Jahrgang (92< Samstag, den 2.Zebruar Nummer S Gietzener jamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Vergänglichkeit. Dvn Hugo v. Hofmannsthak Doch spür ich ihren atem aus den Wangen: Wie kann das fein, daß diese nahen tage Sort find, für immer fort und ganz vergangen? Dies ist ein ding das keiner voll aussinnt And viel zu grauenvoll als daß man klage: Daß alles gleitet und vorüberrinnt. And daß mein eignes ich durch nicht- gehemmt Herüber glitt aus einem kleinen kind. Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd. Dann: daß ich auch vor hundert jähren war And meine ahnen die im totenhernd Mit mir verwandt find wie mein eignes haar. So eins mit mir als wie mein eignes haar. Hofmannsthal. Zu feinem 50. Geburtstag, am 1. Februar, Don Dr. Paul Landau. Di- Stellung Hofmannsthals in unserer heutigen Literatur ist merkwürdig und einzigar.ig. Don früher Jugend an mit dem Ruhmeskranz des gr.hn Dichers gekrönt, hat er in der reifsten Zeit sei res Lebens wenig mehr für diesen Ruhm getan und bleibt vorläufig in unserem Schrifttum der „junge Hofmannsthal", der Poet einer überreifen Schwermut und späten Romantik, als der er, kaum d-nr Kn-abenal.er entwachsen, zu Anfang des letzten Jahrzehnts des vv igen Jahrhnter s h-rvortrat. Sine „Gerichte Mio -leinen Dramen" aus dieser Frühzeit, die in einem kostbaren Dand des Jnselverlagrs gesammelt sind, umschließen einen unvergänglichen Schatz unserer Poesie und wirken noch heute mit einer ebenso betäubenden Süße und Anmut, wie damals als wir sie zuerst bewunder.en. Was der Dichter im letzten Jahrzehnt geschaffen, ist unbedeutend, wenn man es mit der Pracht dieser Juge.idschöpfungen vergleich': ein paar schöne schmiegsame Opern- texte, blasse preziose Theaterstücke, hie und da ein Gedicht. Aber in anderer Weise ist er nunmehr zu einer geistigen Macht geworden, nämlich als Verwalter des Kulturerbes deutscher Dichtung. In seinen Essays und Arteilen, in seinen Bekenntnissen und Aphorismen, in jeder flüchtigsten Aufzeichnung dieses großen vnllsten, liegt etwas von einer ästhetischen Weltanschauung und hohen Schönheitsanbetung die uns in den Tagen des Zusammenbruchs aller Werte besonders teuer ist. Jedes Wort, das Hvf- mannsthal schreibt, ist g ttragen von einer hohen und harmonischen Bildung, tote sie heu.e fast ganz verloren gegangen ist. Die Kraft des Racherlebens und des Reuformens des Geformten die seinem Dichten ve.hängaisvoll wurde, befähigt ihn zu seiner kulturellen Herrfcherpellung. und so lebt in ihm eine Macht die rhn zum „S atthal'er GoetheS" im heutigen Deutschland macht, zu ein®« weisen Magier, der die guten Genien der großen Ver- «a-S^heil zu neuem Dasein heraufzubeschwören vermag. Die „Times' hat kürzlich in einer Besprechung des herrlichen rvK1.'$en Lesebuches", in dem Hofmanns thai das Reifste Md Reinste an deutscher Prosa gesammelt hat, gesagt, ein solches 2~'frattjeife besser als alles Reden die Kulturmission, die Deuts-.),sand in der Welt habe, zeig: die unvergänglichen ewigen vchätze, gie es der Menschheit geschenkt. And in seiner schlich- stclzen Vorrede hat Hofmannsthal selbst die Bedeutung die Größe eines solchen Werkes umschrieben. Hierher gehört auch die Herausgabe seiner neuen Zeitschrift „Deutsche Beiträge", in । Güter unseres Geisteslebens gesammelt werden und rtn Jltoeau des Geschmacks von einsamer Höhe herrscht. Dem- flegemiter haben die letz'en Dichtungen, die er veröffentlicht, "Wt viel zu bedeuten. Seit fast 