Gießener Zamilienblütter Dienztag, öen S. w Nummer 3b Unterhaltungsbeilage Zum Gietzener Anzeiger Jahrgang (925 ~~ ° ' “ "—------ sein zweites Leben wußte, den Menschenleib verwchrt Msienlied. Bon Aenne Höpfner Fühlst du das heimliche Werben und Fwti-sc Ägmift du die warme lockende ßbfödx-“ Horst du deiner Seele Singen, Wie die Stimmen wiederklingen? Süßester Zauber-, heiligstes IDehen Woimedurchrauschsnder Maientage. Arme die Düfte in dürstenden Züge« Die sich so lieblich wiegen aus Wtndei- Lqusche mir den, Blütensäuseln. Sich', wie sich die Wellen kräuseln Wonniges Weben, göttlich Genügen ' Wird dir die Wahrheit des LenzeK verkündet', 3£$- kamr ja das Herz nicht mchr schweias». Weim sich die Erde tni Biütengewand Zierlich geschmückt zur HochKeitsfeier, Wunder lächelt aus goldnem Schleier, Sich gibt dein Lenze holdselig zu eigen Wirkt ihre Liebe ins blühende'Band .Und so kehret ihr goldumsponnenen Zuge des Mais mich bei mir nun ein Hüllet mich ein in selige Träume, Träufelt ben Schnee eurer BMenbäum-.- Saitst und mild in die leidzerronnLnen Furchen der Seele mir lindernd hinein Dsr Werwolfgürtel. Bon Hans Fra n ck. .5u6^r-^auri .eme8 Gehenkten ,nutzte das Leder zu dem Mlccel geschnitten sein, durch den ein Mami sich bei wachsendem Mond in einen Werwolf verwandeln konnte. Die Schnalle welche Wtftt Gürtel mit sieben Zähnen — keiner mehr und keiner we-uger — zusammenhielt, mußte von einem Leibriemen stammen 'N» ?u' lehKn! levtm Gange getragen hatte.' And eine handerstahrigc Hexe mußte, wenn Leder und Schnalle oon bet rechten Art beisammen Ware», beide auf den Blocksberg Nitnehmen, daß der Böse sie durch ein Wort aneinanderfügte -und seinen Segen darüber sprach. Wer einen solchen Gürtel besaß - und es gab rarer einstmals weit mehr, als man heute zu glauben gene.gt istder konnte jederzeit — wenn nicht der Mond im Aduehnren stand — dadurch, daß er ihn um feinen Leib legte und solange zuschnallte, bis ihm Hören und Sehen verginge auS .ein«n menschlichen Körper herausschlüpse» und in den eines Zeises hinemfahren. Alle glofendc Gier, alle wüsten Wünsche 9Fa*^. em ungemessenes Teil gewaltsam niederhalten nust, konnte so Einer ohne Bedenken zu lodernder Glut in sich enstachen und als Tier — zum Weh seiner Mitmenschen — i ohne daß irgendwer um sein zweites Leben wußte. I Mchts was ihm die Rückkehr in den Menfchenleib verwehrt M^^onnte einem Wertvolf auf seinen nächtlichen Raubfahrten zustoßen. Menschliche Waffen vermochten zwar ihn wie jeden Mdern Wolf zu verwunden, aber nicht, ihn zu töten. Rur wenn E ernem seiner Widersacher gelang, das Schloß des Gürtels der bei dec Verwandlung unsichtbar tourde. unter seinem Bauch I SU treffen, daß die sieben Zähl« allesamt aüfsprangen, konnte I gehen. Denn im selben Augenblick da der 5 hi' Werwolf, wo immer er wütete, I ® Aienichen zuruckverwandeln und war dadurch der I erkannt und dem Mchrichter zum Tode aus- I r®6,1^6’L Aber daß es jemand gelang, mit der Waffe ! flr. $^™^.pli 9£ schnalle des unsichtbaren Mrtels zu treffen, I "O' eh--m Wunder gleich? Lind dock I bollbracht^' S elne butter mit ihren bloßen Händen p« jenen wahren nämlich, als Deutschland ohne Kaiser war I ®01'- SiMgdor im Sauerland von einem'Werwolf große \ Schafe und Küpe, Sauen und Stuten, Mädchen und Smuer i a|2 Mensch und Getier weiblichen Geschlechtss war zerriß I mit seinem Zähnen. Sabre hinL Holle ^ siL all- monatlich, wenn Aeumond vorüber war, sein Opfer, ohne daß i f£Er habhaft zu werde!? Zwar ging der Glaube um I DMcht bLbe, könne den Werwolf im MeTcL,' a ol‘3t8e‘ Dagsn. da der Gürtel Ma-cht über ihn gew»M -wb « I I iP'1 »mtzte, ob ei' wollte oder nicht, an dem Flacker» in den Aiigen erkennen. And der Sichttgvorer Kavlam dtt vvu Ä bchauprere, den andern Blick zu haben, hatte uacheiimnd^r I Ma-Ec, die sich einem wüsten Lebeustvandel hingen und r stmßiger besuchten denn die Kirche, als die Misse- I Ml ®K mären auch getreulich, trotz ihres Ableua-- i ?- i^.>. worden. Aber es sielen hinfort nicht weniger Ovfet m Sichtigvor dem Werwoll anheim. Wodurch der K^bwn k-ck I -Aneswegs an fernem zweiten Gesicht irre machen ließ! wenn I "** behauptete — und die Geängsteten wagten nicht mit Zweifeln | t6t!5< Worte zu löken, er behauptete, daß Sichtigvor um 1 !