Gießener Zainilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang Dienstag, -en 30. Dezember Nummer 66 SUvesterglocken. Don Adolf Dögtlin. Mittemacht entsteigt der ©ruft, zerrt im Glockenturm am Strange, daß die harre Winterluft tief erbebt vom emsten Klange: Ist ein Oahr zur Ruh gegangen ... Will das Herz euch noch nicht bangen? Ann verhallt der Totenklang, und auf einer Stemlichttvelle zittert, voller Iubelfchwaug. von der fernen Dorskapelle hell herüber neu' Geläute: Lieblich, lieblich ist das Heutef Der Neujahs-Moor. Don A. Tharandt. „Halt! Halt, Anzelmann! Mensch! Räuber, fürchterlicher! Dein Karl Moor darf nicht solch Wüterich sein! Welche teufelsfrisierte Lippe soll denn da erst der Franz aufstecken! Edler, mein Edeling! Viel edler!" Der Theatergraf Karl Friedrich von Hahn brach mit diesen Worten vor neunzig Jahren die Räuber-Probe im Hoftheater zu Altenburg kurz ab. „Karl Wolfgang, Sohn des berühmten Karl Wilhelm Ferdinand Anzelmann, hast du dir deinen Silvesterpunsch schon gestern abend vorweg getrunken, um heute in der richtigen Räuberstimmung zu sein? Mit einem solchen Karl Moor kann unser Hoftheater unmöglich morgen das neue Jahr einleiten. Edler, viel edler! Wenn ich bitten darf." Der Schauspieler wischte sich seine Stirn ab. Seine immer etwas entzündeten Augen glühten in einem unheim- lichen Feuer. Das war Wut, das war Haß, vielleicht auch Genie. Rur langsam kam es über seine Lippen: „Wenn du meinst, Graf... Ja, ich kann auch anders. Ich werde stundenlang nach Borna, jawohl nach Borna laufen und die Rolle noch einmal memorieren. Ich will Euch keine Schande machen. O — ich kann auch edel sein, wie's Euch beliebt. Aach Borna hin §u Fuß und zurück mit der Post, das ist ein schöner Weg, seine Gedanken umzustellen, seinem inneren Menschen eine andere Form und andere Seele zu geben!" „Aber es schneit, Anzelmann! Du hast, deucht mich, Fieber überdies. Dein letzter Grippeanfall sollte dich warnen, vorsichtig zu sein und — vorsichtiger zu leben. Du trinkst mir wieder zu viel. . . ." „Worin mir ja der Herr Graf mit dem besten Beispiel vorangehen! Rein, deine Silvesterbowle magst du allein ttinken! Ich liebe es nicht, daß man mir die Gläser nachzählt. Ich muß edler werden — in der Aatur, zwischen Schneeflocken und Bauernjungen. Wiedersehen! Morgen abend — als edelster aller Karl Moore. Wenn die Post nicht im Schnee stecken bleibt. Richt erkennen sollt Ihr mich, so sanft werde ich sein!" And damit stürmte der Schauspieler auch schon von der Bühne. Hatte jemand die Tränen gesehen, die ihm plötzlich aus den kranken Augen stürzten? * ♦ * „Ist eö das eiferne Joch des Mechanismus oder das unbeugsame Fatum, das mich unterkriegen will?" Mit diesen Worten torkelte Karl Wolfgang Anzelmann aus irgendeiner Landstrahenschänke. And die Bauern da drinnen mochten froh sein, daß dieser unheimliche Kerl endlich draußen war und nun alle Vorüberkommenden fragte, wo es denn nach Borna, ausgerechnet nach Borna gehe — jawohl, bei diesem Wetter gehe es sich am besten nach Borna; und außerdem habe er eine ganz bestimmte Absicht dabei, die keinem etwas angehe. And dann sagte er: „Geister meiner Erwürgten! Euer Sterbegewinsel — eure Wunden sind ja nur Glieder einer unzerbrechlichen Kette des Schicksals und hängen zuletzt an meinen Feierabenden, an den Launen meiner Ammen und Hofmeister, am Temperament meines Vaters, am Blut meiner Mutter!" Wer konnte hier' wissen, daß dies Worte von Schiller waren? Man verstand nur: Ammen und Hofmeister, Temperament und Blut. And man fürchtete sich vor diesem