Gietzener Zamilienblätter ___Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Jahrgang |92< Dienstag, den November " Hummer 52 Allerlei Nachdenkliches. Don F. Rehnelt. . , Es Mbt Idealisten, welche glauben, daß durch Beseitigung sozialer -Unterschiede das Dasein verbessert werden könnte. Um die Antwort auf die Frage zu finden, ob dies überhaupt möglich sei, braucht man sich nur ihre Gesichter zu betrachten. Von Laufend Bluten Les gemeinen Gänseblümchens sind nicht zwei einander vollkommen gleich. t * Die Sage vom irdischen Paradies ist kein Märchen. Die Erde rst auch heute noch ein solches, nur die Menschen machen es sich gegenseitig zur Hölle. ♦ Ein Jurist sagte mir einmal: Recht hat nicht der welcher Recht ro’jJ0? c.rn das Recht bekommt. Man kann den bitteren Rachsatz hrnzufügen: Und der andere hat Unrecht. * Das Wort Lebensgefährtin kommt von Lebensgefahr. * Die Menschen werden geboren um zu sterben. Die dazwischen liegende Zeit ist einem Buch mit weißen Blättern vergleichbar das zuruckgegeben werden soll. Viele halten es nicht einmal äußer» lrch sauber, andere machen ein Kassenbuch daraus, bei nicht wenigen bleiben die Seiten leer oder werden mit verworrenem Text gefüllt. Auch gibt es Menschen, dir es achtlos von sich werfen, weil sie damit nichts anzufangen wissen und nur wenige verstehen es, ihm wertvollen Inhalt zu geben. Jungbrunnen. Von Anna Kapp st ein. In einer schon südhaft grellen Sonne glimmt und gleißt das steinige Bett der Rhone. Pappeln, säulenschlank und düster, säumen die Ufer. Schon hoch oben aus den breiten Aussichtsfenstern der Lötschbergbahn, die sich nach dem Austritt aus dem mehr denn 14 000 Meter langen Tunnel vom Felsfuß deö Bietschhorns und des Breithvrns nach der Stadt Drig am Simplvntunnel hinab- fchlängelt, nimmt man diese Kette von Ausrufungszeichen wahr. Und die Rhone hat wohl ein Recht, nachdrücklich auf sich aufmerksam zu machen. Der Rhein hat viele Quellen, deren Begegnung den jungwilden Gesellen bildet, der noch nach dem Ausfluß aus dem Bodensee dir tollen Sprünge von Schaffhausen und von Lauffen macht und in Basel noch ungebärdig gegen die Quadern der Brückenpfeiler tobt. Der Ursprung der Donau ist umstritten. Die feierliche Fassung der „Donauquelle" bei Donaueschingen gilt vielen nur als eine schöne Geste. Aber die Rhone entstammt überhaupt nicht brauner Erde. Die Rhone ist eine Tochter des Gletschers, gleich der schaumgeborenen Göttin dem reinsten Elemente sich in unirdisch leuchtenden, smaragden schillernden Weiß endwindend. Furka- und Grinfel- paß grüßen in ihre lawinenumdonnerte Wiege. „Im Gletsch" ist der Ort benannt, wo an ihrem jungen Sauf erste Menschensied- lungen sich gründeten. Ein finsteres Felfentor will ihr den Weg zu den Matten, die sie wässern soll, versperren. Sie überrennt es, und die Alpweiden blühen! Liefer noch kränzen die Weinlauben ihre Hänge und in dem zarten, rankenden Grün der Weinstöcke stehen schwärzlich und starr die Pappeln. Freundliche Städtchen in Obstgärten; Roten an Len Mauern; Sprühwasser, Lie vom Gewände, springen; Schluchten, die sich seitlich unter Umfeldern verheißend öffnen. Leuk-Susten ... der Talkessel weitet sich. Ein silberner Duft erfüllt ihn. Dom Berge glänzt Montana mit feinen Hotelpalästen. Westlich verblauen im Sonnendunst die Wipfel. Sehnsucht folgt der Rhone zu den Blumenborden des Genfer Sees, zu dem Sagenlande der Province, deren graue Olivenwälder der Frühling mit Lem Rosa der Mandel- und Pfirsichblüte sprenkelt, zu den von afrikanischen Winden wunderwirkend überhauchten Gestaden des Mittelmeeres, in das ihr Delta mit müde gewordenen Wellen sich verströmt. Sehnsucht strebt auch empor zu den Drücken und Klüften Ler Dala, die von Norden unter den Eiswüsten am Lötschenpaß sich, ins Rhonetal stürzt. Eine Zahnradbahn nimmt den Sehnsuchtsweg. Erste Station; Leuk-Stadt, Mittelalterromantik „Leuca fottis", war einst turmbewehrte Festung von bewegter und blutiger Geschichte. Das Dlschofsschloß bestätigt der auf vorgelagertem Bergkegel gebauten Stadt des weiteren ihre Bedeutung im Wallis