®uer sobvmistschen Verruchtheit willen von dem Einige-- mst I sichreren Werwölfen heimgefucht werde. Es wären ihrer ins» | ein halbes Dutzend. Er sei auch den letzten Drei bereits I hu? Hn? ^erde sie — wenn die Sichtigvorer nicht von j Stachen ließen — gleich den ersten Drei ausfindig machet' j und dem Galgen überantworten. 13 ina<96i I . . der so schr dis Leute in Sichtigvor samt ihrem Kaolan auA I ®[u9Cii &cr Wacht waren, den .Unhold Gunter sich | machen — auf den, der in Wahrheit den Werwolf- I .^fw, verfiel keiner. Denn da das Tier, das in ‘ieban AM .tz.WEmem Schlupfwinkel hau», bei solchen welchE j verwandeln fomiten. nächtens hinreichend GZeaen- Bm fic vertag friedlich und ehr- X S L ue?ÄJ.“ ei" ®ä"",di''«-» e, | Vor dem Dorfe lebte eine Bauersfrau, deren Mann vor I l>£>” einem Ritter bei der Heumahd erschlagen war weil | ei l$ni verwehren wollte, seine beiden Braunen von der ^eick-ke' I ?}’ «Pannen. Friedlich hauste sic auf der verwaisten Hofstatt mit i&i-em Knecht Dieser, namens Sörg, war in semen juaae I wahren inzwischen war ein bedachtsamer Mann aus ihm a'e° worden - als Landsknecht weit in der Welt herumaelomm^ I uach crlandern, Burgund und Italien. Seit drei Jahren war I MM. M“ Sichtigvor seßhaft. Arbeitete von früh bis fpä« Sagte kein lautes Wort. Ging --ich- ^.W-rtshaus. Versäumte keine Messe und keinen Abendgost^- I ,®-?- E'atz der Kaplan ihn Bösewichtern als mahnendes I bmzustellen und zu sagen Pflegte: Es wäre eine Lust S^'lhirte zu sein wenn die Herde aus lauter solchen gostes» | Schafen bestände. Sorg war in der Tat das Muster I »ES arbeitfamNi, zutraulichen Knechtes. Keine größere Freude | ^.nnic. w- .als daß er nach Feierabend das einzige Kind bet' I K-rabe von fünf Sahren, auf den Knien schaukelte, j ’f ” rmnlf* ec^6Ite und seltsame Lieder vorsaiig, in deusi: I ®oüe iiorfatnen. die int Sauerland kein Menfck verstand X nr91,tr<)t-S1 e^otte8 der Kameraden in Sichtigvor festgehalten hatte, als der Trupp, mit dem er ins Dorf ge- tommen war, lärmend weiterzvg — wer will es 'chgen? BiellMt toar er des Herumvagugonbierens müde gewese-i. Vielleicht batten 'M M Augen feiner Herrin festgehalten, die mit ihren dreißig I Zahlen schöner und begehrenswerter war als alle ihre Alters° genv!sinnen, welche die Schwere der Arbeit vor der Zeit batte ! ö^ammeiischrunipfen kaffen. Die Bäuerin hielt große Stücke au* I den »oorg und wußte sich in seinen Schutz vor dem Werwolf wie Niemand m Sichtigvor sicher. Von der Angst, die sie jäh überfallen hatte, als der Landsknecht sich erbot, statt ihres davon- gellnifenengelaufenen Knechtes bei ihr zu bleiben, war längst | NM mehr m ihr vorhanden. Als sie gefragt wurde ob Ke auch vor dem fremden Mannsbild, mit dem sie allein im Haust ^obne in 2luhc gelassen werde, lachte sie hell aui und versicherte, der Wahrheit gemäß: Der Sorg sei nicht wie sein Vorgänger, der sie Tag und Nacht ums Heiraten bedrängt habe und bet- nun auf und davon gegangen sei, weil fie nein gesagt i Awe. Hörg sei froh, wenn er in Ruhe gÄaffen werde. Der Sorg hatte sich auf seinen Landsknechtsfahrten die Hörner ab- gestoßen. Kein friedlicherer und gekitteter Hausgenosse als der - Eines -Abends allerdings — der Mond wollte in der | nächsten Nacht voll werden uird hing wie eine goldene Ampel I "n Geäst der grohsn Eiche vor dem Hoftor — dieses Abentzs t»ek Sörg stotternd, ob er sich Hoffnung machen dürfe, daß j«e — nicht jetzt, nein: nach Sahren, wenn der Schmerz um ihren Mann es zuließe, an einen anderen zu denken — ihm ßte Hand zum EpeSunde gäbe. Schon hatte die Bäuerin, bet ju gleicher Zeit der gleiche Gedanke gekommen war, nur daß sie die Erfüllung nicht Sabre, sondern Monate weit geseht hatte. 142 -5 gehörten. .. Hans war schon Uemlich blind. Gr war schon blind, als * kaufte. Vorher lies er bei der , pserd, weil er itlf“ J Schweinebucht schlagen n Wald ging/ um ihm Hans und Peter. Bon Paul Edmund Halm. Ha>rs war ein brauner Wallach, und Peter Weil diese Geschichte nur von den beiden Hande, A^steIhfed ton- jed7rwar und inwiefern sie zusammen- ) alt und auf den rechten Auge ihn Peters Vater nach dem srcwss = ML S hLudler, und Johann, sein ältester Sohn undPet^s emz^ Bruder, fuhr nach dem Kriege wieder leben Morgen ntt Milchwagen in die Stadt. Peters Vater kaufte den H«^-^ Johann mit den anderen Kameraden aris dem Kriege he n.a^ mrd der Schimmel Max endlich zmn Schlacht^ muhte. den Braunen sehr billig, das Geld für den Max reichte fl» machte Ls Geschäft bei seinen- »W® mm-cho ab. Johann war nämlich Borderreiter bei der Fewan^ fette gewesen, und Hans war Metzt sein Jtetae teilung mußte aus dem großen Rück-narsch die Kano^,,^ Mt Franzosen stehen lassen, die Mn^te^ und VerM- ^ ihre?