Eichener Hamilienblätter UnterhattungsbeNage zum Gießener Anzeiger Jahrgang (92^ Samstag, den 6. September Nummer 37 Am ■■■■! um । »———— i ui! ■ririw i Herbst. Von HermannLSnS. Heber die Heide der Ostwind zieht, Die Kiefern rauschen leise, Die Goldammer singt ihr blasierte- Lied, Die alte, gleichgiltige Weise; Der Frühling ist tot, die Blumen sind krank, Verstummt ist der lustige Finkengesang, Bur die Ammer noch singt voller Traurigkeit: „Mein Best ist so weit, so weit!" Don meiner Brust ein Seufzer weicht: Wozu der Kampf und die Sünde? Hab' nie den Saum des Glückes erreicht, Ich glaube nicht, daß ich es finde; Mein Lebenskahn ist lange zerschellt, Mein Leib ist müde und weit ist die Welt, Der Tag ist kurz und so schnell die Zeit, 'Und mein Glück liegt so weit, so weit. Blühende Heide. Von Hermann Lons. Selten wird inan eine Skizze finden, in der Hermann Wns, der Mann mit den vielen Gesichten, so bekenntnis- reich aus seinem Freundschaftsleben erzählt. Diese bisher unveröffentlichte Skizze, die er seinem toten Freunde, Dr. V ah land-Osterwald gewidmet hat, zeigt treulich- entäußernd, wie tief, wie erschütternd-verhängnisvoll tief der Dichter aus Zwang neben den Frauen die Freunde geliebt hat. So ist Hermann Löns, nicht der gefeierte Dichter, sondern der schon früh zertretene Mensch, der hier spricht, ohne zu wissen, an wen. Es ist der Hermann Löns, der Tag für Tag, Jahr für Jahr um ein ganz kleines bischen Liebe bettelt, der sie nicht findet, immer wieder herzlos abgewiesen. Es ist Hermann Löns, einer Blume gleich, von Kräutern zerdrückt. Die alle nicht wissen, daß er ein anderer ist als sie. Gr ist der verspottete Herm. Löns. Sie kennen ihn nicht, und weil sie ihn nicht kennen, wollen sie ihn nicht, Und uns bleibt es nun, wo er tot ist, ihn als unfern Freund zu verehren, zu lieben. Grausamer Spott des Geschickes! Schauriger Hohn auf das Leid eines Mannes, der seine Dichtungen unter Weinkrämpfen zustande bringt, sich selber belügend, der in der Heide angeblich Trost hat, und zuletzt nichts anderes als seine logische, vorgezeichnete Bestimmung sieht, „es ist ja doch alles umsonst Mein Schauen: ein rosiges Meer sättigt es; — mein Horchen: zahlreicher Stimmchen Gesang schmeichelt ihm; — mein Einatmen: Hvnigduft macht es zur Wonne. Die Heide blüht. Ein rosiges Meer brandet vor meinen Blicken, die verschwimmend, ohne festes Ziel, darin Untertauchen. Es summt und säuselt um mich, wie ein Sturm im Elfenreiche: unzähliger Dienen Singsang lullt das Horchen ein zu achtlosem Halbschlaf, unzähliger Kelche Hvnigduft, so leicht, so zart, so vornehm aufdringlich, kost die Aervek. . Kein lauter Dvgelschrei, kein herber Duft, keine harte Farbe stört meinen Sinn; mild ist das Rosenrot der Heide, zartpurpurn vor meinen Äugen, mattrosig weiterhin, rötlichbraun in der Ferne, ewig gleich in seiner leisen Gröhe, der Immen Chvr- gesang, unauffällig der ruhige Honigduft der Blüten: Milliarden gleicher Farbenpunkte, übereinstimmender Laute, verschwisterter Düfte geben eine große, ruhige, beruhigende Stimmung. Blühende Heide beruhigt. Komme mit Verven, zitternd wie zarte Halme im Winde, in das blühende Heidefeld, flüchtet müde Ohren, abgehetzte Augen in den Frieden der Heideröte, trage dein zuckendes, gequältes Herz in der Heide blühende Unendlichkeit Herz und Sinne, Fühlen und Denken werden gekühlt, erquickt, Blühende Heide macht gut. Wenn dein Zorn lodert ob Vieder- tracht und Gemeinheit, wenn dein Herz hart geworden ist im Lebenskämpfe, wenn Falten des Menschenekels deine Lippen umkriechen, ... flüchte zur Heide, sie lehrt dich vergasen ntetere T<Ä und klein« Gesinnung, sie glättet deine» Herzen» harte Rind« und erlöst deinen Mund von dem bitteren Zug». Wit grauer Seele, eisigem Herzen, kalten Augen, Todeinsamkeit in mir, fuhr ich hinaus: das Blütengewimmel der Heide, das Summen ihrer Immen, ihrer Rosenkelche süßer Duft verjagten Kälte, Härte und Einsamkeit. Die Heide lehrte mich das Leben verstehen. Hier vor mir, auf gelbem Sande und vckerigem Boden, drängt sich Sträuchlein bei Sträuchlein, Zweig