Gietzener zamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger Jahrgang (924 Samstag, -en 25. Oktober Kummet ren. Vorher aber steht diese Einleitung, die Einführung in die »Andachtsstunde", ein menschliches Bekenntnis von ebenso grober Einfachheit wie innerer Schönheit: „Was Du sonst die Zeit für ein herrliches Leben durchgemachl hast, kann ich mir denken, und Hütte eigentlich alle Ursache Dich darum zu beneiden, wenn ich Dir nicht alles von Herzen gönnte^ Z/ ' T 'n. C1'^ rmr durch eine Masse lateinischer Eitate grobnitheils unverständlich war, gab mir den neuesten Trieb o also die Formenlehre aus dem kleinen Zumpt ^was studiert: und mich dann daran gemacht, die Exempel aus Broder über die Syntax schriftlich zu übersetzen, bin darin jetzt etwa zur Hoffte fertig. Zu gleicher Zeit habe ich dieser Tage einen Mrzen Abriß der römischen Geschichte von Eutrop zu Ende ae- bracht, und ist dies mein erstes lateinisches Buch, welches ich g«. r'5n- Zunächst hoffe ich nun, den Cäsar zu lesen, Cornelius Repos spater Cicero, und bis wir uns Wiedersehen, hoffe ich Dich mit einigen eigenen Ilebersehungen Horazscher Oden zu ennuyiren ^nter Deiner hohern Leitung hoffe ich dann später mit gereifter em M'-ck es glücklich bis zum ginechischen Alphabet und einer erträo- lichen aiebersetzung des Aristophanes zu bringen. Außer einigen kleineren Gedichten, von denen ich Dir zum Schluß einige mit- theilen werde, habe ich mir einen einactigen komischen Operniext geschrieben, über den ich gern Deinen Rath hörte, wenn das Mit-- theilen nicht zu umständlich wäre. Auch ein größres komisches musikalisches Gedicht in Trochäen und ein ernsthaftes in Terzinen habe ich gemacht." Mach unveröffentlichten Briefen der Freundschaft. Mitgeteilt von Alfred Richard Meyer. Aeffe — zwei berühmte Menschen mit demselben Mamen Peter Cornelius. Peter Ritter von Cornelius, Historienmaler der Münchener Glyptothek, und Peter Cornelius, der Dichter» Komponist des Barbiers von Bagdad", des „Cid", der „Braut- ",^?bnachtslieder", selbst ein Weihnachtskind, am Dezember 1824 geboren, am 24. Oktober 1874, als Professor der Harmonielehre an der Königlichen Musikschule in München in seiner Heimatstadt Mainz gestorben, weniger aufgesührt denn immer wieder gesungen mit seinem „Morgenwind" und seiner „Sternennacht , den beiden Gedichten von Paul Heyfe, mit dem ihn tiefe Freundschaft von je verband. Die Witwe Frau Anna tarn Heyfe hatte die Liebenswürdigkeit, mir einige unveröffentlichte Briese des Meisters zugänglich zu machen, die so recht von der smlhen Verinnerlichung des jungen Dichter-Komponisten Zeugnis ablegen dre uns, wie er selbst es genannt hat, Andachtsstunden imterleb’en lassen. n^JPL!!Vin gn>&e aiwrtfeiten langer, enggeschriebener 6e8m33l^r“:n68to werm er noch in Bonn ist." Dieses lange Schrei- Pimsönlichrs, Grundsätzliches, Lreundschasiliches. ^nf k^ine Gedichte und dann salgendes Ge» "SrLfetLto!ni.9erLS%m habe ich mich wieder mit aller ! die Arme geworfen. Doch einiges klei- »^^.^-Ibbracht, wovon ich Dir jetzt erzählen will, wett Fuly etwa habe ich angefangen Lateinisch zu lernen und so mnem langen am Heizen zehrenden Wunsch Erfüllung gegeb @tn musikalisches Werk, das mir durch eine Masse lateinisck Herbstgang. Von Rudolf Herzog. Dom Strauche fällt die Haselnuß, Der Vögel Sang ist jäh verklungen-- 3d> kannt' des Liedes herben Schluß, Üind doch hat es mein Mund gesungen. 