- Pferden zogen weiter-, über die Hohe Venn m» -oye, M-SWLM.MS-S ULMUtzM- --WALLM-MW *» HAmtzL-LL "LT aiÄÄSXM» ÄÄ 2 »- ä im Dorf erMlt hatte Mmkam fa^d sie den Jörg, gegen alle G^hnMt, mcht.an der Arbeit. Er hatte Holz für eine neue SM>eiueb wollen war aber, da die. Bäuerin in den Wald gdfg, ■■ - Frühstück zu bringen und zu erzählen, üms b^ -^rer gebrach, hätten und wie es dem Werwolf ergangen sck, an der tags zuvor genau vereinbarten Stelle nicht zu finden. D^orgt, Og Krankheit überfallen habe, ging die Bäuerin d.e Kamm« v. Knechtes. Da lag der Jörg auf simem Dett, an Kosten: t> Leibes - völlig giesund, aber das linke Bem mit ein«a ^dttg tränkten Handtuch umwunden. Die Frau — zu ihrem eigenen Ä Aenkend, was sie im Dorf von d«n Deilhieb KötterS aehvrt hatte — fragte teilnehmend. „Was >st dir für ein Unglück widerfahren, Jörg?" „Ich habe mir^ mit der ©ente in den Futz gemäht," knurrte der KneM. „Wer/ wandte die Frau ein und begann, ohne selber zu wissen, warum, am «amen Leib zu zittern, „aber wir haben die Heumahd vor acht Lagen schon beendet und Das Korn ist noch Nicht reif zum SchMft .mich wolltest du in den Wald gehen, um Holz zu falte: für den neuen Schweinekofen." „Sttmmt" brummte der Ka^-Durst «uch nicht mrwunderii über meine Reden. Din noch etwas wirr im Kopf von Den Schinerzen. Stimmt. Im Wald bi» ich gewesen. Stimmt. And habe mir Leim Holzfällen mit dein Beil Futz gehauen." „Ein Beil wird es Wohl gewesen sein, Mchtete Die Frau doppeldeutig bei. Denn da nicht eine - der LMNSN umgehauen war, die sie Durch einen Schlag in die Rinds gemeinsam zum Fällen bestimmt hatten,' begama sie zu ahnen, mttwem.ne Drei Jahre lang zusammengchaust hatte. Giinen Augenblick schtme- «en die Frau und der Knecht. Beider Augen sprangen sich cm Md verbissen sich ineinander. Dann begann^die Frau von neuem fragen' Was hast du für einen blauen Mund? „Blaubeeren habe ich gefuttert ,da Ihr nicht zur Stunde zurück wart und mich mit dein Frühstück im Stich ließet," feg Der Knecht Wer/ widersprach die Frau und das Zittern hörte, mm ihr Ahnen zur Gewißheit geworden, auf, „aber es sind ja »och gar keine Blau- Leeren reif im Wald. And ich bin Ächt später,, sonder;, fMer heimgekommen, als du hoffen konntest. „Sttmmt, gab der Kpecht klein bei. „Hab wieder Dummes Zeug gerodet, bin Mch hmter- sinnig von Den Schmerz«:. Stimmt. Ich Mn wir mit dem blauen Kittel übers Maul gefahren. Am das Blut wegziümschen, das ich aus der Wunde sog, damit Ls nicht verloren singe. Stimmt. Mit Dem blaue-, WoMttel. Ihr wißt Doch von der Wäsche her, L «te® Kötterin zwischen Den Zähnen hingen. ;te,, Bkaul gekommen ist. Da wußte tüe BauerssM! ihn als Werwolf erkannt hatte. fSt beiden fest. Da jeder fühlte, N/^so^cmdertt bezwingen könne, liehen sie voneirw daß keimr so Mwemoez-m vorgefallen sei. ar-Der ab. Die Bäuerin amg L 'Mlle gewesen war, als te in Aur A K WÄe issres Knechtes sah und sich AK-K während sie M sonst sorgsam wie ihren toten MMIMMMZ ZWWWW » Kı VWMMU schaH will aLf Me Fra». 77 . mMt sich dem Werwolf entgegen. Ringt mit ihres Knaben? WM 1 9 Qirfte mit übermenschlichen Dem Antier. Vermag sich, , • „ seiner zu erwehren. Kräften gesdt ermge Aug-nbl^lang Wtcr ^e'den KffÄwSÄ * »r * W lange er brannte, krumme Gürtel verzehrt « w?d« Bä^rin nieder. Diese fürchtete ctet ■ kA «W* MÄfS«Ä*Ää« LKN- V «& ew« ™»se> Ä b'-läft«: Angst vor seinem zwetten Gesicht bekommen hauen, ihnen, zu finden vcrinöchte. . -«T8Ä- Sä Ä tu N • -dte Md in chre Kammer gesange-, war, Dte^Ä ' .-hon seit Jahr und Tag nicht «Hr ßdan Zane ge6en verriegelt, Sie hörte dann auch den: I ., Fenster .Md bald darauf Das Haus verlassen. Ms -siauÄryrem^g^ blickte und S^ahrte, wie Hm «was aus Der H« hing -- ein Strick oder ett? Gürtel Jörg w«De erkenn«: — Da wollte die Duerrn ^stex aufreißen Md ihn sich im Wald «n Leids anttm, 'Vk 0Ä Stimme anrufen. Wer sie war weder .hrer^M^ ^ mie der Jörg mächtig. Gegen worgen vernäh,, s zuklappte, MÄckkehrte, n ^Kmnm^trat^n lassen Den er sich als Erstes.von einem «5« o» Bäuerin Md an den Brunnen grng, ^-n si w ö Arbeit Als ob nichts ins Freie trat, war Der Jorg M>n bei De« 6dten Mischen chr was er fahrelang gewesen »SÄÄfi SS Ä £. 