Gietzener Hamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang (92^ _______________Dienstag, den y. Dezember Nummer 60 Weihnachtslegende. Don Alice Freifrau von Gaudh. 3n heiliger Macht flogen Hand in Hand Drei Englein Hinab in Las jüdische Land. Sie wollten die seligste aller Fraun Und das göttliche Kind in der Krippe schaun. Der Stern von Bethlehem war noch wach Lind strahlte mild auf das flache Dach. Sie suchten die Pforte und fanden sie bald Lind lugten wechselnd Lurch heimlichen Spalt. Sie riefen und baten und klopften ganz sacht, Dis Joseph behutsam ausgemacht. Im Stall war es dämmrig. Sie schwebten heran Und schauten Len schlummernden Heiland an. Der eine hob die Ampel empor Und breitete schattend sein Flüglein davor. Der zweite schob sanft in des Kindes Hand Ein Sternlein, gefunden am Himmelsrand. Der dritte hat fromm vor der Krippe gekniet Und sang mit süßer Stimme ein Lied. Da zog ein Lächeln, göttlich und licht, Aeber des himmlischen Kindes Gesicht. Für alle Zukunft hat es geweiht Die Feier der heiligen Weihnachtszeit: Die strahlende Leuchte, den Weihnachtsstern Lind das fromme Lied zum Preise des Herrn. Advent. Don Ada Daronin Fircks. Lim den Flügel geschart in geheimnisvollem Halbdunkel stehen Kinder. — „Stille Äacht, heilige Macht!" Sie singen zögernd und als müßten ihre Stimmen nach den Klängen suchen. In ihren Augen wiederleuchtet matt das Licht der einzelnen Kerze, die was dem Gezweig des kleinen Advent- baumes heraus spärlichen Schein wirst. Eines Machtfalters Flügel verbrennen an der Flamme, Last es einmal leise a flüstert und sich die riesenhasten Schatten an den Wänden für Augenblicke bewegen. Sie betasten gespenstisch, was ihnen im Maume begegnet, sie greifen danach, erreichen es. „Nichts wie kleine Schatten sinh wir," sagen sie, „Schatten eines unansehnlichen Tannenbäumchens, das ihr Menschen gefällt habt, weil es eure Adventstradition so verlangt." Lind dennoch sind sie unheimlich. Sie betasten unsere Zimmerwände in der Düsterkeit, wie sie unser Gewissen betasten. Sie dringen in das tiefste Dunkel ein, als Wegbereiter, als Verkündigers dessen, was Glücklichen gebracht werden soll, jenen, denen das Schimmern in deir Aesten die Richtung zeigt. Lind leise und zögernd wie das Flackern der einsamen Kerze, wie das Lasten des Schattenbildes singen die Kinder. Gin wenig befangen noch durch die weihnachtslose Zeit, die lang und fast endlos dem heutigen Adventstage vorausging. — Nun aber, nun leuchtet ihnen das erste Licht. — Ihre Augen schauen verwundert, ängstlich. Heiligkeit heute!--Stille! — Doch ein zweites Licht wird am kommenden Sonntag diesem ersten zur Seite leuchten, das wissen sie. — Die Schatten werden dann weniger unheimlich sein und weniger groß. — Und ein drittes wird helfen kommen, — — endlich auch noch das vierte. Der Kinder suchende Stimmen werden heller, deutlicher. Ihre Augen strahlen trotz der Dunkelheit, ihre Herzen erwachen, fangen an zu schlagen in Ungeduld . . . „Stille--heilige Macht."--um aus dieser jubellvsen Zeit, in unmäßiger Freude jenem Weihnachtszittern der Jahrhunderte entgegenzugehen! Wie das Lied der Weihnacht erwachte. Don Max Jangnickel. Man schrieb in Wittenberg das Jahr 1534. Draußen wars Winter mit kaltem Schneelicht. Luther saß in seiner Studierstube, vor lauter Akten und Dücherbergen, und wühlte sich, schreibend und blätternd, wie ein Bergmann in einen tiefen Schacht hinein. Um seine Deine herum kroch ein kleine- Mädchen, das mochte ivohl so an hie fünf Jahre fein. Es war langzöpfig, Hatte große, lachende Augen und hieh Magdalena. Luther lächelte, schob die dicken Akten zur Seite und sann vor sich hin. Er fühlte ein leises, zärtliches Glockenspiel in seinem Herzen. Draußen rüttelte der Schneesturm.