an Zweig, Aestchen neben Äestchen zum Sonnenlicht. Wie schwach die dunkelen Stämmchen auch sind, die braungelben Aeste, die grünen, vierkantig geblätterten Zweiglein, die rosigen Glockenrispen — sie kämpfen um Platz, sie kämpfen um Luft und Licht, sie kämpfen, wie Menschen kämpfen. Keine sorgsame Hand gab ihnen ein Plätzchen, sorgte für Spielraum, grenzte sie ab von den Genossen. — Hier sprießten sie dicht beieinander, karg ist ihnen Boden und.Luft bemeffen, kümmerlich krüppeln sie sich hoch mit verkrüppelten Aesten, bleichsüchtigen Blüten, bräunlichem Laube. Weiterhin hat der Zufall wenige Körner aus großen Raum gesät, reichlich jedem Platz geschenkt für Wurzeln und Gezweig; schlank und straff stehen die Stämme empor, stattlich recken sich die langen Aeste, vollblütig prangen die Rispen in reicher Röte. Dicht gesät oder dünn gepflanzt werden Blumen und. Menschen. Das ist die Moral der Heide. Kann die Krüppelheide für ihre Mistform, für ihre Hählichkeit? Ist der Mensch schuld an der Häßlichkeit der Seele, an der Verkümmerung seines Gemütes, wenn Tausende dicht neben ihm seiner Seele Blühen hindern? Auch die Krüppelheide hat ihre Schönheit. Auch im Herzen des Herdenmenschen gibt es versteckte Blumen. „Vieles, das man mit Füßen tritt, ist so schön und ist so lieb." Im Herzen der armseligsten Dirne eine keusche Stelle, in des rohesten Mannes Brust eine zarte Empfindung ... bleiche Blüten an Krüppelästen. , Sv übersetze ich deine Worte, mein Fritz, mein letzter Freund. Die unendliche, braune Heide, in die wir uns alle einst flüchten, hat dich ausgenommen, das unabsehbare Moor der .Unendlichkeit, das alles, alles, alles gleich macht, hochstämmige Föhren, kranke Kusseln, sturen, trotzigen Machangel, zartes, schmiegsames Wollgras, rosige glühende Heide und trockene Flechten. Du saßest, die Füste in tauüberperlter Heide, auf taubeperlten Tvrfhausen, ein Heidezweiglein in der großen, langfingrigen, haarigen Hand; lange schauten deine blauen, klaren Augen auf die winzigen, grünen Blättchen, auf die seidigen, rosigen Dlütcyen, und dann sprach die tiefversteckte Poesie deines Härte heuchelnden Herzens das große, schöne Wort. Unbewußt, geträumt, sprachst du es, es brach die Sonne aus deiner Seele Vebelkühle. Scheu sahst du dann empor zu mir, fürchtend des oft bespöttelten Poe leg Ironie Mein lieber Junge, ich wußte, daß hinter deinen harten Worten ein weiches Herz zuckte, ich hatte längst verstanden, daß du mit Kälte deiner Seele Wärme verhüllst, lange wußte ich das. Sonst hätte ich niemals alle Schubladen meiner Seele vor dir aufgezogen, nie in deinem Beisein herumgekramt in wertvolles Schätzen und unnützem Plunder, in lieben Andenken und dummen Erinnerungen. , Wie kam es, daß wir so spät, fast zu spät einander lieb gewannen? Wir sahen nebeneinander auf der Schulbank! Du der Philister in Anzug und Gebaren, glatt gescheitelt, gemessen, wie ein Alter ... ich ganz das Gegenteil, immer zu jedem Unfinn bereit, zu jeder Dummheit da ... einer des anderen stiller Spott. Als das einzig Gemeinsame, die Schulbank, uns nicht mehr verband, vergaßen wir einander, jahrelang, wußten nichts einer vom andern. Wenn wir uns trafen, zwischen zwei Semestern zur Ferienzeit, kühle Grütze im Vorbeigehen. Mur einmal in dieser langen Zeit hörte ich von dir etwas, das ein Steinchen in den ruhiges Spiegel meiner Gleichgültigkeit für dich warf. Bei einer mörderischen Pistolenmensur durchschlug dir im elften Gange — es war auf Kampfunfähigkeit gefordert, auch dein Gegner mutzte heimgetragen werden — die Kugel beide Kniekehlen. Als man dich vom Wagen in das Haus trug, liesst du deiner Mutter zu: „Mutter, sei nicht böse, daß ich die beste Hose anzvg!" und dann warst du ohnmächtig. Im Schwinden des Bewußtseins, unter quälenden Schmerzen, ein lustiges Wort, um die Mutter zu beruhigen ... das ist männliche Art. Dieses Wort brachte dir mein Herz nahe, aber das Leben trennte uns. Dann, nach Jahren, eines Vachts, ein Wiedersehen auf dem Dadchvse. .Wo komm» Z*i her?" - „Ich wohne hier: und du? Vormittagsstunden