) i Mchener jamiliendlätter Anzeiger Das PftngftWunder. Von Mathilde Dertalot-München. ' saftgrüne/^W^fen «und^e^ M'ngstfest, und über die weiten Mmgstfest emläutete“; OßSana ^9efn?7. blocken, die Ä und schritt Len schmalen Wen am 3^ar! "ertteh die Landstraße führte. Silbern glänzten die entlang, der ins Dorf älfern blühten Vergiszmeinnickr h^erÄ'®ei?>en und an den ?'»ter dem Walde und &i? :£metSn^T"/an3 Erglomm schleppendem Mantel über bi» f?,.xmeru"9 /chritt mit grauem schimmernde, sonnendurchflutet» «^e löschte all die lichte.' Sang Der Blick Ä ^lich fast menschenleer schon still und feier- noch unter der groben Linde vor der Mühl? Ämber gelten d°rn und FliedeS versteck^am^Endk' LZ'^n blühendem Rot- voll hingen die öuftenLn Dlü^r^ Dorfes. Schwär und ?*S LU Li und in die LLW &£Inen ®arte" trat er in vor k ^Sans SS Ackrtt^L^Duch S -»» OMfgmg D«rl „l® I •* Ää ÄJW -« ®< „aant geworden. Junge Sift hn f r T „Vist groß und schmuck ständlich nahm ir Le Drille^ab' ubrii^"'?^lieben?»^m- das spärliche Haar' und musterte Wolfgang San& ü5ei Organist an" der A°h?n Domkirch^""^ Wt 5U?ei Sa9en bin ich werden^Wahrhetts" 9'''' tou6te cß’ meine stolzesten Pläne nach der Heimat gepackt. Änd Lambin ich6e6n* Im£ä1“<Ä5‘4 » •*” ac,,"aen »*• päx »,-«»-Z-ssrsta V“*“ h«““ §■“ L'LL"d “ .--.-»d- SauMta auf. I 6ÖW urö tZ &SS X“J« -L Ä n*iSe• VöerU@epgi^nauA in?' toen^>’eSin£ dorrLnd^ K-Ä fb£LS-L 5*ÄÄÜ Ä s Äfc -L°»^- ^Ä’aÄtÄ^Ä» äs? L Ärä^Ä‘?=- ÄÄ Langst wären wi/ in den'Snims^^»achzustrebtn? Mur erstarrt und in deren Darattei^.im -5ormen « Ueber- und Änsittlichkeit untergeaanaenW'Ä Inhumanität Gemeinschaftsleben gesund n^r Cr 11 v* tn kleinen Kreisen Jrta unter ^^.wenn nicht immer Vahren Seins schöpfend m Ä5,01, die, aus dem Quell des Darrung, Dcrsuin-funq Bettlachuna'wi->d°^ drohenden Ersten, Menschlichen. 9’ E'la^ung wieder hm zum Einfachen, 3asLin"'°°Wir wchlen h”r »wollen von der «einen LLWr I >sssä Lx I ein übersvnnn.^^ -^ besinnen, wollen nicht dahinaehen 01 Trieben geschmeichelt wird, , Kummer 24 Pfingftbitte. O «d.teÄtl"’","» FF ’F& «t’?«,6”» - n* M. L Ä2Ä Ä, *Ä SSL Wir wollen »oStT W^^KK'^LL.'S w 3°hl fein. Ä ,L Dieser Ausfvruck d«r r c ’. Üttingen. I wollen von der kleinen ochaua zu ersticken droht. Wir IS L-ch° 4Ö"Ä, r<, nnA A. ^r EnÄcküng ch'Ä H^ ^WeU^'E^b^uach Z°^st°St Fnter^H znsammenhielt, erfüllt und 'u treuer Gemeinschaft | ^bomas Carlyle.) 3 9en toaut auf sie nieder." dem Glanze seines Wesens Herrlichkeit und toaTfio2111^6“1197 2ud 'ob i6rc@3aM m6,rfeiI,esS Todes und, was sie gesehen and erlebt ^ayt nur gering war das wattigen Macht in ^rde zu einer so9grotzLLL 3U verkünden und auch ihre Mitb>ü",d^>^- le blnerntried, es laut Wunder, Lessen sie selbst teilbnftia r>»^^'^^'ahen in das selige la nicht lassen, zu reden von dem \n^to25^ett' können es 6a&€n Obwohl sie Spott undtvlr gesehen und gehöri Verfolgung bis zum Martyrium btT^s"9’ 2lnfcin&ung und Pfmgsterlebnis lieh sie nickt s^m»-^ ?