Fremden, der jetzt schon im dichter werdenden Schneetreiben verschwunden war... „Den Römergang muh ich hören, daß mein schlafend« Genius wieder austvacht!" Mit diesen Worten stürmte er in den Goldenen Adler von Borna herein, daß die Gäste, die sich eben um den dampfenden Silvesterpunsch niedergelassen hatten, erschreckt aufsprangen. Prachtvoll — diese Szene! frohlockte es in Anzelmann. Wann hatten je die Komparsen also ergriffen von seinen Worten auf der Theaterbühne zu Altenburg dagestanden! Das war eine Freude! Das mußte begeist«n! And das übrige würde dieser Punsch tun, der so angenehm in die Rase kitzelte, daß man alle Anbill des scheidenden Jahres vergaß, daß man auf alles Edle, wie's der verrückte Theatergraf wollte, pfiff und nun dem Satze entfesselte Freiheit geben konnte: „Schaut her, schaut her, die Gesetze der Welt sind Würfelspiele geworden, das Band der Aatur ist entzwei, die alte Zwiettacht ist los!" Ja, mochten die Quadrat- schädel nur glotzen, sollten die Punschgläser zerschellen — schrieb man's eben dem neuen Jahr vorweg aufs Konto! „Entschuldigen Sie — ich bin der Bürgermeister von Borna — mit wem haben wir zu so später Stunde die Ehre und das Vergnügen?" trat ein Greis aus der Menge, die in die dunkelsten Ecken zurückgewichen war. „Du spielst deine Rolle nicht schlecht, zahnloses Gespenst!" vernahm er als Antwort und fühlte den eisigen, aber verkrampften Händedruck eines Fremden, der sich nun seinerseits vorstellte: „Kameraden! Wißt Ihr wirklich nicht, wer ich bin? Ich bin der Räuber Moor! Räuber und Mordbrenner Karl Moor! Reicht mir ein Glas, mein frostzer- fressenes Gebäuch und Gebein wieder aufzuwärmen! Blühen wir in ekstatischer Wonne auf — wir alle — denn auch Ihr seid Räuber, edle, mit tausend Fäden an mein H«z geknüpft! Die goldenen Maienjahre der Knabenzeit leben wieder auf — da warst du so glücklich, warst so ganz, so wolkenlos heiter! Wie das neue Jahr, in das wir taumeln. Euer Zeugs schmeckt nicht schlecht. Rur Euer Glas ist viel zu klein, dir Flammen meiner Raserei zu löschen. Ich brenne. Wie dieses Haus bald brennen wird — wenn's mir gefällt. Was schmnrgelt da in eurer Küche? Ein Puter? Den er- ledige ich schon allein! And Bruder Beelzebub wird meine Schuld bezahlen. Er prägt die goldensten Dukaten. Wein her! Heißt, Heimkehr ins Vaterlandstal! Wer singt da: Laß — mich — fort — zum — wilden — Kriegestanzs!? Andere Töne! Singt: Sein Amarmen — wütendes Entzücken! Seine Küsse — paradiesisch Fühlen! Lippen, Wangen brannten, zitterten . . .! Wein! Runtergespült das alte Jahr! Runter, runter, runter. . . .“ War das ein Kerl! Die Bauern tuschelten: Man möge ihm bloß zu ttinken geben und überhaupt nicht nach 6« Bezahlung lange fragen; Räuber dürfe man nicht reizen; in der Scheune sei des Raums genug, den Räub«rausch fein auszuschlafen; nur nicht gleich den Ortsschützen darob zitieren; am anderen Morgen, nach einem ergiebigen Frühstück, mit den besten Wünschen ins neue Jahr ziehen lassen — nach Leipzig oder Chemnitz, wo die Obrigkeit nicht nur derbere Fäuste, sondern auch das dazu gehörige Fallbett oder einen schmucken Galgen habe; Wein her, Wein.... And dann, als der Fremde plötzlich wie tot unter den Tisch sank, noch immer auf den wilden Lippen böse Worbe, trug — 262 - 6iIbSbton‘ßangenwiä gab dis Schlüssel heraus. „Aber hübsch vorsichtig uni) leise fern, Kinder. Unter der Bodenkammer ist Tante Ulrikes Schlafzimmer. „Aber Tante Ulrike ist doch stocktaub und weiß überhaupt nickt mehr. was in der Welt vorgeht." — $ Lachend stürmte die Jugend die Treppe Maust Wie konnte man sich um Tante Ulrike kümmern Die war 93 Iahre alt lahm und taub und ein wenig kindisch. Sie hauste mit ihrer treuen Pflegerin oben in ein paar stillen, sonnigen Stuben und die wenigsten wußten, daß sie einmal die schone und reiche Erbtochter von Rotenhusen gewesen war und ihr irnrnor »nA hfc> «MIfte des Gutes gehörte. 