20 Jahren, seit er in dem ^Eretteten Venedig" das Werk des Engländers Otway gearbeitete. hat er sich immer wieder an fremde Stoffe und fremde Sonnen ang lehnt, so auch in der grandiosen, gewaltsam über- sl^-rnden „Elektra", so in seinen beiden besten größeren bra« manschen Dichtungen, dem vielaespielten „Jedermann" und Sem Ealderonische Mo i'oe tiefsinnig verwertenden, aber doch Spielerische streifenden „Großen Wel t t he a t e r". lV ^Esem letzten Werk lenkt der Dichter zu Gestaltungen » rua, wie sie tbm blutvoller und reicher in dem DLmmerunge« der Jugend auftauchten, und was schön aus diesen letzten Werke« klingt, ist doch nur jene ergreifende Melodie der Frühwerke, di« einen neuen zilte-mden Seelenton in unsere Dichtung gebracht haben. Hofmannsthal ist trotz all seiner dramatischen Versuche, trotz einzelner schöner Erzählungen, die er uns gespendet, doch im Kerne nur Lyriker, und so tritt uns der Zauber feines Schöpfung am stärksten in der Sammlung seiner „Gedichte^ entgegen, die vor kurzem im Insel-Verlag erschienen ist. _ 2lls der !8jährige Hofmannschal 1892 das Bruchstück „Der Tod d e s T i z i a n“ veröffen lichte, da brach eine neue Epoche in unserer Literatur an. Aeber die trübe Grau in Grau-Malerei Raturalrsm'as triumphierten leuchtende Farbenfanfaren von tizianischem Gold, über die mühselige Rachahmung der Amgangs-- fprache hymnische Rhythmen edelster Worttunst. Das wundersam« und scheinbar VoraussetzungSlose Auftreten des jungen „Loris*, wie er sich nannte, erklärt sich uns heute rückblickend aus jenen Keimen, die damals schon in der Kunst Georges und der Stimmung einzelner Wiener hrrdorbrachen. 3m Grunde genommen aver war diese Poesie „der halb erwehten Klänge, der unerfahren ften Farbe« des Verlangens", schimmernd vom „Schmelz der ungelebten Dinge, altkluger Weisheit voll und frühen Zweifels", mit der die Aeuromantik in Deutschland begann, eine Parallel- erfchmnung zu den Strömungen, die in Frankreich von Maeterlinck aufg nommen wurde. Sin Auflösen der ganzen Welt in Schönheit, ein Betrachten alles Geschaffenen unter dem einen Gesichtswinkel des Aesthetischen, das was das Evangelium der reine» Kunst, das der junge Hofmanns-Hal predigte. Richt am Leben und an der Aatur entzündete sich sein Lebens- und Aatu-gefühl sondern an den inneren Visionen und an den künstlichen Dingen seiner Amwelt. Müde von der doppelten Last des Vergangenen und der Kunst blickte der Dichter, der Erbe vieler Geschlechter und Gefühle, auf das Dasein, das ihm nur im Bilde, nur durch dis Storm Gestalt und Wirklichkeit gerinnen konnte. Daher sind ihm vie Erscheinungen des Lebens Schatten eines Traums, Marionette« eines Puppenspiels, bunt sprühende Tropfen eines im etotgen -WechsZ und Wandel Kerstiebenten Springbrunnenstrahles. Mil einer rn'ellektuellm Lust versenkte sich der junge Hofmannsthal in die g ästigen Qualen und übe.sin ilichrn Verzückungen der Menschen seiner Zeit, und diese unkörperlichrn Schwebungen des Gefühls schilderte er in möglichst plastischen, von allem Glanz der Erve umwobenen Bildern. Wir würden hru'e fügen, daß die eine Kunst ist. die auf die Grundlage einer impressionistischen Weltanschauung des Expressionismus trotte ei e'e, und tatsächlich ist die jung: Genera ion der Dich'ung. die im 20. Jahrhundert ter» aufkam. von seiner Kunst stark beeinflußt worden. Die bew. ß e Abkehr von „allen Zeugen menschlicher Bedürftig eit“, d:r Gegenstoß gegen den Raturalismus, die vollkommene