>» w-*»s LT Sä und sachverständig. Sa klug ^ar ^ch schE s Aähfaden durch heimlich vorgenommen, zu S«l<^me ^err Denn es eine hausgemachte, nagelneue Hanssch^r Heilige S M, »Ile ««■ «""LHV-N» w« ,u--'SÄ'ä L , M Langsam schritt Pjarret schimmernde Netze | S“« "THLLn -°.d-n-d° zündet Opfer an... q, «..» verhallt war, begann Wolf- I Als der letzte Lon des Liedes very i Hände griffen I aana Burk von neuem j>ie Register zu z Y , -.se unsterblichen 1 in die vergilbten Lasten der alten Org^ Melodien lösten I Weisen Johann Sebastian Bachs e r n verschlungene I sich aus in brausende Tone und gSn, iuMnto^fingft’ Variationen leiteten über »u der chz Pfingsten- welke' O du fröhliche, o, du jeiige, g freue dich, freue I »eit! ÄEt. unser Meister heiligt d ®^$eJcn Schallwellen gelehnt und Kuscht - 'Wa/war"das?"S° spielte nwmals^d« alte Kantor! War's ein Pfingstwunder was da gefti^ (&&u$ stieg das schlichten, alten Dorfkirche Engel auch einst an jener Bild seines Jungen vor ihm aus- Äantor ver° crlten Orgel Sassen und manchm d er schon besser ^esen. Tas wgr nun nun wirklich die Kruft in sch g M würde ihm mit leisten. Wenn er jetzt so spielte, er «um , ÄfiÖSfMUe Tf-rr« »». « ”” W» Junge, der da gespielt! <-lrnpr führte knarrte leise und Die alte HolMege die zur Orgd sie Svnnen- dann stand der Psarrherr vor Wolfgang w ^tlers, der x 'LLÄ £6k ** Wolfgang Burks. „ meich und bittend. I .Vater..." sagte er, und es klang wewy^ u Hände seines Da trat der Pfarrherr zu ihm und nahm e8 !tang Sohnes. „Junge. . .. mmn Junge^^s streichelnd über seltsam warm und froh. Sonnenfunken tanzten. den Kopf seines Sohnes um den S ■ T £I cin(m Friedhof nach ' »m®wSSrsl™ti« »rt .»«.« *> Zweifel und Freude und die ganze A gst.^ fk fi<6 auf Mutterherzens. Are Hand Merte leicht^^ h fickten erstaunt die Lehne eines Stuhlesstutzteu dH Ps^herrn. Was auf den grosten, hübschen Jungen ^unaen wieder aus- St geUMten. »«« >»- Xufi fi™ ««f M« d« gesöhnt? Lind sie dachte an all ihre Y v Studium zuruck- Dater immer nur erwidmt .Wenn er zu kehrt mag er kommen, sonst will wjrnch Augen hatte; und And nun...? Was derEmg-^rfroh^ Schein, auch über den «ugen des Pfarrhmrn g leise, als er 66 P.L * ***' s allen wäre. t „ Das durfte nimmer geschehen. q sznnmenvrall mit der Nicht lange und ein Glaskugel über dem Ehtifch geht d lustigen Augen schöner, feiner Mann mi: Bfonjw Ofcnbarf^uno M fann, stehl lachend im Türrahmen. And ehe « me^ ag fetnen| LLL Ä».FS'X w damZs noch-H^lle urf> ebx tgfegjÄÄÄ And als der Vetter §Eg Gesotteneschind Gevra^ sä?:®»“4 ,ln“3ua *■ I Ie"l,Unt>e’lDk »*« d«m Mr. tleirr ™^I? rindUltultevTagte Vaters Antwort war em stummer Seufz en unl) sieben §38 ’*■ * I Ehre!" beschwört derVetter. f t p^r Vater. I „Mit hundert Nlarklein kämm wieder, weil wir dann „And bis Martimtag hat est du dmn Geto wi w , Säue hätten zum Verka^n. M« M^vor^^ £Dften I Cßauct aar feilte EmnQynien. -2tur -zx ti « | Geld, und Zinsen sind auch wieder zu hoch und heilig 1 „Hör' mich an, Michel! g® wfe Sanit fotl auf der SttTtSS'S »eranterfolS » >" die «MHI bar an keine Wunder Ek)rgla > b ^em Schöpflöffel in die -um drittenmal m aller ^elmr uh- füllen da ist eine S * to Xm.fi “wÄ® ■Ärt.Sf'”.’ M‘ d" b-'- ®dl 1 ^r K*ÄS K? ÄÄ ®«w M “ 7. Detter Lügen strafte. allerlei MirakeM And wenn später oft die ReL« ging k8 der Bett« und niemand recht daran glauben wol^, da selbst aus I 1 — 95 - steckte. Aber trotzdem war eS eine weise, fürsorgliche Fügung, die für uns alle zum Guten ausschlug, besonders für den Detter, der heute noch baumfest an bas Mirakel glaubt und seitdem wie umgewanbelt ist. So ist's also doch ein richtiges Pfingstwunder. Beethoven und das Liebespaar. Novelle von Wilhelm Schafer*). Obwohl Ludwig van Beethoven in