Gießener HamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger Jahrgang (92^ Samstag, den 8. November Nummer 5( November. Von Frida Schanz. Lautlose Tage auf huschenden Sohlen; Stuben im Dufte letzter Molen; Zwischen Stämmen Licht wie von Kerzen; Flämmchen auf Gräbern, als brennten die Herzen. Erste, einzelne, glimmernde Flöckchen, Die wie von Christkindleins florenem Röckchen Auf die Erde getaumelt sind-- Flackernde Feuer;--heulender Wind.---- Eine Silberdistel die Sonne;-- Dämmerstunden voll huschender Wonne; Silbernes Blinzeln in grauer Luft; Wildganszüge und Dratgansduft. Winterstapel in Küchen und Kellern: Rote Aepfel auf zinnernen Tellern, Zuflucht an der Straße der Welt, Wo das Herz einmal Herberg hält. Landesverrviesen. Parabel von Hans Westenberger-Derltn. Kürzlich traf ich zwischen den hohen Sanddünen der Rehrung, Hari an der Grenze Litauens, eine Erscheinung, von der ich nicht wuhte, ob ich sie als Mann oder Frau ansprechen sollte. Durch &en Sand watend strebte sie mit gesenktem Haupte der Grenze zu. Sie war anscheinend tief bekümmert. ..Merkwürdig!" dachte ich mir, „wollen die Person doch mal ansprechen!" Lind ich rief laut: „Mensch, wo w llrn Sie kenn hin? Wenn Sir keinen Pah haben, kommen Sie nicht weiter!" Die Person blieb stehen und blickte mich erstaunt an: „Woher wissen Sie? Kennen Sie mich? Mein Rame ist Mensch! Ich must aus Deutschland weg." „Warum denn?" fragte ich interessiert. „Wollen Sie Geschäfte machen im Osten? Faule Sache jetzt!" „Geschäfte," sagte die Person, und lächelte boshaft in'sich hinein, „Geschäfte, nein, ich will keine Geschäfte machen. Deswegen mutz ich ja gerade aus Deutschland heraus." Da ich zweifellos ein sehr dummes Gesicht machte, fuhr sie fort: „Ja, sehen Sir, mein Rame ist Mensch, nichts weiter wie Mersch nur Mensch Ich hatte früher vi le Freunde in Deutschland, z. D. die Mutter Aja und ihren Sohn, den Hans und viele andere Aber nach und nach sind sie alle weggrstorben. Run wollte ich mir neue Freunde suchen. Ich ging von Stadt zu Stadt, grüßte diesen und jenen, um ihm meine Freundschaft anzubieten, aber überall wurde ich abgewiesen, alle halten keine Zeit. Was denken Sie, sagten sie mir, wir haben zu tun und sie seufzten, Derpflich- prngen über Beipflichtungen, Sitzungen, Kalkulationen, Steuern, Bilanzen; manche fuhren mich grob an, ich solle ihnen nicht die kostbare Zeit rauben. Ich liest mich aber nicht stören. Allmählich wurde jedoch die Polizei auf mich aufmerksam und ich wurde festgenommen. Da ich auf die Frage nach meiner Staatsangehörigkeit keine Auskunft erteilen und auch keinen Beruf angeben konnte sondern einfach erklärte, ich bin in der ganzen Welt zu Hause und Mein Beruf ist, Mensch zu sein, wurde ich als unzurechnungsfähig angesehen und als lästiger Ausländer landesverwiesen In Deutschland," sagte der Polizeidirektor, „ist für Sie kein Platz Die Produktion mutz gehoben, das Wirtschaftsleben in Gang gebracht werden. Wir brauchen Arbeit, Arbeit und noch einmal Arbeit. Alles andere ist Larifari. Binnen vierundzwanzig Stunden sind Sie über die Grenze. Entlassen. Der Rächste!" — — Sehen Sie, und nun bin ich auf dem Wege zur Grenze. Ich habe keinen Freund in Deutschland gefunden." „Das ist sehr traurig," fiel ich ein, „kommen Sie denn noch einmal wieder?" In diesem Moment sah ich mechanisch zur Ahr Mein Gott, in zwanzig Minuten ging mein Dampser! , Entschuldigen Sie," rief ich schnell, indem ich mich schleunigst empfahl „ich mutz heute abend noch zu einer dringenden Besprechung zur Stadt. Ich habe tatsächlich keine Zett." 2er Mensch taut an zu lachen. Aber ich hatte tatsächlich kein« Zeit mehr. Don Meer zu Meer. ,z. Wie man in Kanada reist, beschreibt unser dortiger ^-Korrespondent in einem sehr anschaulichen Brief aus Vancouver von Ende Oktober. D. Red. Eisenbahnfahrten von längerer Dauer pflegen die wenigsten von uns zu den besonderen Annehmlichkeiten des Daseins zu zählen. Wenn einer bei uns zwei Rächte in der Bahn zubringen mutz (was ia nur bei relativ weiten Reisen Vorkommen wird), so fühlt er E bedauernswertes Geschöpf, das nach beendeter Fahrt mindestens ein bis zwer Tage Ruhe nötig hat. Anders drüben, jenseits des großen Leiches. Wenn Sie von Montreal aus den „Trans-Continental" benutzen, reisen Sie in k?