Gießener Zamilienblätter Unterhaltungsbeilage Zum Gießener Anzeiger Jahrgang (92$ Samstag, öen 15. November ■ ÜummeröJ Zusammenhalt! ®üt Mahnruf Sven Hsdin». putschen zurufen: Schweige, arbeite und ,durinter tpm breln. j« »■ ßSroff DebErscheinung vermag man nicht S-l widerstehen. T^f zu, sagen ihre Qiagen . . . greif zu, dröhnt es aus ihrem leeren Ein glänzender Sieg war errungen. Der Femd war gerieben, nur Versprengte irrtmi noch rm schütze und fünf Maschinengewehre waren erbeukt von anderer Deute zu schweigen. Doch teuer war der Sieg erkauft, fast seoer dritte Mann tot oder verwundet I Unter den Daumen von RssanakangschläftHauptmannRausch schlafen seine treuen Kampfgenossen. Doch wenn der Sturm dte Bäume schüttelt wenn Blitze zucken und der Donner über den n?suü rollt dann regen sich ihre Geister, dann raunen und horchen sie ob L E wÄ dekitsche Saute über ihren Grabern e» Der Perlsisch. Don Svend- Fleuron*). Zwischen einem wvlkenschweren Himmel und aufgewühlter See mühte der Wind sich im seinen Staubregen durch Röhricht und MÄ ÄJÄttÄ W!re zu Ldsk^MÄn Hauptmann stirbt mein Hauptmamr Mrbt" farbiger Gefreiter Menkullu schreit s, die an^re Ord E DE ^rswnlmt sein Mund, aus Lassendem Schädel spritzt Del"Kamps hatte ausgetvbt. Sergeant Haeschel ^ttedie englische Flagge niedergeholt und dann seine Wunde verbind^-lst^ Die Gräben vor der Faktorei waren von der Stompagm ? Sommerfell» gestürmt. Die Reste der Besatzung hattmii MH" säe Kaktorei geworfen, sich dann aber ergeben. Rur wenigen war die Flucht in den Urwald geglückt. Hinter ihnen raste jetzt di • D^olgmrg Run traten zum Abschiedsgruß di- Europäer zum toten Freunde am Flaggenmaste. Welch erschiUterndes BrldlRebm der Leiche lag das Haupt eines englischen Offiziers. Schmayr L uiM der die Tat vollbracht; er handelte getreu der uralten Sitte seines Volkes, als er Öen T^iud dem toten Su&^r^ferte. Doch denen flucht, die den Krieg rn die Walkter ^iameruns tn£ gen. die Schwarze gegen Weiße hetzten, die &te W farbigen Soldaten wieder entfesselten, die deutsche Zucht schon g bte Lampe lag in Scherben, traurig sahen wir nun Mi Dunkeln, | trauriger noch schlichen die Eingeborenen von dannen. I dl? F^den ist zu lang gesponnen, ich muß rhn ebi- LSLL'UGDM LLZWZZMZUM Lod als Freund an ihn.hE. Mit rascher Han^hE er to hinweg, als sich ihm nach der Erstürmung von -ituanauiuu 6te9Sr ät^irf6atnttnalm geworden, hatte den Schuh- ZUMLNDM 14 aS M» ”ur£ Mutet M schwach- tzüd?se? gelegnen Zvllstation Rssanakan^ Sie schoben Mnn^Wre SÄXt* W°nr. BTÄÄÄÄ &««« Ä Halptimmn Rammstedt, der Kompagme v. Sommerfeld zugewie fen, die von Mun Aja heranrückte — . ”r«ft« LZ"L'L-äL ÄtffJÄS*' ®ann schrillten die Schützenpfeifen, schrien Offiziere und Unter nfHaiere Vergebens das Feuer raste. Run sprangen.sie von Mann zu Mann, beruhigten, wiesen das Ziel. Allmählich'wirkte Z- Beftpiest gleichmäßiger rollte, das Feuer s^rer wurden Auae und Hand Verluste traten em. Leumant d. R. Glock tau mÄte- er K di- Heimat nicht mehr. Gefreiter d. M Schrader ic.™ tn jac Ewigkeit nach. Manch dunkles Auge ward starr, L- Mu«. 