-- Luther griff zum Federkiel und er bildete Verszeile auf Vers» »eile. Und jede Zeile kam ihm vor, als wäre sie eine Säule zu einem Kirchlein. Und.er schrieb und schrieb. Manchmal lauschte er, nach unten, zu seinen Füßen. Und o .basste er den Liebreiz aus den Augen seiner Magdalena. Und der Kinderliebreiz wurde zum bunten Fenster im Kirchlein. Das kleide Mädchen war eben dabei, Luthers Schuhriemen auszulösen. Fast war sie fertig und warf den einen Schuh an die Lutherlaute, die in der Ecke, wie ein listiger Fant, im Dunkeln stand. Die Laute klirrte und tönte. Leuchen jubelte und jauchzte und lachte. Luther nahm das Lachen, das Helle, klingende Kinderlachen, und baute einen strahlenden Altar daraus für sein Kirchlein. Und nun sang die kleine Luthertochter; ein ungeschicktes Kinder» fingen. Und das Kindersingen flog in das Lied, das der Doktor baute, und wurde zu läutender Glocke darin. Luther war fertig, und er strahlte und griff seine kleine Tochter, setzte sie aus seinen Schoß und las, den blonden Kinderkopf an seine Brust gelehnt: Dom Himmel hoch da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär, der guten Mär bring ich so viel, davon ich singen und sagen will!" Draußen schneite es immer mehr. Der Kalender wartete sehnsüchtig auf das Ehristkind, das mit grüngoldenen Flügeln durch die Winterwolken fliegen sollte. Und Luther las singend und lächelnd immer mehr. Und die Bittschriften, die hoch und dick in der Fensternische lagen, lauschten. Und ihm war, als habe er auf feinem Schwße, warm in die Arme gedrückt, einen Engel eingefangen. Die Nainthalerin. Eine Weihnachtsgeschichte aus den Ostalpen von Helene Raff. CHristabsnL! Weißverschneit die Berge, schneeverhüllt die Felder. Frühe Dämmerung deckt die Berge und Felder, daß alles verschwimmt in einem unbestimmten blaufahlen Schein. Die Macht zieht heraus, die Christnacht, die aller Wunder und Geheimnisse voll ist. Wo um Mitternacht goldener Wein aus den Brunnen flteßt, wo die Bäume prangen mit goldenen und silbernen Blüten. Und wo gar das Vieh im Stall die Sprache erhält und eine Stunde lang sich mit Menschenstimme unterredet. Don all solchen Heimlichkeiten der gnadenreichen stlacht raunt und tuschelt das geschäftige Weibervolk in der Küche des Rainthalerbauern. Die junge saubere Bäuerin freilich, die redet nicht viel mit. Die sonnt sich im Glanz ihrer noch neuen Regentenwürde. Vor nicht gar lang ist sie noch Magd gewesen, hier wo sie heute schafft und regiert. Tüchtig rührt sie sich, das muh ihr der Meid lassen. Für alles sorgt und denkt sie; grad langt sie in den großen Schmalzkübel zum Backen, da stößt ihr ein Kinderköpfel, das sich fragend aufreckt, beinahe den Kübel aus der Hand. „Mutter, wann kommt 's Christkind?" Ungeduldig macht die Frau fich los von dem Bübchen, schüttelt auch das kleine Mädel ab, Las sich mit der gleichen Frage ihr ans Fürtuch hängt. „Herv- schast, so gebts ein' Ruh! Werdt's es wohl derwarten können! Ueberall gehn die Kinder einem im Weg um.