Gießener Kmilienblatter Unterhattungsbrilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang Samstag, den 15. September Nummer Z8 Legenden. Don Max Mell'). Woher die Sterne am Himmel kommen. Als der liebe Gott die Welt erschaffen hatte, sah er, daß ülles sehr gut war, aber sie war noch ganz dunkel. Da dachte er, er mühte ihr auch Lichter geben, und er brachte auS seinem Himmelspalast drei goldene Schalen. In der einen war helles, uared Feuer; in der zweiten helles, klares Wasser; in der dritten süße Milch, wie sie die kleinen Engel alle des morgens tranken. Dev liebe Gott rief den Erzengel Raphael und gab ihm di« erste goldene Schale und sagte ihm, er solle sie an sden Himmel setzen. Lind der Erzengel Raphael tat es, und sie leuchtete prachtvoll und Übermächtig auf die grüne Erde hin und zuckte ihr feuriges Leben in alle Geschöpfe; und das war die Sonne. Darauf rief der liebe Gott den Erzengel Gabriel und hieß- ihn die zweite goldene Schale an den Himmel sehen, und diese leuchtete sanft und mW, und das war der Mond, und er träufelte von seinem klaren Wasser herab! auf die schlummernde Erde, und das war der Tau. Dann rief der Herr den Erzengel Michael und hieß ihm die dritte Schale an den Himmel sehen. Der. Erzengel Michael aber war der jüngste und lebhafteste von den Engeln und damals noch Sein und üef in seinem Eifer, stolperte und fiel hin, und die Schale zerbrach in tausend und aber tausend Scherben, und die Milch daraus er» goß sich in weitem Strom. Da weinte der Erzengel Michael, die beiden anderen aber hoben ihn auf, trockneten ihm die Tränen und trösteten ihn; sie sammelten alle Scherben und Stückchen von der Schale und meinten, an den Himmel müßten sie nun einmal, der liebe Gott würde schon nichts davon merken, wenn sie auch nur jedes einzeln an den Himmel setzten. Das war aber eine große Müh' und Plag', denn der kleinen Splitterchen toaren unendlich viele. Jedoch die drei Engel waren unermüdlich fleißig, vergasten keines und hatten bis zum Abend die ganze Arbeit gemacht, und als der liebe Gott- Nachsehen kam, da glänzte der Himmel wunderbar von Tausenden von Splitterchen und Sternchen, und mitten durch ging die Milchstraste; denn die abzuwischen, dazu waren sie nicht mehr gekommen. Als aber der liebe Gott die ganze Bescherung sah und die Engel ängstlich an seinem Munde hingen, ob jetzt am Ende ein großes Donnerwetter losbräche, da dachte er bloß daran, tote fleißig sie gewesen, und wenn es auch! ganz anders gekommen war, als er sich's gedacht hatte, so ließ, er es schon dabei, lächelt« gütig und sagte: „Es ist schon gut so!" And daher kommen die Sterne. Was aber dieses Himmelsgestirn, wenn es nicht zerbrochen wäre, uns gespendet hätte? Süße Milch hätte es immerzu herab- geträuft und hätte so die Menschen genährt wie der Tau die Blumen, und jedes wäre satt geworden auf Erden. So. freilich fließt sie am Himmel und die Menschen haben nichts davon. Sie müssen arbeiten, um sich zu ernähren, und ein ewiger Kampf ums Leben ist ihnen aufgetragen und ein ewiges Ringen mit sich selber. Ja, ja, wir merken es schon, daß! wir es dem Erzengel Wichael verdanken. Adam und das Hündchen. Im Paradiese verstanden einander alle Geschöpfe und hatten einander lieb. < Da war nun ein Hündchen, das war klug. Das hatte den Befehl des Herrn an das erste Menschenpaar wohl vernommen, daß man nicht dürfte vom Lebensbaum essen; und hatte sich vvrgenom- men, recht wachsam zu sein, damit es ja nicht geschähe und der Herr nicht erzürnt würde. Es war immer in Adams Aähe, an der es sich freute, und so freute sich auch Adam des Hündchens; sprach freundlich zu ihm und klopfte ihm das Fell, und wenn er 'sich zur Rast niederließ, faß das Hündchen bei ihm oder sprang um ihn und spielte mit dem Stocke, den sich Adam geschnitzt. Eva je» tjod) hatte ein Kätzchen; das lief aber nicht mit ihr, sondern ließ sich tragen und in Evas Schoß schmeicheln und wohl sein. Jedoch es wollte dem wachsamen Hündchen bedünken, daß Eva eine Reigung hätte, sich in der Rähe des Baumes aufzuhalten, von dem sie nicht geniesten sollten, und die Früchte zu bettachten. Da sprang das Hündchen lustig um Adam herum und lockt« ihn dahin und dorthin, so daß. er dem Baum den Rücken kehrte, ibn aus den Augen verlor, und Eva ihm dann folgte. And es sagte zu dem Kätzchen: „Du sollst die Menfchenfrau anderswohin führen, als zu dem Baume." Die Katze antwortete: „Wie kannst du sagen, daß ich sie dahin führe? Sie trägt mich doch dahint" — „Du •) Aus „Morgenwege" (Ph. Reclam, Leipzig). könntest ihr aber sagen, daß sie an anderen Stellen des Gartens wandle." Die Katze antwortete: „Es ist mir doch gleich, wohin fte wandelt; wozu soll ich ihr denn eine Rebe halten, die sie bewegen könnte, mich von ihrem Schoße abzuschütteln und nicht mehr zu liebkosen?" Das Hündchen merkte, daß das Kätzchen von diesen Worte» etwas seiner Gebieterin hinterbracht haben mußte, denn sie gab ihm gar kein freundliches Wort mehr und sah von ihm zur Seite. Aber das Hündchen ließ deshalb nicht ab, sondern stürmte ihr nach und sprang an ihr hinauf mit der herzlichen Ditte: „Sei gut! Sei gutr Aber sie stieß es mit dem Fuße und sprach: „Kannst du