Gießener jamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang <925_________________ Dienstag, -en 8. September Nummer 72 Das weiße Tor. Don Sättig Brachvogel. Drei Sahre lang hatten Hans Eckert unk» feine Frau di« Dletschergruppe gemieden, in der sich damals das Schreckliche zugetragen hatte. Eckert und sein Freund, der junge Architekt Genevius, waren auf dem Abstieg von der gefährlichen Gisthörl- spitze begriffen gewesen, als mit einem El, vor den Augen Eckerts, Genevius in einer Gletscherspalte versank. Wie es geschehen war, geschehen konnte, blieb jedem rätselhaft. Ebenso wie Eckert war Genevius ein geübter Hochtourist, dem Erstbesteigungen von Gipfeln gelungen waren, die bis dahin als unbezwinglich gegolten gatten. Zudem war der Gletscher an dieser Stelle aper, so daß Schrunden und Risse weithin sichtbar blieben. Niemand konnte es begreifen, am wenigsten Eckert, der wie ein Irrsinniger ab- ffiärtS gerannt war, um eine Hilfsexpedition zu alarmieren. Sie kam natürlich unverzüglich und bereit, das Aeußerste an Opfer- mut zu wagen, aber vom Erfolg war keiner überzeugt. Im Gegenteil. Der Gletscher gab keinen mehr heraus, den er einmal eingeschluckt hatte. Hans Eckert war nach jenem Schreckenstag tagelang krank gelegen und hatte in Fieberphantasien immer wieder von dem furchtbaren Ereignis geredet. Allmählich war er dann wieder zu sich gekommen, gesund und ruhig geworden. Wie hätte es auch anders sein sollen? Das Leben geht feinen Gang weiter, auch über die blutigsten Katastrophen hinweg, und wenn Hans Eckert offen gegen sich sein wollte, so mußte er sich sagen, daß 'mit Genevius eine große Gefahr für ihn und sein Eheglück ver- fchwundrü war. Eine große Gefahr? War Genevius wirklich solch große Gefahr gewesen? Hatte er Eugenie wirklich anders angrlilickt als mit den Augen harmloser Freundschaft? Hatten Gugenies Augen wirMch aufgeleuchtet, wenn Genevius ins Zimmer trat? Immerfort hatte Hans Eckert sich mit diesen Fragen gequält — sich und seine Frau. Gr gehörte ja zu den unglücklichen Menschen, denen eine böse Fee als Angebinde die Eifersucht auf &en Weg gab. So lange er denken konnte, war Hans Eckert eifersüchtig gewesen. Als Kind hatte er mit den Geschwistern um die Zärtlichkeit der Eltern geeifert. Als Schuljunge um die Sympathie der Lehrer, als junger Mensch um die Backfische der Tanzstunde, und als er Eugenie kennen lernte und sich alsbald stürmisch in sie verliebte, hatte er in jedem Wann, der ihr in die Bähe kam, einen begünstigten Rebenbuhler erblicken wollen. Auf Genevius war er eifersüchtiger gewesen als auf alle andern, und nur im Rausch der ersten Ehezeit hatte die verhängnisvolle Leidenschaft geschwiegen. Mit Genevius' Tod war dies alles zu Ende, schien mit jenem auch Eckerts Eifersucht in die Gletscherspalte gestürzt zu sein. Jahre waren seit jenem ülnglückstag vergangen — doch nie m.ehr hatte er seine Frau mit Eifersucht verdächtigt und gepeinigt. Es war. als ob die unsichtbare Hand, die jenen in die Gletscherspalte gezogen, Hans Eckert die Ruhe feines Glückes hätte zurückgeben wollen. Welche Hand? Welche unsichtbare Hand? Hier verwirrte sich Eckerts Sinn. Hier wandte er den Kops weg, wie ein Schwindeliger auf dem Felsgrat vor unheimlich brauendem Rebel. War's wirMch eine unsichtbare Hand gewesen, oder---? „Rein, nein", schrie er auf, „eine unfficht- bare Hand war es, muh es gewesen sein...“ Lind er wollte nicht Mehr in den unheimlich brauenden Rebel seiner Verwirrung hineinfchauen, nicht vernehmen, was sich bekennend in seiner Brust regte. Wahnsinns Wahnsinn! Die Schrecken jenes Tages hatten die Klarheit seiner Gedanken gestört... hatte Fiebervorstellungen in ihm zurückgelassen... Er durfte ihnen nicht nachgeben. Er wußte ja nicht mehr genau, tote damals alles zuge- gangeN war... Eugenie zuckte ein wenig zusammen, als ihr Mann ihr mitteilte, daß ler in diesem Jahr wieder die Eisthörlaruppe aufsuchen und zum andeknmal den Aufstieg machen wollte, den er damals mit Genevius unternommen hatte. Ihr war der Gedanke schrecklich, daß ihr Mann diesen Todesweg abermals und zwar allein gehen wolle, aber sie sagte nichts, denn hier handelte es sich ja weit mehr um seine Gefühle, als um die ihren. So nahmen sie in dem kleinen Dorfe Quartier, das der Ausgangspunkt für die Hochtouren dieser Gebirgs- und Gletschergruppe war, und Eugenie begleitete ihren Mann bis zur Schuhhütte, die weit unterhalb des gefahrvollen Aufstiegs lag. Dort wimmelte es schon von erprobten Hochtouristen und Führern und auch von bescheidenen Bergsteigern, denen der Weg zur Schutz- j Hätte schon genügte. Aber alle sehen ein wenig besorgt zürn ! der eine seltsame milchige Färbung zeigte. Die .Berg, fwhe. d. h. die bescheidenen Touristen, beeilten sich wieder heim zu kommen, aber die kühnen und dabei erprobten Hoch» teurlsten ließen sich