und darüber hmaus Der Fremde empfindet stärker ihr italienisches Gepräge, nicht überall angenehmster Art. Schwarze Wuschelhaare von ^"en Wirtinnen, die in unaufgeräumter Gaststube in trüben Glasern einen gelben Wein servieren, der allerdings so feurig ist wie ihre Augen wecken Erinnerungen an Trattorieen in Neapel. Aber bas braucht kein Typus zu sein. Man mag als morgen® frufcr Wanderer dem die Hotels sich noch nicht öffnen, Pech geyam haben. Köstlich tiefschattige Gänge unter Linden- undKa- stanrenbaumen und auf den Aeckern Mais- Kartoffeln und Wein und Rosen in den Gärten ... Die Landschaft engt und weitet sich. Eng sind die Schluchten dre der Zug auf pfeilerschlanken Brücken übersetzt, dicht die Wal- Lungen darein er sich wühlt, düster die Gründe, an deren Steile der Bück Hinabtaucht. Dann eine Kehre — und die Welt liegt offen im Licht bis weit zum blauen Horizont, und, hinter soeben' durchfahrenen Wäldern breiten sich besiedelte Rücken mit Kirch- dorfern. In der Nähe der Flecken Albinen, der den Weg zu Tal Leitern kürzte. Sie hängen schauerlich in der Wildnis der Felsenriffe, nach Verwitterung nur mangelhaft ausgebessert mit . Zweigen, die vom Baum gebrochen und als Sprossen eingefügt wurden. Auf diesen berüchtigten Leitern von Albinen steigt der Aelpler sicher, auf dem Rücken noch sein Kalb oder sein Lamm Äeber dem Brausen der Wasserstürze, über Tannen und Fich- tert. mild und wiesengrün das Leuker Hochtal, von großen weißen Lilien überblüht, wie Kinder sie zur Prozession in Händen tragen, von uns als Gartenblumen nur gekannt, gleich den Narzissen die überm Genfer Dee in wilder Schönheit wachsen. Der Boden da die Wien wurzeln, ist durchspült von warmen Quellen. Es sind ihrer zweiundzwanzig, von denen bisher fünf gefaßt wurden. Eine große Zukunftsarbeit harrt der Dadeverwaltung. Spuren weifen auf alte Römerzeit, in der das Bad bereits bekannt und geschäht war. Die -Unruhen der Völkerwanderung ließen es verfallen, bis Hirten und Jäger es von neuem entdeckten. Schon im 13 Jahrhundert genoß es Ruf, trotz des mühsamen Zugangs Lawinen haben ihm übel mitgespielt in feiner fast einundeinhalbtaufend Meterlage unter der Gemmi. Die Gegenwart weiß, sich durch Sperrwälle dagegen zu schützen. Bad Leuk ist kein Luxus- vrt. Die Bade- und Kureinrichtungen beschränken sich auf Zweckmäßigkeit. Seine Thermalquellen sollen Wunder verrichten, wo alle anderen Heilmittel versagten. Die trockene Hochgebirgsluft unterstützt die Kraft des Wassers, das einer Unzahl der verschiedensten Leibesschäöen entgegenwirkt. Halbe Tage lang verbleiben die Kranken in der molbigen Zauberflut. Zur Unterhaltung hat man ihnen Gesellschaftsbäder eingerichtet, zwei für beide Geschlechter in geräumiger Halle, in der Männlein und Weiblein über die Sperre in der Mitte sich die Bälle des Gesprächs zuf- werfeH können. Für beschaulichere Naturen gibt es schwimmende Tische. Diese werden durch ein Lesepult erhöht, und der Badende vertieft sich in seine Zeitung. Bücher von Wert müßten ja wohl auf Gummipapier gedruckt werden, falls eine vergnügliche Spritzwelle drüberhinfährt. Auf diesen behaglich schaukelnden Tischen reicht man nach ärztlicher Verordnung auch Las Frühstück ins Bad. Diese äußerst drollige Einrichtung hat Lenk fast bekannter in der Welt gemacht als seine staunenswerten Heilquellen selbst und seine unerhörte Lage am Fuße des drohend dunkelen Gemmi- stockes, an dessen jäher Flanke der Paßweg aus Getrümmer, unheimlich auf überhängenden Schroffen schwebend, ins zerklüftete Gewände klimmt. Die Wintermenschen lieben Lenk als Sportgelänöe. Sein geschütztes Hochtal zwischen bezwingbaren Gipfeln, das freundliche braune Dorf der Aelpler, ein wenig abseits der Hotels und Badehäuser, seine auf sanften Wegen zugänglichen Wälder sind Lockung den Muskelleuten und Träumern. Seine Brunnen rauschen Hoffnung den Verzagten. 