die von Amerika herüberkvmmenden Funkwellen an Intensität stark abnehmen und an einem bestimmten Zeitpunkte die Hörbarkeit g a n z v e r s ch w i n d e t. Auch nachmittags ’ treten um eine bestimmte Zeit ähnliche Störungen auf, doch wesentlich schwächer. Sonderbar hierbei ist nun, bah dieses Minimum der Wahrnehmbarkeit stets um die Zeit eintritt, in der sich die Mitte zwischen beiden Stationen gerade auf der Vorderseite der Erde in bezug auf ihre Bahnbewegung um die Sonne befindet. Aus diesem -Umstande muh also auf, offenbare Zusammenhänge mit kosmischen Ereignissen bzw. Zuständen geschlossen werden, das „Wie" ist allerdings zunächst unentschieden. Mit diesem Problem eng verbunden ist die Frage des hypothetischen Aethers als Träger dieser elektrischen Wellen- forkpflanzung, weshalb es hier noch, kurz gestreift sei. Dieses nach den bisherigen Vorstellungen so widerspruchsvolle Medium ist physikalische oder gar mechanisch schwer zu sassen bzw. festzuhalten, es muh aber als Träger des Lichtes als ein den Weltraum erfüllendes Etwas gefolgert werden, da es anders nicht verständlich wäre, wie das Licht als wellenförmige Fortpflanzungswirkung von den entferntesten Sternen zu uns gelangen könnte. He nach den verschiedenen VerfwHsergebnissen, die man zur materiellen Erfassung des Aethers unternahm, wurden die gewagtesten Theorien und Vorstellungen über diesen rätselhaften Stoff angestellt. Als eine Hauptursache für die verschiedenen, nicht gerade immer überzeugenden Aetherbeschreibungen dürfen wohl die Versuchsergebnisse von Michelson gelten. Es handelt sich bei diesen um einen scharfsinnigen Spiegelversuch zu dem Zwecke, auf optischem Wege eine absolute Bewegung der Erde gegen den als ruhend angenommenen Weltäther nachzuweisen. Das Resultat dieser Versuche war jedoch negativ-, da ein Effekt nicht wahrgenommen wurde. Man stand vor einem Rätsel, und die verschiedensten Erklärungsversuche wurden herangezogen, um den sich hier ergebenden offen» baren Widerspruch- mit anderen Versuchsresultaten zu überbrücken; es sei nur auf die vielbesprochene Einsteinsche Relativitäts-Theorie hingewiesen. Hier scheinen nun Anschauungen über das Wesen kosmischen Geschehens, besonders bezüglich der Sonnen-Probleme, wie sie in meinem soeben im Berliner Verlag Winckelmann und Söhne erschienenen Buch „Sonnenflecken und kosmisches Geschehen" entwickelt sind-, eine befriedigende Deutung dieser Probleme zu gestatten, weshalb sie hier, soweit sie diese betreffen, auszugsweise wieder- gegeben seien. Bereits von Robert Mayer, dem Entdecker der Gleichwertigkeit von Wärme und mechanischer Arbeit, ist gefolgert worden, daß die von der Sonne ausgestrahlte Energie durch hineinstürzende Meteore bestritten werden müsse. .Diese Theorie wurde aber seinerzeit wegen des hierbei zu erwartenden Maffenzuwachses der Sonne sowie der zu seltenen Meteoreinstürze aus die Erde als mit Erfahrungstatsachen in Widerspruch stehend, bald aufgegeben. Die in dem erwähnten Buche abgeleiteten Anschauungen bauen auf der gleichen Grundanschauung auf. Insbesondere wird in Anlehnung an andere Raturvorgänge gefolgert, dah angesichts der ungeheuren Energie-ilmsehungen bei Meteoreinstürzen in die Sonne eine Verfeinerung, Zertrümmerung, eines wesentlichen Teiles der einstürzenden kosmischen Materien in eine Art Aggregatzustand der Materie stattfinden müsse, der wohl mit großer Wahrscheinlichkeit als der rätselhafte Aether aufgefaßt werden darf. Rach- Maß- gäbe des so stetig neu erzeugten Aethers auf der Sonne muh natürlich eine ständige Aetherabwanderung von dort in den Raum stattfinden. Vergegenwärtigen wir uns von diesem Gesichtspunkte aus das Verhältnis zwischen Erde und dem von der Sonne wegstrebenden Aether, so folgt zunächst, dah an der Tag-Rachtgrenze ein über die Erde hinwegstreichender Aetherwind vorhanden fein muh. Aus der gleichen Richtung der Rotationsbewegung der Erde um ihre Achse einerseits und ihrer Dahnbewegung um Cie Sonne andererseits folgt nun, dah an der Vorderseite der Erde in bezug auf die Bahnbewegung, das ist morgens, die