„stunden glatter Fahrt durch ganz Kanada bis an die Küste des Pazifischen Ozeans und werden sich in Vancouver genau so frrsch und unermüdet an Land begeben, wie Sie in Montreal den Zug bestiegen. And dabei haben Sie eine ununterbrochene Fahrt das^von BeAta aus «ns, wie weit , Aarum bas Fahren hier so angenehm ist? Run, für den transkontinentalen Verkehr haben die Bahngesellschaften, in Ka- nada m erster Linie, die Canadian Pacific Railwah und die Ca- nadlcm Rational Ph besondere Spezialzüge gebaut, die wohl be- zuglich Bauart, Gewicht, Federung und Ausstattung der Wagen wie hmsichtlich der Zusammensetzung den besonderen Bedürfnissen entsprechen. Auf einen Mangel komme ich noch. Lang schlank elegant die Form der rot lackierten Wagen, schwer von Gewicht und vorzüglich gefedert, so daß die Züge über die Weichen sausen wo welche sind!ohne daß Sie irgendwelche Erschütterungen verspüren. Alle Wagen haben Rainen, darunter fremdartig an- mutende: Remegos, Rapinka, Rakufp, Glen Eagle, Glen Otter wohl Erinnerungen an die Indianer, die in den weiten Gebieten' die heute der Zug durcheilt, vor 50 Jahren noch unbeschränkte Herrscher waren. , , Sie in Montreal den Zug besteigen — dieser Bahnhof baiwirküche Bahnstelge, im Gegensatz zu den meisten Bahnhöfen nach Westen zu, bei denen der Bahnsteig durch einen niedrigen höl- zernen Laufgang repräsentiert wird — werden Sie von braunen und schwarzen Rigger-Porters in Empfang genommen, deren Obhut Sre nun für die Dauer der Reise anvertraut sind Zum Teil ganz gewandte, aufmerksame und dienstwillige Burschen — aber auch «rwere! Don irgendwelcher Anterwürfigkeit gegenüber den Weißen Reisenden jedenfalls keine Spur. Sie geben auch zu daß fies besser haben oben in Kanada; im Süden unten, da freilich ist' „nv lustice". Zum Ein- und Aussteigen seht Ihnen der Porter einen plüsch- vezogMen Tritt hin, denn der Wagen ist so hoch, und der Bahnsteig so medrig, daß Sie ohne Hilfsniittel nicht hinein oder heraus rönnen. Ich habe jedenfalls mal den Versuch gemacht von der Plattform des Aussichtswagens der Kürze halber herunterzuspringen: die Folge war ein verstauchter Fuß. Aussichtswagen — ach so, ich habe Ihnen ja noch gar nicht; erzählt, wie so ein Trans-Kvntinental-Zug zusammengesetzt ist. Also zuerst kommt der Speisewagen, breiter und bequemer möbliert als bei uiis und ausgezeichnet bewirtschaftet. Strahlend begrüßte unser Reisegenosse aus Rvrddeutschland die großen und trefflich zubereiteten Portionen, die ihm nach der „Schnippelei" der Schiffs- mahlzeiten wieder mal ein in Hamburger Dimensionen gehaltenes Zleisch- oder Fischsteak boten. An den Speisewagen schließen sich Zwei, der drei „Standard Sleeper", das sind Schlafwagen ■ mit Zections', keine geschlossenen Einzelabteile, sondern ein großer Raum mit Mittelgang rechts un& links, von welchen oben und unten je 12 Betten hergerichtet werden, die nur durch einen großen gemeinsamen Vorhang gegen den Gang abgeschlossen werden. Am L,age wird der Vorhang abgeknöpft, das obere Bett in die Wagendecke hinaufgerlappt, das untere Bett durch Entfernen des Mittel- Polsters in zwei gegenüberliegende Sitze verwandelt, und in wenigen Minuten ist so aus dem Schlafwagen ein offener, Heller und luftiger Tageswagen mit 24 Sitzen geworden. An dem einen Wagerrende befindet sich der gemeinsame Wohnraum für die männ- llchenBenutzer des Wagens — für die Damen am anderen Ende rt?” Wagens mit Ledersofas ausgestattet, um gleichzeitig als Amichsalvn zu dienen, ferner mit drei Waschbecken, fließendem, hechem und kaltem Wasser, Spülbecken zum Mundausspülen, Behältern mit hygienischen Trinkbechern aus Papier versehen, so ledergalls daß man morgens seine Toilette in aller Ruhe und Bequemlichkeit vornehmen könnte, wenn nicht der Raum schon in — 202 - ©er Mensch dieser Erde, der immer suchende und forschende, bat es vermocht, das bewohnbare Land unseres Planeten der wissenschaftliche Erkeimtnis zu erschließen. Er ist blä ut &teötf- wüsten der Antarktis vorgedrungen und in die Hecken Steppen Rätsel der Tiefsee. Don unserem wissenschaftlichen W.-mttarBeiter. so weit rückt man gegen Sonnenuntergang vor. Als eine imvonierende Leistung erscheint einem die Erbauung und die Aufrechterhaltung der Bahnstrecken, wenn man einmal selbst auf der Linie gefahren ist und sieht, welche unendlichen Entfernungen und welche Hindernisse überwunden werden mußten. Allein das Aufseilen und Festlegen des besten Durchganges durch das Gebirge mit seinen Schluchten und Abhängen, seiner grenzew losen Einsamkeit un& Wildnis, wo Sie noch heute Daren und Elentiere und anderes Edelwild schießeiikoniien.Anüdie dauernde Aeberwachung der Strecke! Freilich ist der Dahndienst vielfach auf die einfachste Formel gebracht. Zum groben ^eil ist die Strecke eingleisig, Signale und Schranken gibts vielfach überhaupt nicht. Wo eine Straße (selbst in der Stadt) die Dahn kreuzt, steht einfach ein Warnungspfahl mit zwei gekreuzten Armen. Railwah Crossing". Wer über die Geleise will mag selber aufpassen! And Signale? Sn dem westlichen — kultiviertesten Seit — hatten wir aus irgendeinem Grunde Aufenthalt auf freier Strecke. Da lief ein Zugbeamter mit einer schwarz lackierten Dlechröhre etwa 800 Meter zurück, entzündete dort ein Oelfeuer