3» an«»1» tetata Vlaldecke wo die Züge Kampmann und Gehler sich verutzrren, Stete das englische Feuer. Hierher sch^ aua>ern Geschütz. Schuß «ui Schuß zerfurchte die Erde, zerbrach die Knvchew Roch war tzftte^tellung nicht erkannt. Da zerrih d« Wftch den Aebelsthl^ Schnellfeuer trommelte nun auf Stahl und- Elsen, ze^plitterre vas Hstz^ warf die Kanoniere nieder uill> den iaPferenGeschutzfuhrer, Znen englischen Sergeanten. Da schwieg das Gechust - Ddv blieb die Kompagnie v. Sommerfeld? Gerade erreichte ihre Spitze das Dorf Rssanakang. Der Uebergang über den reihen- Mun Aia hatte sich verzögert. Die Kanus befanden sich in HÄ mT Flößbar zersch-llb Was tun? DenFluß ^rrchschwwrmsn? Unmöglich. Farbiger Gefreiter Bakalli fch^te Rat Er zog ein Kanu aus des Feindes Bereich und schob es flM aus Als gegen Morgengrauen der Kampf aufbrullte, knirschte Li lehten Male das Kanu auf den Sand. Der Übergang war aealückt nun rasch an den Feind. Schwer waren sofort d.e Ber fufte, als die Kompagnie auf nur 200 M^er Entfernung deu Femd I Magen, an packte, rechts vom Dovfe die Zuge Ried und Pape« iinW Än | Es Halbzug den Hauptmann v. Sommerfeld dald mltseinen letzten Beuten berftärfie Auf Tote, Sterbende und- Verwundete Pras- selten zerstebte LetzmwänLeDachspalwenundMat^ Saft zerschossener Dananenstamme. Und doch»ging.es vvrwaUs. Die Sonne stieg höher, die letzten Rebelfetzen losten stch auf. Hauptmann Rammstedt war verwundet, an feiner Stelle führte Leutnant Schade die Polizeistammkvmpagnie. Waffenmeister Kabch sank mit zerfetztem Arm vom Maschinengewehr, Unteroffizier Steiner sprang für ihn ein. Mit zerschossener Brust wurde er svrigetragen. Die verwaiste Waffe richtete nun Waffeirmelster gelingt ihr nicht, den Perlfisch zu packen, wie sie zu tun pflegt, sie muß einen Anlauf nehmen und ihn in einem Haps von ©ÄS^Stfani spitzstachlichter Fisch! ^n^ieihnim nxzmtTo Ffefif T»T2t er Ihren (Sktu-men ntd^jt dnnäpemb' f$ ftcirf tote Sher ihre Augen. Run, sie hat sich einmal die Mühe gemacht, mÄm Lle bewegen lassen und nicht . ®weichen Sie beißt kräftiger- zu . . . SÄX itt will eilends wieder in ihr . ^Da bechnnt er seinerseits, sie in den Schstmd zu beißen! Und ^^Auch das zweite englische Geschütz war verstummt, imnter hau- jetzt - 'ihr wird uah^W Mnmte^^ SNun..^^ ^P ftgersehtedes Feindes Maschinengewehrfeuer aus, immer schwacher ich den entgegengesetzten Weg vom nze wurde das GÄvehrseuer aus den Graben Da seilten die Z - elsen^ I fern • .tr* fofifiXTioi* ffunt Sturm. Auch Kompagnie Rausch jauchzte den Kriegsschrei. „Hetze | Fan^als fie nn eruem armselige Perlsisch nimmt die Gestatt und „Hurra" gellten dem entsetzten Feinde in die Ohren. J^,^±oirfS anundziehtsie hintebsich her durch das Die Station war erstürmt, doch noch hielt der Feind dte | Ees^i ch- J durchschüttelnd, wie sehr sie auch die Riemen Graben vor der Faktorei. Von hier fegte letzt das Feuer über J -wafter, ne lu«, m hen Stationshof, auf dem nahe am Flaggenmaste zwischen fernen beiden Ordonnanzen Hauptmann Rausch sich hmgewvrsen 6atte. Auch Dizeseldwebel Gebier schoß Vvn dort; Sergeant Schümm leuchte nrxf> mit dem Maschinengewehr den Hang ^ust Glne Or ^mz stöhnte auf, nach Wasser lechzte der Mund. Doch woher - 211 - streicht, und sich wehrt, tote kräftig sie auch um sich schlägt, um ihn in ihrem Willen zu unterjochen, sie muh sich ihm dennoch beugen und artig folgen. Ihr Gehirn ist dem Zerspringen nahe, st« rann diese Ohirmacht nicht begreifen: der Fisch sitzt ihr im Maule, ist auf dem Wege in den Schlund und dennoch zieht er sie mit sich. Rein . . . nein — und