3ch kannt' der kurzen Schritte Zahl, Die durchs Geländ' zum Kreuzweg leiten. Wo du inS wiesengrüne Tal, Ich durch die Heide muhte schreiten. Änd doch vermocht' das Abschiedswort Aicht um fein Glück das Herz zu bringen, Änd klang auch herb der Schlußakkord, Es war doch süß, das Lied zu fingen! Andachtsstunden. ■Sum50. Todestag des Dichter-KomponistenPeterCvrneliuS. mein lieber Paul! Werden doch auch für Dich leider nur zu bald die Zeiten kommen, wo das Leben Dich in irgend ein beliebiges §0^ wirft, Dir eine Kette um den Hals. Arm und Beine wirft, SNr etwas Marmor zum Sägen oder Wolle zu spinnen hinwirst, vd« Dir ein Galeerenruder in die Hand gibt — und habe ich doch auch eine Zeit gehabt, wo ich fremde Länder und Menschen sah, und so recht froh und unbesorgt alles genießen konnte, und wo allen wechselnden Gedanken und Bildern eine unwandelbare Ides zu Grunde lag und dies waren die Fleischtöpfe Aegyptens, di« Heimath, die offnen Arme von Vater und Mutter, wenn man wieder kam. das bestimmte Bewußtsein von dem Schrank der da steht und von der Kommode die da steht, von dem Bild was des hangt, von dem alten Familienglas was an der und der Stell« einen Sprung hat, von der Treppe, die man im Dunkeln hinauf- gehen kann, weil man weih daß sie siebzehn Stufen hat. Sieh«, wie kommt es denn, daß ich erst eine Seite heruntergeschrieben babe, und mich schon so allmählich in der rechten Stimmung befinde. um am warmen Ofen und bei brennender Pfeife einmal wie. oct etn Stückchen von meinem Herzen in ein paar Bogen Brief. ***% Ju toi?€£?, um es einem ließen, guten Kerl in der Fremd« $u schicken. Siehst Du, darum schreibe ich so selten, lieber Paul, ioml mir iede solche Stunde eine Andachtsstunde ist, und weil «S nicht gut ist. wenn man gar zu oft andächtig ist: weil es mir das- tetbe ist, em Gedicht an meinen Schatz zu machen, oder einen Brief an meinen Freund zu schreiben. Da liegt denn das weihe Papier vor einem, man hat alle eitlen Sorgen der Welt von sich geworfen, weil man eben einmal mit dem Freunde allein fein will. And wie drangen sich da die Bilder haufenweise über das Blatt! Selige selige Stunden! Freuden, die eben vergangen sind, und nicht wieder^ khren War es auch nur ein flüchtiges Wort, oder war es ein Glas das man zusammen trank, oder waren es fünf Silbergroschen die ich Dir abvumpte, und die ich Dir bei Gott! nie wieder gs»' gegeben habe, oder waren es schlechte Decensionen über gute 08über. Oie man sich vvrlas, ober eitler Klatsch über ein warmes Gefühl, bas m leidliche Verse gefaßt war — das alles nimmt eben ©eftalt an und stellt sich leibhaftig vor Dich. Da lauft man draußen in herum und sieht gleichgültige Gesichter oder grinsende Fratzen jemand der einem gern wohl wollte, der einen nicht vev- fteßt, oder umgekehrt: der eine hält einen für zu dumm, der andre für zu klug — selbst mit Menschen die man lieb hat versäumt man oder verbittert man sich manche Stunde — man steht am Eisenbahn-Waggon und sieht das liebste scheiden und hat feine Thronen im Auge, sieht stumm auf die sechsräderige Lokomotive und denkt still an das