“ Damit schiebt si« die zwei hinaus. Die Mägde plinken einander zu. Ja, ja, Stiefkinder! Die Jungdirn aber hat andres im Sinn. Mit einer Pfanne, drin die drei zuerst angerührten, zuerst gebackenen Krapfen, witscht sie aus der Küche hinaus. Will sie einen beschenken? Äh nein: die Kamerädinnen wissen es besser, kichern drum so listig. Wer mit den ersten Weihnachtskrapfen rund um das Haus läuft, der sieht am Eck den Zukünftigen stehen. Mo, der Rohknecht, der ihr nachsteigt, wird schon so gescheit sein und ihr in den QBfeg laufen! Oder ist ihr ein andrer bestimmt? Manche meinen überhaupt, Laß solcher Fürwitz sündhaft ist. Die Bäuerin hat wohl gesehen, wie die Junge hinausgeschlüpft ist. Da fällt ihr ein, wie sie selber vor zwei ZÄHren — ach toi* das lind alt« Geschichten! Aber während die fleißigen Hände ihr — 238 — KE Himmel, sie hat's ja nicht Mimmgemeint, vorhin! ©rat)- so wenig wie dazumal, wo fie's der Dauerin gesagt hat von der Begegnung des Bauern. So herausgerutscht ist ihr das Wort ^re Zunge ist schnell wie ihre Hand. Hinterdrein-hat fte s freilich gereut, dah sie ihr, der andern, so weh hat Gut- machen an ihr kann sie es nimmer, aber dafür an chren Kindern. -Die Kinder! Wo sind sie? „ rf. Bei der Kirche droben hat sie noch nicht gesucht. Sollten st« gar am Friedhof sein an ihrer Mutter Grab? Die Rainthalernjn wendet sich, keucht den Dvrsweg zurück, weih nicht mehr wo sie sonst suchen soll. Da der Kirchhügel: schlank und dunkel weist der Turm der kleinen Kirche gen Himmel. Die Frau gedenkt an das Kind aller Kinder, das heute in der Krippe gelegen hat unter Engelgesang. Sie denkt daran, dah Las Kind erwachsen ist zu Dem, der gesprochen hat: „Lasset die Kleinen zu mir kommen! Statt des anklagenöen Lotenbildes von vorhin blickt aus Ewigkeitshbhen ein leuchtendes, ernstmildes Antlitz auf die ^Rainthalerstn. Soeben hebt unten, beim Dorsteherhaus unterm Kirchhügel, der Gesang d?r HtWWxnftnger an: Wie über etwas Vergessenem fährt die schwarzäugige Frau plohlichauf .Wosind jät die Kinder hin? Seppele! Lrinele hallt ihr Ruf durchs Haus. Keine Antwort. Die Frau sucht t ^"^Däe^'haltei^him'her, dorthin gesprengt, suchen just so ver- aeblich And jeden Augenblick muh der Bauer hermkommM, der über Land gegangen ist. Wenn er heim kommt und die Kruder qohen ihm ab-, am heiligen Abend! — f$he »rau Swht geschwind eine warnie gestrickte Joppe über die Kleider, rennt iii das ^unkel hinails kehrt an benachbarten Häusern zu, fragt dm Begegnendmr aus. Recht bös ist sie gegen die zwei, die ihr solche Bot mackMi Umrefraat davvnlaufen, sich umtreiben am heiligen Abend, roo sie ohnehin für alles aufkvmmen muh. Hat sie nicht auch für ;edes der Kinder ein Christgeschenk im Kasten? Hat sm nicht wahrend Lr tcmgen Krankheit der rechten Mutter die b-id«- fast allem betreut? Grad, dah die viele Arbeit sie manchmal em bihl barsch macht rasch und resch, wie sie ohnehin ist! Sie hat mchr Zeih auch die Art nicht zum Zärteln, zum Schöntum - Gum u-nö iunaer Burschen, Laternen tragend, kreuzt rhr«r -weg. tbaleAn bistdu's? Zu dir kommen wir jetzt gleich." Ja so: dre Sternsinaer die am heiligen Abend umherziehen, für ihre CßBeifj3 nLLr Ächmkt und bewirtet werden. Sie sollte- spater kommen bittet die Dainthalerin: jetzt ist niemand daheim. Ob sre "'*L. ÄÄÄ »v .,«»*. «w i>nm Äaus fortlassen Bäuerin, so spat. Konntst das grohte An glück mit ihnen haben." Ein zweiter, minder weise und gibt ihr sein Laternchrn, dah sie doch richtig sieht auf ihrem G g. * SÄ Ä W« IW bl- Km. bu-ch b-n Zittrige Lichtflecke fallen auf die weihe Flache aus der empor gehaltenen Leuchte. Die Häuser vom Dorf blinken fern; kern Mensch mehr zu sehen weit und breit. Anbeantwortet verhallt ihr lauter Ruf- beinahe graut der Rufenden vor ihrer eigenen Stunme in- miiten des Schweigens ringsum. Eine Fülle schreckhafter Mog- llchkeiten dring t auf sie ein - „Könntst leicht ein Angluck haben dmnit “ — Jesus, wenn den Kindern etwas zugestohen Ware! Sv klein sind sie noch — der Bäuerin steigt plötzlich dmAngst