Ve.ach/urg dw Wirklich leit, wie sie Hofmannsthal mit unvergänglicher Intensität und Grazie festgebalten, führte zu jenem tief« erlebten tragischen Konflikt, dessen Typus er in dem Claudw fcon .,D e r Tor und der Tod" aufgestellt hack 3n dieser er« g-eisenden Gestalt ist die Wesenheit einer ganzen Generation fest« gehilten, die Anfähigkcit des Erlebens, die schrudervolle Ichsucht, die aus dem Gefäß ter eigenen Persönlichkeit vergebens er andere überzuströmen sucht. Dramatisch ist in dieser Jugenddichtti rg nur die ganz äußerliche Form, sonst ist alles lyrisch, auch in den „Kleinen Dramen", mit denen Hofmannsthal eine neue Form schuf. Am höchsten stehen wohl seine Gedich e. deren blühende Wortpracht an die Sprachkunst des alten Goethe anknüpft und die bald anmutig und leicht wie ein Liedchen ter Anthologie erklingen, bald rätselhaft-tief wie eine Hymne Pinda r s, dann wieder klar und rein tote ein Sonett Petra« cas oder mag'sch-geheimnisvvll wie ein Gedicht der chinesischen Lyrik. Daneben stehen die „Gestalten", die sich- als harmonisch ruhende Reliefs vom Hintergrund der Versuche abheben, die „Prologe u n d T ra uer reden" .Meisterwerke einer hochge« stimmten, feierlich hinraufchenden Festdichtung die „V o r s p i e le", die bedeutsamen Anlässen aus dem Bereich der Bühne ihre Entstehung verdanken. Anter den „Dramen" hält sich der wundersame Monolog der „Frau im Fenster", dem „Tod des Tizian* am nächsten: das Visionäre von „Tor und Tod" lebt in den fiebrig-lebendigen, purpurn glühenden Trophäen von „Der Kaiser und die Hexe“, in denen bereits dir Melodik drS „Großen We l t t hea te r s" angeschlagen wird. Die psychologische Vertiefung des graziösen Zwischenspiels „Der weiße Fächer" weist auf „Christinas Heimreise" hin. und die Mystische MLrchenstimmuag st» „Bergwerk von Falun" 18 Sie holten aus der Hütte Sva^en und Dä>aufel und gruta in der Dämmerung sein Grab. Sie sprachen einen ^^en damber und die alte Grohmutter leg e die Haselstabe und Hol.unde^w« ^ über den Hügel. Dann nahm der alte Jager die Flinte und sie srisck; seltsame Beschwörungen murmelte er dibei und die al Frau suchte mühsam im Dunkel nach der Pflanze Hartheu, der der Jäger keinen Schuh fehlt. ah-.h6 Roch einen festen Haselstock schnitzte sich der Alte iurSwtz und wankte in den Wald hinein. Sein Weid sah weinend auf dem Grabe und sah ihn im Dunkel verschwinden. Er ging„nach^dem Jagdschloh. Seine alten Deine trugen ihn nur mühsam un Flinte war ihm schwer, aber seine Augen glühten vor Kumm Zorn und er ging nun unaufhaltsam vorwärts - -Im- Sİh ä totenstill, kein Laut drang auS den ^llsrleuchteten und er wandte sich wieder nach dem dunklen Walde. un& der Wind klagend durch die Bäume, die Eulen jammerten u^ schrien, und gellend pfiss die Fledermaus. Ächzend bogen sich^ Bäume, und ihre Aeste klovsten seltsam iönend ü^eu 2lus dem Moos stiegen schwule Dämpfe aus wie eingit g tz^rch. und Ne Irrlichter huschten mit blassem Schein an »um Schloh. Er hatte sich vorgenommen, seine Furcht zu über, winden und mit dem alten Diener zu reden. — Doch diesmal war es dunkel im Pserdestell. Nur die offenen erleuch eten Seniler deS Schlosses warfen grohe viereckige Lichter auf die moosdurchwach- sene Rasenfläche. Wie er aus den dunklen Stämmen hervortrat und sie überschreiten wollte, sah er in einem, dicht zu seinen Fähen scharf abgezeichnet ein Schattenbild. Er erstarrte vor Erwartung: es muhte die junge Gräfin sein! Aber eine zwingende Furcht