3n die andere z-Ete hatte sich die zahlreiche Nachkommenschaft ihres einzigen Bruders teilen müssen, dessen Enkel jetzt Rotenhusen als Gutsherr bewirtschaftete. . . lr.nrpn Die alten Schränke der gelben Bodenkammer waren immer das Entzücken der jungen Gäste. Es gab da einen Kckrank in dem die Tanzstunden- und Jungmädchenkleider der Tante Ulrike hingen. Lachend putzten sich bte Madel mit den altmodischen Sachen auf. Wie schlank die Großtante Ämal g-w°°-n w°-. un6 ml« g« dl-,- 0chn-pp°n«Mm und gebauschten Röcke standen! ^Yr„„r„; I Sn einer großen Truhe lagen gut eingemottet allerlei Herrenkleider, darunter der berühmte grüne Frack, der bei allen Aufführungen im Hause eine Hauptrolle lpiette. Es mochte eine verschollene Hofuniform des kleinen Staates gewesen sein. Das hellgrüne, verschossene Tuch zeigte matte Silberstickereien auf Aufschlägen und Aermeln. Enge gelbe | Beinkleider, Stulpstiefeln und ein mit Silberstickereien ver- I Gesellschaft, verfiel darauf, dies Kostüm anzuziehen, und sie gefiel sich selbst und den anderen sehr gut darin, als e lang und schlank, mit strahlenden dunklen Augen und beißen Backen, die Treppen heruntersprang. I $®ie alten Schleppen rauschten, die jungen Stimmen lachten L schwatzt?»/- so recht wie ein Wintermarchen aus I der alten 3eit zoqs durch das alte Haus. I Z)ie älteren Herrschaften saßen noch im Eßzimmer am I Kaffeetisch, als die Jugend hereinstürmte. Ulla arrangierte ! sofort hinter der Portiere zum Nebenzimmer eine Auffüh- mng Me sMte natürlich den ersten Liebhaber I der kleinen Mathilde, die eben aus der Pension heimgekom- I En war eine so feurige Liebeserklärung, daß die Klestw I in dem alten weißen Mullkleidchen ganz rot und verlegen 1 wurde. Bon dieser AeujahrSaufführung hat man noch Jahr- -ehnte lang in Altenburg und in den umliegenden deutschen Staaten gesprochen. Karl Wolfgang Anzelmann durfte von jener, ihm ewig unvergeßlichen Silvesternacht den Ruhm seines großen Vaters für sich in Anspruch nehmen . . .« Der grüne Frackr. Eine Neujahrsgeschichte von C. P r i e h. Am die Neujahrszeit gings immer lustig zu bei den Langemaacks auf Rvtenhuse». Sie hatten zwei eben erwachsene Töchter im Zause und einige Kusinen und Freundinnen zu Besuch, so daß das Schwatzen und Kichern kein Ende nahm. Es war altes Herkommen auf Rotenhusen, den Silvesterabend gründlich zu feiern. Aber der Hausherr hielt streng daraus, daß um halb zwölf alles Tanzen und sollen aufhörte, damit man in Ruhs die zwölf Schlage der Dorskirchenuhr abwarten und dann zum guten Anfang des neuen Jahres einen Choral singen konnte. JQHan hatte am Silvestertag um 2 Uhr in bem alten, «roßen Eßzimmer zu Mittag gegessen, und der schwerste Puter der im alten Jahr aus dem Gutshof gezüchtet worden war, hatte dafür sein Leben lassen müssen. Run wollten älteren Leute ein Stündchen schlafen, um am Abend frisch zu sein die jüngeren mochten derweil tun, was ihnen gefiel. I Sie holten sich ihre Mäntel und Mützen und schlitteten und schneeballten ein Weilchen draußen herum, aber der Nordost und ihre kalten Füße trieben ste bald wie^r ins ^ms. Was nun tun? Es blieben noch em paar Stunden bis zum Abendessen. Irgend jemand — es war wohl die tempermnent- volle Ulla Laßwitz. eine