7 Monte Vetita. Im verschwommenen Klostergärtchen des platzbeherrschenüen Metropolhvtels in Locarno, als ein sanfter Regen herniederrreselte, vor dem ich mich unter breiten Palmenfächern barg, las ich di« Einladung: „Das Klima ist das günstigste des Kontinents za allen Jahreszeiten . . . Wärme unß Sonnenschein des Südens und das Kraftvolle des Nordens . . . Besonderer Vorzug des Monte Beritä: Länge der Svnnenbescheinung nahezu unübertroffen. Tagestemperatur wie Nizza . . .“ Lind noch einmal: „Trocken, fast windsrei und sehr sonnig . . ." Das entschied. Der - 206 — Das Wasserschloß. Don Artur Fürst. Hast du das Schloß gesehen Das hohe Schloß am Meer l Golden und rosig wehen Die Wolken drüber her! schienen mattweiß Lurch den Dunst, die Alpen lauten in .-Ztod>L -E Madonna del Sasso läutete es zum Abendsegen: der feierliche und sürsmaliche Kel ner im Metrvpol brachte Artischocken uich gebratene Kühner zog die Vorhänge vor die Fenster und meinte philosophisch: „Man muh nur Zeit haben, dann wird die Sonne ^^Jmmerhin auch die Regenwanderung war belohnt, und es blieb a7ch unter den milchigen Schleiern etwas von der Mr- heihung der DerjüngungSkuren da oben M uns lebendig „Ahnen neuer Perspektiven". Auftrag Les Badenwerkes, der großen ^mischt- MSSAW SMSSZ t ip, 90 SBfprhcftürfcn bis größten in ®€utfcb,ln.w, b MS-M-MMZ ■"SSÄS« WML »«?»*£»**!** • „l-fL'ra Druckluftwerkzeugen und darauf folgenrein Sprenge hn» s? k« «ss kder brüNgeL", unzuverlässiges Gestein angeschlagen wird, findet eine sehr sorgfältige Auskleidung mit ernenn m sich starren, rmg^ förmigen Geflecht aus vielfach Miteinander verbundenen eisernen - Stangen statt. So singt Llhland, und ein anderes Mal. Es stand in alten Zeiten Ein Schloß, so hoch und hehr. Weit glänzt es über die Lande Dis an das blaue Meer. Auch wir wollen ein Wasserschloß betrachten. Freilich ist das unsriae zu de^wir nun die Reise antreten weniger romantM Z Ke Prachtbai,ten, die der schwäbische. Dichter erschaute. Es kann weder die Wolken sehen, noch weithin glanzen, da es vich BLS* SÄ BffS'ÄÄ» ift fRflnm trobfte heftiger Wind schüttelte die Palmen und Kampfer- 1 1 d^E en ämmelie melancholisch. Auf in den ewigen Muhling De?arMttAche'alte Kellner, der im Speisesaal das Diner Der gravira 1 > Melle brachte die Ananasbeeren I ans durch die Wasserlachen die so b e - . „ s^r Drücke I £»»äMh-ää s« Wr Schuden reude uns der Chauffeur. ^..steiler desto bestew ÄÄ-S« nn"SS.' SÄftiwU«,»6Eisue6Ktii« w OSell«. d-r 4»«d tobte »»»jjjmMä •« y des Gotthard der Sonnenschirm regierte. Wir stiegen Die Perlensträhnen wurden dichter. End- WTSSM-Ltz'. L-Z-MMMMsI MWWWMM in Llnlchuld und Racktheit und Pslanzenkost bestand . . . i rntmnallonale Gemeinde scheuchte der Erdkrieg ^mander r;„s, Rorden und vom Süden Die Kunjuer geium ■ SaWÄW'g k^n Zwang kein Dogma. Jeder Eigenart ihr Recht. Monte De- rita ist Sdnthese von Ratur-Sanatorium und Einzelleben. Lago | Einkebr und Feste. Sonne und südliche Pracht. ■ | Kann man mehr verlangen? Selbst wenn die Sonne nur auf dsin Davier scheint? Lind ihre Anbeter sich M den triefenden LLÄ--L ' tnirh bns ßVrrt«» Die wie aus dem Bilderbuch gescynuienen Häuschen w der ungebändigten Wildnis der Palmen, Lorbeeren MoitZi Mgenbäume, Magnolien, Kakteen, Rosen, Orangenrusche Auch^Müde^die 'daS^Jahr über ein bürgerliches Leben fuhren llinden ?ick auf Wochen und Monate hierher und fuv> beglückt von Raturnähe und Seelenfreiheit. „Raststätte, Kampfstätte^ Heilstätte — Heimat ist der Monte Derita vielen Menschen gewesen, ,,^ung- b-orn den Gehetzten und Erschlasften, ohne die LuMspreise vw- nehmer Kurorte. Auch das ist wichtig Sogar ein Kaufhaus für naturgemäße Kleidung ist vorhanden. Lind ein für die Kranke. Pflanzen- un& Fleischkost darf man nach Belieben wMen^ und nicht einmal feste Essenstunden werden eingehalten. Der Koch must von himmlischer Langmut sein ... Auf Ziegenpfaden schwammen wir zur Diese, verirrren uns in Weinhängen, sanken hn Sümpfe, landeten rn einem ländlichen Gefährt, dessen Verdeck löcherig war wie die Brause einer Gießkanne, — der See dämmerte in Rebeln, Locarnos Lichter — 207 Am völlige Sicyerheit zu haben, rvtrd- angesichts des hohen Jnnendrucks der Beton nicht ohne weiteres auf die zackige Bergwand aufgestampft. Sehr leicht verbleiben bei dieser