überraschenden älebereinstimmung der Elemente, aus denen der Dogelgesang sich aufbaut, mit denen der menschlichen Tonkunst; es lassen sich in den Liedern der besten Sänger, wie der Sprosser, Singdrosseln, Rachtigallen, direkt« Gesetzmäßigkeiten von Jntervallbildung, Rhhthmisierung, Tempo Und Dynamik nachweisen. Das Nächstliegende für die Komponisten war nun, die sich tn einfachen Intervallen bewegten Rufe des Kuckucks und Pirols barzustellen, die auch seit dem Sommerkanon des Mönchs F or n» set« vom 13. Jahrhundert in zahllosen Kompositionen verwendet Worden sind, in dem reizend-naiven Capriccio von I. K. Kerll ’£'ucu aus dem 17. Jahrhundert, in Rameaus „Rappel des Oiseaux u. a. Äebrigens hielten sich dabei nicht alle Komponisten an die absteigende große oder kleine Terz der zweigestrichenen Oktave, in der der Kuckucksruf kür gewöhnlich erklingt, wie überhaupt die meisten Dogelmotive von den Komponisten etwas abgeändert wurden, um sie dem jeweiligen Charakter der Stelle des Musikstückes anzupassen, für das sie Verwendung fanden. So hat auch Be ethoven im 2. Satz seiner Pastorale außer den zweifellos wiederzuerkennenden, durch Holzblasinstrumente bargestellten Stimmen von Nachtigall, Wachtel und Kuckuck auch in freier Weise das Motiv des Rotkehlchens verwendet, das hier weniger an den eigentlichen Intervallen als vielmehr der Richtung ihrer Aufeinanderfolge, ihrer relativ engen Lage und dem charakteristischen Rhythmus wiederzuerkennen ist. Auch die Triolen der Kohlmeise im 3. Satz hat Beethoven verwendet, die später auch von Bruckner im 1.Satz seiner „Romantischen Symphonie" in ganz freier Weife, aber doch wiedererkennbar dargestellt wurden. Naturgemäß gestattet das Gebiet der Oper eine mehr realistische Darstellung von Vogelstimmen, und so finden wir auch die berühmteste Verwertung von Stimmen der Singvögel in der Musik bei Wagner, der im 2.Akt seines „Siegfried" dem Gesang der Waldvögel sogar eine für die Handlung bedeutende Rolle zuerteilt: Hier werden durch Flöte, Oboe und Klarinette fünf Vogelmotive mit größter Raturwahrheit dargestellt, die sich dabei aufs vollkommenste der Stimmung «Her ganzen Szene anpassen; es sind die wohlcharakterisierten Stimmen von Pirol. Goldammer, Baumpieper, Rachtigall und vor allem der Schwarzamsel. An Weber, der wie alle Romantiker in seinen Kompositionen Stimmen der Ratur besondere Ausdruck verlieh, an Carl Löwe, Schubert sei hier nur erinnert; auch Haydn hat Vogelstimmen in tonmalerischer Absicht verwandt. Wer jedoch für die Schönheit der einzelnen Dogelstimmen ein aufnahmefähiges Ohr hat, dem kommt auch von selber die Frage nach ihrer Bedeutung für die Sänger selber. Seit Darwin hat ja die tierpsychologische Seite des Problems eine Reihe von Forschern beschäftigt, und noch heute stehen sich verschiedene Theorien gegenüber, die dem Versuche dienen, die Erscheinung ihren genetischen oder momentanen Ursachen nach zu erklären. Daß der Gesang der Vögel mit ihrem sexuellen Leben in innigstem Zusammenhang« steht, geht schon aus der allbekannten Tatsache hervor, daß die Hauptperiode des Singens mit der Zeit der Paarung zusammenfällt und daß kastrierte Vögel 'ihre Singfähigkeit meist verlieren. Es zeigt sich ferner, daß klanggebildeter Gesang und prächtige auffallende Farben meistens als Ersatz für einander eintreten, die vollkommensten Sänger, wie Rachtigallen und Sprosser, sind unscheinbar gefärbt, die Singfähigkeit der Tropenvögel aber reicht nicht annähernd an die unserer heimischen Sänger heran. Es ist also naheliegend, mit Darwin die Ausbildung des primitiven Lockrufes zu immer vollkommeneren Gesang auf sexuelle Auslese zurückzuführen. Doch hat man beobachtet, daß viele Vögel ihren Gesang auch über die Paarungszeit hinaus fortsetzen und daß einige von ihnen auch in der Einsamkeit singen, wo sie von andern Vögeln nicht immer gehört werden. Also scheint der biologische Zweck der