verhinderte ihn, aufzuschauen und nach dem Fenster zu bluten, an dem sie jetzt stehen muhte. Er sank in die Knie, jein Kops neigte sich und sein Mund berührte das weiche Moos. Da war ihm, -als berühre- er einen weichen Mund mit blühenden Lippen. geschrocken blickte er empor, bereit, aufzuspringen und ins Schloh zu eilen. Doch still und leer blickten die Hellen Fenster, und ver- wirrt senkte er den Blick. - Wieder sah er das Schattenbild zu seinen Zützen und wieder neigte er sich zu ihm. Er suhlte weiche Hände in seinen Haaren und warme Arme um seinen Hals! — Lange lag er so, — halb betäubt. Seine Seele wanderte in ein glühendes Dunkel, — bald wutz e er nichts mehr von sich. Als der Tag graute und das Licht im Schlosse verblühte, kam er wieder ATI fiel)». — erfyob- flcf) und wollte öq sah er plötzlich die junge Gräfin. Sie stund unter der Tür des Schlosses in Hut und Jagdgewand, ein alter buckliger Diener reichte ihr die Handschuhe; ein anderer stand daneben, der die Flinte hielt. — Sie blickte nach ihm hin. Auf ihrem weihen Ge- sicht war ein höhnisches Lächeln, und mit scharfer Stimme sagt« sie: „Was liegst du hier vor meiner Tur, Barsche? Du willst mein Jäger sein, und ich weih, du kannst kein Lier toten! Sei erst einmal fleihig und räume mir ordentlich auf unter dem vielen Wilde hier im Wald. — vor allem bringe mir den silbergehornten Rehbock, der sich hier Herumtreiben soll, — dann kann es noch werden, dah du mein Jäger wirst. Dann will ich dich zu mir ins Schloh nehmen, und du kannst bei mir bleiben. Damit nahm sie ihre Flinte und ging in den Wald, und die alten krüppeligen I Bedienten verschwanden lautlos in der Tür des Schlosses. Da ging der Bursche heim und holte Pulver und Blei. Er begann, den Tieren des Wildes nachzustellen. Hub reden Tag I legte er seine Beute vor die Tür des Schlosses. — Kein Zweiglem I steckte mehr im Flintenlauf, — rauchgeschwärzt ragte der, und der I Bursch, der sonst frei und unbekümmert dahingeaangen war, trat I leise auf. vermied die krachenden Zweige und schlich behutsam durch | &lL ^Und^bald erkannten auch die Tiere, dah er ihr Freimd nicht I mehr war und versteckten sich vor ihm. — Der Freitag kam heran, I fernher tönte das Glöcklein, - da lag die Zauberwiese wieder I vor ihm Aber nicht vermochte er sie zu betreten Festgewurzelt I war sein Fuh er sah die Riehe und still und friedlich unter der Mädchenschar weiden, und sein Herz wurde schwer und schwerer. I Auf einmal erblick e ihn der Bock und stieh einen gellenden War- I nungsrus aus. Alles wandte sich in wilder Flucht vor ihm nur der Bock stürzte auf iha zu mit wuterfüllten Augm und feuer- I schnaubend. Da sank der Bursche in die Knie und weinte bitterlich. I ^d durch seine Tränen sah er etwas wie einen Rebe! aufsteigen, I der alles vor seinen Blicken verhüllte. I An diesem Abend brache er keine Beute zum Jagdschloh. und I die alten Jägersleute hörten ihn im Schlafe weinen und klagen und I zu der iunam Gräfin sprechen von der Wirse und dem sllbergehörn- er nicht tö^cn wolle. Am nächsten Morgen ata hatten die alten Leute es wieder vergessen, und es Hel ihnen erst I ein als es nach einer Woche geschah, dah der Bursch weder am Abend noch am Morgen nach Hause kam Da begann es ihnen I [vrnge zu werden, und endlich machten sie sich auf, um im Schlosse | nach ihm zu fragen. . - fl. it- Ab-r wenig Schrille waren sie gegangen da fanden sie tM | tot auf dem Moose liegen. Er lag ans dem Rucken.und in