verhältnis- mähige Aethergeschwindigkeit größer, an der Rückseite (abends) dagegen kleiner sein muh, als dem Mittel entspricht. Verfolgt man nun die Konstellation der beiden hier betrachteten Funkenstationen anhand- eines Globus, wenn beide sich an der Vorderseite befinden, so kann man feststellen, dah die Station Chantam sich in bezug auf Geltow auf der der Sonne abgekehrten Seite befindet; in Ehatam aufgegebene Funkwellen müssen sich also bei dieser Erdstellung auf dem Wege nach Geltow gegen den Aetherstrom hin durcharbeiten, und zwar nicht nur gegen den mittleren, sondern gegen den erwähnten vergrößerten. Hiernach könnte man sich also vvrsteilen, daß die Funkwellen gewissermaßen von dem „Aetherwind" in ähnlicher Weise zurückgedrängt, fortgeweht werden, wie etwa Schallwellen durch einen Luftwind. Wie man, auf freiem Zelde stehend, die Klänge eines Kirchengeläutes förmlich auf fkf) zugetragen empfindet, wenn der Wind aus der Richtung der Kirche auf einen zukommt, und umgekehrt die ertönenden Glocken in die Ferne zu entschwinden scheinen, wenn der Wind in entgegengesetzter Richtung weht, so erscheint es auch erklärlich, daß bei dieser Grdstellung die in Ehatam aufgegebenen Funkwellen au ihrem Wege nach Geltow mehr oder weniger abgefchwächt, gewissermaßen zum Teil in den Weltraum hinausgeweht werden müssen. Dah um die entsprechende Rachmittagsstunde nur geringfügige Störungen in der Aufnahme der Funksprüche in Geltow eintreten, erklärt — „Don China, Schiffsarzt, will nach Haufe auf zwei Tage und Hann nach Afrika. Hast du Zeit? Wo gibt es hier gutes Bi«? Hattest du eine weiche Stunde, dah- du damals dich so offen gabst? Ms ich dich auf den Bahnhof brachte, wollten unsere Hände sich tzärnicht trennen. Wieder ein Jahr weiter, da klingelte es. Dunkelbraun im Macken, rotbraun das Gesicht, rostrot die Hände, standest du vor Mir War das eine Freude. „Was habt ihr zu Mittag?' „Dicke Bohnen und Dauchspeck." — „Mensch, das ist ja famos. Kein einziges Mal gab es das an Bord!" Das war ein lustig Mittagessen, gespickt mit Seekalauern, Matrosenscherzen, Tropen- Witzen. „älebrigens ich habe in Dingens, zwei Meilen bon hier, die Praxis übernommen. Bauernpraxis, kein Kuchen, schwerer, saurer Pumpernickel, aber das ist gerade was für mich Der sture Westfale wurde mein bester Freund. Jede Woche schwirrte er auf dem Rade heran, bald schimpfend- über die dickköpfigen Dauern seines Dorfes am Heiderands, bald lustig, wenn er dem Tode einen Menschen abgerungen hatte. Ab und an W qerte ich die zwei Meilen hinaus, um in blühender Laube, bet staubigen Flaschen und bei ländlicher Kost, beim Datnpfe der extrafeinen Zigarre — „nur der Pastor und der Apotheker kriegen davon" — Altes und Reues durchzusprechen. Am, liebsten aber Altes, Schulschnurren, Studentengeschichten. Erlebnisse tn Asten, Afrika Amerika. „Denkst du noch- an den ollen Moller, unfern, Historiker; den wüsten Jäger? Seine ewige Redensart war iin der Klasse, wenn er einen von uns nicht sehen konnte: „Ei, du Lommel, ß-etz dich ho, daß ich dich hetzen kann!" -Und einmal malte der lange Kvrling — er ist jetzt Arzt da oben in Ostfriesland und ein Prachtkerl geworden -— den ollen Möller an die Tafel, wie er auf einen Sechserbock anschlägt, der sich hinter einem Baumstamm druckt. Darunter schrieb er: „Ei, du Lömmel, hetz dich ho, dah ich Ach ßehen kann." Wir kamen aus dem Lachen gar nicht heraus, bis der olle Möller hereinkam. Der lange Körling wollte schnell alteg auswischen, aber es ging nicht mehr. Der olle Moller sah sich das Gemälde an, lachte und sagte: „Körling, Sie haben kein übles Talent. Wenn Sie auch nur halb- so gut die römische Geschichte fonntcn __ Hinter mir, am Machandelbusche, blinkert mein Rad in der Septembersonne. Wie oft quälte Fritz mich: „Mensch, lerne doch- Dadfahren, dann kannst du mich öfters besuchen! Ich kamt doch nicht immer die Praxis int Stiche lassen!" Er quälte und quälte, ich aber lieh- Herbst und- Frühling und Sommer vergehen, bis ein neuer Herbst die Bäume färbte. Dann endlich lernte ich die Lenkstange handhaben. „ ., , L, .,, Monatelang war Fritz nicht zu mir gekommen, ich hatte nicht Zeit hinauszuwa-ndern, Driefschreiben verblieb Endlich, kam er, totenblaß und mager, wankend. „Ich habe zwei Monate Bet Mutter krank gelegen. Jetzt bin ich wieder durch, das heißt, so ganz noch nicht, aber die Praxis ruft.