's» w» - ^Äw doch^niemals anderes als- «örg d« Werwolf, die Sichtigvorer durch seine Änt^n auf Dm "ate erste'erkannte, L- 143 s er :s x» ts er ith eit >tn n« )te ;ec oie mf ttd olf feit ich. seit Sie tert mit hen :ert. beit >er- ’clb Er- ter» bett ba§ icht- 'tchk ver- dem lacht Sabie ehrt hielt Sach isten zten. zum er eit hat, auf den iirtel sich ft in utzer ÖOIt »bett, meiv Aug« rtege anb* W zig«t dem , als nkanl ekaM t !k0M« iirtifr Ab- r dir mit >intal X ilixb über den RMn. Der Auflvstmgspratz wär mcht weil van W Hause, unb so tonnte Johamr bett Vater beizeiten heram- Kolen. Gr Mtte zwar lieber sein Scrttelpferd 3im« genommen, aber dm kaufte sich der Wachtmeister, der mm wieder Schmied werden muhte. _ „ •' So kam Haus zu Peters Vater in den Stall, aus dem am gleichen Zag der Schimmel Max fort und zum Schlachter geführt wurde. Der Braune und der Schimmel hatten zwei stunden Zerr, sich kennen zu lernen. Mer Hans war müde vom großen Marsch aus dem Westen und müde vom Krieg, außerdem beängstigend Unterernährt, und so fratz er vor allem einmal die Krippe leer. Dann schlief er im Stehen eilt. Dem Max war mcht wohl zu Mut. Früher hätte er vor Neugierde geschnauft und ungeduldig die Spreu vor die Hufe geblasen. Seist war er alt und grantig; ba8 Futter schmeckte ihm nicht mehr, seit der Braune nebenan stand. Er bereitete sich still, mit schläfrig klappenden Augendeckeln, auf seinen Abgang vor. ,r< , Aber erst ein Jahr später, als Hans schon lange nur noch ein Milchwagengaul war, kam fein Freund Peter auf die Weit. So spät bekam Johann noch einen jüngeren Bruder. Die Freundschaft zwischen Hans und Peter fing natürliche nicht sofort an. Der lag noch in den Windeln und schlief, und wenn er schrie, nahm ihn die Mutter an die Brust. Als er wer Wochen alt war, trug ihn der Vater auf dem Arm in beit Stall. Er ging mit ihm links von Hans bis an die Futterkrippe vor. Peter guckte neugieria um sich, zappelte mit den Aermchen und stenunte die Deine gegen feinen Halt. Hans schaute sich die Neuigkeit sehr ernsthaft an und wackelte mit den Ohren. Plötzlich, aus irgendeinem Grund, piepste Peter laut und energisch auf, ,o daß Hans ernannt den Kopf hob. Diese Besuche im ^tall wiederholten sich häufig, aber Haus merkte nicht eher, daß Peter alter unö größer wurde, als bis das Kind eines Lages hmterm Bucken der Hausbewohner in den offenen Stall geriet, an der schwelle stolperte und aiif allen Vieren zwischen Hansens chohen Bttnen durch bis vorn unter die Krippe kroch. Dort fand ihn die entietzte Mutter. Hans hatte eine Meile gutgelaunt mit ihm zu Wielen versucht und war dann eingeschlafen. Auch das Kmd schlief., Es sah. Mit dem Bücken an die Stallwand gelehnt, unter Hansens Kopf auf der Streu. Als die Mutter in den Stall kam, erwachte zuerst das Pferd und wich schuldbewußt von der Krippe zuruck. Es mihverstand die beruhigenden Worte der Mutter nnb betoegte geschmeichelt die Ohren. Bun wachte Peter auf, schrie und sicherte sich so einen ungeprügelten Abgang. , Als Peter vier Jahre alt war, setzte ihn Johann auf Hansens Bücken und führte beide zur Schwemme. Auf dem Rückweg ritt er selbst und nahm den Kleinen, vor sich aufs Pferd. Unterwegs gab er ihm die Trensenzügel zu halten. Die Freundschaft mit Hans fertigte sich zusehends. Erst durfte Peter dabeistehen, wenn her große Bruder das Pferd striegelte, dann durfte er es,selbst mal versuchen. Auch Hansens Kopf und Rücken durfte er striegeln und die schwarze Mähne auskämmen. Johann hob ihn einfach m die Höhe. Nachher versuchte es der Kleine ohne den großen Bruder. Er verschleppte heimlich einen Stuhl in den statt und striegelte den Hans eine geschlagene Stunde, so nach und nach Wurde er ein richtiger Stallbursche. Dem Vater und Johann machte das mächtig Spaß, nur die Mutter war nicht so ganz bei der Sache. . ,, • Als Peter allmählich ins fünste eiahr kam, war er ichon ein kMtiger Knirps. Er wählte 'sicht wie jeder Junge in diesem Mer, einen Freund, nämlich den Hans. Morgens wartete er eine Viertelstunde vor der Stalltür, bis Johann zum Putzen und Füttern kam. Erst wurde Hafer und