nicht schrecken, denn die wetterkundige« Führer sagten übereinstimmend, daß das Wetter bis gegen Wend haften würde, und bis dahin sei lang zurück, zu früher Stunde den Aufstieg machte. Rüstig schritt Hans Eckert voran... Allein ... ohne Führer u"d Gefährten. Wie beschwingt ging sein Fuß, immer leichter, je hoher er stieg. Es war, als ob die mühselige Eiswanderung mft chren verborgenen Schrecken und Todesgefahren für ihn ein Spazrergang wäre. Fröhlichen Gesichtes überholte er Truppen anderer Touristen, die früher als er aufgebrochen waren. Zu» gleich suchte fein Auge im apernen Gletschergrund die Stelle, damals — —. Doch selbstverständlich fand er sie nicht. Solch eine Gletscherflanke hat mehr denn einen Spalt.. St blickte zurück. Weit drunten bewegten sich schwarze Pünktchen, Olten» scheu, die heute noch den weißen Riesen bezwingen wollten. Da trachtete er noch rascher vorwärts zu kommen. Er wollte allein sein, allein in gewaltiger Einsamkeit — kann es schöneres geben? Aber war er denn allein? Tauchte nicht aus vereistem Spall ein olasies Haupt empor, richtete es erloschene Augen auf ihn? Schwang sich, nicht eine Gestalt über den Rand des Spaltes tief auf gespenstischen Sohlen hinter ihm her, eine Gestalt, M keinen Schatten warf und deren Rähe er doch deutlich spürte? Er blieb steheii, trocknete sich den Schweiß von der Stirne. Er war entschlossen, umzukehren, wenn diese Wahnvorstellung langer dauern wurde. Dann hatte er sich eben zuviel zugemutet. Mit beschwertem Gemüt darf man solchen Olusstieg nicht wagen, oder es gibt ein alnglück, tote damals.--- Warum nur die Gruppe, die er vorhin tief unten traf, ihm nicht nachkommt? Sie müßten doch längst ein Stück höher fein, denn er hatte sich auf der letzten Strecke arg verzögert, wegen... ja, weswegen? Er hatte sich jählings nicht mehr wohlgefühlt... war stehen geblieben... hatte den Schritt verlangsamt... Zag« haft leise gestand er sich's ein: er hatte jetzt Angst vor -'der Einsamkeit. Er wollte Menschen um sich spüren, Menschen wärme. Aber die anbereit kamen nicht... blieben unsichtbar. Er sah nach dem Gipfel, der sein Ziel war. Rein, er würde ihn heute nicht erreichen. Seine Nerven waren offenbar in schlechtem Zustand. Der Himmel sah jetzt auch ganz weiß aus... bleiig... Wenn man so langsam vorwärts kam wie er jetzt, bann war an Rückkehr vor dem Witterungsumschlag nicht zu denken... Ülmkehren! --- Beschämendes Wort für einen Hochtouristen, aber eben weil er die Berge mtb ihre Gefahren kannte, rief er sich's zu 'und folgte ihm. Was eigentlich mit ihm war, wußte er nicht, wollte er nicht wissen... wollte er sich nicht gestehen. Nur dies wußte er, gestand er sich: Er mußte umkehren, weil ein Mersch in solcher Verfassung nicht imstande ist, einen Eisriesen zu bezwingen. Als er sich absteigend wieder dem Gletscherabbruch näherte, 'tutzte er. Da wogte eine Anzahl von Gestalten durcheinander, die, er konnte es trotz der Entfernung unterscheiden, aufgeregt miteinander sprachen, auf etwas wiesen... Er beschleunigte den Schritt, so gut er konnte. Was konnte da sein? War da am Ende wieder einmal ein ülnglück passiert, wie damals----? Nun stand er nur mehr 100 oder 200 Meter vom weißen Gletscherrande entfernt, den die Menschen schwarz umsäumten. Er vernahm ihr Gemurmel, konnte aber fein Wort unterscheiden. Gr durchbrach ihre Reihen, stand... starrte... meinte, einen entsetzlichen Traum zu träumen ... Genevius' Leiche lag vor ihm... Drei Jahre hatte der Gletscher gebraucht, um sie von der .Unglücksstelle bis zum weißen Gletschertor zu wälzen, durch daÄ sie nun die milchweißen Wellen mit Sand und Geröll zu den Menschen hintrugen... Unversehrt schien der Entseelte, die mörderische Kälte seines Eissarges hatte die Zerstörungen deS Todes von ihm ferngehalten. Morgen schon würde fein Antlitz grausam verändert sein, heute aber schien es noch einem Schlummernden zu gehören, die Stirne umdämmert von der heiligen Hilflosigkeit des Schlafs. Eckert stand reglos. Fragte nicht, sprach nicht, starrte nur in dieses Antlitz, das er nie mehr zu sehen gemeint hatte. Es sprach zu ihm, was noch keiner zu ihm gesprochen. Mit stummen Lippen sprach es das Wort, vor dem Eckert den -Kopf abgewandt hatte, wie ein Schwindeliger vor brauendem Rebel auf felsigem Grat. 286 — Ein Zittern überlief ihn. Er sank in die Knie. -Und un QIn= gesicht dieses Toten, den der Gletscher nicht behalten wollte legte ein Mensch vor bestürzten und erschütternden Hörern das Geständnis unseliger Leidenschaft und lang verschwiegener -wu- schuld ab... Herbsttage im Salzkammergut. Von Emil Lucka. Wie in den Rächten der Apfelblüte singt dunkel auch je^ der Brunnen in seinen Trog. 3ft alles geblieben wie es war l Der Morgen sollte da sein, aber Rebel decken die Wiese zu, wie frierende Gespenster stehen Bäume im Grau. Der Rebel