Arterhaltung zur Erklärung des Phänomens nicht auszureichen. So hat Spencer angenommen — Wohl unter dem Einfluß Schillers stehend, der den Ursprung der ästhetischen Gefühle überhaupt aus dem Spieltriebe ableitet, daß der Gesang der Vögel keine Bewerbungserscheinung darstelle, sondern lediglich Ausdruck eines Spieltriebes sei, der aus überströmender Lebensenergie des Tieres entspringt, eine Erklärung, die allerdings an der bekannten Tatsache des sexuellen Dimorphismus vorbeizugehen scheint. Es wird diese letzte Tatsache durch die anatomischen Grundlagen des Stimmorgans nicht ganz genügend erklärt. Das Stimmorgan der Vögel ist von dem aller übrigen Wirbeltiere in auffallender Weise durch die Existenz eines zweiten Kehlkopfes, des sog. Syrinx, unterschieden, der allgemein als Reuerwerbung in der Reihe der Vertebraten aufgefaßt wird, wenn sich auch schon ein etwas ähnliches Verhalten bei manchen Reptilien, wie Schildkröten, zeigt. Der Larynx, das dem Kehlkopf der anderen Wirbeltiere entsprechende Organ, der an der gewöhnlichen Stelle hinter der Zunge am Boden der Mundhöhle gelegen ist, macht einen durchaus rudimentären Eindruck; er ist, da er der Stimmbänder entbehrt, keiner Lauterzeugung fähig und dient nur als Durchgang für die Respirationsluft. Der Syrinx dagegen, eine bewegliche, unter der Herrschaft einer oft äußerst komplizierten Muskulatur stehende Verbindung , der obersten Bronchialringe darstellend, hat die Aufgabe, elastische, — 146 — von Lag zu Tag stärker. Mus mag alles noch kommen? Ueberall 9rÜ1QIlan verliert sich im Freien von Gruppe zu Gruppe, von einer Waldszene zur anderen. Aber der Menschenstrom drang« immer wieder zur Halle. Welche Blumen locken mir Jjier? Sie Dlumenschau steht im Zeichen der Rhododendren und Aza-- 1 _ . i. il_ 5s aa, vk /-vT T rx r\TOtttT/TnV 1 TTTi wie durch systematische Untersuchung die Zahl und die Tragweite von Unglücksfällen eingeschränkt werden kann. Es sei mir daher gestattet, dieses so eminent wichtige Thema in einer kurzen Uever '^^Re^Katas^^^'lassen sich einteilen nach ihren in solche natürlicher Art, in solche, die durch willkürliche menschliche Einwirkung hervvrgerufen werden, und schliehlich smq^, die auf technischen Mängeln beruhen. 5X>r katastrophale Au^ gang ist dadurch bedingt, daß das menschliche Leben sich in 1 auherordentlich engen physiologischen Grenzen abspielt. Die geringe Stohfestigkett der Oberfläche deS menschlichen Körpe^. die leichte Verletzlichkeit wichtiger Organe, die Gebundenheit zx® Lebens an enge Temperaturgrenzen und der Zwang, stew au der tm richtigen Verhältnis gemischten Luft in mmnttÄlbarMr Derbindimg zu bleiben, ferner die Notwendigkeit, in fwcgen xKp* räumen den Äba>er mit Speise und Tran! zu veqeh«n> , nach 10-12 Stunden der Anstrengung Ruhe zu gönnen, bedingen ^^Wie einen doch dies leuchtende Leben tröstet! Man vergitzt so vieles, was die heutigen Zeiten mit sich bringen, vxim man in all diese lachenden Blumenaugen schaut, die sich über jeden Sonnenstrahl noch mehr als wir Menschenkinder freuen. Die noch so sprödkahlen Bäume und Sträucher lassen den farbigen Lntev- wuchs der Narzissen, Meeresträubcken, Scilla, die sich mit Primeln und anderen frühen Stauden harmonisch verbind«^ nur noch stärker zu Geltung kommen. Die Krokusouvertüre ist bereits verklungen, das Gold und Gelb der Narzissen beherrscht jetzt alles. Hyazinthen werfen blaue imd rosa Lichter hinÄN. Die roten Tulpen flammen eben erst auf, ihr Feuerschein wird AriAmuÄlaÄ eines Musikinstrumentes konerho) hervorgebrachten i »te^iunoiojuu i*«ji 1 a''"X‘r räö vnd als solches auch an der Klangfarve »er j a I , g, beherrschen den Hauptteil der Halle, die einfach und S, „ItSe&ll Ilt. SU, ,® SÄ ta auteSie. S* ÄyMfcta «äSSMÄ Stimmorgan auf einen Wenig« diff^Ei rte <> i toer£ unb lassen ein weiches, noch klares Licht durch. Ein be- Entwicklung stehengebliebcn. Sein A°lumen g ä(6ere Farbenbunt durchwogt den Raum Dm ganze Art der besitzt einen £«mttmere^ Unter» Aufstellung und Anordnung hatte straffer^Eich« krast. Muskulatur. Doch ist durch die^ vorneynmw g Geschlechter voller sein können. Aber es galt em Bierlerlei an Dornen und schiede an sich nur die ^chmdene Tonst ll ^.