dicht am Geleise, das einem etwa folgenden Zug warnen sott, und das Signal war fertig. Der Mann kommt zumck steigt auf und signalisiert bei einem neuen Halt in gleicher Weise Kreuzende Strecken laufen einfach im rechten Winkel u&er unsere ©e» leise hinweg, und' ratternd saust der Zug über die Kreuzungsstucke. Wenn Weichen kommen, steigt der Mitreisende Weichensteller aus, stellt, während' der Zag kurz hält, seine Welche, steigt wieder ein, und weiter gehts. An einzelnen Stellen gibts auch automatisch durch den fahrenden Zug bestätigte Signale. Aber im großen und ganzen ist die Strecke bar von (Beamten und Einrichtungen, aber es geht auch so. Freilich wohl nur, sobrnge der Verkehr nicht stärker ist als bisher. Auf jeden Fall hat man trotz der nach unserer Auffassung primitiven Streckensicherung und trotz der manchmal fabelhaften Geschwindigkeit niemals etn Gefühl der An- vker Sagen Bahnfahrt machen, so, als o9 sie Bei und von (Berlin nach Düsseldorf reifen. „ Sn Calgary, am Eingang der Rocky Mountains z. D. war irgendein Fest, bei dem auch Reiterspiele auf eingerittenen Pfer- d«i und Stieren vorgeführt werden sollten. Um dies zu sehen, reisten mit uns zwei junge Damen von Qllontreat nach Calgary, &. i. eine Strecke von 2243 Merlen oder über 4000 Kilometer! Sausend Kilometer sind eben in diesem Lande der ungeheueren Entfernungen wo es noch heute Anfiedlungen gibt, die brS zur nächsten Bahnstation einen Anmarsch von ^? Kl>m h^en nicht mehr als bei uns hundert. Den besten Degrifs von der ^Sette, dr man bis Vancouver durchreist, gibt vielleicht der Hinweis, daß man, von der atlantischen Küste aus gerechnet, fünfmal, von Montreal aus dreimal die Uhr um eine Stunde zuruckdrehen muß, fahrt wenn das Wetter einigermaßen günstig ist, keine Anstren- gung'bedeutet, kann ja als bekannt güten, und die vier Lage Dahn- fahrt weichen Shnen so rasch verfliegen und so viele Eindrücke bieten daß Sie schon wieder auf dem Dampfer die Wellen deS Pacific rauschen hören, ohne daß Sie überhaupt zur Besinnung gekommen sind Die vorbildliche Sauberkeit in der Dahn, die inan ja auch auf den- Schiffen und in den Hotels erfreut feststellt, wird Ihnen auch ermöglichen, mit dem Staub fertig zu werden, dem einzigen Störenfried, der sich während der 90 Stunden durch Kanada unangenehm bemerkbar macht. Und Sie werden am Schluffe der Reise in Vancouver genau so frisch und Bereit für neue Eindrücke sich von der Schönheit und Lebendigkeit dieser lungsten Großstadt am Pacific hinreihen lassen, wie ich es jungst getan habe. im Flugzeug, um die Verhältnisse der oberen Luftschichten zu er- forschen sich in Höhen von über 7000 Metern über die Erdoberfläche erhoben. Er hat weiterhin die Siefen der Erde durchwühlst und Bohrlöcher bis fast 3000 Meter vorgetrieben. Aber eines hat der Mensch, der die höchsten Höhen der Erde erklomm, nicht vermocht: in die Siefen des Meeres hinabzusteigew Denn daß ein Sauchbovt sich einige Meter unter die Meeresoberfläche herab- lassen kann, daß ein Saucher allenfalls bis zu hundert Meter hm- umerfieigi — das will im Vergleich zu den ungeheuren Ab- e i gründen der Meere nicht das Geringste bedeuten-Der M°er^- . | boden ist unbetretbares Land, gebettet in tiefste macht, be- ' lastet mit dem gewaltigen Druck der Wassermassen. And dennoch. wich diese Einöden haben dem Forscher bereits viele ihrer wahrhaft tiefen Geheimnisse anvertraut. _ , e < Es bedeutet ein besonderes Ruhmesblatt der deutschen Wissmi- schaft, daß sie auch auf diesem speziellen Forschungsgebiet an der frühester Morgenstunde von Canadians oder Gnglishmen besetzt I Md^e daUe Morgenpfeife raiuchen (ihre Vormitwgs- Mdtags-, Rachmittags- und Abendpfeise natürlich ebenso), aber iMnerhin, das ist noch nicht so schlnum. Mag fein. daß daß. nur Mitteleuropäern das Soilettemachen in alter Oeffenilichkedoder wenigstens Halbösfentlichkeit etwas Ungewohntes ist, was dem in jeher3 Hinsicht weniger genierten Amerikaner als Selbstverstand- lickkeit erscheint — Viel weniger anfreunden konnte ich mich mit der eigentlichen' „fection“, dem Schlafgemach selbst. Zwar sind die Betten breit, aber ach, der Gang ist so schmäh und das obere Bet. bä'rat einem so beängstigend' nah u&erm Kopf, daß man fori AKn^i^Gefahr Aich die Fußzehen abtreten zu lasten-.wenn man sich hinter dem Vorhang stehend, ausziehen will, oder sich den Schädel einzurcmien, versucht man's im Bett sitzend oder kniend. I Aach einigen Sagen hatte ich ja schließlich einige Ue&ung, J^e Prozedur der An- und Auskleidung im ßi’gm zu Mll, e5en. a&er nach wieviel Stöhnen und Schimpfen und Fluchen! Dazu tein Platz fürs Gepäck, an nichts können Sie heran, und dann die Hitze • Aus jeden Fall: wenn Sie durch Kanada reifen, bestellen Sie sich in Montreal oder besser