groben Arbeit kleine Zwischenräume in welche die Auskleidung vom Jnnen- drua hereingepreßt werden könnte. Tritt erne solche Bewegung ein, dann reiht der Beton, und der Stollen ist undicht. Deshalb wird hinter Las ausgestampfte Material, also zwischen seinem Bücken und dem Granit, ein Gemisch von Zement und feinstem Sand- in flüssigem Zustand unter sehr hohem Druck eingespritzt. Die Werkzeuge, die hierzu benutzt werden, Lorkretinjektoren genannt, füllen jeden Spalt und jede Ritze vollkommen aus. Am das Rohr auf seiner Innenseite wasserdicht zu machen, bezieht man es mit Tor- kretspritzbeton einer erst vor wenigen Jahren erfundenen neuen Detvnart, die für den gesamten Wasserbau außerordentlich nutzbringend geworden ist. Der Torkret wird durch Druckwasser und Druckluft auf die Innenwand geschleudert, wo er eine sehr feste, gut haftende und wasserdichte Schicht bildet. Doch noch immer fühlt sich die Stolkenwandung rauh an. Das durchströmende Wasser würde durch die Reibung an der so gestalteten Wand Kraft verlieren. Das Aufträgen einer letzten Putzschicht sorgt deshalb- dafür, daß sie vollkommen glatt wird. Durch sorgfältiges Aeberstrei- chen mit feinen Instrumenten sucht man auch die geringsten Vorsprünge und Vertiefungen zu beseitigen. In unabsehbarer langer Reihe leuchten die elektrischen Lampen im Stollen. Ihr Schein wirft Strahlen, von dem hellgrauen Glattputz zurückgewvrfen. Cs ist, als sei eine Festbeleuchtung auf dem Wege zu unserm Schloß entzündet worden. Rur wenige Jahrzehnte sind» vergangen, seit die Stollenarbeiter beim Schein kläglicher Leuchten rauchenderOellämpchen, ihr Werk verrichten muhten. Der Fortschritt zur Jetztzeit, die beinahe Tageshelle zu den Arbeitsstätten unter Tag bringt, ist ungeheuer, unvergleichlich groß im Verhältnis mit'nahezu allen anderen Techniken. Doch nun stutzt unser Fuh. Der schmale Weg weitet sich. Wir stehen an der Schwelle einer Höhlung im Gebirge, deren Wände sich trotz aller Lampenstrahlung im Dunkel verlieren. Die Hammer- schläge, die bis jetzt dumpf geklungen haben, werden plötzlich heller, das Wort, das lange Zeit nur gepreßt von den Lippen zu kommen schien, fliegt frei auf, nicht mehr überschnell zurückgeworsen durch allzunahe echvgebende Wände. Frische, kühle Luft strömt über unsere Häupter, wir fühlen wieder die gewohnte freie Weite. And siehe! Ein Stückchen hellen Himmels leuchtet zu uns herein, ein kleiner, kreisrunder Ausschnitt nur, wie am Ende eines Fernrohrs, aber es ist die Sonnenseite der Welt, von der wir uns eben noch weit, weit abgetrennt fühlten. Denn wir sind mehr als I1/2 Kilometer vom Stollenmund hierhergegangen, und der Granit des Bergs lagert mit einer Mächtigkeit von mehr als 60 Meter über uns. Dreizehn Meter Durchmesser und elf Meter Höhe hat der Dom, in dessen Mittelpunkt wir stehen. Das Grau des Glattputzes kleidet auch ihn aus. And diese letzte Einfachheit wirkt schon wieder wie ein Schmuck. Sie verleiht den: Raum den Ausdruck schweren Ernstes und zusammengefaßter Kraft. Man fühlt das künftige Hindurchströmen des kraftb-ringenden Wassers voraus bei Betrachtung der sanften, alle Stöße Hintanhaltenden Abrundungen, die jegliche Kante, jede Durchschneidung erhalten haben. Das Schmiegsame der Flüssigkeit hat dadurch in dem harten Beton seinen Ausdruck gefunden. Ragend steigt die zylindrische Bekrönung der Kuppel zum lichten Tag empor. Mdlos hoch scheint der Schacht, endlos wie das Sehnen der im Dunkeln lebenden Menschheit nach dem Licht. - Wir sind im Wasserschloß, in das der Stollen von 3 Meter- Durchmesser auf der einen Seite mündet, um die Weitung an genau gegenüberliegendem Ausschnitt wieder in gleicher Form zu verlassen. Mvnatelanger Arbeit hat es bedurft, um dem Berg diesen Hohlraum obzugewinnen. Vom kalten Standpunkt der Technik betrachtet, ist es nichts als ein Stoßfänger. Freilich, ein ganz unentbehrlicher Teil der Krafterzeugungsanlage. Der .Stollen geht ein Stück weiter noch durch das Gebirge, dann schließt sich an ihn eine eiserne Rohrbahn von 900 Meter Länge, die mit einem schrägen Abfall von 310 