Nichte des Hausherrn — sprach vom I Berkleiden. „Da sind doch die wundervollen Sachen oben in der gelben Bodenkammer. Wir wachm einen Umzug I und eine Aufführung, das ist just das Richttge für den „Herr Direktor, Herr Gras! Eben ist die Post aus I Borna angekommen. Sie haben den Posttllon wohl blasen hören. A^r — den Anzelmann hat er nicht mitgebmcht! Der alte Theaterdiener stand zitternd vor feinem E^rrn, I der nun loswetterte: „Kontraktbrüchig! Dacht ich mir s doch! I Ick bin ihm gegenüber zu hart gewesen! Mea culpa! Schau- | spielet sind wie rohe Eier anzufassen! Die Erstellung für I teufe abend im Hoftheater muß abgesagt werden! Mas totoi) Serenissimus dazu sagen? Ich werde m Angnade fallen! Anzelmann, Anzelmännchen — wo bist du/ Bist dieser bangen Frage eilte der Graf von Hahn die Treppe hinunter, über die Sttaße und — ja, was war denn das? War das noch die Nachwirkung des gestrigen Silvester- | Dunsckes? — da kam doch ein Landreiter hoch zu Roß durch । ben Schnee — und angebunden an den Steigbügel hing em scklotterndes Etwas, das eine merkwürdige Aehnlichkett mit einem gewissen, leider kvnttaktbrüchig gewordenen Schauspieler hatte, der heute abend — „Anzelmann, Unzel- ist der Räuber und Mordbrenner Karl Moor, allhier von mir in das herzogliche Gewahrsam abzuliefern, im Auftrage des Herrn Bürgermeisters von 'Sonia! lautete die ernste, in unverfälschtem Sächsisch gesprochene Antwort de« grimmen Kriegsknechtes, der die Rechte eistrn um die gespannte Borderlader-Pistole mittelalterlicher Herkiinft ge- ^An^lmännchen! Durchbrenner! Mordbrenimr! Messer her! In meine Arme! In die Garderobe! Ich selbst schminke Mr alle Schuftigkeit um die Bisage . . . ." „Aber — edel — sehr edel — Graf, wenn ich. . . Und fo du einen Punsch für mich übrig gelassen hast — meine Rrme, meine Beine - Jetzt sind wir frei, Kameraden! Ich fühle eine Armee in meiner Faust — Tod oder srel- fieft! Graf — ich lege dir einen Karl Moor aus die Bretter „ einen Menschen, keinen Histrione», geschweige denn einen Komödianten!" — man ton reckt lauft in die Scheune zum Schlafen und hotte I rcRt feierlich die Begrüßung des neuen Jahres, | das längst in seine Rechte getreten war, nach alter guter Sachsensitte ausführlich und nut schonen Reden nach. | Da — was war das? Das Feuerhorn! Ist Dorna brannte es! Wo? Wo? „Beim Herrn Bürgermeister persönlich !“ kam die zitternde Fistelfttmme ^s voruberMschen- I den Nachtwächters aus der in Rot ausschwalenden Dunkel- | Ml. Sein Zweifel - das war der Räuber und Mordbrenner Moor gewesen und nicht, wie eine dumme Dienst- maaö wissen wollte, die Urenkel des Herrn Bürgermeisters persönlich, die zur Feier des scheidenden Jahres den Chus.- 6mn,SÖ*eteT»ln. Sertn ®urg«rm«ifter 6t«ntW' 00 schri- das durch-inand-r, leerte noch tchnesl das sis.'s i unö sttzte Glas Punsch und eilte dann mit 6iel)ermeieuia)er Besonnenheit an die nahe Stätte des nacytlichen Unglücks. Daß der Wirt vom Goldenen Adler die eben frischgefullte dampfende Punschbowle,' natürlich nur um zu /sthew mit- nahm wurde ihm später als ganz auherordentliche Beson »enhe'it ausgelegt und mit einem dicken landesherrlichen Orden Seiler erwies sich gottlob als ziemlich ungefähr- ttck und leicht zu löschen. Die freiwillige Feuerwehr von Dorna hatte wieder einmal ihren Mann gestanden und mußte soaleick mit ausführlichem Punsch belohnt werden. Dann aber tief man: „Wo ist der Räuber und Mordbrenner Moor? Man fand ihn, wohin man ihn gelegt, gehottet hatte, in der Scheune, scheinbar schlafend, ja schlauchend, wie das io Räuber nach