“ Ich riet ab: „Erhole dich zu Hause, oder im Süden, laß die Praxis zum Kuckuck gehen, du bist ja noch todkrank." Aber rede einer bei dem Eisenkopf. Mit Angst und Bangen mußte ich ihn von mir lassen-. Einige Tage darauf treffe ich einen Bauer aus dem Dorfe: „Wie geht's dem Doktor?" — „Sehr schlecht." Rach Hause, aufs Rcid und hinaus durch den hanbhvhen Schmutz im Herbstregen. Ich kannte ihn kaum wieder; das Gesicht so schmal, die Hände so zart, die Haare — fo krank, „’n Oewergang, min Jungchen, t ward bald hättet'l" scherzte er noch mit halber Stimme. Gr war in Rächt und Regensturm zu einer Wöchnerin geeilt, hatte zwei Leben gerettet und- seines dafür gegeben. Durchgeregnet, überwacht, über» Hungert war er fiebernd- zu Hause zusammengebrochen. Ein Held ohne steinernes Denkmal, über die Armen und Kranken vergessen den jungen Doktor nicht, der nur kurze Zeit unter ihnen weilte, dessen Worte so hart, dessen Herz so weich war. Am nächsten Tage rief ein Telegramm mich an sein Totenbett. Drei Tage später geleitete ich- ihn, wie einst vor 3 Jahren, wieder zum Bahnhöfe. , por, Rebelstreifen kriechen aus dem Moore, Moor und Dam- Por Rebelstreifen kriechen aus dem Moore, und Moore und Dämmerung verhüllen das Kirchlein des Dorfes dort hinten zwischen Heide und Moor, wo er wirkte, mein letzter Freund. Ob ihm ein allerletzter folgen wird? Ich- glaube es nicht. Aber eine Freundin habe ich mein lebelang, eine gute, treue, mütterliche Freundin, die alle Sehnsucht stillt und jeden Schmerz heilt, ... die blühende Heide. Kosmische Störungen des Radio- sernverkehrs. Von R. Wusso w. Durch das z. Zt. aufblüh-ende Rundfunkwesen wird die Aufmerksamkeit der breiteren Oesfentlichkeit auf die geheimnisvollen Kräfte gelenkt, die sich- uns in der drahtlosen Telegraphie offenbaren. Aber nicht nur dem Laien, sondern auch dem Fachmann bieten eigenartige Erscheinungen int Radioverkehr Rätsel, für die er bisher noch keine genügende Erklärung und Deutung gefunden hat. Sv treten im Telefunken- Fernverkehr zwischen Grvßstativnen täglich merkwürdige Störungen auf, z. B. zwischen Ehatam bei Reuhork als Sendestativn und Geltow bei Potsdam als Empfangsstation. Diese Störungen sind derart, daß zu bestimmten — 147 Sh ahne weiteres daraus, Latz sich tu diesem Falle Berlin bzw. 1 eltoto auf der der Sonne abgekehrten Seite befindet, und zu- Geltow auf der der Sonne abgekehrten Seite befandet, uno zudem die relative Aethergeschwindigkeit sich hierbei als Differenz zwischen der Aetherbewegung und der absoluten Erddrehung ergibt. Auch. der Llmstand, daß nachts die Reichweite der Funkwelten wesentlich größer ist als am Sage, findet so eine zwanglose Deutung, da sich nachts die Stationen gewissermatzen in der Aether- Wind-Schattenseite befinden, also in einem mehr ruhenden Retyer, auch hier erscheint der Vergleich mit Schallwellen, die bekanntlich in ruhender Luft auf weitere Strecken deutlicher wahrnehmbar sind als in bewegter, naheliegend. Lleberhaupt finden die elektrischen und magnetischen Erscheinungen, die letzten Endes doch immer als Dewegungs- und Strukturzustände des Reihers auf gefaßt toeroen müssen, hier eine einfache Erklärung, insbesondere hinsichtlich der scher Gewohnheit nach zehn Minuten wieder Weggehen. Der Achtzigjährige aber geriet in das Reden, zeigte seinem Befücher LiePhoto- Shien, die an Len Wänden hingen urid Familienangehörige! eilten, und führte ihn durch sein Haus, dann ging er mit ihm in Len Garten, zeigte ihm seine Blumenbeete. Schließlich sahen die beiden Männer, der alte und der junge, im Wohnzimmer, von dem der Blick hinaus in das Erntefeld ging. Der Pfarrer hatte nach der Heimat und nach den Stellen gefragt, die Oestreich seither innegehabt hatte, da kam dieser, ohne unmittelbar dazu