blendet, zeigt plötzlich ein rundes silbernes Blättchen oben, die Sonne, doch sie muh schnell wieder schwinden. Durchblitzen des Lichtes — Reberquellen des Rebels, so geht es eine Weile hin und her, doch oben brandet und wogt es m ein schüchternes Blau, wie das Meer den Bewohnern der Tiefe. Da bricht glühend die Sonne diirch den Morgenschaum, er vergeht in ein Retz von Silberschleiern unterm erstandenen Gebirge. Alle Rebel haben sich in funkelndeii Tau gelost — m Ruhe, Reife und Glanz liegt das Tal. So dicht ist im Mai der Apfelbaum drüben umsponnen gewesen, daß man nur Epheu sah, der weihe Blüten trieb; nun hängen reife Aepfel im dunkel glänzenden Efeubaum, ttnd wahrhaftig — süße Trauben am Staket vor meinem Fenster, ich kann sie mit der Hand greifen. Auf Gras und Blättern blinkt es. Schwere, losesilberne Fäden hängen in der wannen Luft. Jetzt dürfen die Kühe über die gemähte Wiese gehen, die ihnen früher verboten war. Ihr Läuten erfüllt das Tal. Kühn springen die Kalber, und die Schafs weiden aneinander gedrängt, achtsam, daß- keines aus dem Fstunmen°brechen aus der Wiese, schlagen lodernd ins Blau, säumen in einem goldgelben Wogen den Berg ein, der uberm Brand seine ruhigen, dunkeln Radelwalder tragt. Zu stiller, menschenloser Feier hat die Ratur sich aufgetan. Sie verklart fick in tiefem Rot, in Braunviolett, m Goldbraun und Erntegelb, freudig, doch mit heiligem Ernst. Dem schwarzen Tannengrun sind rostrote Däumchen eingewebt, auf die gelbe, da*Sfl.us-ge= schnittene Blätter des Ahorns regnen. Einst ist der Wald lichte Blüte gewesen, nun erfüllt er sich in einer Schönheit, die tiefer leuchtet von Tag zu Tag. . _ , - Leise träufeln die Blätter wie reife Beeren eines nach dmi andern schwebt nieder, ohne Eile, mit scharfem herbstlichem Duft. Roch stehen karminrot die sommerlichen Zyklamen unter dunkel- glänzenden Schneerosenblättern, die schützend ihre Finger breiten Enziane, lila und tiefblau, werden nicht müde zu bluh«l, h er und da eine Butterblume und niedriger Thymian zwischen kupfernem Laub. Mir begegnet im Wald das zahme Rehbocklem der Sennerbäuerin, das hier spazieren geht; es laßt sich locken und krauen, dann spitzt es die Ohren, wittert und springt tn graziösen Sätzen übers Wurzelwerk. — , f _ Dom Rudolfsturm ist der Hallstätter See eine dunklgrune polierte Malachitplatte, in die Berge ihren lAwarzen Schatten zeichnen Die Felsen sind mit hundert Farben bespritzt und überrieselt vonschwebenden Blättern. Zwischen Berg und See unten, man weih nicht, wie Platz ist, drängen sich em paar Hauser zusammen, sonnig blinken ihre Fenster herauf.Ein.enytaA gunz kleines Doot auf der unbewegten Flache schiebt uberm Schalten des Hirlah. Schroff stürzt der Saarstein drüben auf die grüne Lan^wige m^. 0£>r j)crt grauen sonnebegossenen Wänden des Salzberges stehen prächtige hohe Lindenbäume mit schweren saftgrünen Kronen mitten in der ergilbenden Welt. Em Rauschen vieler Gewässer ist ringsum, in der jähen Schlucht liegen Plrwelt- blöcke umschäumt. Ich steige hinauf zu den Berg Werksanlagen. Schon die Kelten, die man hier ausgegraben hat — ihre Graber sind wieder zugeschüttet, liegen unter Wiesen — haben hier Salz gefunden. Zum erstenmal sehe ich, dah große Industrieanlagen die Ratur nicht verderben müssen. Jetzt liegt lief unten der Rudolfsturm, im goldenroten, grün durchsickerten Kranz seiner Ducken, wie eine Medaille ins Schwarzgrun des Sees gefaht. Sechs Ähr ist's erst, aber schon Rächt. Man fahrt über den See, der Mond hat sich einen goldenen Kranz ums Haupt gelegt, sendet einen Strom von Silber zum Doot — aber schnell treten wir in den tiefen Schatten der Berge. — . Ein blauer Soimentag folgt dem andern. Jeder ringt sich aus weihen Rebeln auf, jeder leuchtet in regungsloser Stille über der Welt. Der Drand des Herbstes greift täglich toetter, ein Daum zündet den anderii an mit feiner roten Glut. Aber noch verbrennt der Wald nicht, er wird immer lichter und leichter. Ein Klirren und Klingen ist von Gold und ein meffingnes Klappern Flämmchen schweben beständig in der blauen Luft. Die Eichen haben sich ihre Kronen gewahrt, dreifarbig sind fie letzt, altgvlden, sepiabraun und noch mit Grün durchmengt. Wie Harfensaiten sind die schlanken Tannlem gespannt, die Sonne scheint in sie und weckt ein Rauschen, bald tiefer bald hoher. Die weihen Dirkenkinder tragen ein spitziges Goldhutchen auf dem Kopf, über den Waldhimmel sind Vorhänge von Brokatflitter gehängt, die leise sirren. „ Schon um vier Uhr geht die Sonne über die Berge hinüber. Die beiden Zinken des Sparbers stehen noch m mild ergossenen Licht über dem Perlgrau der Hänge. Die Luft schießt sichtbar geworden von den Spitzen aus, in einem geraden Strahl, oben hell, unten ermattend. Drüben aber werden zwischen Himmelsblau und Wiesengrün die Berge aus goldener Bronze heraus