taufenbräberige zermalmende Schicksal — ein Wort — Adieu — ein Klingeln — fort — fort! — Aber zut Haufe im Stillen, beim warmen Ofen und rauchender Pfeife da hofft Du Alles nach — Du bist wie abgeschieden, ein böses Wort was Du jemand leicht hingesagt, thut Dir dopvelt weh — aber daS Gedenken einer frohen Stunde und eines Überströmenden Mo» mentes liegt Dir dann wie ein ganzer Himmel im Herzen." Cornelius erzählt dann dem Freunde, wie er in den ersten Maitagen nach Dessau reifte und dort dem alten Friedrich Schneider, dem herzoglichen Kapellmeister und Oratorienkomponisten, einem der taten toofiften Epigonen der Haydn-MozartscheN Richtung, „einen Pack Compositionen zur Durchsicht und Deur» theilung aufdrang. Der würdige alte Mann hat sie mir später jntt einem durchaus ehrenvollen Schreiben zurückgeschickt, welches in kurzen bündigen Sätzen eine Kritik jedes einzelnen Werkes enthält, und mir in Lob und Tadel durchaus als das erschien, was der Schüler vorn Meister zu fordern hat; sein Brief ist mir ein Lehrbrief, der mir noch für lange Jahre als Leitfaden dienen kann." Eine kleine zweistimmige Messe, im Juli geschrieben und bereit» am 15. August bei den „Barmherzigen Schwestern" zur Aufführung gebracht, bringt ihm „Aufmerksamkeit und Anerkennung" ein. „Besonders verdankte ich diesem Werk in der Person des Kaplan Ru- land einen, ich darf wohl sagen, enthusiastischen Gönner." Es war nur allzugut, daß Cornelius nicht mehr den leichten Glauben seiner ersten Jugend hatte und dem ihm in Aussicht gestellten öfter* reichischei, Stipendium von fünfzehnhundert Gulden und der Fata- morgana seiner Reise nach Paris und Athen gegenüber skeptisch blieb. Wenn sich später die Begeisterung des Kaplans Rukurd für ihn sehr legte, fo möchte er diese Tatsache vielleicht feiner „unglückseligen Freigeisterei" in die Schuhe schieben. Ja, er fragt sich: „Ob vielleicht das Ganze nur ein bißchen jesuitische Spielerei mit mir war, ober ob ich ein Esel bin, einen solchen Spuk hinter bet Coulissen des Alltaglebens zu suchen — ich weiß es nicht ... Ich fühle einen unendlichen Stolz in mir. lieber Paul, und wenn ich etil — 186 — Vom rechten Grützen und Wünschen. Don Franz Lüdtke. _ ... I rm;L. haben so vieles verlernt in der hastenden, hetzenden Zei. I ÄÄ »äs Sch-N | öerfleffen- |tr toir; 0&cr ^ag!“ oder «ar: »Mahlzeit'tz y rm-rf. sinnlose Silben sind jene Gruße für die meisten ge wvr^i Man könnte irgendwelche anderen Buchstaben zusammen-- 6at au» Ssgenswunlch fallen taffen und nur Ne Snqeä- o&er Jll nft.itL übrig gelassen. Das ist unser Grützen! Armselig, nicht ?ab^ rv.t ~a erlebt: wenn ich in irgendeiner Gesellschaft vom Tisch aufstehe und- in das allgemeine „Mahlzeit" meine „Gesegne e Mahlzeit" spreche — dann sieht mich der oder jener groß un, als Hätte ich eine vorsintflutliche Vokabel gebraucht. So stehen heute Wir^sc^vatz^sv viel, wirklich, eine Masse überflüssigen Zeuges. Wer wo wir recht reden und grüßen sollten, da sparen wir uns das Wichtigste, das Schönste des Wunsches. Wir führen so ost daS Wort .herzlich" auf den Lippen urch in der Feder. Was für gliche hei^ll^e und ^erheblichste Ä“ÄÄf & ff<&-11 Sxort“ und dem hochachtungsvoll ergebenst . Wieviel fotcheruu- Ks°-n!Kl M-nL-l ”n Äl« ?