Eichener ZainllienblStter Unterhaltungsbeilage Zum Gießener Anzeiger Jahrgang (92< Samstag, -en 27. Dezember " Nummer 65 Jur Iahresfcheide. Von Karl Roem Held. Gnädig verschlossen sind der Zukunft Schranken, Doch offen steht das Tor der Ewigkeit. And sieh — gebeugt von tausendfält'gem Leid, Siehst einen Greis du ihm entgegenwanken Mit finstrem Antlitz und zerfetztem Kleid. Das Altjahr steht an seines Grabes Rande Mit seiner Aeberlast an Kampf und Rot, Der Hoffnung matte Fackel ist verloht, And was uns bleibt, sind Ohnmacht, Qual und Schande. And dreisten Haupts Thrannenttotz uns droht. Soll wirNich uns und Kind und Kindeskindern, Ewig der Freiheit Glanz erloschen sein?! Bist wirklich du, mein Volk, Zu arm, zu klein. Den teuflischen Bernichtungswahn zu hindern, .Verschleiert von der Tücke Heuchelschein?! Soll ewig denn, der Welt zum Spott und Hohne Die deutsche Zwietracht feiern Sieg um Sieg?! — O daß der Bruderstreit einmal doch schwieg. And Friede wieder in den Herzen wohne. And Deutschlands Sonne wieder aufwärts stteg! • Run stehst du wieder an der Jahre Scheide, Mehn armes Volk, mit Wunden sonder Zahl, Boll Sehnsucht spähend nach der Hoffnung Sttahl, Aach einem Führer, der dich sicher leite, Aach einem Retter aus dem dunklen Tal. Amsonst, umsonst, dein Sehnen all und Hoffen — Solange Zwietracht dich in Fesseln schlägt. Solange Selbstsucht noch das Szepter trägt, Steht dir der Weg zur Freiheit nimmer o/feu. Was eitler Menschenwitz auch wagt und wägt. Zum Gei st der Eintrachtdichemporzu raffen, Das mutz die Losung sein fürs neue Jahr, O gib dem alten -- das ein Streitjahr war —• Ins Grab der Fehde unheilvollen Waffen, Daß neue Kraft dir werde offenbar. And ob die Welt auch bis zu fernsten Zonen Dir kein Erbarmen weiß in deiner Aot, And ob — wies dünkt — auch Recht und Wahrheit tot, Noch lebt ein Helfer über Sternenthronen And der allein dich retten kann, ist — Gott! Das ChrrMindchsn. Erzählung von W. Looff. Weihnachten, das Fest der Liebe und des Friedens, steht nahe bevor. Auf dem Postamte herrscht schon ein reger Verkehr: di« Zahl der aufgelieferten Pakets hat fast ihren Höhepunkt erreicht. 2luch in der Briefaofertigung macht sich eine bedeutende Verkshrssteigerung bemerkbar. Der Ober-Postassistent Hermann Falgenbach ist emsig mit dem Verteilen der Briefsendungen beschäftigt. Für heute ist fein Dienst bald beendet; nur noch ein kleines Häuflein Briefe ist zu bewältigen. Plötzlich greift seine Hand nach dem neben ihm liegenden Blaustift, um einen unfrankierten Brief mit Porto zu belegen, aber im nächsten Augenblick legt er den Stift ärger- sich wieder fort. „An daß libe KriMnd in Himmellautet die von einer Kinderhand herrührende Aufschrift des Briefes, „Das ist sicher wieder ein so »erogenes Kind, das tausenderlei Wünsche auf dem Herzen hat," brummt Falgenbach so vor sich hin und legt den Brief zur Sette . . . Die vorliegenden Sendungen sind verteilt, die letzte Post ist abgefertigt und Falgenbach will sich schon zum Heimgang rüsten, als sein Blick noch einmal auf den Brief fällt. „Hm, was soll ich nur damit anfangen", denkt er, „am besten verttaue ich ihn wohl dem Ofen an, kann aber doch erst einmal sehen, was das Kind eigenttich alles will." Aus dem unverschlossenen Amschlag zieht er ein Blatt aus einem Schulheft hervor und liest: Libes Kristkind! Mamma nät und weint immer; bitt«, libes Kristkind, mach Mamma wider frölig und bring uns was zu essen mit, wier haben oft garnichts, fons will ich auch nichts haben und immer ardig sein, ich wohne Fridrichstrase 26. Elfriede Röder. Kopfschüttelnd steckte Falgenbach den Brief in die Tasche und begab sich : ach seiner Wohnung. . . „Run wird's oald Weihnachten, Herr Falgenbach", mit diesen Worten begrüßte ihn seine Hauswirtin. „Gewiß, man merkt es am besten auf Ser Post", entgegnete «er kurz. In Gedanken aber fügte er hinzu: „Das alte, langweilige Fest." Was sollt« er auch Weihnachten wieder beginnen? Er war froh, wenn er Dienst machen konnte. Verwandte und gute Freunde besaß er nicht. In Kameradenkreisen trug er den Rainen „der Annahbare". Er hielt mit niemand gesellschaftlichen