schon aus dem Schiff vou Europa wenn nicht schon gar in der Heimat (Sie könnens bei der Canadmn Pacific in Berlin oder Hamburg), feine „sectwn bezahknSie einige Dollars mehr und lassen Sie sich einen Platz i'n Eompart ment-car geben, d. i. ein Wagen Mit abgeschlossenen Abteilen die je zwei Betten, eins unten und eins ooen, enthalten das obere wird natürlich auch nur während der Rächt aus der Decke her untergeklappt — außerdem aber reichlich Raum zumAn-und Auskleiden, zum Soilettemachen zum Aufbewahren des Gepäcks bieten und mit eigener Waschtoilette, Frisierspiegel, Frisier, stuhl usw ausgestaiiet sind. Sn solch einem Kompartiment laßt sich die lange Reise ausgezeichnet ertragen, um so mehr, als man am Sage sich doch meist im Parlour-car oder — wahrend der^herr- lichen, unvergeßlichen Fahrt durch die Rocky Mountams im Open-tvp-observativn-car aufhält. . Der Parlour-car enthält neben einigen Kompartiments einen geräumigen Salon mit breiten, hohen Fenstern, Teppichbelag und Etwa anderthalb^ Dutzend bequemer Ledersessel. Rebenan befindet sich eine Bücherei mit Zeitungen, Soumalen und auch einem ganz stattlichen Dücherbestand. Auch etn Schreibtisch ist da und bet dem ruhigen Gang der Wagen kann man seine Schreibarbeiten nahezu so bequem erledigen wie rm Hotel oder auf dem Schiff oder au Hause Ferner steht den Gästen des Parlour-car etn besonderes Büfett zur Verfügung, da der Weg bis zum Dining-car etwas wett wäre Denn der Parlour-car ist immer der letzte Wagen, da sich an seinem Ende noch eine offene Plattform befindet, die es ermöglicht, ganz im Freien zu sitzen ein Dergnugen, das zuweilm nur durch den allzustarken Staub oeeintrachtigt wird. Man merkt . ' die Stunden kaum, wenn man so im Parlour-car bequem m den Also: wenn Sie von Deutschland nach Ostasten wollen, wählen Sessel gestreckt, die Soronto Evening News oder die Daily Rews I über das schöne, interessante Kanada, der Sie in von Moose Sato oder Chapleau oder Regina oder sonst emer der 2g von Hamburg tiach Bokohama führt und eine abwechs- kuriosen Präriestädte studiert und dabei in aller Behaglichkeit das I [UTDggrei^>e nie ermüdende Reise gewährleistet. Daß die See- Land an sich Vvrüberg leiten läßb And das Schaum wird uns nie I ‘ « - - - - ------------- =" ««• ornftrOTTe langweilig, denn fast immer gibts etwas Reues, interessantes zu sehm seien es die meist französisch eingestellten Siedlungen un Osten des Landes mit ihren entsetzlich nüchternen slachdachigen Holzhäusern, primitiv und- engräumig oft bis zur Anwohnluchked, sei es die wilde Waldeinsamkeit zwischen Montreal un& dem Lake Superior mit den in unerbittlicher Gleichmäßigkeit immer und immer wiederkehrenöen Srümmerfeldern abgebrannten Walc.es, ein Bild von geradezu niederdrückender Trostlosigkeit,, fei es die wunderschöne Fahrt am See entlang, oder die 30stundige Reise durch die Prärie, die so ganz anders aussieht, als man sie sich gemeinhin vorstellt, oder sei es schließlich der glanzvollste -.eil der Reise: die 24stündige Fahrt durch die Kette des Felsengebirges im Westen And hier hat die Dahnverwaltung durch Anlage des Fahrplanes und Bereitstellung des offenen Aussichtswagens gs- sorc-st, daß man das Gebirge, unbehindert in der Aussicht, in seiner ganzen majestätischen Schönheit genießen kann. Allein oiese Fahrt durch die Berge lohnt es, die drei Sage vorher aus der Bahn zu liegen, so gewaltig, ständig sich steigernd ist der Eindruck, gekrönt am Schlüsse durch den Anblick der unvergleichlich schon gelegenen Hafenstadt Vancouver an der Küste des.Pacific, wie die Verbin- duna- Zwischen Eisenbahn und Aeberseedampfer nach Ostasien und . couiim ueu «muu«» w.9w....3;.. --- — w.» Australien 'bergestellt wird. Vancouver, gesehen vom Dachgarten,. uni> Wüsten ferner Zonen er hat die (Bergrtefen erftiegen unh hat d^ Vancouver-Hotels oder von einem der Felsvorsprünge im < - -----.....- ^-ren Luftickichten zu er- Stanley-Park, wer vermöchte das herrliche Bild je zu vergessen! So reift man quer durch einen Kontinent und würde ohne Murren noch einige Sage weiter reifen — wenn man im Cvmpart- ment-car schlafen'kann. Die „sections" sollten polizeilich verboten werden, dann wäre die Fahrerei einfach ideal. Rebenbei: Der ganze Zug ist nur mit Fahrkarten erster Klasse benutzbar: für das Bett ist ein besonderer Zuschlag zu zahlen, und zwar kostet von Mvn- . treal bis Vancouver eine „fection" mit zwei Betten einschließlich | untersteigt , Steuer 50.70 $, ein Kompartiment 79 $. Wenn man diese Preise ™ ansieht — der eigentliche Fahrpreis kommt natürlich noch dazu —, wundert man sich etwas, was für Reisende man zum Seil im Zuge sieht; Leute, die in Europa tu der ersten Klasse völlig unmöglich wären. And man wundert sich als Deutscher mit den beschränkten heimischen Raumbegriffen, wie hier junge Mädchen allein oder zu zweit oder Britt Vergnügungsreisen von zwei, drei, — 203 - Solche ähnliche Retzen führte der Rittmeister Achatius noch rn^£ n3e1^’ -wagend der Wachtmeister kein Wort dazu sagt? rX ie5xnt^-^ru<^ keines Vorgesetzten Herrn seinen TischMug UTtb ^kräftigend mit der flachen Hand> auf den s^Ilötzlich aber fable sich der Wachtmeister an den Kopf und schloß die Algen erb^ssend, tot? es vorher der Rittmeister getan. Repomuk? fragte der Rittmeister. ..Wieder oer Wachtmeister zur Antwort. Auch %%^angen des Of t ners flog ein Schein der Röte und wich m ?