gemeißelt, riesige Schilder, auf denen Buckel und Senken modelliert sind. Ich gehe an Aeckern hin, wo die Kartoffeln aus der Erde genommen werden, das Rehböcklein weicht seiner Bäuerin nicht von der Seite, besieht sich den Ochsen, der an den Karren gekannt ist und träge glotzt. Ach was! denkt das Döcklein, denn es ist jung und luftig, ich Versuchs! — Und schon will es unterm Bauch des Ochsen durchschlüpfen. Aber der ist ein ernsthafter Gesell ohne jeglichen Humor rmd gibt dem Tierlein einen Stoh, dah es sich gekränkt abwendet und mit seinen zarten Beinen ins Feld stolziert. Die Frau ist entrüstet und sagt dem Ochsen ihre Meinung wegen des rindviehhasten Benehmens, sie ruft ihren Razi — so heiht er nämlich, zweifellos nach Ignatius von Loyola — tröstet ihn, gibt ihm einen Kutz auf den Münd und stellt fest, wie lieb doch solch- ein Tier sei. Die Sonne ist untergegangen, es wird kalt, schon liegen - Rebel üb ernt Fluh. Die fernen beschneiten Gipfel leuchten rosenrot, ein Rabe fliegt dem weihen Mond entgegen. — Ich steige den Weg in die Zimnitz-Sch,lucht hinaus, der immer schmäler wird, dorthin, wo den Sommer Über die Lawine das ganze Hochtal ausgefüllt hat. Riedergebrochen die Däumchen, ein wirres Gestrüpp, das das Weiterkommen erschwert, bis zu dem kesselartigen, ernsten Tälschluh. Unten, int Dach- liegen die grauen, zackig ausgehöhlten Reste der Lawine. Ich wende mich: auf die Staffelei der dunkeln Tannenwälder ist das Laufener Gebirge und das Katergebirge als ein sonniges Mld gestellt. Deim Rückw-eg treffe ich die kleine Madonnenstatue an, bie in einem Felsen steht und immer von Dlumen gekränzt ist. Man weiß, dah sich dort dreimal im Jahr der Felsen auftut zu schimmernden Hallen, nicht ost hat sich einer hingewagt. Die alte Hüterin erzählt, daß an der Stelle ihres Hauses früher eine Köhlerhütte stand und dah die Köhlerin langsam siechte. Da ging ihre Tochter in der Jvhannisnacht, die nicht geraten ist, in die Zimnitz, fand das Felfentor offen, der Geist trat Ijerau« und führte sie. Das Mädchen sah zwei Dlumen, jede in ihrem Glas: eine frisch blühend, eine dem Sterben nahe. „Das ist dein Leben," sprach der Geist, „jenes deiner Mutter Leben." Sie erkannte, daß es mit der Mutter zu Ende ging, und bat den Geist, daß er die Dlumen vertausche. — „Dann wirst du sterben! warnte er, aber sie lieh nicht ab mit Bitten, ehe er es tat und ihr den Heimweg wies. Die alte Frau wurde gesünder von Lag zu Tag, das Mädchen erblich-. In der Christnacht faßte fte ««9 einmal Mut und ging den verrufenen Weg, um dem Geiste ihren Dank zu sagen. Wieder stand das Tor offen, wieder er- Men ihr der Geist und kündete: „Deine große Liebe soll belohnt werden! Auch du wirst genesen!" Der SHwarzensee ist fommerblau, ja adnablau, Weihes Gestein grenzt seine User wie Klippen des südlichen Meeres. Im Wasser sind die bunten Farben durcheinander gerüttelt, schimmern in unlöslichem Glanz. Vdind springt an, lockert ein wenig die Fläche, aber gleich wieder glättet sie sich zum Spiegel der schönen Welt. Ich- liege unter einem Lindenbäumchen, seine letzten Blätter zittern über mir wie Kerzenflammen, Sonne durchrieselt mich, weicher, warmer Wind geht mir durchs Haar... Pfand! und Kreutern sind in Aufregung, die Minwhe werden heute erwartet. Schon mittag stehen Frauen und Äin&er an der Straße, aber erst um vier naht der Zug, verkünde sich schon fern mit Glockengeläut. Voran geht die junge ©cnncran, Hochrot, lachend, stolz, in einem rosenroten Kleid. Sie heute die Hauptperson. Ein halbes Jahr hat sie dort oben allein gehaust nur mit ihrem Vieh, mit einem Hund und mit zwei Kühen, jetzt darf sie siegreich zu Tal fahren. Sie zieht an der Stallkette die schönste Kuh mit einer Glocke uni den Hals, die nicht viel kleiner ist als eine bescheidene Kirchenglocke. In feierlicher ©taffierung wandelt die Leitkuh, der Kopf ist ihr ganz mit Blumen, Federn und Bändern umwunden, nur gerade, daß sie noch sehen kann, zwischen den Hornern tragt sie ein Bild und mit jedem Schritte schwankt bet Turin. So geht schwer eine Kuh hinter der andern, alle gleich geschmückt, ihnen folgt die undiszivlinierte Horde der Kälber, die noch niemals das Dal gesehen haben, jedes von ihnen mit einem Halsband au« Äeifig. Gelassen schließen Dauer und Däuertn nut allen Dorfkindern den Zug, sie haben.ihr Vieh vom Derge geholt und fuhren ^ dem heimischen Stalle zu. Man schüttelt ihnen die Hand, wünscht Glück. Alles ist wie vor tausend Jahren. — ___ Krau lastet der Herbsthimmel auf den Bergen. Die wenigen Blätter, die noch an den Zweigen ^b«ngen, stheinen an ihrem Daum. Rur die Stimme des Daches ist da, traimig, schwächer als sonst. Manchmal will Heb oben ßtcbt in einer Wolke ballen, aber es ist ohne Kraft. Die letzte Grille zirpt 6elf@turm geht bei Rächt, schlägt die Aeste ans FenM, Russe prasseln aufs Dach des Gartenhauschens, auf den Weg. .Am Moraen wirbeln die letzten Mütter, decken die Erde mit einem En ZApich zu Wch Totengebein ist das Skelett des Rutz- baumes, gestern hat noch in feiner Krone die Sv'inege-scheH- Wolkenfe^n reihen das Gebirge in Stucke, Pressen den Wald nieder. — 287 al ~ cAx.