°^Eche Gesang Farben zu bändigen. Das gelingt selten emwandfre . Das Eiu- erklärbar und noch nichtsdie ^atfaH, v zeigt sich | -eine drängt sich immer-vor, und so wenig wie dm Menschea meist überhauptst den..^K^zkemng der Syri^muskulatur will sie eine Pflanze der andern sich unterordnen. Jede begehrt sxÄsa*««« I ®6te“ SorMIta au« aÄxm. Stlto -WS j»™ usSjJ Cmnl. Ww£.1»S NÄM= MÄtaJ« I Warnte WM*« WW-UHM Zusammenhänge nur erwähnt.____ gj etwa die, die von Rhododendren Kaempser Blumenschau in Haarlem. U Bon Eamillo Schneider. I schritte, die wir hier sehen. . spn 2I.ao LvLLLWMH s.W?SsSä ™ ».was. Ute. ÄSS»TäX-Ä'Ä Worten un» «» In Ser 0,--schau °°m 11. b-s 19. «chch "^MtetoS'S^'säeÄ'wtoionuna ter aus- CCöinfct sich vergeblich, die Dlumenlust I gepfl^tm^Äviebeln ^und Knollen stetig vor sich. Diele Stein-- -i. vkmbi^n Die ällererstm imH^emstedL Park hervorsprietzen- Uen zeigen die Beliebtheit der in ihnen 9^en6en manmg. dm? Äebel?wächse, die im tttzten Jahre gepflanzt worden faltigen Gewächse an. Namentlich werden auch Ims noch zur « ®e,MtS'te« Wta durch nreSr als «el Staate te WlÄTÄ“Ä? ÄS S Sie eanae HaaL L buntes frÄ SM da» tauge In lein« dm Wint« und ttöstete die Frühlingskinder. So brechen sie Erinnerung fortleben wird. farbenjubelnd durch die grünen Knospenhullen und durchsingen I -- den noch kahlen Wald mit ihren goldenen, roten und blauen I un^ Verhütung V0N Katastrophen. S°nSen Reisenden erwarten schon am DahZof narzisseng^ I Bon Dr.-Jng. Achenbach, Berlin. ^d^tTTlllcEtC »t _ .«—.".t t aKtefe” «n S« m «tee *« Tr-al-. Sa« «ich dem -»»«-»»teWtea . -BBESSSEäSE Iää bfea&Ä&srs LnLSm iSSSÄBS« Ä ZL4LH wie krastvoll und rein. Nicht aufdringlich, vorlaut parvenühast. Nein, wohltuend, befreiend und voller LebenSbejahung. Sie 8 gi stimmen uns fröhlich Und ist das nicht das Leitmottv jeder | le Blumenschau? Und nun gar einer Frühlingsblumenschau m 147 bte Notwendigkeit, ihn fortwährend gegen Erkrankung und Erschöpfung zu sichern. Sobald nur eine einzige dieser Bedingungen für kurze Zeit unerfüllt bleibt, ist eine Katastrophe unabwendbar. Lieber diese Tatsache macht sich die MenschhÄt nur deshalb keine weiteren Gedanken, weil das menschliche Leben durch die Zivilisation allmählich vollständig auf diese Bedingungen abgestimmt wurde. Lim die Wirkung der Zivilisation klar erkennen zu können, braucht man sich nur einen modernen Menschen, von allen Mitteln entblüht, in ein völlig unbewohntes Naturgebiet versetzt zu denken. Gegenüber dem zivilisatorischen Fortschritt stehen die Naturgewalten, die der Mensch in ihrer Wirkung noch nicht völlig zu beherrschen gelernt hat und nie zu beherrschen lernen wird, die in ihrer elementaren Llnberechenbarkeit eine fortdauernde Bedrohung bilden und nur durch die äonenhafte Beständigkeit des Weltgeschehens gegenüber der winzigen Lebensspanne gemildert werden. Gewitter, Sturm und Niederschläge, vulkanische Eruptionen, Erdbeben, Flutwellen, Dürre, Heuschrecken, Seuchen, Hungersnöte bilden im wesentlichen diejenigen Vorkommnisse, mit welchen wir im Laufe der Existenz des Menschengeschlechts zu rechnen haben. Wenn es auch keinem Zweifel unterliegen kann, dah es durch siderische Einwirkungen wiederholt zu Katastrophen auf unserer Erde gekommen ist, die an Grausamkeit jedes menschliche Ermessen übersteigen, und die sich zweifellos im Laufe der Zeiten wiederholen werden, so hat es für uns doch keine praktische Bedeutung, damit zu rechnen; es muh uns vielmehr genügen, die vorher ausgezählten kleineren Liebel ins Auge zu fassen und uns danach einzurichten. Beim Durchsehen dieser Ereignisse erkennen wir ohne weiteres, dah es in unserer