seiner I Brust waren zwei tiefe Wanden. Seine Augen blickten wirr und I erstarrt in die Baumkronen die über ihm im letzten Sonnenstrahl I erglühten. „Das war Freyas silbergehörnter Rehbock s^te ta , I ßtte — und weinend knieten die beiden Alten ort dein t‘mK1foSVan nichts anderes mehr denken, att an die ÄÄ ffi ™ Ä”? Äjtt I "9^ Aeste, ihm war, als sehe er ein tagendes rot, ein fliegendes Gewand: bann schwindelte ihn. und erchiel tön« Sj dann plötzlich auf der hellbestrahlten Wiese .stand, im frischen kühlen Wind, so wich sein Fieber; die Rehe umnng .en chn zull^'lich und die Mädchen, die Ball spielten oder Kranze flochten luden ihn mit freundlichen Blicken ein, mitzu.un Da fühlte er wieder sein ruhiges glückliches Herz, und er vergah sein Seid u^d s-ÜE Sehnsucht - Er grübelte nicht mehr nach, was 2 Mr Äne 'Ltnandtnis mit der Wiele habe, er füh te nur., wie ^>hi ihm wurde im Hellen Sonnenschein bei den stillen Tieren und den lieblich lächelnden Mädchen. — Da drang kein lockender Ton an sein Ohr. — Aber kaum wich der führ, ruhige Schlummer, ber an der Neige des Tages stets befiel, und kaum umdräng- ten ibn wieder die dichen Stämme des Waldes, so trieb ihn die Sehnsucht durch Gestrüpp und Dornen den Tönen des Jagdhorns «ach. - Biele Wochen lang ging es so fort — Eines Rackrs schlich er zum Jagdschloh. — Da^berein Helles Lich im Pferdestall, der fdttrxirtS davon lag. Roch nie hatte er ihn geöffnet gesehen; drinnen hörte er Geräusch joaernb trat er auf die Schwelle und sah, dah auher einem alten Diener fein lebendes Wesen darin war. Alles war sauber gekehrt und «eben jeder Krippe lehnte ein Besen. Der alte Diener war beschäftigt Hafer aufzuschütten. , Der Jägerbursch faßte sich ein Herz, trat zu ihm heran und trug wo denn die Pferde seien, für die er den Hafer schütte Der Alte murmelte widerwillig: „In Birken und Binsen, in Birken taib Binsen!" Hub als er dabei den Kopf nach ihm wandte schrak der Bursch heftig zurück: das war ja der alte hinkende Bettler^ ben er im Traume gesehen! Schaudernd verlieh er den Stall uno lief nach Hause. Ihm war so benommen zu Sinn. Aber trotz seiner Angst ging er am nächsten Abend wird.. tzvaat sich an dramatische Steigerungen. Vie tarnt zu den großen | Dersuchen einer Neugestaltung der Antike in -Oedtpas und I tzph in i“ und „Elektra" führten. Hofmannsthal ist federn tn vielen Wandlungen und Berwandlungen erschienen, aber wir lieben vor allem die Schönheit seiner Jugenddichtung, d e an eine | jener herrlichen antiken Ephebenstatuen gemahnt, zart und grazu , tn der-Bewegung und Formung der Glieder, aber zugleich beseelt von üppiger Lässigkeit und sehnsüchtiger Träumerei... Die Wiese. Don M. von Gey so. ' (Schlutz.l I rerr» »v rtRonbs beimkam sagten ihm die Alten, er wüsse gleich j W SÄfcÄ Gräfin. Sie habe einen Dien« aefchickt und ihn entbieten lassen. So ging er denn. Cangfam töt -> rÄ öfö arinsten überall Gesichter nach ihm hin. Alle Duren standen E« »L «E> kam «In dn Nein.» ®«m«* -K lad-- % 5ÄÄ »ÄtLU- »ÄÄSÄ» W? .