jetzt kurbelt sie gehörig an und schlägt das Wasser mit dem Schwänze zu Gischt; aber der kleine Perlenfunkelnde ist unerbittlich; er ist noch immer um vieles stärker als sie. Eine unerklärliche Zaubermacht steckt in ihm. Er ist wahrhaftig nicht sie, die mit ihm dahinschwimmt, er ist es, der mit ihr loszieht —< und von dannen geht es, immer näher zum Licht ttn& zur Oberfläche, die sie instinktiv scheut. Mit einem Male springt der Perlfisch mit ihr in die Luft empor, sie will ihn loslassen, ihn ausspeien, aber zu spät, sie weih im Augenblick nichts mehr von sich selber. Ihre Augen scherzen, sie hat ein Gefühl, als wollten sie ihr aus dem Kopfe springen; ihr Augenlicht ist getrübt: ein starker, rotglihernder Lichtnebel umgibt sie. Sie will schwimmen, kann aber das Gleichgewicht nicht erlangen. sie will mit dem Schwänze fechten, um zu entwischen, aber das Wasier um sie her leistet keinen Widerstand. Eine erstickende Asbelkeit schnürt sofort ihre roten Kiemen zusammen; sie kann die Kiemendeckel nicht weit genug öffnen; sie reiht das Maul auf, um Wasser zu schlucken, aber nur ein dörp render Wind streift sie. Sie liegt und zappelt in -einem Boote — bald darauf hat ein Mensch sie zwischen seinen Fingern. „Ein Junghecht ... ein Hechtkind!" murmelte der Hvlz- drechsler. And vorsichtig befreit er Schnock von dem Flimmer und wiegt sie in der Hand ... oh, nicht einmal ein 'elendes Kilo! Da holt er sein Schnihmesier hervor und kerbt die Rückenflosse ein. And in der Hoffnung, die Gunst der Götter durch seine Hochherzigkeit zu gewinnen und nach Jahren den Burschen wieder ins Garn zu locken, gibt er mit einem Wurf über ichie Reling die hoffnungsvolle junge Schnock dem Leb«: zurück. Schnock hat das gleiche Gefühl wie damals, als der Schlund des Reihers sie wieder ausspie; ihre Eingeweide scheinen zerspringen zu wollen, die Luft geht ihr aus. So erreicht sie das Wasser, sie treibt auf der Seite dahin und erwacht langsam wie aus einer langen Betäubung. Im Ru ist sie in der Tiefe verschwunden . . . Ihr Mihtrauen war erwacht. Die Welt war voller Schurkenstreiche — mehr, als sie selber sie verübte! Die Dämmerung begann sich herabzufenken . . . Der Sonne rote Feuersäule, die schräg über dem See stand, fiel plötzlich auseinander und zerfloß — wie brennendes Oel lagen die glühenden Reste auf dem Wasserspiegel und leuchteten. Dann verloschen sie nach und nach . . . die Abenddämmerung goh ihre tiefblauen Töne darüber arrs. Lang und schwarz schoben sich die Schlagschatten von den Äsern ins Wasier hinein; die kleinen Fische von den Riffen suchten Zuflucht in dem schirmenden Röhricht, die jagenden Hechte be- gckben sich zur Ruhe. And während die Oberfläche noch in einem seltsamen Perlmutterglanze funkelte, brütete bereits das nächtliche Dunkel dicht unter dem Wasser. Geruhsam wie eine Schnecke kroch ein kleiner Krebs über den Boden; er aber war wacher als ein Iltis, horchte und fühlte sich vorsichtig vorwärts. Er kam draußen vom Steinriff und war auf Wanderung über di« Sandebene nach dem nächsten Afer begriffen. Kneis war ein Räuber, in Panzer und Harnisch gekleidet: er schonte keinen, den zu bewältigen er sich stark genug fühlte. Ein scharfeS, sägeartig^ Stirnschild sprang über seinen Kiefern vor, und die Greifzängen an den Grohklauen waren Halb geöffnet, bereit, die überlistete