-aU»n' ®r /lnchte: ..Hol' es der Teufel, wenn es uns hat! Dann stürzte er einen Becher heißen Weines hinunter un& Stimme den He^n Josias fury .Liegt ö Rahe das feste Haus Herrenbruch?" Der Pfarr- %i6.'n ®run^ed ungewohnt war, fand nicht sogleich \n J6?. burch die Frage des Rittmeisters das ™ Gottliebens lebendig ward. Gr vermochte nur stumm zu anerürnnt werden, daß auch das Ausland an der fflÄn4“1’3 22'Lt>.°n<2n 2tnteU bat. Dor allem ist die eng- ^^„^/^Mger-Expedition zu erwähnen, die vor genau fünfzig Jahren (gleichzeitig mit der deutschen Gazelle-Expedition) her- aHem5^ Aus allerjüngster Zeit verdient vor allem die erst kürzlich heimgekehrte dänische Tiefsee-Erpedition ?nter Leitung von Dr. Johannes Schmidt stand, gmanntzu werden die über Wasser- und Tierverhältnisse in den großen Meerestlefen wertvolle Aufschlüsse heimbrach.e. Die Reise führte kanÄ ^tSe nt^' &en 2Is5ldfd)en O;ean, durch den Panama- dz^inn 0tllIe2, Osean und dann zurück. Diese dänische Expe- üd, n' rrdne 5te'L’dlei7t f^nftnsbeornr: bx-e Änderung der Aale. Es wurde fest- bab die Aals, die aus den Flüssen des Festlandes treten, und in der Rahe der Bermuda-Inseln die^lüsfe auffuch^^' bic junge Aaldrut wieder tn die Tiefen der Meere einzudringen, bedarf der Forscher ganz besondemr Gerate und Instrumente. Dem Lei er der dänischen Expedition gelang es mit Hilfe dieser raffiniert konstruierten Werkzeuge aus Tiefen von 5003 bis 7000 Meter Tiere heraufzuholen drenur in diesen vollkommen nachtdunllen Meeresgründen zu leben tol,*.V^e 81 D. ein sog. Seeteufel aus 5000 Meter fflSnÄn™* Phöben: «in Tier, das am Kopf ein drahtähnliches besitzt, an dessen Ende eine kleine Kugel sitzt, die, wenn kH^lmmt, wie eine elektrische Glühbirne in rotem Licht M-iftn-nA F‘nget F'kche zeigen eine ähnliche Leuchtkugelaus- rüstung, was darauf hindeutet, daß diese Fische auf diese Weile gütlich ihre Deute anlocken. Auch Tintenfische und Tiere mit Riesenrachen wurden erbeutet, phantastische Wesen der Unterwelt, die uns von der seltsamen Fauna der Tiefsee Kunde geben und uns lassen daß auch in dem grauenvollen Rachtdunkel der Ozeane der Lebensdrang, der die lichtvolle Oberwelt durchpulst &rie fremden Gesetzen ihrer dunklen' Welt gehorchen Bsir erfahren, daß dort unten, im Schacht der Meere, wunderliches Leben sich regt und daß, wie überall, der ^ärmliche Hunger auch die Kraturen der Tiefsee zwingt, den schwächeren Genossen zu erbeuten, wenn nicht der Schwächere durch i stärkeren Feind sich zu schützen vermag. List auf dem Meeresboden? Ja auch das gibt es. Da lebt zum Beispiel dort E^swdler^bs. der unferm Flußkrebs ähnlich sieht, tedrch des Schutzes einer Schale entbehrt. Am ^nswv^e^1%,%^pertell vor Angriffen zu schützen, steckt der Ansleblertrebs ihn fürsorglich tn eine der vielen leerer. Schnecken- kHalM, die rings umherliegen. Im Fall oefonderer Gefahr zieht ft% kogar vollständig tn dieses Wohnhaus zurück Rähert sich letzoch der Oktopus (eine Art Tintenfisch), so ist der Krebs allerdings auch in diesem Bersteck - verloren, da der Oktopus mit I fernem Saugapparat den Krebs aus seinem Gehäuse herauszuholen vmmag. _Unt mm aber selbst vor diesen fürchterlichen Oktopussen ßcher zu sein wandert der Krebs zu einem andern Tier der .Unter- I ?bantsie, die eine eigenartige und jedenfalls sehr wirksame Methode hat, sich ihrer Feinde zu wehren. Wenn die Adamsie angegriffen wird, laßt sie aus ihrem Mund lange Fäden her- auszungeln die Mit Resselorganen besetzt sind und bei Berührung brenneiiden Schmerz zufügen. Bor diesen R^selftiden ziehen sich auch Oktopusse mit groß er Achtung ,u- E Der EinsiedUiwkrebs begibt sich also zu einer solchen Adamsie ' -0^5 anf die Schale und kann nun ungestört sein ®mf 12^21 Je6en , fort setzen. Als Honorar für ihren Schutz erhält bie -^efte der Mahlzeiten, die der Einsiedlerkrebs F^mxX’ fte. vollkommen zufrieden ist, da sie selbst sich Eann während sie in Gemeinschaft mit dem aZ ° au %me?2 2tucfen schend, von diesem auf seiner Jaad nach Rahrung fortgetragen wird und fo ebenfalls auf ihre Kostet d. h. zu ihrer Rahrung kommt. ' ' ®ie kleine Geschichte vom Einsiedlerkrebs ist nur eine einzelne