Gietzener Zamilienblötter Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang Samstag. Sen Z. April "Hmmerzß Erste Sonne. Don Hermann Conrad ie). Wie gerne laß ich von der ersten Sonne Mich bescheinen! — Wenn der Januar Mit feiner Atemzüge Eishauch wich — Wenn in der Monde Schnur die zweite Perle Sich übertropfen läßt von Goldreflexen — Der WinternebÄvorhang in zwei Stück« Geborsten ist . . . und ihrer Gnaden Truhe Aach träumerischer Aast die Sonne leert — Den ganzen Köcher ihrer funkelnden Pfeile: Wie gerne laß ich mich von dieser Sonn«, Don dieser Sonne sanft verkühltem Licht Bescheinen! Leise kommt auf leichten Sohlen Ein Sinnen über mich... ein dunkles Suchen — Und doch, wie so klar und wunschlos still. . . All' Winterunrast hab' ich abgetan — Als schritte ich auf Wolken, treib ich hin . . . Die Augen halb geschlossen . . . seltsam müde —- Und an dem Sonnenstrahl, der mich berührt. . . Leise, ganz leise meine Wange streift, Möcht' ich mich lehnen . . . und in seiner Goldspur Derdämmern lassen meiner Seele Leben . . . Husarenstücks auf See. Als der Rat der Bier in Versailles das unbezwungeneDeutsch- Üanb in Fesseln schmiedete, wußten die Feinde Wohl, was sie taten, als sie den Versuch machten, das deutsche Volk vom Meere, der Pulsader internationalen Wirtschaftslebens, dem Symbol der Freiheit, abzudrängen. Unsere Küsten konnten sie uns nicht nehmen, wie Rom den Karthagern, aber unsere Schisse mußten wir ausliefern. unsere stolze Kriegsflotte sank bei Skapa Flow ins nasse Grab, unsere Handelsschiffe wurden fremden Rationen dienstbar gemacht. Die deutsche Flagge sollte vom Weltmeer verschwinden, der deutsche Kaufmann, der deutsche Seefahrer sollte aus dem Weltmarkt ausgeschaltet werden. Wenn trotzdem heute schon wieder eine kleine, aber trutzige Kriegsflotte unsere deutschen Küsten schirmt, wenn heute schon wieder deutsche Reedereien ein stolzes Handelsschiff nach dem andern vom Stapel lassen, so ist das der beste Beweis für deutschen 'Wagemut, deutschen Unternehinergeist, ein neuer Beweis für die Wahrheit des alten Bremer Schifser- wortes: „Navigare necesse est, vivere non est necesse“. Unter diesem Motto hat nun A. Frhr. v. Czibulka*) **) ein Buch zusammengestellt, das wie kein anderes der Aufgabe dienen kann, das deutsche Volk wieder bei seiner alten Liebe zum Wasser, zum freien Meer zu packest, es hinzuführen zu den großen Zielen ewiger deutscher Sehnsucht, den Deutschen wieder stolz zu machen, stolz aus die Daten der Vorfahren, stolz auf die Seehelden des Weltkriegs. Manch einer der „großen Kapitäne", die hier in ihren eigenen Berichten an uns vorüberziehen, gehören unserm Volk nicht an, aber sie alle haben den kühnen, trotzigen Mut, das stolze Vertrauen auf eigene Kraft, die schrankenlose Hingabe an eine große Idee, sie alte waren „ Führer", und Führer sind es, die unser Volk heute wieder braucht, tapfere Steuerleute, die uns hinausbringen aus *) Als dritten Reuchlindruck hat der Dessauer Verlag Karl Rauch unter dem Titel „ F e u e r b a 11 r o 11 t" eine Auswahl aus Hermann Conradis dichterischem Schaffen herausgebracht, die Kurt Liebmann in einem, die Grenze des Erträglichen auf eine harte Probe setzenden ekstatischen, gewalttätigen Stil entfettet. Immerhin gelingt es ihm, Conradis geistiger Entwicklung, seinem Ringen um dichterischen Inhalt, seinem Kampf mit dem Leben, mit den Widerständen seiner Mitfebenden, mit der hingebenden Glut des verstehenden Freundes gerecht zu werden. Von dem aus Conradis Werk mit weiser Beschränkung Gebotenen überragt das Lyrische bei wei em an Verinnerlichung und Form. **) Die großen Kapitäne, ihre und ihrer Gefährten Berichte, mit 32 zeitgenössischen Bildtafeln im Drei Masken Verlag. München. Sumpf und Morast hinaus ins freie Meer. Das alles durchMnai: unausgesprochen jede Seite dieses Buches, ob wir mit Kolumbus die Entdeckung Amerikas erleben, mit Vasco da Gama und Ma- galhaes die Erde umsegeln, ob wir mit der auf das reizvollste geschilderten Lichtgestalt Don Juan d'Austrias in die gewaltigste Seeschlacht christlicher Zeitrechnung ziehen, den großen Holländer de Ruyter den kühnen Franzosen Jean Bart auf ihren Seekriegen folgen, oder aus Cooks und Forsters Tagebüchern von der seltsamen Entdeckerreise um die Welt vernehmen, ob wir schließlich mit Relson nach Abukir, Kopenhagen und Trafalgar ziehen, allen stellt sich würdig an die Seite, was deutsche Helden zur See geleistet und erstritten haben: Tegetthoff, Scheer, Spee. unsere kühnen Kreuzer- und A-Boot-Kommandanten des Weltkriegs. — Von deutsc^m Heldentum zur See geben wir nun im folgenden ein paar Skizzen aus dem Leben des alten Hanseaten Paul BenÄe. Ware der Danziger Schiffshauptmann. Paul Beneke, nicht Deutscher gewesen, so wäre sein Name nicht nur durch die Geschichte auf uns gekommen, sondern seine Taten wären heute noch in den Sagen seiner Heimat lebendig. So aber ist sein Rame so sehr vergessen und verschollen, daß er nirgends, auch nicht in den großen Rachschlagewerken