Macht liegt, ihre Wirkung zu einem großen Teil einzuschränken. Ich will nur daran erinnern, dah beispielsweise der Bau von erschütterungsfesten Häusern in Erdbebengebieten schon eine wesentliche Sicherung gegen diese Gefahren bilden kann, dah der Blitzableiter die Wirkung des Gewitters wesentlich eingeschränkt hat, dah vulkanische Eruptionen an bestimmten Anzeichen vorher erkannt werden können, dah die Gebiete solcher Eruptionen genau bekannt sind, kurz, dah es eine Menge von Momenten gibt, welche es gestatten, die Schwere solcher Naturereignisse wesentlich zu mindern. Aber allen technischen oder siedlungspolitischen Mahnahmen gegenüber mühte in der Solidarität der Menschheit das vornehmste Mittel des Kampfes mit den Naturgewalten gesehen werden. Die durch menschliche Einwirkung bedingten Katastrophen entziehen sich säst jeder systematischen Untersuchung, denn es ist ja gerade das Wesen des Systematischen, das Willkürliche auszuschalten. Es kann der Mensch in seiner sinnlosen Verblendung den Mitmenschen jeden Schaden zufügen, den ihm die Reichweite seiner geistigen und physischen Kräfte gestattet. Solche Katastrophen können nur durch das stets wachsame Auge der Gesamtheit auf die Handlungen des einzelnen gemildert oder verhindert werden. Ein zweites vorbeugendes Moment liegt in der Erziehung zu einer gesunden Weltanschauung und schlieh- lich in der Schaffung menschenwürdiger sozialer Verhältnisse. Die Eindämmung des Verbrechens oder krankhafter Tri^e führt ebenfalls zu einer Solidarität der Menschheit zur Verhütung schwerwiegender Katastrophen. Das große Gebiet der technischen Mängel hat mit dem Eindringen der Technik in alle Lebensverhältnisse und in alle Welt- zonen die ständige Gefahr von hierauf begründeten Llnglücks- fällen auf ein sehr hohes Mah gesteigert. Katastrophen treten dann vorwiegend auf, wenn technische Neuerungen eine Einführung in den praktischen Betrieb finden. Diese Erkenntnis läßt durch erhöhte Wachsamkeit in den ersten Betriebszeiten Katastrophen vorbeugen. Lim ein Beispiel zu nennen: Es häuften sich mit der Einführung des elektrischen Strahenbahndienstes die Fälle des Lleberfahrens von Personen in einer erschreckenden Weise. Später, nachdem sich Publikum und Fahrer aufeinander eingestellt hatten, gehörten solche Fälle zu den Seltenheiten. Dampfkesselexplosionen waren mit der Einführung der Dampfmaschine eine häufige Erscheinung. Heutzutage ist Lurch di« Aufsicht der Nevisivnsvereine die Dampfkesselexplosion zu einem Ausnahmefall geworden. Alle technischen Vorrichtungen unterliegen erfahrungsgemäß einer fortschreitenden Verbesserung. Dieser LlmstanL beweist, daß nicht alle Erkenntnisse bei der Einführung einer solchen technischen Neuerung zur Verfügung gestanden haben. Hierin liegt der zweite große Gesichtspunkt für die Llrsache von Katastrophen, und Abhilfe kann nur erfolgen durch fortwährende fachkundige Beobachtung der Wirkung und Veränderung an der neuen Vorrichtung. Störungen, Zerstörungen, Brüche, Havarien an Maschinenteilen, Fabrikationseinrichtungen, Schiffen und Transportmitteln aller Art, an Flugzeugen, Drücken, Gebäuden usw. bllden die wertvollste Quelle zum Studium der Vermeidung von Katastrophen, und es ist eine eigentümliche Tatsache, daß Wohl solche Llnfällie, ob harmlos oder verhängnisvoll ausgegangen, zwar gelegentlich oder aus Herstellungsrücksichten den Anlaß zu Verbesserungen geben, daß aber dieses Studium noch nicht zu einer systematischen Grundlage des technischen Fortschrittes ausgestaltet ist. Der beste Beweis für diese Behauptung ist Las fast vollständige Fehlen einer systematischen Literatur Wer diese Fragen. Auch auf dem Gebiete der Behebung von Katastrophen mit technischen Ursachen, wie beispielsweise Sie Verhütung von Schlagwetter- katastrvphen, von Cisenbahnunglücksfällen, von Schifisuntergängen usw. ist der Erfahrungsaustausch zwischen den Nationen von großem