der Wollust getanen Berbre^ns zu tun Riegen. Beherzt rüttelte der Ort^chütz ohne den esnun nicht mehr ging, den Unhold wach und fragte. „Bist d her Räuber und Mordbrenner Moor/ „Jawohl!" röchelte Anzelmann und er Mtedazunoch die Anverfchämthett, höhnisch zu grinsen, jawohl, ich/n der Räuber und Mordbrenner Karlchen Moor. Daß er darauf sogleich gebunden und auf die Antwort, daß er aus Altenburg gebürtig fei, an den Steigbügel eines lvsttabenden Landretters gefesselt wurde, wacker durch Nacht und Schnee- tteiben hinter einem sehr eiligen Gaul herzutraben, wollte ihm nicht so recht in den Sinn, erwies sich aber, ttotzallen Sträubens und der wiederholten Verstörung post feslum. daß er doch Anzelmann. der berühmte Karl Wolfgang fei, als grimme Notwendigkeit. 263 — und ihrs And nun Möge es was uns die Alla Lahwitz hatte sich immer noch nicht ausgetobt und I konnte sich nicht zurück in den Alltag finden. Als sie allein sie. den langen, grauen Gang hinunterging, der zu ihrem Schlaf- und Dummes tun und verfiel darauf, Dante Alrike einen Besuch zu machen. -- ,”®;e gut, daß du den grünen Rock angezogen haft! ©onft halte ich dich wohl auch kaum erkannt. Aber eigent- sich hast du dich kaum verändert. And sie haben mir doch erzählt, du wärest an der Schwindsucht gestorben! Aber die lugen einem so viel vor, besonders wenn man so alt ist. Du wirst mir nichts vorlügen, Ferdinand. Ja) hab dich nämlich immer schon mal fragen wollen, ob du Wir ble alte Geschichte ganz verziehen hast. Och war da- . — - roac91CT maK noch so jung und albern — und du hättest das bißchen I bei ihm wie die Aboboras*) auf dem Milhofelde. Damals machte Kokettieren mit dem andern nicht gleich so Übelzunehmen I «r zunächst einen feinen Prospekt über die Rotwendigkeit der Nutzbrauchen. Och habe dich immer schon fragen wollen ob 'ch'isahrt auf dem Arrow dos Ratos. Dabei hat der Rattenbach du freundlich an mich denkst und mir nichts nachträgst Mer I £ur m „QSinter Wasser genug, um eine Laucha vom Neck zu m€^r bist, und daß es Frieden ist mit uns j „Also, mein Julius Schmitz fuhr mit einigen zusammen- „„ „ ,, I gepuinpten Milreis auf dem nächsten Dampfer nach Hamburg —" UIta liess kalt Über den Rücken, aber die alten | „ »Dein, Herr Olofs» unterbrach der Wirt, „es langte nur bis Hände hielten sie fest, und die alten Augen sahen sie traurig | &a bat er sich als Ochsensteward auf einem und bittend an. U I englischen Viehdampser nach London gearbeitet und ist mit der Da nickte das junge Mädchen dreimal hastig mit dem °cr6tcntcn Scuer na$ Hamburg und Berlin gelangt." K-Pk, und lief dann aus dem Zimmer - es war ihr > ') Kürbisse, Milho-Mai». S Ä&ZÄrÄ I LL" un» «Wmll» we «c. ein Menuett, wo^i auch der Hausherr seine Künste zeigte. I Sie zog sich um und blieb noch ein Weilchen nUein MUMA5ZWZMZLM- -°°-s ä %£$ S « L SÄÄU1 Ä?fftSs 6te **" rorgen SISSe,mk'Me Z-ua —ES 11 sWLMUM^ «SS »s -«ÄMäÄÄTL t st*Ät mit na5^r, ^S2rötnanö,^ fagte die alte Dame I schlafe du auch in ein gutes neues Iahr hinein! r.m , . I armen Tante Alrike und uns allen bringen. heute kommen wurdest. Du bist ja immer am Silvesterabend I zum Frieden dient» gekommen, auch damals, weiht du, als du den Hofball mit- I ' unö hinterher doch noch im Schlitten zu I Die Rlifm liier »m« herausfuhrst, nur um mir ein gutes neues Jahr zu wün- I , yte tyllölS|lier. schen. Das war 1839, weiht du noch? And alle glaubten I Eine Erzählung von der Küste Brasiliens, baß dies neue Jahr unser Hochzeitsjahr sein würde. Aber ich I Don Dr. Alfred Funke. war an dem Abend gar nicht freundlich gegen