Episode aus dem noch viel zu wenig erforschten Leben am Meeres- gnati). "vH ein Blick m die Tiefen. Man hat. wie bereits Nagt wurde, die Meerestiefen ausgemesfen und durchschnittlich Abgründe von etwa 5000 Meter bemerkt. Die größte bisher a” Kni® nrUr^.Dft[l^ Philippinen mit 9780 Meter fest- gestellt. Beim Ausloten der Tiefen hat man in der amerikanischen Marckne neuerdings em neues Instrument mit glänzendem Ersista fMfXnh-k^f ® Dt r5n der Wasserlinie des Dermessungs- b ein Knallsignal abgegeben. Der Schall breitet sich auch tm Wasser nach allen Selten aus und der Schallstrahl wird vom : SSÄÄ ^ta^^rt>on •*"“ Felswand, zurückgeworfen, und X QfaU lm Wasier in der Sekunde 1500 Meter. Sat mkrtä4>k-^n^ffun9d,<6i,f "Stewart" hat im vorigen dieses Apparates, und zwar ohne Fahrtunter- ®i6ratorb9OoeFpr>?’a9en inT 2tt5-n,titoen Ozean von Rew Port bis MMe?s»stA-x?a?^^^,^gefuhrt. wobei Tiefen bis zu 6000 I tiefm JmtS^t mk^erbCn Ruch dort unten in den Meeres- täle? Ebenen steile Riffe und sanfte Wellen- iaier. PittorEe Schluchten, lauernde Dulkane, und schlammaefüllte ^cken und Duchten. And schließlich gibt es &“rt uX Sfee- SXXSuX ^behnung, deren Erforschung eine Auf- __„'®an hvt ferner die Wafsertemperatur am Meeresgrund ae- XitllF, r°°s .^ker Tiefe etwas über 2 Grad Wärme ge» Instrumenten hat man Wasserproben und AndXA^Ä%^Iflanzen heraufgeholt, um sie zu untersuchen, volle X5 dw!" submarine Forschung wert- ertrna^ill!^^ ^hallen über Meeresströmungen und über die ert^grelchM üstchgrunde der Ozeane, wobei erwähnt sei, daß dr« Shackleton-Erpedition entdeckte, daß die Gewässer des malmll^Ä^ f£> sind, daß man die Angeln nicht ein- mal mit Kodern zu versehen braucht. 5ie ^^^schung der Tiefsee ist noch eine junge Wissenschaft Schluckt^ d«nMenschen Erwehrt ist. selbst in die dunllen X^8uta?ch-n, weil die W-ifsersäule ihn erdrücken wu.de so hat er doch immerhin Oüethoden und Mittel ersonnen um auch diese Rätsel der Tiefe zu llären. «Monnen, Well5^.-A^ 5^,0irand oder auf der Meeresfahrt die hohen Wellenberge und Horen das brausende Arlied des O-eans Abe- unter der Wasseroberfläche ist von all den oben das Meer peitschen und in Aufruhr versehen 8“ spuren Stille und Rächt. Schweigm der Tieffee' biefcr Stille wissen wir atmendes Leben und geheimnisvolle Mwegung Ansere Aufgabe ist, ihr Rätsel zu losen und ihre Wunder zu finden. 8 Das wehrhafte Fräulein. Don Friedrich Freksa. (Fortsetzung.) vrn-M, 5® Rittmeisters trat ein Rot. das sich 5bra"n? ™affe wandelte. Er schloß einen Augenblick die Sxmrm X2x9'a& mit einer rauhen Stimme, aus der es wie Selbstbeherrschung zitterte, zur Antwort: „Ihr mögt das Werk imflisch nennen aber ich glaube nicht, daß der Hsrr- so große Macht einräumen mag Der ehrliche u'\ Ss[Ie 8u tun haben, es sei beim, er hatte Befehl. And ich vermein s Wohl, daß meine Reifer wenn ich sie auf eine Schwadron Teufel zur AttackXnsehw Ne Mr Hwchtmann Beeb.ebub sechst als Gefangenen einbringen wu den. And Sie können sicher fein. Pfarrhe-r. ohne gute Ranzion toer6«t"tm "icht wieder freigelassen , auf dem Schlosse ein fremder Kavalier?" fragte &er Rittmeister tu festem Soldatenton. ' 9 „OReint Ihr Sir Stuart Hamilton?" ,, ^>2« Rchatnis wandte sich zum Wachtmeister: „Es fügt sich alles gut Sir Stuart ist t das Fenster und sah müden Auges den Zi,g voi^istehen Dem Trompeter und Paukenschläger wurden drei Särge nachgetra-e rechte sich die Mannschaft des Fähnleins, die in GstenhAm und Lederkollern je drei und drei btg'e Die Gesichter den ORännw- wa- «m nicht zu ernennen. Hätten die Ros'e nicht geschnaubt und die Pferde nicht gestimtpft. fo hätten die Zuschauer denken können daß ein Zug von Schatten sich durch die Stadt beweae Spitze der Rationen marschterr. Man braucht nur an die Gazelle. Marine (1874) zu erinnern, fent^ an Plankton-Expedition der Preußischen Akademie der -Wissenschaften, an die Valdivia-Expedition und die Deutsche Süd- chchar-^pedition^Dieletzte große Anternehmung vor dem Krieg ?^bre 1911 die Deutsche antarkstsche Expedition. Da- neven haben verschiedene Schiffe unserer Oltarine wiederholt aus- geaetmte Weltreisen unternommen, um besondere Dermessungs- arbeiten auszufuhren. Am so schmerzlicher ist es, zu wissen, daß wir vorerst, vielleicht für längere Zeit, lediglich aus finanziellen L®8wungen find, die so erfolgreich begonnene Arbeit oet Meeresforschung zu unterbrechen, wenn nicht irgendwelche Stiftungen ihre Fortsetzung ermöglichen. Schriftleitung: Dr. Friedr Wilh. Lange. — Druck und Verlag her Brühl's-ben Aniv-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gieken. habt, denn es gift für mich, die Ehre des Hauses Herrenbruch zu wahren." ~ , , . , , Die Kussm ging die Treppe hinab. Jammer gähnte und folgte ihr nach Herr Josias blieb oben am Geländer