Häcksel gemischt, un» Peter durfte den Futterbeutel in die Krippe leeren. Bach einer halben Stunde stand Hans blitzblank und mit geschmierten Hufen auf der frischen Streu. Tränken konnte Peter noch nicht, der volle Eimer war zu schwer. Aber er durfte das Tier nachher auf den Hof führen. Johann holte den Magen aus dem Schuppen, Peter Netterte auf den Bock, drehte die Bremse auf und zu, und wieder auf, und versuchte mit. der Peitsche zu knallen. Dann holte ihn Johann herunter tmd setzte sich selbst auf den Bock. Vorher luden Vater und Mutter die Milchkannen auf. Dafür interessierte sich der Peter nicht; er ging vorne ans Pferd und griff mit beiden Händen in die Zügel, Hans senkte gehorsam den Kopf und lieh sich Adieu sagen. Das war jeden Morgen der traurigste Augenblick. Peter wollte nämlich mitfahren. Er wollte stch nicht mehr lange mit Versprechungen abspeisen lassen. Endlich durfte er mit in die Stadt. Der Johann hatte nicht mehr locker gelassen. Er hatte gesagt, er möchte lieber jemand beim Wagen lassen, wenn er mit der Milch zu den Leuten Hinaufginge. Das war natürlich von Johann gelogen, denn er Wußte ganz gut, daß Peter in zwei Jahren zur Schule muhte. Run fuhr Peter jeden Morgen mit dem Milchwagen in die Stadt. Gr saß neben Johann und knallte mit der Peitsche. Das tonnte er auch schon. Hans trabte mit Ausdauer, aber schon etwas hart, seine Glanzzeit war vorüber. Peter kümmerte sich nicht um den Altersunterschied. Er schaute zärtlich auf Hansens hüpfende Kuppe und auf den hurtig wippenden Pferdekopf. Sonst war wenig zu sehen, ein paar dunstige Felder und ein Bahndamm, dann kam man gleich in die Vorstadt. Bei der ersten Fahrt wunderte er sich wohl über die vielen Menschen und Fuhrwerke über die Autos und die Elektrische, aber das geschah mehr aus Stolz über der-. Gleichmut des Freundes bei. all dem, Peter dürfte auch bald selbst den Magen lernte« und schon beim fünftem- mal auf der Heimfahrt im Trab die Zügel behalten, Johann redete' nicht viel. Er saß neben dem Kleinen und rauchte seine Pfeise teer. Gr hatte den Pete-r gern, weil er dabei nicht von kindischen Fragen gequält wurde. Peter war nicht neugierig ' und nicht wißbegierig; bei ihm kam alles von allein. Das ist alles, was ich über die Beiden vorauserzählen wollte. Es handelt sich, wie man sieht, lediglich um die Freundschaft zwischen einem kleinen Jungen und einem Pferd. So etwas ist nicht gerade eine Besonderheit. Darauf ging ich nun zwar auch nicht aus. Mir war mehr darum zu tun, einmal festzustellen, wie so eine Freundschaft eigentlich aussieht. Mau muß doch immerhin beachten, was für zwei unterschiedliche Gestalten da Freundschaft pflegen. Der ganze Knirps war ja kaum doppelt so groß wie der Kopf seines Genossen. Welches Matz von Zutrauen auf der einen und Behutsamkeit auf der anderen Seite gehören zu einem solchen Verhältnis! Ganz zu schweigen von den vier harten Hufen mit den schweren Eisen! Aber der Peter hatte nie auch nur einen Augenblick Angst vor den Dimensionen und Körperkräften seines Kumpanen. Im Gegenteil, er war In gewissem Sinne der Stärkere. Er schmeichelte dem großen Freund, wenn er Lust hatte, und wenn er zornig war, versuchte er ihm mit der kleinen Faust in die Rippen zu boxen. Manchmal tat er es auch im ilebermuf. Der große Hans spielte dabei nicht den (Sutmütigeit ,sondern nahm die Fälle bitter ernst. Er stellte sich vielleicht gar nicht auf dieselbe Stufe mit Peter, obwohl er ihn sehr gern hatte und manchmal sehr läppisch ju ihm war. Er war manchmal geradezu unbeholfen und dumm in seinen Liebkosungen, pustete den Peter an und stieß ihn mit den Nüstern vor die.Nase, oder beschmierte dessen Rock mit schäumigem Speichel. Er war dem kleinen Kerl in himmlisch-dummer Liebe verfallen und gehorchte jeder Laune des Kindes, jeder, sage ich, er fügte sich den unverschämtesten Einfällen und lieh sich um die Deine peitschen, ohne sich zu rühren. Aber er war in der Tat nicht dumm. Er war ein reifes, kluges Tier, fand sich in der Stadt viel besser zurecht als Peter und sah mit seinem linken Auge oft sehr onkelhaft auf ihn herab. Darüber ärgerte sich aber der Peter. Mau weiß, dah es bei Kinderfreundschafteit nie ohne Reibungen abgeht. Peter wußte ein wirksames Mittel gegen Hansens Onkel Hastigkeit. Hans war nämlich, wie die meisten