Beute zu umspannen. Es war ein jüngerer Bursche; so grast wie die Spanne einer Kinderhand und mit einem Schwanz so breit wie ein Finger! Die Augen faßen hoch auf Stielen, und die langen, weitgespreizten Fühlhörner suchten behutsam den Grund in Körperlänge vor ihm herab. Die halb- geschlossenen Klauen schurrten über Steine und Lisienwurzeln unter ihren Anstrengungen, den Panzerkörper vorwärtsschleppen. Plötzlich ging ein Ruck durch die Fühlhörner . . . Kneif witterte Gefahr und vollführte einen Schlag mit dem Schwanz — und indem er mit einem Sah zurückführ, wühlte er hastig mit dem Borderklauen eine Schlammwolke um sich her auf. Satz folgte auf Bah — in langen, raschen Rucken ragte er. ohne die Richtung zu verändern, durch das Wasser rückwärts davon. Es war jedoch nur blinder Alarm! Kein Otter, keine Wasserratte — seine schlimmsten Feinde — waren ihm auf den Klauenspitzen. Er konnte sich getrost der Ruhe hingeben und ohne Sorg« sein Suchen nach Rachtraub fortsehen. Sv hielt er mit dem Schlagen des Schwanzes inne und lieh, sich mit. ausladenden Klauen und gespreiztem Fächer langsam durch das Wasser treiben. Besinnlich und nachdenklich, aber äußerst achtsam tastete er sich voran — um einen Augenblick darauf auf seinen Klauenbeinen weiter über den Seegrund zu schreit«:. Kneif stammte ton einer alten Rückwärts wandern- den ab, die ein Angeheuer in der Familie der Dekapoden war; sie war zum Schluß so dickbäuchig und schwer geworden, daß sie kaum mehr zu schwimmen vermochte, am liebsten nur umher» kroch. 3n Aebereinstimmung mit ihren Artgenosiinen hatte sie sich jedes zweite Jahr einen männlichen Krebs als Ehegemahl erkoren, gewöhnlich fand, die Hochzeit im Rovember statt, wenn der Freuden im Freien wenige waren und alles — selbst das Wasser — unfreundlich und grau. Rach den glücklichen Flitterwochen löste sie immer sehr plötzlich die Beziehungen und zog sich in eine der geräumigsten von den vielen dunklen und tiefen Kellerwohnungen draußen im steinernen Riff zurück. Hier saß sie den ganzen Winter über und wartete, daß die Sonne und die weißen Wasierlilien ihr die kleinen Kinder brächten! And sie kamen auch! Aus den Eiern, die sich zu Dutzenden an den Schwanzfächer geheftet hatten, krochen im folgenden Sommer haufenweise die kleinen Geschöpf«:, die von Geburt an winzige Klauen, winzige Stirn- fchilde und winzige Hörner besaßen und alle ein getreues Abbild von ihm, dem Schildrresen, waren. Mit der einen Klaue sich fest an die wenig entwrckelten Schwanzklauen der Krebsmutter an klammernd, hingen sie tote an einem Häng sek, während sie sich mit der anderen so viel wie möglich gegenseitig bekriegten. Das wehrhafte Fräulein. j Bon Friedrich Freksa. i (Fortsetzung.) „Sir Stuart," antwortete das Fräulein, „Eure Werbung ist eine schlimmere Beleidigung als die Gewalttat zuvor. Ich bete jetzt ein Vaterunser, steht Ihr noch da, wenn ich gesprochen habe: ,un& vergib uns unsere Schuld*, so fällt mein Schuß." Sie reckte sich höher, als sie zu beten begann: „Anser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Rame, dein Reich komme, tote im Himmel, also auch auf Erden, unser täglich Brot gib uns heute." Mit diesen Worten hob sie langsam die Pistole und fuhr fort, während der Finger den Drücker umschloß: „und vergib uns . . ." Doch den Beschluß dieser Ditte wartete Sir