denn gar nicht ein bißchen deine dummen Krallen ernziehen, daß sie nicht Spuren hinterlassen auf meiner zarten Haut? Da sieh daS Kätzchen an, wie das es macht." ' •" ' Da wurde das Hündchen traurig und ging von dem Menschenpaar davon. Aber seine Wachsamkeit wollte es nicht aufgeben und legt« sich unter den verbotenen Daum. Das war aber der Schlange, die darinnen nistete, gar nicht recht, und sie dachte, es durch ihr Zischen zu vertreiben; und als das Hündchen darauf zu ihr hinauf- schalt, da täufelte sie Gift aus ihrem Munde hinab, und es fiel in seine Augen. Im Paradies freilich konnte keinem Tier etwas ganz Schlimmes geschehen, und das Hündchen wurde nicht blind, tote es die böse Schlang« gewollt hätte; nur hatte seine Sehkraft ein wenig Schaden gelitten, und es sah nicht mehr so scharf tote ehedem, und das ist seither allen Hunden geblieben. And damit hatte die Schlange doch ihr Ziel erreicht; denn als das Menschenpaar zum Bamn trat und Adam nur auf Evas Wunsch und ließe» redung hörte, und die Schlange ihre süßen Worte dreinmengte, da verhallte die inständige Warnung des Hündchens ganz, soviel es auch an Adam hinauffprang und ihn zerrt«, und es sah nicht, daß Eva ihm den Apfel reicht, sonst hätte es vielleicht gar gebissen. Als aber nun die Sünde geschehen war, da wurde es so eigen dumpf unb dämmerig in der Luft; und wie sich das Menschenpaar in die Sträuche verbarg, da wich auch das Hündchen von ihnen und verkroch sich; denn es witterte den Tod. Dann blitzte und. donnerte es, und die Stimme des Herrn erscholl, und alle Tiere hö» ten sie und zogen sich ob dem Arteilsspruch tief zurück in den Garten. And hierbei sah das Hündchen, wie das Kätzchen in weitem Bogen von dem Sünderpaar, das gebeugt den seligen Garten verließ, davonsprang. Da wurde das Hündchen böse, und zugleich war sein Herz voll des Mitleids auch den Bertriebenen, und es folgt« ihren Spuren. Da stand aber der strenge Engel am Ein- gang. ,^Du willst fvrtgehen, aus dem Paradies?" fragte er das Hündchen. „Ich wlll bei dem Menschen sein," erwiderte es, „er hat mir Gutes getan.“ Der Engel sagte ftreng: „Du bedenke Wohl, daß es seinetwegen geschah, wenn deine Äugen geschwächt find: es ist mühevoll, um den Menschen zu fein.“ .. Das Hündchen antwortete: „Ich habe früher das gute Aufwallen seines Herzens gespürt, und» ich. will ihn nicht verlassen.". Der Engel sah ihn milde an und sprach: „Da du so Geringes fühlst, so soll dir die Gabe bleiben und die Schwäche deiner Augen ersetzen. Aber weißt du auch, ob der Mensch dieses guten Aufwallens auch fernerhin noch fähig sein wird? Wenn Sorgen sein Herz verhärten, wird er nicht aufrecht bleiben, wird böse fein tote kein Sier und wird dich mißhandeln." „Richt, wenn ich ihn tröste und ihm sage, daß ich ihn heb hab," versicherte das Hündchen. „Er versteht deine Sprache nicht mehr," sagte der Engel. Da seufzte das Hündchen. Aber dann sprach es: „Es wirÄ schon gehn." And Adam hörte hinter sich ein freudiges Gekläff und wandte sich um. Da brach zum erstenmal wieder ein freudiger Strahl aus feinem Auge, und er blieb stehen und ließ, das Hündchen an sich hinausspringen und klopfte ihm ganz glücklich das Fell a&. And er merkte gar nicht, daß er seine Sprache nicht mehr verstand: denn dem Hündchen war ein Ausweg gekommen, es wedelte, und das sagte alles, was nötig war. Was sich auf der Flucht nach Aegypten zugetragen hat. Als die heilige Maria mit dem Jesukinde und dem Rährvater Joseph nach Aegypten floh, geschah es, daß die Kriegskn^Hte, die König Herodes zu ihrer Verfolgung ausgesandt hatte, ihnen föton ganz nah« tarnen und es dem heiligen Joseph schon nicht mHr möglich dünkte, ihrem Dräuen zu entrinnen, zumal er wett Und breit weder eine Höhle noch eines hohlen Baumes ansichtig Wurde, sich darin zu verbergen. Da stand am Wegende ein langer Stengel mit einem hoch- «rhobenen grünen Mohnhaupte darauf. Unb da Maria die Pflanz« gewahr wurde, redete sie sie an und sprach: „Wir haben nirgends «ne Zuflucht, uns vor unseren Widersachern zu retten; verbirg du uns in dem Hohlraum Leiner Frucht." „Das will ich wohl tun," erwiderte der Mohn, „wenn ihr auch gewillt und imstande seid, die Herberge, die ich euch biete, Kl bezahlen. Jedes Dettelpack kann ich nicht aufnehmen; denn ich bin vornehm und so gut wie ein König, ihr solltet nur im Sommer mein leuchtendes Gewand gesehen haben." „Was dir gefällt von den Habseligkeiten, die wir mit Uns sichren," antwortete die heilige Maria, „soll dein sein, wenn wir die Gefahr nur gut überstehen." „Daran wird kein Mangel sein, tretet nur ein," sagte der Mohn, „ich will inzwischen schon Nachdenken, was ich von euch verlangen werde." And so zogen die heiligen Wanderer in die kleine duftende Brutkammer ein, an deren gewölbten Wänden die Tausends von winzigen Körnchen in hohen Regalen ihre Reife abwartetsn. Die Häscher kamen heran, sie hatten die Verfolgten, di« sie schon erreicht glaubten, mit einemmal aus Len Augen verloren und waren nicht wenig verdrießlich darüber. Aber es Half ihnen nichts, auf Len Mohnkopf konnten sie keinen Verdacht haben, Und so verloren sie sich allmählich, und das heilige Paar konnte! daran denken, aus