I Pferde, • sehr schreckhaft. Peter brauchte nur, wenn er vor dem Sier stand, den Zugel kräftig nach unten zu reißen, da zuckte Hans mit dem Kopf in die Höhe und sperrte das linke Auge entsetzt auf. Ja, Hans hatte Angst vor dem kleinen Peter, er grollte ihm auch bisweilen. Aber er grollte nie lange, Satins bestand seine äleberlegenheit. Wenn ihn Peter zum Beispiel zehn Minuten mit Erfolg geneckt und gequält hatte, schnaubte er und zitterte und schaute auf die andere Seite. Dann stellte sich Peter auf die Fußspitzen und betätschelte Hairfens Bug. Da merkte matt gleich, daß es Hans schwer fiel, dem Bengel böse zu sein. Er nickte hastig mit dem Kopf und kaute auf das Trensengebih. Peter triumphierte und gab dem alten Barr ein Stüu Zucker. Aber auch hierbei stach ihn der Teufel. Er hielt Hans den Zucker erst eine Meile unter die luigeschickteit Lefzen unB gestattete ihm, mit Mühe daran zu knabbern. Gr dachte gar nicht daran, ihm das Gebiß Herauszunehmeii. Plötzlich lieh er das stuck zu Boden fallen und setzte sich neben das Pferd auf den Rinnstein. ('Stete Szenen spielten gewöhnlich in der Stadt, während Johann die Milck austrug.) Der gefoppte Hans muhte nun mühselig das feuchte Stück Zucker vom Pflaster auflecken und verlor darüber nicht einmal das Bewußtsein des ungetrübten Genusses. Eine solche Art der Freundschaft muhte fchliehlich auch/Ine Belastungsprobe bestehen. Ich will damit nicht sagen, dah so etwas notwendig kommen mutzte, ich bin kein Freund mahnender Vorhersagen. Aber das ungleiche Verfahren der Beiden konnte bei ihrer ungleichen Beschaffenheit ohne weiteres einmal einen unseligen Zufall erleiden. Der ereignete sich auch, vielmehr, nur um seinetwillen erzähle ich diese Geschichte. _ Die Lieblingsquälerei des Jungen, das Reihen «m ^.renfeiv zügel, vollzog sich einmal dummerweise dergestalt, dah Peter sich nicht links, sondern rechts von Haas ausgestellt hatte. Lind HanS, der gewih weder boshaft sein, noch sich rächen, ja, sich mcht einmal wehren wollte, übte sein gewohntes Erschrecken so unachtsam aus, bah er plötzlich seinen schweren Kopf M und wuchügvach der blinden rechten Seite drehte. Der üefbeschäftigte Quälgeist schlug mithin, eh er sich es versah, hintenü^r mit dem Kopf auf den Rinnstein und vergrößerte wimmernd den Schreck seines Freundes. Und als gleich danach Johann mit der Mikchtomte erschien und als erstes diese rasch auf den Boden stellte, nahm der gute Hans unter nervösem Ohrenwackeln und Stampfen ole ganze Schuld auf sich. Es ging ihm unter erschwerenden Umständen wie damals im Stall, als ihn Peters mü dem schlafenden Kind überraschte. Es läßt sich benten, dah sich hernach alles in energischer Reihenfolge begab. Johann pach öen Jungen und setzt ihn auf den Vock, stellt die MilchLMne in den Wagen, nimmt die Putsche und bestätigt fluchend, wovon der Hans ohnedies überzeugt war. „ , Zum Glück war das Loch» in Peters Hinterkopf Nicht liefe« als die Kopfhaut, er kam auch oh« GchimerMMerrmg davon. Rur die zu Hans war erschüttert und hatte ein 144 -* Soch bekomme-r Peter tat, was »tatüküch war, er schloß sich- dr,e Stellungnahme sss gtafieit Bruders an wll- Krachte das zu Hause int Stall seinerseits nachhaltig zum Ausdruck, In der Liebergangszeit zwischen jenem Vorfall und der spat« einsehenden „reiferen" Liebe Peters zu Hans verhielt sich der letztere weder abwartend noch gekränkt, auch nicht resigniert Er war wohl doch in gewissem Sinne etwas dumm. Das ist die ganze Geschichte von den Beiden, Au eine Moral davon habe ich nickt gedacht, dazu gibt es sinnfälligere Geschichten. Außer dem einen geringfügigen Zufall ereignete sich m dieser nichts, auch nicht nachher. Sch bin falt versucht, dm Leier dafür um Entschuldigung Zu bitten. Das Kalte Herz, Bon Wilhelm Hauff, Wer durch Schwaben reift, der sollte nie vergeße», «ach eut wenig in den Schwarzwald hinernzuschausn; nicht der Säume wegen, obgleich man nickt überall solch unermeßliche Stenge herrlich aufgeschossener Taimen findet, sondern wegen der Leute, die sich von den arider-, Menschen ringsumher merkwürdig unter- scheiden. Sie find größer als gewöhnliche Menschen, breitschultrig, von starken Gliedern, und es ist, als ob der stärke-rde Duft, der morgens durch die Tannen strömt, ihnen von Jugend auf einen freieren Atem, ein klareres