der Treppe stehen. Die Russin stieß das Tvr auf. Als sie das Gesicht des ohnmächtigen Mannes erkannte, hob sie die Hände auf, wich zurück und rief ins Haus hinein: „Herr Josias, sie bringt uns den Rittmeister! Ihn hat die Seuche!" Der Pfarrherr fragte aus dem Hause von der Treppe herab: „Sie bringt uns die Seuche?" . Rief da trotzig Gottliebens Stimme herauf: „So Ihr uns fortweiset, Pfarrherr, so reite ich dahin, wo wir Tod oder Barm» Herzigkeit finden!" , „ „Kind!" schrie die Kuffin und hängte sich in die Zugel des Rosses. „Kind! Geh uns nicht dahin!" Dann wendete sie sich zur Pforte und rief in den Gang hinein: Herr Josias, helft! Sie will uns verlassen!" Herr Josias war die Treppe hinab gestiegen. Angst ergriff ihn, er könne Gottliebe verlieren. Darum sagte er: „Mag der Rittmeister bei uns liegen um Christi Barmherzigkeit willen. Aber tragt ihn in den alten Knechtsverschlag im Stalle. Mehr darf und mag ich nicht gewähren!" . Ohne ein Wort weiter zu sprechen, schwang sich das Fräulein vom Rost und umschlang den Leib des kranken Mannes. Schaudernd nur griff die Kuffin mit zu. Sie packte nur die Absätze der Reiterstiefel an, um ja nicht mit dem Kranken in Berührung zu kommen, so dast Gvttliebe fast allein die Last durch den Gang über den Hof in den Stall trug. Aus Stroh rüstete die Kuffin in dem Derschlag ein Soldatenbett, indes das Fräulein ins Haus eilte, um zu besorgen, was zur Hilfe not tat. Sie holte sich einen Stuhl, um neben dem Lager des Kranken zu wachen. Herr Josias brachte selbst Decken und Kissen herbei. Als aber alles endlich bereit war und der Kranke ruhte, fragte er zagend: „Wo hast du ihn gefunden, Kind?" Gottliebe seufzte auf. Jetzt, da getan war, was getan werden mußte, ward sie unsicher und begann klagend: „Ich mache Euch viel Rot und Angemach, lieber Herr Josias, aber lasset mir'Zeit, dann will ich Euch sagen, was mir alles geschehen in den letzten zwei Tagen." Sie setzte sich in den Stuhl zur Seite des Kranken. Hern Josias und die Kuffin standen im Stall neben den Pferden, weil ihnen der Pferdegeruch als Abwehrmittel gegen Krankheit und Seuche galt. Eine Stallaterne stand zu den Füßen des Stuhles und warf die Schatten des Lagers und des sitzenden Mädchens vergrößert an die graue, roh verkalkte.Wand. Gottliebe hatte die Ellenbogen an die Hüften gepreßt und die Hände breit auf die Knie gelegt. Den Racken hatte sie auf die Lehne geschoben und die Augen geschlossen. So glich sie mit den seltsam von unten nach oben geschobenen Schatten im Gesicht dem Bilde einer Toten. Schweiß war ihr nach all der Anstrengung aus die Stirn getreten, der in großen Perlen, langsam über die Wangen zu rinnen begann, als wären es Tränen. Der Kranke stöhnte. Sie schaute auf, beugte sich nieder und fühlte mit der Hand seine Stirn, die ein kühler Lappen bedeckte. Ein Pferd stampfte. Sie sah auf und gewahrte in der Tür die Köpfe der Kuffin und des Herrn Josias. Sie fühlte ihre erwartungsvollen Blicke. Da besann sie sich und begann zu erzählen: „Als ich vorgestern hinausritt, kam mir der Gedanke, es sei unziemlich, das mir vom Vater zugehörige Gut in der Hand feindlicher Menschen zu lassen. And ich beschloß, nach Fen- städe zu reiten und den herzoglichen Rat und Justitiarius, Herrn von Donop, über mein Recht zu befragen. Als ich den letzten Wald von Fenstäde hinauftrabte, kamen mir im Hohlwege zwei Reiter entgegen, auf dir ich nicht acht hatte. Schrie der eine plötzlich: „Ist ein Huf an Euerm Gaul locker!" Als ich absprang, um nachzusehen, hatte er gewendet. Plötzlich ergriff er mich am Kragen und rief: „Haben wir den Vogel endlich?" War es mein eigener Bruder, der mich gestellt hatte und mit dem blanken Schwert in der Hand mich zwang, mit ihm zu reiten. O, wie habe ich geflucht, daß ich nicht zu fechten vermochte! War und blieb wehrlos und mußte reiten, wohin sie es verlang-, ten, gegen Herrenbruch! Wir waren schon vor dem Tore, als ich sah, daß die Zugbrücke aufgezogen war, hielten zwei Reiter davor, die schwach und jämmerlich auf ihren Mähren hingen. Ries der eine: „Sagts dem Sir Stuart Hamilton, daß sein alter Kornett, Achatius von Söllern, krank vor dem Hause steht und für sich und seinen Waffengefährten um Anterkunft bittet, oder um geruhigen Tod." Klang bald darauf die hochmütige Stimme Sir Stuarts zurück: „Lassen die Seuche nicht ein, Achatius von Söllern. Jst'S nicht um meinetwillen, geschieht's ums ganze Haus." Fragt ich meinen Bruder: „Ist der Engelschmann Herr auf Herrenbruch, oder bist du's?" „Er hat recht!" sagte mein Bruder. „War unser Vorrecht bisher, Arme und Elende zu Bergenl" rief ich dawider. (Fortsetzung folgt.) Auf dem Friedhöfe waren drei Gräber in der Rahe der Mauer aufgeworfen, denn der Rittmeister halte verlangt, aus Soldaten- | toeife bis an die Gruben zu reiten. Sechs spanische Dublonen hatte er den Armen der Gemeinde sür diese Dergunuigung geschenkt. Auf dem Friedhof erwartete Herr Josias mit einem Ratmann der Stadt, einem Schreiber und zwei Bütteln den Zug Allein die Wächter der Stadt hatten keine Menge im Zaum zu halten, denn außer drei oder vier alten Weiblein waren vielleicht noch zwei Bürger anwesend. Der Himmel war licht geworden, eui lmch.er Wind ging durch die Aeste der vom Sturm entlaub.