seiner ersten Wiener Zeit noch wenig von der Huldigung erfuhr, die wir ihm dankbar und staunend widmen würden, wenn er noch lebte, war er von der Bedeutung seiner Kunst doch schon erfüllt, und manches wird von der Heftigkeit berichtet, wenn einer ihm darin zuwider war. Besonders als er selber — noch im Besitz des äußeren Gehörs — in vornehmen Häusern abends am Klavier sich Horen heu in gleichsam in einem unverbrüchlichen ya veantw ortet. Aber wie die beiden Stimmen sich vereinigten, nicht zu Zwiegesang, sondern zur klaren Einstimmigkeit, die mit Oktaven in groben Gängen ihren Hubel in jene Wehmut hüllt, darin das höchste Glück aller menschlichen Bereinigung stets in Todesnähe geführt wird: da waren die jungen Menschen in der Tür nicht mehr die Sinnbilder der Musik, da war Beethoven mit seinen zuckenden Händen, mit der innigen Gewalt seiner Töne nur noch der Musikant, der ihren Herzen horchend das Geheimnis ihrer groben Liebe sang, so daß der wundervolle Ding des Lebens, der in der Kunst behütet liegt, hier einmal ganz geschlosien war, indem die Wirkung der Musik gleichsam zu ihrem Ursprung zurückkehrte: aus den Herzen Lieser Liebenden in den Spieler, und aus seiner Seele, wie in einem dunsten See gestärt, hell zu ihnen zurückfliebmd. Sie hatten bis zu dieser Stunde noch kein Wort der Liebe zueinander gesprochen und sie standen auch jetzt noch mit abge- w an dien Blicken gegeneinander da: doch waren ihre Seelen im süben Strom von diesen Tönen inniger vereint, als sie es Mmrls wieder werden konnten. Als darum nach dem stitlen Ausklang Ms freche Dondo einsetzte, darin die Kraft der Synkopen und die süßen Triller des Adagios im Aebermut zum Teufel geworfen und mit Armen und Beinen ein Tanz der Ausgelassenheit begonnen wurde: da faßte den jungen Menschen, der trotz aller ge= nvsfenen Sicherheit der Liebe noch die Hindernisse zwischen sich und seiner Geliebten sah, eine heftige Angst, dab im Trubel dieses ausgelassenen Töne alles wieder versinken könnte wie ein erträumtes Luftschlvb. Er hielt zwar noch den Pfeiler umfaßt und fester noch als vorher, aber nur, um nicht die Hariri nach ihr auszustrecken und schluchzend in Sehnsucht und Erlösung vor ihr hinzusinken. Auch lieb er alle Dorsicht fahren und begann die Augen fest auf sie gerichtet, mit heißen Flusterworten auf sie einzusprechen; indessen sich die Klänge, die so stark in ihren Seelen gewesen waren, von ihnen entfernten wie eine gleichgültige ^anz- Sie gab ihm keine Antwort, stand nur noch immtzr wie von Seligkeit der Töne im Adagio beschüttet da und nahm die Hub« digung und das Geständnis dieser heiben, lungmannlichen Seele und die trotzige Kraft darin in einer traumhaften Erhöhung allen Gefühle hin. So daß, als nach dem langen Crescendo wo MS tiefe D im Baß wie der sichere Ernst einer nur außerDch noch scherzenden Seele liegen bleibt und nach einigen Oktavengangen immer wieder fast störend in den Tanz hinein ein C gerufen Mrd als eine letzte, fast fchon überflüssige Frage die sich Mnn wieder mit einer Art von Kopfschutteln über das Cis hinauf ganz in den Llebermut des Rondos hineinwirft um rm selben Augen- blick zu stocken, gleichsam sich im Danz der süßen Melodie erinnernd: so daß an dieser Stelle die beiden Llebenden von alle« Besinnung verlasien dastanden und in die Pausen zweimal hinein die heißen