und Enzyklopädien zu finden ist und es nur der liebevollen Arbeit Reinhold von Werners und Gustav Schalks zu danken ist, daß das in der Verborgenheit alter Chroniken ruhend« Leben dieses Kapitäns auf uns gekommen sind. In einer Oktobernacht des Jahres 1442 hat das Meer Paul Beneke gleichsam zum zweiten Male geboren. Denn in jener Rächt bargen, während die Mutter versank, Schiffsleute der Danziger Kriegskogge „Mariendrachen" das wenige Wochen alte Kind von den Trümmern eines Fahrzeugs, das die Kogge in der tiefen Finsternis übersegelt hatte. Der Kapitän des Schiffes nahm sich des Findlings an und brachte ihn seiner Ehefrau, so daß das Kind der Sohn und Schüler jenes berühmten Schiffshauptmanns Kurt Dvkelmann wurde, der in der Mitte des 15. Jahrhunderts mit feinem „Mariendrachen" die nordischen Meere von den Feinden der Deutschen Hansa, den Dänen und den fetzten Resten der Vitalien- brüder, den Flibustiern jener Zeit, reinfegte, die unter dem frommen Wahlspruche „Gottes Freunde, aller Welt Feinde" die Pest jener Meere waren. Ein gewaltiger Besen über dem F ckmast seiner mächtigen Kogge verkündete als weithin sichtbares Symbol, daß er dieses Unterfangen, die Ost- und Rordsee auszukehren, mit Erfolg begonnen. Drei Taten sind es vor allem, deren sich sein Pffegesohn und Schüler, Beneke, der gleich ihm Danziger Kapitän der Hansa wurde, rühmen kann. Zum ersten sein fröhliches Bfeigießen in der Reu-- jahrsnacht 1470, zum zweiten wie er den engelländischen König fing und zum dritten, daß er mit 6 Schiffen 17 große französifchs an der Mündung der Maas vernichtete. Als König Eduard IV. auf Rat und Betreiben der Londoner Gilde der wagenden Kaufleute den deutschen Stahlhof zu London geschlossen, die Kaufleute der Hansa gefangen setzen oder erwürgen hatte lassen und deren Waren geraubt hatte, beschloß die Hansck durch rücksichtslosen Kaperkrieg die Wahrung ihrer Rechte zu erzwingen und die englische Gewalttat zu rächen. So kreuzte auch Schiffshauptmann Beneke mit seinen Schiffen „Adler" und „Po- muchel" vor den englischen Küsten, brach in die Häfen und Flußmündungen des Königsreichs, verbrannte Handelsschiffe und holte sich Prisen von den britischen Reeden, ohne daß die Engländer sich seiner zu erwehren vermocht hätten. — Da war es in öeq Abendstunden des letzten Tages des Jahres 1470, daß ein englischer Fischer, der unweit der Hafenstadt Downs ahnungslos an Bord des „Adler" gestiegen war, um den Fang des Tages zum Verkaufe anzubieten, an Leib und Leben bedroht, zitternd verriet, daß im Hafen von Downs sieben englische Handelsschiffe, geführt von dem berühmten, großen und wehrhaften Kauffahrteischiff „S. John of Rewcastel" vor Anker lägen, um bei gutem Winde mit ihrer reichen Last nach Spanien und Frankreich zu segeln. Da beschloß Paul Beneke, die sieben kostbaren Vögel zu fangen, fetzte den Fischer in sicheres Gewahrsam, ließ Holz. Kohle, ein Kesselchen voll Blei und einen kleinen Herd in die Barke des Fischers tun und ruderte mit einem Mann seiner Besatzung, der früher Matrose auf englischen Schiffen gewesen, in die Rächt hinaus. Angekommen auf der Reede von Downs ließ er durch seinen Gefährten den „S. John" anrufen und fragen, ob die Herren nicht zur Feier der Jahreswende Fische bewehrten. Als dies verneint wurde, bäte« — 54 — He. «6 möge ihnen ertautt sein, unter dem Heck des .6. Iiohn" ihre Biersuppe zu brauen, deren sie schon sehr bedürftig seien, da st« von langer Fahrt steif gefroren wären und Saum mehr die Riemen führen konnten. So wurde eS ihnen gewährt. Da legten sie sich unter das Heck des Kauffahrers, dessen dunkle Wand turmhoch über den kleinen Fischerkahn aufrage und begannen zu brauen. Freilich, nicht Suppe oder fröhliches Neujahrs getränk, sondern BlÄ, das in den Kupfer-kesselchen brodelte und zischte und das Beneke in die Scheren des Ruders goh und es also verbleite. Als die Stücks des „S. John" um die zwölfte Stunde Neujahr schossen,'stiey der Kahn von dem Kauffahrer ab und glitt zu den Danziger Schiffen zurück. Am nächsten Morgen gellte der Neujahrsgruh der tansaleute den verschlafenen Engländern in die Ohren und dre eldschlangen der Koggen wirbelten böse Reveille. Vergebens war alle Mühe der Briten, das Ruder des „6. Hohn' klar S« bekommen, und als der „Adler" sich vor dessen Bug legte, und bald die klev neren Kauffahrteischiffe Halbwrack geschossen waren, muhte sich der mächtige Kauffahrer samt seinen sechs Gefährten ergeben. Aber alle Kühnheit hätte der Deutschen Hansa nichts genutzt, die Kaufleute zu London hätten ihre Freiheit nicht wiederbekvm- men und der Stahlhof wäre geschlossen geblieben, wenn nicht Paul Beneke seinen zweiten Streich getan. * Als Eduard IV. in den blutigen Bürgerkriegen zwischen, der weihen und der roten Role fliehen muhte und sich auf einem Nernen Geschwader nach Flandern zu Herzog Karl dem Kühnen von Burgund begeben wollte, bekam Beneke Wind von dieser Fahrt und peschloh sie so zu nützen, dah die Hansa wieder zu ihren Rechen in