«,.Baume Es raschelte im toten Laub, als das Fähnlein sich im Halbkreise ou Roß um die Gräber versammelte. Herr Josias trat vor und wählte zum Text der Predigt den Spruch aus dem vierzehnten Kapitel des Jesaias: „And zu der Zeit, wenn dir der Herr Ruhe geben wird von deinem Jammer und Leid und von dem harten Dienst, darinnen du gewesen 6< fp wirst du ein solches Sprichwort suhren wider den König zu Babel. Wie ist es mit dem Treiben so gar aus und der Zins hat eut Ende? Der Herr hat die Rute der Gottlosen zerbrochen, die, Rute der Herrscher, welche die Völker schlug im (Summ ohne Aufhoren und mit Wüten herrschte über die Heiden und verfolgte ohne ,Barm Herzigkeit. Run ruhet doch alle Welt und ist stille und lauchzet srohllch.^ - T Josias fand schöne Worte von den Gewaltigen der Erde, deren am Ende ihrer Tage ein Stärkerer Herr wurde, der Als er geendet, ritt der Rittmeister Achatius bis an den Jfarr- hsrrn vor, grüßte ihn und sagte mit lauter Stimme: »^ch danke Euch, Herr Josias Rottner, im Ramen merrwr Kameraden für letztes Geleit und Zuspruch zur Ewigkeit. Danach wendete er sein Roß zog den Hut und rief mit Kvmmandvstimme M die Mitte des Halbkreises: „Kameraden, ihr seid beurlaubt vom Fähn- Rach^di^M^Worten wurden zum Erstaunen des Pfarr^rrn des Datsmannes und der anderen Bürger die Deckel der Sarge angenommen und siehe, sie waren leer. Aber in der Mitte des Halbkreises entstand eine Bewegung Drei Reiter wurden vom Pferde herabgelassen und nut angelegte Eisenhaube Lederkoller und mit umgeschnalltem Gewehr tn die Särge gebettet. Dann wurden die Deckel wieder aufgesetzt und die Schrägen langsam in die Gruben Versenkb Der Trompeter blies dazu einen fröhlichen Marsch, während oas üahnleia an der ^rom- pete mit dem goldgestickten kaiserlichen Wappen darauf leise und lustig vom Winde geschwellt ward. Sie Kesselpauke rollte, und die Reiter zoaen aus den Halftern ihre Radschlohprstolen. Auf einen Wink des Rittmeisters brach die Marschmeloou ab. „ »euer! kommandierte Herr Achatius. And dreimal nacheinander entluden sich auf seinen Befehl die Pistolen über den offenen Graoern. Danach steckten die Reiter die Pistolen wieder in die Halfter nahmen die Eisenhauben ab und sprachen ein Vaterunser. Alsdann warteten sie zu Pferde, bis die Schollen auf die Sarge gefallen und die Grabhügel gewölbt waren, ®iner hinter den andern gesetzt umritten sie dreimal das Grab, sprengten dann unter Trompetenklang und Paukenschlag zur Friedhvfstür hinaus um. - Herrn Josias wollte solcher Brauch fast heidnisch und lästerlich erscheinen. Er gedachte dem Fräulein Gottliebe zu erzählen, was alles vonstatten gegangen sei. Aber als er zu Hause angÄangt war, kam ihm die Kuffin mit Besorgnis entgegen, denn das Fräulein war vom nächtlichen Ritt noch nicht zurückgekehrt. Es ward Mittag und es ward Abend, und als das Dunkel hereinbrach, verhassten der Pfarrherr und seine Bedienerin beide, es müsse bald des Rößleins Hufschlag auf dem Pflaster klappern. Allein nichts ließ sich vernehmen, trotzdem der Regen aufgehort hatte und der Mond weiße Stille über die spitzen Giebel and die dunklen Gassen goß. _ , Stunde um Stunde verrann. Der Pfarrherr vermochte sich nicht von dem Tische zu trennen, an dem er wartend saß. Auch die Kuffin hatte sich ihm zugesellt und harrte ihm gegenüber stumm und starr Leide lag schlafend wie ein rötlicher Knäuel in ihrem Körbchen. Jammer, der Hund, schnarchte laut zu den Mßeii des Pfarrers, dem gemach vor Ermüdung die Lider zufielen. Am längsten widerstand die Kuffin dem Schlaf, aber endlich ließ auch sie den Kops auf den Arm sinken und schlief neben den Kerzen ein, die tiefer und tiefer brannten, bis sie bläulich zuckend verloschen. Da tat es einen starken Schlag gegen die Hauspforte. Herr Josias und die Kuffin erwachten. Morgenlicht schien durch die Fenster. Die Kuffin hastete auf und schaute hinab'. Sie gewahrte draußen im Dämmerschein zwei Pferde. Auf dem einen sah ein Reiter aufrecht, das andere aber trug eine Gestalt, die über den Bug hing. „Jesus Maria!" rief die Kuffin. „Was ist mit dem armen Käuzlein geschehen?" Erklang des Fräulein Gottliebens Stimme von der Straße herauf: „Am Gottes Barmherzigkeit willen. Kuffin, nehmt diesen Mann auf. Ich will ihn selbst pflegen, so wie Ihr mich gepflegt