seinem Zufluchtsort hervorzugehen und die Reise fortzufetzen. Vorher aber fragte Lie Gottesmutter noch ihren Wirt, was sie ihm schuldig wären. Dem hatte nun das Krönlein, das er auf Mariens Haupt wahrgenommen, sehr in die Augen gestochen, und er sagte: „Der Dienst, den ich euch erwiesen, ist kein kleiner ges- wesen, und' so kommt ihm auch kein geringer Lohn zu. Gib mir das Krönlein, Last du auf dem Haupte trägst, es wird mir ge- wih gut stehen." Maria hatte ihr Wort gegeben, und so muhte sie seinen Wunsch erfüllen. And seit damals hat der Mohn sein Krönlein. Nachher freillch fing er an sich darüber zu ärgern, datz die Gäste nicht im Sommer gekommen waren und er es zu seinem roten Schürz- chen erhalten hätte, damit er völlig einem König gliche. v And in seinem Aerger wurde er immer gelber und blasser. 3 Die heiligen Wanderer setzten ihre Reise fort und eine Weile ging sie günstig vonstatten. Allein Lie Häscher schwärmten überall im Lande umher, und waren ihnen bald auf den Versen. And es kam dahin, dah sie ihnen abermals ausgeliefert schienen, weit und breit kein Versteck wahrnehmen konnten und abermals große Angst auszustehen hatten. Da gewahrte aber die heilige Jungfrau «ine Dohnenschote. „Die wird uns verbergen!" sagte sie froh, und wirklich zogen sie ein in die Schote, in die Gesellschaft der noch ganz jungen unfertigen Dohnen, die behaglich in ihren glatten; Dettchen lagen. Allein rechts und links ging die Schote nicht recht «r, und es bestand die Gefahr, daß die Häscher sie doch in ihrem Versteck erspähten. Da nahm die heilige Jungfrau flugs ihr Nähzeug zur Hand und nähte sie auf beiden Seiten zusammen, so hast es hübsch dunkel und behaglich wurde in dem länglichen Raume. Die Knechte Les Herodes beachteten denn auch die Schote nicht weiter, zogen vorüber, und als die Luft wieder rein war, konnte sich auch das heilige Paar wieder auf seinen Weg machen. Maria aber fragte, wie sie der braven Schote den gewährten Schutz entgelten könnte. „Oh, ich bitte um nichts," sagte Lie Schote bescheiden, „aber wie du mich rechts und links zugeschlvsssn hast, das taugt mir für weine kleinen Bohnen. Wenn du gestattest, so möcht' ich die Fäden wohl behalten." Das erlaubte die heilige Maria gern, und darum wirst Lu di« Fäden, mein Lieber, schon manchmal in dem Essen, das deine Mutter vor dich hingestellt hat, gefunden haben. Aber da mutzt du nachsichtig sein deshalb nicht schelten mit Leister Mutter. Datz damals das heilige Paar und der Heiland nicht ausgetilgt worden, sondern mit dem Leben davongekommen sind, mutz dir so ein« kleine Ancmnehmlichkeit schon wert sein! Noch ein drittes Mal kamen die Häscher den Flüchtigen nahe. Und jetzt wäre es ihnen wohl übel gegangen, wenn nicht ein Nutz- Haum auf dem Felde gestanden wäre. Die Gottesmutter wutzte in ihrer Verzweiflung keinen Ausweg mehr, als eine Nutz zu bitten, sie aufzunehmen. „Nun, nun," brummelte die Nutz, „ich habe die Höhlen und Abgründe, die ihr draußen im Lande vergeblich sucht, in mich Hereingenommen, da wird sich schon ein Versteck für euch finden." And sie nahm richtig die Gefährdeten in ihre unerforschbaren Gänge auf. Ms sich die Gefahr wieder verzogen hatte, dankt« Maria der Nutzbaus das innigste und sagte: „Wenn ich dich mit etwas beschenken kann, das liebste Ding, das mein Eigen ist, soll mich nicht reuen, es dir für deine Gastfreundschaft zu geben." „ , ”^n“ brummelte die Nutz, „so gib es mir nur auch, das liebste Djng, das du hast." Da dachte die heilige Maria ein klein wenig nach Und dann erfüllte sie ihr versprechen. And seither ist das Kreuz kN der Nutz. Die Schlacht bet Paradies vor 60000 Jahren. Von Franz von Wsnürin. Anmerkung der Schriftleitung: Man mag zu einzelnen Feststellungen des Forschers stehen wie man will, eines mutz man von vornherein zugeben: seine Aufsehen erregenden Entzifferungen der Dvhusläner Felsurkunden, die zahlreiche Autoritäten beschäftigen, geben uns für die Ar- geschichte neue wichtige Anhaltspunkte, deren Tragweite man vorurteilslos und ernst ergründen mutz, um weitere Lichtblicke in den bedeutsamsten Menschheitsfragen zu gewinnen. Als ich vor etwa Jahresfrist mit meinem Artikel in Westermanns Monatsheften „Die Germanen vor 20 000 Jahren" an die Oeffentlichkeit trat, konnte ich selbst noch nicht ahnen, dah schon die nächste Entzifferung der Dohusläner Felsurkunden zu Feststellungen führen würde, die Licht in allerälteste Phasen der Weltgeschichte bringen und unsere ganze Weltanschauung in völlig neue Dahnen lenken. Damals lagen noch keine astronomischen Berechnungen über die großen Zeiträume vor und das von mir angegebene Alter dieser Wieöereinwanderung der Lugier in das Wartegebiet war nur eine übervorsichtige vorläufige Schätzung. And Loch hat schon dieser für unser bisheriges archäologisches Wissen unerhörte Zeitraum begreiflicherweise sehr große Aeberraschung Hervorgerufen. "1K. Inzwischen hat der bekannte Astronom, Prof. Dr. P. Neugebauer. Observator am astronomischen Recheninstitut in Berlin- Dahlem, die Berechnung des Alters des hier in Betracht kommenden Sternbildes des Großen Bären beendet und es hat sich dabei herausgestellt, Laß die erste nur vorläufige