Flüsterworte des Zünglings allen vernehmlich Rangen. Keinen so verletzend wie den blaffen Spieler, der beim ersten Mal aufzuckend noch seine Beherrschung wiederfand, beim zweiten Mal jedoch, wo mit dem langen Triller im Baß das wlle Presto einseheii muß — auch wohl aus der Erregung seiner Musik mit beiden Fäusten furchtbar in das Klavier hmelnhieb^emen Augenblick kopfschüttelnd wie ein irrsinniger mit offenen Munde dafaß dann auffprang und mitten tn die festlichen Räume, M das schöne Kerzenlicht, in die erschrockene Stille der andern und in die traumhaft verzerrten Gesichter der beiden ^ut und mit dem fremden Klang seiner rheinischen Stimme, wütend hineinschrie. „Für solche Schweine spiele ich nicht! Niemals, solange die weiß und golden gestrichenen Wände dieses Hauses und die zart geblümten Möbel dastanden,vmrein ! solches Wort hineingefallen. Nun blieb es wie em von der Straße durch die splitternden Scheiben geworfener Otein da lugen, bis alles durcheinander rannte, ihn aufzuheMn. Noch immer ßanöert \ die beiden Liebenden in ihrer Tür aus dm Fülle ihrerDereiNi auna graufam aufgeschreckt und aller Verhüllung der Music beraubt wie nackt inmitten peinlich verlegener und hämischer Ge° | ^^Aber wenn bisher nur der hitzige Kaufmannssohn zu der I kühlen und schweigsamen Grafentochter gesprochen hatte, und wenn nun einen Augenblick lang schien, als ob er wie em schlecht I erzogener Eindringliing in der durch ihn so pmnltch Störten^vor- I nehmen Gesellschaft dastehen sollte: nun endlich fan& aug) )te oae I Menschenwort zu solcher Kunst in ihrem Herzen, Mwohl die Herr- | tidven Lippen noch immer geschlossen blieben und nur m ihren Kblaum Lgen das Licht von allen Kerzen im Saäl auf einmal I hm feite. Erst schien es, als ob sie zuimend vor den tückischen I nrhtfiEer hin treten wollte, gleich aber hemmte sie den Schritt und wandte sich rückblickend und beide Hände nach iBrem Partner zu. Der griff sie frei und kühn; und wahrend die- ienwen auf sprangen die noch gesessen hatten, und alle andern rm | Dann dieser seltsamen Handlung regungslos dastanden, gingen die I Liebenden vor aller Augen einfach und sicher umschlungen, stillen I gend das Haus verließ, das er nach diesem Abend nicht mehr betrat, so oft und eindringlich er auch von vielvermogenden Freun- I den darum gebeten wurde. Als nach einigen Wochen Magert Kampfes die öffentliche Verlobung der beiden preisgegeben wurde, 1 sandte er den ersten Druck der sechzehnten Sonate mit einer Wiü- freien Fantasien. . ., So war er mehrmals in einem adligen Haus geladen, wo ihn I die Tochter sehr verehrte, und weil er wußte, daß sie sein Spiel j verstand tote wenige, obwohl sie menschlich zu ihm in schöner I Kühle blieb so dachte er sie eines Abends zu überraschen, indem er vor einer größeren Gesellschaft in ihrem väterlichen Hause unvermutet statt einer freien Fantasie die fertige Sonate Nummer | sechzehn spielte. Jenes sonderbare Stück, das mit einer Akt von I Gelächter auf dem hohen G Beginnt und — über eine Oktave gleich einer Treppe in den Zirkus hinunterlaufend — ein kräftiges I Spiel der Synkopen vorführt, wie wenn statt der eleganten Dressur ! der hohen Schule ein tollkühner Reiter auf einmal die Miturkraft eines ungezähmten Hengstes bändigte, so daß die wilden Seitensprünge, statt die Musik zu stören, ihr eigentlicher