“Ä “S,"66^ ZWMWZM Kunden hast Gr tat es. und als er wieder zu ihr, trat, erfaft-e sie die Hand, an der nun offen das goldene S W fe ta« in der ihren. Ihm war, als zöge sie ihm die nioher Sie lieh seine Hand los und sag e. Du kannst «eben! Als er am nächsten Morgen seine Hand t rachtete, war d^r Goldring verschwunden und ein schwarz gebrannter Abdru — 19 - Stämmen empor. Songfam schleppte sich der Mte vorwärts. Do brang es tote Singen und Klingen an sein Ohr. Er ging den Tönen pach, sie tourden lauter und lauter, und endlich hörte er eine rauschende Musik und sah eine mächtige uralte Eiche ganz von Licht bestrahlt. Dorther, aus dem dichten Laube drang die Musik, er hörte Lachen und Lustgetös, — und nun hob er die Flinte und zielte mitten hinein: da gellte ein gräßlicher Schrei durch den Wald. — Plötzlich wurde es stockdunkel auf dem Daum, und ein wütender Sturm erhob sich. Grelles Schreien, wildes Fauchm und Grunzen erscholl, Peitschenknallen, Pferdegewieher, schrille Pfiffe und ein lauthallendes Rasen in den Lüften. Der alte Jäger stand in einem Kreis, den er mit seinem Hasel» stab um sich gezogen hatte. Er bekreuzigte sich unaufhörlich und richtete ein Stoßgebet nach dem andern an seinen Schutzheiligen, plach und nach en:fernte sich das wilde Raken, es wurde schwächer und leiser und verhallte allmählich in der Ferne. Der alte Jäger stand still, bis es anfing zu tagen. — Ws es Hell genug war. daß er um sich blicken konnte, sah er eine große Verwüstung. Die mächtigen Reste der Eiche starrten nackt und Verkohlt gen Himmel, und der Boden war bedeckt mit geborstenen Zweigen, mit gelber Asche und verwittertem Laub. — Mitten darunter sah er es schimmern, und als er herzutrat, lag da ein zersetztes. blutbeflecktes Frauengewand. — Da entsetzte er sich und ging davon so schnell er konnte. Sein Weib säst noch immer auf dem Grabe. Er zeigte ihr die abgeschoffene Flinte, und die beiden Alten wankten langsam nach ibrer Hütte. Aach ein paar Tagen erschien einer der Diener der jungen Gräfin. Stumm, ohne ein Wort zu sprechen, übergab er dem Jäger den Scklüssel zum Jagdschloß. Als er fort gegangen war, machten sich die beiden Alten auf und pimpelten ihm nach, so schnell sie konnten. — Als sie am Schlosse angelangt waren, kamen sie noch gerade zurecht, um zu sehen, wie die junge Gräfin von ihren Dienern auf einer Bahre die Treppe heruntergetragen wurde. Die alten Diener hoben sie behutsam in einen Wagen, einer stieg auf den Bock und ergriff die Zügel, die beiden anderen stellten sich hinten auf. und dann rollte gier Wagen mit der ganzen Sippschaft zum Walde hinaus. (Eine Winlernachl. Bon Heinrich Bechtolsheimer, Gießen. Am 18. Aovember 1858 war beim Johann Enders zu Flonheim Metzelfuppe. Einige Tage zuvor war ein tüchstger Schneefall eingetreten, so daß das Land weithin mit der weißen Decke ein» !,ehüllt war Der Schnee war alsbald sestgefrvren und bildete eine este, sichte Kruste. Am Morgen des 18. Aovember hatte es Regen gegeben, der aber nicht hinreichend war. um den Schnee zur Schmelze zu bringen. Am Aachmittag trat unerwartet wieder strenge Käl'e ein, und man glaubte beinahe, daß die Kälte von Stunde zu Stunde zunehme. Die Leute, die über die Straße gingen, hatten rote Ohren und blaue Aasen, und soweit sie keine dicken Fausthandschuhe trugen, auch rote Hände. Der auf den Regen folgende Frost hatte Glatteis gebracht, Stauen und Kinder streuten Äsche, trotzdem fiel mancher, der zu hastig ging, zu Boden. Infolge der Kälte herrschte in den Hofreiten Stille, es konnte ja doch niemand im Hofe oder in der Scherer viel ausrich‘en. Hier und da waren die Leute damit beschäftigt, die Pumpen mit Stroh zu umwinden, damit sie nicht springen sollten. Auch die Stalltüren stopfte man mit Stroh zu. damit das Dieh nicht notleidew sollte. Der Himmel hatte sich vollständig aufgeklärt, hell und blau spannte er sich über der Winterlandschast aus. Ro'glührnd stand