aus. Und sie hat gelobt, ihnen Mutter zu fern, hat es der -^vten getobt deren Heim und Glück sie geerbt hat. ähr ist, als sähe sm die erloschenen Augen drohend auf sich gerichtet, als forderte dre Verstorbene Rechenschaft von ihr. Wie.soll sie bestehen vor ihr. Wie vor dem Vater der Kinder, wenn sre dre Klemen nicht Herls fAfcrtiH etne ralch-. dunkeläugige Dtru, die mtt der waßhiritet f bringt und geradeswegs hinrennt auf einen schlamen, M Mww Arg erschrockmi istdieD^n. Mets es kein lediger Mann ist. Leicht konnts gar t>er Teufel^in, Alle in Bersuch^ng führen will Ganz verstört sieht sie dreru da sie WrückllnnrM inL Haus. Was ihr denn ist? fvagt gutmeinend »5SC 8 m-, y- &!le.^nö nyr und langsam, rinnen zwei Traneii ihr die hohle Wange yera^ orra Mtt ibis jemand ins Gesicht geworfen, was sm selbst sich Zk 8 nicht Ne§n wollte: dah sie kein Weihnachtsfest mehr erleben toir& ®inen bittend nassen Blick richtet sm auf dm Magd. WE du deinen Kindern Brot gibst, gib- auch meinen Kin- bernBrot!" — Nichts weiter sagt sie. .. Mitleidig, reuig bemüht sich die Dirn um sie, sucht dm trübe Ahnung auszureöen. And suhlt doch selbst, dah es Mt Ilst"gÄAden. Draußen am Freithos schläft die anders Der Bauer ^nach Ablauf des Klageiahres, hat dm rüstige ®trn Irei? eine der ileihigsten und saubersten rm ganzen Lmd^Tawl. Run ist sie die Bäuerin, schafft, regiert, wird bald auch Mutter ^H^Sie kommen heim jedes ein Kind führeiid. Drin ist's hell und das Scharren von Tritten und der fromme Gesang erschallt. „Stille Rächt, heilige Rächt. Ja richtigt: die St ernsinger. Der Ramthaler weih, was Brauch ist hat^ein Stamperl vom besten Schnaps für sm bereit, em Ecktiaes Stück Kletzenbrot, auch ein kleines Geldgeschenk De Sänger in die Stube genötigt, drucken ihren Dank durch gute Wünsche aus: . Wir wünschen dem Dauer em goldnen ^>!ch. An allen vier Ecken ein' bratenen Fisch - — Wir wünschen der Bäurin rm neuen Jahr Ein neugeborn's Christkindl mit krausem Haar Verstohlen lächelnde Blicke gehen hinüber W Rainthalerin, die am Pfosten lehnt, an einer Hand den Miben, die anders auf das Köpfel des kleinen Mädchens gelegt. Was sm sich vorgeseht bat an diesem Abend, braucht niemand zu wissen: genug, dah Gott es weih. Sv viel Kinder er ihr geben will, sm wird Brot und Liebe gleich austeilen unter sie und die überkommenen. Der Hlm melsberr wird ihr helfen dazu.--- , ___ Die Sternsinger sind fort. Dem einen, der ihr sein Licht ge liehen, hat die Frau noch ein Extrapäcklein zuges^ckt. Deutlich klingt durch die heilige Stille der Christnacht der Abschiedsgruh der Weiterziehenden: , _ „ , . Amen, Amen! Das werde wahr: Gott sollen wir loben immerdar! Der Weihnachtsabend. Bon Adalbert Stifter. (Fortsetzung.) hierauf aina sie geschäftig hin und her und steckte SaS Kalb- fellrünzchen voll und steckte ihm noch allerlei in dm Taschen. ^Buch in den Täschchen von Sanna tat sie allerleiDinge. Sie grch «in Stück Brot, es auf dem Wege zu verzehren, und in dem R den Weg nicht erkennen, weil er so weift ist- Die Llnglückssäule werden wir wohl gar nicht sehen, weil so viel Schnee liegen wird, daß sie verhüllt sein wird und daß kaum ein Gräschen oder ein Arm des schwarzen Kreuzes hervorragen wird. Aber es macht nichts. Wir gehen immer auf dem Wege fort, der Weg geht zwischen den Bäumen, und wenn er zu dem Platz der Llnglückssäule kommt, dann wird er abwärts gehen, wir gehen auf ihm fort, und wenn er aus den Bäumen hinausgeht, dann sind wir schon auf den Wiesen von Gschaid, dann kommt der Steg und dann haben wir nicht mehr weit nach Hause. „3a, Konrad," sagte das Mädchen. Sie