dich — und I (Fortsetzung.) k " bie dumme Geschichte mit dem andern — unö I »Den alten Sohn kenne ich auch," sagte Kapitän Bettermann. dann ist alles verkehrt gegangen mit uns beiden. And sie I ”, bat mich neulich erst um zwanzig Milreis gekränkt und wollte sagen, daß ich uralt geworden bin und stocktaub." I n™1eine Aktie seines neuen Anternehmens andrehen. Ich weitz Sie schwieg einen Augenblick, und Alla wollte sich wea- I „ 1:9eTtS!’ to?,s er bezweckt. Ich glaube, es handelt sich »ftaäöjftÄ’sswiN.w-» * * ----- AtÄ‘,Ä'SÄ,'Ä jcöi ganz scharf und laut. „Du sollst hier an meinem Bette I Da oben im Arroio dos Rates liegt sein Flutzdampfer noch immer stehen und mir deine Hand geben." I auf den Steinen und rostet und sieht aus —! Ra, ich 'danke Alla mußte gehorchen. And nun nahm die alte Dame I ™ein Dachbar Trarbach und ich haben damals auch' die Probet die jungen .warmen Hände Wischen ihre kalten Finaer und I Kprt mrtgemacht. Sie waren ja auch dabei, Herr Oloff. Sie sprach weiter. Alla sah keine Möglichkeit zur Aufklärung fDn,neo Ö°« er$a5I wir Geschäftsleute, die Gläser und die Flaschen. Alles verlor das Gleichgewicht. Julius gvh dem Intendanten das volle Sektglas auf die Glatze und fand sich höchst erstaunt auf dem Fußboden, mit heftigem Ruck landend, wieder. Der Intendant und andere klammerten sich ans Tischtuch, was auch ungeahnte Aeberraschungen zur Folge hatte. Ich erhielt dabei eine volle Ladung Rotwein mit Zigarrenasche auf die Hosen. Alles brüllte und drängte hinaus. Julius fluchte und Wetterte auf den Maschinisten, der ein Scheit Brennholz nach ihm feuerte, das die Lampe in Splitter leigte, aber es war lein Halten mehr. Alles stürzte ans Ufer. Das war nicht gefährlich, denn es standen keine zwei Fuh Wasser auf den Steinen, Sic begeisterten Festgenossen belegten vom Ufer aus den „Pionier" und das segensreiche Unternehmen mit den ehrenrührigsten Titeln, und die Probefahrt war zu Ende. Seitdem liegt der Kahn im Rattenbach und rostet." Ein langes und dröhnendes Tuten kam vom Hafen herüber und lieh die Gäste der „Trockenen Banane" aufhorchen. „Das ist der .Dom Pedro"', erklärte der Bananenwirt. „Den Schlepper kenne ich am Signal aus Hunderten heraus. Hören Sie? Einmal lang und zweimal kurz." „Was verstehen Sie von Signalen!" sagte Kapitän Detter- mann. „Sie können zur Rot ein Nebelhorn von einer Drehorgel unterscheiden. Aber, toemt Käpp'n Lührs heute wirklich schon hafenein kommt, so solls mich doppelt freuen. Das ist ein fixer Kerl. Wir find zusammen als Matrosen auf dem Hamburger Vvllschisf „Bussard" Wache gegangen. Damals machten wir ein paar Reisen nach und von Rangoon. Das war immer ein langes Ende, aber damals gab es noch wirkliche Seeleute, die fix über die Wanten aufenterten und an den Rahen ein Segel festzumachen verstanden und nicht auf den grohen Qualmkästen ihre Wache ganz gemütlich schoben, tote ein Schaffner auf der Eisenbahn." Dettermann schimpfte beständig aus die Dampfer und war stolz darauf, sein Segelschiff nach alter Schule zu steuern und feine Reisen ohne Dampf zu machen. Das Signal kam näher. „Jetzt erkenne ich den „Dom Pedro" auch," sagte Otoff. „Ein feiner, kleiner Kasten, Käpp'n Dettermann. Ich war an Bord der „Guahyba", die ihn damals im Schlepp von Hamburg herüberbrachte." „Ja, warum fuhr er denn nicht unter eigenem Dampf?" fragte der Dananenwirt unvorsichtig. „Da sieht man wieder, was Sie von Seefahrt verstehen," brummte Dettermann. „Wie soll denn der kleine Kasten mit Kohlen langen, auch wenn er nur von Lissabon bis Rio reichen will? Rein, Herr Olofs