>*l W~", “1« -Dnb wir *ur wahren Herzlichkeit zuruckkehrtenl Zur -wayryeir überhaupt! 3$ das wirklich so schwer? hast Vielleicht ja - dann bist du angeranut und ang^ckt irgendwo uno hast Aerger und Nachteil von der Wahcheit gehaw - ^0^ geworden, ohne Eigenprägung ohne Charakter Nun mag der oder jener denken: Schon, ich will von yeuie o M C r ;„ n>erde meinen guten Freunden und getreuen Nach I Gemach mein Liebe,-, fo war das mchi ’Ät&ÄÄ'iiTÄ SÄÄ «16« °d? (“‘xn’S’Äw H Ä ÄS S”'StiawäRÄ*Ä du'°"f LL -mrüRhrm?um rechten Minschen und- Grüßen, und w« so deinen G Sngt. dessen Augen werben leuchten - wie die W ÄS S^'S,Ä LL°^Nnd em M^VWDMM 5«*ä Paul, daß es bald noth thut, k«V lene unoe^i nun Seren Bild ich schon rn fruher hm^n^ g^, bald von hier auf ihr Landgut schönste, einer sehr schönen Gegend liegt ' L, -t ^ren wundervollen I heimlichste Stübchen b^nsetzt mir selbst mit^ h e Gans Mabafterhänden die Feder schneidet wedye oer °o , I auf dem gräflichen Hofe ausgerupft isb und sie mir inme gibt und spricht: So sitze nun.undschr^e niein^iever comprmire so gut Lw kannst, wid w^.^. ^^nMen und es ihnen I wir die ganze Grafen-und Feensippscha^t ^mon Dock zum Vorspielen lassen, und ^rnn wotien wi schriebe lieber Paul, Verlag übergeben Und- ich säße dann und^chr eve, und Dich ließe ich stnnmen, ®u ftej_ öann ^^st mir Kammerzofe meiner Gräfinzur s , t ® & wenn Du's auf alle Weihnachten erne neue Oper dichten rm, ^llle Kinder, die sechs Kinder gebracht hattest, so wu Äoften ein ehr- über das halbe Dutzmid ^E?wswdt lernen Lind solche Sachen bares Handwerk rn der hauptsta Qe5en angenehm LMWMKZWS MMSZLLHS- LSLSLSLD-RK^ ±7^ wfi« SÄ“ÄÄ^ sirr Drref schließt. „Das Altes rp j machen auch einmal SsSBse« Quentchen Segen. , „3. R. III" und „Deutschland". Aus den Erinnerungen eines Heimgekehrten. Von Dr. Friedrich A W h n e V e n. arfÄrf &£ S'SÄtÄ LZwen ln Muhork und Lakehurst sprang der tele- vatbikcke Funke meiner Erinnerung von Gießen auf die Spitze des^ WooWoorih-Gebäudes, jenes schönsten und buchsten aller Wolkenkrat-er der Stadt Veuyork. Noch vor sechs fahren hatte ich die Reise per Fahrstuhl-Eilzug auf den Turm d^ „nfprnommen und von dessen luftiger Hohe hMausgeblickt uver bas Häusermeer, das wenigstens sieben Millionen Menschen e- herbergt Veuyork, Brooklyn auf der einen Hoboken, Jersey City । 'S anderen Seite des breiten Hudson-Stromes, und auf diesem die Schiffe aller Rationen der Welt. Die Dampslanichen iÄÄÄTÄ 8mgeg?nd'ein ^rächllges^8nachtN Vaterland" gab später aber, als ilncle Sam indenKrieg eintrat Eniert wu?de. Damals noch wehte die deutsche Flagge auf dem | ät^.«ce 1tnK cfpfa toenn id) -ld.«-l du,A S«ä a««6rtJW to±“^?«rta'». I Pohintfian“ unb befürbet sich in iigstens hätten wir unsere ft d^an gehabt. Demi einer deutschen Großtat galt ja die i amerikanische Begeisterung! — 187 mafät8m^eieIru6tger Lachte, Hatte er ® {^ Ä ntiHfcn um nicht Gufchis 01 amen zu nennen. Dann tat ecö ooqj 3 Kind, die arme Frau - ^Menschen die ins Unglück tarnen. Unb Duscht hatte E^lletcht gar Nicht so schlimm gemeint. Er wurde leicht böse, und Oltarenta war tooßt 'Somig aus ihn gewesen - sie konnte immer so lieblos fein. Linds ^Ja^terwöN^Ltachen Hellmund hatte ihn auch gleich ge- liebt und nun war sie elend. -Wenn Karrel so Gedünken