Vorteil für die Menschheit, und es erweist sich also auch hier die Solidarität der Völker als das sicherste Mittel zur Erhaltung des menschlichen Lebens. Sobald sich die Menschheit darüber klar geworden ist, daß die Technik heute ein organischer Bestandteil der menschlichen Lebenshaltung geworden ist, und daß beim Versagen der technischen Einrichtungen, wie beispielsweise in Rußland, zum Teil leider auch beim Ausgang des Krieges in Deutschland, Tausende und Abertausende von Volksgenossen dem sicheren Verderb ausgeliefert sind, werden sich die Katastrophen in erheblichem Maße durch Zusammenwirken aller nach Zahl, Llmfang und Folgen einschränken lassen. Das kalte Herz. Don Wilhelm Hauff. (Fortsetzung.) Aber er mochte sein Gedächtnis anstrengen, wie er wollle, weiter konnte er sich keines Verses mehr entsinnen. Er dachte oft, ob er nicht diesen oder jenen alten Mann fragen sollte, wie das Sprüchlein heiße; aber immer hielt ihn eine gewisse Scheu, seine Gedanken zu verraten, ab; auch schloß er, es müsse die Sage vom Glasmännlein nicht sehr bekannt sein, und den Spruch müßten nur wenige wissen; denn es gab nicht viele reich« Leute im Wald, und — warum hatten denn nicht sein Vater und die andern armen Leute ihr Glück versucht? Er brachte endlich einmal seine Mutter auf das Männlein zu sprechen, und diese erzählte ihm, was er schon wußte, kannte auch nur noch die erste Zeile von dem Spruch und sagte ihm endlich, nur Leuten, die an einem Sonntag zwischen elf und zwei Llhr geboren seien, zeige sich das Geistchen. Er selbst würde wohl dazu passen, wenn er nur das Sprüchlein wüßte; denn er fei Sonntag mittags zwölf Llhr geboren. Als dies der Kohlenmunkpeter. hörte, war er vor Freude und vor Begierde, dies Abenteuer zu unternehmen, beinahe außer sich Es schien ihm hinlänglich, einen Teil des Sprüchleins zu wissen und am Sonntag geboren zu sein, und Glasmännlein mußte sich ihm zeigen. Als er daher eines Tages seine Kohlen verkauft hatte, zündete er keinen neuen Meiler an, sondern zog seines Vaters Staatswams und neue rote Strümpfe an, setzte den Sonntagshut auf, faßte seinen fünf Fuß hohen Schwarzdornstock in die Hand und nahm von der Mutter Abschied: „2ch muß aufs Amt in die Stadt; denn wir werden bald spielen müssen, wer Soldat wird, und da will ich dem Amtmann nur noch einmal einschärfen, daß Ihr Witwe seid, und ich Euer einziger Sohn." Die Mutter lobte seinen Entschluß; er aber machte sich auf nach dem Tannenbühl. Der Tannenbühl liegt auf dec höchsten Höhe des Schwarzwaldes, und auf zwei Stunden im Llmkreis stand damals kein Dorf, ja nicht einmal eine Hütte; denn die abergläubischen Leute meinten, es sei dort unsicher. Man schlug auch, so hoch und prachtvoll dort die Tannen standen, ungern Holz in jenem Revier; denn oft waren den Holzhauern, wenn sie dort arbeiteten, die Äexte vom Stiel gesprungen und in den Fuß gefahren, oder die Bäume waren schnell umgestürzt und hatten die Männer mit umgerissen und beschädigt oder gar getötet; auch hätte man die schönsten Bäume von dorther nur zu Brennholz brauchen können, denn die Floßherren nahmen nie einen Stamm aus dem Lannenbühl unter ein Floß auf, well die Sage ging, daß Mann und Holz verunglückte, wenn ein Lannenbühler mit im Wasser sei. Daher kam es, daß im Lannenbühl die Bäume so dicht und so hoch standen, daß es am Hellen Tage beinahe Nacht war, und Peter Munk wurde es ganz schaurig dort zumut; denn er hörte keine Stimme, keinen Tritt als den feinigen, leine Axt; selbst die Vögel schienen diese dichte Tannennacht zu vermeiden. Kohlenmunkpeter hatte jetzt den höchsten Punkt des Tannen- bühls erreicht und stand vor einer Tanne von ungeheurem Llmfang, um die ein holländischer Schiffsherr an Ort und Stelle viele hundert Gulden gegeben hätte. „Hier," dachte er, wird wohl der Schatzhauser wohnen," zog seinen großen Sonntagshut, machte vor dem Daum eine tiefe Verbeugung, räusperte sich