Auge und einen festeren, Wenn auch rauheren Mut als den Bewohnern der Stromiäler und Ebenen gegeben hätte. Änd nicht nur durch Haltung und Wuchs, auch durch ihre Sitten und Trachten sondern sie sich von den Leuten, die außerhalb des Waldes wohne-!, streng ab. Am schönst«! kleiden sich die Bewohner des badenschen Schwarzwaldes: die Männer lassen den Bart wachsen, wie er von Natur dem Manns ums Kinn gegeben ist, ihre schwarzen Wämser, ihre ungeheuren, enggefalteten Pluderhosen, ihre roten Strümpfe und die spitzen Hüte, von einer weiten Scheibe umgeben, verleihen ihnen etwas Fremdartiges, aber etwas Ernstes, Ehrwürdiges. Dort beschäftigen sich die Leute gewöhnlich mit Glasmachen: auch verfertigen sie Ähren und tragen sie in der halben Welt umher. Auf der andern Seite des Waldes wohnt ein Deil desselben Stammes: aber ihre Arbeiten haben ihnen andere Sitten und Gewohnheiten gegeben als den Glasmachern. Sie handeln mit ihrem Wald: sie fällen und behauen ihre Tannen, flößen sie durch die Nagold in den Neckar und Von dem oberen Neckar den Rhein hinab bis weit hinein nach Holland, und am Meer kennt man die Schwarzwälder und ihre langen Flöße: sie halten an jeder Stadt, die am Strom liegt, an und erwarten stolz, vb man ihnen Balken und Bretter abkaufen werde: ihre stärksten und längsten Dalken aber verhandeln sie um schweres Geld an die Mynheers, welche Schiffe daraus bauen. Diese Menschen stur, sind an ein rauhes, wanderndes Leben gewöhnt. Ihre Freude ist, auf ihrem Holz die Ströme hinabzufahren, ihr Leid, am Llfer wieder heraufzuwandeln. Darum ist auch ihr Prachtanzug so verschieden von dem der Glasrnänner im andern Teil des Schwarzwaldes. Sie tragen Wämser von dunkler Leinwand, einem handbreiten, grünen Hosenträger über die breite Brust, Beinkleider von schwarzem Leder, aus deren Tasche ein Zollstab von Messing wie ein Ehrenzeichen hervorschaut: ihr Stolz und ihre Freude aber sind ihre Stiefel, die größt«', wahrscheinlich, welche I auf irgendeinem Teile der Erde Mode sind: denn sie können zwei i Spannen weit über das Knie hinaufgezogen werden, und die i „Flözer" können damit in drei Schuh tiefem Wasser umher- I wandeln, ohne sich die Füße naßzumachen. 6 Noch vor kurzer Zeit glaubten die Bewohner dieses Waldes an Waldgeister, und erst in neuerer Zeit hat man ihnen diesen -törichten Aberglauben benehmen können. Sonderbar ist es aber, daß auch die Waldgeister, die der Sage nach im Schwarzwckcke hausen, in diese verschiedenen Trachten sich geteilt Haben. So hat man versichert, daß das Glasmännlein, ein gutes Geistchen von vierthalb Fuß Höhe, sich nie anders zeige, als in einem spitz« Hütlein mit großen! Rand, mit Wams und Pluderhöschen und roten Strümpfchen. Der Holländer-Michel aber, der auf der andern Seite des Waldes umgeht, soll ein riesengroßer, breitschultriger Kerl in der Kleidung der Flözer fein, und mehrere, öie ihn gesehen haben wollen, versichern, daß sie die Kälber nicht aus ihren! Beutel bezahlen möchten, deren Felle man zu seinen Stiefeln brauchen würde. „So groß, daß ein gewöhnlicher Mann bis an den Hals hrnernsdehen Gante", sagten sie und wollt« nichts übertrieben haben. Niit diesen Waldgeistern soll einmal ein junger Schwarz- walder.eine sonderbare. Geschichte gehabt haben, die ich erzählen tote Es lewe nämlich ttn Schwarzwald eine Witwe, Frau Barbara 2.iunkin: ihr Gatte war Kohlenbrenner gewesen, und nach feinem Tode hielt ste ihren sechzehnjährigen Knaben nach und nach zu benifefiton Geschäft an. . Der junge Peter Mrmk, ein schlanker Bursche, ließ es sich' gesallen, weil er es bei feinere Vater auch nicht anders gesehen hatte, dre ganze Woche über am rauchenden steiler zu sitzen oder schwarz und berußt, und den Leuten ein Abscheu, hinab in ftte äu teuren und seine Kohlen ju verkaufen Aber ein Köhler hotdie. Seit zum Nackdenßm über sich mio andere, Md wen-k I Peter Wum M feinem Meiler saß, stimmte« die öMtüm-M»,«« umher und hrs tiefe WalbesMe sein Herz zu Tränen und unbewußter Sehnsucht. Es betrübte ihn etwas, es äiwk ihn «was, er wußte nicht recht was. Endlich merkte er sich M was ihn ärgerte, und das war — sein Stand. „Ein schwarte' einsamer Kohlenbrenner!" sagte ee sich. „Es ist ein elend Leden' Wie angesehen sind die Glasmämier, die Uhrmacher, selbst dis Musikanten am Sonntag abends! And wenn Peter Munk, rech gewaschen und geputzt, in des Vaters GhreMcmms mit silberns.