Meter hinuntersteigt zum Turbinenschacht im Krafthaus. Befinden sich die Maschinen in Betrieb, dann sind Stollen und Rohrbahn mit dahinschießendem Wasser von 6 Atmosphären Druck gefüllt. Im Wasserschloß steht die Flüssigkeit unter Benutzung des aufsteigenden Schachtes gerade so hoch wie im Staubecken hinter der Sperrmauer. Gäbe es den offenen Teil in der Entnahmeleitung nicht, und würde der Ausfluß im Kraftwerk oder am oberen Ende der Druckrohre durch die hierfür vorgesehenen riesigen Schieber plötzlich geschlossen, weil man die Turbinen oder die Druckrohre entlasten will, dann müßte das in seinem Absturz Zäh gehemmte Wasser die lange Entnahmeleitung an irgend einer Stelle zersprengen. Denn der gewaltigen in ihm wohnenden lebendigen Kraft wäre die vorgesehene Auswirkungsmöglichkeit plötzlich genommen, und- da sie nicht im Augenblick zu verschwinden vermag, müßte sie sich zerstörend entladen. 1 Da wirkt nun die Anlage des Wasserschlosses wie eine Sicherung in der elektrischen Leitung. Das zur freien Luft sich öffnende Gebäude ist die schwächste Stelle der Entnahmeleitung. Der Rückstoß des Wassers mutz sich deshalb- stets hier und damit unschädlich auswirken. Sobald der Absperrschieber geschlossen wird, staut sich das Wasser in der aufsteigenden Rohrbahn und- im anschließenden Teil des Stollens zurück. Die rückflutenöen und die vom Stausee vorwärtsströmenden Wassermassen treffen sich im Wasserschloß, wildbrausend bäumen sie sich auf, stürmen im Dom empor, brodelnd und rauschend- schlägt der Wasserspiegel im Schacht um 7 bis 8 Meter in die Höhe. Damit ist aber die gefahrdrohende Rückstoßkraft auch schon abg-eöämpst, insbesondere deshalb, weil sie die gesamte Wassermasse in der 13 Meter weiten Halle hat in Bewegung setzen müssen. Der Wasserspiegel im Schacht schaukelt kurze Zeit hin und her, dann ist er beruhigt. Der Stollen und die Stauanlage sind unerschüttert geblieben. Anser Wasserschloß ist also nichts anderes als ein Rückschlagventil, das vor dem Hauptteil des Stollens und dem großen Staubecken liegt. Es schützt die wichtigsten Bauteil« gegen alle Gefahren, die von der lebendigen Kraft des Wassers drohen. Betrachten wir den eigentümlichen Ramen der Einrichtung genau, so finden wir, daß die Silbe Schloß Hier nicht im Sinn von Palast sondern so wie beim Wort Türschloß verstanden werden soll. Die äußere Form läßt freilich das erstere glauben, sowohl hier, wo die Anlage sich im Berginnern befindet, wie noch mehr in den meisten anderen Fällen, wo sie als hochgemauerter Dau mit bekrönender, durchschlitzter Kuppel frei am Dergabhang steht. Die Wortauslegung bleibt auch schließlich gleichgültig. Dieser Verschluß ist ein Schloß, das an Großartigkeit des Eindrucks mit manchem romantischen Prachtbau wetteifern kann. Das wehrhafte Fräursin. • Von Friedrich Freksa. (Fortsetzung.) Indem wendeten die beiden kranken Reiter ihre Rosse und trabten auf uns zu, mit blassen Gesichtern, aus denen große Augen fieberhaft glühten. War ein Anblick zum Erschrecken, als ob Tod oder Pestilenz dahergeritten kämen. Mein Bruder gab seiner Stute erschreckt die Sporen. Da ersah ich meine Freiheit und galoppierte davon. Kannte einen schma-. len Pfad- durch Tann und Sumpf von meinen nächtlichen Streifen. Der barg mich, und ich verhielt mich still in der Deckung bis zur Rächt. Am so mehr gedachte ich jetzt mein Recht auf Fenstäde zu suchen. Setzte mich wieder aufs Roh, das wohl ausgeruht war, und- ritt trotz meines Hungers in die Rächt. Als ich auf die Straße gelangte, hielt ich fleihig Ausschau nach rechts und- links, ob nicht da mein Widersacher lauerte. Da sah ich neben dem Graben an einem Baume zwei Pferde und neben dem Baume lagen zwei röchelnde Männer. Alsbald erkannte ich die beiden Reiter, durch die ich gerettet ward. Den Herrn Achatius von Söllern fand ich in Decken gerollt, neben ihm lag sein graub-ärtiger Genosse im Schüttelkrainpf mit emporgezogenen Knien. Der streckte sich nur noch ein paarmal, dann entfloh rhm der Odem, und er starrte regungslos zum Mondlicht empor. Den kranken Herrn Achatius