Schätzung, wie ich dies wohl vorausgeahnt hatte, viel zu niedrig angenommen war. Es wurde ein Alter von 200 000 Jahren errechnet, und die Feststellung der Einwanderung der germanischen Lugier nach Deutschland vor 200000 Jahren steht nunmehr absolut fest und gilt-auch von nun an als der erste urkundlich beweisbare chronologisch feste Punkt in so fernliegeirden Zeiten, wobei die Germanen als das erste, höchste und einzige planetarische Kulturvolk nachgewiesen werden. Die Germanen sind die einzige kulturaufbauende Rasse und so Begründer aller Kulturen der ganzen Welt gewesen. Dor rund 163 000 Jahren drangen sie z. B. in den Stillen Ozean, in Japan, China, Ozeanien und- über Alaska und Kalifornien in Amerika ein und begründeten dort sämtliche Kulturen, die jedoch infolge Ler Vergiftung der blonden Edelrasse Lurch Bastarderei wieder untergegangen sind. Alle uns jetzt noch bekannten sog, „alten" Kulturen des Orients reichen nur 6—8000 Jahre zurück, sind also mit der altgermanischen Arkultur auch nicht annähernd vergleichbar, obwohl auch Liese maßlos übertriebenen orientalischen Kulturen nur germanische Gründungen sind. Im Hinblick auf diese unerhört großen Zeiträume konnte mir damals auch nicht im entferntesten der Gedanke kommen, daß aus so ewig fernen Zeiten etwa noch Sagen oder ähnliche Aeberlieferungen vorhanden sein könnten. And doch ist dieses der Fall. Zu meiner maßloses *' ing entdeckte ich bei meiner mühsamen Weiterforschung w Felsbildinschriften eine Arkunöe, oder vielmehr zunächst nur einige Zeichen, die unverkennbar die Paradiesaustreibung nach 1. Mos. III, 1—24 darstellten, also demnach mit den in der Bibel schriftlich erhaltenen Arkunden ident isch sind. Ein Dild- zeichen nach dem anderen wurde mühevoll entziffert, bis auch der weitere Zusammenhang noch einmal die Richtigkeit dieser Dibel- stellen bewies und durch diese Aebereinstimmung sie nunmehr für immer als zuverlässige Arkunöe anerkannt ist. Es ergab sich di« verblüffende Tatsache, datz Lie bisher von der Verfablung bedrohte Bibel auf einmal als uralte überaus wertvolle rein germanische Geschichte bewiesen wurde. Bei der Weiterforschung zeigt sich allerdings auch, daß die Heilige Schrift stark verfälscht ist. Nach Lieser in ihren Folgen zunächst kaum noch übersehbaren Feststellung ergo® sich für mich als allerwichtigste Aufgabe, das sagenumwobene Paradies selbst wieder zu finden, und nach langen, mühseligen Forschungen zerriß auch hier endlich der dunkle Schleier. Greifbar deutlich und beweisbar stand es vor mir, Laß das biblische Paradies Deutschland ist und unser Vaterland das wirkliche heilige Land der Bibel, in dem sich alle biblischen Handlungen abspielten. Alle Verschleierungen dieser heute nicht mehr anfechtbaren Tatsachen sind weiter nichts als nichtswürdige Geschichtsfälschungen, die von den uralten niederrassigen Bastardhorden zwecks Vernichtung der einzigartigen Hellen Rasie begangen worden sind. Auch der Weltkrieg war nichts weiter als ein schamloser Vernichtungskampf Les Mederrassetums gegen die einzige Edelrasse, Las lichte Germanentum. Heilige Scheu vor Ler Größe und Heiligkeit unserer Rasse ergriff mich; als ich im weiteren Verlauf meiner Forschungen feststellte, daß auch alle griechischen Sagen, alle römischen, alle indischen und überhaupt alle orientalischen Weisheiten sich ebenfalls als schwere an dem Germanentum begangene Fälschungen herausstellten, die uns über unsere erhabene Abstammung täuschen sollten. Ich konnte feststellen, datz. Jesus und Maria in Deutschland geborene Germanen waren, die niemals Palästina vd«r Jerusalem gesehen haben. Auch Homer hat trotz der Zechten" HomerLüstM in Griechenland niemals gelebt. Es ist auch nicht wahr, Latz Rom 753 von Romulus erbaut wurde. Auch die in einer — 151 fchs Urgeschichte ist eine große Mischung. Rom ist viel, viel und eine germanische Gründung. Es ist nicht wahr, Latz der älter und eine germanische Gründung. Es ist nicht wahr, datz .. Raub Der Sabinerinnen hei Rom geschehen ist, sondern in einem Mecklenburger Städtchen sind edle Germanenfrauen und -Mädchen von niederrassigen Raubhorden entführt worden. Es ist nicht wahr, das) Schliemann Troja entdeckt hat. Die Ruinen des wirklich«! Troja sind mit Hilfe der schwedischen Fels- Urkunde hier in Deutschland von mir entdeckt worden. Die Zeit der sog. Trojabelagerung ist ebenfalls astronomisch gesichert und das zehnfache der bisher angenommenen Zeit genügt hierbei noch nicht. Die ganze sog. griechisch-römische Kultur ist nur von versklavten und unterjochten Germanen erbaut. Es steht jetzt astronomisch fest, Last die sog. Austreibung der Paradiesbolschewistenl aus dein Paradies nicht etwa vor 5700 Jahren geschah, sondern vor der ungeheuerlich langen Zeit von 60 000 Jahren. Die niederrassigen Raubhorden wurden von den ergrimmten Germanen und den ihnen zu Hilfe geeilten Skandinaviern in der Schlacht bei Paradies in die Obrasümpfe gejagt und zum größten Teil ertränkt. Aehnlich wie dies Hindenburg mit den Russen in Masuren getan hat. So hat sich die biblische Austreibung aus dem Paradies in Wirklichkeit abgespielt. Dabei ergibt sich, daß auch das Reue Testament nichts weiter