in den späten Aackmittagsstunden die Sonne am Himmel, und ihr Schein spi gel'e sich in den Fensterscheiben, lieber den beschneiten Dächern stieg der blaugraue Rauch aus den Schornsteinen auf, die Frauen hatten große Holzscheite in die Oefen geworfen in den Stuben Työrte man wie das brennende Holz knatterte. Durch die klare Winterluft schwebte der Klang der Feierabendglocke und schwang sich hinaus in das winterliche Land. Das war so recht ein Tag zum Schveineschlachten. Den ganzen Tag hindurch hatte es bei Johann Enders zu tun gegeben. Morgens um 9 Uhr war der Metzger Ludwig Kilian gekommen und hatte die beiden großen Schweine abgeftochen, jedes der beiden wog nahezu drei Zentner. Hell und durchdringend drang der Todesschrei der Tiere tHnauS in das Dorf. Dieses Schreien und das Klappen der Dreschflegel sind Töne, die zum Wintermorgen in den rheinhefsischen Dm-fern gehören wie der Lerchengesang über der Flur zum Frühlings'age. Die Schweine wurden in der großen Bütte mit kochendem Wasser abgebrüht, die Borsten wurden abge- » schabt die Tiere würben ausgenommen, zerlegt und am Scheuertor • an großen Haken aufgehängt. Borher schon hatten die Metzger die Teile, die zur Wurstbereit ung verwendet werden fönten, abgetrennt die kochten nun in dem brodelnden großen Küchenkessel. Die Männer, die bei dieser Arbeit beschäftigt gewesen waren, gingen zum Morgenesten in die Wohnstube. Es gab Brot, Käse und Wein, Hann wurden die Tabakspfeifen angezundet Streichhölzer gebrauchte man damals noch nicht für dieses Geschäft, jeder Mann $atte seinen Feuerstein, Mit dem Rücken des Taschenmessers oder mit einem Feuerstahl tourst« der Laraufgelegte Zunder entzündet. Der brennende Zunder verbreitete einen durchdringenden Geruch, er wurde auf den Tabak gelegt, der Deckel wurde zugeklappt, und die Wolken stiegen auf. Die kurzen Pfeifen, die man damals und auch noch viel später rauchte, waren mit Bildern, zumeist aus dem Jagdleben, geziert. Jäger, die das Gewehr über die Knie gelegt hatten oder gerade nach einem Rehbock schossen oder ihren davonsausenden Hunden Pfiffen, waren auf den Pfeifenköpfen zu sehen. Die Frauen hatten an diesen Tagen viel Ärbeit. Hin und her eilten sie, von der Küche in den Hof und wieder zurück in die Küche, bald muhte der Metzger gefragt werden, wieviel Lot Pfeffer man zur Wurst brauche, bald muh en die Mannsleute, die müßig umherstanden, angetrieben werden, Holzspiehe, mit denen man die Schwartenmagen spießen wollte, anzufertigen. Für die Kinder war der Schlachttag ein grobes Fest, dieser Tag stand ihnen noch näher als das Weihnachtsfest; denn große Geschenke gab es in jenen Zeiten in den deutschen Dörfern nicht. Die Kinder gingen der Mutter nach Möglichkeit zur Hand und sahen mit gespanntem 3n» teresse der Hantierung des Metzgers zu. Am Aachmittag wurde alle Tätigkeit in die Küche und in die Wohnstube verlegt. Am Hackklotz standen die Männer und hackten das Fleisch für die Bratwurst und die Leber für die Leberwurst klein. Leute aus der Berwandtschast halfen bei der Zerkleine> ung des Fleisches, das in die Wurst kommen sollte, dann kam der Metzger und füllte die Würste ein. Die Bratwürste wurden zum Trocknen aufgehängt, Schwartenmagen, Blut» und Leberwürste wanderten in den Kestel, um gekocht zu werden. Immer neue Scheite wurden in das Feuer geschoben. Holz genug hatte Johann Enders, eine Woche zuvor hatte er zu Oberttnefen eine Fuhre Scheitholz geholt; denn Flonheim besitzt wie die meisten rheinhessischen Gemeinden keinen Wald. Als die Würste im Kessel waren, ging man hinunter in den Keller, das Fleisch wurde zerkleinert, kam in den großen Ständer und wurde vom Metzger eingesalzen. Als Kilian die Kellertreppe wieder heraus ^am, war es dunkel geworden, er rieb sich die Hände und fag‘e: „Das wird heint eine kalte Aachi, da fallen die Spatzen vom Dach" „Es ist nur gut.