Stuart nicht ab. Fluchend, eilte er durch den Gang auf die Straße hinaus, während' das Fräulein weiter betet«: „unsere Schuld, tote auch wir vergeben . . ." Sie vollendete die Bitte nicht, sondern rief mit schneidender Stimme: „Rein!" •• Die Kuffin kam aus dem Dunkel des Etnges hervor, noch immer das Hackbeil in den beiden, nervigen Händen. Das Fräulein gebot: „Geh und' schließe die Pforte des Hauses und sieh, ob alles sicher ist." Die Kuffin tat, wie ihr geheißen ward, doch als sie hinausschaute auf die Gasse, erspähte sie keinen der Reiter mehr. Sie vernahm nur noch den sich entfernenden Hufschlag der Rosse. „Ausgewettert hat es!" vermeldete sie mit lauter Stimme dem Fräulein, das noch immer kampfgerüstet im Hofe stand. Da entspannte sich der gestreckte Körper des Mädchens. Sie wandte sich zum Stalle zurück, um nach ihrem Pflegling zu sehen. Tief erstaunte sie, als sie ihn im Hemd am Pfosten des Stalltores stehen sah, während in der Rechten der Stoßdegen zitterte. „Ihr seid, auf, Herr Rittmeister!" „Hörte Mordiogeschrei, vernahm, daß es um Euch ginge, und suchte zu tun, was ritterliche Pflicht ist. Knochen und Sehnen sind noch mürbe, aber vielleicht wäre ein unerwarteter Stoß doch gelungen." Gottliebe geleitete den Kranken zu seinem Lager zurück und brachte ihm kräftigende Speise, denn sie war voller Furcht, dies Aufraffen des Körpers könne ihm schaden. Allein der kriegerische Lärm schien den Soldaten neu belebt zu Haben, tote ein heilender Trunk. Herr Achatius blickte scharf und klar, er stieß keine abgebrochenen Worte beim Reden hervor, sondern band die Sähe zierlich zusammen. „Womit, Fräulein Gottliebe, könnte ich alle die Mühe und Rot wettmachen, die Ihr für mich getragen habt?" „Verzeiht mir," antwortete das Fräulein, „daß ich nichts von Euch begehre. Ich habe nur gutgemacht, was droben, in Herrenbruch an Euch gesündigt ward." „Wisset Ihr nichts, wonach Euch lüstet, auf daß ich's Euch erfülle, wenn ich's vermag?" Das Fräulein senkte die Augen, die von ungefähr auf den Stoßdegen 'des Rittmeisters fielen. Es war eine edle Waffe, dreikantig, biegsam wie eine Rute und verriet die Hand eines Toledaner Meisters. Kunstvoll war das Stichblatt mit Aehungen und eingelegtem Silber verziert. Gottliebe bückte sich. Sie ergriff den Knauf und' wog die Waffe in der Hand. „Seid Ihr ein Meister der Fechtkunst?" fragte sie sinnend. „Habe schon vielen widerstanden mit Säbel und Stoßdegen. Din nur einem begegnet, der mir's gleich tat. War Sir Stuart, mein Leutnant, da ich als Kornett bei den Wallonischen Kürassieren stand. Habe ihm, der auf jede Weise zu fechten verstand, alles äbgelernt, was er konnte, und heute, da sieben Jahre verstrichen sind«, in denen ich oft den Degen führen mußte im Spiel und sm Ernst, glaub' ich, wär' er mir nicht gewachsen." „Habt Ihr meinen Feind, Sir Stuart, erkannt?" „Hatte nur soviel Kraft, um mich anzuspannen zu dem einen Stoß, den ich zu führen vermocht hätte." Fräulein Gottlieb« schwieg. Sie rollte das Handgelenk und sieh die Spitze der Toledaner Kling« in kleinen Kreisen schwingen. — 212 — GiMich erhob sie sich, senkte den Degen uhb sagte zu dem Rittmeister, Her die Augen grob auf sie gerichtet hatte: „So bitte ich Euch, lehrt mich fechten, sobald Ihr gesund seid!" An einem schönen, warmen Märzmorgen kam Herr Josias Rottner von einem