gingen auf ihrem aufwärtsführenden Wege fort. Die hinter ihnen liegenden Fußstapfen Waren jetzt nicht mehr lange sichtbar; denn die ungemeine Mlle des herabfallenden Schnees Leckte sie bald zu, daß sie verschwanden. Der Schnee knisterte in seinem Falle nun auch nicht mehr in Len Radeln, sondern legte sich eilig und heimlich auf die weiße schon Laliegende Decke nieder. Die Kinder nahmen die Kleider noch fester, um das immerwährende allseitige Hineinrieseln abzuhalten. Sie gingen sehr schleunig, und der Weg! führte noch stets aufwärts. Rach langer Zeit War noch immer die Höhe nicht erreicht, auf welcher die älnglückssäule stehen sollte, und von wo der Weg gegen die Gschaider Seite sich hinunterwenden Mußte. Endlich kamen die Kinder in eine Gegend, in welcher keine Bäume standen. „3ch sehe keine Bäume mehr," sagte Sanna. „Vielleicht ist nur der Weg so breit, daß Wir sie wegen LeS Schneiens nicht sehen können," antwortete der Knabe. „3a, Konrad," sagte das Mädchen. Rach einer Weile blieb der Knabe stehen und sagte: ,3ch seh« selber keine Bäume mehr, wir müssen aus dem Walde gekommen fein, auch geht der Weg immer bergan. Wir Wollen ein wenig stehenbleiben und herumsehen, vielleicht erblicken Wir etwas.* Aber sie erblickten nichts. Sie sahen durch einen trüben Raum in den Himmel. Wie bei dem Hagel über die weißen oder grünlich gedunsenen Wolken die finsteren, fransenartigen Streifen her- abstarren, so war es hier, und das stumme Schütten dauerte fort. Auf der Erde sahen sie nur einen runden Fleck weih und dann nichts mehr. .-Weißt du Sanna," sagte der Knabe, wir sind auf dem bür* retn Grase, auf welches ich dich ost im Sommer heraufgeführt! W, wo wir sahen und wo wir Len Aasen betrachteten, der nacheinander hinaufgeht, und wo die schönen Kräuterbüschel wachsen. Wir werden da jetzt gleich rechts hinabgehen!" „Ja, Konrad." „Der Lag ist kurz, wie die Grohmutter gesagt hat und wie du auch wissen wirst, wir üfsen uns daher sputen." „Ja, Konrad," sagte das Mädchen. ,/Warte ein wenig, ich will dich besser einrichten," erwiderte der Knabe. , Er nahm seinen Hut ab, setzte ihn Sanna auf das Haupt und beMtigte ihn mit den beiden Bändchen unter ihrem Kinn. Das Tüchlem, welches sie um hatte, schützte sie zu wenig, während auf fernem Haupte eine solche Menge dichter Locken war, daß noch lange Schnee darauf fallen konnte, ehe Aässe und Kälte durch- zudringen vermochten. Dann zog er sein Pelzjäckchen aus und zog dasselbe über die Aermlein der Schwester. Um seine eigenen wchul.ern und Arme, die jetzt das bloße Hemd zeigten, band er das Aernere Tuchlein, Las Sanna über die Brust, und das größere, bas ste über die Schultern gehabt hatte. Das sei für ihn genug, dachte er, wenn er nur stark auftrete, werde ihn nicht frieren . . x Er nahm das Mädchen bei der Hand, und so gingen sie fort. (Fortsetzung folgt.) Photographie in Farben. Bon Dr. Helmut Lhomasius. Kein technischer Fortschritt, der nicht zugleich auch einen ®?ngel auftoiefe! Es gibt auf technischem Gebiete eben keine restlose Befriedigung, keine Vollendung — und das ist gut so denn jeder Mangel erzeugt ja stets wieder neue Fortschritte. Die Mangel aber, an denen unsere technischen Einrichtungen leiden, tonnen wir tn zwei große Klassen einteilen: solche die nur dem Techniker bekannt sind und von denen die Allgemeinheit nichts weitz, und jene, die jedermann auffallen, die man also stets und überall empfindet. So mag es wohl seit der Erfindung der Photographie kaum jemand gegeben haben, der sich nicht bewuht gewesen Ware, wie weit wir gerade bei diesem Fortschritt von der