und für die Zuhörer unerhörter Inhalt würden. , _ , „ I Nun aber war zum gleichen Abend ein junger Kaufmanns- I sohn geladen, der die Tochter des Hauses im geheimen und I weil sie eine Gräfin, er nur ein Bürger war — ohne Hoffnung I verehrte. Gin trotziger und feiner Mensch, der vor &er großen Devolution in Frankreich gewesen war und durch die schlimmsten I Greuel in der Hauptstadt ausgehalten hatte. Er war wie alle I guten Deutschen jener Zeit angeblasen vom Sturmwind Mr I Menschenrechte und ging mit seiner Gesinnung ui aöien &er rante» I vollen Thugutzeiten nicht unbehindert herum Durch die Bemu- Bungen einer freigcfinnfen Tante war er zum Abens geladen worden f mit seiner Tracht und Haltung der gezierten Gesellschaft zum I Teil eine unangenehme Erscheinung, so daß er felber^rlegen und trotzig wurde, äußerlich noch die emgelernteii Redeformen uns ! Verbeugungen mitmachte, durch die Haltung MS geschorenen I Nackens und den ungehinderten Blick seiner hellbraunen Augen I aber deutlich seine Auflehnung verriet. So daß ihn wiederum der Fürst Lichnowski. der als berühmter Gönner des jungen Komponisten auch zugegen war der gutgesinnten Tante als das le- I benbiqe Sinnbild der Beethovenschen Musik scherzhaft bezeichnen I konnte die aus den Hahdnschen und Mozartschen Fonnen genau I sv trotzig tote dieser junge Mensch ihr menschliches Gericht erhöbe. Wie nun ins schimmernde Kerzenlicht, in das raufende Ge- I knister der seidenen Gewänder und in die lispelnden Schere oep alten Herren auf einmal — nach einer winkend ^gestellten Stllle — das trotzig-helle Gelächter der Sonate in die hämmernden Akkorde hinunterlief, um dann mit den gewohnten Cäufen Mr Salonmusik einen wilden Wirbeltanz auszufuhren, der immer wieder durch die Querfchläge der Synkopen gebändigt wurde, da verschwand das eingelernte fuße Lächeln der Hingebung an di Musik nacheinander von den Gesichtern. Z^n jungen Eolsichmied aber, der vor Erregung zitterte und Maß wurde, überkam es. ] tote toerni er selber auf einmal in diese zierlichen Gesilffchafts- räume hinein von seinen trotzigen Gedanken laut zu fh>-echen be- gänne. So überraschend war diese Gewalt für ihn, der ats dahin selten Musik gehört und sie als Spielerei fast verachtet, hatte, daß er zurückgelehnt an einen Türpfeiler mit beiden Händen das lackierte Holz umspannte und wie der angeschmieüete Prometheus, nur aufgerichtet, unvermutet manchem der Gaste zu der trotzigen Musik ein trotziges Schauspiel gab. Wie dann endlich, aufatmend nach den starken Schlagen, das Adagio im Zauberspiel der Triller den Drang der Jugend noch einmal wiederholte und aufseiner MelMie nur eine ^zige fuße Bitte hinzutragen schien: da trat die schone Tochter des Haüsis, gleich überwältigt von der künstlerischen und menschlichen Betve- gun? dieses Ereignisses, vor aller Augen frei zu Mm jungen Menschm bin So daß sie - an Mn andern Pfeiler der Tür geahnt nur in gelasfener Schönheit aufgerichtet und fast ein toemg Mtnütig Mr trotzigen Musik zugeneigt - für. diejenigen, Me nn Nebensaal Mn Tönen lauschten, mit dem Jüngling ein Wäcktervaar zu Mm Daum darstellte, darin, von Mn Kerzen grell beleuchtet, Beethoven alle miteinander die Lebensgewalt seiner «ÄtÄÄ** «•*■" '«7.