Amtsgange zurück, der ihn zu den Arnum und Elenden der Stadt geführt hatte. Es gab um -1649 viel Jammer und Elend in deutschen Landen, starben doch viele, die kümmerlich die Rot des Krieges überstanden hatten, an Auszehrung und anderen Krankheiten des Elends und der Armut. Herr Josias gedachte sich in die Ruhe und Stille seines Hauses zu bergen. Er freute sich auf ein neues Buch, das ihm der Herzogliche Rat gesandt hatte, als Zeichen seiner Zufriedenheit über die Rechnungsordnungen. Als der Geistliche in den Hausgang trat, hörte er hastiges Klirren von Waffen, das vom Hofe her klang. Gr erschrak, denn er glaubte, Sir Stuart habe einen neuen Aeberfall gewagt. Vorsichtig lugt« er in den Hof hinaus. Im hellen Sonnenlicht gewahrte er zwei Männer in Hemden und Hosen. Die Köpfe konnte er nicht erkennen. Bei den schnellen Bewegungen erschienen sie ihm wie graue Klumpen. In Kraft und Behendigkeit stießen sie mit großen Stotzdegen widereinander.. Roch staunte der Pfarrherr über das Schauspiel, das seinen stillen Hof in einen Waffenplah wandelte, noch vermochte er sich nicht zusammenzureimen, was da geschah, als ihm die Stimme der Kufiin in die Ohren klang: „Touche! Touche! Fräulein Gottliebe! Bravo! Bravo!" • Alsbald erspähte Herr Josias seine Bedienerin, die in der Ecke des Hofes beini Regen fast stand und begeistert mit den knorrigen Armen einen Seihlöffel schwang. Die beiden Fechter senkten die Degen. Der eine nestelte an seinem Halse und zog von seinem Kopf ein Drahtgestell. Run erkannte der Pfarrherr den Herrn Achatius und vernahm seine Stimme: „Habt zwei Gänge mit mir gemacht, Fräulein von Herrenbruch, die mir Gewißheit geben, Ihr werdet eS in der edlen Kunst zur Meisterschaft bringen." Herr Josias schritt auf Gottliebe zu, die ihr heißes, rotes Gesicht frei gemacht hatte von dem bergenden Gitter der Drahtmaske. Schlank und aufrecht stand sie da. Gen rechten Fuß hatte sie ein wenig vorgeschoben. Im Ellenbogengelenk des linken Armes hing der Drahtkvrb am Lederriemen, während die Faust die Klinge unter dem Stichblattzu umspannt hielt, so dah die kugelverwahrte Spitze nach unten gihenkt war. Die braungoldenen Haare fielen ihr gelöst über den Rücken. Das Dunkel des Stalles, aus dem sich undeutlich die Ämrisse eines Pferdekopfes abhoben, gäben den feinen Linien der Gestalt einen tiefen Hintergrund, so daß das Bild den Pfarrherrn an die köstlichen Tafeln gemahnte, die er in seiner Studienzeit in den Riederlanden geschaut hatte. So fürnehm, stolz uro> schön erschien ihm das Mädchen, daß ihm der Atem stockte und er die ihr zugedachten Worte der Verwunderung und leisen Tadels nicht auszusprechen vermochte. Mit einer freien, ritterlichen Bewegung' reichte Gottliebe dem Pfarrherrn die behandschuhte Rechte und sagte: „Gott zum Gruß, Herr Josias. Ihr seid erstaunt Über mein Tun und Treiben, aber Ihr wißt. Daß ich starke und gewandte Feinde habe. Darum rüste ich mich, ihnen adelig zu begegnen." „Dio ist es wert, die edle Kunst zu üben," sagte der Rittmeister Achatius. „Ein besseres Handgelenk, als es das Fräulein besitzt, kann bei einem kräftigen Mann nicht gefunden werden. Ihr Spiel in Knien, Hüften unZ), Fußgelenken ist musterhaft, stark und behend! Gäb es Gott, Pfarrherr, daß irgendein Potentat wieder Heervolk zum Krieg aufbietet. Ich würde in meiner Kompagnie dem