legte ich auf sein Roß und gedachte auch das Pferd des andern mitzuleiten. Aber es mochte nicht von dannen gehen und drängte zu seinem stillen Herrn zurück. Da ließ- ich es denn stehen und barg den Kranken, denn ich war es rhm doppelt schuldig, um der gottgefügten Rettung willen und der gastlichen Ehre unseres Hauses." Es waren schwere Wochen, die sich nur langsam und zögernd von dem Lsbensknäuel des Fräulein Gottlieb« ahspannen. Allein sah sie neben dem Kranken, der in seinem Fieber lag, Ramen her- ausstieh, die sie nicht kannte und von Schlachten und Plünderungen fabelte. Rur dis zur Tür wagte sich die Kuffin und fragte von ferne nach den Wünschen des Fräuleins. Einmal war des Rachts Herr Josias gekommen und hatte sich nicht entsagen können, den Scheitel des schlafenden Mädchens zu streicheln. Davon war sie erwacht und hatte im dunklen Stalle das Gewand- des Pfarr- herrn verschwinden sehen wie einen Traumschatten. Selbst Jammer, der Hund, schnupperte mit der Rase mißtrauisch in den Verschlag hinein. Leide, die Katze, war das erste Wesen des Hauses, das sich zu längerem Aufenthalt einstellte. Eines Morgens fand- sie das Fräulein auf ihrem Schatze liegen. Harte Arbeit und- mancherlei Ekel war zu überwinden, um den hilflosen, schweren Mann zu pflegen, dessen Leib- vom Fieber geschüttelt ward. Aber aus des Kranken Reden erkannte sie ein gutes Mannesgemüt. Das war keiner von den wüsten Gesellen, wie sie sich in der üb-ergorenen Zeit so häufig fanden, sondern ein Krieger, der da mit dem Tode rang. Am fünften Tage kam der Rittmeister zum ersten Male zum Bewußtsein. Mit großen, offenen Augen sah er das schöne Mädchen in gutem Gewände an seiner Seite sitzen. Er fragte: „Seid Ihr es selbst, Fräulein, die Ihr mich pflegt?" Gottliebe nickte. Der Kranke ward unruhig. Er schaute sich nach rechts und- links um und ward des armseligen Derschlages gewahr, in dem er ruhte. Seine Gedanken flogen zurück, suchten Erinnerungen und zwangen die Worte von seinen Lippen: „Wo ist mein Wachtmeister?" „Ich bitte Euch, faßt Euch in Geduld," bat Gottliebe, „wir haben Euch ausgenommen, denn ich fand Euch krank am Strahen- rande liegen." „Krank am Straßenrand«?" fragte der Rittmeister und schaute das Fräulein an. „Bin ich denn nicht nach Schloß Herrenb-ruch geritten? And Ihr? Ich sah Euch doch schon einmal? Aber mich dünkt, Ihr wart ein Wann und trüget einen Reiterhut." — 208 — Dis In dem heißen Hirn wie Blasen aufkochenden Bilder verwirrten den Kranken. Wieder versank er in die unklaren Dorstellungen des Fiebers, das ihn abermals zwei Tage in seinem Banne Hielt. Als er aufwachte, fragte er: „Ich bin also nicht auf Herrenbruch?" Er Lachte nach und lauschte. „Herrenbruch? Dürfte ja auch nicht so sein, denn ich wäre der Gast des Sir Stuart Hamilton. Hörte ich nicht seine Stimme, fraft er mich fortwies, weil ich di- Seuche hatte? Uni) Ihr, Fräulein, wer seid Ihr, daß Ihr Euch getrauet, den Seuchekranken aufzunehmen?" „Ich bin Fräulein Gvttliebe von Herrenbruch und nahm Euch auf, so gut ichs vermochte, um die Ungastlichkeit, die Euch widerfahren. wettzumachen." Der Kranke horchte in sich hinein und sagte: „Mern Puls ist schnell. Es ist noch Fieber in mir." Bald hatte Gvttliebe die Gewißheit, das Leben des Rittmeisters gerettet zu haben. Gemach vernahm der Herr Achatius vom Tode des Wachtmeisters, und lückenlos wuchs ihm zusammen die Geschichte von seiner Abweisung im Schloßtor bis zu seiner Unterkunft im Verschlage des Stalles vom Pfarrhause zu Emm- springe. Die Schwäche in ihm war noch groß, so groß, dah er selbst in Len wachen Minuten die Augen geschlossen hielt. Als eines Tages Das Fräulein Gottliebe neben dem Ruhenden sah, geschah es, dah der Herr Josias mit ernster Miene in den Stall trat im'Mantel und Stiefeln, und mit einer Pelzmütze gegen das Wetter auf dem Kopf. Er sagte: „Habe heute eine seltsame Pflicht zu erfüllen,- Gottliebe. Muh hinaus auf Herrenbruch, möchte aber zuvor Euch abbitten, dah ich den Kranken nicht in mein Haus genommen habe, sondern im Stalle ruhen lieh. Droben auf Herrenbruch haben