und sprach mit zitternder Stimme: „Wünsche glückseligen Abend, Herr Glasmann." Aber es erfolgte keine Antwort, und alles umher war so still wie zuvor. „Vielleicht muß ich doch das Derslein! sprechen," dachte er weiter und murmelte: „Schahhauser im grünen Tannenwald, Dist schon viel hundert Jahre alt; Dir gehört all Land, wo Dannen stehn —“ Indem er diese Worte sprach sah er zu seinem großen Schrecken eine ganz kleine, sonderbare Gestalt hinter der dicken Tanne hervorschauen; es war ihm, als habe er das Glasmännlein gesehen, wie man es beschrieben, das schwarze Wämschen, hie roten Strümpfchen, das Hütchen, alles war so, selbst das blasse, aber feine und kluge Gesichtchen, wovon man erzählte, glcnrbte er gesehen zu haben. Aber ach so schnell es hervorgeschaut hatte, das Glasmännlein, so schnell war es auch wieder vei^chwundenl „Herr Glasmann," rief nach einigem Zögern Peter Munk, „seid so gütig und haltet mich nicht fürn Narren — Herr GlaSmann, wenn Ihr meint, ich habe Euch nicht gesehen, so täuschet Ihr Euch sehr, ich sah Euch Wohl hinter dem Daum hervorgucken." — Immer keine Antwort, nur zuweilen glaubte er ein leises, heiseres Kichern hinter dem Daum zu vernehmen. - 148 — Notz aber kommt es auf Geschicklichkeit an; doch es fei für diesmal!" Llnd so war es; der Floß, mit dem er abgehen sollte hatte acht Glaich (Glieder), und waren im letzten von den größten Zimmerbalken. Aber was geschah? Am Abend zuvor bringt der lange Michel noch acht Dalken ans Wasser, so dick und lang als man keinen je sah, und jeden trug er so leicht auf' der Schulter wie eine Flözerstange, so daß sich alles entsetzte. Wo er sie gehauen, weiß bis heute noch niemand. Dem Holzherrn lachte das Herz, als er dies sah; denn er berechnete, was diese Dalken kosten könnten; Michel aber sagte: „So, die sind für mich zum Fahren, auf den kleinen Spänen dort kann ich nicht fortkommen." Sein Herr wollte ihm zum Dank ein Paar Fölzer- stiefel schenken; aber er warf sie auf die Seite und brachte ein Paar hervor, wie es sonst keine gab; mein Großvater hat versichert, sie haben hundert Pfund gewogen und seien fünf Fuß lang.gewesen. Der Floh fuhr ab, und hatte der Michel früher die Holzhauer in Verwunderung gesetzt, so staunten jetzt die Flözer; denn statt baß der Floß, wie man wegen der ungeheuren Balken geglaubt hatte, langsamer auf dem Fluh ging, flog er, sobald sie in den Neckar kamen, wie ein Pfeil; machte der Neckar eine Wendung und hatten sonst die Flözer Mühe gehabt, den Floh in der Mitte zu halten, um nicht auf Kies oder Sand zu stoßen so sprang jetzt Michel allemal ins Wasser, rückte mit einem Zug den Floß links oder rechts, so dah er ohne Gefahr vorüberglitt, und kam dann eine gerade Stelle, so lief er aufs erste G'stair vor, ließ alle ihre Stangen beisetzen, steckte seinen Ungeheuern Weberbaum in den Kies, und mit einem Druck flog der Floß dahttr, daß das Land und Däume und Dörfer vorbei- zuiagen schienen. So waren sie in der Hälfte der Zeit, die man sonst brauchte, nach Köln am Rhein gekommen, wo sie sonst ihre Ladung verkauft hatten; aber hier sprach Michel: „Ihr seid mir rechte Kaufleute und versteht euern Nutzen! Meinet ihr denn, die Kölner brauchen all dies Holz, das aus dem Schwarzwald kommt, für sich? Nein, um den halben Wert kaufen sie es euch ab und verhandeln es teuer nach Holland. Lasset uns die kleinen Dalken hier verkaufen und mit den großen nach Holland gehen; was wir über den gewöhnlichen Preis lösen, ist unser eigener Profit! So sprach der arglistige Michel, und die anderen waren es zufrieden; die einen, weil sie gerne nach Holland gezogen wären, es zu sehen, die andern des Geldes wegen. Nur ein einziger war redlich und mahnte sie ab, das Gut ihres Herrn der Gefahr auszusehen oder ihn um den höheren Preis zu betrügen; aber sie hörten nicht auf ihn und vergaßen seine Worte, aber der Hollander-Michel vergaß sie nicht. Sie fuhren auch mit