auf» gefordert worden zu sein, ganz von selbst dazu, seinen Lebenslauf zu erzählen Am Erntelage, umweht vom Blumendufte, der durch das geöffnete Fenster Hereindrang, erfüllt vom Danke gegen Gott und von der Freude, in wenigen Stunden seine Kinder um sich zu sehen, ließ er seinen Blick auf die ihm zugemefsene Lebenszeit zurückgleiten. „ , ,Die Welt," so erzählte er, „hat sich von Grund aus geändert, seitdem ich am 2. August 1842 zu Ruttershausen bei Gießen geboren bin Ich habe noch viele alte Hessen gekannt, die 1812 mit in Rußland waren; der alte Schäfer Benner aus meinem Geburtsorte hat mir manchmal erzählt, was für Rot er an der Beresina ausgestanden hat. Linser Ort gehört zur Pfarrei Kirchberg. Dicht bei Ruttershausen liegen die alte Kirche und das Pfarrhaus, vom Kirchenplatz schaut man herunter auf das Lahntal, selten yar eine Kirche eine so schöne Lage wie meine Hmmatkirche Nas Lahntal ist dort breit und freundlich. Dicht dabei liegt die Rinne Staufenberg. Meine Eltern waren brave, fromme aber gering bemittelte Leute. Der Vater war Wiesenwärter und hat daneben etwas Ackerbau getrieben. Ich wurde früh zur Arbeit angehalten hals beim Futtermachsn, beim Kartosselausnehmen und war ein ziemlich wilder Junge. Als ich ungefähr zwolf Jahre alt war, kam eines Sages der Pfarrer von Kirchberg, der uns in der Schule Religionsunterricht erteilte, zu meinen Eltern und erdfp nete ihnen, sie möchten mich zum Lehrerberufe bestimmen, da ich gute Anlagen habe. Dis dahin war ich mir selbst nicht Mrnißt geworden, daß ich gute Anlagen habe ich hatte nur.meine Sveube am Unterricht gehabt, war flink im Rechnen und streckte im Religionsunterricht ost den Finger Meine Eltern wollten Merst aus den Vorschlag des Pfarrers nicht eingehen, da sie noch drei kleinere Kinder zu versorgen hatten, als aber meiner Mutter eine kleine Erbschaft von einer Saute in dem benachbarten Daubringen rufiel willigten sie ein. Rach meiner Konfirmation erhielt ich Unterricht bei unserem. Lehrer. Drei Jahre später meLete rch mich zum Eintritt in das Lehrerseminar zu Friedberg. Damals gmA die Main-Weserbahn noch Nicht, ich ging bei der Anmeldung die sieben Stunden hin nach Friedberg und zurück zu Fuß, nmsi war damals noch nicht verwöhnt. Das^war in der 3eit, ln .dei die Leute vom Vogelsberg zu erwiesen umherirrte, um meinen Schmerz zu beruhigen. Ich beschloß, mich um eine Stelle in Oberhessen umzutun, um den Schauplatz meiner Leiden fern zu sein. Ich schwankte zwischen zwei Schulstellen, einer in Vilbel und einer in Alsfeld, die zur Bewerbung ausgeschrieben waren, und entschied mich schließlich für Alsfeld. In diesen Gedanken ging ich eines Tages — es war im Mai — von Aack hinab nach Wendelsheim, um meine Bewerbung, die an den Grotzherzvg gerichtet werden muhte, dort zur Post zu geben. Als ich an das „Mühlchen" gelangt war, kam zu meinem Erschrecken — etwas anders habe ich in diesem Augenblick wirklich nicht empfunden — Mathilde Hagenbruch von Wendelsheim her die Straße herab. Ausweichen konnte ich nicht mehr. Ich sehe sie heute noch vor mir, als ob das erst gestern gewesen wäre, sie trug ein mattgelbes Kleid, das mit weißen Spitzen besetzt war, nach der damaligen Mode einen kleinen Hut und hatte einen Sonnenschirm in der Hand. Zaghaft grüßte ich sie und glaubte wahrzunehmen, daß ihr Gegengruß freundlich sei. Ich fragte nach dem Ziel ihres Weges, da gab sie mir zögernd zur Antwort, sie wolle nach Alzeh gehen, um sich dort bei dem Agenten der Schifffahrtslinie Bremen—Hoboken ein Billett zur Lieberfahrt nach Amerika zu besorgen, sie habe eine Tante in St. Louis, zu der sie gehen wolle. Ich war wie aus den Wolken gefallen, als ich das hörte. Es war so viel erzählt worden von den reichen Verwandten und den vornehmen Freiern der Mathilde Hagenbruch, daß ich alles andere erwartet hätte, nur nicht, daß sie sich dem Strom der Auswanderer, der damals nach Amerika ging, anschließen würde. Aber daß das Mädchen ernsthaft mit diesem Gedanken umging, sah ich an ihrem Antlitz, ihre Augen füllten sich mit Tränen. Unter Liesen Limständen