als sine ungeheuere Mischung ist. Eine Täuschung, deren ihn» sang noch größer ist als bei dem Alten Testament, denn Marie und Jesus haben nicht vor 1924 Jahren gelebt, sondern sie spielten, schon bei den Paradieskämpfen eine Rolle, also vor etwa 60 000 Jahren. Jesus hat als germanischer Gottkönig mit Hilfe des Gottkönigs, des Heiligen Michael, in der Schlacht bei Paradies die Germanen vor dem Untergang gerettet. Leider entbehren die wichtigsten aller menschlichen Hrfun&en, diese Felsinschriften von Dohuslän fast ganz eines wirksamen Staatsschutzes. Obwohl sie die älteste Bibliothek der Germanen' fe^er ganzen Menschheit sind, sind sie der Beschädigung und Zerrung durch Menschenhand preisgegeben. Es sind bisher noch nicht einmal Gips- oder Zementabgüsse hergestellt, von Ausbesserung der verwitterten oder beschädigten Stellen ganz zu schweigen, trotzdem das alles sehr einfach wäre. Begreiflicherweise vermag ich auf diesem beschränkten Raum auch nicht einmal einen flüchtigen lieberblick über die Fülle der neuentdeckten, überwältigenden Tatsachen zu geben, lieber meine mit der Paradiesfrage zusammenhängenden Mrschungen habe ich eingehend in meinem bei Georg Westermann in Braunschweig sv- eben erschienenen Buche „Die Entdeckung des Paradieses" geschrieben. Mit der Sichtung und Bearbeitung des übrigen unge- ßeueren Materials bin ich beschäftigt und werde zu gegebener Zeit weitere Angaben über meine Dohusläner Entzifferungen und die daraus sich ergebenden Forschungen folgen lassen. Der Achtzigste Geburtstag. Bon Heinrich Bechtolsheimer. (Schluß.) Hätte ich damals gewußt, was mich in den ersten Jahren hier treffen würde, ich wäre mein ganzes Leben lang in Rack geblieben. Aber es mutz wohl von der göttlichen Vorsehung so bestimmt sein, Laß es uns im Leben nicht immer gut geht, 'wir würden sonst oberflächlich und übermütig werden. Ich hatte in der ersten Zeit hier Schweres durchzumachen. Herr Pfarrer, es steht mir nicht an der Stirn geschrieben, was ich im Leben alles! Kragen habe. Schon im Seminar war ich ost wegen meiner Auf- I e gelobt worden, ich hatte einen glatten Stil und verfügte über etwas Phantasie. Do fing ich als junger Lehrer an, Beiträge für rheinhessische Zeitungen zu schreiben. Ich sandte dem „Ahein- hessischen Beobachter" in Ober-Ingelheim, der „Rhein-Rahezeitung" in Bingen, der „Wormser Zeitung" und dem „Mainzer Tagblatt", also lauter guten, angesehenen Blättern, Berichte über Vorkommnisse in den Ortschaften, verfaßte auch manchmal ein kleines Gedicht. Run bestand damals in Worms ein kleines Blatt, „Die Tribühne am Mittelrhein",, das sehr bösartige Artikel über dis Regierung und über einzelne Beamte brachte, überhaupt die Personen, die es bekämpfte, durch Hohn und Angriffe persönlicher Art herabzusetzen und' zu kränken suchte. Im Jahre 1876 erschienen in diesem Blatte auch Artikel, die sich gegen unserer« Kreisrat, unseren Kreisschulinspektor und gegen andere Herren aus unserem Kreise richteten. Ich las das Blatt nicht, hatte somit auch keine Kenntnis von diesen Angriffen. Eines Tages kam der Kreisschulinspektor in meine Schule. Er war sehr ernst und streng und gab mir gegen seine sonstige Gewohnheit beim Eintreten nicht die Hand. Eine halbe Stunde Prüfte er, dann schickte er die Kinder weg Als wir allein im Schulzimmer waren — wir standen psben denr Katheder —, nahm er aus seiner Aktenmappe ein Bündel Zeitungen, es waren einzelne Rummern der „Tribüne am Mittelrhein", die ich in dieser Stunde zum ersten,nal sah. Mein Vorgesetzter sagte — und sein Unwille wurde immer größer —, daß ich der Verfasser der gegen ihn und den Kreisrat gerichteten Artikel sei. Ich erwiderte ruhig, daß ich niemals eine Zeile für die „Tribüne am Mittelrhein" geschrieben habe, überhaupt das Blatt zum erstenmal sehe. Da sagte er mir im höchsten Zorn, daß mir mein Leugnen nicht helfe, ich solle ruhig eingestehen, daß ich der Verfasier sei, Lügen hätten bekanntlich kurze Deine. Dieses Wort wirkte auf mich wie ein Schlag auf den Kopf. Im Religionsunterricht, Überhaupt im Unterricht habe ich meinen Schulkindern mit allen Mitteln, die mir nur zur Verfügung standen, an das Herz gelegt, daß Lügen häßlich und verab- scheuungswüvdig sei. Es gibt Harmlose Lügner, die allerhand selbstgemachte Geschichten erzählen, es gibt aber auch Lügner, die nun Unheil stiften, die Menschen kränken und aneinanderhetzen, einer von dieser Sorte fußte ich also sein. Ich habe es nicht gemacht, wie es andere gemacht hätten, ich habe nicht mit der Must auf das Katheder geschlagen, ich habe nicht geschrien, ich bin ruhig geblieben, das hat meinen Vorgesetzten leidet in der Annahme bestärkt, daß ich der sei, von dem die vergifteten Pfeile ausgegangen seien. Im Zorne schied' er von mir, sein letztes Wort war: „Das Weitere werden Sie hören." Vier Wochen später erhielt ich eine Vorladung vor den Kreisrat. Auch dieser herrschte mich mit harten Worten an. Ich erwiderte ihm, daß doch nicht der geringste Beweis für meine Verfasserschaft erbracht sei. Mesen Einwand schnitt mein Vorgesetzter kurz mit der Bemerkung ab, es könne niemand anders als ich in Frage kommen. Es ging mir hierbei, wie es manchem