London tarne. Mit drei Kriegsschiffen erwartete er tm Marstief die heransegelnde Flotte, die den landflüchtigen König trug. Ein Schuh durch das Takelwerk des Königsschiffes gebot den Engländern Halt. Es war eine Kühnheit ohnegleichen, als einfacher Schiffshauptmarm in jenen Tagen einem König Halt zu gebieten, um so mehr, als Karl der Kühne, wohl ein Freund der Deu schen Hansa zugleich Eduard IV. seinen leiblichen Schwager nannte. Mer Beneke wagte viel, weil sein Ziel ein grohes war Und der Plan gelang. Nach kurzem Zögern drehte die englische Flotte bei, Beneke ging allein in voller Rüstung an Bord des Königs- schiffes, durchschritt die Reihen der englischen Herren und Ritter, hie erstaunt den einfachen Kapitän milsterten, der sich solches t>er- mah trat vor den König und begehrte Freilassung der Deutschen Kaufleute und Oeffnung des Stahlhofes, wogegen er sich erbot, vereint mit Karl von Burgund den König zurück nach England zu geleiten und durch, den Seekrieg die Engländer zu zwingen, Hm wieder die Krone aufs Haupt zu setzen, was er mit Huss der burgundischen Flotte in der Folge auch wirklich tat. Wenige Tage später segelte er auf die Kunde, dah eine Flotte des Königs von Frankreich herannahe, um sich mit den Engländern zu vereinen, aus dem Hasen von Zwren und sichtete zwei Tage später an der Mündung der Maas 17 grohe französisch« Schiffe Tosikühn rannte er mit seinen sechs Hansakogzen in den vor Anker liegenden, überraschten Feind, rammte mit feinem „Adler" eine riesenhafte Karavelle und schlug die französisch« Flotte so vollständig, dah nur drei ihrer Schiffe diesem Unheil ent- Samen. — — Als Admiral von Danzig und Oberbefehlshaber der Hansa- Sotte ist Paul Beneke wenige Jahre später in der Bucht von Brest t siegreicher Schlacht gegen die Franzosen mit seimem Flaggschiff, dem „Peter von Danzig" gesunken. Auch ein Kapitel Radio, Bon Dr. Walter Kopp, Lindenberg bei Berlin, Aeronautisches Observatorium, Bor einiger Zeit erschien an dieser Stelle ein Aufsatz von Herrn Dr. ®. Häuhrl über Radio, der die für die Allgemeinheit wichtigen technischen Einzelheiten schon brachte. Es ist vielleicht nicht unangebracht, einmal auf Erscheinungen einzugehen, die zum Teil sich noch in der Entwicklung befinden, aber doch auch mehr oder weniger mit der neuen „Bewegung" verknüpft sind. Einen Riesenfortschicktt kann man das Ganze wohl nennen. Wenn auch Versuche auf dem Gebiete der Radiotelephonie schon lange gemacht wurden, so kam doch diese weit verbreitete Anwendung überraschend, nachdem einmal die drahtlose Uebertra- gung von Worten und Klangfolgen eine einwandfreie Lösung gefunden hatte. Die einfache Tatsache, dah eine beliebige Anzahl Menschen in fast beliebiger Entfernung ohne sichtbare Vermittlung ein und denselben Konzert oder Vortrag lauschen können, sucht heute jeder, wenn es ihm die Mittel nur irgend erlauben, auch für sich nutzbar zu machen. Vor 50 Jahren hätte man unter Benutzung dieser Tatsache den spannendsten Zukunftsroman schreiben können. Kein Wunder, dah Radiosirmen und Zeitschriften wie Silze aus dem Boden schiehen. Wer heute durch die Straßen erlins, dem Zentrum und Ausgangspunkt des deutschen Radio» rummels, geht, den schreien überall mehr oder weniger stilvolle Radioplakate an, der sieht auf Schritt und Tritt Empfänger in allen Spielarten in den Schaufenstern. Während man sich eben im Kiosk ein« Zeitung kaufte, um bas Reuest« zu erfahren, so Wirch man das jetzt im Rundfunk-Kiosk geniesten, denn schon sieht man Unter den Linden die recht netten, antennengekrönten HäuSchrn der Telefunken-Gesellschaften entstehen. Die Firmen suchen sich natürlich in der Einfachheit und Hand» lichkeit Hrer Apparate zu überbieten. Es gibt schon Apparate, bei denen man von einer eigentlichen Empfangsapparatur überhaupt nichts mehr sieht und der äußerlich die Gestalt eines normale« Dvppelkopfhörers hat. Die wesentlichen Teile des Empfängers, Krystalldedektor und Spule in Primärschaltung liegen dabei in der einen Hörerkapsel, und es genügt, den Kopfhörer einfach an die Antenne anzufchaiten. Auch dieser liebte Apparat läht sich variieren in einem Wellenbereich! von 250 bis 500 m. Auch hiev können durch grignete Schaltung noch andere Hörer angeschlossen werden. Leider lasten sich! solche Krystalldedektorenempfänger nur in der Nähe der Sendesiation, also höchstens 50 km entfernt, anwenden. Ihre Lautstärke ist nicht besonders hoch, vor dem Glühkathoden rvhrenempsünger haben sie aber den Vorzug, dah sie einen von Nebenftörungen viel weniger beeinflußten Empfang gewähren. Gerade die Störungen sind es, die einen wirklichen Genuß der Radiomttsik, sow V man davon reden will, mitunter doch recht beeinträchtigen.' Dabei harrt sowohl die Verbreitung der Vorträge als auch der Empfang noch einer einwandfreieren Lösung. Will man mit dem Lautsprecher recht deutlich hören und verstärkt mehrfach so kann unter Umständen das Rauschen der Maschine an der Sen bestelle dem Ganzen einen recht grammophonartigen