“ meinte Johann Enders, „daß wir die Rüben und das Kraut daheim haben." In der Wohnstube war unterdessen der Tisch für die Metzelsuppe gedeckt worden. Die M-tzelluope ist in Rheinhessen ein Fest, zu dem man Verwandte und Freunde einlädt. In jener Zeit, in der unsere Geschichte spielt, konnte man noch häusliche Feste feiern. Die Menschen waren damals nicht gedrückt durch Krieg und Teuerung, sie waren auch noch nicht so auf Wucher und Geldgewinn aus. wie das jetzt bei einem großen Teile des deutschen Volkes der Fall ist und wie das immer ist wenn di? Zei'en arm sind. Auf dem Tische, her mi' einem weihen Tuche bedeckt war. stand die Petroleumlampe; der große Ofen, der von der Küche aus angelegt wurde, verbreitete eine angenehme Wärme, und in ewig gl-ichmähigem Taste tickte die Wanduhr. 3m Stssel, neben dem Ofen saß der Großvater, der alte Valentin Enders, er haste die Napoleonischen Feldzüge mi'gemacht. nun aber war er ..dämvsig", er litt an Asthma und konnte nicht mehr viel leisten Sv hatte et im Hause einen Dienst übernommen der den al‘en Männern oft zu» feilt, er war Kind'rmädchen geworden. Wenn die Schwiegertochter ihrer Ärbstt nachging, rutschten ihm die Enkelkinder auf den Knien herum Doch nun waren diese aus dem Gröbsten heraus, und der Großvater vertrieb sich die Zeit, indem er Holz spaltete ober im Kalender las. Aach und nach fanden sich die Gäste ein. Der erste war Konrad Jung aus Wendelsheim, der Schwager des Johann Enders. Gr war ein grohw drei‘schauriger Mann von vierzig Jahren, dem der blonde Vollbart bis tief herab auf die Brust hing. Er hatte den Kindern seiner Schwester schöne Borsdvrfer Aepfel. die er in seinem Hausgarten zog. mstgebracht. Nun hüvf en die Kinder vergnügt um ihn herum und bissen in die rotbackigen Aepfel. Zu den Freunden des Hauses gehörte der alte Lehrer Diesen« tbäler; er hatte schon den Johann Enders unterrichtet und war lä-g->r als vierzig Jahre in der Gemeinde. Sonst ging er nicht zu Mehelfnppen. er glich also nicht dem Lehrer Greavrius Schlaghart, den der hessische Pädagoge Johann Ferdinand Schlez den Jugend« erobern als abschreckendes Beispiel hinstellt. Aachdem Diesen« thäler die Anwesenden begrüßt hatte, hing er seinen Hut cktz dis Waich und setzte sich eine Stulpmühe auf; denn er hatte e'iew kahlen Kops und bekam, wenn er sich erkältete, heftige Gesichts- schmerzen. Die Hausfrau kam herein und sagte: „Jetzt können wir anfangen der Kilian, der noch einmal nach der Wurst sieht, kommt gleich herein. Aber der Schmitt-Peter fehlt noch, der wird noch das Geld zählen, das er heute eingenommen hat, ober er klebt Düten." Peter Schmitt war ein Krämer, der nebenan wohnte und mit Kaffee, Zucker, Aähgarn, Schuhwichse, Heringen, kurzum mit allem, was man im Haushalt braucht, handelte. Da er immer noch ausblieb, so wurde ein Kind zu ihm geschickt. Bald daraus kam er eilfertig herbei, begrüßte alte mit großer Lebhaftigkeit, rieb sich die Hande, als ob er noch hinter seinem Ladentische stehe und den Kunden liebenswürdige Worte sagen müsse. --- 2 0 — Sie sechs Qltärmer seht«, sich