konnte ich mich von ihr nicht mit einigen nichtssagenden Worten verabschieden, ich bat, daß ich sie einige Schritte begleiten dürfe. Wie waren Wald und Feld an diesem Dage so herrlich aufgeblüht! Vorher hatte rauhe Witterung geherrscht, lästiger Staub, von dem Winde oft haushoch aufgewirbelt, hatte auf den Land- stratzen gelegen, jetzt war nach einem warmen Regen die ganze Aatur neu geworden. Die Bäume blühten, die Blätter waren grün, die Vögel sangen über der Flur, einige Holzfuhren kamen an uns vorüber, im übrigen war die steil aufwärts nach Erbes- Büdesheim führende Straße menschenleer. Langsam gingen wir nebeneinander her, da schlossen sich die Herzen einander auf. Mathilde vertraute mir an, daß sie ein mittelloses Mädchen sei, daß die vornehinen Verwandten sich gar nicht um sie kümmerten, und daß einer der Bewerber nach dem anderen den Rückzug angetreten habe, als er in Erfahrung gebracht hatte, daß sie kein Vermögen besitze. Run wolle sie es in Amerika machen, wie Hunderttausends junge Deutsche, sie wolle arbeiten und suchen, allein durch die Welt zu kommen. Da hielt auch ich nicht mehr zurück, ich holte mein Bewerbungsgesuch um die Alsfelder Schulstelle hervor und sagte, warum ich es geschrieben habe. Da haben wir uns unter einem großen Nußbäume, von dem man hinunter in das Wies- bachtal schaut, verlobt. Mathilde gestand mir, daß sie mir schon feit langer Zeit zugetan sei. So blieb mein Vewerbungsgesuch unabgesandt, und das Billett für die Lieberfahrt nach Amerika wurde nicht gekauft. Der Nutzbaum, von dem ich erzählt habe, steht heute noch — ein Baum -dauert länger als ein Mensch —, jeden Sommer gehe ich dort einmal vorüber, lasse mich im Schatten des alten Baumes nieder und gedenke dessen, das ich dort erlebst habe." ' Vom Hause her kam die Enkeltochter. „Sehen Sie, Herr Pfarrer," sagte Oestreich, „die hat ihren Namen von meiner seligen Frau und ähnelt ihr auch an Haltung und Gesichtsausdruck." „Hier, Großvater," sagte Mathilde, „ein ganzer Stotz von Briefen und Postkarten, die der Briefträger soeben gebracht hat, gewiß lauter Glückwunschschreiben. Wie ist es doch so schön, wenn man achtzig Jahre alt ist." „Schöner ist es, toenn man, wie du, zweiundzwanzig ist." Die Enkelin ging wieder weg. Oestreich setzte die Drille auf und sah die eingelaufenen Sachen durch. Indem er las und die gelesenen Schreiben zur Seite legte, sagte er: „Da haben gute Menschen an mich gedacht. Hier schreibt der alte Kollege Rühl, der mit mir im Jahre 1861 in Friedberg abgegangen ist, er wohnt in Worms, kann sich aber nicht mehr bewegen und wird im Fahrstuhl gefahren. Ach, was wird aus dem Menschen, wenn er alt ist. in Friedberg war der Friedrich Rühl unser bester Turner. Sehen Sie einmal hier diese steife Kinderschrift! Da wohnt ejn kleines Mädchen in meiner Nachbarschaft, sie ist sieben Jahre alt, im Winter hat sie mich ost besucht, da habe ich ihr Geschichten erzählt; denn, mit Kindern gehe ich immer noch gern um. Auq wünscht sie mir Glück und hat mir als Geschenk das Dlld aus. einem Schokoladetäfelchen beigelegt. Hier der Brief im grünen Umschlag kommt von Mannheim. Der ihn schrieb, ist einst M mir in die Schule gegangen, er war ein böser Bub, hat nichts gelernt, aber gestohlen und gelogen. Da habe ich ihn ernstlich vorgenommen, auch wiederholt gezüchtigt. Als er konfirmiert war und die Fortbildungsschule besuchte, versuchte er, den Unterricht durch Flegeleien zu stören. Gr spritzte mit dem nassen Schwamm nach dem Lampenzhlinder, daß dieser zersprang, rauchte vor dem Linterricht im Schulsaal die kurze Pfeife, und was schlimmer war, er vergriff sich an seinem alten und schwächlichen Vater. Da hab« ich ihn eines Abends, als alle anderen Schüler toeggegangefl waren, allein dabehalten, habe ihm mit deutlichen Worten gesagt, daß fein Weg nach dem Zuchthause gehe und habe ihn gefragt; ob er sich denn nicht vor der Sünde fürchte. Allmählich fing er an, anders zu werden, er kam zum Militär, hielt sich wacker, kam ohne Strafen durch. Nun ist er ein braver Familienvater, arbeitet in