Untergebenen schon mit feinem Vorgesetzten gegangen ist, dieser allein redete, der andere kam überhaupt nicht zum Wort. Absichtlich hat mich der Kreisvat nicht so behandelt, er war in großer Erregung. Endlich entlieh er mich mit den Worten, datz ich das Disziplinarverfahren und eine Strafversetzung zu gewärtigen habe. Als ich an diesem Tage nach Hause kam, fand ich meine Kinder, wie sie im Garten fröhlich fpielten. Der sechsjährige Otto, der einige Monate vorher in die Schule ausgenommen worden war, und sein fünfjähriger Bruder Ernste bauten ein Haus aus Erde und Holzstückchen, die dreijährige Marie brachte grüne Blätter herbei, um damit den Fußboden des Hauses auszupolstern. Die Kinder liefen mir entgegen, nahmen mich an der Hand und zeigten mir ihr Haus. Unschuldiges Kiitderherz! Meine Kinder, die nun auch des Lebens Last zu tragen haben, wußten damals nicht, was ihren Vater drückte. Es war nur gut, daß ich meine Frau hatte. Tapfer stand sie mir zur Seite, sie wüßte, datz mir großes Unrecht geschah: da redete sie mir steundlich zu, daß Recht doch Recht bleiben müsse, datz die Wahrheit an den Tag komme, daß ich nicht verzagen solle. Ich blieb äußerlich ruhig, so oft aber der Postbote sich dem Schulhause näherte, klopfte mir das Herz mit starken Schlägen, weil ich stets eine unheilvolle Botschaft fürchtete. Es geht im Leben ganz anders, als wir denken, int Guten wie im Bösen. Wo wir es nicht von fern vermuten, trifft uns Unheil, und Hilfe kommt, wo wir an jeder Hilfe verzweifelt haben. Eines Abends im Oktober las ich die neueste Rümmerdes„Rheinhessischen Beobachter" und fand darin die Rotiz, daß der Herausgeber und zugleich Drucker der „Tribüne am Mittelrhein" verstorben sei. Da seine Schulden sein Dermögen bedeutend überstiegen, da er zudem ohne jeden Familienanhang war — er war aus Rordöeutsch- land eingewandert —, so befaßte sich das Gericht mit seinem Rach- laß und hielt Haussuchung in seinen Geschäftsräumen. Dabei fiel den Beamten die ganze Korrespondenz des Mannes in die Hände, und es stellte sich, wie in dem Blatte, das ich las, berichtet war, heraus, datz ein wegen Unregelmäßigkeiten entlassener Kreisamts- angeftellter aus Rachsucht die Artikel gegen den Kreisrat und den Kreisschulinspektor geschrieben hatte. Wie meiner lieben Frau und mir an jenem Abend zu Mute war, kann ich nicht mit Worten schildern, wir dankten Gott aus Herzensgrund. Sechs Wochen später war Kreisschulkvmmissionsprüfung. Diese Prüfungen sind jetzt abgeschafft, früher waren sie eine große Sache. Diele Wochen vorher rüsteten sich Lehrer und Schüler darauf, Probeschriften und Probezeichnungen wurden angefertigt und am Prüfungstage offengelegt. Der Kreisrat und' der Kreisschulinspektor, die Mitglieder des Gemeinderates und des Schulvorstandes erschienen, und die Schulklasien wurden mehrere Stunden hindurch geprüft. Mr die Kinder war das ein Freudentag: denn auf Kosten der Gemeinde wurden große Brezeln gebacken und nach Schlutz der Prüfung ausgeteilt. Jetzt, in dieser armen Zeit, kann man diese Freude den Kindern nicht mehr machen. Mr mich war dieser Tag in besonderer Weise ein Freudentag. Der Kreisrat wendete sich, als die Kinder nach Hause gegangen waren, mit einer Ansprache an die Versammelten, lobte die Leistungen meiner Schulklasse, wünschte der Gemeinde Glück zu einem solchen Lehrer und sagte, indem er mir die Hand reichte: .Herr Oestreich, Sie sind ein Ehrenmannb Der Mann, der die Artikel verfaßt hatte, hatte sich, als feine Taten ruchbar geworden waren, aus dem Staube gemacht, er soll nach der Schweiz gegangen sein, jedenfalls ist er kurz darauf verschollen." Die Wanduhr, die in der Zrmmerecke stand, schlug zehn Uhr. Sehen Sie," sagte der alte Mann zum Pfarrer, meine alte llhr 'ist eine treue Begleiterin meines Lebens. Meine selige Mau Hat sie von ihrer Mutter geerbt, am ersten Tag unserer Ehe hat sie uns die Stunden angezeigt. Ihr Ton Singt mir wie die Stimme eines lieben Freundes. Aber, ich- habe Ihnen noch mehr aus meinem Leben zu erzählen. Sie wissen, datz alte Männer redselig sind. Der alte Dekan Cellarius hat auch gern erzählt, von ihm habe ich das lateinische Wort: senectus loquax, das Alter ist gefchwätzig. Als der Sturm, von dem ich Ihnen berichtet habe, vorüber war, ist es uns mehrere Jahre ganz gut gegangen. Ich Habe in meinen freien Stunden in meinem Garten gearbeitet, habe mir für geringes Geld einen Wingert gekauft und alle Arbeit darin getan. Selten war ich froher, als wenn ich im Frühjahr — 152 — bett ftcinigen Boden mit bem Karst gehackt, wenn ich die Reden geschnitten und an den Swck geheftet habe. Da steht man ani steilen Derghang im Sonnenlichte, hört, wie der Mann, der unten im Tale pflügt," seinen Pferden zuruft, man spricht mit den Lernten, die auf den Rachbargrundstücken arbeiten. Diese Wingerts- arbeit geht auch nicht so in der Hast, wie das in Oen Städten bei der Arbeit geschieht. Ich Weitz das von meinen Söhnen, die beständig telephonieren müssen. Der Mann, der auf dem Acker oder im Wingert arbeitet, hat immer noch Zeit, seine Pferfe auszuklopfen, sie zu stopfen und langsam in Brand zu sehen und, auf feine Hacke gestützt, vom Welter, Vieh, von