-m, fi-nh mrt der Wind wetzt eS fault gespenstisch I denen der Tod in feine Reihen fällt, und dringt in den Vyv«e- M, ^nld^Der Brumien geht müde ate" könnte er nicht mehr. I gründ ein. Eberhardts Angriflsflügel stürmt den Semmel. SckEs I -Ueber rauchende Schollen, Drahtfetzen, Astgewirr drangt baS Srastlos wartet dre Erde des Schnees. I Alvenkorps tm zerfließenden Dunst bergan. Dor ihm tost die I Feuerwalze, um es her spritzt Sperrfeuer des Feinds. Morgen- Die Schlacht an der Lys. I wind zerreißt den Rebelvorhang, die gelben Flämmlein franzb- n Z 1O1H I sischer Maschinengewehre tanzen am Höhenkamm. Die französische 9. vrs du. -Lpru 1910. I Geschotzgarben mähen die vorflutenden Schützenlinien tote Gras, Don Hermann Siegemann. . | a5er die gelichteten Reihen stürmen trotzig bergan. Mit fahrbaren lSchluß > I Minenwäfern, Flammenwerfern und Handgranaten keuchenDahern Ms » «Beim ,»* Start»» £ Flandern eilte, um kaiserliche Pflicht M üben sichm statua° ^wchwarte über den Nord- und Westhang, nimmt feuernde rischer Haltung fernen siegreichen truppen zu zeigen, war bereits I §a^erim &ringt mit &em geschlagenen Feind in das Daracken- ein neuer Angriff nn Gang. irns da« I laaer von Drulovse und gelangt in freies Gelände. Hätte die Quast hatte den Angriff ^uf^thmie aufgegeben und das ! ^9^ gmertoatae sich nicht als Feuerkranz vor dem Alpenkorps Schwergewicht völlig auf den rechtM Flügel verlegt, um pch I -Estaewühlt weil das Tagesziel erreicht war, so Ware der Stoß Bunde mit Sixt v. Arnim der flandrischen Berge zu bemächtigen und den Brückenkopf Bpern aus der flanke zu bedroh | Eberhardts Zentrum erobert unterdessen die Höhen nord- Schlacht wich also nach dem rechten Flügel ab und suchte den 9 ftI{, Keilers Vleugelhoek und nimmt das Dorf Dra- strategifchen Erfolg in seitlicher 2e^mnEng d^ flanknisch I in der Senke zwischen Kemmel und Dailleulgebettet Front. Diese Wendung erinnert an den Verlauf lwr MaEchlE, I Abeiid fällt der Flankenstützpunkt Locker, dessen Gr- die nach dem linken Flügel abgewichen War imb I oberuna den Kemmel völlig in deutsche Gewalt bringt und die von der Ancre zur Avre gefüM hatte. Zi' berden satten h^tt | um|!Ütfrßare Verbindung zwischen Daitteul und Poperinghe zer- der innere Flügel des angegriffenen Abschnittes stano. I Vergebens wirft Mitrh atte Reserven zu Gegenangriff«! 3. englische Armee behauptete „Dethune. Die Lmw Arras-- ^^'sie Prallm ü^-ratt ab, der Kemmel ist in deutscher Hand. Bethune wurde dadurch zur verkürzten Hauptfront des brittsck n j > « . g^wtigt, bei Vpern abermals Gelände Preis- Heeres, das fortan mit eingedrückten Flügeln mrd bedrohten Da st^t Mfebeke und die Minenkräter des 60-Meter- Flanken zwischen Dillers-Dretonneux und Bpernin^angvoller I H $ sich aus ben zusammengedrückten Brückenkopf Abwehr focht und operativer Lähmung anheimgefallen war »“9«», nno^z J Am 15. April brachen Quast und Arnim zum konzentrischen j F^ch wirid durch den überraschenden Fall des Kemnwlberges Angriff auf die flandrischen Höhen vor. Sie eroberten intun» I ^ig erschreckt. Er vereinigt alles, was er an englischen und widerstehlichem Anlauf die großen Sprengtrichter von Wht- französischen Divisionen an anderen Fronten entbehren kann, fchaete, Wulverghem und die Vorstufen des Katsberges ztmschan I Paperinghe, Hazebrouck und auf den Hohen von ^itteul und Nieuvekerke und Daitteul. Am Tage darauf nahm das Korps Esäumt den Frontbogen Bpern-Bethune mit mächtig^ Ar- Eberhardt Daitteul und Meteren, das Korps Sieger Whtfchaete Eerie, die Tag und Nacht in die Lysniedenmg m den Douv»- und die Vorstufen des Kenimelberges. Franzofifche Kavallerie^ i h& unö auf den Kemmel feuert, um den Feind mederzuhalten. die 200 Kilometer Wegs in 60 Stunden Suni arm geworden an Munition und Gerat, mit ^aw- englischen Divisionen geschlagen, bildeten aber am Walde von | nctten starken Dataittonen in den eroberten Stellungen und Dieppe, auf den Höhen von Daillenl und ant Semmelberg eure I ^melt mühsam neue Kräfte. Er hat seit dem 9. April über neue Front. Als die Dedrohung Bpwns ernste Gest all gewann I 4Q Divisioneii in Flandern eingesetzt und muh sparen, und Sixt v. Arnims rechter Flügel sich anschickte, den Stellungs I sie Heeresleitung sucht sich über die Auswirkung ber e®" bogen zwischen dem Blankartsee und der, Erdwelle vonZvnnebeke | rungenen Siege Rechenschaft Ml geben. Sw sieht H^brouck abzuschnüren, trat Plumer hastig den Ruckzug auf Bpernan und Amiens, die Pole der englischen ^Hrswllung, erschutt^h a^ gab Paschendaele, Poelcappelle