Verkehr und war trotz seiner 38 Jahre noch immer Junggeselle. Gegen das „Ewig Weibliche" hegte er eine unerklärliche Abneigung. Seine einzige Freude auf dieser wunderschönen Erde schien allein darin zu bestehen, einen möglichst großen Teil seines Gehalts bei der städttschen Sparkasse zinstragend niederzulegen. And doch fühlte er sich eigenttich nicht glücklich. Roch einmal zog er an diesem Abend Elfriede Röders Brief 'aus der Tasche und las ihn. In mißvergnügter Stimmung legte er sich schlafen. Bald führte ihm der Traumgott die armselige Boden- sttibe der Frau Röder vor. Ein kleines Lämpchen gab nur notdürftig Licht zu der Mharbeit, mit der die Frau beschäftigt war, während ihr hierbei die Tranen über die Wangen rollten. Plötzlich flog die Tür auf, die Stube wurde tag- hett erleuchtet, und herein trat das Ehristkindchen, umschwebt von vielen Engeln, die groß« und kleine Paket« und Geschenke trugen und in der Stube niederlegten. Elfriede erhielt ein prächtig geschmücktes Weihnachtsbäumchen und starrte leuchtenden Auges auf all di« Herrlichkeiten. And di« Engel fangen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" . . . Falgenbach erwachte. Lange, lange wälzte er sich dann schlaflos hin und her; immer wieder mußte er an Elfriedes Brief und seinen Traum denken. Was in dieser Nacht in Falgenbachs Seele arbeitete, hat kein Mensch erfahren. Aber als er aufstand, war es in seiner Seele Licht, helles Licht geworden. Er hatte einen großen Entschluß gefaßt. Noch am Abend desselben Tages ließ et den Briefträger Schulze, zu dessen Bestellbezirk Friedrichstraße 26 gehörte, in seine Wohnung kommen und bat ihn um nähere Auskunft über di« Verhältnisse der Frau Röder. Letztere war di« Witwe eines Eisenbahnassistenten, der vor reichlich zwei Jahren in seinem Berufe verunglückt war. Sein langes Krankenlager und endlich sein Tod hatten nicht nur di« kleinen Ersparnisse aufgezehrt, nein, Frau Röder hatte noch Schulden dazu machen müssen. Fast alle, teilweise sogar unentbehrliche Möbel hatte sie verkauft und dann — 258 — ein kleines Dachrammerchen in der Friedrichstraße bezogen. Nach vieler Mühe war es ihr gelungen, Nah- und Stickarbeiten für sein Geschäft zu erhalten. Aber diese gingen, da sie auch ihre Nähmaschine verpfändet hatte, nur langsam vorwärts, und das dadurch verdiente Geld reichte, zusammen mit der kleinen Pension, kaum zu ihrem Lebensunterhalt aus, trotzdem die Frau fast Lag und Nacht arbeitete. Ein Bild des tiefsten Elends entrollte sich vor Falgen- dachs Blicken. Schweigend hatte er den Bericht des Briefträgers angehört. Kurze Zeit noch sah er sinnend M; dann Drückte er Schulze ein Zehnmarkstück in die Hand und meinte: „Ich danke Ihnen, machen Sie sich hierfür vergnügte Weihnachten. Vielleicht können Sie mich am heiligen Abend auf e'mem kleinen Gange begleiten?" Schulze versprach das und verabschiedete sich unter vielen Dankesbezeugungen. e Weihnachtsabeirdi Engel der Liebe und Barmherzigkeit wandeln wieder unter den Menschen. Weihnachtsfreuöv ist bereits auf allen Gesichtern zu lesen. Auf den Straßen ein Hasten und Rennen. In den Häusern flackern schon hin und wieder die Kerzen der Ehristbäume auf. Schulze eilt beschleunigten Schrittes der Wohnung Falgenbachs zu. Als er diese betritt, bleibt er vor Erstaunen stehen; auf dem Tische prangt ein kleines, aber zierlich geschmücktes Weihnachtsbäumchen; daneben steht ein Korb, vollgepackt mit Lebensmitteln. Anter diesen Sachen aber liegt, von Schulze unbemerkt, ein Brief, welcher einen Hundertmarkschein sowie Elfriedens Schreiben enthält. Dem letzteren sind von Falgenbach mit großer markiger Schrift die Worte hmzugefügt: „Dein Wunsch wird hiermit erfüllt. Das Christkindchen." Noch mehr' aber wächst das Erstaunen Schulzes, als Falgenbach ihn bittet, den Korb nach Friedrichstraße 26 tragen zu Helsen. Falgenbach selbst nimmt das Bäumchen. Unterwegs klärt er seinen Begleiter über den ganzen Sachverhalt auf und erteilt ihm besondere Weisungen.... In der einfachen Wohnung der Witwe Röder steht der ärmliche Abendtisch gedeckt, alles ist blitzblank und sauber, aber kein Weihnachtsbäumchen