Familienermg- nissen und von Zeitläuften zu sprechen. So ging es uns, wie gesagt, ein paar Jahre lang ganz gut, da gb es im Sommer 1880 wieder einen harten Stoss. Ich nahm in Darmstadt an einem zehntägigen Zeichenkursus teil. Drei Tage war ich dort, da erhielt ich von meiner Frau ein Telegramm: „Komme sofort, Kind^ schwer krank." Diese Nachricht traf mich wie ein Blitzstrahl. Ich Hatte die Kinder vergnügt und munter zurückgelassen und konnte mir gar nicht Lenken, was da inzwischen eingetreten fei. Rasch fuhr ich nach Mainz, als ich dort spät in der Rächt cknkam, erfuhr ich, Latz an diesem Tage ein Zug, der mich zu den Meinen hätte bringen können, nicht mehr ging. Was machen? Sollte rch über Rächt bleiben und mit dem ersten Zuge am nächsten Morgen fahren? Dann wäre ich vor elf älhr nicht angekommen, es erschim mir auch qualvoll, die Rächt in einem Gasthaus- zuzubringen, gefoltert von Angst und Ungewißheit. Da entschloß ich mich, es toar ja eine milde Sommernacht, den siebenstündigen Weg zu Futz zurückzulegen. Das war ein Machtmarsch, an Len ich immer denken mutz Es war eine wundervolle Rächt, die Sterne blitzten, der Heuduft zog über das Feld. Ich gewahrte das alles und gewahrte Es Loch nicht,' denn mein Herz war zu unruhig. Ich bin in meinem Leben viele Wege gegangen, Wege in Lust und Freude, Wege in tiefer Betrübnis, das war mein schwerster Weg. Er ging immer die Pariser Straße entlang, die vielfach die Ortschaften nicht durchquert, soirdern sie nur streift. Das war mir diesmal ganz recht: denn so kam ich unterwegs nur mit wenigen Menschen in Berüh- runa Hinter Marienborn hörte ich ein Käuzchen rufen, das ja als Totenvogel gilt. Run bin ich gewiß nicht abergläubisch, diesmal erschreckte mich dieser Ton ganz entsetzlich. Als ich in Rieder- Olm war, schlug es zwölf älhr, aus einem Hause hörte ich das. Weinen eines kleinen Kindes, und es war mir, als ob ich meine kleine Marie hörte. Immer weiter setzte ich meinen Stock, meins Füße schritten durch den Staub der Straße, die wie ein langes Weihes Band vor mir lag. Alm drei Ahr wurde es im Osten fahl, der Wind erwachte und ging mit mir, die Bügel erhoben ihre Stimmen, die Morgendämmerung färbte alles grau, Wolken- fchichten hingen am Himmel. In Wörrstadt zweigte ich von der Pariser Straße ab. Run regte sich auch das Leben in den Dörfern. Sie Stalleimer klapperten, die Türen knarrten, die Pumpenschwengel wurden bewegt, Fenster öffneten sich, Leute kamen mir mit Sensen entgegen, mit einem Male umstrahlte mich die Mvrgen- svnne Als ich unser Dorf vor mir liegen sah, Lachte ich: Was wird unterdessen dort geschehen sein? Ohne Latz mir jemand 6e» gegnet wäre, gelangte ich an mein Haus. Die Haustür war noch verschlossen, mit dem Stocke klopfte ich an ein Fenster, La war meine Frau auch schon La, blaß und übernächtig t sah sie aus. Sie war zuerst erschrocken, als sie mich so unerwartet heimkehren sah, dann aber schloß sie rasch die Haustür auf und sagte,, indem sie mir die Hand reichte: „Gott sei Dank, das du La .bist, die Kinder haben Scharlach und Diphtherie". Einen Augenblick später stand ich an den Betten der Kleinen. Den ältesten, meinen Otto, hatte das Äebel am gelindesten angepackt, er schlief, als ich ankam. Aber der arme Ernst war über und über mit roten Flecken bedeckt, die Augenlider waren ihm so geschwollen, daß. er die Augen kaum öffnen konnte. Aber er erkannte mich, sofort streckte er mir die fieberheiße Hand entgegen und fragte: „Vater, was hast du mir denn von Darmstadt mitgebracht?" Am schlimmsten war die siebenjährige Marie daran, sie hatte, wie meine Frau mir sagte, in bedenklichem Maße weihen Belag im Halse, wimmerte in einem fort und schien mich nicht zu kennen. Da habe ich zu meinem Gott gesagt: „Rknirn mir alles, nur laß mir meine Kinder!" Ein Tag verging in großer Angst und Sorge. Der Arzt kam und meinte, die beiden Knaben seien außer Gefahr, was aber das Töchterchen betreffe, so sollten wir uns auf alles gefaßt machen. Das Impfen mit Serum kannte man damals noch nicht, abep es wurde ein Apparat beschafft, mit dem man dem Kinde heiße Dämpfe in den Rachen einführte. Das Wimmern ging den ganzen Lag hindurch: in der Macht, die folgte, übernahm ich die Krankenwache, La meine Frau schon mehrere Tage nicht mehr aus den Kleidern, gekommen war. Die beiden Knaben verlangten oft nach Wasser, Marie war zu schwach, um nur einen Wunsch zu äußern. Ich saß, wenn mich die Kinder nicht nötig hatten, auf einem Stuhle neben dem Lisch, der seitwärts an die Wand gerückt war. Bis zwei Alhr hielt ich mich aufrecht, dann aber bin ich, von Müdigkeit übermannt — ich hatte ja die vorausgegangene Dacht Hindurch den weiten Weg zurückgelegt —, eingeschlafen, ich Hatte dabei den Kopf auf Len Tisch gelegt. Auf einmal schreckte ich auf, es war mir, als ob Marie mir gerufen habe. Im Zstmner war es ganz hell, das Morgenrot leuchtete herein. Ich hatte mich geirrt, Las Kind schlief, und wie mir schien, so ging der Atem viel lang- samer als am Tage zuvor. Als meine Frau eine Stünde später in Las Krankenzimmer trat, sagte ich ihr: „Ich glaube, Latz Gott unser Gebet erhört hat". Wir weinten beide vor Dank und Freude. Es kam