Anstrich geben. Wei er ist die Eigenschwingung des Telephons eine mißliche Sache, d. h. die Telephonmembrane gibt am besten nur den Ton wieder, der dieselbe Schwingungszahl wie sie selbst Hal. Einzelstimmen, besonders Frauenstimmen, auch Klarinetten» Solos, kommet; meist reck/, git heraus, wenn die hohen und tiefen Töne nicht allzu ins Extreme gehn,. Dagegen leibet ein ganzes Orchesterkonzert an dem Umstand, dah sich einzelne Stimmen vvr- drängen andere wieder verwischter sind. Solchen Mängeln aber ist die Technik schon zu Leibe gegangen, und sie wird sie auch ohne Zweifel wei'gehendst beseitigen. Schwieriger ist es schon, den sogenannten fremden Siörern entgegenzutretea. Ein Beisviel hierfür biewt die Störung des Konzerts vom Beüter Voxhause auf der Welle 2600 m durch den Eiffelturm. Vielleicht liegt eine gewisse Absicht der Franzosen darin, dah diese Sprung immer nur dann einsctz e, tvenn zum Schlüsse des Programms daS Deutschlandlied erklingen sollte. Die meisten Schwie igkei'en. soweit sie nicht ganz unüberwindlich sind werden die Luf störungen machen, die niht den Empfang ina einzelnen, sondern die gesam e Aufnahme treffen. Sv gelangen die We'tertelegramme aus England bis hier zu uns in den Osten Deutschlands zck'weise mit einer Lautstär'e die der von normal eivg stell em Königsw-usterhausen kaum nachgibt. Zu anderen Zeiten dagegen ist der Empfang wieder sehr schwach oder überhaupt unmöglich. Es werden hierüber von ärologischer und me° teorologischr Süe aus, besv ders auch am hieb gen Observatorium, in Verbindung mit der Funkl n ck'g avhie g 'öftere Unt» fuchungen veranstaltet, und man kamt jebe sta'ls soviel sagen, dah die gute Ausbreitung der elektrischen Wellen dwa) Flächen in der Atmosphäre g hindert wird, wobei diese Flächen ein» Trennungs- schichi zwischen verschieden temperierten Luftkörpern darstellen und durch einen Svrung von Tempera'ur, Wind und Feuchtigkeit gekennzeichnet sind. Durch eine ungünstig» Neig-tng zwischen der Sende- und Emvfangsstaiion kann durch eine solche Fläche die. Uebertragung sehr beeinträch'igt oder gänzlich aufgehoben werden. Diese für die Funken!-legraphie negative Eigenschaft läht sich aber vielleicht einmal nutzbringend für die Wettervoraussage verwenden. Störungen luftelektrischer Art machen sich besonders im Gommer unangenehm bemerkbar. Knackende und brodelnde Geräusche im Empfänger deuten auf luftelektrisch-r .Umwälzungen der zwischen den beiden S'a'ion"t liegenden Luftschicht hin. ,,Diese Nebengeräusche werden na ü sich in gleichem M etz» wie. die eigentliche Musik verstärkt, damit ist für die Verstärkung eine natürliche Grenze gezogen. Erwähnt sei noch, dah etwas störungsfreier Rahmenantennen und auch Erdantenneu arbeiten. Sie gewähren aber nicht die hohe Lautstärke wie die Luftantenne. Der grammophonartige Eindruck beim Radiokonzert durch die erwähnten Nebengeräusche, wird natürlich noch dadurch erhöht, dah mit dem Fernhören nicht auch gleichzeitig ein Fernsehen verbunden ist. Man mühte z. D. beim Radioapparat noch eine Art Hohlspiegel haben, der eine verkleinerte Wiedergabe von allem zeigt, was auf der Opernbühne vergeht. Allerdings würden sich bei einer derartigen Uebertragung die Störungen in einer Verzerrung der Bilder noch viel unliebsamer bemerkbar machen. And doch scheint auch jetzt die Uebertragung wenigstens von Bildern und Zeichnungen Wirklichkeit 311 werden, wie es die inter« essanten Versuche von Prof. Korn andruten. Ursprünglich versuchte man eine .Uebertragung von einfachen wchwarzweihbtldern durch den Draht, indem die auf einer leitenden Platte nichtleitende Stellen darstellenden Striche der Zeichnung beim Ab tasten den Sendestrvm entsprechend beeinfluhten, an der Empfangsstation fand durch denselben Mechanismus die Umformung wieder statt. Einen Fortschritt bedeutete schon der photographische Weg. Dabei wurde durch Ablenkung eines Lichtstrahls die entsprechende Wirkung her« vorgerufen, 1907 und 1908 wurden schon Zeichnungen auf dem SS - Mrwüftsn Wege zwischen Berlin und Paris übermittelt. Schließ- lich «öffnete die Selenzelle, die aus jede Lichtänderung durch eine Mterstandsänterung und damit Stromschwankung reagiert, di« Aussicht auf eine drahtlose Aebermittlung derartiger Bild«. Eine Anwendung wäre es z. D., wenn die Wetterinteressenten durch Einschieben eines Formulars in ihre SmpfangSapparatur sich die Isobaren darauf zeichnen lassen könnten, .wodurch eine sofortige Verbreitung garantiert wäre. Dies fei nur wenig von den garnicht auszudenkenden Mog° lichkeiten, die in der Entwicklung der Technik liegen. Wer sich heute einmal tagsüb« an eine Empfangsapparatur besonders für hohe Wellen setzt, der ist erstaunt über das Gezwitscher und Getute von Mvrsezeichen, das dem Telephon entströmt. Von der eigentümlich singenden Betonung aus Rom und von dein Krächzen der Sch-iffssender bis hinauf zu den höchsten Tönen. Teils geben sie rasend schnell, während andere wieder langsam und beruhigend ihr ta te ta dazwischen