ziert die Stube. Auf dem nahen Kirchturm fegen die Glocken zu feierlichem Geläut ein. _ Da klopft es; die Tür öffnetZich, und heller Kerzen- schimmer fällt in das Zimmer, so daß Elfriede überrascht emporschaut. Schulze ist mit seinen Sachen ins Zimmer getreten, während Falgenbach sich leise Als dem Hause entfernt hatte. r. Frau Röder kann zurrächst keine Worte finden, dann aber enttinat es sich ihren Lippen: „Ach. Sie haben sich hier wohl geirrt!" „Rein, liebe Frau," antwortete Schulze, „ich komme im Auftrage eines anderen, der Ihnen dura) mich diese Weihnachtsgeschenke senden läßt. Sie sollen nicht alle Hoffnung verlieren und wieder frohen Mutes sein." „O, sagen Sie mir, wer dieser gütige Geber ist, damit ich ihm danken kann", stammelt die Witwe verwirrt, „©einen Namen darf ich allerdings nicht nennen,“ entgegnet Schulze, „der Geber kann die Gaben gut entbehren. In seinem Auf- ttage wünsche ich noch „vergnügte Feiertage". In dem Korbe liegt übrigens auch ein Brief, der wohl das Nähere enthalten wird." Mit diesen Worten entfernt sich Schulze schleunigst, um weiteren Fragen zu entgehen. An den Schalter des Postamtes tritt eine Frau, gibt eine Postanweisung ab und legt ihr Geld auf das Zahlbrett. Der Beamte bucht die Anweisung, fertigt den Einlieferungsschein aus, vereinnahmt den Geldbettag und verabfolgt den Schein. Auch heute spielt sich dieser gewöhnliche Gang der Dinge in der üblichen Reihenfolge ab. Angewöhnlich ist nur, daß der Einzahlerin — es ist die Witwe Röder — ein leichtes Rot über die Wangen huscht, sobald der Beamte beginnt, mit großen, markigen Buchstaben den Einlieferungsschein auszufertigen und schließlich seinen Namen „Falgenbach" daruntersetzt. O, di se Handschrift ist ihr ja nur zu bekannt. Wie oft hat sie nicht schon die wenigen Worte „dein Wunsch wird hiermit erfüllt. Das Christkindchen", die von derselben Hand herrühren, gelesen. Jetzt kann sie sich auch den ganzen Zusammenhang erklären, und jetzt versteht sie auch, warum es gerade der Briefträger Schulze gewesen ist, der ihr die Weihnachtsgaben überbrachte. Fest prägt sie die Züge des Beamten ihrem Gedächtnis ein, nimmt ihren Schein in Empfang und entfernt sich schweigend... Aeberrascht blickt Falgenbach auf, als er sich am Ab-md auf dem Heimwege von einer Dame angeredet sieht, welche sich alsbald als die Witwe Röder zu erkennen gibt und ihm in warmen Worten für seine Hilfe dankt. . . Falgenbach kam an diesem Abend, zum Erstaunen seiner Hauswirtin, eine halbe Stunde später als gewöhnlich nach Hause. Zu gewohnter Zeit begab er sich zur Ruhe, konnte aber keinen Schlaf finden. Er hatte mit seinem Ge'de andern eine Freude bereitet und, was noch nie der Fall gewesen, selbst Freude hieran gefunden. Seine Gedanken weilten bei der Witwe Röder. Er hatte sich in ihr eine ältliche Person vorgestellt, statt dessen hatte er eine junge, anmutige Frau in der Blüte der Jahre erblickt. Die Tränen der Rührung, die ihr in die Augen getreten waren, als sie ihm ihren Dank sagte, dazu das vor Erregung und Freude leicht gerötete Gesicht, hatten sie Falgenbach, der bisher achtlos an allen Frauen vorübergegangen war, doppelt reizend erscheinen lassen. Ja. für die Folge ereignete es sich sogar häufiger, day Falgenbach, ganz gegen feine sonstige Gewohnheit, sich abends zu einer bestimmten Stunde auffällig lange in der Nähe eines großen Weißwarengeschästs aufhielt und dort öftere „zufällig" mit einer Dame zusammenttaf, Sie das Geschäft mit einem kleinen Paket unter dem Arme verließ.