°-" ps im Diskant Beginnt und wie der aufsteigen- aleicb ihm von C zu D ansteigend, nur daß er Mts unsichere! Dmckenwerk Mr Fragen zweimal mit einem lang anhaltenden G •) Dem von Ernst Lissau er geschickt as'sgetoäl'lten Sammel- band Geschichten von M u s i k un d Mu siker n des Ber lages 3. Gngelhorn Nachf. entnommen. — 96 — mung der jungen Gräfin zu. Sie bewahrte den Druck als etn sehr teures Heiligtum! doch lehnte sie die Widmung ab in einem Dries, der noch nach seinem Tode bei den Papieren des Meisters gefunden wurde, später aber auf unerklärliche Weise verloren ging. So ist der Wortlaut uns nicht mehr erhalten, jedoch der Sinn und Inhalt, der nach den Berichten eine in klaren Worten gefaßte Mahnung gewesen ist: daß auch die größte Kmrst des größten Meisters nur eine Dienerin des Lebens sei, aus dessen ewigen Tiefe.: ihre Sterne einen Trost herleuchten dürften in einem demütig geborgten, nicht im eigenen Licht. • Ob dieser Brief ihm auch zum Aergernis geworden ist, hat nie jemand erfahren: doch will man wissen, daß die fünf Sonaten! die mit der sechzehnten beginnend ganz ohne Widmung erschienen find, während alle früheren seinen Freunden und Freundinnen namentlich gewidmet wareir, heimlich den Damen jener Grafentvchter tragen, deren schönste Musik er einmal spielen durfte. Des Helden Kampf mit dem ZchMsal. Don Hans F. K. G ü n t h e r*). Es ist seltsam bestellt mit dem Schicksal des Helden. Begreifen wir seine Schicksalsschau, so begreifen wir ihn und seine ganze Welt. Ws er die Fünfte Symphonie schrieb, die einer der tiefsten Blicke ins Heldische ist, sprach Beethoven über das Hauptthema des ersten Satzes: „So klopft das Schicksal an die Pforte." Er hatte schon einmal in der Dritten Symphonie, der Eroika, den Helden gekündet, und damals hatte es zuversichtlicher geklungen: „Ich will dem Schicksal in den Aachen greifen!“ Unb fürwahr, die Fünfte Symphonie spricht von düsterer Erkenntnis, dunkler als die Dritte. Der Held und fein Schicksal hatten sich brennender Aug in Auge geblickt. ! Wir haben gesagt: der Held ergreift sein Schicksal als eine Aufgabe, seine Aufgabe. Seine Liebe, fein Haß, seine Verantwortung, feine Einfamkeit — alles versteht er als Fragen des Schicksals nach seinem Wert als Mann und Held. „Zu wollen diesen Kreuzestod, zu wollen diese Fleischesnot, zu wollen diese Seelenqual, erst das stellt dich zur Königswahl!" (Ibsen, Brand.) Der Held ergreift sein Leben als Seine Aufgabe. Der Löwe seines Schicksals sprang ihm in den Weg, und schon ringt er Brust an Brust, greift ihm in den Aachen und möcht ihn doch zugleich inbrünstig umfassen, seinen Feind, seinen Freund — unerbittlich gegen unerbittlich ringen sie, keuchen sie und jauchzten doch gerne des ebenbürtigen Kampfes — des Kampfes, der in der ungeheuren Einsamkeit wie in einer Wüste gekämpft wird. Der Held liebt sein Schicksal, am stolzesten dann, wenn es ihn zermalmen will, denn es ist seines und er spürt, wie eS' den Kampf ernst nimmt. Schicksalsgläubig ist der Held, weil er sein Schicksal unerbittlich will, der Unerbittliche. Freier Wille — uv^eier Wille, so lautet des Helden Frage kaum. Wie sollte der Gläubige fragen, der Schicksalsgewisse? Weil er in den Anfängen steht, weiß er, daß die zwölf Werke des Helden sein ganzes Tagwerk und seine ganze Kraft verlangen. Darum will er getreu fein bis in den Tod. Weil es zu ihm gehörst, sich selber treu und stets der Gleiche zu fein, weiß er, daß auch 