werfen. Und doch ist bei festgesetzten Sendezeiten in diesem Meer von elektrischen Wellen ein Verkehr zwischen zwei Stationen genau so gut möglich wie durch den Telegraphen. Es bleibt natürlich nicht aus und hat unseren Funkern schon manchen Fluch gekostet, daß in das trockene Zahlenmaterial der chiffrierten Wettertelegramme auf einmal ein in „Wellennähe" Befindlicher neueste Nachrichten kräht oder Operettenklänge die Punkt- und Strichreihe unliebsam unterbrechen. Und immer isichter wird die Atmosphäre von dem durchdrungen werden, was den Menschen der heutigen Gesellschaft interessieren und unterhalten kann. Sind es doch nicht weniger als neun Sendestationen, die für den Unt«haltungsrundfunk in Tätigkeit treten sollen und »um Teil schon sind. Königsberg und Breslau für den Osten; Berlin, Leipzig und Hamburg für den mittleren Teil Deutschlands; Münster, Frankfurt, Stuttgart und München für den Westen und Süden. Ob dies erfreulich ist? Es ist gut, auch solche neuen Errungenschaften einmal von zwei Seiten zu betrachten. Dem Rundfunk die Gröhe seiner wirtschaftlichen Bedeutung abzusprechen, ginge zu weit, dagegen scheint es mir gewagt, ohne Vorbehalt die Radiounterhaltungsbewegung mit dem bedeutungs- dvsien Wort „Kulturfvrtschritt" zu belegen. Es steht natürlich fest, dah sich eine Idee in ihrer technischen Auswertung und Entwicklung nie aufhalten lassen wird. Und wenn man sich den Menschen auf den Urzustand zurück denkt, so wird er jedesmal wieder anfangen, aus dem Stein einen Hammer zu machen, statt des Steines ein härteres Material zu nehmen und so die ganze Reihe der technischen Errungenschaften hindurch. Es soll auch nicht ver- karmt werden, dah gerade sowohl die theoretische wie praktische Beschäftigung mit der Technik große Begeisterung und Befriedigung Hervorrufen kann. Wer toußfe vor einigen Jahren außer den Fachleuten schon etwas von Elektronenröhren. Dem Physiker im Laboratorium waren sie ein kostbares Gut, das er liebevoll be- bandelte, und man war recht im Druck, wenn eine solche Röhre durchbrannte. Heute weih jeder Sekundaner davon zu reden, oder hat sie selbst. Und doch, es droht in all dem eine Einseitigkeit und Mechanisierung unseres ganzen Lebens. Eine Loslösung von der Ratur und zum Teil verkehrte Anlage der freitoerdenden Kräfte. Aie- mand wird z. D. den alten Griechen ihre hohe Kulturstufe ab- sprechen wollen. Heute ist man versucht, es bei den Menschen zu tun, die dickbäuchig und glatzköpfig im Klubsessel bei Wein und Zigarren sich Wunderwerke unser« großen Musik« per Radio in die Ohren blasen lassen. Und es gab einmal eine Zeit, da gab es auch Musik — man versuche sich einmal den Sängerkrieg auf d« Wartburg vorzustellen. Niemand wird sich eines bangen Gefühls «wehren können, wenn « im Kunstlicht des Groß-Berliner Kinos kranke, schtvind-- süchtige Menschen in den unnatürlichsten, unästhetischsten Kleidern ausgerechnet dem Nibelungenfilm zuseben sieht. Man verseh» sich in die Zeit, die den Stoff zu diesem Werk geben konnte. Damals bedeutete der Kampf eine Auslese unter den Besten. Heute vermag ein Schwächling in körperlich« und moralisch« Beziehung mit einer gut gezielten Gasgranate einen Haufen wertvoll«, Menschen zu vernichten. Ab« es ist kaum zu verwundern, das zeitweise sich Flüchten vor allem Künstlichen in eine vollkommen unberührte Natur wird einem ja immer mehr erschwert. Weite Flächen Deutschlands sind schon Fabrikgelände, eine Unmenge Tierarten sind ver- drängt und ausgestorben. Und hört man davon, daß jetzt d« Herzogsstand in Oberbayern zu einer großen Radtostation ausgebaut wird, so vernimmt man das auch mit geteilten Gefühlen. Man kann ein« solchen technischen Großtat volle Bewunderung »oller, und doch ist wieder ein Stück Natur geschändet. Mit mächtigen Kabeln hat der Knirps Mensch den Bergriesen an den Boden gefesselt. Vielleicht wird ja die Technik selbst einmal ihre eigene Gefahr abwenden. Die Telephondrähte werden mit der Zeit verschwinden, ter Ruh und Staub ter Eisenbahnen hört bei Elek- trisi«rmg d« Bahnen auf. alles technische Leben wird.sich mehr und mehr um einzelne große Kraftzentralen konzentrieren. Aber dies ist nur ein schwach« Trost. Und was Anfangs wie ein Riesen- fortschritt aussieht, ist auch ein Fortschritt, ab« ein Schritt weit« in dem Zeitalt«, das durch den Untergang d« Seele gekennzeichnet ist. Seite, der MckzaK» Don Anselma Seine. (Schluß.) Helte blickte hinein. Da bemerkte «, daß der SWvt sich nach nmen mächtig erweiterte, so dah « gleichsam die Kuppel ein« großen, schwarzen Höhle bildete, die durch einen rvtglimmenden Feu«see schaurig «leuchtet war. Dicht neben dem See, gerade unter ter Esse, befand sich ter Amboß des Schmiedes. Ihn selber sah Helte nicht. Gr blickte nur ein paar rote, haarige Arme von fürchterlich« Kraft, die lebendigen Fichtenstämmen glichen. Diese Arme hanti«ten mit einem großen Schüreisen in ter Glut des mächtigen H«tes, ter die Hälfte ter Höhle einnahm, so daß glühende Steine heraufgeschleudert