dem Holz den Rhein hinab, Michel leitete den Floh und brachte sie schnell bis nach Rotterdam. Dort bot man ihnen das Vierfache von dem früheren Preis, und besonders die ungeheuren Dalken des Michel wurden mit schwerem Geld bezahlt. Als die Schwarzwälder so diel Geld sahen, mußten sie sich vor Freude nicht zu «assen. Michel teilte ab, einen Teil dem Holzherrn, die drei anderen unter die Männer. Lind nun setzten sie sich mit Matrosen und anderem schlechten Gesindel in die Wirtshäuser, verschlemm- ten und verspielten ihr Geld; den braven Mann aber, der ihnen ubgeraten, verkaufte der Holländer-Michel an einen Seelenverkäufer, und man hat nichts mehr von ihm gehört. Don da an ward den Burschen im Schwarzwald Holland das Paradies und Hol cki n der-M ichel ihr König; die Holzherren erfuhren lange Nichts von dem Handel, und unvermerkt kamen Geld, Flüche, schlechte Sitten, Trunk und Spiel aus Holland herauf. , Der Holländer-Michel war, als die Geschichte herauskam, nirgends zu finden, aber tot ist er auch nicht; seit hundert fahren,treibt er feinen Spuk im Wald, und man sagt, daß er c behilflich gewesen sei, reich zu werden, aber — auf Kosten ihrer armen Seele, und mehr will ich nicht sagen. Aber so Oirf ist gewiß, daß er noch jetzt in solchen Sturmnächten mi Dannenbuhl, wo man nicht hauen soll, überall die schönsten Dannen aussucht, und mein Vater hat ihn eine vier Schuh dicke umbrechen sehen wie ein Rohr. Mit diesen beschenkt er die, weiche sich vom Rechten abwenden und zu ihm gehen; um Witter- nattn bringen sie dann die G'stair ins Wasser, und er rudert mit ihnen nach Holland, Aber wäre ich Herr und König in Holland, ich ließ ihn mit Kartätschen in den Boden schmettern; ®$tffe, die von dem Holländer-Michel auch nur einen halten haben, müssen untergehen. Daher kommt es, Laß man von so vielen Schiffbrüchen hört; wie könnte denn sonst ein schönes, starkes Schiff, so groß als eine Kirche, zugrunde gehen 2l&er so oft Holländer-Michel in einer (Sturm* nacht im Schwarzwald eine Tanne fällt, springt eine seiner NEausden Fugen des Schiffes; das Wasser dringt ein, und das Schiff ist mit Mann und Maus verloren. Das ist di« Jage vom Holländer-Michel, und wahr ist es, alles Döse im Schwarzwald schreibt sich von ihm her; oh! er kann einen reich wachen, setzte der Greis geheimnisvoll hinzu, „aber ich möchte Aoeis in der Haut des dicken Ezechiel und des langen Schlurkers stecken; auch der Tanzbodenkönig soll sich ihm ergeben LFortsehung folgt.) Endlich überwand seine Ungeduld die Furcht, die ihn bis jetzt noch abgehalten hatte. „Warte, du kleiner Bursche," rief er, „dich will ich bald haben!" sprang mit einem Satz hinter die Tanne, aber da war kein Schatzhauser im grünen Tannenwald, und nur ein kleines, zierliches Eichhörnchen jagte an dem Daum hinaus. Paul Munk schüttelte den Kopf; er sah ein, baß er die Deschwörung bis auf einen gewissen Grad gebracht habe, und daß ihm vielleicht nur noch ein Reim zu dem Sprüchlein fehle, so könne er das Glasmännlein hervorlocken; aber er sann hin, er sann her und fand nichts. Das Eichhörnchen zeigte sich an den unteren Aesten der Tanne und schien ihn aufzumuntern oder zu verspotten. Es putzte sich, es rollte den schönen Schweif, es schaute ihn mit klugen Augen an; aber endlich fürchtete er sich doch beinahe, mit diesem Lier allein zu fein; denn bald schien das Eichhörnchen einen MensHenkopf zu haben und einen drei- spitzigen Hut zu tragen, bald war es ganz wie ein anderes Eichhörnchen und hatte nur an den Hinterfüßen rote Strümpfe und schwarze Schuhe. Kurz, es war ein lustiges Tier; aber dennoch graute Kohlenmunkpeter, denn er meinte, es. gehe nicht mit rechten Dingen zu. Mit schnelleren Schritten, als er gekommen war, zog Peter wieder ab. Das Dunkel des Tannenwaldes schien immer schwärzer zu werden, die Däume standen immer dichter und ihm fing an so zu grauen, daß er im Trab davonjagte, und erst als er