'fein unerbittliches Schicksal das gleiche bleiben wird — das ist heldische Erkenntnis. Es ist ein Spruch des Ritters, den er oft bedenken mutz: Ich gang zu der Tür aus oder ein, so steht der Tod und wartet mein. Er hat den Grimmen erlebt, der alle schlägt mit der Knochenfaust, daß sie umbrechen mitten im Leben. Er weih, daß der Tod hinter allen Türen steht und tourtet; und wo sie einen, hintoegtragen, da muh der Held am meisten sich erhärten: in ihm schlägt ein liebendes Herz. Er freut sich des Daseins ami höchsten, der Lebendige. Aber der Tod gibt feiner Freude den glutvollen Kelch, den er kosten will, auf daß er alles wisse. Dann begreift er im Angesicht des Todes das Lebendige und spürt, wie er vom mächtigen Strom des Geschehens getrunken habe. — So geschieht ihm in der Mitte seines Lebens, daß er der Wissende ward, der gerüstet steht. Fortan lebt er lebendiger wissend und sein Frohmut ist auf einmal dunkler geworden. Er bleibt der Schicksalsgläubige: die rinnende Sanduhr kümmert ihn kaum. Er mutz es glauben: sein Schicksal wird ihm seinen Tod bringen, und ist er getreu geblieben, wie Beethoven bis in den Tod, so ist ihm zugelegt die Krone des Lebens, ein Tod, der Sein Tod sei — so mag er vollenden wie Beethoven, dem ein Gewitter getobt hat, dah er die Faust noch ballen durfte im Sterben. *) Die obigen Ausführungen des durch feine Deutsche Aassenkunde weithin bekannt gewordenen Verfassers entnehmen wir mit Erlaubnis des Verlags I. F. Lehmann in München der eben erschienenen zweiten Auflage seines Werkes Ritter, Tod und Teufel. Der heldische Gedanke. (Preis geh. 3 QRt., gebb. 4,50 Mk.) Der Rest ist Schweigen! Bedarf es der Worte noch? Dur der Held weih vom Schicksal — das ist der Stotz, der ihn rüstet. Seht sie an, die nordischen Männer mit dem hellblonden Haar, von denen die 2sländersagas berichten! Auf ihrer unerbittlich kargen Insel, deren Landschaft selbst ein Sinnbild des Schicksals ist, haben sie ein heldisches Leben, haben fie kraft ihres reinen, nordischen Bluts eine hohe Gesittung in die Wirklichkeit geschaffen, vor der wir verstummen müssen. Sie waren schicksalsgläubig und verschwenderisch kühn, sie haben Winland entdeckt, das man später Amerika genannt hat, sie haben in ihren Wikingschiffen die kühnsten Fahrten gewagt, haben zu Hause das Beste, der Edda gedichtet, haben einen adligen Bauernstaat begründet und durch heldische Gesetze erhalten, haben es dahingebracht, daß jeder Einzelne Und auch die Frauen ihres Stammes sich eingefchworen fühlten auf ein verschwendend kühnes Heldentum. Sie haben ihr Dasein als ein Schicksal ergriffen, Männer und Frauen, Mütter und Söhne. Aus dem Schicksalsgedanken allein kann heldisches Beben stammen. Verschlungen sind im Schicksal des Helden die beiden Dinge: das Geschehen der Welt draußen, der Welt, die tausendfältig auf den Menschen eindringt, ihn zu vernichten, und der Will» zu einem festen Wachstum, der drinnen im Helden sich auf» stemmt und lebt. Der Held will sich selber treu sein und stets der Gleiche in jedem Geschick: so hat er einen Kamps aufzunehmen, täglich und mächtiger von Tag zu Tag, den Kampf um sich selbst und für sich selbst, einen Kampf gleichsam auf, zwei Schlachtfeldern, deren eines in der eigenen Brust liegt, wo es um des Helden Sittlichkeit geht, und das andere draußen in der Welt und