Langemark und Awmebeke, kwn ^s der Ruhelage geruckt, steht die britis^ Hsereskraft fcrrgen Gewinn der mörderischen flandrischen Schlacht«,, im | ^geschwächt und ihre Operattonsfahigkeit so geschwunden, daß Handumdrehen Preis. Die Belgier suchten den Ruckzug der Eng- | ' 9 englische Heeresflügel der alliierten Front völlig ge» Z^ zu dZen Sie gingen am Houthulster Wald entschlossen Lt^sch^nt aber die Franzosen sind wiederum zur Stelle, zum Gegenangriff vor und hemmten den Verfolger, der biszum I strategische Reserven fechten als Abhilfe «m exzerttrischswn Steenbek vordrang, vermochten aber feinen größeren Erfolg zu I munft alliierten Front zwischen Döthune und dem Mev- «zielen. Am 17. April 1918 ftonSen die Deutschen w^>er aus Hanat in ber Abwehr. ßSt Randhöhen der Bpern er Mulde und feuerten über Kreuz I -—7-- »n s .'S’»««* standen gemischt auf Stufen und Kuppen der verschanzten Höhen. I (Schluß.) De Witry hatte den Schlüsfelpunkt der Stellung, die ostwärts I ättcr Vater wurde, um so unentbehrlicher wurde vmtgelagerte Kemmelkuppe, dem General Breton anvertraut und I Tochter. Ging sie aus, um eine Desorgung zu machen, ihm hierzu die Kraft zweier französischer Divisionen zur Der I w erwartete er sie mit Ungeduld, manchmal machte er ihr, füaung gestellt. Das steil emporsteigende Glacis Men ledes An I T „ sich uoch so sehr beeilt hatte, noch Dorwürse griffs zu spotten. Wohl donnerte seit dem 19. April, planmäßig I langen Ausbleibens. Demgegenüber blleb 3ba immer deutsches Geschütz, das unter unsäglichen Schwierigkeiten, heran- I &uI6i* heiterte den Vater auf, erzählte ihm mancherlei, was gebracht worden war, aber das Weiträumige Gelände mit seinen I 8 ^^ff^rte. Daß sie auf biefc Art ihre ganze Jugend ihm vielen toten Winkeln lieh das Feuer nicht zur Wirkung I gar nicht zum Dewuhtsein. „ , gelangen. Engländer und Franzosen harrten zuversichtlich aus I V «irtter &el^ Hause des Distriktseinnehmers lag der Garten, und fegten das drei Kilometer breite Dorfeld nut dem Sprüh- I @^rten führte eine kleine Tur auf einen schmal«r feuer ihrer Maschinengewehre, um den Gegner zu schrecken. I &cr an Gartenmauern entlang führte. §uHrwerft gingen Die Deutschen rüsteten ungeachtet aller SchWiwigkeiten zum nicht, darum konnte der alte blinde Adinn dort^llem Ws.» — ffJrtS sich im Douvegrund und an den Hohen von Vaillmilemnistet. I auf und legte ste zurSeite. Marktsleckenz in «rotze vtm sie her ist versumpftes Trichtergelander, vor ihr hebt sich der I gn dieser Zeit geriet d,e Madchenwell des Warttflectens m gr tz Hang mit Gebüsch, Häuserruinen und Wiesengrun bedeckt, zum I Auftegung., Der alle Notar war uämlich gestorbm und Hötzmirand. Die schwarze Kammlinie wächst in weitgeschwungenem I Herr hatte 1 euren Posten bekommen. Hermann S , Voaen von Nordwi gen Westen m den blassen Frühlingshimmel. | Notar, hatte den Lieg gegen Frankreich mrtgemacht er war au, D^ Franzose späht aufmerksam in den Talgrund und halt den I Ober-Ingelheim gebürtig und noch S^ett war em flechlg Fuß des Massivs mit Postenketten innspannt, Storungsfeuer 9 und strebsamer Mann, der sich ferne Berufsge chäfte seh g Menyarr toläat in den Douvegrund und schädigt die anrückenden Sturm- | angelegen fein ließ. Unverdrossen ging er m t . gn- „nd LpPen siMer vermag den Angttff aber nicht $u hemmen. den er von 'einem Amtsvorgänger Übernommen hatt^ m Wmd und äußerster Wucht auf den Kemmel ein, Gasgranaten rauschen über I willige ^«fugungcn 9 8 aefänig, nahm auch an Vereins- Me Höhen, Sprengwolken flecken den Horizoitt, und als die I war gegenMarttfle^ns teil, ohne es zu wiffen und zu Feuerwand wie flammendes Nordlicht über den Kuppen erscheint, | Veranstaltung Saison" war. Bon feiten der ^cht das KorPs Sieger rechts, das Korps Eberhardt linW von wollen, daß: batb ber Söwe intete^^ierten Wittverghem mit vorgeschobenem innerem Nugel zuni Stmm | ««„nbinnen. Sophie Neff war, wie schon als sechs- aus den Grabentrichtern. Sieger kaE um die Waldswcke no^ Maes^^Knb^ w* unb bid, babei re^t ^1^. Man sagte, ber Bob«. I gS“Ä‘S6n««»', ne»i. -m w. ----- "6 "•» i»';«DE Ich»» s*r*urs. W?M äää.'ä S.„ «y Ja „ „«M » 8™ ifc. eme StT-WSSaftt?; * ■ 8«»., s»»,«.»«™ „.*« M„ W,We, .6„ st- d« f. Ät±Ä“JÄÄ »ÄÄ KÄ-Ätaäs£»s «^ÄÄ VÄrttileilung: Dr. Friedr. Wilh. Lange. - Druck und Verlag der Brühl fchen Äniv.