die völlige Genesung, vierzehn Tage später spielten die drei Kinder wieder miteinander im Hofe an einem Sandhaufen. Die Knaben hatten mit Steinen und Brettchen einen Backofen gebaut, Marie rührte in einem alten Teller Erde und Wasser, miteinander vermischt, zu einem Kuchen. Die Rollen waren so verteilt, Laß Marie die Mutter war, die zum Sonntag den Kuchen anrührte. Otto war der Bäcker und Ernst der Mutter ihr kleiner Bub, der den Kuchen in das Backhaus trug. Ich rief meine Frau, die im Wohnzimmer nähte, herbei und sagte: „Gott hat uns die Kinder von neuem geschenkt." Don der Zeit, die nun folgt, habe ich nicht mehr viel zu erzählen. Die Kinder wuchsen heran, besuchten auswärtige Schulen un&, ehe wir es uns versahen, hatten sie das Elternhaus verlassen. Oft, wenn sie eine neue Schulklasse durchzumachen hatten oder wenn einer der Söhne vor einem Examen stand, habe ich zu meiner Frau gesagt: „Ich wollte, wir wären ein Jahr älter." Unter solchen Wünschen find wir wirklich alt geworden. Ach, wie geht ein Leben so rasch dahin! Hiob hat recht, wenn er sagt: „Meine Tage sind leichter Lahingeflogen denn eine Weberspule." Im Jahre 1907 ist meine Frau von mir geschieden, sie hat drei Tage an Lungenentzündung krank gelegen. Don jenem Tage an, La wir uns unter dem Rußbaum auf dem Erbes-Büdesheimer Berg verlobt haben, bis in ihre Sterbestunde hinein ist sie mir eine treue Weggefährtin gewesen. Run hat mir der unglückselige Krieg einen so schweren Verlust gebracht. Mein ältester Enkelsohn Wilhelm, der Sohn meiner Darmstädter Tochter, ist im Mai 1915 in Galizien gefallen. Er war noch keine achtzehn Jahre alt, als er sich im August 1914 zum freiwilligen Eintritt in das Heer meldete, direkt von der Oberprima ist er Soldat geworden. Wie gern ist er als Knabe bei mir zu Besuch gewesen. Er hat sich so sehr für Las Fuhrwerk und die Pferde interessiert, in jeden Stall ist er gelaufen, hat gefragt, wie die Pferde hießen und wie alt sie seien, und war glücklich, wenn er auf einem Erntewagen mit^ hinaus in Las Feld fahren durste. Einmal habe ich ihn bei der Traubenlese hier gehabt, da hat er, obwohl er erst sechzehn Iah te alt war, baS Läget getragen, hat dann beim Keltern geholfen und war traurig, wenn er wieder nach Hause reifen mutzte. Wie war er immer sv vergnügt, wenn er bei mir war, und nun liegt er, Gott weiß, wo, in einer Bergschlucht begraben. Ich bin nun alt, lange wird - es für mich nicht mehr Lauern, denn ich freue mich, wenn ich 'in der Ewigkeit alle die wiederfinde, die der Tod mir genommen hat, meine Eltern, meine Frau und meinen Enkelsohn." Der alte Mann war ergriffen, als er Las sagte, durch das anhaltende Reden war er zugleich auch abgespannt. Darum stand 6er Pfarrer auf, drückte ihm unter herzlichen Worten die Hand und verabschiedete sich. • „Roch eins, Herr Pfarrer," sagte Oestreich. „Auf dem Kreuznach er Friedhof steht ein alter Grabstein, auf dem ist geschrieben: Theodor Sichhvff, geboren 1798, gestorben 1828. Darunter ist zu lesen aus dem 103. Psalm: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. — Wenn Sie mir die Grabrede halten, so nehmen Sie Liefe Bibelstelle als Text!" Das versprach der Pfarrer und ging davon. Oestreich ging hinaus in seinen Garten. Im Dvrubergehen rief er der Enkelin, die in der Küche war, zu: „Mathilde, wie lange Lauert es noch, bis sie kommen?" „Roch zwei Stunden, Großvater, dann sind sie da." „Ach, wenn diese Zeit nur schon herum wäre! Es geht mir wie einem Kind, das am Weihnachtsabend auf die Bescherung wartet." Dom Gartenzaun sah der Alte hinaus in das seid. Immer noch Las rege Treiben, das er schon vom Friedhöfe aus beobachtet Hatte. Männer gingen vorüber, die Strohseile auf den Schultern trugen, ihre Arme waren bis zum Ellenbogengelenk gebräunt. Frauen gingen nebenher und hatten die Sichel in der Hand. Kinder, die Aehren gelesen hatten, kamen vom Felde zurück. Sie waren barfuß über die Stoppeln gelaufen, kaum konnten sie mit ihren Armen die gesammelten Aehren umfassen. In der Luft flimmerte es vvn der Sonnenhitze. An den Bäumen, die in der Aähe vom Wegrande standen, hingen Aehren, die sich von Len hochbeladenen Wagen losgelöst hatten. Eine Weile sah Oestreich in der Gartenhütte, sah nach dem Blumenflor auf den Beeten und freute sich über den Duft und die Farben. Dom Kirchturm hörte er die Elfuhrgkocke läuten. Klar schwang sich der Glockenlaut durch die von keinem Windhauch bewegte Lust hinaus über Dorf und Feld. Der alte Mann fühlte sich sehr müde, darum beschloß er, in Las Haus zu gehen, um, ehe dis Kinder kämen, -etwas zu ruhen. Als er in Las Zimmer getreten war, sah er, Latz die alte Wanduhr stehen geblieben war. Das wunderte ihn, in mehr als fünfzig Jahren war das nicht vorgekommen, Latz er das Aufziehen vergessen Hatte. Er stand auf, um bte Uhr aufzuziehen, kaum war er jedoch zwei Schritte gegangen, da überkam ihn große Schwäche, er gelangte gerade noch zurück zu seinem Sessel. Als die Enkeltochter eine halbe Stunde später das Zimmer betrat, sah sie, daß der Großvater entschlafen war. Schriftleituna: Dr. Frisör. Wilb. Lange. — Druck und Verlas bet BrLhl'fchen Aniv.-Duch- und Steindruckerei. R. Lange. Dietz«.