---— Wieder war es Weihnachten, und wieder läuteten die Glocken den heiligen Abend ein. Wie manches hatte sich im Laufe des verflossenen Jahres geändert! , , Die Frau Ober-Postassistent Falgenbach — die frühere Witwe Röder — sah in Gedanken versunken, in ihrer behaglich eingerichteten Wohnung. Elfriede war in kindlichem Eifer mit dem AuSpacken der Geschenke beschäftigt, die der Papa soeben für sie gesandt hatte. Da ertönten Schritte und Falgenbach betrat das Zimmer Freudestrahlend fiel ihm die Frau um den Hals, und während ste lächelnd und errötend zu ihm aufschaute, flüsterte sie: „Soeben dachte ich an das Weihnachtsfest vor einem Jahre." , „ Zärtlich und indem er einen Kuh auf ihre Lippen druckte, flüsterte er: „Ja. auch ich freue mich, daß alles so gekommen ist. Das Christkindchen hat es so gefügt." Heftige, von strömendem Regen Begleitete Aprilstürme fegten über das Land. Es konnte daher wunder nehmen, daß sich eine Dame in das Anwetter hinauswagte und dabei noch ein sehr vergnügtes Gesicht machte. Aber Frau Witwe Röder hatte alle Arsache, fröhlich zu sein. Sie befand sich auf dem Wege zum Postamt, um auf eine Postanweisung 30 Mark einzuzahlen und damit die letzte schuld an ihre Gläubiger abystragen. Kurz nach Weihnachten hatte sie ihre Nähmaschine wieder einlösen können. Die Arbeiten gingen von da ab besser und flinker vor sich, und immer größere Aufträge wurden ihr von dem Geschäft zuteil, die sie stets mit gewohnter Sorgfalt und Pünktlichkeit ausführte. Den Spender der Weihnachtsgeschenke hat sie allerdings noch nicht ermitteln können; denn Schulze hüllt sich, so oft sie ihn auch bestürmt, immer tre undurchdrinyliches Schweigen.--— Der „Annahbare" hatte sich vollständig geändert. Als der Frühling ins Land gezogen war und mit seinen milden Sonnenstrahlen Schnee und Eis h'mwegttteb. da hatte auch die alles erwärmende Liebe in Falgenbachs Herzen Einzug gehalten und die harte Kruste der Anfreundlichkett, die sich während langer Jahre um dasselbe gelegt, zersprengte Alle edlen Gefühle, die bisher verborgen unter dieser Decke geschlummert hatten, brachen sich siegreich Bahn. Falgenbach wurde zu aller Verwunderung ein liebenswürdiger und angenehmer Kamerad, und in der Gesellschaft waren er und seine Frau bald gern gesehene Gäste. Als er kürzlich in einem fröhlichen Augenblick die Geschichte des Briefes „An das libe Kristkind tn Himmel erzählte. da firm man allegmein zu der Aeberzeugung, daß dle Bezeichnung der „Annahbare" für Falgenbach nicht mehr am Platze sei. Von da ab nannte man ihn nur noch: „Das Christkindchen". - $59 - WeihirachtsmustR. Von Gr. Anton Mayer. „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, welche guten Willens sind" — verlangen diese Worte des Evangelisten, die Lobpreisung der himmlischen Heerscharen bei der Heilandgeburt, nicht nach einer strahlenden Musik, die ihren Jubel erst recht zum Erklingen bringt? And musikgettänkt wie sie ist der Geist der Weihnacht selbst, der sich in vielen und allbekannten Gesängen einem jeden von den frühesten Ougendtagen an eingeprägt hat. Gas Lied hat seine innigsten und tiefsten Melodien in ihnen hervorgebracht; „Es ist ein' Ros' entsprungen" zum Beispiel ist wohl eines der ergreifendsten unseres Landes; wir brauchen sie nicht zu nennen, die alle Kinder singen. Rur eines alten, von sonderbarem Zauber, der Stimmführung und schönen lateinischen Text sei hier gedacht, da es vielleicht in der heutigen Zeit ein wenig in Vergessenheit geraten ist — vor etwa dreißig Jahren wurde es im Gymnasium zu jeder Weihnachtsfeier gesungen; es ist des 1571 geborenen Michael Prato rius', braunschweigischen, kursüchsischen und magdeburgischsn Hofkapellmeisters Hymne „Quen pastores landabere", die sich in verschiedenen — zum Beispiel den Hellenbergschen — Liedersammlungen findet, und wegen der starken Zuversicht ihrer freudig aufstrebenden und voll ruhiger Kraft sich zum Schluß wieder senkenden Melodie wohl verdient, neben den andern, vielleicht lieblicheren, zur Feier zu ertönen, um ihre anmutige Herbheit dem verwandten harzigen W ihnachtsduft zu vereinigen. Es ist klar, daß ein so musikerfülltes und dabei tief in das Leben jedes einzelnen Menschen eingreifendes Fest, wie Weihnachten, schon früh in der kirchlichen Tonkunst eine Rolle spielen mutzte; unD da in keinem Lande der Welt in so eigenartiger und inniger Weise die Geburt des Heilandes gefeiert wird, wie in Deutschlaird, so sind es naturgemäß die alten deutschen Komponisten, die in Kantatenfvrm — einer Folge von textlich zusammengehörenden und ein Ganzes bildenden Stücken — Weihnachtsstücks schufen, die reich an kurzen, aber formvollendeten Sätzen sind, und eine sanfte Schönheit offenbaren. Die Werke Telemanns und vor allem