kam, dann wußte er nicht weiten Eigentlich bedauert« er die armen Herren vom Gericht, die sich so mit ihm herum auälen muhten und manchmal hatte er auf der Bunge, ihnen SÄ’« er und konnten selbst aus den Gedanken kommen? Lind wmm ev Guschi ins Unglück brachte, wurde er lemals wieder mne ruhige Stande haben? Er wutzte ja lange: Guschi taugte nichts Otter er war doch einmal sein Freund gewesen, und er hatte ihn_licte ae&a&t Er konnte ihn nicht angeben, er nicht. Lind wenn oer S$iger“ kam und ihm die Seele aus dem Leibe fragte dann wutzte Kamel immer nur die gleichen Antworten: er hatte es mch I aet in diesem Kriege von unerwarteten -Wundern er» £ fort Mr Zweckwarde aller Welt verkündet die von ihr sinzuschlaaente -Reiseroute im voraus beschrieben- dw ungefähre Zett ter Abreise bekanntgemacht — tatsächlich tourte tent Unter» nehmen kein -Umstand ter Heimlichkeit beigegeben —, und sie fcötoamm unter bem vom Feinde abpatrouillierten Atlantik, diese Vutzschale die irgenteine Knallkanone auf benMeeresgrund schicken konnte Ob sie tatsächlich Passagiere oder Briefe ?der eine Ladung erbracht hat ist von geringem -Wert: Sie hat einige Tragfähigkeit und konnte dies leicht tun. Das Aufregende bei ter Sadje, das auf Welt bie menschliche Einbildungskraft bewegt unb das Doot ta^ ter GeMchte beMhmt machen wirb, ist bie Herausforde- | mna der größten Flotte der -Welt, bie Umgehung ter Blockade, btt unüberwindlich erschien: Die Leistung ist wahrscheinlich von • • ™ tatsächlichen praktischen -Wert. Viele Hunderte solcherReisen würten kwim genüg^i dm würdigen Gickff an Deutschtante ausländischen Hantel zu erleichtern, noch ist es wahrscheinlich^daß Biele Boote die Tat des einen Fahrzeugs ausfuhren können^ Es ta sicter daß die Hochfliegenten Erwartungen erfreuter Deutscher auf areifbare Gewinne ter Errungenschaft des Kapitäns König zu ^,tfeuta«maen führen werden - Unter weniger voremgenvmme- ^"ÄschErn wird Deutschlands neuer Lorbeer das oft geäußerte älÄSX&er daß eine Otation.bereii Söhne irgendwelcher Dinge fähig sind, die s^7°^?/^tatehn^rfen imb Erfindunasaabe ausdenken tarnt, sich m eine Lausvayn merjen konnten, aus deren üblen Folgen die größten Gaben unb ter großie OTtut ihrer Kinder es kaum wird retten können. Die Ankunft des Handels-Unterseeboots „Deuifchtand m Aeuhork war für Deutschland immerhin em Triumph wenn auch ater erhielt nicht an, als die praktischen Erfolge und vor allem die Aachfolger des einen durch die Blockade geschlupten Der „Tiger" hieb Karrel sich setzen und wandte sich Kran zu Linchen: „Berichten Sie noch einmal, was Sie mir mitgeteilt Haden I" Eifrig kam sie seiner Aufforderung nach: „Ja, Herr Landrichter, ich kann nur wiederholen, was ich gesagt habe. Mein Wann, Gustav Gebers, hat die Warenka mit einem Beil erschlagen und sich dann aus dem Staude gemacht. Ich weih, dah er zu Schulte gegangen ist und sich einen Anzug hort geholt hat. während er den seinen dort lieb. Gr hat's mir an dem Tage selbst gesagt und furchtbar gelacht, weil Schult« solches Schas wäre, dab er's nicht anzeigen würde. Das war am Nachmittag; dann ist er von mir gegangen und ich habe ihn nicht wiedergesehen. Aber am nächsten Tage hat er mir in einem einfachen Dries vierhundert Mark geschickt, und