sie die Seuche auszusperren gedacht, aber.sie ist troh Graben und Zugbrücke hineingelangt und hat sich Opfer geholt: einen Knecht, eine Magd und . . . deine Mutter, Gottliebe!" Das Mädchen atmete tief auf und legte den Kopf zurück. Sie war bläh geworden, aber sie sagte mit fester Stimme: „Meine Mutter!" . . . Herr Josias, sprecht für mich an Ihrem Grabe ein Gebet. Indes will ich hier bleiben und das für sie tun, was sie an dem Kranken auf Herrenbruch hätte tun müssen." — Lange sah Gvttliebe starr auf ihrem Stuhle und- gedachte der Mutter unü Les Vaters, von dem ihr nur ferne, blasse Erinnerungen geblieben waren. Ein C&Vfö stand lebhaft vor ihr. Der Dater war im Winter überraschend aus dem Feldzüge gekommen. Als die Mutter im Hofe seine Stimme vernahm, war sie ihm auf der Treppe entgegengestürzt. Schloß Gottliebe die Augen, so sah sie Len grvhen Kopf des Vaters mit der hohen Stirn und dem braunen Bart vor sich, in dem sich das Gesicht der Mutter verbarg. Aber dann wuchs jenes andere Bild in ihr auf: die Mutter in Sir Stuarts Armen! Und ein Schluchzen rang sich aus ihrer Brust. Da fühlte sie eine heihe Hand an ihrem Knie tasten und ihre gerungenen Hände ergreifen. Der Herr Achatius richtete sich in seinem Bett auf und sagte: „Wer tat Euch weh, Fräulein Gottliebe?" _ Sie sagte: „Die Seuche, die Euch verschont hat, rih die Mutter Hinweg. Der Tod sprang über Graben und Mauer. Sir Stuart Hamilton vermochte nicht ihn abzuwehren!" Gvttliebe schwieg. Als leiste sie einen Schwur, sagte sie endlich laut zu sich: „Ich hasse Sir Stuart Hamilton als meinen bittersten Feind!" Da fühlte sie einen Druck auf ihren Fingern und ward gewahr, dah Herr Achatius ihre Hände nicht losgelassen hatte. * Herr Josias Rottner schritt langsam in seinem Studierzimmer auf und nieder. Es hatte sich beim Begräbnis der Frau Magbalis nicht nur ein Grab aufgetan, das dann wieder verschlossen wurde. Des Psarrherrn Blicke waren auch in die Seelen der beiden Männer gedrungen, die an dem Grabe stunden. Er hatte gesehen, wie Sir Stuart mit der behandschuhten Sianö- in die Erde gegriffen, um die drei Hände voll Staub' ins Grab zu streuen, wie es die Sitte gebietet. Es war eine herrische Bewegung im Zugreifen und Fortwerfen, während der Jungherr ungeschickt in der Erde wühlte. Gustav Friedrich besah wohl Fäuste, die packen, aber nicht festzuhalten vermochten. Bei jeder Bewegung hatte der Bruder Gottliebens mit einem Blick Len älteren Mann gefragt, ob er auch das Rechte täte. Einer so starken inneren Abhängigkeit war Herr Josias noch nie in seinem Leben begegnet. Er gab es darum auf, ein gutes Wort für Gottliebe bei ihrem Bruder einzulegen, gewahrte er Loch, Latz der Engelschmann Herr des Schlosses war. Still war er aus dem Gruftfriedhvf hinausgegangen in den Hof, um wieder in den Wagen zu steigen, der ihn heraufgeführt hatte. Als er sich in seine Decken gewickelt hatte und- sah, waren Sir Stuart und der Jungherr herangetreten. Sir Stuart hatte ihm im harten Tonfall bedeutet: „Pfarrherr, wir bissen dem törichten Mädchen noch eine kurze Zeit Frist. Danach werden wir sie Holen, und sei es mit Gewalt . . . Sie steht unter meiner und ihres Bruders Obhut. So hat es die sterbende Mutter gewollt." Hatte der Jungherr hinzu gefügt: „Redet Gvttliebe ins Gewissen, Pfarrherri Uns tut, nachdem die Frau Mutter gestorben, eine Hausfrau auf Herrenbruch not." „Freiherrliche Gnaden können nicht also mit dem Mädchen verfahren!" hatte sich der Pfarrherr erdreistet zu erwiden. Da hatte der Jungherr seinen englischen Lehrmeister angeschaut und gestammelt: „Wir Verfahren nach Hausrecht, Pfarrherr!" Sir Stuart Hamilton aber hatte Lem Kutscher zugerusen: „Fahr zu!" und' dazu etwas in englischer Sprache geflucht, was der Pfarrherr nicht verstand. . Sorgenvoll schritt der alte Wann auf und nieder, hatte er doch aus Lem Gesichte des Engelschmann ersehen, daß der sich auch durch den Teufel in der Hölle nicht von dem festgesetzten Vorsatze würde abbringen lassen. Es klopfte an die Tür, und herein trat Gottliebe, blaß und bewegt. Sie sagte bittend: „Verzeiht, daß ich zu Euch Dringe. Ich hatte gedacht, Ihr würdet in den Stall kommen, nyr von dem Begräbnis der Mutter zu erzählen. Herr Josias sah Las Mädchen lange an. „Es sind harte Menschen, die wider Euch stehen, Gvttliebe!" Das Fräulein nickte. Da gab der Pfarrherr Kunde von allem, was geschehen war. Das i Fräulein senkte den Blick nicht, sondern hörte ihn mtt großem, offenen Augen an, reckte das Kinn trotzig empor und sagte: „Weiß nun, woran ich bin mit meinem Erzfeind! Mer ec soll mich nie ohne geladene Pistolen finden. Und er weiß, daß ich treffe! t r Wie ein junger Ritter im Frauengewand stand sie bet dreien Worten da. Der Pfarrer erkannte die Aehnlichkeit mit dem Bruder Doch war es nur eine Aehnlichkeit des Körpers, denn in Lieser schlanken Gestalt war spürbar ein fester Wille, dessen der Freiherr Friedrich ermangelte. Rach diesem Tage, der Drohungen verhieß, verrannen die Stunden gemach und ruhig. Die Kuffin nahm sich der Pferde an und bewegte jie des Abends. Das fiel niemanden auf in der damaligen Zeit, denn durch Krieg und Seuche waren die Männer rar geworden und viele Rkännerarbeit ward Lurch grauen ver- rietet. Da der Kranke nicht mehr der stündlichen Pflege bedurfte, nahm das Fräulein wieder ihre Mahlzeiten gemeinsam mit dem Pfarrherrn ein. Sie berichtete mit Genugtuung, daß es thrmn Pfleglinge von Tag zu Tag besser ginge. Doch eine Wunderltch- keit die ihm geblieben war, dünkte sie als der Krankheit Rest. Jeden Tag gebrauchte er Worte, die etwa lauteten: „Fraulein, könnt Ihr mir nicht einen Potentaten nennen, der Krieg fuhrt? Oder: „An diesem gräßlichen Frieden werde ich noch zugrunde gehen!" Oder: „Ihr müsset es glauben, diese Seuche, die uns Reiter überkommen hat, ist die Friedeitsseuche, oder. „Werde nicht gesunden, so mir ein tüchtiger Krieg nicht die Knochen star.t. So verrannen schier zwei Wochen, als eines Abends ans Harrs gepocht ward'. Die Kuffin meinte, es möge wohl ein Bekümmerter aus der Gemeinde zum Pfarrherrn kommen, und öffnete. Da ward sie von dreien überrannt, die ungestüm in den Gang drangen, durch das Haus eilten und es von oben bis unten durchsuchten. __ , , , Die Kuffin hatte, um sich zur Wehr zu setzen, von ungefähr ein Hvlzbeil ergriffen. Aus der Studierstube hörte sie den Pfarrherrn rufen: „Sie ist nicht im Hanse! Euch spreche ich das Recht ab, in mein Haus zu dringen. Das Fräulein steht unter meinem Schutze und dem Schuhe der Stadt." Ist sie nicht hier, so ist sie bei ihrem Rosse!" erklang eine fremde hochmütige Stimme, die alsbald in der Kuffin die Erleuchtung aufflammen lieft: „Das ist Sir Stuart Hamilton! Laut schrie sie auf: „Feindio, Fräulein! Feindio! Mordio! , Da hasteten die drei Eindringlinge die Treppe hinab in den Hof Doch an der Tür des Stalles fanden sie wehrhaft das Fraulein' mit zwei Halfterpistolen in der Hand. Zwei andere steckten griffgerecht in ihrem Gürtelband. Ruhig und kalt zielte sie auf ihren Bruder: „Wer einen Fuß von der Schwelle herabsetzt, ist Les Todes!“ Die Kuffin schlich mit ihrem Hackbeil herzu, um zuzuspringen, wenn es not täte. Alsbald sah sie, wie Sir Stuart den Jungherrn zurückdrängte, und hörte wie er rief: „Geht zu den Pferden! Ich spreche allein mit ihr!" Dann kreuzte er die Arme und sagte zum Fräulein: „Rur um so mehr entzündet Euer Trotz meine Liebe! Schwache Weiber habe ich zu jeder Zeit meines Lebens verachtet. Immer habe ich gewünscht, ein Weib zu finden, in dem ein so kühner Geist wach sei, wie ihn das Fräulein Mathilde von Herrenbruch, meine einstige Besiegerin, besessen. Der Besitz Eurer Liebe allein würde von mir die Schmach tilgen, die mir vor Herrenbruch widerfahren. Und es müßte fürwahr ein heißes, stürmisches Geschlecht werden, das wir beiDe zeugten! Ihr seid zu Großem berufen und sollt nicht auf dem armseligen, deutschen Boden ein kümmerliches Los finden. König Karl rüstet, unD ich will ihm mein Schwert zur Verfügung stellen. Folgt mir. eine Herzvgkrone ist Eurer gewiß!" (Fortsetzung folgt.) Schriftleitung: Dr. Friede. Wilh. Lanae. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.