Vollendung entfernt find. Im Anfang freilich, da war man noch begeistert. Die Maler verloren ihre Beschäftigung. Aber bald hatten sie wieder zu tun, fehlte dem Lichtbild vor allem doch die Farbe. Dann vermißte man die Plastik, und manche hätten sich bei manchen Bildern auch mehr Beseelung gewünscht. Es mag hier unerörtert bleiben, inwieweit diese mit den rem mechanischen Hilfsmitteln der photographischen Apparatur ge- schaffen werden kann. Durch die stereoskopische Aufnahme gelang eg' ••^rt5?ar Bilder herzustellen, und spätere Verfahren ermöglichten die Anfertigung von Bildern, die tatsächlick plastisch waren,, und die man als „photographische Halbreliefs" bezeichnete, .toh jahrzehntelang fortgesetzter Bemühungen wollte es aber nw»*« • ?,u erzielen, die die natürliche Farbe des Objekts tn zufriedenstellender Weise Wiedergaben. Der Weg den maT1f^U ?EHen hatte, um dieses Ziel zu erreichen, war klar vor- touHc längst, daß es drei Grundfarben, nämlich gelb, blau und rot gibt, aus denen sich alle Mischfarben zusammensetzen lassen. Bereits am Beginn des achtzehnten Jahr- fimftW-H ha"e der elsässische Kupferstecher Le Blond Schabe- »?n?^a"?r dadurch koloriert, daß er drei Platten anfertigte. Die eine enthielt alle gelben, die andere alle roten, die dritte alle ^auen 7-eile des Bildes. Jede Platte wurde mit der ihr entsprechenden Grundfarbe elngefärbt und dann wurden sie nach- einander auf das gleiche Blatt Papier abgedruckt. Es entstand « 6k8 a e Mischfarben in genau derselben Tonung .auswaes wie sie dem künstlerischen Empfinden Le Blonds ent* ^rach. Von dieser Möglichkeit, jede farbige Vorlage auf drei ?Enadsarben S.uruckzufuhren, machen wir seitdem vielfachen Ge- j ^auch, im Dreifarbendruck sowohl wie in der Malerei selbst: setzen e ÄrI*Jner h.^n. Stolz darein, mit möglichst einfacher rotlind ^n1166 ten Altfliner s°^on zu arbeiten, die neben gelb, und blaui nur, noch schwarz und weih enthält. Aber auch die L'°s °^apSische Technik nutzte die drei Grundfarben zur Her- sttttung von farbigen Photographien aus. Die Erfolge waren »war m künstlerischer Hinsicht vielfach sehr befriedigend in tech- beÄbi n^ gelingen, das Ideal zu erreichen. Dieses besteht darin, daß man, wie bet der gewöhnlichen Photographie! auch, von einer Platte beliebig viele Abzüge auf Papier zu machen i" em Album legen, einr^hmm oder hangen oder sonstwie aufbewahren kann. Statt dessen gluckte es nur, zwei Verfahren auszubilden, von denen - iMcht nur in der Weltgeschichte, auch in der Technik aibt es rnnn A^Attzttät der Ereignisse. Fragen, an deren Bearbeitung man .sich lange Zeit hindurch abmühte, werden plötzlich von zwei oder sogar von mehr Erfindern gleichzeitig gelöst. In gewissem ifft öer Ereignisse auch auf die Photo* 4 natürlichen Farben zu. Freilich ist es hier nicht das i>as gleichzeitig mehrfach seine Losung fand, !?ndern es ist ein anderes Problem dieses Zweiges der Technik das nunmehr ebenfalls zur Vollendung durchgebildet wurde: der naturfarbene Film Hier lagen die Verhältnisse noch schwieriger uhenden Bild. Schon dieses erforderte bei der fav» btgen Aufnahme auf Platten eine sehr lange Belichtungszeit. Beim ^t°Egte>i Film nnlßte die Belichtungszeit jeden Versuch den^^ Ligen Film zu schaffen, als aussichtslos erscheinen lassen. Man rann doch nicht, daran denken, farbige lebende Bilder herzustellen wenn man bei jeder einzelnen Ausnahme vielleicht eine halbe Mi-' Diese Schwierigkeit schreckte aber die ^ttnoer nicht ab, wir haben nunmehr den naturfarbenen Film, As dem die Aufnahme nicht langer dauert, als beim gewöhnlichen ^tvarz-welß-