wurden, die an Helte vorbeiflogen wie betrunkene rote Monde. Hetzt entdeckte Helte auch das Gesicht des Schmieds. Es war ater von Rauch und Qualm derartig geschwärzt, daß es sich von dem rusigen Hintergründe der Höhle nicht abhob. Darum sah Helte nur den starken, roten Bart, ter wie eine hin- und herschwankende Flamme in ter Luft zu hängen schien und die lange Haarmähne, die harsch und stur Mn das unsichtbare Gesicht Herumstand, wie ein zackiger Flammew- gürtel. Da jetzt die Glut des Schlotes einen Augenblick den Atem anhielt, faßte Helte Mut und glitt hinein in bett Schornstein. Als ter Schmied sein Sprüchlein hörte, lachte « so sehr, dah er sich hinsetzen muhte und die Schlangen, die wie ein bunt« Zaun den Feuersee umgaben, sich vor Lust bäumten. Dabei fuhr fein Bart so heftig durch die Luft, wie die Flamme bei einer Feuersbrunst. „Das Beil, von dem du sprichst, könnte ich wohl schmieden," sagte « endlich, „ater es tut Mr leid, daß du die wack«e Eiche fällen willst, die den Himmel mit seinen dummen Lichtern verdeckt. Da du ater nun einmal durch meinen Schlot gefallen bist, so bleite nur hi«. Du scheinst mir ein mutig« Bursche zu sein, ter die geraten Wege nicht liebt. Das gefällt Mr. Ich will dich darum in die Lehre nehmen. Es wird dein Schate nicht sein. Denn tolr, die wir im Finstern wohnen, können gar manche Künste, von denen ihr Leute draußen im hellen Tageslichte keine Ahnung habt." „Ater wirst du mir auch daÄ Beil schmieden?" fragte Helte, dem die Rete des Rotbartes nicht gefiel. „Du selb« sollst es schmieden, Zickzack, wenn du noch Lust dazu hast, die Eiche zu fällen, nachdem du bei mir in die Lehr« gegangen bist." „Wenn du Mr das »«sprichst," sagte Helte, „so will ich bei dir bleiben." „Topp," sagte ter Schmied und hielt ihm die schwarze Hand entgegen, die so groß war wie ein Geierflügel und.so fest zupackte wie ein Wolfsgebih. Hätte Helte nicht Gullas Haar in ter Hand gehalten, das durch feine seidige Weiche den Druck milderte, die Hand wäre ihm zerquetscht Worten. „Nun komm," sagte ter Schmied, „jetzt wollen wir zusammen essen und trinken, wie es guten Kameraden geziemt." Damit wies er auf einen tiefen Napf, in dem sich ein blutiges Fleischgerächt befand. Als Helte sich ater darüberbeugte, erfaßte ihn ein unerklärlicher Ekel und er ergriff nur einige ter Rüben und Früchte, die neben dem Napfe lagen und stillte damit seinen Hung«. Der Schmied ater verzehrte wohlgemut, so viel er nur konnte . „Nun wollen wir einen kräftigen Trunk miteinander trinken." sagte ter Schmied wieder und gab Helte einen Becher, mit dem sollte « arrs dem blutroten Feuersee schöpfen. Helte ater fah, als er sich nieterbückte, daß neben dem unheimlichen Wasser, In dem ter Schmied seine Eisen zu kühlen Pfleg-e, ein kleiner, silber- glänzend« Teich sich befand, aus dem löschte er seinen Durst. Dann legte er sich auf Geheiß seines Wirtes in ein« Felsen- nische schlafen und schlief fest und ruhig einen ganzen Tag hindurch Nachts weckte ihn ter Schmied, befahl ihm aufzusteten und den Blasebalg zu rühren. Das tat « denn mit großem Fleiße und merkte datei gut auf die Arbeit des Meisters, so daß er die Griffe und Schläge v«stehen und nachahmen lernte. Denn er wollte ja so bald als möglich geschickt werten, um fein Meisterstück, das Dell, schmieden zu können. Der Schmied hatte g«ate einen kunstvollen Schlüssel in Arbeit, ter jedes Scblvß öffnen konnte, wie er sagte, und sei es noch so sich«. Wunderlich «schien es Helte, daß ter Meist«, ter mit zufriedenem Lächeln in ter Höhle herumhinkle, denn er war ein wenig lahm, unablässig dunlle Sprüche vor sich hinraunte und -murmelte, während « das Eisen zog, bog tmd zerschnitt, mit Zangen und kleinen Hämmern bald hier, bald dort zugriff, wohl auch einmal mit ter bloßen Hand, die gegen die Hitze unempfindlich zu fein schien, die seltsamen Arabesken, mit denen er den Schlüssel zierte, nach seinem Willen formte. Zwei Dornenzweige waren es, die « bUtete, dazwischen Beeren, wie sie die Gift- flräucher im Walte tragen, der Bart des Schlüssels ater erschien wie ein Drachenmaul voller spitzer Zähne, Helte schaute zu, wie er hantierte, kümmerte sich ater im übrigen darum, seinen Blasebalg, der in ter Windfvrm stak, ge- wisienhast zu ziehen und die Rotglut des Ölens zu unterhalten, wje fein Amt es «heischte. Nachdem der Schlüsse! fertig war, wurde ein Kessel gearbeitet, in dem sollten kräftige Tränklein gebraut werden, sagte der Meister und lachte dabei. (Zelte lieh sich das nicht anfechten, sondern schlug kräftig und geschickt mit seinem groben SHlaghammer, den er in beiden Händen hielt, auf die Stellen, die ihm der Weister mit seinem Keinen Vorschlaghammer bezeichnete. Nachdem der Kessel fertig war, und mit kunstvollen Verzierungen reichlich versehen, wurden viele hundert Pfeile geschmiedet. die hatten die Eigenschaft, sagte der Meister, so weit zu fliegen, bis sie auf Beute trafen, und dann sogleich im Leibe des wurchen Wildes steckend, zu ihrem Schützen