in der Ferne Hunde bellen hörte und bald darauf zwischen den Bäumen den Rauch einer Hütte erblickte, wurde er wieder ruhiger. Aber als er näher kam und die Tracht der Leute in der Hütte erblickte, fand er, daß er aus Angst gerade die entgegengesetzte Richtung genommen und statt zu den Glasleuten zu den Flözern gekommen sei. Die Leute, die in der Hütte wohnten, waren Holzfäller, ein alter Mann, fein Sohn, der Hauswirt und einige erwachsene Enkel. Sie nahmen Kohlenmunkpeter, der um ein Nachtlager bat, gut auf, ohne nach seinem Namen und Wohnort zu fragen gaben ihm Apfelwein zu trinken, und abends wurde ein großer Auerhahn, die beste Schwarzwaldspeise, aufgesetzt. Nach dem Nachtessen setzten sich die Hausfrau und ihre Töchter mit ihren Kunkeln um den großen Lichtspan, den die Jungen mit dem feinsten Tannenharz unterhielten, der Großvater, der Gast und der Hauswirt rauchten und schauten den Weibern zu; die Burschen aber waren beschäftigt, Löffel und Gabeln aus Holz zu schnitzeln. Draußen im Wald heulte der Sturm und raste in den Tannen, man hörte da und dort sehr heftige Schläge, und es schien oft, als ob ganze Bäume abgeknickt würden und zusammenkrachten. Die furchtlosen Jungen wollten hinaus in den Wald lausen und dieses furchtbar schöne Schauspiel mit ansehen; ihr Großvater aber hielt sie mit strengem Wort und Blick zurück. „Ich will keinem raten, daß er jetzt vor tue Sur geht," rief er ihnen zu, „bei Gatt, der kommt nimmermehr wieder; denn der Holländer-Michel baut sich heute nacht ein neues G'stair (Floßgelenk) im Wald." ... Die Kleinen staunten ihn an; sie mochten von dem Holländer- Michel schon gehört haben, aber sie baten jetzt den Aehni, einmal recht schön von jenem zu erzählen. Auch Peter Munk, der vom Holländer-Michel auf der andern Seite des Waldes nur undeutlich hatte sprechen hören, stimmte mit ein und fragte den Alien, wer und wo er fei. „Er ist der Herr dieses Waldes und nach dem zu schließen, daß Ihr in Eurem Alter dies noch nicht erfahren, tkiüßt Ihr drüben über dem Tannenbühl oder . gar noch zweiter zu Hause sein. Dom Holländer-Michel will ich Such aber erzählen, was ich weih, und wie die Sage von ihm geht. Dor etwa hundert Jahren, so erzählte es wenigstens mein Aehni, war weit und breit kein ehrlicheres Volk auf Erden als die Schwarzwälder. Jetzt, feit fo viel Geld I im Land ist, find die Menschen unredlich und schlecht. Die jungen Burschen tanzen und johlen am Sonntag und fluchen, daß es ein Schrecken ist; damals war es aber anders, und wenn er letjt zum Fenster dort hereinschaute, so sag ich's und hab es oft gefagt: Der Hollander-Michel ist schuld an all dieser Verderbnis. Es lebte also vor hundert Jahren und darüber ein reicher Holzherr, der viel Gesinde hatte; er handelte bis weit in den Rhein hinab, und sein Geschäft war gesegnet; denn er war ein frommer Mann. Kommt eines Abends ein Mann an feine Türe, der» Archen er noch nie gesehen. Seine Kleidung war wie die der Schwarzwälder Burschen, aber er war einen guten Kopf höher aK alle, und man hatte noch nie geglaubt, daß es einen solchen »tefen geben könne. Dieser bittet um Arbeit bei dem Holzherrn, §° -^rr, der ihm anfah, daß er stark und zu großen Lasten tuchttg sei, rechnet mit ihm seinen Lohn, und sie schlagen ein. Der Michel war em Arbeiter, wie selbiger Holzherr noch kenmn gehabt. Beim Baumschlagen galt er für drei, und wenn sechs am einen Ende schleppten, trug er allein das andere. Als er aber ein halb Jahr Holz geschlagen, trat er eines Tages und begehrte von ihm: „Hab jetzt lang genug IV? gehackt, und so macht ich auch sehen, wohin meine toe 3t‘ - 'w;^r^£>l36T: antwortete: „Ich will dir nicht im Weg fein, toenn du em wenig.hinaus willst in die Welt; zwar beim Holzfällen brauche ich starke Leute wie du bist, auf dem Echriftleikung: Dr. Sriedr. Wilh. Lange. - Druck und Verlag der Brühl'schen Llniv.-Buch- und Sieindmckerei, R. Lange, Gießen.