-Buch- und Steindruckerei. A. Lange. Gießen. | allerdings gesteh es, daß Sophie und Franziska auf dem Heimweg« I vou einem Aussluge des Kasinos miteinander in einen lebhaften Streit I gerieten, weck eme bet anderen vorwarf, sie habe sich naseweise an I den Notar herangedrängt. I ... , ®on^ sprachen die vier Mädchen nichts miteinander von ihre« I Liebeskummer, aber ste hatten alle eine Freundin, der sie diese« I anvertrauten. Das war Ida Wendel. Ihr konnten sie alles sagen: I denn sie kam als Konkurrenttn nicht in Betracht, da sie weder an Tanzvergnügungen noch an Ausflügen teilnahm und immer bei dem | .len -Batet blieb. Kein Nachmittag verging, daß nicht eine der vi« I *« das Haus des Dlstriktseinnehmers kam. Da schüttete denn Sophie I ^>r -He« aus und sagte: „Ach, wenn ich nur wüßte, woran ich I ?jare; -Bochestern ist er an unserem Hause vorbeigegangen und HÄ le 'charf herein m tue Fenster gesehen. Ich glaube, er ist zu schüchtern, um sich zu erklären. In vier Wochen ist mein Gebuttstag, da könnte« wir die Verlobung feiern. Aber die Franziska ist so zudringlich «nd lauft rhm auf Weg und Steg nach.« .. Wenn dann am anderen Tage Franziska kam, so klagte sie über die Zudringlichkeit der Sophie und las der Freundin Liebesgedichte vor, d,e sie aus einem Almanach, der von ihrer Großmutter herrührte, abgeschrieben hatte. . Lieschen Peter erzählte gern von ihren Träumen. „Ach, Ida« io sagte sie, „ich habe geträumt, ich habe auf der Miete ein Träußchen I Bergitmemnicht gepflückt, Bergitmeinnicht bedeutet treue Liebe. Glaubt du bat nicht auch, bat mich der Herr Deibert treu liebt? Unb bann habe ich von einem Myrtenkrant geträumt, bat bedeutet doch gant gewit Hochteid. Wenn ich aber Hochteid mit dem Herrn Deibert halte, dann labe ich dich ein.« Fanny Morgenstern überschüttete die geduldig zuhörende Ida mit einem großen Schwall von Worten, in denen der Onkel Sally und die Tante Rosalie oft vorkamen. Sie erklärte, den Löser Kahn nicht ausstehen zu können, er sei ein ungebildeter Mensch, bet für Theater und Musik keinen Sinn habe. Der Notar werde sich gewiß bald erklären, er habe sie auf der Straße neulich so freundlich gegrüßt Es lvar gut, daß der Notar von allen diesen Anschlägen auf fein Herz und seine Hand nichts wußte; denn et wat von Natur bescheiden der Post nach Hause, so wußte sie es oft einzurichten, daß ste mit ihm ! nn Postwagen nach Haufe fuhr. Lebhaft redete ste dann auf den jungen Maim ein, redete von dem ledigen Onkel Sally, der das große Geschäft m Mannheim hatte, und von der gleichfalls ledigen Tante Rosalie, die in Ebernburg wohnte und so viele Staatspapiere besaß. Fanny lachte laut, und emes Abends beim Anssteiqen ergriff ste seine Hand, um sie lange und lebhaft zu brücken. ' Im Marktflecken hatte sich dem Zuge der Zeit entsprechenb ein Kasino gebildet, das Tanzvergnügungen und Ausflüge veranstaltete. Da war allemale, wenn etwas veranstaltet wurde, unter den vier Mädchen eine große Aufregung, ob der Notar auch kommen werde. Wenn er eine Versteigerung auswärts hatte und nicht kommen konnte, so waren alle vier sehr niedergeschlagen. Kam et noch im letzten Augenblick, so schlug die Stimmung in das Gegenteil um. Einmal tat »ot Ueberraschung und Enttäuschung, nach und nach aber faßten te sich und kamen alle mit süßsauren Mienen und großen Blumen- träußen, um zu gratulieren. Kaum ein Jahr war verflossen, so waren re alle fünf verheiratet. Ida Wendel war die Frau des Notars ge- worden und hatte den Vater mit in ihren jungen Haushalt genommen. Sophie Neff hatte den jungen Landwirt aus der Nachbarschaft genommen, Lieschen Peter den Gehilfen des Hypothekenbewahrers aus Mzey, Franziska Meisenheimer den Manufakturwarenhändler aus Bmgen und Fanny Morgenstern den Löser Kahn, obwohl seine Bildung mit der Ausdehnung seines Geschäftes nicht gleichen Schritt gehalten hatte. Und nun, da wir alle heiratslustigen Jungfern, von denen wir erzählt haben, glücklich unter die Haube gebracht haben, können wir diese Geschichte schließen und uns dem Wohlwollen des geneigten Lesers sowie bet geneigten Leserin empfehlen. Lieschen Peter dagegen lvar zierlich und schlank. Ihre Mutter hatte früher geglaubt, wenn die Tochter älter werde, werde sie auch lernen, das S, das Z und das Sch aiissprechen, diese Hoffnung war nicht in Erfüllung gegangen. Wenn Lieschen von dem Notar sprach, so nannte sie ihn den Herrn „Seibert“ und sprach davon, daß er ein „tönet, tlanker Mann« sei. Immer noch tat Franziska Meisenheimer sehr geziert, sie war ein halbes Jahr in Darmstadt gewesen, um sich Bildung anzueignen, nun redete sie oft davon, wie langweilig es in der Heimat sei, da sehe man nut Dreschflegel und Wagen, die mit Kartoffeln beladen seien, und habe keine Gelegenheit, Vorträge zu besuchen. Schwärmerisch verehrte Franziska die Schriftstellerin Matlitt, deren Roman „Reichsgtäsin Gisela« sie in der „Gartenlaube« gelesen hatte. Fanny Morgenstern wat unstreitig ein schönes Mädchen geworden, die schwatzen Locken hingen ihr auf die Schultern herab, stolzen Ganges schritt sie durch die Straßen. Jedes dieser Mädchen hatte einen Freier. Ein junger Landwirt ans einem Nachbarorte warb um Franziska, Lieschen Peter hatte einen Verehrer, bet Gehilfe beim Hypothekenbemahtet in Alzey wat, um Franziska Meisenheimer bemühte sich ein Manufakturwarenhänbler ans Bingen, bet