D. Buxtehudes sind in diesem Zusammenhang $u nennen, die nach Art der Italiener durch Zurückgreifen des Schlusses auf den ersten Satz abgerundet sind, in den Chören bereits weite Verhältnisse zeigen und aitch den Choral einrücken. Auch selbst ärdige Onstrumentalsätze schieben sich zwischen die Gesangsnummmn ein, wie es in den Kompositionen der venezianischen Meister Brauch war. Jene» Zauber des musikverlangenden Evangeliums von der Geburt Christi muh Johann Sebastian Bach stark empfunden haben, als er sein „Weihnachtsvratorium" konzipierte und schrieb. Es ist in der äußeren Form ebenso gehalten, wie die großen Passionen, w lche das Leiden und Sterben des Erlösers zum Gegenstand hab n; die Worte des Evangelisten werden vom Solotenor rezitativisch vorgetragen, Arien, Choräle (die Gemeinde) und Chöre von wechselnden und bewegten Stimmungen unterbrechen und illustrieren die biblische Erzählung. Die zweiten Kapitel des Lukas- und des Matthäus-Evangeliums haben zum Weihnachtsoratorium die Erzählung geliefert. Handelnde Personen, wie in der Matthäus-Passion Christus, der Hohe Priester, oder PonttuS Pilatus, treten nicht auf; indessen schlüpft die Alt- partte zuweilen in die Figur der Muttergottes hinein, ,so wenn sie das bezaubernde Schlummerlied singt „Schlafs, mein Liebster", dem durch die Begleitung der die Violine verstärkenden Oboen (in der Partitur in Oboi d'arnvre und Oboi da baccia, Liebes- und Jagdoboen geteilt) ein ganz bukolischer, der Situation und der Rahe der Hirten entsprechender Charakter gegeben wird. Es folgt dann, nach dem Evangelisten die Verkündigung an die Hirten durch die himmlischen Heerscharen; dann erbraust die frohe D:t- schaft der zu Anfang angeführten Worte im vollen Chor unter den Klängen des figurierenden Orchesters. Wie in den großen Passionen spielen auch hier die Choräle eine besondere Rolle; auch innere Zusammenhänge zwischen den einzelnen Werken Bachs lassen sich bei ihnen aufdecken; so hat einer der ersten Choräle des WeihnachtSvratoriunis „Wie sost ich Dich empfangen" dieselbe Melodie, nur in veränderter Tonart, wie „O Haupt voll Blut und Wunden" der Matthäus-Passion, dem somit eine bestimmte mottvische Deutung gegeben werden konnte. Merkwürdig, weil sonst nur selten vorkommend, ist ein Rezitativ aller 4 Solostimmen, die vorletzte Rümmer des Ganzen: „Was will der Hölle Schrecken nun", nach dem der Schluhchvral: „Run seid Ihr wohl gerochen" mir besonders überzeugender Stärke wirkt; denn zu dem ganz einfach vierstimmig ohne Figu- rattonerr, rein harmonisch geschriebenen Chorsatz tritt nun das volle glänzende Orchester mit Trompeten und Pauken, um in zuversichtlichstem D-Dur mit hoher Freude das Oratorium zum Abschluß zu bringen. Aber nicht ttur der gewaltige kirchliche Bach hat die musikalische Poesie des Mittwinterfestes empfunden; auch der Romantiker Schumann hat ihr Ausdruck gegeben, einfacher allerdings, und versteckter, mit einem heimlichen Gefallen an den ltchtverhüllten Dezembertagen, in einer leise wehmütigen Stimmung, wie sie wohl den Erwachsenen bei dem Feste der Kinder beschleichen mag, — und die bann doch nicht Stand hält und von einer ruhigen und tiefen Freude verklärt wird.... Die beiden „Winterzeit" genannten 0-LlolI-Stücke des „Album für die Jugend" (2. Teil) sind so recht die Verkörperung solchen Empfindens. Schwer- müttg das erste, als fei der einsame Mann melanchvsischer Erinnerung hingegeben, in leisem Moll fchließettd; unruhige Erwartung scheint nach dem geheimnisvollen Anfang des zweiten hinzuzukommen, es ist," als mühten innere Widerstände überwunden werden, bis endlich ein zartes C-Dur in vollster Innigkeit, wie tröstend und erlösend, die Schatten verscheucht und die tiefen Bahnoten wie Glockenschläge Frieden verkünden. Zwei technisch ganz einfache Stücke, aber voll romantischer Dichtung, so daß wir beim Hören die Flocken im Dämmergrau fallen und dann die Lichter am Weihnachtsbaum glänzen zu sehen vermeinen! Von der gleichen starken Poesie erfüllt sind die „Weihnachtslieder" von Peter Cornelius: auch bei ihnen li gt der größte Reiz im Klavier, in der Begleitung der