Fräulein gleich die Stelle eines Kornetten anbieten. Hatte Exempel, daß tüchtige Weiber sich gut geschlagen haben." „Daß Euch Der Sinn noch immer nach Krieg und Blutvergießen steht. Möge der Herrgott Euch diese unpreislichen Gedanken aus dem vermessenen Herzen nehmen!" mahnte Herr Josias. „Ist die Pflugschar zum Ackern geschmiedet, so will sie ackern. Ist das Schwert zum .Rümpfen geschmiedet, so will es fechten!" gab Herr Achatius zur Antwort. Das Klingklang der Schwerter wiederholte sich im Pfarrhaus« jeden Tag. Es war nur gut, daß der Hof wohl geborgen lag vor dem Blicken der Rachbarsleute. Waren doch die nächtlichen Ritte nach Fenstäde, die Fräulein Gottliebs jetzt in Begleitung des Rittmeisters Achatius macht«, aufgefallen, und ward schon die Sage ausgesponnen von zwei schwarzen Reitern, die keine Ruhe finden konnten in ihrem Grabe, dieweil sie ihr« unsterbliche Seele an einen verborgenen Schatz gehängt hätten. Danach wurde später der Zwickel des Platzes vor dem Pfarrhaus« Reiters ilnruh genannt. Außer in den Fechtstunden ward zwischen dem Fräulein und Herrn Achatius wenig gesprochen. Er rief ihr Paraden zu und Stöße, lehrte sie den blitzschnellen Wechsel von Deckungen und Ausfällen, bis sie di« schwierigsten Finten und Folgen aus dem Handgelenk schüttelte. Lobte er sie sehr, so fragte sie: „Glaubt Ihr, Herr Achatius, dah ich's bald Sir Sttmrt gleichzutun vermag?" „Achtung und Geduld," meinte der Rittmeister, „muß der echte Fechter besitzen." Unverdrossen übte er mit dem Fräulein weiter. Waren aber di« Fechtstunden vorüber, so saß er zumeist versonnen in seinem Zimmer, das nach dem Hof« gelegen war. ; Dann rief er wohl seinem Pferde Moor zu, das aus dem Stall getrottet kam und den Kopf in das Fenster zu ihm.hereinstreckte, um sich von seinem Herrn streicheln zu lassen. * An einem Maientag« lasen die Bürger der Stadt Fenstäde auf einem Papier, das am Wirtshaustor des Greifen angeschlagen war, der Herr Fechtmeister Achatius habe den Hochgeitssaal für di« Tage Montag und Donnerstag gemietet, und einem jeden wehrhaften Mann stünde es frei, sich unter der Leitung des Herrn Achatius und seines Amanuensis Cornelius in der Hebung der edlen Kunst zu befleißen. Für die Herren vom Adel und auch für bürgerlich« Leute, die tätig waren in den Geschäften von Fürsten und Staaten, hatte es in jenen Tagen eine besondere Bedeutung, daß sie neben de? Feder eine gute Klinge führten. Auch war noch genug Lust cm kriegerischem Tum in der Bevölkerung geblieben. Sv geschah e- denn, daß sich viele Waffenkundige aus der Landschaft im Greifen emfanden. Richt nur Alamodenarren, di« bei jedem neuen Treiben dabei sein mußten, sondern auch Männer von Schrot und Korn, di« es für Rot erachteten, das eingerostete Können wieder zu schmeidigen. In dem hohen alten Wirtshaussaale, dessen Holztäfelung grau war von Alter, herrschte bald ein frohes, mutiges Treiben, dem von der gotischen Galerie Damen vom Adel. Patrizierinnen und hübsche Bürgermädchen gern zuzusehen pflegten. Di« Kenner bewunderten vor allem Ruhe, Kraft und Kunst des Herrn Achatius, der mit den stärksten Klingen ein müheloses Spiel hatte. Aber das Licht des Saales ging von dem Waffeni- freunde des Fechtmeisters aus. Fast fvauenhaft erschien das Antlitz des jungen Cornelius, das von den nach der Mode lang getragenen Locken