woher sollte er sie haben als von der Warenka? Wie nun die Geschichte von Schultes blutbeflecktem Anzug in der Zeitung stand, wußte ich ja gleich Bescheid. Ich hatte Gustav ja in dem dunkelblauen Dock gesehen. Aatürlich sagte ich nichts; er war doch mein angetrauter Mann, und ich habe es nicht nötig, ihn anzugeben. Aber ich habe mich doch gewundert, daß die Herren von der Polizei die Keller nicht kennen, wo man sich in einen ziemlich neuen Anzug stecken kann, um den alten loszuwerden. And ich habe es gleich sehr unrecht von Gustav gefunden, daß er Herrn Schultes Anzug eingepackt und so vor sein Haus gelegt hat, dab er gleich gefunden werden konnte. Denn Herr Schulte ist ihm immer ein guter Freund gewesen; ich kann's bezeugen." Sie hielt mit Sprechen inne und sah Karrel fast liebevoll an. Er hatte die Augen geradeaus gerichtet, und der „Tiger" räusperte sich, um dann zu fragen, weshalb Frau Gebers denn jetzt auf einmal ihren Mann angeben wollte. Sie wurde rot und ihre Augen wurden blau wie zu alten Zeiten. „Weil mein Mann wieder hier in der Stadt ist und mit einer andern Person lebt. Nichts mehr hat er mir von dem vielen Geld gegeben, das er damals bekam. Mit andern hat er es vertan. Nach Amerika ist er gewesen und auch mit einer andern. Dierhundert Mark — kann man davon immer leben?" Sie sprudelte noch einige zornige Worte hervor und lächelte dann wieder Karrel an. „Ja, Herr Schulte, Sie haben immer Mitleid mit mir gehabt, und von Gustav will ich mich gleich scheiden lassen. Ich kann es; ich habe mehr als einen Grund ! And nun erhalte ich auch die tausend Mark Belohnung, die für die Entdeckung des Mörders ausgesetzt sind: ich will ihn schon finden!" Der Landrichter hatte ihr ruhig zugehört, und auch Karrel sah still. Nun wandte sich der „Tiger" an ihn. „Haben Sie geahnt, dab Gebers der Mörder war?" Einen Augenblick zögerte Karrel mit der Antwort. „Ja," sagte er dann leise. „And- warum haben Sie nicht gesprochen?“ Wieder zögerte der Gefragte, dann hob er sich ein wenig von seinem Platz: „Herr Landrichter, es ist doch einmal mein Freund gewesen!" And weil er noch schwach war, so brach er in Tränen aus und murmelte eine Entschuldigung. Nun stand auch der Richter ein wenig auf: „Herr Schulte, ich kann Sie in diesem Augenblick noch nicht entlassen, aber Sie werden sehr bald frei fein. And ich will Ihnen sagen, dah ich schon lange nicht mehr an Ihre Schuld geglaubt habe, obgleich mich die albernen jungen Leute den „Tiger" nennen." Am andern Morgen war Karrel frei, und er wurde gefeiert. Sein Chef gab ihm Gehaltserhöhung, und feine Kollegen sagten, sie hätten nie an seiner Anschuld gezweifelt, obgleich sie sich nicht allzuviel um ihn gekümmert hatten. Die Zeitungsschreiber besuchten ihn und fragten ihn, welche Entschädigung er vom Staat beanspruchte, der ihn aus seiner Tätigkeit gerissen und ihn monatelang eingesperrt hatte. Karrel wußte nicht, was er verlangen sollte, einige Leute wollten eine Sammlung für ihn anstellen, aber dann vergaßen sie es doch am nächsten Tage. In einer Stadt wie Hamburg gab es andres zu denken als an einen kleinen Kommis, der Anglück gehabt hatte. Karrel würde auch nichts angenommen haben; er freute sich, dah Herr Schmidt ihm gleich wieder recht viel zu tun