Gesänge, mag sie nun einen Choral der gesungenen Melodie anpasfen („Vom Himmel hoch, da komm ich her") oder, wie im Lied von den Hirten, die schwebende Stimmung erwartungsvoller Ergriffenheit mit dem Zauber der sternklaren Rächt auf dem Felde vereinen. Auch in ihnen ist kein lauter We'h- nachtsjubel —, aber eine stille und feine Seligkeit, ähnlich wie in Max Regers „Mariä Wiegenlied", das uns in seiner Lieblichkeit ebenso sehr an die jungmädch"»haften Madonnen Florent'ner Quattrocento-Mal r erinnert, wie an die zarten Frauenbilder des deutschen Weihnachtsmärchens, — und an die Krippe, die wir als Kinder unter dem brennenden Daum bewt-.ndert und geliebt haben. Die Flibustier. Eine Erzählung von der Kräfte Brasiliens. Bon Dr. Alfred Funke. Wenn deutsche Schiffe nach Port Seguro kamen, so kehrten die Reisenden gewiß in das Wirtshaus „Zur trocknen Banane'' ein. Dort sanden sie am runden Tisch, auf dem das Sammelboot der Rettungsgesellschaft für Schiffbrüchige stand, unter dem Bilde des deutschen Kaisers immer willkommene Gestllschaft. Lauter Deutsche! Da Ware» die Agenten. „Shipchandler" und Stauer, die immer am Hafen zu tun hatten, die Angestellten der großen deutschen Handelshäuser, die mit den Konferenten im Zollhaus täglich ihre Kämpfe zu führen hatten, um die Fracht schneller als int üblichen Amtstrott aus den Klauen des Fiskus loszumachen, und andere Geschäftsleute bei einem Erhvlungsfchoppen zu treffen. Auch mancher deutsche Kolonist, der seinen Handel in der Stadt gemacht oder Rat gesucht hatte, hockte dort hinter seinem Glase und grüßte manchen alten Freund, der früher als Musterreiter in die deut- schen Kolonien gekommen war oder als Schulmeister oder junger Mann einer Benda seine schwarzen Dohnen in den Wkaden gegessen hatte. Da wurde dann manche Erinnerung aufgefrischt und mit einem heiteren und mit einem nassen Auge vergangener Zeit gedacht. Der Wirt der „Trockenen Banane" war auch ein Deutscher, land- uni) leutekundig, und wer ihn fragte, was er im gelobten Lande Brasilien getrieben habe, bevor er den schäumenden Schoppen schänkte, bekam immer die gleiche Auskunft: „Meinen eigentlichen Berus wollen Sie wissen, Landsmann? Run, als ich hier im Hafen aus dem brasil'anischen Kasten herauskletterte, keine zwanzig Patak im Sack, fühlte ich eigentlich Beruf zu jeglicher Hantierung in mir. Ich hätte noch als Feuerfresser, als Schlangenbändiger, als künstlicher Fischzüchter und Dienenvater ebenso beliebt machen können, wie ich es als Flaschenspüler zunächst versuchte. Aber das Schicksal verschlug mich in die Wurstzipselpikade. Da habe ich ein halbes Dutzend Jahre Schulmeister und Pfarrer gespielt. Damals ging das noch, und ich war sogar ein sehr gesuchter Kanzelredner, Das dürfen Sie gern glauben." „Rur wollten seine Bauern auf die Dauer nicht recht an seinen Katechismus glauben," warf ein Gast ein und deutete auf — 260 — der drei Männer bezahlt Galvez auf, ging auf den kommt die Poesie!" sagte eine- Lutz Jetzt dem mit der Jacke und dem Hut machen würde. Da stand Don Wirt zu und zog seinen Dolch." »Jetzt wird's interessant. Revolver in der Schublade i beruhigte ihn und sprach: Äer°J®ine feine Firma!" sagte Kapitän Brttermann anerkennend. ,,Ben Rowles hatte mit dem offenen Geschäft also fein hätte mit Feuerlöschgeräten handeln müssen," meinte der Er hätte auch die »Trockene Banane" übernehmen können." gab Jansen zurück, „da ist es ja auch feucht genug. Also — er lernte in Rio, als die Versicherung mit der Ponzer winkte. den Don Esteban Herrera kennen, der führte damals Portwein in Fässern ein. Dabei beteiligten sich Ben Rowles. Aber sie mussten plötzlich liquidieren, und zwar binnen einer kleinen Viertelstunde. Die Polizei behauptete, in den Portweinfässern seien Zmkkastchen innen eingeschraubt gewesen, und da in Rio gerade sehr viel falsches Geld umlief, das in Portugal hergestellt wurde, so sollte es in den Weinfässern ins Land gekommen sein. Die bettel Genossen trafen in einer Schenke am Hafen, wo es einen Gauner 0a6 „DaS war natürlich der Wirt!" erklärte Oloff gemütlich dem Inhaber der „Trockenen Banane." „Ruhig, Oloff!" tadelte