hat schon recht. So einen kleinen Schlepper verschalt man gut, läßt ihn von einem großen Dampfer in Schlepp an einer festen Trosse nehmen und setzt 'einen seebefahren an, zuverlässigen Mann darauf, der ihn steuert, daß er im Heckwasser des großen Schiffes bleibt. Gemütlich ist das nicht, wenn das Wetter schlecht und die See grob wird. Kommt auch vor, daß die Trosse mal reiht. Dann treibt die Ruhschale auf hoher See und muh wieder gesucht und festgemacht werden. Das konnte Schiffer Baukhage, mein Freund Hein Baukhage von Finkenwerder, denn er ist ein richtiger Fahrensmann in der Nordsee gewesen, der seinen Kutter oder Ewer zu steuern verstand, ehe er als Steuermann auf einen großen Segler kam. Allen Respekt vor Schiffer Baukhage! Hoffentlich kommt er bald wieder von Rio nach Bugre herauf. Ich möchte wohl ein Glas mit ihm trinken und ein richtiges Schiemannsgarn mit ihm spinnen." „Er würde uns eine blutige Geschichte von Flibustiern, Bukaniern und anderen See- und Landräubern aus vergangenen Jahrhunderten verzapfen." sagte Jansen. „Ja, das ist mal 'ne Schwäche von Hein Baukhage, daß er gern alte Geschichten lieft und mit der nötigen Ausschmückung weitergibt," setzte der Wirt hinzu. „Ausschmückung nennen Sie das?" lachte Olofs. „Gr lügt dann wie telegraphiert, und seinem Destmann Wilm Peters sträuben sich beim Zuhören die Haare, daß er aussieht wie ein Stachelschwein. Lügen nenne ich das!" Aber Kapitän Wettermann kniff das linke Auge zu, nahm einen Schluck aus dem Glase und sagte nachdrückliche „Wenn ich das Schiffer Baukhage toieberfage, hängt er Ihnen einen Prozeß an den Hals, einen richtigen Prozeß mit Advokaten und Unkosten, dah Sie ein halbes Jahr daran zu kauen haben." „Um Himmelstoillen!" rief Dauer Dümpke. „Schweigen Sie von Advokaten und Prozessen! Das ist schlimmer, als toeim einem die Heuschrecken in die Miljen*) kommen." „Sie denken wohl an Ihren Freund Wilm Pütter in der Datatenschneiz, Dümpke?" fragte der Dananenwirt und nahm nun behäbig in der Runde Platz. Das war immer ein Zeichen, dah er den reichen Schah seiner Erinnerungen auftun wollte. „Achtung!" rief Jansen. „Der Wirt dieser Herberge hat eine Geschichte auf Lager, und da jeder an diesem Tische zu seinem Rechte kommen soll, so wollen wir ihm das Wort erteilen, während es sonst die goldenste Regel für einen Wirt ist, daß er zuhört und das Maul hält. Bis er zu Ende ist, wird Käpp'n Lührs vom Hafen heraus fein. Also legen Sie los, Verehrtester!" Der Dananenwirt, dem schon lange die Zunge juckte, lieh sich nicht lange nötigen. Er erzählte: „Wenn in der Datatenschneiz der Sabiü pfiff und die Dorsten- tiere nach dem ersten Maiskolben quiekten, brannte Wilm Pütter die kurze Holzpfeife an, nahm die Zügel in die Faust und rasselte auf dem schweren Frachtwagen den holprichten Weg entlang, den die Bauern der Schneiz mit Hilfe der lieben Sonne notdürftig instand hielten. Eine deutsche Chaussee war das freilich nicht, und wenn es drei Tage geregnet hatte, gab es Stellen, in denen ein bepackter Maulesel bequem stecken bleiben formte, und selbst Wilm Pütter, der gewiß jeden Stein zwischen der Datatenschneiz und S.ant’ Jzabel kannte, hatte im letzten Winter, so um Johanni herum, den Wagen stehen lassen und die acht Zugtiere ab- strängen müssen. Das war vor dem Hose von Ferdinand Karsten geschehen, und Wilm war seitdem auf den alten Freund schlecht zu sprechen. *) Milko = Mais. (Fortsetzung folgt.) Schriftleituna: Dr. Friede Wilh. Lange. — Druck und Verlag der Brübl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, ©leben