umflossen war. Allein seinen kräftigen Ausfällen und seinem starken Handgelenk waren nur wenige der herbei- strömenden Herren gewachsen. Im Gegensatz zu der Keckheit seiner Waffenführung zeigte er sich einsilbig und verschlossen, wenn nach den erregenden Hebungen des Tages die Herren mit dem Fechtmeister Achatius sich um Len Eichentisch scharten, um nachträglich seine Paraden und Finten zu besprechen. Run begab es sich eines Tages, daß Cornelius mit einem riesenhaften Kürassierfähnrich focht. Der Kampf zwischen schmiegsamer Gewandtheit und gewaltiger Kraft, die mit Kunst gepaart war, fesselte alle Anwesenden so sehr, daß dieses Fechterpaar von einem dichten Ring« von Zuschauern umgeben war. Als daher zwei Herren, die gerade in den Saal getreten waren, sich mühten, in die vordere Reihe des Ringes zu dringen, erwachte in den unsanft beiseite Geschobenen Entrüstung, die noch wuchs, als die vom Trunk« schwere, jugendliche Stimme des einen Zubringlings höhnisch ausrief: „Es wird doch erlaubt sein, sich das neue Fecht- Phänomen anzusehen!" „Wo bleibt der Hofmeister des Freiherrn von Herrenbruch?" fragte ein« gereizte Stimme. „Seit die Frau Mutter gestorben, glaubt der junge Herr wohl ein Mann zu sein?" „Oho!" rief der Jungherr zurück. „Sind wir hier im Fecht- saale, kassier« ich Degenspitzen gerne ein!" Gleich danach durchschnitt die scharfe, allen bekannte Stimme Sir Stuarts den Raum: „Wer mich einen Hofmeister nennt, mag zusehen, daß ich ihn mit dem Degen nicht hvfmeistere!" Es öffnete sich rechts und links eine Gasse, und mühelos gelangte unter dem Murren der beiseite Tretenden Sir Stuart in die vorderste Reihe. Der Kampf zwischen Cornelius und dem Kürassier war sh spannend geworden, daß die Blicke der Zuschauer sich wieder auf die Fechtenden richteten. Plötzlich senkte Herr Cornelius den Degen vor seinem Gegner. Er verbeugte sich: „Ich wurde soeben touchiert! Ich erklär« mich für besiegt." Der Kürassier, der die Maske vom heißen Kopfe nahm, rief: „Herr Cornelius, Ihr seid nicht nur «in guter Fechter, sondern auch ein Mann von Ehrgefühl! Hab' es bei Gott nicht bemerkt, daß ich Euch getroffen." Alle Anwesenden waren noch voller Bewunderung über den Kampf und das ritterliche Eingeständnis des Herrn Cornelius, als wieder der Freiherr von Herrenbruch mit plumper Stimme dazwischen fuhr: „Hab' es Euch ja gleich gesagt, Sir Stuart, daß wir Sonderliches nicht sehen werden. Mit diesem jungen Menschen nimmt es selbst «in mäßiger Fechter alle Weile noch auf. Glaube, er könnte noch viel dazulernen." Der junge Cornelius, der noch die Maske auf dem Kops hatte, trat vor und fragte mit dumpfer Stimme: „Freiherr von Herrenbruch, es gelüstet mich sehr danach, neue Finten und Folgen im Fechten zu erproben. Könnt mir vielleicht auch zeigen, wie man junge Mädchen mit dem Schwerte bedroht." Es war Totenstille im Saal. 'Der Jungherr schaute zur Seite auf Sir Stuart Hamilton. Da rief Herr Cornelius von neuem: „War es eine Beleidigung, die ich Euch sagte, und kein Scherz, so bin ich bereit, Euch Genugtuung zu geben, so Ihr es wagt, zu verwetten, daß der Sieger dem Besiegten seinen Willen auf» erlegen mag. Doch sei es nicht wider die Ehre." (Fortsetzung folgt.) Echristleitung: Dr. Friede. Wilb. Sanas. — Druck und Dsrlaa der Brübl'i'cbsn itnlb VBn<6» und Steindruckerei, R. Sange. Gießen.