Jansen. „Also, bte Herden trafen dort einen dritten Ehrenmann, den obenerwähnten Don Lutz Galvez. dem damals siebzehn Milreis in der Tasche lieber gewesen waren als siebzehn Granden Kastiliens. Bei der eiligen Liquidation des Pvrtweingeschäftes hatten die beiden Inhaber leider auch das Kapital zurücklassen müssen, und die drei Gäste sahm mit Betrübnis dem Augenblick entgegen, in dem sich der freundliche Wirt ») Potreino — Pferdeweide. *•) ---- Petroleum. Oloff. der ^nba^k^abm^Don Luiz Galvez beruhigte ihn und sprach: ,Jch lasse den Dolch dir zum Pfände. Bewahre ihn!Es ist ein kostbares Stück, denn Herzog Alba selbst schenkte ihn meinem Ahnherrn vor mehr als dreihundert Jahren. Wenn wir zurückkommen, lösen wir den Dolch aus/ Der Wirt war einverstanden. Die drei Genossen aber hielten einen Rat und beschlossen, etil ganz feines Geschäft zu machen. .Wir grünen eine neue Republik!' erklärte Don Luiz Galvez, und die anderen waren einver- Schriftleitung: Or Friede Will). Lange. md Verlaa der Drübl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange. Diesten. die Olafe des redlichen Bananenwirtes, die freilich ziemlich rubin- , farb^getoorben war.? ^Enstischgesellschaft der „Trockenen Ba- nan£ Das^können Sie^glauben, Senhores," sagte Kaufmann Jen^n, wenn die Dinge in Rio so schlimm stehen, wie die letzten D^ peschen melden, die ich bekommen habe, so haben wir die schönste Revolution im Lande, ehe ich meinen neuen Tabak verkauft Habs. Admiral Eustodiv steht mit dem Präsidenten aus Hauen und Stechen und die Flotte fackelt bekanntlich nicht lange. Sie bal lert los und kehrt sich nicht daran, was daraus enJ.ehen mag. Ich sage, wir haben Revolution, ehe acht Tage vergehen. Saaen Sie nich so was, Herr Jansen! wehrte der Kolonist Dümvke ab der feierlich in seinem Gottestischrock am mische faß unb feine Wurst zum Brote schnitt. Gr war in Landungelegenhei- knBetmSteramt gewesen. Das war immer eine ernste Sache u”‘ 'ft® „'S !Ä“Äl«r und "steckte feinen hölzernen Rasenwärmer voll selbstgebauten^a baks an. Als Sie bei uns in der Pikade noch Speckausbimter bei Heinrich Wegener waren, da hatten wir auch eine Revolution. Wissen Sie noch, wie die schwarzen Strauchdiebe mir den Mala cara aus dem Pvtreino*) holten und meinen s^sten Ochsen zu Spiehbraten machten? Sie sollen ihn heute noch bezahlen. ban^3ar licber^Dümpke, euch deutsche Bauern wird man nicht erst lange fragen, wenn man Revolution spielen will. Jm Lande Brasilien ist vieles möglich, und wenn ich daran denke, was ich mal erlebt habe, als ich da oben am Amazonas noch Gummi einhandelte und in den elendesten Bugrelochern herumkroch J Achtung, meine Herren! Unser Freund Jansen hat E neue Geschichte auf Lager, die er zum Selbstwstenprets toswerden möchte/' warf Kapitän Bettermann ein, der mit, seiner Schuner- bark nach Porto Seguro gekommen war und sich nach langer Fahrt ein paar Tage Ruhe im Hafen gönnte. Legen Sie los, Jansen!" munterte Herr Olofs auf, der die Verladung der Tabakballen zu beaufsichtigen hatte, die sein Haus zu vielen Hunderten nach Bremen verfrachtete. „Los. Jansen! Sonst sterben Sie noch an Herzdrücken, ehe wir unsere Partie Dillard im Klub spielen." Jansen brannte eine neue Zigarre an, nahm einen Schluck aus dem Glase und begann: Es waren einmal drei Leute — „Also ein Märchen!" unterbrach Oloff. "Rein, eine Wahre Geschichte, denn ich habe sie selbst erlebt. Die drei Leute sahen in einer Hafenschenke m einem elenden Loch, nicht weit von Manäos. Sie hatten Gummi gehandelt und ihr Geld dabei verloren oder durchgebracht. Der eine hiest Ben Rowles und stammte aus Chikago, der zweite war em Spamole mit schwarzen Augen und einem Ramen - na ich have ihn ver- aefsen' er erinnerte mich aber immer an die Zrgarvenmaike, die ich ternals rauchte. Sagen wir also kurz: Don Esteban Herrera. Der dritte war auch ein Spamole, wollte verwandt sein mit sämtlichen Granden Kastiliens und führte aus Bescheidenheit.wie er sagte, den Ramen Luiz Galvez. Den Rowles chatw in Chikago einen Schuhladen gehabt, ein hübsches und flottes Geschäft, sagte er. Leider brannte es ab. Mit der Versicherungssumme ging er nach Rio und tat ein Modewarenmagazin auf. Das brannte leider auch ab. und der Versicherungsagent behauptete, es röche nach „Run fangen Sie an zu lügen, Jansen, zweifelte Kapitän Bertermann.