zweimal im Jahre mit seinem Musterkasten erschien unb unter allerlei Komplimenten und freundlichen Reden seine Wate absetzte. Und der Löser Kahn aus Wörrstadt, der Vieh in Holstein holte und Geschäfte bis weit nach Baden hinein machte, bemühte sich sichtlich um Fanny Morgenstern. Zuerst hatten alle diese Fteiersmänner Aussicht auf Erfolg, als aber der Notar auf der Bildfläche erschien, wat es damit aus, die Mädchen fingen an, für ihn zu schwärmen. Der Notar wohnte bei der Witwe eines Hnissier. Was das für ein Mann war, werden die wenigsten bet heute lebenden Deutschen wissen. Der Hnissier war der Gerichtsvollzieher, die Amtsbezeichnung rührt aus der Zeit I der französischen Herrschaft am Meine her unb wurde in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts noch überall am linken Rheinufer । gebraucht. Sinn schloß Sophie Neff plötzlich innige Freundschaft mit dieser Witwe und besuchte sie fast jeden Tag. Da mußte denn die Witwe von dem Notar erzählen, ob er auch viele Briefe von auswärts bekomme und ob diese wohl von Damen herrührten. Stets brachte Sophie Blnmensttäuße mit, die die Witwe dem Notar auf den Tisch I stellen mußte Einmal, als er mit seinem Schreiber übet Land ge- stnb^urückhaltend und hMe sich'nicht'meh'r unta diVMüdch-n^« gangen war, Ivars das Mädchen einen Blick in sein Zimmer und sah j Wohnortes getraut, wenn ihm bekannt gewesen wäre, daß Sophie .ich nach den Photographien um, die dort an den Wänden hingen, I Neff, Franziska Meisenheimer Liescben Beter nnd , namentlich nach den Photographien und Silhouetten,die junge Samen ftern oYlefa^t%nfernÄ »SSttJam Ä ÄS ä I«"- »«« « «»"«, Bell «, »o»Än &B« Z au^her enhm6fUearften m Kartenschlägerrn bekannt war. I einem juristischen ober geschichtlichen Werke oder schrieb einen'langen Zn der ging Lieschen. Die Alte saß in emer Halbdunkeln Stube, | Brief an seine Mutter. langen «... Gil. a. . C S. .u. in <___ i I . . .s einem Abendspaziergang im Sommer kam er in die Nähe “ . Stubenboden, auf dem Plattofen, der in der Ecke stand, des Feldweges, auf dem der blinde Distriktseinnehmer immer aina Kaffee in einer gtofjen Sanne. Sie Wahrsagerin legte bie I und sah, wie Ida Wendel vor ihrem Vater einherging und die Steine Karten vor sich hm, dann sagte sie: Mädchen, du wirst einmal eine I aus dem Wege schaffte. Das junge Mädchen glaubte, unbeobachtet t-artie machen, dn kriegst einen schonen, pingen Mann. Der ist I zu sein, und gab sich ihrem Tun mit Eifer hin. Ungezogene Knaben im Krieg gewesen und hat, weil er so mutig war, Orden bekommen, | hatten kurz zuvor nach den grünen Aepfeln geworfen die an be« aber es Md drei da, die wollen iHv-auch heiraten, die werden dir noch Bäumen längs des Feldweges hingen, infolgedessm lagen viele Steine viel zn schaffen machen, aber am Ende wirst du ihn doch zum Mann auf dem Wege. Ida laß sie auf und trug sie an den Rand des Weaä bekommen. Da ging Lieschen ,eelenvergnugt nach Hause, mteb I Kurz hinterher kam der alte Manu, und die Tochter sprach freundlich aber von nun an den Umgang mit Sophie Neff, Franziska Meisen- I mit ihm. sreunoucy beimet unb Fanny Morgenstern. Kaum erwiderte sie auf ber Straße Dem Notar prägte sich tief in das Gemüt, was er auf diesem sbE Gruße, so daß ste sich wunderten, was in das Mädchen ge- | Abendgang beobachtet hatte, er mußte immer an das blonde Mädchen fahren sei. . . I denken, das sich des alten blinden Vaters so liebevoll annahm Un- , Franziska .pietsenheuner machte in dieser Zeit Gedichte, die sie I vermerkt brachte der junge Mann bei der Frau Hnissier das Gespräch später dem Notar,joenu er ihr Bräutigam geworden wäre, zu über- auf Ida Wendel unb erfuhr, tote das Mädchen bei seiner Geburt reichen gedachte, sie trug ihm ihre Herzensergüsse in ein Album ein I so wenig willkommen geheißen worden war, wie die älteren Geschwister i's6 und Tanben, | allesamt in die Welt gegangen wären, um sich um den Vater nicht mehr die sich chnabelten, darstellten. Auch ste suchte die Freundschaft der j zu kümmern, und wie ber Greis io ganz verlassen sei, wenn er das Frau Huisstet, und diese fand eines Tages auch den Mut, diesem das I jüngste Kind nicht hätte. Mädchen als empfehlenswerte Partie hiiizustelleu. ^ Bon da an lenkte der Notar oft seine Abendspaziergänge nach dem Franziska für ein tüchtiges Mädchen ist,« sagte | Feldweg, bet an ben Gartenmauern entlang führt, unb eines Tages r "blC §^ereien, in dem guten Zimmer ihrer I geriet er mit Vater und Tochter in bas Gespräch. Der DistriktseM- JJti.ttet liegen fcfjtecffirf) viele Deichen, bie jie txlle getäfelt | nebmer hxxr ieür erfreut von ibttt Allerlei über nfte "ie“«“ÄMTSÄiÄte iw Ädtuiftobt fo viele ^rembtvörter gelernt)! | SYctbr verfloffen tont verlobte fidi her iitttoe wri cyhr» Stremtontoer6 unh ÄÄ W Et^net Mutter' Mitteilung machte, mit wem er ben Lebensbund