- Knöpfen und mit nagelneuen, roten Strümpfen erscheint mck wenn daim einer hinter mir hergcht und denkt. Wer ist'wob> Ka-rke Bursche? und lobt bei sich di« Strümpfe und mebiett stattlichen Gang, — sieh, wenn er vorübergeht und schaut sich, um, sagt er gewiß: Ach, es ist nur der Kohlemnnnkpeter." Auch die Flözer auf der anderen. Seite waren ein Gegen- «?ErS. Wenn diese Waldriesen herüberchmen milstattlichen Kleidern und an Knöpfen. Schnallen und Ketten einest pchben Zentner Silber auf dem Leib trugen, wenn sie mit «us- gespreizten Beinen und vornehmen Gesichtern dem Tanz za- schauten, holländisch flucht«! und wie die vornehmsten Mtmheexs atis ellenlangen, kölnischen Pfeifen vanckten. da stellte er sich als das vollendetste Bild eines glüchichen Menschen solch ein« Ä'wzer vor. And wenn diese Glücklichen dann erst in die Basch«,' ^bren, üanz» Hände voll großer Taler bevauslangten und um Sechsbätz-wr würfelten, fünf Gulden hin, zehn her, so tooOfett wm dre Sinne vergehe-!, und et schlich trübselig nach fetoeti Hutte: dem, an manchem Feiertagabend hatte er einen oder den anbern blefeu „^tolgljerceit“ mehr verspielen sch«! als der arme Eer Munk in einem Jahr verdiente. ®8 waren vorzüglich öret dreier Männer, von welchen er nicht wußte, welchen er am meisten bewundern sollte. Der eine war ein dicker, großer M«p, mit rotem Gesicht und galt für den reichsten Mann in der Nrmdr Ma uh ich chn den dicken Ezechiel Gr reiste alle Jahre zweimal mit Bauholz nach Amsterdam und hatte das Glück, es immer uttt fo viel teurer als andere zu verkaufen, daß er, wsim die übttaeir zu Fuß yeimgtngen, stattlich Herauffahren konnte. Der andev« War der längste und magerste Mensch im ganzen Wald, m uaMtte ihn den langen Schlurker, und diesen beneidc-te Munk wegen seiner ausnehmenden Kühnheit: er widersprach den mr- gesehensten Leuten, brauchte, wenn man noch so gedrängt im Wirtshaus saß, mehr Platz als vier der Dicksten, denn er Achte entweder beide Ellbogen auf den Tisch oder zog eines seiner langen Berne zu sich auf die Bank, mrd doch wagte ihm keines su widersprechen, bereit er hatte unmenschlich ö& KM Der btttfe war ein schöner, junger Mann, der am besten tanzt«, weit und breit, und daher den Namen Tanzbodeaköreig hatte Er war ein armer Mensch getreten mrd hatte frei einem Holzhervn «ls Knecht gedient: da wurde er auf einmal steinreich: die eittm sagten, er habe unter einer alten Tanne einen Tops voll Geld gefunden, die andern behaupteten, er habe unweit Bingen im Nhetn mit der Stechstange, womit die Flözer zuweilen nach den Fischen stechen, einen Pack mit Goldstücken heraufgefischt und der Pack gehöre zu dem großen Nibelungenhort, dsr'dott E- graben liegt; kurz, er war auf einmal reich geworden tmb wurde von jung mrd alt angesehen wie ein Prinz An diese drei Männer dachte Kohlemmmkpeter oft, wenn e<- einjam im Tamre-rwald saß. Zwar Hatten, alle drei einen Houpk- seh irr, der bei den Leuten verhaßt machte; es war dies ihr unmenschlicher Geiz, ihre Gefühllosigkeit gegen Schuldner und Arme; deren die Schwarzwälder sind ein gutmütiges Völllei« AVer man weiß, wie es mit solchen Dingen geht: Waren kör auch iwi ihres Geizes verhaßt, so ftander' sie doch wegs« ihres Geldes in AnsehM; bereu wer konnte Taler wegtoecfw tote ?te, als ob man das Geld von den Tonnen schüttelte? Seht es nicht mehr werter," sagte Peter eines Tages schmerzlich betruot zu sich: deren tags zuvor war Fererwg ae- toefen und alles Volk irr der Schenke, „wenn ich mcht bald auf den grünen Zweig komme, so tu ich mir etwas zuleid; lvär ich doch nur so angesehen mrd reich wie der dicke Ezechtel oder s» Wyn und so ^gewaltig wie der lange Schlucker oder so berühmt und komrte den Musikanten Taler statt Kreuzer zuckerten tote aer ^anzbodenkönig! Wo nur der Bursche das Geld her- hat? Mlerlei Mittel ging er durch, wie man sich Geld erwerben tarnte aber keines wollte ihm gefallen; endlich sielen ihm auch die Sagen von Leut«, bei, die vor alten Zeiten durch die HEndsr- Michel unb durch das Glasmärenkein rKch geworden waeM Solang sein Vater noch lebte, kamen oft andere arme Leute W" «•* da wurde oft lang uwd breit von reichen l tote fte reich geworden; da fpielte nun off ö'ü'S O lÄÄ nmnn lSlit Qtotle, f