gab. Aber als dieser ihn auf eine längere Reise schicken wollte, lehnte er ab; lieber wollte er Hierbleiben und vielleicht später in sein Heimatdorf reisen. Noch nicht gleich; er hatte manchmal ein sonderbares Gefühl von Schwäche und überall Schmerzen. Jetzt konnte ers noch nicht ertragen, von allen Leuten im Dorfe betrachtet zu werden. Da war Hamburg bester. Zweimal noch hatte er seinen Namen in der Zeitung gefunden; dann verschwand er aus der Oeffentlichkeit, und nun war immer von Guschi Sebers die Rede. Daß man ihn gefaßt, daß er zuerst alles gestanden und am nächsten Tage alles widerrufen habe. Dah er vvrgab, sich gar nicht zu entsinnen, eine Marenka Schulte jemals gekannt zu haben, und daß ein Arzt aus Hannover geschrieben Habe, mehrere Verwandte von ihm seien im Irrenhaus gewesen. Ja, Gustav gab dem Gericht etwas zu tun; zwei Aerzte mußten ihn untersuchen, und jeder von ihnen sagte etwas andres. Karrel las die Geschichten, und manchmal ging er vvrs Unter» fuchungsgesängnis und dachte darüber nach, ob er Guschi einmal besuchen sollte. Aber er hatte keinen Mut dazu. Guschi war immer froh und siegesgewiß gewesen; warum sollte er ihn ärgern, daß er jetzt frei war und der andre im Gefängnis? And dann, als er eines Abends müde aus dem Geschäft kam und in seine kleine Wohnung gehen wollte, stand Linchen Hellmund vor der Tür mit einem Bündel im Arm und einem freundlichen Lächeln: „Ach, Herr Schulte, ich wollte schon immer zu Ihnen gehen. Aber ich wollte erst mit allem ins reine kommen. Nun ist eS so weit, und wenn Sie sich meiner annehmen wollen —“ Sie vollendete den Satz nicht und setzte sich aus den bequemsten Stuhl im Zimmer. „Geschißen bin ich noch nicht ordentlich, aber es wird schon bald soweit kommen. Wie hat mich dieser Gebers doch angeführt! And alle meine Ersparnisse hat er in wenig Wochen verausgabt. Bei Ihnen habe ich ihn keimengelernt, wisten Sie noch? Ich hatte gleich Furcht vor ihm, aber er verstand es, für sich einzunehmen. Die Marenka hat ihn wohl auch heiraten wollen? Nun, das sind vergangene Dinge, und später wird man schon ruhiger darüber denken. Ich werde mich wieder ans Maschinenschreiben begeben und versuchen, Geld zu verdienen." Sie sprach vernünftig, und Karrel hörte ihr unwillkürlich zu. Aber als sie ihm näherkam und ihre Hand auf die seine legte, stellte er sich in die äußerste Ecke des Zimmers. Linchen schien es nicht zu bemerken, sie sprach davon, dah Karrel eine so schone Stellung habe und wohl bald noch mehr verdienen würde. And daim nahm sie plötzlich den Hut vom Kopfe und ordnete an ihren Haaren, gerade, als ob sie ganz hierbleiben wollte. Da ging Karrel an die Tür und öffnete sie weit. „Bitte, wollen Sie Mich sofort verlassen!" sagte er mit einer Stimme, die ihm selbst schrecklich flang. Einen Augenblick sah sie ihn an; dann lachte sie höhnisch, sagte ein häßliches Wort und ging hinaus. Das Bündel aber liest sie auf dem Tische liegen, und als Karrel es ihr nachtvagen wollte, war sie schon die Treppe hinuntergelaufen, und er stand auf dem Korridor mit einem kleinen Kind auf dem Arm. Er hielt es noch ganz fassungslos, als ein Herr die Stufen hinaufging und sich neben ihn stellte. „Schulte, was haben Sie denn da?" Es war sein Prinzipal, der ihm eine Mitteilung zu machen hatte, und der betroffen auf das sonderbare Bild blickte. „Sie haben doch kein Kind?" fragte er. Karrel schüttelte ernsthaft den Kops: „Ich hatte keins, aber ich glaube, daß ich dieses behalten muß." „Machen Sie keinen Ansinn!" rief der andre ärgerlich. „Ich wollte Sie gerade auf eine längere Reise nach Wien schicken. Da können Sie keine Kinder brauchen!