^ ^mann, KäPP'n! Warten Sie doch ab und dann reden Sie! — Also die drei Freunde schlugen sich nach Delern durch, weiter den Amazonas hinauf, über MannoS tief mS Innere hinein. Da flieht doch! der Rio Acre. ",Ra" KnSW wS^Mich hatten fu in der HAnfchm^ bei Manäos beredet, mitzufahren, und da ich damals solche llelnen Abenteuer ^lebte^ erheiratet. Jansen: da hat das aufgehört,' ergänzte Olvll^rv^ ^hre Anmerkungen sparen, Verehrtester. Also, es fand sich allster mir noch dieser und jener von tuchttgen Mannern und die neue Republik tn einem fernen Winkel am Rio Acre wurde gegründet. Die neue Regierung betätigte Sie hielt die Gummikähne, die stromab gingen am ebenso die Schnapskahne, die stromauf kamen, und erhob stattliche Zolle von beiden. Sie fand auch sehr bald, dast der Schnapshandel anderer mit den Indios ein höchst unmoralisches Geschäft sei. wG betrieb ihn selber. Also verfügte sie bald über einen ansehnlichen Kassenbestand. Dafür wurden zunächst einige Dutzend Gewehre und Pa- tronen erstanden und eine Armee von zwanzig schwarzen und aelben Galgenvögeln einexerziert, um die Sicherheit der bevorstehenden Wahlen zu gewährleisten. Die Bürger der neuen Ae- vublik wurden also mit gelindem Rachdruck an die Wahlurnen ge- brachtund A^hüchsten Aemter wurden verteilt. Don Lui^Gch- vez Präsident und Auswärtiges, Don Esteban Herrera. Kriegs Minister und Generalfeldmarschall, Den Rowles: Allianzen und ^,-h selbst hätte Admiral werden können — „Ratürlich über die Schnapsflvttil.e," entschied KaPitanBettev- mannQI6er ich lehnte ab. Ich sah eines Tages irn Ministerium des "Innern, das aus einigen Pfählen mit parauf genageltem Wellblechdach bestand, und sah die neue Aatwiialflagge an, die Den Rowles entworfen hatte. Sehr schön. Grünes ~ud) mit einem springenden Jaguar. Da kam der Präsident und behauptete, das sei kein Jaguars sondern ein halbverhungertes Kalb, das m tee arünen Kle» stolpere. Ben Rowles nahm das krumm, schlug ihm di^ Flagge um die Ohren, und eine Stunde später hatten wir die erste"Revolution im Lande. Mel zu früh, denn in der Kalle konnten höchstens noch fünf Cvntos sein. Der Generalfeldmarschall Esteban Herrera war zunächst unsichtbar. Ich sand ihn aber in einem leeren Schnapsfah und zwang ihn, an Sie Spitze der Armee zu treten und die Revolution zu dämpfen. Es gab denn auch eine kleine Schieherei, bet der meine gute Muka auf dem Felde der Ehre blieb, und als der Aufstand niedergeworfen war, fand sich, das, Ben Rowles ihn nur in Szene gesetzt hatte, um mit der Kalle zu verduften. Der Präsident versuchte es zwar mit einer Zwangsanleihe bei den Bürgern der Republik, aber die Ergebnisse waren lläglich. Auch winkteii die Regierungen der Rachbar. schäft in Peru und Brasilien, kräftig mit den, Aelhv herüber. Da gaben Don Lutz Galvez und Don Esteban Herrera ihre Demission, und die schöne Republik löste sich in Wohlgefallm auf. Wir gingen zunächst nach Mamivs zurück und von da nachRio. Da löste Don Lutz Galvez. der wohl heimlich einige Milreis als Präsident auf die Seite gebracht hatte, seinen Dolch richtig wieder aus und ich habe die beiden Genossen aus den Augen verloren. Vor dem Abschied schenkte mir Don Luiz Galvez den Dolch zum ewigen Andenken an eine glorreiche Zeit. .Er soll dir Gluck bringen' sagte er. und ich habe ihn heute noch zu Hause auf meinem Schreibtisch liegen. Den Dolch des Herzogs Alba, meine Herren! Wird wohl von einem Trödler in der Rua Bandeira stammen," bemerkte Oloff und trank dem Erzähler zu: „Sie sind doch ein ganz gefährlicher Mann, Herr Jansen," sagte" der Dauer Dümpke achtungsvoll. „Ree, Dümpke," widersprach der Bananenwirt, „gefährlich sind nur seine Geschichten." , Solange die Geschichten nur erzählt werden, geht es noch an,""meinte Oloff. „Aber wenn sie gemacht werter — das ist böser. Denken Sie an unseren Freund Julius Schmitz, genannt der lange Samstag. Warum, weih kein Mensch." (Fortsetzung folgt)