zurückzukehren. Als nun die Pfeile fertig waren, befahl der Schmied seinem Lehrling, auf die Hagd zu gehen, denn der Vorrat an Fleischspeise sei aufgezÄhrt. (Zelte zögerte einen Augenblick, denn er liebte die Tiere des Waldes und mochte sie nicht töten, der Schmied aber wurde zornig und befahl ihm aufs neue, zu tun, wie er gesagt hatte. «Wenn du mir eine gute Mahlzeit bringst, wie ich sie liebe," sagte er, und über sein schwarzes Gesicht flog ein häßliches Lächeln, „dann sollst du sogleich Erlaubnis haben, dein Meisterstück, das Veil, zu schmieden." Da ergriff denn (Zelte ohne weitere Widerrede Vogen und Pfeil und kletterte an den zackigen Felskristallen empor zum Schornstein, stülpte seinen Hut von Butter wieder auf, den er der groben Hitze wegen dort aufgehängt hatte, kroch hindurch und stand nun auf dem Gipfel des Berges. Einen Augenblick blendete ihn das ungewohnte Tageslicht, bald aber blickte er voll Sehnsucht auf das Meer und zu den Inseln hinüber, die waldbedeckt vor ihm lagen. Endlich entschlotz er sich un£> schob, ohne irgendwie zu zielen, einen Pfeil ab. Es währte nicht lange, so hörte er das laute (Zammern einer Knabenstimme, die von der nächsten Insel herübertönte. And in gerader Richtung durch die Luft kam ein Knabe geflogen, der doch keine Flügel hatte. Gin paar Schritte unter (Zelte faßte er Fuß und stürmte nun, wie in rasenden Schmerzen umherspringend, den unwegsamen, glatten Fels hinauf, auf dem nicht einmal der Fuß eines Moses Platz fand. Zu (Zeltes Füßen stürzte der Knabe nieder. (Zelte bückte sich ihn aufzuheben. Da sah er. daß ihm der Pfeil des Schmiedes im Herzen steckte, und er erkannte nun deutlich, welcher Art das Wildbret war, von dem der Schmied sich nährte. Doll Entsetzen und Grauen beschloß er, nie wieder in die Höhle des Schmieds zurückzukehren, sondern lieber zu versuchen, mit der Kunst, die er bei dem Schmsted erlernt hatte, mit einejm reineren Feuer als dem, das in dem Blutsee flamMte. das Beil, dessen er bedurfte, zu schmieden. Er zog den Pfeil aus dem Hjer^ zen des Knaben und warf ihn mitsamt dem Bogen ins Meer, wo er unter greulichem Zischen in dem Wirbel versank, der den Felsen umtobte. (Zelte lud den Knaben, den er für tot hielt, auf feine Schultern und wollte nun den Felsen hinabklettern, um auf irgend eine Weise sich der Insel zu nähern, von der der Knabe gekommen war, um ihn zu seinen Eltern zu tragen. Rach seiner Zickzackart überlegte er keineswegs, sondern ging frisch darauf los. Bei den ersten Schritten aber glitt er aus und sank gerade in den wilden Strubel hinab, der ihn zwar aus der Tiefe, in die er beim Sturze gesunken war, wieder empvrtrieb, ihn aber rettungslos im Kreise umherwirbelte. Schon glaubte er sich verloren, da bemerkte er, daß sein Hut von Butter, der ihm vom Kopfe geglitten war, im Meere zerging, und dah der gefährliche Strudel sich glättete, als habe man Oel auf die Wellen gegossen. Wohlgemut schwamm nun Helte hinüber nach der Insel, immer den Knaben auf seinem Rücken tragend. Wie groß aber war seine Freude, als das Kind sich zu regen begann und, sobald Helte das Land erreicht hatte, unter Lachen und Verwundern feinen Eltern entgegenlief, die ihn voll Angst gesucht hatten. Dia heftige Erschütterung hatte wohl sein Blut toieter in Wallung gebracht, und die Dutterwogen hatten sich dann heilsam auf die Wunde gelegt, daß sie sich schloß. Die Eltern des Knaben, als sie hörten, was sich zugetrageni hatte, waren voll Dank gegen Helte und führten ihn tiefer in die Insel hinein, wo eine verlassene kleine Schmiede stand, auf deren Herde das Feuer erloschen war. Dort richtete sich Helte eine Werkstatt ein, reinigte die leere Feuergrube von Würmern, Spinnweb und Staub, fegte und scheuerte und mauerte den Herd und arbeitete so hart die ganze Nacht hindurch, daß ihm am Morgen von der großen Anstrengung das helle Feuer aus den Fingernägeln sprang und sich von selber auf dem Herde entzündete. Gestärkt durch dieses Wunder ging Helte sogleich ans Werk und hatte nach wenigen Tagen das Beil vollendet, das war so schnell und scharf, dah es im Nu eine Klafter Holz zu spalten verstand, dabei zu glätten und zu schlichten wußte, dah es eine Lust war. Denn es war ja in dem Feuer aus Mannesnagel geschmiedet worden, in dem Feuer, das nützt. Helte brannte nun vor Verlangen, sein Werkzeug an der Eiche erproben zu können. Daher sah er tagelang am Strande und wartete auf ein vorübersegelndes Schiff, das ihn aufnehmen und zu der finsteren Eiche führen könne. Gullas Haar hielt er dabei beständig in der Hand. da es an seinem Herzen glänzend geworden war und sich lockig um seinen Arm wand, kam neugierig ein Schlänglein herbeigeschossen, die das goldene Ding für ihres- Schrittleituna: Dr. Friede Wilb. Lanas. — Druck und Verlas der gleichen hielt und mit ihm spielen wollte. Helte gab gut acht, woher das Tier gekommen war. und entdeckte eine Felsenspalte, die ihnr, da er näher hinzutrat, groh genug zu sein schien, um hindurch zuschlüpfen. Das tat