Wirklichkeit, wo es ihm darum geht, datz er das Tüchtige, um das er in sich gerungen hat, jetzt unverzagt hineinwirke in das Leben seines Volkes. — 3m Schicksal des Helden sind verschlungen: sein Wesen, das er ewig will, und die tausendfältige Macht der Zeit, in die er hineingeboren ist. Run soll er feine Sendung wissen, nun soll er aus der Brandung der Zeit den einen klaren Ruf heraushören, der ihm die Sehne strafft, den Auf, der ihn aus seinem tiefsten Schlaf wecken muß, daß er aufbricht, noch in der Rächt, und plötzlich weiß, wohin. So wird ihm Bestätigung. So haben die alten Zeiten ihr Schicksal gelebt. Darum glänzen die Taten unserer Väter alle. Aus einer vergangenen Zeit stammt dieses Lied einer Mutter, das ein Volkslied wurde und uns von der Daseinsgröße der früheren Zeiten zeugt: 3k hev fe nich up de Scholen gebracht, ik hev nich einmal över fe gelacht, fe gaent nich spelen up der ©traten, ik hev fe up de wilde See gefant, er en levesten Dader to söken. Dat Eine starf den bittern Dood, bat Ander starf von Hunger so groot, dat Drüdde worde gehangen, bat Derbe blef up be wilbe See boot, bat Difte flöt achter dem Lande. Dieses düstere Lied und seine düstere Weise können geradezu als ein Beleg dafür gelten, baß eine vergangene Zeit ein Schicksal in sich und über sich empfunden hak. Das Schicksalsgefühl dieses Liedes, diese harte Erfahrung der Menschen, eine llnerbittlid> feit in sich zu tragen und Unerbittlichem täglich entgegenzu- stehen, ist unserer Zeit verloren gegangen. — Es versteht sich, datz einzelne Menschen auch in unserer Zeit ihr Leben als ein Schicksal erfahren, es versteht sich, daß heldisches Leben einzelner Menschen auch heute möglich ist, aber Schicksalserfahrung und Heldentum als gestaltende Mächte einer ganzen Kultur, einer ganzen Gesittungseinheit — so etwas ist heute unmöglich. Heldentum, gleichstrebend mit feiner Zeit, war e mal möglich, es ist heute unmöglich geworden. Gar nicht denkbar ist es, datz ein solches Lied, das aus düsterem Schicksal gestaltet wurde, datz solch ein Lied als ein Ausdruck übereinzelnen Empfindens, als eine gemeinsame Daseinserfahrung, von einem ganzen Stamm als Volkslied ausgenommen würde. Insofern ist ein solches Sieb unb sind noch viele Dolkslieder der Beleg für die Schicksalsgewitzheit früherer Zeiten, die noch von heldischem Leben wußten. Man muh genau scheiden fernen: einzelnes Heldentum haben wir im Weltkrieg tausendfach herrlich erfahren, aber der Zeitgeist wars nicht, der die Helden schuf. Es war ein Geist alter Zeiten, ein Geist, der Männerkampf, Mehrung des Aeichs, Mannentreue, heldischen Hatz und alte Aache am Erbfeind in sich hatte, es war ein Ausbruch, über den alle Zeitechten so erstaunt waren, daß sie bald anfingenj, von Völkerversöhnung zu reden und den Helden als etwas „Unzivilisiertes" verdächtigten, als etwas, das unserer „fortgeschrittenen Kultur" nicht mehr würdig sei. Männer gibt es Wohl noch, aber der Zeitgeist ist weibisch — darauf allein kommt es in dieser Betrachtung an. Schicksalsgefühl ist ein Ausdruck heldischer Zeit, ein kennzeichnender Ausdruck unserer Zeit ist die Lebensversicherung. Unserer Zeit bleibt alle Bedeutung des Todes ein verschlossenes Tor. Schriftleitunq: Dr. Friedr Wilh. Lange. — Druck und Verlag der Brübl'schen Univ.-Buch- unb Steindruckerei. A. Lange, Gießen.