Mannheim in einer Fabrik und dankt mir, daß ich ihn auf den rechten Weg gebracht habe. And hier die Karte kommt vom Herrn Geheimrak, unserem Kreisdirektor, er hat mich kennengelernt, als er noch Kreisamtmann war; er schreibt mir, daß er meiner heute in freundschaftlicher Gesinnung gedenke." „An Ihnen," warf der Pfarrer ein, „erfüllt sich das Bibelwort: .Graue Haare sind- eine Krone der Ehren, die auf dem Wege der Gerechtigkeit gefunden werden'." „Es hat in meinem Leben nicht lauter Ehrenkronen gegeben, davon will ich Ihnen hernach noch erzählen, aber so weit bin ich noch nicht. Wir waren erst unter dem Nußbaum auf der Erbes-Büdesheimer Höhe angelangt. Also, wir haben uns verlobt und haben im Oktober 1869 geheiratet. Unser Einkommen war klein, aber wie glücklich haben wir miteinander im Schulhause zu Nack gelebt! Es gibt jetzt so viele Beamten, die unter keinen Limständen auf einem Dorfe wohnen wollen. Ich gebe zu, daß manche Familie wegen der Ausbildung der Kinder suchen muß, daß sie in der Nähe der Stadt oder an eine Eisenbahnstation zu wohnen kommt. So ging es auch uns, wie gern wären wir in Aack geblieben, aber wegen der Ausbildung unserer Kinder mutzte ich die Gemeinde verlassen. Ohne mich zu rühmen, kann ich sagen, daß ich dort, wo kein Pfarrer am Orte wohnte, der 03err trauensmann der ganzen Gemeinde war. Als der siebziger Krieg ausbrach, habe ich so manchen Brief hinaus in das Feld geschrieben, habe den Leuten abends im Schulzimmer die Zeitung vorgelesen und ihnen an der Karte die Bewegungen unseres Heeres klar gemacht. Ich habe Lebensmittel und wärmende Kleider gesammelt, die nach Metz geschickt worden sind. Keine Eingabe an; irgendeine Behörde ist auch in den nächsten Jahren abgesandt worden, die ich nicht geschrieben hätte. Wir haben uns dort weit von der Eisenbahn recht glücklich gefühlt. Lim Aack her dehnt sich Wald- und Dergland aus, der Donnersberg grüßt herüber. Die Orte Bechenheim, Aiederwiesen, Oberwiesen und Orbis liegen alle im Walde oder dicht am Walde. Gern ging meine Frau aft schönen Sommertagen mit in den Wald, wir haben Beeren und Kräuter gesammelt, Blumen gepflückt, wir sind auch in Forst» Häusern eingekehrt, wo wir gastlich ausgenommen wurden, und haben mit den Jägern, die durch den Wald streiften, gesprochen. Ich weiß es von meinen Kindern, wie es in der Stadt zUgeh^ da kommen die Leute in ihren Vereinen zusammen oder laden sich gegenseitig ein. Ob das immer zu allseitiger Zufriedenheit geschieht, weih ich nicht. In Aack haben wir einander nicht ein» geladen, wir gingen abends ungeladen aber freundlich aufgenommen in die Häuser, und die Leute kamen auch zu uns. Das Spinnrad schnurrte im Winter, Aepfel und Nüsse oder auch Kastanien aus Dannenfels wurden auf den Tisch gestellt, wir sprachen von alten und neuen Zeiten, es gab keine Aufregung, keine Reiberei und keinen Rangstreit. In der Stadt gehen die Menschen oft von einem Vergnügen zum anderen, wenn sie einmal einen Abend zu Hause zubringen sollen, so sind sie unglücklich, dort läßt man schon die Kinder Theater spielen und erwähnt ihre Leistungen! dann in der Zeitung. Bei uns in Nack ging alles viel ruhiger und einfacher zu. Mein Schwiegersohn erzählte mir von Darmstadt, daß da manchmal Kinder morgens vom Schuhmann in die Schule gebracht werden müssen, das war in Nack nicht nötig, sie gingen alle gern in die Schule und waren treuherzige, folgsame Kinder. Dort find unsere Kinder geboren. Als ich 1875 wegkam, war die ganze Gemeinde traurig. Ich weih genau, wie es war, als wir damals wegfuhren. Wir sahen auf einem Bordwugen, dessen Bänke mit Kissen versehen waren, meine Frau hielt dajüngste Kind, unsere zweijährige Tochter, auf dem Schoß, die Buben freuten sich, daß sie auf dem Wagen fahren durften. Der älteste, der Otto, hatte die Peitsche des Fuhrmanns genommen und versuchte. damit zu knallen, wie er das an den jungen Burschen des Ortes oft beobachtet hatte. Meine Frau und ich aber weinten, und die Leute, die sich um den Wagen drängten und uns die Hände reichten, weinten auch. (Fortsetzung folgt.)