er und gelangte auf diese Weis« in einen langen, dunklen Gang, der in unregelmäßigen Windungen tief hinabsuhrte und zuletzt unter dem Meere durchzugehen schien, denn Helte hörte das Wasser über sich brausen und wogen. Anerschrocken ging er weiter, ohne zu wissen, wie lange er so fortwanderte und ob es etwa Nacht geworden sei und wieder Tag. Manchmal war es so heiß da drinnen und voll schwefliger Dünste, dah er zu ersticken meinte, ein andermal wehte ein unterirdischer eisiger Hauch zu seinen Fähen und erstarrte ihn. Auch die Farbe der Dunkelheit wechselte. Erst war sie purpurn und furchtbar, dann schwarz und stumpf. In diesem Schwarz entdeckte Helte beim Schimmer von Gullas Haar, daß der schmale Gang sich zu einer Grotte ausgeweitet hatte. In dieser Grotte sah auf einem blauen, durchsichtigen Steine ein Dettelweib. Helte erkannte, daß es die Alte war, die an der finsteren Eiche gestanden hatte. Hetzt trat ihr Gesicht jünger und lichter als damals, und die gütigen Augen schienen größer geworden. „Guten Tag, Zickzack," sagte sie freundlich, „da hast du ja das Veil, das mit der Kunst des Schmiedes geschmiedet wurde." „Ha," sagte Helte und hielt einen Augenblick an, „kannst du mir vielleicht den Weg zur finsteren Eiche zeigen?" „Das kann ich" sagte die Alte, „denn ich weih Bescheid mit allen Wegen. Ich bin die Gefahr, die Schwester des Todes, in dessen Königreich du dich befindest. Schließe nur die Augen und gehe diesen Weg weiter, so weit er dich führt. Aber hüte dich, dah du nicht auf schaust, denn sonst kommst du nicht zum Ziele, das du dir vorgenommen hast, du dummer Zickzack." And Ye lächelte ganz seltsam vor sich hin. Helte aber hielt sich nun nicht länger aus, sondern schloß gehorsam die Augen und wanderte weiter. Eine seltsame Wanderung war das! Wieder wußte er nicht, wie lange er wanderte und ob es Tag war oder Nacht. Einmal sah er vor den geschlossenen Augen die finstere Eiche stehen, fo deutlich, daß er schon stolperte über ihre Wurzeln, die bis hier herunterreichten. Er ergriff sein Beil, zum Glück aber gedachte er seines Versprechens und öffnete die Augen nicht, sondern hieb nur blind darauf los. „Das war gut, Zickzack," hörte er da neben sich die Stimme der Alten, „jetzt ist die finstere Eich» gefallen und es herrscht Licht und Fröhlichkeit im Eichenstädtchen." Helte ging weiter und sah den gewundenen Fluh. Das schönst« Doot stand darauf bereit und winkte mit dem Segel. Schon wollt« er es besteigen, da gedachte er seines Versprechens und ging mit geschlossenen Augen weiter. Danach sah er die Feuerbuchstaben der großen Welt, zu der er sich hingesehnt hatte und um deretwillen er alle diese Gefahren bestanden hatte. Aber er gedachte seines Versprechens und wanderte mit geschlossenen Augen weiter. Er hörte das Brüllen seiner Kuh und fühlte Wiesengras unter seinen Fähen. Aber er gedachte seines Versprechens und ging mit geschlossenen Augen weiter. Endlich spürte er es feucht, wie von Nebeldünsten, und eine sühe Stimme, die wie das Zwitschern der Schwalbe klang, rief ihm zu „Willkommen zurück, lieber Zickzack." Da aber konnte Hell« sich nicht länger halten, er öffnete die Äugen. „Willkommen zurück, lieber Zickzack," sagte Gulla noch einmal und reichte ihm ihre Hand über den Graben hinüber. Da sprang Helte mit einem Satze über den Graben und sagte: „Lieber will ich hier im Nebel mit dir umkommen, als noch einmal von dir gehen, um in der großen Welt das Feuer zu suchen, das wärmt und erlöst." Dabei umfaßte er die (Jungfrau und küßte sie von ganzem Herzen. Als er sich aber satt geküßt hatte und aufschaute, da gewahrte er, daß die Sonnentochter vor ihm stand, stolz und herrlich, wie er sie nie gesehen hatte, ganz in goldene Gewänder gekleidet, von goldenem Gelock umflutet, das wie ein Königsmantel ihre Gestalt umgab, ohne doch den Boden zu berühren. „Du lieber, dummer Zickzack," sagte sie, „begreifst du nicht, daß du das Feuer, das du suchtest, in dir tragest? And daß die große Welt mit ihren Rosen und ihrer Wärme, nach der du Ach hinsehntest, nun selber zu dir gekommen ist?" Damit umfing ft« ihn aufs neue, die Rosen dufteten, und das Haar der Sonnentochter leuchtete. Helte aber vergaß in seiner unaussprechlichen Freude alle Not und Gefahr, die er ausgestanden hatte und könnt« nicht genug staunen darüber, wie verblendet er gewesen war. „Aber denke nur, wie schrecklich es gewesen wäre," sagte er endlich, „wenn ich meines Versprechens gedacht und auch bei dir nicht aufgeschaut hätte!" „Wohl wäre das schrecklich gewesen," erwiderte Gulla, „denn an jener Stelle, an der du die Augen geöffnet hättest, hättest du für immer verweilen müssen." Da lachte Helte über jein ganzes Gesicht und sagte beschei- deutlich froh: „Sv war es also gut, daß ich solch ein Zickzack bin, der keinen geraden Weg zur Erde gehen kann." Danach küßte er Gulla aufs neue und sie waren froh in® zufrieden, viele Hahve noch, bis zu ihrem Ende. Vrübl'schen Aniv.-Vucb- unJ> Kteindruckerei. R. Lanae Dieben.