“ Vorsichtig legte Karrel das Bündel wieder auf den Tisch. „Ich will nicht nach Wien, Herr Schmidt, ich möchte auf die Heide. Es ist besser. Große Arbeit kann ich nicht mehr leisten; manchmal ist es mir, als wäre die Stadtluft zu schwer für mich, gerade wie die Arbeit. Lassen Sie mich wieder auf die Heide!" And wie sein Herr sein blasses Gesicht sah, seine gebeugte Haltung, da sagte er nichts mehr. Er tippte nur auf das Bündel, daS eben leise zu wimmern begann. „Ich will Ihnen helfen, auf die Heide zu Kimmen; aber das Kind schicken Sie ins Waisenhaus!“ Worauf Karrel kein Wort erwiderte. ♦ Nun handelt Karrel Schulte schon längere Zeit mit Heringen und Tabak in einem kleinen Heidedoife. dicht neben seiner eigenen Heimat. Er ist in der Landschaft wieder kräftiger geworden, und kleine Geschäft geht gut. Herr Schmidt hat ihm das nötige Kapital vorgeschossen, und Karrel zahlt bereits ab. Er wohnt in einem grünberankten Hause, feine Schwester Male führt ihm den Hausstand und sorgt für den kleinen Jungen, den sich Karrel aus Hamburg mitgebracht hat. Die Heidebauern haben Über dies Kind zuerst d«i Kops geschüttelt, gerade wie KarrelS Mutter, aber bald haben sie sich in den Blondkopf gesunden, dem die Heideluft sehr gut bekommt, und der den gcmzen Tag lacht und vergnügt ist. Was weih der Junge auch von seinem 'Batet, der gelegentlich im Zuchthaus den wilden Mann spielt, und von seiner Mutter, die ein Leben der Straße führt! Don Karrel sagen die Leute, er würde es nicht mehr lange machen; das Leben in Hamburg hätte er nicht vertragen können. Er selbst glaubt es nicht; er wandert Sonntags frohgemut Über die Heide, und als er einmal auf einer seiner Wanderungen dem „Tiger" aus Hamburg begegnete, der im Heidekraut lag und sich daran freute, wie ein ganz gewöhnlicher Mensch, da haben sich die zwei Männer seht gut miteinander unterhalten, und Karrel hat den Landrichter später mit In sein Dorf genommen, um ihm zu zeigen, wie er's hat. Der „Tiger" war sehr erbaut von allem. „Sie sind ein glücklicher Mensch!" sagte er beim Abschied zu Karrel, der ihn bis zur Eisenbahnstation brachte. „Solch geplagter Mann wie ich kann für Sie natürlich nichts tun; aber wenn ich Ihnen mal einen Gefallen erweisen kann, wird's mit viel Vergnügen geschehen." Karrel blieb vor ihm stehen. „Muß Guschi Sebers sein Lebenlang im Zuchthaus fitzen?" fragte er zaghaft. Der andre wurde ärgerlich. „Natürlich! Leider ist er nicht zum Tode verurteilt worden Auf die Menschheit darf er aber nicht losgelösten werden. Das dürfen Sie selbst nicht wünschen, Schulte. Was haben Sie überhaupt an dem Bengel? Ich kann Ihnen sagen, daß er ein gemeiner Hund ist." Karrel schluckte ein wenig. Er war doch einmal mein Freund —“ sagte er verlegen. Sckriftleituna: Dr. Friedr. Wilh. Lange. — Druck uni Verlag der Vrübl'schen Univ.-Buck» und Steindruckerei. A. Lange. Dießen.